Nov 192019
 

Liebe Lesende, wir haben nun beschlossen, dass wir uns fit für die erste Liga machen. Irgendwer muss damit ja anfangen. Vielleicht sind wir ja als Fitnessblog genauso Influencer wie beim streuen kommunistischer Ideen beim FCSP. Daher ab jetzt #pumpenfürdieersteliga.

Und auch ein bisschen Laufen, Radeln und Schwimmen. Unseren hauseigenen Triathleten hatten wir daher am Sonntag zum Quickborn-Run delegiert. Hier sein Memo:

Es ist kalt

Es ist Sonntag Morgen und das nervöse Rennpferd namens Schwesterherz klingelt. Wie immer etwas zu früh und wie immer entspannt vor einem Rennen. Ab nach Quickborn, wo wir als letzte Vorbereitung vor einem Marathon an der Space Coast am Quickborn-Run 25 km teilnehmen wollen. Die Straßen sind glatt, so dass wir vorsichtig fahren müssen, aber insgesamt geht es reibungslos nach Quickborn. Nur der Nachbar, der mit uns aus dem Haus ging und dann zu 80 % den gleichen Weg hatte, muss sich zwischendurch gefragt haben, ob wir ihn eigentlich verfolgen.

Menschen mit gelben Jacken weisen einen professionell auf einen Parkplatz ein und kurze Zeit später hat man dank sehr schneller und fröhlicher Helfer*innen seine Startnummer in der Hand. Noch kurz die üblichen Klobesuche und das große Hallo und schon geht es auf die Strecke. Die Ansagen des Rennleiters über Megaphon sind in den hinteren Reihen nicht zu verstehen, er fasst sie aber nach dem Start mit „passt auf, wir haben nur zwei mal Sanitäter an der Strecke, unter Beinbruch fahren wir euch nicht nach Hause“ zusammen. Da es aber erstmal durch den Ort geht, haben alle genügend Platz und können ihr Tempo finden.

Zusammen ist es weniger einsam

Schwesterherz und ich laufen gemeinsam, irgendwo um die 6:20 pro Kilometer. Nach ein paar Kilometern verlässt man Quickborn und läuft durch die Feldmark in Richtung Hasloh. Meistens auf asphaltierten Wegen und immer mit genügend Platz. Wobei der bei unserem Tempo auch auf einem engen Weg vorhanden gewesen wäre, es gibt nämlich nur sehr wenig Teilnehmer*innen in unserem Tempo. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass am Ende nur 266 Teilnehmer*innen das Ziel erreichen. Nur um es zu verdeutlichen: Letztendlich trennten mich und Schwesterherz im Ziel 2,5 Minuten. In dieser Zeit kamen gerade einmal zwei Frauen ins Ziel.

Norddeutschland ist nicht flach

Ich hatte mir irgendwie vorgenommen das ganze in 6:30 zu laufen und die ersten 10 KM lief das auch wirklich gut. Aber irgendwie mochten dann meine Oberschenkel nicht mehr, die irgendwie mit der Kälte nicht zu Recht kamen und fest wurden. Zwischen KM 10 und 17 schlängelt man sich parallel zur Autobahn durch das Gehölz, läuft einmal auch direkt an ihr und muss feststellen, wie langsam man im Vergleich zu einem Auto ist und wie laut so eine Autobahn ist.

Wer nebenbei glaubt, dass Schleswig-Holstein flach ist, der hat noch nicht bei solchen Läufen mitgemacht. Natürlich gibt es hier keine großen Berge oder Anstiege, aber auch hier gibt es diese eigentlich beinah nicht merklichen Anstiege aus Flußtälern, die einem richtig schön Energie aus den Beinen ziehen. Dazu die beschriebenen Oberschenkelprobleme und irgendwie wurde es unschön.

Rest alleine

So musste ich Schwester bei dem Überqueren der Autobahn ziehen lassen und die restlichen 5 Kilometer alleine bestreiten. Zum Glück erholten sich die Beine wenigstens ein bisschen und so konnte ich das Tempo zumindest ungefähr halten.

Aber irgendwie stellt man sich das am Ende einer Marathonvorbereitung lockerer vor.

Am Ende kackt die Strecke

Nun muss man in Quickborn noch mal abbiegen und über Ellerau wieder rein nach Quickborn und dieser Kilometer 23,5 bis 24,5 hat es in sich. Es geht nämlich noch mal ordentlich bergauf. Okay, die Zeit leidet etwas, aber es geht schon irgendwie.

Endspurt und am Ende steht eine 2:43:03 in den Büchern. Und damit Platz 245 von 266.

Irgendwie unzufrieden

Irgendwie hatte ich mir ja 6:30 pro KM vorgenommen und das war es am Ende dann ja auch, aber irgendwie befriedigt das alles irgendwie nicht. Ich fühlte mich absolut platt und es fühlte sich alles nicht so an, wie ich es mir zwei Wochen vor einem Marathon gewünscht hätte. Fun Fact: Ich war bisher erst einmal beim Quickborn Run. Genau vor 10 Jahren. Damals lief ich eine 2:45:55 und wurde 401 von 427 ins Ziel kommenden. Damals gab es aber auch noch keinen 10 KM Lauf bei der Veranstaltung.

Okt 152019
 

Da ich (in diesem Sinne heute mal der Senior des Blogs) am Samstag vom Testspiel genügend ausnüchtern konnte, stand einem Start beim Bramfelder Halbmarathon nix entgegen. Hier also der kurze Bericht:

Der Bramfelder Halbmarathon startet auf dem Steilshooper Sportplatz (Gropiusring, da ist dann auch die berühmte Architektur von Steilshoop zu bewundern) und umrundet dann mehr-fach den Bramfelder See. Jede*r die/der in Hamburg sich mit Läufen zur Winterzeit beschäf-tigt, kennt diese Runde über die berühmte Bramfelder Winterlaufserie. Wenn Mensch etwas benötigt, um sich bei schlimmsten Januarwetter zu motivieren, dann ist eine Meldung bei der Bramfelder Winterlaufserie Gold wert. In familiärer Atmosphäre kann man dann den Bramfelder See umrunden und trifft auf viele gleichgesinnte Menschen.

Negative Folge dieser beliebten Überlebensstrategie im Winter? Man kennt diese Runde irgendwann In- und Auswendig.

Daher war ich da lange nicht mehr gestartet. Mein Langeweilefaktor also abgeklungen und ich mal wieder für ein paar Runden um den Bramfelder See bereit. Auch war mein erster offizielle Halbmarathonwettkampf beim Bramfelder Halbmarathon. Vor genau 10 Jahren lief ich in glorreichen 2:23:58 auf den 103. Platz. Von 110 Teilnehmern. Eine gewisse Verbun-denheit mit dem Rennen ist also gegeben.

Klar, ich hatte mal wieder alle Meldetermine verschwitzt, aber zum Glück war zu preiswerten 19 Euro eine Nachmeldung vor Ort möglich. Die neben dem Platz liegende Schule ist immer noch eine riesige Baustelle, aber so langsam ist da ein Ende in Sicht.

Das ich wie immer zu früh vor Ort war, sei nur am Rande erwähnt, so wurde ein bisschen getrödelt, ein bisschen gegammelt und dann war es auch schon Zeit die wichtigste Frage zu klären: Kurz/kurz oder unten kurz, oben lang(ärmelig)? Ich entschied mich für unten kurz, oben lange Ärmel, eine Entscheidung, die ich sehr schnell bereute.

Gestartet wird auf dem Sportplatz, denn die Seerunde ist ziemlich genau 5 KM lang, so dass der Veranstalter vorher 2 1/4 Runden auf dem Sportplatz eingebaut hat, bevor man 4 Runden um den See lief. Vorteil auf einer Laufbahn zu laufen? Das federt so schön, man fängt sehr schnell an. Der Nachteil? Wenn die alt, mit Laub bedeckt und nass ist, dann ist das eine eher rutschige Angelegenheit. Ging aber alles gut und nach einem schnellen ersten Kilometer (5:33 für diesen) befand man sich auf der eigentlichen Strecke.

Und ich stellte fest, dass ich viel zu warm angezogen war. Also wurde KM zwei für einen klei-nen Striptease genutzt, zum Glück hatte ich ein Radtrikot an und darunter etwas langärmliges. Das langärmlige Shirt wurde in die Radtasche verfrachtet und weiter ging die wilde Hatz. Hat mich am Ende ungefähr eine Minute gekostet, aber nun gut.

Erste Runde und ich wusste nicht so richtig, welches Tempo ich eigentlich laufen mag und kann. Nach einigen Diskussionen mit mir selbst beschloss ich eine 6:10er Pace anzupeilen. Das lief dann auch ganz gut. Und da ich durch meinen Kleidungswechsel ganz hinten ins Feld gespült wurde, konnte ich eine-zugegeben miese- Taktik fahren, Ran saugen an einen Menschen, der vor einem läuft, kurz in dessen Windschatten ein bisschen erholen und dann an den nächsten ran saugen.

Die meisten Kilometer blieben immer knapp unter 6:10. 6:02, 6:03 findet sich am häufigsten als Kilometerzeit in den Aufzeichnungen. Das beeindruckte mich an dem samstäglichen Marathon unter 2 Stunden Projekt am Meisten, diese Präzision mit denen die Kilometer in immer genau 2:50 abspulten. Selbst mit einem Pacingfahrzeug würde ich nicht so genau laufen können. Genau vor dem Ziel befindet sich auf der Runde ein kleiner Anstieg, direkt nach dem Ziel auch und dort ist auch die Verpflegungsstelle. Folge ist, dass dieser Kilometer immer etwas langsamer war.

Nun die letzte spannende Frage: Halte ich das durch? Ich lief auf eine Teilnehmerin und einen Teilnehmer in FCSP-Trikots auf, laberte mit denen ein bisschen und überlegte gerade, ob die für mich nicht ausreichend schnell liefen. Dann packte mich aber doch der Ehrgeiz, weil eine Zeit unter 2:10 im Bereich des Möglichen lag. Ich habe mich also mit den Worten „wir sehen uns im Ziel oder gleich wenn ich eingehe“ verabschiedet und noch mal Gas gegeben.

Die letzten 4 Kilometer also nun mal nah an der Kotzgrenze. Lustig dabei ist, dass mein Puls gar nicht so doll hoch ging.

Am Ende stand eine 2:09:42 in den Büchern und damit der schnellste Halbmarathon seit sehr lange. Bei meiner letzten Teilnahme 2016 bin ich hier eine 2:19:10 (hihihi) gelaufen. Und meiner Läuferkarriere kann man die Halbmarathons unter 2:10 bisher an knapp einer Hand abzählen.

Insgesamt ein sehr schöner Testlauf und ein Hinweis darauf, dass die Laufform schon in Ordnung ist. Zur Belohnung gab es auch noch eine wirklich schöne Holzmedaille. Der Plan beim Space Coast Marathon endlich mal unter 5 Stunden auf einer Marathondistanz zu bleiben, wird jetzt also mit Schwung weiterverfolgt. Um dann wahrscheinlich am Renntag an schwülen 28 Grad zu scheitern, die mir bekanntlich so richtig liegen.

Fazit dieses Tages? Das ist nun garantiert nicht der spektakulärste, schönste oder größte Lauf in Hamburg und wer ein „Event“ sucht, der ist hier falsch. Wer jedoch in freundlicher Atmosphäre auf einer flachen Strecke seine Form testen möchte oder einfach laufen möchte, der ist hier richtig.

PS: Knutscha an Paupi, der einzige Mensch, der sich wahrscheinlich auf diese Berichte freut. 😉

Sep 192019
 

Es war mal wieder Zeit für die Challenge Almere. Mein Lieblingsrennen. Warum auch immer. Vielleicht weil gut 50% der Radstrecke auf einem Deich sind? Weil ich als Kind immer in der Nähe Urlaub gemacht habe? Keine Ahnung, aber ich freute mich ein Jahr lang, dass dieser Wettkampf wieder mein A-Wettkampf war.

Schnell fanden sich noch zwei Begleiter*innen, die beide das erste Mal eine Mitteldistanz angehen wollten. In Naarden Vesting eine kleine Ferienwohnung gebucht und schon konnte die Show starten.

Die Anreise und das Testschwimmen

Anreise? Ohne wirkliche Ereignisse. Holländer*innen fahren auf ihren Autobahnen eigentlich ganz gechillt, aber das Wort „Sicherheitsabstand“ scheint im Flämischen keine Entsprechung zu haben. Teilweise zogen Verkehrsteilnehmerinnen doch sehr eng wieder auf die eigene Spur.

Wir wollten abends noch zum Testschwimmen und ich war erstaunt, wie viele Leute das auch taten. Als ich hier vor vier Jahren startete und das Schwimmen testete waren es vielleicht 5 Leute; diesmal gut 200. „Ihr könnt eine oder auch zwei Runden schwimmen“ oder ihr könnt wie ich kurz mal 100 Meter raus schwimmen, feststellen, dass die Wasserpflanzen noch leben, dass Wasser kalt und nass ist und Schwimmen nicht mehr meine Disziplin wird. Reicht. Aber einige schwimmen das an, als ob es der Wettkampf wäre. Jeder Triathlet ist anders. (Und hier kann man sich Gendern echt sparen).

Unsere Unterkunft hatte einen Herd und einen Albert Heijn um die Ecke. Perfekt für Essen kochen. Unsere Vertreterin zauberte eine Nudelsauce die alle satt und zufrieden machte. Zeit ins Bett zu gehen. Was ein Abenteuer war. Denn die Unterkunft hatte drei Ebenen die durch steilste Treppen erreichbar waren. Die Nutzung auf rutschigen Socken haben wir uns dann gleich mal verboten.

Warm up und Wettkampfbesprechung

Am nächsten Morgen dann die üblichen 10 km Rad gekoppelt mit 2 km Laufen. Das Radfahren als Slalom durch Naarden. Als Slalomstangen wurden dabei u.a. ganz viele Hollandräderfahrer*innen genutzt. Sowieso: Hollandräder sind Liebe.

Der anschließende lockere(!) Lauf lies meine Laufuhr verkünden, dass ich so eben die schnellste Meile gelaufen sei, seitdem ich die Uhr habe. Nehmen wir das mal als gutes Zeichen für die Form.

Ab zu den Formalien. Die Wettkampfbesprechung erbrachte nicht viel Neues. Immerhin hörte der in Roth gewonnene Glücksbär aufmerksam zu. Foto klappt gerade nicht.

Die Wechselzone hat sich geändert und ist nun nicht nur größer, sondern nutzt leider nicht mehr die Fahrradgarage des örtlichen Einkaufszentrums. Schade. Das war irgendwie immer lustig. Der Ersatz in Form eines riesigen Zelts war aber okay. Die Wege zwar länger als früher, aber noch okay.
Beim Check-in der Räder haben wir auch noch mal die Wege sehr aufmerksam studiert. Ganz pannenfrei ging es dann im Wettkampf trotzdem nicht. Schwamm drüber.
Was in der Wettkampfbesprechung nicht erwähnt wurde: die Existenz von Trashzones. Was die Folge war: Müll ohne Ende verteilt über die Strecke. Das ist echt doof. Gerade weil genug auch in das Naturschutzgebiet geweht wird. Leute passt doch auf eure Umwelt auf. In den Regeln war das Thema Trashzone klar benannt.
Die Pastaparty ist in Almere von Auswahl und Qualität echt okay. Das Leute am Tag vor dem Wettkampf Lachs essen zeigt von einem gewissen Gottvertrauen.
Unsere Chefsupporterin haben wir noch eingesammelt und dann war auch Schlafenszeit.

Guten Morgen Triathlon

Und schon war Wettkampftag. Trocken, Wind von Südosten, Sonne. Für Almere eher ungewöhnlich. Insbesondere der fehlende starke Westwind, der sonst dieses Rennen sehr prägen kann. Letzte Checks am Rad, einer Britin noch die Pumpe geliehen, nachdem ihr Schlauch die Nacht nicht überstanden hatte, die üblichen Dixiebesuche und schon war es Zeit sich in die Reihe zu stellen.

Ins Wasser!


Rolling Starts sind ein Segen. Klar verhindern sie die spektakulären Bilder eines Massenstarts, aber so hat jede*r Platz, nie kommt von hinten jemand angeflogen, man kann schnell sein Tempo finden. Nachteil an dieser Startmethode ist nur, dass man am Land startet und so wortwörtlich ins kalte Wasser springen muss.

Meine ersten Züge fielen entsprechend kurz und atemlos aus. Dann war aber schnell ein halbwegs vernünftiger Rhythmus drin. Für die erste Zeit einen Fuß gefunden, dem ich hinter her schwimmen konnte, so dass auch die Orientierung kein Problem war. Bis zur ersten Wende bin ich so geschwommen. Dann wurde mir die Besitzerin des Fußes zu langsam und ich wollte überholen. Was ich dabei übersah: Vorneweg kein neuer Fuß in erreichbarer Nähe und es ging gegen die Sonne. Die Orientierung ging also flöten und ich schwamm einen ordentlichen Bogen, der so nicht geplant war. Bojen sah ich eine ganze Zeit gar nicht, nur ein paar andere Teilnehmer in meiner Nähe versicherten mir, dass ich grob richtig war. Erst als ich einen Paddler nach der Richtung fragte und dann über die Sonne zu peilen begann wurde es besser.

Nächste Wende und nun lief es ein langes Stück wirklich gut. Viele Freistilzüge, wenig Brust, gut in der Linie. Letzte Wende und ab an Land! So zumindest der Plan und auch hier war das mit dem geradeaus schwimmen noch mal etwa schwierig und noch ein paar unnötige Meter kamen noch hinzu.

52:48 stand am Ende in den Ergebnislisten. Das war schon mal ein sehr guter Anfang. Alles unter 55 Minuten hätte ich sofort gekauft und eine 52 bin ich innerhalb eines Triathlons noch nie geschwommen. Auf zum Rad

Rollen auf dem Deich

Ich bin kein Wechselprofi, lass mir lieber ein paar Sekunden zu viel Zeit und hab dementsprechend 8 Minuten gebraucht, bis ich die auch lange Wechselzone durchlaufen habe.

Der Radkurs beginnt mit einem geschlängelten Fahrradweg, der einen zum Deich bringt. Da gilt es erstmal ein bisschen in Stimmung zu kommen und Gefühl für das Rad aufzubauen. Also erstmal ein bisschen in Ruhe. Klar einige knallen hier schon an einem vorbei, als ob es kein Morgen gibt, aber viele davon holt man auch wieder ein. Schönen Gruß an dieser Stelle an einen der Mitreisenden.

Meine Priorität war erstmal essen, trinken, warm werden. Als es dann auf den Deich ging, war ich im Radfahren drin und konnte nun Tempo machen. Bei normalen Windverhältnissen hat man bei diesem Rennen zwischen 10 und 40 Rückenwind und muss dann gucken, wie man den Rest überlebt. Diesmal war der Wind gar kein Faktor, so dass man sein eigenes Tempo ertreten und auch finden musste. Ich persönlich wurde mir auf dem langen Deich irgendwann zu langsam und zu gemütlich, so dass ich beschloss mir vorzunehmen, nie unter 28,4 zu fallen. Vollkommen willkürlich gesuchte Zahl, aber das war für mich ein Tempo, was etwas schneller als gemütlich war, aber sich auch nicht nach zerstören anfühlte.

Ich holte immer mehr Teilnehmer*innen ein. Auffällig viele britische Triathletinnen überholte ich. Irgendwann stellte ich in meinem Kopf die These auf, dass britische Triathletinnen alle unfassbar gute Schwimmerinnen, aber unfassbar schlechte Radfahrerinnen seien. Kann man so wahrscheinlich nicht generalisieren.

Was macht man sonst so auf einem Deich, der eigentlich nur geradeaus geht, dessen Ende mit einem Fernsehturm gekennzeichnet ist, der gefühlt nicht näher kommt und der wenig Abwechselung bietet? Man guckt sich die zahlreichen Vögel an, man freut sich über die Segelschiffe, die bei bestem Wetter und klarer Sicht auf dem IJsselmeer (das große J ist laut Wikipedia richtig) unterwegs waren. Auch die beiden historischen Bromfiets (die schöne holländische Bezeichnung eines Mopeds), die auf dem Radweg neben dem Deich rum knatterten sorgten für schöne Abwechselung.

Nach 40 Kilometern ändert sich der Charakter des Rennens, denn nun geht es über die Insel, durch einen Naturpark und teilweise auch über sehr schmale Radwege zurück. Stimmung machendes Publikum gibt es nur vereinzelt, dieses ist dann aber umso enthusiastischer, dafür gibt es Natur in ausreichender Menge.

Einige Stellen waren sehr eng und Überholvorgänge deswegen nicht immer mit wirklichem Abstand möglich. Aber die meisten Teilnehmer*innen lösten das entspannt, mit Warnrufen und Dankesworten. Das war gut.

Die Strecke ist zu 99% gesperrt, nur landwirtschaftlicher örtlicher Verkehr ist zugelassen. Natürlich auch, weil man Bauern an einem sonnigen Samstag im September nicht von ihren Feldern abklemmen kann. Leider gab es wieder den einen LKW-Fahrer, der meinte, dass ihn das alles nicht zu interessieren hat und der auf einer klitzeschmalen Straße nicht einen Millimeter Platz geben wollte. Das war noch mal so ein Adrenalinausstoß, den ich nicht unbedingt hätte haben müssen. Alle anderen Trecker-, PKW- oder LKW-Fahrer*innen verhielten sich absolut vorbildlich, schufen Platz und beeinträchtigten zumindest mein Rennen gar nicht.

Das Ende der Radstrecke näherte sich. Meine Idee von einem 28er Schnitt hielt ich gut durch. Die Beine fühlten sich noch relativ locker an. Und nun? Ich beschloss, dass ich den Halbmarathon doch relativ schnell angehen wollte. Sieg oder Spielabbruch.

Rennen um den See

Zweiter Wechsel verlief wieder ruhig, geordnet und in etwas über 5 Minuten. Das ist für mich okay.

Raus aus dem Zelt und rein in das Getümmel. Die Laufrunde ist 7 KM lang und dreimal zu umrunden. Sie ist nicht gerade schön, aber gut zu laufen und bietet an den meisten Stellen auch ganz viel Platz für unterschiedliche Geschwindigkeiten. Es findet sich relativ viel Publikum ein, so dass man auch immer aufmunternde Worte zugeworfen bekommt.

Highlight dabei sind immer die Gruppe mit den blauen Perücken, die ungefähr bei der Hälfte ein Stimmungszentrum aufbauen. Wenn nicht deren Vorliebe für Kirmestechno wäre. Oh man, einige Runden war die Musik echt mies. [Anmerkung des Kollektivs: Diese unverschämte Aussage gibt selbstverständlich nicht die Meinung aller wider. <3] Irgendwie witzig auch der Typ von irgendeinem deutschen Triathlonverein (ich hab nicht richtig gelesen, welcher), der alle auf Deutsch anfeuerte und von allen Highfives einforderte. Ich fand den lustig.

Am Ende der Runde dann noch ein Triathlonveranstalter, der irgendwelche bekannten Metalsongs spielte. Das spülte dann immer kurzfristig das Ohr durch bevor man wieder in den Zielbereich lief, wo es Stimmungshits und Kirmestechno auf die Ohren gab.

Erste Runde? 44:24. Ähm, das wäre ein 2:18 Halbmarathon geworden. Gut, dann versuchen wir das halt. Rückblickend war das vielleicht ein klitzekleines bisschen zu schnell angegangen, aber nun ja.

Zweite Runde, der T. überholte mich, lief kurz mit mir, dann trennten uns unsere Tempi. Er vorneweg, ich hinterher. Der Typ ist einfach eine Laufmaschine.

Verpflegung? Cola, Wasser, Schwamm. Nicht immer austrinken, sondern auch viel Wasser in den Nacken und auf die Beine. Dazu alle 6 KM ein Gel. Ging gut rein und mein Magen mochte das eigentlich alles.

In der zweiten Runde eine Schiffsglocke am letzten Verpflegungsstand entdeckt, die man auf seiner letzten Runde bimmeln sollte. Das darfst du nicht vergessen. Hab ich dann auch nicht.

Ich wurde nun langsamer, aber Gehpausen musste ich nicht einlegen. Bei den Getränkeständen ja, denn da will ich auch nicht in Hektik verfallen, lieber ruhig, aber sonst konnte ich eigentlich bis zum Ende mit zwei kurzen Ausnahmen durchlaufen.

48:12 für die zweite Runde. Ich war also doch deutlich langsamer. Da war aber auch ein Pinkelstop drin, der so eine Minute gekostet hatte. Aber alles immer noch in einem guten Tempo.

So Mitte der letzten Runde wollte mein Magen dann doch nicht mehr. So langsam stand mir das Wasser und alles andere vor dem Magen. Auch die Beine waren nun platt und die letzten Kilometer wurden langsamer. Nun entschied halt der Wille. Häufig genug platze ich in diesen Momenten vollständig und gehe einfach nur ins Ziel. Diesmal nicht. Einmal war die ganze Zeit noch eine Bestzeit drin und ich fühlte mich auch so, dass zumindest locker zu Ende laufen echt drin war.

Das hat dann auch gut geklappt. In knapp unter 53 Minuten beendete ich die letzte Runde und schloss den Halbmarathon in 2:25:29 ab. Funfact dazu: Ich war in 2019 noch nicht so schnell auf einem Halbmarathon. Selbst wenn ich ihn alleine ohne vorheriges Radfahren gelaufen war.

Ab ins Ziel! Jubeln, klatschen und mit 6:49:21 ins Ziel laufen. Bestzeit auf der Halbdistanz mal eben um 9 Minuten verbessert. 1226. von 1356 ins Ziel kommenden Triathlet*innen, 1002. von 1045 Männern und der 186. Platz von 195 in meiner Altersklasse. Das ich mal 9 Triathleten meiner Altersklasse hinter mir lasse, passiert mir sonst auch nicht. Ich bin sonst eigentlich immer Letzter oder Vorletzter.

Zwischen Schwimmende und Ziel habe ich mich um über 50 Positionen im Feld verbessert. Wir müssen also nicht analysieren, wo meine Schwäche liegt.

Danach

In der Zielverpflegung einen großen Schluck Wasser genommen und den fand mein Magen dann irgendwie nicht gut. Mir wurde richtig gut schlecht und es half nix, es half nur einmal über das Waschbecken hängen. Danke an die beiden Jungs, die fragten, ob ich einen Arzt brauchte, brauchte ich aber nicht. Als der Kram raus war, war alles wieder gut.

Hab ich so auch noch nicht gehabt, dass auf der Strecke der Magen eigentlich die ganze Zeit halbwegs okay ist und dann im Ziel keinen Bock mehr hat. Wahrscheinlich ein bisschen hastig getrunken im Ziel.

Am Abend war das auch alles wieder okay und die Pizza war lecker.

Almere ist eine Reise wert. Das Rennen ist gut organisiert, die Helfer toll, das Publikum nicht viele, aber sehr engagiert. Der Kurs ist halt flach, flach, flach, aber dafür mit viel Natur. Ich mag dieses Rennen. Und spätestens 2021 steh ich da wieder am Start.

Die Analyse

Bestzeit um 9 Minuten verbessern? Das spricht erstmal dafür, dass das Training und der Plan gegriffen hat. Da lässt sich drauf aufbauen. Schwimmen wird nicht mehr meine Stärke, da bin ich auch so ehrlich, dass mir ein „mehr trainieren“ einfach zu wenig Bock bringen würde. Schwimmbäder nerven, sind in HH und Umgebung sowieso rar und wenn dann sind sie voll. Ne danke. Da muss das reichen, was ich machen kann.

Auf dem Rad will ich nächstes Jahr mal versuchen ein bisschen schneller zu werden. Ich hab da so meine Grundbelastung, die ich auch im Notfall 180 km durchtrete, aber über die rüber zu gehen fällt mir immer noch schwer.

Und Laufen? Ja das probieren wir jetzt noch mal aus. Ein kleiner Marathon wartet noch.

Sep 042019
 




Der Sonntag war dann bei unserem Haustriathleten dem aktiven Sport gewidmet und er startete in Norderstedt über die Olympische Distanz.

Wie es lief? Lest ihr jetzt!

Vorneweg



Die Veranstalter dieses Triathlons wiesen schon vor der Veranstaltung darauf hin, dass sie Müll und insbesondere Plastikmüll vermeiden wollten und deswegen u.a. keine Verpflegung auf dem Rad anbieten würden und auf der Laufstrecke die Möglichkeit bestünde einen Becher oder andere Gefäße befüllt zu bekommen. Auch auf eine Veranstaltungsbadekappe wurde verzichtet, es bestand die Möglichkeit seine eigene mitzubringen. Auch das Finishershirt sei ohne Plastikverpackung.

Das ist erstmal alles richtig cool. Veranstalter, die sich ernsthafte Gedanken über ihre Ökobilanz machen und die soweit wie möglich Einwegplastik vermeiden gibt es immer noch viel zu wenige. Der Ansatz hier ist erstmal sehr zu loben. Das es dann auf der Laufstrecke nicht wirklich mit dem Befüllen der Becher funktionierte, weil kein Helfer nur dafür abgestellt war und dies damit nicht offensiv angeboten wurde, ist ein kleines Detail, was man noch verbessern kann und muss. In der Hektik des Wettkampfes und dem Versuch Sekunden zu sparen wird kein Teilnehmer bei den Helfern nach einer solchen Möglichkeit nachfragen. Entweder sie wird offensiv angeboten oder sie bleibt unbenutzt.

Das ganze findet am Arriba Strandbad im Norderstedter Volkspark statt. Alle Helfer sind unglaublich freundlich und engagiert, Fragen wurden immer freundlich beantwortet und auch für Sprüche blieb noch Zeit. Die ganze Organisation wirkt durchdacht und eingespielt. Das genügt alles allerhöchsten Ansprüchen.

Durch die Nutzung des Strandbades findet man auch immer und überall ein Klo, was ja traditionell mein Thema ist.

Check In und Wettkampfbesprechung

Das Check In war problemlos machbar und die Wechselzone auf einer Wiese unter Bäumen ist zwar ein bisschen unübersichtlich, aber man bekam seine Sachen gut verstaut und ich zumindest fand später im Wettkampf auch gut eine Wege.

Der ganze Wettkampf ist ein Brummkreisel-Wettkampf. Sprich: Runden, Runden, Runden. Zwei beim Schwimmen, vier beim Radfahren, vier beim Laufen. Das ist nun nicht wirklich meine Lieblingsbeschäftigung, aber bei einer „Dorfveranstaltung“ nix ungewöhnliches.

Auf der Radstrecke wurde es einer Länge von 10 KM relativ eng, aber wenn man denn wollte, war ein regelkonformes Fahren ohne weiteres noch möglich. Es ist aber wie immer: Einige wollen einfach nicht. In den meisten Fällen ist das schlichtweg Betrug an einem Selbst und das muss jeder mit sich und seinem Gewissen aus machen. Wenn aber bei dem Ligawettkampf einen zwei oder drei Teilnehmer des gleichen Vereins überholen und das als Mannschaftszeitfahren konzipieren, dann wünscht man sich doch, dass mal ein Kampfrichter plötzlich auftaucht.

Und los geht es mit dem Schwimmen

Ich fühlte mich nicht wirklich fit und der Tag vorher hatte nun auch nicht gerade den besten Vorbereitungscharakter. Aber hilft ja nix, rein ins Wasser, was brühwarm war, so dass ein Neo nicht erlaubt war.

Das ganze war ein Wasserstart mit Startwellen und ich ordnete mich ganz hinten ein, denn ich bin sowieso einer der langsamsten und brauch das Geprügel beim Schwimmen nun echt nicht. Klar verschenk ich damit so ca. 30 bis 40 Sekunden, aber dann ist das halt so.

Schnell war ich relativ alleine und es dauerte doch sehr lange bis ich meinen Rhythmus beim Schwimmen fand. Gefühlt bin ich aber relativ gerade geschwommen und ein Teilnehmer war auch immer hinter mir.

Die Mädels und Jungs auf den Stand-Up Brettern der DLRG machten Faxen, aber die sicherten den Wettkampf auch schon ein paar Stunden, da ist Spaß erlaubt und als Schwimmer kann man einfach mal mitlächeln. Auch wenn es mich einmal aus dem Konzept gebracht hat.

Erste Runde mit 22 Minuten und ein bisschen absolviert und die zweite Runde lief eigentlich besser, ich hatte so etwas wie ein Gefühl für das Wasser entwickelt und hoffte schneller zu werden. Die Zeit im Ziel behauptete mit 46:29 etwas anderes. Bereits vor dem Start hatten sich Teilnehmer darüber unterhalten, dass die Strecke immer etwas länger sei, als die erforderlichen 1500 Meter und das Gefühl würde ich beinah unterschreiben wollen. Sonst war ich sehr langsam beim Schwimmen.

Aber ich war der Dritte von hinten, womit schon ein Ziel bei jedem Triathlonstart erreicht war. Ich war nicht Letzter nach dem Schwimmen. Beim Wechseln noch mit einem Kampfrichter drüber gewitzelt, der meinte, ich müsse mal mein Schwimmen verbessern, wenn ich Weltmeister werden wolle. Mit einem Lächeln. Ich meinte nur, dass dies auch nix mehr nützen würde, auch wenn ich nun das Feld von hinten aufrollen werde.



Wechel aufs Rad



Die relativ lange Wechselzone in 5:15 durchschritten, was für mich gut ist. Es lief auch alles reibungslos und ohne große Fehler. Da bekomme ich endlich eine gewisse Routine rein.

Los geht die wilde Hatz. Erstmal eine kleine Stichstraße längs und dann vier mal die Schleswig-Holstein Straße rauf und wieder runter. Spannend ist das nicht. Aber dafür hat man besten Asphalt und eine gerade Strecke, die man schön vorne auf dem Auflieger fahren kann.

Nach drei Kilometern schoß mir die Frage durch den Kopf, welches Tempo ich eigentlich anschlagen wollte. Ich beschloss für mich erstmal, dass 28,5 km/h als Schnitt ganz nett sei. Stellte dann aber auf der zweiten Runde fest, dass ich bisher einen Schnitt von über 29 km/h fuhr ohne mich wirklich anzustrengen.

Es waren zwei 180 Grad Wenden zu durchfahren und hier mal ein Lob an alle Teilnehmer, denn es wurde sehr vorsichtig und diszipliniert gebremst und gewendet. Das hab ich beim Hamburger ITU Triathlon und seiner Wende in Teufelsbrück schon ganz anders erlebt. Da wollten dann irgendwelche Helden genau dort noch vier überholen und begannen irgendwelche halsbrecherischen Manöver. Hier nicht, auch wenn der Ziehharmonika Effekt jedem Teilnehmer wohl ein paar Sekunden gekostet hat.

Dritte Runde, ich pendel mich knapp unter 30 km/h die Stunde ein und werde eher schneller als langsamer. Nun gut, dann ab jetzt halt „Sieg oder Spielabbruch“, nun wird dieses Tempo gehalten und der Lauf auch hart angegangen und entweder es reicht hinten raus oder ich kipp aus den Latschen.

Runter von der Pendelstrecke, noch mal eine Stichstraße durch und nach gemessenen 41 KM und 1:22:03 (also gut ein 30 km/h Schnitt) steht das Rad wieder in der Wechselzone.

Das ging mal richtig gut.

Laufen


Wechsel in 2:42, lief wieder sehr gut und ab zum Laufen. Auf einer 2,5 km Runde. Dann nehme ich mir doch mal vor, die jede Runde in 15 Minuten zu laufen, was ungefähr einer 6er Pace entspricht und für mich schnell wäre.

Die Beine fühlen sich locker an, der Körper ist nicht zu müde, also Energie und ab. Die Runde hat innen immer einen Betonweg, außen Sand. Ich laufe meistens auf dem Sand, um Leute vorbei zu lassen. Das kostet ein bisschen mehr Kraft, aber wie schon oben erwähnt, da ist parallel ein Ligawettkampf auf der Strecke und da entscheiden am Ende Sekunden. Bei mir nicht.

Die Strecke ist trotzdem gut zu laufen, sie hat nur vier Anstiege drin und ich hasse Anstiege. Nein. ICH HASSE ANSTIEGE. Aber heute ist „keine Gnade für die Wade“ Tag und ich ballere die erste Runde da rum. Ha, trotz kurzem Dixie Stop klappt das gut mit den 15 Minuten.

Zweite Runde ebenso, am Ende der Runde noch mal Gele reingepfiffen.

Nun werden die Beine schwerer, aber insgesamt geht es noch gut. Zu Beginn der Runde gibt es eine kleine Wendestrecke. Am Ausgang steht ein unermüdlicher Helfer, der jeden Teilnehmer jedes Mal fröhlich mit abgelesenen Namen anfeuert. Beim letzten Durchlauf bedanke ich mich und wir wünschen uns noch ein schönes Wochenende. Ganz ehrlich: So etwas ist toll.

Endspurt. Mein Puls geht nun an den Anschlag, aber da sind noch Reserven drin, also ballern wir den letzten KM durch.

Am Ende steht eine 59:05, wobei die Strecke wohl nicht ganz 10 KM waren. Egal. Klasse Zeit insgesamt. 3:15:35. Schneller war ich nur vor 5 Jahren mal in Ingolstadt mit einer 3:12:45, aber da habe ich den leisen Verdacht, dass die Strecken nicht wirklich gleich lang sind und ich war auch noch fünf Jahre jünger. (Bericht aus meinem damaligen Sportblog)

Fazit



Da geh ich noch mal hin, die Veranstaltung ist vor meiner Haustür und macht Spaß. Im Hinblick auf Almere kann man nur sagen, dass die Form stimmt. Mal sehen, was in zwei Wochen passiert.

Aug 062019
 

Die Rostocker Marathonnacht ist bei mir immer ein fester Termin im Laufkalender, wenn es denn dieses andere Hobby namens „Fußball“ zulässt. Und trotz der gerade stattfindenden Triathlonvorbereitung (Hallo Almere), musste dafür Platz sein, als wir ein Freitagsspiel terminiert bekamen.

Hab ich nebenbei schon erwähnt, dass ich deswegen auch halbwegs glücklich mit der Derbyansetzung bin? 😀 Okay, sie ist und bleibt Mist, aber in mein Einzelschicksal passte sie. (Anmerkung der Lektion: 🤬)

Mit dem Schwesterherz ging es also nach Rostock. Über die Berlin-Autobahn, denn A 1 und Ferien ist nie eine gute Kombination. Über das Kreuz Schwerin hat man letztendlich zwar ein paar Kilometer mehr, aber immerhin rollt es durchgängig.

In Rostock angekommen erstmal die Startnummern abgeholt, was schnell und problemlos ging. Die sortieren ihre Starter*innen immer alphabetisch, so dass Schwester und ich direkt nebeneinander lagen.

Schlendern durch die warme und volle Rostocker Innenstadt, Essen suchen (leckerer Italiener war es letztendlich) und ein Eisessen verkürzten dann die Wartezeit auf das Schiff.

Ihr habt richtig gelesen. Bei der Rostocker Marathonnacht wird man mit dem Schiff zum Halbmarathonstart gefahren, was die anderen angebotenen Strecken sofort unattraktiver macht. Denn was gibt es schöneres als eine kleine Bootsfahrt am späten Nachmittag?

Unattraktiv erscheint mir auch die neue Form der Staffel. Liefen die Teilnehmer*innen früher auf der Marathonstrecke, so müssen sie nun 13 Runden durch die Innenstadt drehen. Das kann keinen Spaß machen. Aber immerhin 28 Staffeln taten sich das letztendlich an.

Nach der Bootsfahrt wartet das Dixie und dann das noch längere Warten auf den Start. Ich hatte mich für einen Triathloneinteiler entschieden, was sich später noch als Herausforderung entpuppte. Aber bei aller Liebe: So richtig traue ich mich nicht in einer Stadt, die flächendeckend mit Hansa Aufklebern gepflastert ist in unseren Vereinsfarben zu laufen. Man muss in der Dämmerung immer nur auf einen Dummkopf treffen und das muss nicht sein.

Die ersten Marathonläufer*innen liefen durch und dann war es auch schon Zeit für uns sich in die Startaufstellung einzureihen.

Mein Ziel war es das ganze als Trainingslauf zu sehen und die 21 KM in einem halbwegs gleichmäßigen Tempo durchzulaufen. Dementsprechend etwas weiter hinten eingeordnet, was das nervöse Rennpferd namens Schwesterherz schon etwas hibbelig machte. Letztendlich war die Einordnung aber gut, wir liefen in einer Gruppe, die grob unser Tempo hatte. Schwester wie üblich etwas schneller, ich etwas langsamer.

Die ersten Kilometer bei der Marathonnacht sind immer etwas unrund. Läuft man doch sofort in den Warnowtunnel und damit bergab, dann direkt wieder bergauf, dann mal ein paar KM flach im ehemaligen IGA Gelände und dann noch mal durch den Warnowtunnel.

Kilometer 1 daher in unter 6 Minuten, dann pendelte ich mich irgendwo zwischen 6:30 und 6:45 für den Kilometer ein. Ich werde nicht mehr jemand, der Kilometer wirklich auf den Punkt gleichmäßig laufen kann. Im IGA Gelände war ob des guten Wetters natürlich noch Krawall und Remmidemmi und Schlagerparty.

Bei einem Klo dann der erste Versuch im Rennen aus einem Triathloneinteiler rein und wieder raus zu kommen. Und wie soll ich sagen? Das kann ich noch verbessern. Ich weiß, warum ich sonst Zweiteiler trage.

Nach dem Warnowtunnel dann das beliebte „runter zur Warnow, weg von der Warnow“ Spiel der Strecke. Am Straßenrand richtig viele anfeuernde Zuschauer*innen und ein wundervoller Sonnenuntergang mit einem wunderschönen Blick auf Rostock. Das macht diesen Lauf so besonders und ist echt jedes Mal ein Erlebnis. Der Veranstalter hat auch noch Lichteffekte an einigen Stellen, was das ganze noch stimmungsvoller macht.

Wenn denn gutes Wetter ist. Wir hatten da auch schon mal einen Gewitterlauf inklusive kleiner Schwimmeinlage.

Ich hab ja eine Brille auf der Nase und dementsprechend auch eine Laufbrille mit Stärke. Ohne seh ich echt nur noch bedingt etwas und so laufe ich auch hier mit meiner Laufbrille. Die aber getönt ist. Sieht immer etwas komisch aus, wenn man so lange wie möglich mit einer Sonnenbrille läuft, obwohl es eigentlich schon ziemlich dunkel ist. Aber muss halt sein.

Die Kilometer wurden nun etwas langsamer, es stand auch mal die 7 als Minutenzahl da. Aber insgesamt lief das alles noch gut und flüssig. Hätte nicht irgendwann die – zum Laufen auch eigentlich nicht passende Mischung – von Eis, Nudeln und Weizenbier beschlossen, dass sie doch nun gerne mal kurz ein Dixie besuchen möchte. Schnell eins finden? Kein Problem! Ist es noch sauber? Jo super! Triathlonanzu danach im Dunklen wieder anziehen, ohne den vollkommen zu verdrehen? Nun ja, das klappte nicht, kostete doch ordentlich Zeit und machte am Ende eine bessere Zeit zunichte.

Was in Rostock auch immer schlecht ist: Einen Endspurt einplanen. Denn kurz hinter Kilometer 20 wartet der Anstieg vom Stadthafen zum Neuen Markt, an dem sich das Ziel befindet. Leider ist davor und danach auch jeweils noch ein Stück an der befahrenen Straße eingeplant, was echt das Lowlight der Strecke ist. Es fällt einem insbesondere auch deswegen auf, weil der Rest der Strecke so ansehnlich ist. Aber nun gut, irgendwie muss man ja von A nach B in 21 Kilometern kommen.

Schwesterherz beschrieb meinen Anstieg später am Auto als „teildynamisch“, was nicht nur unsere Parkplatznachbar*innen zum lachen brachte, sondern nun auch die Überschrift bildet.

Der Anstieg kostete mich auch noch mal eine Minute und dann war die Kraft auch zu Ende. Letztendlich stand eine 2:28:20 Netto in der Ergebnisliste, was verglichen mit der letzten Teilnahme 2017 und der damals gelaufenen 2:42:27 doch eine deutliche Steigerung ist. Und auch damals peilte ich am Ende Almere an. Von der hier schon gelaufenen 2:17 (2016) und 2:09 (2011) bin ich dann doch weit entfernt. Da war ich aber auch noch deutlich jünger. Oder so.

Eine nächtliche Autofahrt später war dann auch dieses Erlebnis wieder zu Ende.

Jul 102019
 

Vorgeschichte

Roth ist in der Triathlonwelt ein Mythos. Knapp hinter Hawaii wohl der Ort, der die Triathlonwelt am meisten elektrisiert. 87 verschiedene Nationen sind unter den ca. 6.000 Teilnehmenden (Staffeln und Einzelstarter). Da wir alle keine Volldistanzler*innen sind, entschlossen wir uns im Juli 2018, auf die schwierige Jagd nach einem Staffelplatz zu gehen. Wir hatten Glück, wir hatten das nötige Klein- und Großgeld (dazu später mehr) und damit waren wir angemeldet.

Leider fiel dann unsere planmäßige Schwimmerin verletzt aus. Das war doof. Wir hätten Dich gerne mitgenommen. Aber es hatte nicht solllen sein und wir fanden glücklicherweise schnell und problemlos in M. einen tollen Schwimmer und ein tolles Teammitglied.

Und so trainierten wir, der Tag rückte näher und die Aufregung stieg.

Vor dem Rennen

Wir hatten unsere fränkische Heimat gebucht und vorweg schon mal vielen Dank an die besten Menschen, die Franken zu bieten hat. Drei nervöse Triathleten plus Anhang und Teddys zu beherbergen benötigen viel Nerven. Danke, ihr wart wundervoll.

Freitag checkten die @sielaeuftde und ich die Messe. Da gibt es alles, was man braucht und was man nicht braucht. Natürlich zu tollen Messepreisen und trotzdem sauteuer. Wer da kein Geld ausgibt, der hat meinen höchsten Respekt für Selbstdisziplin. Ich hab diese Selbstdiszplin nicht und nenne nun einen neuen Helm und einen neuen Triathloneinteiler mein Eigen. Und nutzloses Merch wurde natürlich auch gekauft.

Wir hatten ja gedacht, dass man mit allen Staffelteilnehmern zur Anmeldung muss, aber weit gefehlt, muss man gar nicht. Wir sind daher erst Samstag gemeinsam hin gegangen. Ging aber schnell und unproblematisch. Hier begann ein Thema, was sich durch den ganzen Wettkampf zog. Die Helfer*innen in Roth sind absolut einzigartig. So etwas von freundlich, schnell und kompetent, egal an welcher Stelle man ihnen begegnet. Die Veranstalter*innen kleben Dankesplakate auf Werbeflächen, danken denen per Video und Social Media und das absolut zu Recht. Auch in der zweiten Runde der Radstrecke bekam man als langsamer Teilnehmender noch die gleiche Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie der schnellste Teilnehmer, der hier schon 5 Stunden vorher durchgefahren war.

Rad Check-In genau das gleiche Bild, vorbildlich organisiert. Ein Parkplatz auf dem man eingewiesen wird, also nicht das „jeder fährt irgendwo hin und alles suchen den perfekten Parkplatz“ Chaos, das sonst in Deutschland üblich ist. Mit einem Einbahnstraßensystem und einer großzügigen Ableitung auf eine andere Straße, kein Stau, kein Chaos und wenn doch mal jemand nicht nach den Regeln spielen wollte, dann wurde er von einem Feuerwehrmann/ einer Feuerwehrfrau böse angeguckt. Die örtliche Feuerwehr regelte das nämlich.

Wettkampfrichter*innen sind das wichtigste im Sport. Undankbarer Job und niemand mag dich wirklich. Sie haben aber auch immer ihre eigenen Ideen. Beim Rad Check-In wurde bei anderen Wettkämpfen schon intensiv die Bremse geprüft, das TÜV Siegel des Helms kontrolliert oder der Lenker bemängelt. Aber dass die Teiler der Helmgurte direkt unter die Ohren gehören, hat mir bisher niemand gesagt. Okay, er war freundlich, konnte das logisch begründen und dann macht man das halt auch gerne.

Ich hab mal gelernt, dass man bei einem Rad in der Wechselzone etwas Luft aus den Reifen lassen soll. Zu groß ist die Gefahr, dass die Reifen in der Sonne warm werden und platzen. So mache ich das, so machen die meisten Triathleten das. Andere nehmen ihr Rad aus dem kühlen Auto und pumpen die Reifen noch mal extra stramm, bevor sie es in die Wechselzone stellen. Ich hoffe, dass das nicht zu einem platten Reifen geführt hat.

Wettkampfbesprechungen erbringen meistens nicht wirklich besondere Neuigkeiten, trotzdem werde ich Menschen nie verstehen, die diese 20 Minuten nicht investieren und dann am Sonntag Morgen Fragen stellen, die sie da beantwortet bekämen.

Gut fand ich, dass man zwei Detailfragen als „wir nehmen uns jedes Jahr Punkte vor in denen wir besser werden wollen“ herausstellte. Diesmal rechts fahren auf der Radstrecke (hat gut geklappt) und Müll nur in den Müllzonen wegwerfen (hat besser geklappt, als bei anderen Triathlons, von gut geklappt ist man jedoch weiterhin weit entfernt).

Und um das ganze ein bisschen aufregender zu gestalten, passierte mir das, was man absolut nicht will. Meine Cleats gingen kaputt. Neue gekauft, schnell gewechselt, wird schon passen.

Der Renntag

Unser persönliches Taxi brachte mich und M. an den Start. Dort ein großes Hallo, viele bekannte Gesichter, unser Abteilungselmo, viele Menschen, die einen – positiv – auf die FCSP Triathlon Sachen ansprachen und eine freudig nervöse Stimmung. Die Einzelstarter*innen sprangen schon von einer Kanone gestartet nach und nach ins Wasser und wir warteten auf unseren Einsatz.

Die Wechselzone war bei den Rädern und das hat trotz Enge auch fair und gut geklappt. Jeder nahm Rücksicht und verlangsamte im Notfall auch mal sein Tempo. Außer dem Einen den es leider immer gibt.

M. sprang ins Wasser und war viel schneller wieder da, als geplant. Da hatte ich gerade erst mit meinen letzten Vorbereitungen abgeschlossen. Wow! Was für eine Zeit. Toll gemacht!

Und damit begann für ihn das lange Warten und für mich der wilde Ritt

Auf dem Rad

Die Radstrecke in Roth ist schön und abwechselungsreich. Man fährt über den Kanal, guckt sich die letzten Schwimmer von oben an und dann geht es auch gleich in einen Teil, der richtig schnell ist. Das Tacho springt auf beinahe 40 KM und man fühlt sich gut. Kurve über die Schleuse. Da ist es etwas holperig, was einigen Teilnehmern Trinkflasche und/ oder Verpflegung kostete. Leute, das Warnschild steht da nicht von ungefähr.

Dann geht es irgendwann bergauf und ich kann euch sagen, dass ich keine Bergziege mehr werde. Wo eben noch 35 stand, stand dann plötzlich 15.

Viele schnellere flogen an mir vorbei, aber alle gesittet, alle mit Rücksicht, da bin ich ganz andere Dinge gewöhnt. Auch an mir vorbei flog der Abteilungselmo. Ich hatte noch gewitzelt, dass ich meine Führung ob seines etwas langsameren Schwimmers auskosten werde. Nun ja, sie hatte 7 KM Bestand.

Mit der europäischen Wasserscheide ist der erste große Anstieg vollendet und dann geht es erstmal bergab und es folgt eine lange Raserstrecke. Wieder sprang mein Tacho auf 37 km. 5 km in 8:14 radel ich sonst nicht wirklich. Enden tut dieser Spaß in Greding. Denn da wartet er, der Horroranstieg. Beim ersten Mal bin ich da noch halbwegs vernünftig hochgekommen, beim zweiten Mal wird der entsprechende 5 KM Abschnitt mit 19 Minuten ausgewiesen. Und auf beiden Runden passierte mir an dieser Stelle irgendwas. Runde 1 kam ich bis ganz oben ohne Probleme, wollte mich gerade in die folgende Abfahrt stürzen, als ein stechendes Insekt (Biene? Wespe?) meinte unbedingt in Richtung meines Munds fliegen zu müssen. Glücklicherweise knapp verfehlt, so dass der große sofort anschwellende Stich in der Lippe war und nicht im Mundraum. War zwar nervig, aber nicht weiter schlimm und die Schwellung ging auch irgendwann zurück.

Auf der zweiten Runde fiel mir dann eine Füllung aus dem Zahn. Zum Glück in einer „Trash Zone“, so dass ich den Müll ordnungsgemäß sofort ausspucken konnte.

Die zweite Runde hatte sowieso ihre Herausforderungen. Klar, die Beine werden schwerer, aber das war alles noch im grünen Bereich. Ernährung klappte auch. Es kam nur Wind auf. Und ich lebe ja auf dem Rad nach dem Prinzip, dass mich Wind nicht stört und auch Hügel nicht stören. Gestört fühle ich mich ich erst, wenn beides gleichzeitig vorhanden ist. Und natürlich kam der Wind einem dann entgegen, wenn es leicht bergauf ging und man nicht in einem Waldstück war, sondern auf freiem Feld. Das kostete dann doch Körner, so dass meine persönliche Traumzeit von 6:45 schnell illusorisch wurde.

Ein paar Worte noch zu dem Mythos „Solarer Berg“. Häufig ist es ja so, dass solche Stimmungsnester vollkommen überbewertet sind, dass für langsame Teilnehmer*innen wie meiner Einer dort wenig Stimmung ist und die Party schon vorbei ist, wenn man da ankommt. Nicht so am Solarer Berg. In Runde 1 gab es das volle L’Alpe d’Huez Feeling, mit Zuschauer*innen, die einem direkt ins Ohr brüllen und leider auch mit einem Teilnehmer, der meinte waghalsig rechts überholen zu müssen. Auf der zweiten Runde waren die Zuschauerreihen dann natürlich ausgedünnt, aber es fanden sich immer noch zwei Teenager*innen, die mich mit voller Begeisterung den Solarer Berg hoch brüllten. Leute, wer hier keine Gänsehaut als Teilnehme*in hat, hat kein Herz.

Freude und Freunde am Solarer Berg

Die zweite Runde war für mich natürlich relativ einsam. Ich sammelte sehr langsame Einzelstarter*innen ein, die wahrscheinlich meistens nicht mehr ins Ziel gekommen sind. Mal überholte mich eine Staffel, mal überholte ich eine Staffel. Es gab am Ende deutlich langsamere Radzeiten. Der Veranstalter lies an einigen Stellen wieder Verkehr zu, was grundsätzlich in Ordnung ist. Den meisten Autofahrer*innen war auch komplett klar, dass sie da in ein Rennen fahren und sie verhielten sich sehr defensiv und mit großen Abständen. Was sie auch von den Posten bei Einfahrt auf die Strecke wohl mitgeteilt bekamen. Denn wenn ich an einem solchen Posten vorbei kam, redete der mit der/ dem Autofahrer*in, der/die mich dann kurze Zeit später überholte. Wie schon gesagt, alles okay, alles gut. Der eine Fahrer, der wieder meinte, dass dies alles für ihn nicht gelte und eine Teilnehmerin knapp überholte, als sie mich gerade überholte, der bekam von ihr aber alle österreichischen (?) Schimpfworte die es gibt an den Kopf geknallt. Sie fuhr schimpfend an mir vorbei und als sie an mir vorbei war, sagte sie plötzlich „Oh, äh ja und dir viel Glück und eine gute Fahrt“. Ich musste lachen.

Die letzten Kilometer ging es noch mal abwärts. Also Gas geben. Vollgas. Am ehemaligen Schwimmstart vorbei, von dem 6 Stunden später nichts mehr übrig war und rein nach Roth. Wir hatten ja nur ein Ziel: Ankommen. Und dafür muss man halt die Cut Offs schaffen. 2:15 nach dem Schwimmen? Da hatten wir sehr viel Vorsprung drauf. 8:45 nach Schwimmen und Radfahren? Da hatten wir immer noch gut eine halbe Stunde drauf.

Ich übergab also an die rennende Schwester, die nun bis 21:10 Ortszeit bei KM 30 sein musste. Kein Problem.

Das Warten

Aber ich kann euch sagen: Wenn man nun wartet, dann wird man nervöser, als wenn man selber irgendwas macht. Sie fing gut an, ihr normales Tempo und wir guckten gespannt auf den Ticker. Bis KM 25,9 ist alles im Lack. Und dann meldet der Ticker plötzlich den Durchgang bei KM 30 nicht.

Wir hatten uns bei einer Pizzeria an der Strecke eingemietet, bezogen dort Verpflegung, wurden Verpflegung für die örtlichen Mücken und guckten immer nervöser auf unsere Handys. 20:58 Uhr dann die erlösende Mitteilung: Sie war durch. Dieser Cut Off war geschafft. Aber sie war langsam. 1:45 blieben für die letzten KM. Wir bei Kilometer 31 sitzend warteten. Und dann kam sie. Krämpfe hatten sie erwischt! Im Nachhinein war wohl der nicht selbstbestimmte Startzeitpunkt und zu wenig Salzaufnahme Schuld, aber so etwas passiert selbst der erfahrensten Athletin. Kurz Mut gemacht, ihr gezeigt, dass sie nun Zeit ohne Ende hat, ihr einen Schluck Alsterwasser (Elektrolyte sind wichtig!) gereicht und schon verschwand sie wieder im Getümmel. Nun hieß es warten. Die Zeiten stabilisierten sich und damit sollte das eigentlich alles klappen, wenn nun nicht noch irgendwas passiert. Was man bei Krämpfen nie weiß.

Aber das ist eben auch der Vorteil einer erfahrenen Marathonläuferin, wenn es nicht läuft, dann geht es halt irgendwie.

Direkt am Stadioneingang warteten M. und ich auf sie. Ich mag meine Schwester sehr und freue mich immer sie zu sehen. Aber so doll hab ich mich lange nicht gefreut sie zu sehen.

Was nun folgt war ein Traum. Wir liefen in das Stadion der Challenge Roth ein. Wir versuchten dabei Einzelstarter entweder vor zu lassen oder genügend Abstand auf sie zu gewinnen. Jeder soll hier seinen Moment haben. Die Finishline Party in vollem Gang und hier wird Mensch von einem Stadion mit unzähligen tauschend Menschen drin begrüßt, als ob man gerade Weltmeister*in geworden ist. Auch wir. WOW! Leute, das ist ein unfassbares Gefühl und das war auch den gesamten Preis wert.

Im Ziel dann erstmal um unsere Läuferin kümmern. Was zu trinken besorgen. Was bekommt man da als Erstes? Sekt! Egal! Rein damit. Auf uns.

Danach kurze Verpflegungsaufnahme und dann die von Krämpfen geschüttelte Läuferin nach Hause bringen. Das Feuerwerk noch vom Auto aus gesehen, beim Einsteigen noch einen Horrorkrampf bei ihr bekämpft und schnell zu unseren wartenden Gastgeber*innen, die auch noch Jubeltörtchen vorbereitet hatten.

Fazit

Am Ende landeten wir auf Platz 306 von 307 ins Ziel gekommenen Mixstaffeln. Ja und? Gewinnen tun wir in unserem Leben sowieso nix mehr und angekommen sind wir.

Ja, diese Veranstaltung ist teuer. ABER ich habe noch nie so viele Dixie-Klos bei einer Veranstaltung gesehen. Wenn ich nicht darüber meckere, dass das zu wenig sind, dann sind es wirklich endlich mal ausreichend viele. Ich habe noch nie eine so gut organisierte Veranstaltung erlebt. Hier weiß jedes Rädchen was es zu tun hat. Und man kann es nur noch einmal wiederholen: Die Helfer*innen sind einzigartig.

Wie man das alleine macht so eine Volldistanz ist mir immer noch komplett schleierhaft, auch wenn ich schon mehrfach die Hälfte absolviert habe. Meinen höchsten Respekt hat jeder Mensch, der dies als Einzelstarter*in abreißt.

Machen wir das noch mal? Fragt uns in 5 Jahren noch einmal. Mach ich so etwas mal als Einzelstarter*in? Fragt mich mit deutlich weniger Kilos nochmal.

Fahr ich nun nach Almere, mache genau die Hälfte und muss dafür dann wieder selber schwimmen und laufen? Aber natürlich! Da gibt es wenigstens garantiert keine Hügel.

Mai 202019
 

 

Unregelmäßig veröffentlicht dieses Blog auch die sportlichen Abenteuer seines Gründers. Nun ist wieder ein Moment.

 

Heute gibt es steile Thesen zum Rennsteiglauf 2019:

 

 

1. Das schönste Ziel der Welt liegt in Schmiedefeld

Okay, das ist keine steile These, das ist Fakt. Keine andere Veranstaltung bekommt es hin aus einem staubigen Sportplatz und ein paar Wiesen ein so liebevollen Ort zu basteln. Die Musikbeschallung ist gewöhnungsbedürftig und Schlagerlastig, aber die Sprecher sind herzlich und begrüßen JEDEN mit einer Freundlichkeit und Liebe, die ihresgleichen sucht. Egal ob du 17 KM von Oberhof gewandert bist oder 73 KM von Eisenach gelaufen bist.

 

2. Je oller, je doller

 

„Letzter Jahr war doof, da bin ich mit gebrochener Rippe gelaufen, aber dieses Jahr gewinne ich meine Altersklasse.“ „Ja weil du keine Konkurrenz hast.“ „Darf man fragen, wie alt Sie sind?“ „86 Jahre!“ Der dann folgende offene Mund wurde mit einem „einfach dranbleiben“ kommentiert. 

 Schwestermedaille

Sowieso rennen da unfassbar viele Menschen mit, die ihre 30., ihre 40. oder eben auch ihre 47. Teilnahme per Shirt oder Schild kundtun. Wohlgemerkt: Es war die 47. Ausgabe dieses Laufes. Beim ersten Mal starteten 4 Teilnehmer. Einer davon hat das Rennen noch nicht verpasst. Stark. Die ersten Rennsteigläufe waren nebenbei keine Wettkämpfe. Man lief gemeinsam bis zum Ziel. Wahrscheinlich auch daher kommt das Gefühl dieser Veranstaltung.

 

3. Thüringer sind nach Bratwürsten süchtig

 

Schilder verkünden an der Straße, dass an dem örtlichen Imbiss ab 11 Uhr der Rost brennt und das meinen die nicht als freundliche Empfehlung. Das ist eine passiv-aggressive Aufforderung sich seine Thüringer zu holen. Hier gibt es mehr Bratwurststände, als Einwohner. „Haben die das nicht irgendwann über, diese Wurst?“ „Meine These ist ja, dass die das schon gleich als Muttermilchersatz bekommen und dadurch danach süchtig sind.“

 

Ob die schmecken, führte noch zu einem kurzen fränkisch/thüringischen Konflikt, die Hamburger waren geteilter Meinung.

 

4. Das wird jedes Jahr steiler

Für uns Hamburger ist das ja schon grundsätzlich nicht so wirklich was, dieser Thüringer Wald. Das geht viel zu häufig (also ständig) bergauf. Und ab und zumal vielleicht 4 Meter bergab. Gefühlt. Schmiedefeld ist mit der tiefste Ort des Rennsteigs, so dass dies objektiv nicht stimmen kann, aber wer glaub schon an objektive Daten?

 

Das Gefühl sagt einem, dass die auch jedes Jahr die Hügel aufschütten. 7 Minuten mehr als letztes Jahr brauchte ich so, was aber auch ganz vielleicht mit etwas wenig Lauftraining dieses Jahr vs. voll im Saft letztes Jahr zu erklären ist. Aber eigentlich sind die Hügel schuld. 

 

5. Leider gibt es überall Idioten

An diesem Lauf nehmen deutlich über 15.000 Menschen teil und ein großer Teil dieser Menschen muss sich die Oberhof – Schmiedefeld Strecke teilen, die nicht immer Straßenbreite hat. 99 % der Teilnehmer wissen und beachten dies, laufen an den entsprechenden Stellen vorsichtig und überholen nur dann, wenn es wirklich geht. Und dann gibt es die Schwachköpfe, die Leute anrempeln und dann noch was von „Dann geh doch zur Seite, wenn du langsam bist“ faseln. Oder die unbedingt „Muschis“ (gemeint sind Frauen) überholen müssen. Was für Arschlöcher. Die so gar nicht zu dem „Ankommen ist alles“ Gefühl dieser Veranstaltung passen.

 

Besser passt da schon die Wanderin, die mit einem Müllsack wandert und jeden Schnipsel, den sie findet aufhebt und in ihre Tüte wirft.

 

Sowieso sind die Wanderer die heimlichen Helden dieses Laufes. Von ganz jung bis ganz alt und eben ohne auf Schnelligkeit zu achten, wandern sie ins Ziel. Das passt zu dieser Veranstaltung, die in ihrer Grundidee wie eben geschildert kein Wettkampf war. Schade, dass der Veranstalter genau für diese Gruppe nicht genügend Finishermedaillen am Ziel bereit hielt. Großes Minus. (Nachtrag: Fairerweise sei angemerkt, dass Nachlieferung versprochen ist und es zum ersten Mal eine Wandermedaille gab.)

 

6. Bier und Suppe sind eine gute Zielverpflegung

Im Ziel gibt es Köstrizer Schwarzbier und Brühe. Was will man mehr?

 

7. Wir hatten beinah alle Strecken besetzt

 

Meine Bezugsgruppe ist gewandert, ist gehalbmarathont, ist gemarathont. Uns fehlt eigentlich nur noch der Supermarathoni. Aber vielleicht macht das ja das Schwesterherz irgendwann mal?

Brudermedaille

 

8. Das Rennsteiglied ist auch nicht schlimmer als Stadionhymnen

 

Und daher nun alle: 

 

„Diesen Weg auf den Höh’n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder. 
Bin ich weit in der Welt, habe ich Verlangen, Thüringer Wald nur nach dir.“ 

 

9. Man kommt wieder

 

Um 40 Teilnahmen am Rennsteiglauf zu verwirklichen, müsste ich a. mindestens 85 werden, b. dann noch leben und laufen c. der Lauf noch existieren. Aber die dritte Teilnahme ist schon mal fest gebucht.

 

 

 

Sep 102018
 

Ausrichtung

Wenn man so wie ich, das laufende 1/3 dieses Blogs sich zum Alsterlauf anmeldet, dann kann es aufgrund der Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon nur zwei grundsätzliche Ausrichtungen geben.

Ausrichtung 1 ist wahrscheinlich die klassische Trainingsplan Ausrichtung: Tempotest! Voll-gas für 10 KM und mal sehen, was so geht. Hab ich 2015 so gemacht und in meinem -wahrscheinlich bestem- Laufjahr eine 55:51 in den Asphalt gebrannt, meine bis heute (und wahrscheinlich auch ewig) gültige 10 KM Bestzeit. Hatte ich irgendwie so gar keine Lust drauf. Auch weil ich den Frankfurt Marathon einfach nur aus Lust und Laune mitlaufe, ohne wirklich das Ziel einer neuen Bestzeit oder so zu haben. Zu warm war der Sommer, zu selten war Training möglich, ohne sofort zu überhitzen.

Ausrichtung 2 ist, dass man das ganze einfach so just for fun mitläuft und sich ein anderes Ziel sucht. Wie z.B. jemanden bei seinem ersten Volkslauf zu begleiten. Und da die @keersti das erste Mal zu einem Volkslauf gemeldet war, hatte ich auch ein „Opfer“.

Wir trafen uns auf halber Bahn-Strecke und sie musste schnell feststellen, dass ich immer zu früh da bin. Was aber dann gut ist, wenn man -wie ich- trotz einer längeren Suchaktion sei-nen BMS Chip am Tag vorher nicht wieder fand und einen Leihchip organisieren musste. Was schnell und unproblematisch gegen eine Gebühr von 3 Euro zu machen war.

Klopause

Danach war warten auf den Start angesagt, was man sich mit „Dixie Klo macht den Läufer froh, Wasserklo ebenso“ und ein paar Schnacks mit H. und B. vertrieb. Klos sind ja immer wiederkehrendes Thema dieser Laufberichte und da waren endlich mal halbwegs genügend vorhanden. Und Wasserklocontainer sind sowieso ein Plus.

4.500 Starter insgesamt, was so in der üblichen Größe für den Alsterlauf ist. Zum ersten Mal kam ich in das Vergnügen auf der Mönckebergstraße starten zu dürfen und nicht beim parallelen Start „Steinstraße“. Da fühlt man sich ja gleich mehr als Profi.

Wir reihten uns ganz hinten ein, alleine schon, weil wir nicht die typischen, in Viererreihe eine Pace von 8:20 laufenden Hindernisse sein wollten, die sich gerne mal bei dem „Zielzeit 40 Minuten“ Schild hinstellen und wundern, dass die Leute etwas ungehalten überholen.

Debütantenlauf

Die Debütantin war sich nicht wirklich sicher, was sie so leisten konnte und daher war unser Motto das Motto der Veranstaltung: Immer schön sutsche. Für die nicht Norddeutschen unter euch: Sutsche = entspannt, locker

KM 1 nahm uns dann aber doch das Feld mit und so startete das ganze in einer 6:37 Pace. Danach waltete die Vernunft und die Pace pendelte sich irgendwo zwischen 7:30 und 7:45. Aber immer gelaufen, keine Gehpause, kein Einbrechen am Ende.

Die Strecke ist eine klassische Alsterrunde, die ein bisschen gedehnt wird und die über alle Wellen führt, welche die Natur dort in Form von Flusstälern und eiszeitlichen Ablagerungen geschaffen hat. Wer Hamburg für flach hält, wird bei diesem Rennen (oder dem Halbmarathon oder dem Marathon) eines Besseren belehrt.

Der Veranstalter organisiert – mit guten Argumenten – keine Wasserstelle auf der Strecke. Da er dies deutlichst ankündigt, ist das in Ordnung. Ich trug eine Flasche mit mir, aber für zwei war das ein bisschen wenig. Da war dann mal kurz improvisieren an den öffentlichen Wasser-stellen angesagt und so kam es, dass ich mal kurz einen 5:40 km einstreute, um wieder zu unserer Debütantin zu kommen. Tempotest? Bestanden, würde ich sagen.

Das Ziel kam näher, die Laune auch der Debütantin wurde immer besser (zu Beginn war sie noch etwas morgenmuffelig) und ca. 1 KM vor dem Ziel kündigte sie schon mal einen Zielsprint an. Denn ein Geheimnis hat sie: Sie war in ihrer Jugend Mittelstreckenläuferin (800 Meter und so). Und ihr fehlt vielleicht zur Zeit noch der Mut und die Erfahrung eine 10 KM Strecke am oberen Puls zu laufen, aber 400 Meter drückt sie locker in einer 5:20 weg. Ich nicht und so blieb ich im Zielsprint hinter ihr.

Im Ziel dann Medaille, Blumen für die Damen (müssen wir nicht drüber reden, irgendwie eher 4-) und ein reichhaltiges Getränkebüffet. Erdinger Produkte und Hella bis zum Abwinken. Was will das Läuferherz mehr?

Helden

Hatten wir doch eine persönliche Bestzeit gelaufen. 1:15:13 stand am Ende bei mir auf der Uhr und mit dieser Zeit waren wir bei weitem nicht alleine oder die Letzten. Sowieso: Diese Helden hinten im Feld, Menschen mit Trisomie 21, Menschen ohne Seekraft, Menschen, die sich zum ersten Mal an so eine Distanz wagen oder auch Menschen, die einfach nicht schneller sind, als eine 1:15/1:30 sie sind bei jedem Volkslauf meine ganz besonderen Helden. Und das Lächeln im Ziel dieser Menschen ist Gold wert. Danke an jeden Veranstalter (die Laufgesellschaft machte es am Sonntag vor), der die Geduld mit dieser Art Teilnehmer hat und nicht schon die Zielverpflegung zusammen packt oder nicht genügend Medaillen hat.

Ein runder Tag und wenn es mal wieder mit Fußball und anderen sportlichen Ambitionen passt, freue ich mich darauf irgendwann wieder den Alsterlauf bestreiten zu können.

Jul 022018
 

Vorwort

Zwei Wochen in Amiland, sieben passiv erlebte Baseballspiele und ein aktiv erlebter Triathlon. Durch unsere 10 Jahres Feier ist der Text zu meinem (@slowtrirun) Urlaub deutlich verspätet online, aber da er schon zum größten Teil geschrieben war, will ich euch ihn nicht vorenthalten:

Akt 1 Sweet Home Chicago

Wer dieses Blog regelmäßig verfolgt, wird wissen, dass eine gewisse Liebe für Baseball bei einigen Autoren dieses Blogs vorherrscht. Und aus Gründen, die sowieso nie sachlich und rational sind, hat man schon vor Jahren sein Herz an die Cubs aus Chicago verloren. So war es klar, dass irgendwann ein Trip nach Chicago und Wrigley Field anstehen würde. Und damit sich das ganze noch lohnt, wurde eine ganze Midwest Tour draus, denn Milwaukee und Madison wurden auch besucht. Warum? Das lest ihr später.

Szene 1 Die Vorbereitung

Aus Aktivsportgründen musste mein Fahrrad mit, so dass am 01.06. nachmittags erstmal das fröhliche Demontieren und einpacken angesagt war. Seien wir ehrlich: Ich kalkulierte schon das Risiko eines Schadens ein. Da meine Möhre aber sowieso schon etwas älter und angeschlagen ist, war das ein kalkulierbares Risiko.

Es ging alles relativ schnell und mit wenig Flüchen.

Szene 2 Am Flughafen

Geplant war am 03.06. über Dublin mit Aer Lingus nach Chicago zu fliegen. Der Deal mit dem Radkoffer war, dass die Airline ihn mitnimmt, aber nur soweit Platz vorhanden. Und eine gewisse Gebühr war auch angekündigt. Daher blieb immer eine gewisse Restunsicherheit und daher stand man als Erster und viel zu früh in der Schlange am Schalter.

Lief alles aber vollkommen problemlos, Geld wollte auch niemand haben und durch die Sicherheit am Flughafen kamen wir auch ohne Probleme.

Und gerade als wir uns unseren wohlverdienten Kaffee gekauft hatten, ging das Licht aus. Stromausfall. Sah erstmal für uns so aus, als ob dies nur die Ladenzeile betrifft, denn auf der anderen Seite brannte noch Licht. Doof also für die Stände, aber nix schlimmes. Unser Eindruck änderte sich erst, als wir in Richtung Gate gehen wollten, denn auch bei der Passkontrolle und den Abfertigungen von Maschinen ging gar nix mehr.

Was nun folgte, ist nur mit einem vollkommenen Versagen von Notfallplänen und Informationen zu erklären. Erst nach weit über einer Stunde gab es offizielle Informationen über irgendeinen Kanal. Der Flughafen machte im Endeffekt komplett Tauchstation.

Das beste Argument war, dass man ohne Strom ja keine Durchsagen machen könne. Das ist a. Bemerkenswert, denn immerhin befinden wir uns hier in Höchstsicherheitsbereichen und b. Schlichtweg auch gelogen, denn eine bemühte Air France Bodencrew fand relativ schnell einen Lautsprecher, der funktionierte und lieferte gut hörbar Infos für ihre Gäste und alle anderen, die da rum standen.

Irgendwann dann Evakuierung, Einstellung des Flugbetriebes und Verteilung von Wasser. Nur Informationen, die blieben Mangelware. Irgendwann war dann klar: Heute geht hier nix mehr. Der Flug, den wir hätten nehmen wollen, hatte laut Internet den Flughafen noch verlassen, aber wahrscheinlich ohne wirklich viel Gäste, denn alle Gesichter, die mit uns in der Schlange standen, trafen wir im Terminal wieder.

Es folgten Stunden der Ungewissheit und der diversen Versuche irgendwie Kontakt mit der Airline aufzunehmen. Der örtliche Dienstleister war nicht zu erreichen, die Hotline in Deutschland funktioniert am Wochenende nicht und die Hotline in Irland schickte einen in die Warteschleife. Ein Ort den man mit einem Handy nicht wirklich lange besuchen will.

Informationen blieben Mangelware.

Durch Zufall fanden wir unser Gepäck wieder, es stand im Ankunftsbereich einfach so rum. Stark beschädigt. Zum Glück nur äußerlich, so dass nur ein Koffer am Ende das zeitliche segnete.

Hin zur Beschwerdestelle (die bekanntlich im Ankunftsbereich ist und eigentlich nur erreichbar ist, wenn man in HH mit dem Flieger ankommt) und die dort für den örtlichen Dienstleister arbeitende Dame zauberte eine andere irische Telefonnummer aus dem Hut. Hurra! Dort gelang es dann auch den Flug um genau einen Tag umzubuchen. Wobei angesichts meines schlechten Englisch und des irischen Englisch der Dame am anderen Ende doch ein paar Unsicherheiten blieben.

Montag also wieder früh zum Flughafen, diesmal als Zweiter in der Schlange und in aller Seelenruhe machte der Dienstleister zwei Stunden vor Abflug die Schalter auf.

Die diensthabenden Damen guckten dann sehr schnell sehr erstaunt. Hatten die doch nicht mitbekommen, dass ihre Arbeit nun daraus bestehen würde, Menschen umzubuchen. Für den Ersten benötigten sie ca. 20 Minuten, was angesichts der knappen Zeit schon zu mittleren Tumulten führte. Letztendlich scheinen sie es aber rechtzeitig geschafft zu haben, der Flieger war zumindest voll mit Leidensgenossen.

Hamburg – Dublin, dort bereits durch die amerikanische Einreiseformalitäten, inklusive zweimaligem Scannen des Handgepäcks innerhalb von 150 Metern (ohne, dass man den Sicherheitsbereich verlassen hätte können), Dublin – Chicago, Flughafen – Hotel alles ohne Probleme. Gute Nacht!

Szene 3 Chicago

Chicago am nächsten Morgen erstmal zu Fuß erkundet. Städte mit Wasser sind hübsch. Leider bauen die Amis immer direkt ans Wasser eine große Straße, was das Ganze immer etwas weniger hübsch macht. Städte am Wasser mit Flüssen, die per Hebebrücken überbrückt werden sind noch hübscher. Also ist Chicago eine hübsche Stadt.

Lustig ist die innerstädtische „U-Bahn“, die in einem Kreis auf Stelzen (Loop genannt) fährt. Da unser Hotel auf eine der Kurven dieser Loop blickte, hatten wir wenigstens ein bisschen Blues Brothers Gefühl.

Frühzeitig machten wir uns auf in Richtung Wrigley Field und das Wrigleyville genannte Viertel um das Stadion.

Das Viertel ist St. Pauli schon ein bisschen ähnlich, gibt es doch an beinah jeder Ecke eine Kneipe. Und dies von fein bis Absturz. Wir kehrten in den Tagen einmal in „Murphys Bleacher“ und einmal in der „Nisei Lounge“ ein. Wobei erstgenannte Kneipe mehr so die „hier hat schon jeder berühmter Cubs Fan gesoffen und wir haben sein Foto an der Wand“ Kneipe ist und letztere eine dunkle, leicht punkrockig angehauchte Kneipe mit tätowierten Bedienungen ist. Ratet mal, welche uns besser gefallen hat.

Bier inner Kneipe

Das Stadion an sich ist über 100 Jahre alt und alleine deswegen ein Besuch wert. Es wurde in den letzten Jahren renoviert und auch erweitert, dies jedoch sehr liebevoll und im Stil wie es gebaut ist. Das ist schon sehr gelungen. Der wilde Wein, der an der Mauer zum Spielfeld wächst, ist wohlbekannt, alle Verkaufsstände sind in einer alten Optik gehalten und das ganze ist eng und riecht teilweise stark nach Klostein. Es fühlt sich also irgendwie gut an.

Bär in den Bleachern in Wrigley Field

Auch die Beschallung und Bespassung in den Pausen ist eher zurückhaltend. Vor dem Spiel spielt der Organist irgendwelche Hits in bester Mambo Kurt Manier. In den Pausen laufen unterhaltsame Filmchen über die Videoleinwand. Der Organist spielt seit über 30 Jahren in diesem Stadion und hat seit 2.500+ Heimspielen keines verpasst. Seine Begleitung zu „Take me out to the Ballgame“ ist berühmt. Singen muss dieser Klassiker immer irgendein prominenter Gast. Verlinkt ist die Interpretation von Bill Murray als Duffy Duck während der World Series 2016. Gutes Singen ist dabei nicht erforderlich. Nur Spaß daran, sich ein bisschen selber zum Honk zu machen.

Ein Besuch sind definitiv die „Bleacher“ wert. Dort ist freie Platzwahl und die Stimmung erinnert schon an die Gegengerade. Es wird gesoffen, gegessen, gefeiert, gepöbelt und auch mal supportet.

Sowieso: Amerikaner genießen Sport schon anders, was insbesondere bei einem Sport, der auch mal Pausen hat, irgendwo auch logisch ist. Und der Ultrafan kommt hier nicht mit Fahne und Schal, sondern mit seiner eigenen Scorecard (in der man das gesamte Spielgeschehen einträgt) und einem alten Radio, mit dem man parallel zum Spiel die Radioübertragung des Spieles hört. Was man auch nicht vergessen darf: Bei einer Saison von 162 Spielen (und damit 81 Heimspielen) zählt das einzelne Spiel nicht wirklich so viel wie im Fußball. Und man spielt jeden Tag. Würde man da so emotional wie im Fußball drauf reagieren, ginge man kaputt.

Aber man kann nicht behaupten, dass sie emotional unbeteiligt sind. Wer daran zweifelt, dem empfehle ich Spiel 2 unserer Serie. Da liegen die Cubs zurück, haben nur noch einen Out, es sind zwei Strikes (das ist so ungefähr 95. Minute im Fußball), Jason Heyward steht am Schlag. Toller Verteidiger, passabler Schläger, wenn der Pitcher rechtshändig wirft, aber wenn der mit Links wirft, dann ist er nicht so der Held. Er muss aber, irgendwas. Immerhin stehen drei Mann auf Base und zwei müssen zum Ausgleich ins Ziel. Heyward kämpft, schlägt Bälle Foul, das Stadion steht und brüllt. Und dann geschieht das unerwartete. Er ballert den Ball in das Publikum als Homerun. Das Stadion tickt aus, die Cubs haben gewonnen (Heimvorteil im Baseball, man geht zuletzt an den Schlag, der Gegner kann nicht mehr kontern). Walk-off nennt man das und der Jubel wäre nicht intensiver, wenn St. Pauli so spät zum Sieg treffen würde. Es ist sein erster Homerun gegen einen Linkshänder seit ungefähr jemals und es ist der erste Homerun, den der linkshändisch werfende Werfer seit ungefähr jemals abgibt.

Das ist Baseball, mit welcher Hand man schlägt und wirft macht einen riesigen Unterschied. Und es kann immer etwas passierten, was eigentlich nicht passieren kann.

Das Publikum

Viele Familien, viele „Daddy mit Sohn/Tochter“ oder „meine Nichte guckt heute ihr erstes Cubs Spiel“. Es gibt vereinzelte Auswärtsfans, aber selbst mit einem Cardinals Trikot (größte Rivalen der Cubs) bekommst du nicht viel mehr als ein „was machst du denn hier mit diesem Trikot?“ als Reaktion. Das ist insgesamt ziemlich angenehm. Auch an Jubeln für deine Mannschaft nimmt niemand Anstand. Sorry, aber da kann Fußball noch viel lernen.

Eine Spezialität der Cubs sind Freitagsmittag Spiele. Da sich das Stadion mitten in einem Wohngebiet befindet, müssen die Cubs Freitagsmittags spielen. Nun glaubt aber mal nicht, dass diese Spiele schlecht besucht sind. Ganz im Gegenteil: Es war knüppelvoll. Und es wird dann halt früh gesoffen. Ob es wirklich Leute gibt, die 81 Heimspiele besuchen? Keine Ahnung, aber nach 4 Spielen in 4 Tagen weiß man was man getan hat. Die Spiele dauern nämlich auch immer so gut 3 Stunden.

Noch eine Beobachtung: Mitnichten kommen Amerikaner spät ins Stadion. Sie kommen nur spät auf ihre Sitze, weil gucken, rumlaufen, Essen und Trinken kaufen zelebriert wird.

Der zweite Akt / Triathlon

Szene 1 / Das Vorspiel

Nach dem Spiel am Freitagmittag ging es weiter nach Madison und dem Grund, warum das Rad mit musste. Der Ironman 70.3 Wisconsin wartete auf mich. Der Leihwagen war ein „Midsize SUV“. Was in Deutschland = riesiger Panzer ist. Irgendwas um die 12 Liter pro 100 KM. Umweltschutz ist was anderes. Nebenbei: Wir holten den vor unserem letzten Baseballspiel in Wrigley Field ab. Parkplätze am Stadion gibt es nicht, so dass Privatleute ihre Hinterhöfe vermieten. Für lächerliche und billige 60 Dollar waren wir auch dabei. Immerhin gab es zwei Packungen Erdnüsse frei dazu.

Gut, ab nach Madison

Die Fahrt auf der Highway führte durch Gegenden, die jedem Klischee entsprachen, welche man über amerikanische landwirtschaftliche Gegenden kennt. Das Farmhaus, der typische runde metallische Getreidespeicher und ganz viel landwirtschaftliche Fläche.

 

Auf dem Weg noch das Grab von Harry Caray besucht. Einer Legende unter den Sportkommentatoren, der sichtlich und merklich auf Bier stand, so dass Leute bis Heute Biere an seinem Grab abstellen.

Madison ist eine studentische Stadt, die als hübsch gilt, aber so wirklich schick sind nur die großen Seen in der Stadt, sonst ist sie ordentlich zersiedelt und durch riesige Straßen getrennt.

Nettes Hotel, riesige Zimmer und innerhalb kurzer Zeit war das Rad auch wieder zusammen gesetzt.

Samstag Morgen erstmal Startunterlagen holen und das ging schnell und super organisiert. Man bekam eine Laufkarte und musste dann Stationen abarbeiten. Innerhalb von 5 Minuten war dies erledigt.

Wisconsin beschrieb ein Brauereinangestellter in Milwaukee später wie folgt „we drink beer and make cheese“ und der Stadt nennt sich selber „der Milchprodukte Staat“. Dementsprechend hat auch der Triathlon alles in einer Optik, die an die gute alte Schwarzbunte erinnert.

Meine üblichen 10 Km radeln und 2 km laufen vor einem Triathlonwettkampf fanden dann mittags bei übelster Schwüle statt. Das wäre genau mein Wetter gewesen. Nicht. Dieses trockene Wetter hatte zwischendurch auch zu Warnungen vor Grünalgen und Zweifeln am Schwimmen geführt, die sich dann aber Samstag zerschlugen.

Die Wettkampfbesprechung wurde einfach auf der Wiese gehalten. Vergisst irgendein Powerpoint oder so. Es reichen ein paar Tafeln und ein fröhlicher Moderator. während alle auf dem Rasen sitzen.

Triathlon ist braun-weiß. Auch in Madison

Was dieser Wettkampf nicht hat? Wechselzonenbeutel oder ein Umzugszelt, wie man es sonst von Ironman Wettbewerben kennt. „Legt die Sachen neben das Rad und zieht euch da um“ war grob die Aussage.

Der Rad Check Inn ging auch sehr schnell, die sonst übliche Kontrolle des Rades auf Tauglichkeit fiel hier mehr oder minder aus.

Noch kurz was Essen und ab ins Bett. Start um 7 Uhr? Aufstehen um 4 Uhr!

Szene 2 / Wettkampftag

Erster Blick aus dem Fenster nach dem Wecker klingeln zeigte, dass es aus Eimern schüttete. Das war nun nicht wirklich angesagt. Kurz Wetterbericht gecheckt, spätestens um 7 hört das auf, wurde da behauptet.

Nun ja, es kam anders, denn auch um 7 schüttete es noch. Hinzu kam ein ordentlicher Wind. Der Veranstalter sah sich gezwungen den Start zu verschieben. Der Regen weichte auch alles auf und machte alles matschig.

Um ca. 7:30 ging dann der erste Schwimmer ins Wasser und da es einen Grasabhang ins Wasser ging, war der sogenannte Rolling Start (die schnellsten zuerst und dann je nach Zeit nacheinander) sehr langsam. Denn hätte man schnell ins Wasser gewollt, dann hätte man sich auf den Hosenboden gelegt.

Das Schwimmen

Ich bin ja nun bekanntlich der schlechteste Schwimmer der Triathlonwelt. Und als ich um ca. 8:45 endlich ins Wasser kam, war dieses immer noch komplett aufgewühlt. Starker Wellengang und immer noch ordentlich wind. Man schwomm ein Dreieck, erst gegen die Wellen, dann seitlich zu den Wellen, dann mit den Wellen von Hinten. Angenehm ist keine der drei Möglichkeiten und nach ca. 200 Metern dachte ich sehr ernsthaft darüber nach, ob ich nicht lieber aufgeben wollte. Immerhin war das Wasser wärmer als die Luft und daher beschloss ich mich langsam voran zu kämpfen.

Und kämpfen und langsam fassen es zusammen. Ständig musste man korrigieren, aufpassen, dass man nicht direkt in eine Welle atmet. Und die Strömung musste ständig durch die Beine ausgeglichen werden.

So war für mich auch irgendwann die Cut Off Zeit eine ernste Sorge. Normalerweise bleibe ich sehr klar unter diesen Zeiten, aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass es knapp wird. Viele Leute gaben auf oder machten Pausen an den Bojen. Ich kann sie verstehen. Ich hatte irgendwann so etwas wie ein Gefühl für das Wasser und kam voran.

Aber es blieb ein Kampf. Ich würde beinah sagen, dass dies mein langsamstes und mein bestes Schwimmen war. Das hätte ich vor zwei Jahren noch nicht geschafft. Nach 1:02:38 war das Geschaukel geschafft.

Ab zum Rad. Immerhin hatte man bei diesem Wettbewerb Neoauszieher, die fröhlich einem halfen diesen Auszuziehen. Ich weiß, nix für Puristen, aber doch nützlich.

Danke auch an die ganzen Begleitkanuten, die bei übelstem Wetter auf dem See aushielten. Und der Veranstalter hatte mehr als Genug organisiert.

Die Schlammschlacht

Vergisst diese üblichen Teppiche. Auch die gab es hier nicht. Und die Grasnarbe hatte sich aufgrund des Regens verabschiedet. Die Wechselzone war ein einziges Schlammbad. Durchgerannt, umgezogen und aufs Rad. Natürlich wurde dies auch schon mal fröhlich eingesaut. Meine weißen Radschuhe hatten sich auch in Matschbraun neu eingefärbt.

Die Radstrecke

Auf und ab ist das eine. Auf und Ab auf einem groben Asphalt, der null rollt und alles schluckt, ist das andere. Gefühlt gab es nicht einen flachen Meter. Es ging entweder bergauf oder bergab. Und je länger man fuhr, desto höher wurde die Amplitude.

Dazu ganz viele Risse und Schläge im Asphalt, so dass man bei den Abfahrten höllisch aufpassen musste, damit man sich nicht auf die Fresse legt. Der Regen hatte aufgehört, aber es war an vielen Stellen noch feucht oder sandig.

Und als ob dies alles nicht schon nervig genug wäre, kamen auch ständige 90 Grad Kurven zum abbiegen hinzu. Kraichgau ist gegen diesen Kurs ein Witz und rhythmisch zu fahren.

Die Strecke nicht für den Verkehr gesperrt, aber an jeder Ecke stand ein Sherif, so dass die überholenden PKW und LKW (!) sich sehr defensiv verhielten und das ganze entspannt von statten ging.

Die Radstrecke war anderseits richtig toll, denn man war schnell in der Natur. Vögel, die man in Europa nicht kennt, überall Kröten, die einen lautstark anfeuerten und ganz viel Natur.

Hinzu kam, dass jeder (!) überholende Teilnehmer sich immer mit einer Seite ankündigte „to your left“ und einen mit einem „good job“ anfeuerte. Hektik? Oder ein „du machst meine Bestzeit kaputt“ wie es in Europa immer noch üblich ist? Null. Auch nicht, wenn die Leute auf dem Rad brutal schneller sind als man selbst. Wenn man sich mehrfach überholte, dann wurde noch ein fröhlicher Spruch gemacht.

Das FCSP Triathlon Trikot wurde diverse Mal gelobt und gefeiert. So macht Triathlon Spaß.

4:05:50 ist nun nicht die Zeit, die ich mir so vorstelle auf dem Fahrrad, selbst wenn es ein hügeliger Kurs ist. Aber egal.

Die Laufstrecke

Die Wechselzone war nun endgültig ein Schlammloch und so badeten auch gleich die Schuhe und die Füße im Matsch. Schön. Das gibt Blasen.

Mein Plan für das Laufen? Ich darf insgesamt 8:30 brauchen, also rechne ich jede Meile aus, wie lange ich für jede Meile habe. Rechnerisch 13 Minuten pro Meile waren das Ergebnis meiner Rechnung (wahrscheinlich nicht einmal richtig), die ersten Meilen blieb ich klar unter dieser Vorgabe. Lief also. Irgendwie.

Die Laufstrecke war eine Seeumrundung und auch diese war ordentlich wellig. Also die Rennsteigtaktik anwenden. Bergauf gehen, bergab laufen. Funktionierte die ersten Meilen super und flüssig.

Der Veranstalter hatte jede Meile (!) einen Verpflegungsstand organisiert, so dass es wirklich mehr als genug Wasser, Cola, Red Bull und Gele gab. Und Vaseline. Die einem angeboten wurde mit dem Satz „wenn du was merkst, dann ist es zu spät“.

Die Helfer sowieso alle Zucker. „Good Job“, „almost there“ und immer ein fröhliches Wort auf den Lippen. Das bringt Spaß. Und wieder: Wenn man überholt wird, dann wird geschnackt, viel Glück gewünscht und noch gefragt, woher man kommt. Verkrampfte Teilnehmer? Mangelware!

Sehr gut auch: Viele Sanitäter auf Fahrrädern, die einen auch offensiv fragten, ob alles okay ist. Finde ich gut.

Ab Meile 8 wurde ich langsamer und das Ganze wurde dann nur noch ein Spaziergang. Aber immer in dem Bewusstsein, dass ich genug Zeit haben würde. Die letzten Meilen dann direkt am See gegen den Wind, was am Ende nicht ganz so angenehm ist, aber da war schon alles egal, denn das wird ein Finish! Und nur das zählt.

Eine Gemeinheit hatte sich der Veranstalter dann aber doch noch ausgedacht, ging es am Ende doch noch mal steil den Berg hoch.

Im Ziel! 2:54:30 für den Halbmarathon ist ganz passabel. Mit den Wechseln stand am Ende eine 8:18:44. Damit 180. der Agegroup und 1561. insgesamt. In der Agegroup immerhin eine Person hinter mir gelassen. Was will man mehr?

Kurze Pause beim Medizinteam, denn mir wurde doch ordentlich schlecht, aber ein beruhigendes Gespräch später ging das auch alles.

Die Medaille ist ein echter Hingucker und es gab ein Finisherbaseballcap. Wie cool ist das denn? Teilnehmerfunktionsshirt und Rucksack gab es sowieso schon.

Lohn der Arbeit

Fazit: Ein gut organisierter Wettkampf mit ganz viel Herzlichkeit, einer tollen Medaille und einer sehr anspruchsvollen Strecke. Mir hat es sehr gefallen und eigentlich muss ich den noch mal machen. Irgendwann.

Am Abend noch das verschlammte Rad eingepackt, den Sieg gefeiert und sehr müde ins Bett gefallen

Der dritte Akt / Milwaukee

Szene 1 / Die Stadt

Um am nächsten Morgen nach Milwaukee zu fahren. Die nächste Stadt am Wasser. Geprägt durch Industrie und Brauereien. Und doch hübsch. Weil am Wasser. Und mit vielen schönen Parks und Buchten am Wasser. Und ganz viel Autobahn. Weil Amerika.

Wir wurden gefragt, wie man denn auf die Idee käme, in Milwaukee Urlaub zu machen. Tja, weil wir Baseball gucken wollen.

Vorher aber ein Besuch in der Lakeside Brauerei. 12 Dollar für eine Führung und 4 x 0,2 Probiergläser Bier? Das nenn ich mal preiswert. Und die machen gute Biere. Und Biere mit Kaffee drin. Letzteres ist eine Erfahrung, die man einmal gemacht haben muss. Einmal. Auch wenn der Moderator der Führung meinte, dies sei das perfekte Bier für den Morgen.

Die Führung war um 12 Uhr, danach war man gut angelötet.

Danach noch die Altstadt (Third Ward, Gentrifizierung in Reinform) und den direkt daneben liegenden Public Market (sehr spannend) besucht.

Nun war aber auch Zeit für Baseball.

Szene 2 / Miller Park

Puh. Miller Park ist so das genaue Gegenteil von Wrigley Field. Neubau von 2001, an einer Highway im Nichts gelegen, umgeben von riesigen Parkplätzen und irgendwie Gesichtslos. Nun versuchen die Stadien bei einem Neubau immer noch irgendwie Charakter zu geben, aber hier ist das nur bedingt gelungen.

Die Brewers sind örtlich das nächste Team zu den Cubs und für sie ist das auch ein riesiges Rivalitätsspiel. Kleiner Haken: Die Spiele führen immer zu einer riesigen Invasion von Cubs Fans und am Ende war das Verhältnis im Stadion ca. 50 /50. Ohne diese sehr gut besuchten Spiele hätten die Brewers aber wahrscheinlich finanzielle Probleme, da sie als sogenanntes „small market team“ eher am unteren Ende der finanziellen Nahrungskette stehen. Was immer noch heißt, dass sie unfassbar viel Geld haben.

Wir parkten also und stellten fest, dass wir blutige Amateure sind. Der Ami an sich packt erstmal seinen halben Hausstand inklusive Grill aus und beginnt das Tail-Gaten. Die kamen teilweise echt mit komplett vollgepackten Autos. Da wird dann mit dem Kind der Ball hin- und her geworfen, gegrillt, getrunken, Spiele gespielt etc. pp. Niemand hat Angst um sein Auto, aber wenn eine Flasche kaputt geht, wo gerade die Kinder gespielt haben, dann gibt es eine Ansage von anderen Fans.

Das ganze geht auch deswegen, weil auf den Parkplätzen von vorne nach hinten aufgefüllt wird. Und das ohne „aber ich hab da vorne“ oder anderen Ausnahmen.

Das Stadion wirkt doppelt so groß wie Wrigley Field, ist es nicht, aber eben ohne Klostein Geruch und modern.

Das erste Spiel ging in Extra-Innings (kein Unentschieden im Baseballl). Sämtliche Versorgungsstände machten aber konsequent mit Ablauf der 9. Inning zu. Für die Verlängerung konnte man sich also nicht mit Getränken oder Essen eindecken. Und so etwas kann dauern.

Bier gibt es sowieso nur bis zur 7. Inning. Das ist alles schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, so als Europäer.

Letztes Jahr in Philiadelphia guckt mich die Verkäuferin noch komisch an, als ich während der Nationalhymne davon Abstand nehme Bier zu kaufen. Hier macht man das Licht der Verkaufsstände aus und es gibt während der Nationalhymne einfach nix. Sowieso die Amis und ihre Hymne, da kann man wahrscheinlich Doktorarbeiten drüber schreiben. Von außen betrachtet ist es schon eine sehr befremdliche Fetishisierung der Fahne und der Hymne.

Der Schlussakkord

Leider ist der Urlaub schon wieder lange Geschichte, aber an der nächsten Tour wird schon rum geplant. Mal gucken.

Mai 282018
 

 

Vorwort

Der Bereich für aktive sportliche Betätigungen in diesem Blog führt ein Schattendasein. Was auch daran liegt, dass er sich an teilgenommenen Veranstaltungen orientiert und in einer Vorbereitung auf einen Triathlon kommt man leider nicht dazu viele Veranstaltungen mitzunehmen. Und da wir nur einen aktiven Sportler haben, der sich zu Veranstaltungen begibt, ist die Füllung dieser Rubrik selten. Aber dafür umso herzlicher.

Premiere

So war die Teilnahme am diesjährigen Rennsteiglauf mein erster offizieller Wettkampf dieses Jahr. Nun werdet ihr zu Recht fragen, ob es sich lohnt über 400 KM für einen Halbmarathon zu fahren, aber jeder der schon mal am Rennsteig war, der wird euch bestätigen, dass es sich lohnt. Und dies sei auch schon das vorweg genommene Fazit dieses Berichtes.

Vorspiel

Die Anfahrt am Freitagmorgen war problemlos. Das Navi schickt einen über hessische Landstraßen durch das Werratal, was vielleicht schneller ist, vielleicht auch nicht, aber allemal ist es sehr hübsch. In Thüringen angelangt freut man sich erstmal über die sehr schönen Ortsnamen, die es da so gibt. „Ohrdruf“ ist ein Beispiel. Und wenn man sich dem Mittelgebirge des Thüringer Waldes nähert, wird es immer hübscher. Ziel und Übernachtungsort für mich war Oberhof. Wer Wintersport verfolgt, der wird diesen Ortsnamen schon einige Male gehört haben, denn gefühlt jeder Thüringer Olympiasieger ist entweder hier oder in einem der Nachbarorte geboren.

In Oberhof wurde dann auch der Rest der Gang angetroffen. Neben der @sielaeuftde noch Menschen ohne Twitter, die wir zum größten Teil von der berühmten misslungenen Teilnahme am NY Marathon kennen. Eine herzliche Gang, die einem so ein Wochenende sehr lustig macht.

Prägend für das Wochenende war die ungefähr erste Forderung von @sielaeuftde nach meiner Ankunft „ich will eine Bratwurst“. Thüringen das Land der Bratwürste und so gab es erstmal um 12:30 eine gepflegte Bratwurst aufs Brötchen.

Was ist eigentlich Rennsteiglauf?

Die Startnummern sind im jeweiligen Startort abzuholen. Ja, es gibt mehrere, denn wie in der Ex-DDR sehr beliebt handelt es sich auch hier um einen Point to Point Lauf. Etwas vereinfacht könnte man sagen, dass man sich aus zwei Richtungen auf Schmiedefeld zu bewegt. Die Halbmarathonläufer und die Supermarathonläufer (73,5 KM) von links, die Marathonläufer von rechts.

„Der Rennsteig ist ein 170 km langer Kammweg“ behauptet Wikipedia. Und auf diesem Kammweg haben 1973 vier verrückte Läufer dem Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths gedenken wollen und sind auf dem Rennsteig 100 km gelaufen. Aus dieser Schnapsidee entwickelte sich dann über die Jahrzehnte das heutige Laufspektakel.

Herr GutsMuths war in der Turnbewegung tätig und einer der „Gründungsväter“ dieser Bewegung. Der Wikipedia Eintrag ist eher eindimensional, eine gewisse Vorsicht bei der Verherrlichung der „Turnväter“ ist wohl angebracht. Bis heute gibt er dem Lauf seinen Namen.

Spektakel ist die richtige Bezeichnung, denn an der Veranstaltung mit ihren unterschiedlichen Strecken nehmen insgesamt um die 16.000 Leute (Finisherzahl 2017) teil.

Die Abholung in Oberhof für den Halbmarathon verlief trotz insgesamt 8.000 Meldungen problemlos und schnell.

Der Rest des Vortages

Nebenan bei Sport Luck (Inhaber Frank Luck, Olympiasieger in Lillehammer und Nagano) war danach Merchkauf angesagt. In der heutigen Zeit, wo man für eigentlich jedes normale Baumwollshirt schon 30 Euro bezahlt, sind Preise von 20 Euro für ein Funktionsshirt sehr angenehm. Ich musste zugreifen.

Als Hotel hatte ich das „Treff Hotel Oberhof“ gebucht. Dies erwies sich Betonbunker im sozialistischen Stil. Hübsch ist was anderes, aber dafür waren die Zimmer gut, das Personal nett und die Betten bequem.

Die Klosparty haben wir geschwänzt und nach einem Abendessen in einem Restaurant vor Ort, war auch schnell Bettruhe angesagt.

Rennsteiglauftag

Denn früh klingelte der Wecker, kurzes Frühstück, die @sielaeuftde kurz verabschiedet, die sich mit dem Bus zum Marathonstart auf machte und dann mit der Halbmarathongang zum Start gegangen.

Seinen Beutel schmeißt man unsortiert in LKW, nur um ihn erstaunlicherweise am Ende sortiert auf einer Wiese vorzufinden. Respekt an die Menschen, die in ca. 2 Stunden aus 8.000 Beuteln eine Reihenfolge herstellen.

Bei der Abgabe auch den Thüringer Blitz aka Lauffreund Sven getroffen. Ich denke, dass ihr seinen Bericht hier nachlesen könnt.

In die Startaufstellung einsortiert, die nach folgendem Prinzip funktioniert: Du bist das erste Mal dabei? Dann startest du hinten. Du bist schon mehrfach dabei? Wir ordnen dich nach deiner Zeit der Vorjahre ein, die du hier gelaufen bist. Sowieso wird mehrfache Teilnahme sehr honoriert und hoch gehalten. Dazu aber später noch mehr.

Und dann begann die Musikbeschallung. Und ich kann euch sagen, dass ich für Leute, die entweder Mallepartyhits und deutschen Schlager mögen, oder hart im Nehmen sind. Dazu noch das Rennsteiglied.

Gut, dass Sven da perfekt textsicher ist. So kommt man als Tourist mit Mitschunkeln aus.

Mehrfache Teilnahme

Das ganze ist ein Lauf der Freaks und Freaks, die hier über 30 Mal mitgelaufen sind, gibt es unzählige. Man hat das dann auch auf seinem Shirt stehen und der Moderator am Start und im Ziel honoriert dies ausführlich. Das ganze macht sympathisch, denn da kommt der 80 jährige mit der 41. Teilnahme ins Ziel des Halbmarathons nach 3:50 und wird im Endeffekt genauso ausführlich gewürdigt, wie der Sieger des Supermarathons. Oder man führt seine ganzen Startnummern der Jahre mit. Oder den Originalfischerhut vom 12. Rennsteiglauf (1985) oder oder oder. Unfassbar. Und dann steht man da im Ziel und an einem läuft ein Teilnehmer auf der Marathonstrecke vorbei, der folgendes auf dem Shirt stehen hat „Jahrgang 37, 37. Teilnahme“. Und der kommt nach einer Zeit von 5:30 ins Marathonziel. Was für Freaks.

Los geht es

Der Startschuss wird vom Innenminister gegeben, der auch mitläuft und auf die Frage wer denn noch aus der Regierung mitlaufe sagt, dass er dies gar nicht wisse und ein Innenminister ja auch nicht alles wissen müsse. ACH? Seit wann das denn? 😉

Die Marathonläufer werden ziemlich zeitgleich von Bodo Ramelow auf den Weg geschickt und diese Dichte an politischer Prominenz zeigt auch, welche Bedeutung dieser Lauf für Thüringen hat.

Ich setzte mich in Gang und hab gedacht, dass die ersten KM ob der Konstruktion der Startaufstellung eher hektisches Überholen sein wird. Aber siehe da: Es lief extrem entspannt ab. Wenn jemand schneller war und überholen wollte, dann frage er entweder ruhig nach oder wartete auf eine entsprechende Lücke. Trotz 8.000 Teilnehmern und trotz einer schnellen Einbiegung auf schmale Wanderwege wurde es nie hektisch, keiner drängelte und alles lief entspannt an.

Der Rennsteig ist nicht gerade flach. Keine Ahnung, wieviel Höhenmeter es insgesamt gibt, aber es sind einige. Ich hatte mir vorgenommen unter 3 Stunden ins Ziel zu kommen und mich an den Anstiegen nicht zu übernehmen. Und so beginnt das Hin- und Her des Laufs. Einige sind schneller rauf, andere schneller runter, die Positionen wechseln munter. Eine Läuferin schätzte, dass wir uns am Ende ungefähr 10 mal überholt hatten und ich kann ihr nicht widersprechen.

Ich lief bei gleichmäßigen Puls und hatte trotzdem einen KM bei 9:46 und einen bei 5:44 (lustiger weise KM 19). Das sagt wohl alles über das Gelände aus. Entschädigt wird man aber durch tolle Ausblicke und ganz viel Natur.

Was für mich Stadtläufer ungewohnt ist und auch nicht ohne Gefahr sind die diversen Rinnen und Wurzeln auf den Wegen. Leider hat es hier einige Teilnehmer ganz ordentlich abgepackt und einige blutige Knie oder blutige Stirne sah man im Ziel. Auf der Marathondistanz war einmal selbst der Rettungshubschrauber von Nöten. Hoffen wir mal, dass sich alle Unfallopfer auf dem Weg zur Besserung befinden. Aber auch hier: Kein hektisches weiterlaufen, kein ignorieren des Gestürzten. Sofort blieben Leute stehen, halfen ihm und kümmerten sich um ihn. Und der Rest unterbrach sein Rennen und machte Platz.

Mein Zeit Ziel verschob sich ab km 13 immer weiter nach vorne. Da es beinah durchgängig Bergab ging und ich noch viele Körner übrig hatte, gab ich nun Gas, überholte sehr viele Teilnehmer und ballerte mehrere KM in einer 6er Pace in den Waldboden. Ein ziemlich giftiger Anstieg bei KM 16 war mir vorher angekündigt worden und wenn man weiß was passiert, dann nimmt man den ganz elegant mit.

Bei 2:41:25 offiziell blieb die Uhr stehen und mit dieser Zeit kann ich sehr gut leben. Schnell war meine Gang wieder eingesammelt und die Wartezeit auf unsere Marathonläufer vertrieben wir uns mit Bratwurst, Bier und rumliegen. Und da man nach so einem Lauf nicht sehr viel braucht, waren wir auch schnell gut angetrunken.

Die Party

Irgendwann hatten wir dann alle im Ziel und nach Dusche und Abendessen fanden wir uns auf der Party in Oberhof wieder. Und was da zu einer Mischung von Partyhits, Schlager und Rennsteiglied abgeht, ist nicht in Worte zu fassen. Da tanzen Leute mit einer Supermarathonmedaille ausgelassen auf den Tischen und das Rennsteiglied wird mitgebrüllt.

Es ist eine komplette Parallelwelt in der alle durchdrehen. Nur über die Qualität der Lieder darf man nicht nachdenken, da war u.a. auch „Hamburg meine Perle“ bei.

Wiedersehen

18.05.2019 ist der nächste Rennsteiglauf und ich würde sagen, dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Starts sehr hoch ist. Das macht in seiner entspannten Atmosphäre doch sehr viel Spaß.

 

Jetzt aber erstmal

Nach Madison im Bundestaat Wisconsin wo am 10.06. der Ironman 70.3 für mich auf dem Programm steht. Ich werde berichten.