Mai 172020
 

Ach Loide, 19,10 Promille haben wir wohl alle auch zwei Tage später noch. Wow, was für ein Abschluss! Also nicht nur, dass unsere Jungs da in den letzten 9 Spielen 27 Punkte holen. Nein, dass sie dann noch am letzten Spieltag in der 93. Minute das entscheidende 6-0 machen, um ein Tor besser zu stehen als die Volksparker, das setzt dem ganzen dann doch die Krone auf. Wir haben gehört, dass Popcorn auf St. Pauli schon knapp werden soll, um sich für die Relegation Volkspark gegen Weser vorzubereiten. Unsere Sympathien sind da wohl klar verteilt, oder? Hauptsache Hamburg!

Wir brechen jetzt mal das Schweigegelübde des Sonderzuges. Normalerweise gilt, dass alles, was im Sonderzug passiert, auch im Sonderzug bleibt, aber das können wir diesmal nicht einhalten. Es geht einfach nicht.

Eine freudige Crew traf sich zu nachtschlafender Zeit in Altona. Es wurden schon mal die Taschenrechner gezückt und alle Möglichkeiten in diesem verrückten Finale (und das ist mal keine Sky-Übertreibung) durchzurechnen. Die kluge Frau P. holte dann auch gleich ihr Statistikwissen raus und rechnete alles genau vor, wenn dieses und jenes … “Sieg und Platz 3 wäre uns sicher. Et hätt noch immer jot jegange” fasste unsere Lieblingskölnerin die Rechnerei zusammen.

Aber auf die Rauten 3 Punkte und 6 Tore aufholen? Puh! Harte Nummer! Aber egal, die letzten 8 Spiele waren so ekstatisch, dass wir alle mit jedem Ergebnis hätten leben können. Jacksons Comeback, sein 40 Meter Hammer letzte Woche, um Regensburg zu besiegen, sein Jubellauf über den ganzen Platz? Unser Herz ging auf. Oder das Osterfest in Karlsruhe. Mit einer brillanten Abwehrraute spielten unsere Jungs den KSC schwindelig. Die wussten nach 34 Minuten schon gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand. Ging uns auf den Rängen ob des Eierlikörs der Veteranen nebenbei nicht anders. Ihr hättet auch mal das Gesicht von Flossi sehen sollen, als Jos sie endlich erhört hatte und ihre Idee der Abwehrraute umsetzte.

Viele hatten auch noch leuchtende Augen von der Nacht zum 15.05. 1910 Bengalos hatten eine leuchtende Kette von der Südkurve bis zum Dock 10 der Blohm + Voss Werft gebildet. Ganz viel Liebe an die Arbeiter*innen der Werft, die sofort Feuer und Flamme für die Idee waren, als Trashi und Co da auftauchten. Wir sahen Drohnenaufnahmen bei Trashi auf dem Handy. Freut euch auf den Film.

Glückwunsch nach Bielefeld. Habt ihr euch verdient, den Aufstieg. Aber dass Stuttgart auch so einbricht? Wer hätte das gedacht? Nun ja, die zweite Liga freut sich.

Motto?

Ja, gab es. Und es hatte wirklich geklappt, dass niemand außerhalb des Sonderzuges es kannte. So war auch noch “neutral einsteigen” angesagt und unsere gaffenden Zivis sahen einen Haufen Fußballfans. Erst im Zug begann die Verwandlung in 1.000 Gestalten aus dem Star-Wars-Universum.Der langhaarige Lüneburger als Wookie war schon gut. Schon geil, wenn man dafür seine Haare nur toupieren muss. Das Leia-Slave-Kostüm, welches der rüpelhafte Schnörresträger trug war, äh, also. Fassen wir es kurz: Es stand ihm. USP echt geschlossen als Jedi-Ritter, alle mit Lichtschwert und Umhang hatte auch was. Und die Vorsänger*innen dann als Yoda? Wir haben Tränen gelacht. Aber der Höhepunkt kam erst.

Trinken, essen, kaufen

Erstmal wurde getrunken und gegessen, der Sonderzug verwandelte sich in den üblichen Marktplatz. Fanzines, Sticker und wow, hätten wir echt nicht gedacht, Turbo, dass ihr still und heimlich doch noch die Derbyshirts hergestellt habt. Gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmel.

Über die Getränkeauswahl wurde dann aber doch Stillschweigen bewahrt. Sekt/ Äppler/ Mate ist nicht jedermenschs Sache.

Das Buffet? Vom Feinsten! Wir schlemmten gerade an den veganen Tabouleh mit Gemüse als unser Millerntonist Bilder von seinem ausgewachsenem Tiger zeigte. “Und ich dachte, dass das ein niedliches Katzenbaby ist, als ich das holte”.

Ausstieg mit Stil

Die Zeit verging wie im Fluge und wir fuhren in Wiesbaden ein. Und nun der Clou unseres Mottos: Der Zug fährt ein, die leicht hektische Wiesbadener Polizei setzt schon mal Helme auf und anstatt einer Horde betrunkener Fußballfans steigt nur Fanladen-Justus als Darth Vader aus. Dahinter ca. 100 Stormtrooper. Sein lautes „ICH BIN EUER VATER“ sorgte dann endlich bei den Polizist*innen für fallende Kinnladen und beim Mob für schreiendes Lachen. Leider hat das mit dem Force Choke bei dem örtlichen Nazi nicht geklappt. Da war die Macht nicht mit dem Fanladen.

Aufstieg mit Stil

Sonst an diesem Tag schon. Einlass? Schnell überwunden. War vielleicht nicht ganz legal. Schwamm drüber. Choreo? Perfekt „Komm zur braun-weißen Seite der Macht, wir haben den Aufstieg“ war vielleicht nicht ganz so kreativ, aber die Blockfahne mit Schnecke als Han und so war schon cool.

Liebe nach Wiesbaden, die eine Choreo mit einem Awareness Thema organisiert hatten. Erwartet man von solchen Szenen echt nicht und man ist dann immer echt positiv überrascht. Diese Gelegenheit wollen wir echt mal nutzen und unseren Antira und Awareness Menschen für ihren Aktionen und ihren Einsatz zu danken. Feministischer Kampftag, all die anderen Sachen. Echt ganz viel Liebe an euch.

Auf dem Platz dann ein Ballet in braun-weiß. 1-0, 2-0, 3-0, wow. Und alle nach Eckbällen. Der Gärtner unseres Vertrauens neben uns schrie schon was von „ich will mehr Ecken!!“. Im Volkspark immer noch 0-0. Unsere Späher vor Ort meldeten Latte, Pfosten, auf der Linie mit der Zunge geklärt und einen komplett überlegenen Stadtrivalen. Puh, wird wohl nix. 4-0. Halbzeit. Zwei Tore noch und ein Sandhausen-Wunder? Unsere Gläubigkeit endet ja normalerweise bei dem Brüllen von „SAAANNNNKKKTTT“, wenn einer „Pauli“ sagt, aber nun wurden bei Wikipedia alle Gottheiten rausgesucht, die man anbeten kann. Nicht, dass wir am Ende den entscheidenden Götzen vergessen.

69. Minute: Es kommt die erlösende Meldung aus dem Volkspark, 1-0 Sandhausen.

Ausgerechnet Dennis Diekmeier kann sich aus einer Flanke nicht mehr herausdrehen und trifft in das Tor der Rauten. Dass ein Torschütze nach seinem Tor in Tränen ausbricht und vom Platz getragen werden muss, sieht man auch eher selten. Wir mussten die im Jolly guckende Hundesitterin wirklich 10 Mal fragen, ob sie uns nicht gerade verarscht.

Der Mob in Wiesbaden nun komplett am eskalieren. Unser Vorsänger*innen gingen vom Zaun, sie waren nicht mehr nötig. Der Mob drehte auch so komplett frei. Vielleicht steuerten sie das auch alles mit der Macht? Wir wissen es nicht.

5-0 in der 86. Minute. Nun war Zittern und Bangen angesagt. Wir machten unsere Abwehrraute auf und eigentlich war das System nun 1-0-10. Robin als Libero und alle anderen vorne. Aber die Zeit lief weg. Wiesbaden mit einem Konter? Robin in bester „Beinbruch oder Ball“-Manier dazwischen, trifft aber wie durch ein Wunder nur den Ball und leitet gleich den nächsten Angriff ein. Drei Minuten Nachspielzeit? Drei Minuten Nachspielzeit!

Volkspark? Ist abgepfiffen, 1-0 für Sandhausen, die Nordkurve ist nur noch Betonstaub. Mensch, irgendwie muss dieser verfickte Ball doch ins Tor. Himmelmann hat ihn, noch 30 Sekunden … langer Hafer, Jackson legt ab. Getümmel, Dimi, Schieß doch! Nein! Er steckt auf Henk durch und Henk holt aus 10 Meter eine Klebe raus, dass der Wiesbadener Torhüter lieber nicht die Finger dazwischen gehabt hätte. 6-0. Wir haben es noch fünfmal auf Video gesehen. Ball schlägt genau bei 92:57 ein. Schiri pfeift nicht mehr an. Noch kurze Unsicherheit, ob es gereicht hat, danach brechen alle Dämme. Jubel. Star Wars auf dem Rasen. Banki babbelt was von „Enkel*innen noch erzählen“, niemand hat was zu meckern, Schmölli sagte immer „ich liebe Kaiserslautern“ und auch sonst war das mit der Zurechnungsfähigkeit nicht weit her. Selbst der Senior wurde grinsend und bei einem Freudentanz im Block gesichtet. Video ist vorhanden.

Vollkommen verstrahlt geht es zum Zug zurück. Wir haben Tresenschicht. Gesamte Mannschaft hat auf ihren Rückflieger geschissen und steht im Partywagen. James L. vorneweg. Oke ist vollkommen hinüber. Unsere Aufsichtsratsvorsitzende und Tresenchefin Sandra war wieder clever und hatte 100 Flaschen Champagner geordert. Die waren nach 20 Minuten ausverkauft. Der Partywagen schwimmt. An dieser Stelle Danke für die Organisation! Und diesmal 1 Liter Faxe Dosen am Start zu haben war auch cool.

Zurück in den Wahnsinn Partywagen. Selbst der stabilste Haarknödel der Fanszene wird nur noch von verschütteten Schnäpsen aufrecht erhalten. Von unserer Playlist wird alles abgefeiert. Zu welchem Bums ihr da eigentlich gepogt habt? Könnta hier nachhören.

In einer etwas ruhigeren Minute kommen wir mit James vor dem Klo ins Gespräch. Netter Kerl. Wir fragen nach seiner Zukunft beim Verein. Er lächelt nur und sagt „wartet mal ab“. Ende unserer Schicht ist 20 Minuten später. Und James schnappt sich Oke und das Mikrofon. Also eigentlich ist oberkörperfrei nun echt nicht okay, aber wenn man sich als Spieler den Zehnjahresvertrag auf die Brust tätowiert hat und den live im Sonderzug auf dem Tresen vom Präsidenten gegenzeichnen lässt, dann machen wir echt mal ne Ausnahme. Einmal! Die Wiederbelebungsmaßnahmen bei einer jetzt nicht nicht namentlich genannten magischerfc Schreiberin waren zum Glück erfolgreich.

Nach diesen Szenen brauchte unser Mannschaftsarzt Schnaps. Er murmelte immer irgendwas von „wenn sich das entzündet hätte und er nicht mehr spielen kann“. Aber die war die Macht war halt mit uns.

Dieser Moment als wir in Altona einfahren und Mats uns mit Pyro an den Gleisen begrüßt. Während des gemeinsamen Marsches zum Stadion flüstert er uns dann zu “Na das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen”, so richtig verstanden, wie er es so schnell aus Genk hierhergeschafft hat, haben wir immer noch nicht. Mannschaft vorneweg, wir hinterher. Es wurde eine wilde Nacht. Über die wir dann doch lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Naja, eine Sache sei gesagt: Den Mythos der Unaussaufbarkeit kann das Jolly jetzt endgültig streichen.

Wer im Sonderzug fehlte? Der Curi, der die Strecke nämlich als BB8 verkleidet radelte. Was er erlebte? Im nächsten Millernton!

Und dann klingelt leider der Wecker. Geisterspiel Nürnberg. Alles wieder Trist und Grau. Schade, es hätte so schön sein können.

Aber dieser Tag wird kommen. *Tiocfaidh ár lá*

(Vielen Dank an Elo, die ganz viele Ideen und Passagen beigesteuert hat.)

Mai 152020
 

Letzter Beitrag in diesem Blog war am 22. April, seit Unterbrechung der Liga ist es hier als deutlich ruhiger als normalerweise. Und ehrlicherweise fehlt uns gerade auch so ein wenig die Motivation, diese Zeilen zu verfassen. Jetzt steht also am kommenden Sonntag das erste Geisterspiel des FCSP an. Und ehrlicherweise haben wir uns noch nie so wenig auf ein Spiel gefreut. (Und die Menschen, die diese Zeilen schreiben, waren schon häufiger in Heidenheim, frühes Aufstehen, lange Fahrten und komische Stadien für keine Punkte, wie wir es doch vermissen.)

Naja, auf jeden Fall freuen wir uns normalerweise nach zwei Monaten ohne Fußball tierisch auf das erste Spiel. Aber „das erste Spiel“ ist eben all das, was normalerweise ein Heimspiel ausmacht und was wir nun nicht erleben werden:
Morgens früh aufstehen und erst mal eine FCSP-Playlist anmachen. Sich viel zu früh auf dem Weg zum Stadion machen, Frühstück unterwegs holen, all die vorfreudigen Gesichter im Viertel sehen. Ja, sogar die komischen Gästefangruppen auf der Budapester (ja gut, ist jetzt erst mal Nürnberg, da könnten wir auch drauf verzichten) vermissen wir. Sticker verticken (wir haben noch nen ganzen Stapel Rautenplattmachersticker hier rumliegen, mit dem wir auch noch mal irgendwas machen müssen), 1910 unserer Menschen begrüßen und umarmen. Auf Menschen vorm Stadion warten, Kartendeals, das erste Bier des Tages. Rein ins Stadion, Gespräche mit Freund*innen über die vergangene Woche, Fachsimpelei und Motzen über Aufstellungen. Platz in der jeweiligen Kurve finden, Mannschaft einlaufen sehen, warmsingen. Hells Bells und Herz von Sankt Pauli. Einlaufkinder, Konfettiregen, Choreo. Maximal 50 Prozent des Spiels von so ‘nem normalen Stehplatz mitbekommen, anfeuern, fluchen. Anfeuern, fluchen. Halbzeit, unendliche Zeiten am Klo anstehen. Antifa Hooligans, zweite Halbzeit. Nervös auf die Uhr schauen, vielleicht mal Ergebnisse in anderen Stadien checken. Von den Vorsänger*innen liebevoll ermahnt werden, dass es „nur noch einmal“ gesungen wird „dafür jetzt aber richtig laut“. Abpfiff. In der Menschentraube vor die Gegengerade schieben. Diskussion über das Spiel, Tabelle checken. 1910 andere Menschen sehen, je nach Laune Weinbarwein oder Fanräumebier, manchmal auch Solischnaps zu sich nehmen. Im Viertel was essen gehen. Dabei erste Notizen in Slack reinhauen, manchmal auch gleich den ganzen Blogbeitrag veröffentlichen. Ins Jolly weiter, und dann ist es irgendwie plötzlich sehr spät oder sehr früh. Am nächsten Tag aufwachen und sich fragen, warum man das eigentlich gemacht hat.

All das wird es am Sonntag nicht geben. Aber all das macht für uns Sankt Pauli aus. Und da kommt einfach gar keine Vorfreude auf. Denn es ist zwar der Fußball, den wir da sehen/hören könnten, aber wofür wir kommen ist das nicht:
„Denn es ist mehr als Fußball, mehr als der Sport und die 90 Minuten, die viel zu schnell vergehen.“

Über die Sinnhaftigkeit von Geisterspielen, Timing, teilweise Gebaren der Verantwortlichen wurde an vielen Stellen schon viel geschrieben. Und viel ergänzen können und wollen wir nicht mehr. Bleibt uns nur zu hoffen, dass das vieldiskutierte medizinische Konzept tatsächlich funktioniert und das schlimmste Szenario (Infektion mit schweren gesundheitlichen Folgen eines Spielers) im Kontext der Geisterspiele ausbleibt.

Es ist aber ehrlicherweise auch unfassbar, dass bei den Summen, mit denen da agiert wird, dieses Szenario jetzt so eintreten muss. Man nennt das „auf Kante genäht“. Was du halt echt nicht machen musst, wenn du ganz viel Goldstoff überall hast. Da legste normalerweise auch mal was zurück. Wir hoffen, dass die aktuelle Notsituation wirklich zu einem Umdenken führen wird, aber gesteht uns zu, dass wir daran erst glauben, wenn es soweit ist. Die öffentliche Darstellung vieler Verantwortlicher lässt uns da doch daran zweifeln. Und ja, liebe DFL. Wir werden euch genau daran messen.

Und jetzt ist Sonntag Spiel, es gibt hier noch nicht mal ‘ne Idee, wie und ob wir dem Spiel bewohnen werden. Das AFM-Radio überträgt. Es empfiehlt sich wohl, nicht erst direkt zu Anpfiff einzuwählen. Und wir können uns dem Aufruf unserer Ultràs (via Südkurvennewsletter) nur anschließen, das Stadion genauso trist und grau erscheinen zu lassen, wie es diesen Geisterspielen angemessen ist.

PS: Und ein liebgemeintes “Fuck You” an all die Scharfmacher*innen in den Sicherheitsbehörden, die von dem Beißreflex gegen organisierte Fußballfans einfach nicht ablassen können, müssen wir noch hinterherschicken. Die organisierten Fans übrigens, die an vielen Orten unfassbar viele gute und solidarische Aktionen gestartet haben. Danke dafür!

Apr 222020
 

Liebe Menschen da draußen, wir hoffen es geht euch gut! Wir wissen, dass es auf dieser Welt gerade ganz viele wichtige Themen gibt und der FCSP gerade eine Nebenrolle spielt.

Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen?) möchten wir euch noch mal die Veranstaltungen der AG Diversität in dieser Woche ans Herz legen. Details findet ihr auf der Vereinshomepage.

Heute geben Sandra und Christiane Einblicke in die Arbeit des Präsidiums und des Aufsichtsrates. Das können wir euch auch abseits vom Thema „Diversität“ als Blick hinter die Kulissen empfehlen. Wir garantieren euch, dass dies sehr informativ und unterhaltsam wird.

Sonntag dann von 10 bis 13 Uhr (endlich mal wieder aufstehen, als ob Heimspiel wäre!), ein Online-Workshop zum Thema „Hackt den FC St. Pauli: Wie können wir Zutrittsbarrieren verringern?“

Zugegeben, das ist ein Workshop mit einer (leider gerade notwendigen) Zutrittsbarriere, weil nicht jede*r mag gerne Online-Workshops, aber wir möchten euch einladen, diese Barriere zu überspringen und euch einzumischen.

Wie? Findet ihr unter dem angegebenen Link auf der offiziellen Homepage.

Und vielleicht sind diese beiden Veranstaltungen auch eine Gelegenheit mal andere Stimmen zu hören und sich in Zeiten von „social distancing“ (was für eine Wortschöpfung. Müsste es nicht eher „physical distancing“ heißen? Den sozial für einander da sein kann und sollte man auch in Zeiten des körperlichen Abstandes!) mit Menschen zu unterhalten und dabei den FCSP für kommende Zeiten besser zu machen.

Wir würden uns freuen Sonntag eure Stimmen zu hören und mit euch für einen besseren FCSP zu diskutieren. Wir vermissen euch Quatschköpfe nämlich auch. <3 Bis dahin: Bleibt gesund!

Apr 102020
 

Vorgeschichte

Liebe Leser*innen, Wie hält man es mit dem Sport in der Krise? Eine historisch spannende Frage.
In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erlebte die Menschheit zwei Weltkriege. An beiden war die USA beteiligt; dort stellte stellte man die Wirtschaftsproduktion auf „systemrelevante“ Dinge um und schickte den Rest in den Krieg. Im Ersten Weltkrieg hatten die USA auch Profisportler in den Kriegsdienst eingezogen und den Profisport als nicht systemrelevant erklärt. Daraufhin wurde die Baseballsaison verkürzt.

Im Zweiten Weltkrieg stellte sich nach Pearl Harbour erneut die Frage nach der Fortführung des Profisports und Kenesaw M. Landis, der Commissioner des Baseballs (damals der führende Sport in den USA; vor seiner Ernennung zum Ligapräsidenten war Landis Richter gewesen und wurde deswegen immer noch „Judge“ genannt), fragte Präsident Franklin D. Roosevelt, ob man denn mit der Planung der neuen Saison weitermachen solle.

FDR antwortete am nächsten Tag und schrieb die – in den USA zumindest – berühmten Sätze, die eine Fortführung anregten:

„I honestly feel that it would be best for the country to keep baseball going.“

Und er ergänzte:

„If 300 teams use 5,000 or 6,000 players, these players are a definite recreational asset to at least 20,000,000 of their fellow citizens – and that in my judgment is totally worthwhile“

Trotzdem sollten Spieler im entsprechenden Alter dienen und viele berühmte Baseballer taten dies auch. Die Angst, dass Männerbaseball beendet werden würde, ist nebenbei Grundlage für die Gründung einer professionelle Frauenbaseball-Liga, die der Film „A League of their own“ ein Denkmal gesetzt hat. Ihr wollt die ganze Story nachlesen und den Brief lesen, der mit der schönen Anrede „My dear Judge“ beginnt? Hier entlang!

FDR führt da eigentlich nur die Linie der römischen Herrscher weiter, die „panem et circenses“ laut der Satire von Juvenal zu einem Herrschaftsinstrument erkoren hatten.

Und bei dem, was wir schon letztes Mal zu Beginn schrieben. Profisport als Herrschaftsinstrument. Während in den USA wahrscheinlich das eben zitierte als Präzedenz genommen wird (ziemlich absurde Pläne des Baseballs lassen Vermutungen in diese Richtung zu; man hat diesen Plan zwischenzeitlich dementiert), wird es in Europa wahrscheinlich andersherum gehen und der Profisport eher das Letzte sein, was wieder in seine Normalität einsteigt. Und damit stellt sich immer mehr die – wie üblich juristisch betrachtete Frage – ob das eigentlich geht und was die Folgen sind.

Grundrechte in Zeiten der Pandemie


Wir müssen dafür ein bisschen ausholen. Und geben wieder den üblichen Hinweis, wenn wir juristisch werden: Jura ist Macht der Herrschenden. Jura hat nichts mit Moral und einer besseren Welt zu tun. Insofern zeigen wir im folgenden juristische (!) Fragestellungen auf, die nichts mit moralischen (!) Fragestellungen gemein haben. Dort wo es extrem unmoralisch (!) wird, weisen wir noch mal gesondert darauf hin. Nun aber zum heutigen Thema.

Nämlich: Wie ist das eigentlich mit den Grundrechten in Zeiten der Pandemie? Es gibt ja Menschen, die reagieren auf die Frage nach Grundrechten in der Krise sinngemäß mit „scheiß auf Grundrechte, bleibt zu Hause, ich zeig euch mal sonst die Leichenhalle in meinem Krankenhaus“ oder ähnlichem. Aber ganz so einfach ist das nicht. Mal ganz davon ab, dass so ein Satz öffentlich gesprochen ja die Nutzung eines Grundrechts ist. Und so ein Grundrecht steht nebenbei auch dem Fußball zu. Und jedem anderen.


Grundrechte sind aber nicht schrankenlos und auch nicht alle gleichwertig. Das Grundgesetz zählt sie einfach auf und sagt mit keinem Wort, dass z. B. Art. 1 dem Art. 15 vorgeht (fiktives Beispiel; bevor jetzt jemand auf die Ewigkeitsgarantie des Art. 79 Abs. 3 anführt, ja, die wird als Verstärkung von Art. 1 interpretiert. Wirklich da stehen tut das nicht.). Daher sind Grundrechtseinschränkungen zulässig, wenn sie denn geeignet sind und verhältmäßig.

Zur Zeit schränken wir deswegen ganz viele Grundrechte massiv ein. Zum Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit. Einem Grundrecht, was in Art. 2 Abs. 2 genannt ist und als „zentrales Grundrecht“ gilt. Etwas freier ausgedrückt steht da im Grundgesetz, dass der Staat verdammt viel darf um Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen und ganz wenig darf um da einzugreifen. Ha! Werdet ihr rufen, also doch zu Hause bleiben und das Verbot auf der Parkbank ein Buch zu lesen einhalten.

Aber ganz so einfach ist das nun auch wieder nicht. Wir geben euch mal ein alltägliches und ebenso makaberes wie leider auch wahres Beispiel. Es sterben pro Jahr verdammt viele Menschen im Straßenverkehr. Und trotzdem erlauben wir den als Gesellschaft. Wir erlauben selbst „Spaßfahrten“. Das ist – wenn man es brutal sehen will – ein Eingriff in Art. 2 (2), denn der Staat erlaubt hier etwas, was potentiell Menschen verletzen und umbringen wird. Und nein, er kommt da nicht aus der Verantwortung, weil sich da ein*e Verkehrsteilnehmer*in fahrlässig verhalten hat, denn dies ist ein systemimmanenter Punkt des Straßenverkehrs. Das ist der Grund, warum man zum Führen eines Fahrzeuges eines Versicherung abschließen MUSS. Oder wollt ihr ein anderes Beispiel? Wir erlauben den Alkoholverkauf. Obwohl wir wissen, dass dies Menschen tötet.


Nun ist Corona definitiv gefährlicher als der Straßenverkehr und kann insbesondere dann noch viel gefährlicher werden, wenn man es unkontrolliert ausbreiten lässt. Und ob ein rigoroses Verbot Drogen verhindert, kann man sehr stark bezweifeln. Das “flattening the curve” habt ihr alle verinnerlicht. Es ist dem Staat also in einer solchen Situation durchaus erlaubt, sehr massiv in Grundrechte einzugreifen. Deswegen lässt das Infektionsschutzgesetz Dinge zu, die nach unserer Grundrechtsordnung in keinem anderen Fall möglich wären.


Dies gilt umso mehr, wenn man eigentlich noch nichts über die Ausbreitung des Virus weiß und noch massiv daran forschen muss.

Wenn ihr das verlinkte Interview lest, dann werdet ihr merken, wie viel Unklarheit bei solchen Viren besteht. Es kann dann nur in Wahrscheinlichkeiten agiert werden und das ist uns allen immer sehr unangenehm. Wir hassen es, wenn etwas unklar ist. Außer es ist der Ausgang eines Sportereignisses, dann lieben wir die Spannung der Unklarheit. Aber wenn es um das Leben und die körperliche Unversehrtheit von uns allen geht, dann ist das ein Spannungsbogen, auf den wir gerne verzichtet hätten. Und für Juristen, die eigentlich gerne “Beweise” hätten, wird es noch unerträglicher.

Gestern fanden wir auch die Pressekonferenz zur Studie der Uni Bonn in Heinsberg sehr spannend in Bezug darauf, was erste Zahlen und Erkenntnisse aussagen.

Und ja, die Virologen streiten sich hier auch noch, und eine Beteiligung von Kai D. an der PR-Arbeit halten auch wir nur für mäßig gut. Es geht uns bei der Verlinkung ja auch eher um die da schon deutlich werdende Unsicherheit.

Arbeit muss sein!

Ist euch was aufgefallen in all diesen Verordnungen? Sie machen großzügige Ausnahmen für „Arbeiten“. Beispielhaft hier mal die Hamburger Verordnung. Wir haben nun mal versucht, die meisten quer zu lesen, in diesen Punkten ähneln die sich schon.

Auch dieser ganze Bereich ist ein Grundrecht. Art. 12. Ein Unternehmen zu haben, dies zu betreiben ist grundgesetzlich geschützt. Und so könnt ihr euch in eine volle Bahn setzen und in euer volles Großraumbüro fahren, wenn es euer*e Arbeitgeber*in denn so will. Es ist begrüßenswert, dass viele Arbeitgeber*innen dies anders sehen und soweit wie möglich Homeoffice organisiert haben, aber nicht einmal dies fordert der Verordnungsgeber. So kommt es zu leeren Verkehrsmitteln, was bei aller Unsicherheit wahrscheinlich einen guten Effekt auf die Infektionszahlen hat. Aber wie schon gesagt: Auch da regelt der Verordnungsgeber nix.


Und so fährt ein Kollektivmitglied, was seinen Arbeitsplatz noch körperlich besuchen muss, auch jeden Tag an einer Baustelle vorbei, auf der Bauarbeiter*innen eng verzahnt körperlich arbeiten und anscheinend gerade mal ein Dixie haben und zumindest keine sichtbare Wasserstelle. Da muss man nicht viel von Viren verstehen, aber das ist eine Risikoerhöhung für all diese Menschen. Niemand hat einen Plan, wie hoch dieses Risiko ist, aber es wird wohl eines sein, da werden sich Expert*innen einig sein. Das ist ein Eingriff in Art. 2 (2) für diese Menschen. Aber auf einer Parkbank sitzen? Das ist verboten!

Bei aller Unsicherheit und bei allen „Lieber erstmal zuviel“ muss in einem Rechtsstaat so etwas hinterfragt werden. Alleine schon, weil das „alleine auf der Parkbank sitzen“ ggf. ebenso für Leben und körperliche Unversehrtheit wichtig sein kann. Denn auch psychische Gesundheit ist körperliche Unversehrheit.

Der Staat hat eine Abwägung zwischen Art. 2 (2) und Art. 12 (Berufsfreiheit) vorgenommen und beschlossen, dass es vertretbar ist, soweit euer Recht auf Schutz der körperlichen Unversehrtheit einzuschränken., damit „die Arbeit“ soweit wie möglich reibungslos funktioniert. Darf er das? Natürlich! Art. 2 (2) hat – wie jedes Grundrecht – seine Grenzen, sagten wir eben bereits. Er kann eingeschränkt werden, dies unterliegt aber einer „strengen Verhältnismäßigkeitsprüfung“. Und Achtung makaber: In einer kapitalistischen Gesellschaft ist der Erhalt von „Arbeit“ von Unternehmungen allgemein wahrscheinlich systemrelevant genug, dass er rechtfertigt, Menschen einer erhöhten Ansteckungsgefahr (wie hoch die auch immer sein mag) auszusetzen. Das ist dann doch wieder wie der Straßenverkehr. Aber das ist eben nicht „scheiß auf Grundrechte“, es ist eine ganz bewusste Abwägung zwischen Grundrechten.


Ob man so breite Ausnahmen für „Arbeiten“ formulieren muss? Das kann man zumindest mal hinterfragen. Es wäre für den Verordnungsgeber ein leichtes, z. B. körperliche Meetings auch auf Arbeit zu verbieten und/oder mehr Auflagen für Kantinenbetrieb zu erlassen. Hamburg z. B. verordnet hier ausschließlich 1,5 Meter Abstand. Wäre das für die Unternehmungen nervig? Ja! Würde es ihr Grundrecht zu doll einschränken? Wahrscheinlich nicht.


Und hier möchten wir einen Ausschnitt aus dem Zeit-Interview highlighten.

Und der Fall bei München, also der deutschlandweit erste, deutet in eine ähnliche Richtung. Die Mitarbeiterin des Autozulieferers aus China hat bei ihrem Besuch nur Kollegen angesteckt, mit denen sie recht eng zusammengearbeitet hat. Es gab keine Übertragung im Restaurant, der Taxifahrer hat sich nicht infiziert und niemand in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und das, obwohl diese Frau hochinfektiös gewesen zu sein scheint.“


Wenn man da so liest, dann scheint das Meeting- Risiko so hoch zu sein, dass der Verordnungsgeber eigentlich aus Art. 2 (2) gezwungen wäre, ein Verbot zu erlassen. Er tut dies nicht. Er verbietet lieber das Sitzen auf einer Parkbank.

Grundrechte zählen!


Wichtig ist auch in der Krise, dass wir alle nicht in eine „Jawohl, mein*e Führer*in“-Haltung fallen. Eine offene Gesellschaft, eine grundrechtsgetriebene Gesellschaft hat ihre Berechtigung und ihre Voraussetzungen und eine davon ist, dass man Handeln des Staates hinterfragt und dies eben an so etwas wie Grundrechten misst. Wer Grundrechte einschränkt, muss sich rechtfertigen, nicht, wer sie in Anspruch nimmt!

Wer dies als nervig empfindet und so Sätze wie eben zitiert sagt, der*die sollte ganz dringend sein ganzes Radar einstellen. Oder nicht meckern, wenn er*sie plötzlich 12 Stunden ohne Ruhezeit arbeitet. Denn scheiß auf Grundrechte, nech? (Nebenbei: Fuck you, SPD)

Und gerade das Parkbank-Beispiel (welches nebenbei, gerade als diese Zeilen geschrieben werden, vom bayerischen Innenminister entschärft wird) zeigt, dass jedes Handeln des Staates eben nicht immer sinnvoll ist. Das gilt insbesondere in Zeiten der Krise, wo auch mal ganz schnell irgendwas zusammengeknüppelt werden muss. Es ist trotzdem ärgerlich, wenn man seine Verordnungen beinah täglich korrigieren muss oder ändert, auch wenn an der Grundidee „Kontakt vermeiden“ sich nichts ändert. Wie wichtig wäre hier eine bessere Vorbereitung gewesen!

Und dann kommen wir über die Schlagzeilen zu Demos und Fußball

Wenn Herr Söder sich dann mit „Menschenleben gehen vor Shoppingtour“ in der Zeit-Schlagzeile (link mag veraltern, abgerufen am 07.04.2020) zitieren lässt, dann will man ihm „ja sie gehen auch deiner fucking Autobahnbaustelle und der Shareholder-Value bei XYZ vor“ zubrüllen. Aber das ist nicht die Juristerei: Die muss fragen: Ist das Verbot einer Shoppingtour angemessen und verhältnismäßig? Und dafür muss folgende Frage beantwortet werden: Ist die Shoppingtour ein zu hohes Risiko? Ist es dies nicht oder ist das Risiko aus anderen Gründen vertretbar, dann darf der Staat nicht tätigt werden. Und er muss sich da immer einem Vergleich stellen. Denn Art. 3 sagt: „Gleiche Sachverhalte müssen gleich behandelt werden.“ Bleiben wir für den Vergleich bei unserem Meeting-Beispiel: Kann wirklich begründet werden, dass die Shoppingtour (ggf mit Auflagen) wirklich so viel gefährlicher ist als das betriebliche Meeting, dass das eine vollkommen erlaubt und das andere vollkommen verboten ist? Insbesondere da die Schließung eines Ladens immer ein schwererer Eingriff ist, als das Verbot einer beruflichen Handlung.

Art. 8 ist wichtig!


Komisch, all diese „Scheiß auf Grundrechte, es sterben Menschen“-Schreiber*innen, findet ihr nicht unter dem Hinweis, dass Baumärkte wieder geöffnet sind und Meetings immer noch erlaubt sind. Sie kritisieren, wenn Menschen ihr Recht aus Artikel 8 wahrnehmen wollen. Das Demonstrationsrecht. Ein eigentlich ziemlich zentrales Grundrecht, wie in der neusten Zeit z. B. die Ereignisse 1989/1990 zeigen. Und nun kommt ihr? Art. 12 vs. Art. 8. Was ist euch wichtiger?

Denn alle Aktionen, die auf Art. 8 basieren, sind z. B. in Hamburg durchweg verboten worden, selbst wenn die Anmelder*innen Regeln zum richtigen Umgang mit der Pandemie selber aufgerufen hatten. Anders nebenbei in NRW, wo eine Anti-Atomkraft-Demo unter Auflagen genehmigt wurde.


Hier kann man berechtigte Zweifel bekommen und selbst wenn man vielleicht zu einer Rechtmäßigkeit einer solchen Untersagung käme, weil Versammlungen auch eine gewisse Dynamik haben, wo Abstände schwer einzuhalten sind oder weil man auch die An- und Abfahrtswege bedenken muss, so ist es doch nicht so eindeutig, dass man nun im Internet herumposaunen muss. Ganz im Gegenteil, man kann sich fragen, ob solche Bedenken durch Auflagen (z. B. kleine begrenzte Teilnehmer*innenzahl) gut einhaltbar wären.

Garantiert nicht vertretbar ist es, unliebe Polizei Hamburg, Menschen vom Fahrrad zu schubsen. Zur Durchsetzung einer eventuellen Ordnungswidrigkeit die körperliche Unversehrheit eines radelnden Menschen konkret zu gefährden, ist nämlich genauso ein ziemlich direkter und konkreter Eingriff in Art. 2 (2) und der ist eben nicht einfach so möglich. Siehe oben. Wer hier ein „aber die haben doch was Verbotenes gemacht“ einwirft, der*die sollte sofort seinen*ihren Mund mit Seife auswaschen. 1910-mal.

Menschenrecht

Und noch etwas dürft ihr nicht vergessen. Es gibt im Grundgesetz Menschenrechte und sogenannte Deutschengrundrechte. Der Unterschied ist, dass einige Grundrechte mit „Alle Deutschen dürfen …“ Die Rechtswissenschaft hat früher eine klare Unterteilung in „das gilt nur für Deutsche im Sinne eines deutschen Passes“ gemacht, weicht diese heutzutage aber immer mehr auf. Was ihr aber seht ist, dass Art. 2 (2) ein Menschenrecht ist. Es gilt für alle Menschen. Also auch für Geflüchtete an europäischen Außengrenzen. Wir haben die Fluchtproblematik nämlich mit Schengen ganz bequem aus unserem direkten Sichtfeld nach Griechenland und Co. verlagert, aber dieses „aus den Augen, aus dem Sinn“ ist nicht nur unmenschlich, sondern hinsichtlich Art. 2 (2) äußerst problematisch.

„Scheiß auf Grundrechte“ wird also auch ganz schnell eine äußerst priviligierte Position, die ganz gezielt anderen Menschen ihre Grundrechte verweigert. Oder anders ausgedrückt: „Demonstriert nicht, sonst sterben Menschen an der Pandemie“ kann man auch ausdrücken mit „weil ihr Demos verteufelt, sterben Menschen an der Pandemie“.

Es lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Europe, get your fuckin shit together and help refugees!


Und daher wollen wir uns unserer Hauskapelle anschließen:

Lange Rede, kurzer Sinn


Wascht eure Hände! Und lest uns alleine oder zu zweit, nicht in Gruppen. Das will nicht nur der Verordnungsgeber so, sondern das ergibt definitiv Sinn. Und solltet ihr Menschen Arbeit geben: Nicht beim ersten Problem Homeoffice widerrufen und alle wieder in das Büro stecken.

Huch, wir sind ja ein Fußballblog!

Kommen wir zum Fußball. Auch dieser hat erstmal das Recht auf Art. 12. Er hat ein Recht auf sein Geschäftsmodell, wie jedes andere Unternehmen auch. Auch jede*r Berufssportler*in hat ein Recht, seinen*ihren Beruf auszuüben und wenn ich dies verbiete, dann muss ich das eben an dem oben Gesagten messen.


Berufssportler*innen verlieren ihre Fähigkeiten, wenn sie sie nicht ausüben können. Das heißt in Teamsportarten muss auch mal das Teamspezifische trainiert werden. D. h. wenn ein Team in Gruppen trainieren will, dann ist das nicht „wahnsinnig“ oder „unnötig“, sondern hier nehmen Sportler*innen und ihre Arbeitgeber*innen einfach erstmal ihr Recht aus Art. 12 wahr. Und wenn auf der Baustelle in Gruppen geschuftet werden darf, dann dürfen die das auch.


Natürlich ergibt es Sinn, Training mit 35 Menschen auf engstem Raum zu unterlassen. Das Risiko wird ungleich höher. Es ist eine einfache Rechenaufgabe. Wenn fiktiv eine Chance von 35 Prozent besteht, dass man sich bei einem engen sozialen Kontakt ansteckt, dann sind das in einer Gruppe von 5 Menschen 2 Menschen (aufgerundet), in einer Gruppe von 35 Menschen aber schon 12 Personen. Und es macht bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit halt einen riesigen Unterschied, ob ich 12 Personen anstecke oder nur 2. Die dann ja wieder 35 Prozent aller ihrer engen Kontakte anstecken.


(Achtung, diese Zahlen sind fiktiv und haben nix mit der echten Ansteckungsgefahr zu tun. Sie sind nur zur Verdeutlichung.)


Es müssten daher schon überragende Gründe aus Art. 12 gegeben sein, dass man dieses Risiko eingeht mit einem gesamten Kader plus Trainer*innen zu trainieren.


Und daran muss sich der Fußball eben auch messen lassen und daher ist ein Training in Kleingruppen garantiert zu erlauben und vertretbar, bei einem Kadertraining wird es schon schwieriger.

Aber was ist mit dem Spielbetrieb? Es wird schmutzig

Vorsicht! Ab jetzt wird es schmutzig. Ein paar Gedanken zum Wettbewerbsbetrieb:

Das Geschäftsmodell des Fußball und aller Profisportler*innen basiert aber nicht nur auf Training, sondern auch auf „Wettkampf“. Wenn dieser lange nicht ausgetragen wird, dann wird das ein immer massiverer Eingriff in Art. 12. Eine kurzfristige Beschränkung wird mich Geld kosten und alles ein bisschen komplizierter machen, aber das wird schon irgendwie gehen, eine mittelfristige wird meine grundgesetzlich geschütztes Modell sehr stark belasten und eine langfristige wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vernichten.


Und so bewegen sich halt das Grundrecht aus Art. 2 (2) und der Wunsch, so wenig Menschen wie möglich anzustecken, auf das Grundrecht aus Art. 12 zu. Wo ist also der „Tipping Point“, an dem Art. 12 doch wichtiger wird als Art. 2 (2)? 10 Prozent Ansteckungsrisiko? 1 Prozent Ansteckungsrisiko? 0 Prozent Ansteckungsrisiko? Das ist eine Frage, die lässt sich juristisch wahrscheinlich nicht wirklich klären und wenn doch, dann wird niemandem die Antwort gefallen. Siehe Straßenverkehr. Jurist*innen sind ganz schlechte Moralist*innen und wir wollen hier auch keine Antwort geben.


Fragt doch einfach Twitter. Die Antwort „es sterben Menschen, da kann man doch aber kein Fußball spielen“ ist jedoch falsch. Es sterben ständig Menschen und für ganz viele dieser Morde haben wir Waffen geliefert. Hat euch das gestört und ihr „den Fußball” für seine Spiele kritisiert? Eher nein. Und wenn die bösen Ultras gegen Katar-Geschäfte protestieren, haben sie euch da auch nur wieder genervt und waren doof. Tja.

Apropos Katar. Da werden die Gastarbeiter*innen schön in “industrial areas” eingesperrt und dürfen weiter an den WM-Stadien bauen. Tja.


Bedenkt aber bitte bei eurer Abwägung einen anderen Faktor. Sagen wir mal, man kann das Risiko durch eine relativ simple und schnelle Testlösung minimieren. Dann würden wir alle wahrscheinlich sagen: „Jo, dann gibt es nur noch ein Restrisiko, das könnte man eingehen.“ Der Profisport besteht dann jedoch in einem Vakuum. Habe ich genug dieser Tests? Dann sollte der Fußball natürlich welche bekommen und bitte wieder starten, dies würde auch Art. 12 gebieten. Habe ich genug für systemrelvante Berufe (wie ich das auch immer definiere) und für den Rest nur 10 Prozent, 20 Prozent, 40 Prozent der benötigten Tests? Dann sind wir bei FDR und seinem Brief. Hier wird das Grundgesetz eventuell keine Hilfe mehr sein. Habe ich zu wenig für systemrelevante Berufe? Fick dich, Fußball! Und zwar alleine schon aus grundgesetzlichen Gründen.

Und auch andere Fragen stellen sich, die juristisch nicht befriedigend zu beantworten sind und wo man bei FDRs “Worth it” ist. Warum sollen Profisportler*innen wieder ihr Geschäftsmodell ausüben, bevor Kitas wieder offen haben? Oder gehen z. B. die Menschen Profisportler*innen vor, die kein Homeoffice machen können und wieder auf den Start ihres Geschäftsmodells warten? Kitas wird man vermutlich noch als systemrelevant beurteilen können.

Hochfahren und die Moral

Das gilt alles auch so für das „schrittweise Hochfahren“, was gerade diskutiert wird. Jeder Grundrechtseingriff muss notwendig sein. Auch ein Eingriff in Art. 12 darf eben nur so lange anhalten, wie er notwendig und verhältnismäßig ist. Und da spielen Zeitfaktoren auch eine Rolle.


Ich werde da auch politische Entscheidungen treffen müssen, die verfassungsrechtlich schwierig sind. Das fängt schon damit an, dass der Bundestag (ein politisches Organ) die sogenannte „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ feststellt. Eine Definition dafür beinhaltet das Gesetz nicht. Auf dieser Feststellung fußen aber viele Ermächtigungen. Was aber euch klar sein sollte: „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“ ist etwas anderes als „Menschen erkranken an einem Virus und sterben“. Puh. Sorry, das zu schreiben ist schmutzig. Aber die traurige Wahrheit.

Und dann wären wir bei den Einzelmaßnahmen. Nehmen wir mal an, es wäre sinnvoll, langsam wieder hochzufahren (wann wir auch immer an diesem Punkt sind) und ein „von 0 auf 100“ wäre sinnlos, dann wird es erst richtig spannend. Nennen wir ein paar Fragestellungen:
Friseursalon oder Buchladen? Wenn beides z. B. nicht geht, weil es zu viel Mensch in Einkaufszentren treibt, um immer noch nötige Sicherheitsabstände zu gewährleisten, beides alleine aber das gleiche Risiko beinhaltet? Spricht es dann für den Friseursalon, dass der Buchladen sich online zumindest retten kann? Eine nun nicht repräsentative Twitterumfrage ergab eine 2/3-Mehrheit für den Friseursalon.

Ihr seht, hier müssen Bauchentscheidungen gefällt werden. Restaurant oder Kneipe (letztere vielleicht nur mit Sitzplätzen)? Musikclub oder Elphi? Viel Spaß bei all diesen Entscheidungen.

Und bedenkt bitte, wir vereinfachen hier alles. Niemand weiß so richtig, was den Virus antreibt und was nicht und wie genau und so weiter. Daher war es insbesondere kurzfristig immer richtig, wenn man alles zu macht. Es gibt gut begründete Vermutungen, auf deren Grundlage kann man handeln. Dies gilt auch bei einer schrittweisen Öffnung. Oder begründet ja die schrittweise Öffnung selbst. Denn was wohl feststeht, ist, dass Menschenmassen auf engstem Raum keine gute Idee in der Pandemie sind.

Wann „Aux Armes“?


Und damit sind wir beim letzten Schritt: „Fußball in vollen Stadien“ Solange das ein unkontrolliertes Risiko ist, solange werden wir darauf verzichten müssen. Ist damit „der Fußball damit immer das Letzte“ (auch gerne von Politiker*innen gesagt, um eine Schlagzeile zu erhaschen) gemeint?

Ein paar Überlegungen dazu:


Wenn es ein kontrollierbares Risiko wird, dann muss man in einer Abwägung von Art. 12 und Art. 2 (2) halt sehen, ob das vertretbar ist. Risikolos ist das Leben halt nie.


Achtung, es wird jetzt wieder sehr unmoralisch! Und da kann man halt auch mal das Geschäftsmodell betrachten. Handball, Frauenfußball, Herrenfußball unterhalb von Liga 2 z. B. hat keines ohne Zuschauer*innen im Stadion. Liga 1 und 2 könnten zumindest in einer Art Notbetrieb mit Geisterspielen überleben. Auch das müsste in einer Abwägung der Grundrechtseingriffe überlegt werden. Kneipen und Clubs haben ebenso kein Geisternotüberlebensmodell. Wenn man also bei dem Punkt ist, dass gewisse Menschenansammlungen schon wieder ein vertretbares Risiko seien, alle gemeinsam aber ein zu großes, dann müsste der Profifußball ggf. zurückstecken, um andere Geschäftsmodelle zu retten. Da sind wir dann ganz schnell bei „der Profifußball als Letztes“. Und das gut begründet und nicht als populistische Schlagzeile.


Ob und wie sich solche Beurteilungen ändern, wenn man Stadien zu 10 Prozent, zu 20 Prozent oder zu 50 Prozent füllt, wissen wir nicht und wollen wir nicht spekulieren. Ihr erinnert noch dieses Verbot von Veranstaltungen über 1000 Leuten? Kann das ein sinnvoller Zwischenschritt sein? Wir wissen es nicht. Oder es wird eklig aus diversen Gründen: namentliche Registrierung der anwesenden Menschen ist so ein Stichwort.


Wenn man wieder makaber denken will, dann könnte man auch sagen: „Hey, wenn uns ein Spiel mit 5000 Menschen in der Regionalliga eine Pandemieaufflammung gibt, dann können wir das besser abfangen, als ein Bundesligaspiel mit 80.000 Zuschauern und die Bundesliga überlebt auch besser mit Geisterspielen.“



Klingt das teilweise wie die FDP? Aber hallo! Wir machen hier ja eine juristische Betrachtung. Und ratet mal was, wir haben: Ein kapitalistisches Grundgesetz. Fühlt sich das trotzdem schmutzig an? Aber hallo! Wir gehen uns mal die Hände waschen.


Im zweiten Teil dieses Blogs nach Ostern wird es dann um „Insolvenzen im Fußball“ gehen. Und das wird dann weniger schmutzig.

Tiocfaidh ár lá


Apr 052020
 

Liebe Leser*innen.

Gerade/später/am 05.04.2020 läuft/wird laufen/lief parallel im Fernsehen ein Spiel von 2006. Ein denkwürdiges Spiel. Ein Spiel in einem Winter mit Schnee und Eis (Ja, das gab es früher) und einem Millerntor ohne Rasenheizung. 


Uns gab es noch nicht, dieses Blog begann erst 2008. Aber unser Senior schrieb damals schon ins Internet. Titel damals “Norbert regt sich auf”. Noch anders im Stil und in der Sprache und wie immer gilt, dass wir und insbesondere der Senior garantiert nicht alles mehr genauso sehen wie vor 14 Jahren. Aber wir wollen euch passend zu dem gerade im Fernsehen laufendem Spiel den Artikel von damals gönnen. Ergänzt um ein paar Anmerkungen in eckigen Klammern. Er ist sonst Original übernommen, also weder gegendert noch ist die  Rechtschreibung korrigiert worden. Aber das ist wie die Videoqualität. Früher war eben nicht alles besser. 

Immerhin nennt Ralph G. dieses Spiel eines seiner Top 5 Spiele. Mich (=Senior) hat damals eher das vorherige Spiel gegen Hertha nachhaltig geprägt. Das von einem 0-2 zurück kommen und das Lechner Tor. Das war doch erst vor einem Jahr, oder? 


Hier also der Bericht von damals: 

Allez allez, voran magischer FC
Halbfinal-Vorwort
Unglaublich.
Viertelfinalbericht
Eine Firma fragte mal bei mir an, ob sie Fotos von mir verwenden könne für so stellbare Bilder von Spielern. Das Ganze sollten Proben sein, die dann u.a. an den FC geschickt werden. Ich sagte zu und bekam auch ein Exemplar dieser Proben. Eine davon zeigt u.a. Dinzey vor einem Vereinswappen. Nun ist es ja so, dass mein Haushalt von zwei Dinzey-Skeptikern bewohnt wird. Trotzdem haben wir auch seine Figur auf dem Fernseher stehen. Nun fragte letztens meine bessere Hälfte, warum denn da Dinzey stehen würde. Und ich sagte nur, dass die Figur da so lange steht, so lange er trifft. Nun steht sie da wieder zwei Wochen. [Das mit Dinzey? Da hatten wir eine gute Nase damals.]


Ach Mensch, wo soll ich anfangen? So viele Eindrücke, so viele Geschichten. Ich habe noch nie von einem Spiel über 150 Fotos online gestellt. [Die hier im Bericht befindlichen Bilder sind von Afroh, mit freundlicher Genehmigung. Ich selber habe mein Archiv leider mal verloren] Ich habe noch nie 978 Fotos gemacht, und mein Rechner geht immer noch in die Knie, wenn ich nur versuche, den Ordner mit all diesen Fotos zu öffnen. Und heute abend, wenn ich Zeit finde, werde ich die Fotos noch mal durchgehen und gucken, dass ich noch ein paar Nachschlagbilder finde. Denn heute nacht war das doch mit sehr viel Geschwindigkeit verbunden.
So, und nun versuch ich mich langsam mal zu sortieren. Also: Ich bin ein abergläubischer Mensch. Und wenn im Achtelfinale eine Choreo zum Erfolg führt, dann muss man auch im Viertelfinale eine machen. Leider haben die Passanten ja beschlossen, 2006 (und damit ihr 10jähriges) nicht mehr erleben zu wollen, so dass irgendjemand anders das machen musste. Eine lose Gruppe von einem Zweiundvierziger, einem Touristen und ganz vielen finanziellen, moralischen und handwerklichen Unterstützern fand sich dann bereit, die Haupttribüne auszulegen. Und so begann für mich der Tag bereits um 10 Uhr mit dem Ausdruck der kleinen Choreoanweisungszettel. Danach bin ich – Achtung, ich bin abergläubisch – über Stapelfeld und den Horner Kreisel gefahren, nur damit ich mir am Horner Kreisel bei der Essotankstelle wieder einen Napoleonsekt kaufen konnte, wie ich es gegen Hertha getan habe. Von dort ging es dann Richtung Viertel.

Robert der Magier lässt Bälle schweben.

Etwas Sorgen um die Austragung des Spieles machte man sich dann doch, hatte es doch geschneit über Nacht, und so richtig gut sah es nicht aus. Aber erstmal musste die gesamte Vorbereitung normal weiterlaufen. So ging ich zum Copyshop und kopierte die Anweisungszettel. Natürlich viel zu viele, aber so richtig abschätzen, wie viele Sitze die Haupttribüne eigentlich hat, konnte ich nicht.

Nun war das Papier schon eingetroffen und mit ihm unsere Westfraktion. Leider ohne Olespapa, welcher durch eine Verletzung so gehandicapt war, dass er das Spiel nicht vor Ort verfolgen konnte. Dabei hatte er alles vorbildlich besorgt und organisiert. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass er das am Fernsehen verfolgen konnte. Aber das Gute ist ja, dass die Mannschaft ihm noch ein Pokalspiel geschenkt hat. Werde schnell gesund! [In der damaligen Meckerecke hing beim Spiel eine “Dein Herz is doch eh hier” Tapete, ein Foto davon benutzt die -längst schon wieder fitte- Person bis heute als Facebookheaderbild]

So konnten wir mit unserer Arbeit beginnen. Weissen Hintergrund und darauf eine braune 1910. Die Arbeit ging eigentlich gut voran und wäre wahrscheinlich noch schneller vonstatten gegangen, wenn die Arbeiten nicht immer wieder durch das Zuschauen bei den unzähligen Platzbegehungen gestört worden wären. Allofs und Schaaf waren schon in diesem Moment nicht wirklich glücklich mit dem Platz, Allofs schüttelte eigentlich nur den Kopf. Was es jedoch soll, Druck auf den Schiedsrichter mit dem Tenor „Ich habe hier Millionenwerte, schütz die mal, wenn etwas passiert, dann mach ich dich verantwortlich“ auszuüben, dass bleibt Allofs‘ Geheimnis. Die Gefahr, dass er dabei eine Trotzreaktion erreicht, ist doch relativ hoch.

Nunja, der Platz wurde nicht für so schlecht befunden, dass alle Bemühungen eingestellt wurden. So stellten auch wir unsere Bemühungen nicht ein und arbeiteten weiter an unserer Choreo. Auf dem Platz wurde irgendein Wundermittel verteilt, was aussah wie Salz, sich jedoch als Dünger herausstellte, der trotzdem den Platz antauen ließ. Daneben versuchte ungefähr die gesamte Geschäftsstelle, den Platz herzurichten. Der ärmste Thorsten Vierkant [damaliger Stadionchef] wurde noch einmal ein bisschen geärgert, als einer von uns erstmal ein fröhliches „Thorsten, hast du noch eine Karte für heute abend für mich?“ über den Platz brüllte. Zur Herrichtung wurden Schaufeln benutzt und der Klang, wenn diese auf den Rasen trafen, war nicht wirklich so, dass man von einem Spiel ausgehen konnte. Das klang, als ob man auf einen Stein klopfen würde.
Kurze Zeit später kam nun die Walze, um den Platz zu walzen und glatt zu machen. Und wie der Junge auf dem Gerät durchgeschüttelt wurde, das zeigte, wie hart gefroren der Boden gewesen sein muss.

Gut bespielbar der Platz

Kurze Zeit später hatten wir unsere Choreo aufgelegt und machten uns vom Acker. Da sah der Boden doch schon deutlich besser aus. Selbst einige feuchte Stellen (sprich nicht mehr gefroren) hatten sich gebildet. Auf dem Rasen, wie er um 16 Uhr vorzufinden war, hätte man sehr gut ein Fussballspiel ausführen können. [was der Bericht hier verschweigt: es begann dann wieder zu schneien] Wir machten uns fröhlich auf zum Fanladen, welcher sich schon richtig gut gefüllt hatte. Es gab ein Wiedersehen mit vielen Leuten, die man lange nicht gesehen hat. So war u.a. ein (ehemaliger?) Übersteigerredakteur aus Dortmund gekommen, welcher sonst nicht kommt „habe keine Lust für ein Spiel gegen Emden so weit zu fahren“, welcher mir aber in Erinnerung ist, dass er mal zu einem Pokalspiel in Darmstadt (das waren die Zeiten, als wir noch nicht Pokal waren) mit dem Flugzeug geflogen ist, weil er den Zug verpasst hatte. Wir verloren damals als Bundesligst ziemlich kläglich. Im Fanladen wurde die Nachricht, dass gespielt wird, nebenbei mit Jubel aufgenommen. [damals auch so ein bisschen aus Gründen kurz gemacht, nun aber ganz zu erzählen. Es klingelt das Telefon. Im überfüllten alten Fanladen in der Thadenstrasse wird es mucksmäuschenstill. Heiko-Fanladen geht ran. Meldet sich mit seinem langgezogenen Nachnamen und hört dann gefühlt 10 Minuten zu was gesagt wird. Sagt dann “es kann also gespielt werden” in den Hörer. Der Rest ist ein Jubel, der intensiver war als die Torjubel an diesem Tag.]

Und wir malten uns ja schon folgendes Szenario aus: Erste Runde Verlängerung, zweite Runde klar gewonnen, dritte Runde Verlängerung, heisst doch eigentlich, dass die vierte Runde wieder klar gewonnen werden musste.

Weiterhin wurde fröhlich Alsterwasser getrunken und auf sechs Uhr gewartet, denn vorher durften wir ja – dem Aberglaube folgend – nicht in die Kleine Pause gehen. Nur leider war Paulchen anderer Meinung und trieb zum Aufbruch. So waren wir zu früh da, die ärmste Trulline war zu Recht böse, da sie erst um sechs kam. Aber irgendwie gehört das dazu, dass die beiden erst nachträglich kommen. Ebenso zu Recht war Pauline auf mich böse, da ich ihr Essen zu bestellen vergass. Und dann schulde ich ihr noch Geld.

Insgesamt lassen sich die Szenen in der kleinen Pause nicht in Worte fassen. Der Laden war gerammelt voll und die Speisen wanderten mit einer Geschwindigkeit über den Tresen, die unglaublich war. Was mag der Laden an einem solchen Tag umsetzen?

Ein Aberglaubenhähnchen später machte ich mich in Richtung Stadion auf.[Viele Grüße an alle die damals gut 1 1/2 Jahre vor beinah jedem Spiel in der Kleinen Pause Hähnchen Essen waren. Zwischendurch aus Aberglaube wirklich alle immer mit der gleichen Bestellung.]

Olespapas Krankheit hatte dann doch was Gutes, denn so konnte noch jemand mit seiner Karte glücklich gemacht werden. Eine weitere Karte ging an einen ausgewanderten Hamburger, welcher das Glück hatte, dienstlich an diesem Tag in Hamburg zu sein und nicht wie sonst in Hongkong.
Ab zur AFM, Tommy ein fröhliches „Scheiss AFM“ an den Kopf geworfen und sich dann ins Stadion begeben. Leider hatte der Wind unsere Choreo doch erheblich gerupft, so dass nicht wirklich alles gut zu sehen war. Nun gut, als sie dann später ausgeführt wurde, konnte man das meiste dann doch sehen.

Das Stadion war gerammelt voll. Und leider mit vielen unangenehmen Gesellen. Denn wie viele sofort meckerten, wenn man mal durch wollte, das ging auf keine Kuhhaut. Genausowenig kann es sein, dass Aufgänge bewusst blockiert werden und den Leuten gesagt wird „Hier kommst du nicht durch“. Das System Millerntor ohne gekennzeichnete Aufgänge funktioniert nur dann, wenn alle Leute tolerant sind und versuchen, die Leute durchzulassen. Wenn dies nicht funktioniert, dann brauchen wir Aufgänge, die freigehalten werden, und das kostet uns wieder mindestens 1000 Zuschauer. Also, Leute: Überlegt mal, was ihr da aus kurzfristiger Bequemlichkeit riskiert. Und irgendwelchen Leuten an die Wäsche zu gehen, geht definitiv gar nicht. Aber auch das habe ich gesehen. Oder Leute, die fett ihren Körper genau zum Spielfeld drehen, damit sie möglichst breit wirken und dann auf die Bitte sich kurz mal seitlich hinzustellen behaupten dies ginge nicht. Und beinah zwingend waren das alles Leute, die man nie zuvor gesehen hat und die wahrscheinlich nie in der Regionalliga die Gegengerade betreten haben. Und genau dies kotzt mich an. Wenn ihr gegen Emden zu Hause bleibt, dann kommt doch nicht gegen Bremen hinterm Ofen her, ihr Modefans.

Bei uns lief das alles natürlich viel entspannter. Zwar regte sich eine Dame auch ein bisschen auf, aber alle wurden gut sortiert und an den richtigen Platz gebracht. So wie sich das gehört. Selbst Bullenfrank und seinen Freund konnten wir noch perfekt unter bringen.

Die sich warmmachenden Bremer wurden mit „Wir haben eiskalte Duschen“ empfangen und hinreichend auf die Unbequemlichkeit des Millerntores hingewiesen. Alle Spieler (auch unsere) nutzten das Aufwärmen zum Schuhtest. Nebenbei sorgte eine im Mittelkreis angebrachte Werbeplane für Erheiterung. Als diese nämlich wegen Schneebedeckung abgebaut wurde, liessen die Ordner den Schnee einfach als Haufen auf dem Platz zurück. Erst sehr spät und als wir uns schon fragten, ob der noch entfernt wird, kamen Ordner und schaufelten den Hügel im Mittelkreis weg.

Seien wir ehrlich (hab ich das heute schon gehabt?): Nun war der Platz nicht mehr gut bespielbar. Kurz nach der endgültigen Begehung hatte es erheblich angefangen zu schneien, und dies hatte den Platz garantiert nicht besser gemacht. Nur muss man im Nachhinein auch mal feststellen, dass 21 Akteure eigentlich einen ganz akzeptablen Stand auf dem Boden gefunden hatten. Zufallsball war das nun wirklich nicht, wie auch der zwischenzeitliche Ausgleich zeigte, der ja nun wirklich herauskombiniert war. Nur ein Spieler machte von Beginn an immer wieder einen Satz. Und das war Klose. Irgendjemand meinte bereits nach fünf Minuten, dass der ja nur auf der Nase liegen würde.

Aber gehen wir noch mal kurz zeitlich zurück. Ich fand es sehr angenehm, dass keine Musik lief. So fingen die Leute irgendwann an, ganz von alleine zu brüllen und zu singen. Und der erste Wechselgesang knapp eine Stunde vor Spielbeginn, das hat was. Ich werde nie ein Freund von musikalischer Beschallung in Fussballstadien. Für mich kann das immer so sein. Ruhe, dann zwei knackige Songs, dann die notwendigen Werbedurchsagen, und dann geht es los. So kann man das auch machen, wenn kein Strom da ist.
Dass die Bremer ihr Fanlied nicht mögen, kann ich nach Anhörung nun verstehen. Eine Detailnachricht erfreute nun jeden Fan. Der Bremer Vorsänger, welcher aufgrund von „auf der Plexiglasscheibe sitzen und einen Aufkleber anbringen“ von bundesweitem Stadionverbot bedroht war, durfte wieder zu diesem Spiel. Ist er doch ausschliesslich mit einem Stadionverbot auf Schalke belegt worden. Ist zwar immer noch lächerlich, aber immerhin kein bundesweites Stadionverbot.

Nun kommen wir zum Einlauf der Mannschaften. Die Choreo auf der Haupttribüne hat dann ja doch noch ganz annehmbar geklappt (auch wenn die 0 nicht wirklich zu erkennen war) und die Gegengeradenchoreo sah ziemlich klasse aus. Leider habe ich nur wenige gute Fotos gemacht, da ich einfach das falsche Objektiv mit hatte und leider auch nicht die perfekte Position hatte. Nächstes Mal wird das wieder besser.

Nun, das Spiel werden alle gesehen haben.[oder nun sehen] Für mich der beste Mann auf dem Platz war Lechner. Natürlich haben sich auch Dinzey und Schultz Bestnoten erspielt, aber Lechner war noch diesen Tick besser, um heute wirklich der absolute Gott zu sein. Wirklich abfallen tat kein Spieler, vielleicht mit der Ausnahme von Scharping, der für einen solchen Boden einfach zu schwer und zu langsam ist. Grossartig natürlich auch unser Torhüter, der uns beim Stande von 1-1 doch mit einigen netten Paraden im Spiel hielt.


Die Verletzung von Klose ist unglücklich, hängt aber nur bedingt mit dem Platz zusammen. Denn sie ist – wenn ich die Zeitlupenbilder richtig deute – nicht durch einen Aufprall auf dem harten Boden entstanden, sondern weil er sich mit dem Arm in Morenas Beine verheddert hat. Das kann immer passieren, und auch bei normalen Boden wären er bei diesem Zweikampf zu Boden gegangen. Allemal gute Besserung nach Bremen, ich finde Klose grundsätzlich sympathisch, insofern sei zu hoffen, dass er sich schnell wieder erholt.

Nach der Verletzung bzw. nachdem sich diese in den Köpfen der Bremer festgebissen hatte, lief bei diesen gar nix mehr. So blieb es bei einem sehr schön herausgespielten Tor. Aber da der magische Dinzey traf, Kommissar Boll den Torhüter verhaftete (so irgendein Reporter) und auch Schultz einmal traf, war Werder draussen.

Die Stimmung war – von einigen Zitterpausen mal abgesehen – grossartig. Das ganze Stadion hat durchgehend gerockt. So soll es sein.
Noch ein Wort zum Schiedsrichter. Der versuchte seinen vermeintlichen Fehler, das Spiel anzupfeifen, dadurch gut zu machen, dass er alles für Werder pfiff. So blieben unzählige Handspiele von Borowski ungesühnt (das ging so weit, dass bei uns in der Ecke mitgezählt wurde), und jeder Zweikampf von Luz wurde zu seinen Ungunsten abgepfiffen (wobei der nun wirklich kein unfairer Spieler ist). Der Höhepunkt war jedoch, dass Valdez erst eine klare Tätlichkeit begehen darf, dafür nur gelb sieht, dann kurze Zeit später die Blutgrätsche auspackt und nicht einmal dafür früher die eiskalten Duschen testen darf.

Dann war aber Feierabend, und die Party konnte losgehen. Viele Worte nutzen da nix. Das sieht man besser auf den Bildern. Gerade Boll als „Aux Armes“-Anstimmer (braucht der überhaupt das Megafon dafür, man hat der eine kräftige Stimme), Schultz als Gespenst (wenn Palicuka ihn da trifft und umgrätscht und der bricht sich was, dann hätt ich Palikuca erwürgt) und Hauke als Tanzmaus waren echte Höhepunkte. Dann machte Ralle noch bei uns das Aux Armes, um danach doch echt zu sagen, wir wären „stets bemüht“ gewesen. Komm du mal wieder runter vom Zaun. :motz: 😉 [schon damals ständig Ärger mit dem Ralph. Bis heute nichts geändert]

Der Typ in der Süd, der mit einem Bengalo auf dem Zaun sass hingegen, der will in den nächsten Jahren kein Spiel von St. Pauli mehr mitbekommen. Wie kann man eigentlich so doof sein? Eigentlich sollte das jeder langsam wissen, was einem dafür blüht.

Die Flasche Sekt wurde aus dem Auto geholt und auf einer kleinen Freundenparty in Richtung Fanladen getrunken. Unserem Pokalmaskottchen (der Frau eines sehr guten Lübecker Anwaltes) wurde noch ausgiebig gehuldigt und ungefähr ALLE schneebedeckten Autos mit 3-1 vollgemalt.

Der Rest ist Jubel

Der Fanladen war gerammelt voll, und der Brigadenbub musste – was ihm wahrscheinlich noch sein ganzes Leben nachhängen wird – mal wieder eine kleine Stichelei auf das Bayernspiel ertragen, war er doch diesmal bei einem historischen Sieg anwesend.

Danach ging es nach Hause, wo ich noch die Fotos bis drei Uhr morgens machte, da ich sowieso nicht schlafen konnte. Um halb acht war ich dann auch schon wieder wach und ging zur Arbeit. Denn frei genommen hatte ich mir nicht, ging ja wegen Aberglaubens nicht.

Wir haben zu Hause mal philosophiert, ob dies nun wirklich der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte ist. Setzen wir es doch mal in Relation. Es gibt in Deutschland zwei Titel zu gewinnen. Die Meisterschaft und den Pokal. Sagen wir, der Pokal ist nur die Hälfte der Meisterschaft wert (ist vielleicht ein Verhältnis, das stimmt). Dann wäre dies jetzt mit einem Platz 8 in der Deutschen Meisterschaft zu vergleichen. Dies haben wir zumindest in der Neuzeit (Bundesliga) meines Wissens nicht erreicht. Der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte wird wohl immer das Erreichen des Halbfinales in der Deutschen Meisterschaft bleiben, aber das ist so lange her, dass wahrscheinlich nur noch wenige Zeitzeugen leben. Nun ja, ich werde meinen Enkeln (die es glücklicherweise für sie nie geben wird) noch von diesen Tagen in den Jahren 2005 und 2006 erzählen.

Ich freu mich schon auf den AFM-Livestream. Der war schon gegen Hertha ein echter Genuss und wird dies auch diesmal wieder sein. Alleine dafür ist es grossartig, dass die Jungs trotz einer Fernsehliveübertragung am Start waren. Ich hoffe, sie sind es auch wieder im Halbfinale. Alleine schon aus Aberglaube heraus 🙂

Was bedeutet dies noch für den Verein? 1,1 Millionen garantierte Einnahmen. Wenn unser Präsidium jetzt nicht noch irgendeinen Wahn bekommt, bedeutet dieses, dass wir unsere gesamten Schulden bezahlen können und wahrscheinlich selbst noch ein bisschen Geld als Liquidität bunkern können. Dies heisst auch, dass die Stundung der Umsatzsteuer, welche ja nur auf hoffentlich höheren Einnahmen basierte, nun Erfolg hat und wir auch aus dieser Problematik raus kommen. Nun sollten alle Altlasten beseitigt sein, und unser Präsidium kann nun zeigen, was es kann.
Nächster Gegner? Bielefeld? Ne, lieber nicht. Die sind kampfstark und haben selber ein Stadion, welches zu schlechten Bodenverhältnissen neigt. Dann lieber Bayern oder Bankfurt. Und selbst, wenn wir da eine 0-20 Klatsche erleben: Es wäre mir egal. Soweit zu kommen ist schon ein Traum. Natürlich wäre es noch viel besser, einmal zum Finale zu fahren. Dann müsste ich mir wahrscheinlich doch noch Enkel anschaffen. 🙂

Noch ein paar Worte zur medialen Nachbetrachtung. Wie grossartig ist es, dass wir mal alleine aufgrund eines echten sportlichen Erfolges in den Nachrichten erwähnt werden, dass wir selbst bei NDR Info morgens in den Nachrichten mit Bericht und in allen Zeitungen gross abgebildet sind. Nur ein Wort zur Fotoauswahl: Wie häufig wollen Hamburger Zeitungen eigentlich noch diese Rotkutte als Foto bringen? Der Typ war bei Auswärtsfahrten eigentlich immer nur nervig, repräsentiert nun wirklich nicht den St. Paulidurchschnitt und wird bei jedem zweiten Spiel als Foto präsentiert. Warum nur? Nur weil er auf dem Zaun hockt und eine hässliche aber auffällige rote Kutte trägt?

Und noch ein paar Worte zum Bremer gejammer über den Rasen. Gut, dass die nicht noch wirklichen Protest eingelegt haben, denn dann wäre es endlich peinlich geworden. Fakt ist, dass solche Rasen bis vor 10 Jahren noch vollkommen normal waren und eben auch zum anarchistischen im Fussball gehören. Immer nur Fussball auf einem Rasenteppich ist langweilig.

Und heute auf der Arbeit von jedem mit „Herzlichen Glückwunsch“ empfangen zu werden hat auch was. [Und die wussten außer einer THW Anhängerin nun null was Fansein bedeutet]

Nun – und diese Euphoriebremse sei mir abschliessend erlaubt – gilt es aber nach der Kür die Pflicht zu erledigen. Denn ohne einen Sieg gegen Emden können wir unser wirkliches Saisonziel Aufstieg schnell aus den Augen verlieren. Daher gilt: Heute noch feiern, und ab morgen haben wir nichts erreicht.


[Es kam bekanntlich anders und wir stiegen erst ein Jahr später auf.]

Mrz 312020
 

Es ist ein Elend. Der Fußball, Spielball der Populist*innen und der Polizei. Schon immer.

Durchdrehende Polizei, die ihre eigenen Regeln macht und alltägliches Handeln kriminalisiert? Für (fast) jeden Fußballfan eine alte Erfahrung.

Für die*den Sächs*in, die*der „ohne triftigen Grund“ ihr*sein Haus verlässt, weil niemand so richtig weiß, was eigentlich ein triftiger Grund ist, eine ganz neue Erfahrung. In einer gewaltengeteilten Demokratie soll in der Theorie eine Exekutive klare Regeln durchsetzen, die ein*e Bürger*in auch verstehen kann. Dabei kann es zwar unbestimmte Rechtsbegriffe geben, aber diese sollen dann definiert werden. All dies geschieht nicht und auch in der Pandemie.

Das ganze wird auch noch verstärkt durch unseren Föderalismus. Während du in Bundesland A noch alleine auf der einsamen Parkbank sitzen darfst, ist das in Bundesland B ein Ordnungswidrigkeit, die mit einem empfindlicheren Bußgeld bestraft wird, als 20 KM zu schnell zu fahren. 

Man verstehe uns nicht falsch, Föderalismus hat seinen Sinn und die Maßnahmen gegen den Virus, der nicht genannt werden darf (irgendwer spülte uns letztens diesen Harry-Potter-Vergleich rein), sind notwendig. Aber anstatt dass sich 16 Landesfürst*innen nun als die knallharten Macher*innen feiern lassen und sich mit sinnigen und unsinnigen Regeln und Bußgeldern übertreffen wollen, wäre ein koordiniertes Handeln echt sinnvoll. Zumindest hat Drosti in seinem Podcast noch nicht erklärt, was denn nun so gefährlich an „auf der Parkbank sitzen“ ist. Da stecken wir uns doch alle eher im Supermarkt an. Ganz zu schweigen davon, dass Arbeitgeber*innen ihre Angestellten einfach so in Großraumbüros zitieren können – und teilweise auch machen. Ohne jegliche Prüfung, ob das nicht anders ginge. Ohne jegliche Bußgelder. Heißt auch: Im Großraumbüro mit vielen anderen Menschen arbeiten? In Sachsen grundsätzlich ok. Die Mittagspause (auch weil die Kantine mittlerweile geschlossen hat) einfach kurz vor der Arbeitsstelle auf der Parkbank verbringen? Nicht ok …

Und hey, es gibt in diesen Ministerien Jurist*innen, die hätten in der einen Woche zwischen „es wird keine Ausgangsbeschränkungen geben“ -> „wir müssen drüber nachdenken“ -> „wir koordinieren uns Sonntag“ auch mal einen einheitlichen Katalog entwerfen können. Ältere Jurist*innen unter uns werden sich daran erinnern, dass 10 Bundesländer mal ein (fast) wortgleiches Polizeigesetz hatten. Die 5 neuen gab es damals noch nicht und über Bayern müssen wir nun echt nicht reden, oder? Aber dann hätten die Innenminister (nicht gegendert, weil das echt nur weiße alte Männer sind) nicht jeweils ihren Namen in der Zeitung lesen können und wie schlimm wäre das denn gewesen?

Wir schweifen ab 

Populist*innen haben es eigentlich schwer in so einer Pandemie. Sie brauchen einfache Feindbilder und einfache Lösungen für komplexe Probleme. Und ihre Ausflucht, dass das alles sowieso nur eine Erfindung der bösen Medien sei, klappt dann nicht mehr, wenn auch bei ihren Anhänger*innen die Leute umkippen wie die Fliegen. Bleibt aber immer noch der Fußball. Damit lässt sich immer noch Schlagzeile machen. 

Die taz freut sich, dass es auch ohne Fußball geht, beweist damit, dass auch sie den Fußball für die Schlagzeile braucht, und haut dann auch noch in die gleiche Kerbe wie C. Lindner, der in einem Interview mit einer vierbuchstaben Blutpostille irgendwas von „wir werden als letztes den Fußball wieder beginnen“ blubbert. Wer in diesem Zusammenhang „wir“ ist, bleibt aus der Schlagzeile, die wir in diesem Internet gelesen haben, natürlich offen. Als wir das letzte Mal guckten, war Lindner immer noch Chef einer Partei, die leider immer noch nicht in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, die aber gerade mal in 3 von 16 Bundesländern was zu sagen hat.

In welche Kerbe hauen die denn? In die Kerbe des Fußballs als Zirkus der Millionäre und arroganten Bosse, den man eigentlich nicht braucht, und der mit seiner Geldgier sowieso nur um sich selbst kreist.

Halbe Wahrheit

Das mag alles im Kern seine Richtigkeit haben, aber Fußball, Profisport und mit ihm das ganze Entertainment-Business ist halt etwas breiter als irgendwie 300 Millionärspieler und 100 feiste Funktionär*innen, die nur die Eurozeichen im Blick haben. Man darf eben nicht vergessen: Was für „den Fußball“ und seine Gefährlichkeit in der Pandemie gilt, das gilt auch für „den Handball“ oder „den Konzertsaal“ und in all diesen Branchen ist eben nicht nur die*der Künstler*in beschäftigt, die*der ggf. ein Jahr sich retten kann und mit ein paar Onlineauftritten vielleicht auch ein bisschen Geld beschaffen kann, sondern eben noch ganz viele andere Leute. Alleine der FCSP beschäftigt 600 Menschen. Davon sind die wenigsten diejenigen, die gegen den Ball kicken oder sie anleiten. Und da haben wir noch kein Wort über Bierverkäufer*innen, Ordner*innen oder freie Fotograf*innen verloren, die alle nicht beim Verein angestellt sind und von denen die meisten diese Jobs nicht machen, damit sie ein bisschen Taschengeld haben, sondern weil sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten finanzieren bzw. bestreiten müssen. 

Nebenbei: Während im Baseball eine relativ große Diskussion darüber gefahren wird, ob und wie diese Menschen bezahlt werden können und sollen, schweigt sich die ganze Diskussion im Fußball dazu ziemlich aus. Das sind die schwächsten Glieder in der Kette der Menschen, die im Fußball beschäftigt sind, vergesst die nicht! 

Und machen wir uns nix vor: Diese Menschen profitieren nur in einem ganz kleinen Teil von Geisterspielen und Online-Aufführungen.

Spielen wir zu Ende?

Die Hoschis vom Millernton zeichneten heute Morgen ja schon Szenarien auf, wie der Fußball nun weiter gehen könnte. Und fragten dann, was man so denke.

Prognosen sind bekanntlich immer dann sehr schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen (auch spannend, wem dieses Sprichwort alles zugeschrieben wird), und daher ist es wahrscheinlich unsinnig, wenn man sich nun auf ein Datum festlegt. Wir alle haben nicht so wirklich unsere Erfahrungen mit Pandemien. Insbesondere nicht mit Pandemien, die sich durch Tröpfcheninfektion weiter verbreiten. Insofern ist es wahrscheinlich sinnvoller, inhaltliche Benchmarks zu setzen als sich nun mit Daten unter Druck zu setzen. 

Aber da ist auch noch der Kapitalismus und der hat für ein Innehalten selten Zeit. Darlehen wollen bezahlt werden und die Pandemie erwischte gerade den Bundesligafußball zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt. Am 26. Spieltag wäre die nächste Rate fällig gewesen und ihr alle wisst, wie knapp man am Ende des Monats ist. So ging/geht es wahrscheinlich auch allen Fußballclubs. Selbst wenn du wirtschaftlich gesund bist, hast du als Fußballverein zu diesem Zeitpunkt nicht Millionen in kleinen Scheinen rumliegen. 

Auswege

Man kann aus diesem Gesichtspunkt verstehen, dass die DFL hier Auswege sucht. Und kommt jetzt bitte nicht mit dem moralischen oder dem „nehmt euch nicht so wichtig“: Die kämpfen wie sehr viele von uns gerade um das nackte Überleben. Und da hängen alle mit dran. Auch unser FCSP. Das mag gerade alles unwichtig erscheinen, ja Fußball mag insgesamt ein „First World Problem“ sein, aber der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein, sondern auch von den Spielen. Okay, okay wir hören ja schon auf die Bibel falsch zu zitieren. 

Trotzdem sollte eine gewisse medizinische Sicherheit der Beteiligten gewährleistet sein. Auch wenn uns das Innenminister immer glauben lassen wollen: Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Aber eine gewisse Sicherheit sollte es schon sein. Wenn man diese mit Tests aller Beteiligten sicherstellen kann, dann kann man auch wieder über einen Spielbetrieb nachdenken. Da muss jetzt aber ein großes ABER kommen. Zurzeit ist der Test sehr aufwendig und die Kapazitäten daher sehr begrenzt. So lange dies der Fall ist, wäre eine Verschiebung der Kapazitäten weg von Kranken hin zu gesunden Fußballprofis (und ihrem Umfeld) echt nicht vertretbar. Zwar werden relativ unkomplizierte Schnelltests in der Presse immer wieder in Aussicht gestellt, aber ob die jemals kommen und ob die im Mai/Juni verfügbar sind? Und eigentlich reicht auch Mai/Juni nicht, denn wenn du da halbwegs einen vernünftigen Wettkampf haben willst, musst du in zwei Wochen spätestens wieder ins Mannschaftstraining. Und auch das kannst du auch nicht machen, ohne sicher zu sein, dass da nicht wieder ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Und nach allem, was wir aktuell so lesen, wären auch in zwei Wochen solche Tests an anderer Stelle besser aufgehoben. Wir freuen uns schon auf die nächste PR-Aktion zur gesellschaftlichen Verantwortung. Klappt ja in etwa so gut wie beim Rassismus.
Wer weiß das schon? Wir sind wieder bei den Prognosen. Eines ist klar: Die Zeit ist äußerst knapp. Und bedenkt auch: Wenn Fußballer getestet werden sollen, dann bitte auch Handballprofis etc.

Geisterspiele?

Geisterspiele sind immer eine Scheißlösung. Punkt. 

Nur drei Argumente: 

1- Buttje und Co dürfen da ihren breiten Arsch in das Stadion setzen, aber Menschen, die seit 1.000 Jahren kein FCSP-Spiel verpasst haben, nicht

2- Fußball ohne die Stimmung, ohne die Energie der Zuschauer ist Rotz. Wir schrieben da auch schon hier darüber.

3- Sie erhalten das Fußballsystem irgendwie am Laufen, aber sie helfen den ganzen genannten Menschen, die im Umfeld eines Spieles ihren Lebensunterhalt verdienen, nur sehr wenig. Es hält aber zumindest die Möglichkeit der Rückkehr offen.

Ansteckung dann woanders?

Geisterspiele schön und gut. Aber was bringen die uns, wenn sie zu irgendwelchen Menschenansammlungen irgendwo anders führen? Wenn sich – angesichts eventuell gelockerter Bestimmungen – ungefähr 50 Prozent aller Zuschauer*innen im Viertel versammeln, weil sie im Knust, im Jolly oder sonstwo gucken wollen, dann ist damit relativ wenig gewonnen.

Und selbst wenn wir dann immer noch die jetzt geltenden Regeln haben: Wer erklärt Ultragruppe XYZ, dass es trotz Derby mal keine geile Idee ist, sich vor dem Stadion zu versammeln? Looking at you, Gladbach. Und worauf wahrscheinlich niemand Bock hat ist, dass die oben genannten Innenminister/ Populist*innen plötzlich wieder ihr Feindbild Ultras haben.
Apropos hässliche Fratze des Fußballs: 

Dazu kommt, dass die Akzeptanz einen Abnutzungseffekt hat. Die ergriffenen Maßnahmen haben garantiert kurzfristig eine hohe Akzeptanz, aber umso weniger man mit (dann hoffentlich nicht mehr) explodierenden Zahlen gegen 30 Grad im Schatten argumentiert, umso schwieriger wird es, die Menschen von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu überzeugen. Und das gilt insbesondere, aber nicht nur für Fußballfans, die häufig genug „unser ganzes Leben“ eben nicht nur inhaltsleer mitträllern. Ja, verdammt sie alle als dumm und seid froh, dass euer Lebensinhalt das kapitalistische Funktionieren und Netflix ist, aber warum lest ihr dann hier eigentlich? 

Mit Beendigung der Saison ist noch nicht alles gut

Wir haben keinen Plan, wie lange es dauern wird, bis die Versammlung von ein paar tausend Menschen auf einem relativ engen Raum wieder halbwegs sicher ist. Wahrscheinlich hat den Plan niemand. Klar, jede Zeitung hat schon jemanden befragt, der einen möglichst langen Zeitraum für eine Schlagzeile produziert hat, damit der hinter einem Paywall liegende Artikel auch gelesen wird. Aber wirklich sicher wissen tun das Expert*innen sowieso nicht. Und seien wir mal ganz ehrlich: Für eine*n Virolog*in ist ein Fußballstadion wahrscheinlich schon in normalen Grippezeiten die Vorhölle. Drosti trinkt nämlich aufgrund der höheren Infektionsgefahr nie gezapftes Bier. Und da hört der Spaß wirklich auf. (Lernten wir in einer der Folgen des Corona-Podcasts,)

Sowieso: Was bringt es uns, wenn wir letztendlich uns alle über Schulen, S-Bahnen und in den Großraumbüros anstecken, aber zu Hause brav Geisterspiele gucken. Und glaubt mal nicht, dass „die Wirtschaft“ nun dauerhaft auf die Präsenzpflicht verzichtet. Mal ganz davon ab, dass das sowieso ein Privileg der Sesselpuper*innen ist.

Fakt ist: Selbst wenn wir die Saison nun als Geisterspiele zu Ende spielen und in diesen sehr sauren Apfel beißen, um das System und damit verdammt viele Arbeitsplätze zu erhalten, so ist nicht ausgeschlossen, dass die Situation im Juli immer noch genauso ist. Und dann? Dauerkarten haben die Vereine dann nicht verkauft, dieses Geld wird ggf. fehlen. Niemanden ist klar, wie lange das ganze ohne Zuschauer*innen im Stadion weiter laufen soll. Mit diesen Einnahmen kann niemand ernsthaft kalkulieren. 

Fußballvereine wären gezwungen, die neue Saison ausschließlich mit Fernsehgeldern und Zuschauerunabhängigen Einnahmen zu planen. Kleiner Tipp an alle Mäzen*innen: Stelle deinem Verein jetzt schon mal 100 Mio für die nächste Saison bereit und fang schon mal an, Spieler anzusprechen. Du hast ggf. einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Ersten jetzt auch fordern, dass 50+1 doch unter diesen “besonderen” Bedingungen ausgesetzt werden solle.

Und wir sprechen hier noch gar nicht über Regenerationszeiten, Trainingssteuerung, Vereinswechsel etc. pp. Gerade die ungewohnten Trainingsbelastungen beinhalten bei hochgezüchteten Profisportler*innen immer auch ein Risiko der Verletzung. Was auch wieder nicht gut ist. 

Und ganz zuletzt

Darf man nicht vergessen, dass wir kein abgeschlossenes Profisystem haben. Selbst wenn man so vielleicht die Ligen 1 bis höchstens 3 retten kann und weiter betreiben kann, so wird dies für 4 und weiter unten wahrscheinlich aussichtlos. Und die meisten Menschen spielen halt dort Fußball. 

Fazit

Keine Ahnung. Aber wir wären jetzt bereit für die*den Forscher*in, die*der ein Wundermittel findet.

Mrz 282020
 

Eigentlich hatten wir nicht vor, diesen Monat wirklich viel im Blog zu veröffentlichen. Gibt ja keinen Anlass, wird kein Fussball gespielt, alle wichtigen Themen können wir auch einfach in den entsprechenden sozialen Medien kommunizieren. Naja, und dann kam der H$V.

Liebe nachfolgende Generationen, dieser Blogbeitrag schreibt sich im März 2020. Jener Monat, von dem Euch Eure Großeltern die ganze Zeit erzählt haben, so dass ihr echt nicht mehr irgendwas dazu hören wolltet. Ja, ihr habt verstanden, dass der März 2020 der Monat war, wo alle verstanden haben, das linke Ideen nicht nur blinde Ideologien sind, sondern tatsächlich reale Optionen aufzeigen. Indem die Menschen wieder verstanden haben, was Solidarität wirklich bedeutet. Dessen Ereignisse zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens geführt haben. Der Monat, der das endgültige Ende der AfD bedeutet hat. Der Monat, in dem alle Menschen zusammengehalten haben. Indem alle Menschen zusammengehalten haben.

Alle Menschen? Nein, eine kleine unbeugsame Enklave am Stadion an der Müllverbrennungsanlage hat einen Zaubertrank getrunken, für die trifft all das nicht zu. (RIP, Alberto Uderzo!)

Gestickert ungefähr zum Zeitpunkt der Entscheidung am Volkspark.

Die haben – in einer Situation, die damals noch global eine starke Verunsicherung bedeutet hat, in der sich viele, viele Menschen Sorgen um ihre Existenzen gemacht haben – lieber einen Führungsstreit angezettelt, der am 28.03. zum drölfzigsten Wechsel an der Vereinsspitze geführt hat. Ein Wechsel, der dann aber auch den endgültigen Untergang des Hamburger $portvereins besiegelt hat.

Ganz ehrlich, liebe Vereinsbosse: Wie kann man nur so scheiße sein? Wie kann man in einer Situation, in der sich diverse Menschen in eurem Vereinsumfeld Sorgen um ihre Gesundheit, um ihre Existenzen machen, einen Kleinkrieg anzetteln, dessen Grund wir noch nicht mal ausmachen können? Wie egoistisch und selbszentriert kann man sein? Wie kann man nur so unsolidarisch sein? Wie kann man gerade in solchen Zeiten nicht einfach mal zusammenstehen? Es gäbe so vielen gute Dinge, in die man gerade all seine Energie versenken könnte.

PS:
Hamburger $portverein
Wie kann man nur so scheiße sein
Ihr lebt in eurer Nostalgie
Das Derby, das gewinnt ihr nie!

Mrz 122020
 

Liebe Leute,

es ist zwar immer noch nicht ganz offiziell bestätigt, aber es sieht alles danach aus, als würde das Spiel am Sonntag wird ohne Zuschauer*innen stattfinden. 

(Den Exkurs, dass es eher nicht so toll ist, dass die Behörde für Gesundheit und Vebraucherschutz auch 24 Stunden nach Ankündigung die Allgemeinverfügung noch nicht erlassen hat, denkt ihr Euch an dieser Stelle.)

Und sollte somit das erste Geisterspiel in der Geschichte des FC St. Pauli sein. Toll finden wir das nicht. Gar nicht. Und auch in unserer Brust schlagen zwei Herzen. Und diese beiden Herzen wollen wir gerne mit Euch teilen.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.

(Aus Faust. Danke für die Inspiration, Trashi!)

Und auch hier noch mal als Disclaimer: Wir sind absolut keine Expert*innen in Virologie oder irgendeiner benachbarten Disziplin, so dass wir uns da Expertise zuschreiben würden. Und deshalb tun wir das, was eins am besten in einer solchen Situation macht. Wir hören auf Expert*innen wie Christian Drosten im NDR-Podcast. In dem er sehr klar Stellung bezogen hat, was eins tun muss, um jetzt eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. Um Situationen, wie sie aktuell aus der Lombardei berichtet werden hier zu verhindern.

Emotio

Ihr kennt uns. Wir lieben Fussball, wir lieben den FC St. Pauli. Wir lieben es, diese emotionalen Momente gemeinsam mit unseren Leuten auf der Tribüne zu erleben. Wir haben montags oft genug nicht unsere komplette Stimme, weil die in irgendwelchen Stadien geblieben ist. Und wir haben ein Blogmitglied, die auf dem allerbesten Weg in ihre erste goldene Saison war. Wir können auch jeden Menschen verstehen, der/ die die Mannschaft am Sonntag “trotzdem” und bestmöglich unterstützen möchte. Verdammt, wir gehören da doch selbst dazu. 
Wir wissen auch, dass viele Spieler auch von der Kulisse – gerade auch am Millerntor – berichten und daraus Energie ziehen. 
Beispiele gefällig?

Und auch Leo sprach schon von der tollen Atmosphäre im Millerntor, James tat dies ebenso im MillernTon, und auch unser Kapitän (Vorsicht BWin-Link!). Gut, wir hören schon auf, wir wollen das am Sonntag doch auch erleben!  
Und auch aus sportlicher Sicht ist das nicht so wirklich pralle: Es hat ja nun auch wirklich einen Grund, warum wir diese Saison zu Hause bisher 1.69 Punkte pro Spiel machten, auswärts dagegen nur 0.66 Punkte pro Spiel holten. (Nebenbei auch wirtschaftlich nicht, dazu schrieben wir gestern schon.

Und na klar ist auch bei uns der Gedanke “das Spiel von der Stadionecke verfolgen und die Mannschaft von außen zum Sieg schreien” da. Wir schrieben in einem der letzten Beiträge, dass wir den Fussball auch deshalb so lieben, weil er uns geteilte emotionale Momente mit vielen anderen ermöglicht. Verdammt, wir wissen wie verdammt geil dieser gesamte Derbytag war! Und zehren da auch heute noch von. Wir wollen da hin, wir wollen unsere Mannschaft unterstützen!

Ratio

Und dann kommt die Ratio. Es gibt einen guten Grund, warum das Spiel ohne Zuschauer*innen stattfindet. (Und für die spitzfindigen: Einen guten Grund, warum es überhaupt noch stattfindet, suchen wir noch. Also außer Kapitalismus. Und der ist jetzt eher nicht so oft ein guter Ratgeber.) Also es gibt einen guten Grund, warum Menschenansammlungen großer Gruppen behördlich verboten werden.

Warum sogar teilweise das Demonstrationsrecht eingeschränkt ist. Und ihr kennt uns auch: Das ist für uns sehr wichtig. Stichwort G20, da haben wir uns sehr klar zu den damaligen Einschränkungen positioniert und sehen das heute noch genau so. Aber hier ist die Lage eine komplett andere.

Und dennoch finden wir es in dieser Situation richtig, dass dieses Recht in einigen Bundesländern aktuell eingeschränkt ist. Oder warum Greta, die seit wirklich langer Zeit draußen streikt, eben jetzt dazu aufruft, dies temporär in die digitale Welt zu verlegen.

Um Expert*innen sinngemäß zu zitieren: Es geht darum, jetzt (!) eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden, um eine komplette Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Stichwort: Flatten the curve. Oder auch in noch länger.

Und genau so eine unkontrollierte Ausbreitung würde befeuert wenn sich eine undefinierbare, möglicherweise große Gruppe von Menschen (Stichwort: Infektionswege nachvollziehen) auf engem Raum trifft und sich dabei sehr wahrscheinlich (Dima macht mindestens 2 Buden!) gegenseitig in den Armen liegt. Und sehr wahrscheinlich sind die Menschen, die sich dort treffen würden, noch nicht mal Risikogruppen zuzuordnen. Aber es geht jetzt darum, vulnerable Gruppen zu schützen. Solidarität ist eine Waffe. Unsere stärkste sogar.

Und klar wird jetzt irgendjemand kommen und sagen: Aber ich muss doch auch jeden Tag U-Bahn fahren. Vollkommen nachvollziehen können wir das auch nicht (und einer unser Arbeitgeber forciert gerade auch Homeoffice wo immer es möglich ist). Aber auch hier: Wir vertrauen da lieber auf die Expert*innen und auf die Menschen, die wissen was zu tun ist.

Actio

Und was wir machen werden, fragt ihr uns? Nun wir sind da unentschieden, ob wir ganz zu Hause bleiben, oder ob es in eine kleine (!) Kneipe geht. Tendenz Stand jetzt ist aber “zu Hause” mit ein paar wenigen Menschen. Und die hier schreibenden Menschen können sich allesamt nicht erinnern, wann sie das letzte Spiel so erlebt haben. Es ist also lange her. Und natürlich wollen wir das nicht, natürlich finden wir das nicht gut. Wir finden den Gedanken daran sogar richtig, richtig beschissen. Aber es ist eben in unserer aktuellen Einschätzung das richtige. Und nein, einfach wird das für uns auch nicht werden.

In unserer Traumwelt gibt es noch irgendeinen coolen Supportaufruf, zu dem alle, die wollen, etwas beitragen können, der die Spieler morgens beim Frühstück erreicht, so dass sie noch mal so richtig merken, dass wir vollstens hinter ihnen stehen und zumindest ein bisschen der Energie, die sie normalerweise von den Rängen mitnehmen, eben auch jetzt mitnehmen. Aber hier gibt es andere, die sowas viel besser koordinieren können als wir.

Und zum Abschluss ein lieb gemeintes: Fick Dich DFL! Danke, dass ihr uns diesen ganzen Scheiß eingebrockt habt! Danke, dass ihr uns zwingt, diese Zeilen zu schreiben, weil ihr zu feige seid einfach alles zu verschieben!

Mrz 112020
 

„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“

Okay, leider nicht. Es ist leider das negative Gespenst einer Pandemie und Geisterspiele, aber wenn es auch nur die kleinste Assoziation gibt, die uns die Möglichkeit auf den Tisch legt Marx zu zitieren, dann wollen wir sie als kommunistisches Propagandamedien auch nutzen.

Vorab

Wir sind keine Virolog*innen, haben keine Ahnung von Ansteckungsketten und wissen nicht was sinnvolle Maßnahmen sind und was nicht. Da gibt es Expert*innen für und wenn die sagen, dass Großveranstaltungen nicht sinnvoll sind, dann kann man das wohl so glauben. Später nennen wir mehrere Szenarien. Diese sind weniger oder mehr sinnvoll. Dass wir sie nennen ist keine Bewertung der Sinnhaftigkeit!

Als wir diese Zeilen schreiben (Stand 10.03.2020, ca. 20 Uhr), sind diverse Spiele schon als Geisterspiele ausgerufen und in diversen Bundesländern sind Veranstaltungen über 1000 Menschen verboten. Die DFL will bisher die Bundesligen ums Verrecken (das ist beinah zu wörtlich zu lesen) zu Ende bringen. Im Notfall als Gespensterliga. Dafür mögen – wie ihr gleich lesen werdet – selbst juristische Gründe sprechen.

Moralisch kann man sich natürlich fragen, ob der Sport so etwas wirklich wert ist. Uns allen ist der Besuch von Fußballspielen sehr wichtig. Hobbys an sich sind Dinge, die man tut um sich zu zerstreuen und zu vermeiden über seine eigene Vergänglichkeit nachzudenken. Wenn diese Hobbys aber geeignet sind, die eigene Vergänglichkeit zu beschleunigen, dann kommt man in eine Zwickmühle. Wir können moralisch die Wertigkeit von Sport nicht beurteilen. Ganz vielleicht sind wir als Sportabhängige da auch nicht so wirklich unvoreingenommen. Wir blenden daher diesen Aspekt ab jetzt mal aus. Darüber könnte man garantiert auch noch einen Blogbeitrag schreiben. Was aber euch allen klar sein sollte: Juristerei hat sehr wenig mit Moral zu tun. Und wenn ist es die Moral der Herrschenden. „So lange wir keine Gerechtigkeit haben, müssen wir mit den Jurist*innen vorlieb nehmen“ ist ein Satz mit sehr viel Wahrheit drin.

Ob und wie sinnvoll solche Spiele aus Fanperspektive sind, da lest ihr zu den Millernton, ja?

Was wir auch nicht leisten werden ist die aufgeworfenen Fragen am Ende zu beantworten. Juristen und weniger Juristinnen (m/d) neigen dazu so zu tun, als wüssten sie die einzig wahre Antwort auf alle juristischen Fragen. Sei du nicht so ein(e) Jurist*in, lieber Senior. Bin ich nicht antwortete er und zeigte einfach nur die Fragen auf.

Grundannahmen

Wir operieren mal mit fünf Fallvarianten. Die haben nach dem oben genannten natürlich unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten, aber das ganze kann uns ja noch länger verfolgen, insofern können alle drei Szenarien irgendwann noch eintreten.

Szenario 1: Die letzten Spieltage werden in der ganzen Liga unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt.

Szenario 2: Die letzten Spieltage werden unterschiedlich gehandhabt. Verein A darf mit Publikum spielen, Verein B nicht.

Szenario 3: Die letzten Spieltage werden komplett abgesagt.

Szenario 4: Alle Spiele werden zu Ende gespielt, es stecken sich Menschen nachweislich in einem Fußballstadion an und erkranken schwer. Achtung: Juristische Betrachtung. Achtung: Ob man so etwas wirklich mit einer juristischen Sicherheit nachweisen könnte, wissen wir nicht, es ist hier mal angenommen.

Szenario 5: Die ganze Runde wird in den Sommer verschoben. Spielen 9 Spieltage im Juni/ Juli innerhalb von 5 Wochen im Paket runter.

Szenario 1: Die letzten Spieltage werden in der ganzen Liga unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt.

Hier ist vom Ligabetrieb erstmal kein Ansatzpunkt für irgendwas juristisches. Alle Teams haben ein ausgeglichenes Wettbewerbsumfeld. Vielleicht mag der eine Verein einen größeren Heimvorteil haben, weil seine Fans so laut sind, als der andere Verein, aber das ist wohl eher anekdotisch, als dass es juristisch nachweisbar wäre.
(Funfact der nicht Juristin im Blog: Auswärts holten wir bisher 0.66 Punkte pro Spiel, zu Hause holten wir bisher 1.69 Punkte pro Spiel. Der FCSP hat noch 5 Auswärts- und 4 Heimspiele)

Ansprüche könnten sich aus Kartenverhältnissen, aus gebuchten Reisen zu Auswärtsspielen und aus Hotelbuchungen ergeben. Auch Sponsorenverträge könnten betroffen sein. Ein kleiner Exkurs sei uns zu der Frage der Versicherbarkeit erlaubt.

Kartenverhältnisse

Hier wird man bei einem Geisterspiel wohl von einer Unmöglichkeit im Sinne des § 275 ausgehen müssen. Die Leistung eines Kartenvertrages definieren die ATGB unseres geliebten Vereines wie folgt:

„Eine Tageskarte berechtigt den Kunden ausschließlich das Heimspiel des Clubs im Stadion zu besuchen, für das er ein Besuchsrecht erworben hat.“

Und für die Dauerkarten:

„Eine Dauerkarte oder eine Jahreskarte Steh Süd („Dauerkarten“) berechtigt den Kunden grundsätzlich, diejenigen Heimspiele des Clubs im Stadion zu besuchen, für die er ein Besuchsrecht erworben hat.“

Diese Leistungen kann bei einem behördlich verordneten Geisterspiel (!) niemand mehr erbringen und schon die alten Lateiner*innen murmelten in diesem Fall „Impossibilium nulla est obligatio“ in ihre Toge. Nach juristischem Küchenlatein (Achtung, das ist was anderes als korrektes Latein) heißt dies übersetzt „Nichts ist Pflicht bei Unmöglichkeit.”
Das BGB sieht in diesem Fall einen Verfall der Leistung und eine Rückerstattung der Gegenleistung vor.

Unser Ticket AGB sehen für den Fall einer Sperrung des Stadions eine andere Regelung vor. Wir zitieren:

„5.5 Wird eine Veranstaltung abgesagt oder ist der FC St. Pauli, aufgrund einer Anweisung des Deutschen Fußball-Bundes e.V. („DFB“) oder der DFL, verpflichtet, Besucherplätze nicht zu besetzen, so erhält der betroffene Besteller die Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten. Nach Rückgabe des Tickets erstattet wird der Vertragspreis erstattet. Der Rücktritt durch den betroffenen Kunden ist in Textform (E-Mail ausreichend), per Telefax oder schriftlich auf dem Postweg an die in Ziffer 12 genannte Kontaktadresse zu erklären. Die betroffenen Kunden erhalten gegen Vorlage des Tickets bzw. Übersendung des Tickets auf eigene Rechnung an den Club den entrichteten Ticketpreis erstattet. Service- und Versandgebühren werden nicht erstattet. Bei Spielen, die aufgrund von Maßgaben der zuständigen Verbände oder Behörden ganz oder zum Teil unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden muss, ist auch der Verein berechtigt, vom Vertrag zurückzutreten und berechtigt, Dauer- und Tageskarten für einzelne Spiele zu sperren.
5.6 Eine anteilige Rückerstattung des Vertragspreises bei Dauerkarteninhabern ist jedoch ausgeschlossen, sofern der Inhaber der Dauerkarte in den letzten 5 Jahren vor der Veranstaltung nicht bereits von einem solchen Wegfall betroffen war.“

Das ist grundsätzlich eine ebenso spannende wie in 5.6. auch juristisch fragwürdige Regelung, die hier aber wahrscheinlich nicht greifen würde, denn bisher sind es keine Anweisungen der DFL oder des DFB, sondern der Gesundheitsämter. Analoge Anwendungen von AGB ist eher fragwürdig, so dass wir wieder bei der gesetzlichen Regelung landen.

Eine „höhere Gewalt“ Regelung beinhalten unsere Ticket AGB nebenbei nicht. Ob man für höhere Gewalt die Rückerstattung des Preises ausschließen könnte, ist wohl eher zu verneinen.

Man kann hier auch juristisch spitzfindig werden, denn die Behörden verordnen ja keine Geisterspiele. Sie verordnen, dass Veranstaltungen nicht durchgeführt werden dürfen in einem bestimmten Zeitraum. Man könnte also rein theoretisch das Spiel aus diesem Zeitraum verschieben und der Besuch wäre möglich und damit läge keine Unmöglichkeit vor. Das könnte später vielleicht einen Unterschied machen. Ihr werdet zu Recht sagen „Die spinnen, die Juristen“ und ja ihr habt Recht.

Das kostet Geld

Das eben gesagte verkürzt heißt „Geld zurück“. Es ist schwierig auszurechnen, was dies monetär bedeutet, aber wenn wir jetzt mal von einem durchschnittlichen Ticketpreis von 25 Euro ausgehen und 29.000 Zuschauern, dann käme da pro Geisterspiel eine Summe von 725.000 Euro auf den Verein zu. Klar, es werden einzelne oder viele Fans auf Rückerstattungsansprüche pfeifen, auch aus Liebe zu ihrem Verein, aber das ist schon einmal eine riesige Nummer.

Werbeverträge, Catering-Verträge, Arbeitsverträge der Spieler

Und es werden ja nicht nur die Ticketingverträge unmöglich. Auch Werbeverträge, Cateringverträge werden teilweise Leistungen beinhalten, die bei einem Zuschauer*innenausschluss unmöglich werden nach dem oben beschriebenen Kriterien. Das kommen auch Summen zusammen. Und hier wird die Bereitschaft zu einem Rückforderungsverzicht wahrscheinlich geringer ausfallen, weil da schnell die/der kühle Buchhalter*in über das heiße Herz des Fans gewinnt.

Gehaltszahlungen an Spieler laufen nebenbei normal weiter. Hier ist ja keine Unmöglichkeit eingetreten. Der Spieler kann seine Leistung anbieten, er kann trainieren und anbieten, dass er für den Verein spielt. Die Spiele finden in unserem gewählten Beispiel ja auch statt. Ähnliches gilt auch für die Fernsehverträge.

Kann man das versichern und welche Folgen hat das für die Vereine?

Diese Frage ist wirklich seriös nicht zu beantworten. Man kann sich als Veranstalter gegen den Ausfall versichern. Ob das Vereine getan haben, ist wahrscheinlich auch eine Kostenfrage. Wenn ich als Verein XYZ sowieso schon knabber, dann ist die Versicherungsprämie wahrscheinlich auch nicht drin. Wenn ich in Geld schwimme schon eher. Wir gehen aber mal davon aus, dass einige Vereine solche Versicherungen abgeschlossen haben.

Dann kommt aber das Detail. Wir haben mal einen Menschen gefragt, der sich mit solchen Details auskennt. Hier die Antwort:

„Klar, kann man das versichern. Ein Versicherer wird dann nach dem Umfang fragen was geplant ist und was davon versichert werden soll, z.B. wenn die geplante Veranstaltung im TV übertragen werden soll und sich durch den Ausfall der Veranstaltung ein Einnahmeausfall ergibt. Und wie es mit Fernsehgarantien in den Sponsorenverträgen aussieht. Und wie hoch der Verkauf von Eintrittskarten ist, und was an Merch wegfällt und dadurch Lücken reißt – alles normal und alles versicherbar.

Der Teufel liegt dann – wie so oft – im Detail, genauer: in den nicht versicherten Ausschlüssen, denn Versicherer schließen gerne mal gewisse Gefahren aus. Z.B. schließen viele Versicherern die Verträge so ab, dass „Pandemien“ genau ein solcher Ausschluss ist, manchmal ist in Verträgen auch „Krankheiten“ als Ausschluss genannt oder „direkte oder indirekte Folgen einer übertragbaren menschlichen Krankheit“.

Hierbei geht es den Versicherern dann nicht um die Krankheit eines Stars, der nicht auftreten kann – sowas kann man immer versichern. Es geht im obigen Fall um die Folge einer Krankheit, die nicht an eine bestimmte Person gebunden ist, sondern um das Risiko einer Ansteckung im Rahmen einer Pandemie. Und hier heißt es: COVID-19 wäre ausgeschlossen. Das KANN bei einem Vertrag natürlich auch mal anders sein, wäre aber unwahrscheinlich. Nochmal: Der Teufel steckt eben immer im Detail.“

Etwas verkürzt heißt dies, dass wahrscheinlich gerade in vielen Vereinsgeschäftsstellen Versicherungspolicen studiert werden. Ein Fest für Jurist*innen. Auch wenn am Ende eine Klausel unklar ist.

Wenn das nicht versichert ist, dann hab ich ein erhebliches finanzielles Risiko und so unmoralisch das ist, dies ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum Vereine und Verbände sehr langsam reagieren mit Absagen.

Zwar hat das „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten bei Menschen“ (untechnisch auch gerne „Bundesseuchengesetz“ genannt) in § 65 eine Entschädigungsnorm für erlittene „unwesentliche Vermögensnachteile“, aber da ist bei den Jurist*innen schon jetzt hochumstritten, wie weit dies geht. Und bis man da ggf. Geld von der öffentlichen Hand bekommt, laufen Kosten auch weiter. Das ist keine gute Situation bei einem Fußballverein.

Hier auch ganz wichtig: Warum sagen Vereine erst ab, wenn die Maßnahme hochoffiziell beschlossen ist? Um sich genau diesen Schadensersatzweg zumindest offen zu halten. Da steht im Gesetz „Soweit auf Grund einer Maßnahme…“ ich muss also eine Handlung machen, die kausal von der Maßnahme der Behörde ausgelöst wird. Das kann ich schwerlich vor der Maßnahme. Täte ich dies vorher, gäbe es auch in Behörden genug spitzfindige Jurist*innen, die einem dies schon vorwerfen würden.

Ein Hinweis, der hier noch mal sehr angebracht ist: Fußball ist egal, wenn uns alle die Seuche niederstreckt. Fußball ist eine Nebensache. Es geht hier nicht um eine moralische Bewertung, wenn ein Verein ggf. versucht über § 65 Geld zurück zu bekommen. Es ist eine rein formal juristische Betrachtung!

Und mein Hotel, meine Bahnfahrkarte etc?

Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass es keine anderen Gründe gibt (Stadt zur Sperrzone erklärt etc.), dann sind diese Leistungen weiterhin möglich. Das ich sie aus einem bestimmten Grund gekauft habe, ist für die Juristerei erstmal unerheblich. Das ist ein klassischer Fall im Studium. Aus welchem Grund man eine Leistung gekauft hat, ist regelmäßig nicht Vertragsinhalt. Außer es wird dazu gemacht. Beispiel? „Besuchen sie das kultige Millerntor und gucken sie Pauli gegen den Club, wir bieten ihnen 2 Eintrittskarten, einen Joint und ein Hotelzimmer im kultigen Pauli Hotel“. Hier ist wohl klar, dass hier ein Gesamtpaket verkauft wird, die prägende Leistung nicht der Joint und nicht das kultige Hotel sind, sondern der Besuch des Spieles.

Lange Rede kurzer Sinn: Schöne Scheiße, da werden viele Bahnsitze leer durch die Gegend fahren. Auch gerade weil es wahrscheinlich virologisch wenig Sinn macht sich vor das gesperrte Stadion zu stellen. Immerhin gewähren viele Hotelbuchungsplattformen Stornierungsmöglichkeiten. Und ob aus Kulanz ggf. was geht, ist keine juristische Frage. Kulanz ist nichts juristisches.

Warum sagen die Ligen, die Vereine nicht von sich aus ab oder verfügen Geisterspiele?

Ganz einfach, wenn es keine höhere Gewalt gibt, sondern dies aus einer eigenen Entscheidung passiert, dann habe ich eben keine Unmöglichkeit, sondern einen Unwillen. Und dann wird es spannend. Dann wäre zumindest eine Haftung der Vereine, der Ligen für Bahnfahrten und Hotels anzudenken. Diesem Risiko will sich natürlich kein Verein aussetzen.

Szenario 2: Die letzten Spieltage werden bzgl. Zuschauer*innenausschluss unterschiedlich gehandhabt.

Siehe zum größten Teil Szenario 1, aber was ist mit dem Wettbewerbsnachteil der Geisterspielenden? Nehmen wir doch mal den FCSP, dieser holt Auswärts 0,66 Punkte und zu Hause 1,69 Punkte.

Wird diese Ausbeute auch durch Zuschauer*innen beeinflusst? Vielleicht. Werden sich diese Zahlen bei Geisterspielen verschieben? Vielleicht. Ist es gerecht, dass ein Verein Zuschauer*innen hat, der andere nicht, insbesondere auch wegen der finanziellen Aufwirkungen? Nein. Ist dies juristisch irgendwie korrigierbar? Wahrscheinlich nicht.

Die Spielordnungen und Regelungen des DFB sehen für einen solchen Wettbewerbsnachteil keine Regelung vor. Ob und wie ich Zuschauer*innen habe, scheint ziemlich im Risiko des Vereines zu stehen. Könnte dieser nun auf Aufstieg oder Klassenerhalt klagen, wenn er Geisterspiele hatte und sein Konkurrent nicht? Unwahrscheinlich. Das ist juristisch schwerlich zu beweisen, wie groß die Nachteile sind und ob sie wirklich vorliegen. Wäre ein lautes Publikum ein großer Vorteil, dann wäre Leverkusen schon lange abgestiegen.

Es gibt auch keine Solidaritätsklauseln oder Revenue Sharing (nach amerikanischem Vorbild) in den Ligaverträgen. Jeder lebt auf sein eigenes Risiko. Wenn also ein Verein am Ende 4 Millionen weniger hat, als ein anderer Verein, dann ist das sein persönliches Pech. Das kann in einem Etat eines Zweitligisten aber auch schon zwei krasse Spieler ausmachen.

Dieses Szenario ist aber aufgrund der zur Zeit mehr oder minder flächendeckenden Spielabsagen unwahrscheinlich.

Szenario 3: Komplette Absage der verbleibenden Spieltage.

Wir haben gerade alle Ordnungen des DFB, der DFL gewälzt. Wir haben keine Regelung dafür gefunden, wie verfahren wird, wenn eine Liga nicht zu Ende gespielt wird. Das lässt natürlich ganz viel Spielraum für Jurist*innen und juristischen Schabernack.

In der 3. Liga würden wahrscheinlich 10 Vereine zur Zeit prüfen, ob sie auf Aufstieg klagen könnten.

Selbst wenn man sagt „wir spielen 2020/2021 so, wie wir 19/20 gespielt haben“ löst es nicht das Problem. Auch im Falle einer Absage laufen Gehälter und andere Kosten weiter, ob Bielefeld auch nächste Saison so gut spielt, kann niemand ernsthaft vorher sagen. Und die würden natürlich versuchen alles zu ermöglichen um in die 1. Liga zu kommen. Denn neben dem „sportlichen Wert“ geht es auch dort um richtig viel Geld. Und Geld verschiebt moralische Bewertungen immer sehr schnell.

Arbeitsverträge noch mal ein bisschen genauer: Kündigungen werden wahrscheinlich schwierig. Ist dies ein „wichtiger Grund“ das Arbeitsverhältnis zu beenden? Wahrscheinlich nicht. Kann man befristete Verträge ordentlich kündigen? Auch nicht. Vertraglich geregelt wird so ein Fall nicht sein. Schwierig. Es wird wohl davon auszugehen sein, dass man die Spieler weiter bezahlen muss.

Es gibt noch einen anderen monetären Effekt, der wahrscheinlich den meisten Vereinen dann endgültig das Genick brechen würde. Das Fernsehen würde Gelder zurück verlangen oder nicht bezahlen. Wenn wir das richtig verstehen, dann zahlt das Fernsehen in Raten. Die letzte diese Saison würde also wahrscheinlich gekürzt werden oder aber Geld zurück verlangt werden. Es stehen noch 9 Spiele aus. Also gerundet 26 % der Saison. Insgesamt erhalten 1. und 2. Liga 1,136 Milliarden an Fernsehgeldern. Gut 300 Millionen wären dann zurück zu zahlen, oder würden nicht gezahlt werden. Der FCSP erhält diese Saison 11,5 Millionen Fernsehgelder. Er würde also bei dieser Rechnung 2,5 Millionen Euro weniger erhalten. (Alle Zahlen laut fernsehgelder.de. Keine Ahnung ob Fernsehgelder nach Spieltagen gestafftelt werden.)

Auch wären in diesem Fall Sponsoren noch weiter auszubezahlen. Denn auch unser Trikotsponsor setzt auf Fernsehbilder, wird sich diese in Verträgen wahrscheinlich auch garantiert haben und wird Geld wieder bekommen wollen.

Ihr wundert euch, warum Verbände und Vereine diese wahrscheinlich ganz logische Variante nicht diskutieren mögen? Jetzt wisst ihr es.

Warum handelt die DEL anders?

Die Antwort ist wahrscheinlich so einfach, wie sie brutal ist. Es sind andere finanzielle Voraussetzungen. Die Hauptrunde ist vorbei, es sind nur die Playoffs abgesagt. Es gibt dann folgende brutale finanzielle Unterschiede. Und die verdrängen jede Moral:

– Der Fernsehvertrag der gesamten DEL ist eine Million wert. Soviel zahlt die Telekom. Für alle Spiele, an alle Vereine. Ihr könnt euch ausrechnen, wie wenig Geld dann bei einer Absage der Play-Offs fehlt

– Spielerverträge werden so gestaltet sein, dass sie mit den Einnahmen aus der Hauptrunde grundsätzlich finanziert sind und für die Play-Offs nur Prämien vorgesehen sind. Also ist auch hier der finanzielle Verlust relativ gering.

– Dauerkarten werden „abgespielt“ sein, die Inhaber haben wahrscheinlich Vorkaufsrechte, aber keine schon gekauften Karten. Auch hier sind die finanziellen Auswirkungen also sehr gering.

(Wobei hier natürlich auch bei den Mannschaften, die in den letzten Jahren in den Play-Offs waren, sehr wahrscheinlich mit den Einnahmen rechneten. Und das eben durchaus auch Löcher in die Budgetkassen reißt. Aber eben nicht in dem Ausmaße wie dem obigen Absageszenario während der laufenden Saison.)

Szenario 4: Weiter so & jemand wird krank

Achtung: Juristische Betrachtung. Achtung: Ob man so etwas wirklich mit einer juristischen Sicherheit nachweisen könnte, wissen wir nicht, es ist hier mal angenommen.

Kann ich den Verein, die Liga nun haftbar für meine Erkrankung machen? Die deutsche Rechtsordnung sieht eine Erkrankung mit einer Grippe als allgemeines Lebensrisiko an, für das ich niemanden haftbar machen kann. Begründet wird dies damit, dass sich Tröpfcheninfektionen nahezu nicht vermeiden lassen. Es gibt für Grippekranke ja auch keine Ausgangssperre.

Anders sieht das die Rechtsprechung, wenn ich jemanden mit HIV infiziere und um meine Krankheit weiß. Hier lässt sich der Infektionsweg vermeiden und so sieht die Rechtsprechung das anders. Hier wird auch immer Vorsatz in Form des billigenden in Kaufs nehmen vorliegen.

Und damit sind wir bei Corona. Wenn empfohlen wird Großveranstaltungen abzusagen, es aber zu keinem behördlichem Verbot kommt, dann sind wir hier schon im Bereich der Fahrlässigkeit durch die Veranstalter. Würde das zu einer Haftung ausreichen? Schwierig, denn ich hab ja auch freiwillig gewählt mich in dieses Stadion zu begeben und die/ der Kranke hat wahrscheinlich keine Ausgangssperre gehabt. Missachtet sie/ er eine solche, dann sind wir wahrscheinlich schon bei einer Haftung von ihr/ ihm. Aber der Verein? Da würde man wohl eher zum allgemeinen Lebensrisiko neigen.

Szenario 5: Sommerspiele

Nebenbei in etwas das, was Fanverbünde wie Meine Kurve fordern:
https://twitter.com/UnsereKurve/status/1237768238848671746

Macht wahrscheinlich vom Standpunkt der Expert*innen Sinn. Ggf. sollte man selbst Herbstspiele schon vorziehen, denn Virolog*innen sagen für den Herbst eine zweite Welle voraus. Was würde daraus folgen. Etwas in Kurzform um Wiederholungen zu vermeiden:

Kartenerstattung? Ausgeschlossen, ist ausdrücklich geregelt in unseren Ticket AGB.

Hotel? Wie oben. Musst du neu buchen.

Probleme? Abstellung für EM und so. Regenerationszeiten, vielleicht auch Fernsehverträge, wir wissen nicht wie da die Verschiebung geregelt ist.

Größtes Problem sind die Arbeitsverträge. Die laufen unseres Wissens bis zum 30.06. da wäre so eine Runde durch Vereinswechsel mitten drin etwas chaotisch. Würde aber gehen.

Reales Problem: Die UEFA will in diesem Zeitraum fett Geld machen mit ihrer EM.
Reales Problem 2: Expert*innen gehen davon aus, dass sich bei Verlangsamung der Infektionswelle, diese Situation bis zum Sommer so durchziehen wird.

Wir würden Fußball im Sommer jedoch genießen. Und damit meinen wir nicht die EM.

Mrz 082020
 

Wir wissen, dass wir für diese Überschrift wahrscheinlich Kommentare wie “ihr seid doch sonst differenziert” oder “ich lese euch ja sonst gerne” oder “komisch immer habt ihr Ärger” oder am besten noch “aber nicht alle Männer” bekommen werden. Und unsere Antwort ist ein gepflegtes Fuck you. Heute sind Grenzen einfach weit überschritten worden und Verhaltensweisen von Männern an den Tag gelegt worden, die mehreren Frauen den Tag ordentlich verhagelt haben. Wir wollen das jetzt schildern, auch wenn wir damit heftigen Rotzmist reproduzieren. Daher Warnung! 

Da wird “Darf ich mal bitte durch?” mit “Frauen haben beim Fußball nichts zu suchen” beantwortet. Oder es wird die Schlange für den Fraueneingang mit “Hier geht es wohl zur Küche!” kommentiert. An anderer Stelle werden Frauen, die sich über die sexistische Halbzeitshow aufregen, von Männern mit “Reg dich mal nicht so auf” gemaßregelt. Und wisst ihr, was das Schlimme ist? Diese ganzen Typen bekommen in keiner dieser Szenen von Umstehenden die Ohren lang gezogen, sondern immer müssen die Betroffenen alleine was sagen. Macht euch mal gerade ey! 

Und verpisst euch, ihr Sexisten. Weit weg. Der Saturn soll ganz nett sein. 

Foto via USP

Als wäre das nicht schon nervig genug, gibt es da auch die Paulis, die so lattenstramm sind, dass sie nix vom Spiel mitbekommen und sich auch in jeden Scheiß einmischen, rumlallen und in aller Öffentlichkeit pissen. Dabei ist dieses Stadion in einem fucking Wald, kein Problem, da 10 Meter hinter die Bäume zu gehen. Oder sauft einfach mal nicht so viel. Oder im Vollsuff eine Frau von der Abtasterin weg ziehen wollen, weil “du ein Kerl bist”. Ja hahaha, weil auch alle Menschen ohne lange Haare Männer sind. Realtalk: Wie wenig woke kann man sein. Gerade am Frauenkampftag mit so unfassbar sexistischem Mist zu kommen, wir sind echt wütend. 

Immer noch nicht genug? Immer noch nicht genug! Selfie mit drei Menschen unsere Bezugsgruppe “aus Versehen” drauf, freundliche Bitte, das zu lassen. Was passiert? Es wird ins Gesicht gefilmt und als man sich dann deutlich äußert, kommt: “Ich verstehe gar nicht, warum du dich so aufregst?” Warum? Weil du scheiße bist! 

Täter*innen beinahe ausschließlich Männer. Ihr merkt, wie wir auf die Überschrift kommen. 

Dazu noch einen Rotzordnungsdienst, dessen Ordner*innen teilweise wieder voll in die Genitalien greifen. Das geht gar nicht, ist komplett übergriffig, definitiv auch verboten und demütigend. Dass man für diese Behandlung als weiblicher Mensch phasenweise noch 30 Minuten warten muss, weil die immerhin vier Ordnerinnen insgesamt für den Gästeblock haben, sei nur am Rande erwähnt. Hört endlich auf, Menschen in die Genitalien zu greifen. Da haben eure fucking Finger nix zu suchen. Und am allerschlimmsten: Ihr werdet mehrfach darauf hingewiesen, auch von Menschen, die eine berufliche Legitimation haben, euch darauf hin zu weisen. Und zwischen Einzelvorfällen liegen mindestens 30 Minuten. Wie sehr kann man zeigen, dass man keinen Fuck gibt.

Hin

Und dabei hätte es echt eine gute Tour werden können. War es eigentlich auch so. 

Mit zwei Fahrzeugen und einer 13 Personen starken Bezugsgruppe geht es in Richtung Sandhausen.

Beste Playlists in beiden Fahrzeugen, nur beste Menschen. Träume von Pokalauswärtsspielen in Wattenscheid inklusive eskalierender Kurve beim Schlager des Heimatvereins. Die Themen schwanken zwischen Rindi der Rindermarkthalle und Batik-Jogginghosen. Die Pausen werden zelebriert und Gerüchten zufolge werden auch ein, zwei Getränke konsumiert. 

Daraus entwickelt sich in einem Fahrzeug folgender Dialog. “Ich glaub, ich muss bald mal auf Klo.” “Wart mal ab, so wie die im anderen Fahrzeug getankt haben, müssen die auch gleich.” Fünf Minuten später kommt die Nachricht, dass eine Pause nicht schlecht wäre. 

In Sandhausen einen kleinen Bogen gefahren, den Parkplatz gefunden. Sticker verteilt und das Obige erlebt. Aber das ist nicht alles. 

“Ladies Night am Hardtwald-Kiez”

Lieber SVS, grundsätzlich gibt es in der zweiten Liga eine ganze Reihe an Vereinen, die schlimmer sind als du. Aber du hast heute echt nur Rotz gebracht. Und damit meinen wir noch nicht mal “auf dem Platz“.

Wir ahnten ja bereits Schlimmes, als diese bekloppte Einladung zur Ladies Night die Runde machte.


1) Das Spiel wird um 13:30 angepfiffen. “Night” our ass!
2) Wir haben viele Forderungen zum Frauenkampftag. Unsere Freundin für umsonst (oder so) mit ins Stadion nehmen zu können, ist ziemlich weit hinten. Von Patriarchat zerschmettern auf jeden Fall sehr weit weg.
3) Ist das Wort “Kiez” für den Kartoffelacker und Wald bei euch ziemlich euphemistisch.
4) Schult eure Ordner*innen mal vernünftig, dann fühlen sich Frauen auch etwas wohler und kommen dann vielleicht auch einfach so gerne. (Siehe oben).

“Etwas”?
Naja, ihr könntet auch mit so doofen Rosenverteilaktionen aufhören. Wir wollen nämlich auch keine Rosen. Diese Forderung von Feministinnen sollte doch auch ins tiefste BaWü durchgedrungen sein. Holt doch mal ne Frau bei euch in eine der 15 Führungspositionen (laut Homepage), die aktuell alle von Männern besetzt sind. Die kann euch davon vielleicht was dazu erzählen.
Und dann lasst ihr vielleicht diese bekloppten Stadionansagen sein. 

Und am allerliebsten dann auch noch diese Halbzeitspielchen. Extra zum Frauenkampftag nur mit Frauen. Die aus geschätzt 8 Metern Kegel umschießen sollen. Und dann als Gewinn ärmellose Tops erhalten. Was willst du da noch sagen?
Philipp Heerwagen ist doch jetzt nicht erst seit gestern bei euch. Und nicht ohne Grund lebenslanges Mitglied der Frauenfußballabteilung bei uns. Fragt den doch beim nächsten Mal nach Tipps. Wir sind uns sicher, da wäre nicht sowas bei rumgekommen.
Zu diesem so wichtigen Tag so einen beschissenen Auftrag hinzulegen, ist schon echt ganz große Kunst. 

Unidxs en la lucha feminista ✊

(Vereint im feministischen Kampf)
Viel besser machen es dagegen unsere Leute. 
Erst das schöne gemeinsame Zaunbanner der Orgagruppe bestehend aus Einzelpersonen aus verschiedensten Einzelgruppierungen (u. a. Conexion, Supportblock, Nordsupport & USP). 

(Vereint im feministischen Kampf. Foto via obige Orgagruppe & https://twitter.com/guenterruggaber/status/1236629821419118592?s=21)

Und dann kommentiert USP das Bannergame zur Lex Hopp und den Folgen auch hervorragend. Küsschen an alle! ❤️🤎🤍

Und am höchsten hüpft unser Herz ja immer bei Frauen auf dem Zaun. Richtig, richtig gut!

Sowieso freuen wir uns in den nächsten Wochen & Monaten auf weitere Einzelaktionen der oben erwähnten Orgagruppe, die den Frauenkampftag entsprechend bis zum AntiRa begleiten wird. Vielen Dank. Heute hat gezeigt, wie wichtig und wertvoll das ist!

In Zeiten von Corona ist es echt Mist, wenn keine Seife auf Klos vorhanden ist. Noch was, lieber SVS, was zu verbessern wäre. 

Ihr seid nur ‘ne Tretertruppe

Auf dem Platz zeigt sich Sandhausen von seinem ekligen Gesicht. Jeder Zweikampf mit Nickligkeiten, jedes Luftduell mit Ellbogen im Gegner. Der Schiedsrichter findet dagegen gar keine Linie, verpasst es, mit einer frühen Ermahnung ein Zeichen zu setzen, und so bleibt es 90 Minuten lang unklar, was er pfeifen will und was nicht. 

In einem dieser unsauberen Luftkämpfe wird Knoll (man liest von Lawrence’s Rücken) dann auch so getroffen, dass er regungslos liegen bleibt und dann benommen vom Platz geführt wird. Der Herr Schiedsrichter hat auch in dieser Szene nichts besseres zu tun, als ellenlang den starken Mann zu markieren, anstatt schnell die Betreuer zu dem offensichtlich benommenen Spieler zu winken. Gut, dass da nix Schlimmeres passiert ist. Gleiche Situation auch zuvor, als Østigård sich ebenfalls den Kopf hält und markiert, dass er Hilfe braucht. Wir haben das mit dieser Anweisung an die Schiedsrichter*innen, bei Kopfverletzungen sofort zu unterbrechen, wahrscheinlich einfach falsch gelesen. Sorry!

Aziz, mal ganz ehrlich, ganz unbeteiligt bist du an der Knoll-Verletzung auch nicht und auch in weiteren Szenen geht das Wort über “Ich bin ein giftiger Stürmer” hinaus. Da der Schiedsrichter da null einschreitet, regelt Leo das per Selbstjustiz und holt einmal das grobe Eisen raus. Finden wir gut, wie er uns auf Twitter verfolgt 🙃. Und hier ebenfalls: Auch das war klares Gelb. Natürlich nicht gegeben.

Das Spiel ist sonst schnell erzählt. Sandhausen zeigt seine Stärke (Torschüsse produzieren) und seine Schwäche (daraus Tore zu machen). Ryo und Viktor kombinieren für ein Traumtor, Dimi leckt einen rein und wir bekommen zwei dusselige Tore. Weder muss man den Elfer verursachen und wenn doch: Warum zuckt Diekmeier danach noch? Und Tore nach Ecken kann man verteidigen. Am Ende haben beide Mannschaften noch sehr gute Chancen für ein drittes Tor, beide nutzen sie nicht und schon ist es ein “gerechtes” 2-2. Es fällt auch auf, wie sehr uns Henk offensiv fehlt. Wir kommentieren während des Spiels, dass es so aussieht, als würden sie Henk suchen und ihn nicht finden. Die Verletzung ist echt Mist.

Knoll bis zu seiner Auswechselung im Mittelfeld als “freier Radikaler” echt klasse. Mega, was für Wege der geht. So ist der für uns echt wertvoll. Hoffentlich alles nicht so schlimm. Gute Besserung. 
Instagram macht zumindest etwas Hoffnung.

Noch ein paar Sticker vertickt und ab nach Hause. Danke an die Menschen, die diese Gefährte steuern!