Okt 082019
 

Vorneweg

Wir erfuhren erst auf der Rückfahrt vom Tod eines Besuchers des Spieles in Nürnberg. Da war die Rohversion dieses Berichtes bereits geschrieben, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Aber alle Dinge erscheinen dann natürlich in einer anderen Perspektive und wir wünschen allen Freund*innen und Angehörigen viel Kraft und senden unser Beileid.

Durchatmen. Hier der Rest des Berichtes.

Etwas wirr heute 

Da denkst du “Cool, Frankenland, da kann man sich eine entspannte Auswärtstour gönnen und liebe Menschen besuchen” und dann ist für 50 Prozent unserer Crew dieser Plan mit samstäglichen Stau ohne Ende und morgendlicher Migräne verbunden. Danke daher hier an die Lieferantinnen der notwendigen Pillen, um das Spiel zu verfolgen.
Falls ihr also unsere sonst so strukturierte Art und Zwischenüberschriften vermisst, liegt das daran und natürlich an den netten Getränken auf der Rückfahrt. 

Cool vs. uncool

Verarbeiten wir doch mal diesen Tag in so einer “Cool / uncool”-Liste! Etwas ausführlicher und natürlich nicht immer vollständig ernst. 

Cool ist es, dass Nürnberg ein Verkehrsleitsystem hat und man echt gut auf die Parkplätze kommt. Cool auch, dass man das Stadion gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Uncool, wenn man die Parkplätze für “Pauli-Fans” auszeichnet und die per Bahn anreisenden Menschen sonstwohin schicken will. 

Und versucht macht man überhaupt Fantrennung, wenn am Ende alles durcheinander läuft? Keine wäre uns ja meistens am liebsten, aber wenn, dann richtig. 

Cool, dass man vor dem Stadion etwas zu essen und trinken bekommt. Hallo Osnabrück. Uncool, dass man sich dabei die Stadionhits anhören muss. Es reicht einmal pro Tag “Die Legende lebt”. Was für ein elender Ohrwurm nebenbei. 

Spannende Erkenntnis des Tages: “Der Club” heißt vollständig “1. FC Nürnberg, Verein für Leibesübungen e. V.” ist das nicht irgendwie ein bisschen viel Club und Verein in einem Namen? Nun ja, jede*r wie er oder sie es mag. 

Cool, wenn es ausreichend Stehplätze gibt. Uncool, wenn diese mit diesen nervigen Klappsitzen ausgestattet sind und künstlich in zwei Blöcke unterteilt werden. Führt immer dazu, dass irgendwo versucht wird, sich in einem Block zu sammeln, und es in diesem eng wird. 

Cool sind dann Leute, die Rücksicht nehmen, den Hinweis ernst nehmen, dass man nix hinter ihnen sieht und entsprechend reagieren. 

Cool, wenn nicht immer die gleichen Nasen im Block zu sehen sind, und Fans aus der Region (nicht DIE Region, aber liebe Grüße an J.-U. S. an dieser Stelle) sich das Treiben im Auswärtsblock ansehen können. 
Uncool, wenn Schnattern und über den Vorsänger lachen dann die Hauptbeschäftigung ist. 

Filmen again

Und Leude, es wär richtig cool, wenn ihr aufhören würdet, Fotos im Block zu machen, damit ihr euren Freund*innen von diesen “verrückten Paulis” bebildert erzählen könnt. Fotos der Choreo/vom Block findet ihr an den üblichen Stellen (zum Beispiel hier bei USP). 

Und richtig uncool wird es, wenn ihr auf den Hinweis den Ton bemängelt (“Sag das doch freundlicher”), oder es euch egal ist, wenn ihr frontal in den Block filmt (“Ist meine Sache”). Wir haben jedenfalls keine Lust mehr, dem drölfzigsten Stadiontourist*innen zu erklären, dass und warum das scheiße ist. Bevor ihr in die Wohnzimmer anderer Leute geht, informiert ihr euch doch auch über die Gepflogenheiten. Erklärbär*in in super freundlich ist da einfach nicht, wir gehen da aber auch noch mal in einem separaten Beitrag die Tage drauf ein. Richtig cool ist der Vorsänger, der ebenjenen Hinweis aufs “Handy wegpacken” mit zarter Stimme in den Block flüstert. 

Cool sind Stadien mit überhängenden Oberrängen ja schon. Auch die Achteckigkeit des Nürnberger Stadions ist besonders. Uncool ist dabei aber, dass die Lautsprecher im Blickfeld hängen, wenn man oben steht und man durch die Laufbahn nix von der Stimmung auf der Gegenseite mitbekommt. Gut, ist sowieso keine Stimmung.

VAR-Tor

Unsere Truppe das erste Mal unverändert zur Vorwoche. Unverändert auch der Torschütze, denn erneut trifft Gyökeres. Das Tor zählt erst nach Videobeweis und auch wenn wir bisher immer davon profitiert haben, so richtig cool sind wir mit dem VAR immer noch nicht. Als Ausgleich wird uns dann in der zweiten Halbzeit ein Tor wegen Abseits bei Sichtbehinderung nicht gegeben. Was sonst auch nicht immer gepfiffen wird. 

Cool, dass wir genügend Chancen haben, um am Ende noch das 2-1 zu erzielen. Uncool, dass es Glück, Himmelmann und Nürnberger Unvermögen sind, die deren Führung verhindern. Noch uncooler ist, dass wir den Ausgleich erst durch einen harten Fehler ermöglichen. Passiert den Besten, Waldi, Kopf hoch. 

Cool, dass wir mehr als einen Stürmer im Kader haben. Uncool, wenn der Ersatzstürmer seine Leistung aus von vor zwei Saisons in Duisburg bisher so gar nicht abrufen kann.

Cool, dass die Nürnberger sich zu sportpolitischen Themen (Fußball-WM in Katar) äußern. Uncool, wenn der Support im Auswärtsblock dann an die aktuell dort laufende Leichtathletik-WM erinnert (ergo nicht vorhanden ist). Noch uncooler ist allerdings die Prosa, mit der die Nürnberger Fans die lokale S-Bahn verschönert haben. 

Der nicht migränegeschädigte Teil des Kollektivs, der auch in Nürnberg war, hatte für die lange Bahnfahrt nach Hause mit hervorragender Snacksituation vorgesorgt. Unverständlich, dass die Spieler nach so einem Spiel durch den Nürnberger Hauptbahbhof irren müssen, um sich selbst zu versorgen. Lieber Verein: Spendiert denen doch ein Snackpaket für die Heimfahrten. Das ist ne Entlastung und auch noch einfach nett. Kann doch nicht sein, dass wir bei so ner Tour besser essen als die Profis, die regenerieren sollten. Da kann man sich auch gleich ne Fertigpizza reinstellen. 

Cool sind Auswärtsfahrten mit guten Leuten, noch cooler werden die mit Crémant.

Prost auf die Länderspielpause. (No borders, no nations!)

Kommt zum Testspiel gegen Bremen und lasst euch als Knochenmarkspender*in registrieren.

Sep 302019
 

Und weil das Spiel gegen Sandhausen so toll war, haben wir gleich noch einen zweiten Bericht für Euch, dieses Mal mit Perspektivwechsel von @FrauElo und B. Und finden es jetzt auch nicht so schlimm, dass sie dann die nächsten Spiele doch wieder auf die Süd kommt.

***

Sonntag, Heimspiel, Südkurve. Das ist der Normalzustand, eigentlich. 

Beim Spiel gegen Sandhausen haben eine Begleitung (im Folgenden: B.) und ich den Gang in die Nordkurve gewagt, um genauer zu sein: In den Gästeblock. 

Bei Auswärtsspielen gehört das Rummoppern über den Gästeblock und das Drumherum (die Klos in Lautern! Der Einlass in Magdeburg! Die Versorgungssituation in Fürth! Die Cops in Bielefeld!*) leider irgendwie dazu und das Hinterherschieben von einem “Also bei uns ist das ja besser…”. Ob und wie dieses “besser” aussieht, wollten wir dann mal überprüfen. 

Perspektivwechsel

Da B. und ich nicht gerade als die ruhigsten Menschen der Welt im Block bekannt sind, gab es ein paar Bedingungen für die Auswahl des Spiels:

  • kein ausverkaufter Gästeblock, damit wir keinen Fans des Gastvereins die Plätze wegnehmen
  • kein Spiel, bei dem wir emotional involviert sind
  • keine Fanszene im Gästeblock, bei der wir Bedenken haben, als St. Pauli-Fans entdeckt zu werden

Das Plenum tagte und wir haben uns für Sandhausen entschieden, nach der Terminierung war klar: Sonntagsausflug!

Einlass

Kurz zur Süd, die Karten in die Bezugsgruppe gegeben, Umarmungen und hämische Sprüche abgeholt und zack, auf den Weg ums Stadion rum. “Sind wir hier richtig? Hier müsste eigentlich…” der eine (!) Reisebus (das ist für später noch wichtig) mit Sandhausen-Fans hat uns dann gezeigt, dass wir auch im Norden des Wohnzimmers einen hervorragenden Orientierungssinn haben. 

Durch den Einlass, kurz abgetastet, keine Diskussion, keine gynäkologischen Untersuchungen (Grüße nach Magdeburg an dieser Stelle) und rein in Block. 

Das Block-Drumherum

Kein Kriterium für die Qualität eines Blocks, aber was uns stutzig macht: es gibt Jacky-Cola im Stadion?! Kurz Twitter befragt und scheint auch auf den anderen Tribünen Usus zu sein. Ob und wie nötig das ist, der Party-Pauli-Tradition mehr Futter zu geben, naja. Dazu schreibt das Kollektiv bestimmt mal ausführlich was.

Fischbrötchen, Bratwurst, Getränke – joa, normale Verpflegung. Als Veggie gibt’s eine Option, als Veganer*in kannste an einem trockenen Brötchen lutschen. Das geht besser. 

Der Block

Verkleinerter Block, 300 Karten verkauft (auch das wird gleich wichtig), Platz suchen und der Stadiongöttin für das Dach danken. 

Kein Gedränge, komische Perspektive, sehnsuchtsvoll die Süd angeschmachtet, 90 Minuten Fussball, wieder raus, zur Bezugsgruppe.

aber da war ja noch… Das Menschliche:

Durch die Gespräche der Bierfahnen-Fraktion hinter uns, war der, für Sandhäuser Verhältnisse, gut gefüllte Block schnell erklärt: 50-60 Fans der Vorstadt haben sich wieder ans Millerntor gewagt. Puh, okay. Wir waren neutral angezogen bzw. ohne sichtlichen Merch, also zur Halbzeit woanders hingestellt, um keinen Streit anzufangen und das nervige Gesabbel nicht mehr im Ohr zu haben. 

Das Derby hat Spuren hinterlassen

Die Sandhäuser (auch vertreten mit “Sandhäuser Jungs” Hoodies in Frakturschrift, natürlich) sind eher ein stilles Publikum – Respekt an die 10 Ultras/ aktive Fanszene, die mit Doppelhaltern und ein bisschen Gesang im unteren Drittel vertreten waren und irgendwann wütend aufm Zaun hingen. 

(Liebe Grüße an den Sandhäuser Ultra, der einer Raute aus Versehen eine Fahnenstange ins Gesicht donnerte – es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, über alles andere sprechen wir erst in zehn Jahren)

Vorstadt doin’ Vorstadt things

“Du Arschloch” war noch der nettere Kommentar der Dudes um uns rum. “H**ensohn, F**ze” fehlten natürlich auch nicht. Der Support am Millerntor sei schlecht, in der Imte.. HS.. AO.. am Volkspark werde die ganze Zeit supportet, blablabla. B. und ich waren also die ganze Zeit mit Augenrollen beschäftigt.

Merch und Gästefarben

Leude. Im St. Pauli-Trikot in Gästeblock gehen und “Das Herz von St. Pauli” mitsingen muss echt nicht sein. Wenn ihr keine Karten fürn Heimbereich bekommt, benehmt euch einfach und zeigt ein bisschen Anstand. Jubelnde HSV-Fans will ja auch keine*r beim Derby neben sich im Heimblock haben. Bei Sandhausen geht das noch, aber es gibt andere Fanszenen, die euch, zu Recht, paar auf den Kopf geben oder euch ausm Block schmeissen. 

Insgesamt: War ‘ne Erfahrung wert, aber nächstes Mal doch wieder in die Süd. 

* Disclaimer 1: Natürlich ist sonst alles toll in Magdeburg, Bielel.. nee, isses nicht. Aber das ist alles subjektive Erfahrung und kein Bericht mit dem Anspruch, neutral zu sein. 

Sep 292019
 

Dennis macht Spaß

Diekmeier du alte Raute, das hat heute mit Dir mal richtig Laune gemacht. Spieler die Emotionen zeigen und giftig sind, passen perfekt zum Millerntor. Selbst wenn sie als Gegner da sind und als heutiges Feindbild dienen. Und deine „Kommt doch!“-Geste in die Gegengerade? Feinste Unterhaltung!

Es begann grau

Ein Tag, wie ihn nur Hamburg zu bieten hat. Grau, nass und kalt. Der Verein sprach in seiner Spieltagszeichnung von „leichten Schauern“, was ein schöner Euphemismus für bestes Hamburger Dauernieseln ist. Wünscht sich irgendwer da die alten Stehplätze ohne Dach zurück?

Zuviel Jörn

Inhaltlich hatten wir alles zu dem Wechsel auf der Position unseres Behindertenfanbeauftragten gesagt. Wir erwähnten, dass wir den Protest nicht wirklich inhaltlich teilen, aber auch für legitim halten.

Nur, liebe Protestler*innen, weniger wäre hier mehr gewesen. Petition online und Unterschriftenlisten analog sind redundant und die Erklärung null ausreichend für den normalen Stadionbesucher. Und wenn dann manche uns berichten, dass sie sich davon überrumpelt fühlten, spricht das wirklich nicht für Euren Auftritt. Wir durften mehrfach versuchen Hintergründe zu erklären. Gleich aussehende Tapeten auf allen Tribünen sind sowieso immer etwas künstlich, aber hier kam noch hinzu, dass keine der Tapeten ein einziges Mal richtig ausgerollt wurde. Eine wirkmächtige Aktion an einem Ort wäre besser gewesen.

Oz, du fehlst

Wir erwähnten bereits das graue Wetter. Insofern war das Gedenken an OZ ein schöner bunter Gegenpunkt. Und einem Menschen angemessen, der etwas gegen Grau tat.

Auf der Gegengerade wurde St. Depri per Choreo gewürdigt. „Wir sind immer für uns da“ ist wichtig und wir wünschen uns eine ganz breite Unterstützung für diese Gruppe. Danke, dass es Euch gibt!

In der Halbzeit wurde dann noch breit gegen das Polizeigesetz demonstriert. Absolut zu Recht. Worum es inhaltlich geht? Findet ihr hier.

Wir erwähnten es bereits schon mehrfach: Eine Polizei, die nicht kontrolliert wird und immer umfassendere Machtbefugnisse bekommt, passt null zu einer freiheitlichen Gesellschaft. Es wird hier komplett versäumt, der Polizei praktisch und durch Gesetze Grenzen zu setzen.

Folge sind dann „Schmerzgriffe“ gegen Jugendliche, deren schlimmes Verbrechen war, mal kurz Autostraßen zu besetzen. Oder das Zusammenscheppern von Gegendemos bei Naziaufmärschen, wie heute geschehen. Aber der deutsche Michel lässt sich durch „wir haben alles richtig gemacht und wer was anderes sagt, ist linksradikal“ beruhen und reagiert nicht mal dann, wenn es ihn selber trifft. Siehe S21. Rosige Aussichten. Nicht.

Wir schweifen ab

Zurück zum Spiel

Trotzdem entwickelte sich – auch dank Dennis – eine ganz ordentliche Stimmung. Die in der Süd auch von wechselnden Frauen auf dem Podest angefeuert wurde. Noch (?) ohne Megaphon, aber das ist im Sinne einer Diversität ein sehr schönes Bild. Wir deuten das mal sehr optimistisch als Trockenübung und freuen uns aus das nächste Mal mit Megaphon. Nix gegen unsere männlichen Vorsänger, aber Vielfalt ist immer besser.

Sowieso Männer. Auf der Süd mal wieder eklige Sexisten unterwegs. Filmen in den Block ist scheiße. Auf Ansprache pissig zu reagieren, mühsam. Für das bekannte “von einer Frau lass ich mir gar nicht sagen” habt ihr auf die Fresse verdient. Verpisst Euch, euch will hier keiner. Danke an die Umstehenden, die auf Ansprache dann noch mal eine Ansage in deren Richtung machten. Und nächster Dulli, dem wir bei so einer Aktion eine runterhauen: Sorry, not sorry. Es reicht.

Geht doch einfach weit weg, am besten irgendwo außerhalb dieses Planetensystems. Und der Verein als Ausrichter kann da gerne mal deutlich mehr machen, als die Plakate der Awareness-Gruppe aufhängen zu wollen.

Mitnehmen könnt ihr gleich die Leute, die meinen, mit Bierbechern oder Feuerzeugen zu werfen. Das tut weh, wenn man davon getroffen wird, und meistens trifft es Mitfans. Es nervt auch, dass auf der GG jemand seelenruhig zum Zaun gehen kann, den Becher auf den Platz werfen kann und dann seelenruhig dumm grinsen kann, ohne eine klare Ansage der Nebenstehenden zu bekommen. Selbstkontrolle? Am Arsch! Noch ätzender ist es aber, wenn Menschen aus unserer Bezugsgruppe den vollen Becher an den Kopf kriegen und die Nachwirkungen das ganze Spiel andauern. Lebt Eure Wurffreude doch beim Dosenwerfen auf dem Dom aus. Der ist (leider) bald wieder. Zwei Sekunden Mitdenken für Mitmenschen ist aber auch verdammt viel verlangt.

Dramaturgie

Der Philosoph unseres Kollektivs plädiert ja dafür, dass Schiedsrichter in ihre Entscheidungen etwas Dramaturgisches einfließen lassen sollten. So nach dem Prinzip: „Was tut dem Entertainment-Faktor gut?“ Unser heutiger Schiedsrichter war das genaue Gegenteil davon. Immer wieder kleinliche Unterbrechungen. Dazu auch zwei klare Vorteile unterbrochen. Das war nicht dramaturgisch klug.

Immerhin gab er Mats für das Nicht-Foul an Dennis Gelb. Das hatte dann wieder was Dramatisches. Wobei sich Mats im gleichen Zug wohl auch verletzte und nicht mal mehr zum Jubeln in die Kurve kam. Wir drücken alle Daumen! Besonders schön auch, dass das Nicht-Foul als Reaktion darauf kam, dass Denis D. Penney ins Gesicht fasste. “Hier gewinnt nur einer” voll verinnerlicht. Danke Mats!

Wow, einfach nur wow

Das war die beste Saisonleistung bei beschissenem Wetter. Dem Millernton-Tim kam das Wort „Ballbesitzfußball“ über die Tastatur. Und das auch noch teilweise echt gut gespielt. Frühes Tor hilft natürlich sehr gegen Sandhausen, denn die können schon echt super gut verteidigen. Und sind in der Gegenbewegung echt schnell und gefährlich.

Gut, dass sich Finn-Ole Becker sich da ein Herz nimmt, nachdem die Ränge schon zweimal „Schieß doch“ vollständig ausgesprochen hatten und die Möglichkeit schon vorbei schien.

Danach eine kurze Schwächephase, dann wieder Druck und Chancen ohne Ende. Das Spiel hätte auch höher gewonnen werden können. Aber nun gut, irgendwas ist immer.Gerade als Sandhausen aufmachte, gab es genug 1-1 Situationen mit dem Torhüter, um das Spiel höher zu entscheiden. Das üben wir noch. Buchtmann nach seiner Einwechselung mehrfach positiv beteiligt.

Richtig gut und auffällig? Østigård! Und dazu immer wieder in Interaktion mit der Süd. Wir glauben, dem gefällt es bei uns. Ist aber auch schöner als in den allermeisten englischen Stadien.Knoll als halber Stürmer. Irgendein Fußballphilosoph sagte mal, dass Spieler im Alter immer defensiver werden. Bei Knoll ist es genau andersrum. Und das ist richtig gut so! Besonders fühlten wir auch, wie er mehrfach nach vergebenen Chancen in den Rasen haute. Richtig gut!

Und Gyökeres ist auch richtig am Millernton angekommen. Beweis gefällig? Dies sagte er dem Verein:
„Der Treffer bedeutet mir persönlich sehr viel. Ich bin im Sommer zum FC St. Pauli gekommen und wollte dem Team helfen. Heute hatte ich endlich die Chance, genau das zu tun, und es hat sich richtig gut angefühlt, auf dem Rasen zu stehen.“

Fazit

Wir sprachen vom Abwasch, der nach dem Derby erledigt werden müsse. Das haben die Jungs glänzend hin bekommen. Das Geschirr von 5 ungeschlagenen Spielen steht blinkend sauber im Schrank. Als nächstes? Nürnberg weg hauen.

Sep 272019
 


The first item is a sketch about EFootball.

Der FCSP engagiert sich seit neustem im ESports, genauer gesagt im EFootball. Wir sind in diesem Gebiet absolut keine Expert*innen, haben gerade eineinhalb Menschen in unseren Reihen, die sich was aus Computerspielen machen und können und wollen gar nicht über Sinn und Unsinn von ESports diskutieren.

Es ist halt gerade der letzte Schrei unter Profifußballorganisationen, sich da zu engagieren und Spieler (ja, nicht gegendert…) zu verpflichten. Und wir haben hier bewusst nicht „Vereine“ geschrieben. Auch bei uns ist das erstmal ein „von oben“ einkaufen mit Hilfe eines Sponsors.

So etwas ist dem FCSP grundsätzlich etwas fremd. Wir verstehen uns ja doch sehr basisdemokratisch und „von unten nach oben“ aufgebaut. Der Breitensport hätte garantiert nicht die Größe die er hat ohne den Herrenprofifußball, aber er macht heute immerhin 50 % aller Mitglieder aus, produziert Deutsche Meister, Vizeeuropameister und ganz viele andere sportliche Erfolge von denen der Herrenprofifußball (noch) träumt.

Es läge daher näher, wenn man auch den ESport als einen Breitensport beim FCSP beginnen würde, der dann – auch gerne mit Hilfe von Sponsoren, so realistisch kapitalistisch sind wir dann auch- in den Profibereich vorstößt.

Die Pressemitteilung spricht auch von einem „im Verein verankern“ und dabei „integrativ und breitensportlich“ zu sein. Das ist aber natürlich von oben nach unten. Und dafür gibt es wahrscheinlich Gründe, die der FCSP nur bedingt in den Händen hält.

Was ist eigentlich so schwierig? Das Steuerrecht!



Nehmen wir es vorweg: Der FCSP kann höchstwahrscheinlich keine Amateuresports Abteilung gründen ohne seine Gemeinnützigkeit und damit seine gesamte Geschäftsgrundlage zu gefährden.

Der FCSP darf grundsätzlich (das heißt für Juristen „es kann Ausnahmen geben“) nur gemeinnützige Dinge machen. Insbesondere in dem Bereich in dem er Mitgliedsbeiträge ausgibt (wenn man so will „Amateurabteilungen“), darf er nur gemeinnützige Dinge machen. Was gemeinnützig ist, geht nicht etwa nach Sinn und Unsinn oder gesundem Menschenverstand. All diese Dinge verbieten sich im Steuerrecht.

Entscheidend ist § 52 Abgabenordnung (AO). Da steht der Sport als gemeinnützig drin. Der gesunde Menschenverstand würde nun sagen „Check! ESports ist halt moderner Sport alles gut, warum sollen Leute da keinen Verein für gründen, der gemeinnützig ist?“. Aber wie eben erwähnt, dies verbietet sich. Als Sport im Sinne der AO wird nur die körperliche Ertüchtigung angesehen und die will die Verwaltung und die Rechtsprechung bisher im ESport nicht sehen.

Man kann da nebenbei sehr geteilter Meinung sein, denn Reaktionsschnelligkeit, Hand Augenkoordination etc. werden bei solchen Spielen sehr wahrscheinlich ertüchtigt und sind körperliche Talente. Aber wie war das mit „gesundem Menschenverstand“? Der bleibt spätestens dann auf der Strecke, wenn man weiß, dass Motorsport als gemeinnütziger Sport anerkannt ist.

Falls wer nach Schach fragt: Die AO arbeitet da mit einer gesetzlichen Fiktion und macht damit Schach zu Sport.

Da wir als Verein aber erstmal an diese Auslegung gebunden sind, wird eine Amateursportabteilung „ESports“ schwierig. Wenn ihr nun Google anwerft, werdet ihr finden, dass einige ESports Vereine über die Brücke „Jugendförderung“ ihre Gemeinnützigkeit erlangt haben und auch dies ist ein in der Satzung genannter Zweck des FCSP. Jedoch auch das trägt keine Breitensportabteilung, denn dann könnten da z.B. keine Erwachsene ihrem ESport nachgehen.

Eigentlich ein gutes Feld für die Werte des FCSP



Der folgende Vergleich hinkt, aber hat doch einen wahren Kern. Die Gaming Community ähnelt schon dem Fußball vor 35 Jahren. Die vermeidlich unpolitische Community gibt Reichweite, Finanzierung und damit auch Macht an ziemlich fragwürdigen Persönlichkeiten (andere Beschreibungen der verlinkten Person verbot uns unser Anwalt) und ist so ein Nährboden für Rassist*innen, Sexist*innen etc. pp. Andere Stichworte sind „Gamergate“, „4Chan“ etc. Insgesamt ist die ganze Szene in ihrer männlichen, weißen, Machoprägung dem Fußball gar nicht so fern. Und das trotz ganz vieler guter Menschen und Iniativen gegen all diesen Mist, die es gibt und die der FCSP unterstützen sollte. Hier kann die Reichweite und Wirkungsmacht des FCSP nur hilfreich sein.


TLDR? oder auch Fazit?



Der FCSP macht zur Zeit das beste aus der unsicheren Lage. Ein Fuß in die Tür bekommen, das Thema besetzen und wenn es rechtlich möglich ist, dann sollte man die Gründung einer ESports-Amateurabteilung forcieren. Auch wenn ein bisschen mehr Mitbestimmung und Nutzung der demokratischen Kanäle wünschenswert wäre.

And Now for Something Completely Different /Typisier Dich!





Unser geliebter Verein spielt ein Testspiel gegen die Nr. 2 im Norden, Werder Bremen, in der Länderspielpause. Im Rahmenprogramm wird es eine Typisierungsaktion geben. Falls ihr nicht sowieso schon in der Datenbank seid, dann nimmt daran teil. Aus aktuellen Gründen, aus allgemeinen Gründen und weil es einfach wichtig ist. Hier der Text von der offiziellen Homepage nochmal:

„Vor dem Spiel: Kampf dem Blutkrebs!

Alle 15 Minuten wird in Deutschland die Diagnose Blutkrebs gestellt. Wir wollen helfen, die Krankheit zu besiegen, und rufen beim Testspiel gegen Werder Bremen zu einer DKMS-Registrierung auf.

Merkt Euch schon einmal den Termin vor und lasst Euch zwischen 16 und 18 Uhr in der Südtribüne (Zugang barrierefrei und ohne Ticket möglich) als potenzielle Knochenmarksspender*innen registrieren und helft den Menschen, die an Blutkrebs erkrankt sind.“

Sep 252019
 

Wenn wir mal nicht drauf los pöbeln

Liebe Leser*innen, ihr kennt uns. Wir pöbeln gerne mal gegen alles und jeden. Wir fühlen uns da auch nicht immer an journalistische Standards im Sinne von „wir müssen aber allen Seiten die Gelegenheit zur Stellungnahme bieten“ gebunden. Wir sind wie wir sind.

Es gibt aber Themen, da wird es sehr sensibel und da wollen wir nicht los pöbeln, insbesondere im Bereich der Jobs im nichtsportlichen Bereich beim FCSP. Diese Leute sind – zu Recht – keine Personen öffentlichen Interesses und sollten daher auch eher zurückhaltend Thema öffentlicher Debatten werden. Gerade wenn es sich im Individuen handelt, die nicht in leitender Funktion handelt – da ist das “in der Schusslinie stehen” zumindest Teil des Jobs.

Grundsätzliches zum Behindertenfanbeauftragten

Der Behindertenfanbeauftragte (BFB) ist eine wichtige Funktion. Behinderte zu integrieren und ihnen einen möglichst problemlosen Besuch von Fußballspielen zu ermöglichen, muss ein sehr zentrales Ziel des FCSP sein. Wir wollten das Thema sowieso mal angehen und werden dies in nächster Zeit auch noch vertieft tun. Da läuft nämlich insgesamt vieles nicht perfekt und ist verbesserungswürdig.

Dafür ist es auch zentral, dass diese Menschen eine Vertrauensperson haben. Und dass sie eine zentrale Person, die ihre Interessen vertritt, haben. In der Vergangenheit wurde das in Personalunion durch eine Person getan. Eine Änderung in diesem Bereich ist daher immer vorsichtig vorzunehmen.

Grundsätzliches zu Fanbeauftragten

Bisher war der BFB beim Verein angesiedelt. Das entspricht nicht unserem „normalen“ Modell. Wir haben ein Modell, das von anderen Vereinen abweicht und eine Sonderstellung hat. Bei uns sind die Fanbeauftragten nicht direkt beim Verein angestellt, sondern beim Verein Jugend und Sport e.V., der gleichzeitig auch das Fanprojekt organisiert. Das ist historisch gewachsen, entspricht nicht den Vorstellungen der DFL/des DFB, ist aber bei uns so geübte und bewährte Praxis.

Natürlich kann man diese Konstruktion hinterfragen, sollte dabei aber bedenken, dass sie sich bisher bewährt hat. Und seien wir ehrlich: Sie macht die Position des Fanbeauftragten bei uns auch unabhängiger und schwerer von irgendwelchen Klüngeln zu besetzen. Nein, wir trauen den jetzigen Verantwortlichen nicht zu, dass sie da irgendjemanden pro Forma hinsetzen, aber überlegt mal, wie das unter Cornelius hätte aussehen können. So mit irgendeinem Buddy als Fanbeauftragter. Da wäre schnell die Scheiße am Dampfen. Oder erinnert euch an Raimond Aumann, der jahrelang Fanbeauftragter des FCB war und immer noch Direktor „Fanbetreuung“ ist. Ihr könnt euch die Fachkompetenz und die Fähigkeit Uli H. zu kritisieren wahrscheinlich vorstellen.
Wenn man aber nun diese Konstruktion hat, dann ist es nur sinnvoll und folgerichtig auch den BFB in den Verein Jugend und Sport zu verlagern. Eine engere Vernetzung mit den anderen Fanbeauftragten, mit dem Fanprojekt und ja auch ein Stachel im Fleisch all dieser Institutionen ist nur wünschenswert und ein Schritt in die richtige Richtung. Und so kann der BFB die ganze Lobby des Fanladens für die Interessen von Menschen mit Behinderung nutzen.

Das war wohl auch Ziel einer geplanten Umorganisation und schon länger Thema zwischen allen Menschen, die in diesem Bereich tätig sind.

Und nun das

Nun schreibt der Verein Jugend und Sport die entsprechende Stelle aus und wahrscheinlich nur dadurch erfahren die Betroffenen, dass Jörn Weidlich seine Tätigkeit beendet. Dies brachte ein gewisses Entsetzen und eine Petition für den Verbleib von Jörn in die Social Media Umlaufbahn. Wir verlinken diese Petition hier ausdrücklich zu eurer Information, nicht weil wir sie unterstützen (warum siehe gleich).

In diesen Beiträgen werden viele Vorwürfe laut, die wir nicht diskutieren wollen. Warum? Siehe oben, es handelt sich hier um ein vertrauliches Arbeitsverhältnis, deren Zustand und Entwicklung nicht Thema öffentlicher Debaten sein darf. Wir haben uns dann mal umgehört, viele Gespräche geführt, die nicht alle für die Öffentlichkeit waren und sind trotzdem nur bedingt schlauer.

Es ist allemal doof, dass der Abschied von Jörn nicht auf andere Weise zu den Betroffenen durchgedrungen ist und denen viel zu unklar ist, ob und wann es eine Nachfolge auf dieser Position geben kann.

Es ist doof, dass das ganze über das Knie gebrochen werden muss, weil Jörn relativ kurzfristig aufhört.

Es ist doof, dass diese Stelle bei uns gerade mal eine 450 € Stelle ist. Ja, sie wird es nicht, sie ist es jetzt schon. Wenn überhaupt. Das ist Sparen an der falschen Stelle, lieber Verein. Und ja auch wenn die Stelle offiziell beim Verein Jugend und Sport angesiedelt ist, so wird sie doch vom Verein bezahlt.

Jörn hat nach allem was wir wissen von sich aus seine Tätigkeit beendet. Er spricht in seiner – öffentlich einsehbaren, deswegen nehmen wir hier überhaupt Bezug darauf – Stellungnahme von „nicht wirklich freiwillig zurückgetreten“, aber ganz ehrlich Jörn, das heißt dann genau das du freiwillig zurückgetreten bist. Auch wenn du dich vielleicht von den Umständen dazu gezwungen fühltest.

Das zieht nebenbei auch die Petition nicht in Zweifel. Er mag – wie schon gesagt – gute Gründe haben, wir wissen von den „normalen“ Fanbeauftragten, wie viel Frust sich innerhalb von zehn Jahren aufstauen kann und wieviel Kraft eine Fanbetreuung beim FCSP kostet. Das wird im Bereich „Behinderte“ nicht anders sein. Es ist auch Rolle dieses Menschen mal jemandem auf die Füße zu treten und da bleibt auch mal persönlicher Ärger nicht aus. Selbst wenn auf allen Seiten eigentlich gute Menschen ihren Job gewissenhaft erledigen. Wenn man dies dann noch auf Honorarbasis, 450 Euro Basis oder anderen nicht lebensdeckenden Einkünften macht, dann ist das noch härter und man muss großen Respekt haben, wenn das jemand 10 Jahre macht.

Wenn für ihn der Zeitpunkt gekommen ist oder er die Umstände nicht mehr ertragen kann, dann kann man das schade finden, man kann ihn auch ermuntern sich das vielleicht noch mal zu überlegen oder sich neu zu bewerben, es ist aber schwierig das dann in eine unberechtigte Kündigung umzudichten. Ob es Umstände gibt, die es zu kritisieren gibt, sei mal dahin gestellt. Wir wissen das einfach nicht. Perfekt ist das garantiert nicht.

Die Petition geht da auch von etwas falschen Annahmen aus. Denn eine Lobby ist weiterhin geplant, wir denken, dass diese Lobby auch ein sehr gewichtiges Wörtchen bei Karten und ähnlichem mitreden wird, gerade wenn sie beim Fanladen angesiedelt ist, der gerade in dem Bereichen „Karten“ eine deutliche Lobby hat und so Dinge mit viel mehr Gewicht ansprechen kann. Sollte der Verein wirklich planen, da keine Unterstützung durch einen BFB zuzulassen, dann ist dies absolut falsch und dies unabhängig von der Person, die diese Stelle ausübt.

Ebenso ist es keine fehlende Wertschätzung, wenn nun die Stelle nicht vom Verein ausgeschrieben wird, sondern vom Verein Jugend und Sport. Siehe oben. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem Enttäuschung ist zu verstehen

Trotzdem ist die Enttäuschung und auch die Angst vor einem schlechteren Service definitiv zu verstehen und die unglückliche Kommunikation ist zu kritisieren und wird hoffentlich allen Beteiligten eine Lehre sein. Wir können den Text der Petition nicht inhaltlich teilen, halten es aber trotzdem auch mal für richtig, sich Luft zu machen. Tun wir ja auch. Nur nicht hier.

Unser Wunsch wäre, dass man da zwischen Verein, Betroffenen und auch Jörn einen Gesprächsfaden hinbekommt und wenn es mit ihm nicht weiter geht, dann wenigstens eine vernünftige Übergabe und einen Abschied in einem befriedeten Zustand hin zu bekommen.

Sep 242019
 

Wenn man den Fehler begeht und Google nach “Osnabrück” befragt, ist die dritte autovervollständigte Frage (nach dem Wetter und der Einwohnerzahl) die nach der Zugehörigkeit zu einem Bundesland. Es reflektiert das ein Stück weit, dass die Menschen sich nicht ganz so gut mit dieser vergessenen Ecke Niedersachsens auskennen und sie vielleicht direkt im Anschluss recherchieren, warum man den ganzen Landstrich nicht einfach Westfalen zugeschlagen hat. Die MagischerFC-Redaktion macht sich, erstmals in ihrer aktuellen Besetzung, in voller Stärke auf den Weg dorthin, um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden. Andere Teile der Auswärtscrew hatten dafür den Derbysieg ein wenig zu kräftig gefeiert und mussten in Hamburg bleiben. Gute Besserung an dieser Stelle.

Aber eine Expedition ist eine zu schwierige Aufgabe für uns allein, deshalb schließen wir uns an diesem Sonntag unseren treuen Gefährt*innen, “den Ultras” an, um gemeinsam mit den Regionalzügen durchs wilde Niedersachsen zu reisen. Was auch ziemlich problemlos klappt. Fast alle benehmen sich und mindestens 1910-mal hören wir das Wort “Derbysieg” im Zug. 

Umsteigen in Bremen, guter Getränkenachschub und trotz früher Stunde ist die Stimmung ausgezeichnet. Alles scheint in bester Ordnung, bis wir besagtes Osnabrück erreichen. Wir wissen nicht, was entsprechende Stellen veranlasst hat, dieses Einsatzkonzept zum “Nordderby” und “Sicherheitsspiel” zu bewilligen; aber es darf ganz ehrlich als Frechheit bezeichnet werden. 

Ein Sicherheitskonzept, das bestenfalls zum Lachen ist

Keine Möglichkeit, “richtige” Toiletten zu benutzen oder Essen oder Trinken zu kaufen? Ok, normales Level an Repression, an das man sich über die Jahre leider gewöhnt hat. Beharren darauf, dass die fußläufige Distanz zum Stadion mit Shuttlebussen zurückgelegt wird? Zwei (!) mit Gittern abgesperrte Bereiche vor den Bussen mit einer maximalen Durchgangsbreite von 50 cm, um zu kontrollieren, dass keine offenen Getränke in die Busse mitgenommen werden? Mindestens 45 Minuten Wartezeit, um vom Gleis in die Busse zu gelangen? Das ist einfach nur lächerlich. Es darf gesagt werden, dass an der Ruhe und Besonnenheit unserer Auswärtsfahrer*innen liegt, dass diese Situation nicht eskaliert. Diese Behandlung von Fans hat nicht mit Sicherheit zu tun, es ist eine reine Schikane. Und kommt uns jetzt nicht mit Gefahrenabwehr. Wirklich nicht.

Oder stellt euch das mal beim gerade laufenden Oktoberfest vor “Liebe Oktoberfest Besucher, wir haben hier einen Käfig von 100 Meter Länge und dann dürft ihr nach einzelner Untersuchung langsam in einen Bus steigen, der euch 1000 Meter weit fährt.” Ihr werdet nun sagen “absurd” und “das sind doch nur friedliche Bürger“. Stimmt. Das sind Fußballfans aber auch. Nur hier wird es schulterzuckend hingenommen. Man beginnt entweder sich damit zu arrangieren oder Vermeidungsstrategien zu entwickeln. Der von Mutti gestrickte Glücksschal bleibt zu Hause, man wählt eine teurere Anreisevariante oder bleibt gleich zu Hause. Siehe Millernton Bericht. Wird gesellschaftlich alles akzeptiert, wenn die Polizei nur laut „GEFAHR“ ruft. Und das tut sie natürlich nur wenn es ihr in den Kram passt. Wenn wir diese Unlogik nicht bald hinterfragen, dann war es das mit freier Gesellschaft. Nein, es sind eben nicht nur Kleinigkeiten. Warum soll für uns als Fußballfan ein anderer Maßstab als eben für das Oktoberfest gelten, wenn doch die Gefahr einer Straftat vergleichbar gering (!) ist? Ja wir wissen, dass dieser Vergleich immer mal gerne kritisiert wird, er passt trotzdem. 

Es gibt zum Glück die Conexion, die unseren ausgedörrten Kehlen die eine oder andere Flasche Pils zum Spottpreis aus ihrem vortrefflichen Bus heraus verkauft. Gibt schließlich keinen Sprit im Stadion bei diesem Hochrisikospiel. Aber Kinder, geht bloß nicht zu weit weg mit der Buddel, denn dort herrscht Glasflaschenverbot! (Und Dosenverbot. Und Allesverbot.)

Schön auch, dass die Polizei ihren Kollegen in zivil auch mal wieder einen Derbysieger (Stadt, nicht Himmelsrichtung) präsentieren will. Wenn die aber auch die Fanszene im Block beobachten sollen, dann tun wir euch jetzt mal einen Gefallen und zählen auf, wie die ein wenig weniger auffällig sind: 
Vielleicht den Schlagstock nicht sichtbar an der Hüfte tragen (gut, das war noch vorm Stadion). Vielleicht die Funkgeräte nicht ganz so sichtbar raushängen lassen. Vielleicht nicht mit mechanischem Blick immer wieder den Block abscannen. Vielleicht nicht ganz so sehr versuchen, szenemäßig auszusehen. Vielleicht nicht jedem Blickkontakt schnellstens ausweichen.
Oder am besten gar nicht im Block auftauchen. Euch will hier keine*r! 
(Die Partypaulis die wie der berühmte Elefant im Porzellanladen in den Block marschieren im übrigen auch nicht. Ja, die Leier wiederholt sich. Die Dullis im Block leider auch.)

Dann also mal rein in die gute Stube

Die Stimmung im Block empfinden wir als phasenweise ganz gut, einem Derby wie diesem angemessen. (Wer Ironie im letzten Satz findet, darf sie behalten.)

Die eingeborenen Ultras hingegen befassen sich halbherzig mit Sankt-Pauli-Diss (inklusive eines Doppelhalters mit mikroskopisch kleiner Schrift. Sorry, Leute. Das ist echt nicht lesbar) und mit der Artikulation des Wunsches nach Erhalt des “Mythos Bremer Brücke”. Im übrigen wurde auch ein Fanshopschal und eine Fanshopmütze präsentiert. Herzlichen Glückwunsch.
Gut, vielleicht muss man mit dem Stadion sozialisiert worden zu sein, um es zu mögen (alt gleich zwingend gut ist – nicht nur im Fußball – eine so nervig weit verbreite Annahme), aber die interessantere Frage ist doch die nach der Bezeichung als Mythos. Schlägt man den Begriff nach, erfährt man, dass Mythen Götterfabeln sind, die religiös gefärbte Inhalte dadurch illustrieren, dass Götter oder sonstige Naturkräfte wie oder durch Menschen wirken.

Das Stadion selbst kann diese Funktion natürlich nicht erfüllen; nein, es geht hier eindeutig um die Spieler, sogenannte Fußballgötter, die gegeneinder kämpfen um Siege zu erringen, Heldentaten zu vollführen und “Nordderbys” zu entscheiden! Eine schon fast wagnerianische Götterdämmerung! Kann das Spiel auf dem Platz mit diesen heroischen Anpreisungen mithalten?

Nein.
Mit Diarra hatten wir immerhin den tragischen Helden, der ganze 17 Minuten spielt, bevor er mit gelb-rot wieder vom Platz fliegt. Es gibt unermüdlich kämpfende und laufende Spieler, die dem Status als Fußballgott immer näher kommen (Mats <3). Es gibt David, der sich gegen Goliath (vier Gegenspieler) im gegnerischen Strafraum durchkämpft und somit ein Tor vorlegt. Nur dass David halt eigentlich Dimitrios heißt.
Und es gibt eine Mannschaft, die mit Glück (namens Pfosten) einen 0:2 Rückstand verhindert, sich dann ins Spiel zurückkämpft, stellenweise richtig schönes Angriffspressing spielt, aber dann in der 2. Halbzeit den Faden verliert und dann auch nicht wieder findet. In den letzten Minuten aber noch mehr Körner hat und in Unterzahl zumindest nicht stark gefährdet ist, noch zu verlieren.

Nun, immerhin nicht verloren. So eine Derby-Euphorie geht es auch mal schnell nach hinten los, das konnten wir heute vermeiden. Schön war das nicht, aber der VfL Osnabrück ist in dieser Saison auch nicht zu unterschätzen und so ist die Punkteteilung okay. Und mit 8 Punkten aus 4 Spielen können wir gut leben. 

Das gleiche Spiel von vorn

Bei der Abreise von der Bremer Brücke geht der Mist aka “Sicherheitskonzept” aufs Neue los. Einige kommen zügiger weg, andere versuchen es zu Fuß und scheitern nach wenigen Metern an einer unnachgiebigen Polizeikette, die uns die anderthalb Kilometer per pedes zum Bahnhof verwehrt. Was zum Teufel soll denn bitte bei dieser Nicht-Rivalität und dem harmlosesten aller Ergebnisse passieren? Stattdessen stehen wir, leidlich mit Lebensmitteln versorgt (wie denn auch als Bahnreisende*r), eine weitere halbe Stunde in einem Polizeikessel und warten auf die Shuttlebusse. Die stehen seelenruhig 20 Minuten in der Sonne, ohne dass jemand einsteigen dürfte. Ein erneuter Heidenrespekt für die Geduld aller anwesenden Sankt Paulianer*innen. 

Endlich lässt man uns in die Busse und es geht die gewaltige Strecke zum Bahnhof. Auf dem Weg nimmt der Busfahrer dann noch fast einen Radfahrer mit und zeigt sich bei der Ansprache sehr uneinsichtig. 
Dort dürfen wir wieder eine halbe Stunde oder mehr ohne nennenswerten Bewegungsspielraum verharren. Während man Menschen in braunweiß höchstens einzeln unter Versprechung des erstgeborenen Kindes zu einer der spärlichen Einkaufsmöglichkeiten durchlässt, tanzen Lilaweiße das Wort “Fantrennung” durch unsere Reihen und feixen sich eins. Lä-cher-lich. Möge man diese Scheiße doch mal mit Menschen abziehen, die nicht so lobbylos sind wie Fußballfans. Kreuzfahrttourist*innen während doch eine super Zielgruppe für polizeiliche Allmachtsfantasien.

Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Regionalbahn bis Bremen, dort ratzfatz in den Bummelmetronom nach HH, weil der nächste angeblich ausfällt. Wieder keine Möglichkeit zur Getränkebeschaffung. Manch einer fühlt sich wie Dörrobst, denn natürlich gibt es auch im Metronom keinen Getränkeautomaten mehr. Zwischen Sprötze und Klecken kickt der Kopfschmerz richtig rein, sodass auch der Blogbericht bis zum heutigen Tage warten musste. Wir hoffen, ihr seht es uns nach und habt uns trotzdem lieb.

Im Millernton findet ihr noch Details dazu, wie die Zivibullen im Block aussahen.

Sep 172019
 

Aufwärmen

Selten waren wir uns im Kollektiv so uneinig wie vor diesem Spiel. Vier Menschen, vier verschiedene Erwartungen an das Derby und vierfach weit auseinandergehender Toleranz für Gedanken an „wenn wir das Derby gewinnen, dann…“. Was uns wohl aber verbindet, ist, dass seit dem letzten Aufeinandertreffen mit dem Vorstadtverein sensationell wenig Zeit vergangen ist und wir nach der bitteren Klatsche im März und Fanszene-interner Differenzen doch einfach etwas weniger Anspannung verspüren. Gab schließlich keinen aktuellen Stadtmeister-Titel zu verteidigen.

Wir selber mussten uns im Vorfeld ein bisschen zu einem Spannungsaufbau per GIF und Blogbeitrag zwingen, aber das lief ja ganz gut. Dass dann ein Kollektivmitglied mit dem falschen Bein aufstand und aus gleich zu erzählenden Gründen ein nicht wirklich perfektes Derby hatte, machte die Uneinigkeit nicht besser. Aber hey, vielleicht gehört das einfach auch zu einem Derby. Die Dünnhäutigkeit, die Anspannung und damit einhergehend auch mal die relativ meckerige Stimmung.

Der Tag von Anfang an

Erste Augen von uns kommen bereits um 12 Uhr im Viertel an. Noch spüren wir wenig außer der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm. Viele braun-weiße Menschen tummeln sich schon im Viertel, es wurden werden schon Kampfhun Kampfda süße kleine Dackel ausgeführt und viele Erinnerungsfotos gemacht. Das Kartencenter löst schnell noch Probleme wie „mein Mitbewohner hat die Karte weg geworfen“ (diese Geschichte ist nicht erfunden) und auch wir bekamen problemlos Pokaltickets für alle.

In alten Zeiten gab es mal ein Glücksessen. Halbes Hähnchen/Pommes in der Kleinen Pause. Also einfach mal rausholen, die alten Sitten und Gebräuche. Dank netter Begleitung ist es ein schönes, kurzweiliges Essen. Unsere Ultras haben sich auch einen gemeinsamen Mittagstisch organisiert und dinierten in der Nachbarschaft. Polizei ist zu diesem Zeitpunkt im Viertel nicht zu sehen und es könnte angesichts der vielsprachigen Gäste auch ein Vormittag des Antira anstelle eines Derby-Vormittags sein.

Kurz mal durch die Schanze schlendern, feststellen, wo die ganze Polizei ist, und sich dann langsam als Blog sammeln. Aus dem Norden kommt, durchquert ein Teil den Schanzenpark, wo am späten Nachmittag mehr als 2000 Rautenbengels rumlungern. Ganz inkognito gibt’s aber keine Schwierigkeiten.

Die Südkurve und einige GGler treffen sich auf dem Paulinenplatz, wo dann jede Kleingruppe ihren eigenen Treffpunkt hat. Großes Hallo, ein paar Getränke und insgesamt eine eher gelöste Stimmung. Es gibt einmal ein bisschen Hektik und Kontakt mit der Staatsmacht, aber wir können aus unserer Sicht keine Hintergründe oder so erkennen.

Hubschrauber nerven

Am weltbesten Fanladen dann die üblichen Ticketgeschäfte, große Hallos. Liebe Menschen fehlen aus Krankheitsgründen, andere liebe Menschen sieht man seit langem mal wieder. Ein Mikrokosmos des Lebens halt. Allen Kranken gute Besserung an dieser Stelle. Und auch wenn unsere Montagshistorie hervorragend ist: Montags wollen wir kotzen.

Im Hintergrund nervt der Polizeihubschrauber und die Freunde des Volksparks haben dann auch irgendwann das Stadion erreicht.

Einlass überwunden und auf die geheiligten Stufen.

Gewalt!

Es ist in unserem Stadion so, dass unsere Stehplätze bei normalen Spielen auch deswegen genügend Platz für jede*n bieten, weil eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Stehplatzkarten nicht genutzt wird. Dies ist bei Highlightspielen natürlich nicht der Fall, sondern es kommen alle Inhaber*innen und dementsprechend eng wird es. Wenn man miteinander redet und sich abspricht, dann ist auch noch für den Kumpel, der nicht 90 Minuten vorher da stehen kann, der noch arbeiten muss oder der aus anderen Gründen zu spät kommt, immer Platz. Das kann man über Bezugsgruppen hinweg echt gut regeln. Glaubt es uns einfach.

Was nicht geht, ist jedoch, als 1,90-Mann zehn Minuten vor Anpfiff zu erscheinen, sich zu seinen Kumpels sich durchzudrängen und dann zu meinen, dass man da stehen könne, wo eben noch Frau und Kerl standen, die beide deutlich sind kleiner als man selbst. Und dass die ein kleines Stück zur Seite gegangen sind, ist keine Einladung, da wie ein Ölgötze stehenzubleiben. Insbesondere, wenn sie es einem erst freundlich und dann unfreundlich erklären. Da muss man echt nicht den großen Ignoranten machen, sondern kann „Sorry“ sagen und gehen. Auch das ist nebenbei Awareness. Da lief zum Derby erstmals bei uns im Stadion eine Ansage zu dem Thema. Dürfen gerne alle beachten. Schön auch, dass der Südkurvenflyer das Awareness-Plakat auch noch mal aufnahm.

Wenn sich dann ein Kerl der gleichen Größe einmischt und ein deutliches „geh da weg oder es setzt was“ in die Diskussion einwirft, dann sollte die Reaktion der Kumpels zu besagtem Drängler sein: „Ey, XYZ, geh da mal weg, das ist Unsinn, komm wir arrangieren das irgendwie.“ Die falsche Reaktion in die falsche Richtung ist: „Aber du kannst dem doch nicht Gewalt androhen, das ist Nötigung!!!“ Natürlich kann man das nicht, aber man sollte auch mal überlegen, wer hier mit direkter körperlicher Gewalt angefangen hat, denn nichts anderes ist wegdrängeln* und wer auf freundliche Hinweise nicht hören will.

*Es sei hier kurz erwähnt, dass Gewalt ungleich Gewalt und es da natürlich Abstufungen gibt. Das wird immer gerne vergessen.

Gut, die Ansage ist dann wohl doch überzeugend genug und seine Kumpels und er suchen das Weite.

Einzelfall / Ränge sonst super

Es ist ärgerlich, dass so ein Einzelfall so viel Raum einnehmen muss, denn sonst ist das auf den Rängen heute echt Zucker. Gut Alarm, ein eher ironisches Auspfeifen der Süd, als nach der Fahne runter kein Pyro erschient, gefolgt von „Südkurve, Südkurve“-Rufen. Kein Gepöbel, allenfalls wenige Einzelpfiffe wegen der Pyroshow, viel Gepöbel gegen die Rauten und ein insgesamt guter Support. Teilweise heillos chaotisch, weil auch durch Aktion auf dem Feld unterbrochen, aber Knoll spricht am Ende davon, dass die Fans sie getragen hätten. Das sind diese berühmten paar Prozent, die wir im Vorbericht erwähnten. Und die Süd war Zucker, da wurde in unserem Umfeld benannte Awareness komplett gelebt und in der Ekstase passen alle aufeinander auf. Wie es dazu kam kommt gleich.

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Hübsch!



Ja, das war mal so wie wir uns das vorstellen. Klar man könnte nun ein Haar in der Suppe finden und vielleicht haben die drei linken Nachbarn nicht immer so mitgesungen, wie das in einer idealen Welt sein sollte. Aber Scheiß drauf! Wir haben offenbar was richtig gemacht, Sankt Pauli.

Ein Dank auch an Sanis und Ärzte im Stadion. Wir haben mitten im Spiel ein medizinisches Problem in einer unserer Bezugsgruppen, was uns kurz ein bisschen die Laune verdirbt. Das wird vom Roten Kreuz gut gelöst. Die Betroffene wird in den Sanitätsraum durch den Innenraum geführt, geht auch an der Gästekurve längs und kommt später versorgt zurück und meint nur mit strahlenden Augen, dass sie auf der Choreo der Rauten rumgetrampelt sei. Da wussten wir, es geht ihr wieder gut.

Was sonst noch war

Romane im Gästeblock? tl;dr!

Choreo im Gästeblock? Die Rauten in eine Working-Class-Tradition stellen zu wollen, ist soweit her geholt, das ist selbst für uns Wortspielakrobat*innen zu viel. Es hat ungefähr so viel Witz und Sinn wie die Sprüche von fritz!. Also gar keinen. (Dinos wegechsen, echt jetzt?)

Was genau davon sollte uns eigentlich nun genau treffen? Und Working Class sind sowieso nur die Skins. Und die zu Recht.

magischerfc-st-pauli-vs-hsv-september-2019-gaeste-choreografie
Nun ja 🤷🏼‍♂️



Eigene Choreo: Gute Idee, die Umsetzung hakt leider ein bisschen. Aber so ein deutlicher Mittelfinger in Richtung DFL, DFB, Polizei etc. trifft natürlich unsere Herzen.

Zum Feuerwerk zu Halbzeit 2 könnt ihr in den Berichten zu Pyroeinsätzen 1999, 2000, 2001 etc. alles lesen, was dazu gesagt werden sollte und muss. Bemüht Google, dann findet ihr es. Es sieht cool aus und der Ordner mit der Schubkarre, in die alle Leute ihre abgebrannten Pyros werfen, war ein Bild für die Götter. Wir haben uns ordentlich einen gefeixt. Als hätte da jemand an den Reglern auch Bock drauf, wird nochmal “Antifa Hooligans” extra aufgedreht, als alles so schön leuchtet.

Rasengeschehen

Diese 0,2 Sekunden bevor der Ball ins Tor rollt, die sind schon irgendwie (besser als) Sex, oder?

Die haben schon eine gute Truppe da zusammen im Volkspark. Jatta ist ein echt fetter Motor über die Außenbahn und auch sein Gegenüber ist echt stark. Unsere Jungs haben da alle Hände voll zu tun, halten aber mit Einsatz und guter Einstellung echt klug dagegen. Und wenn es dann doch mal nicht reicht, dann ist Hinterseer zur Stelle und versemmelt den Ball. Der Junge, der ja wirklich gut in die Saison gestartet ist, hat mal so richtig Scheiße am Fuß. Nun ja, so ist das halt. Doof für ihn, wenn es im Derby passiert. Wie ruft unser Chief Editor in solchen Momenten immer? „HA! HA!“

Womit wir bei unserem Liebling des Spiels sind. Ach Rick, den entscheidenden Tick zu spät beim 1-0 und beim 2-0 bügelst du das aus und schiebst ihn gleich selber rein. Was deine Leistung aber echt schmälert ist, dass du das absolut mögliche 3-0 daneben setzt.

Zu unseren Jungs. Die sind ja mal heiß wie Frittenfett. ENDLICH MAL!!! So häufig hatten wir schon Derbyspiele, wo unsere Knaben wie das Kaninchen vor der Schlange hockten. Wir erinnern uns da ungern an ein Spiel im März. Diesmal ist alles anders. Laufeinsatz wie verrückt, Kämpfen bis zum Umfallen, taktisch gut eingestellt und mit einigen guten Ideen. Das ist rund! Hier mal Lob an den Coach; wer eine Mannschaft so spitz in ein für Fans so wichtiges Spiel bringt, der macht nicht alles falsch. Und das bei uns Nörgler*innen schon ein großes Lob. Der versprochene aktivere Fußball ist sichtbar und spürbar.

Einzellob? Ohlsson, der richtig stark ist (auch wenn ihm Jatta ein paar mal entwischt) und auch noch die GG anheizte. Das wirkte, als ob er einen Crashkurs in FCSP-Tugenden gehabt hätte. Diarra nach Einwechselung auch sofort auf Temperatur und mit fettem Jubelsprung. Da ist Herz vorhanden. Das Duracell-Häschen Knoll (ihr kennt die alte Werbung noch? „Läuft und läuft und läuft“), der einfach ein echter „Game Changer“ ist. Der ist überall gleichzeitig, treibt den Gegner zur Weißglut und kann dabei echt noch feine Bälle spielen. Ganz stark. So sah man ihn bei Regensburg, das deutete er in der Hinrunde letzte Saison schon an und nun wird er immer stärker. Klasse! Und Buballa: Nach kurzer Anlaufzeit: Mit welcher Brust läuft der denn rum seit er die Binde umhat?

Wie lange haben wir bitte nach einem zentralen Offensiven gesucht, der sich Bälle abholt, der dribbelt und verteilt, der im wahrsten Sinne des Wortes Schaltzentrale des gesamten Spiels ist? Und dabei verkümmerte der ideale Spieler dafür auf der Außenbahn. Was Mats nun im Zentrum unseres Spieles an Kilometern und Ballberührungen abreißt, ist klasse. Und bei ihm wird die Zeit, die er intensiv spielen kann, auch immer länger. Es ist noch gar nicht so lange her, da nahm der Trainer ihn nach 60 Minuten runter, nun marschiert der auch in Minute 92. Auch wenn für den finalen Konter die Konzentration fehlt. Ist ja alles gutgegangen.

Sein Jubellauf vor der GG nach Abpfiff war dann alles. Einfach alles. Tusen takk, Mats.
Da lässt jemand den Worten, dass er Geburtstagsgrüße für Fans gerne aufnimmt (auf Rückfahrt nach Niederlage in Stuttgart!), weil er den Verein und seine Fans sehr gerne mag, auch gleich fette Taten folgen. Top. Wie wir danach vorm Stadion orakelten: Der würde wahrscheinlich immer noch über den Rasen laufen, wenn Truller ihn nicht eingefangen hätte.

Natürlich auch groß für Schnecke Kalla, dass er den Derbysieg als Einwechselspieler verteidigen darf. Und der wirft sich auch nochmal richtig rein. Jetzt müssen wir schnell den Weg in die Europa League hinbekommen, damit er das Karriere-Highlight noch toppen kann.

Klar, es gibt auch kleine Tropfen Wasser in den Wein. Hinterseer ist schon erwähnt und noch schaffen wir es nicht, die Intensität 90 Minuten als Mannschaft geschlossen hoch zu halten. Die Auszeiten sind noch ein bisschen lang. Aber man muss ja auch immer was zum Arbeiten haben. Hochgradig clever hingegen, wie auch mal eine Weile unattraktiv hintenrum gespielt wird – vielleicht gar nicht aus Ideenlosigkeit, sondern um ein bisschen Kondition einzusparen.

Und nun?

Sind wir in diesem Jahrzehnt insgesamt 3050 Tage Derbysieger. Dieser andere Verein nur 601 Tage. (Alles gestern per Hand auf einem Schmierzettel auf dem Fanladentresen gerechnet.). Packt also eure hässlichen Aufkleber ein und macht Platz für ganz viele Mats-Aufkleber, ihr Vorstädter

Diese glücklich-leeren Gesichter nach Abpfiff überall im Viertel. Diese immer wieder erschallendem „Alte*r, wir haben gerade das fucking Derby gewonnen“-Rufe. Komplette emotionale Überforderung! Dieses debile Grinsen am Tag danach. Derbysieger!

Derbyfluch? Oder Wende der Saison? Unser Senior hatte unserem Lieblingsgewerkschafter (hallo @moeliw) ja prophezeit, dass das Derby die Wende der Saison wird. Um das zu testen, kommen nun zwei wirklich perfekte Aufgaben. Ein sehr gutes lilaweißes Kollektiv und ein echt unangenehmes Sandhausen. Das sind echte Charakterspiele, sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Etwas vereinfacht gesagt: Können wir auch Alltag oder können wir nur vereinzelte Highlight?

Wir würden uns wünschen, dass wir Mats auch dann jubeln sehen können, wenn wir gemeinsam den Abwasch (= Sandhausen geschlagen) erledigt haben.

Denn dafür leben wir. Um Mats jubeln zu sehen.

PS:

Hamburg ist braun-weiß, ihr Derbysieger*innen!

Was wir vergessen haben, lest ihr bei Millernton-Tim

Sep 102019
 

Liebe Leser*innen, wir haben das Derby vor der Nase. Eigentlich kommt dieser Komet ja nur alle 10 bis 20 Jahre vorbei, dieses mal aber aufgrund von besonderen Umständen ( Nichtaufstieg, hahahahaha) zweimal in einem Zeitraum von nicht einmal sechs Monaten.

Das letzte Mal war Mist

Fangen wir mit einer Untertreibung an:

Das letzte Derby war aus unserer Sicht nicht wirklich erfolgreich und wir denken, viele von euch sehnen den 16.09.2019 nicht gerade herbei. Das war auf dem Platz und auf den Rängen nicht unser bester Auftritt.

Aber nun sind wir der gefährliche Außenseiter!

Nun ist das nächste Derby fast da. Man kann sich alles „auf Augenhöhe“-Gerede sparen, der Gast aus dem Park am Rande Altonas ist hoher Favorit. Sie sind besser aufgestellt, haben die besseren Spieler, sind besser gestartet, können besser Fußball spielen und, und, und …

Dazu machen sie erstaunlicherweise auch mal Dinge so wirklich richtig. Der Umgang mit dem Fall Jatta ist vorbildlich.

Was bei den Rauten normal gewesen wäre? Tausend Stimmen, interner Streit am Ende ein Interview mit Kühne: „Ich wollte den Spieler sowieso nicht.“

Was jedoch jetzt passierte? Einigkeit, ein bisschen Wagenburgmentalität und „wir gemeinsam“. So etwas kann einer Mannschaft ein paar Prozent Leistungsfähigkeit einhauchen und diese Prozente rufen die Rauten gerade ab. Man will fast schreiben: „Es sei ihnen und Jatta gegönnt.“ Ja vielleicht. Aber nicht am 16.09.2019 zwischen 20:30 – 22:30!

Wenn sie danach in dieser Saison den zweiten Platz erreichen und uns zusehen, wie wir die Felge in den Himmel recken, dann ist das mehr Gönnung, als wir sonst den Rauten geben würden. Und ab 20/21 werden die Karten sowieso wieder anders gemischt.

Das Ziel? Rauten raus brüllen!

Und nun ist es an uns. Das Millerntor ist unser Wohnzimmer, auf dem Platz und neben dem Platz. Da kann man einmal einen (auch noch ungeliebten) Gast reinlassen und passiv das Tafelsilber stehlen lassen, aber aus diesem Fehler müssen wir alle lernen. Und das heißt: alles raushauen. Von der Stadionöffnung bis die letzte freudetrunkene Braun-Weiße, der letzte freudetrunkene Braun-Weiße das Stadion verlässt.

Wir wissen, dass unsere Mannschaft Fehler hat. Wir haben hier all die Schwachpunkte genug kritisiert. Was die Jungs diese Saison aber auf dem Platz zeigen, ist Aktivität, Einsatz, Wille. Das ist im modernen Fußball bei weitem nicht alles, aber es ist für einen magischen Flutlichtabend eine gute Voraussetzung. Da ist ein Funke in der Truppe, der zünden kann. Der an diesem Abend zünden muss, wenn wir eine Chance haben wollen.

Und hier kommen wir Fans ins Spiel. Erinnert ihr euch an Spiele wie gegen Augsburg 2010, Hoffenheim 2010 oder die beiden Abstiegsendspiele vor zwei Jahren? Da war von der ersten Sekunde auf den Rängen klar, dass wir den Gegner aus dem Stadion brüllen. Wir, die Fans, konnten ein paar Prozent extra zur Verfügung stellen, die unsere Jungs in einem solchen Spiel brauch(t)en. Das können wir immer noch. Das können wir wieder. Gemeinsam. Auf allen Tribünen. Egal ob Ultrà oder Oldtra, egal ob Kutte oder VIP-Kunde. Let’s get loud! Oder ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit: Kiel vor etwas mehr als zwei Wochen.

Dies muss jede*r Person im Stadion am 16.09.2019 klar sein. Wir brüllen die aus unserem Wohnzimmer, wir tragen unsere Jungs zum Sieg.

Das heißt auch: Egal was passiert! Letzte Saison haben wir uns viel zu doll ablenken lassen, meinten uns gegenseitig anzumachen und haben uns gegenseitig den Stinkstiefel zugeschoben. (Dem hier nicht benannten Erfinder dieser Formulierung sei an dieser Stelle ein Herzchen zugeworfen) Das darf nicht noch mal passieren!

Wir sind eine Familie und in einer Familie kracht es auch mal intern. Aber nicht, solange die verhasste andere Großfamilie da ist! Da halten wir zusammen und zeigen denen, dass wir der viel bessere Haufen sind. Impft euch das ein, redet in eurer Bezugsgruppe darüber, bereitet euch darauf vor. Wir können und sollen uns streiten, anderer Meinung sein, debattieren und auch mal aufeinander maulig sein. Aber nicht am 16.09.2019 während des Spiels!

Es werden Dinge passieren, die vielleicht nicht gefallen, aber niemand verliert deswegen das Ziel aus den Augen! Brüllen! Pöbeln! Laut sein! Den Rauten das Leben schwer machen!

Wir sind St. Pauli! Unser Tag kommt!

Die üblichen Ansagen

Passt vor und nach dem Spiel auf euch auf. Die Rauten kommen mit einem Marsch, quer durch die Schanze, wobei es wirklich spannend wird, zu sehen, welchen Weg man denen zuweist. Es ist auch mit sportlichen Kleingruppen zu rechnen. Nicht rechnen muss man mit Vollbier im Stadion und viel Platz auf den Rängen. Kommt rechtzeitig, sortiert euch vernünftig nebeneinander und seid fair miteinander. Gerade bei so einem Spiel: Wenn da irgendwer sexistisch, rassistisch oder anders diskriminierend auffällt, dann mischt euch ein, macht klar, dass dafür kein Platz am Millerntor ist, und helft Betroffenen.

Lasst die Handykamera aus und seid Teil der Stimmung statt nur passive Abfilmer. Niemand möchte Hauptdarsteller in eurem wackeligen Amateurfilm sein! Achtet auf Choreos, Aktionen etc. und bringt euch da ein. Und ein paar Euro in die entsprechenden Töpfe helfen auch immer.

Und eine unübliche Ansage zum Schluss

Wir saßen letztens in ganz anderer Sache mit einer Vereinsoffiziellen zusammen und da wurde uns erzählt, dass viele Mitmenschen im Stadtteil an den Verein herangetragen haben, dass nach unseren Heimspielen Spielplätze nicht nur als Boxareal genutzt wurden, sondern auch noch mit Bierflaschen und Scherben verunreinigt wurden. Von der leider sehr üblichen Nutzung als Urinal ganz zu schweigen.

Und diese Beschwerden kommen von Leuten, die diesen Stadtteil in unserer aller Sinne gestalten wollen und in diversen Organisationen tätig sind, die wir voll unterstützen. Sie haben inhaltlich auch Recht! So ein Spielplatz ist für Kinder, er ist eine Oase für Kinder und diese sollte wenn es irgend geht unter keinen Umständen gestört oder verschmutzt werden. Vermeidet also die beschriebene Zweckentfremdung. Danke!

Sep 022019
 

Dresden. Mehr müssen wir eigentlich nicht schreiben, um zu erzählen, dass wir einen richtig miesen Tag hatten.

Hin

USP hatte einen Sonderzug gebucht, den wir aus diversen Gründen nicht nutzten. Wie wir hörten, soll es eine gute und entspannte Fahrt gewesen sein. Das ist gut und das nächste Mal läuft die Kommunikation auch schneller und wir haben das als grundsätzliche Reisemöglichkeit auf dem Schirm und dann sind wir auch wahrscheinlich dabei, wenn es passt.

So hatten wir einen Pöbelbus gemietet und holten den zu früher Stunde bei der Vermietungsfirma ab. Die sehr bemühte und freundliche Mitarbeiterin (was nebenbei für alle an diesem Tag getroffenen Mitarbeiter*innen der Europcar Station Wandsbek galt, mal ein riesen Lob an die) meinte noch, dass man angesichts der gewählten Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung den Wagen auch schrottreif auf den Hof stellen könne bei Abgabe. Wir hätten dankend auf ihre hellseherischen Fähigkeiten verzichtet.

An unserem Treffpunkt wurden wir erstmal (weit entfernte) Zeug*innen einer Schlägerei zwischen einem Busfahrer und einem Besoffenem. Die damit endete, dass der Busfahrer in seinen Reisebus stieg, weg fuhr und dabei einen ordentlichen Schlenker in Richtung des Besoffenen machte. Puh, das ist juristisch dann wohl schon eine ordentliche Straftat. Passiert ist zum Glück nix.

Wir sammelten uns also, die feine Gesellschaft kam per Moia, der Pöbel per Bahn und ab ging die Reise. Unseren südlichen Vorposten noch kurz zu Hause abgeholt und dann erstmal über die berühmte B 4 in Richtung Braunschweig. Ging alles entspannt und gut, der befürchtete Wildwechsel blieb aus und Rübenkampagne ist auch nicht, so dass sich Überholvorgänge in Grenzen hielten. Nur die Pinkelsituation wurde am Ende etwas dringender, aber wir haben es dann doch rechtzeitig zu dem ersten Autohof geschafft.

Rest der Hinfahrt ist schnell erzählt, über den Musikgeschmack einzelner Herren wollen wir nichts erzählen und so kam man schnell in Dresden an. In dieser Stadt, die eine Uni hat und eigentlich genügend korrekte Leute bleiben Noafd Plakate heil. Das kann doch echt nicht sein! Auch sonst waren die Plakate im Landtagswahlkampf an Stupidität nicht zu überbieten.

Da

Bei dem bereits bekannten Auswärtsparkplatz wurde ein Plätzchen im Schatten gefunden. Ja, wir sind bekennende Warmduscher und Schattenparker. Wer nicht? Nun begann ein Thema das Tages. Warten auf die Polizei. Pendelbusse stehen bereit, Busfahrer so auf Nachfrage mit genervter Stimme „Ihr wärt schon weg und wir wieder hier, wenn die Polizei mal da wäre, auf die warten wir nämlich.“ Irgendwann bemühte sich die Staatsmacht dann doch mal aus ihren Autos und wir konnten zum Stadion. Nebenbei fiel hier nach gut 20 Minuten Wartezeit bereits der Satz ”Ich hasse es, auf die Polizei zu warten.“ Tja, …

Einlass war wieder eine sehr unterschiedliche Erfahrung. Mal eher pseudomäßiges Abtasten, mal der Griff an die (weibliche) Brust. Auch was rein konnte und was nicht, war von Ordnerin zu Ordnerin wirklich unterschiedlich. Im nächsten Leben (wenn wir keine Fußsballfans sind, ha!) machen wir nebenbei ein effizientes Stadioncatering auf und finanzieren damit die Weltherr*innenschaft.

Beim Eingang keine Ordner mit offensichtlichen Nazisymbolen, im Sitzgästeblock scheinbar schon.

Zur Stellungnahme von Dresden kommen wir gleich.

Fußball

Ein gut aufgelegter Gästeblock zeigte zu Beginn eine Choreo, durfte sich schwarz-rot-gold (hier stand mal Senf, was aber einen doofen Hintergrund hat. Danke für den Hinweis geliebter Fanladen) Fahnen ansehen, die im ganzen Stadion koordiniert von irgendwelchen Pegida Trotteln (so zumindest der Flurfunk) präsentiert wurden. Die Typen offenbarten dann auch per „FCK Antifa“ Shirt ihre Weltsicht und hampelten bis nach Abpfiff am Gästeblock rum. Halsabschneidergestenparade war auch dabei. Es nervt!

Aus dem K Block dann mehrere diskriminierende Plakate, die weit über ein erträgliches Maß hinaus gehen. Wir zitieren die Inhalte nun bewusst nicht, wir wollen so einen Scheiß hier nicht auch noch verbreiten. Wer sich informieren möchte, der besuche „Ultrapeinlich“ auf Twitter oder anderen Plattformen. Nur soviel: „Warum reagiert ihr immer drauf, das ist doch ganz bewusst euch provozierend“ ist keine sinnvolle Argumentation. Wenn man sich an diskriminierenden Müll gewöhnt oder ihn totschweigt, dann ist man nicht besser als „unpolitische“ Fans. Wir werden diese Dreck nie unwidersprochen lassen. Und: Freut euch gegen Sandhausen auf Sticker zu diesem Thema. Mehr dazu, sobald der Druck durch ist.

Es war schön, dass mit Präsentation des ersten Plakates gleich das 0-1 fiel. Sehr passender Zeitpunkt, nie haben wir lieber in Richtung des K-Blocks gewunken.

Zur Stellungnahme der SG Dynamo Dresden: Wir sind keine Freunde von Stellungnahmen, wenn sie bloß auf dem Papier existieren. Also sind wir kein Fan von Stellungnahmen der SG Dynamo Dresden. Eine kurze Recherche ergab, dass es davon “erstaunlich“ viele gibt, die alle gleich klingen. Würden sie wahrscheinlich nicht, wenn man dann auch mal konkret was machen würde und nicht nur mit hohlen Worthülsen um sich schmeißt. Auch hätten wir vielleicht nicht zuerst die Kunstfreiheit als Aufhänger genommen, aber insgesamt ist die Stellungnahme irgendwo noch akzeptabel.

Nur liebes Dynamo Dresden: Wenn Ordner vor einem Spiel nicht auf Kleidung und Symbole kontrolliert werden, wenn es eigentlich klar ist, dass eure Fanszene Rotz auf Tapeten schreiben wird, dann ist eine nachträgliche schockierte Stellungnahme viel zu wenig. Gerade bei einem Verein, der so mit seiner Fanszene verwachsen ist, wie Dynamo erwarten wir da auch proaktives Handeln, eine klare Sensibilsierung aller Verantwortlichen und ein Leben von „Rassismus ist kein Fangesang“. Hohle Worte im Nachhinein ändern wenig, insbesondere weil Konsequenzen ja aus bleiben. Das ist ja nicht das erste Plakat in diese Richtung. Es ist schön, wenn die Fanrechtshilfe vor dem Spiel über den Stand der Karlsruhe Geschichte per Stadionmikrofon informieren darf und zu Spenden aufrufen darf, es aber gerade bei einer so offenen Zusammenarbeit zwischen Fanszene und Verein auch mal vonnöten zu sagen, wo Grenzen sind. Und zwar bevor das Kind in Brunnen gefallen ist. Uns ist auch klar, wie schwierig es im Osten ist Ordner zu finden, die nicht Nazis sind, aber dass diese noch offen strafbare Kleidung tragen, zeigt, dass anscheinend gar keine Sensibilität bei Vereinsverantwortlichen für dieses Thema vorhanden ist.

Zum Spiel:

Wir sind zur Zeit unfassbar effektiv. Drei Schüsse aufs Tor, drei Tore – Spiel zuvor zwei und zwei. Das hängt insbesondere an Diamantakos, der schon immer ein sehr effektiver Stürmer war und der zur Zeit als einzige ernsthafte Sturmalternative richtig überzeugt. Da sieht man wieder einmal, was Selbstvertrauen wert ist. Drei Vorlagen MMD zeigt wie gut der Junge zur Zeit drauf ist. Damit kommen wir aber auch zu den Problemen. Die beiden sind zur Zeit ziemlich alternativlos.

Die Idee Conteh mal eine Pause zu gönnen und ihn als Waffe gegen einen müder werdenden Gegner einzuwechseln ist eine absolut überzeugende. Auch sahen die ersten 30 Minuten wirklich nach einem gut strukturierten und durchdachten Auftritt aus. Aber das ist dann auch unser Problem. Wir bauen massiv ab. Bis zur 30. Minute lassen wir gut Ball und Gegner laufen, haben alles im Griff und bringen dann den Gegner wieder zurück ins Spiel. Um dann uns selber 3 Tore rein zu legen. Allen drei Toren gingen massive Fehlerketten voraus, die nicht durch brilliantes Spiel von Dresden erzwungen wurden.

Buchtmann kommt sehr spät und will sich richtig beweisen. Wir sind jedenfalls gespannt, was heute bis 18:00 Uhr (Stichwort D-Day) noch so passiert. Mit dem Zugang von Lawrence jedenfalls sind wir sehr zufrieden, der bringt Sicherheit rein. Nationalmannschaftsspiele sind sowieso nicht so unsers, aber besonders doof ist es, wenn der neue Abwehrchef deswegen dann die nächsten Tage nicht mit der Mannschaft trainieren kann. Man sieht nämlich leider auch immer noch, dass da niemand hundertprozentig eingespielt ist. Und sowas macht man nur durch Training wett. Waren wir zu Beginn sehr skeptisch bzgl. Ryos neuer defensiver Rolle, so erkennen wir da mittlerweile tatsächlich immer mehr positives. Die Ballsicherheit da hinten ist gut und wichtig. Und der Junge hatte auch ganz gegen Ende noch Körner und drehte ab der 85. Minute noch mal auf und war dann auch mehrfach vorne zu finden. Schade, dass das nicht von Erfolg gekrönt wurde.

Und Conteh, Junge, Junge, Mädel: Kommt und bindet durch seine Schnelligkeit direkt mal 3 Gegner dauerhaft, müsste sich zweimal fallenlassen um den Elfer zu kriegen (wir sind da keine Freund*innen von, aber anders kriegst du den halt nicht zugesprochen; Stichwort: Abgewichstheit) und holt dann noch ne rote Karte. Dass wir schon unkten, dass wir in Überzahl noch ein Tor reinkriegen würden, während wir auf den VAR (Fußballmafia DFB) warteten, verschweigen wir hier besser.

Nach dem Spiel warten wir dann “geduldig” auf die Busse, in die wir aus unersichtlichen Gründen nicht einsteigen dürfen, werden dabei erst mal von Typen angerempelt, die das noch nicht mal mitbekommen. Wir haben auch echt keinen Bock, Dudes ständig darauf hinzuweisen, dass sie nicht die einzigen Menschen sind, die sich im öffentlichen Raum bewegen. Geht aber scheinbar nicht ohne

Und dann Versuch zurück

Schlimmer geht immer:

Und wer glaubt, dass das späte 3-3 den Tag versaute, dem sei unsere Rückfahrt erzählt:

Wir fahren extra 100 km um nicht mit irgendwelchen Dynamos aufeinander zu treffen, um dann bei einer Raststätte zunächst auf indifferente Dynamos zu treffen, aber auch auf den Kleinbus eines Dynamo Fanclubs (dessen Namen wir jetzt hier nicht nennen). Bei Abfahrt bekommen wir auf den Mietwagen einen Aufkleber geklebt, der nicht abgeht und danach postiert der Typ noch minutenlang vor dem Auto und fordert zum Match auf. Wie nervig. Und natürlich sagt die Vermietungsfirma bei Rückgabe die unschönen Worte „Dann wird da wohl Strafanzeige gestellt werden müssen“. Niemand redet gerne mit der Polizei, aber unser Mitleid hat der Typ und seine Mitfahrer*innen auch nicht, wenn sie in nächster Zeit Besuch von der Staatsmacht erhalten. Nebenbei kam es auch noch zu der ”schönen“ Situation, dass seine (vermutlich) Freundin versucht, ihn zurückzuhalten. Verzeihung, uns blieben gerade kurz die Augen in den Augenhöhlen stecken.

Jedenfalls: Selber schuld. Dass man den Fanclub auf Facebook findet und der Admin ihrer Gruppe gerne schwarz-weiß-rote Fotos postet, mindert unser Mitleid noch mehr.

Dass wir nicht weiter in Details gehen hat dann auch was mit “laufendem Verfahren” zu tun. Wir denken ihr könnt das verstehen.

Und damit war der Ärger noch nicht zu Ende, denn es wartete noch eine zweite unabhängige Geschichte auf uns (nachträgliche Klarstellung). Wir fahren auf der linken Spur und wollen einen Camper überholen, hinter dem ein anderes Fahrzeug fährt. Als wir dieses andere Fahrzeug auf Höhe Fahrer/Beifahrer haben, zieht der unvermittelt rüber. Trifft uns, es macht RUUMS, aber zum Glück passiert sonst nix. So bleibt es bei einem ordentlichen Blechschaden an beiden Fahrzeugen und zwei Stunden im Autobahngraben irgendwo in Sachsen-Anhalt. So wollte man natürlich einen der letzten Sommerabende des Jahres verbringen. Nicht. Polizei kommt nach über 60 Minuten (!) dann auch, nimmt den Unfall auf, wir können weiter und kommen dann auch beinah ohne Zwischenfälle in Hamburg an, wenn wir mal von einem Typen in schwarz absehen, der uns fast vor die Karre rennt und einem Auto, was uns vollständig die Vorfahrt nimmt. Was für ein Tag. Die Katastrophenliste der Saison wäre damit immerhin gut gefüllt, ab jetzt bitte dann nichts mehr.

Unser Tag wird kommen, aber heute war er definitiv nicht.

Sep 012019
 

Am 29.8.19 fand die zweite Veranstaltung zum Thema “(M)ein Verein – die Werte des FC St. Pauli” mit dem Schwerpunkt Marketing/Sponsoring statt. Auf dem Podium anwesend sind an diesem Abend Bernd von Geldern (Direktor Vertrieb), Martin Drust (Direktor Marketing), Maik (MillernTon), Sven (Fanladen, in Vertretung für Fanladenjustus) und Georg Margaretha (AFM), der die Moderation übernimmt. 

In seinem Eingangsstatement stellt Bernd von Geldern die Aufgabenbereiche des Vertriebs vor:
Hierzu gehört unter anderem die Akquise und Verwaltung der Sponsoren. Er wies darauf hin, dass Sponsoren nicht, wie oft angenommen, bei uns Schlange stehen, und man oft selbst aktiv sein müsste um passende zu finden. Zudem schildert er kurz, dass das CSR (Corporate Social Responsibility) alle Sponsoren überprüft (Lieferketten, politisches Handeln, getroffene Aussagen, etc.) und bei der Auswahl der Sponsoren immer ein Vetorecht hat. 

Martin Drust legt dar, dass das Marketing vor allem für die Außendarstellung des Vereins (Videowall, LED-Banden, Kampagnen, Digitalprodukte, Onlinekampagnen) verantwortlich sei. Er sieht den FCSP als attraktive Plattform für Sponsoren (hatte von Geldern nicht gerade noch etwas anderes erzählt?) und will den Verein weiterentwickeln. Ihm ist es wichtig von dem „wir sind gegen etwas“ hin zu „für etwas sein“ zu kommen (lieber für Diversität als gegen Faschismus, nun ja …) und er erwähnt zum ersten Mal den DIY-Ansatz, der im Verlauf des Abends noch öfter zur Sprache kommt. 

Maik erläutert, dass seinem Empfinden nach die Sponsoren des FCSP deutlich besser zu ertragen seien als in anderen Stadien und stellt Überlegungen an, was man den tun könnte, wenn man mit Sponsoren nicht zufrieden ist (intern, öffentlich, juristisch). Er spricht auch an, dass man sich dringend darüber Gedanken machen muss, warum Produkte für Frauen bei uns fast immer rosa oder pastellfarben sind, und dass es doch schön wäre, von Eventim wegzukommen. 
Als nächstes folgte die Fragerunde. Die einzelnen Fragen werden hier nicht chronologisch, sondern nach Themen sortiert dargestellt:

Kommunikation und Austausch mit Fans

Die Kommunikation ist an diesem Abend, besonders von Martin Drust, teilweise fragwürdig. Wenn ein älterer Herr seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringt, dass er seine Karte nicht seiner Enkelin vererben kann, ist die passende Antwort sicher nicht: „Und wo ist jetzt die Frage?“ 

Wenn Kritik am Auftritt von The Bosshoss geübt wird, ist „Es ist nicht Freiwild“ nicht passend. Wenn „nicht Freiwild“ unser Kriterium bei Bands ist, na dann Glückwunsch. 

Und wenn permanent auf den Zustand bei anderen Vereinen hingewiesen wird, muss man sich fragen, ob dies wirklich unsere Messlatte ist. 
Immerhin folgt, nach Hinweisen aus dem Publikum, eine Entschuldigung für die Reaktion auf das Statement des älteren Herren, ebenso wird das Freiwild-Statement relativiert.

Auf Anregung aus dem Publikum wird erläutert, dass man sich einmal pro Quartal mit dem ständigen Fanausschuss treffe und dort ein regelmäßiger Austausch stattfinde. Ansonsten sei der Fanladen immer dafür da, Stimmungen und Meinungen zu sammeln und zu kanalisieren. Ebenso könne man natürlich gerne Mails schreiben, die aber offenbar nicht immer ankommen, wie im Verlauf des Abends die Rückfrage zu einer im Juli an den Verein gesendete Mail, die wohl nie von den Zuständigen gelesen worden war, zeigt.

Schön, dass mit Maik ein Fan (Zitat des Abends: “Ich bin nur Fan” <3) und mit Sven ein Vertreter des Fanladens auf dem Podium stehen. 
Noch schöner, wenn dann auch offizielle Vertreter der Fangremien, die seit Jahren intensiv an diesen Themen arbeiten, eingeladen würden. Und lest das bitte nicht als Kritik an Maik und Sven, die sehen phasenweise so aus, als müssten sie gerade in der 19,10. Stunde nachsitzen, weil sie ein Fenster mit einem Ball eingeschossen haben.

Sponsorenkonzept/ Markenkern/ Ziele des Vereins

Die guten Nachrichten? Es gibt nach Auskunft der Verantwortlichen ein Sponsorenkonzept. Die schlechten? Uns blieb ein wenig verborgen, was dieses Konzept nun eigentlich genau sein soll:
Grundsätzlich sei es natürlich nötig, Sponsoren anzuwerben, um professionell Fußball spielen zu können. In diesem Kontext werde der Verein als Wertegemeinschaft gesehen, die gewissen Marken die Möglichkeit gebe, hierüber ihre Werte zu kommunizieren. 

Was nun Sponsorenzusammenarbeit angeht, wird aber in der Bandbreite von “Auf gar keinen Fall stehen Sponsoren hier Schlange” bis “Wir sind sehr attraktiv für gewisse (rebellische) Marken” geantwortet. Ebenso unklar bleibt, ob es nun einen spezifizierten Suchradius gibt oder “genommen wird, was da kommt”. Was vor allem daran liegt, dass die Antworten hier häufig leider etwas schwammig ausfallen. Grundsätzlich positiv ist, dass immer angestrebt wird, mit den Sponsoren auch über das Sponsoring hinaus zusammenzuarbeiten, insbesondere in Form gemeinsamer Projekte. 

Dem Impuls aus dem Publikum, noch stärker zu differenzieren, wer nun wirklich zum FCSP passt, schließen wir uns in diesem Themenkomplex noch mal explizit an.

Wie wir schon auf Twitter neulich gepostet hatten, wurden zum 28. August diesen Jahres bisher 28 neue Kollektionen im Fanshop veröffentlicht. Die Frage, welcher Markenkern sich durch dieses diverse Angebot ziehe, wird bei dieser Veranstaltung letztlich mit “Totenkopf” und “ergibt sich aus dem Erlebnis” beantwortet. Nun ja.

Wir stellen uns die Frage nach der Notwendigkeit von so vielen Kollektionen nach diesem Abend jedenfalls immer noch, würden diese doch (nur) 6-7% des Gesamtumsatzes ausmachen. Zumal das Ziel ist, den Totenkopf als Symbol St. Paulis in die Welt zu transportieren – das kann man unserer bescheidenen Meinung nach immer noch am allerbesten, wenn man selbigen prominent in den Vordergrund stellt und nicht durch Werber*innengags, Landkarten oder Pailetten überlagert. Dass ein gewisses Sortiment notwendig ist, steht außer Frage (auch wenn unsere Schwestern und Brüder in Nordkorea sicherlich mit weniger Produkten in Sportfanshops auskommen), aber die Frage, wo genau die Grenze anzusetzen ist, sollte weiterhin ausverhandelt werden. 

Und auch die Frage, ob jeder Dulli weltweit nun unbedingt ein St.-Pauli-Shirt tragen muss, spaltet uns selbst ein wenig. Es ist toll, wenn wir uns und unsere Werte in die Welt tragen; es gibt viele Menschen, die hinter der Idee St. Pauli stehen und dies auch durch ihre Kleidung ausdrücken. Das erleben wir auch immer wieder und gerade im Austausch mit ausländischen Fans und das ist gut so. Ebenso gut ist, dass wir dadurch Geld machen (ja, wir würden auch lieber ohne Geld Fußball spielen, aber das wird schwer). Aber dass dadurch auch Menschen, die dem FCSP so nah stehen, wie wir dem Zeit-Feuilleton (Kussi an Turbost.pauli), den Totenkopf tragen, sollte ebenso klar sein.

Nachhaltigkeit

Ein Problem bei der hohen Anzahl an neuen Sortimenten ist natürlich auch die Nachhaltigkeit (Stichworte Produktions- und Lieferketten, Impulskäufe – wobei wir da meistens nur den Impuls haben, schnell wegzusehen – und Fast Fashion). Immerhin sollen wohl 50 % des Sortiments umgestellt sein, die Nachfrage zu den Details geht in der Themenvielfalt des Abends leider unter. Ebenso wie die Frage nach dem Konzept der Kooperationen im Bereich Nachhaltigkeit. Hier wäre es aus unserer Sicht schön, wenn der Verein proaktiver zu diesem Themenblock kommunizieren würden.

Umgang mit Fehlverhalten von Sponsoren

Von Maik zu Beginn der Veranstaltung bereits angesprochen, steht auch der Umgang mit Fehlverhalten von Sponsoren im Fokus. Der erste angesprochene Fall ist die MediaMarkt-Kampagne, wir verlinken Euch so sexistische Kackscheiße bewusst nicht. Hier verweist man darauf, dass man sehr deutlich gesagt hätte, dass die Kampagne nicht bei uns im Stadion laufen dürfe (nebenbei waren wir da mit dem SC Freiburg wohl die einzigen) und dass MediaMarkt mittlerweile auch nicht mehr Sponsor bei uns sei. Drust muss dann aber auch zugeben, dass letzteres nicht im Zusammenhang mit dieser Kampagne steht. Eine ähnliche Regelung hätte man auch mit Astra getroffen, dass ihre “kritische” Werbung bei uns nicht im Stadion zu sehen sein dürfe. 
Die Frage, die sich in beiden Fällen stellt ist, ob man generell überhaupt mit solcher Werbung in Verbindung gebracht werden will. Denn selbst wenn sie nicht im Stadion läuft, machen wir immer noch Werbung für diese Marken, die im Falle von MediaMarkt halb Deutschland damit zugekleistert hatte. 

Ihnen sei die Problematik mit Astra bewusst, man habe allerdings noch einen Vertrag bis 2023 und da die Brauerei sehr viel Geld in den Umbau des Stadions gesteckt hat, wurden Astra sehr viele Exklusivrechte zugesichert. Aus diesem Grund sei es nicht möglich, aus diesem Vertrag herauszukommen, unabhängig davon, welche Werbung Astra schaltet. 

Aus dem Publikum wird zudem angemerkt, dass die Werbung von Fritz Kola, die bei Spielen immer über die Banden läuft, nicht mit den Werten des Vereins vereinbar sei. Man könne sich nicht damit profilieren, den Gegner am Millerntor explizit willkommen zu heißen und ihre Hymne zu spielen, um sie dann im gleichen Atemzug über die Bandenwerbung zu beleidigen. Dies erntet viel Beifall. Martin Drust erklärt, dass man man schon mit Fritz Kola darüber gesprochen und sie auch darauf hingewiesen habe, dass dies nicht in Ordnung sei, Fritz Kola aber bisher nicht auf das Feedback angesprungen habe.

Sexismus

Und dann war da noch der große Themenblock ‘Frauen im Verein’ bzw. ‘Sexismus im Marketing’. Oh Boy (!), haben wir da noch viel Arbeit vor uns:
Auf den Hinweis, dass Sichtbarkeit von Frauen sehr wichtig sei und an diesem Abend nur Männer vorne auf der Bühne stünden, wird mit „Frauen haben aber bei der Vorbereitung geholfen“ geantwortet. Achso, also sind Frauen im Verein nur dafür da, um den Herren die Bühne vorzubereiten, auf der sie dann diskutieren und ihre Meinungen prominent kundtun dürfen? Cool.

Es wird dann zwar nachgeschoben, dass man dies für die nächste Veranstaltung ändern würde (was wir doch mal schwer hoffen wollen, bei einer Veranstaltung zum Thema Frauen im Verein) aber ein fader Beigeschmack bleibt. 
Und leider wird dies im Laufe des Abends nicht besser. Das „Bei uns machen doch alle auf dicke Hose“-Shirt, das es nur für Männer gibt (Zufall?), wird damit begründet, dass der Spruch in den 90ern cool (so alt, wie wir sind können wir euch noch ne ganze Reihe Dinge nennen, die in den 90ern cool waren und mittlerweile nicht mehr) war und dass niemandem in den Sinn gekommen wäre, dass dies sexistisch verstanden werden könnte. 

Passend dazu fühlt sich dann auch noch ein Herr (der unserem Verständnis nach bei uns im Vertrieb arbeitet) aus den vorderen Reihen dazu bemüßigt, sich umzudrehen und die Fragestellerin darauf hinzuweisen, dass das ganze eben ironisch verstanden werden müsse. Dudes, die Frauen erklären was sexistisch ist und was nicht. Wir lassen das einfach mal so stehen.

Manchmal macht es schon sehr müde. 

Bloß weil ein Spruch vor 30 Jahren cool war, heißt das nicht dass er dies heute immer noch ist. Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Dinge, die man vor 30 Jahren gesagt hat, sagt man heute nicht mehr. Und das aus gutem Grund. Wir müssen uns ganz dringend fragen, ob Menschen die sich dieser Thematik nicht bewusst sind, die richtigen dafür sind, den Verein nach außen zu vermarkten. 

Auf dem Podium sitzen nebenbei auch deshalb keine Frauen, weil die Direktorenebene des FCSP eine reine Männerrunde ist. Es wäre ja auch mal ein Impuls, Frauen bewusst einzustellen, auch auf solchen Positionen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann einiges mal ins Positive ändert, ist auf jeden Fall höher, als wenn man den Boysclub so belässt.

Suchtmittel

Ein Herr aus dem Fanclub „Weiß-Braune Kaffeetrinker“ merkt an, dass im Stadion sehr viel Werbung für Suchtmittel zu sehen sei:
“Wie passt es zusammen, unsere Jugendspieler zu einer Schulung zum Thema Spielsucht zu schicken aber dann im Stadion Werbung für Wettanbieter zu machen? Gibt es Überlegungen, das Stadion in ein suchtmittelfreies Stadion zu verwandeln?”

Die “entschiedene” Antwort an dem Abend: Jein. Hier wirkte es so, als wäre diese Thematik den Verantwortlichen überhaupt nicht bewusst. Sie reden viel drumherum, bis irgendwann ein Herr aus dem Publikum wütend aufsteht und sie auffordert, zuzugeben, dass bet&win nur wegen des Geldes bei uns Partner sei. Nach etwas Herumgedruckse wird dies dann bestätigt.

Von Geldern erläutert, dass man wirklich keine Antwort auf die Fragen hätte, man dies lange diskutiert hätte und vielleicht hier auch die falsche Entscheidung getroffen hätte. 

Fazit? Nun ja.

Es ist wichtig und richtig, dass es solche Austauschplattformen gibt. Die Teilnehmer*innenzahl von (durch uns geschätzt) 200 Menschen zeigt zudem auch, dass das Thema für viele relevant ist. Vielen Dank an alle, die dies ermöglicht und sich den Fragen und der Kritik gestellt haben.

Leider war das Ergebnis des Abends für uns nicht so richtig erquicklich, da wurde viel rumgedruckst, Ausflüchte gesucht und manchmal rhetorisch auch auf nicht unbedingt hohem Niveau geantwortet. 

Gingen wir nach der ersten Werteveranstaltung (Stichwort “Derbyaufarbeitung”) durchaus positiv gestimmt nach Hause, so bleibt von gestern eher die Erkenntnis, dass da auf vielen Ebenen noch viel Luft nach oben ist. Umso wichtiger, dass wir alle dranbleiben und weiterhin kritisch nachfragen und kommentieren.