Feb 192020
 

Liebe Lesende,

es ist wieder Derby. Sportlich kann man nicht wirklich von einem Duell auf Augenhöhe sprechen, denn seitdem wir das Hinspiel gewonnen haben, lief bei uns nicht mehr viel zusammen und die AG aus dem Volkspark spielt eine halbwegs vernünftige Runde und kann wohl anfangen ganz vorsichtig für die 1. Liga zu planen. Die Ausgangslage ist also klar, egal was da gelabert wird.

Das soll uns aber nicht interessieren. Wir, der FC St. Pauli von 1910 e.V., sind schon immer der etwas dreckige Punkrockladen, der gerne auch mal wegen fehlender eigener Geschäftstüchtigkeit ums Überleben kämpft, in dem du aber die Liebe deines Lebens und das ganze Gefühl findest. Die AG? Die ist das perfekt organisierte Popevent mit viel Lightshow und wenig Herz. Nix für uns.

Wir wollen den schwitzenden Punkrockgig. Ja, wir wissen schon, wie ihr nun sagen werdet, dass der auch mal erfolgreicher sein könnte. Habt ihr Recht. Fangen wir beim Derby doch am besten damit gleich an. Wir alle haben aber zu zeigen, warum wir das Gefühl, die Liebe und der Punkrock sind und nicht die.

Daher werden wir uns alle gemeinsam in den Volkspark begeben und dort unsere Visitenkarte abgeben. Wir sind der FC St. Pauli. Es ist unser Verein. Keine AG, kein Investor, sondern wir selbst. Wir auf den Rängen und unsere Spieler.

Für unsere Spieler gelten ganz einfache Sätze: „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt!“, um mal Rolf Rüssmann zu zitieren. Werdet Legenden, kämpft und siegt für den FC St. Pauli.

Wir als der andere Teil unseres Vereines müssen ein bisschen mehr beachten. Und daher kommen nun ein paar mehr Worte.

Support

Letztes Mal im Volkspark zeigte sich, wie schwierig Support in diesem Gästeblock ist. Vieles verliert sich, man steht in dieser Ecke etwas verteilt und die Distanz zum Spielfeld tut ihr übriges. Wie schön ist es da am Millerntor! Aber jede*r sollte sich an die eigene Nase fassen und alles abrufen, was ihre/seine Stimmbänder her geben. Wir gehen davon aus, dass die Ultras wieder mit vielen Vorsänger*innen agieren werden, und an euch allen ist es, die Vorgaben umzusetzen. Supportdiskussionen können wir dann später führen. Alle gemeinsam! Laut, braun-weiß und einfach gut. Egal, wie es auf dem Platz läuft.

Hingehen-Warmmachen-Wegbrüllen! ist die Devise. Im Stadion wird es kein richtiges Bier geben. Stimmung geht auch – und erst recht – ohne! Beweist es!

Spieler

Unerklärlicherweise lesen nicht alle Spieler diesen hervorragenden Blog. Aber wenn ihr ihn lesen würdet, dann würden wir Euch folgendes mitgeben wollen:

Wenn man Eure Social-Media-Kanäle so verfolgt, scheint sich bei euch scheint langsam Derbystimmung breitzumachen. Nehmt die mit in den Volkspark. Denkt an Mats (😭) beim letzten Derby. Lauft Euch die Seele aus dem Leib. Denkt an James, der von Sekunde an keinen Millimeter hergab. Den geilen Schuss von Knolli in der 11. Minute. Das rausgezockte 1:0 von Dima. Die gedankliche Schnelligkeit vorm 2:0. So gewinnen wir wieder.
Zeigt, wer Stadtmeister*in bleibt. Wir gehen da alle zusammen hin und wir gewinnen da alle zusammen. Wir sind St. Pauli.

Dem unbedeutenden Gegner aus dem Volkspark müssen von der ersten Sekunde an die Knie schlottern. Da kommt kein Pass an, die haben vor jedem Zweikampf Angst und dass das mit dem Tore schießen nur in eine Richtung klappt, hat Rick beim letzten Derby ja schon bewiesen.

Wir haben RICHTIG Bock, gemeinsam mit Euch den Derbysieg zu feiern. Dafür geben wir unsere ganze Liebe, unsere ganze Kraft. Und nicht weniger verlangen wir von Euch.
(Und Jos, natürlich darfst du Teile dieser Ansprache gerne übernehmen. Aber ne Spende für die Braun-Weiße Hilfe ist dann im Gegenzug dazu auch drin, ne?)

Hin- und Weg

Die gilt auch für An- und Abreise. Kommt zu den ausgerufenen Treffpunkten, wir gehen da gemeinsam hin und gemeinsam wieder weg. Bildet Banden! Sprecht euch in euren Bezugsgruppen ab, geht gemeinsam zu Treffpunkten und achtet auf euch. Bei weitem nicht jede Raute will euch ans Leder, aber wenn man alleine ist, reichen zwei Doofköppe aus, damit es schlecht aussieht. Sollte etwas passieren, dann ist Ruhe und Zusammenhalt erste Bürger*innenpflicht. Wir halten zusammen! Egal was passiert. Wenn es was in den eigenen Reihen zu kritisieren gibt, dann machen wir das, wenn wir wieder „zu Hause“ sind.

Es ist auch eine aggressive Polizei zu erwarten. Diese hat laut Hamburger Presse schon mal im Stadion den Einsatz geübt (warum? In Menschenmassen gibt es nahezu keinen sinnvollen Einsatz den man üben muss) und wird wahrscheinlich darauf brennen, das Geübte auch umzusetzen. Es ist also mit Nervereien und Überreaktionen zu rechnen. Haltet auch da zusammen. Und sollte es irgendwie schief gehen, dann halten Anna und Arthur das Maul.

Und zu guter Letzt

Wir sind der FC St. Pauli, wir sind der Stadtteil St. Pauli. (Lächerlich, dass die Rauten immer noch so tun, als würde ein Teil ihnen gehören. Geht euch doch im Volkspark warmsingen!) Unser Tag kommt, wir sind die Nr. 1 der Stadt. St. Pauli ist die einzige Möglichkeit!

Es gibt was zu Gewinnen!

Wir haben einen zweiten Moneypool zugunsten der Bielefeld Hilfe eingerichtet. Hier könnt ihr spenden:

https://paypal.me/pools/c/8mH63ByW2a

Und wollen diesen Pool mit einem kleinen Ansporn verbinden:

Wenn wir bis zum 27.02.2020 19:10 Uhr 1.910 Euro erreichen, dann verlosen wir unter allen Menschen die gespendet haben einen Blogbeitrag bei uns.

Bedingungen: Ihr meldet uns kurz per Mail (Webmaster ät magischerfc.de (http://magischerfc.de/)) nach eurer Spende mit dem Hinweis, dass ihr gespendet habt und teilnehmen wollt. Was ihr schreibt ist egal, es sollte aber in den Grenzen der Leitlinien des FCSP bleiben. Wir behalten uns ein Veto vor.

Feb 162020
 

„Beim jüngsten britischen Raid über Hitlerland hat das alte Lübeck zu leiden gehabt. Das geht mich an, es ist meine Vaterstadt … Aber ich denke an Coventry und ich habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ 

(Thomas Mann in seiner BBC Radioansprache vom April 1942)

Um es gleich vorweg zu sagen: Leo Østigård hat sich (vor-)gestern wieder ein Stück mehr in unsere Herzen gewütet. Und vom entscheidenen Østigård-Kopfballtor im Derby habt ihr hier zuerst gelesen.
Danke Leo, das hat einen äußerst räudigen Spieltag aus sportlicher Sicht zumindest etwas besser gemacht.

Teile dieses Kollektivs haben den Fanräumetresen mitorganisiert, kamen deswegen erst sehr kurz vor Anpfiff ins Stadion. Und ganz ehrlich, liebe Menschen in der Süd: Die Aufgänge sind Aufgänge. Keine Stehtribünen. Und wenn ihr da dann kurz vor Anpfiff bequem rumsteht, dann macht wenigstens Platz, wenn Leute durchwollen. Und hört auf, euch über einen Anmotzer aufzuregen, nachdem ihr euch augenrollend genau keinen Millimeter bewegt habt. Das kommt jetzt wahrscheinlich überraschend, aber ihr seid tatsächlich nicht alleine im Stadion. Und das ist ein Aufgang, damit Menschen da durchgehen können. Wenig überraschend auch, dass das nie bekannte Gesichter sind, die da rumstehen. Und die komischerweise auch viel das Handy zum Fotografieren nutzen.

Das Spiel?

Macht eigentlich Laune. Da wird der Tabellenletzte über weite Strecken vorgeführt und wir sehen eine wirklich angemesse Leistung unserer Spieler. Doch dass es zur Halbzeit noch nicht mindestens 2:0 steht und am Ende tatsächlich kein einziger Treffer und damit nur ein lumpiger Punkt herausspringt, macht uns fassungslos. So eine schwache Dynamo-Truppe, die nicht nur destruktiv spielt, sondern auch noch in bester Dresdener Tradition herumopfert, wenn ein Spieler in einem Zweikampf zu Boden geht, hat in unseren Augen in der Zweiten Liga nicht mehr viel verloren. Kauczinski weinen wir auch nach wie vor keine Träne nach. Was für ein beschissener Anti-Fußball. Mehr Gemotze ansonsten auch bei den Hoschis vom Millernton.

In der 68. Minute haben wir “musst du anders von der Bank eingreifen” notiert. Und freuen uns dann, als in der 72. Minute Diamantakos schon zur Einwechselbank läuft. Um dann wieder umzudrehen und Buchtmann zu holen. Und das ist dann auch der Moment, als wir das Spiel abschreiben. Wieso dieser Wechsel zu diesem Zeitpunkt, mit diesen Alternativen?

Ganz allgemein ist es im Fußball bemerkenswert, wie spät gewechselt wird. Statistisch ist der Wechsel vorteilhaft, sodass uns immer noch nicht klar ist, warum eigentlich alle Trainer 75 Minuten (und damit 5/6 des Spieles) verstreichen lassen, bevor sie wechseln. Hier liegt eine Möglichkeit, sich kleine Vorteile zu verschaffen auf der Hand. Und kleine Vorteile können in einem so engen Sport wie Fußball entscheidend sein. In diesem Zusammenhang: Unser erster Wechsel wirkte sehr nach einem “angeschlagen”-Wechsel, oder? 

Wir haben mittlerweile übrigens auch Albträume von der Handbewegung, die Veerman nach verpassten Großchancen macht. Hoffen wir mal, dass die verpassten 3 Punkte aus den letzten beiden Spielen und die verpassten 4 Punkte gegen den Scheißverein nicht noch zu viel mehr Albträumen führen. Auch wenn wir gerade nicht sehen, wir wir das in der aktuellen Situation spielerisch gelöst bekommen wollen. 

Nach dem Spiel dann zurück in die Fanräume, um dort den Tresen zu schmeißen. Wir gucken dann das nächste Mal erst um 23:30 auf die Uhr. Und mussten kurz überlegen, wie das Spiel eigentlich ausgegangen ist. Vielleicht ist das die allerbeste Verarbeitungsform nach solchen Spielen. Danke an alle, die mit uns gefeiert haben, danke an all die Spenden in den Spendendosen.

Alkoholfreie Getränke im Eingangsbereich der Fanräume.

Aus Sicht eines Nutzers und anderem Teils des Kollektivs: Danke für den nichtalkoholischer Stand gleich vorne an. Sich schnell ein Wasser holen zu können, ohne sich in die vollen Fanräume drängeln zu müssen, ist echt toll. Und das sind jetzt nur die subjektiven persönlichen Gründe des Schreibers. 

Der Abend endet dann wieder einmal vorm Jolly. Mit der Feststellung, dass in einer Woche Derby ist. Und dass die Derbystimmung im Vergleich zum September 2018 ganz schön abgeflacht ist. Wir sind uns noch unsicher, ob das gut oder schlecht ist.

Stickertheater

Der Verein hat sich gestern noch zu einer Stellungnahme hinreißen lassen. Mal ehrlich gefragt: Gab es in jüngerer Vergangenheit jemals eine Stellungnahme, die irgendwas besser gemacht hat? Wir erinnern uns nicht und sehen diese als einen weiteren Beleg dafür.

Warum braucht es diese Stellungnahme überhaupt? Bisher ist nicht öffentlich geworden, dass es ein nennenswertes Fehlverhalten seitens der Anhänger*innen unseres Vereins gab, und es wird auch in der Stellungnahme nur auf “Provokationen beider Seiten” eingegangen. Wie ihr wisst, stehen wir nicht auf der Nord, und können und wollen deshalb nicht genauer darauf eingehen, wie das ausgesehen haben könnte. 

Das Statement nennt explizit die Sticker. Und auch wenn dann sofort gesagt wird, dass die Sticker nicht als Begründung für den Angriff dienen sollen, stellt man selbst dann halt damit die Verbindung her. Das ist wie mit den blauen Elefanten, einmal als Bild in die Welt gesetzt, kriegst das nicht mehr raus. Was ist die Alternative, fragt ihr uns? Einfach gar keine Stellungnahme, es gibt einfach keinen Bedarf. Und ansonsten: Sticker einfach nicht erwähnen.

Sowieso die Sticker. Diese Sticker sind mehrere Jahre alt. Sie wurden jetzt von Dresdener Seite als “Begründung” herangezogen. Es wird von Verteilaktionen vorm Stadion gesprochen und es klingt, als wären jeder/jedem Stadionbesucher*in mehrere dieser Aufkleber in die Hand gedrückt worden und sie wären dann gezwungen worden, diese im Stadion zu verteilen; Kinder wurden dabei bestimmt auch noch instrumentalisiert. Und jeder Person, die keinen Sticker haben wollte, wurde sicher auch noch sofortig der Zugang zum Stadion verwehrt. 
Wir haben davon jedenfalls gar nichts mitbekommen und den ganzen Tag keinen einzigen neuen Sticker gesehen außer den Awareness-Stickern. Aber auch bei denen finden die Dresdener*innen sicherlich auch noch irgendeinen Grund rumzuopfern, weil die Sticker bestimmt irgendwie gemein sind. Das Hintergrundbraun erinnert sicherlich daran, wie irgendwas irgendwann ausgesehen hat.
Es reicht also, dass ein einzelner Twitteruser ein Foto dieser Sticker hochlädt und ankündigt, diese vor dem Stadion zu verteilen, um hier eine riesige Geschichte aus nichts zu machen. 

Exkurs: Humanitäre Sticker

Die Sticker sind nicht bloß als “geschmacklose Provokation” zu sehen, wie es jetzt auch verschiedenste Wutpaulis auf unserer Seite postulieren. Und von Dresden fangen wir besser gar nicht erst an. 

„Wir weinten vor Freude, als wir den roten Schein am Himmel sahen. Dresden brennt, die Aliierten sind nicht mehr weit! Das war psychologisch ungeheuer wichtig für uns.“

Überlebende des Ghettos Theresienstadt

Wir stellen fest: 
Dresden wurde nicht inhumanitär angegriffen.
Andere deutsche Städte hat es schlimmer getroffen.
Der “Bombenkrieg der Alliierten“ war Teil des Zweiten Weltkrieges. Den die Deutschen begonnen hatten, und in dessen Kontext Millionen Menschen Opfer des nationalsozialistischen, faschistischen Weltbildes wurden. 
Der Krieg war am 13./14. Februar noch nicht beendet, sondern lief noch Monate weiter. 
Ein Großteil der Städte dieses Landes misst diesen Bombardierungen keine Besonderheit zu, sondern ordnet sie eben historisch ein, wie sie einzuordnen sind: eine Maßnahme der Alliierten, um den Zweiten Weltkrieg schneller zu beenden. 
Am 13./14. Februar gab es noch mehrere Millionen deutscher Soldaten, die nach wie vor mordeten. Warschau war gerade seit 4 Wochen befreit, Auschwitz seit 18, Budapest seit 2 Tagen. Deutsche Städte waren in nach wie vor nationalsozialistischer Hand und die Unterstützung durch die Bevölkerung war ungebrochen. Tausende Jüd*innen und Internierte der Konzentrationslager wurden zu diesem Zeitpunkt in Todesmärschen durchs Land getrieben. 

Wisst ihr, wann Hamburg bombardiert wurde? Habt ihr da jemals Trauermärsche mitbekommen?

Eben. Dresden ist die einzige deutsche Stadt, in der in dieser Massivität eine Täter-Opfer-Umkehr gesellschaftlich akzeptiert wird. In der immer wieder die deutschen Opfer prioritär beklagt werden. In der Ursache-Wirkung einfach umgekehrt werden. Diese Behauptung einer Singulärität ist auch deswegen indiskutabel, weil in dem Gedenken niemand ein Wort zu Gernika (baskische Schreibweise des Ortes) und Coventry verliert. 

Und gegen diesen zum Konsens gewordenen Faschismus stellen sich die kritisierten Sicker und die entsprechenden Transparente, die das Thema auch immer wieder aufgreifen. Reflexhafte Distanzierungen bringen genau niemandem was. Sondern im Gegenteil, sie stärken den Dresdener Konsens, der niemals Konsens werden darf.

Wenn wir “Nie wieder Deutschland” brüllen, dann meinen wir das genau so. Nie wieder Angriffskrieg, nie wieder Faschismus; gegen jede Geisteshaltung, die hierfür den Nährboden bietet. 

Überflüssige Statements

Und unsere Vereinsführung fühlt sich allen Ernstes noch bemüßigt, darauf einzugehen. Spitzenvorlage für das nächste rumopfernde Statement aus Dresden, wie gemein die bösen Paulis aber auch immer mit ihrer klar antifaschistischen Grundhaltung sind. Einfach mal nicht drauf eingehen, einfach ignorieren und wegatmen. 

Und dann auch noch “verhöhnender Darstellung von Bombenangriffen sind mit den humanitären Grundsätzen des Vereins nicht vereinbar” schreiben. Sie verhöhnen eben nicht die zivilen Opfer, sondern sie richten sich gegen die Täter-Opfer-Umkehr, die in Dresden jedes Jahr auf die Straßen getragen werden. Kaum ein Mensch in Fußballdeutschland oder linker Szene thematisiert unserer Kenntnis nach die Menschen, die bei Bombenangriffen auf andere deutsche Städte als Dresden ums Leben gekommen sind. Warum? Weil keine andere Stadt ein so bizarr verzerrtes Gedenken an den Zweiten Weltkrieg zelebriert. Zuerst war der Opfermythos, dann erst kam die – geschmacklich vielleicht nicht immer ganz so treffsichere – Kritik daran. Wer diese als Verhöhnung der Toten begreift, ignoriert den Kontext und interpretiert folglich schlicht falsch.

Warum die eigene Fanszene den rechten Trollen zum Fraß vorwerfen? Ist die Angst vor der DFB-Strafe so groß? (Wir haben doch genug Geld durch den Mats-Transfer, der so hervorragend intern aufgefangen wurde.) 
Man muss als Offizielle ja nun nicht sagen, dass man die Sticker als Reaktion auf den Dresdener Opfermythos gut findet. Auch wenn wir da nichts dagegen hätten. Aber man kann doch gottverdammtnochmal einfach mal nicht reagieren. Ein uns bekannter Mensch sagt immer, wenn sich ein Mitglied des Kollektivs zu sehr aufregt: “Unrat vorbei schwimmen lassen”, uns das wäre hier die sehr viel bessere Variante gewesen.

(Ja, irgendein Frankfurter Vizepräsident hat dazu was in einem Interview gesagt, was auch nicht so klug war. Aber von offizielle Vereinsseite ohne Absender wie bei uns haben wir da nichts gefunden.)

Insgesamt: Ebenfalls in jüngster Vergangenheit hat es sich als wenig sinnvoll erwiesen, vor rechten Shitstorms einzuknicken. Um nicht zu sagen, dass das Einknicken noch nie eine kluge Idee war.

Und ansonsten ziehen wir ab sofort bei jeder Auseinandersetzung außerhalb des Platzes irgendeine alte Aktion des Gegnervereins als Begründung hervor. Dann können wir ja einfach die öffentliche Diskussion darauf lenken. Für nächsten Samstag sind es dann Puppen, die von Autobahnbrücken hingen.

Heiligengeistfeld

Wir hatten vor dem Spiel die Faninfos für Dynamo zufällig gelesen. Da war das Heiligengeistfeld als Parkplatz für Gästefans ausgewiesen. Das ist natürlich auch eine super Idee. Und einige Dynamo-Irrlichter meinten auch, dort einen auf Hooligan machen zu müssen und vermummt Menschen anzugreifen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll das wohl in einem “So was kommt von so was” für die geendet sein. Kein Mitleid. Echt nicht. 

Off Topic: Unser Fanladen fügt den Infos für Auswärtsfans eine sehr ausführliche Erläuterung zu der VcA-Bechersammlung bei und das ist sehr cool. 

Solidarität, immer noch

Wir sammeln via PayPal Moneypool immer für die Braun-Weiße Hilfe. Zu den Gründen haben wir alles gesagt.

Feb 112020
 

Einleitung

Die Überschrift ist ein Widerspruch in sich. Wenn wir Schlachttiere fragen könnten, ob sie getötet werden wollen, dann werden sie sehr wahrscheinlich mit „Nein“ antworten und nicht mit „aber bitte möglichst tiergerecht“. Wir sind hier ja nicht im Restaurant am Ende es Universums (in der Hoffnung, dass ihr „Per Anhalter durch die Galaxis“ Referenzen versteht).

Insofern sollte man sich als Fan immer überlegen, ob man bei gewissen Mechanismen mit macht. Nehmen wir doch mal zum Beispiel die/den Strafverteidiger*in. Deren Rolle ist gesellschaftlich eine eigenartige, denn im Endeffekt helfen sie massiv dabei mit, dass ihre Mandant*innen in den Knast kommen, sprich ziemlich viel Leid erfahren.
Wir haben uns als Gesellschaft auf die Notwendigkeit der Strafe verständigt und wollen diese irgendwie human ausgestalten und das Verfahren „gerecht“. Aber natürlich auch nicht zu viel davon, denn unser urzeitliche Racheinstinkt soll natürlich befriedigt werden. Man stelle sich vor, was los wäre, wenn ein*e Strafverteidiger*in in 50 % aller Fälle erfolgreich wäre. Die Gesellschaft wäre sich sehr schnell einig, deren Rolle einzuschränken.

Trotzdem machen auch gute Menschen als Strafverteidiger*in ihren Job, weil sie eben in einem sehr fest etablierten System „das Beste“ für ihre Mandant*innen herausholen wollen.

Und genau hier kommen wir zu der Mitteilung der Schwarz-Gelben-Hilfe und Dynamo Dresden vom letzten Freitag. Die ihr hier nachlesen könnt. Inhalt ist grob zusammengefasst, dass man eine Kommission ins Leben gerufen hat, die betroffenen Fans einen Vergleich anbieten soll, wenn sie denn für eine Umlage der Verbandsstrafe in Frage kämen. Dabei wolle man verhältnismäßig agieren.

Erstes Gefühl? Hier führen Fans ihre Mitfans zur Schlachtbank. Zweites Gefühl? Vielleicht haben wir hier ein so festgefahrenes System, wie das Strafrecht, dass dies noch das Beste ist, was wir rausholen können?

Diese Frage gilt es erstmal zu untersuchen.

Ersatzstrafrecht?

Erstmal, worum geht es hier eigentlich? Machen wir uns nix vor, bei dieser ganzen Umlage von Geldstrafen geht es insbesondere darum, dass konservative Menschen mit ihrer Mär vom „zu weichen“ Strafrecht und ihrer Forderung nach harten Strafen, die abschrecken müssen den öffentlichen Diskurs bestimmen und gewinnen. Da das Strafrecht hier angeblich nicht ausreicht und nicht abschreckt, müssen härtere Mittel her und die versucht man zu erreichen, indem man absurd hohe Geldsummen auf Einzelpersonen umlegt. Das Zivilrecht wird dann zu einem Ersatzstrafrecht umgedeutet. Kommt euch bekannt vor? Genau, das gleiche haben wir im Polizeiordnungsrecht und seit neustem im Polizeigebührenrecht (Wir kommen dazu noch).

Dem entsprechend beendet Dr. Sigrid Lorz ihre Kommentierung des entsprechenden BGH (Lorz, jurisPR-BGHZivilR 2/2018 Anm. 1) mit der Hoffnung, dass Täter nun Abstand von Ausschreitungen nehmen würden, weil ein weiteres Instrument sie treffen würde.

Dieses „härtere Strafen wirken abschreckend“ ist in der Kriminologie hoch umstritten (siehe z.B: hier), aber da ist es wie bei dem Klimawandel, was Experten sagen wird im öffentlichen Diskurs nur sehr bedingt wahrgenommen.

Und dass wenn überhaupt das Strafrecht härtere Strafen vorsehen müsste, ist wohl nur noch eine Mindermeinung. Denn man umgeht durch diese Ersatzstrafrechte auch jegliche Schutzrechte des Angeklagten, jegliche Wertungssysteme und z.B. auch die Möglichkeiten eines Verteidigers. Ähnliches gilt nebenbei für solche Ideen wie „Führerscheinentzug bei Pyro“. Strafrecht soll eine individuelle Schuldangemessene Strafe ermöglichen. So etwas ist mit einem schwarz-weißen Führerscheinentzug genauso wenig möglich, als wenn man Strafen eines Sportgerichtes weitergibt. Man darf dabei auch nie vergessen, dass so ein Sportgericht eigentlich ein rechtlich zweifelhaftes (Stichwort „Pechstein-Prozess“, wir haben mal drüber gebloggt) Spezialgericht ist, welches für verbandsinterne Streitigkeiten gedacht war. Und welches bei seinen Strafen insbesondere auch an das Verhalten seines Mitglieds (=Verein) anknüpft.

Ist das also fest im Recht verankert?

Ist dies also nun so sehr fest installiert, dass ich als Fanhilfe nur noch „das kleinere Übel“ wählen kann und da wenigstens helfen muss. Wir denken nein!

Wir hatten über die rechtlichen Grundlagen bereits mal gebloggt und die damaligen kalten Füße des OLG Rostock ausführlich erörtert.

Seit 2011 ist jedoch viel Wasser die Elbe heruntergeflossen und das Thema war zwischenzeitlich beim BGH und so schreibt die Pressemitteilung von Dynamo Dresden lapidar nur:

„Die Rechtmäßigkeit der Umlegung von Verbandsstrafen auf Einzeltäter ist vom Bundesgerichtshof (BGH) in einem entsprechenden Urteil rechtskräftig bestätigt worden.“

Das ist richtig. Der BGH hat mit Urteil vom 09.11.027 (VII ZR 62/17) einen Fall entschieden und die Möglichkeit der Weitergabe zugelassen.

Und da ist der erste Punkt, warum das eben nicht ausgesungen ist und warum ein Vergleich vielleicht nicht das beste Mittel für einen Fan ist. Man muss sich mal den Prozessverlauf ansehen. LG Köln (7 O 231/14) hatte der Klage stattgegeben, das OLG Köln (I-7 U 54/15) sie dann abgewiesen, der BGH (VII ZR 14/16) hatte dann das OLG Köln rechtlich aufgehoben und an das OLG zurück verwiesen, welches dann der Klage (I-7 U 54/15) zu 2/3 (!) stattgab, die dagegen gerichtete Revision der Klägerin (!) wurde dann abgelehnt (Aktenzeichen siehe oben). Klägerin war unseres Wissens hier nebenbei der FC Köln.

Es gibt zwei entscheidende Fragen bei diesen Fällen und beide scheinen eben nicht wirklich abschließend geklärt zu sein.

Zurechnung der Verbandsstrafe

Das OLG hatte in seinem ersten Zulauf den sogenannten Zurechungszusammenhang verneint. Der BGH bejahte diesen, und meinte, dass es egal sei, dass hier eine vertragliche Nebenpflicht bestünde (siehe OLG Rostock) und der Zurechnungszusammenhang nicht durch ein Dazwischentreten Dritter aufgehoben werde. Bemerkenswert ist hier der Original Text des Urteils des BGH mit dem er das OLG aufhebt, zitiert nach Juris:

„Nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs wird die haftungsrechtliche Zurechnung nicht schlechthin dadurch ausgeschlossen, dass außer der in Rede stehenden Handlung noch weitere Ursachen zu dem eingetretenen Schaden beigetragen haben. Dies gilt auch dann, wenn der Schaden erst durch das (rechtmäßige oder rechtswidrige) Dazwischentreten eines Dritten verursacht wird. Der Zurechnungszusammenhang fehlt auch in derartigen Fällen nur, wenn die zweite Ursache den Geschehensablauf so verändert hat, dass der Schaden bei wertender Betrachtung nur noch in einem „äußerlichen“, gleichsam „zufälligen“ Zusammenhang zu der durch die erste Ursache geschaffenen Gefahrenlage steht.

Man kann das so ein bisschen zynisch so kommentieren, dass es dabei egal ist, ob das Urteil des Verbandsgerichtes rechtmäßig oder rechtswidrig ist. Haftungsrecht ist schon was lustiges. Auch gerade weil der BGH weiter ausführt:

Der Zurechnungszusammenhang kann auch nicht mit der Erwägung verneint werden, die Klägerin hätte die Geldstrafe nicht zahlen müssen, weil § 9a der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB unwirksam sei (allgemein zum Diskussionsstand: Walker, NJW 2014, 119; 120 ff.; Kober, Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien, 2015, S. 126 ff.; Müller-Eiselt, Die Gewährleistung der Sicherheit bei Fußballspielen, 2015, S. 219 ff., 267; M. Fröhlich/H.-W. Fröhlich, causa sport 2015, 157, 158 f.; Scheuch, SpuRt 2016, 58, 61, jeweils m.w.N.). Hierauf kommt es im vorliegenden Fall nicht an, weil ihre Entscheidung zur Zahlung der Geldstrafe durch das vertragswidrige Verhalten des Beklagten herausgefordert worden ist und keine ungewöhnliche oder unsachgemäße Reaktion hierauf darstellt (vgl. BGH, Urteile vom 23. November 2006 – I ZR 276/03, WM 2007, 1192 Rn. 23; vom 7. März 2002 – VII ZR 41/01, NJW 2002, 2322, 2323, juris Rn. 27 m.w.N).

Geil, oder? „Ist uns doch egal, ob das komplettes Unrecht ist, das ist nicht ganz ungewöhnlich oder unsachgemäß, also ist das okay“. Puh, das muss man sich mal echt auf der Zunge zergehen lassen. Der BGH äußert in der Folge auch keine Zweifel daran, dass so Verbandsgerichte legitim sind und blendet mal eben locker die gesamte Pechstein-Geschichte aus.

Wenn man so bei Juris die Literaturhinweise und die Kurzzusammenfassungen der entsprechenden Literatur so liest (Juris liefert hier keinen Volltext, daher auch keine Zitierung der Quellen, geneigte Leser werden diese über Jurist finden), dann ist sich die Literatur hier nicht so wirklich sicher. Es wird dem BGH geraten seine Definition zu überdenken, auch wenn ihm im Ergebnis zuzustimmen sei, andere Autoren raten den Weg nach Karlsruhe (bekanntermaßen Sitz des Bundesverfassungsgerichtes) anzustreben, wieder andere lehnen diese Zurechnung ab.

Und wir haben in Deutschland immer noch keine Case Law. Der BGH ist kein Rechtssetzer. Insofern haben Literaturmeinungen hier schon Gewicht und das ganze ist wahrscheinlich eben noch nicht abschließend geklärt.

Höhe der Zurechnung

Habt ihr euch jemals gewundert, woher diese „Wir zählen Pyros und addieren die zu einer Gesamtstrafe“ beim DFB Gericht kommt? Das sieht wie eine Reaktion auf dieses Urteil aus. Ihr werdet das gleich sehen.

Das OLG hatte nur 2/3 der Klage stattgegeben. Dem ganzen lag folgender Sachverhalt zu Grunde. Insgesamt wurde der Verein zu 80.000 Euro vom DFB verurteilt. Davon 50.000 als Geldstrafe und 30.000 für Projekte und Maßnahmen. Auf die letzte Summe wurden noch 19.000 und ein paar Kröten für eine verbesserte Videoüberwachung angerechnet. Auf diese Gesamtsumme kam das DFB Sportgericht, indem es vier Vorfälle einzeln bestrafte und für diese jeweils Geldstrafen festsetzte. Zweimal 20.000, einmal 38.000 und einmal 40.0000. Wobei 40.0000 der Vorfall des Klägers war.

Das DFB Sportgericht hatte dann nicht einfach addiert, sondern § 54 StGB (wenn ein Sportgericht Strafgesetzbuchvorschriften analog anwendet, dann sollten sich bei jedem/jeder Jurist*in die Nackenhaare aufstellen.) analog angewandt und die höchste Einzelstrafe erhöht.

Die Klägerin hatte nun argumentiert, dass sie von dem Beklagten 50 % der Summe bekäm, weil 40.000 Einzelstrafe gewesen wäre, ursprüngliche Strafe 80.000, das sind halt 50 % also 50 % von den dann verhängten 60.000 also 30.000. Dem ist das OLG nicht gefolgt, sondern will halt im Anteil aller Einzelstrafen nur haften lassen (40.000 zu 118.000 ergibt irgendwas um die 29,5 %; 29,5 % von 60.000 = 20.340; Gericht hat gerundet) Eine Gesamthaftung für alle Strafen lehnen alle Gerichte ab, weil sie die für zu zufällig halten. Hiergegen war dann nur noch die Klägerin (!) in Revision gegangen. Der BGH hat das dann bestätigt.

Hier greift halt die neue “Strafe pro Pyro” Regel des Sportsgerichts. Es ist dann halt aber ein Betrag pro Pyro zu ermitteln und es wird dann spannend, wie die Rechtsprechung das sieht. Jede(r) haftet nur in Höhe ihres/seines einzelnen Pyro? Oder für die ganze Show bei diesem Spiel?

Es bleiben Fragen

1.
Was gar nicht mehr Thema war: Das OLG Rostock (siehe unseren damaligen Artikel, der oben verlinkt ist) hatte an diesem Punkt noch Ausführungen zum Thema „gibt es eigentlich Grenzen der Haftung?“ gemacht und den Jurist*innen ist diese Frage aus dem Arbeitsrecht wohlbekannt. Das (veraltete) Stichwort ist „Gefahrgeneigte Arbeit“.
Der BGH hat hier einfach einer mathematischen Berechnung seinen Segen erteilt. Die Frage ist: Gilt das auch noch, wenn wir als Schaden das berühmte Geisterspiel haben, oder die Strafen nach dem „jetzt müssen wir noch höhere Strafen fordern“ Prinzip noch mehr angehoben werden?

2.
Auch dieses „uns doch egal, ob § 9a der DFB Verfahrensordnung rechtmäßig ist“ erscheint zumindest zweifelhaft. Man hat wieder das Gefühl, dass der BGH hier unbedingt zu einer Verurteilung kommen wollte (Abschreckung und so) und daher die Bedenken leichtfertig vom Tisch geworfen hat.

3.
Auch die Annahme einer vertraglichen Nebenpflicht kann man weiterhin kritisch sehen und die juristische Literatur sieht es weiterhin kritisch.
Klar kann ich eine (Neben-)Pflicht eine Veranstaltung nicht zu stören annehmen, aber habe ich dann wirklich die Pflicht, mich de facto einem Verbandsgericht zu unterwerfen, bei dem ich nicht Beteiligter bin und der beteiligte Verein anscheinend auch keine Schadensminderungspflicht hat, denn der BGH sagt „ist uns doch egal, ob ihr dagegen bis zum bitteren Ende vorgeht“? Das erscheint sehr weitgehend. Und man muss sich echt fragen, ob diese Nebenpflicht, die nach dem BGH auch per AGB einbezogen ist wirklich so ohne Aufklärung des Kunden möglich ist. Fragt mal eure Nebensitzer*innen/Nebensteher*innen ob ihnen eigentlich klar ist, dass sie eine Nebenpflicht haben Verbandsstrafen anteilig zu zahlen. Unsere These ist, dass das den wenigsten klar ist. Fragen wie Verbraucherschutzrecht, überraschende Vertragsklauseln etc. werden hier gar nicht angerissen.

4.
Kann man weiterhin verfassungsrechtliche Bedenken haben, denn gerade bei einer eher starren Berechnung der Weiterreichung werden all die Wertungen der schuldangemessenen Strafe und all die anderen Wertungen des Strafrechts, die meistens auf Verfassungsgütern beruhen vom Tisch gewischt und hinten herum ausgehebelt. Was ist z.B. mit „keine Strafe ohne Gesetz“, wenn man hier von einer vertraglichen (!) Nebenpflicht (!) als Grundlage ausgeht. Das wird dann schon sehr schwierig und weitreichen

5. Umfang der Haftung

Wie wird die Durchleitung durch die neue “Strafbemessung per Pyrozählen” beeinflusst? Siehe oben.

Warum Dynamos Rechtshilfe deswegen versagt hat

Wenn man all diese Bedenken sieht, dann erscheint es nicht sinnvoll hier dem Verein die ganze Hand zu reichen und bei so etwas mit zu machen. Was ist denn aus der Forderung „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ geworden? Lieber akzeptiert man dieses System.

Und legitimiert damit die immer weiter um sich greifende Überwachung und Bespitzelung der Fans durch ihre Vereine, denn eine Weiterreichung der Strafe wird man nur bei überführten Tätern durchsetzen können. Will man bei dieser Überführung dann auch noch mithelfen? Und was ist, wenn der Verein meint einen Täter überführt zu haben? Oder – wie man bei der Schwarz-Gelben Hilfe ja nachlesen kann – die Polizei mal wieder meint einen Täter dingfest gemacht zu haben, weil er einen schwarz-gelben Fischerhut trug? Wo ich als Fanhilfe jetzt noch eine strafrechtlichen Einstellung nach § 154 StGB gelassen hinnehmen kann, schaffe ich in diesem System ein Argument für eine Täterschaft, welches ich nur schwerlich widerlegen kann.

Was auch bemerkenswert ist: Wie soll denn eine Verhältnismäßigkeit aussehen, die gleichzeitig die Geschäftsführung von der angeblichen (gleich dazu noch) Schadensabwendungspflicht freistellt aussehen? Zumindest der BGH sieht eine solche Verhältnismäßigkeitsabwägung nicht, wenn ich also eine Schadensabwendungspflicht als Geschäftsführung habe, dann kann ich nicht plötzlich eine solche Verhältnismäßigkeit einbauen und meinen damit nicht mehr haftbar zu sein. Sowieso wie soll diese denn aussehen? Hans-Jürgen und Klaus beide 16 jährige Schüler zünden beim Derby gegen Magdeburg 10 Bengalos und werfen die in den Innenraum, weiterhin malen sie ein Plakat (über 3m²) mit Beleidigungen der Magdeburger*innen, der DFB verurteilt Dresden deswegen zu 17.000 Euro. Welche Weiterreichung ist nun verhältnismäßig? Zahlen können Hans-Jürgen und Klaus das so oder so nicht? Und ändert sich die Verhältnismäßigkeit, wenn die Täter*inne nicht Hans-Jürgen und Klaus sind, sondern Reinhard und Hartmut, die 20 Jahre alt sind? Oder Ulf und Dieter, die 36 sind? (Ähnlichkeiten mit Vornamen von Ehrenspielführern von Dynamo Dresden sind Absicht, deswegen kein nicht männlichen Täter in diesen Beispielen)

Das wird schnell Willkür. Schön, dass es da das Strafrecht gibt mit seinem Jugendstrafrecht. Oh wait.

Dynamo spielt falsch

Hinzu kommt, dass Dynamo in seiner Pressemitteilung falsch spielt.

Wir zitieren:

„Denn während Dynamos Geschäftsführung dazu verpflichtet ist, finanziellen Schaden vom Verein abzuwenden, wird die Sportgemeinschaft auch in Zukunft bei einer etwaigen Umlegung von Verbandsstrafen die Verhältnismäßigkeit dem Betroffenen gegenüber gewährleisten. Eine gesamtschuldnerische Haftung etwa, bei der die volle Strafe mehrerer Verursacher auf einen Einzeltäter umgelegt wird, kann Existenzen gefährden oder gar zerstören.“

Erstmal haben wir eben gesehen, dass eine gesamtschuldnerische Haftung vom BGH für die Gesamtstrafe eben gerade nicht angenommen wird. Auch muss sich Dynamos Geschäftsführung dann mal fragen lassen, wer denn bitte diese Verpflichtung gelten machen soll? Dies können nämlich nur die Mitglieder des Vereines in Form der Mitgliederversammlung. Mal ehrlich: Wie wahrscheinlich ist das? Gerade bei einem Verein wie Dynamo. Hier so zu argumentieren ist schon ziemlich fragwürdig.

Zusammenfassend

1) Rechtmäßigkeit von Verbandsstrafen ist nicht so einwandfrei geklärt, wie das dargestellt.
2) Das Berechnungsverfahren für die Strafhöhe ist zumindest sehr fragwürdig.
3) Wird damit – mit Unterstützung der Schwarz-Gelben-Hilfe Tür & Tor für noch mehr Überwachung geöffnet.
4) Macht es sich Dynamo in der Begründung sehr, sehr einfach.

Zuguterletzt

Liebe Braun-weiße Hilfe, lieber FCSP: Denkt nicht einmal im Traum dran.

Rechtshilfen sind wichtig!

Gerade bei uns, gerade nach den Vorkommnissen in Bielefeld.

Spendet an die braun-weiße Hilfe

Feb 112020
 

Zähne, Krankheiten, der perfekte Mord, Pony & Ride. 
Dies ist eine Zusammenfassung der Gesprächsthemen der Hinfahrt.

Zu früh da, zu kalt. Rumlungern vorm Block. Zwischenzeitlich Info, dass USP und bahnreisender Mob von Zugausfällen (Danke Sabine!) betroffen ist. Kommen dann immerhin noch, aber verspätet.

Eigentlich geplanter Fanmarsch dann zeitlich nicht mehr drin, deswegen Shuttlebusvariante. Und die Cops versuchen sich an billiger Provokation, lassen nur so viele Menschen in jeden Bus wie er Sitze hat. Es ist kurz vor Anpfiff, die Menschen wollen zum Spiel und euch fällt echt nichts besseres ein, als sinnlose Vorgaben zu machen? Die Busse vom Park (Ähh, sorry, Pony) & Ride durften doch auch voller fahren. BFE natürlich auch sofort am Start. Naja, Eutin muss ja auch mal in praktischer Anwendung üben. 

„Kiel ist die DDR Norddeutschlands“

Wir waren zuletzt im April des vergangenen Jahres in Kiel. Und ganz ehrlich, wir könnten jetzt aufs Neue ranten. Wir sind aber faul, müde und schlechtgelaunt und zitieren uns selbst:

Erstmal seid ihr kein Derby, auch wenn ihr das noch so häufig verkündet. Wir messen uns mit Gegnern und nicht mit irgendwelchen daher gelaufenen Landeshauptdörfern.
Dann kann Euer Hosentaschen-Lotto sich noch so häufig auf den Rasen stellen mit seiner Gitarre, der Song tut nur weh. Verein gereimt auf Holstein? Da dreht sich ja Goethe im Grab um!
Dieser Gästeblock ist der letzte Rotz, viel zu klein für die verkauften Karten, Ordner im Eingangsbereich mit Nazisymbolen und ein Netz vor dem Block, das sofort Migräne macht. Geil. Nicht.

[Ok, Netz war dieses Mal weg aus dem direkten Gesichtsfeld, bei Ordner*innen ist uns dieses Mal auch nichts aufgefallen. Aber der/die Architekt*in dieses Blocks in dem die Hälfte der Menschen nichts sehen kann, kommt nach der Revolution zeitig in den Gulag. Wobei, die Ordner*innen ließen die Lesebrille eines Mitreisenden nicht mit ins Stadion. „Wurfgeschoss“. Ähhh, ja. Tja, nun.]

Und dann kriegt der weibliche Teil dieses Kollektivs in Kiel regelmäßig eine sehr große Krise, wenn da leicht bekleidete Mädchen vor Fussballottos tanzen. Cheerleading ist ein toller Sport. Wir haben Respekt vor den Menschen, die ihn ausüben. Wer aber auf die Idee gekommen ist, dass es toll wäre, ebenjene Cheerleader*innen vor durchschnittlich zweieinhalb Mal so alten Männern (mehrheitlich) im Kontext eines Fussballspiels tanzen zu lassen, der/ die sollte sich vielleicht mal hinterfragen. Und dass die Cheerleader*innen dann auch noch jedes Mal aufs Neue vorm Gästeblock auftreten, ist echt unfassbar. Wir haben jetzt 5 Minuten überlegt, was wir mit der verantwortlichen Person gerne machen würden. Und naja, keine Idee, alles nicht angemessen. Der Gästeblock bleibt ruhig, vereinzeltes „Das hat mit Fußball nichts zu tun“, ansonsten Stille. Wie das bei den sexistischen Held*innen aus Dresden, Aue und Stuttgart klingt, wollen wir uns echt nicht vorstellen. 

Wobei, wir haben gerade doch noch eine Idee für eine Strafe: Lebenslang mit all diesen Fritzis, Störchen (der/ die hat noch nicht mal nen Namen, oder?) und weiteren Maskottchen schlechte Montagskicke auf irgendwelchen Ackern angucken. Dabei in Vorbereitung auf die rituelle Opfergabe aller Maskottchen eine passende Cheer-Choreo einüben.
(Machen wir dann nach dem Champions League Gewinn des FCSP.)

Hendrik Andreas Jacobus

So lautet der volle Vorname unseres Stürmers. Einer der wenigen Lichtblicke dieses Spiels. Zumindest zeitweise.

Insgesamt eher lahmer Einstieg ins Spiel. Dann bettelst du 5 Minuten lang ums Gegentor, verlierst die defensive Stabilität und kriegst dann halt auch das Tor. Alles wie immer. Jedes scheiss Spiel. Das musst du abgestellt bekommen haben zu diesem Saisonzeitpunkt. Vor allem wenn du in der Winterpause so auf deinen Kader vertraust, dass du keine neuen Spieler holst.

Wir kommen besser als sonst aus der Kabine nach der Halbzeit, Gyökeres tankt dann schön durch und Henk schiebt nach Dreher wieder ein – quasi analog zum Stuttgart-Tor.

Apropos Henk. Wie sich jedes Spiel aufs neue Gegner komplett an ihn ranhängen können und es nie, nie, nie Foul gibt. Ja, der ist 201 groß. Aber auch solche Spieler können gefoult werden. Wir überlegen noch, ob man ihn mal ein paar Monate zum American Football Training schickt, um ihm beizubringen, wie man auch mit 3 Gegnern, die an einem dranhängen, weiterläuft. Und nein, das ist natürlich nicht die Lösung. Wäre aber auch echt viel von Schiedsrichtern verlangt, da mal zu pfeifen. Ein einziges Mal.

Spiel schläft dann wieder ein, wir geben Kiel zu viel Platz und der Ball geht nach ner Ecke rein. Wohlgemerkt, das 2. Tor für Kiel nach Ecke diese Saison. Einziges Wunder ist, dass das andere Tor nach Ecke nicht auch gegen uns gefallen ist.

Henk kann dann auch nach der 80. noch Sprints anziehen, und das im Gegensatz zu den Spielern, die die Sommervorbereitung mitgemacht haben. Kann man auch mal hinterfragen.

Genauso wie den Transfer und den erneuten Einsatz von Tashchy. Wie schlecht hat Diamantakos diese Woche denn bitte trainiert? Tashchy springt an mehreren Bällen eiskalt vorbei. So wie wir vorbeispringen würden. Und wir haben den letzten Kopfball gefühlt vor 20 Jahren gemacht. Naja, ehrlicherweise nicht nur gefühlt.
Und hatte der überhaupt schon eine einzige gute Aktion in braun-weiß? Wir haben schlechte Laune (wir erwähnten das evtl. schon) und wollen jetzt auch nicht nachgucken. Aber dass uns auf Anhieb keine Aktion einfällt, spricht ja auch für sich.

In der Nachspielzeit kriegen wir dann noch einen Elfmeter zugesprochen. Der Schiedsrichter beweist ein weiteres Mal, dass er heute wirklich nicht auf der Höhe ist und der VAR muss sich nicht nur einschalten, sondern er schaut dann wirklich auch noch die Bilder an. Wenn das kein klares Handspiel ist, was denn dann?

Henk schießt den Ball schwach, die Kieler waren zu früh reingelaufen und kommen somit schneller an den Abpraller.
Also wenn du hier schon die VAR Nummer abziehst, dann halt bitte auch konsequent auch in der Situation. Frühes Einlaufen heißt nämlich Wiederholung. Genauso übrigens wie das zu frühe Verlassen der Linie durch den Torwart. Beides passiert. 
Stattdessen gibt es dann einen indirekten Freistoss. Der auch wieder fragwürdig ist. Weil wenn du mal das zu frühe Einlaufen ausblendest, dann ist das halt auch nicht unbedingt ein kontrolliertes Rückspiel, ergo kein indirekter Freistoß.

Und wenn du den dann ausführen lässt, wie du ihn ausführen lässt (die komplette Kieler Verteidigung bewegt sich viel zu früh), dann hast Du hoffentlich noch berufliche Alternativen. 
Wie gesagt, irrlichterndere Schiedsrichter olé.

Die letzte Ecke des Spiels landet dann zielsicher in den Armen des Kieler Torwarts. Mehr musste zu dem Spiel echt nicht mehr wissen.

Und Kiel ey, bemitleidenswert wer den eigenen Sieg mit „Scheiss St. Pauli“ feiert. You only sing when you’re winning.

Robocop

Robocop zweifelt nicht, Robocop marschiert (ey)
Robocop macht das, was man ihm sagt (ey)
Robocop fragt nich‘, Robocop akzeptiert (ey, ey)
Robocop wird nicht fürs Denken bezahlt (ey)“

(Disarstar, Robocop. Und ja, H$V, ja roter Aufbau. Beides nicht geil.)

War ja bis dahin ruhig geblieben. Also muss Robocop dann noch mal bei der Abreise rumnerven & komplett anlasslos in den Shuttlebussen behelmt mitfahren. Das ist noch so ein billiger Provokationsversuch. Jaja Eutin, diesdas.

Ansonsten zügige Rückreise, um 23:31 wieder die Hamburger Landesgrenze überquert, um kurz nach Mitternacht zu Hause.

Der Senior beendet diese Beiträge in letzter Zeit immer mit „Unser Tag wird kommen“. Und ganz ehrlich, das darf dann jetzt auch gerne bald mal der Fall sein. Seit 31 Spieltagen auswärts keine drei Punkte mehr mitgenommen, seit der Winterpause ein grandioser Punkteschnitt von 0.33.

Freitag gehts dann bereits weiter gegen Dresden. Seid ihr auch schon so gespannt auf den tollen Offensivfussball von Markus Kauczinsksi? Freut ihr euch auch schon so auf kreative sexistische oder transfeindliche Banner? Auf die fehlende defensive Zuordnung & Stabilität?

Wie auch immer, steckt ein paar Euro extra ein: Die braun-weiße Hilfe sammelt für die Betroffenen des Bielefelder Kessels, und der AK Awareness schmeißt den Tresen in den Fanräumen. Gibt schlechtere Sachen, die Mensch mit seinem/ ihrem Geld machen kann.

Unser Tag wird kommen.

Feb 102020
 

4. November 2018. Auswärtsspiel in Bielefeld. Auswärtssieg in Bielefeld. Für die Menschen, die in jüngerer Vergangenheit öfters mit dem FCSP auswärts fahren: Das ist das, wo man sich auf der Rückfahrt freut, weil man gewonnen hat. Wir fuhren da nebenbei als Tabellenfünfter hin und fuhren als Tabellenerster zurück (und wurden dann am Montagabend noch vom Verein mit dem Stadion an der Müllverbrennungsanlage überholt, aber das ist eine andere Geschichte).

Auch wenn das Spiel aus sportlicher Sicht (inkl. Tor nach Standard durch Knoll & Tor von Mats 😥) also ganz ok war, dann ist das nicht der Grund, warum wir als Fanszene uns heute noch mit diesem Spiel befassen (müssen). Der Grund ist der Polizeieinsatz, der den Verein im Mai 2019 zu einer Strafanzeige gegen die polizeiliche Einsatzleitung veranlasste. 

Wir zitieren hier mal Oke, der die Strafanzeige folgendermaßen begründet:
“Für uns liegt hier ein klarer strafrechtlich relevanter Verstoß durch die Einsatzleitung der Polizei vor, den wir so nicht akzeptieren können. Mit der Maßnahme wollen wir auch gemeinsam mit dem Fanladen ein klares Zeichen für Fußballfans setzen, die bei Auswärtsfahrten durch polizeiliche Maßnahmen ohne ersichtlichen Grund daran gehindert werden, ihre Mannschaft zu unterstützen. Dennoch wollen wir unsere Fans ermutigen, weiter so zahlreich auswärts mitzufahren wie bisher.”

Fragwürdiger Polizeieinsatz

Zwei der vier Kollektivmitglieder hatten sich an jenem Tag ebenfalls auf den Weg nach Bielefeld gemacht. Eine Person per Neuner, eine Person per Bahn. Ihr kennt uns, wir fahren auf verschiedene Weisen auswärts, mal Neuner, mal Fanladentours, mal Regiotours. Und wir träumen immer noch davon, dass wir diese Anreise per Rennrad mal organisiert bekommen. Wobei sich die Polizei auch bei der Anreiseform sicherlich noch „kreative“ Repressionsmaßnahmen einfallen ließe.

Die per Bahn anreisende Person hatte sich in dem Fall für den Komfort bei der Anreise entschieden und war daher mit dem ICE gefahren. Und alleine diese Entscheidung führte dazu, dass uns stundenlange polizeiliche Maßnahmen erspart blieben. Allein diese Entscheidung. Sonst nichts.

“Zu keinem Zeitpunkt wurde den festgehaltenen Personen Wasser angeboten. Der Toilettengang wurde ebenso verwehrt wie der Besuch des anliegenden Imbisses; sich außerhalb des Kessels befindliche Personen, die den festgehaltenen Personen Nahrungsmittel reichen wollten, wurden massiv von der Polizei bedrängt und teilweise an ihrem Vorhaben gehindert.“

(Augenzeugenbericht aus dem sehr lesenswerten anwaltlichen Gutachten)

So blieben uns anders Anreisenden aber nicht nur polizeiliche Maßnahmen, über deren Rechtmäßigkeit bis heute nicht entschieden ist, erspart. Sondern auch die nun anstehenden Gerichtsverfahren, von denen viele der damals gekesselten Sankt Paulianer*innen betroffen sind.

Wie ihr oben sehen könnt, führten für uns kleine Entscheidungen dazu, dass wir nicht Opfer dieser Maßnahmen wurden. Für jede*n Sankt Paulianer*in bedeutet das aber auch, dass wir nur aufgrund von kleinen Entscheidungen, die uns zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein lassen, in langfristige Gerichtsverfahren eingebunden sein können.

Und welch massive Auswirkungen ein solches Gerichtsverfahren auf das Privatleben hat, können wir uns also ausmalen. 

Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität

“Was wir wollen, können wir erreichen
Wenn wir wollen, stehen alle Räder still
Wir haben keine Angst zu kämpfen
Denn die Freiheit ist unser Ziel
Denn die Freiheit ist unser Ziel
Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität“

(Ton Steine Scherben)

Die einzig richtige, die auf St. Pauli einzig mögliche Antwort ist bedingungslose Solidarität. Wenn ihr Menschen in Eurem Umfeld habt, die von diesen Maßnahmen betroffen seid, dann seid für sie da. 

Und leider kosten solche Gerichtsverfahren auch noch Geld, in diesem Fall aufgrund der Menge an Verfahren sogar eine ganze Menge Geld. Und wenigstens hier können wir alle allen Betroffenen das Leben leichter machen. Spendet an die Braun-Weiße Hilfe. Beim nächsten Heimspiel wird es Sammeldosen auf allen Tribünen geben, und wenn ihr jetzt direkt Geld überweist ist das sicherlich auch nicht verkehrt.

Und hier auch mal ein riesengroßer Dank an die Aktiven in der Braun-Weißen Hilfe, die den Betroffenen seit 1.5 Jahren (auch ehrenamtlich) zur Seite stehen.

Feb 042020
 

Liebe Lesenden,

kennt ihr das? Da ist dieses Familienmitglied, dem geht es nicht gut. Seit mehreren Jahren macht es zu wenig aus sich, kommt nicht aus dem Quark, obwohl es könnte, und dümpelt so vor sich hin. Immer wieder muss man sich Sorgen seinetwegen machen und man versucht, ihm gut zuzureden, um doch mal mehr aus seinen Möglichkeiten zu machen. Und dann geht’s wird es irgendwann richtig ungemütlich. Das Familienmitglied gerät in einen Abwärtsstrudel und baut immer weiter ab. Nun ist Handeln gefragt, aber wie? Kluge Ratschläge und ausgestreckte Hände erreichen es nicht und mal im Ernst, da fehlt einem doch eh die Expertise. Immer wieder kommen neue Tiefschläge, die aber stets unterbrochen werden von lichten Momenten. In diesen Augenblicken ist man geneigt, zu denken: Na also, jetzt kriegen wir die Kurve. Auch wenn es eigentlich nur ein kleiner Schritt war, wir nehmen den Rückenwind auf und bringen es jetzt nach vorn! Denn wir müssen doch füreinander da sein, wir müssen ihm helfen!

Wir sprechen von gebrechlichen Verwandten. Oder vom FC St. Pauli. Eigentlich die gleiche Geschichte.

An diesem Tag ist auch für die Auswärtsmuffel die Winterpause vorbei. Schon am Dienstag haben wir uns nach dem Auftritt in Fürth die spielfreie Zeit zurückgewünscht, aber nützt nix, vom Ligabetrieb abmelden geht nicht. Und dann ist unser Club ja ohnehin eine Wundertüte, nicht zuletzt in dieser Saison. Bei den dicken Fischen sah unsere Mannschaft in der Regel ganz ordentlich aus.

Also ran da gegen Stuttgart

Bei frühlingshaften Temperaturen, aber schmuddeliger Luft geht es also mal wieder auf die heiligen Stufen. Der Rasen sieht aus wie Dresden ‘45 (ach nee, das ist ja erst in zwei Wochen), als die Ränge bereits das ganze Gras weggeraucht hätten. “Da muss ein halbhoher Aufdittscher her, der wird bei dem durchgeweichten ’Grün’ sicher unhaltbar”, denken wir uns. Weiß die Mannschaft aber sicher nix von.

Auf den vier Tribünen des Stadions steht heute fast alles im Zeichen der Opposition gegen neue Polizeigesetze. Nicht nur von den Braunweißen, auch aus Stuttgart kommen deutliche Worte in Richtung der Politik. Danke an dieser Stelle für die Solidarität. Keinen Dank für ein anderes, armseliges Spruchband auf Dynamo-Niveau. Saß der Brustring mal wieder ein bisschen zu eng, dass er die Sauerstoffzufuhr ins Gehirn unterbrochen hat? Geht zurück in eure Höhle, wo ihr hergekommen seid, und bleibt da.

Schon schlimmeren Fußball gesehen

Kommen wir zum Spiel. Wir denken, die meisten hatten ähnlich wie wir doch recht geringe Erwartungen an diese Begegnung angesichts unserer Leistung in Fürth und der Platzierung des VfB. Und da sollten wir doch eigentlich zufrieden sein mit dem Unentschieden. Hmnaja. Nee.

Zum einen funktioniert das mit dem Laufen heute wieder besser. In Fürth wurde noch getrabt wie ein Rudel müder Esel, heute checken die Boys in Brown etwas besser, dass das Spielfeld 105 Meter lang und 68 Meter breit ist.

MagischerFC St. Pauli vs. VfB Stuttgart Februar 2020
Wer behauptet, das Bild sei bearbeitet, lügt!!!

Zum anderen zeigen einige der Spieler deutlich mehr Biss als vor vier Tagen. (Wer hat sich bloß diesen Quatsch mit einer Englischen Woche als Rückrundenauftakt ausgedacht?) Zweikämpfe, Kompaktheit im Mittelfeld, Übersicht und auch mal Foul spielen, wenn es sein muss. Nur leider nicht vorm Gegentor. Das wäre eine gut investierte Gelbe Karte gewesen. Allerdings ist die Linie von Dr. Felix Brych ohnehin seltsam an diesem Tag. Da kann man sich auf nichts verlassen.

Und schließlich ist Stuttgart bemerkenswert fehleranfällig. Mehr als einmal sieht der VfB gar nicht gut aus, geradezu tölpelhaft – nicht gerade souverän für einen Aufstiegsaspiranten. Da wäre also wirklich mehr drin, wenn man die Gelegenheiten nutzt, die sich eröffnen. Klar, wir haben auch himm(e)l(mann)isches Glück, dass da kurz vor der Pause kein Gegentor fällt. Aber insgesamt ist da doch ein leichtes Plus an hochkarätigen Chancen auf unserer Seite, so wie wir das sehen.

Die verflixten letzten Minuten

Besonders ärgerlich ist mal wieder ein Gegentor in der Schlussphase. Wir hatten schon mehrere Phasen in unserer Vereinshistorie, in denen späte Gegentore nicht nur nervig, sondern ein echtes Problem waren. Wie viele Punkte haben wir in dieser Saison schon weggeschenkt auf diese Art und Weise? Das ist nicht nur Pech, das ist vor allem fehlende Kondition und Konzentration. Und das kann man abstellen oder zumindest angehen. Wir verstehen es nicht, wie die Verfassung der Mannschaft vom Trainerstab gelobt wird und wir in den vergangenen zwei Spielen nichts davon sehen, dass wir hier eine Truppe mit Ausdauer auf dem Feld hätten.

Und so bleibt am Ende zwar ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass sich unser kränkliches Familienmitglied auf dem Weg der Besserung sein möge. Vielleicht zeigt sich jetzt ja allmählich mal die Entwicklung, auf die wir so lange hoffen. Vielleicht kriegen wir nächste Woche gleich wieder einen auf den Deckel, dass uns die Ohren klingeln. Aber nun, wir können ja eh nicht anders, als füreinander da zu sein.

Jan 292020
 

… but someones gotta do it, sangen Faith No More vor Jahrzehnten. Und fassten die “wer schreibt den Bericht zum Auswärtsspiel in Fürth” Redaktionsdiskussion vollständig zusammen.

Der Pöbelbus war in das Mordor der Nürnberger, die Vorstadt oder wie die das nennen per Bahn unterwegs. Und es wäre ungewöhnlich wenn wir den Nürnberger*innen hier nicht vehement widersprechen wollten. Denn zwar ist dir grün-weiße Seite der Macht klein an Zahl, aber glänzte an diesem Dienstag mit klarer und guter Stadiondurchsage und Banner zum Holocaust Gedenktag. In Nürnberg hätte man wahrscheinlich lieber irgendeinem Wehrmachtsoffizier der für den Club Tore geschossen hat gehuldigt, als sich so klar zu positionieren.

Die Vollpfosten bei uns im Block, die die Gedenkdurchsage durch Gesang störten bekamen ne klare Ansage. Im übrigen auch die Jungs, die nach dem Spiel die Fürther als “H*rensöhne” bezeichneten. Wir dokumentieren diese Vorfälle weiterhin. Kommentieren könnten wir sie sowieso nur mit bereits gesagtem.

Auswärtsfanfreuden

Anreise bis Fürth problemlos. In Fürth wieder massiv nervig. Die angekündigten Shuttlebusse waren nicht existent und auch die paar Polizisten (keine Frauen weit und breit) konnten nicht weiter helfen. Es stellte sich später heraus, dass Shuttlebusse lieber leer unseren spazierenden Ultras hinterherfuhren, als wirklich als bequemes Anreisemittel bereit zu stehen. Und dann wissen wir auch wieder wo der Hase her läuft. Scheiss auf Fans im allgemeinen und Gastfreundlichkeit durch netten Service. Dahinter verbirgt sich immer nur die Angst, dass die bösen Ultras die Stadt in Schutt und Asche legen könnten. Klar wir und Fürth sind ja auch für ständige Auseinandersetzungen und richtig Krawall bekannt. Wie oben schon geschrieben: Das sind die Guten.

Und ins Bild passt dann auch, dass nach dem Spiel ganze 2 Busse bereit standen um die Gastfans zum Bahnhof zu bringen. Könnt ihr euch ja denken, da blieben viele Menschen stehen.

Eine Aktion zur Sammlung von Daten, die dann wahrscheinlich in irgendwelchen „Gefährder[*in]“ Dateien landen, machte die Polizei mit den autofahrenden Menschen, denn sie verlangte von Fahrer*innen Ausweispapiere und andere Angaben. Gründe, die über das Sammeln von Daten hinaus gehen? Keine.

Der Einlass wurde schnell überwunden und es sich auf den Stufen, welche die Welt bedeuten, bequem gemacht.

#nurnochpositiv (naja, fast)

Kommen wir zum Spiel. Und zum positiven: Kein Gegentor nach Ecken, mehr Punkte als zum selben Zeitpunkt der Hinrunde. Und weniger Gegentore und mehr selber geschossene Tore. Rico von der Bank echt auffällig gut. Wir sind sportlich auf einem gutem Weg (wer Ironie findet, darf sie behalten).

Wenn wir jetzt noch so Kleinigkeiten wie die komplette körperliche Unfähigkeit irgendeine vernünftige Laufleistung auf den Platz zu bringen, überwinden könnten und offensichtliche taktische Fehler wie “wir spielen mal ohne 6”, dann kommen wir groß raus. Groß heißt im übrigen Nicht-Abstiegplatz.

Ohne jetzt in Details zu gehen, aber wenn deine gesamte Laufleistung am unteren Ende des normalen Spektrums in Liga 2 ist UND davon noch ein überproportionaler Anteil im “Gehen, langsam laufen“ Bereich stattfindet, dann gewinnst du keinen Blumenstil. Nur mal so: 85 % Laufen im langsamem Bereich ist in Liga 2 Topwert und auch für den FCSP selber Top. Im negativen. Wohlgemerkt im ersten Spiel nach der Pause.

Es ist nun keine neue Weisheit, dass im Fußball eine schnelle und präzise Spielweise eine gute Möglichkeit ist Erfolg zu haben. „Präzise“ hat in Liga 2 immer seine Grenzen, aber an Schnelligkeit und Intensität kann man arbeiten. Falls ihr euch fragt, was das Erfolgsrezept von Bielefeld ist: genau dies. Denn die haben keinen superduper Milliardenmarktwertkader (lt. Transfermarkt etwa 10% höherer Wert als unser Kader). Bielefeld hat eher das Problem, dass die überdrehen und in den letzten Spielen der Halbrunden gerne mal Probleme bekommen. Beispiel dafür habt ihr letztens gesehen.

Aber bei uns ist das anders. Unser Trainer, Fachmann, Kenner der Materie und unsere Hoffnung sagte am 10.01.2020 folgendes:

„Die Spieler treten aktuell sehr positiv auf und hinterlassen in den bisherigen Einheiten einen guten Eindruck. Wir werden wenig im Ausdauerbereich ohne Ball arbeiten müssen.“

“Machen einen guten Eindruck” ist nebenbei eine richtige Formulierung. Denn während andere Vereine hübsche Fitnesstestfotos zu Beginn einer Runde veröffentlichten, verzichtete offenbar der FCSP auf einen solchen. Oder hielt ihn komplett geheim. Wir vermuten mal, dass Ersteres stimmt.

Wir sind vielleicht einfach nicht Kenner*innen genug, aber die harten Zahlen hätten den Eindruck vielleicht widerlegt. Und es ist ja nicht so, dass wir nach dem Sommertraining in diesem Bereich problemlos gewesen wären. Hat selbst der Trainer gesagt. Damals. Zweimal das Gleiche machen und auf andere Ergebnisse zu hoffen, ist Unsinn. Sagte mal ein kluger Mensch. Selbst wenn man es anders umrahmt.

Es ist zwar schön, dass aktuell niemand verletzt ist, aber wir Zyniker*innen würden beinah behaupten wollen, dass dies auch daran liegt, dass man nicht trainiert hat. Bitte lieber Gott, lass uns mal nicht Recht haben.

Leihgeschäfte und Einkaufsstrategien

Womit wir bei dem Abgang von Diarra wären. Wenn man ein Leihgeschäft macht, dann sollte der Spieler im Saft stehen und “sofort weiter helfen”. Das haben wir uns nicht ausgedacht, dass waren sinngemäß die Worte unserer Verantwortlichen. Wenn man dann einen Spieler ausleiht, der relativ frisch von einem Kreuzbandriss kommt und dies mit unserer anscheinend echt wunderbaren Betreuung kombiniert, dann war beinah dieses Ergebnis zu erwarten. Und glaubt uns, unsere Prophetin hätte echt gerne hier Unrecht gehabt.

Was bleibt von Diarra? Ein geiles Testspieltor und eine Derbysieg Eskalation. Danke dafür. Wir hoffen für dich, dass du schnell wieder fit wirst und dann irgendwo dein Glück findest.

Nach dem Spiel ging es zu unserer Übernachtung und zum besten Frühstück der Welt. Das rettete dann wenigstens halbwegs diese Tour.

Ansonsten zitieren wir unsere spontane familiären Begleitung, die einsprang als unsere Reisegruppe krankheitsbedingt dezimiert war: “Naja, jetzt habe ich die Gurkentruppe auch endlich mal gesehen.” Vorschlag für ein alternatives Hobby ist im übrigen Kegeln. Wir nehmen das mal auf die Liste mit auf.

Und im Endeffekt bleibt es ein dreckiger Job, den irgendwer tun muss.

Vielleicht erkennt das jetzt auch mal die Mannschaft oder die sportlich Verantwortlichen.

Samstag ist die nächste Gelegenheit.

Und weil wir es gar nicht oft genug sagen können: Danach ist Demo. Alle hin da, verflixt noch mal!

Jan 252020
 

oder

warum ihr alle kommen solltet

Musik beschreibt häufig genug wünschenswerte Utopien. Und so forderte schon Ton, Steine, Scherben 1972 “Keine Macht für Niemand“, ein Lied welches Andreas Baader nebenbei für „Schmarrn“ hielt.

Nun ist es leider so, dass wir als Gesellschaft mit “Keine Macht für Niemand“ nicht so richtig umgehen können und in der Realität ein Machtvakuum eher zu Chaos und Krieg führt, als zu Bürostuhlrennen im ehemaligen Reichstag, um mal K.I.Z zu zitieren.

Wir haben uns zähneknirschend zu einem Staatswesen entschieden und zur Abgabe von Macht und Verwaltungen. Niemand käme auf die Idee solche Verwaltungen nicht zu kritisieren oder in enge Regeln zu pressen. “Guten Tag, Finanzamt, wir würden gerne mal ihr Portemonnaie, ihre Kontoauszüge, ihre letzten drei Gehaltsabrechnungen und ihren Kleiderschrank sehen. Da ist immer Geld versteckt.” Was wollt ihr nicht? Eingriff in die Privatsphäre? Ihr habt euch nichts zu Schulden kommen lassen. Würde man so etwas gesetzlich fordern, würden FDP, bürgerliche Presse und auch ihr sofort eskalieren.

Aber die Polizei bekommt genau diese Rechte und noch viel mehr, ohne dass es einen Aufschrei gibt. Ohne dass außer ein paar Ultras und einige politische Gruppen auf die Straße gehen. Gerade einmal 5.000 Menschen (positiv geschätzt) demonstrierten im Dezember gegen das neue Polizeigesetz. Und auch am 01.02. wird für viele wieder das Bier näher sein, als gegen diesen Unsinn zu demonstrieren.

Man gibt hier einer Institution immer mehr Macht, die tödliche und stark verletztende Waffen nutzen darf und auch nutzt.

Wir nennen hier nur als Beispiel wie unbeteiligte Menschen bei G20 traumatisiert wurden.

Die Geschehnisse rund um die gewaltsame Auflösung der “Welcome To Hell“-Demo am Vorabend des G20-Gipfels sind den allermeisten Leser*innen wohlbekannt. Auch wir als Kollektiv waren an diesem Abend auf den Hamburger Straßen unterwegs. Und noch heute, 2 1/2 Jahre später hat der hier schreibende Teil des Kollektivs das panische Weinen einer Minderjährigen in der Hafenstraße im Kopf. Was war passiert? Die Jugendliche hatte mit ansehen müssen, wie ihr Freund durch mehrere Polizeibeamt*innen verprügelt wurde, als er zwischen die Fronten geriet. Er musste ärztlich versorgt werden (vielen Dank an die Demosanis an dieser Stelle) und die danebensitzende Freundin konnte die erlebte Polizeigewalt nur schwer verarbeiten.

“Aber das sind doch gut ausgebildete Spezialist*innen, die auf Grundlage von Gesetzen handeln”. Selbst wenn wir dies mal annehmen (Das nennt man Hypothese. Beweisen lässt sich diese wahrscheinlich nicht), dann sollte man nie Lord Acton vergessen, der den berühmten Spruch “Power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely“ geprägt hat. Und der stand als katholischer Adliger des 19. Jahrhunderts nicht wirklich im Verdacht ein Kommunist oder Linker zu sein. Man lese sich seine Wikipedia Biografie durch.

Ein Beispiel aus dem neuen Polizeigesetz? Der sogenannte Palantir-Paragraph. Die Polizei darf dabei Datensätze automatisiert auswerten, um vorbeugend Straftaten zu verhindern. Dabei darf sie ausdrücklich auch Beziehungen zwischen Personen, Personengruppen, Institutionen und Organisationen herstellen. Das heißt nichts anderes, als dass sie euren Kleiderschrank mal angucken darf, wenn ihr mit einer/ einem potenziellen Straftäter*in im gleichen Verein seid. Und lasst euch nicht von dieser Einschränkung “unbedeutende Sachen sind auszuschließen” täuschen. Die Polizei beschäftigt seit Jahren Menschen im Fußballumfeld deren einzige Aufgabe es ist Menschen zu verknüpfen und dadurch in die Schublade “potenzieller Gewalttäter” zu stecken. Einmal im Abteil eines Ultra gesessen? Schon seid ihr Gefährder*in und könnt vorsorglich in Fußfesseln gelegt werden. Ja auch das steht in diesem Gesetz.

Als wäre dies alles nicht schon schlimm genug, wird das ganze noch dadurch schlimmer, dass Kritik an der Polizei und ihrer Vorgehensweise von Politikern als Hochverrat dargestellt wird. Unser Vereinsmitglied Andy G. natürlich gleich wieder vorweg.

So zu tun, als ob eine Institution unfehlbar sei, gibt ihr noch mehr Macht. Und wie sehr dies korrumpiert, wissen wir von der Katholischen Kirche.

Verhindern wir also, dass die Polizei (noch) allmächtiger wird. Kommt alle zur Demo!

Jan 222020
 

Gewalt gegen Frauen ist eine Epidemie im Profisport.

Jedes Wort des Eingangssatzes ist mit einem Link zu einem Bericht über Gewalt gegen Frauen im Zusammenhang mit Profisport unterlegt. Alle Berichte sind aktuell (die Fälle nicht immer), alle Berichte sind aus dem amerikanischen Raum.

Man muss den Satz oben verkürzen. Gewalt gegen Frauen ist eine Epidemie. 25 % aller Frauen erleben in ihrem Leben häusliche oder sexuelle Gewalt (und das ist eine Studie eines Bundesministeriums!). Und da redet noch keiner über die Dunkelziffer. Der männliche Profisport mit seiner Funktion als Brennglas der Gesellschaft zeigt dies sehr deutlich.

Vielen der oben genannten Artikel ist gemeinsam, dass die Täter durch Vertuschung und öffentliche Ignoranz nie wirklich bestraft wurden und auch heute noch Teil des Heldenuniversums sind, welches durch die Vermarktung des Profisports geschaffen wird. Lest euch den Artikel über die 86er Mets durch, der unter „Gewalt“ verlinkt ist. Dieses Team wird bis heute als „toughes“ Team glorifiziert und die Spieler immer noch als Helden herum gereicht. Außer diejenigen, die nebenbei noch Drogen genommen haben. Was schon viel zeigt. Gefängnisstrafen? Ausschluss dem Heldenkanon? Mitnichten!

Anders die Opfer. Ihnen wird häufig nicht geglaubt, es kommt zu einer Täter-Opfer-Umkehr, sie leiden ein Leben lang unter den Folgen und häufig genug teilt sich das Leben in “davor” und “danach”. Das Leben wird komplett auf den Kopf gestellt.

Aber das sind doch nur die USA!

Wir wagen zu bezweifeln, dass dies ein rein amerikanisches Problem ist. Dort hat sich nur die öffentliche Wahrnehmung zumindest etwas gewandelt, den Ligen ist das Problem zumindest halbwegs bewusst und sie haben Programme dagegen entwickelt. Dass hier trotzdem noch erhebliche Defizite bestehen, wird weiter unten noch Thema sein.

Begründen kann man die These, dass dies auch ein deutsches Problem ist, damit, dass in den vergangenen Jahren zweimal dies ein Thema in den Medien war und nun konkret ein Spieler vor einem Gericht angeklagt ist.

Dunkelziffer hoch

Aus ganz vielen unterschiedlichen Gründen verzichten Frauen häufig genug diese Fälle anzuzeigen oder sie ertragen die juristischen Verfahren nicht bis zu einer Verurteilung des Täters. Eine Studie aus Mecklenburg-Vorpommern geht davon aus, das 98 % aller Taten nicht angezeigt werden. (leider existiert nur noch der Sekundärlink) Wir sind da als Gesellschaft noch sehr weit von einem Idealzustand entfernt. Eine andere Studie versucht Gründe zu benennen (Seite 78 des verlinkten PDF) und hier spielen auch Themen wie „Angst vor dem Täter“ und „Vor Gericht aussichtslos“ eine Rolle. Diese Zahlen sind ein Sinnbild des Versagens dieser Gesellschaft im Umgang mit solchen Themen. Im Sicherstellen, dass 50% der Bevölkerung nicht in einem dauerhaften Bedrohungszustand leben müssen.

Eine abschließende Frage: Was glaubt ihr, wie sich diese Zahlen verändern, wenn es um einen Mann mit Geld und Einfluß geht? Um einen Mann, der in der öffentlichen Wahrnehmung ein Held ist, vergöttert wird.

Aber auch Verdachtsberichtserstattung

Man muss immer bedenken, dass Verdachtsberichterstattung sensibel ist und wir agieren hier in einem Zeitpunkt in dem keine Verurteilungen vorhanden sind. Dies gilt insbesondere bei Dingen, die in das Intimleben von zwei Menschen eindringen. Denn auch das Opfer kann durch eine falsche Berichterstattung schnell ein zweites Mal zum Opfer werden. (Der Artikel ist von einem Journalisten geschrieben, der genau eine solche falsche Berichterstattung zu verantworten hatte, das damalige Opfer hat ihre Eindrücke des Treffens hier geschildert)

Die deutschen Grundsätze könnt ihr hier anhand eines anderen Falles durchlesen. Wir kommen da gleich drauf zurück.

Angeklagt

Wir haben nun aber eine konkrete Anklage gegen einen aktuellen Bundesligaprofi, der zumindest immer noch zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gehört. Habt ihr nix von gelesen? Dies kann gut sein, denn das ganze wurde echt nur kurz in Medien behandelt und gerade die sonst sehr lauten Boulevardmedien hielten sich in der Berichterstattung sehr zurück. Und dies liegt nicht etwa an den oben verlinkten Grundsätzen. Denn in diesem Fall, dem eine Ermittlung wegen Kinderpornografie bei einem ehemaligen Fußballer zugrunde liegt, feuerte die Zeitung mit den vier Buchstaben sofort aus allen Rohren. Dies wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als die Ermittlungen noch ganz am Anfang standen und die Verdachtsberichtserstattung dementsprechend eigentlich viel vorsichtiger hätte ausfallen müssen, als im Zeitpunkt einer Anklage.

Auffällige unterschiedliche Berichterstattung
Warum die Berichterstattung so auseinander fällt, können wir nur spekulieren. Der Arbeitgeber des aktiven Fußballspielers mag dabei eine Rolle gespielt haben. Oder aber auch, dass häusliche Gewalt in einer Machogesellschaft eben ein viel kleineres Tabu darstellt, als die Kinder. Wir erinnern da immer an Berti Vogts der mal sagte

„Hass gehört nicht ins Stadion. Die Leute sollen ihre Emotionen zu Hause in den Wohnzimmern mit ihren Frauen ausleben.“

Und dieser Spruch wird auch heute noch in hahaha witzig-Sammlungen aufgenommen.

Wir lassen die Betroffenen alleine

Sportprofis sind keine normalen Arbeitnehmer. Niemand jubelt euch zu, wenn ihr morgens einstempelt, niemand verklärt euch zu „Helden“ oder „Idolen“. Dies ist aber vollkommen normal mit Sportprofis. Sie sind für Kinder Vorbild und ihre Namen werden auf Trikots umher getragen.

Unter den Fans sind viele Opfer häuslicher Gewalt und sexuellem Mißbrauch. Man muss ihre Schilderungen nur lesen, um zu verstehen, wie sehr das unkritische Weiterbeschäftigen von Tätern ihre Wunden wieder aufreisst.
(An dieser Stelle die Anmerkung, dass es in dem verlinkten Artikel um häusliche Gewalt durch die Mutter der Autorin geht. Natürlich sind auch Frauen in diesem Kontext Täterinnen. Aufgrund der besonderen Dynamik des männlichen Profisport fokussieren wir uns in diesem Artikel auf das Thema. Aber hier kann man ja auch hervorragend sehen, wie das Vorgehen der Proficlubs dann zu weiteren Folgen, die man gar nicht absehen kann, führt.)

Und die Täter? Gerne wird argumentiert, dass eine Vorverurteilung oder eine Berichterstattung ihre Zukunft vernichten würde. Genau das Gegenteil ist bisher der Fall. Die Spieler spielen weiter, die Öffentlichkeit vergisst und selbst auf Wikipedia spielen die Anschuldigungen keine Rolle mehr oder sind unter Punkt 6.5. versteckt. Hinzu kommt, dass auch der Arbeitgeber oder der Verband das Thema lieber totschweigen, als sich irgendwie zu äußern. Es gibt in beiden Fällen weder eine Stellungnahme des Verbandes, noch des Arbeitgebers.

Und nun fragen wir euch ernsthaft: Soll dies der Zustand sein? Wollen wir Betroffene wirklich so alleine lassen? Die Antwort auf diese Frage kann nur ein „Nein“ sein, wenn man so etwas wie die gesellschaftliche Verantwortung des Sports wirklich noch ernst nehmen will.

Es muss sich was ändern!

Wir müssen nicht glauben, dass die Vereine sich von den Tätern trennen. Wenn diese einen sportlichen Wert haben, dann würde wahrscheinlich nicht einmal eine Bewährungsverurteilung zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen. Verdächtigungen schon gar nicht. Und vergessen wir nicht: Es kommt häufig aus diversen Gründen nicht zu Gerichtsverfahren.

In den USA versuchen die Hauptprofiligen diesen Zustand zumindest etwas erträglicher zu machen in dem sie ein Strafensystem mit den Spielergewerkschaften vereinbart haben, welches Sperren schon bei konkreten Verdachtsmomenten vorsieht und welches unabhängig von einer strafrechtlichen Verurteilung greifen soll. Auch findet man bei den Ligen Programme gegen häusliche Gewalt und sexuellen Mißbrauch.

Es gibt daran – auch vollkommen zu Recht- auch Kritik, weil diese Sperren das Problem nicht lösen und Teams teilweise anfangen Täter während der laufenden Sperre einzukaufen, weil sie gerade billig zu haben sind. Die Houston Astros und ihre Verpflichtung von Roberto Osuna sei hier als Beispiel genannt. Was dann noch zu schlimmen Verteidigungsreden und Machogehabe gegenüber Frauen führte.

Jedoch! Wir im deutschen Fußball haben…. … gar nix. Natürlich ist das Rechtssystem ein anderes und die amerikanischen Gerichte sind extrem dysfunktional, aber dies ist keine Ausrede. Der DFB, die DFL und die Vereine agieren bei diesem Thema gerade wie die berühmten drei Affen. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Natürlich agieren wir in einem anderen Rechtsrahmen als in den USA, es fehlt ja schon alleine an Tarifverträgen zwischen Spielern und Ligen. Aber wir müssen was ändern. Es ist 2020.

Abschließend wollen wir auf die Awarness-AG beim FCSP hinweisen. Diese beschäftigt sich mit den grundlegenden Dynamiken mit Fokus auf unsere Fanszene. Natürlich auf einer anderen Ebene, aber ein bisschen Werbung ist insbesondere auch in diesem Kontext nie falsch.

Plakat der Awarness-AG.

[Dieser Artikel ist aufgrund der Thematik ausnahmsweise und bewusst nicht gegendert. Namen sind bewusst nicht genannt. Die Gründe sind auch in den Maßstäben der Verdachtsberichtserstattung und unserer fehlender Rechtsabteilung zu suchen. Weiterführende Links findet ihr im Text.]

Jan 142020
 

Auf der Internetseite einer Organisation mit FC St. Pauli-Bezug wird zur Zeit u.a. Folgendes behauptet:

„[…] wohlgemerkt unseres Antrages auf Einführung einer Quote bei der Mitgliederversammlung mit Fanladen, Präsidium und Aufsichtsrat so persönlich erleben durften und weiter erleben, einiges anzumerken […]“

(Im Original ist das ”unseres“ unterstrichen)

Wie ihr unserer Berichterstattung zur MV entnehmen konntet, ist der Antrag zur Einführung einer Quote /Förderung von Frauen beim FCSP durch ein Mitglied unseres Kollektives alleine gestellt und auf der MV begründet worden.

Wir als Kollektiv legen Wert auf die Feststellung, dass niemand von uns Mitglied bei der Organisation ist, die diese Internetseite und das obige Zitat zu verantworten hat. Wir legen auch Wert auf die Feststellung, dass es nicht deren Antrag ist und niemand mit einem Mitglied besagter Organisation über diesen Antrag gesprochen hat. Wir hatten zu der Organisation oder handelnden Personen sowieso noch nie Kontakt und wollen dies auch nicht ändern. Sie können daher keine Erlebnisse schildern, die mit der Stellung dieses Antrages zusammenhängen.

Es sind also Falschbehauptungen! Anwaltliche Schritte behalten wir uns ausdrücklich vor.

Wir verwehren uns dagegen, dass Menschen unsere Arbeit instrumentalisieren und sich mit unseren Federn schmücken. Dies gilt insbesondere, aber nicht nur, für Texte auf unserer Internetseite, sondern auch für Initiativen, die in den vielen Jahren dieses Kollektives von seinen Mitgliedern gestartet wurden. Wir freuen uns immer über Solidarität und Mitarbeit an der guten Sache, aber wir lassen uns nicht für Machtspiele oder Sabotageakte missbrauchen!

Gez. Redaktionskollektiv von magischerfc.de

St. Pauli im Januar 2020

PS: Name der Gruppe oder die Domain ist bewusst nicht genannt. Das lässt sich im Notfall ergoogeln. Wir bitten darum keine Verlinkung in Kommentaren vorzunehmen.