Mai 132019
 

Hamburg bleibt zusammen

Rosa Luxemburg soll mal gesagt haben, dass sich der Charakter einer Frau nicht zeige, wenn die Liebe beginne, sondern wenn sie ende. Das gilt anscheinend nicht nur für Frauen (Sowieso – was für ein Klischee, warum soll das nicht auch für Männer und Diverse gelten?), sondern auch für Kommentatoren unter Postings des Lokalrivalens.

Das war der schöne Teil des (bevorstehenden) Saisonendes. Der unschöne war, dass wir nicht gleichzeitig die Chance beim Schopfe gepackt und uns auch sportlich zur einzigen Bundesligamöglichkeit in dieser Stadt gekürt haben. Denn auch unsere Rückrunde war ziemlich unschön.

Die Kommentare unter den Postings des FCSP sind trotzdem deutlich entspannter. Nein, auch sie sind immer wieder mit hanebüchenem Blödsinn durchsetzt (“Warum nicht Stani???1??”), aber an die Quali Nichtqualität einiger Menschen mit Liebe zu schwarz-weiß-blauen Vereinen kommen sie einfach nicht ran.

Ein Twitterer schrieb folgendes:

Mit dem #HSVplus wird alles besser! Endlich nur Fachleute in der Führung und keine dummen Fans.
Mit Häme habt ihr die aktive Fanszene übergossen damals. Oh wie ich es euch Vollidioten gönne. #SCPHSV

— Nicolai (@nicolaido) 12. Mai 2019

Man wird ihm wohl mit diesem Tweet und den folgenden schönen Grüßen an die Hamburger Sportmedien recht geben müssen. Da ändern auch die “Aber dann wären wir 2014 pleite gewesen!”-Antworten wenig. Das ist genau das, was euch die Hamburger Sportmedien erzählt haben. Mal ganz davon begann die ganze Geschichte ja schon vorher. Genauso wie sie euch alle zwei Jahre erzählt haben, dass ihr nun unbedingt Experten wählen müsst, um euch nach zwei Jahren zu erzählen, dass die ja alle keine Ahnung haben und ihr nun endlich Experten wählen müsst. Und das soll keine Kritik an unseren Ligakollegen im Volkspark werden. Eher an der Hamburger Medienlandschaft, die ihre eigene Rolle nie reflektiert.

Womit wir den Bogen zu unserem Verein schlagen. Wir nörgeln ja gerne – und natürlich immer zu Recht – an Entscheidungen unserer Führungskräfte herum. Aber insgesamt sind wir bei aller Kritik im Detail glücklich, dass wir „dumme Fans“ in allen Führungspositionen haben und keine „Experten“ von Abendblatts, MoPos und Bilds Gnaden.

Tschüß Jungs

Der Tag gegen Bochum beginnt mit einem Abverkauf von altem Fanräume-Merch. Das funktioniert ganz gut und viele Sachen gehen zu den verbilligten Preisen über den Tresen. Trotzdem können die Stufen, welche die Welt bedeuten, früh eingenommen werden und dies ist auch gut so. Es ist nämlich voll im Stadion. Es wird zwar jedes Spiel ein „Ausverkauft“ gemeldet, aber gerade auf den Stehplätzen der Gegengerade ist der Füllungsgrad schon sehr unterschiedlich. Warum er diesmal so hoch ist, wissen wir nicht. Fanfreundliche Anstoßzeit? Letztes Spiel? Oder doch die Han-Solo-Rechnung mit zwei Union-Niederlagen, höchstens einem Rautenpunkt und zwei hohen Siegen von uns? Wir wissen es nicht. Wir würden uns aber allemal wünschen, dass die Karten regelmäßiger genutzt werden. Alleine schon, weil ein anwesender Besucher auch noch ein Bier trinkt und irgendwas isst und damit dem Verein zusätzlich Geld einbringt.

Auf dem Platz werden Spieler verabschiedet. Allagui nicht, Meier nicht, diverse andere nicht, siehe Vereinstwitter. Das heißt nun nicht gerade, dass die beiden (oder die Anderen) auch nächste Saison am Millerntor auflaufen werden; aber man scheint zumindest noch unsicher genug über die Situation, um keine Verabschiedung vorzunehmen.

Neudecker, Hoogma, Müller, Schneider und Dudziak werden aus dem aktuellen Kader verabschiedet. Bei Nehrig wird die Verabschiedung an diesem Tag nachgeholt. Nehrig kann man eine gewisse Sehnsucht ansehen und der Beifall fällt verdientermaßen auch laut und lang aus. Man kann sich vorstellen, dass dies bei Dudziak genau anders herum ist. Buhrufe, freundliche Erinnerungen, dass sein neuer Arbeitgeber doof ist und ein bisschen Beifall sind die Reaktionen.

Danke euch allen und viel Glück auf euren weiteren Wegen. Ja auch dir Jerry, mögest du als guter Zweitligaspieler dieser Liga noch lange mit deinem neuen Arbeitgeber erhalten bleiben und in ihr für Furore sorgen.

0-0 der taktischen Sorte

Eigentlich hat Tim vom Millernton alles geschrieben, was ihr über das Geschehen auf dem Platz wissen müsst. Wir verweisen auf diesen Artikel und empfehlen sehr das Lesen. Auch seinem Saisonfazit kann man nur zustimmen. Wir müssen in der Rückrunde gerade einmal 26 Punkte holen und wären nun mitten drin im Aufstiegsrennen. Wenn man bedenkt, dass wir sechs Punkte in der Rückrunde gegen Union und gegen Paderborn geholt haben, dann haben wir den Aufstieg mehr oder minder gegen die Abstiegskandidaten dieser Liga verspielt. Das tut sehr weh. Es wäre so einfach gewesen.

Auch wenn wir uns wiederholen: Es war selbst noch brutaler, denn aus den letzten 16 Spielen hätten wir selbst nur 23 Punkte holen müssen für das eben Gesagte. Das ist ein Schnitt von ca. 1,4 Punkten. Ein Schnitt, wie ihn Teams wie Bielefeld oder Regensburg über die ganze Saison hatten. Das sind keine Wunderdinge.

Der Artikel stützt auch wieder eine unserer Thesen der gesamten Saison. An der taktischen Idee liegt unser Scheitern nicht. Das Trainerteam hat Ideen und versucht diese auch mit dem vorhandenen Spielern umzusetzen. Das klappt häufig genug und Dutt sagte auf der Pressekonferenz, dass er ein Kompliment ausspreche, weil er zweimal innerhalb kürzester Zeit zum Umstellen gezwungen worden sei. Das ist also wirklich nicht unser Problem.

Unser Problem liegt natürlich einmal in Verletzungen. Wie sehr bitte fehlt uns Veerman als Bande, als zentrale Anspielstation und als Spieler, der die Abwehr verrückt macht? Nehmen wir doch z. B. die Scorerausbeute von Allagui. Mit Veerman: Drei Tore, eine Vorlage. Ohne ihn? Ein Tor, keine Vorlage.

Ein weiteres augenfälliges Problem ist und bleibt, dass wir – ganz im Gegensatz zur Hinrunde – es nicht schaffen, Tempo und Aggression über 90 Minuten hoch zu halten. Und wenn das einzelne Spieler doch können, dann sind es Spieler, die in der Hinrunde nicht eingesetzt wurden und wahrscheinlich nicht ein Mal 100 Prozent der Zeit bei den Profis trainiert haben. Becker ist hier auffällig. Coordes von der Bank auch. Sowieso ist „Jugend forscht“ angesagt an diesem letzten Heimspieltag und Coordes macht in seinem Kurzeinsatz Lust auf mehr.

Er kommt für Schnecke Kalla, der seinen 150. Einsatz in Liga 2 zeigt. Die geringe Anzahl auf seine unzähligen Jahre spricht auch für die vielen Verletzungen, die seine Karriere auch geprägt haben. Ob diese nun in einer aktiven Spielerrolle noch viel weiter geht, wird sich zeigen. Schon vor dieser Saison hatten wir prophezeit, dass etwas schief gelaufen ist, wenn er viele Einsätze bekommt. Es sind am Ende der Saison 9 (und vielleicht noch 10?) und er hat die beste Whoscored-Note des Kaders. Es zeigt halt, wie wichtig ein guter 12. Mann ist, der dazu noch die absolute Kampfmaschine ist. Der unfassbar intensive lange Zweikampf mit seinem Gegenspieler in der ersten Halbzeit ist exemplarisch.

Haben wir uns jetzt wieder lieb?

Auf den Rängen ist eine ausgelassene Sommerstimmung sehr verbreitet. Das Ergebnis des Lokalrivalens sorgt natürlich für Heiterkeit und für neue wie alte Spottgesänge. Spott muss man sich halt verdienen. Und es ist besser als Mitleid.

Es gibt nach einer gewissen Pause mal wieder ein „Aux Armes“ und es den Versuch von Wechselgesängen über alle Tribünen. (Das kann noch besser werden, gerade die Nord kam bei uns gar nicht an, was nicht heißen soll, dass man sich da nicht bemüht …)

Die Gäste sind mit einem Sonderzug angereist, vor dem Stadion dementsprechend gut betankt und im Stadion mit einer Choreo dabei. Diese untermalt von (verspätet?) gezündetem Rauch, was so nicht wirklich beeindruckend aussieht. Nicht auf die Uhr geguckt, liebe Bochumer?

Danach

Gibt es in den Fanräumen noch Büffet und wir besuchten noch kurz das gallische Dorf des Hafengeburtstags namens Jolly-Bühne. Puh, nichts gegen schöne Schiffe und Städte mit Häfen haben ja immer noch Hoffnung, aber das ist ein gewöhnungsbedürftiges Fest. An der Bühne aber viele nette Menschen und ein netter Ausklang zum Wochenende.

Unser Tag wird kommen.

PS: Derbyfluch? Maik der alte Investigationsjournalist hat da mal tiefer gebohrt.

Mai 082019
 

Die Gazetten pfiffen es schon einige Tage vom Dach und nun ist es auch offiziell, Andreas Bornemann ist unser neuer Sportchef.

Erstmal herzlich willkommen.

Sportchef. Was heißt das eigentlich genau? Auch beim FCSP ist dies unklar. Wir denken mal, dass das der allgemein sportlich Verantwortliche ist. Viele FCSP Fans und auch Fußballfans stellen sich unter einem Sportchef immer noch den Macher, einzigen Scout und Taktiker des Vereines vor. Sollte der FCSP so agieren, dann ist er extrem rückständig.

Nehmen wir doch mal wieder den – bei uns sehr gerne genommenen – Vergleich zum Baseball. Die vergleichbare Position ist dort die eines General Managers. Der hat das letztendliche Sagen und die politische Verantwortung. Aber bedient sich unendlich vielen Menschen in der Analyse und Zuarbeit. Die Tampa Bay Rays (vom Umsatz eines der kleinsten Teams in der MLB) nennen auf ihrer Website handgezählte 56 Personen, die grob in dem Bereich Scouting und Analyse arbeiten. Und glaubt uns, die drehen jeden Penny zweimal um, bevor sie ihn ausgeben, insofern braucht man auch so viele Leute.

Davon ist der Fußball vielleicht noch weit entfernt, aber die Zeiten des Machers mit seinem Notizbuch, der sich drei VHS Kassetten anguckt und dann entscheidet, wen man kauft, die sind schon lange vorbei.

Bei uns ist z.B. ein Carsten Rothenbach zu nennen, der einen dieser Zuarbeitsposten besetzt und viele Teams haben heutzutage schon einen „Chef Kaderplaner“, der sehr konzentriert dem Sportchef zuarbeitet. Und der dann auch wieder ganz viele Leute hat.

Daher sollte man bei dem alleinigen Austausch des Kopfes nicht erwarten, dass plötzlich sich etwas vollkommen an der Richtung der Organisation ändert. Daher ist es einem GM im Baseball auch überlassen, alle Menschen die in dem genannten Bereich tätig sind auszutauschen, wenn er bei einem Team neu anfängt. Ob wir unserem neuen Sportchef dieses Recht geben, wissen wir nicht.

Fakt ist auch: Wir haben hier garantiert noch Nachholbedarf, gerade in der Analyse fängt der Fußball unterhalb der großen 20 erst gerade an, sich mit Menschen zu versorgen und auch mal „outside the box“ zu denken. Etwas was im Baseball z.B. sehr üblich ist. Die wenigsten Menschen, die da auf der genannten Seite stehen sind z.B. Ex-Spieler. Denn in den USA hat man schon länger erkannt, dass guter Spieler ungleich guter Funktionär ist. Im deutschen Fußball ist ein Sportchef, der den Ball nie auch nur drei Meter geradeaus gekickt hat undenkbar, in den USA ist so etwas Normalität.

Insgesamt ist das eine eher mittelfristige Position. Ein Sportchef macht nicht die tägliche Trainingsarbeit, er ist nicht an der vordersten Motivationsfront, er ist eher der „ChefChef“, der vielleicht bei Krisen und für die grobe Linie gefordert ist und nicht für jeden Kleinkram.

Das es hier in vielen Vereinen gerne mal Reibungen mit dem Trainer gibt, ist bekannt und die Engländer verzichten daher auf diese Position vollkommen. Man muss hier für klare Hierarchien als Verein sorgen, sonst geht das schief. Das war beim FCSP auch in letzter Zeit nicht immer der Fall. Ewalds „der kann nicht mein Chef sein…“ Aussage in Richtung Meggle klingelt noch in den Ohren.

Zur Person

Der FCSP fährt seit Meggle einen eher konservativen Kurs bei der Besetzung des Managerpostens. „Berufserfahrung“ wird groß geschrieben. Erfahrung heißt aber auch immer, dass man als Sportchef schon mal irgendwo entlassen worden ist. Oder wie wir gerne mal – sehr zynisch – im Slack schreiben „ist schon überall gescheitert“.

So auch Andreas Bornemann. Erste Station war Freiburg als Nachfolger von Andreas Rettig, die er durch die letzten Finke Jahre begleitete und mit diesem zusammen den Verein verlies. Seien wir ehrlich: Da wird er nicht viel Macht gehabt haben, denn der SC Freiburg war zu dieser Zeit Volker Finke und der hatte das Sagen.

Zwei Jahre nach seinem Weggang stieg der SC Freiburg (wieder) in die 1. Liga auf.

Danach heuerte er in Aachen an und überlebte genau 9 Monate. Als Nachfolger von Schmatke gekommen, wurde er auf Platz 14 liegend entlassen. Das es danach nicht besser, sondern eher schlechter für die Alemannia lief, sagt wohl auch viel über seine alleinige Verantwortung aus.

Danach steuerte er 2010 bis 2014 Holstein Kiel (wo 1,5 Jahre später Uwe Stöver anheuerte), stieg mit diesen im dritten Anlauf in Liga 3 auf und hielt dort noch die Klasse. Danach wollte er nach Fürth wechseln, tat dies aber aus „persönlichen Gründen“ dann nicht. Kiel stieg dann drei Jahre später in die 2. Liga auf.

So wurde seine letzte Station der Club in Nürnberg. Im September 2015 gekommen, stieg er in seiner zweiten vollen Saison mit dem Club auf und wurde letztens entlassen, weil er den Trainer nicht entlassen wollte. Ups, das kennen wir irgendwoher. Ohne jetzt die beiden Situationen vergleichen zu wollen. Damals wie heute war der Club am Tabellenende zu finden.

Man ging anscheinend nicht wirklich im Streit, wenn wir mal dem Spiegel Online Artikel von damals glauben wollen. Worte wie „loyal“ und auch der Fakt, dass er Geduld mit dem Trainer bewiesen hat, wirken schon relativ Uwe Stöver nah, so dass keine vollkommene Änderung des Stils zu erwarten ist. Auch „Kontinuität“ haben wir schon mal von einem Funktionär des FCSP als Idealbild gehört. Wir zitieren aus dem Spiegel:

„Für Bornemann, der den Sparzwang in den vergangenen Jahren immer loyal vertreten hatte und Kontinuität für elementar im Profifußball hält, ist die Trennung also bitter. Wer mit ihm in den letzten Wochen sprach, traf auf einen Überzeugungstäter, der davon überzeugt war, dass auch ein anderer Trainer mit dieser Mannschaft nicht mehr Punkt holen würde.“

Eine konkrete Transferbilanz wollen wir jetzt nicht erstellen, alleine schon weil das oben gesagte gilt: Er ist eher politisch verantwortlich, als allein entscheidend.

Man kann Andreas Bornemann nicht absprechen, dass er nicht schon mal aufgestiegen ist. Meistens hat es nicht sofort geklappt, aber ein Sportchef hat – wie auch schon erwähnt- eher mittelfristigen Einfluss. Und da sind Aufstiege im zweiten oder dritten Jahr doch eher etwas, was man sich auf die Fahne schreiben kann, als wenn man mit dem Kader den sein Vorgänger zusammen gestellt hat aufsteigt.

Fakt ist auch: Wenn wir nicht massiv Spieler mit laufenden Verträgen vor die Tür setzen (und wahrscheinlich Gehälter zumindest teilweise weiter zahlen, während die Spieler irgendwo anders kicken), dann haben wir im Kader nicht mehr sehr viel Platz für Veränderungen. Ein Stürmer scheint das größte Loch zu sein, laufen hier doch Verträge aus. Und es ist nicht davon auszugehen, dass Veerman zu Beginn der Saison 2019/2020 bei 100 % ist.

Ansonsten? Verteidiger, am besten jemand der vernünftig linke Seite spielen kann.

Wir werden es alles abwarten müssen und sehen, was so passiert.

PS: Schade, dass die Zeiten vorbei sind, wo man Personalien beim FCSP als erstes von offizieller Seite zu hören bekam.

Mai 042019
 

Freitag. Einige Menschen sind “raus” weil sie arbeiten müssen. Einige davon vermissen wir, andere kündigen groß an den Dresdener Block zu füllen und sind dann “raus”. Wir sind bei der Arbeit raus, denn der FCSP ist für uns auch an diesem Freitag die einzige Möglichkeit. Das ist unsere Welt und wir machen uns diese Welt wie sie uns gefällt.

Also anstatt in Kittelschürze alle in Rot, gab dies doch die Ultramoderne als Modemotto aus.  

Das GIF zum Lied

Pöbelbus abgeholt und die Gang eingesammelt. Rauf auf die Bahn. Der Mob hatte einen Treffpunkt in Nossen vereinbart. Aber bis dahin hatten wir erstmal 400 km zu überwinden. Diesmal mit geteilter Fahrerschaft, danke dafür. Unsere Playlists sind ja bekannt und gefürchtet, diesmal wurden sie noch passend mit GIFs auf Twitter untermalt. Wir erörterten ansonsten die wichtigen Fragen des Lebens “kocht dein Vater eigentlich Meth?” und kamen gut voran.

Haben wir eigentlich schon mal vom großartigen Menü im Pöbelbus berichtet? Oder wie es eine Mitfahrerin formulierte „wir fahren wie Erwachsene”. Die Zeiten der Dose Bier plus einer Carraza Bifi Pizza als Tagesverpflegung sind definitiv hinter uns.

In so einem Bericht schreibt man selten darüber, dass man irgendwo zu früh ist und wartet. Und doch ist dies kein unbedeutender Teil des Auswärtsfahrens. Diesmal warten auf die Busse. Der geliebte Fanladen hatte einen “ruhigen Tag” mit seinen Bussen. Inklusive kleinem Unfall. Nossen war dann kurzfristig braun-weiß. Alle Busse und ungefähr 50 andere Fahrzeuge sammelten sich um dann gemeinsam nach Dresden zu fahren. Was ein ziemliches Chaos war. In dem Chaos nahmen wir noch kurz eine verirrte Fanladenbusmitfahrerin mit, die wir erstmal wieder beruhigen mussten, da sie doch sehr beschäftigt war, das Bus verpassen zu verarbeiten. Leicht verplant schien sie grundsätzlich.

Hallo Dresden

Geparkt wird beim sympathischeren Dresdener Fußballverein und dann wird man in Shuttlebusse gequetscht. Natürlich in Begleitung von schwarz gekleideten Polizisten. Eine Stadtrundfahrt später sieht man Wasserwerfer und eine Wagenkolonne der Polizei. Schön man ist am Gästeblock. Kontrollen teilweise übergenau, teilweise nicht vorhanden. Absurd dabei immer diese Suche nach Stickern. Es gibt wirklich schlimmere Dinge, als ein paar Sticker. Natürlich waren trotzdem genügend drin, um Köln und Union zu überleben.

Es gab noch rote Shirts für den Hausgebrauch und Gerüchten zu Folge soll es die in nächster Zeit auch mit Aufdruck an den üblichen Quellen geben.

Auf den Rängen

Das Spiel war laut vorab Mitteilungen angeblich ausverkauft. Dafür blieben letztendlich dann aber doch reichlich (Sitz-)Plätze frei. Angeblich soll es noch eine Gästekasse mit Restkarten gegeben haben und da saß auch jemand im Kassenhäuschen, aber zu diesem Ort kam man nur mit einem Ticket.

Der Heimbereich ist von Mitmachquote und Lautstärke über die Jahre zwar weniger geworden, aber wenn es nur darum gehen würde, dann wären die immer noch ziemlich weit oben.

Im Style gibt es aber Abzüge. Natürlich müssen sie wieder ein ebenso langweiliges, wie sexistisches Plakat zeigen. Natürlich untermalen sie dieses mit geklauter Fanshopware. Mal ganz ehrlich: Glaubt eigentlich noch irgendein Ultra, dass alle ehrfürchtig auf ihn herabsehen, weil er irgendeine Touri-Familie auf Dresden Besuch um ihren TK Pulli erleichtert hat? Das Klauen von Sachen ist sowieso schäbig, das Klauen von Normalo Fanshop Sachen ist noch mal schäbiger.

Fußball schafft und verstärkt ja gerne Pseudoidentitäten und seine Pseudo- „ihr gegen wir”, wir wollen da den FCSP und seine Tribünen gar nicht ausnehmen. So lange man das alles nicht zu Ernst nimmt und es auch mal hinterfragt, ist das vielleicht dogmatisch nicht wirklich toll, aber wir sind ja hier auch kein Politzirkel.

Dresden hat da auch den in Westdeutschland gerne aufgeführten „Ost-,Ost-,Ostdeutschland” Identitätsgesang. Mal davon ab, dass Sachsen und Mecklenburger ungefähr soviel gemeinsam haben, wie Hamburger und Münchener, zeigt der Bezug auf “Deutschland” wo die Probleme liegen.

Und wir sprechen hier nicht von einem “unverkrampften” Patriotismus (gibt es sowieso nicht), wie eine kleine Aufführung des Gästeblocks zeigte, der das ganze mit “Nie, Nie wieder Deutschland” parodierte. Plötzlich stand die ganze Nachbarschaft des Gästeblocks und selbst Willy, der noch Ede Geyer bei Dynamo hat spielen sehen, war plötzlich auf Temperatur. Auf einer Temperatur, die man nicht erreicht hätte, hätte ihr suspendierter Torhüter vor dem K Block per Mikro sein Wechsel zu Brause Leipzig verkündet und gleichzeitig das Dynamo Trikot  mit besagter Brause begossen. Und dann noch ein Tattoo eines anderen ostdeutschen Fußballvereins, der auch an der Elbe liegt, offenbart. Oder so. Aber das ist eigentlich noch ein Thema für sich.

Damit haben wir wohl doch einen Nerv getroffen. Wie ein riesiges “Linksfaschisten” Plakat (siehe Foto) es in das Stadion schafft, dort hängen kann und dann noch seelenruhig mit Ordnerhilfe präsentiert werden kann, kann sich Dynamo gerne mal fragen. FCSP: warum eigentlich keine entsetzte Stellungnahme nach dem Spiel? Das kann man bei (angeblichen) Fehlern anderer in Dresden doch auch immer schnell. Ja, wir sind nachtragend.

Nach dem Spiel noch Pathos vom Stadionsprecher inklusive Dank an “die Jungs im K Block”. Das muss den Tapetenmalern doch gefallen haben.

Will hier wirklich noch jemand was zum Spiel lesen?

Es sah besser aus und der zusammen gewürfelte Haufen schlug sich wacker. Ein Handelfmeter der zumindest kuriosen Sorte brachte Dresden die Führung. Wie genau Schnecke verhindern soll, dass ihm der Ball vom Oberkörper an den Arm springt, wäre noch zu klären. Zumal der Schiedsrichter die Situation absolut nicht im Griff hatte. Elfmeter anzeigen, ewig diskutieren, so dass es so aussieht, als würde er ihn zurücknehmen, um ihn dann doch zu geben. Unsere Jungs hatten genügend Chancen um trotz des Rückstandes was mitzunehmen, aber die machten sie mit einer Ausnahme nicht rein, Dynamo nutzte die eine Chance. 

Wir freuten uns wie schon in Heidenheim über Finn-Ole Becker. Guter Junge, technisch super ausgebildet, Spielintelligenz und Mentalität. Gefällt uns. Schön, dass er jetzt im Kader ist und nun auch sein Startelfdebüt hatte. Bitter dagegen ist, dass kein Spieler, der zu Saisonbeginn als Innenverteidiger eingeplant war, auf dem Platz stand. Die Verletztenquote ist echt hoch. Hoffen wir, dass die Fußverletzung von Ryo sich als nichts schlimmes erweist.

Nach dem Spiel

Gab es noch Stress. Details wollen wir hier nicht erörtern. Nur soviel: Ins Gesicht fassen und Worte nutzen, die Dresden auf Tapeten malt, ist ein No Go. Immerhin kam es so zur Überschrift. Danke dafür.

Die Rückfahrt

War lang, dunkel und traurig. Und ob das so war oder ob wir Adele zu acht mit 10 Stimmen gesungen haben, erzählen wir hier nicht. What happens in the Pöbelbus, stays in the Pöbelbus.

Unser Tag wird kommen

Apr 292019
 

“Kommen wir zum Positiven, wir haben ein Spiel gewonnen.”

63 Tage sind vergangen, seitdem wir den FC Ingolstadt am Millerntor zu Gast hatten und gewannen. Es bedurfte einer anderen Mannschaft aus dem Bundesland Bayern, um mal wieder dieses Gefühl eines Heimsieges zu haben.

Vor dem Spiel der übliche Flohmarkt am Millerntor: Fanräume mit Schlussverkauf, eine neue Ausgabe des vorzüglichen Presseerzeugnisses “Out of Control” von der G.A.S. und ganz viel Kleber etc. gibt es zu erwerben. Nur die Vorfreude, die fand sich nicht wirklich. “Soll ich hingehen oder soll ich es lassen?” ist ein häufig geäußertes Gefühl. Und viele entscheiden sich für “lassen”. Selten sieht man so viele hochgehaltene Karten am Millerntor, selten bleiben so viele Plätze frei. Wichtig dabei: Wenn ihr nicht wollt, könnt, mögt, dann gebt eure Karte frühzeitig weiter. Sei es über den Clubsale, sei es über Tommy, sei es in eurer Bezugsgruppe.

Lest das “Out of Control”, denn es ist gut. Meinungsfreudig, sehr zum Lachen und alleine der Iran-Reisebericht ist die 1,50€ wert.

Rein ins Stadion

Man muss echt mal Shirt-Spenden für Gästefans beginnen, ständig können sich die jungen Herren kein Shirt leisten. Ganz ehrlich: Wir wollen Eure Hühnerbrüste erst sehen, wenn das auch jede weiblich gelesene Person so machen kann. Und euren Schweiß haben eure Kumpanen auch besonders gern. Lasst die doch einfach an. Wir wissen, ihr findet Mackertum geil. Wir halt nur bedingt.

Regensburgs Vereinslied ist schon zu Turnvater Jahns Zeiten geschrieben worden und drehte einem echt den Magen um. Sowieso ist der Bezug auf den völkischen Antisemiten Jahn mehr als fragwürdig und der SSV Regensburg sollte sich vielleicht mal einen anderen Namenspatron suchen. Bemerkenswert: Der Verein in seiner jetzigen Form erst 2000 entstanden ist, also zu einer Zeit, in der jedem klar sein sollte, wie problematisch die Person Friedrich Ludwig Jahn ist.

Fußball

Nun denn, auf dem Platz entwickelt sich in der ersten Halbzeit ein ähnliches Geschehen wie in den vergangenen Wochen. Fehler, körperliche Unterlegenheit und geistige Unsicherheiten führen zu einem Rückstand. Böse Stimmen im Kollektiv meinten, dass wir im gesamten Spiel nur ein Laufduell gewonnen haben: das der beiden Physio-Crews zu dem jeweils verletzten Spieler.

In der Halbzeitpause twittern wir die Behauptung, dass wir das noch drehen, mit dem Hashtag, welches nun die Überschrift bildet.

In der zweiten Halbzeit zeigen unsere Jungs dann nämlich tatsächlich Herz, kämpfen sich irgendwie rein und haben auch ein bisschen das Glück des Tüchtigen. Sei es beim Freistoß durch die Hosenträger zum 3:2, sei es beim 4:2, wo auch eine Abseitsentscheidung möglich wäre. Das ist garantiert nicht alles das Gelbe vom Ei, aber a. war es mit Herz und b. einige hübsche Züge sind dann doch drin.

Es ist extrem ärgerlich, dass wir so viele Punkte liegen lassen haben, weil wir nicht immer dieses Herz gezeigt haben. Konstant eine vernünftige Kampfleistung abzurufen, wäre schon echt eine gute Grundlage.

Dass es immer noch eine Restwahrscheinlichkeit auf Platz 2 und 3 gibt, spricht nicht gerade für diese Liga. Andernfalls haben wir uns damit abgefunden, dass wir in dieser Saison etwas für unsere Platzierung in der Ewigen Tabelle der zweiten Liga getan haben werden.

Es ist nebenbei jedem Menschen frei gestellt, ob er nach dem Spiel mit der Mannschaft feiern will oder nicht. Dies mit Unmut zu kommentieren, verbietet sich. Spannend war die Unsicherheit der Spieler vor der Süd, als man sich nicht die “gewohnte” Heimsiegsingerei abholen konnte. Ja, hier ist St. Pauli, hier ist Millerntor. Wir pfeifen euch nicht aus. Aber auch hier macht nicht ein einziger erkämpfte Heimsieg die vielen hergeschenkten Spiele und die teilweise unterirdischen Leistungen wieder wett.

Mentalität

Die letzten Spiele haben auch bei dem diese Zeilen verfassenden Teil des Kollektivs Spuren hinterlassen. In der Form, dass dieser in zahlreichen Situationen unkte, was als nächstes passieren würde:
“Toll, dann fangen wir uns jetzt ja zum drölfzigsten Mal innerhalb von fünf Minuten noch das nächste Gegentor.”; “Buchtmann fängt sich gleich ’ne gelbe Karte wegen eines unnötigen Fouls, so wie der gerade mal wieder auf Zille ist.”; “Dass war’s noch nicht, wir fangen uns garantiert noch die zwei ’nötigen‘ Gegentore.”

Gut, dass nur 1/3 der Unkerei und auch nur teilweise zutraf. Man könnte das als Zeichen sehen, dass wir wieder eine gewisse mentale Stabilität erarbeitet haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

In der Winterpause, als der Transfer von Hoogma (als Ziereis-Ersatz) bekannt gegeben wurde, hatten Teile des Kollektivs Befürchtungen, dass Carstens nun zu keinen Einsatzzeiten mehr kommen würde. Stimmt zum Glück nicht, Florian hat seitdem 11 von 13 Spielen gemacht.

Und wir haben da ein echtes Juwel mit hervorragenden Leistungswerten: Beste Leistungswerte aller Innenverteidiger über die Saison hinweg, vierbester Spieler insgesamt seit der Winterpause (hinter Schnecke, Knoll und Alex Meier). Und ja, er wackelt manchmal noch unnötig. So auch beim 1:2, als er ziemlich alt aussieht, als Adamyan vor der Flanke in die Mitte mit einer simplen Körpertäuschung an ihm vorbeizieht.

Aber der Junge ist 20 und hat in einer stark verunsicherten Mannschaft seine Leistung seit der Winterpause quasi konstant gehalten (vorher WhoScored-Durchschnitt von 7.07 aus 6 Spielen, jetzt 6.83 aus 11 Spielen) und wir erinnern hier auch noch mal daran, dass er das auch noch geschafft hat, als er positionsmäßig ziemlich durch die Gegend geschoben wurde.

Und Marvin Knoll, meine Damen und Herren. Deinem alten (Ersatz-)Torwart und den anderen ehemaligen Kollegen so einen Freistoß reinzustellen, ist doch ganz schön großartig. Bitte mehr davon, gerne auch gegen andere Mannschaften.

Womit wir bei der Stimmung sind

Die ist echt über weite Strecken im Stadion sehr dünn. Umso mehr Liebe an Vorsänger, Trommler und die ungefähr fünf Prozent des Stadions, die unermüdlich Stimmung machen. Im Supportblock rumst es endlich wieder und zack, trotz des Rennens um die Goldene Ananas geht hier wieder was. Bitte, Herr der Trommel, wenn du das liest: Bleib dran! Ganz viele Herzchen!

Es ist nebenbei auch keine Dienstleistung für eure Unterhaltung, Alarm zu machen, sondern jedermenschs freiwillige Entscheidung.

Nach dem Spiel noch mal Kleber verteilen. Danke an alle, die gespendet haben. Die Braun-Weiße Hilfe freut sich. Und auch ansonsten war das ein interessantes Fußballwochenende. Kussi nach Gelsenkirchen, an die Müllverbrennungsanlage, nach Nürnberg und an all die Orte, die uns dieses Wochenende entertaint haben.

Sonst geschrieben?

Millernton

Apr 242019
 

Wenn wir einen Bericht mit einem Songtitel von Phil Collins beginnen, dann ist es schlimm. Sehr schlimm.

Was ist eigentlich in der Winterpause passiert? Warum bricht unser Verein nun so ein? Warum sind wir weg vom Weg in den Himmel 1. Liga? (Keine „Wollen wir Aufsteigen?“-Diskussion an dieser Stelle!)

Die Tabelle seit der Winterpause spricht eine deutliche Sprache:


Bild ist von liga2-online.de

Es gibt die einfachere Variante und die komplizierte Variante der Analyse. Die einfache Variante ist populistisch, zufriedenstellend und wahrscheinlich falsch.

Die komplizierte Variante ist nicht ohne Weiteres zu verstehen, mit Ungenauigkeiten versehen und wahrscheinlich der Wahrheit näher.

Wir präsentieren euch beide. Und ganz viel mehr.

Vorab

Was ist der FCSP 2018/2019 eigentlich für eine Mannschaft? Und da ist es eigentlich ganz schön, dass Tim vom Millernton immer wieder Analysen veröffentlicht und wir ihn hier zitieren können:

„Der FCSP ist eine Umschaltmannschaft. So wie Sandhausen. So wie Aue. Das tut weh.“
(Aus dem Derby-Nachbericht; das hat sich auch laut Tim geändert.)

Und (das ist etwas aus dem Zusammenhang zitiert):

„Gerade den beiden Sechsern kommt bei dieser Formation eine Schlüsselrolle zu“ (aus einer grundsätzlichen Analyse )

Das stimmt immer noch. Auch wenn wir nicht mehr mit zwei Sechsern spielen. Warum? Später.

Tim liefert auch Argumente für die einfache Variante:

„Die Ergebnisse sind beim FCSP momentan besser als die Qualität der Spiele, wenn man die xG-Daten als Grundlage für die Bewertung nimmt. Diese Überperformance nehme ich gerne mit, weiß aber die eigene Stärke dann etwas besser einzuschätzen und verspreche mich nicht aufzuregen, wenn wir dann gegen Regensburg 0-3 hinten liegen…“

(Wichtig ist hier der Zeitpunkt, an dem er es geschrieben hat. Das ist vom 14.11.2018. Warum ist das wichtig? Später.)

Und für die komplizierte Variante:

„Taktik ist natürlich nicht alles. Mindestens genauso wichtig ist die Verfassung der Spieler, auch die mentale. Es lässt sich nicht herausfinden, ob es die Umstellungen waren oder das Vertrauen der Spieler in sich selbst und die taktische Ausrichtung, die den Erfolg gebracht haben.“

(Gleicher Artikel; auch dazu später.)

Das ist das gute alte „Einstellung schlägt Aufstellung“. Was eigentlich wieder eine sehr einfache Formel ist.

Soweit von Tim, genutzt mit freundlicher Genehmigung des Autors

Nun zu den Erklärungsversuchen:

Die einfache Variante

„Wir hatten in der Hinrunde sehr viel Glück. Das ist die Normalform.“

oder

„Das stimmt in der Mannschaft nicht. Das sind überbezahlte Profis, die sich nicht einsetzen, und es muss der große Wechsel her. Wir steigen ab!“

oder

„Die Sportpsychologin ist schuld.“

Quelle: Zweimal Twitter (sinngemäß) und einmal Hamburger Abendblatt (sinngemäß). Und da sinngemäß nicht als Zitat abgesetzt.

Dazu eine Anmerkung, liebes Abendblatt: Dieser Artikel ist ziemlicher Rotz. Er endet mit einem „sie sammelt schön die Bälle ein“ Absatz, der schön das Klischee von „Frau hat sowieso keine Ahnung von Fußball“ bedient. Er hinterfragt null, ob sie überhaupt so tätig werden kann, wie sie möchte, und er zieht eine Person in den Mittelpunkt, die garantiert nicht das Training leitet. Ja, man kann die psychologischen Betreuung der Mannschaft hinterfragen, siehe z. B. unsere Derby-Analyse, aber nicht so.

Die komplizierte Variante

Vergleichen wir mal die Hin- mit der Rückrunde. Achtung! Für die jetzt folgenden Betrachtungen ist das Magdeburg-Heimspiel als „Hinrunde“ deklariert. Das ist technisch zwar nicht richtig, aber die Winterpause ist die eigentliche Zäsur.

XG-Werte

Vor der Winterpause hatten wir in 10 Spielen den höheren XG-Wert als der jeweilige Gegner (wer nicht weiß, was das ist, der gucke hier) in 8 den niedrigeren (laut wyscout.com). Wir hatten am Ende 10 Siege, 4 Unentschieden, 4 Niederlagen. Setzt man jetzt mal den höheren XG-Wert mit „an diesem Tag waren wir die bessere Mannschaft“, dann passt zueinander.

Das ist kein Widerspruch zu dem Zitat von Tim, insbesondere in den Spielen nach seinem Artikel hatten wir regelmäßig einen höheren XG-Wert als der Gegner. Und hatten auch unsere beste Phase in der Saison.

Man muss XG nicht für die absolute Wahrheit halten, aber es ist immerhin ein grober Indikator der objektiven Leistung und Leistungsfähigkeit. Und selbst wenn Glück in Spielen eine Rolle gespielt hat (und da hat Tim ja absolut Recht), so ist es eben doch nicht so, dass wir in der Hinrunde „nur“ Glück gehabt hätten und es nun einfach ein Rückfall auf ein durchschnittliches Glück wäre.

Indiz? In der Rückrunde geht der direkte Vergleich der XG-Werte mit dem jeweiligen Gegner 4-8 aus. Fun fact dabei: Eines der Spiele, wo wir diese Wertung gewonnen haben, ist Sandhausen. Da war von denen aber auch jeder Schuss ein Treffer.

Who-Scored- und Laufwerte

Wir haben dann mal die Who-Scored-Werte (was das ist: Siehe hier) und die Laufwerte als sogenannten gleitenden Mittelwert (hier erklärt) der jeweils letzten drei Spiele in eine Tabelle gepackt.


(Quelle: magisches Zauberexcel und whoscored.com)

Da ist ein deutlicher Einbruch in der Rückrunde erkennbar. Zwar versucht man, sich in den Laufwerten wieder herauszuziehen, aber die Who-Scored-Werte bleiben niedrig. Und die umfassen halt eine sehr breite Leistungsdarstellung.

Wir hatten unsere beste Zeit direkt vor der Winterpause, seit der Winterpause geht es steil bergab. Neben der Abwärtsbewegung ist auffällig, dass wir in der Hinrunde sehr konstant in diesem geglätteten Durchschnitten waren. Heißt auch, dass auf ein mieses Spiel schnell wieder ein Gutes folgte und man insgesamt eher an seinem Durchschnitt blieb. Oder etwas anders formuliert: Wir spielten so, wie wir es konnten, und dies in nahezu jedem Spiel. Auch das sieht nach der Winterpause gerade bei den Laufwerten doch anders aus.

Positiv: Wir zeigten eine Reaktion. Negativ: Sie hat an den eigentlichen Noten wenig geändert.

Entsprechend verhält sich auch der Punkteschnitt aus den jeweils letzten drei Spielen:


Quelle: magisches Zauberexcel

Abgefangene Bälle

Was lustig ist, ist die Statistik abgefangene Bälle. Die sollte man natürlich mit ein bisschen Vorsicht genießen, da sie nicht aussagt, wo der Ball abgefangen wurde.

Wir mögen jetzt keine Umschaltmannschaft mehr sein oder zumindest wollen wir das mit dem gerade favorisierten 4-1-4-1 nicht. Aber wir hatten unsere besten Spiele immer dann, wenn dieser Wert hoch war. Im Schnitt der bisher absolvierten 30 Spiele liegt dieser Wert bei 48 abgefangenen Bällen.

In der Rückrunde lagen wir genau dreimal über diesem Schnitt (Köln, Ingolstadt, Paderborn) und meistens deutlich darunter (was dann ja rein mathematisch wieder den Schnitt senkt). (Auch alles laut wyscout.com.)

Die zentralen Mittelfeldspieler

Dies ist nicht die Normalform. Warum?

Nach den Who-Scored-Noten ist Marvin Knoll unser bester Stammspieler. (Nur Schnecke ist im Schnitt besser.) Sein Schnitt von 7,23 macht ihn den 14.-besten Spieler der gesamten (!!!) zweiten Liga. (256 Spieler sind insgesamt erfasst, die Spieler müssen eine Mindestanzahl an Spielen haben.) Gemessen über alle Positionen. Sein Schnitt in den letzten 10 Spielen ist 7,00. Dies klingt nicht viel, wäre aber nur noch Platz 60 von 254. In der Saison 17/18 bei Regensburg? 7,31

Bei den anderen Spielern, die irgendwie „zentrales Mittelfeld“ in der Jobbeschreibung haben, sieht es nicht anders aus:

Buchti ist mit seinen 6,81 auf dem 115. Platz; die letzten 10 Spiele bei 6,55, was gleichbedeutend mit Platz 210 wäre. In den Saisons davor? 7,09; 7,04; 6,96

Flum hat einen Durchschnitt von 6,43 (Platz 234), in den letzten 10 Spielen 6,2. (Das wäre Platz 259 von 259 erfassten Spielern. 258. ist nebenbei Jan-Fiete. Und ja man kann sich fragen, warum man mit Flum verlängert hat. Insbesondere weil bei ihm jetzt natürlich irgendwann eine Abnahme der Leistungsfähigkeit durch das Alter ein Thema wird.) In den Saisons davor? 6,66; 6,45; 6,24.

Dudziak hat einen Durchschnitt von 6,85 (wenn im Mittelfeld eingesetzt nebenbei gut über 7), in den letzten 6 Spielen (mehr hat er nach der Winterpause noch nicht absolviert) 6,12 (wäre auch der schlechteste Wert von allen erfassten Spielern). In den Saisons davor? 8,90; 6,85; 6,62

Dazu zwei Anmerkungen:
1. Die schlechten Spiele nach der Winterpause reduzieren die durchschnittlichen Werte.
2. Alle Spieler sind auch in den Vorsaisons weit über ihren Werten nach der Winterpause gewesen. Sie sind also ziemlich sicher zu mehr in der Lage, was das Talent angeht.

Wenn diese vier Spieler aber ihrer historischen Form hinterherlaufen, dann wird es ziemlich schwierig, ein vernünftiges zentrales Mittelfeld aus unserem Kader zu bauen, egal in welcher Formation man spielen will und egal, ob man nun mit einer Sechs, einer Doppelsechs, einer Acht oder einer Zehn spielen will.

Hinzu kommt, dass weitere Alternativen verletzt sind oder waren. Das erklärt auch, warum Kollege Becker Spielzeit bekommt. Und aus dieser Chance bisher ja auch viel macht.

Andere Baustellen

Wir haben einen Stürmer in unserem Kader, der unter dem neuen Trainer noch nicht einmal aufs Tor geschossen (!) hat, nämlich Alex Meier. In den letzten sechs Spielen hat er dreimal aufs Tor geschossen. Inklusive dem Elfmeter in Kiel. In den vorherigen sechs Spielen hingegen schoss er achtmal aufs Tor.

Die Aussagen

Es ist auch immer spannend, sich die „Stimmen nach dem Spiel“ durchzulesen. Hier mal exemplarisch nach dem Heidenheimspiel. https://www.fcstpauli.com/news/die-stimmen-nach-dem-spiel-in-heidenheim-1819/

Flum sagt z. B.

„Das ist kein Kopf-Problem, das ist ein Zweikampf-Problem, wenn man sieht, wie wir die Zweikämpfe angehen und wie Heidenheim sie angeht. Wenn wir so spielen, werden wir hier nie einen Punkt holen.“

Das entspricht auch unserem subjektiven Eindruck, dass es da an körperlicher Präsenz unserer Mannschaft fehlt. Man hatte immer das Gefühl, unsere Spieler würden an den Gegnern abprallen wie ein Flummi (no pun intended) an einer Wand.

Sportchef Rettig sagte:

„Nach der zweiten Halbzeit gegen Bielefeld und den guten Eindrücken der Trainingswoche fehlen mir gerade die Worte.“

Das Training können wir nicht aus erster Hand beurteilen, aber ein regelmäßiger Trainingskibitz sagte uns schon vor dem Kiel-Spiel, dass der Unterschied zwischen Trainingsleistung und Leistung im Spiel teilweise groß sei. Dafür kann es mehrere Gründe geben.
Grund 1: Ohne Vergleich sieht alles richtig cool aus.
Grund 2: Der Aufbau der Trainingswoche ist falsch, die Jungs verschießen ihr Pulver im Training.
Grund 3: Es ist doch ein Kopfproblem.

Oder alles im Mix und kumuliert.

Robin Himmelmann sagte:

„Wir haben uns zu schnell den Schneid abkaufen lassen und uns mit dem eigenen Spiel selbst sehr schwergetan. Als Team war das nicht gut und das hat auch nichts mit System oder Taktik zu tun.“

Ersteres passt zu dem bei eben gesagten. Letzteres bestätigt Tim in seiner Analyse über das Heidenheim-Spiel. Wir zitieren noch einmal ein bisschen aus dem Zusammenhang: „Das 4-1-4-1 des FCSP greift diese Formation eigentlich gut auf, da die breite Staffelung der Heidenheimer durch zwei Viererketten gut aufgenommen wird.“

Taktik passt also eigentlich halbwegs zum Gegner. Aber Einstellung schlägt dann eben doch Aufstellung.

Und nun?

Keine Ahnung, diese Saison ist gelaufen. Aber Ziel in der nächsten Saison muss es sein, dass wir zumindest wieder Stabilität annehmen. Ob das dann in einer schlechteren 2. Liga zu unseren Zielen passt, wird sich zeigen müssen. Aber insbesondere unsere zentrale Mittelfeldachse muss wieder zu ihrer historischen Normalform finden. Alleine dies würde zu einer besseren Leistung der Truppe führen.

Wir wissen nicht die Gründe, aber im Winter hat es einen erheblichen Bruch gegeben. Liegt das an einem falschen Trainingsansatz im Winter? Waren irgendwelche Ansagen falsch? Dies gilt es sehr kritisch zu hinterfragen und abzustellen.

Apr 212019
 

“Wir fahren ohne Angst nach Heidenheim” lies sich unser Trainer vor dem Spiel in Heidenheim zitieren.

Ein kluger Mensch schrieb darauf, dass er auch keine Angst habe, weil er ja wisse was ihn erwarte.

Eine ebenso kluge Mitfahrerin verglich den FCSP mit einem Fuck Boy, der einem Schlaf und Geld raubt, immer enttäuscht und bei dem es keinen rationalen Grund gibt bei ihm zu bleiben.

Und es wäre nicht der FCSP, wenn er diese Erwartungen nicht in auf ganzer Linie erfüllen würde.

Ach würde er doch nur einmal diese Erwartungen nicht erfüllen. Nur einmal!

Der Tag fing eigentlich ganz toll an.Aufstehen um 3 Uhr, ICE bis Nürnberg, Eierlikör, eigenes Taxi zum Grillplatz. Dort hatten die Ultras ein Menü gezaubert. Danke an alle, die sich hier den Arsch aufgerissen haben. Ganz großes Herzchen.

Es wurde schon schlechter als am Eingang die Krebsvorsorge der Geschlechtsteile gleich mit erledigt wurde. An die Brüste fassen, an die Hoden greifen? Alles wirklich nicht erlaubt, aber in Heidenheim stört das niemanden.

Der Gästeblock war in Form. Ging gut ab, schaltete irgendwann in Quatschmodus, als es nix mehr zu gewinnen gab. Ganz starke Leistung.

Ganz schwach hingegen die Trottel, die vor dem Spiel irgendwelche sexistischen Trinksprüche zum Schlechtesten gaben. Gut, dass sie sofort eine entsprechende Ansage bekamen.

Ebenso nervig sind die Hohlbratzen, die durchgehend den Block abfilmen und es auch nicht unterlassen, nachdem man sie erst freundlich, dann unfreundlich darauf hinwies. Der Höhepunkt war dann, dass dann noch Toleranz eingefordert wird. Toleranz? Wenn man gezwungen Darsteller in deinem verfickten Heimvideo wird, dann ist Toleranz nicht wirklich ein Thema.

Auf dem Platz?

Finn Herzchen Ole Herzchen Becker Herzchen

Danke Bezugsgruppe, danke Ultras, dass ihr den Tag gerettet habt.

Unser Tag wird kommen.

Apr 102019
 

USP versuchte in Kiel ein neues Lied einzuführen. Daraus entwickelte sich der gleich wiedergegebene Dialog und jetzt ein Gastartikel von @stachelflosse wie wir das nächste Lied einführen werden. Aber lest selbst:

„Also in der Schule würde ich ein Lied anders einführen. Das kann man didaktisch schöner lösen.“ „Ja, dann schreib doch einen Gastbeitrag und erklär mal wie das richtig geht.“ Tja und jetzt sitze ich hier. 

Ein kleiner Disclaimer vorweg; Das Folgende hat keinen Anspruch auf pädagogische oder didaktische Perfektion. Und wäre in der Schule so auch nicht umsetzbar. Es ist mehr oder weniger der Versuch die Einführung eines Liedes in der Grundschule auf den Gästeblock in Kiel zu übertragen. Das ist weder ernst gemeint, noch als Kritik zu verstehen. Ihr macht das super, liebe Ultras. Ich möchte keinem Haufen von 1000+ Chaot*innen ein Lied beibringen müssen. Meine 25 reichen mir schon. 

Sachanalyse 

Ein Lied lässt sich grob in drei Komponenten aufteilen: Text, Melodie und Rhythmus. Grundsätzlich sind diese Elemente in einem Lied gleichwertig und sollten deswegen auch alle erarbeitet werden. Allerdings ist dies auch immer vom Schwerpunkt, von der Art des Liedes und dem Kontext abhängig. Der Text des zu erarbeitenden Liedes lautet wie folgt: 

Ja, wenn die braun-weiß-roten Fahnen 

Durch den Abendhimmel weh’n

Und die ganze Meute brüllt, 

was sie für Sankt Pauli fühlt. 

Dann wissen alle sofort, 

sie sind am richtigen Ort. 

Oh, Sankt Pauli

Oh, Sankt Pauli 

Melodisch bezieht sich dieser Text auf folgende Verse des Liedes „I will survive“ von Gloria Gaynor: 

Just turn around now

‚Cause you’re not welcome anymore

Weren’t you the one who tried

to break me with goodbye

Do you think I’d crumble

Did you think I’d lay down and die?

Oh no, not I,

I will survive

Musikalisch ist das zugrunde liegende Lied in A-Moll gehalten. Die zyklisch wiederholte Akkordabfolge lautet Am, Dm, G, Cmaj7, Fmaj7, Bm7 b5, Esus4 und E. Die Grundtonart wird hierbei in Aufwärtsschritten (Quarten) oder Abwärtsschritten (Quinten) durchlaufen, wobei auf jedem Ton der leitereigene Dreiklang gespielt wird. Daraus ergeben sich die Grundtöne. Das Lied ist im 4/4 Takt geschrieben mit 120 BMP. Der Song ist musikalisch sehr komplex, weswegen er schon früh für Coverversionen vereinfacht wurde. Für das Stadion bedeutet dies, die Komplexität auf ein Minimum zu reduzieren. Dies garantiert die Umsetzbarkeit und vereinfacht das Lernen des Liedes in der relativ kurzen Zeit. 

Didaktische Reduktion 

Für den Block ist es wichtig, die Melodie, den Text und den Klatschrhythmus zu kennen. Der Hinweis auf welchem bekannten Lied der neue Text basiert, unterstützt das Lernen, da auf schon vorhandenes Wissen zurückgegriffen werden kann. Diese Vernetzung sorgt für ein leichteres und tiefergehendes Lernen. Melodisch sollte das Lied an eine für eine große Menge Menschen angemessene Tonlage angepasst werden. Ist das Lied zu tief oder zu hoch, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Teil des Blocks nicht mitsingt. Dadurch geht dem gesamten Block Volumen und Lautstärke verloren. Es reicht, wenn dem Block nur der Text schriftlich zur Verfügung gestellt wird, da alle anderen Angaben für das performen des Liedes nicht relevant sind bzw. das Lied melodisch und rhythmisch vor allem nach Gehör und Nachahmung gelernt wird. 

 

Lernstandsanalyse 

Grundvoraussetzung, um eine Liedeinführung planen zu können ist zu wissen, auf welchem Wissenstand der Block ist. Es ist davon auszugehen, dass das Lied und dessen Melodie (fast) jedem bekannt ist. Allerdings ist hierbei darauf zu achten, dass ein Lied kennen und ein Lied melodisch richtig singen, zwei verschiedenen Sachen sind.

Deswegen empfiehltes sich auch bei so einem bekannten Lied, die entsprechenden Verse zu wiederholen und genau einzuüben. Für den Zweck des Singens im Stadion ist zudem zu beachten, dass Lautstärke in vielen Fällen vor melodischer Richtigkeit steht. Deswegen ist es unbedingt nötig den Block gut auf den Gesang vorzubereiten. 

Da der neue Text nur einer kleinen Gruppe vorab bekannt ist, ist es von Bedeutung diesen genau zu besprechen und auch sicherzustellen, dass dieser (zumindest einigermaßen) sicher sitzt, bevor weiter am Lied gearbeitet wird. Dies kann auf vielfältige weiße geschehen. Optische Hilfen, wie Textzettel, dienen hier zur Unterstützung. Da der Block acapella bzw. nur mit der Unterstützung einer Trommel singt, sollte der Text rhythmisch gut eingeschult werden. So bietet es sich zum Beispiel an, den Text zu erst gemeinsam im richtigen Rhythmus zu sprechen, bevor an der Melodie gearbeitet wird. Dies erleichtert außerdem den Übertrag des neuen Textes auf die schon bekannte Melodie. 

Es ist zudem zu beachten, dass es sich um eine sehr heterogene Gruppe handelt, die mit unterschiedlichen Vorerfahrungen in den Block kommen und sich die Zusammensetzung des Blocks bis auf einen bestimmten Teil von Spiel zu Spiel ändert. Daraus folgt, dass es für die Erarbeitung unbedingt nötig ist, dem Kern des Blocks, das Lied intensiver näher zu bringen, als dem wechselnden Teil. Der feste Kern der Gruppe ist somit in der Lage, ihr Wissen an den nächsten neu zusammengesetzten Block weiterzugeben. Die permanente Veränderung des Blocks, ist zudem der Grund, weswegen das Lied an einem Spieltag erarbeitet und präsentiert wird. Da ein Großteil schon reichlich Erfahrungen im Erlernen neuer Lieder im Kontext Stadion hat, ist davon auszugehen, dass dies ohne größere Schwierigkeiten funktioniert. Dennoch sollte das Lied auch an den nachfolgende Spieltagen regelmäßig gesungen werden um das gelernte zu festigen. 

Verlaufsplan

Zeit/ Artikulation

Geplanter Verlauf

Organisation

Aufwärmen 

11:55 Uhr – 

12:05 Uhr  

Vorsänger macht Aufwärmübung vor

Block macht nach

Körperaktivierung

Öffnen der Resonanzräume

(dehnen, strecken, hüpfen)

Atmung

Zwerchfellaktivierung

(hecheln, pusten, tief durchatmen, gähnen)

Stimme

Registerausgleich (nach oben / unten)

zunehmende Erweiterung des Tonraums(Terzen singen, Halbton höher, Halbton tiefer)

Sprache

Teile der Melodielinie dazunehmen 

Plenum (evtl. In Kleingruppen), 

Trommel, Megaphon 

Texterarbeitung

12:05 Uhr – 

12:15 Uhr  

B. liest Text für sich selbst 

Gemeinsames lesen des Textes 

Erst frei dann im Rhythmus 

V. spricht vor B. spricht nach

Von einzelnen Gruppen wiederholen lassen 

Plenum, Megaphon, Trommel 

 

Gruppen 

Rhythmuserarbeitung

12:15 Uhr – 

12:25 Uhr 

Im Rhythmus klatschen 

Trommel dazunehmen 

Tempo langsam steigern 

Text dazu nehmen

Mehrmals wiederholen

Plenum, Trommel, Megaphon 

Melodieerarbeitung

12:25 Uhr – 

12:45 Uhr  

V. singt Lied einmal vor. 

Call-and-response 

V singt einen Vers vor 

Block singt nach (mehrmals) 

Falls nötig: Tonhöhe anpassen! 

Wiederholung schwieriger stellen 

Singen in unterschiedlichen Gruppen

Call-and-respons 

Megaphon 

Plenum 

Gruppen 

Trommel

Sicherung 

12:45 Uhr – 

13:00 Uhr  

Wiederholtes Gemeinsames Singen 

Klatschen langsam dazunehmen 

Tempo steigern

Lautstärke variieren

Singen mit/ohne Trommel 

Singen mit/ ohne V. 

Plenum 

Trommel 

Megaphon

Präsentation

Ab 13:00 Uhr 

Singen des Liedes 

Plenum, Trommel, Megaphon

 

Ob das so in Realität funktionieren würde? Wahrscheinlich nicht. Es wäre aber bestimmt lustig zu sehen, wie der Block darauf reagiert, wenn unsere Jungs auf dem Zaun erst mal mit allen Dehn- und Stimmübungen machen wollen.

Apr 082019
 

Liebe Lesende, so richtig Spaß macht das alles gerade nicht. Und damit meinen wir hier jetzt einfach mal nur die Darbietung unserer Mannschaft auf dem Platz.

So einfach

Es wäre diese Saison sehr einfach gewesen, die “MillerntonMaik-Spiele” zu erreichen und mit Stuttgart (oder Nürnberg oder Augsburg) einen Platz in Liga 1 auszuspielen. Klar, die Erfolgsaussichten sind gering und die mittelfristigen Folgen der Teilnahme an einer Relegation nicht immer gut (Küsschen nach Braunschweig), aber in einem professionellen Umfeld sollte man diese kleine Chance an den Haaren herbeiziehen wollen und das bestmöglichste auf den Platz bringen.

Das schaffen wir zur Zeit nicht wirklich. Es stimmt hinten und vorne nicht auf dem Platz. Ja klar, auch in der Hinrunde waren die Darbietungen nicht immer überzeugend, aber im Notfall hat man das immer notwendige Glück einfach erzwungen. Oder hat alles reingeschmissen und dann verloren. Remember Wiesbaden?
Diese Brisanz, dieses Feuer fehlen ebenso wie eine bessere, flexiblere taktische Ausrichtung.

Keine gute Figur

Nun macht unser Trainer in dieser Krise zumindest öffentlich nicht gerade die beste Figur und in unserem Slack ist schon mehrfach eine Ablösung diskutiert worden. Vielleicht würde unter einem neuen Trainer alles Besser? Oder doch nicht? Dagegen spricht, dass wir nun ja auch in den Jahren vor Kaucze immer wieder mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten und der sportliche Erfolg nun wirklich sehr beschränkt war. Und klar, Fußball ist ein Tagesgeschäft. Nach dem Spiel gegen Sandhausen sagte Stöver in einer Hamburger Zeitung, dass die Situation nach den beiden Niederlagen nicht mit Janßen vergleichbar sei, da habe man ja sechs bis sieben mal hintereinander nicht gewonnen. Damals wahrscheinlich noch in der Hoffnung, dass man gegen Duisburg gewinnt, hat er damit natürlich jetzt nach dem vierten sieglosen Spiel ein Ultimatium gestellt, ohne eines stellen zu wollen. Nun lässt sich Stöver zitieren, dass Kaucze die Mannschaft schon mehrfach aus solchen Situationen geführt habe. Nun ja, in seiner Amtszeit kann man 1-10 Tore mit einem Punkt aus vier Spielen zwar an einem Finger abzählen, und eine ähnlich negative Serie gab es nur zum Ende der letzte Saison, als wir aus 7 Spielen 3 Punkte holten. Also einmal bisher. Hoffen wir mal, dass er mit seiner grundsätzlichen Einschränkung Recht behält. Für die Gesundheit von uns allen. Wir kommen als alte Pessimist*innen aber nicht drum herum, im Folgendem doch ein paar Zweifel einzustreuen.

Das öffentliche Auftreten unseres Trainers ist Vorsicht formuliert verbesserungswürdig. Wir wissen nicht, wie er intern agiert und was intern wie besprochen wird. Daher beschränkt sich unsere Analyse natürlich auf den Ausschnitt, den wir wahrnehmen.

Da wird vor dem Duisburg Spiel von einem „starken Gegner” gesprochen, die waren damals Tabellensiebzehnter, auch wenn die in jüngster Vergangenheit ganz ok gespielt hatten. Aber verdammt noch mal! Wir waren da Vierter mit 4 Punkten auf den Relegationsplatz!
Da wird in mehreren Pressekonferenzen davon gesprochen, dass wir „keine Spitzenmannschaft“ seien. Wir sind nun wirklich nicht im Hauptberuf Fußballmotivationskünstler, aber müsste in Pressekonferenzen nicht eher die eigene Stärke noch mal herbei geredet werden? So ein klein machen würden wir uns als Spieler jedenfalls zu Herzen nehmen.

Fragen über Fragen

Keine Ahnung, ob hier Druck genommen werden soll, uns erscheint das schon sehr kontraproduktiv. Und mal ganz ehrlich: Der Druck in diesem Verein ist nun echt gering. Wir haben eine tolle Hinrunde gespielt und wollen die halt nun veredeln. Zumal es ja nun mehr als einen Spieler in diesem Kader gibt, die mehrfach betonten, wie toll es ist, dass die Fans auch in schwierigen Zeiten voll hinter der Mannschaft stehen.

Wir wissen nicht, welche Dynamiken in der Mannschaft um sich greifen, aber von außen und dem Ergebnis nach betrachtet wirkt das alles gerade nicht gut. Dabei hatte man in der Hinrunde schon das Gefühl, dass sich der FCSP taktisch auf seine Stärken konzentriert und auch auf taktische Züge des Gegners reagieren kann. Könnt ihr bei den taktischen Analysen des Millernton nachlesen. Es scheint da also irgendwie eine Kompetenz da zu sein. Wo ist all dies nun geblieben?

Auch der Umgang mit Spielern in einer Leistungskrise erscheint wenig zielführend. Mal Bank, dann Tribüne, dann wieder Startelf und nächstes Mal wieder Tribüne? Flum als Kapitän(sersatz für Nehrig) spielt plötzlich gar keine Rolle mehr. Ohne irgendeine Erklärung. Dabei ist doch gerade er als „erfahrener Spieler“ vor der Saison gelobt worden? Und ausgerechnet Flum hatte vor einigen Wochen ja auch die Einstellung anderer Spieler im Kader öffentlich kritisiert. Das passt doch alles nicht zusammen.

Auffällig ist der Leistungsabfall bei vielen Schlüsselspielern. Nehmen wir mal Knoll als Beispiel: Es ist wahrscheinlich auszuschließen, dass so ein Spieler wie er keinen Bock mehr hat. Der Typ ist doch der lebende Bock. Aber aus dem Dominator im Mittelfeld ist ein vollkommen unauffälliger Spieler geworden, der überhaupt nicht mehr in seine aggressive Spielweise kommt, die ihn so ausgezeichnet hat. Wir mussten auf der Heimfahrt aus Kiel tatsächlich kurz nachgucken, ob er überhaupt gespielt hatte.

Waren die Trainingsinhalte im Winter falsch, war der Formaufbau nicht richtig getimed?
Wir wissen es nicht, aber die hier bereits zitierten Laufwerte direkt nach der Winterpause wären zumindest ein Indiz (aber auch nicht mehr) dafür. Oder gibt es irgendwelche kleine Verletzungen die er und andere versuchen zu überspielen?

Über die immer wiederkehrenden Floskeln in der Außendarstellung haben wir bereits in unserem Rant geschrieben. Man möchte sich beinah mal eine zweite Stimme bei der PK wünschen (früher gingen da mal Spieler mit hin, aber das war wohl früher auch Pflicht), nur damit mal eine Auflockerung drin ist.

Nun kann man natürlich den Trainer als Sündenbock definieren und so ganz schuldlos ist der meistens auch nicht. Aber das ist eben immer nur die halbe Wahrheit. Wenn unsere Erinnerung uns kein Schnippchen schlägt, dann war es unser Präsident, der mal sagte, dass eine Trainerentlassung auch immer heißt, dass das ganze sportliche System in einem Verein versagt hat. Und da hat er natürlich Recht. Denn in einem guten System gäbe es eine Qualitätskontrolle, Frühwarnsysteme und genügend vertrauenswürdige Stimmen, die einem Trainer frühzeitig neue Ideen mitgeben und ihm seine Arbeit erleichtern.

Dieses System gibt es bei uns anscheinend noch nicht.

Was auffällt ist, dass dieser Kader immer dann funktioniert, wenn er muss. Siehe die beiden Heimspiele am Ende der letzten Saison. Was dieser Kader jedoch nicht kann, ist Spannung über einen langen Zeitraum hochzuhalten oder diese wirklich mal auch in Sandhausen zu haben.

Und in der Winterpause ist diese Spannung komplett verloren gegangen und sie kam nur noch einmal in Paderborn zu einem Kurzbesuch vorbei. Seitdem? Die ganze Luft raus. Ein Spiel gegen Union, bei dem man durch einen Elfmeter doch noch knapp gewinnt, nachdem man vorher fast 2 Punkte verschenkt hatte. Ein glückliches Tor gegen den Tabellenletzten, der offensiv zerfällt und eine gute Defensivleistung gegen Paderborn. Das war’s.

Es gilt dringend die Ursachen dafür zu analysieren. Was hat sich in der Winterpause verändert? Was für Vorgaben gab es wann? Wie war die Ansprache? Haben die Vertragsverlängerungen eventuell Spannung genommen? Was würde dies über den Charakter der jeweiligen Spieler aussagen? Etc. Etc.

Und so toll die Amerikareisen für die amerikanischen Fanclubs ist, die eine sehr wichtige Stimmen im FCSP Kosmos geworden sind, so sehr müssen auch diese auf den Prüfstand.

Irgendjemand schrieb so schön sinngemäß auf Twitter (sorry vergessen wer es war) „Jungs, jetzt noch mal richtig anstrengen und dann fliegen wir nicht schön 10 Tage in die USA, sondern nach Stuttgart“. Ja, auch die Amerikareise kann eine Fehlmotivation sein. Wir wissen nicht, ob noch eine dritte Tour geplant ist, aber aus unserer Sicht sollte eine „Relegation oder Reise“ Alternative ab jetzt vermieden werden.

1. Liga? Ja!

Wir als Blog wollen aufsteigen. Ja, die erste Liga ist mit ganz vielen Unannehmlichkeiten verbunden, aber Dinge wie „bessere Finanzierung unserer ganzen Stadionumbauten“, „Unsere Ideen des anderen Fußballs viel weiter präsentieren und der Welt zeigen, dass man auch als e.V. in Liga 1 spielen kann“ oder auch „Wir haben gerade ein Derby zu gewinnen“ (wobei, das Derby derentwegen weiterhin in Liga 2 stattfinden wird) sind für uns Argumente genug.

Für uns gibt es dafür noch ein ganz entscheidendes Argument: Einmal Europa, einmal so etwas erleben, wie Eintracht Frankfurt gerade. Und das geht nur mit Aufstieg. Nein, Pokal ist da als Zweitligist nicht wirklich eine Alternative. Und wäre angesichts unserer Pokalhistorie auch ein sehr hartes in die Tasche lügen.

Wir als Blog werden deswegen nicht müde, ein kurz-, mittel- und langfristiges Konzept, eine FCSP Spielweise, ein konkretes Ziel für unsere Profis und unsere sportliche Leitung einzufordern. Wir müssen von ganz oben bis ganz unten uns auf sportlichen Erfolg konzentrieren. Und wenn es nur die positiven Spiegelneuronen (Hallo Ewald) sind. Und ganz ehrlich: An diesen Zielen werden sich alle immer messen lassen müssen.

Ja, wir sind ein etwas anderer Verein, nein wir gehen alle nicht zum FCSP, weil da so viele Titel errungen wurden. Und ja, es gibt klare Grenzen dessen, was wir bereit sind zu vermarkten. Alles gut so weit. Wir kennen unsere Grenzen. Und finden es gut, dass es die gibt.

Aber „verlieren“ oder „glorreich scheitern“ sollten nicht FCSP DNA sein. Und “Hinter Heidenheim und Paderborn stehen” auch nicht. Wir sind eben nicht mehr das arme Mäuschen mit einer Bruchbude von Stadion. Wir sind ein Zuschauerkrösus, ein Merchkrösus und garantiert auch ein Vermarktungseinnahmenkrösus in dieser zweiten Liga. Diese Baustellen der 90er und 00er Jahre haben alle Präsidien und „Verantwortlichen“ wirklich gut bearbeitet und gelöst. Nun gilt es diese Lösung auch im sportlichen Bereich zu entwickeln und umzusetzen.

Dazu gehört auch, dass Spieler aus dem Jugendbereich, die nun als Profis an uns gebunden sind entwickelt werden. Das hat bisher nur sehr bedingt geklappt. Bei Park z.B. gar nicht, bei Carstens bisher ganz gut. Auch wenn wir schon fragten, wie zielführend dieses Positionsgeschachere für einen jungen Spieler wie ihn jetzt ist. Umso mehr Respekt für Carstens, dass er – trotz dieses Geschacheres – am Samstag die zweitbeste Leistung aller Spieler auf dem Platz abgerufen hat. Die Entwicklung der Jugend muss besser werden. Eine Jugend, die um Titel mitspielt ist ein ganz besonderes Kapital! Und häufig genug bringen die Jungs auch ein Herz für den Verein mit. Siehe Brodersen, der nicht nur beim FCSP spielt, seitdem er laufen kann, sondern laut Wikipedia auch eine lebenslange Dauerkarte sein Eigentum nennt. So etwas ist als Kern einer Truppe von unermesslichem Wert.

Oder drücken wir es doch kurz aus: Wir als Blog wollen besseren Fußball.

Mopo und Co, ihr nervt

Was wir nicht wollen? Für die MOPO die lustigen Paulis sein, die alles mit einer „Portion Witz“ transportieren.

Liebe MOPO, ja auch wir hatten das Plakat als nicht wirklich den geilsten Hit am Millerntor eingeordnet, aber könnt ihr endlich mal aufhören so zu tun, als ob ans Millerntor nur Heilige gehen, Plakate immer zu einem RIESIGEN SKANDAL zu machen, die euch im Volkspark nicht die Bohne jucken würden und könnt ihr auch endlich mal aufhören, das Klischee von den lustigen, total verrückten, nie pfeifenden und vollkommen friedlichen Paulis zu verbreiten? Das stimmte schon 0,5 Jahre nach der Einführung durch euch nicht mehr. Und das ist 35 Jahre her. Diese extreme Aufgeregtheit macht nebenbei jede sachliche Diskussion vollkommen unmöglich. Danke dafür, ihr Doofies in der Griegstraße.

Maik hat das noch mal besser und ausführlicher geschrieben.

So damit ist auch alles zum Geschehen um den Platz gesagt.

Apr 082019
 

LiterarischerFC: Wir haben uns mit Toni Gottschalk in der Kneipe zusammengesetzt, um über “Konfetti im Bier”, Älterwerden und Ei-Fürze zu sprechen und schlechte Wortwitze auszutauschen. Welchen Stellenwert Gewalt und Drogen haben und ob Deutschlands erster Ultrà-Roman verfilmt wird, erfahrt ihr im Folgenden.

Toni … oder soll ich lieber Marco sagen?
Muhahaha.

Wollen wir übers Derby reden?
Willst du übers Derby reden? Ich dachte, wir reden übers Buch.

Ja, sprechen wir lieber über dein Buch „Konfetti im Bier“. Das ist nun seit ein paar Wochen draußen. Schwimmst du schon im Geld und kannst bald deinen Job kündigen?
[Verzweifeltes Lachen] Achso, das ist eine ernstgemeinte Frage oder was?

Naja. Wie sind denn insgesamt so die Reaktionen bei Freunden, Familie, der Gruppe oder Presse?
Es ist noch relativ kurz, um das einschätzen zu können. Es hat irgendwie noch niemand gelesen. Die drei Leute, die es gelesen haben, finden es ganz gut. Vielleicht haben sich aber auch nur die gemeldet, die es ganz gut finden.
Und Geld: Ich komme so ungefähr bei Null raus, wenn die erste Auflage weg ist.
Weil du was vorschießen musstest?
Nee, aber ich habe ja einfach investiert. Allein, das an zig Verlage zu schicken, auszudrucken, Probedrucke fürs Vorlektorat zu machen, dies das. Da steckt einfach eine Menge Geld drin. Und ich habe auch schon eine Menge Geld für Sankt Pauli und linke Strukturen versprochen und dann bin ich halt bei Null.

Dass man damit nicht reich wird, denke ich, ist allen klar. Aber bist du selbst zufrieden mit “Konfetti im Bier”?
Sagen wir mal so: Ich stehe dahinter. Ich bezeichne es als einen “nur ein bisschen geschliffenen Rohdiamanten”.

Wie kam es zu der Idee, den ersten deutschsprachigen Ultrà-Roman zu schreiben? Erzähl mal die grobe Entstehungsgeschichte.
Die Frage beantwortet das eigentlich schon selbst. Der Erste zu sein, ist immer ganz nett. Ich hatte schon lange Lust, ein Buch zu schreiben – eigentlich, seit ich lesen kann. Natürlich ist so etwas autobiografisch Angehauchtes ein bisschen einfacher für den Einstieg. Eine Subkultur als Basis ist natürlich ganz nett.
Wie viel Autobiografie steckt drin, so grob?
Zwei Prozent oder so, der Rest ist ausgedacht.

Wie lang hast du ungefähr daran gearbeitet?
Brutto acht Jahre, netto zwei bis zweieinhalb. Es gab lange Phasen, wo ich nichts gemacht habe. Zwischendurch haben mir immer mal verschiedene Leute in den Arsch getreten und meinten: “Du musst das jetzt auch mal fertig machen.” Irgendwann habe ich dann gedacht, jetzt muss ich das mal an Verlage schicken. Und dann hat einer gesagt: “Wir drucken das.”
War die Verlagsuche ein langes Prozedere?
Ich habe sehr viele Briefe verschickt. Aber mein Anschreiben war sensationell gut. Entsprechend hat es mich nicht gewundert, dass irgendjemand das Buch angenommen hat. [lacht]
So wie eine Standardbewerbung an hunderte Unternehmen?
Genau. Nein, ich habe das schon als Pitch-Situation begriffen und im Anschreiben präzise und auf den Punkt einen Vorgeschmack gegeben, was einen erwartet. Habe ich wohl ganz gut hingekriegt. [grinst]

Das Buch Konfetti im Bier
Konfetti im Bier zwischen Bier und Bier

Wen siehst du als deine Leser*innenschaft, an wen ist das Buch gerichtet?
Das ist eine Frage, mit der ich mich sehr lange beschäftigt habe – auch während des Schreibens noch. Es sind konzentrische Kreise nach außen: In erster Linie habe ich für meine Homies geschrieben, für meine Gruppe. In zweiter Linie für alle Sankt-Pauli-Fans und alle linken Ultras. Dann geht es nach außen gefächert weiter; dann kommen alle Ultras, alle Fußballfans, alle, die sich irgendwie als links verstehen.

Du wirst dir ja oft die Frage selbst gestellt haben: Wie viel musst du erklären, wie viel kannst du als bekannt voraussetzen. Hattest du einen konkreten Plan oder hast du das einfach laufen lassen?
Ich habe versucht, zum Einstieg etwas mehr zu erklären, es ein bisschen direkter zu machen und gegen Ende ein bisschen weniger. Das spiegelt sich ja in der Länge der Teile wider. Der erste Teil ist der längste, auch, weil die Figuren eingeführt werden, aber auch, um Kontakt aufzunehmen zu dem Ganzen. Aber auch, um es Leuten, die das Thema schon kennen, Identifikationsfläche zu bieten.
Natürlich hat der Verlag da noch etwas Einfluss genommen. Die haben gesagt: Lass uns am Ende ein paar Erklärungen machen.
Das Glossar …
Genau. Ein paar Sachen haben wir im Text gelassen, weil sie entweder Gags beinhalten oder weil es einfach besser passt, sie nicht nach hinten zu verbannen. Aber es gab keinen Masterplan.

Es kommen ein paar Charaktere vor, die manchem Fan von Sankt Pauli bekannt vorkommen müssen. Ist „Konfetti im Bier“ ein Schlüsselroman?
[Lacht] Das ist eine Fangfrage. Nee. Was die Gruppe betrifft, habe ich versucht, Leute zu schützen. Die Gruppe ist sehr groß, ich musste das auf ein paar Charaktere eindampfen. Ich wollte schon das Gewusel darstellen, das Kommen und Gehen, das in so einer Gruppe gibt, aber auch nicht übertreiben. Entsprechend fließen in den einzelnen Figuren sehr viele zusammen. Es gibt einzelne, die aufgrund ihrer Funktion exponiert sind, beispielsweise der Vorsänger. Die habe ich mit Absicht so verfremdet, dass sie ganz weit weg sind von den realen Personen.
Es gibt eine Person im Buch, die genau so ist wie im echten Leben, und die habe ich vorher gefragt.

Wenn man das Ding auf dem Klo liest, ist es dann ein Schüsselroman?
Mein eines Comicheft wurde tatsächlich schon so beworben.
Oh, entschuldige.
Macht nix, das ist schon lange her. [lacht]

Du lässt deine Geschichte in der Sankt-Pauli-Fanszene spielen. Das ist nachvollziehbar und gleichzeitig mutig. Warum kam für dich kein anderer oder ein fiktiver Verein infrage?
Darüber habe ich genau so lange nachgedacht wie darüber, für wen ich eigentlich schreibe. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, es in der Szene und im Viertel spielen zu lassen, einfach, weil es am authentischsten ist. Ich habe kurz darüber nachgedacht, gar keine Stadt zu benennen, eine ausgedachte Stadt quasi. Ich glaube, da hätten sich trotzdem viele wiedergefunden. Aber wie gesagt, ich habe entschieden: Ich schreibe das in erster Linie für meine Gruppe und meine Freundinnen und Freunde. Da war es am besten, es hier in den Straßen und Clubs undsoweiter stattfinden zu lassen.
Authentizität hast du selber gerade erwähnt – das ist dir schon wichtig, oder?
Bei einem Subkultur-Roman ist das der wichtigste Punkt, würde ich sagen. Auch in der Vermarktung.
Einen Ultrà-Roman schreiben kann nur, wer Ultrà ist oder mal war?
Aus literarischer Sicht wäre es vielleicht besser geworden, wenn das jemand anders geschrieben hätte. Ich weiß nicht, ob du den Roman “Hool” kennst, der ist vor zweieinhalb Jahren erschienen. Der spielt in der Hannoveraner Fanszene und der Autor [Philipp Winkler] hat sich mit Leuten getroffen, die auf den Acker gehen und hat das konstruiert. Literarisch ist der bestimmt besser als meiner.

War es bei dir der Weg des geringsten Widerstands und des geringsten Aufwands, das im eigenen Vorgarten spielen zu lassen?
Willst du damit sagen, ich habe es mir leicht gemacht? [lacht] Ich weiß nicht, ob das so viel leichter war. Man gerät da in Gefahr, wenn man einen Straßennamen nennt und alle das sofort vor Augen haben. So setzt man es als bekannt voraus. In einer fiktiven Stadt hätte man es viel genauer beschreiben müssen, was vielleicht an der einen oder anderen Stelle gut getan hätte.
Für Nicht-Hamburger könnte das etwas schwieriger sein, das zu verstehen, selbst wenn sie ab und an mal hier sind …
Das Verständnis vielleicht nicht, aber die Kenntnis der Orte.

„Alt vs. jung“ habe ich als einen roten Faden herausgelesen. Würdest du sagen, dass die Generationenfrage aktuell das wichtigste Thema bei USP oder der Ultrà-Bewegung insgesamt ist?
Das ist immer wichtig. Ultrà, das ist jetzt mehr als 25 Jahre alt in Deutschland, da hat es ja schon mehrere Generationenwechsel gegeben. Einige Gruppen haben das besser hinbekommen, andere schlechter. Grundsätzlich ist das immer ein Thema bei jeder Gruppe, die älter ist als fünf Jahre. Ich habe versucht, die Themen und die wiederkehrenden Motive so zu gestalten, dass es viele Anknüpfungspunkte für Leute gibt, die auch nicht direkt aus der Szene kommen. Jeder, der mal auf einem linken Plenum war, wird mit den Diskussionen und Streitpunkten auch viel anfangen können.
… worüber die ja mit etwas gesundem Zynismus drüberbügelst.
Zynismus ist ein bisschen hart, ich würde es als Sarkasmus bezeichnen. Ich liebe den Scheiß ja doch noch ganz schön – auch wenn ich viel zu alt bin – , als dass ich zynisch geworden wäre.

Einmal müssen wir doch noch im Ansatz über das Derby sprechen und zwar rund um den Veröffentlichungszeitpunkt von “Konfetti im Bier”. Das war ja auffällig nahe an dem Großereignis, das uns nun in nicht so geiler Erinnerung bleiben wird …
… den Dom, meinst du? [lacht]
War der Veröffentlichungszeitpunkt so nahe am Derby Absicht?
Nee, ich hätte mir da was Anderes gewünscht. Aber der Verlag wollte, dass es ein paar Wochen vor der Buchmesse erscheint, um schon ein bisschen Buzz zu erzeugen. Sodass es zur Buchmesse da ist, aber nicht so krass untergeht, weil sehr viele große Verlage große Sachen raushauen. Deshalb wollten die das ein paar Wochen vorher machen und dann war Anfang März der Wunschtermin des Verlages. Für mich war das nicht so richtig gut, aber ist letztlich auch egal.
Ich musste ein bisschen schmunzeln. Im Buch gibt es das kleine Derby, aber als ich anfing zu schreiben – 2011 oder so – , war das Derby in so weiter Ferne, da wurde ich von der Realität eingeholt.

Noch mal zur Erzählung: Auffällig fand ich, dass Gewalt & Drogen ziemlich selbstverständliche und, sagen wir mal, nicht gerade reflektierte Bestandteile der Erzählung sind.
Dann hast du aber nicht aufmerksam gelesen.
Sind das unverzichtbare Dinge, um ein glaubwürdiges Bild zu zeichnen?
Letztlich war mein Hauptziel mit dem Buch, eine interessante und unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Da habe ich mir natürlich die Spitzen aus dem subkulturellen Leben herausgegriffen und dann noch hart übertrieben. Entsprechend ist nicht alles für bare Münze zu nehmen. Schlägereien wie im Buch haben die wenigsten Leute in der Gruppe tatsächlich erlebt, nicht in der Intensität. Es ist ein Roman und keine Autobiografie. Solche Sachen machen ein Buch spannend.
Aber klar, Gruppen wie Ultras mit 200 Leuten sind irgendwo ein Spiegel der Gesellschaft und Rausch und Gewalt gibt es halt. Es geht ja auch ums Erwachsenwerden und Coming of Age und da sind das gute Punkte, die man aufgreifen kann.
Und nochmal zum Thema “unreflektiert”. Ich wollte natürlich keinen erhobenen Zeigefinger hineinbringen, aber man kann schon meine Meinung zu den Sachen herauslesen. Auch in den verschiedenen Stadien: Es gibt ja Einsteiger, alter Hase und ganz alter Hase, also Aussteigerin, und die verschiedenen Einstellungen zu den Sachen werden da schon deutlich.

Kommen wir zur Buchmesse in Leipzig. Du hattest da ja auch mehrere Lesungen. Wie waren die Reaktionen? Immerhin kommt Sachsen nicht so gut weg in deinem Roman …
Aber der Vorsänger ist doch Sachse! Also, die Reaktionen: Ich habe in kleinen und auch in coolen Orten gelesen und die Leute waren schon sehr gezielt da. Einmal habe ich tagsüber in einer Buchhandlung gelesen, da war eher älteres Publikum. Die haben sich auch amüsiert. Es war nicht so, dass die älteren Herrschaften nicht auch herzlich über einen Ei-Furz lachen können. [lacht]
Es war schon lebhaftes Interesse. Natürlich habe ich auch die Sankt-Pauli-Leute aus der Region angezogen. Ein, zwei Totenkopfpullis waren auf jeder Lesung da. Aber auch jede Menge andere Szenen, das darf man eigentlich gar nicht erzählen, was da so herumlief.

Barkeeperin: Wolltest du noch?
MagischerFC: Jo!
Toni: Ich nehme auch gern noch eins.
MagischerFC: Aber du hast doch noch voll viel.
Toni schlürft.
MagischerFC: Kennst du UWE?
Toni: Welchen Uwe?
MagischerFC: U-W-E. Unten wird’s eklig. Egal, das war jetzt keine offizielle Frage.

Am 13. April steht deine erste Lesung in Hamburg im Jolly an …
Die zweite. Bei der Release-Party im Landgang am 2. März war die erste Lesung.
Großer Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen?
Ja klar. Das Buchmesse-Publikum reagiert auf ganz andere Sachen als die Leute hier. Ich freue mich auch auf die Jolly-Lesung. [Zur Barkeeperin: Ich nehme auch gern noch eins! Achso, kommt schon. Hervorragend. Danke.] Da kann ich auch ganz andere Stellen lesen. Das wird lustig.

Sind weitere Lesungen in Planungen? Hättest du einen Wunschort?
Naheliegend ist das Stadion, die Fanräume, Museum. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nicht darum gekümmert. Aber vielleicht kommt ja mal jemand auf mich zu, der eine Veranstaltung macht, wo es passt. Ansonsten … ich würde von mir aus lieber in Kneipen lesen …
… als im CCH …
… als in einem kalten Raum, der wie eine Schulaula aussieht.
Also lieber eine Tresung.
Genau. Aber ich habe nichts groß geplant. Es ist ja auch alles neu für mich. [Zur Barkeeperin: Dankeschön!] Der Verlag hätte schon gern, dass ich viele mache. Aber ich bin da nicht so hinterher. Ist immer auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Bei der einen Lesung in Leipzig … die hat Spaß gemacht, die Leute waren sehr interessiert und haben viele Fragen hinterher gestellt. Wir haben vier Bücher verkauft. Vom Verlag waren zwei Leute da und ich zwei Stunden lang. Vier verkaufte Bücher, das ist dann so das Bier, das ich nach meinen Freigetränken getrunken habe. Finanziell, medienwirksam, ich weiß nicht, wie viel das wirklich bringt. Es gehört irgendwie dazu, aber ich kann das nicht richtig einschätzen. Und ich bin kein Schauspieler.
Aber da wächst man doch rein.
Ich bin auch schon ein bisschen lockerer geworden.

Du bist ja sonst überwiegend als Basch-Comiczeichner bekannt. Wann erscheint die illustrierte Ausgabe von „Konfetti im Bier“?
Ich habe schon vor, ein Heft zu machen, was dieses Jahr herauskommen soll.
Das sich auf “Konfetti im Bier” bezieht?
Nö. “Lustig ist witzich 4”. Den dritten Teil, da warst du noch gar nicht geboren, als ich den gemacht habe. Ohne Witz, das war 2000 … zehn Jahre her oder elf. [nuschelt]
2010 Jahre her?
Genau. Da warst du auf jeden Fall noch nicht geboren.

Kannst du dir eine Fortsetzung von “Konfetti im Bier” vorstellen?
Nee, das ergibt auch gar keinen Sinn. Ich kann mir vorstellen, noch einen Absatz oder ein Kapitel zu machen, das man in einem Heft herausbringt. Aber ein ganzes Buch … wer soll das denn verlegen? [lacht]

Wie würdest du reagieren, wenn jemand mit der Idee um die Ecke käme, das Ding zu verfilmen?
Wenn du das aufmerksam gelesen hast …
Nee.
Offensichtlich nicht. Ist auf jeden Fall ein zweischneidiges Schwert. Natürlich cool und eine Ehrung des Stoffes. Aber Verfilmungen sind immer schwierig, weil die Bilder anders aussehen als die, die ich im Kopf hatte. Mal abwarten. Das ist so weit weg.
Wenn ja, hättest du eine Wunschbesetzung?
Besetzung … wer das spielt, ist ja wurst. Ich kenne gar keine jungen Schauspieler.
Du brauchst doch auch alte Säcke.
Fatih Akin sollte schon der Regisseur sein. Alles andere ist nicht so wichtig.

Wir nähern uns dem Ende. Zum Abschluss: Hast du einen Lieblingscharakter? Außer Marco.
Ich mag sie natürlich alle sehr gern. Merks, Subbe und Jette sind stellvertretend für meine eigene Entwicklung in der Gruppe. Natürlich bin ich Jette am nächsten vom Alter und Weisheitsgrad her. [lacht] Entsprechend kann ich sie ganz gut leiden.

Toni, danke fürs Interview!
Sehr gerne.
Die letzten Worte gehören dir. Willst du doch was loswerden?
Wer nichts wird, wird weird.

“Konfetti im Bier” gibt’s im Fanladen eures Vertrauens, in guten Buchläden und direkt beim Liesmich Verlag.

Apr 062019
 

Unser Vorsänger fasste den Tag schon in der ersten Halbzeit prophetisch zusammen, als er diesen Chant anstimmte, der nun unsere Überschrift bildet.

Von Frank Zappa ist folgendes Zitat überliefert:

„Ein ernst zu nehmender Staat benötigt eine eigene Fluggesellschaft und ein eigenes Bier. Eine Fußballmannschaft oder Nuklearwaffen helfen, aber ein Bier ist Minimalvoraussetzung.“

Böse Zungen behaupten, dass dem FCSP dann ja nur noch eine Fluggesellschaft und eine Fußballmannschaft zu einem ernstzunehmenden Staat fehlt. Von Qualitätsbier ist ja nicht die Rede und die Bombe hat St. Pauli ja bekanntlich. Setzt sie nur leider nie ein.

Sollen wir nun ernsthaft was zu Kiel schreiben? Okay. Es folgt ein Rant über Kiel:

Erstmal seid ihr kein Derby, auch wenn ihr das noch so häufig verkündet. Wir messen uns mit Gegnern und nicht mit irgendwelchen daher gelaufenen Landeshauptdörfern.

Dann kann Euer Hosentaschen-Lotto sich noch so häufig auf den Rasen stellen mit seiner Gitarre, der Song tut nur weh. Verein gereimt auf Holstein? Da dreht sich ja Goethe im Grab um!

Dieser Gästeblock ist der letzte Rotz, viel zu klein für die verkauften Karten, Ordner im Eingangsbereich mit Nazisymbolen und ein Netz vor dem Block, das sofort Migräne macht. Geil. Nicht.

Immerhin war so der Blick auf die komplett blutleere Darbietung unserer Mannschaft nahezu unmöglich. Mal ganz ehrlich: Es gibt Spieler, die wechseln in die Einöde und du weißt, die geben trotzdem jeden Tropfen Blut für den alten Verein und es gibt Spieler, die musst du nicht mehr einsetzen. Ein eher niveauloses Banner muss man solchen Spielern trotzdem und erst recht nicht widmen. Ihm nach dem Spiel vorzusingen, was man von seinem neuen Arbeitgeber hält, reicht vollkommen. Die Frage, wie schlecht Flum und Zehir trainiert haben muss, sei uns an dieser Stelle erlaubt.

Auch sonst ist die Leistung auf dem Platz so vorhersehbar wie die Floskeln in den Pressekonferenzen vor dem Spiel und nach der nächsten krachend peinlichen Niederlage.

Es ist der sportlichen Ambitionslosigkeit und extremen Nettigkeit dieser Fanszene geschuldet, dass die Beschreibung des neuen Arbeitgebers des Spielers mit der Nummer 8 das schlimmste aus dem Gästeblock bleibt.

Vier Spiele drei blamable Leistungen. Klar auch heute wird sich wieder irgendwas positives finden, vielleicht haben wir echt super über die Karo Acht verschoben in der Seitwärtsbewegung. Fakt bleibt aber, dass wir gegen 10 gegnerische Spieler eine 1-0 Führung keine 15 Minuten halten können. Und dies gegen einen Gegner, der mausetot ist und durch einen dusseligen Elfmeter und nach einer konterartigen Bewegung (!!!) noch mal zur Verdeutlichung (!!!) zu seinen Toren kommt. Diese Doppelschläge sind Markenzeichen unserer Mannschaft geworden und das kann man eigentlich auch mal ansprechen und taktisch abstellen – wir haben nach ebendiesen 5 Spiele diese Saison verloren. Ebenso wirkt die Druckphase so, als ob man noch nie miteinander gespielt hätte. Der sprichwörtliche Hühnerhaufen ist geordnet dagegen.

Wir haben ja gehört, dass so etwas auch durch gemeinsames Training erlernbar sein soll. Ob die so etwas machen da an der Kollaustraße? Sind die Halbzeitreden ebenso berechenbar und langweilig wie die Pressekonferenzen? Oder warum bekommen wir seit der Winterpause ständig direkt nach der Halbzeit Gegentore?

Wann genau wollen wir was ändern? 1-10 Tore und 1 Punkt aus vier Spielen sind nicht gerade eine Basis für “gut gespielt und das wird schon” und auch keine Basis für “das wird schon von alleine wieder gut”.

Mal ganz ehrlich: Ja Spieler öffentlich in die Pfanne hauen geht gar nicht. Aber einfach mal ein paar kämpferische Worte von den sportlich Verantwortlichen wären schon geil. Dann würde man vielleicht auch mal an eine Änderung glauben.

Noch was: Wir sind der Fußball(!)club Sankt Pauli und ja auch wir würden mal sehr gerne ein taktisch ausgereiftes Mannschaftsgefüge mit guten Ideen und so sehen (so wie es Kiel z.B. spielt), aber wenn das gerade nicht geht, dann wollen wir wenigstens laufen bis der letzte gekotzt hat sehen. Das hat uns in der Hinrunde häufig genug noch Punkte gegeben.

Wir haben nun unzählige Spieler dieses Kaders verlängert. Seitdem läuft es null. Dazu gibt es drei Theorien: 1. die genügen unserem Anspruch von “oben mitspielen” einfach nicht. 2. sie werden nicht vernünftig angeleitet und entwickelt. 3. es ist nur eine Phase und alles wird gut. Sucht euch eure Theorie selber aus und benennt dann selber den Verantwortlichen, den ihr richtig beschimpfen wollt.

So ist es alles gerade richtiger Rotzdreck. Unser Punkteschnitt nach der Winterpause ist nun 1,0 pro Spiel. Das ist Kurs 16 Punkte. Wow. Vor der Winterpause 34 Punkte aus 18 Spielen. Ergänzend: Schnitt Tore vor Winterpause: 1,67 Schnitt Tore nach Winterpause: 0,90 Schnitt Gegentore vor Winterpause: 1,22 Schnitt Gegentore nach Winterpause: 2,0

Am Arsch!

Noch was: Liebe Menschen, wenn so ein Block übervoll ist, dann sind Vorsicht und ““darf ich mal bitte” oberste FCSP Pflicht. Einfach sich durchzudrängeln als ob ihr der König von St. Pauli wärt, verbietet sich.

Und so bleibt am Ende nur wieder die beste Crew, die den Tag rettete. Und irgendwann wollen wir alle diese Menschen in ein Flugzeug packen und fliegen. Ganz oben. Überm Meer. Denn dann sehen wir all die Scheisse auf dem Platz nicht mehr. (Frei nach Dritte Wahl)

Unser Tag wird kommen.