Jul 022020
 

Das war es nun. Die Saison 19/20 ist vorbei und damit auch die Zeit von Jos Luhukay am Millerntor. 
Wir waren einfach nur froh, dass es beim letzten Spiel um nichts mehr ging. Lange Zeit haben wir einem Saisonende nicht mehr so entgegengefiebert.

Sogar beim Spiel Kiel-Nürnberg in der Konferenz zum letzten Spielttag waren wir emotional involvierter als bei unserem eigenen. Und ja, das hängt sicherlich damit zusammen, dass wir Corona-bedingt seit 3.5 Monaten kein Spiel im Stadion gesehen haben. Dass wir den Re-start der Liga durchaus kritisch sehr kritisch gesehen haben und auch immer noch sehen. Aber eben auch mit der sportlich zuletzt doch recht desolaten Leistung, die uns zuletzt so gar nicht mehr mitgerissen hat. Das letzte geile Spiel war am 22.02.2020.

Am Tag unserem Saisonende hat der Verein dann die Trennung von Luhukay zum Saisonende bekanntgegeben. In der Mitteilung wird von gegenseitigem Einvernehmen gesprochen, klar wird daraus natürlich nicht, ob Jos, dessen Vertrag noch bis Sommer 2021 laufen sollte, einen Auflösungvertrag unterschrieben hat oder ob er weiterhin auf unserem Gehaltszettel steht.

Auch wenn Trainerentlassungen immer doof sind, glauben wir nicht, dass es unter Luhukay noch produktiv hätte weitergehen können.

Die Zeit unter Luhukay: geprägt von Gegensätzen

Offensivfußball vs. fußballerisches Komplettversagen. 

Es steht außer Frage, dass Jos mit einem klaren sportlichen Konzept ans Millerntor wechselte und eine Idee davon hatte, wie er mit der Mannschaft ein Spiel gestalten will, um vorne mitzuspielen. Das war eine wohltuende Veränderung im Vergleich zum häufig auf Zerstörung ausgelegten Spiel unter Kauczsinki. Wir können uns da an keine tollen Spiele mehr erinnern. Tim schreibt im Millernton auch davon, dass Luhukay den Gegner immer wieder ausgecoacht habe. Aber zum Bild gehören eben auch schlimme Spiele in Regensburg, in Karlsruhe und in Darmstadt, die phasenweise fußballerischen Offenbarungseiden glichen.

Heimspiele vs. Auswärtsspiele

Jos war mit einem Schnitt von 1,12 Punkten pro Spiel insgesamt nur mäßig erfolgreich. Unter allen Trainern, die die Mannschaft mehr als 20 Spiele gecoacht haben, ist dies sogar der schlechteste Schnitt.
Zum Bild gehört auch, dass es unter Luhukay Zeit nur zwei Auswärtssiege gab: im Volkspark und in Lübeck beim Pokalspiel. Beides im weitesten Sinne übrigens noch Hamburger Umland. 
Aus den insgesamt 20 Ligaspielen auswärts haben wir unter ihm neun Punkte geholt: ein Sieg (DOPPELDERBYSIEGER*INNEN), sieben Unentschieden.
In dieser Saison haben wir zu Hause 30 Punkte geholt, auswärts ganze neun. Mit der Heimbilanz liegen wir auf einem okayen 7. Platz, mit der Auswärtsbilanz dagegen auf dem letzten. 
Unter Jos gab es in der Liga zu Hause somit 1,75 Punkte pro Spiel, auswärts dagegen mickrige 0,45 Punkte im Schnitt.

Erwartungshaltung vs. zerschmetternde Pressekonferenzen

Jos war mit der Erwartung hierhergekommen, innerhalb von 2 Jahren aufzusteigen. Das stand kommunikativ immer wieder im Widerspruch zu dem, was er dann so auf Pressekonferenzen zum Potential der Mannschaft sagte. Wir schrieben darüber schon vor einem Jahr: Das ist doch scheiße.

Berechtigte Kritik äußern vs. Spieler öffentlich anzählen

Sicherlich haben Trainer*innen die Aufgabe, ihre Spieler*innen besser zu machen. Verbesserungen sind grundsätzlich auf zwei Ebenen möglich: Fehler korrigieren oder Stärken noch weiter ausbauen. Und sollte sich im Idealfall als Mischung aus beidem abspielen. Bei uns hat sich immer wieder der Eindruck verfestigt, dass Jos eher auf mögliche Fehler und Schwächen als auf Stärken konzentriert war. Immer wieder wurden Spieler öffentlich über die Presse angezählt, die danach mal mehr, mal weniger laut kommunizierten, dass sie die Kritik so persönlich noch nicht gehört hätten. Zur Kommunikation gehören immer zwei Personen, wenn das aber immer wieder passiert, liegt der Fehler zumindest nicht nur bei den Empfänger*innen.
Und dann ist da auch noch das zweite Thema: Wann ist es “berechtigte und bekannte Kritik äußern”, wann ist es “fertigmachen”? Für uns klang das in unseren Ohren teilweise zu stark nach letzterem. Und das ist nicht ok, das ist nicht, wie wir möchten, dass hier mit Leuten umgegangen wird.

Bei anderen genau wissen was schief läuft vs. die eigene Rolle nicht reflektieren

Jos ist analytisch definitiv stark und hat immer wieder den Finger in die Wunde gelegt, was auf dem Feld nicht gut gelaufen ist. Dabei hat es aber häufig die Tendenz gehabt, dass er bei anderen genau wusste, was besser gemacht werden muss, seine eigene Rolle aber – zumindest nach außen – nur wenig reflektiert hat. Beispielsweise wurde immer wieder der fehlende Fitnesszustand der Mannschaft bemängelt. Auf St. Pauli leider ja auch kein neues Thema. Aber eben genau im Verantwortungsbereich des Cheftrainers, daran nachhaltig zu arbeiten.

Jugendförderung vs. die Erfahrenen richtig einsetzen

Der Trainer hat es geschafft, unglaublich viele Jugendspieler deutlich näher an den Kader heran- oder reinzuholen. Finn-Ole Becker hat sich unter Jos in den Profikader gespielt. Galt er schon unter Kauczinski als ein großes Talent, so war er da noch weit vom Kader entfernt und kein Mal auf der Bank. Direkt unter dem ersten Spiel unter Jos saß er dann dort, wurde sogar eingewechselt und spielte die letzten drei Saisonspiele letzte Saison dann auch durch. Dieses Jahr war er in 28 von 34 Spielen auf dem Platz. Man nennt das landläufig auch einen wichtigen Stammspieler. Gleiches gilt auch in ähnlicher Form für das Raufholen von Jungs von Conteh, Coordes oder Franzke, der am Sonntag beim ersten Spiel in der Startelf dann auch direkt seinen ersten Assist verbuchte.
Und ihr kennt uns, wir finden Jugendförderung klasse und wichtig und freuen uns, wie viele Spieler es geschafft haben. Wir hoffen sehr, dass die / der nächste Trainer*in diesen Weg weiter beschreiten wird und das Potential, das wir da aufgebaut haben, weiterhin nutzen wird.
Dazu gehört aber auch, dass immer wieder “eigentliche Stammspieler” mit ein paar mehr Lebensjahren auf der Bank saßen: Hatte Knoll 2018/2019 noch 30 von 34 Spielen gemacht (und drei der vier Spiele lt. Transfermarkt mit Muskelproblemen verpasst), so waren es 2019/2020 nur 24 von 34 Spielen, wobei Verletzungen kein Thema waren. Das kann jetzt daran liegen, dass Jos nach dem reinen Leistungsprinzip aufgestellt hat. Wir wissen es nicht 100%, aber es fällt auf.

Gegen den H$V zweimal derbysieger*innenstark auftreten vs. gegen den Tabellenletzten der Abschlusstabelle nach 3:0 Führung noch ein Unentschieden fangen.

Und das fasst die Widersprüche der Zeit unter Luhukay dann einfach gut zusammen.

Es bleiben die Fragezeichen

Ist es wichtig und richtig, den Verein auf fußballerische Missstände aufmerksam zu machen? Ja. War der Weg von Luhukay immer der richtige? Nein.

Oft hatten wir Fragenzeichen auf der Stirn. Bei Aufstellungen, bei Auswechslungen, bei Aussagen auf den Pressekonferenzen. Spätestens als Henk nach seinem Tor gegen Aue nicht jubelte und es auf dem Weg in die Kabine ein für alle erkennbares Wortgefecht zwischen Jos und ihm gab, war vielen klar, dass es innen brodelt. Zu oft hatte man von Zerwürfnissen zwischen ihm und der Mannschaft gehört. Ab diesem Spiel wurden auch die Stimmen lauter, die das Ende der Ära Luhukay forderten. Wir waren von Anfang an sicherlich nicht unkritisch ihm gegenüber – was sich teilweise aus seinem Auftreten speiste, teilweise aber auch aus Erzählungen anderer Vereine, die zu sehr ähnlichen Enden wie nun dem beim FCSP führten. 

Es gab es in dieser Saison Phasen, in denen fußballerische Fortschritte zu sehen waren. Die Derbys, Wiesbaden und Bielefeld zuhause. Offensiver Fußball, der Spaß machte. Leider bekam auch Luhukay keine Konstanz in die Leistung der Mannschaft. Sah es phasenweise immer wieder gut aus, so gab es dann nach Länderspiel- oder anderen Pausen einen Bruch.
Zuletzt auch vor und nach der Coronapause. Hatten wir vorher eine gute Phase mit acht Punkten aus vier Spielen, so sind es nach Corona neun Punkte aus zehn Spielen gewesen. Es wirkt, als wäre der Graben zwischen ihm und der Mannschaft in dieser Zeit größer geworden. Die Auftritte in Darmstadt, Hannover und Wiesbaden sprachen Bände.

Trainer weg, alles gut?

Wir langweilen uns selbst ein bisschen damit, dass wir dauernd den Präsidenten zitieren. Aber es ist das zentrale Element, deswegen sei es auch hier noch mal wieder rausgeholt:

“Wenn unsere Erinnerung uns kein Schnippchen schlägt, dann war es unser Präsident, der mal sagte, dass eine Trainerentlassung auch immer heißt, dass das ganze sportliche System in einem Verein versagt hat.”

Jos war gekommen, um verkrustete Strukturen aufzubrechen, die wir als fehlenden Ehrgeiz, Genügsamkeit und nicht genügend Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, interpretieren. Das hat sicher teilweise geklappt, ist dann aber wohl auch einfach übers Ziel hinausgeschossen. Und das Problem ist nun wahrlich nicht erst mit Jos ans Millerntor gekommen, das war auch schon vorher da. Und da muss man dann den Blick auch in Richtung des Präsidiums wenden. 

Oke ist seit 2014 im Amt, Teile der Vizepräsident*innen auch, Christiane und Carsten kamen 2017 hinzu. In dem Zeitraum seit ihrem Amtsantritt gab es fünf Trainer (Meggle, Lienen, Janßen, Kauczinski und Luhukay), wobei Meggle sehr bald nach Postenübernahme vom Trainer zum Sportlichen Leiter wurde; und eben auch fünf sportliche Leiter / Sportdirektoren (Azzouzi, Meggle, Rettig, Stöver und Bornemann), wobei Azzouzi sehr bald von Meggle ersetzt wurde. 

Konsistenz sieht anders aus.

Der Aufsteiger Bielefeld hatte im gleichen Zeitraum auch vier Trainer (wir lassen die Interimsdinger von drei Spielen o. ä. aus der Rechnung mal raus), wobei die letzten beiden jeweils mind. fast zwei Jahre im Amt waren. Seit 2016 gibt es mit Samir Arabi ein und denselben Geschäftsführer Sport. Stuttgart betrachten wir aufgrund der Querelen rund um die Abstiegssaion mal besser nicht. Das zeigt nämlich nur, dass Inkonsequenz auf diesen Posten zu nichts Gutem führt. Heidenheim hat noch Aufstiegschancen in der Relegation und mit Frank Schmidt seit 4670 Tagen den gleichen Trainer. Wisst ihr, damals, als es RB Leipzig noch nicht mal gab.

Und sogar der H$V hatte nur zwei Trainer mehr im gleichen Zeitraum. Die, über deren ständige Trainerwechsel wir uns immer so gerne lustig gemacht haben. Dankenswerterweise haben die noch ein paar andere Themen im Angebot.

Die Konsequenz dieser Wechsel und der nicht vorhanden sportlichen Stabilität zeigen sich dann auch in den Tabellenplätzen an, wo die Tendenz ebenfalls nach unten zeigt: Als 15., 4., 7., 12., 9. und nun 14. Platz der Abschlusstabellen seit Amtsantritt des Präsidiums. Das ist für einen Verein mit unseren Möglichkeiten einfach nicht genug. Da geht mehr, da muss mehr kommen. Wir wollen europäisch spielen, es gibt da einen Plan 2030.

Und dann wird mit Jos ein Trainer geholt, der die verkrusteten Strukturen aufbrechen soll. Der den Finger in die Wunde legen soll. Und der das auch macht. Was nicht nur bei uns, sondern auch beim Kader und Kaderumfeld immer wieder auf wenig Gegenliebe stößt. Der nach etwa 14 Monaten dann unter anderem genau daran scheitert. Wobei wir uns fragen: War das nach den Schilderungen aus Sheffield, aus Stuttgart, aus Augsburg nicht auch zu erwarten? Was hat man getan um zu verhindern, dass es wieder so endet?

Bornemann spricht davon, dass sich die positiven Folgen davon auch in Zukunft noch zeigen werden. Aber auch mal ehrlich: Wie verkrustet muss das denn sein, dass man das in 14 Monaten nicht geknackt kriegt? Dass immer wieder in alte Muster zurückgefallen wird? Dass wir immer wieder von trainingsfaulen Spielern hören? Es immer wieder richtig schlimme Spiele gibt? 

Klar ist: Jos hat keine Schuld an dieser Verkrustung. Das muss über Jahre gewachsen sein. Jahre, in denen das aktuelle Präsidium bereits im Amt war, Jos aber noch etwa zwei Trainerposten weit weg vom FCSP. In denen man von Verkrustung nichts hörte – das Thema kam erstmals mit dem Wechsel von Kauczinski zu Luhukay zur Sprache. Es ist gut und wichtig, dass das Thema erkannt und angegangen wird. Aber hätte das nicht auch schon vorher auffallen müssen?

Und zum Bild gehört auch, dass Jos noch im November von Oke sehr positiv beschrieben wurde. Wir haben das im MV-Bericht so beschrieben:

“Man habe sich innerhalb der Gremien auf einen Weg verständigt und dies sei der Weg, den man gehen wolle, auch mit den beiden hauptamtlichen Entscheidungsträgern Bornemann und Luhukay. Diese seien ehrgeizig und ambitioniert, sprächen auch mal Klartext. „Dies ist uns dann zu viel?“
Man habe einen Trainer, der im persönlichen Gespräch sehr inhaltsstark, offen und freundlich agiere, anders als es in einigen öffentlichen Auftritten vielleicht wirke und eines genauso wenig ab kann wie alle Fans und Profis, nämlich das Verlieren. Es werde Rückschritte und Täler geben, man werde den Weg nicht naiv aber mit aller Konsequenz weiter beschreiten.“

Die MV war ziemlich genau zur Halbzeit von Jos’ gesamter Trainerzeit hier bei uns. Damals klang das noch sehr anders. Was ist in den letzten Monaten passiert, dass sich auch im Präsidium die Meinung dann so geändert hat, die nun zum Wechsel führte? Geholfen hat es hierbei sicherlich auch nicht, dass wir zeitgleich einen neuen Sportdirektor und einen neuen Trainer geholt haben. So konnte keiner von Beginn an dem anderen helfen, was ok ist, und was dann auch mal (kommunikativ) übers Ziel hinausschießt.

Wir finden diese beschriebene Verkrustung auch alles andere als geil. Vor allem so lange sie zwischen uns und dem Aufstieg steht. Wir finden es wichtig, dass daran gearbeitet wird. Und wir können uns auch vorstellen, dass da das eine oder andere Idol auch nicht nur gut wegkommen wird. Es ist wichtig, eine*n neue*n Trainer*in zu finden, die / der diesen Weg weitergeht. Aber ihn ebenso beschreitet, dass mehr Leute mitgenommen werden.

Sodass wir dann nicht nächstes Jahr schon wieder einen Trainerwechsel-Artikel schreiben müssen. Und auch das Präsidium wird wissen, dass 2021 Wahlen anstehen und dass diese Entscheidung und die Wirksamkeit der Entscheidung da durchaus eine große Rollen spielen sollten. Wir hoffen auf ein glückliches Händchen und eine*n Trainer*in, die / der uns alle überzeugt. Mit der / dem wir in zwölf Monaten den Aufstieg feiern dürfen.

Was bleibt von Luhukay am Millerntor? 

Hoffentlich wirkt der Anstoß zur Veränderung. So wie in den letzten Saisons kann es wirklich nicht weitergehen. Vielleicht war sein Weg nicht der richtige, aber Jos Kritik war sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen und in vielen Punkten berechtigt. Man hatte versucht, mit Luhukay jemanden zu verpflichten, der in diesem Verein mal aufräumt. Der Pressemitteilung des Vereins nach zu urteilen, war es für manche zu viel des Guten.

Was wir nicht vergessen werden: Zwei fantastische Derbysiege. Sechs Punkte, die uns (und die Vorstadt) in der Liga halten. Spiele und Emotionen, die sich in all unsere Gehirne und Herzen gebrannt haben. Danke dafür.

Jun 292020
 

Lieber Schnecke. Lange haben wir nach den richtigen Worten zu deinem Abschied gesucht. Und sie dann in alten Blogbeiträgen gefunden.

Danke für alles!

Schön, dass du bleibst!

Alles Gute für die weiterhin gemeinsame Zukunft <3!

Es war die Fahrt des neuen Jahrzehnts

Choreo? Perfekt „Komm zur braun-weißen Seite der Macht, wir haben den Aufstieg“ war vielleicht nicht ganz so kreativ, aber die Blockfahne mit Schnecke als Han und so war schon cool.

How to – Antrag auf der Mitgliederversammlung

Beispielsweise macht es vereinsrechtlich wenig Sinn, die Medienabteilung/ Leiterin der Medienabteilung damit zu beauftragen, auf Social Media nur noch Fotos von Schnecke, Mats und James zu posten. Gebt diesen Auftrag an das Präsidium, welches dann dafür verantwortlich ist, dieses in den hauptamtlichen Bereichen umzusetzen. 

Wir haben das Fairnetzer Gespräch gehört

Dies ist ein Potential, das im Bezug auf die Vermittlung von Werten noch deutlich mehr genutzt werden könnte. Spieler wie Mats und Schnecke haben bei uns auch bzw. besonders wegen ihrer Äußerungen abseits des Fußballs den Status, den sie haben.

Spieler kommen wieder, Spielen können sich verpissen

Kalla mit neuer Frisur. Die Frisur ist jetzt nicht so unsers. Oder halt, eher “war”. Wenn Schnecke die trägt, dann ist sie toll.

Jahrzehntstadtmeister

Natürlich auch groß für Schnecke Kalla, dass er den Derbysieg als Einwechselspieler verteidigen darf. Und der wirft sich auch nochmal richtig rein. Jetzt müssen wir schnell den Weg in die Europa League hinbekommen, damit er das Karriere-Highlight noch toppen kann.

Entladungen in der Kabine

Das funktioniert nicht so wirklich gut. Kalla hat doch arge Probleme mit dem Kieler Baku, der aufgrund der Offenheit dieses Systems immer wieder 1 gegen 1 gehen kann. Da sieht man dann doch, dass Kalla in seinen alten Jahren nicht der schnellste ist. Dementsprechend wird er auch zur Halbzeit ausgewechselt, wahrscheinlich auch, weil er doch nah der gelb-roten Karte ist. Baku ist am Ende nach WhoScored-Note auch der beste Spieler auf dem Platz.

The MVP Machine – Und was man daraus lernen kann

Nehmen wir mal Schnecke Kalla (<3) als Beispiel. Die meisten Menschen würden sagen, dass es sich um einen guten Ergänzungsspieler handelt. Kannst du bedenkenlos für ein zwei Spiele auf nahezu jede Position stellen. Wird da nicht glänzen, wird aber auch wahrscheinlich solide seinen Stiefel spielen. Meint ihr, dass man den noch zu einem Superstar bekäme? Wahrscheinlich nicht. Wir auch nicht. Aber doch passiert genau das im Baseball. Justin Turner war bis 2014 und seinem Lebensalter 30 ein ganz netter Ergänzungsspieler, sozusagen ein Kalla des Baseballs. Danach begann er mit einem Trainer außerhalb des Establishment zu arbeiten und wurde ein Superstar seines Sports.
(…)
Das Buch zeigt Wege auf, wie man dies besser erreichen kann, wie man Spieler auf ein neues Level heben kann. Wie man eben aus einem Kalla einen Lahm macht. Naja, vielleicht nicht ganz.

Kaderplanung, Stand jetzt

4 Außenverteidiger: Bednarczyk (zu dem man sehr gemischtes hört und der in den bisherigen Testspielen eher unglücklich agierte), Schnecke (<3), Buballa und Park. Wobei Buballa dabei auch noch der einzige etatmäßige Linksverteidiger ist, aber Schnecke kann ja alles.

Ein bisschen Zahlenwerk der letzten Saison

Die besten Spieler – nach WhoScored: Kalla (7.33), gefolgt von Knoll (7.27) und Veerman (7.17)

Die Balance finden zwischen der großen weiten Welt und dem Zuhause

Umso schöner ist es, wenn Schnecke die Jugend einpackt und mit ihr in den Sonderzug steigt. Das ist ja nun wirklich nicht die einfachste Art des Fankontaktes, denn 1000 mehr oder minder besoffene FCSPler sind nicht nur Spaß für nüchterne Fußballer, die gerade in der 92. Minuten noch das letzte Saisonspiel verloren haben, aber wir fanden das sehr schön. Und wenn sich dann auch noch ein Spieler wie Coordes beinah schüchtern bei jedem bedankt, der ihm sagt, wie sehr er sich freut, dass er bei der 1. Mannschaft spielt, dann geht einem das Herz auf. Man entwickelt Sympathien für einen Spieler und genau dafür sind diese kleinen Kontakte sehr wertvoll.

Kein schönes Ende

Er kommt für Schnecke Kalla, der seinen 150. Einsatz in Liga 2 zeigt. Die geringe Anzahl auf seine unzähligen Jahre spricht auch für die vielen Verletzungen, die seine Karriere auch geprägt haben. Ob diese nun in einer aktiven Spielerrolle noch viel weiter geht, wird sich zeigen. Schon vor dieser Saison hatten wir prophezeit, dass etwas schief gelaufen ist, wenn er viele Einsätze bekommt. Es sind am Ende der Saison 9 (und vielleicht noch 10?) und er hat die beste Whoscored-Note des Kaders. Es zeigt halt, wie wichtig ein guter 12. Mann ist, der dazu noch die absolute Kampfmaschine ist. Der unfassbar intensive lange Zweikampf mit seinem Gegenspieler in der ersten Halbzeit ist exemplarisch.

Das sind die vom MagischenFC, die machen immer Stress

Es sah besser aus und der zusammen gewürfelte Haufen schlug sich wacker. Ein Handelfmeter der zumindest kuriosen Sorte brachte Dresden die Führung. Wie genau Schnecke verhindern soll, dass ihm der Ball vom Oberkörper an den Arm springt, wäre noch zu klären. Zumal der Schiedsrichter die Situation absolut nicht im Griff hatte. Elfmeter anzeigen, ewig diskutieren, so dass es so aussieht, als würde er ihn zurücknehmen, um ihn dann doch zu geben. Unsere Jungs hatten genügend Chancen um trotz des Rückstandes was mitzunehmen, aber die machten sie mit einer Ausnahme nicht rein, Dynamo nutzte die eine Chance. 

Sonne, Optimismus, Kommunismus

Und wir haben da ein echtes Juwel mit hervorragenden Leistungswerten: Beste Leistungswerte aller Innenverteidiger über die Saison hinweg, vierbester Spieler insgesamt seit der Winterpause (hinter Schnecke, Knoll und Alex Meier).

Something happened on the way to heaven

Nach den Who-Scored-Noten ist Marvin Knoll unser bester Stammspieler. (Nur Schnecke ist im Schnitt besser.) Sein Schnitt von 7,23 macht ihn den 14.-besten Spieler der gesamten (!!!) zweiten Liga.

Derbysiegerelf

Also eigentlich diskutieren wir hier überhaupt nicht: Schnecke auf rechts, Buballa auf links.

Parkplatzinfrastruktur

Man of the Match? Schnecke, der ungefähr jeden Millimeter des Rasens umpflügt und der extrem unangenehm für seinen Gegner agiert. Das ist Fight pur. So muss das laufen. In Halbzeitgesprächen stellten wir fest, dass wir mit Schnecke in der Form bisher alle Spiele dieses Saison gewonnen haben. Klappte dann ja auch wieder.

Holland Hardcore

Dagegen unsere Rumpftruppe, der unser Mannschaftsbaumeister ein 3-5-2 verordnet hat. Köln weiß aber mit seiner Schnelligkeit die Lücken über außen immer wieder nutzen und Schnecke sieht da nicht immer gut aus. Kein wirklicher Vorwurf an unseren 12. Mann und Fußballgott, die sind da schon sehr gut, die Kölner, und da wird es sehr schwierig.

Eiskaltes Union-Busting

Polytheismus am Millerntor in Reinform? Als bei den Unionern unzählige und auch bei uns zwei vermeintliche Fußballgötter angesagt werden, drängt sich die Vermutung auf, dass hier vieler übersinnlicher Wesen gehuldigt würde. Aber: “Der Fußball-Gott auf St. Pauli ist Schnecke”, soll der neue alte Götze laut einem unbedeutenden Käseblatt gesagt haben. Word.
Für Schnecke, der diese Saison vier Mal gespielt hat und uns damit bisher 12 Punkte beschert hat. Oder anders gesagt: Mit Schnecke gilt #fcspunschlagbar

Nussig im Abgang, Knackig im Zugang

Alex, wir haben gehört, dass du gegen die Rauten eine ziemlich gute Quote hast. Zwar ist das Siegtor in der 95. Minute für Schnecke reserviert, aber zum einen ist die Vorlage noch zu vergeben und vielleicht geht das Spiel ja auch 2-1 aus.

Die JHV 2018: Sandra und die sechs Männer

Bei Kiezhelden (das ist das Label, unter dem beim FCSP CSR läuft) hat nun der Kiezheldenspendenbeirat (falls ihr auswärts zur Unterhaltung Galgenraten spielt, hier ist euer Wort) seine Arbeit aufgenommen. Dieser Beirat besteht unter anderem auch aus Vertretern der Mannschaft, was prinzipiell ziemlich cool ist. So ein Fußballprofi in seiner Bubble kann auch mal ganz andere Welten erfahren. Der Vertreter war bis zu seinem Weggang Philipp Heerwagen. Wer das jetzt übernommen hat, ist uns unbekannt und war auch mit kurzer Recherche nicht offensichtlich. Wahrscheinlich Schnecke, der diese Bubble schon mal verlassen hat. 
(…)
Man habe nicht alles erreicht, was man sich vorgenommen habe, die Ideale seien nicht erreicht. Z. B. habe man keine Kontinuität auf der Trainerposition erreicht. Die wird ja auch erst mit dem Traumteam Schulle, Gunesch, Schnecke erreicht, die dann die Champions League mit dem FCSP gewinnen. #plan2030 Und dann innerhalb ihrer 30 Jahre Trainerschaft beim FCSP den FC Bayern als Rekordmeister ablösen werden. #fcspunschlagbar

Sollen wir uns etwa daran gewöhnen?

Und wenn wir dann doch schon mal bei Einzelpersonen sind: Unsere innige Liebe für JPK ist ja weithin bekannt, aber auch abseits von Fangegirle und -geboye gibt es keinen Zweifel daran, dass Schnecke zu jedem Zeitpunkt beweist, dass er vollkommen berechtigt da wieder steht (und läuft und grätscht). Das ist kein Gnadenbrot für die Endphase einer Karriere, das ist Anerkennung einer richtig guten Leistung. Herr Kauczinski, für Ihr Händchen gibt’s einen dicken Daumen nach oben.
(…)
Und alle, die uns das durch unsere schneckenfarbene Brille nicht abnehmen. Die Statistik gibt uns Recht.

Look how brilliant Kalla clears the ball

Kaum hätten wir es uns bequem gemacht, begann die Aufstellungsdiskussion. Und wich der Freude über eine Schnecke in der Startelf.
(…)
Dabei ganz vorne dabei: Schnecke. So will man einen Spieler sehen, der rein geworfen wird. Voll dabei, immer auf der Höhe des Geschehens und mit ganz vielen tollen Abfangaktionen.
(…)
(Überschrift direkt vom englischen Fernsehkommentar entnommen. #SchneckeUltras!)

Zu- und Abgänge

Und aus der Rubrik „Bleibt uns länger erhalten“ ist noch Yi-Young Park zu vermelden. Der letzte Saison angedeutet hat, wie wertvoll er sein kann. Und der durch seine Flexibilität wahrscheinlich auch diese Saison noch sehr wertvoll werden wird. 
Die wahrscheinlich auch dazu führen wird, dass er nie irgendwo wirklich Stammspieler wird. Solche Spieler neigen dazu, der 12. oder 13. Mann in einem Kader zu sein. Das ist nichts für eine Starkarriere, aber für einen Fußballverein unfassbar wichtig. 
Er löst in dieser Rolle auch so langsam Schnecke ab, was ein schöner Generationswechsel ist. Sein bisher einziges Tor war auch schon einmal ein ganz richtiges. Schön, dass du da bleibst. 

Wohlfühloase

Natürlich waren auch einzelne Spielernamen im Gespräch Thema, aber das wollen wir aus den oben genannten Gründen vollkommen ausblenden. Außer natürlich, dass die Runde sich einig war, dass Jogi ohne Schnecke keine Chance bei der WM haben wird. „Eindeutig Weltklasse“ ist der Kalla halt.

Wie man damit umgehen kann

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.
(…)
Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Fragen

Weswegen hier auch Schnecke nicht genannt ist. Die ganze Konstruktion klingt nach Teilzeitprofi mit langsamen Übergang in die Zeit nach der aktiven Karriere. Nun kann man so etwas nicht jedem verdienten Recken anbieten, aber wenn es einen Kandidaten für einen solchen Übergang und die weitere Beschäftigung im Verein gibt, dann wäre das Timo Schu.. äh Schnecke. Und sollte er plötzlich seinen dritten Frühling erleben, verdientermaßen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen und das Derby mit vier Toren ganz alleine entscheiden, dann sagen wir nicht nein.

Wenn wir St. Pauli angreifen wollen, dann machen wir das alleine

Wir kommen in die Relegation. Die Jungs aus dem Volkspark auch. Schnecke hat seine Rente bereits angekündigt, aber muss im Rückspiel auf den Acker, weil ganz viele verletzt sind. Nach einem epischen Kampfspiel fehlt uns in der Nachspielzeit noch ein Tor für den Stadtligawechsel und das Unglaubliche. Noch einmal Ecke, der Ball wird abgewehrt, Schnecke nimmt aus 25 Metern Maß und lötet das Ding in den Winkel. Tor! Der Schiedsrichter pfeift nicht mehr an.

Lasse und Jan hoch2

Doof nur: Nach 80 Minuten ist der Akku aller Braun-Weißen bei 1 %. Es kommt dann aber die elegante Rettung in Person von Jan-Philipp Kalla. Als Ein-Mann-Abfangjäger und Konterspieler beschäftigt er Bochum und sorgt auch noch für eine numerische Überzahl unserer Braun-Weißen. Weihnachtliche Zimtschnecke! Wir sind ja so oder so Fanboys, aber heute macht Kalla wirklich eine ganze Menge richtig. So etwas will man von der Bank sehen!

Unbekanntes Fußballobjekt

Unverständnis bleibt, wann immer ein Trainer sein Wechselkontigent nicht ausschöpft, gerade nach einem Platzverweis, und überhaupt wahnsinnig spät erst frische Spieler (immerhin Schnecke <3) auf den Platz schickt.

We put the Aus in Pokal

Und man sollte weiteren Teilen des Kaders immer auch mal die Möglichkeit geben, sich im Spiel zu beweisen. Mal ganz davon ab, dass man es garantiert nicht exklusiv an Cenk, Schnecke oder Litka festmachen kann, dass wir ausgeschieden sind.

Mal wieder Bochum

Und Schnecke. Startelf. Herzchen.

Tief im Westen

Beide Mannschaften haben viele Chancen und hätte Schnecke nicht sein Torwart-Gen ausgepackt, würde Bochum noch den 2-2 Ausgleich schaffen, bevor dann ein Konter das Spiel entscheidet.

Es nervt

Es nervt, wenn Leute sich auf Spieler einschießen, Spieler lächerlich machen oder so tun, als ob es alles nur eine Frage der Einstellung wäre. Warum sich dann noch auf Kalla und Ziereis (!!!) eingeschossen wird, bleibt eine Frage, die unbeantwortet bleiben muss. Oder nach ca. 10 Minuten sich einem Support lautstark verweigern mit der Aussage „die müssen erstmal was bringen, bevor ich hier supporte“. Alter! 

Die Playlist des Todes

1.Wechsel bei uns. Schneider rein, Kalla raus 
Für alle Kalla Hasser: 
Beschwerden an meinen Assistenten
Damit er sie für mich verbrennt denn
Ich kann grad nicht ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt Euch Allee
(Großstadtgeflüster) 

Ein bisschen Pech, ein bisschen Glück

Schade, dass Schnecke dann den letzten Ball nicht formvollendet an Tschauner vorbei bekommt. Das wäre natürlich so ein Herzensmoment gewesen.

Erkenntnisse

Was uns definitiv fehlt, ist ein Spieler, der aus dem Mittelfeld einen Angriff präzise und schnell einleiten kann. Die mittleren zwei Positionen der Mittelfeldkette besetzen Avevor und Buchti; und bei aller Liebe, aus beiden wird dieser Typ Spieler nicht mehr. Auf Außen mit Kalla und Hedenstad zwei Spieler, die sich extrem bemühen. Wir denken, Kalla wird auch diese Saison eher wieder der zwöflte Mann sein; derjenige, der bei Verletzungen oder Formschwäche alle Positionen übernehmen kann. Auf den Außenbahnen stehen mit Ryo, Sobotta etc. pp garantiert offensiv stärkere Spieler als er zur Verfügung. Oder dies ist der „Auswärtslook“, wo die Außen im Mittelfeld halt eher defensiv denken sollen und müssen. Mal abwarten.
(…)
Wir haben mit Kalla, Sobiech und auch bald Hornschuh noch mehr geborene Führungsspieler, sodass es uns an dieser Gruppe nicht mangeln wird.

Die Trikotvorstellung

Dann wurde noch die Mannschaft zugeschaltet, so ein bisschen so getan, als ob live, war natürlich nicht live. Unsere Aufzeichnungen dazu lesen sich wie folgt: „blablupp“. Einzige Aussage, die bei uns hängen blieb „das ist schön eng, da ist man nicht so gut zu greifen“. Worauf Spieler so achten. Welcher Spieler da was gesagt hat, war von unserem Platz nicht so schnell mitzuschneiden, wenn wir es richtig gesehen haben, hatte man Lasse, Schnecke, Bernd da platziert, aber unsere Sicht war relativ eingeschränkt.
(…)
Bleibt nur noch eines zu erwähnen: Es gab für jeden ein Trikot mit Wunschbeflockung (immerhin ein 75 Euro Gegenwert), was wohl auch ein relativ simpler Versuch ist Sympathie zu erkaufen. Nun können wir lange über unmoralisch diskutieren, aber hey, wer schlägt schon ein geschenktes „Kalla“-Trikot aus? Wir und der hochgeschätzte Übersteiger Frodo nicht.

Die Lage nach der Liga

Kalla: Wird immer mehr zu einem flexibel einsetzbaren zwölften Mann. Wird so auf keiner Position der Beste im Kader sein, ist aber zum Löcherstopfen auf allen Positionen unwahrscheinlich wichtig. Das er dazu noch in der Kabine wichtig ist, sollte bekannt sein. Wird in dieser Aufgabe weiter aufgehen, aber wahrscheinlich eher im Mittelfeld und nur in der Not in der Abwehr. Und am Ende wird er wieder 25 Spiele gemacht haben, auf dem Betzenberg getroffen haben und alles wird gut sein. Wird uns hoffentlich bis zur Rente erhalten bleiben.

Wenn Erfolg so aussieht, dann sollte man keinen Erfolg haben

Als Schnecke – nebenbei zu Recht – die gelbe Karte sieht, wollen wir ob der lebensgefährlichen Verletzungen des Freiburgers schon seine nahen Angehörigen informieren. Glücklicherweise gab es eine Wunderheilung. Selbst ohne die Heilungskräfte der Mannschaftsärzte. Bei aller Liebe: Foul ist Foul und das war ein Foul, aber könnte mal bitte jemand Fußballern dieses Theatralische abgewöhnen?

Zebrastreifen am Horizont

Puh, was Ewald da auf den Rasen stellte, ist die Ersatzaufstellung der Ersatzaufstellung. Das wir bisher in 50 Prozent unserer Spiele zu Null gespielt haben, liegt ja auch an einer sehr überragenden Saison unserer beiden Innenverteidiger. Die an diesem Tag beide nicht anwesend sind. Ihre „natürlichen“ Ersatzleute nur leider auch nicht. Maier, Kalla, Sobiech, Ziereis, Nehrig, Gonther gar nicht dabei, Sobota nur so mit halber Fitness? Seien wir ehrlich, aus diesen sieben Namen kann man eine sehr ordentliche Zweitligamannschaft machen.

Verdienter Lohn

Sagen wir was zum Spiel? Schnelle Führung: Langer Hafer, Lenny gewinnt das Kopfballduell, Ratsche mit Sahneflanke, Kalla als Kopfballungeheuer und drin ist er. Wollte er den so? Fakt ist, die guten Kopfbälle sind immer jene, die vom Kopf so halb abglitschen und dann am verdutzten Torhüter vorbei ins Tor kullern. Hat man bis dahin das Spiel im Griff, holt man in einer Fehlerkette zwei Minuten später den Gegner zurück ins Spiel. Kollektives Träumen und die Unfähigkeit von technisch und taktisch gut ausgebildeten Fußballern der heutigen Zeit, einen Ball einfach mal auf die Tribüne zu dreschen. 
(…)
Was uns zu diesem „Kapitän wechsel dich“-Spiel führt: Sonntag in gleicher Besetzung ist Kalla Kapitän, heute wieder Lasse. Macht ihr beiden euch da einen Spaß draus? Oder wird das ausgeknobelt? Hätte Schnecke geschossen, wenn er Kapitän gewesen wäre? Vielleicht wäre der drin gewesen, war ja irgendwie Schneckes Abend. Aber das ist „Hätte, wenn und aber“. Wie gesagt, kein Vorwurf an Lasse …

Ein Spiel mit einem Nachspiel

Im Fußball immer wieder zu kurz kommt der zwöflte Mann. Und damit ist hier mal nicht das Publikum gemeint. Sondern der Spieler, der eigentlich überall spielen kann und immer bei Lücken ins Team geworfen wird. Bei uns ist das ein Kalla, der keine Position wirklich fest bekleidet, aber da ist, wenn irgendwo Not am Mann ist. Umso erstaunlicher, dass er dann auch die Kapitänsbinde trägt und nicht Lasse, der ebenso Stellvertreter wäre. 

Zeig mir den Weg nach oben

Die letzten 20 Minuten sehen trotz richtiger Wechsel nicht mehr so ansehnlich aus, sodass der Schlusspfiff schon ein wenig erlösend ist. Vom Gegner kam auch nichts Zwingendes mehr. Immerhin ist Schnecke wieder fit.

Schweinerei

Am Ende noch ganz viel Liebe an JP Kalla, der im „Antifascist Action“-Shirt im Gästeblock stand.

Von der Auslosung bis zur ersten Runde

Kalla verletzt? Oh man, nicht noch einer … Fängt das schon wieder an? Zu viele Spieler verletzt. Und den von Ewald vor dem Spiel proklamierten „breiten Kader“ konnte man auf der Ersatzbank bewundern.

Gastbeitrag: Der alte Mann und der Klassenerhalt

Wir kamen zum Bahnhof und mit Kalla, Himmelmann, Ewald, Meggie und Oke ging es zurück nach Hamburg. Es mag beim FCSP eine Meldung sein, dass Präsidium, Trainer, Sportdirektor und zwei Spieler (Danke dafür Jungs, das ist ja nicht immer ganz einfach, mit so einer freudetrunkenen Meute zu fahren) sich in den Sonderzug schwingen. Dass bei uns jedes Mal die Aufsichtsratsvorsitzende den Partywagen schmeisst, geht da gerne mal unter. Danke dafür. Und frag mal den Hopfner, ob er das schon mal gemacht hat.

Vita et miracula ewaldi in missioni Sancti Pauli

Es ist Sonntag, der 24. Mai 2015, etwa 23.30 Uhr. Ich bin in einem mir völlig unbekannten Abteil aus dem Schlaf erwacht, der mich im Sonderzug übermannte. Kinder, streckte mich dieser Tag nieder. Die erlösende Feier in den Partywagen konnte ich noch eine Weile mitmachen, dann brauchte ich einfach Ruhe.
Ewald, Oke, Meggie, Skyman und Schnecke habe ich nicht mehr getroffen. Ich steige am Hauptbahnhof aus und taumel nach kurzen Umwegen nach Hause. Was fühle ich mich schmutzig, äußerlich wie innerlich. Erschöpft. Beseelt. Zufrieden.

Redemption Song

Also, Fußball. Viel Hoffnung haben zu Beginn die Wenigsten, so hier die Einschätzung. Doch Schachter macht gleich Alarm – es soll nicht das letzte Ausrufezeichen bleiben. Was unser FCSP da zusammenkickt, ist nicht immer schön und auch nicht durchgehend souverän. Es ist aber leidenschaftlich, es ist druckvoll und satt, von Anfang bis Ende. Das Tor des Tages: ein Traumpass vom großartigen Kalla, den Thy tatsächlich nicht fatal verstolpert, sondern irgendwie halbwegs gekonnt im Leipziger Tor unterbringt. Irre, so was geht doch sonst nie rein bei uns!?

Alles wie immer

Die Neuzugänge machen indes keinen schlechten Eindruck auf uns. Klar, beim ersten Heimspiel der Saison solltest du als Grünschnabel besonders motiviert sein. Das kann man überwiegend schon erkennen an diesem Tag. Auch Kalla ist dankbar für das Vertrauen und läuft sich einen Wolf, wenngleich der Spielaufbau nach wie vor nicht seine Stärke ist. Schade finden wir die Entscheidung, Thorandt auf der Bank zu lassen. Wir halten die #16 für einen prima Kerl, auch wenn er gern im Hintergrund bleibt. Aber da spielen wir uns nicht als besserer Trainer auf.

Ich habe ein Kissen dabei

Nach den Jubelarien wollte der Block noch den Trainer sehen, dem das eher peinlich war. Eine Welle wollte er da noch nicht machen, aber das holen wir dann nach, wenn wir bei München Rot gewonnen haben. Oder wie findet ihr die Vorstellung, dass uns Kapitän Kalla in die Arroganz Arena führt, wenn diese rot leuchtet? Wer ist schon Kapitän Lahm, wenn man Kapitän Kalla hat? Diese Träume werden wir jetzt auf der Rückfahrt träumen. Denn wir haben ein Kissen dabei. 

Flaschenhals

Der Wunsch an unsere Jungs war eigentlich nur, dass sich jeder zu Ehren von Walter Frosch eine gelbe Karte abholt. Das hat letztendlich mit fünf gelben Karten nicht ganz geklappt. Aber Buchtmann kann mit seiner 8. Im 14. Einsatz auf eine ordentliche Quote blicken. Ach, dieser Buchtmann wird ja sowieso immer mehr zum stillen Held. Was der an Lücken wegackert, dies ist schon bemerkenswert. Ansonsten wurde doch die ordnende Hand im Mittelfeld immer wieder vermisst. Und so komisch das klingt: Da fehlte Kalla in der Form der letzten Wochen. 

Nazi Punks Fuck Off!

Und das kann man sehr gut genau an Schachten fest machen. Was der ackert, das geht auf keine Kuhhaut. Auch sonst waren beinah alle Spieler richtig stark. Nöthe wird zwar kein Vollstrecker mehr, aber wo er wertvoll ist, zeigte er bei seinem Pass zum 1-0. Zu hoffen bleibt, dass Kalla sich nicht schlimmer verletzt hat, denn in der ersten Halbzeit zeigte er, dass er immer mehr zum Angelpunkt unseres Spieles wird. 

Eine Oper auf dem Betzenberg

Unser Ensemble wurde auf dieser Gastspieltour lange umjubelt. Es kam durch einen Stich in das Herz des Teufels, brilliant geführt von unserem jungen Heldentenor Kalla auch zum zwischenzeitlichen Gleichstand, musste sich dann aber doch geschlagen geben. Zu viele Töne wurden versungen. Zwar klappte das Vortragen des Vaudeville hervorragend, aber wenn es in die schwierigen Passagen der Da-Capo-Arie ging, waren unsere Sänger dem Gegner nicht mehr gewachsen und versangen sich bei einzelnen Noten.

Realexistierende Langeweile

Aber kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Unsere Jungs begannen – mal wieder – wie die Feuerwehr und führten dementsprechend auch relativ schnell 1-0. Und diesmal gab man das Spiel nicht vollkommen aus der Hand, sondern spielte weiterhin gut mit. Man darf ja nicht vergessen: Fürth ist schon eine der besten Mannschaften in Liga 2. In den ersten Minuten fiel auf, wie hoch und aggressiv unsere Jungs verteidigten. Und es wurde auch ersichtlich, wie Kalla die Unsrigen dirigierte und auch mal mit dem Schiedsrichter argumentierte. Anscheinend tut Frontzek dem Kleinen gut.
Überhaupt ist es bemerkenswert, dass sich Spieler unter Frontzek weiterentwickeln. Nun mag er Schwächen im taktischen Konzept der Gesamtmannschaft haben, aber wenn man sieht, welche Wandlung Buchtmann gemacht hat, dann spricht das auch für einen Trainer. Von einem kreativem Bruder Leichtfuß zu einer Stütze im Spiel. Wenn er nun noch abstellt, dass er gefühlt jedes Spiel eine gelbe Karte bekommt, dann kann er auf dieser Position absolut gut werden. Und wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass eine Doppelsechs Kalla/Buchtmann sehr gut funktioniert? Klar, da ist noch nicht alles perfekt, aber das sah schon sehr ordentlich aus.

Eine kurze Presseschau

Jan-Philipp „Schnecke“ Kalla feiert heute sein 10 jähriges in unserem Verein. Bei englischen Vereinen würde man ihm nun ein Testspiel widmen, wir widmen ihm einfach einen Link zu Gröni, dessen Glückwünsche wir uns anschließen.

Ein Klasse Erhalt. Warum denn nicht gleich so?

Fix fand eine fette Schnecke den Weg zu Kalla und ein Rauten-Drache wurde buchstäblich zum Spielball der ausgelassenen Mannschaft, bis er dorthin verbannt wurde, wo er hingehört: ins Dunkel.
(…)
Kurz nach dem Abpfiff und der Erleichterung, dass wir das Abstiegsgespenst endgültig weggesaugt haben, flogen auch schon die ersten Kuscheltiere. Die Frage darf erlaubt sein, wie sinnvoll die ganze Aktion ist und wem sie in welcher Form zugute kommt, doch aus rein hedonistischer Perspektive: Haha, geiles Ding! In Sekunden segelten Bären, Hunde, Elefanten, Tintenfische und mehr auf Spielfeld, dass es eine reine Freude war. Fix fand eine fette Schnecke den Weg zu Kalla und ein Rauten-Drache wurde buchstäblich zum Spielball der ausgelassenen Mannschaft, bis er dorthin verbannt wurde, wo er hingehört: ins Dunkel.

Geheimnis Sonderzug

Noch etwas: Sollte noch ein Trainer irgendwann mal auf die Idee kommen, Herrn Kalla auf die Außenverteidiger-Position statt nach Innen – wie heute – zu stellen, dann bitte sofort Lizenz entziehen. Die Leistungen unterscheiden sich wie Tag und Nacht.

Bahnfahren macht Laune

Kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Vor dem Anpfiff entwickelte sich auf Twitter eine Diskussion um Kalla. Und seien wir ehrlich: Auch wir haben hier schon häufig genug geschrieben, dass er kein Außenverteidiger mehr wird. Nun wäre die absolute Flexibilität von Spielern ein Traum, aber so etwas ist eher die Ausnahme im Fußball und wirklich flexibel einsetzbare Spieler sind daher heiß begehrt. Niemand käme bei uns auf die Idee, Boller oder Thorandt auf außen zu stellen. Kalla kann den Außenverteidiger an guten Tagen solide spielen, an schlechten Tagen ist er überfordert. Stellt man ihn jedoch in die Mitte, wird seine Leistung sofort besser. Gegen Frankfurt reichte es für die Kicker-Elf des Tages, gegen Duisburg sah ihn die MoPo als „Idealbesetzung gegen Exslager“ und gab ihm eine 2.

Unangenehmer Besuch

Kommen wir zum Geschehen auf dem Platz. Man las schon wieder von „der schlechteste Spieler“ (wahlweise sind dann Kalla, oder wer auch immer gemeint) oder von „Viererkette schlecht“ und natürlich stimmt so etwas auch immer ein bisschen. Was aber einfach auffällt ist, dass von 1 bis 11 die gesamte Verteidigungshandlung zu langsam, zu lieb und zu unstrukturiert ablief. Wer mal Verteidigung im modernen Fußball in Perfektion sehen will, der gucke sich 90 Minuten Bayern- Barcelona nur im Hinblick auf das Verteidigungsverhalten an, was zugegeben für die Spieler wahnsinnig laufintensiv ist.

Den Löwen die Zähne herausgearbeitet

Wenn Jan-Philipp Kalla als Kapitän auf den Platz führt, dann haben wir einen unfassbar höheren Punkteschnitt als bei anderen Kapitänen. Nun ist Schnecke ja nun wirklich nicht als Lautsprecher bekannt und seine Leistung als Außenverteidiger eher solide als herausragend, aber bemerkenswert ist dies schon.

Auf dem Jahn rumturnen

Und dann geht ihr ans Millerntor, seht das Flutlicht leuchten. Tabellenletzter? Gebt uns Gegner keine Opfer! Kapitän Kalla führt seine Mannen auf den Platz, das Stadion explodiert, ihr explodiert, 90 Minuten fliegen alle Emotionen aus euch raus und Vokabeln wie „Aufbaugegner“ oder „Tabellenletzter“ verkriechen sich vor Angst in der hintersten Ecke des Stadions namens Gästeblock. Angesteckt vom Feuer der Tribüne rennen unsere Jungs und werden gewinnen.

Hintergehen ist strukturell antisemitisch

Ja an die Truppe von Kapitän Kalla kann man glauben. Man hat wieder das Gefühl dort eine Mannschaft zu sehen. Eine Mannschaft, die jung, unerfahren und ungeschliffen ist. Aber an der man so langsam Struktur erkennen kann. Und die mit Kalla, Funk (könne wir den bitte verlängern?), Tschauner, Schachten, Thorandt eine Führungsgruppe bekommt. Wir wollen dem Kollegen Metalust ja gar nicht widersprechen: Aber junge Spieler ohne Gesicht sind das auch nicht. Vielleicht sind sie einfach nur still und heimlicher. 

Hicks

Und damit kann man die nächste Saison sehr viel ruhiger planen. Auch wenn Kapitän Kalla diesmal schlechter war und auch die anderen jungen Jungs nicht so ins Spiel kamen: Ich glaube an die Truppe. Wenn man noch ein zwei gute Ergänzungen findet (insbesondere ein Stürmer und einen Offensiven, der ein Spiel schnell und überraschend machen kann), dann kann hier was entstehen.

Ein strahlender Abend

Ginzcek machte dann den Vollstrecker, wobei insbesondere das 2:0 seine ganze Willenskraft zeigte. Was für ein Wahnsinnstor. Neben dem Tageshelden kann man noch Kalla herausheben, der wohl allen Zweifelern gezeigt hat, dass er eben doch Zweitligatauglich ist – wenn auch nicht zwingend auf der Außenbahn. Und bereits in der Hinrunde klappte das ja sehr gut mit Kalla als Kapitän, sodass es gar nicht verwunderte, dass Fronze zu dieser Lösung zurückkehrte.

Man für die Scheiße seid ihr 500km gefahren

Zum sportlichen: Siehe Überschrift und Einleitung. Was wir nicht begreifen: Man kann einen bescheidenen Tag haben, man kann volle Elle mit dem falschen Fuß aufgestanden sein, aber wenn man von Minute 1 nicht kämpfen will, nicht für den Nebenmann fighten will, dann trägt man das falsche Trikot. Und da kann auch nicht von „Verunsicherung“ oder ähnlichem die Rede sein. Was an Kalla z.B. in der Vergangenheit gefiel: Scheißtag und trotzdem haute er sich immer wieder rein. Diese Qualität wurde gestern komplett vermisst. Und zwar bei allen auf dem Platz. Dennoch glauben wir, dass man dieser verdammt jungen Mannschaft weiterhin eine Chance geben sollte.

Der Jahresrückblick, Teil 3

Überraschung des Jahres: Kapitän Kalla

Phönix in der Asche

Aber auch andere erstaunliche Dinge spielten (!) sich im Millerntor ab. Kapitän Kallas Mannen spielten (!) den Gegner nämlich an die Wand, zeigten Spiel(!)züge und Kombinationen und offenbarten ein lange nicht gesehenes Spiel(!)verständnis und eine spielerisch (!) gute Leistung. Dazu lag noch die wachsende Tugend des „never give up“ und eine wirklich ansprechende Darbietung auf dem Rasen. Nur, und das ist das absolut Unbefriedigende: Die Jungs gaben zwei Punkte ab. Man könnte sich wie ein kleines Kind auf den Boden werfen, mit den Fäusten trommeln und immer wieder brüllen „Ich will diese zwei Punkte!“ und man hätte Recht. Aber der verfickte Ball wollte einfach nicht ein zweites Mal über die Bochumer Torlinie gehen. Chancenverwertung ist bekanntlich nur in wenigen Spielen eine Stärke der Jungs auf dem Feld.

Dynamo dreht am Rad

Zum Spiel: Das Ganze war die ersten 40 Minuten einfach schlecht. Unsere Jungs mental zu langsam, lauffaul, viel zu weit weg von den Gegnern und zu breit aufgestellt. Kalla auf Außen mit seinem guten Gegenspieler komplett überfordert und beim 0-1 einfach auch so hmmmm… Doch plötzlich, als hätten die Jungs einen Schalter gesucht und nun gefunden, kippt das Spiel. Boll, immer wieder Boll und Boll dreht sich und dreht dadurch das Spiel. 1-2 und neue Hoffnung. 
(…)
Der Kapitän holt seine Mannen zu sich, redet auf sie ein und erst dann gehen sie in die Halbzeit. Plötzlich ist alles anders. Kampf, alle beißen sich rein, auch Kalla gewinnt mal einen Zweikampf und das Spiel kippt. 2-2 und 3-2 innerhalb kürzester Zeit. 

Ein Licht der Hoffnung

Und im Presseraum empfängt mich der SportMikrofon Schreiberling mit der Aufstellung. Jan-Philipp Kalla als Kapitän, Boller ist verhindert und Ginczek im Sturm. 
(…)
Und nun muss eine Ode an unsere Jungs folgen. Eine Ode als Gegenwind zu dem Shitstorm der Möchtegerntrainer im Internet. Da liest man bei Kalla „er habe seine Zweitligauntauglichkeit ja schon mehrfach bewiesen“ oder über Ginczek liest man „dass er nie 15+ Tore in Liga 1 oder 2 machen wird“. Ich bin es einfach leid. Leid solche Thesen zu lesen, die sich auf ein Konzept stützen, was einem Menschen über dem Alter von 17 anscheinend jegliche Entwicklungsfähigkeit abspricht. Man fragt sich immer, ob die Schreiberlinge diese Sozialdarwinismusthesen auch außerhalb des Fußballs vertreten. 
(…)
Ja liebe Leser, ich mag Jan-Philipp Kalla. Ein stiller Junge, ein Hamburger Junge. Garantiert nicht der beste Außenverteidiger der Welt. Garantiert nicht der beste Spieler, der für uns jemals gespielt hat. Darum geht es nicht. Darum geht es bei Sympathien für Spieler selten. Es geht um Vokabeln wie Eigengewächs, Bescheiden, garantiert nicht Topverdiener. 
(…)
Ein Spieler, den ich durch die Ränger der U23 wachsen sehen habe. Dort war er auch ein Führungsspieler, trotz seiner ruhigen, unauffälligen Art. Und so führte er seine Jungen auch als Interimskapitän aufs Feld: Ruhig, bescheiden, nicht im Mittelpunkt stehen wollend. Ein Lob an Fronzeck, der nicht nur anscheinend eine Hackordnung respektiert und fortführen will (Kalla ist immerhin Kassenwart der Truppe), nein auch auf ein Eigengewächs in diesem wichtigen Spiel zu setzen zeigt Mut und ist ein Fingerzeig für die Zukunft. Und zwar ein Fingerzeig dahin, nicht immer den gerade gekauften Spieler denen vorzuziehen, die aus den eigenen Reihen stammen. Und dies obwohl mit Kringe auch ein „Neuer“ auf dem Platz stand, der sich sehr wohl als Führungsspieler eignet, aber eben noch nicht so fest in der Ordnung steht. Rückblickend alles richtig gemacht, Trainer. (….)
Der Sonnenstich zog seine Bahn und so fantasierten wir munter über ein Pokalfinale, in dem die Truppe von heute aufläuft. Gegen Bayern. Bruns wird humpelnd in Minute 119. eingewechselt. Alle verschießen. Er läuft an, unten links, Neuer ahnt die Ecke, aber er ist drin. 1-0 Pokalsieger. Und als Schnecke den Pokal von der Kanzlerin bekommt, ist er ihm zu schwer und er fällt mit ihm auf sie. Und beendet unglücklich die Kanzlerschaft. Jemand was dagegen? 

Hordak und die Wilde Horde

Aber wisst ihr was? Das ist doch alles viel zu negativ, denn wir sahen in unseren Jungs etwas, was wir lange nicht gesehen haben. Das Kampfgen blitzte wieder hervor. Da beißt sich ein Kalla nach unglaublich schlechten 30 Minuten immer mehr in das Spiel rein, wird sicherer, kommt plötzlich auch mal an einem Mann vorbei.

Weiße Schuhe und Wendechoreo

Und Kalla zeigte auf seiner „angestammten“ linken Bahn eine Leistungsexplosion, die er beinah mit einem Tor gekrönt hätte. Trotzdem zeigte der Abwehrverbund in den ersten 30 Minuten auch Schwächen und an diesen muss auch noch gearbeitet werden. 

Emotionslos

Und ganz ehrlich: Dieses „ich will gewinnen“ Gefühl, das hatte man ansatzweise nur bei Tschauni, Kalla und Bruns.

Blitz und Donner

Die Viererkette also mit Kringe-Zambrano-Thorandt-Kalla. Und da diese Besetzung doch sehr lange so spielte, gehen wir mal davon aus, dass das auch die erste Wahl gegen Aue sein wird. Das wäre zumindest erstaulich, denn Kalla hatten wir eigentlich unter diesem Trainer abgeschrieben. Bemerkenswert dabei ist auch, dass dann zwei nicht gelernte Außenverteidiger die Außenverteidigerpositionen bekleiden würden. Mag ein Risiko sein und so ganz eingespielt wirkte die Kette auch noch nicht.

Das Gesicht von St. Pauli

Aus diesen angeblich chaotischen Zeiten haben es aber immerhin Spieler in die Bundesliga geschafft, wenn auch nicht bei uns (man darf nie vergessen, dass Spieler wie Torun und Choupo Moting immerhin aus unserer Jugendarbeit kommen). Seitdem ist aber auch Ende und viele Spieler (Kalla, Daube, Herber, Schenk seien als Beispiele genannt) verrecken kurz bevor sie irgendwie in den erweiterten Stamm vorstoßen, bzw. auf ihre Art Leistungsträger werden konnten. Man muss sich fragen, warum unser System dort erhebliche Probleme hat und warum das nicht klappt. Und natürlich muss man auch den Verantwortlichen hinterfragen, als Person.

Ein unwürdiger Abschied

Man sieht keine Entwicklung in der Mannschaft und gerade bei den jungen Spielern. Wenn man ein Ausbildungsverein sein will, dann kann man nicht nur kurzfristiger Durchlauferhitzer für ausgeliehene Spieler sein, sondern muss auch eigene Talente irgendwie entwickeln. Exemplarisch sei hier nur Jan-Philipp Kalla genannt. Er spielt, regelmäßig, sein Vertrag wird langfristig verlängert und danach spielt er keine Rolle mehr in den Überlegungen, steht nach der Winterpause nur noch einmal überhaupt im Kader. Da ist irgendwas falsch und fehlender Trainingseifer kann es bei einem Musterprofi wie Kalla irgendwie nicht sein.
(…)
Wie es nun weiter geht, wissen wir nicht. Es macht uns Sorgen, dass unser sportlich verantwortliches Personal angezählt ist und eine Krise in der Vorbereitung diese sofort sturmreif schiessen könnte. Das ist im Sinne einer Kontinuität und im Sinne eines mittelfristigen Umbaus nicht gut. Es bleibt zu hoffen, dass wir es schaffen Spieler zu entwickeln, Talente zu entwickeln und Spieler wie Naki, wie Kalla, wie Daube endlich mal vom Talent zum vollwertigen Profi zu entwickeln und sie damit halten können.

Aufstiegswille

Spieler wie Kalla, die in der erfolgreichen Hinrunde zumindest noch im Kader Stammgast waren, sind vollkommen weg vom Fenster.

Beim Warten auf das richtige (Spiel), kann man mit dem falschen (Spiel) viel Spaß haben

Man stelle sich mal vor, dass Kalla gegen Fürth sich die gelb/rote abholt und Funk diesen Ball in die weiten des Münchener Nachthimmels befördert. Wir wären mit vier Punkten mehr Tabellenführer. Und es sind leider diese Kleinigkeiten, die nach guten Spielen und einer guten Saison eventuell zwischen Platz 5 und Platz 1 unterscheiden. Denn qualitativ geben sich die Mannschaften nur wenig. Trotzdem muss man mit dem Punkt bei 1860 hochzufrieden sein, es hätten aber halt noch 2 mehr sein können.

 Re-Read: Holger Stanislawski, dir gehören die Ohren abgerissen!

Einschub: Unsere Helden waren: Pliquett Thorandt Zambrano Gunesch Volz
Boll Lehmann Kruse Takyi Bartels Asamoah von Anfang an, rein kamen: 58. Ebbers für Takyi 71. Daube für Asamoah 89. Bruns für Boll das ganze von der Bank abgesichert haben: Kessler Eger Kalla Sukuta-Pasu. Tor: Asamoah 59. Minute. Danke an euch, danke an Holger für die bekloppteste Idee ever und danke an Truller, dass er nicht sofort gekündigt hat, als Stani diese Idee hatte.

Sexismus ist kein Lebensentwurf, Sexismus ist scheiße!

Aber auch Eigengewächse wie Schnecke Kalla und Daube würden sich hervorragend entwickeln und seien ein Zeichen, wie durchlässig man in den Profibereich sei. (hier gab es sehr lauten Beifall)

Paderborn macht mich krank

Kalla gefiel mir als Linksverteidiger gar nicht und träumt (mit zwei weiteren Leuten) auch fröhlich vor dem Gegentor. Da stimmte die Abstimmung gar nicht, denn zwei Spieler haben ihre Gedanken beim Ballführenden, ein Spieler ist so im Halbfeld, nur um den letztendlichen Torschützen kümmert sich niemand. Das darf einfach nicht passieren.

Wir sind schwule Antifamodule

Was bei uns nicht funktioniert ist die Außenverteidigung. Rechts ist klar bei den ganzen Ausfällen, aber Kalla gefiel mir auf links auch gar nicht. Und immer noch stehen beide Spieler auf der linken Seite mir viel zu offensiv und müssen dementsprechend viel zu häufig ihren Gegenspielern hinterher laufen. Das macht für mich wenig Sinn und wird immer mehr zu unserer Schwachstelle.

Arbeitssieg

Schubert ging ein extrem hohes Risiko, indem er gleich drei Spieler, die aus einer Verletzungspause kamen aufbot. Und man kann nur sagen: Gewagt gewonnen! Naki mit einem Tor, Takyi mit einer Vorlage und Kalla mit solidem Spiel.
(…)
Natürlich muss unser Trainer an vielem arbeiten, aber nun hat er wieder eine Woche Zeit, Thorandt kehrt zurück, Ebbers wird vielleicht für einen Kurzeinsatz wieder fit, Naki, Kalla, Takyi wieder sicherer, da ist Potential und dies gilt es gegen Union und Fürth in die Waagschale zu werfen.

Das ist die perfekte Welle

… was bei unserer Crew auf dem Platz dieses Jahr auffällt: Sie glaubt an sich, an sich und ihre Methoden. Auch in der 93. Minute spielt Kalla den Flachpass nach außen, anstatt zu bolzen und dann klappt es eben mal. Und wie wir alle wissen: Glaube kann Berge versetzen. Und ich will aufsteigen.

Ist der Ball zu schnell, bist du zu langsam

St. Pauli ist so wenig Fußball, wie es nur sein kann. Ja, ich will pöbeln auf den Rängen, ich achte da nicht auf die 1.000 % Korrektheit und ein Schiedsrichter bekommt auch mal eine an sich strafbare Beleidigung an den Kopf. Wer Fußball anders erleben will, der gehe bitte zum Handball. Fußball muss dreckig bleiben und spätestens, wenn ich mich nicht mehr über so absurde Schiedsrichterleistungen wie die am Freitag aufregen darf, ohne eine PC-Diskussion zu führen, dann ist es nicht mehr meines. Denn diese Leistung war zwar unparteiisch im besten Sinne, sie grenzte aber an das Absurde, an das Surreale. Wie verbogene Uhren bei Dali (nicht zitierfähig, oder?), so ungefähr pfiff dieser Schiedsrichter. Da wird Kalla so umgetreten, dass er mindestens ein Spiel ausfällt. Und was bekommt der Übeltäter? Gelb! Bis dahin war der Stiepermann der beste Aachener, jetzt stoppt ihn Kalla einmal und er begeht ein brutalstes Frustfoul. Und bekommt Gelb. Nun kann man das ja noch als gespielten Witz sehen, aber dann haut Stiepermann noch einen im Mittelfeld um, geht schon von alleine vom Platz und der Schiri holt ihn zurück für die Ermahnung. Ja, Hallo geht es noch? Die Flüche von mir waren jetzt nicht wirklich mehr druckreif. Ein paar Minuten später wird ein Aachener für eine Lächerlichkeit im Mittelfeld vom Platz gestellt. Ebenso der Elfmeter, den man ehrlich gesagt nicht geben kann und eine weitere Reihe von mehr als komischen Entscheidungen machten die ganze Leistung mehr als absurd. (Und da sieht man am Montag Bibi über den Platz traben und weint, weil da weiß man: Hansa – Bochum => gute Schiedsrichterleistung.)
(…)
Die Jungs kämpfen sich rein. Sobiech gewinnt an Sicherheit, Kalla fightet gegen Stiepermann und irgendwann hat er ihn, nimmt ihn den Ball ab, nimmt ihn noch mal den Ball ab und wird umgetreten.
(…)
Das Publikum jubelt, das Publikum geht gut unterhalten nach Hause und wird in 14 Tagen wieder kommen, wenn der Zirkus zum nächsten Gastspiel in der Stadt ist. Trotzdem sieht der Kritiker noch Verbesserungsbedarf, denn unser Ensemble hat doch Lücken zwischen den Trapezkünstlern in der Sturmhöhe und der Elefantendressur in der Abwehr. Und unser Polizist vom Dienst war angeschlagen und auch nicht in Topform, so dass in seinem Ermittlungsgebiet sich immer wieder Lücken auftaten, sich Schachten von der gekonnten Pferdedressur lösen musste, reinrücken musste, alles verschieben musste und plötzlich auf Kallas Seite das Rennpferd durchging. Da müssen die Trapezkünstler besser nach hinten verschieben, dann kann Kalla auch das Rennpferd Stiepermann besser dressieren.

Hasenkodex

Kalla spielte 90 Minuten, mal links, mal rechts, machte seine Sache okay.

Nicht meine Saison

Jan-Philipp Kalla: Ein Trainerwechsel als Chance? Als Außenverteidiger aus meiner Sicht verschenkt. Gehört ins Mittelfeld. Hinzu kam, dass Stani ihn als alten Musterschüler in der Jugend überkritisch sah und immer als Ersten aus der 1. Elf oder dem Kader strich. Ist ruhig geworden und in Liga 2. ist vieles viel einfacher. Kann auch durch den neuen Trainer sehr viel gewinnen. Hoffen wir es, denn seine ruhige Art ist sehr angenehm. Nebenbei einer von zwei Spielern im Kader, die immer grüßen. Der andere ist Ralle. (Bitte nicht zwingend als Vorwurf zu verstehen, da Spieler an Spieltagen teilweise auch derbst fokussiert sind.) 

Meine Elf für morgen

Bartels möchte ich hier nicht sehen. Nein, er hat das Klasse gemacht, aber er fehlt uns weiter vorne. Daher würde ich ihn ins Mittelfeld ziehen. Dann bleiben eigentlich nur Kalla und Lelle, denen ich ein gutes Außenverteidigerpaar zutraue.

Jun 252020
 

Was machen schlaflose Blogger*innen so? Richtig, sie gucken sich die Fernsehgeldtabelle vorm letzten Spieltag noch mal an. 
Disclaimer: Wir haben das alles nach bestem Wissen und Gewissen via www.fernsehgelder.de ausgerechnet, da mögen sich Denk- oder Rechenfehler eingeschlichen haben, dann gebt uns gerne Bescheid und wir ergänzen / korrigieren entsprechend. Wir müssen für die Betrachtung zwischen dem Platz in der Fernsehgeldtabelle (der den ausgeschütteten Anteil vorhersagt) und Tabellenplatz (in der sportlichen Tabelle) unterscheiden und haben die Begrifflichkeiten unten entsprechend durchgezogen, um hoffentlich Verwirrung zu mindern.

Stand jetzt

Wir liegen aktuell auf Platz 28 der Fernsehgeldtabelle mit Fernsehgeldern in Höhe von 11.950.000 € für die kommende Saison. Im direkten Umfeld der Fernsehgeldtabelle (zwei Plätze vor und zwei Plätze nach uns) liegen Paderborn, Kiel, Regensburg und Fürth.

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(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Grundsätzliches zum System:

  • Fernsehgelder wird auf vier Säulen verteilt. Die vier Säulen verteilen sich proportional auf: 70 % Bestand, 23 % Wettbewerb, 5 % Nachhaltigkeit, 2 % Nachwuchs. Innerhalb der Säulen wird dann proportional zum jeweiligen Platz in der Tabelle ein gewisser Prozentsatz des Gesamttopfes ausgeschüttet. Details dazu findet ihr auf den jeweiligen Unterseiten von fernsehgelder.de.
  • Die in der nächsten Saison auszuzahlende Summe (1. und 2. Liga) beträgt 1.4 Mrd. Euro. Was 240 Millionen Euro mehr sind als diese Saison. Und ja, das klingt für uns auch echt nur nach Spielgeld.
  • Das heißt aber auch, dass es sich diese Saison lohnt, noch auf den letzten Metern was in der Fernsehgeldtabelle gutzumachen, einfach weil es um noch mehr Kohle als eh schon geht.

Aufgrund dieser Verteilung ergibt es Sinn, die einzelnen Säulen der Fernsehgeldtabelle stärker zu betrachten.

Bestand

In der Bestandstabelle wird der sportliche Erfolg der letzten fünf Saisons berücksichtigt, hierbei wird die jeweils letzte Saison fünffach gewichtet, die Saison vor fünf Jahren wird einfach gewichtet – Saisons „dazwischen“ entsprechend analog. 
In dieser Tabelle werden die 1. und 2. Liga getrennt betrachtet. Der Unterschied zwischen den beiden Ligen ist sehr groß: Letzter Platz in der 1. Liga kriegt 2,9 % des Topfes, der 1. der 2 Bundesliga nur 1,69 %. Somit kommt es auch, dass Hannover (265 Punkte in dieser Tabelle) in der kommenden Saison deutlich weniger Fernsehgeld als Bielefeld (198 Punkte) erhält. Der Unterschied liegt darin, dass Bielefeld nächstes Jahr in der ersten Liga spielt, Hannover nicht.
Da dies der größte Topf ist, könnt ihr euch denken, wie wichtig der der Tabellenplatz zum Ende dieser Saison hier ist. Wir sind heute auf Platz 11 der Fernsehgeldtabelle der 2. Liga. Aktuell liegen Kiel, Regensburg & Fürth noch in direkter Nähe. Wie ihr dem Screenshot entnehmen könnt, geht es dabei um einen möglichen Gewinn von einer Million Euro (Überholen von Kiel und Regensburg) oder einen Verlust von 400.000 Euro – jeweils zum aktuellen Stand gerechnet.

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(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Auf Kiel ist die Distanz aktuell 15 Punkte in der Fernsehgeldtabelle – was drei Tabellenplätzen entspricht, um gleichzuziehen. Rein rechnerisch ist das noch möglich, wenn wir in Wiesbaden gewinnen und gleichzeitig Kiel gegen Nürnberg verliert UND wenn wir dabei das Torverhältnis von -4 auf Kiel aufholen. Na, freut ihr euch gerade noch mal so sehr wie wir über das Spiel in Hannover?

Auf Regensburg können wir die sechs Punkte in der Fernsehgeldtabelle gutmachen, wenn wir noch zwei Tabellenplätze auf sie aufholen. Das klappt, 

  • wenn wir in Wiesbaden gewinnen und Sandhausen und Osnabrück maximal unentschieden spielen oder
  • wenn wir in Wiesbaden gewinnen, Kiel noch in der Tabelle überholen (sprich -4 Tore auch noch aufholen) und gleichzeitig entweder Osnabrück oder Sandhausen noch in der Tabelle überholen.
  • Währenddessen darf Regensburg gleichzeitig maximal unentschieden spielen und der vor Regensburg liegende Verein Fürth darf bei einem Unentschieden Regensburgs nicht hoch verlieren (und somit noch in der Tabelle hinter Regensburg rutschen). Regensburg spielt gegen Aue, wenn Regensburg also unentschieden spielt, dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Aue.

Fürth kann uns in der Fernsehgeldtabelle noch überholen, wenn sie einen Tabellenplatz auf uns gutmachen, sprich wenn sie selbst gewinnen (und damit Hannover oder Bochum noch überholen) und wir nicht parallel auch mindestens einen, bzw. zwei Tabellenplätze (nötig falls Fürth Hannover und Bochum überholt) gutmachen. 

Ein Sonderfall ist die Abstiegsgefahr von Nürnberg: Wenn diese noch absteigen, rutschen wir wir einen Platz in den Fernsehgeldtabelle nach oben (sprich +400.000 Euro) und wir könnten dann auch rein rechnerisch immer noch Regensburg überholen – und somit zwei Plätze im Vergleich zu jetzt gutmachen. Abstieg Nürnbergs hieße aber auch, dass sie gegen Kiel verlieren oder unentschieden spielen, während Karlsruhe gleichzeitig gewinnt. Und bei Kiel hatten wir oben schon betrachtet, dass andererseits eine hohe Niederlage Kiels gut wäre.

Wettbewerb

In der Wettbewerbstabelle, die 23 Prozent des Topfes ausmacht (322 Millionen Euro in der kommenden Saison) wird eine durchgehende Tabelle aus 1. und 2. Liga berechnet.

Die Bestandstabelle schützt absteigende Erstligisten somit stärker.)

Wie ihr sehr, geht es hier in den möglichen Verschiebungen insgesamt um deutlich geringere Beträge, es können aber zu den oben genannten Beträgen noch mal bis zu 130.000 Euro Gewinn bzw. 70.000 Euro Verlust (jeweils zum aktuellen Betrag gerechnet). Die Mannschaften, um die es geht, sind genau die gleichen. Entsprechend gelten die Szenarien von oben genauso.

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(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Nachhaltigkeit & Nachwuchs

Bei Nachhaltigkeit kann sich in diesem Jahr nichts mehr ändern. Wir erhalten 1,1 Millionen Euro über diesen Topf.

Die Säule Nachwuchs betrachtet die Einsatzminuten verbandsausgebildeter U23-Spieler, wo wir wahrscheinlich nicht so schlecht dastehen, aber die 2 % des Topfes, um die es da geht, sind dann halt wirklich nicht so relevant im Großen und Ganzen.

tl;dr?

Wir können am letzten Spieltag noch zwischen 1.2 Millionen Euro und 700.000 Euro gewinnen respektive verlieren. In Bezug auf den jetzigen planerischen Stand von 11.950.000 Euro sind das dann bis zu 10 % unserer Fernsehgeldeinnahmen. Wir alle können uns denken, wie viel Geld gerade überall durch die Geisterspiele (und die dadurch sinkenden Einnahmen) fehlt. Es geht also noch um richtig was, auch wenn der finanzielle sportliche Super-GAU durch die Vermeidung des sportlichen Abstiegs auf jeden Fall verhindert wurde.

Jun 032020
 

Ihr kennt uns. Wir haben immer was zu meckern. Aber bei den Plänen für die Sporthalle für den FCSP – im Kontext des Umbaus des Sankt Pauli Bades, fällt es uns sehr schwer, zu meckern. 
Wir zitieren hier der Einfachheit halber aus dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und Hamburger Grünen:
“Auf Basis der bislang angestellten Vorüberlegungen werden wir Planungen für eine Neukonzeptionierung des St. Pauli Bades einschließlich der Realisierung zusätzlicher Sportnutzungen (insbesondere Dreifeldhalle) in Kooperation mit dem FC St. Pauli und unter Berücksichtigung eines möglichst hohen Finanzierungsanteils des Bundes betreiben.” (S. 194. Den Exkurs, dass es euphemistisch ist, diesen Vertrag “Zuversichtlich, solidarisch, nachhaltig – Hamburgs Zukunft kraftvoll gestalten“ zu nennen, ersparen wir uns und euch.)

Der FCSP bemüht sich schon seit längerem um eine eigene Sporthalle. Wir haben schon diverse Mal geschrieben, wie wichtig eine solche wäre. 

Immer wieder hört man aus dem Amateurbereich den Wunsch nach neuen Teams, nach neuen Sportarten. Wenn dies jedoch eine Halle benötigte, dann war das mehr oder minder aussichtslos, da Kapazitäten in diesem Bereich einfach nicht vorhanden waren. Dies wird sich nun hoffentlich ändern. 

Und dies ist eine unfassbar gute Nachricht für uns. Wir sind eben nicht nur Profifußball. Mehr als 13.000 Menschen gehen in unserem Verein ihrem Sport nach. Selbst wenn man diese Zahl nähme, wären wir der drittgrößte Sportverein in Hamburg. 
Wenn man sich die verlinkte Liste so ansieht, dann haben Vereine mit so vielen Mitgliedern immer eigene Hallen oder Sportzentren. Nur wir haben dies bisher nicht. Wir kommen nun einen Schritt weiter in diese notwendige Richtung. Die noch notwendiger ist, wenn man bedenkt, dass viele der Vereine auf der Liste eher Vorstadtvereine sind. Oder nach Pinneberg gehören. Wir sind ein innenstädtischer Verein und dort ist die Situation noch bitterer als in den Randgebieten. 

Natürlich sind die Details eher noch mau, wir wissen jetzt zumindest mehr über den geplanten Ort (Sankt Pauli Bad) und über die geplante Größe (Dreifeldhalle klingt jetzt auch erst mal aus unserer Sicht nicht so schlecht, aber wir sind da leider auch keine Expert*innen, was den genauen Flächenbedarf angeht). 
Natürlich stößt es uns eher schlecht auf, dass die Finanzierung größtenteils dem Bund überlassen wird. Eine Stadt, die wie doof um Olympia gekämpft hat (und da viel mehr Geld reingebuttert hätte) und sich viele fragwürdige Großprojekte leisten kann, kann sich ja wohl auch eine moderne Sportanlage in ihrem Herzen leisten. Bzw. könnte – wenn sie denn wollte. Und an den eigenen Titel des Koalitionspapiers glauben würde. Zumal es um einen Verein geht, der für das politische, sportliche und kulturelle Leben der Stadt nun wirklich alles andere als irrelevant ist. Naja, so kann man als Hamburger Politiker*innen immerhin schon mal schön sagen, „wir wollten ja, aber der Bund hat nicht gezahlt“ – schön vorgebaut für alle Eventualitäten und auf das Schleifchenschneidefoto wollen dann doch alle mit drauf.

Daher Erbpacht-Änderung 

Mit dieser Verkündung ergibt auch die Änderung in der Erbpacht für das Millerntor sehr viel Sinn.

Denn von allem anderen losgelöst erscheint die Verlängerung eines erst in 40 Jahren auslaufenden Vertrag erstmal merkwürdig. 

Dies gilt um so mehr, als dass wir bis 2060 unser Stadion höchstwahrscheinlich neu gebaut oder massiv umgebaut haben werden. Wir haben im alten Millerntor gerade einmal 43 Jahre gespielt und es galt zu diesem Zeitpunkt schon lange als veraltet. Unser jetziges Stadion wird 2060 45 Jahre alt sein. 

Man darf dabei nicht vergessen, dass der innerstädtische Bau von Stadien nicht ganz einfach ist, da Lärmschutzauflagen und andere Dinge so etwas stark erschweren. Es hat schon seine Gründe, warum Corny das Wort Neubau immer vermied. Dies wird in 25 Jahren nicht anders werden. Und dies ist auch einer der Gründe für diese komischen Baukastenstadien am Ende der Welt, die wir alle zwei Wochen besuchen. (Wir hatten Teile dieses Textes vor Corona geschrieben und lassen das hier mal in der Hoffnung auf den baldigen Besuch genau jener Stadien einfach mal so stehen.)

Verknüpft man aber die Verlängerung mit Neubau-Massnahmen wie z. B einer Halle, dann macht das sehr viel Sinn. Die Neubauten müssen finanziert werden und dies tun wir nicht einfach so vom Konto. Wir werden Finanzierungen benötigen und Kredite. Und Kreditgeber*innen sind lieber doppelt und dreifach gesichert. So eine Finanzierung ist auch auf einen erheblichen Zeitraum angelegt. Jede*r, der*die schon mal ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, hat sich garantiert schon ausgerechnet, wann er*sie bei gleichbleibenden Zahlungen das abbezahlt hat. Und trocken geschluckt, als da eine Zahl stand, die über 30 war. 

Und irgendwas über 30 Jahre bringt uns zu nah an 2060, als dass Banken oder andere Geldleiher*innen damit entspannt umgehen würden. 

Das man letztendlich das Ganze eventuell schneller abbezahlt, ist hier unbeachtlich. 

Bisher hat der Verein hier einen unverbindlichen Letter of Intent präsentiert, aber gerade wenn man nun mit Banken verhandelt, ergibt dies komplett Sinn. So kann man der Bank sozusagen einen Sachverhalt präsentieren, den man einfach verwirklichen könnte, wenn sie den zur Finanzierung bereit wäre. Dies ist ein wichtiges Verhandlungsinstrument. 

Wir wissen nicht, ob damit auch andere Pachtzinsen oder Grundstücksgrenzen vereinbart wurden. Auch dies kann beides für den FCSP sehr wertvoll sein. Sei es für eine Eckbebauung (oder halt gleich die ganze Übernahme des Heiligengeistfeldes), sei es,ein um ein paar Euro zu sparen. 

Mai 272020
 

Lieber Leser*innen,

ich verabschiede mich hiermit aus dem magischenfc Kollektiv. Der Abschied war länger geplant und sollte eigentlich nach unserer Aufstiegsfeier in Wiesbaden erfolgen. Dann kam Corona, die Feier fand nur in unseren Träumen statt und ich habe lange darüber nachgedacht, ob es alles zeitlich so bleiben soll. Schlussendlich hab ich mir diese Frage mit „Ja“ beantwortet und grob den Zeitrahmen eingehalten.

Das magischerfc Kollektiv ist stark und gut, es wird euch weiterhin bestens (selbst besser) unterhalten. Für mich endet eine Zeit von ca. 20 Jahren „ins Internet schreiben“, mit Pausen und Abschieden. 20 Jahre mit viel Meinung und wenig Ahnung.

Für solche ewigen Nörgler und alte weiße Männer sollte kein Platz mehr sein. Und da leider alten weißen Männern nicht gesetzlich das Äußern verboten ist, sollte man sich selber als alter weißer Mann aus der Öffentlichkeit zurück ziehen, bevor es noch lächerlicher wird, als es sowieso schon ist.

Ist dies nun das ewige Ende? Man soll niemals nie sagen und unser Chief Editor sagte was von „Artikel mit der Brieftaube schicken“. Was ich natürlich nie machen würde, sonst bekäme ein anderes Kollektivmitglied wahrscheinlich Ärger zu Hause. Aber es gibt ja auch E-Mail oder meinem Alter angemessen Faxgeräte.

Ich danke den Dreien für all die wundervollen Dinge, die wir gemeinsam erreicht haben und die ganzen wundervollen Artikel, die wir gemeinsam gestrickt haben. Ihr seid großartig!


Vielleicht schreibe ich jetzt ein Buch (nein! Die Welt braucht garantiert keine Bücher aus der Perspektive “alter weißer Mann”), vielleicht mache ich wie alle alten weißen Männer einen unbedeutenden und schlechten Podcast (nein! Gleiche Gründe), vielleicht finde ich auch endlich mal vernünftige Hobbies. Ich hab gehört, dass Hallenhalma ganz groß im Kommen sei. Soll angeblich kontaktlos und mit 1,5 Abstand spielbar sein.

Podcast: Es ist seit langem ein Traum von mir für dieses Blog einen Podcast zu haben. Aber nicht mit mir. Vielleicht setzen die beiden Damen, die eigentlich schon ein fertiges Konzept haben die Idee jetzt um. Ich guck niemanden an.

Eigentlich würde ich jetzt schreiben „wir sehen uns demnächst am Millerntor“, aber ob und wann dies der Fall sein wird, steht leider in den Sternen. Wer weiß schon, ob wir wirklich alle noch Lust auf Millerntor haben, wenn wir wieder in einigen Monaten (Jahren?) dürfen? Wer weiß, ob unser Fußball dann noch existiert? Unser Tag wird kommen? Hoffentlich!

Bleibt gesund und bleibt dieser Website gewogen, die restlichen Kollektivmitglieder haben es verdient.

Grüße

Euer Senior

Mai 172020
 

Ach Loide, 19,10 Promille haben wir wohl alle auch zwei Tage später noch. Wow, was für ein Abschluss! Also nicht nur, dass unsere Jungs da in den letzten 9 Spielen 27 Punkte holen. Nein, dass sie dann noch am letzten Spieltag in der 93. Minute das entscheidende 6-0 machen, um ein Tor besser zu stehen als die Volksparker, das setzt dem ganzen dann doch die Krone auf. Wir haben gehört, dass Popcorn auf St. Pauli schon knapp werden soll, um sich für die Relegation Volkspark gegen Weser vorzubereiten. Unsere Sympathien sind da wohl klar verteilt, oder? Hauptsache Hamburg!

Wir brechen jetzt mal das Schweigegelübde des Sonderzuges. Normalerweise gilt, dass alles, was im Sonderzug passiert, auch im Sonderzug bleibt, aber das können wir diesmal nicht einhalten. Es geht einfach nicht.

Eine freudige Crew traf sich zu nachtschlafender Zeit in Altona. Es wurden schon mal die Taschenrechner gezückt und alle Möglichkeiten in diesem verrückten Finale (und das ist mal keine Sky-Übertreibung) durchzurechnen. Die kluge Frau P. holte dann auch gleich ihr Statistikwissen raus und rechnete alles genau vor, wenn dieses und jenes … “Sieg und Platz 3 wäre uns sicher. Et hätt noch immer jot jegange” fasste unsere Lieblingskölnerin die Rechnerei zusammen.

Aber auf die Rauten 3 Punkte und 6 Tore aufholen? Puh! Harte Nummer! Aber egal, die letzten 8 Spiele waren so ekstatisch, dass wir alle mit jedem Ergebnis hätten leben können. Jacksons Comeback, sein 40 Meter Hammer letzte Woche, um Regensburg zu besiegen, sein Jubellauf über den ganzen Platz? Unser Herz ging auf. Oder das Osterfest in Karlsruhe. Mit einer brillanten Abwehrraute spielten unsere Jungs den KSC schwindelig. Die wussten nach 34 Minuten schon gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand. Ging uns auf den Rängen ob des Eierlikörs der Veteranen nebenbei nicht anders. Ihr hättet auch mal das Gesicht von Flossi sehen sollen, als Jos sie endlich erhört hatte und ihre Idee der Abwehrraute umsetzte.

Viele hatten auch noch leuchtende Augen von der Nacht zum 15.05. 1910 Bengalos hatten eine leuchtende Kette von der Südkurve bis zum Dock 10 der Blohm + Voss Werft gebildet. Ganz viel Liebe an die Arbeiter*innen der Werft, die sofort Feuer und Flamme für die Idee waren, als Trashi und Co da auftauchten. Wir sahen Drohnenaufnahmen bei Trashi auf dem Handy. Freut euch auf den Film.

Glückwunsch nach Bielefeld. Habt ihr euch verdient, den Aufstieg. Aber dass Stuttgart auch so einbricht? Wer hätte das gedacht? Nun ja, die zweite Liga freut sich.

Motto?

Ja, gab es. Und es hatte wirklich geklappt, dass niemand außerhalb des Sonderzuges es kannte. So war auch noch “neutral einsteigen” angesagt und unsere gaffenden Zivis sahen einen Haufen Fußballfans. Erst im Zug begann die Verwandlung in 1.000 Gestalten aus dem Star-Wars-Universum.Der langhaarige Lüneburger als Wookie war schon gut. Schon geil, wenn man dafür seine Haare nur toupieren muss. Das Leia-Slave-Kostüm, welches der rüpelhafte Schnörresträger trug war, äh, also. Fassen wir es kurz: Es stand ihm. USP echt geschlossen als Jedi-Ritter, alle mit Lichtschwert und Umhang hatte auch was. Und die Vorsänger*innen dann als Yoda? Wir haben Tränen gelacht. Aber der Höhepunkt kam erst.

Trinken, essen, kaufen

Erstmal wurde getrunken und gegessen, der Sonderzug verwandelte sich in den üblichen Marktplatz. Fanzines, Sticker und wow, hätten wir echt nicht gedacht, Turbo, dass ihr still und heimlich doch noch die Derbyshirts hergestellt habt. Gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmel.

Über die Getränkeauswahl wurde dann aber doch Stillschweigen bewahrt. Sekt/ Äppler/ Mate ist nicht jedermenschs Sache.

Das Buffet? Vom Feinsten! Wir schlemmten gerade an den veganen Tabouleh mit Gemüse als unser Millerntonist Bilder von seinem ausgewachsenem Tiger zeigte. “Und ich dachte, dass das ein niedliches Katzenbaby ist, als ich das holte”.

Ausstieg mit Stil

Die Zeit verging wie im Fluge und wir fuhren in Wiesbaden ein. Und nun der Clou unseres Mottos: Der Zug fährt ein, die leicht hektische Wiesbadener Polizei setzt schon mal Helme auf und anstatt einer Horde betrunkener Fußballfans steigt nur Fanladen-Justus als Darth Vader aus. Dahinter ca. 100 Stormtrooper. Sein lautes „ICH BIN EUER VATER“ sorgte dann endlich bei den Polizist*innen für fallende Kinnladen und beim Mob für schreiendes Lachen. Leider hat das mit dem Force Choke bei dem örtlichen Nazi nicht geklappt. Da war die Macht nicht mit dem Fanladen.

Aufstieg mit Stil

Sonst an diesem Tag schon. Einlass? Schnell überwunden. War vielleicht nicht ganz legal. Schwamm drüber. Choreo? Perfekt „Komm zur braun-weißen Seite der Macht, wir haben den Aufstieg“ war vielleicht nicht ganz so kreativ, aber die Blockfahne mit Schnecke als Han und so war schon cool.

Liebe nach Wiesbaden, die eine Choreo mit einem Awareness Thema organisiert hatten. Erwartet man von solchen Szenen echt nicht und man ist dann immer echt positiv überrascht. Diese Gelegenheit wollen wir echt mal nutzen und unseren Antira und Awareness Menschen für ihren Aktionen und ihren Einsatz zu danken. Feministischer Kampftag, all die anderen Sachen. Echt ganz viel Liebe an euch.

Auf dem Platz dann ein Ballet in braun-weiß. 1-0, 2-0, 3-0, wow. Und alle nach Eckbällen. Der Gärtner unseres Vertrauens neben uns schrie schon was von „ich will mehr Ecken!!“. Im Volkspark immer noch 0-0. Unsere Späher vor Ort meldeten Latte, Pfosten, auf der Linie mit der Zunge geklärt und einen komplett überlegenen Stadtrivalen. Puh, wird wohl nix. 4-0. Halbzeit. Zwei Tore noch und ein Sandhausen-Wunder? Unsere Gläubigkeit endet ja normalerweise bei dem Brüllen von „SAAANNNNKKKTTT“, wenn einer „Pauli“ sagt, aber nun wurden bei Wikipedia alle Gottheiten rausgesucht, die man anbeten kann. Nicht, dass wir am Ende den entscheidenden Götzen vergessen.

69. Minute: Es kommt die erlösende Meldung aus dem Volkspark, 1-0 Sandhausen.

Ausgerechnet Dennis Diekmeier kann sich aus einer Flanke nicht mehr herausdrehen und trifft in das Tor der Rauten. Dass ein Torschütze nach seinem Tor in Tränen ausbricht und vom Platz getragen werden muss, sieht man auch eher selten. Wir mussten die im Jolly guckende Hundesitterin wirklich 10 Mal fragen, ob sie uns nicht gerade verarscht.

Der Mob in Wiesbaden nun komplett am eskalieren. Unser Vorsänger*innen gingen vom Zaun, sie waren nicht mehr nötig. Der Mob drehte auch so komplett frei. Vielleicht steuerten sie das auch alles mit der Macht? Wir wissen es nicht.

5-0 in der 86. Minute. Nun war Zittern und Bangen angesagt. Wir machten unsere Abwehrraute auf und eigentlich war das System nun 1-0-10. Robin als Libero und alle anderen vorne. Aber die Zeit lief weg. Wiesbaden mit einem Konter? Robin in bester „Beinbruch oder Ball“-Manier dazwischen, trifft aber wie durch ein Wunder nur den Ball und leitet gleich den nächsten Angriff ein. Drei Minuten Nachspielzeit? Drei Minuten Nachspielzeit!

Volkspark? Ist abgepfiffen, 1-0 für Sandhausen, die Nordkurve ist nur noch Betonstaub. Mensch, irgendwie muss dieser verfickte Ball doch ins Tor. Himmelmann hat ihn, noch 30 Sekunden … langer Hafer, Jackson legt ab. Getümmel, Dimi, Schieß doch! Nein! Er steckt auf Henk durch und Henk holt aus 10 Meter eine Klebe raus, dass der Wiesbadener Torhüter lieber nicht die Finger dazwischen gehabt hätte. 6-0. Wir haben es noch fünfmal auf Video gesehen. Ball schlägt genau bei 92:57 ein. Schiri pfeift nicht mehr an. Noch kurze Unsicherheit, ob es gereicht hat, danach brechen alle Dämme. Jubel. Star Wars auf dem Rasen. Banki babbelt was von „Enkel*innen noch erzählen“, niemand hat was zu meckern, Schmölli sagte immer „ich liebe Kaiserslautern“ und auch sonst war das mit der Zurechnungsfähigkeit nicht weit her. Selbst der Senior wurde grinsend und bei einem Freudentanz im Block gesichtet. Video ist vorhanden.

Vollkommen verstrahlt geht es zum Zug zurück. Wir haben Tresenschicht. Gesamte Mannschaft hat auf ihren Rückflieger geschissen und steht im Partywagen. James L. vorneweg. Oke ist vollkommen hinüber. Unsere Aufsichtsratsvorsitzende und Tresenchefin Sandra war wieder clever und hatte 100 Flaschen Champagner geordert. Die waren nach 20 Minuten ausverkauft. Der Partywagen schwimmt. An dieser Stelle Danke für die Organisation! Und diesmal 1 Liter Faxe Dosen am Start zu haben war auch cool.

Zurück in den Wahnsinn Partywagen. Selbst der stabilste Haarknödel der Fanszene wird nur noch von verschütteten Schnäpsen aufrecht erhalten. Von unserer Playlist wird alles abgefeiert. Zu welchem Bums ihr da eigentlich gepogt habt? Könnta hier nachhören.

In einer etwas ruhigeren Minute kommen wir mit James vor dem Klo ins Gespräch. Netter Kerl. Wir fragen nach seiner Zukunft beim Verein. Er lächelt nur und sagt „wartet mal ab“. Ende unserer Schicht ist 20 Minuten später. Und James schnappt sich Oke und das Mikrofon. Also eigentlich ist oberkörperfrei nun echt nicht okay, aber wenn man sich als Spieler den Zehnjahresvertrag auf die Brust tätowiert hat und den live im Sonderzug auf dem Tresen vom Präsidenten gegenzeichnen lässt, dann machen wir echt mal ne Ausnahme. Einmal! Die Wiederbelebungsmaßnahmen bei einer jetzt nicht nicht namentlich genannten magischerfc Schreiberin waren zum Glück erfolgreich.

Nach diesen Szenen brauchte unser Mannschaftsarzt Schnaps. Er murmelte immer irgendwas von „wenn sich das entzündet hätte und er nicht mehr spielen kann“. Aber die war die Macht war halt mit uns.

Dieser Moment als wir in Altona einfahren und Mats uns mit Pyro an den Gleisen begrüßt. Während des gemeinsamen Marsches zum Stadion flüstert er uns dann zu “Na das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen”, so richtig verstanden, wie er es so schnell aus Genk hierhergeschafft hat, haben wir immer noch nicht. Mannschaft vorneweg, wir hinterher. Es wurde eine wilde Nacht. Über die wir dann doch lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Naja, eine Sache sei gesagt: Den Mythos der Unaussaufbarkeit kann das Jolly jetzt endgültig streichen.

Wer im Sonderzug fehlte? Der Curi, der die Strecke nämlich als BB8 verkleidet radelte. Was er erlebte? Im nächsten Millernton!

Und dann klingelt leider der Wecker. Geisterspiel Nürnberg. Alles wieder Trist und Grau. Schade, es hätte so schön sein können.

Aber dieser Tag wird kommen. *Tiocfaidh ár lá*

(Vielen Dank an Elo, die ganz viele Ideen und Passagen beigesteuert hat.)

Mai 152020
 

Letzter Beitrag in diesem Blog war am 22. April, seit Unterbrechung der Liga ist es hier als deutlich ruhiger als normalerweise. Und ehrlicherweise fehlt uns gerade auch so ein wenig die Motivation, diese Zeilen zu verfassen. Jetzt steht also am kommenden Sonntag das erste Geisterspiel des FCSP an. Und ehrlicherweise haben wir uns noch nie so wenig auf ein Spiel gefreut. (Und die Menschen, die diese Zeilen schreiben, waren schon häufiger in Heidenheim, frühes Aufstehen, lange Fahrten und komische Stadien für keine Punkte, wie wir es doch vermissen.)

Naja, auf jeden Fall freuen wir uns normalerweise nach zwei Monaten ohne Fußball tierisch auf das erste Spiel. Aber „das erste Spiel“ ist eben all das, was normalerweise ein Heimspiel ausmacht und was wir nun nicht erleben werden:
Morgens früh aufstehen und erst mal eine FCSP-Playlist anmachen. Sich viel zu früh auf dem Weg zum Stadion machen, Frühstück unterwegs holen, all die vorfreudigen Gesichter im Viertel sehen. Ja, sogar die komischen Gästefangruppen auf der Budapester (ja gut, ist jetzt erst mal Nürnberg, da könnten wir auch drauf verzichten) vermissen wir. Sticker verticken (wir haben noch nen ganzen Stapel Rautenplattmachersticker hier rumliegen, mit dem wir auch noch mal irgendwas machen müssen), 1910 unserer Menschen begrüßen und umarmen. Auf Menschen vorm Stadion warten, Kartendeals, das erste Bier des Tages. Rein ins Stadion, Gespräche mit Freund*innen über die vergangene Woche, Fachsimpelei und Motzen über Aufstellungen. Platz in der jeweiligen Kurve finden, Mannschaft einlaufen sehen, warmsingen. Hells Bells und Herz von Sankt Pauli. Einlaufkinder, Konfettiregen, Choreo. Maximal 50 Prozent des Spiels von so ‘nem normalen Stehplatz mitbekommen, anfeuern, fluchen. Anfeuern, fluchen. Halbzeit, unendliche Zeiten am Klo anstehen. Antifa Hooligans, zweite Halbzeit. Nervös auf die Uhr schauen, vielleicht mal Ergebnisse in anderen Stadien checken. Von den Vorsänger*innen liebevoll ermahnt werden, dass es „nur noch einmal“ gesungen wird „dafür jetzt aber richtig laut“. Abpfiff. In der Menschentraube vor die Gegengerade schieben. Diskussion über das Spiel, Tabelle checken. 1910 andere Menschen sehen, je nach Laune Weinbarwein oder Fanräumebier, manchmal auch Solischnaps zu sich nehmen. Im Viertel was essen gehen. Dabei erste Notizen in Slack reinhauen, manchmal auch gleich den ganzen Blogbeitrag veröffentlichen. Ins Jolly weiter, und dann ist es irgendwie plötzlich sehr spät oder sehr früh. Am nächsten Tag aufwachen und sich fragen, warum man das eigentlich gemacht hat.

All das wird es am Sonntag nicht geben. Aber all das macht für uns Sankt Pauli aus. Und da kommt einfach gar keine Vorfreude auf. Denn es ist zwar der Fußball, den wir da sehen/hören könnten, aber wofür wir kommen ist das nicht:
„Denn es ist mehr als Fußball, mehr als der Sport und die 90 Minuten, die viel zu schnell vergehen.“

Über die Sinnhaftigkeit von Geisterspielen, Timing, teilweise Gebaren der Verantwortlichen wurde an vielen Stellen schon viel geschrieben. Und viel ergänzen können und wollen wir nicht mehr. Bleibt uns nur zu hoffen, dass das vieldiskutierte medizinische Konzept tatsächlich funktioniert und das schlimmste Szenario (Infektion mit schweren gesundheitlichen Folgen eines Spielers) im Kontext der Geisterspiele ausbleibt.

Es ist aber ehrlicherweise auch unfassbar, dass bei den Summen, mit denen da agiert wird, dieses Szenario jetzt so eintreten muss. Man nennt das „auf Kante genäht“. Was du halt echt nicht machen musst, wenn du ganz viel Goldstoff überall hast. Da legste normalerweise auch mal was zurück. Wir hoffen, dass die aktuelle Notsituation wirklich zu einem Umdenken führen wird, aber gesteht uns zu, dass wir daran erst glauben, wenn es soweit ist. Die öffentliche Darstellung vieler Verantwortlicher lässt uns da doch daran zweifeln. Und ja, liebe DFL. Wir werden euch genau daran messen.

Und jetzt ist Sonntag Spiel, es gibt hier noch nicht mal ‘ne Idee, wie und ob wir dem Spiel bewohnen werden. Das AFM-Radio überträgt. Es empfiehlt sich wohl, nicht erst direkt zu Anpfiff einzuwählen. Und wir können uns dem Aufruf unserer Ultràs (via Südkurvennewsletter) nur anschließen, das Stadion genauso trist und grau erscheinen zu lassen, wie es diesen Geisterspielen angemessen ist.

PS: Und ein liebgemeintes “Fuck You” an all die Scharfmacher*innen in den Sicherheitsbehörden, die von dem Beißreflex gegen organisierte Fußballfans einfach nicht ablassen können, müssen wir noch hinterherschicken. Die organisierten Fans übrigens, die an vielen Orten unfassbar viele gute und solidarische Aktionen gestartet haben. Danke dafür!

Apr 222020
 

Liebe Menschen da draußen, wir hoffen es geht euch gut! Wir wissen, dass es auf dieser Welt gerade ganz viele wichtige Themen gibt und der FCSP gerade eine Nebenrolle spielt.

Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen?) möchten wir euch noch mal die Veranstaltungen der AG Diversität in dieser Woche ans Herz legen. Details findet ihr auf der Vereinshomepage.

Heute geben Sandra und Christiane Einblicke in die Arbeit des Präsidiums und des Aufsichtsrates. Das können wir euch auch abseits vom Thema „Diversität“ als Blick hinter die Kulissen empfehlen. Wir garantieren euch, dass dies sehr informativ und unterhaltsam wird.

Sonntag dann von 10 bis 13 Uhr (endlich mal wieder aufstehen, als ob Heimspiel wäre!), ein Online-Workshop zum Thema „Hackt den FC St. Pauli: Wie können wir Zutrittsbarrieren verringern?“

Zugegeben, das ist ein Workshop mit einer (leider gerade notwendigen) Zutrittsbarriere, weil nicht jede*r mag gerne Online-Workshops, aber wir möchten euch einladen, diese Barriere zu überspringen und euch einzumischen.

Wie? Findet ihr unter dem angegebenen Link auf der offiziellen Homepage.

Und vielleicht sind diese beiden Veranstaltungen auch eine Gelegenheit mal andere Stimmen zu hören und sich in Zeiten von „social distancing“ (was für eine Wortschöpfung. Müsste es nicht eher „physical distancing“ heißen? Den sozial für einander da sein kann und sollte man auch in Zeiten des körperlichen Abstandes!) mit Menschen zu unterhalten und dabei den FCSP für kommende Zeiten besser zu machen.

Wir würden uns freuen Sonntag eure Stimmen zu hören und mit euch für einen besseren FCSP zu diskutieren. Wir vermissen euch Quatschköpfe nämlich auch. <3 Bis dahin: Bleibt gesund!

Apr 102020
 

Vorgeschichte

Liebe Leser*innen, Wie hält man es mit dem Sport in der Krise? Eine historisch spannende Frage.
In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erlebte die Menschheit zwei Weltkriege. An beiden war die USA beteiligt; dort stellte stellte man die Wirtschaftsproduktion auf „systemrelevante“ Dinge um und schickte den Rest in den Krieg. Im Ersten Weltkrieg hatten die USA auch Profisportler in den Kriegsdienst eingezogen und den Profisport als nicht systemrelevant erklärt. Daraufhin wurde die Baseballsaison verkürzt.

Im Zweiten Weltkrieg stellte sich nach Pearl Harbour erneut die Frage nach der Fortführung des Profisports und Kenesaw M. Landis, der Commissioner des Baseballs (damals der führende Sport in den USA; vor seiner Ernennung zum Ligapräsidenten war Landis Richter gewesen und wurde deswegen immer noch „Judge“ genannt), fragte Präsident Franklin D. Roosevelt, ob man denn mit der Planung der neuen Saison weitermachen solle.

FDR antwortete am nächsten Tag und schrieb die – in den USA zumindest – berühmten Sätze, die eine Fortführung anregten:

„I honestly feel that it would be best for the country to keep baseball going.“

Und er ergänzte:

„If 300 teams use 5,000 or 6,000 players, these players are a definite recreational asset to at least 20,000,000 of their fellow citizens – and that in my judgment is totally worthwhile“

Trotzdem sollten Spieler im entsprechenden Alter dienen und viele berühmte Baseballer taten dies auch. Die Angst, dass Männerbaseball beendet werden würde, ist nebenbei Grundlage für die Gründung einer professionelle Frauenbaseball-Liga, die der Film „A League of their own“ ein Denkmal gesetzt hat. Ihr wollt die ganze Story nachlesen und den Brief lesen, der mit der schönen Anrede „My dear Judge“ beginnt? Hier entlang!

FDR führt da eigentlich nur die Linie der römischen Herrscher weiter, die „panem et circenses“ laut der Satire von Juvenal zu einem Herrschaftsinstrument erkoren hatten.

Und bei dem, was wir schon letztes Mal zu Beginn schrieben. Profisport als Herrschaftsinstrument. Während in den USA wahrscheinlich das eben zitierte als Präzedenz genommen wird (ziemlich absurde Pläne des Baseballs lassen Vermutungen in diese Richtung zu; man hat diesen Plan zwischenzeitlich dementiert), wird es in Europa wahrscheinlich andersherum gehen und der Profisport eher das Letzte sein, was wieder in seine Normalität einsteigt. Und damit stellt sich immer mehr die – wie üblich juristisch betrachtete Frage – ob das eigentlich geht und was die Folgen sind.

Grundrechte in Zeiten der Pandemie


Wir müssen dafür ein bisschen ausholen. Und geben wieder den üblichen Hinweis, wenn wir juristisch werden: Jura ist Macht der Herrschenden. Jura hat nichts mit Moral und einer besseren Welt zu tun. Insofern zeigen wir im folgenden juristische (!) Fragestellungen auf, die nichts mit moralischen (!) Fragestellungen gemein haben. Dort wo es extrem unmoralisch (!) wird, weisen wir noch mal gesondert darauf hin. Nun aber zum heutigen Thema.

Nämlich: Wie ist das eigentlich mit den Grundrechten in Zeiten der Pandemie? Es gibt ja Menschen, die reagieren auf die Frage nach Grundrechten in der Krise sinngemäß mit „scheiß auf Grundrechte, bleibt zu Hause, ich zeig euch mal sonst die Leichenhalle in meinem Krankenhaus“ oder ähnlichem. Aber ganz so einfach ist das nicht. Mal ganz davon ab, dass so ein Satz öffentlich gesprochen ja die Nutzung eines Grundrechts ist. Und so ein Grundrecht steht nebenbei auch dem Fußball zu. Und jedem anderen.


Grundrechte sind aber nicht schrankenlos und auch nicht alle gleichwertig. Das Grundgesetz zählt sie einfach auf und sagt mit keinem Wort, dass z. B. Art. 1 dem Art. 15 vorgeht (fiktives Beispiel; bevor jetzt jemand auf die Ewigkeitsgarantie des Art. 79 Abs. 3 anführt, ja, die wird als Verstärkung von Art. 1 interpretiert. Wirklich da stehen tut das nicht.). Daher sind Grundrechtseinschränkungen zulässig, wenn sie denn geeignet sind und verhältmäßig.

Zur Zeit schränken wir deswegen ganz viele Grundrechte massiv ein. Zum Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit. Einem Grundrecht, was in Art. 2 Abs. 2 genannt ist und als „zentrales Grundrecht“ gilt. Etwas freier ausgedrückt steht da im Grundgesetz, dass der Staat verdammt viel darf um Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen und ganz wenig darf um da einzugreifen. Ha! Werdet ihr rufen, also doch zu Hause bleiben und das Verbot auf der Parkbank ein Buch zu lesen einhalten.

Aber ganz so einfach ist das nun auch wieder nicht. Wir geben euch mal ein alltägliches und ebenso makaberes wie leider auch wahres Beispiel. Es sterben pro Jahr verdammt viele Menschen im Straßenverkehr. Und trotzdem erlauben wir den als Gesellschaft. Wir erlauben selbst „Spaßfahrten“. Das ist – wenn man es brutal sehen will – ein Eingriff in Art. 2 (2), denn der Staat erlaubt hier etwas, was potentiell Menschen verletzen und umbringen wird. Und nein, er kommt da nicht aus der Verantwortung, weil sich da ein*e Verkehrsteilnehmer*in fahrlässig verhalten hat, denn dies ist ein systemimmanenter Punkt des Straßenverkehrs. Das ist der Grund, warum man zum Führen eines Fahrzeuges eines Versicherung abschließen MUSS. Oder wollt ihr ein anderes Beispiel? Wir erlauben den Alkoholverkauf. Obwohl wir wissen, dass dies Menschen tötet.


Nun ist Corona definitiv gefährlicher als der Straßenverkehr und kann insbesondere dann noch viel gefährlicher werden, wenn man es unkontrolliert ausbreiten lässt. Und ob ein rigoroses Verbot Drogen verhindert, kann man sehr stark bezweifeln. Das “flattening the curve” habt ihr alle verinnerlicht. Es ist dem Staat also in einer solchen Situation durchaus erlaubt, sehr massiv in Grundrechte einzugreifen. Deswegen lässt das Infektionsschutzgesetz Dinge zu, die nach unserer Grundrechtsordnung in keinem anderen Fall möglich wären.


Dies gilt umso mehr, wenn man eigentlich noch nichts über die Ausbreitung des Virus weiß und noch massiv daran forschen muss.

Wenn ihr das verlinkte Interview lest, dann werdet ihr merken, wie viel Unklarheit bei solchen Viren besteht. Es kann dann nur in Wahrscheinlichkeiten agiert werden und das ist uns allen immer sehr unangenehm. Wir hassen es, wenn etwas unklar ist. Außer es ist der Ausgang eines Sportereignisses, dann lieben wir die Spannung der Unklarheit. Aber wenn es um das Leben und die körperliche Unversehrtheit von uns allen geht, dann ist das ein Spannungsbogen, auf den wir gerne verzichtet hätten. Und für Juristen, die eigentlich gerne “Beweise” hätten, wird es noch unerträglicher.

Gestern fanden wir auch die Pressekonferenz zur Studie der Uni Bonn in Heinsberg sehr spannend in Bezug darauf, was erste Zahlen und Erkenntnisse aussagen.

Und ja, die Virologen streiten sich hier auch noch, und eine Beteiligung von Kai D. an der PR-Arbeit halten auch wir nur für mäßig gut. Es geht uns bei der Verlinkung ja auch eher um die da schon deutlich werdende Unsicherheit.

Arbeit muss sein!

Ist euch was aufgefallen in all diesen Verordnungen? Sie machen großzügige Ausnahmen für „Arbeiten“. Beispielhaft hier mal die Hamburger Verordnung. Wir haben nun mal versucht, die meisten quer zu lesen, in diesen Punkten ähneln die sich schon.

Auch dieser ganze Bereich ist ein Grundrecht. Art. 12. Ein Unternehmen zu haben, dies zu betreiben ist grundgesetzlich geschützt. Und so könnt ihr euch in eine volle Bahn setzen und in euer volles Großraumbüro fahren, wenn es euer*e Arbeitgeber*in denn so will. Es ist begrüßenswert, dass viele Arbeitgeber*innen dies anders sehen und soweit wie möglich Homeoffice organisiert haben, aber nicht einmal dies fordert der Verordnungsgeber. So kommt es zu leeren Verkehrsmitteln, was bei aller Unsicherheit wahrscheinlich einen guten Effekt auf die Infektionszahlen hat. Aber wie schon gesagt: Auch da regelt der Verordnungsgeber nix.


Und so fährt ein Kollektivmitglied, was seinen Arbeitsplatz noch körperlich besuchen muss, auch jeden Tag an einer Baustelle vorbei, auf der Bauarbeiter*innen eng verzahnt körperlich arbeiten und anscheinend gerade mal ein Dixie haben und zumindest keine sichtbare Wasserstelle. Da muss man nicht viel von Viren verstehen, aber das ist eine Risikoerhöhung für all diese Menschen. Niemand hat einen Plan, wie hoch dieses Risiko ist, aber es wird wohl eines sein, da werden sich Expert*innen einig sein. Das ist ein Eingriff in Art. 2 (2) für diese Menschen. Aber auf einer Parkbank sitzen? Das ist verboten!

Bei aller Unsicherheit und bei allen „Lieber erstmal zuviel“ muss in einem Rechtsstaat so etwas hinterfragt werden. Alleine schon, weil das „alleine auf der Parkbank sitzen“ ggf. ebenso für Leben und körperliche Unversehrtheit wichtig sein kann. Denn auch psychische Gesundheit ist körperliche Unversehrheit.

Der Staat hat eine Abwägung zwischen Art. 2 (2) und Art. 12 (Berufsfreiheit) vorgenommen und beschlossen, dass es vertretbar ist, soweit euer Recht auf Schutz der körperlichen Unversehrtheit einzuschränken., damit „die Arbeit“ soweit wie möglich reibungslos funktioniert. Darf er das? Natürlich! Art. 2 (2) hat – wie jedes Grundrecht – seine Grenzen, sagten wir eben bereits. Er kann eingeschränkt werden, dies unterliegt aber einer „strengen Verhältnismäßigkeitsprüfung“. Und Achtung makaber: In einer kapitalistischen Gesellschaft ist der Erhalt von „Arbeit“ von Unternehmungen allgemein wahrscheinlich systemrelevant genug, dass er rechtfertigt, Menschen einer erhöhten Ansteckungsgefahr (wie hoch die auch immer sein mag) auszusetzen. Das ist dann doch wieder wie der Straßenverkehr. Aber das ist eben nicht „scheiß auf Grundrechte“, es ist eine ganz bewusste Abwägung zwischen Grundrechten.


Ob man so breite Ausnahmen für „Arbeiten“ formulieren muss? Das kann man zumindest mal hinterfragen. Es wäre für den Verordnungsgeber ein leichtes, z. B. körperliche Meetings auch auf Arbeit zu verbieten und/oder mehr Auflagen für Kantinenbetrieb zu erlassen. Hamburg z. B. verordnet hier ausschließlich 1,5 Meter Abstand. Wäre das für die Unternehmungen nervig? Ja! Würde es ihr Grundrecht zu doll einschränken? Wahrscheinlich nicht.


Und hier möchten wir einen Ausschnitt aus dem Zeit-Interview highlighten.

Und der Fall bei München, also der deutschlandweit erste, deutet in eine ähnliche Richtung. Die Mitarbeiterin des Autozulieferers aus China hat bei ihrem Besuch nur Kollegen angesteckt, mit denen sie recht eng zusammengearbeitet hat. Es gab keine Übertragung im Restaurant, der Taxifahrer hat sich nicht infiziert und niemand in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und das, obwohl diese Frau hochinfektiös gewesen zu sein scheint.“


Wenn man da so liest, dann scheint das Meeting- Risiko so hoch zu sein, dass der Verordnungsgeber eigentlich aus Art. 2 (2) gezwungen wäre, ein Verbot zu erlassen. Er tut dies nicht. Er verbietet lieber das Sitzen auf einer Parkbank.

Grundrechte zählen!


Wichtig ist auch in der Krise, dass wir alle nicht in eine „Jawohl, mein*e Führer*in“-Haltung fallen. Eine offene Gesellschaft, eine grundrechtsgetriebene Gesellschaft hat ihre Berechtigung und ihre Voraussetzungen und eine davon ist, dass man Handeln des Staates hinterfragt und dies eben an so etwas wie Grundrechten misst. Wer Grundrechte einschränkt, muss sich rechtfertigen, nicht, wer sie in Anspruch nimmt!

Wer dies als nervig empfindet und so Sätze wie eben zitiert sagt, der*die sollte ganz dringend sein ganzes Radar einstellen. Oder nicht meckern, wenn er*sie plötzlich 12 Stunden ohne Ruhezeit arbeitet. Denn scheiß auf Grundrechte, nech? (Nebenbei: Fuck you, SPD)

Und gerade das Parkbank-Beispiel (welches nebenbei, gerade als diese Zeilen geschrieben werden, vom bayerischen Innenminister entschärft wird) zeigt, dass jedes Handeln des Staates eben nicht immer sinnvoll ist. Das gilt insbesondere in Zeiten der Krise, wo auch mal ganz schnell irgendwas zusammengeknüppelt werden muss. Es ist trotzdem ärgerlich, wenn man seine Verordnungen beinah täglich korrigieren muss oder ändert, auch wenn an der Grundidee „Kontakt vermeiden“ sich nichts ändert. Wie wichtig wäre hier eine bessere Vorbereitung gewesen!

Und dann kommen wir über die Schlagzeilen zu Demos und Fußball

Wenn Herr Söder sich dann mit „Menschenleben gehen vor Shoppingtour“ in der Zeit-Schlagzeile (link mag veraltern, abgerufen am 07.04.2020) zitieren lässt, dann will man ihm „ja sie gehen auch deiner fucking Autobahnbaustelle und der Shareholder-Value bei XYZ vor“ zubrüllen. Aber das ist nicht die Juristerei: Die muss fragen: Ist das Verbot einer Shoppingtour angemessen und verhältnismäßig? Und dafür muss folgende Frage beantwortet werden: Ist die Shoppingtour ein zu hohes Risiko? Ist es dies nicht oder ist das Risiko aus anderen Gründen vertretbar, dann darf der Staat nicht tätigt werden. Und er muss sich da immer einem Vergleich stellen. Denn Art. 3 sagt: „Gleiche Sachverhalte müssen gleich behandelt werden.“ Bleiben wir für den Vergleich bei unserem Meeting-Beispiel: Kann wirklich begründet werden, dass die Shoppingtour (ggf mit Auflagen) wirklich so viel gefährlicher ist als das betriebliche Meeting, dass das eine vollkommen erlaubt und das andere vollkommen verboten ist? Insbesondere da die Schließung eines Ladens immer ein schwererer Eingriff ist, als das Verbot einer beruflichen Handlung.

Art. 8 ist wichtig!


Komisch, all diese „Scheiß auf Grundrechte, es sterben Menschen“-Schreiber*innen, findet ihr nicht unter dem Hinweis, dass Baumärkte wieder geöffnet sind und Meetings immer noch erlaubt sind. Sie kritisieren, wenn Menschen ihr Recht aus Artikel 8 wahrnehmen wollen. Das Demonstrationsrecht. Ein eigentlich ziemlich zentrales Grundrecht, wie in der neusten Zeit z. B. die Ereignisse 1989/1990 zeigen. Und nun kommt ihr? Art. 12 vs. Art. 8. Was ist euch wichtiger?

Denn alle Aktionen, die auf Art. 8 basieren, sind z. B. in Hamburg durchweg verboten worden, selbst wenn die Anmelder*innen Regeln zum richtigen Umgang mit der Pandemie selber aufgerufen hatten. Anders nebenbei in NRW, wo eine Anti-Atomkraft-Demo unter Auflagen genehmigt wurde.


Hier kann man berechtigte Zweifel bekommen und selbst wenn man vielleicht zu einer Rechtmäßigkeit einer solchen Untersagung käme, weil Versammlungen auch eine gewisse Dynamik haben, wo Abstände schwer einzuhalten sind oder weil man auch die An- und Abfahrtswege bedenken muss, so ist es doch nicht so eindeutig, dass man nun im Internet herumposaunen muss. Ganz im Gegenteil, man kann sich fragen, ob solche Bedenken durch Auflagen (z. B. kleine begrenzte Teilnehmer*innenzahl) gut einhaltbar wären.

Garantiert nicht vertretbar ist es, unliebe Polizei Hamburg, Menschen vom Fahrrad zu schubsen. Zur Durchsetzung einer eventuellen Ordnungswidrigkeit die körperliche Unversehrheit eines radelnden Menschen konkret zu gefährden, ist nämlich genauso ein ziemlich direkter und konkreter Eingriff in Art. 2 (2) und der ist eben nicht einfach so möglich. Siehe oben. Wer hier ein „aber die haben doch was Verbotenes gemacht“ einwirft, der*die sollte sofort seinen*ihren Mund mit Seife auswaschen. 1910-mal.

Menschenrecht

Und noch etwas dürft ihr nicht vergessen. Es gibt im Grundgesetz Menschenrechte und sogenannte Deutschengrundrechte. Der Unterschied ist, dass einige Grundrechte mit „Alle Deutschen dürfen …“ Die Rechtswissenschaft hat früher eine klare Unterteilung in „das gilt nur für Deutsche im Sinne eines deutschen Passes“ gemacht, weicht diese heutzutage aber immer mehr auf. Was ihr aber seht ist, dass Art. 2 (2) ein Menschenrecht ist. Es gilt für alle Menschen. Also auch für Geflüchtete an europäischen Außengrenzen. Wir haben die Fluchtproblematik nämlich mit Schengen ganz bequem aus unserem direkten Sichtfeld nach Griechenland und Co. verlagert, aber dieses „aus den Augen, aus dem Sinn“ ist nicht nur unmenschlich, sondern hinsichtlich Art. 2 (2) äußerst problematisch.

„Scheiß auf Grundrechte“ wird also auch ganz schnell eine äußerst priviligierte Position, die ganz gezielt anderen Menschen ihre Grundrechte verweigert. Oder anders ausgedrückt: „Demonstriert nicht, sonst sterben Menschen an der Pandemie“ kann man auch ausdrücken mit „weil ihr Demos verteufelt, sterben Menschen an der Pandemie“.

Es lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Europe, get your fuckin shit together and help refugees!


Und daher wollen wir uns unserer Hauskapelle anschließen:

Lange Rede, kurzer Sinn


Wascht eure Hände! Und lest uns alleine oder zu zweit, nicht in Gruppen. Das will nicht nur der Verordnungsgeber so, sondern das ergibt definitiv Sinn. Und solltet ihr Menschen Arbeit geben: Nicht beim ersten Problem Homeoffice widerrufen und alle wieder in das Büro stecken.

Huch, wir sind ja ein Fußballblog!

Kommen wir zum Fußball. Auch dieser hat erstmal das Recht auf Art. 12. Er hat ein Recht auf sein Geschäftsmodell, wie jedes andere Unternehmen auch. Auch jede*r Berufssportler*in hat ein Recht, seinen*ihren Beruf auszuüben und wenn ich dies verbiete, dann muss ich das eben an dem oben Gesagten messen.


Berufssportler*innen verlieren ihre Fähigkeiten, wenn sie sie nicht ausüben können. Das heißt in Teamsportarten muss auch mal das Teamspezifische trainiert werden. D. h. wenn ein Team in Gruppen trainieren will, dann ist das nicht „wahnsinnig“ oder „unnötig“, sondern hier nehmen Sportler*innen und ihre Arbeitgeber*innen einfach erstmal ihr Recht aus Art. 12 wahr. Und wenn auf der Baustelle in Gruppen geschuftet werden darf, dann dürfen die das auch.


Natürlich ergibt es Sinn, Training mit 35 Menschen auf engstem Raum zu unterlassen. Das Risiko wird ungleich höher. Es ist eine einfache Rechenaufgabe. Wenn fiktiv eine Chance von 35 Prozent besteht, dass man sich bei einem engen sozialen Kontakt ansteckt, dann sind das in einer Gruppe von 5 Menschen 2 Menschen (aufgerundet), in einer Gruppe von 35 Menschen aber schon 12 Personen. Und es macht bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit halt einen riesigen Unterschied, ob ich 12 Personen anstecke oder nur 2. Die dann ja wieder 35 Prozent aller ihrer engen Kontakte anstecken.


(Achtung, diese Zahlen sind fiktiv und haben nix mit der echten Ansteckungsgefahr zu tun. Sie sind nur zur Verdeutlichung.)


Es müssten daher schon überragende Gründe aus Art. 12 gegeben sein, dass man dieses Risiko eingeht mit einem gesamten Kader plus Trainer*innen zu trainieren.


Und daran muss sich der Fußball eben auch messen lassen und daher ist ein Training in Kleingruppen garantiert zu erlauben und vertretbar, bei einem Kadertraining wird es schon schwieriger.

Aber was ist mit dem Spielbetrieb? Es wird schmutzig

Vorsicht! Ab jetzt wird es schmutzig. Ein paar Gedanken zum Wettbewerbsbetrieb:

Das Geschäftsmodell des Fußball und aller Profisportler*innen basiert aber nicht nur auf Training, sondern auch auf „Wettkampf“. Wenn dieser lange nicht ausgetragen wird, dann wird das ein immer massiverer Eingriff in Art. 12. Eine kurzfristige Beschränkung wird mich Geld kosten und alles ein bisschen komplizierter machen, aber das wird schon irgendwie gehen, eine mittelfristige wird meine grundgesetzlich geschütztes Modell sehr stark belasten und eine langfristige wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vernichten.


Und so bewegen sich halt das Grundrecht aus Art. 2 (2) und der Wunsch, so wenig Menschen wie möglich anzustecken, auf das Grundrecht aus Art. 12 zu. Wo ist also der „Tipping Point“, an dem Art. 12 doch wichtiger wird als Art. 2 (2)? 10 Prozent Ansteckungsrisiko? 1 Prozent Ansteckungsrisiko? 0 Prozent Ansteckungsrisiko? Das ist eine Frage, die lässt sich juristisch wahrscheinlich nicht wirklich klären und wenn doch, dann wird niemandem die Antwort gefallen. Siehe Straßenverkehr. Jurist*innen sind ganz schlechte Moralist*innen und wir wollen hier auch keine Antwort geben.


Fragt doch einfach Twitter. Die Antwort „es sterben Menschen, da kann man doch aber kein Fußball spielen“ ist jedoch falsch. Es sterben ständig Menschen und für ganz viele dieser Morde haben wir Waffen geliefert. Hat euch das gestört und ihr „den Fußball” für seine Spiele kritisiert? Eher nein. Und wenn die bösen Ultras gegen Katar-Geschäfte protestieren, haben sie euch da auch nur wieder genervt und waren doof. Tja.

Apropos Katar. Da werden die Gastarbeiter*innen schön in “industrial areas” eingesperrt und dürfen weiter an den WM-Stadien bauen. Tja.


Bedenkt aber bitte bei eurer Abwägung einen anderen Faktor. Sagen wir mal, man kann das Risiko durch eine relativ simple und schnelle Testlösung minimieren. Dann würden wir alle wahrscheinlich sagen: „Jo, dann gibt es nur noch ein Restrisiko, das könnte man eingehen.“ Der Profisport besteht dann jedoch in einem Vakuum. Habe ich genug dieser Tests? Dann sollte der Fußball natürlich welche bekommen und bitte wieder starten, dies würde auch Art. 12 gebieten. Habe ich genug für systemrelvante Berufe (wie ich das auch immer definiere) und für den Rest nur 10 Prozent, 20 Prozent, 40 Prozent der benötigten Tests? Dann sind wir bei FDR und seinem Brief. Hier wird das Grundgesetz eventuell keine Hilfe mehr sein. Habe ich zu wenig für systemrelevante Berufe? Fick dich, Fußball! Und zwar alleine schon aus grundgesetzlichen Gründen.

Und auch andere Fragen stellen sich, die juristisch nicht befriedigend zu beantworten sind und wo man bei FDRs “Worth it” ist. Warum sollen Profisportler*innen wieder ihr Geschäftsmodell ausüben, bevor Kitas wieder offen haben? Oder gehen z. B. die Menschen Profisportler*innen vor, die kein Homeoffice machen können und wieder auf den Start ihres Geschäftsmodells warten? Kitas wird man vermutlich noch als systemrelevant beurteilen können.

Hochfahren und die Moral

Das gilt alles auch so für das „schrittweise Hochfahren“, was gerade diskutiert wird. Jeder Grundrechtseingriff muss notwendig sein. Auch ein Eingriff in Art. 12 darf eben nur so lange anhalten, wie er notwendig und verhältnismäßig ist. Und da spielen Zeitfaktoren auch eine Rolle.


Ich werde da auch politische Entscheidungen treffen müssen, die verfassungsrechtlich schwierig sind. Das fängt schon damit an, dass der Bundestag (ein politisches Organ) die sogenannte „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ feststellt. Eine Definition dafür beinhaltet das Gesetz nicht. Auf dieser Feststellung fußen aber viele Ermächtigungen. Was aber euch klar sein sollte: „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“ ist etwas anderes als „Menschen erkranken an einem Virus und sterben“. Puh. Sorry, das zu schreiben ist schmutzig. Aber die traurige Wahrheit.

Und dann wären wir bei den Einzelmaßnahmen. Nehmen wir mal an, es wäre sinnvoll, langsam wieder hochzufahren (wann wir auch immer an diesem Punkt sind) und ein „von 0 auf 100“ wäre sinnlos, dann wird es erst richtig spannend. Nennen wir ein paar Fragestellungen:
Friseursalon oder Buchladen? Wenn beides z. B. nicht geht, weil es zu viel Mensch in Einkaufszentren treibt, um immer noch nötige Sicherheitsabstände zu gewährleisten, beides alleine aber das gleiche Risiko beinhaltet? Spricht es dann für den Friseursalon, dass der Buchladen sich online zumindest retten kann? Eine nun nicht repräsentative Twitterumfrage ergab eine 2/3-Mehrheit für den Friseursalon.

Ihr seht, hier müssen Bauchentscheidungen gefällt werden. Restaurant oder Kneipe (letztere vielleicht nur mit Sitzplätzen)? Musikclub oder Elphi? Viel Spaß bei all diesen Entscheidungen.

Und bedenkt bitte, wir vereinfachen hier alles. Niemand weiß so richtig, was den Virus antreibt und was nicht und wie genau und so weiter. Daher war es insbesondere kurzfristig immer richtig, wenn man alles zu macht. Es gibt gut begründete Vermutungen, auf deren Grundlage kann man handeln. Dies gilt auch bei einer schrittweisen Öffnung. Oder begründet ja die schrittweise Öffnung selbst. Denn was wohl feststeht, ist, dass Menschenmassen auf engstem Raum keine gute Idee in der Pandemie sind.

Wann „Aux Armes“?


Und damit sind wir beim letzten Schritt: „Fußball in vollen Stadien“ Solange das ein unkontrolliertes Risiko ist, solange werden wir darauf verzichten müssen. Ist damit „der Fußball damit immer das Letzte“ (auch gerne von Politiker*innen gesagt, um eine Schlagzeile zu erhaschen) gemeint?

Ein paar Überlegungen dazu:


Wenn es ein kontrollierbares Risiko wird, dann muss man in einer Abwägung von Art. 12 und Art. 2 (2) halt sehen, ob das vertretbar ist. Risikolos ist das Leben halt nie.


Achtung, es wird jetzt wieder sehr unmoralisch! Und da kann man halt auch mal das Geschäftsmodell betrachten. Handball, Frauenfußball, Herrenfußball unterhalb von Liga 2 z. B. hat keines ohne Zuschauer*innen im Stadion. Liga 1 und 2 könnten zumindest in einer Art Notbetrieb mit Geisterspielen überleben. Auch das müsste in einer Abwägung der Grundrechtseingriffe überlegt werden. Kneipen und Clubs haben ebenso kein Geisternotüberlebensmodell. Wenn man also bei dem Punkt ist, dass gewisse Menschenansammlungen schon wieder ein vertretbares Risiko seien, alle gemeinsam aber ein zu großes, dann müsste der Profifußball ggf. zurückstecken, um andere Geschäftsmodelle zu retten. Da sind wir dann ganz schnell bei „der Profifußball als Letztes“. Und das gut begründet und nicht als populistische Schlagzeile.


Ob und wie sich solche Beurteilungen ändern, wenn man Stadien zu 10 Prozent, zu 20 Prozent oder zu 50 Prozent füllt, wissen wir nicht und wollen wir nicht spekulieren. Ihr erinnert noch dieses Verbot von Veranstaltungen über 1000 Leuten? Kann das ein sinnvoller Zwischenschritt sein? Wir wissen es nicht. Oder es wird eklig aus diversen Gründen: namentliche Registrierung der anwesenden Menschen ist so ein Stichwort.


Wenn man wieder makaber denken will, dann könnte man auch sagen: „Hey, wenn uns ein Spiel mit 5000 Menschen in der Regionalliga eine Pandemieaufflammung gibt, dann können wir das besser abfangen, als ein Bundesligaspiel mit 80.000 Zuschauern und die Bundesliga überlebt auch besser mit Geisterspielen.“



Klingt das teilweise wie die FDP? Aber hallo! Wir machen hier ja eine juristische Betrachtung. Und ratet mal was, wir haben: Ein kapitalistisches Grundgesetz. Fühlt sich das trotzdem schmutzig an? Aber hallo! Wir gehen uns mal die Hände waschen.


Im zweiten Teil dieses Blogs nach Ostern wird es dann um „Insolvenzen im Fußball“ gehen. Und das wird dann weniger schmutzig.

Tiocfaidh ár lá


Apr 052020
 

Liebe Leser*innen.

Gerade/später/am 05.04.2020 läuft/wird laufen/lief parallel im Fernsehen ein Spiel von 2006. Ein denkwürdiges Spiel. Ein Spiel in einem Winter mit Schnee und Eis (Ja, das gab es früher) und einem Millerntor ohne Rasenheizung. 


Uns gab es noch nicht, dieses Blog begann erst 2008. Aber unser Senior schrieb damals schon ins Internet. Titel damals “Norbert regt sich auf”. Noch anders im Stil und in der Sprache und wie immer gilt, dass wir und insbesondere der Senior garantiert nicht alles mehr genauso sehen wie vor 14 Jahren. Aber wir wollen euch passend zu dem gerade im Fernsehen laufendem Spiel den Artikel von damals gönnen. Ergänzt um ein paar Anmerkungen in eckigen Klammern. Er ist sonst Original übernommen, also weder gegendert noch ist die  Rechtschreibung korrigiert worden. Aber das ist wie die Videoqualität. Früher war eben nicht alles besser. 

Immerhin nennt Ralph G. dieses Spiel eines seiner Top 5 Spiele. Mich (=Senior) hat damals eher das vorherige Spiel gegen Hertha nachhaltig geprägt. Das von einem 0-2 zurück kommen und das Lechner Tor. Das war doch erst vor einem Jahr, oder? 


Hier also der Bericht von damals: 

Allez allez, voran magischer FC
Halbfinal-Vorwort
Unglaublich.
Viertelfinalbericht
Eine Firma fragte mal bei mir an, ob sie Fotos von mir verwenden könne für so stellbare Bilder von Spielern. Das Ganze sollten Proben sein, die dann u.a. an den FC geschickt werden. Ich sagte zu und bekam auch ein Exemplar dieser Proben. Eine davon zeigt u.a. Dinzey vor einem Vereinswappen. Nun ist es ja so, dass mein Haushalt von zwei Dinzey-Skeptikern bewohnt wird. Trotzdem haben wir auch seine Figur auf dem Fernseher stehen. Nun fragte letztens meine bessere Hälfte, warum denn da Dinzey stehen würde. Und ich sagte nur, dass die Figur da so lange steht, so lange er trifft. Nun steht sie da wieder zwei Wochen. [Das mit Dinzey? Da hatten wir eine gute Nase damals.]


Ach Mensch, wo soll ich anfangen? So viele Eindrücke, so viele Geschichten. Ich habe noch nie von einem Spiel über 150 Fotos online gestellt. [Die hier im Bericht befindlichen Bilder sind von Afroh, mit freundlicher Genehmigung. Ich selber habe mein Archiv leider mal verloren] Ich habe noch nie 978 Fotos gemacht, und mein Rechner geht immer noch in die Knie, wenn ich nur versuche, den Ordner mit all diesen Fotos zu öffnen. Und heute abend, wenn ich Zeit finde, werde ich die Fotos noch mal durchgehen und gucken, dass ich noch ein paar Nachschlagbilder finde. Denn heute nacht war das doch mit sehr viel Geschwindigkeit verbunden.
So, und nun versuch ich mich langsam mal zu sortieren. Also: Ich bin ein abergläubischer Mensch. Und wenn im Achtelfinale eine Choreo zum Erfolg führt, dann muss man auch im Viertelfinale eine machen. Leider haben die Passanten ja beschlossen, 2006 (und damit ihr 10jähriges) nicht mehr erleben zu wollen, so dass irgendjemand anders das machen musste. Eine lose Gruppe von einem Zweiundvierziger, einem Touristen und ganz vielen finanziellen, moralischen und handwerklichen Unterstützern fand sich dann bereit, die Haupttribüne auszulegen. Und so begann für mich der Tag bereits um 10 Uhr mit dem Ausdruck der kleinen Choreoanweisungszettel. Danach bin ich – Achtung, ich bin abergläubisch – über Stapelfeld und den Horner Kreisel gefahren, nur damit ich mir am Horner Kreisel bei der Essotankstelle wieder einen Napoleonsekt kaufen konnte, wie ich es gegen Hertha getan habe. Von dort ging es dann Richtung Viertel.

Robert der Magier lässt Bälle schweben.

Etwas Sorgen um die Austragung des Spieles machte man sich dann doch, hatte es doch geschneit über Nacht, und so richtig gut sah es nicht aus. Aber erstmal musste die gesamte Vorbereitung normal weiterlaufen. So ging ich zum Copyshop und kopierte die Anweisungszettel. Natürlich viel zu viele, aber so richtig abschätzen, wie viele Sitze die Haupttribüne eigentlich hat, konnte ich nicht.

Nun war das Papier schon eingetroffen und mit ihm unsere Westfraktion. Leider ohne Olespapa, welcher durch eine Verletzung so gehandicapt war, dass er das Spiel nicht vor Ort verfolgen konnte. Dabei hatte er alles vorbildlich besorgt und organisiert. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass er das am Fernsehen verfolgen konnte. Aber das Gute ist ja, dass die Mannschaft ihm noch ein Pokalspiel geschenkt hat. Werde schnell gesund! [In der damaligen Meckerecke hing beim Spiel eine “Dein Herz is doch eh hier” Tapete, ein Foto davon benutzt die -längst schon wieder fitte- Person bis heute als Facebookheaderbild]

So konnten wir mit unserer Arbeit beginnen. Weissen Hintergrund und darauf eine braune 1910. Die Arbeit ging eigentlich gut voran und wäre wahrscheinlich noch schneller vonstatten gegangen, wenn die Arbeiten nicht immer wieder durch das Zuschauen bei den unzähligen Platzbegehungen gestört worden wären. Allofs und Schaaf waren schon in diesem Moment nicht wirklich glücklich mit dem Platz, Allofs schüttelte eigentlich nur den Kopf. Was es jedoch soll, Druck auf den Schiedsrichter mit dem Tenor „Ich habe hier Millionenwerte, schütz die mal, wenn etwas passiert, dann mach ich dich verantwortlich“ auszuüben, dass bleibt Allofs‘ Geheimnis. Die Gefahr, dass er dabei eine Trotzreaktion erreicht, ist doch relativ hoch.

Nunja, der Platz wurde nicht für so schlecht befunden, dass alle Bemühungen eingestellt wurden. So stellten auch wir unsere Bemühungen nicht ein und arbeiteten weiter an unserer Choreo. Auf dem Platz wurde irgendein Wundermittel verteilt, was aussah wie Salz, sich jedoch als Dünger herausstellte, der trotzdem den Platz antauen ließ. Daneben versuchte ungefähr die gesamte Geschäftsstelle, den Platz herzurichten. Der ärmste Thorsten Vierkant [damaliger Stadionchef] wurde noch einmal ein bisschen geärgert, als einer von uns erstmal ein fröhliches „Thorsten, hast du noch eine Karte für heute abend für mich?“ über den Platz brüllte. Zur Herrichtung wurden Schaufeln benutzt und der Klang, wenn diese auf den Rasen trafen, war nicht wirklich so, dass man von einem Spiel ausgehen konnte. Das klang, als ob man auf einen Stein klopfen würde.
Kurze Zeit später kam nun die Walze, um den Platz zu walzen und glatt zu machen. Und wie der Junge auf dem Gerät durchgeschüttelt wurde, das zeigte, wie hart gefroren der Boden gewesen sein muss.

Gut bespielbar der Platz

Kurze Zeit später hatten wir unsere Choreo aufgelegt und machten uns vom Acker. Da sah der Boden doch schon deutlich besser aus. Selbst einige feuchte Stellen (sprich nicht mehr gefroren) hatten sich gebildet. Auf dem Rasen, wie er um 16 Uhr vorzufinden war, hätte man sehr gut ein Fussballspiel ausführen können. [was der Bericht hier verschweigt: es begann dann wieder zu schneien] Wir machten uns fröhlich auf zum Fanladen, welcher sich schon richtig gut gefüllt hatte. Es gab ein Wiedersehen mit vielen Leuten, die man lange nicht gesehen hat. So war u.a. ein (ehemaliger?) Übersteigerredakteur aus Dortmund gekommen, welcher sonst nicht kommt „habe keine Lust für ein Spiel gegen Emden so weit zu fahren“, welcher mir aber in Erinnerung ist, dass er mal zu einem Pokalspiel in Darmstadt (das waren die Zeiten, als wir noch nicht Pokal waren) mit dem Flugzeug geflogen ist, weil er den Zug verpasst hatte. Wir verloren damals als Bundesligst ziemlich kläglich. Im Fanladen wurde die Nachricht, dass gespielt wird, nebenbei mit Jubel aufgenommen. [damals auch so ein bisschen aus Gründen kurz gemacht, nun aber ganz zu erzählen. Es klingelt das Telefon. Im überfüllten alten Fanladen in der Thadenstrasse wird es mucksmäuschenstill. Heiko-Fanladen geht ran. Meldet sich mit seinem langgezogenen Nachnamen und hört dann gefühlt 10 Minuten zu was gesagt wird. Sagt dann “es kann also gespielt werden” in den Hörer. Der Rest ist ein Jubel, der intensiver war als die Torjubel an diesem Tag.]

Und wir malten uns ja schon folgendes Szenario aus: Erste Runde Verlängerung, zweite Runde klar gewonnen, dritte Runde Verlängerung, heisst doch eigentlich, dass die vierte Runde wieder klar gewonnen werden musste.

Weiterhin wurde fröhlich Alsterwasser getrunken und auf sechs Uhr gewartet, denn vorher durften wir ja – dem Aberglaube folgend – nicht in die Kleine Pause gehen. Nur leider war Paulchen anderer Meinung und trieb zum Aufbruch. So waren wir zu früh da, die ärmste Trulline war zu Recht böse, da sie erst um sechs kam. Aber irgendwie gehört das dazu, dass die beiden erst nachträglich kommen. Ebenso zu Recht war Pauline auf mich böse, da ich ihr Essen zu bestellen vergass. Und dann schulde ich ihr noch Geld.

Insgesamt lassen sich die Szenen in der kleinen Pause nicht in Worte fassen. Der Laden war gerammelt voll und die Speisen wanderten mit einer Geschwindigkeit über den Tresen, die unglaublich war. Was mag der Laden an einem solchen Tag umsetzen?

Ein Aberglaubenhähnchen später machte ich mich in Richtung Stadion auf.[Viele Grüße an alle die damals gut 1 1/2 Jahre vor beinah jedem Spiel in der Kleinen Pause Hähnchen Essen waren. Zwischendurch aus Aberglaube wirklich alle immer mit der gleichen Bestellung.]

Olespapas Krankheit hatte dann doch was Gutes, denn so konnte noch jemand mit seiner Karte glücklich gemacht werden. Eine weitere Karte ging an einen ausgewanderten Hamburger, welcher das Glück hatte, dienstlich an diesem Tag in Hamburg zu sein und nicht wie sonst in Hongkong.
Ab zur AFM, Tommy ein fröhliches „Scheiss AFM“ an den Kopf geworfen und sich dann ins Stadion begeben. Leider hatte der Wind unsere Choreo doch erheblich gerupft, so dass nicht wirklich alles gut zu sehen war. Nun gut, als sie dann später ausgeführt wurde, konnte man das meiste dann doch sehen.

Das Stadion war gerammelt voll. Und leider mit vielen unangenehmen Gesellen. Denn wie viele sofort meckerten, wenn man mal durch wollte, das ging auf keine Kuhhaut. Genausowenig kann es sein, dass Aufgänge bewusst blockiert werden und den Leuten gesagt wird „Hier kommst du nicht durch“. Das System Millerntor ohne gekennzeichnete Aufgänge funktioniert nur dann, wenn alle Leute tolerant sind und versuchen, die Leute durchzulassen. Wenn dies nicht funktioniert, dann brauchen wir Aufgänge, die freigehalten werden, und das kostet uns wieder mindestens 1000 Zuschauer. Also, Leute: Überlegt mal, was ihr da aus kurzfristiger Bequemlichkeit riskiert. Und irgendwelchen Leuten an die Wäsche zu gehen, geht definitiv gar nicht. Aber auch das habe ich gesehen. Oder Leute, die fett ihren Körper genau zum Spielfeld drehen, damit sie möglichst breit wirken und dann auf die Bitte sich kurz mal seitlich hinzustellen behaupten dies ginge nicht. Und beinah zwingend waren das alles Leute, die man nie zuvor gesehen hat und die wahrscheinlich nie in der Regionalliga die Gegengerade betreten haben. Und genau dies kotzt mich an. Wenn ihr gegen Emden zu Hause bleibt, dann kommt doch nicht gegen Bremen hinterm Ofen her, ihr Modefans.

Bei uns lief das alles natürlich viel entspannter. Zwar regte sich eine Dame auch ein bisschen auf, aber alle wurden gut sortiert und an den richtigen Platz gebracht. So wie sich das gehört. Selbst Bullenfrank und seinen Freund konnten wir noch perfekt unter bringen.

Die sich warmmachenden Bremer wurden mit „Wir haben eiskalte Duschen“ empfangen und hinreichend auf die Unbequemlichkeit des Millerntores hingewiesen. Alle Spieler (auch unsere) nutzten das Aufwärmen zum Schuhtest. Nebenbei sorgte eine im Mittelkreis angebrachte Werbeplane für Erheiterung. Als diese nämlich wegen Schneebedeckung abgebaut wurde, liessen die Ordner den Schnee einfach als Haufen auf dem Platz zurück. Erst sehr spät und als wir uns schon fragten, ob der noch entfernt wird, kamen Ordner und schaufelten den Hügel im Mittelkreis weg.

Seien wir ehrlich (hab ich das heute schon gehabt?): Nun war der Platz nicht mehr gut bespielbar. Kurz nach der endgültigen Begehung hatte es erheblich angefangen zu schneien, und dies hatte den Platz garantiert nicht besser gemacht. Nur muss man im Nachhinein auch mal feststellen, dass 21 Akteure eigentlich einen ganz akzeptablen Stand auf dem Boden gefunden hatten. Zufallsball war das nun wirklich nicht, wie auch der zwischenzeitliche Ausgleich zeigte, der ja nun wirklich herauskombiniert war. Nur ein Spieler machte von Beginn an immer wieder einen Satz. Und das war Klose. Irgendjemand meinte bereits nach fünf Minuten, dass der ja nur auf der Nase liegen würde.

Aber gehen wir noch mal kurz zeitlich zurück. Ich fand es sehr angenehm, dass keine Musik lief. So fingen die Leute irgendwann an, ganz von alleine zu brüllen und zu singen. Und der erste Wechselgesang knapp eine Stunde vor Spielbeginn, das hat was. Ich werde nie ein Freund von musikalischer Beschallung in Fussballstadien. Für mich kann das immer so sein. Ruhe, dann zwei knackige Songs, dann die notwendigen Werbedurchsagen, und dann geht es los. So kann man das auch machen, wenn kein Strom da ist.
Dass die Bremer ihr Fanlied nicht mögen, kann ich nach Anhörung nun verstehen. Eine Detailnachricht erfreute nun jeden Fan. Der Bremer Vorsänger, welcher aufgrund von „auf der Plexiglasscheibe sitzen und einen Aufkleber anbringen“ von bundesweitem Stadionverbot bedroht war, durfte wieder zu diesem Spiel. Ist er doch ausschliesslich mit einem Stadionverbot auf Schalke belegt worden. Ist zwar immer noch lächerlich, aber immerhin kein bundesweites Stadionverbot.

Nun kommen wir zum Einlauf der Mannschaften. Die Choreo auf der Haupttribüne hat dann ja doch noch ganz annehmbar geklappt (auch wenn die 0 nicht wirklich zu erkennen war) und die Gegengeradenchoreo sah ziemlich klasse aus. Leider habe ich nur wenige gute Fotos gemacht, da ich einfach das falsche Objektiv mit hatte und leider auch nicht die perfekte Position hatte. Nächstes Mal wird das wieder besser.

Nun, das Spiel werden alle gesehen haben.[oder nun sehen] Für mich der beste Mann auf dem Platz war Lechner. Natürlich haben sich auch Dinzey und Schultz Bestnoten erspielt, aber Lechner war noch diesen Tick besser, um heute wirklich der absolute Gott zu sein. Wirklich abfallen tat kein Spieler, vielleicht mit der Ausnahme von Scharping, der für einen solchen Boden einfach zu schwer und zu langsam ist. Grossartig natürlich auch unser Torhüter, der uns beim Stande von 1-1 doch mit einigen netten Paraden im Spiel hielt.


Die Verletzung von Klose ist unglücklich, hängt aber nur bedingt mit dem Platz zusammen. Denn sie ist – wenn ich die Zeitlupenbilder richtig deute – nicht durch einen Aufprall auf dem harten Boden entstanden, sondern weil er sich mit dem Arm in Morenas Beine verheddert hat. Das kann immer passieren, und auch bei normalen Boden wären er bei diesem Zweikampf zu Boden gegangen. Allemal gute Besserung nach Bremen, ich finde Klose grundsätzlich sympathisch, insofern sei zu hoffen, dass er sich schnell wieder erholt.

Nach der Verletzung bzw. nachdem sich diese in den Köpfen der Bremer festgebissen hatte, lief bei diesen gar nix mehr. So blieb es bei einem sehr schön herausgespielten Tor. Aber da der magische Dinzey traf, Kommissar Boll den Torhüter verhaftete (so irgendein Reporter) und auch Schultz einmal traf, war Werder draussen.

Die Stimmung war – von einigen Zitterpausen mal abgesehen – grossartig. Das ganze Stadion hat durchgehend gerockt. So soll es sein.
Noch ein Wort zum Schiedsrichter. Der versuchte seinen vermeintlichen Fehler, das Spiel anzupfeifen, dadurch gut zu machen, dass er alles für Werder pfiff. So blieben unzählige Handspiele von Borowski ungesühnt (das ging so weit, dass bei uns in der Ecke mitgezählt wurde), und jeder Zweikampf von Luz wurde zu seinen Ungunsten abgepfiffen (wobei der nun wirklich kein unfairer Spieler ist). Der Höhepunkt war jedoch, dass Valdez erst eine klare Tätlichkeit begehen darf, dafür nur gelb sieht, dann kurze Zeit später die Blutgrätsche auspackt und nicht einmal dafür früher die eiskalten Duschen testen darf.

Dann war aber Feierabend, und die Party konnte losgehen. Viele Worte nutzen da nix. Das sieht man besser auf den Bildern. Gerade Boll als „Aux Armes“-Anstimmer (braucht der überhaupt das Megafon dafür, man hat der eine kräftige Stimme), Schultz als Gespenst (wenn Palicuka ihn da trifft und umgrätscht und der bricht sich was, dann hätt ich Palikuca erwürgt) und Hauke als Tanzmaus waren echte Höhepunkte. Dann machte Ralle noch bei uns das Aux Armes, um danach doch echt zu sagen, wir wären „stets bemüht“ gewesen. Komm du mal wieder runter vom Zaun. :motz: 😉 [schon damals ständig Ärger mit dem Ralph. Bis heute nichts geändert]

Der Typ in der Süd, der mit einem Bengalo auf dem Zaun sass hingegen, der will in den nächsten Jahren kein Spiel von St. Pauli mehr mitbekommen. Wie kann man eigentlich so doof sein? Eigentlich sollte das jeder langsam wissen, was einem dafür blüht.

Die Flasche Sekt wurde aus dem Auto geholt und auf einer kleinen Freundenparty in Richtung Fanladen getrunken. Unserem Pokalmaskottchen (der Frau eines sehr guten Lübecker Anwaltes) wurde noch ausgiebig gehuldigt und ungefähr ALLE schneebedeckten Autos mit 3-1 vollgemalt.

Der Rest ist Jubel

Der Fanladen war gerammelt voll, und der Brigadenbub musste – was ihm wahrscheinlich noch sein ganzes Leben nachhängen wird – mal wieder eine kleine Stichelei auf das Bayernspiel ertragen, war er doch diesmal bei einem historischen Sieg anwesend.

Danach ging es nach Hause, wo ich noch die Fotos bis drei Uhr morgens machte, da ich sowieso nicht schlafen konnte. Um halb acht war ich dann auch schon wieder wach und ging zur Arbeit. Denn frei genommen hatte ich mir nicht, ging ja wegen Aberglaubens nicht.

Wir haben zu Hause mal philosophiert, ob dies nun wirklich der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte ist. Setzen wir es doch mal in Relation. Es gibt in Deutschland zwei Titel zu gewinnen. Die Meisterschaft und den Pokal. Sagen wir, der Pokal ist nur die Hälfte der Meisterschaft wert (ist vielleicht ein Verhältnis, das stimmt). Dann wäre dies jetzt mit einem Platz 8 in der Deutschen Meisterschaft zu vergleichen. Dies haben wir zumindest in der Neuzeit (Bundesliga) meines Wissens nicht erreicht. Der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte wird wohl immer das Erreichen des Halbfinales in der Deutschen Meisterschaft bleiben, aber das ist so lange her, dass wahrscheinlich nur noch wenige Zeitzeugen leben. Nun ja, ich werde meinen Enkeln (die es glücklicherweise für sie nie geben wird) noch von diesen Tagen in den Jahren 2005 und 2006 erzählen.

Ich freu mich schon auf den AFM-Livestream. Der war schon gegen Hertha ein echter Genuss und wird dies auch diesmal wieder sein. Alleine dafür ist es grossartig, dass die Jungs trotz einer Fernsehliveübertragung am Start waren. Ich hoffe, sie sind es auch wieder im Halbfinale. Alleine schon aus Aberglaube heraus 🙂

Was bedeutet dies noch für den Verein? 1,1 Millionen garantierte Einnahmen. Wenn unser Präsidium jetzt nicht noch irgendeinen Wahn bekommt, bedeutet dieses, dass wir unsere gesamten Schulden bezahlen können und wahrscheinlich selbst noch ein bisschen Geld als Liquidität bunkern können. Dies heisst auch, dass die Stundung der Umsatzsteuer, welche ja nur auf hoffentlich höheren Einnahmen basierte, nun Erfolg hat und wir auch aus dieser Problematik raus kommen. Nun sollten alle Altlasten beseitigt sein, und unser Präsidium kann nun zeigen, was es kann.
Nächster Gegner? Bielefeld? Ne, lieber nicht. Die sind kampfstark und haben selber ein Stadion, welches zu schlechten Bodenverhältnissen neigt. Dann lieber Bayern oder Bankfurt. Und selbst, wenn wir da eine 0-20 Klatsche erleben: Es wäre mir egal. Soweit zu kommen ist schon ein Traum. Natürlich wäre es noch viel besser, einmal zum Finale zu fahren. Dann müsste ich mir wahrscheinlich doch noch Enkel anschaffen. 🙂

Noch ein paar Worte zur medialen Nachbetrachtung. Wie grossartig ist es, dass wir mal alleine aufgrund eines echten sportlichen Erfolges in den Nachrichten erwähnt werden, dass wir selbst bei NDR Info morgens in den Nachrichten mit Bericht und in allen Zeitungen gross abgebildet sind. Nur ein Wort zur Fotoauswahl: Wie häufig wollen Hamburger Zeitungen eigentlich noch diese Rotkutte als Foto bringen? Der Typ war bei Auswärtsfahrten eigentlich immer nur nervig, repräsentiert nun wirklich nicht den St. Paulidurchschnitt und wird bei jedem zweiten Spiel als Foto präsentiert. Warum nur? Nur weil er auf dem Zaun hockt und eine hässliche aber auffällige rote Kutte trägt?

Und noch ein paar Worte zum Bremer gejammer über den Rasen. Gut, dass die nicht noch wirklichen Protest eingelegt haben, denn dann wäre es endlich peinlich geworden. Fakt ist, dass solche Rasen bis vor 10 Jahren noch vollkommen normal waren und eben auch zum anarchistischen im Fussball gehören. Immer nur Fussball auf einem Rasenteppich ist langweilig.

Und heute auf der Arbeit von jedem mit „Herzlichen Glückwunsch“ empfangen zu werden hat auch was. [Und die wussten außer einer THW Anhängerin nun null was Fansein bedeutet]

Nun – und diese Euphoriebremse sei mir abschliessend erlaubt – gilt es aber nach der Kür die Pflicht zu erledigen. Denn ohne einen Sieg gegen Emden können wir unser wirkliches Saisonziel Aufstieg schnell aus den Augen verlieren. Daher gilt: Heute noch feiern, und ab morgen haben wir nichts erreicht.


[Es kam bekanntlich anders und wir stiegen erst ein Jahr später auf.]