Mrz 312020
 

Es ist ein Elend. Der Fußball, Spielball der Populist*innen und der Polizei. Schon immer.

Durchdrehende Polizei, die ihre eigenen Regeln macht und alltägliches Handeln kriminalisiert? Für (fast) jeden Fußballfan eine alte Erfahrung.

Für die*den Sächs*in, die*der „ohne triftigen Grund“ ihr*sein Haus verlässt, weil niemand so richtig weiß, was eigentlich ein triftiger Grund ist, eine ganz neue Erfahrung. In einer gewaltengeteilten Demokratie soll in der Theorie eine Exekutive klare Regeln durchsetzen, die ein*e Bürger*in auch verstehen kann. Dabei kann es zwar unbestimmte Rechtsbegriffe geben, aber diese sollen dann definiert werden. All dies geschieht nicht und auch in der Pandemie.

Das ganze wird auch noch verstärkt durch unseren Föderalismus. Während du in Bundesland A noch alleine auf der einsamen Parkbank sitzen darfst, ist das in Bundesland B ein Ordnungswidrigkeit, die mit einem empfindlicheren Bußgeld bestraft wird, als 20 KM zu schnell zu fahren. 

Man verstehe uns nicht falsch, Föderalismus hat seinen Sinn und die Maßnahmen gegen den Virus, der nicht genannt werden darf (irgendwer spülte uns letztens diesen Harry-Potter-Vergleich rein), sind notwendig. Aber anstatt dass sich 16 Landesfürst*innen nun als die knallharten Macher*innen feiern lassen und sich mit sinnigen und unsinnigen Regeln und Bußgeldern übertreffen wollen, wäre ein koordiniertes Handeln echt sinnvoll. Zumindest hat Drosti in seinem Podcast noch nicht erklärt, was denn nun so gefährlich an „auf der Parkbank sitzen“ ist. Da stecken wir uns doch alle eher im Supermarkt an. Ganz zu schweigen davon, dass Arbeitgeber*innen ihre Angestellten einfach so in Großraumbüros zitieren können – und teilweise auch machen. Ohne jegliche Prüfung, ob das nicht anders ginge. Ohne jegliche Bußgelder. Heißt auch: Im Großraumbüro mit vielen anderen Menschen arbeiten? In Sachsen grundsätzlich ok. Die Mittagspause (auch weil die Kantine mittlerweile geschlossen hat) einfach kurz vor der Arbeitsstelle auf der Parkbank verbringen? Nicht ok …

Und hey, es gibt in diesen Ministerien Jurist*innen, die hätten in der einen Woche zwischen „es wird keine Ausgangsbeschränkungen geben“ -> „wir müssen drüber nachdenken“ -> „wir koordinieren uns Sonntag“ auch mal einen einheitlichen Katalog entwerfen können. Ältere Jurist*innen unter uns werden sich daran erinnern, dass 10 Bundesländer mal ein (fast) wortgleiches Polizeigesetz hatten. Die 5 neuen gab es damals noch nicht und über Bayern müssen wir nun echt nicht reden, oder? Aber dann hätten die Innenminister (nicht gegendert, weil das echt nur weiße alte Männer sind) nicht jeweils ihren Namen in der Zeitung lesen können und wie schlimm wäre das denn gewesen?

Wir schweifen ab 

Populist*innen haben es eigentlich schwer in so einer Pandemie. Sie brauchen einfache Feindbilder und einfache Lösungen für komplexe Probleme. Und ihre Ausflucht, dass das alles sowieso nur eine Erfindung der bösen Medien sei, klappt dann nicht mehr, wenn auch bei ihren Anhänger*innen die Leute umkippen wie die Fliegen. Bleibt aber immer noch der Fußball. Damit lässt sich immer noch Schlagzeile machen. 

Die taz freut sich, dass es auch ohne Fußball geht, beweist damit, dass auch sie den Fußball für die Schlagzeile braucht, und haut dann auch noch in die gleiche Kerbe wie C. Lindner, der in einem Interview mit einer vierbuchstaben Blutpostille irgendwas von „wir werden als letztes den Fußball wieder beginnen“ blubbert. Wer in diesem Zusammenhang „wir“ ist, bleibt aus der Schlagzeile, die wir in diesem Internet gelesen haben, natürlich offen. Als wir das letzte Mal guckten, war Lindner immer noch Chef einer Partei, die leider immer noch nicht in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, die aber gerade mal in 3 von 16 Bundesländern was zu sagen hat.

In welche Kerbe hauen die denn? In die Kerbe des Fußballs als Zirkus der Millionäre und arroganten Bosse, den man eigentlich nicht braucht, und der mit seiner Geldgier sowieso nur um sich selbst kreist.

Halbe Wahrheit

Das mag alles im Kern seine Richtigkeit haben, aber Fußball, Profisport und mit ihm das ganze Entertainment-Business ist halt etwas breiter als irgendwie 300 Millionärspieler und 100 feiste Funktionär*innen, die nur die Eurozeichen im Blick haben. Man darf eben nicht vergessen: Was für „den Fußball“ und seine Gefährlichkeit in der Pandemie gilt, das gilt auch für „den Handball“ oder „den Konzertsaal“ und in all diesen Branchen ist eben nicht nur die*der Künstler*in beschäftigt, die*der ggf. ein Jahr sich retten kann und mit ein paar Onlineauftritten vielleicht auch ein bisschen Geld beschaffen kann, sondern eben noch ganz viele andere Leute. Alleine der FCSP beschäftigt 600 Menschen. Davon sind die wenigsten diejenigen, die gegen den Ball kicken oder sie anleiten. Und da haben wir noch kein Wort über Bierverkäufer*innen, Ordner*innen oder freie Fotograf*innen verloren, die alle nicht beim Verein angestellt sind und von denen die meisten diese Jobs nicht machen, damit sie ein bisschen Taschengeld haben, sondern weil sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten finanzieren bzw. bestreiten müssen. 

Nebenbei: Während im Baseball eine relativ große Diskussion darüber gefahren wird, ob und wie diese Menschen bezahlt werden können und sollen, schweigt sich die ganze Diskussion im Fußball dazu ziemlich aus. Das sind die schwächsten Glieder in der Kette der Menschen, die im Fußball beschäftigt sind, vergesst die nicht! 

Und machen wir uns nix vor: Diese Menschen profitieren nur in einem ganz kleinen Teil von Geisterspielen und Online-Aufführungen.

Spielen wir zu Ende?

Die Hoschis vom Millernton zeichneten heute Morgen ja schon Szenarien auf, wie der Fußball nun weiter gehen könnte. Und fragten dann, was man so denke.

Prognosen sind bekanntlich immer dann sehr schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen (auch spannend, wem dieses Sprichwort alles zugeschrieben wird), und daher ist es wahrscheinlich unsinnig, wenn man sich nun auf ein Datum festlegt. Wir alle haben nicht so wirklich unsere Erfahrungen mit Pandemien. Insbesondere nicht mit Pandemien, die sich durch Tröpfcheninfektion weiter verbreiten. Insofern ist es wahrscheinlich sinnvoller, inhaltliche Benchmarks zu setzen als sich nun mit Daten unter Druck zu setzen. 

Aber da ist auch noch der Kapitalismus und der hat für ein Innehalten selten Zeit. Darlehen wollen bezahlt werden und die Pandemie erwischte gerade den Bundesligafußball zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt. Am 26. Spieltag wäre die nächste Rate fällig gewesen und ihr alle wisst, wie knapp man am Ende des Monats ist. So ging/geht es wahrscheinlich auch allen Fußballclubs. Selbst wenn du wirtschaftlich gesund bist, hast du als Fußballverein zu diesem Zeitpunkt nicht Millionen in kleinen Scheinen rumliegen. 

Auswege

Man kann aus diesem Gesichtspunkt verstehen, dass die DFL hier Auswege sucht. Und kommt jetzt bitte nicht mit dem moralischen oder dem „nehmt euch nicht so wichtig“: Die kämpfen wie sehr viele von uns gerade um das nackte Überleben. Und da hängen alle mit dran. Auch unser FCSP. Das mag gerade alles unwichtig erscheinen, ja Fußball mag insgesamt ein „First World Problem“ sein, aber der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein, sondern auch von den Spielen. Okay, okay wir hören ja schon auf die Bibel falsch zu zitieren. 

Trotzdem sollte eine gewisse medizinische Sicherheit der Beteiligten gewährleistet sein. Auch wenn uns das Innenminister immer glauben lassen wollen: Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Aber eine gewisse Sicherheit sollte es schon sein. Wenn man diese mit Tests aller Beteiligten sicherstellen kann, dann kann man auch wieder über einen Spielbetrieb nachdenken. Da muss jetzt aber ein großes ABER kommen. Zurzeit ist der Test sehr aufwendig und die Kapazitäten daher sehr begrenzt. So lange dies der Fall ist, wäre eine Verschiebung der Kapazitäten weg von Kranken hin zu gesunden Fußballprofis (und ihrem Umfeld) echt nicht vertretbar. Zwar werden relativ unkomplizierte Schnelltests in der Presse immer wieder in Aussicht gestellt, aber ob die jemals kommen und ob die im Mai/Juni verfügbar sind? Und eigentlich reicht auch Mai/Juni nicht, denn wenn du da halbwegs einen vernünftigen Wettkampf haben willst, musst du in zwei Wochen spätestens wieder ins Mannschaftstraining. Und auch das kannst du auch nicht machen, ohne sicher zu sein, dass da nicht wieder ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Und nach allem, was wir aktuell so lesen, wären auch in zwei Wochen solche Tests an anderer Stelle besser aufgehoben. Wir freuen uns schon auf die nächste PR-Aktion zur gesellschaftlichen Verantwortung. Klappt ja in etwa so gut wie beim Rassismus.
Wer weiß das schon? Wir sind wieder bei den Prognosen. Eines ist klar: Die Zeit ist äußerst knapp. Und bedenkt auch: Wenn Fußballer getestet werden sollen, dann bitte auch Handballprofis etc.

Geisterspiele?

Geisterspiele sind immer eine Scheißlösung. Punkt. 

Nur drei Argumente: 

1- Buttje und Co dürfen da ihren breiten Arsch in das Stadion setzen, aber Menschen, die seit 1.000 Jahren kein FCSP-Spiel verpasst haben, nicht

2- Fußball ohne die Stimmung, ohne die Energie der Zuschauer ist Rotz. Wir schrieben da auch schon hier darüber.

3- Sie erhalten das Fußballsystem irgendwie am Laufen, aber sie helfen den ganzen genannten Menschen, die im Umfeld eines Spieles ihren Lebensunterhalt verdienen, nur sehr wenig. Es hält aber zumindest die Möglichkeit der Rückkehr offen.

Ansteckung dann woanders?

Geisterspiele schön und gut. Aber was bringen die uns, wenn sie zu irgendwelchen Menschenansammlungen irgendwo anders führen? Wenn sich – angesichts eventuell gelockerter Bestimmungen – ungefähr 50 Prozent aller Zuschauer*innen im Viertel versammeln, weil sie im Knust, im Jolly oder sonstwo gucken wollen, dann ist damit relativ wenig gewonnen.

Und selbst wenn wir dann immer noch die jetzt geltenden Regeln haben: Wer erklärt Ultragruppe XYZ, dass es trotz Derby mal keine geile Idee ist, sich vor dem Stadion zu versammeln? Looking at you, Gladbach. Und worauf wahrscheinlich niemand Bock hat ist, dass die oben genannten Innenminister/ Populist*innen plötzlich wieder ihr Feindbild Ultras haben.
Apropos hässliche Fratze des Fußballs: 

Dazu kommt, dass die Akzeptanz einen Abnutzungseffekt hat. Die ergriffenen Maßnahmen haben garantiert kurzfristig eine hohe Akzeptanz, aber umso weniger man mit (dann hoffentlich nicht mehr) explodierenden Zahlen gegen 30 Grad im Schatten argumentiert, umso schwieriger wird es, die Menschen von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu überzeugen. Und das gilt insbesondere, aber nicht nur für Fußballfans, die häufig genug „unser ganzes Leben“ eben nicht nur inhaltsleer mitträllern. Ja, verdammt sie alle als dumm und seid froh, dass euer Lebensinhalt das kapitalistische Funktionieren und Netflix ist, aber warum lest ihr dann hier eigentlich? 

Mit Beendigung der Saison ist noch nicht alles gut

Wir haben keinen Plan, wie lange es dauern wird, bis die Versammlung von ein paar tausend Menschen auf einem relativ engen Raum wieder halbwegs sicher ist. Wahrscheinlich hat den Plan niemand. Klar, jede Zeitung hat schon jemanden befragt, der einen möglichst langen Zeitraum für eine Schlagzeile produziert hat, damit der hinter einem Paywall liegende Artikel auch gelesen wird. Aber wirklich sicher wissen tun das Expert*innen sowieso nicht. Und seien wir mal ganz ehrlich: Für eine*n Virolog*in ist ein Fußballstadion wahrscheinlich schon in normalen Grippezeiten die Vorhölle. Drosti trinkt nämlich aufgrund der höheren Infektionsgefahr nie gezapftes Bier. Und da hört der Spaß wirklich auf. (Lernten wir in einer der Folgen des Corona-Podcasts,)

Sowieso: Was bringt es uns, wenn wir letztendlich uns alle über Schulen, S-Bahnen und in den Großraumbüros anstecken, aber zu Hause brav Geisterspiele gucken. Und glaubt mal nicht, dass „die Wirtschaft“ nun dauerhaft auf die Präsenzpflicht verzichtet. Mal ganz davon ab, dass das sowieso ein Privileg der Sesselpuper*innen ist.

Fakt ist: Selbst wenn wir die Saison nun als Geisterspiele zu Ende spielen und in diesen sehr sauren Apfel beißen, um das System und damit verdammt viele Arbeitsplätze zu erhalten, so ist nicht ausgeschlossen, dass die Situation im Juli immer noch genauso ist. Und dann? Dauerkarten haben die Vereine dann nicht verkauft, dieses Geld wird ggf. fehlen. Niemanden ist klar, wie lange das ganze ohne Zuschauer*innen im Stadion weiter laufen soll. Mit diesen Einnahmen kann niemand ernsthaft kalkulieren. 

Fußballvereine wären gezwungen, die neue Saison ausschließlich mit Fernsehgeldern und Zuschauerunabhängigen Einnahmen zu planen. Kleiner Tipp an alle Mäzen*innen: Stelle deinem Verein jetzt schon mal 100 Mio für die nächste Saison bereit und fang schon mal an, Spieler anzusprechen. Du hast ggf. einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Ersten jetzt auch fordern, dass 50+1 doch unter diesen “besonderen” Bedingungen ausgesetzt werden solle.

Und wir sprechen hier noch gar nicht über Regenerationszeiten, Trainingssteuerung, Vereinswechsel etc. pp. Gerade die ungewohnten Trainingsbelastungen beinhalten bei hochgezüchteten Profisportler*innen immer auch ein Risiko der Verletzung. Was auch wieder nicht gut ist. 

Und ganz zuletzt

Darf man nicht vergessen, dass wir kein abgeschlossenes Profisystem haben. Selbst wenn man so vielleicht die Ligen 1 bis höchstens 3 retten kann und weiter betreiben kann, so wird dies für 4 und weiter unten wahrscheinlich aussichtlos. Und die meisten Menschen spielen halt dort Fußball. 

Fazit

Keine Ahnung. Aber wir wären jetzt bereit für die*den Forscher*in, die*der ein Wundermittel findet.

Mrz 282020
 

Eigentlich hatten wir nicht vor, diesen Monat wirklich viel im Blog zu veröffentlichen. Gibt ja keinen Anlass, wird kein Fussball gespielt, alle wichtigen Themen können wir auch einfach in den entsprechenden sozialen Medien kommunizieren. Naja, und dann kam der H$V.

Liebe nachfolgende Generationen, dieser Blogbeitrag schreibt sich im März 2020. Jener Monat, von dem Euch Eure Großeltern die ganze Zeit erzählt haben, so dass ihr echt nicht mehr irgendwas dazu hören wolltet. Ja, ihr habt verstanden, dass der März 2020 der Monat war, wo alle verstanden haben, das linke Ideen nicht nur blinde Ideologien sind, sondern tatsächlich reale Optionen aufzeigen. Indem die Menschen wieder verstanden haben, was Solidarität wirklich bedeutet. Dessen Ereignisse zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens geführt haben. Der Monat, der das endgültige Ende der AfD bedeutet hat. Der Monat, in dem alle Menschen zusammengehalten haben. Indem alle Menschen zusammengehalten haben.

Alle Menschen? Nein, eine kleine unbeugsame Enklave am Stadion an der Müllverbrennungsanlage hat einen Zaubertrank getrunken, für die trifft all das nicht zu. (RIP, Alberto Uderzo!)

Gestickert ungefähr zum Zeitpunkt der Entscheidung am Volkspark.

Die haben – in einer Situation, die damals noch global eine starke Verunsicherung bedeutet hat, in der sich viele, viele Menschen Sorgen um ihre Existenzen gemacht haben – lieber einen Führungsstreit angezettelt, der am 28.03. zum drölfzigsten Wechsel an der Vereinsspitze geführt hat. Ein Wechsel, der dann aber auch den endgültigen Untergang des Hamburger $portvereins besiegelt hat.

Ganz ehrlich, liebe Vereinsbosse: Wie kann man nur so scheiße sein? Wie kann man in einer Situation, in der sich diverse Menschen in eurem Vereinsumfeld Sorgen um ihre Gesundheit, um ihre Existenzen machen, einen Kleinkrieg anzetteln, dessen Grund wir noch nicht mal ausmachen können? Wie egoistisch und selbszentriert kann man sein? Wie kann man nur so unsolidarisch sein? Wie kann man gerade in solchen Zeiten nicht einfach mal zusammenstehen? Es gäbe so vielen gute Dinge, in die man gerade all seine Energie versenken könnte.

PS:
Hamburger $portverein
Wie kann man nur so scheiße sein
Ihr lebt in eurer Nostalgie
Das Derby, das gewinnt ihr nie!

Mrz 122020
 

Liebe Leute,

es ist zwar immer noch nicht ganz offiziell bestätigt, aber es sieht alles danach aus, als würde das Spiel am Sonntag wird ohne Zuschauer*innen stattfinden. 

(Den Exkurs, dass es eher nicht so toll ist, dass die Behörde für Gesundheit und Vebraucherschutz auch 24 Stunden nach Ankündigung die Allgemeinverfügung noch nicht erlassen hat, denkt ihr Euch an dieser Stelle.)

Und sollte somit das erste Geisterspiel in der Geschichte des FC St. Pauli sein. Toll finden wir das nicht. Gar nicht. Und auch in unserer Brust schlagen zwei Herzen. Und diese beiden Herzen wollen wir gerne mit Euch teilen.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.

(Aus Faust. Danke für die Inspiration, Trashi!)

Und auch hier noch mal als Disclaimer: Wir sind absolut keine Expert*innen in Virologie oder irgendeiner benachbarten Disziplin, so dass wir uns da Expertise zuschreiben würden. Und deshalb tun wir das, was eins am besten in einer solchen Situation macht. Wir hören auf Expert*innen wie Christian Drosten im NDR-Podcast. In dem er sehr klar Stellung bezogen hat, was eins tun muss, um jetzt eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. Um Situationen, wie sie aktuell aus der Lombardei berichtet werden hier zu verhindern.

Emotio

Ihr kennt uns. Wir lieben Fussball, wir lieben den FC St. Pauli. Wir lieben es, diese emotionalen Momente gemeinsam mit unseren Leuten auf der Tribüne zu erleben. Wir haben montags oft genug nicht unsere komplette Stimme, weil die in irgendwelchen Stadien geblieben ist. Und wir haben ein Blogmitglied, die auf dem allerbesten Weg in ihre erste goldene Saison war. Wir können auch jeden Menschen verstehen, der/ die die Mannschaft am Sonntag “trotzdem” und bestmöglich unterstützen möchte. Verdammt, wir gehören da doch selbst dazu. 
Wir wissen auch, dass viele Spieler auch von der Kulisse – gerade auch am Millerntor – berichten und daraus Energie ziehen. 
Beispiele gefällig?

Und auch Leo sprach schon von der tollen Atmosphäre im Millerntor, James tat dies ebenso im MillernTon, und auch unser Kapitän (Vorsicht BWin-Link!). Gut, wir hören schon auf, wir wollen das am Sonntag doch auch erleben!  
Und auch aus sportlicher Sicht ist das nicht so wirklich pralle: Es hat ja nun auch wirklich einen Grund, warum wir diese Saison zu Hause bisher 1.69 Punkte pro Spiel machten, auswärts dagegen nur 0.66 Punkte pro Spiel holten. (Nebenbei auch wirtschaftlich nicht, dazu schrieben wir gestern schon.

Und na klar ist auch bei uns der Gedanke “das Spiel von der Stadionecke verfolgen und die Mannschaft von außen zum Sieg schreien” da. Wir schrieben in einem der letzten Beiträge, dass wir den Fussball auch deshalb so lieben, weil er uns geteilte emotionale Momente mit vielen anderen ermöglicht. Verdammt, wir wissen wie verdammt geil dieser gesamte Derbytag war! Und zehren da auch heute noch von. Wir wollen da hin, wir wollen unsere Mannschaft unterstützen!

Ratio

Und dann kommt die Ratio. Es gibt einen guten Grund, warum das Spiel ohne Zuschauer*innen stattfindet. (Und für die spitzfindigen: Einen guten Grund, warum es überhaupt noch stattfindet, suchen wir noch. Also außer Kapitalismus. Und der ist jetzt eher nicht so oft ein guter Ratgeber.) Also es gibt einen guten Grund, warum Menschenansammlungen großer Gruppen behördlich verboten werden.

Warum sogar teilweise das Demonstrationsrecht eingeschränkt ist. Und ihr kennt uns auch: Das ist für uns sehr wichtig. Stichwort G20, da haben wir uns sehr klar zu den damaligen Einschränkungen positioniert und sehen das heute noch genau so. Aber hier ist die Lage eine komplett andere.

Und dennoch finden wir es in dieser Situation richtig, dass dieses Recht in einigen Bundesländern aktuell eingeschränkt ist. Oder warum Greta, die seit wirklich langer Zeit draußen streikt, eben jetzt dazu aufruft, dies temporär in die digitale Welt zu verlegen.

Um Expert*innen sinngemäß zu zitieren: Es geht darum, jetzt (!) eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden, um eine komplette Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Stichwort: Flatten the curve. Oder auch in noch länger.

Und genau so eine unkontrollierte Ausbreitung würde befeuert wenn sich eine undefinierbare, möglicherweise große Gruppe von Menschen (Stichwort: Infektionswege nachvollziehen) auf engem Raum trifft und sich dabei sehr wahrscheinlich (Dima macht mindestens 2 Buden!) gegenseitig in den Armen liegt. Und sehr wahrscheinlich sind die Menschen, die sich dort treffen würden, noch nicht mal Risikogruppen zuzuordnen. Aber es geht jetzt darum, vulnerable Gruppen zu schützen. Solidarität ist eine Waffe. Unsere stärkste sogar.

Und klar wird jetzt irgendjemand kommen und sagen: Aber ich muss doch auch jeden Tag U-Bahn fahren. Vollkommen nachvollziehen können wir das auch nicht (und einer unser Arbeitgeber forciert gerade auch Homeoffice wo immer es möglich ist). Aber auch hier: Wir vertrauen da lieber auf die Expert*innen und auf die Menschen, die wissen was zu tun ist.

Actio

Und was wir machen werden, fragt ihr uns? Nun wir sind da unentschieden, ob wir ganz zu Hause bleiben, oder ob es in eine kleine (!) Kneipe geht. Tendenz Stand jetzt ist aber “zu Hause” mit ein paar wenigen Menschen. Und die hier schreibenden Menschen können sich allesamt nicht erinnern, wann sie das letzte Spiel so erlebt haben. Es ist also lange her. Und natürlich wollen wir das nicht, natürlich finden wir das nicht gut. Wir finden den Gedanken daran sogar richtig, richtig beschissen. Aber es ist eben in unserer aktuellen Einschätzung das richtige. Und nein, einfach wird das für uns auch nicht werden.

In unserer Traumwelt gibt es noch irgendeinen coolen Supportaufruf, zu dem alle, die wollen, etwas beitragen können, der die Spieler morgens beim Frühstück erreicht, so dass sie noch mal so richtig merken, dass wir vollstens hinter ihnen stehen und zumindest ein bisschen der Energie, die sie normalerweise von den Rängen mitnehmen, eben auch jetzt mitnehmen. Aber hier gibt es andere, die sowas viel besser koordinieren können als wir.

Und zum Abschluss ein lieb gemeintes: Fick Dich DFL! Danke, dass ihr uns diesen ganzen Scheiß eingebrockt habt! Danke, dass ihr uns zwingt, diese Zeilen zu schreiben, weil ihr zu feige seid einfach alles zu verschieben!

Mrz 112020
 

„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“

Okay, leider nicht. Es ist leider das negative Gespenst einer Pandemie und Geisterspiele, aber wenn es auch nur die kleinste Assoziation gibt, die uns die Möglichkeit auf den Tisch legt Marx zu zitieren, dann wollen wir sie als kommunistisches Propagandamedien auch nutzen.

Vorab

Wir sind keine Virolog*innen, haben keine Ahnung von Ansteckungsketten und wissen nicht was sinnvolle Maßnahmen sind und was nicht. Da gibt es Expert*innen für und wenn die sagen, dass Großveranstaltungen nicht sinnvoll sind, dann kann man das wohl so glauben. Später nennen wir mehrere Szenarien. Diese sind weniger oder mehr sinnvoll. Dass wir sie nennen ist keine Bewertung der Sinnhaftigkeit!

Als wir diese Zeilen schreiben (Stand 10.03.2020, ca. 20 Uhr), sind diverse Spiele schon als Geisterspiele ausgerufen und in diversen Bundesländern sind Veranstaltungen über 1000 Menschen verboten. Die DFL will bisher die Bundesligen ums Verrecken (das ist beinah zu wörtlich zu lesen) zu Ende bringen. Im Notfall als Gespensterliga. Dafür mögen – wie ihr gleich lesen werdet – selbst juristische Gründe sprechen.

Moralisch kann man sich natürlich fragen, ob der Sport so etwas wirklich wert ist. Uns allen ist der Besuch von Fußballspielen sehr wichtig. Hobbys an sich sind Dinge, die man tut um sich zu zerstreuen und zu vermeiden über seine eigene Vergänglichkeit nachzudenken. Wenn diese Hobbys aber geeignet sind, die eigene Vergänglichkeit zu beschleunigen, dann kommt man in eine Zwickmühle. Wir können moralisch die Wertigkeit von Sport nicht beurteilen. Ganz vielleicht sind wir als Sportabhängige da auch nicht so wirklich unvoreingenommen. Wir blenden daher diesen Aspekt ab jetzt mal aus. Darüber könnte man garantiert auch noch einen Blogbeitrag schreiben. Was aber euch allen klar sein sollte: Juristerei hat sehr wenig mit Moral zu tun. Und wenn ist es die Moral der Herrschenden. „So lange wir keine Gerechtigkeit haben, müssen wir mit den Jurist*innen vorlieb nehmen“ ist ein Satz mit sehr viel Wahrheit drin.

Ob und wie sinnvoll solche Spiele aus Fanperspektive sind, da lest ihr zu den Millernton, ja?

Was wir auch nicht leisten werden ist die aufgeworfenen Fragen am Ende zu beantworten. Juristen und weniger Juristinnen (m/d) neigen dazu so zu tun, als wüssten sie die einzig wahre Antwort auf alle juristischen Fragen. Sei du nicht so ein(e) Jurist*in, lieber Senior. Bin ich nicht antwortete er und zeigte einfach nur die Fragen auf.

Grundannahmen

Wir operieren mal mit fünf Fallvarianten. Die haben nach dem oben genannten natürlich unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten, aber das ganze kann uns ja noch länger verfolgen, insofern können alle drei Szenarien irgendwann noch eintreten.

Szenario 1: Die letzten Spieltage werden in der ganzen Liga unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt.

Szenario 2: Die letzten Spieltage werden unterschiedlich gehandhabt. Verein A darf mit Publikum spielen, Verein B nicht.

Szenario 3: Die letzten Spieltage werden komplett abgesagt.

Szenario 4: Alle Spiele werden zu Ende gespielt, es stecken sich Menschen nachweislich in einem Fußballstadion an und erkranken schwer. Achtung: Juristische Betrachtung. Achtung: Ob man so etwas wirklich mit einer juristischen Sicherheit nachweisen könnte, wissen wir nicht, es ist hier mal angenommen.

Szenario 5: Die ganze Runde wird in den Sommer verschoben. Spielen 9 Spieltage im Juni/ Juli innerhalb von 5 Wochen im Paket runter.

Szenario 1: Die letzten Spieltage werden in der ganzen Liga unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt.

Hier ist vom Ligabetrieb erstmal kein Ansatzpunkt für irgendwas juristisches. Alle Teams haben ein ausgeglichenes Wettbewerbsumfeld. Vielleicht mag der eine Verein einen größeren Heimvorteil haben, weil seine Fans so laut sind, als der andere Verein, aber das ist wohl eher anekdotisch, als dass es juristisch nachweisbar wäre.
(Funfact der nicht Juristin im Blog: Auswärts holten wir bisher 0.66 Punkte pro Spiel, zu Hause holten wir bisher 1.69 Punkte pro Spiel. Der FCSP hat noch 5 Auswärts- und 4 Heimspiele)

Ansprüche könnten sich aus Kartenverhältnissen, aus gebuchten Reisen zu Auswärtsspielen und aus Hotelbuchungen ergeben. Auch Sponsorenverträge könnten betroffen sein. Ein kleiner Exkurs sei uns zu der Frage der Versicherbarkeit erlaubt.

Kartenverhältnisse

Hier wird man bei einem Geisterspiel wohl von einer Unmöglichkeit im Sinne des § 275 ausgehen müssen. Die Leistung eines Kartenvertrages definieren die ATGB unseres geliebten Vereines wie folgt:

„Eine Tageskarte berechtigt den Kunden ausschließlich das Heimspiel des Clubs im Stadion zu besuchen, für das er ein Besuchsrecht erworben hat.“

Und für die Dauerkarten:

„Eine Dauerkarte oder eine Jahreskarte Steh Süd („Dauerkarten“) berechtigt den Kunden grundsätzlich, diejenigen Heimspiele des Clubs im Stadion zu besuchen, für die er ein Besuchsrecht erworben hat.“

Diese Leistungen kann bei einem behördlich verordneten Geisterspiel (!) niemand mehr erbringen und schon die alten Lateiner*innen murmelten in diesem Fall „Impossibilium nulla est obligatio“ in ihre Toge. Nach juristischem Küchenlatein (Achtung, das ist was anderes als korrektes Latein) heißt dies übersetzt „Nichts ist Pflicht bei Unmöglichkeit.”
Das BGB sieht in diesem Fall einen Verfall der Leistung und eine Rückerstattung der Gegenleistung vor.

Unser Ticket AGB sehen für den Fall einer Sperrung des Stadions eine andere Regelung vor. Wir zitieren:

„5.5 Wird eine Veranstaltung abgesagt oder ist der FC St. Pauli, aufgrund einer Anweisung des Deutschen Fußball-Bundes e.V. („DFB“) oder der DFL, verpflichtet, Besucherplätze nicht zu besetzen, so erhält der betroffene Besteller die Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten. Nach Rückgabe des Tickets erstattet wird der Vertragspreis erstattet. Der Rücktritt durch den betroffenen Kunden ist in Textform (E-Mail ausreichend), per Telefax oder schriftlich auf dem Postweg an die in Ziffer 12 genannte Kontaktadresse zu erklären. Die betroffenen Kunden erhalten gegen Vorlage des Tickets bzw. Übersendung des Tickets auf eigene Rechnung an den Club den entrichteten Ticketpreis erstattet. Service- und Versandgebühren werden nicht erstattet. Bei Spielen, die aufgrund von Maßgaben der zuständigen Verbände oder Behörden ganz oder zum Teil unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden muss, ist auch der Verein berechtigt, vom Vertrag zurückzutreten und berechtigt, Dauer- und Tageskarten für einzelne Spiele zu sperren.
5.6 Eine anteilige Rückerstattung des Vertragspreises bei Dauerkarteninhabern ist jedoch ausgeschlossen, sofern der Inhaber der Dauerkarte in den letzten 5 Jahren vor der Veranstaltung nicht bereits von einem solchen Wegfall betroffen war.“

Das ist grundsätzlich eine ebenso spannende wie in 5.6. auch juristisch fragwürdige Regelung, die hier aber wahrscheinlich nicht greifen würde, denn bisher sind es keine Anweisungen der DFL oder des DFB, sondern der Gesundheitsämter. Analoge Anwendungen von AGB ist eher fragwürdig, so dass wir wieder bei der gesetzlichen Regelung landen.

Eine „höhere Gewalt“ Regelung beinhalten unsere Ticket AGB nebenbei nicht. Ob man für höhere Gewalt die Rückerstattung des Preises ausschließen könnte, ist wohl eher zu verneinen.

Man kann hier auch juristisch spitzfindig werden, denn die Behörden verordnen ja keine Geisterspiele. Sie verordnen, dass Veranstaltungen nicht durchgeführt werden dürfen in einem bestimmten Zeitraum. Man könnte also rein theoretisch das Spiel aus diesem Zeitraum verschieben und der Besuch wäre möglich und damit läge keine Unmöglichkeit vor. Das könnte später vielleicht einen Unterschied machen. Ihr werdet zu Recht sagen „Die spinnen, die Juristen“ und ja ihr habt Recht.

Das kostet Geld

Das eben gesagte verkürzt heißt „Geld zurück“. Es ist schwierig auszurechnen, was dies monetär bedeutet, aber wenn wir jetzt mal von einem durchschnittlichen Ticketpreis von 25 Euro ausgehen und 29.000 Zuschauern, dann käme da pro Geisterspiel eine Summe von 725.000 Euro auf den Verein zu. Klar, es werden einzelne oder viele Fans auf Rückerstattungsansprüche pfeifen, auch aus Liebe zu ihrem Verein, aber das ist schon einmal eine riesige Nummer.

Werbeverträge, Catering-Verträge, Arbeitsverträge der Spieler

Und es werden ja nicht nur die Ticketingverträge unmöglich. Auch Werbeverträge, Cateringverträge werden teilweise Leistungen beinhalten, die bei einem Zuschauer*innenausschluss unmöglich werden nach dem oben beschriebenen Kriterien. Das kommen auch Summen zusammen. Und hier wird die Bereitschaft zu einem Rückforderungsverzicht wahrscheinlich geringer ausfallen, weil da schnell die/der kühle Buchhalter*in über das heiße Herz des Fans gewinnt.

Gehaltszahlungen an Spieler laufen nebenbei normal weiter. Hier ist ja keine Unmöglichkeit eingetreten. Der Spieler kann seine Leistung anbieten, er kann trainieren und anbieten, dass er für den Verein spielt. Die Spiele finden in unserem gewählten Beispiel ja auch statt. Ähnliches gilt auch für die Fernsehverträge.

Kann man das versichern und welche Folgen hat das für die Vereine?

Diese Frage ist wirklich seriös nicht zu beantworten. Man kann sich als Veranstalter gegen den Ausfall versichern. Ob das Vereine getan haben, ist wahrscheinlich auch eine Kostenfrage. Wenn ich als Verein XYZ sowieso schon knabber, dann ist die Versicherungsprämie wahrscheinlich auch nicht drin. Wenn ich in Geld schwimme schon eher. Wir gehen aber mal davon aus, dass einige Vereine solche Versicherungen abgeschlossen haben.

Dann kommt aber das Detail. Wir haben mal einen Menschen gefragt, der sich mit solchen Details auskennt. Hier die Antwort:

„Klar, kann man das versichern. Ein Versicherer wird dann nach dem Umfang fragen was geplant ist und was davon versichert werden soll, z.B. wenn die geplante Veranstaltung im TV übertragen werden soll und sich durch den Ausfall der Veranstaltung ein Einnahmeausfall ergibt. Und wie es mit Fernsehgarantien in den Sponsorenverträgen aussieht. Und wie hoch der Verkauf von Eintrittskarten ist, und was an Merch wegfällt und dadurch Lücken reißt – alles normal und alles versicherbar.

Der Teufel liegt dann – wie so oft – im Detail, genauer: in den nicht versicherten Ausschlüssen, denn Versicherer schließen gerne mal gewisse Gefahren aus. Z.B. schließen viele Versicherern die Verträge so ab, dass „Pandemien“ genau ein solcher Ausschluss ist, manchmal ist in Verträgen auch „Krankheiten“ als Ausschluss genannt oder „direkte oder indirekte Folgen einer übertragbaren menschlichen Krankheit“.

Hierbei geht es den Versicherern dann nicht um die Krankheit eines Stars, der nicht auftreten kann – sowas kann man immer versichern. Es geht im obigen Fall um die Folge einer Krankheit, die nicht an eine bestimmte Person gebunden ist, sondern um das Risiko einer Ansteckung im Rahmen einer Pandemie. Und hier heißt es: COVID-19 wäre ausgeschlossen. Das KANN bei einem Vertrag natürlich auch mal anders sein, wäre aber unwahrscheinlich. Nochmal: Der Teufel steckt eben immer im Detail.“

Etwas verkürzt heißt dies, dass wahrscheinlich gerade in vielen Vereinsgeschäftsstellen Versicherungspolicen studiert werden. Ein Fest für Jurist*innen. Auch wenn am Ende eine Klausel unklar ist.

Wenn das nicht versichert ist, dann hab ich ein erhebliches finanzielles Risiko und so unmoralisch das ist, dies ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum Vereine und Verbände sehr langsam reagieren mit Absagen.

Zwar hat das „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten bei Menschen“ (untechnisch auch gerne „Bundesseuchengesetz“ genannt) in § 65 eine Entschädigungsnorm für erlittene „unwesentliche Vermögensnachteile“, aber da ist bei den Jurist*innen schon jetzt hochumstritten, wie weit dies geht. Und bis man da ggf. Geld von der öffentlichen Hand bekommt, laufen Kosten auch weiter. Das ist keine gute Situation bei einem Fußballverein.

Hier auch ganz wichtig: Warum sagen Vereine erst ab, wenn die Maßnahme hochoffiziell beschlossen ist? Um sich genau diesen Schadensersatzweg zumindest offen zu halten. Da steht im Gesetz „Soweit auf Grund einer Maßnahme…“ ich muss also eine Handlung machen, die kausal von der Maßnahme der Behörde ausgelöst wird. Das kann ich schwerlich vor der Maßnahme. Täte ich dies vorher, gäbe es auch in Behörden genug spitzfindige Jurist*innen, die einem dies schon vorwerfen würden.

Ein Hinweis, der hier noch mal sehr angebracht ist: Fußball ist egal, wenn uns alle die Seuche niederstreckt. Fußball ist eine Nebensache. Es geht hier nicht um eine moralische Bewertung, wenn ein Verein ggf. versucht über § 65 Geld zurück zu bekommen. Es ist eine rein formal juristische Betrachtung!

Und mein Hotel, meine Bahnfahrkarte etc?

Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass es keine anderen Gründe gibt (Stadt zur Sperrzone erklärt etc.), dann sind diese Leistungen weiterhin möglich. Das ich sie aus einem bestimmten Grund gekauft habe, ist für die Juristerei erstmal unerheblich. Das ist ein klassischer Fall im Studium. Aus welchem Grund man eine Leistung gekauft hat, ist regelmäßig nicht Vertragsinhalt. Außer es wird dazu gemacht. Beispiel? „Besuchen sie das kultige Millerntor und gucken sie Pauli gegen den Club, wir bieten ihnen 2 Eintrittskarten, einen Joint und ein Hotelzimmer im kultigen Pauli Hotel“. Hier ist wohl klar, dass hier ein Gesamtpaket verkauft wird, die prägende Leistung nicht der Joint und nicht das kultige Hotel sind, sondern der Besuch des Spieles.

Lange Rede kurzer Sinn: Schöne Scheiße, da werden viele Bahnsitze leer durch die Gegend fahren. Auch gerade weil es wahrscheinlich virologisch wenig Sinn macht sich vor das gesperrte Stadion zu stellen. Immerhin gewähren viele Hotelbuchungsplattformen Stornierungsmöglichkeiten. Und ob aus Kulanz ggf. was geht, ist keine juristische Frage. Kulanz ist nichts juristisches.

Warum sagen die Ligen, die Vereine nicht von sich aus ab oder verfügen Geisterspiele?

Ganz einfach, wenn es keine höhere Gewalt gibt, sondern dies aus einer eigenen Entscheidung passiert, dann habe ich eben keine Unmöglichkeit, sondern einen Unwillen. Und dann wird es spannend. Dann wäre zumindest eine Haftung der Vereine, der Ligen für Bahnfahrten und Hotels anzudenken. Diesem Risiko will sich natürlich kein Verein aussetzen.

Szenario 2: Die letzten Spieltage werden bzgl. Zuschauer*innenausschluss unterschiedlich gehandhabt.

Siehe zum größten Teil Szenario 1, aber was ist mit dem Wettbewerbsnachteil der Geisterspielenden? Nehmen wir doch mal den FCSP, dieser holt Auswärts 0,66 Punkte und zu Hause 1,69 Punkte.

Wird diese Ausbeute auch durch Zuschauer*innen beeinflusst? Vielleicht. Werden sich diese Zahlen bei Geisterspielen verschieben? Vielleicht. Ist es gerecht, dass ein Verein Zuschauer*innen hat, der andere nicht, insbesondere auch wegen der finanziellen Aufwirkungen? Nein. Ist dies juristisch irgendwie korrigierbar? Wahrscheinlich nicht.

Die Spielordnungen und Regelungen des DFB sehen für einen solchen Wettbewerbsnachteil keine Regelung vor. Ob und wie ich Zuschauer*innen habe, scheint ziemlich im Risiko des Vereines zu stehen. Könnte dieser nun auf Aufstieg oder Klassenerhalt klagen, wenn er Geisterspiele hatte und sein Konkurrent nicht? Unwahrscheinlich. Das ist juristisch schwerlich zu beweisen, wie groß die Nachteile sind und ob sie wirklich vorliegen. Wäre ein lautes Publikum ein großer Vorteil, dann wäre Leverkusen schon lange abgestiegen.

Es gibt auch keine Solidaritätsklauseln oder Revenue Sharing (nach amerikanischem Vorbild) in den Ligaverträgen. Jeder lebt auf sein eigenes Risiko. Wenn also ein Verein am Ende 4 Millionen weniger hat, als ein anderer Verein, dann ist das sein persönliches Pech. Das kann in einem Etat eines Zweitligisten aber auch schon zwei krasse Spieler ausmachen.

Dieses Szenario ist aber aufgrund der zur Zeit mehr oder minder flächendeckenden Spielabsagen unwahrscheinlich.

Szenario 3: Komplette Absage der verbleibenden Spieltage.

Wir haben gerade alle Ordnungen des DFB, der DFL gewälzt. Wir haben keine Regelung dafür gefunden, wie verfahren wird, wenn eine Liga nicht zu Ende gespielt wird. Das lässt natürlich ganz viel Spielraum für Jurist*innen und juristischen Schabernack.

In der 3. Liga würden wahrscheinlich 10 Vereine zur Zeit prüfen, ob sie auf Aufstieg klagen könnten.

Selbst wenn man sagt „wir spielen 2020/2021 so, wie wir 19/20 gespielt haben“ löst es nicht das Problem. Auch im Falle einer Absage laufen Gehälter und andere Kosten weiter, ob Bielefeld auch nächste Saison so gut spielt, kann niemand ernsthaft vorher sagen. Und die würden natürlich versuchen alles zu ermöglichen um in die 1. Liga zu kommen. Denn neben dem „sportlichen Wert“ geht es auch dort um richtig viel Geld. Und Geld verschiebt moralische Bewertungen immer sehr schnell.

Arbeitsverträge noch mal ein bisschen genauer: Kündigungen werden wahrscheinlich schwierig. Ist dies ein „wichtiger Grund“ das Arbeitsverhältnis zu beenden? Wahrscheinlich nicht. Kann man befristete Verträge ordentlich kündigen? Auch nicht. Vertraglich geregelt wird so ein Fall nicht sein. Schwierig. Es wird wohl davon auszugehen sein, dass man die Spieler weiter bezahlen muss.

Es gibt noch einen anderen monetären Effekt, der wahrscheinlich den meisten Vereinen dann endgültig das Genick brechen würde. Das Fernsehen würde Gelder zurück verlangen oder nicht bezahlen. Wenn wir das richtig verstehen, dann zahlt das Fernsehen in Raten. Die letzte diese Saison würde also wahrscheinlich gekürzt werden oder aber Geld zurück verlangt werden. Es stehen noch 9 Spiele aus. Also gerundet 26 % der Saison. Insgesamt erhalten 1. und 2. Liga 1,136 Milliarden an Fernsehgeldern. Gut 300 Millionen wären dann zurück zu zahlen, oder würden nicht gezahlt werden. Der FCSP erhält diese Saison 11,5 Millionen Fernsehgelder. Er würde also bei dieser Rechnung 2,5 Millionen Euro weniger erhalten. (Alle Zahlen laut fernsehgelder.de. Keine Ahnung ob Fernsehgelder nach Spieltagen gestafftelt werden.)

Auch wären in diesem Fall Sponsoren noch weiter auszubezahlen. Denn auch unser Trikotsponsor setzt auf Fernsehbilder, wird sich diese in Verträgen wahrscheinlich auch garantiert haben und wird Geld wieder bekommen wollen.

Ihr wundert euch, warum Verbände und Vereine diese wahrscheinlich ganz logische Variante nicht diskutieren mögen? Jetzt wisst ihr es.

Warum handelt die DEL anders?

Die Antwort ist wahrscheinlich so einfach, wie sie brutal ist. Es sind andere finanzielle Voraussetzungen. Die Hauptrunde ist vorbei, es sind nur die Playoffs abgesagt. Es gibt dann folgende brutale finanzielle Unterschiede. Und die verdrängen jede Moral:

– Der Fernsehvertrag der gesamten DEL ist eine Million wert. Soviel zahlt die Telekom. Für alle Spiele, an alle Vereine. Ihr könnt euch ausrechnen, wie wenig Geld dann bei einer Absage der Play-Offs fehlt

– Spielerverträge werden so gestaltet sein, dass sie mit den Einnahmen aus der Hauptrunde grundsätzlich finanziert sind und für die Play-Offs nur Prämien vorgesehen sind. Also ist auch hier der finanzielle Verlust relativ gering.

– Dauerkarten werden „abgespielt“ sein, die Inhaber haben wahrscheinlich Vorkaufsrechte, aber keine schon gekauften Karten. Auch hier sind die finanziellen Auswirkungen also sehr gering.

(Wobei hier natürlich auch bei den Mannschaften, die in den letzten Jahren in den Play-Offs waren, sehr wahrscheinlich mit den Einnahmen rechneten. Und das eben durchaus auch Löcher in die Budgetkassen reißt. Aber eben nicht in dem Ausmaße wie dem obigen Absageszenario während der laufenden Saison.)

Szenario 4: Weiter so & jemand wird krank

Achtung: Juristische Betrachtung. Achtung: Ob man so etwas wirklich mit einer juristischen Sicherheit nachweisen könnte, wissen wir nicht, es ist hier mal angenommen.

Kann ich den Verein, die Liga nun haftbar für meine Erkrankung machen? Die deutsche Rechtsordnung sieht eine Erkrankung mit einer Grippe als allgemeines Lebensrisiko an, für das ich niemanden haftbar machen kann. Begründet wird dies damit, dass sich Tröpfcheninfektionen nahezu nicht vermeiden lassen. Es gibt für Grippekranke ja auch keine Ausgangssperre.

Anders sieht das die Rechtsprechung, wenn ich jemanden mit HIV infiziere und um meine Krankheit weiß. Hier lässt sich der Infektionsweg vermeiden und so sieht die Rechtsprechung das anders. Hier wird auch immer Vorsatz in Form des billigenden in Kaufs nehmen vorliegen.

Und damit sind wir bei Corona. Wenn empfohlen wird Großveranstaltungen abzusagen, es aber zu keinem behördlichem Verbot kommt, dann sind wir hier schon im Bereich der Fahrlässigkeit durch die Veranstalter. Würde das zu einer Haftung ausreichen? Schwierig, denn ich hab ja auch freiwillig gewählt mich in dieses Stadion zu begeben und die/ der Kranke hat wahrscheinlich keine Ausgangssperre gehabt. Missachtet sie/ er eine solche, dann sind wir wahrscheinlich schon bei einer Haftung von ihr/ ihm. Aber der Verein? Da würde man wohl eher zum allgemeinen Lebensrisiko neigen.

Szenario 5: Sommerspiele

Nebenbei in etwas das, was Fanverbünde wie Meine Kurve fordern:
https://twitter.com/UnsereKurve/status/1237768238848671746

Macht wahrscheinlich vom Standpunkt der Expert*innen Sinn. Ggf. sollte man selbst Herbstspiele schon vorziehen, denn Virolog*innen sagen für den Herbst eine zweite Welle voraus. Was würde daraus folgen. Etwas in Kurzform um Wiederholungen zu vermeiden:

Kartenerstattung? Ausgeschlossen, ist ausdrücklich geregelt in unseren Ticket AGB.

Hotel? Wie oben. Musst du neu buchen.

Probleme? Abstellung für EM und so. Regenerationszeiten, vielleicht auch Fernsehverträge, wir wissen nicht wie da die Verschiebung geregelt ist.

Größtes Problem sind die Arbeitsverträge. Die laufen unseres Wissens bis zum 30.06. da wäre so eine Runde durch Vereinswechsel mitten drin etwas chaotisch. Würde aber gehen.

Reales Problem: Die UEFA will in diesem Zeitraum fett Geld machen mit ihrer EM.
Reales Problem 2: Expert*innen gehen davon aus, dass sich bei Verlangsamung der Infektionswelle, diese Situation bis zum Sommer so durchziehen wird.

Wir würden Fußball im Sommer jedoch genießen. Und damit meinen wir nicht die EM.

Mrz 082020
 

Wir wissen, dass wir für diese Überschrift wahrscheinlich Kommentare wie “ihr seid doch sonst differenziert” oder “ich lese euch ja sonst gerne” oder “komisch immer habt ihr Ärger” oder am besten noch “aber nicht alle Männer” bekommen werden. Und unsere Antwort ist ein gepflegtes Fuck you. Heute sind Grenzen einfach weit überschritten worden und Verhaltensweisen von Männern an den Tag gelegt worden, die mehreren Frauen den Tag ordentlich verhagelt haben. Wir wollen das jetzt schildern, auch wenn wir damit heftigen Rotzmist reproduzieren. Daher Warnung! 

Da wird “Darf ich mal bitte durch?” mit “Frauen haben beim Fußball nichts zu suchen” beantwortet. Oder es wird die Schlange für den Fraueneingang mit “Hier geht es wohl zur Küche!” kommentiert. An anderer Stelle werden Frauen, die sich über die sexistische Halbzeitshow aufregen, von Männern mit “Reg dich mal nicht so auf” gemaßregelt. Und wisst ihr, was das Schlimme ist? Diese ganzen Typen bekommen in keiner dieser Szenen von Umstehenden die Ohren lang gezogen, sondern immer müssen die Betroffenen alleine was sagen. Macht euch mal gerade ey! 

Und verpisst euch, ihr Sexisten. Weit weg. Der Saturn soll ganz nett sein. 

Foto via USP

Als wäre das nicht schon nervig genug, gibt es da auch die Paulis, die so lattenstramm sind, dass sie nix vom Spiel mitbekommen und sich auch in jeden Scheiß einmischen, rumlallen und in aller Öffentlichkeit pissen. Dabei ist dieses Stadion in einem fucking Wald, kein Problem, da 10 Meter hinter die Bäume zu gehen. Oder sauft einfach mal nicht so viel. Oder im Vollsuff eine Frau von der Abtasterin weg ziehen wollen, weil “du ein Kerl bist”. Ja hahaha, weil auch alle Menschen ohne lange Haare Männer sind. Realtalk: Wie wenig woke kann man sein. Gerade am Frauenkampftag mit so unfassbar sexistischem Mist zu kommen, wir sind echt wütend. 

Immer noch nicht genug? Immer noch nicht genug! Selfie mit drei Menschen unsere Bezugsgruppe “aus Versehen” drauf, freundliche Bitte, das zu lassen. Was passiert? Es wird ins Gesicht gefilmt und als man sich dann deutlich äußert, kommt: “Ich verstehe gar nicht, warum du dich so aufregst?” Warum? Weil du scheiße bist! 

Täter*innen beinahe ausschließlich Männer. Ihr merkt, wie wir auf die Überschrift kommen. 

Dazu noch einen Rotzordnungsdienst, dessen Ordner*innen teilweise wieder voll in die Genitalien greifen. Das geht gar nicht, ist komplett übergriffig, definitiv auch verboten und demütigend. Dass man für diese Behandlung als weiblicher Mensch phasenweise noch 30 Minuten warten muss, weil die immerhin vier Ordnerinnen insgesamt für den Gästeblock haben, sei nur am Rande erwähnt. Hört endlich auf, Menschen in die Genitalien zu greifen. Da haben eure fucking Finger nix zu suchen. Und am allerschlimmsten: Ihr werdet mehrfach darauf hingewiesen, auch von Menschen, die eine berufliche Legitimation haben, euch darauf hin zu weisen. Und zwischen Einzelvorfällen liegen mindestens 30 Minuten. Wie sehr kann man zeigen, dass man keinen Fuck gibt.

Hin

Und dabei hätte es echt eine gute Tour werden können. War es eigentlich auch so. 

Mit zwei Fahrzeugen und einer 13 Personen starken Bezugsgruppe geht es in Richtung Sandhausen.

Beste Playlists in beiden Fahrzeugen, nur beste Menschen. Träume von Pokalauswärtsspielen in Wattenscheid inklusive eskalierender Kurve beim Schlager des Heimatvereins. Die Themen schwanken zwischen Rindi der Rindermarkthalle und Batik-Jogginghosen. Die Pausen werden zelebriert und Gerüchten zufolge werden auch ein, zwei Getränke konsumiert. 

Daraus entwickelt sich in einem Fahrzeug folgender Dialog. “Ich glaub, ich muss bald mal auf Klo.” “Wart mal ab, so wie die im anderen Fahrzeug getankt haben, müssen die auch gleich.” Fünf Minuten später kommt die Nachricht, dass eine Pause nicht schlecht wäre. 

In Sandhausen einen kleinen Bogen gefahren, den Parkplatz gefunden. Sticker verteilt und das Obige erlebt. Aber das ist nicht alles. 

“Ladies Night am Hardtwald-Kiez”

Lieber SVS, grundsätzlich gibt es in der zweiten Liga eine ganze Reihe an Vereinen, die schlimmer sind als du. Aber du hast heute echt nur Rotz gebracht. Und damit meinen wir noch nicht mal “auf dem Platz“.

Wir ahnten ja bereits Schlimmes, als diese bekloppte Einladung zur Ladies Night die Runde machte.


1) Das Spiel wird um 13:30 angepfiffen. “Night” our ass!
2) Wir haben viele Forderungen zum Frauenkampftag. Unsere Freundin für umsonst (oder so) mit ins Stadion nehmen zu können, ist ziemlich weit hinten. Von Patriarchat zerschmettern auf jeden Fall sehr weit weg.
3) Ist das Wort “Kiez” für den Kartoffelacker und Wald bei euch ziemlich euphemistisch.
4) Schult eure Ordner*innen mal vernünftig, dann fühlen sich Frauen auch etwas wohler und kommen dann vielleicht auch einfach so gerne. (Siehe oben).

“Etwas”?
Naja, ihr könntet auch mit so doofen Rosenverteilaktionen aufhören. Wir wollen nämlich auch keine Rosen. Diese Forderung von Feministinnen sollte doch auch ins tiefste BaWü durchgedrungen sein. Holt doch mal ne Frau bei euch in eine der 15 Führungspositionen (laut Homepage), die aktuell alle von Männern besetzt sind. Die kann euch davon vielleicht was dazu erzählen.
Und dann lasst ihr vielleicht diese bekloppten Stadionansagen sein. 

Und am allerliebsten dann auch noch diese Halbzeitspielchen. Extra zum Frauenkampftag nur mit Frauen. Die aus geschätzt 8 Metern Kegel umschießen sollen. Und dann als Gewinn ärmellose Tops erhalten. Was willst du da noch sagen?
Philipp Heerwagen ist doch jetzt nicht erst seit gestern bei euch. Und nicht ohne Grund lebenslanges Mitglied der Frauenfußballabteilung bei uns. Fragt den doch beim nächsten Mal nach Tipps. Wir sind uns sicher, da wäre nicht sowas bei rumgekommen.
Zu diesem so wichtigen Tag so einen beschissenen Auftrag hinzulegen, ist schon echt ganz große Kunst. 

Unidxs en la lucha feminista ✊

(Vereint im feministischen Kampf)
Viel besser machen es dagegen unsere Leute. 
Erst das schöne gemeinsame Zaunbanner der Orgagruppe bestehend aus Einzelpersonen aus verschiedensten Einzelgruppierungen (u. a. Conexion, Supportblock, Nordsupport & USP). 

(Vereint im feministischen Kampf. Foto via obige Orgagruppe & https://twitter.com/guenterruggaber/status/1236629821419118592?s=21)

Und dann kommentiert USP das Bannergame zur Lex Hopp und den Folgen auch hervorragend. Küsschen an alle! ❤️🤎🤍

Und am höchsten hüpft unser Herz ja immer bei Frauen auf dem Zaun. Richtig, richtig gut!

Sowieso freuen wir uns in den nächsten Wochen & Monaten auf weitere Einzelaktionen der oben erwähnten Orgagruppe, die den Frauenkampftag entsprechend bis zum AntiRa begleiten wird. Vielen Dank. Heute hat gezeigt, wie wichtig und wertvoll das ist!

In Zeiten von Corona ist es echt Mist, wenn keine Seife auf Klos vorhanden ist. Noch was, lieber SVS, was zu verbessern wäre. 

Ihr seid nur ‘ne Tretertruppe

Auf dem Platz zeigt sich Sandhausen von seinem ekligen Gesicht. Jeder Zweikampf mit Nickligkeiten, jedes Luftduell mit Ellbogen im Gegner. Der Schiedsrichter findet dagegen gar keine Linie, verpasst es, mit einer frühen Ermahnung ein Zeichen zu setzen, und so bleibt es 90 Minuten lang unklar, was er pfeifen will und was nicht. 

In einem dieser unsauberen Luftkämpfe wird Knoll (man liest von Lawrence’s Rücken) dann auch so getroffen, dass er regungslos liegen bleibt und dann benommen vom Platz geführt wird. Der Herr Schiedsrichter hat auch in dieser Szene nichts besseres zu tun, als ellenlang den starken Mann zu markieren, anstatt schnell die Betreuer zu dem offensichtlich benommenen Spieler zu winken. Gut, dass da nix Schlimmeres passiert ist. Gleiche Situation auch zuvor, als Østigård sich ebenfalls den Kopf hält und markiert, dass er Hilfe braucht. Wir haben das mit dieser Anweisung an die Schiedsrichter*innen, bei Kopfverletzungen sofort zu unterbrechen, wahrscheinlich einfach falsch gelesen. Sorry!

Aziz, mal ganz ehrlich, ganz unbeteiligt bist du an der Knoll-Verletzung auch nicht und auch in weiteren Szenen geht das Wort über “Ich bin ein giftiger Stürmer” hinaus. Da der Schiedsrichter da null einschreitet, regelt Leo das per Selbstjustiz und holt einmal das grobe Eisen raus. Finden wir gut, wie er uns auf Twitter verfolgt 🙃. Und hier ebenfalls: Auch das war klares Gelb. Natürlich nicht gegeben.

Das Spiel ist sonst schnell erzählt. Sandhausen zeigt seine Stärke (Torschüsse produzieren) und seine Schwäche (daraus Tore zu machen). Ryo und Viktor kombinieren für ein Traumtor, Dimi leckt einen rein und wir bekommen zwei dusselige Tore. Weder muss man den Elfer verursachen und wenn doch: Warum zuckt Diekmeier danach noch? Und Tore nach Ecken kann man verteidigen. Am Ende haben beide Mannschaften noch sehr gute Chancen für ein drittes Tor, beide nutzen sie nicht und schon ist es ein “gerechtes” 2-2. Es fällt auch auf, wie sehr uns Henk offensiv fehlt. Wir kommentieren während des Spiels, dass es so aussieht, als würden sie Henk suchen und ihn nicht finden. Die Verletzung ist echt Mist.

Knoll bis zu seiner Auswechselung im Mittelfeld als “freier Radikaler” echt klasse. Mega, was für Wege der geht. So ist der für uns echt wertvoll. Hoffentlich alles nicht so schlimm. Gute Besserung. 
Instagram macht zumindest etwas Hoffnung.

Noch ein paar Sticker vertickt und ab nach Hause. Danke an die Menschen, die diese Gefährte steuern!

Mrz 012020
 

Hey do what you want, but don’t do it around me
Idleness and dissipation breed apathy

Dieses Blog hält ja in weiten Teilen Grag Graffin für den größten Lyriker der Neuzeit. Und auch die eben zitierten Zeilen passen leider zu dem Tag, den unser Gegengerade-Teil hatte. 

Fangen wir jedoch vorne an. Wir sind ein Kollektiv. Wir sind die Borg und Widerstand ist zwecklos. Dies heißt aber nicht, dass wir uns nicht auch mal annörgeln. Schon gar nicht, wenn der Tag mit Personalfeststellungen durch die Polizei und einem kurzfristig vermissten Handy beginnt. 

Sowieso Polizei. Findet noch irgendwer diese Besatzungsmacht im Viertel gut? Vor dem Spiel nerven sie uns und unsere Gäste damit, dass sie Menschen unbedingt vor dem Fanladen (!) mit einem Großaufgebot (!) kontrollieren müssen; nach dem Spiel begleiten sie den Derbysieger*innen-Marsch mit zwei Wasserwerfern und einem Räumpanzer. C. fasst dies treffend mit der Frage zusammen, ob die meinen, dass wir unser eigenes Viertel in Schutt und Asche legen würden. Es nervt. Verpisst euch einfach. 

Ironie gibt’s umsonst dazu.

Generve überall

Gutes Stichwort. Verpissen können sich (in nicht unbedingt zwingender Reihenfolge): 

Der Typ, der 10 Menschen unserer Bezugsgruppe beim 2-0 mit Bier überschüttet und zwar komplett absichtlich und natürlich gut 20 Sekunden nach dem ursprünglichen Jubel. Und der darauf angesprochen meint, dass dies ja normal sei, man sich mit seinen Designerjacken nicht so anstellen und, wenn einen dies störe, man sich in den Familienblock stellen solle. Immerhin habe eine*n ja nur drei, vier Tropfen getroffen. Gut, dass J. von der Breiten Masse in diesem Moment das Reden übernimmt, sonst würde das richtig eskalieren. Liebe Breite Masse: Ihr seid die Guten. 

Jeder Stadionbesuch ist für jede*n anders. Und klar gehört für sehr viele Menschen ein bisschen “Über die Stränge schlagen” auch dazu. Die wenigsten Stehplatzbesucher*innen werden sich über ein paar Spritzer Flüssigkeit als Nebenprodukt vom eruptiven Torjubel beschweren. Das ist in unser aller Augen in jedem Fall der Deal, den alle mit dem Stadionbesuch, zumindest auf Stehplätzen, eingehen. 

Aber (natürlich gibt es ein “aber”): Es gehören aus unserer Sicht zwei Dinge dazu.

  1. Maßhalten. Und das heißt nicht “den halben Becher sehenden Auges Richtung Leute schütten, die damit nicht einverstanden sind”. Nicht überall gelten die gleichen ungeschriebenen Regeln. Und selbst die können sich ändern. Das Argument “Früher habe ich hier mehr Bier übern Kopp bekommen als getrunken” ist egal, wenn das heute nicht mehr üblich ist.
  2. Einsicht, wenn die Situation falsch eingeschätzt wurde. Ist uns vermutlich allen mal passiert, dass wir uns ein bisschen zu doll gefreut haben, sodass es andere gestört hat. Wenn die Reaktion kommt “Ey, das war nicht cool”, dann sollte es ein Leichtes sein, sich zu entschuldigen und sich im eigenen Verhalten ein bisschen daran anzupassen.

Mag der*die eine oder andere jetzt für spießig halten, aber eigentlich ist die Sache ganz einfach: Deine Freiheit endet dort, wenn sie die Freiheit der anderen einschränkt. Und da kann man durchaus von sprechen, wenn man bei sieben Grad klatschnass wird. Wir wollen das Stadion nicht in ein Kloster verwandeln. Aber so ganz grundsätzliche Rücksichtnahme, die wollen wir schon. Das mal so als Gedankenanstoß nach innen.

Die Osnabrücker, die noch vor 11 Uhr Frauen mit “F*tzensanktpauli” grüßen. Ist ja als Frau, die sichtbar Fan des anderen Vereins ist, schon eher häufig nicht so angenehm so einer Gruppe auf recht engem Gehweg zu begegnen. Wenn die dann sichtbar schon gut getankt haben sowieso noch viel weniger. Und traumhaft, wenn der Spieltag an diesem Wochenende dann auch noch mit solch einer Begrüßung anfängt.

Ebenso die Osnabrücker, die meinen, im Zug noch einen einzelnen Menschen aus unserer Gruppe anreißen zu müssen. Reisetasche wegtreten von einem Menschen, der neutral gekleidet ist, ist auch mal so richtig das coole Ding, was man seinen Freund*innen noch wochenlang erzählt. Was für eine Heldentat. 

Auch im Stadion Ordner*innen vom Zaun heruntertreten zu müssen und Banner zu klauen, ist so richtig toll. Nicht. Davon ab hätten die Osnabrücker*innen mit ihrer beachtlichen Lautstärke (Kussi nach Dresden: Deutlich lauter als ihr zuletzt) zu Beginn und der erkennbaren Loyalität zu ihrer Mannschaft trotz Niederlage am Ende ein paar Sympathiepunkte gesammelt. Klar, manche so, manche so.

Der Typ, der vor den Fanräumen erst auf unsere Intervention eine Frau in Ruhe lässt, die ihrerseits klar und eindeutig Grenzen kommuniziert hatte. Es macht so müde.

Abseits unserers Spiels: Die Polizei Mannheim, die ohne Witz eine Sonderkommission Ermittlungsgruppe wegen des Hopp-Plakates einrichtet. Rassismus? Sexismus? Wortwörtlich die gleiche Beleidigung am gleichen Tag durch Mannheim-Fans gegen den geschassten Torwarttrainer von Kaiserslautern? Alles egal und nicht der Rede wert. Aber wenn ihr unseren Didi beleidigt, dann schaffen wir Stehplätze ab und verbieten alles. Der Millernton hat ansonsten alles notwendiges dazu geschrieben. Fick dich DFB. 

Zu den guten Dingen

Zuallererst: Gute und richtige Antwort der Nord- und der Südkurve zu der Causa Hopp. Richtig eingeordnet, das sexistische Wort nicht verwendet und trotzdem klar Stellung bezogen. Küsschen!

Von der Fahne ist ein „da“ verdeckt.

Noch mehr Küsschen auch für die Halbzeittranspis, die an Hanau erinnern. Passend und richtig genau als “Antifa Hooligans” losgeht Stellung bezogen.

Wir haben gewonnen. Leo küsst die Eckfahne. Wir sind immer noch Derbysieger*innen. Die Sticker sind weg und wir können noch mal knapp 190€ in den Spendentopf der Braun-Weißen Hilfe schmeißen. (Und: Sticker sind nachbestellt). Der FC St. Pauli hat Menschen im Stadion und sucht an der Werbebande Schiedsrichter*innen. Die Stadionuhren sind synchronisiert. (Wen hat das auch jedes Mal fuchsig gemacht?) Regenbogen nach dem Spiel über dem Heiligengeistfeld, nachdem wir beim Spiel vom Wolkenbruch bis zum strahlenden Sonnenschein alles bekommen haben.

Ein extra Sternchen gibt’s, wenn dann auch noch die Spielberichte auf der Homepage durchgegendert werden.

Alle Spieler mit Namen und dem Zusatz “Derbysieger” zu feiern, breitet sich schnell von der GG aus und ist einfach eine absolut wundervolle Idee. Wie schön ist das bitte? 

Außerdem läuft da gerade so ein Modellversuch auf der Süd, den wir als sehr positiv angenommen bewerten. Es gibt endlich Hygienemülleimer im Stadion. Und dann auch noch Spender mit Hygienartikeln. Wir waren nach dem Spiel noch auf einer der 2 Toiletten auf der Süd und stellen fest: Hygieneartikel noch da, Eimer gut genutzt. Sieht für uns nach einem guten Verlauf des Piloten aus, der sich bitte schnell auf’s ganze Stadion ausbreiten darf. Und Leute: Geht damit angemessen um, da haben wir alle was von.

Wir verbuchen das unter „gut angenommen, weitermachen und überall machen“. Danke an die Menschen, die sich darum kümmerten.

Noch Details zum Spiel?

Nach so einem Derbysieg sind die Erwartungen an das Spiel … naja! Da haben wir in der Vergangenheit ja schon ganz anderen Mist erlebt. Anspannung ist in jedem Fall da und die Rechnung “Mit einem Sieg mit zwei Toren Unterschied überholen wir Osnabrück” scheint da ein bisschen optimistisch.

Nun! Das läuft aber durchaus passabel. Oder um es etwas deutlicher auszudrücken: JAWOLLJA. Das System mit Henk (gute Besserung!) & Dimi gefällt uns richtig gut, da ist direkt Dampf auf dem Kessel. Das Mentalitätsmonster Knoll ist zurück, als wäre er nie weggewesen. James ist wieder im Kader. Buba findet immer mehr Freude an der Interaktion mit der Kurve nach gewonnen Zweikämpfen. Penney startet wieder etwas wacklig, verliert zu Beginn einige Zweikämpfe nicht ganz so schön, kommt dann aber richtig rein und hat Bock. Sobota tanzt bockstark durch die gefühlt ganze Osnabrücker Abwehr und schiebt dann locker ein.
Auch, wenn nach hinten raus wieder etwas zu viel gewackelt wird und am Ende tatsächlich nur das Geradesoeben-Ergebnis für die Osnabrück-Überholung steht, sind wir ganz schön zufrieden. Den Gegner starkmachen, das muss echt nicht sein. Es hätte durchaus noch höher ausgehen können, hätte Waldi nicht diese wunderbare Welt der Schwerkraft erkundet und dabei den Arm auf den Ball bekommen oder hätte ein noch immer nicht ganz auf dem Platz angekommener Boris geknipst. Und noch ein paar andere aussichtsreiche Chancen bleiben liegen. Naja, man kann nicht alles haben. Auch die Osnabrücker haben am Ende ihre Chancen, aber wir einen Skyman.

Und schöne Dinge kann man mehrfach schreiben: Østigård küsst das Wappen und tanzt dann nach dem Spiel ausgelassen durch die Kurven. Die Sportfraktion dieses Blogs ist auch immer noch neidisch auf diese Körperspannung beim Hochspringen. Und mit den Mitspielern kommt er jetzt auch nicht so schlecht aus. Das ist einfach alles richtig, richtig, richtig gut. Also hätten wir hier irgendwas zu sagen: Leihe verlängern, Kaufen. Wie auch immer: Hierbehalten. 

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I just love you @henk_veerman ❤️

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Lest euch auch gerne mal die Kommentare durch. ❤️

Hoffentlich ist Henk halbwegs okay. Das wäre ein bitterer Verlust. “Schulter ausgekugelt” klingt erstmal nicht nach langem Ausfall, allerdings kommt da noch ein MRT. 

Und nun? “Drei Punkte in Sandhausen nachlegen, damit Ruhe ist.” Würden wir dem Curi widersprechen? Natürlich nicht! 

Ansonsten beenden wir den Spieltag im Jolly zu “Kill all the white man”. Der DFB fühle sich hiermit informiert. Wir sind uns sicher, dass da noch eine Parallele zur Lexhopp gezogen wird.

Untergegangen ist an diesem Spieltag die Ziehung der Gewinner*in für den Blogbeitrag im Kontext der Braun-Weißen Hilfe Sammlung. Holen wir diese Woche nach. Der Moneypool ist übrigens noch offen.

Feb 282020
 

Am 26.02.2020 fand in den heiligen Hallen der Südkurve ein Workshop zum Thema Diversität statt. Geladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Diversität, die Folge des „Quoten-Beschlusses“ (das ist nebenbei eine inhaltliche Verkürzung des Inhalts dieses Beschlusses) der letzten MV ist. 

In dieser AG befinden sich Vertreter*innen vieler Gremien des FCSP und die Antragsstellerin (die Mitglied dieses Kollektivs ist; vom Schreiben dieser Zeilen aber ausgeschlossen ist) des oben auch noch mal verlinkten Antrages.

Ziel dieses Workshops war nun ein „Kick off“ mit vielen interessierten Menschen aus dem breiten FCSP Kosmos um sich Input zu holen, Ideen zu sammeln und auch Diskussionen anzustoßen. Wir wollen dies mit ein paar Gedanken, die uns an diesem Abend gekommen sind im Folgenden unterstützen. Was ihr hier nicht finden werdet ist ein inoffizielles Protokoll dieses Abends. Wir wollen die Art und den Zeitpunkt eines weiteren öffentlichen Diskurses gerne der AG überlassen. Ein paar Fragen sind aber so allgemein, dass wir mal ein paar heiße Thesen in das Internet werfen wollen. 

Das Setting

Vorab jedoch erstmal ein Dank an die Organisator*innen, an den Verein (was hier dann Geschäfsstelle etc. meint) und an alle Teilnehmer*innen für einen gelungenen Abend.

In klassischer Workshop Form wurde an verschiedenen Tischen zu verschiedenen Themen gearbeitet und in einem zweiten Schritt ein Diskussionsmarktplatz eingerichtet, wo die Teilnehmer*innen von Stellwand zu Stellwand und von Thema zu Thema gehen konnten und diskutieren konnten. Jeweils ein Mitglied der AG moderierte entweder Tisch oder Stellwand. Wir wollen mal hervorheben, wie gut das geklappt hat. Nicht jede*r macht so etwas jeden Tag und trotzdem waren alle Plätze an denen wir gelauscht haben gut moderiert und später auch gut vorgestellt. Es entspricht sehr unserer Vorstellung vom „Mitmachverein“, wenn man sich frühzeitig mit so einem „von unten nach oben“ Format einem Thema nähert. Dafür ganz ganz viel Lob!

Eine Abschlussrunde mit einem flexiblen Podium lief erst etwas zäh, weil da doch ein paar Hürden zu überwinden waren, kam dann aber auch noch richtig in Schwung.

Was in der begrenzten Zeit so ein bisschen auf der Strecke blieb: Diversität, die über „mehr Frauen“ hinaus geht. Wir haben ein riesiges Brett zu bohren, denn nicht zu Unrecht bezeichneten viele Teilnehmer*innen unseren Verein als „männlich, weiß, deutsch“ geprägt. 

Ein paar Stichworte, die uns bewegt haben

Werte leben

„Äußere Werte nach Innen leben“ wurde auf der Veranstaltung gesagt und ja, das ist ein absolut richtiges Stichwort. Wie eben schon gesagt „männlich, deutsch, weiß“. Wir werden dies aktiv ändern müssen. Und das wird viel Arbeit auch an uns selbst bedürfen.

Unsichtbare Hürden

Denn eine der Hauptgründe ist, dass wir uns sehr in unseren Strukturen eingerichtet haben. Mal ehrlich: Könnt ihr euch vorstellen alleine ans Millerntor zu kommen und euch irgendwo auf der Gegengerade hinzustellen? Wenn ihr mit dem Menschen neben euch in Kontakt treten werdet, dann werdet ihr dann Fragen wie „Wo stehst du sonst?“ „Wie lange hast du Dauerkarte, bist du Mitglied, Fan?“ konfrontiert. Und dies sind brutale Hürden. Dies sind insbesondere dann Hürden, wenn ihr als Minderheit einer Mehrheit gegenübersteht und das gesamte gesellschaftliche Klima euch immer suggeriert, dass ihr nicht dazu gehört. Wir werden lernen müssen auf „Neulinge“ anders zu regieren.

Das gleiche gilt für unsere Arbeitskreise. Viele davon sind vereinsöffentlich. Aber wie viele davon sind so eingefahren, dass es für neue Menschen schwierig wird sich dort zu etablieren? Gerade diverse Menschen werden häufig nicht ein „fahr mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht“ Ego vor sich her schieben, um solche unsichtbaren Hürden zu überwinden. Die eben für diverse Menschen noch mal extra schwer zu überwinden sind.

Guckt euch eure Bezugsgruppen mal an. Wie viele davon sind nicht „männlich, weiß, deutsch“ dominiert? Beim männlich bröckelt das vielleicht einmal ein bisschen, aber „weiß, deutsch?“ steht betonfest. Hier müssen wir ran. Auch in der inneren eigenen Haltung. 

Patenschaft?

Wir werden wahrscheinlich beginnen müssen Menschen an die Hand zu nehmen. Ihnen in unseren Gruppen Plätze offensiv anzubieten und so uns zu öffnen. Nicht jede*r wird passen, aber wir müssen das viel mehr machen. Auf jeder Ebene.

Feedbackkultur

Fussballfansein ist ein emotionaler Dauerausnahmezustand. Was für Stressjunkies und Menschen, die Massenbewegung lieben. Keine Widerrede. Aus dieser Emotionalität schreibt auch dieser Blog häufig genug. Wir schreiben sehr häufig auch zum Abbau der eigenen Emotionen und weniger für die Leser*innen. 

Und wir müssen uns doch fragen, ob auch dies nicht eine Hürde für Menschen schafft. Haben wir eigentlich eine vernünftige Feedbackkultur gegenüber unseren Amtsträger*innen? Wir meinen hier nicht nur uns, sondern den ganzen Verein. Aber eben auch uns. 

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass XYZ dies abkann, verhindern wir damit, dass UVW sich um ein Amt bewirbt? Weil UVW uns liest und denkt „ach fuck, so will ich nicht kritisiert werden?“ Nicht jede*r hat ein dickes Fell. Wir werden uns hier als Blog auch mal an die eigene Nase fassen müssen. Auch wir lernen jeden Tag dazu. Wir versuchen ja immerhin seit dem 10. Jahr unseres Bestehens halbwegs zu gendern. 

Wir versuchen da auch immer zwischen „Hart in der Sache“ und „Hart gegenüber den agierenden Menschen“ zu unterscheiden. Gelingt uns das immer perfekt? Mit Sicherheit nicht. Erkennen lesende und/ oder kritisiert werdende Menschen hier immer den Unterschied? Wahrscheinlich auch nicht. Sollten wir deswegen aufhören zu kritisieren? Ebenfalls nein. Der FC St. Pauli lebt nun mal auch von Kontroverse, von Diskussionen, von unterschiedlichen Meinungen. Müssen wir uns trotzdem immer wieder selbst kontrollieren? Definitiv!

Fucking Quote

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie schwer sich viele Feministinnen (hier mal kein Gendern) mit einer Quote tun. Und wie viele dann sagen „aber wir brauchen diese fucking Quote, um das aufzubrechen“. Wir können das verstehen. Und der grundliegende Beschluss will da ja auch eine gewisse Flexibilität (Stichwort „paritätisch“) ermöglichen.

Die Diskussionen stehen immer noch am Anfang, sie haben aber auch einen engen Zeitplan. Wer meint dies aussitzen zu müssen, der macht sich eines Verrates an unseren Werten schuldig. Nicht mehr und nicht weniger. Wir werden 2020 eine Lösung finden und für die nächsten Wahlen wird es eine paritätische Beteilung von Frauen (und hoffentlich auch anderen diversen Menschen) geben. Punkt. Dafür sorgt dieses Blog. (Drei schreiben dann böse, vier gucken böse!)

Der Diskurs ist so wichtig

Wir merkten auch, dass viele skeptische Leute schon sehr viele Schritte mitgegangen sind. Sich von Argumenten überzeugen lassen, mitdenken, Probleme benennen und Lösungen akzeptieren. Das macht solche Workshops auch wichtig. Gerade wenn diese Menschen in Gremien unterwegs sind und diese Überzeugungen dann auch weitergeben können. Es ist immer wieder ein dickes Brett, was gebohrt werden muss, aber wir freuen uns, wie viel Dynamik das ganze schon seit dem Antrag im Oktober bekommen hat.

Wir als FCSP sind spät dran, diese ganze Diskussion hätte schon vor Jahrzehnten geführt werden müssen. Dies sollte aber nicht verhindern, dass wir sie nun dynamisch und zielorientiert führen. Und dafür auch mal ein Lob an die anfänglichen Skeptiker*innen. 

Es bewegt sich was beim FCSP.

Abschließend

Möchten wir die Überschrift erklären und als weitergehendes Motto ausgeben. Eine Teilnehmerin nannte dies als Weg, wie man mehr Diversität erreicht. Indem man permanent penetrant an diesem Thema dran bleibt. Wir werden dies tun, der FCSP wird dies tun.

Feb 252020
 

Ja, ihr werdet uns nun vorwerfen, dass dies das „übliche Genörgel“ ist, aber wir müssen bei aller Derbyeuphorie sowohl sportlich als auch in Fanbelangen Wasser in den Wein schmeißen [schütten wäre wohl das passendere Wort, aber wir lassen das mit dem Schmeißen mal so stehen]. Außerdem mögen wir Weinschorle. Nur deswegen fahren wir noch nach Heidenheim.

Sportlich: Zwei Gesichter

Wir haben gegen die „großen Drei“ (Bielefeld, Stuttgart, Volkspark) von möglichen 18 Punkten 11 geholt. Das ist eine Quote von 1,83 Punkten pro Spiel. Gegen die „kleinen 14“ haben wir aus bisher 15 Punkte in 17 Spielen geholt. Macht eine Quote von 0,88. Während letzteres ein klarer Abstiegskurs ist, würden wir gegen die großen Drei über eine Saison gerechnet 62 Punkte holen. Nur mal so: Stuttgart ist diese Saison etwas besser, die Volksparkler ein bisschen schlechter als 1,83 Punkte pro Spiel.

Torverhältnis gegen die “großen Drei” ist nebenbei 10:4, gegen den Rest der Liga 18:25. Und auch nebenbei lagen wir in jedem dieser 6 Spiele zwischenzeitlich in Führung, haben dann noch verloren (Stuttgart Hinspiel) und unentschieden gespielt (Stuttgart Rückspiel, Arminia Hinspiel). Ebenso der Vollständigkeit halber: All diese entscheidenen Gegentore fielen dann in der 90. Minute (Arminia Hinspiel), 60. (Ausgleich) & 90. (Führung) Minute (Stuttgart Hinspiel) und 81. Minute. Ihr erkennt sicherlich gewisse Tendenzen bzgl. des “über die Zeit bringen”.

Man könnte auch sagen: Wenn wir so wie gegen die großen Drei immer spielen würden, dann würden wir um den Aufstieg mitspielen. Und wenn wir solche Spiele dann auch über die Zeit bringen würden, dann wären wir quasi schon Europacupsieger*innen. Also quasi.

Klar, das ist alles auch ein bisschen zufällig, weil es z.B. keine wirkliche Abgrenzung der ersten drei Plätze zum Rest der Liga gibt und auch „small sample size“ bei insgesamt 6 Begegnungen eine Rolle spielt. Es zeigt aber schon eine kleine Tendenz. 

Ziehen wir erstmal das positive aus dieser Beobachtung

Wir können grundsätzlich in dieser Liga mithalten, wir haben taktische und fußballerische Mittel um „die Großen“ zu schlagen. Kein Verein in dieser Liga ist uns komplett überlegen und wir können anscheinend eine schwer zu bespielende Truppe auf den Rasen stellen. 

„Fußballerische Mittel“ spricht hier nebenbei ausdrücklich nicht von spielerischen Mitteln. Denn z.B. in beiden Derbys waren doch schon von einer spielerischen Überlegenheit des Gegners geprägt, die halt mit Lauf und Kampf ausgeglichen wurden. Das erkennen auch die Spieler selbst, hier sei exemplarisch James in der 11Freunde zitiert: ”Zu Beginn hatte der HSV einen Einwurf, ihr Stürmer sollte den Ball mit der Brust annehmen, doch ich ging dazwischen und köpfte ihn weg. Der Stürmer sah mich verdutzt an, da machte ich ihm klar: ‘Oh yeah. So wird das hier laufen. Ich bin da — und ich werde das ganze Spiel da sein.’ So waren wir alle drauf. Wir kämpften um jeden Ball.“

Aber warum geht das nicht immer?

Die Analyse fällt schwer. Es gibt zumindest keine statistischen Auffälligkeiten, die nun ein sofort ins Auge springendes Muster zeigen würden. Es ist nicht so, dass wir nun gegen die großen Drei viel mehr gelaufen sind als sonst oder irgendwie plötzlich wahnsinnig gespielt haben. 

Zu vermuten ist erstmal eine ganz grundlegende Problematik von Vereinen in Liga 2. Wir tun uns immer dann schwer, wenn der Gegner nicht „mitspielen“ will.

Dafür würde sprechen, dass unsere Offensive echt nur unteres Mittelfeld in allen statistischen Werten ist.

Wir sind nicht gerade gut darin Torschüsse (290 Torschüsse insgesamt, gut für Platz 13, via sport.de) oder einen offensiven xG Wert (Platz 12, Danke an Millernton-Tim, der diese Zahl auf dem laufenden hält) zu generieren. Drei weitere Werte (Quelle für alles), die in die gleiche Kerbe schlagen? 
Im Schnitt sind das 12.5 Schüsse pro Spiel (im Ligavergleich ist das Platz 13), davon gehen 4.1 Schüsse aufs Tor (ebenfalls Platz 13 im Vergleich), insgesamt haben wir 28 Tore gemacht (Platz 15 im Vergleich).
Aufällig? Wir dribbeln deutlich mehr als viele andere Mannschaften: 10.9 mal pro Spiel – das ist Platz 4. Auffällig hierbei auch: Es sind eine ganze Reihe von Spieler, die die Dribblings machen, der Wert vieler Teams ist hier stark von einzelnen Spielern getrieben. Bei uns gibt es eine deutlich breitere Streuung – was sicherlich auch an den verschiedenen Formationen mit denen wir aufgelaufen sind, liegt.

Bei der Torquote ist bemerkenswert, dass wir mit Henk einen Spieler haben, den wir mit „jeder Schuss ein Treffer“ ganz gut beschreiben können. Der verwertet bisher jeden dritten (7 Tore bei 23 Schüssen) seiner abgegeben Schüsse und jeden zweiten Schuss, der den Weg aufs Tor findet. Sind dies gute Werte? 
Aber Hallo! Arminia Bielefeld als beste Mannschaft nutzt gerade mal jeden 7. abgegebenen Schuss für ein Tor. Fabian Klos als führender Torschütze (und als langjährige Tormaschine) jeden 5. Wir sollten mehr Schussgelegenheiten für Henk generieren. (Ist in den letzten Spielen aber definitiv auch das offensive Mittel der Wahl gewesen). 
Und hierbei nicht vergessen: Henk ist auch noch nicht so lange wieder voll im Kader – small sample size auf der einen Seite; auf der anderen aber auch, dass deswegen unsere allgemeinen Zahlen nicht so klasse sind.

Ein*e Statistiker*in wird natürlich fragen, ob man so eine Quote wie Henk wirklich dauerhaft halten kann. Wahrscheinlicher ist, dass man sich irgendwann in Richtung eines Schnitts für einen Stürmer orientiert. Und dieser liegt wahrscheinlich deutlich unter der Quote eines Fabian Klos. Wir werden sehen. 

Unsere Defensive hingegen ist im Ligavergleich ziemlich gut. Wir haben nur 29 Tore zugelassen. Das ist immerhin Platz 6 in dieser Statistik. Bei 14.4 zugelassenen Schüssen pro Spiel. Da sind wir im Ligavergleich auf Platz 11.
Die Kombination aus geschossenen und erhaltenen Toren führt dazu, dass wir für die/den neutrale*n Zuschauer*in nicht gerade ein Feuerwerk an Toren bieten. 57 insgesamt gefallene Tore in Spielen des FCSP? Ist Platz 15 in dieser Wertung. Noch weniger insgesamt gefallene Tore in den Spielen? Osnabrück, Sandhausen und Heidenheim. Diese drei Mannschaften spielen wir nun innerhalb der nächsten 5 Spiele. Es sind Torfestivals zu erwarten. Bemerkenswert dabei ist vielleicht, dass Sandhausen zwar nur sehr wenig Tore erzielt (nur Dresden erzielt weniger), aber Torschüsse ohne Ende abgibt (Platz 3 in dieser Wertung; in der Verwertungsquote sind sie dementsprechend mit Abstand Letzter). Skyman, habe also bitte einen guten Tag. Alternativ schießt Aziz halt ein paar Buden auf die Nord. Wäre ja nun auch nicht das erste Mal im Millerntor (#scnr).
(Quellen für diesen Absatz sind die oben bereits verlinkten Seiten.)

Auch bei den zugelassenen Schüssen ordnen wir uns auf Platz 8 ein (Quelle hier whoscored), beim defensiven xG Wert auf Platz 4 (nochmal Danke an Tim).

Was zu all den genannten Statistiken zu sagen ist: Der Abstand zwischen den einzelnen Mannschaften ist meistens äußerst gering. Vieles ist sehr eng beieinander. Die eine Ausnahme ist im Text beschrieben.

Konteroffensive?

Wenn man unser Profil bei WhoScored so ansieht, dann nennt diese Seite vier Dinge als unsere Stärke: 1. Creating chances through individual skill; 2. Counter attacks; 3. Attacking down the wings; 4. Stealing the ball from the opposition. 
Und als Schwächen (hier nicht alle genannt) 1. Keeping possession of the ball; 2. Avoiding individual errors; 3. Defending set pieces; 4. Defending against long shots.

Kombiniert man das alles, dann wird wieder deutlich, dass uns “Spiel machen“ immer noch nicht liegt. Es mag der Wunsch von uns allen sein, nicht mehr den ätzenden Darmstadt-Fußball (und eben auch die Art Fußball, die unserem letzen Trainer u.a. den Job gekostet hat) als mögliche Kunstform am Millerntor zu sehen, aber zur Zeit sind unsere Stärken und Schwächen wahrscheinlich genau für so einen Fußball vorteilhaft. Der Wunsch aller sportlich Verantwortlichen ist ein anderer und hier wird es auch durch Veränderung des Spielermaterials dran zu arbeiten sein.

Ein bemerkenswerter Spieler in diesem Zusammenhang ist Benatelli, dessen Stärke im Passen liegt und dessen 90 % Passquote bei uns kein anderer Spieler auch nur annähernd erreicht. Und der in der Rückrunde bisher auch gut spielt. Mit Ausnahme eines unterirdischen Spiels in Kiel. Aber das passiert wahrscheinlich auch dem Besten. Es gibt wahrscheinlich schon ganz viele FCSP Fans, die den Jungen unter Fehleinkauf abgeheftet hatten, aber ganz vielleicht wird das noch ein richtig wertvoller Spieler. Wenn er denn den Eindruck aus den paar Spielen nach der Winterpause bestätigen kann. Die große Schwäche auf der Ebene, unser Eindruck — nicht gemessen: Gegen schnelle Gegenspieler sieht er ganz schnell alt aus. Kann man intern in so einer Mannschaft natürlich auffangen. Aber eben auch nicht komplett. Und macht es schwierig, wenn Du dann im Ballbesitz doch mal einen Fehlpass spielst. Oder im allgemeinen Defensivverhalten gegen schnelle Mannschaft, die gut umschalten können.

Wie bestreiten wir nun die restlichen Spiele so, dass wir nicht absteigen?

Und nur darum geht es den Rest der Saison.

Wir haben da einen Plan. Wir vermitteln unseren Jungs, dass alle Spiele Derbys sind. Schon werden sie zu Kampfmaschinen und das wird dann schon irgendwie reichen. Bei Osnabrück ist das ja ganz einfach. Das Spiel ist ja als Mutter aller Derbys bekannt. (Setzen Sie hier bitte ein lautes kollektivinternes „DAS IST KEIN DERBY“ ein). Danach kommt halt das „S“ Derby und dann das Club Derby etc. pp.

Okay, dieser Plan überzeugt uns noch nicht wirklich. Wir werden abwarten müssen, welche Anpassungen die sportliche Leitung noch vornehmen kann. Da wir aber gegen keinen der großen Drei mehr spielen, müssen wir die restlichen Punkte woanders holen. Am liebsten bald, damit wir nicht zu einem großen Endspiel nach Wiesbaden fahren. Und ansonsten bleibt immer noch die Variante mit Versprechen, die Buballa Elo abgeben muss. Fanladenhoschis: Ihr seid doch an was dran, Euren 30. Geburtstag zu feiern. Ggf. bitte mit ins Programm aufnehmen. Wir haben nämlich nur so begrenzt Lust auf #pumpenfuerdiedritteliga.

Soviel zum sportlichen – noch mehr und heute ehrlicherweise den Hauptgrund für Wasser in den Wein liefert aber auch das drumrum.

Es geht hier um Sexismus

Vorweg: Wir hatten schon im Derbybericht deutlich gemacht, dass wir Menschen, die sich unbedingt zum aufeinander rumhauen verabreden wollen, ihr komisches Hobby nicht absprechen wollen. Wenn ihr das untereinander machen wollt, dann sind wir die Letzten, die daraus irgendeinen Skandal konstruieren. 

Man muss wohl auch realistisch in Kauf nehmen, dass auch der FCSP genügend Menschen als Fans (keine Anführungszeichen!) hat, die solchen „sportlichen“ Auseinandersetzungen nicht abgeneigt sind. Man kann das doof finden, aber es ist nun mal so. 

Der „früher war alles besser“ Fraktion sei gesagt, dass außer vielleicht einer klitzekleinen Zeit in den 90ern beim FCSP immer sportliche Fraktionen unterwegs waren und diese auch immer irgendwie (mal mehr, mal weniger) Teil der Fanszene waren. Und es ist auch nichts Neues, dass diese Fraktionen unsere Werte teilweise auch eher großzügig ausgelegt haben. Um es mal freundlich zu umschreiben. Nein, Freundlichkeit mal zur Seite geschoben: Ihnen gehen Teile unserer Werte gepflegt am muskelbepackten Hintern vorbei. Und das nervt. Und da gab es dankenswerterweise auch häufig genug genau die richtige Reaktion.

Man muss auch ganz klar sagen, dass jede Fanszene, auch die des FCSP, bisher dazu neigt, zwar den Splitter im fremden Auge, aber nicht den Balken im eigenen Auge zu sehen. Um mal die Bergpredigt zu zitieren, wie es zu uns alten Hippies passt.

Übersetzt heißt dies, dass sich jede Fanszene sehr schwer damit tut, doofes Verhalten in den eigenen Reihen konkret anzusprechen und auch zu isolieren. “Wir gegen die” sei hier nur beispielhaft als Grund genannt.

Dieser Unwille wird noch dadurch verstärkt, dass die Medien so unterirdisch berichten, dass man viel Aufmerksamkeit darauf verwenden MUSS, diese wieder einzufangen. Ja, ein Restaurant zu demolieren ist Scheiße, ja es sind unschuldige zu Schaden gekommen, aber Nein es war nicht „wie Hanau“. Wer so etwas in Schlagzeilen druckt, handelt unverantwortlich und will Panik machen. Und kann sich gerne gehackt legen.

Dies alles vorweg gesagt, kommen wir zu einem Video (bewusst nicht verlinkt), welches unseren Marsch zeigt und diese typische „nun komm doch her wenn du dich traust“ Diskussion, die eigentlich immer nur dann erfolgt, wenn die/der Provozierende sich sicher sein kann, dass aufgrund von Zaun und daneben stehenden Ordner*innen und Polizei, ihr/ ihm keine*r was tun kann.

Im Rahmen dieser Diskussion fällt dann das „F“ Wort und ein Satz im Sinne von „deine Frau wird von einem von uns gef…“. (Einmal geht’s um Geschlechtsteile, einmal um Geschlechtsverkehr). Hierbei sei natürlich auch noch angemerkt, dass diese implizite Annahme, das Gegenüber sei heterosexuell auch absolut nicht unproblematisch ist.

Das ist einfach sexistische Rotzscheiße und hat beim FCSP nichts verloren. Digga, wenn Dir in deinem albernen „durch den Zaun Macho“ Talk echt nichts besseres einfällt, dann lass es doch einfach. Das ist in der oben beschriebenen Situation sowieso schon albernes Rumgemacker, wird es aber so noch mehr. Und hat mit „Antifa Hooligan“ aber mal so gar nix mehr zu tun.

Ach ja: Küsschen an alle anderen Szenen, die dieses Video nun mit „aber die Paulis sind ganz böse und tun immer so politisch korrekt“ verbreiten. Erstens: Glückwunsch, dass ihr erkannt habt, dass das nicht so geil war. Ist ja nun nicht immer so. Vor allem wenn ihr das selbst tut. Zweitens: Natürlich sind wir ganz böse. Aber wir sind da ganz schnell wieder bei dem Splitter und dem Balken. Es werfen bitte die den ersten Stein, die solche Rübenköppe nicht in ihrer Szene hat. Wir haben ähnlichen Rotz uns z.B. von Stuttgarter*innen diese Saison schon anhören müssen. Nur bei uns waren (immerhin – und ja die Messlatte liegt niedrig) seit langem keine irgendsolche Banner mehr in der Kurve. Wir wissen um das Problem und wir nehmen uns dem intern an.

Aber haltet eure verdammte Fresse, wenn ihr die Worte, die ein Mackertyp bei billiger Provokation sagt, bei Euch noch nicht mal auf irgendwelchen Transpis verhindert kriegt. Aber auch ey Leute, dieser Thematik jetzt komplette Facebookseiten (ebenfalls bewusst nicht verlinkt) zu widmen, ist komplett daneben – Kreativität sieht nebenbei auch anders aus.

Vorschlag zur Güte: Sexist*innen raus. Aus jeder Kurve. 

Feb 232020
 

Vorwort

Liebe braun-weiße Menschen da draußen, unser Verein gewinnt das Derby mal so alle Jubeljahre und wir machen dann Aufkleber von diesen Heldentaten und verschwinden dann wieder in der sportlichen Bedeutungslosigkeit.
So oder so ähnlich werden wohl viele Einwohner*innen dieser Stadt gedacht haben, als sie das Rückspiel zum glorreichen 2-0-Hinspielsieg im Kalender gesehen haben, egal welche Vereinsfarbe sie auf ihrem Schal tragen. Es kam anders. Der Tag schrieb wahrscheinlich Millionen von unterschiedlichen Geschichten, die wir noch im Altersheim erzählen werden. Hier sind die von uns.

Freitagabend

Das Ganze beginnt am Freitagabend, wo wirklich mal alle vier Menschen dieses Blogs nebeneinander an einem Ort sind. Das passiert nicht sehr häufig und so feiern wir dies im Dschungel und später im Knust. Sehr nett von den Ultras und dem Knust, dass sie uns extra deswegen eine Party schmeißen.

Spaß beiseite. Der Derbyauftakt der Ultras – trotz miesem Wetter gut besucht – ist eine Mischung aus planlosem Rumstehen und großem Hallo. Irgendwann gibt es noch einen netten Spaziergang durchs Viertel, mit lauten Gesängen (sehr schön) sowie Vogelschreck und Silvesterfeuerwerk in engen Straßen (nicht ganz so optimal). Echt doof sind die Leute, die so einen Marsch dann echt noch mit dem Handy filmen wollen. Denkt doch wenigstens mal ein bisschen nach!

Es soll laut Hamburger Lokalpresse in der Neustadt geknallt haben. Wir sind nun echt keine Expert*innen auf diesem Gebiet, aber in unseren Ohren klingt das nicht nach einem zufälligen Treffen. Denn wir haben die Sätze von FCSP-Menschen im Ohr, wie weit es doch in die Neustadt sei. Dazu nur so viel: Wenn so etwas ein verabredetes Ding ist, dann sind wir die Letzten, die Menschen ihr komisches Hobby absprechen wollen. Passt nur bitte darauf auf, dass Unbeteiligte nicht zu Schaden kommen. Und das ist bei einer Verlagerung der Auseinandersetzung in eine „neutrale“ Kneipe nahezu nicht zu vermeiden. Das ist dann echt doof.

Zurück zum Marsch. Die Polizei lässt diesen erstaunlich weit laufen, hat aber irgendwann auch eine klare Grenze, was die Bewegung in Richtung Reeperbahn angeht. In den Verlautbarungen der Staatsmacht war von „Durchbruchversuch“ (oder so ähnlich) die Rede. Den haben wir aus dem Marsch nicht mitbekommen. Der war ziemlich friedlich unterwegs.

Spannend auch, was für ein Kauderwelsch aus unterschiedlichsten Sprachen an so einem Derbywochenende zu hören ist. Klar, dieses Großereignis zieht noch mal mehr Gäste aus fernen Ländern in die Stadt. Uns gefällt dieses internationale Flair.

Für uns ist dann „Pennen für den Derbysieg“ angesagt, naja ehrlicherweise war noch ein Bier drin. Nach Hause gefahren worden (danke!). ”Gute Nacht! Wir schlafen heute als Derbysieger*innen ein. Und morgen dann auch wieder.“ ”Haha, ja klar.“

Spieltag

Wir stehen für ein Spiel in der gleichen Stadt um 08:30 wieder auf der Matte. Es ist erschreckend zu sehen, dass die Hamburger Verantwortlichen zwar drölfmillionen Polizisten und unzählige Wasserwerfer auf die Straße bekommen, aber keinen Plan haben, wie man Gästefans in den Volkspark bekommt.

Es treffen sich gut 2000 Menschen an der Südkurve. Diese stehen da gut eine Stunde rum, singen sich ein und latschen dann langsam los. Das alleine bringt staatlichen Organisator*innen schon genügend Zeit, um S-Bahn-Kapazitäten zu ordern und bereitzustellen. Auch gerade weil der Zugang zu den Landungsbrücken noch gut 30 Minuten per Polizeikette verweigert wird. Und was machen die dann? Stellen nicht annähernd genug S-Bahnen bereit, um schnell die Leute nach Othmarschen zu transportieren. Lieber wird der Citytunnel mal so gut eine Stunde für jegliche andere S-Bahn gesperrt und man lässt die letzten FCSPler*innen lange auf dem Gleis warten, bis man dann endlich eine S-Bahn organisiert hat. Wenn wir nicht alle so entspannt wären, wäre das hier schon eskaliert.

Noch kurz zum Einsingen in der Südkurve: Sehr stimmungsvoll, mit ein bisschen Pyroeinsatz und wie schon erwähnt gut besucht. Wir bleiben aber bei einem wiederkehrenden Thema das Tages – lasst den Scheiß mit dem Vogelschreck. Die Dinger sind unfassbar laut und wenn das in der Nähe von Menschen gezündet wird, dann ist das echt gefährlich. Hier warf das irgendwer gerade mal so eben auf den Platz und die beiden sich auf dem Zaun befindlichen Vorsänger hielten sich danach ordentlich die Ohren. „Übermotiviert“ war die freundliche Beurteilung von einem der Beiden.

Um 11 Uhr (wir sind um 9:30 Uhr am Stadion losgegangen) sind dann endlich alle in Othmarschen. Pendelbusse? Vergesst es! Selbst wenn man nicht laufen will, es gibt keine andere Chance. Und so geht es auf den großen Spaziergang, wie letztes Jahr sehr entspannt und ruhig. Immerhin ist es die ganze Zeit trocken, nachdem es am Morgen noch geregnet.
[Ergänzung 23.02. 18:42: Mittlerweile haben sich Menschen gemeldet, die die Busse genutzt haben. Es waren wohl 12 im Einsatz – was halt nicht mal ansatzweise ausreicht bei der Menge an Menschen, bei Ankunft mit der letzten S-Bahn in Othmarschen auf dem Hinweg unübersichtlich war und auf dem Rückweg nur für sehr wenige Menschen funktioniert hat. Und die Option die Rautenshuttles zu nehmen sind halt keine Option, vor allem wenn du Fantrennung sonst großmäulig propagierst.]

Sowieso: „Die Fantrennung hat perfekt funktioniert“, schreibt die Polizei? Das sind komplette Fake News, denn sowohl auf dem Hinweg, als auch auf den Rückweg stehen da unfassbar viele Rauten. Gerade an diesem komischen Imbiss direkt an der Gästekurve. Das es da nicht zu Stress kommt, liegt einfach nur daran, dass alle Menschen entspannt sind.

Kurz vor zwölf ist der Volkspark erreicht. In diesem Zusammenhang: Vielen Dank an die Restaurants am Wegesrand, die es tolerieren, dass Menschen ihre Klos nutzen. Auch das ist einfach eine beschissene Planung, denn es gibt genügend Menschen, die nicht einfach mal so Bäume bewässern wollen oder können.

Zum Einlass: Wir müssen reden, lieber Nachbar. Ja, es kommen alle gleichzeitig. Ja, wir können aus eurer Sicht verstehen, dass man ein bisschen genauer durchsuchen möchte. Aber dann vielleicht 20 Abtastmenschen zu beschäftigen und von fünf möglichen Zauneingängen gerade mal zwei zu öffnen, das ist einfach schlechte Organisation. Ein dritter Eingang war für „Materialkontrolle“ geöffnet und wurde dann später zum Abtasten umgebaut. Vor dem Eingang dementsprechend ziemliches Gedrängel und irgendwann auch Unmut. Das ist nicht ungefährlich und deswegen echt Mist. Die meisten Menschen aber noch entspannt. Danke für NIX an die paar Trottel, die meinten da schieben zu müssen.

In der Schlange dann die Aufstellungsanalyse mit einem jungen Mann: „Penney? Verstehe ich nicht so ganz“ „Ja, ich auch nicht“ „Pass mal auf, der macht heute drei Buden“ „Wenn das passiert, dann kaufst du die ganze restliche Saison keine Getränke mehr, die zahl ich dir“ „Deal“

In Hamburg steht ne Schüssel …

Wir bekommen das Gerenne nicht zu 100 % mit. Für uns ist der Versuch, in den Heimblock zu kommen, und das Abschießen irgendwelcher Leuchtkörper relativ gleichzeitig, sodass wir nicht sagen können, was auf wen reagiert. Müssen wir auch nicht.

Das solche Auseinandersetzungen in engen Stadien immer suboptimal sind, wollen wir nicht unerwähnt lassen. Das trifft immer auch Menschen, die nicht so mobil sind oder einfach am falschen Ort zur falschen Zeit sind. Da wäre weniger Testosteron und mehr Nachdenken ganz angebracht.

Es wurden auch die Sitzplatzblöcke gestürmt, dies fällt wohl unter „nicht zu vermeiden“, ist aber auch nicht ohne Probleme. Letztendlich müssen sich da aber auch alle Vereine ein bisschen an die eigene Nase fassen. Wenn man Fans in Ecken quetscht, wo nie alle nebeneinander stehen können, die dies wollen, dann muss man sich irgendwie auch nicht wundern, dass die Menschen Ausweichbewegungen starten. Ebenso, wenn man Schweinepreise für Plätze nimmt. Und am Ende ist eine direkte Folge davon, dass sich „verfeindete“ (bewusste Anführungszeichen) Fans auf schlechter gesicherten Sitzplätzen gegenüber stehen. Es ist so ein bisschen so wie mit dem Pyro; je mehr ich versuche, dies draußen zu lassen, je mehr werden Menschen versuchen, dem System ein Schnippchen zu schlagen. (Und Dresden, schmiert euch eure Stellungnahme sowas von sonstwohin. Alle kritisierten Punkte treffen auch auf die Schüssel voller Scheiße (landläufig auch Volksparkstadion) zu. Kurz vergessen oder was?)

Hymne ins Klo

Wir sind spät drinnen, was angesichts der wirklich miesen Stadionshow der Rauten echt nicht schlimm ist. Mal ehrlich: Können wir Lotto wieder haben? Wir hätten nicht gedacht, dass es noch nerviger geht, aber es geht.

Wir wollen aber nicht alles schlecht machen. Auf den Sitzplätzen im Gästebereich finden sich Postkarten der Rauten, die wirklich gelungen sind.

Das ist wirklich mal eine nette Idee.

Auch die Ansage des Stadionssprechers zur Schweigeminute war deutlich und gut. Lob dafür. Und der Heimblock hat schon selbst die richtige Antwort auf die paar Arschlöcher gefunden, die meinen, eine Schweigeminute mit “Scheiß St. Pauli” unterbrechen zu müssen. Danke dafür. Und für das Plakat zur Halbzeit.

Kein Lob für die “neue” Stadionhymne. Da wird einem ja ganz anders. Reimschema? Das kann ja unser Senior besser! Und der kann echt nicht reimen. Und der Text?

„Ich hab nen harten Tag gehabt
Und musste noch mal raus.
Mit der S-Bahn in die Innenstadt,
Am Hafen steig ich aus.
Ich hab noch ein paar Bier dabei
Und setz mich an die Pier.
Die Schiffe und der Lichterglanz,
Ich denke so bei mir.“

Das ist ungefähr alles auf St. Pauli, ihr Pappnasen! Da kann eine Hymne des FC Köln auch damit beginnen, dass man einen geilen Blick aufs Bayer-Kreuz hat.

Und es wird noch schlimmer (ja, wirklich!):

„In den Straßen die mein zuhause sind!
Vom Volkspark übern Alsterlauf
Bis zum Öjendorfer See.
Von Norderstedt bis Rönneburg.
Das ist mein Revier.
Mein Wohnzimmer das ist der Kiez,
die Neustadt mein Büro
die Elbterasse mein Balkon
die Veddel is mein Klo.“

Norderstedt? Hamburger Stadtgrenzen üben wir noch mal. „die Veddel ist mein Klo“ ist dann entweder Verrat an der im Hinspiel noch gefeierten Arbeiterklasse oder der alltägliche Taschenrassismus des gut bürgerlichen Menschen. Und ”hier wo ich geboren bin“ – was für ein beschissenes Konzept von Heimat und Vereinszugehörigkeit.

Soviel auch zu diesem „Wir sind Hamburg“. Ein Scheißdreck seid ihr.

Arbeiterklasse? Gutes Stichwort. Warum genau mache ich eigentlich ein Poserfoto vor der Agentur für Arbeit?

Choreo und so

Gehen denen im Volkspark eigentlich langsam die „Tradition“-Themen aus? Diesmal gar nicht in der Choreo erwähnt. Und auch die sonst übliche Lesestunde fällt zum größten Teil aus. Und hat zumindest uns mal wieder so gar nicht getroffen.

Auf unserer Seite gibt es Wappen und Fahnen. Und keine Pyro. Die kommt dann später. Das ist ja schon beinah bemerkenswert, weil es aus den üblichen Derbyritualen ausbricht. Wobei Pyro zu Fahnen eigentlich immer so gut passt. Ja, da schlagen mehrere Herzen in unserer Brust.

Kurz zur Supportfrage

Ist gut auf unserer Seite. Natürlich auch schnell dem Spielstand geschuldet. Wie der Block ab der 70.
Minute jeden Befreiungsschlag feiert, ist schon einzigartig. Ball im Aus? Komplette Eskalation!

„Es ist nichts passiert, außer dass wir das Derby gewonnen haben“ / Zum Spiel

Die Überschrift frei nach A. Hunt. Sagen wir es mal so: Die Vorstadt hat an diesem Tag nicht das Glück gepachtet. Und die Latte und der Pfosten haben wohl zwei vernünftige Dellen erlitten. Es ist so ein bisschen wie ein Pokalspiel. Der Favorit versucht Fußball zu spielen und der Underdog kämpft und grätscht wie verrückt. Der Favorit führt am Ende eigentlich in jeder Statistik, außer bei den Karten und Fouls und bei den Toren. So ist der Fußball nun mal. Hatten wir letzte Woche so ähnlich auch. Ist nur ein bisschen unglücklich, wenn es gerade im Derby passiert. Zum Trost der Rauten sei aber erwähnt, dass sowohl Leipzig als auch Paderborn aufgestiegen sind, nachdem sie 0 Punkte gegen uns holten.

Sowieso der Rautenaufstieg. Wir haben da einen Masterplan: Derbysieg, die steigen auf, wir nicht ab. Nächste Saison direkter Wiederabstieg von denen , wir steigen nach 1910 Kopfballtoren von Leo Østigård direkt auf. Der Abstieg ist dann der finanzielle Ruin (außer der Opa hat immer noch nicht genug Geld verballert) und somit kommt es nie wieder zu einem Stadtderby. Wir sind also ewige doppelte Stadmeister*innen.

Okay, das war es nun mit der trockenen Analyse.

WIE GEIL IST DAS DENN BITTE? Diese Waldemar-Kampfmaschine? Dieser „als gegnerischen Spieler würde ich den komplett hassen“-Dimi? Dieser Henk-Ballmagnet? Dieser Penney-Hammer? Dieser Leo-Eskalierer?

Und dann diese einzelnen Szenen! Es seien nur einige genannt:

  1. Ryo als genialer Ballabfänger, Pass auf Henk. Alle brüllen „nun gib doch ab“ aber nein, Henk vernascht stattdessen Rick (einer von uns) und leckt den so lässig rein.
  2. Ball kommt zu Penney und der zieht aus gefühlt 300 Metern ab. So ein Schuss hat wahrscheinlich einen xG-Wert von minus 3, aber heute schlägt er im Eck ein. Und wie du schon beim Abdrücken siehst, dass der Schuss richtig gut ist. Dieser Jubel vor der Kurve. Ohne Witz gehen neben den Gästeblöcken nach diesem 0-2 einige Fans der Rauten den berühmten Hamburger Weg und verlassen das Stadion. Nach dem zurückgenommenen 0-3 wird dies dann eine Massenbewegung.
  3. Buballa als Klärmaschine. Ball weg gebolzt, umgedreht und so etwas von in die Kurve gebrüllt. Wie geil ist das denn? Emotion pur! Das willst du im Derby.
  4. Dimi als Stachel im Fleisch. Nach der frühen gelben Karte notieren wir alle schon „gelb-rot gefährdet“, aber der Typ kann das echt so dosieren, dass er ständig nervig ist und doch nicht in die Gefahr kommt, die zweite Gelbe zu kassieren.
  5. Jede einzelne Grätsche von Miyaichi (ey Ralle, wenn du das hier liest, dann erklär dem Kollegen bei Dazn mal, wie der Name ausgesprochen wird. Das ist ja nicht zum Aushalten). Wie viel Geschwindigkeit der Junge hat. Wie die berühmt-berüchtigte linke Seite des H$V irgendwann gar keinen Bock mehr hat. Und vielleicht auch ein wenig Angst um die eigenen Knöchel.
  6. Küsschen an den Fan des irrelevanten Sportvereins aus Hamburg, der seine Wut über das Spiel in “Hustenbonbon auf den Gästeblock werfen” entlädt. Und viel Liebe für den Ordner, der mitleidig grinsend daneben steht.
  7. Dieser Moment des vermeintlichen 1-2. Stadionregie macht volle Elle Malle-Disse-Tempel, die Pyroshow eskaliert, alle Heimfans feiern und singen laut, haben wieder Hoffnung. Erste schon gegangene Fans drehen wieder um. Und während sie noch singen und tanzen, sagt der VAR still und leise „Nope“. Das ist dann schon eine schöne Schadenfreude. Und dann merkt man auch, wie lange so ein Pyro brennt, wenn man das gerade zum Abfeiern der VAR-Entscheidung in der Hand hält. Upsi.

Und und und und und

Nach dem Spiel / “Ich weiß nicht, ob H. gerade komplett vollgekifft oder einfach nur sehr glücklich ist”

Wir sagen nur Selfie vor der Kurve. Ganz viele Herzchen für Leo. Und mindestens einen Zehnjahresvertrag. Niemand hat gesehen, dass er das Wappen geküsst hätte, er kann also bleiben. Was für ein Abriss. Es fehlen die Worte. Noch lange nach dem Spiel. Kneift uns, wir haben doppelt das Derby gewonnen. Etwas, was uns seit Oberliga-Nord-Zeiten nicht mehr gelungen ist. Und falls es einen Menschen gibt, der beides miterlebt hat: Melde Dich bei uns, wir wollen die Geschichte hören!
Und ey, wie wir uns freuen, dass wir nun wieder komplett problemlos einen Fahnentreter feiern können. Danke dafür, Leo. Danke Mats, dass du dabei geholfen hast, ihn hierherzuholen.

Wieder keine Pendelbusse, daher wieder laufen. Bei strömendem Regen. Scheißorganisation insgesamt. Menschen die nicht so gut zu Fuß sind, stürmen dann irgendwann einen Bus und überladen diesen. Immerhin kommen so alle wieder ohne Zwischenfälle ins Viertel.

Da beginnt dann die komplette Eskalation, die wir mit einem Satz beschreiben wollen:

„Was im Viertel passiert, bleibt im Viertel“.

Nur so viel. Diese verklärten Gesichter, dieses stumme freudige Umarmen, dieses abstruse Lächeln. Wer es nicht fühlt, der*dem können wir es nicht erklären. Und verstanden haben wir das selbst noch lange nicht.

Und heute:

Viel Geld für Schampus, Bier und sonstiges ausgegeben? Kopf ist dick und Nase rot? Hals ist rau und mehr Schlaf wäre auch gut gewesen? Und dann kommt dieser Gedanke. Wir sind Derbysieger*innen.

Und all die Schmerzen, all die Strapazen, all dies ist deswegen.

SCHEISSEGAL! (Es gibt hier eventuelle Sprachnachrichten, die wir Euch liebend gerne vorenthalten).

Feb 212020
 

Stellungnahmen sind extrem überflüssig. Eigentlich hat noch nie eine Stellungnahme irgendwas besser gemacht.

Dies gilt noch umso mehr, wenn Vereine meinen zu Fanverhalten Stellung beziehen zu müssen. Trotzdem können sie alle auch nicht nichts sagen (höchsten Respekt an Peter Fox, der diese doppelte Verneinung fehlerfrei singen kann). Irgendwie ist dem Menschen nicht wohl, wenn er einfach mal schweigt. Meistens erfolgt das ganze auch noch übereilt und ohne vernünftiges Nachdenken und schon kommt Mist heraus.

Dem wollen wir vorbeugen und bevor Menschen Sonntag Morgen vom Wählen abgehalten werden, weil sie Stellungnahmen verfassen müssen, möchten wir hier schon einmal die ultimative Stellungnahme zu den Geschehnissen nach dem Hamburger Derby veröffentlichen. Zutreffendes bitte ankreuzen.

„Der FC St Pauli verurteilt die Ereignisse rund um das gestrige Spiel im Volkspark.

Den Ereignissen ging ein emotionales Stadtderby voraus, welches durch ein unglückliches Eigentor in der 99. Minute zugunsten des FC St. Pauli entschieden wurde. Wir wollen an dieser Stelle Aaron Hunt unser Mitgefühl aussprechen, dessen Lattenschuß, freistehend aus zwei Metern abgegeben über den ganzen Platz ins eigene Tor prallte.

Bereits während des Spieles kam es zu einer Kampfkraft auf dem Platz und einem Supportverhalten des Gästeblocks, der weit über das akzeptable Maß hinaus ging. Der FC St. Pauli verurteilt die verursachten Hörschäden und den kaputten Rasen im Volkspark aufs Schärfste! 

Wir haben den schwer betroffenen Familienmitgliedern und Lebenspartner*innen der Spieler des Hamburger Sportvereins bereits unsere volle Unterstützung angeboten. Es ist nur schwer ertragbar, dass diese aufgrund des unaufhaltsamen Tränenflusses der Spieler seit nun mehr 24 Stunden ausschließlich mit Wasserzufuhr beschäftigt sind. Wir können und wollen das nicht länger akzeptieren. Ebenso übernehmen wir volle Verantwortung für die zerstörte Tür in Schindeleggi (Schweiz). Wir können die Wut über die verprassten Millionen nur zu gut verstehen. 

Die Vorfälle danach sind mit den Werten des FC St. Pauli, seinen Leitlinien und seiner Toleranz nicht zu vereinbaren. Der FC St. Pauli distanziert sich in aller Deutlichkeit von diesen Ereignissen.

Es ist nicht akzeptabel, dass die Hans-Albers Statue braun-weiß gestrichen wurde. Auch bei den Anwohner*innen im Stadtteil St. Pauli müssen wir uns wegen der Vorfälle entschuldigen. Lautes Weinen im Umfeld der Gerhardstraße 7 und laute „Hamburg ist braun-weiß“ Gesänge im restlichen Viertel raubten diversen Menschen die ganze Nacht den Schlaf. Ebenso sind die Geschichten der traumatisierten Betreiber*innen der Fankneipe Jolly Roger nur schwer ertragbar. Einen leergetrunkenen Getränkekeller hat es in der 1910-jährigen Geschichte der Kneipe noch nicht gegeben. Dies ist eine Zäsur im Fanverhalten und wir werden den Inhalt des weiteren Umgangs innnerhalb des Vereins kritisch diskutieren.

Ebenso möchten wir uns bei der Hamburger Polizei entschuldigen, dass ihre Aufstandsbekämpfungsmittel einrosteten und nicht gebraucht wurden. Die Verursachung von Langeweile und unnötiger Steuergeldausgaben ist mit den humanitären Grundsätzen des Vereines nicht vereinbar und gerade in Zeiten knapper Steuergelder nicht hinzunehmen. So kann unser geschätztes Vereinsmitglied Andy ja gar keine Steuergeschenke an Privatbanken mehr verteilen. Wir werden dieses Fehlverhalten intern aufarbeiten müssen.

Abschließend stellt der FC St. Pauli klar, dass er für Vielfalt und Toleranz steht und die 0,1 % Wahlergebnis für die AfD und die FDP sehr bedauert.

Für alle Geschädigten haben wir eine Hotline eingerichtet. Rufen sie unter 0800 33729743437 [Für alle U25: T9, Diggis] kostenfrei an.“

Es gibt was zu Gewinnen!

Wir haben einen zweiten Moneypool zugunsten der Bielefeld Hilfe eingerichtet. Hier könnt ihr spenden.

Und wollen diesen Pool mit einem kleinen Ansporn verbinden:

Wenn wir bis zum 27.02.2020 19:10 Uhr 1.910 Euro erreichen, dann verlosen wir unter allen Menschen die gespendet haben einen Blogbeitrag bei uns.

Bedingungen: Ihr meldet uns kurz per Mail (Webmaster ät magischerfc.de (http://magischerfc.de/)) nach eurer Spende mit dem Hinweis, dass ihr gespendet habt und teilnehmen wollt. Was ihr schreibt ist egal, es sollte aber in den Grenzen der Leitlinien des FCSP bleiben. Wir behalten uns ein Veto vor.