Aug 172019
 

Stuttgart. 4:40 lud uns der ICE nach Stuttgart ein. Optimismus war lieber gleich im Bett geblieben, aber Sarkasmus und Morgenlaune hatten es pünktlich geschafft. 

Um uns vom Pöbel abzugrenzen hatten wir uns ein erste Klasse Abteil gegönnt. An die kommunistischen Brüder und Schwestern: Sparpreis olé! Vom Schaffner einmal freundlich mit einem “Stuttgart wo der FCSP heute selbstverständlich gewinnt“ begrüßt worden. Aber nur einmal, niemand hat hier jede weitere Ansage mitgefilmt. Alles nur für euch, liebe Leser*innen. Mehrfach kann man das ja wegen „der anderen konservativen Mitreisenden“ nicht machen. 

Stadt, Land, Fußball vertrieb uns die Zeit. Gerade “Grund für eine rote Karte” als Kategorie brachte so Perlen wie “Mord” oder “Illegale Drogen verkaufen” hervor. Hier Maik, ist doch richtig, oder? 

Pünktlich brachte uns die Bahn nach Stuttgart. Und damit ins Chaos. S Bahn Verkehr in Stuttgart ist ein Erlebnis. Nur kein schönes. Bei einem Spiel mit 50.000 Zuschauer*innen eine potentielle Anreisestation alle 30 Minuten anzufahren ist schon eine gute Idee. Und dann kam die auch noch zu spät. Und war voll. Und nervig. Und überhaupt. Und auf der Rückfahrt wurde es eher schlechter. Wir wollten schon eine neue Kategorie in dem Stadt, Land und Fußball Spiel einbauen “Schimpfworte für den ÖPNV in Stuttgart”. 

Irgendwann waren wir dann doch im Stadion. Man muss noch den “Fantrennungsumweg” um ein Gebäude machen, was dann irgendwie witzlos wird, wenn nach dem Schlenker alles durcheinander rennt und sich genau an der Ecke des Gebäudes drei Stuttgart Dullis mit “Ey Schw…. Pauli, komm mal her” produzieren dürfen. Ein Besuch der Polizei beendete leider ihre Chance auf eine verdiente Abreibung. 

Rein ins Getümmel

Zurück zu vor dem Spiel. Abtasten schnell überwunden und damit die positive Ordner*innenerfahrung des Tages gehabt, hat vielleicht etwas lange gedauert. Die negative Erfahrung waren dann Ordner, die meinten das Banner “St. Pauli ist die einzige Möglichkeit” nicht aufhängen zu wollen, bzw. das Aufhängen verhindern wollten. Gut das wurde durch uns bestimmt und freundlich geregelt. 

Positiv im Stadion: Die haben für viele Dinge eine Gebärdendolmetscherin auf der Anzeigetafel. Negativ: Sie haben ein Maskottchen. Ein Krokodil. Fritzle. Fragen Sie nicht. 

Der Gästeblock zeigte dann Schwenkfahnen dazu. Garantiert sehr hübsch, aber den massiven Fahneneinsatz in der Heimkurve konnte man nicht schlagen. Dass es in Gästeblöcken immer jemanden gibt, der über Fahnen schon vor dem Spiel meckert, ist auch so eine wiederkehrende Sache. Genauso wie diese in den Block filmenden Leute. Aber so kurz mal Handy weg nehmen und mit Erklärung wieder geben wirkt echt Wunder. 

Der Support beim Spiel war gut. Selbst bei uns in den hinteren Reihen ging gut was. 

Lag natürlich auch an einer sehr guten ersten Halbzeit, die unsere Jungs hinlegten. Schönes Tor, alles super. Außer dass wir trotz genügend Chancen den berühmten Sack nicht zumachen. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht.

Was gefiel: Mats zentral offensiv. Starker Auftritt. Und seien wir ehrlich, als er dann von Buchti ersetzt wurde, wurde unser Spiel extrem langsamer. Buchti ist zentral offensiv echt nicht perfekt aufgehoben und für einen “ab nun mauern” Wechsel war es ein bisschen früh. 

2% aller Ecken werden statistisch Tore. Außer der FCSP ist Ihr Gegner, da werden alle Ecken Tore. Unsere Ecken hingegen sind ungefährlicher als Fritzle. Und diese “kurze Trickecken” waren schnell mehr eine Gefahr für uns, als für den Gegner. Mehrfach ging eine eigene Ecke über zwei Stationen zu unserem Torhüter. 

Und dann lassen wir eine Flanke zu, lassen selbige segeln und verlieren halt doch noch. Auch wenn es spät war, es kam nicht überraschend, denn am Ende war erneut ein Unterschied in der Frische deutlich erkennbar. 

Unerklärlich, warum Hoffmann nach Kopfzusammenstoss weiterspielen darf, um dann gleich beim nächsten Kopfball wieder zusammenzusacken. Aber unsere Liebe zur medizinischen Abteilung kennt ihr ja schon. Concussion Protocol durch neutrale Instanz. Ende der Diskussion.

Klar, diese Niederlage haben wir alle erwartet, aber es ist halt ärgerlicher spät 2-1 zu verlieren, als von der ersten Sekunde an unterlegen zu sein. 

Nach dem Spiel war die Mannschaft inkl. Umfeld in der Kurve. Außer Bornemann, der scoutet Spieler und wartet auf die Möglichkeit im überhitzten Markt. Knoll setzte um, was wir alle fühlten, riss ein Stück Rasen raus und feuerte selbigen durch die Gegend. Noch lieber hätten wir allerdings die Deutschland-Fahnen an den Stuttgarter Schals durch die Gegend gedonnert.

Zurück zum Hauptbahnhof. Siehe oben. Wir haben es geschafft. Und sitzen dann mit der Mannschaft im Zug. Und können dann immerhin für unseren Chief Editor ein Matsgramm zum Geburtstag bekommen. Sehr, sehr viel Liebe für Mats. Ansonsten: Was im Zug passiert bleibt im Zug. Zum Beispiel, dass wir gegen (geschätzt) 12-jährige in AntiRa-Shirts (❤️❤️❤️) bei Stadt, Land, Fußball verlieren. Diese Niederlage immerhin sehr gerne.

Kein Bier, Scheiße hier!

Aug 142019
 

Das schön an Regioanfahrten ist ja vor allem, dass man auf dem Hinweg auch normalen Leuten, die es nicht für die beste Sonntagsunterhaltung halten, sich in irgendwelchen Stadien rumzutreiben, begegnet. Nach kurzem Austausch darüber, was wir hier eigentlich machen würden, stellte die Dame dann fest, dass Fußball ja sowieso viel schöner als Fliegen sei.

Der Beweis bleibt nach dem Pokalerlebnis noch zu erbringen.


Wir reisten – wie es sich für einen „ultrá-nahen Blog“ gehört mit der USP-Reisegruppe an, Abfahrt und Ankunft fast pünktlich, im Zug wurden die Ernährungsgewohnheiten eines Mitreisenden ausführlich gesanglich kommentiert. Ankunft in Lübeck, dann mit dem Fanmarsch gen Stadion und zum ersten Mal die höchst kreativen Banner der Lübecker gesehen. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag, ihr Schnuffis. Schön, dass ihr euren Geburtstag und die erste Pokalteilnahme seit drei Jahren vor allem dadurch feiert, dass ihr diese höchst kreativen Shirts wieder auflegt. Mehr dazu bei Maik vom Millernton.


Was man in Blogs ja viel zu wenig liest ist, wie viel Anreisezeit man bei solchen Spielen damit verbringt, irgendwo rumzuhängen. Dieses Mal in mehrfachen Etappen vorm Stadion. Und immerhin sind wir da in unserer Freizeit und stehen da nicht in vollem Militäroutfit, weil wir einen Beruf ergriffen haben, den niemand ergreifen muss. Dafür war der Einlass dann umso schneller. Dass in unsere Bauchtaschen nicht mal reingeguckt wird, ist auch eher selten – und dass gar nicht abgetastet wird wohl auch. Und nein, das ist definitiv keine Beschwerde. Um unseren Ruf als Motzer*innen zu bewahren: Dixies komplett ohne Handwaschmöglichkeiten sind für Frauen eher uncool. Das coole an Dixies: Alle (auch nicht-binäre Menschen) können die gleichen nutzen. (Ergänzung 14.08: Danke Elo für die Schreibweisehinweise!)



Sicherheit wird in Lübeck großgeschrieben.



Weiteres Rumgehänge vor dem Spiel, schöne Choreo (zumindest aus „im Block-Sicht“) mit ein bisschen Lichteffekten. So mögen wir das.
Noch vor Anpfiff durften wir auch Peter (Ähnlichkeit mit lebenden Personen rein zufällig) kennenlernen, der vor allem gekommen war, um uns St. Paulianer*innen „mal“ zu sagen, wie scheiße wir doch sind. Danke, das ist uns noch nie passiert und wir haben jetzt drei Nächte deswegen schlecht geschlafen und weinen immer noch, wenn wir daran denken.

Warum man die beiden Tore des eigenen Teams in der regulären Spielzeit dann dadurch feiert, sich bei uns als Mittelfingermodel zu bewerben verstehen wir auch nicht. Müssen wir ja aber auch nicht. Und ob die eigene Mannschaft nun so davon motiviert wird, wenn man eigentlich nur den Gegner beschimpft, sei zumindest auch bezweifelt. Liebe weiblichen* Fans in Lübeck: Wir würden Euch sehr, sehr feiern, wenn ihr es irgendwann mal schafft, „Lübecker Mädels“ einzusingen. Bis dahin belächeln wir die gesamte Fanszene weiterhin nur müde.

Egal, wir schweifen ab: Anpfiff, das 3-5-2 deutete auf eine eher offensive Ausrichtung hin (als Zweitligist „musst“ du beim Viertligisten das Spiel machen) was dann auch so war. Begeistert waren wir davon vorm Spiel nicht und das leider auch nicht zu Unrecht. Jedenfalls offenbarte die Ausrichtung dann auch große Lücken in der Defensive, die dann auch zum 0:1 und 0:2 führte. Erschreckend wie leicht wir mit Pässen in den Lauf auszukontern sind. Und: Das waren auf Lübecker Seite jetzt keine technisch brillanten Spieler. Sonst würden die nicht in Lübeck spielen. Angezweifelt sei auch, ob Miyaichi soweit hinten am besten aufgehoben ist. Verzeiht uns, wir vergessen schon wieder wie überhitzt der Markt einfach ist und dass deswegen einfach keine defensiven Spieler zu holen sind, da nimmt man halt was noch so da ist und noch laufen kann. (Und das lest ihr bitte nicht als Kritik an Ryo!)


Wenn man im Spiel öfter mal die Augen verdreht, kennt man dann den Flutlichtmast immerhin im Detail.

Die guten Neuigkeiten dieses Spiels: Wir haben immerhin ein Pflichtspiel erledigt, bei dem wir a) aus einem (doppelten) Rückstand zurückkamen, b) ein Tor nach einer Ecke machten und c) konditionell stärker als der Gegner waren. Das alles zusammen führte dann zum 2:2 nach regulärer Spielzeit.
Verlängerung, Diamantakos (edit 14.08.: der in Wirklichkeit Knoll heißt) macht das 3:2, da kann man das Stadion dann ja gut verlassen, Spiel ist entschieden. Wir mussten dann tatsächlich gehen, um einen 77-jährigen zu sehen, bei dem die Spieler vielleicht mal in konditionelle Ausbildung gehen sollten. Wahnsinn, wie der nach mehreren Herz-OPs noch die Bühne gerockt hat. Und wie gut, dass es auch in Brasilien noch Stimmen des Widerstandes gibt.


Diffidati con noi – findet im übrigen auch Nara Gil!


Als notorische Auswärtsfahrer*innen kommen wir leider viel zu selten in den Genuss des AFM-Radios. Ein bisschen surreal war das schon während des noch laufenden Spiels zurück zum Lübecker Bahnhof zu laufen und Tims liebliche Schreistimme in komplette Ekstase zu erleben. Das war ein bisschen surreal, vor allem aber großartig, danke


Im Elfmeterschießen dann souverän weitergekommen, nur damit die hübschesten Stutzen der Welt sich jetzt auf Deutschlandtournee machen. Das Kollektiv diskutiert noch, wer der nächste Lieblingsgegner ist. Aber ist ja eigentlich auch egal, wen wir auf dem Weg nach Europa noch so alles rausschießen.


PS: Und das ganze scheinbar auch noch ohne (neue) Blessuren im Kader. Unaufhaltbar auf dem Weg nach Europa!

Aug 072019
 

Vorwort

Liebe Lesende, ja es folgt nun die Rezension eines Baseball-Buchs und wir wissen, dass bei der Nennung des Wortes „Baseball“ nun wahrscheinlich 99 % unserer Leser*innen abschalten, aber dieser Artikel ist mehr als eine Buchrezension.

Viel wird gerade über Komfortzone und Entwicklung beim FCSP diskutiert und dieses Buch gibt für solche Prozesse eine gute Anleitung, dies macht es weit über den Baseball-Fokus hinaus spannend.

Die Autoren / Journalismus ist nicht gleich Journalismus

Zwei amerikanische Sportjournalisten, Ben Lindbergh und Travis Sawchik, haben das Buch geschrieben. Beide gehören einer Gattung von Sportjournalismus an, der in Deutschland wenn überhaupt nur in einer sehr kleinen Nische existiert.

Journalisten, die nach dem „Warum?“ fragen und Antworten aus Daten, aus Fakten suchen und Methoden grundsätzlich hinterfragen. Nerds ihres Sports. Sabermetrics nennt sich diese Bewegung, ein Kunstwort aus SABR (einer entsprechenden Vereinung von Analysten, egal ob Hobby oder beruflich) und Metric den englischen „Maße“.

So etwas fehlt im Sportjournalismus der sich mit Fußball beschäftigt nahezu vollständig. Da ist immer noch die Kickernote ernsthafte Basis für eine Diskussion.

Klar, es gibt Menschen, die können mit diesen Dingen etwas anfangen und zum Glück haben wir auch beim FCSP einige Menschen, die verstehen, was Expected Goals so grob sind (Küsschen an Tim vom Millernton), aber im „klassischen“ Journalismus wird das vielleicht mal als „Laptop Trainer“ belächelt oder ein Artikel drüber geschrieben und dann wieder vergessen. Vereine nutzen solche Sachen definitiv schon, siehe die Vorliebe für „Laptop Trainer“, aber in der öffentlichen Analyse des Fußballs spielt das Ganze nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ganz anders in den USA und beim Baseball, wo sich das Verhältnis eher umgekehrt hat. In Deutschland malen wir dann Pfeile auf Bildschirme und fühlen uns, als wären wir Kapitän*innen eines Raumschiffs.

„Moneyball“ ist das Stichwort. Ein Buch aus dem auch ein Film mit Brad Pitt gemacht wurde. Geschrieben vor gut 18 Jahren. Dieses „aha Erlebnis“ fehlt dem Fußball(journalismus) noch. Und es fehlt insbesondere „kleineren“ Vereinen. Moneyball beschreibt die Erfolgsgeschichte der Oakland A’s, einem Team ohne viel Geld und Marktmacht, „The MVP Machine“ beleuchtet den Erfolg der Astros auch einem eher mittleren Team, wenn es um Geld und Markt geht. Wobei wir im amerikanischen Sport natürlich noch mal über ganz andere Summen reden, als im Fußball.

Sowieso ist der amerikanische Journalismus in Sachen Sport so anders im Vergleich zum deutschen Journalismus. Dieses ständige „wir suchen die Sensation und überreagieren auf alles und bewerten immer das Ergebnis, nie den Prozess“ gibt es in den USA natürlich auch, aber da hat es seine ganz eigene Nische und ist nicht Mainstream. Diese nennt sich dann „Sportstalk Radio“ (Radiostationen, die den ganzen Tag über ihre regionalen Teams reden) und da ist der Hot Take des Hot Take noch nicht ausgestorben. Ja da wird auch in Boston seit 10 Jahren vertreten, dass Tom Brady endlich gefeuert gehört, weil er doch zu alt wird.

Die Grundlage des Buches

Das Buch heißt im Untertitel „How Baseball’s New Nonconformists Are Using Data to Build Better Players” und genau hier beginnen die Parallelen zum Fußball.

Nehmen wir mal Schnecke Kalla (<3) als Beispiel. Die meisten Menschen würden sagen, dass es sich um einen guten Ergänzungsspieler handelt. Kannst du bedenkenlos für ein zwei Spiele auf nahezu jede Position stellen. Wird da nicht glänzen, wird aber auch wahrscheinlich solide seinen Stiefel spielen. Meint ihr, dass man den noch zu einem Superstar bekäme? Wahrscheinlich nicht. Wir auch nicht. Aber doch passiert genau das im Baseball. Justin Turner war bis 2014 und seinem Lebensalter 30 ein ganz netter Ergänzungsspieler, sozusagen ein Kalla des Baseballs. Danach begann er mit einem Trainer außerhalb des Establishment zu arbeiten und wurde ein Superstar seines Sports.

Back in my days

Baseball gleicht in seiner konservativen „back in my days“-Art sehr dem Fußball. Trainer sind Ex-Spieler, vieles passiert nach dem Prinzip „das haben wir immer schon so gemacht“. Sei es in Trainingsinhalten, sei es in Menschenführung. Der erste Bruch in diesem Denken passierte nach „Moneyball“. Es war wie im Fußball ein ungeschriebenes Gesetz, dass Manager/Sportliche Leiter (nur Männer, bis heute), wie man die auch immer nennt, ehemalige Spieler waren. Warum eigentlich? Warum soll ich als Ex-Spieler der einzige sein, der eine Kompetenz hat einen Verein sportlich zu leiten? Und die diversen Angestellt*innen in diesem Verein sinnvoll zu leiten? Ob der nahezu reinen Männerwelt, die solche Front Office heute noch sind, tut man sich selbst da mit dem Gendern schwer.

Diese Frage stellte niemand. Und wenn man sie stellt, dann heißt es (und hieß es im Baseball wahrscheinlich auch), dass man doch das Geschäft kennen müsse und Kontakte haben müsse. 18 Jahre hat es im Baseball gedauert, diese Annahme zu beseitigen. Als Manager/Sportliche Leiter beschäftigt man nun nur noch in Ausnahmen Ex-Spieler, sondern man sucht sich Menschen, die als „Manager“ im Sinne der Industrie gut sind. Zu nahezu 99 % Menschen mit Management Abschlüssen an irgendwelchen US Elite Unis. (Dass dies dann den Rassismus in der Auswahl von Studenten an diesen Unis fortführt, ist ein Thema, was hier den Rahmen sprengen würde, aber auf das man hinweisen sollte. Diversität ist ein Thema im US Sport, aber ist bei weitem nicht erreicht. Und wie schon oben geschrieben: Frauen gibt es sehr sehr wenige in irgendwelchen Positionen. Und bis heute konnte niemand belegen, dass diese schlechtere Managerinnen als Männer wären, eher andersrum. Ganz zu schweigen über die Wichtigkeit von Diversität, gerade in Führungsgremien.)

Gleichzeitig ist Voraussetzung, mit Daten umgehen zu können und diese interpretieren zu können. Riesige Analyse- und Untersuchungsabteilungen füttern die „Front Offices“ mit allem was die wissen wollen. Inklusive der Rotationsrate wenn ein Ball geworfen wird und welchen Effekt diese Rotation hat.

Teams nutzen dann Trainer und Co-Trainer um Managersprache und Analystensprache in Spielersprache zu übersetzen. Und setzen damit auch den Trainerjob ganz anderen Herausforderungen aus. Nicht mehr der große Zampano, der alles entscheidet und einen Spieler bekommt, weil er sein Wunschspieler ist. Alleine schon, weil das „Front Office“ innerhalb von fünf Knopfdrücken auf einen Computer sagen kann, dass dieser Spieler objektiv nicht passt. Vielmehr der Moderator, der Übersetzer und – Achtung Klischee – Motivator. Diese Machtverschiebung hat viele Trainerkarrieren beendet und auch ermöglicht. Dies kommt auch im Fußball.

Auch Fußball nutzt Daten im großen Stil

Nebenbei: Ganz still und heimlich hat diese ganze Revolution auch im Fußball begonnen. Deswegen flankt niemand mehr von der Grundlinie, was in den 90er Jahren noch als „hinter die Viererkette an die Grundlinie kommen“ als vermeintlich gute Taktik dargestellt wurde. Problem dabei ist einfach, dass die Flanke viel zu selten zu Torabschlüssen und Toren führt. Das ist wie mit den Ecken. „Standardsituationen sind so wichtig im modernen Fußball“ kennt jeder noch als Satz. Das genaue Gegenteil ist im Endeffekt der Fall. Wenn jede 50ste Ecke* zu einem Tor führt, dann schießt man vielleicht jedes 10. bis 15. Spiel nach einer Ecke. Das sind dann immerhin 2 Tore pro Saison. Wow! Kann man sich das einüben eigentlich selbst schenken. Denn eine Steigerung seiner Erfolgsquote um 50 % bringt einem immerhin 3 Tore pro Saison. Dies gilt natürlich alles nur, wenn man nicht mit dem FCSP und seiner notorischen Schwäche nach Eckbällen in einer Liga spielt. Als Trainingsinhalt kann „Ecken üben“ trotzdem Sinn machen, nämlich als Teamuildingmaßnahme. „Wir erarbeiten uns etwas zusammen“ ist das Stichwort.
(*Quelle). In der Premier League führt jede 5. Ecke zu Torabschlüssen, und nur jeder 10. dieser Abschlüsse landet im Tor)

Ein Schritt weiter

Nun geht die Entwicklung einen Schritt weiter. In den Trainingsmethoden. Und auch hier sind es die Menschen ohne eigenen Profispieler-Hintergrund, die auf neue Methoden setzen, alte Annahmen anzweifeln und widerlegen.

So gab es immer die Annahme, dass man Wurftechniken nur bis zu einem gewissen Grad erlernen kann und viele Dinge auch auf Talent und physischer Beschaffenheit des Spielers beruhen. Das Buch zeigt auf, wie man durch den Einsatz von Highspeedkameras und auch Datenmessgeräten (Wearables, wie die so schön neudeutsch heißen) hochauflösend genau sieht, wann welcher Finger den Ball verlässt, welche Kräfte wann wie wirken und wie ich Muskelgruppen optimal einsetze, um Kraft zu erzeugen. Und ich kann mit Spielern dann gezielt Übungen machen, um diese Muskelgruppen in gewünschter Form anzusprechen und auf die Sekunde genau in der richtigen Reihenfolge zu benutzen.

Training wird effektiver, Kleinigkeiten können gezielt verbessert werden und damit in kurzer Zeit Fortschritte erzielt werden.

Klingt doch eigentlich ganz logisch, sollte doch jeder sofort machen, oder? Trifft aber trotzdem auf Widerstand. Alleine schon, weil die Wurfbewegung und die Schlagbewegung beim Baseball hochkomplex ist. Wenn ich daran rumfummel, kann das auch schief gehen. Und diese Angst ist ein sehr großer Hemmschuh. Die Angst vor Neuem. Die Angst „ich hab es so bis in die Liga geschafft, wenn ich jetzt da was ändere, kann es auch schlecht ausgehen“ ist in Teams und Spielern weit verbreitet. Und natürlich der Faktor des „das haben wir schon immer so gemacht“. Wenn da jemand von außen kommt und sagt „ja habt ihr, aber das war falsch“, dann wird das nicht immer nur auf Gegenliebe stoßen.

Und daher hat diese Welle zuerst bei Spielern eingeschlagen, die am Ende ihrer Karriere schienen oder in einer Sackgasse. Der genannte Justin Turner war einer von ihnen. 30 jährige Ergänzungsspieler sind im Baseball genauso wenig gefragt, wie im Fußball. Sie werden von dem 19 bis 22 jährigen Ergänzungsspieler ganz schnell verdrängt.

Spieler mit einem eher durchschnittlichen Talent sind das andere Beispiel. Trevor Bauer war der Pitcher, der als Erster Highspeed Kameras nutze, mit Trainingsdaten rumfummelte und sich so verbessern wollte. Er selber bezeichnet sich als schlechten Athleten, was natürlich eine Untertreibung ist.

Nun stellt euch aber mal eine ähnliche Analyse und Trainingsinhalte im Fußball vor. Schusstechnik verbessern? Viel einfacher. Laufgeschwindigkeit verbessern? Kein Problem! Und gerade diese Laufgeschwindigkeit kann beim Fußball viel ausmachen. Wenn ich in den ersten 10 Metern schneller als mein Gegenspieler bin, dann hab ich in vielen Situationen den Fuß als Erster am Ball.

Und noch ein weiteres Beispiel für dieses Feilen an der Technik – sogar in Deutschland, aber wenig verwunderlich in einer US-Sportart: Dirk Nowitzki hat mit seinem Jugendtrainer Holger Geschwindner jahrelang an seiner Wurftechnik gefeilt und damit eine ganz neue Art des Werfens aus dem Halbfeld etabliert, die sicher auch ihren Beitrag zu seinem riesigen Erfolg geleistet hat. Und da wurde schon vor über 20 Jahren auch vielfach mit Videoanalysen, etc. Und spannenderweise brachte Geschwindner in dem Individualtraining für Nowitzki seine Erfahrung als ehemaliger Profi mit seinem Studium der Mathematik zusammen.

Nehmen wir ein Beispiel:

Wir haben bei uns immer MMD vor Augen, der nach unserer subjektiven Beobachtung pfeilschnell wird, wenn er denn auf Touren ist, aber er braucht halt immer bis er seine Gräten geordnet hat und los gelaufen ist. Die Armhaltung sieht auch nicht gerade optimal aus.

Achtung, das ist subjektiv von der Tribüne, das mag gar nicht stimmen. Nehmt aber nun mal an, dies würde objektiv sein und man könnte mit ihm gezielt herausfinden, welche Gräte da das Problem ist und dies mit Übungen abstellen. Sein Wert für den Verein und sich selbst würde enorm steigen, denn plötzlich hat er diese zusätzliche Geschwindkeit auf den ersten 10 Metern und ist als Erster am Ball.

Oder nehmen wir die schönen Worte „Vororientierung“ und „saubere, schnelle Ballverarbeitung“.

Dieses „ich weiß schon bevor ich den Ball habe, wo alle meine Mit- und Gegenspieler sind und hab einen Plan“ ist einigen Spielern mehr, anderen weniger gegeben. Ein Philip Lahm z.B. war hier unbestrittener König. Und die Fähigkeit dies dann in einen schnellen und am besten noch präzisen Ball umzusetzen macht eine Mannschaft sofort besser.

Auch das ist (nicht nur) Talent, sondern kann erlernt werden. Footbonaut nennt sich das entsprechende Gerät. Der Wikipedia Artikel dazu war bis vor kurzem noch zur Löschung vorgeschlagen, was tief blicken lässt. Z.B. Dortmund und Hoffenheim nutzen so ein Gerät. Beide Vereine haben ihre Stärken im schnellen, direkten Spiel. Man könnte sagen, dass dieses Gerät ihnen wahrscheinlich dabei geholfen hat.

Es ermöglicht nämlich das isolierte einüben einer sehr wichtigen Fähigkeit im Fußball. Gezielt und damit zeitsparend, was Zeit für andere Trainingsinhalte ermöglicht.

Neue Mentalität gefordert

Und da sind wir bei der Frage, was Vereine tun können. „Growth Mentality“ wird in dem Buch als Stichwort genannt. Man könnte das mit einer Mentalität übersetzen, wo man offen für Neues, für Förderndes und Innovatives ist.

Wir zitieren (ungern) einen Artikel der Welt zu dem Footbonauten: „Herr Hopp ist ein totaler Fan von innovativen technologischen Trainingsgeräten.“ (von hier). Die Begeisterung muss in der gesamten Organisation vorherrschen und von oben kommen.

Wenn wir als von Mentalitätswandel beim FCSP sprechen, dann wäre dies ein mögliches und vielleicht gutes Ziel. Dafür müssen dann aber auch alle Ebenen offen sein. Vom Jugendtrainer in der U10 bis zum Präsidenten.

Und – dies sei auch mal gesagt- für so etwas muss auch Geld locker gemacht werden und entsprechendes Personal eingestellt werden. Denn so ein Footbonaut z.B. kostet Geld und muss in den Trainingsalltag integriert werden. Individuelles Training, Training an isolierten Handlungen ist dem Fußball sehr fremd, während es in anderen Sportarten sehr üblich ist. Es benötigt also gut geschulte Trainer und Spieler, welche die Geduld mitbringen, so an sich zu arbeiten.

Das „bei einer Profimannschaft hab ich eher die Aufgabe, die bei Laune zu halten“ ist dann ein Ding der Vergangenheit. Man muss also die entsprechende Mentalität bis in die Spieler und die Cheftrainer bekommen. Und insbesondere in die Jugendlichen. Lernen und sich verbessern wollen hört nie auf. Nicht für einen Finn Ole, nicht für einen Jan-Philip, aber auch nicht für einen Oke. Und Technologie kann dort ein riesiges Hilfsmittel sein.
(Und wir wollen die pädagogische Begleitung zur “Persönlichkeitsformung der Spieler bitte auch weiterhin, selbsterklärend.)

Auch bei Reha Maßnahmen genutzt

Das Buch schildert auch, wie Technologie für Reha Maßnahmen genutzt werden. Belastungen können technologisch objektiv gemessen werden und so kann eine Maßnahme zielgerichteter gestaltet werden, dass weder eine Unter- noch Überbelastung des Spielers erfolgt. Als Beispiel wird Marcus Stroman genannt, der nach einem Kreuzbandriss nach 6 Monaten wieder in Spielen eingesetzt werden konnte.

Lesebeispiel

Die Astros haben einen Ruf entwickelt Spieler besser zu machen und haben teilweise irrsinnige Erfolge aus irgendwelchen Spielern plötzlich Superstars zu machen. Dies geht so weit, dass alle anderen Teams schon misstrauisch sind, wenn die Astros einen „normalen“ Spieler von ihnen haben möchten.

Was machen die Astros mit diesen Spielern? Sie haben Präsentationen vorbereitet, die sie jedem Spieler vorlegen, der zu ihnen kommt, mit Stärken, Schwächen, detaillierter Datenanalyse und Wünsche an den Spieler. Und sie sind da genauer als jedes andere Team. Hier als Lesebeispiel aus dem Buch:

Könnt ihr euch das im Fußball vorstellen? „Hallo Leo, schön das du da bist, wir haben hier mal ein Meeting und das sind nebenbei deine Stärken, deine Schwächen, da arbeitest du bitte so und so dran, das machen wir mit dir und das ist unsere Idee für dich. Alles mit Video und Daten.“ Wie cool wäre das?

Was draus ziehen?

In Zeiten, in denen Neuverpflichtungen immer schwieriger werden, scheint es doch eine interessante Alternative zu sein, seinen Stürmer selber zu entwickeln. Gerade wenn es in der Jugend nicht an rohen Talenten mangelt. Das Buch zeigt Wege auf, wie man dies besser erreichen kann, wie man Spieler auf ein neues Level heben kann. Wie man eben aus einem Kalla einen Lahm macht. Naja, vielleicht nicht ganz.

Das Buch hat auch seine Schwierigkeiten

Das Buch und seine Idee haben auch Schwierigkeiten. Trevor Bauer ist ein Getriebener und kein Sympathieträger. Hinzu kommt, dass er eine Historie von Twitterausfällen (Beispiel) hat, die nicht dafür sprechen, ihn in den Mittelpunkt eines Buches zu stellen. Problem: Man kann die Geschichte des technologiegesteuerten Trainings nicht ohne ihn erzählen, sie wäre unvollständig. Das Buch hilft sich damit diese Punkte auch zu schildern und Bauer nicht als strahlenden Helden dastehen zu lassen.

Noch ein weiteres Problem gibt es. Technologie kann immer und wird immer zu Überwachung genutzt. Growth Mentality heißt auch „wir schmeissen die Schwachen und die Unwilligen raus“ und sie setzt das Denken in Spielern als „Werte“ voraus. Das ganze kann schnell auch in einer Überwachung des Privatlebens führen, wenn man z.B. Geräte einsetzt um Erholung zu messen. „Ach Herr Spieler XY hat nur 5 Stunden geschlafen? Das ist aber nicht gut, dann setzen wir ihn mal auf die Bank.“ Klingt nur so lange super, so lange man Sportlern nicht auch ein Privatleben zuspricht. Und das sollte man.

Und sonst

Insgesamt ist das Buch trotz der abstrakten Thematik gut zu lesen. Das Englisch des Rezenten reichte dafür aus. Baseballkenntnisse sind jedoch von Vorteil. Es hat auch seine unterhaltsamen Momente, alleine schon, weil Ben Lindbergh einen Selbstversuch startet und sich in die Hände dieser Training-Gurus begibt.

Daten

„The MVP Machine“ ist im Basic Books Verlag erschienen, kostet Listenpreis 30 Dollar, ist natürlich nicht in Europa erschienen, hat die ISBN 978-1-5416-9894-9 und ist über einschlägige Onlinebuchhändler erhältlich

Aug 042019
 

Liebe Lesende, es läuft gerade nicht. Und unser altes Thema war nie weg. Verletzungen. Es gibt Verletzungen, da kann man nicht viel machen. So eine widerfuhr Jackson. Naja man kann da auch mal Foul pfeifen, denn ein Faktor war schon der robuste Einsatz von hinten in Richtung des Standbeins von Jackson. Und irgendwie haben wir “Ball berührt” bisher nicht so verstanden, dass man dem Gegenspieler das Standbein weg ziehen darf, um dann den Ball zu spielen und alles ist gut. 

Was folgte ist regelkonform, aber dran gewöhnen und das richtig finden muss man trotzdem nicht. Fürth spielte schnell weiter, nutzte genau die aufgegebene Position und schoss ein Tor. Kann man machen, man kann dann aber auch die englische Lösung nehmen und den Gegner ausgleichen lassen. Insbesondere wenn man sieht, dass der wirklich übel verletzt ist. Und warum niemand ernsthafte Verletzungen mehr ernst nimmt, zeigte Fürth dann im weiteren Spielverlauf auch mehrfach. Diese Wunderheilungen nach Pfiff durch den Schiedsrichter/ Ball nach außen spielen durch den Gegner sind etwas ganz besonderes. Und halt mehr als Scheiße, wenn niemand deswegen schwere Verletzungen auf den ersten Blick mehr ernst nimmt.

Natürlich kann man das alles “clever” und “abgewichst” finden. Nur dann findet man Cum-Ex Geschäfte wahrscheinlich auch ganz okay. Die Gesetzeslücke existierte halt. (Die ursprüngliche Strafbarkeit ist nämlich nicht so klar, wie Twitter sie gerne darstellt. Ohne euch nun mit Steuerrecht nerven zu wollen.)

Es nervt, dass wir keine Reaktion auf “clever” und “abgewichst” haben. Die meisten Zweitliga Mannschaften können dieses “Arme hoch und hinfallen” und die Schiedsrichter pfeifen nur das. Hast du nicht die Arme hoch und kullerst 5 mal über den Rasen bekommst du keinen Freistoß. So ist das. Leider. Es ist clever das zu wissen. Es wäre auch clever, Fürthern die unseren Rasen als Liegewiese benutzen mal ein zwei drei freundliche Worte zu sagen. Insbesondere weil das Stadion nach der Jackson Aktion on fire war. Das kann man gegen einen Gegner, der nun nicht gerade 29546 Menschen im Stadion gewöhnt ist auch mal ausnutzen. 

Nix gegen die Fürther Fans. Wir hatten das Thema letztes Jahr. Es sind halt ein paar hundert Menschen, die der Spielvereinigung folgen, das aber wahrscheinlich auch zu einem Spiel Mittwoch 12 Uhr in Klein Gladebrügge. Umgestaltete Werbeplakate vom Dritten Weg sind uns trotzdem deutlich lieber als Deutschlandfahnen. 

Awareness

Schön, dass es nun Plakate gibt, die von der Awareness-Gruppe gestaltet und aufgehängt wurden. Unschön, dass wieder von Vorfällen berichtet wurde, die zeigen wie wichtig die sind. Sexisten aufs Maul. 
Und ja, das Wort nutzt nicht jede*r in seinem täglichen Sprachgebrauch. Man kann dann natürlich über den modernen Sprech motzen und den Inhalt völlig ignorieren. Oder man kann sich mit dem Inhalt auseinandersetzen. Dass wir Menschen erster Gattung ziemlich blöd finden, könnt ihr euch denken.

Braune M & Ms

Kennt ihr diese van Halen braune M & Ms Story? Falls nicht, lest sie hier nach. 

Der FCSP ist eindeutig ein Veranstalter, der solche Sachen nicht liest. Da wird ein Tor per VAR DEUTLICHST vom Schiedsrichter zurückgenommen und eine Korrektur der Anzeigentafel erfolgt minutenlang nicht. Als sie erfolgte, stimmte die Anzeige dann leider schon wieder. 

Da kommt es zu einem Unfall in der Gegengerade und zufällig anwesende Menschen mit Erste Hilfe Erfahrung müssen Ordner*innen sagen, was sie zu tun haben. (Hier stand erst „in der Süd“ das war unser Fehler)

Das sind alles Dinge die man proben kann; alles Szenarien, die nicht von Himmel fallen – eher sogar in den erwartbaren Erlebnisrahmen bei einem Fußballspiel fallen.

Und es passt zu einem sportlichen Bereich, der jetzt Kondition als Thema entdeckt, aber vorher beinahe eine Woche später mit dem Training anfängt als die meisten anderen Zweitligisten. Und selbst wenn man davon ausgeht, dass alle Jungs im Urlaub gewissenhaft arbeiten, so ersetzt nichts die Intensität einer Vorbereitung. Gerade wenn man schnell und intensiv spielen will. Und wenn der Trainer u.a. die sportliche Verfassung einzelner bemängelt, dann darf man nicht vergessen, dass der Trainer durchaus über die Trainingsausgestaltung und -terminierung entscheidet.

Und da kommen wir zu den anderen Verletzungen. Den “muskulären Problemen”. Die sind kein Zufall. Die sind Folge falscher Belastung und Entlastung. Und in dieser Häufigkeit zum einen extrem schädlich und ein brauner M&M, der da nicht hätte sein sollen, wenn man alles gelesen hätte. Und bei aller (nichtvorhandenen) Liebe: Für den Trainingsbetrieb und die Belastungssteuerung ist der Trainer zuständig. Der vor genau einer Woche motzte, er habe nicht genug Spieler, die durchspielen können.

Nebenbei suchen wir die angekündigten Umbauten im Eingangsbereich der Süd immer noch, auf der Gegengeradenseite war da nichts und der Einlass ging schnell vonstatten. Im Gegensatz zum Aufgangsbereich Gegengerade. Einzelne berichteten von 30 Minuten Schlangestehen, was besonders toll ist, wenn man zwischen Dom und Einlassschlange auch gar nicht mehr durchkommt. Lieber Verein, mehr Ordner*innen sollten da helfen. Genauso wie es auch ratsam ist, drei Stunden vor Spielbeginn mehr als einen Kartenschalter aufzumachen. Erstaunlicherweise wollen Leute ihre Karten für den Spieltag kaufen oder aufwerten oder auch sowas wie Auswärtsdauerkarten besorgen.

Sportliches

Wie sehr uns der Abwehrchef fehlte, sah man im weiteren Spielverlauf. Auch wenn wir ziemlich glücklich über Hornschuhs Comeback sind. Ohne den sähen wir ganz alt aus. Die Frage, warum Carstens nicht mal im Kader steht, sei aber noch mal besonders laut gefragt. Da ist der Junge letzte Saison nach WhoScored-Werten fünftbester im Kader und steht nun zum zweiten Mal nicht in der Mannschaft, ohne dass uns ein gesundheitlicher Grund bekannt wäre (und steht nebenbei am Sonntag dann auch in der Startelf der U23). Und trotz verletzungsbedingt ausgedünnter Personaldecke auf seinen Positionen.
Unverständlich bleibt auch, dass wir körperlich nicht dagegenhalten. Das zog sich durch die letzte Saison und geht jetzt nahtlos so weiter. Da laufen die Fürther im Spielverlauf mal kollektiv 4.39 km mehr als unsere Spieler, da geht die Zweikampfquote mit 55% zu 45% für Fürth aus, und da werden wir 15mal gefoult, während die Fürther nur 9mal gefoult werden. (Quelle für alle Werte: Kicker). 
Das ist eine Mannschaft, die körperlich nicht mal gegen eine Mannschaft, die nun wirklich nicht im oberen Drittel der Tabelle erwartet wird, dagegenhalten kann. Wie soll das denn erst in den nächsten Ligaspielen gegen Stuttgart, Kiel, Dresden und den H$V aussehen? Zumal uns da jetzt auch noch Jackson fehlen wird, der zwar auch wenig foult, aber körperlich durchaus präsent ist.
Und da geben wir dann auch 17 Schüsse ab, von denen aber nur fünf aufs Tor gehen. Letzte Saison waren es nebenbei im Schnitt 12.1 Schüsse, von denen 4.5 aufs Tor gingen.
Und hatten wir in Bielefeld wirklich keine richtigen Ideen den Spielaufbau betreffend, die über “langer Ball von Himmelmann” hinausgingen (41 lange Abschläge von ihm – mehr als in jedem anderen Spiel letzte Saison, wo der Durchschnitt bei 22.2 lag, von denen 8.2 gut beim eigenen Spieler ankamen), so waren es gegen Fürth nur noch 23 Abschläge mit einer besseren Ankommquote von von insgesamt 12 Pässen. Auch wenn es in den letzten Minuten auch hier wieder vermehrt auf die Abschlagtaktik gesetzt wurde.
Zur ganzen Geschichte gehört auch, dass Knoll, Buballa, Himmelmann, Knoll und Möller-Daehli eine deutlich schlechtere individuelle Leistung zeigen als gegen Bielefeld, lediglich Diamantakos steigert sich, während Hornschuh quasi konstant bleibt.

(Quelle: www.whoscored.com)

Es ist aber auch nicht alles schlecht

Wir haben genug Chancen. Wir können hier locker 3-3 spielen. Es sieht teilweise echt nach Fußball aus. Das ist gut. 

Die ganzen Support Gruppen hatten eine fette Chaos Choreo vorbereitet. Und die sah einfach gut aus. Danke für eure Mühe und euer Gewusel. 

Es ist/ war Pride Week und der Regenbogen mächtig präsent auf Rängen und Platz. Inklusive Warm Up Shirt für die Mannschaft. Toll. 

Der Supportblock und USP haben in Kombi noch einen wirklich guten Abendausklang hinter dem Fanräume-Tresen hingelegt.

Jacksons Faust beim rausgetragen werden ist schon jetzt ein Bild, das sich zu dieser Saison einbrennen wird. Auch wenn wir auf den Anlass wirklich verzichten können. Gestern bestätigte sich die Vermutung, die wir schon nach dem Spiel hatten, was einen monatelangen Ausfall zur Folge haben wird. Gute Besserung, Jackson, YNWA!

Jul 302019
 

Das Ergebnis: Bielefeld – FCSP 1-1
Die Punkte: äh der Punkt (99/102 noch zu holen, Kurs 34 Punkte)
Der Liebling heute: Conteh
Die Emotion zum Spiel: 📺🤷🏼‍♂️

Bielefeld, auf einem Montag Abend. Wer da optimistisch anreist kann auf jeden Fall mal ein bisschen Negativität in seinem Leben gebrauchen.

Ein bisschen ballern

Dachte sich auf jeden Fall auch der Polizeibeamte, der uns bei der Parkplatzeinweisung schmunzelzwinkernd mit dem Satz verabschiedete, der nun die Überschrift dieses Beitrags bildete. Das ist wohl die Deeskalationsstrategie der Polizei in Bielefeld (“Die Beamten der Polizei Bielefeld sind neutral, gesprächsbereit und setzen grundsätzlich auf Deeskalation mit allen Fußballfans.“)
Kleine Anmerkung des Fahrers: So richtig sicher, ob er das wirklich schmunzelnd meinte bin ich mir auch nach einer Nacht Schlaf nicht. Aber immerhin verabschiedete er sich nach dem Spiel freundlich. 

Powerballade

Anreise ansonsten unspektakulär, es dauerte 40 Minuten bis der weltbeste Fahrer mit “Mach mal lauter“ angeschrien wurde. Pöbelplaylists sind einfache eine ganz eigene Sache und der Bus schon in „Mid Season Form“. Unproblematische Kontrolle für uns, dann rein in den Block. 60 Minuten bis Anpfiff, wir waren geteilter Meinung, ob wir uns nun auf die Saison freuen. Bis dann wieder die typische Bielefelder Stadionmusik gespielt wurde.

Jugend forscht

Bei der Startelf gab es dann doch einige Überraschungen, so kann man sich nun zumindest noch mal klarer denken, welche Spieler Luhukay in seiner “Wutrede” gemeint hat – auch wenn man dann sieht, wer eben auch nicht eingewechselt wurde. Trainingsleistung können und wollen wir nicht beurteilen, wir wüssten aber trotzdem zu gerne, was bei Carstens das Ding ist – letzte Saison immerhin unser siebtbester Spieler, frisch aus der Jugend kommend, in einer unstabilen Mannschaft, und auf dem Platz war Einsatzbereitschaft auch nie ein Thema. Nun ist er nicht mal mehr im Kader.

Dafür dann immerhin 2 andere Spieler aus der eigenen Jugend im Startelfkader, die – wir spoilern hier mal – das Spiel ganz schön retteten. Schön auch, dass Hornschuh zurück auf dem Platz ist. Dass da noch etwas Spielhärte fehlt ist klar, aber was er an Sicherheit und Spielübersicht auf der 6 ausstrahlt, kann noch viel wert werden.

45 Minuten gut ist gleich Punkteteilung

Auf dem Feld sahen wir dann 2 durchaus sehr verschiedene Halbzeiten, wurde in der ersten der Ball offensiv schön schnell weitergegeben, festgemacht und kam die Mannschaft einige Male gut vors Bielefelder Tor. Aus einem Konter macht Conteh dann nach Zuckerpass von Mats sein erstes Profitor (kann man davon sprechen, wenn der Schütze nicht mal einen Profivertrag hat?), in seinem ersten Spiel. Wir lasen in diesem Internet, dass er beim vorhergehenden Sprint 39 km/h (Ergänzung, 30.07.: Es waren 34.8 km/h – never believe what you read on the internet) hatte. In der zweiten HZ dann ein ganz anderes Bild, kann Bielefeld doch schon in der 48. Minuten ausgleichen und geht der Ball noch knapp an die Unterlatte. Irgendwann versuchen wir dann Beton anzurühren, aber es bleibt dann beim Versuch. Offensiv geht quasi nichts mehr und wir machen keinen Ball vorne mehr fest.

Wie auch diese Statistik (Quelle Kicker) anschaulich zeigt:

(Im Laufe der zweiten Halbzeit lagen wir in der Zweikampfquote noch vorn, auch die ist also in den letzten Spielminuten richtig nach unten abgesackt.)

Hornschuh muss irgendwann aus verständlichen Gründen raus und damit ging dann das letzte bisschen Ordnung verloren. Ärgerlich natürlich, dass der Ausgleich spät und durch einen Standard (1,27 % aller Ecken führen zu Toren) fällt.

Während des Spiels kamen wir dann auch in den Genuss des ersten VAR-Einsatzes im Stadion. Wenn auch mit gutem Ausgang für uns, ist das aus Stadionsicht gar nicht mal so geil. Das was man mit der Ursache machen kann, kann man sich aber trotzdem mal angucken

Was gefällt

Es gefällt, dass wir in der 1. Halbzeit es endlich mal schaffen unsere schnellen Leute zu schicken und die Verteidiger in ein schnelles 1 gegen 1 zwingen. Ja, das ist nicht die höchste Fußballkunst, aber wenn wir Waffen haben, dann ist es doch Geschwindigkeit (Wir sagen nur 39 km/h!).

Insgesamt sind die Einzelleistungen phasenweise schon echt ok (Avevor rasierte hinten in der ersten Halbzeit ganz schön was weg, Conteh mit der schon angesprochenen Geschwindigkeit und Zug zum Tor, Hornschuh mit viel Sicherheit und Übersicht, Mats der zentral einfach viel mehr zur Wirkung kommt und die Bälle nach einer Berührung schon weiterverteilt, Becker der keinen Ball verloren gibt), im Gesamtgefüge aber noch mit viel Platz nach oben. War das auf dem Platz nun die erhoffte Reaktion auf Luhukay’s Pressekonferenz vom Sonntag?

Einen Vorschlag hätten wir jedenfalls schon mal: So einen Profivertrag mit Conteh fänden wir nicht so schlecht.

Was ist das nun wert?

Wenn man unserem Trainer glaubt und Bielefeld „best of the rest“ ist und wir irgendwie eine Mittelfeldmannschaft, dann ist das viel wert. Aber ob das so ist, zeigt sich in der überraschenden zweiten Liga der Welt häufig genug erst an Spieltag 25. Wenn man diesen Punkt nun „vergoldet“ und mit den berühmten 2 Punkten pro Spiel in die Pokalpause geht, dann kann einem erstmal zwei Wochen die Sonne ein bisschen aus dem Arsch scheinen.

Insbesondere weil man in Stuttgart definitiv Außenseiter ist und da mit einer „ihr müsst doch“ Haltung ziemlich gut fahren kann.

Wir wollen keine Darsteller*innen in Euren Homevideos sein

Support vor Ort war ok, aber auch das haben wir schon lauter erlebt. Die letzten Wochen haben auch in der Fanszene nicht nur Lust auf die neue Saison gemacht. Und auch wenn wir alle aus der Wohlfühlzone rauskommen sollen, gilt auch in 2019 erst recht: Weniger filmen, mehr supporten. Wir wollen einfach nicht in euren Homevideos auftauchen.

Wir fuhren ja nun nicht zum ersten Mal auswärts und haben uns entsprechend schnell auf den Weg nach Hamburg gemacht, so dass wir die Landesgrenze pünktlich um 1:00 Uhr wieder überquert haben. Auf der Fahrt versuchten wir uns auch noch an einer inhaltlichen Diskussion von Se­ñorita (Die KayOne-Version, selbstverständlich). Tipp für Euer Seelenleben: Lasst es.

Unser Tag wird kommen.

Auch in Bielefeld war Tim vom Millernton, trotz widriger Anreise.

Jul 182019
 

Strahlende Sonne ist unser Begleiter, hell unser Himmel, blau unser Meer.
Ihr habt gekämpft und die Macht uns erobert, wir aber geben sie nie wieder her.

Refrain: Partei, deine jungen Genossen, tragen die rote Fahne voran. Du kannst dich auf sie verlassen, da kommt der Steuermann.

(Aus „Partei, deine jungen Genossen“ gefunden auf lieder-aus-der-ddr.de – unverschämterweise nicht gegendert!)

Lieben lesende Menschen,

in den letzten Tagen erschien das Sondermagazin „Das Herz von St. Pauli“ im Hinz & Kunzt Verlag und ist an den für Hinz & Kunzt üblichen Orten erhältlich. Ihr werdet das natürlich kaufen, weil Hinz & Kunzt eine gute Sache ist.

Unter anderem findet sich in diesem Sonderheft auch ein Interview mit unserem scheidenden kaufmännischen Geschäftsführer Andreas Rettig und unserem Präsidenten Oke Göttlich. Es geht um die bereits auf der letzten JHV (in einem Satz) angekündigte Genossenschaft.

Es bleiben viele Fragen und Anmerkungen. Wir wollten erst einen Hot Take schreiben und vielleicht sollten wir das immer noch tun. Aber das ganze ist einfach zu komplex und ja, wir versuchen uns kurz zu halten, aber nein es wird uns nicht gelingen.

TLDR

Eine endgültige Bewertung des Projektes verbietet sich. Die Kommunikation ist zumindest fragwürdig gelaufen.

Es gibt schon im jetzigen Projektbekanntheitsstatus Dinge, die einem Bauchweh machen müssen und es wird spannend sein, ob und wie die Gestalter (bewusst nicht gegendert, bisher liest es sich so, als würde dies tatsächlich primär von Männern vorangetrieben) dieses Projektes auf diese Bauchweh eingehen werden.

Vorab / Die Art und Weise

Es ist bei Oke üblich, dass er irgendwas in einer JHV Rede knapp und nebenbei ankündigt, das dann meistens folgende Schweigen, weil niemand so genau zuhört, als breite Zustimmung interpretiert und die meisten Menschen dann von der Umsetzung überrascht werden. Das ist natürlich bei euch Lesenden nicht so, denn wir hatten schon im JHV Artikel deutlich auf die Genossenschaft hingewiesen.

Für weitere Informationen wählt man nun das „Exklusivinterview“ bei Hinz & Kunzt. Dies ist so ein bisschen zweischneidig. Gut, weil man so natürlich Aufmerksamkeit auf dieses Heft lenkt und jede Hamburger Zeitung gezwungen ist, für dieses Heft Werbung zu machen. Schlecht, weil man nicht immer die JHV als höchstes Gut verkaufen kann und die Mitglieder als „der Verein“ umschmeicheln kann, wenn sie nicht die Ersten sind, die solche – detaillierteren als das was zu hören war – Informationen erhalten. Wenn man schon so einen Weg geht, wäre die gleichzeitige Ankündigung einer umfassenden Informations- und Sachstandsveranstaltung für Mitglieder schon sehr wünschenswert. Immerhin sollen die hier ihren Anteil an der MSB verkaufen.

Wir kommen darauf später noch etwas anders denkend zurück.

Das dann natürlich 11Freunde (ausgerechnet!) das ganze zu einem sehr umfangreichen Vorabartikel verwurstet, ist dann noch ärgerlicher. Während die Mitglieder einen Satz von der JHV kennen. 50+1 ist halt vor allem dann cool, wenn man mit dem Finger auf andere zeigen kann.

Die jetzige Konstruktion

Unser Stadion gehört der sogenannten Millerntorstadion Betriebs-GmbH & Co. KG im Volksmund auch MSB genannt. Dies ist eine Tochtergesellschaft des FC St. Pauli e.V., sie hat aber auch andere Gesellschafter, das letzte Mal wurde ihre Struktur 2011 öffentlich, im damaligen Prospekt der Anleihe. Wir zitieren:

„Kommanditisten der Emittentin [gemeint ist die MSB] sind der Verein mit einer Kommanditeinlage von EUR 9.800, Michael Meeske mit einer Kommanditeinlage in Höhe von EUR 100 und Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke mit einer Kommanditeinlage in Höhe von EUR 100. Ferner ist zu erwarten, dass sich im Zusammenhang mit dem weiteren Aus- und Umbau des Millerntor-Stadions der Fanräume e.V. […] beteiligen wird.“
Wir gehen mal davon aus, dass Meeske nicht mehr Gesellschafter ist. Prof Dr. Schulke hat netterweise eine Wikipedia Page (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_Schulke) ist aber sonst im Verein wahrscheinlich eher unbekannt. Uns ist zumindest nicht bekannt, dass Prof Dr. Schulke nicht mehr Gesellschafter ist.

Fanräume ist verwirklicht und wird nun auch Gesellschafter sein, aber verkündet wurde dies – nach unserem Wissensstand – nie.

Die Anteile werden im Prospekt mit 1 %, 1 % und 98 % angegeben. Wir nehmen nun mal an, dass Fanräume e.V. auch 1 % übernommen hat, so dass zur Zeit dem e.V. 97 %, den drei Fremdgesellschaftern jeweils 1 % gehört. Dafür spricht auch eine weitere Zahl, werdet ihr gleich sehen. 

Man muss dazu auch wissen, dass in der MSB vereinbart ist, dass Beschlüsse nur einstimmig erfolgen können. Und zwar auch (und wir zitieren noch mal das Anleiheprospekt von 2011) „insbesondere auch auf sämtliche Geschäfte des täglichen Lebens“.

Dies gilt natürlich auch für Änderungen des Gesellschaftsvertrages und die Neuaufnahme von neuen Mitgliedern in diese MSB.

Ihr werdet euch nun fragen „wer ist denn so bescheuert und nimmt da Minderheitengesellschafter auf, die alles blockieren können?“ Und wir antworten euch: „Das deutsche Steuerrecht ist Schuld“. Was hier verhindert werden soll, ist eine sogenannte Betriebsaufspaltung. Details ersparen wir euch lieber. Könnt ihr googeln. Wir müssen gleich noch mal ein bisschen tiefer gehen, aber wir versuchen das so kurz wie möglich zu machen. 

Wir gehen davon aus, dass niemand vor hat, diese Konstruktion zu beenden. Das muss immer weiter mit gedacht werden.

Die nun bekannt gewordenen Fakten

Man möchte „große Anteile der vereinseigenen MSB“ an die Fans verkaufen, schreibt 11Freunde. ”Es läge ein Wertgutachten für die MSB vor und man wolle bis zu 46 Prozent Anteile der MSB in eine Genossenschaft geben“ steht im Interview. 

Man würde zur Zeit noch „steuerliche Vor- und Nachteile“ prüfen und die „exakte Form der Beteiligung werde noch diskutiert“.

Gesellschafter neu?

Es entsteht dann eine sehr spannende Gesellschafterstruktur. Die wir hier mal versucht haben grafisch darzustellen:

Wer sich also gewundert hat, wie man auf nun auf gerade 46 % kommt, der findet hier seine Antwort. Beim Verein verbleiben dann 51 %, was natürlich nur dann wirklich interessant wird, wenn nicht mehr Einstimmigkeit vereinbart ist.

Weiterhin Einstimmigkeit? / Steuerlich prüfen?

Ein bisschen müssen wir jetzt noch auf das Steuerrecht eingehen, denn es ist hier nicht ganz unwichtig. Die MSB wird damals sogenannte Vorsteuern gezogen haben. Das macht eine Investition billiger und ist einer der Gründe  warum man eben nicht zu 100 % dem Verein gehört. Würde man nun die Gesellschafterstruktur ändern, dass eine sogenannte Betriebsaufspaltung vorliegen würde, dann könnten diese Vorsteuern noch korrigiert werden. § 15a Umsatzsteuergesetz sieht da eine Frist von 10 Jahren vor.

Da die Gegengerade ca. 2013 fertig geworden ist, sind wir zumindest mit großen Teilen der damaligen Investition noch sicher innerhalb der Frist, so dass die Einstimmigkeit wohl beibehalten werden muss.

D.h. auch, dass die MSB als Konstrukt erhalten bleiben muss, was die oben abgebildete Grafik so schön unübersichtlich macht.

Was gibt es steuerlich noch zu bedenken? Der Verkauf von Anteilen an Gesellschaften, die ein Grundstück halten kann grunderwerbsteuerpflichtig sein. Hier wahrscheinlich nicht, aber auch dies gilt es sicher zu stellen.

Und noch viel wichtiger ist, dass man nicht sogenannte „stille Reserven“ steuerlich offen legen muss. Auch dies kann durch einen Verkauf von Anteilen an einer Personengesellschaft ausgelöst werden. Ist auch hier unwahrscheinlich, aber man sollte „niemals nie“ sagen.

Wir gehen daher davon aus, dass unter der Formulierung „prüfen wir gerade“ das Engagement einer spezialisierten Kanzlei gemeint ist, die von der Möglichkeit einer sogenannten verbindlichen Auskunft beim zuständigen Finanzamt Gebrauch gemacht hat. Damit kann man ein Finanzamt verbindlich danach fragen, welche steuerlichen Auswirkungen eine geplante Konstruktion hat.

Sollte gegen unsere Annahme jemals raus kommen, dass man eine solche verbindliche Auskunft nicht eingeholt hat, dann müsst ihr uns jetzt schon versprechen, dass wir alle Verantwortlichen teeren und federn und im Volkspark aussetzen. Das wäre ein absoluter Kardinalfehler. 

Wichtig ist hier folgendes: Solche steuerlichen Konstruktionen sind was schönes, sie sind aber gegenüber Änderungen sehr sensibel und können ganz schnell platzen. Und das wird teuer. 

Genossenschaft was heißt das eigentlich?

Erstmal ist die Genossenschaft eine juristische Person, vergleichbar mit einer GmbH und einer AG. Geregelt ist sie im Genossenschaftsgesetz. Sie kann Gewinne an ihre Mitglieder ausschütten, sie kann das aber auch per Satzung ausschließen.

Was sie so attraktiv macht ist, dass jedes Mitglied grundsätzlich nur eine Stimme in Versammlungen hat und dies nicht nach Höhe der Beteiligungen gewichtet wird. Ausnahmen sind zwar gesetzlich möglich, aber hier ja wahrscheinlich nicht gewollt.

Kurz: Ein einzelner Genosse kann nie wirklich Einfluß aufbauen. Egal wie viel oder wenig Geld er/sie investiert. 50+1 möchte grüßen.

Was sie unattraktiv macht ist, dass die Genossenschaft relativ kompliziert geregelt ist im Gesetz. Wir machen jetzt mal einen vereinfachenden Vergleich: Das „Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung“ (bekannter auch als GmbH-Gesetz) schafft es bis § 88. Das „Gesetz betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ (Genossenschaftsgesetz) schafft es immerhin bis § 171.

Man muss sich an einer Genossenschaft mit einer Zahlung beteiligen. Man kann diese Mitgliedschaft kündigen und bekommt dann sein Geld wieder, wobei da lange Kündigungsfristen vorgesehen werden können.
Genossenschaften müssen nach § 1 des Genossenschaftsgesetzes einen bestimmten Zweck haben. Wir zitieren:
„Gesellschaften von nicht geschlossener Mitgliederzahl, deren Zweck darauf gerichtet ist, den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern (Genossenschaften), erwerben die Rechte einer „eingetragenen Genossenschaft“ nach Maßgabe dieses Gesetzes.“

Beteiligungen können sie dann erwerben, wenn die der Förderung dienen oder gemeinnützigen Bestrebungen der Genossenschaft dienen.

Wo ist unsere Bauchweh? 

Rechtsform

Fangen wir gleich mal mit dem zitierten Paragraphen an. Eine Genossenschaft ist nicht dafür gedacht die Anteile an einer gewerblich vermietenden KG zu halten. Es wird spannend sein zu sehen, wie man diesen Widerspruch auflöst und was am Ende der Zweck der Genossenschaft sein wird. Hier wird es allemal einer Konstruktion bedürfen. Man kann sich fragen, ob nicht damals, als man das Stadion erdacht und gebaut hat eine direkte Genossenschaft anstatt der nun nicht auflösbaren MSB besser gewesen wäre. Aber das waren damals andere Zeiten und der FCSP in anderen Nöten. 

Kündigungsmöglichkeit

Genoss*innen dürfen kündigen. Sie bekommen ihren Anteil dann wieder. Die Gefahr in einer Genossenschaft ist immer die Massenkündigung. Dann muss man das Geld liquide haben. Das ist häufig kein Problem, weil man entweder sehr geringe Anteile hat (siehe Volksbanken) oder man eine Wohnungsbaugenossenschaft hat, wo das sehr eingeschränkt werden kann.

Man stelle sich nur mal vor, der FCSP steigt ab und eine Masse Mensch verliert ihr Interesse, dann muss ich – ggf. mit Verzögerung durch Kündigungsfrist – darauf reagieren können.

Zusammensetzung der Genoss*innen

Machen wir uns nichts vor. Hier wird Geld gesammelt. Unter einem schöneren Bild, als wenn man eine Publikums-KG gegründet hätte. Das wird offen gesagt und ist ja auch Sinn des Ganzen. D.h. so ein Anteil wird nicht zu einem Euro feilgeboten. Wir vermuten mal, dass wir hier schon von einem mindestens 3 stelligen Eurobetrag ausgehen müssen. Die Anleihe sah damals Minimum 100 Euro vor. Machen wir uns nichts vor: Es gibt genügend Menschen, die können sich das neben Dauerkarte und Vereinsmitgliedschaft schlichtweg nicht leisten. Es gibt da eine ausschließende Hürde. Die Sozialisation von Produktionsmitteln haben wir uns immer anders vorgestellt. (es grüßt: Das kommunistische Propagandamedium der Herzen!)

Ausdrücklich wird ja auch davon gesprochen an „Fans“ verkaufen zu wollen. Fans sind ungleich Mitglieder. Und noch viel wichtiger: Fans sind ungleich aktive Fanszene (im Sinne von Ultras, Fanclubssprecherrat, ständigem Fanausschuss etc. pp) Es gibt Schnittmengen, aber die sind eben bei weitem nicht 100 %. 

Denken wir doch mal in einer bösen Unterstellung: Wird deswegen hier auch eine direkte Kommunikation mit den Mitgliedern (und soweit uns bekannt den aktiven Fans im oben genannten Sinne) vermieden? Will man vielleicht gerade die Schnittmenge möglichst klein halten? Das würde nämlich den nächsten Punkt noch interessanter machen: 

Machtzentrum neben dem Machtzentrum

Hier wird ein Machtzentrum neben dem Machtzentrum entstehen. Die Genossenschaft kann im FCSP sehr viel blockieren, wie oben beschrieben. Ihre Versammlung wird für viele Fragen entscheidend sein, ihr Vorstand wird entscheidend sein. Der Einfluss der JHV des e.V. auf die handelnden Personen in der Genossenschaft ist null. Ganz einfach. Das mag erstmal alles nur theoretisch erscheinen, aber wir haben es dann mit zwei unterschiedlichen Mitgliedsgruppen zu tun, die auch unterschiedlicher Meinung sein können. Insbesondere wenn ich aus der einen Gruppe den Studenten/ die Studentin, der/ die all sein Geld für Auswärtsfahrten ausgibt schon mal ausschließt. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn ich aus den oben genannten 100 Euro 500 Euro oder 1000 Euro mache.

Ein Antrag auf der Mitgliederversammlung des e.V. doch mit dem Stadion irgendwas zu machen ist schlichtweg wirkungslos. Und solche Sachen sind bisher häufig genug gegen den Willen des Vereinsvorstandes eingebracht und beschlossen worden. Nun müsste ein solcher Antrag entweder auch vom Vorstand der Genossenschaft getragen werden und/oder auf deren Mitgliederversammlung eine Mehrheit finden. Das erhöht Hürden massiv. Und wir sind uns alle einig, dass das Millerntor einen durchaus relevanten Platz im FCSP-Kosmos hat. Solifaust nach Bremen, Weserstadion für immer!

Das mag alles theoretisch klingen, aber „das wird doch nie ein Problem sein“ ist keine sinnvolle Herangehensweise. Man darf nie vergessen, dass Donald auch nie Präsident werden sollte.

Komplizierter Konzern

Der Konzern FCSP ist schon komplex genug, so wird er noch komplexer. Das kostet jede Menge Geld und Nerven. Jede Gesellschaft brauch z.B. eine Bilanz und einen steuerlichen Abschluss. Das kostet Geld.

Rettig

So ein bisschen komisch ist das schon, dass in der Außenkommunikation der scheidende Geschäftsführer so eine große Rolle spielt. Wirklich überzeugend wirkt das dann nicht. Wer übernimmt das jetzt? Der/ die bisher nicht benannte kaufmännische Leiter*in?

Kommunikation

Wir erwähnten es schon: Die Kommunikation läuft höchstspannend. Als Mitglied (das wir mal alle sind) hört man einen Satz auf der JHV, schreibt mit (den Senior) oder schaltet zwar schnell, aber eben auch nicht schnell genug (andere Mitglieder des Kollektivs) um Oke kritische Fragen zu stellen. Zumal das Thema komplett ohne Vorwarnung in einem einzigen Satz erwähnt wurde. 

Und hört dann lange Zeit gar nichts dazu. Auch wenn sonst nicht die Kommunikation gescheut wird. Zum Beispiel wenn es darum geht, der aktiven Fanszene Kartenkontigente einzuschränken (Derby olé – wir vergessen nicht so schnell…).
Und liest dann eine inhaltslose Vorankündigung in der 11Freunde (ausgerechnet). Muss sich Details zusammenreinmen. Ist sogar am gleichen Abend ins Stadion eingeladen (wo unserem Wissensstand nach das neue Trikot gezeigt wurde und man in die Kabine durfte, das Thema des Tages aber nicht erwähnt wurde (hörensagen – wir waren leider alle verhindert)). 
Und soll sich jetzt das Sonderheft kaufen, um mal wirklich Infos aus erster Hand (in Form eines Interviews) abzufangen. Nichts gegen Hinz & Kuntz. Absolut gar nichts. Ihr seid spitze, macht immer so weiter. Aber unserem Verständnis von Vereinsdemokratie entspricht es nicht, dass wir uns ein externes Presseerzeugnis kaufen müssen, um uns über vereinspolitische Themen umfassend zu informieren, weil es sonst keine Informationsmöglichkeiten dazu gibt. Wobei der Druck des Heftes durch die AFM finanziert wurde. Für Mitgliederinfo auf erwartbaren Wegen war dann wahrscheinlich kein Geld mehr übrig.

Man könnte auch – etwas zynisch vielleicht – sagen: 50+1 ist halt bequem so lange man mit dem Finger nach Hannover zeigen kann. Wenn es dann Entscheidungsprozesse im eigenen Verein betrifft, dann muss man das alles ja nun wirklich nicht so eng sehen.
Und bevor wir als ewige Nörgler*innen abgegolten werden:
Umfassendere Infos auf der JHV geben, im Prozess (überhaupt) informieren, das & was gerade passiert. H&K Sonderheft voll ok. Aber parallel (minimal vorgelagert) Mitglieder informieren. Dialogforen schaffen. Nicht nur mit Expert*innen sprechen, sondern auch mit den eigenen Leuten. Viele eigene Leute sind selbst Expert*innen. Siehe Nachhaltigkeits-AG.  50+1 nicht nur als geflügeltes Wort raushauen. Sondern wirklich leben.

Jul 162019
 

Hopping der harmlosesten Sorte

Liebe Lesenden,

vor knapp 1000 Jahren schrieb Adam von Bremen seine Hamburgische Kirchengeschichte. Da zum damaligen Erzbistum Hamburg Landschaften wie Holstein und Dänemark sowie nominell auch Island, Grönland und sogar Nordamerika (in Form von Vinland) gehörten, sah er sich genötigt, ein bisschen was über die Völker des Nordens zu schreiben. Auch über die Norweger*nnen verlor Adam manche Worte. Im Großen und Ganzen kam der Kirchenmann zu dem Urteil, dass die Nordländer*innen zwar überwiegend Barbaren seien, die das Christentum noch nicht ausreichend angenommen hätten, doch allzu großes kategorisches Fremdeln lässt sich aus Adams Urteil nicht herauslesen. Schließlich gehören ja alle irgendwie zusammen.

Wozu jetzt dieser kleine, stark vereinfachte mediävistische Exkurs? Nun, ein Teil von uns war kürzlich auf Norwegenreise. Und da wir ein Fußballblog sind, wollen wir euch an einem Erlebnis teilhaben lassen.

Heia Brann

Ausgangspunkt unserer Unternehmung ist Bergen. Da wir einige Tage in der Regenhaupstadt zubringen werden, machen wir uns im Vorfelde schlau, ob es nicht für Fußballjunkies auf Sommerpausenentzug was zu gucken gibt. Und es gibt, schließlich geht in Norwegen die Saison von März/April bis November. Der lokale Verein SK Brann hat an dem Freitag unseres Aufenthaltes ein Heimspiel gegen Mjøndalen IF zu bestreiten. Da kann man doch mal gucken, was das kostet – und tatsächlich schlägt ein Sitzplatz mit gerade einmal rund 30 Euro zu Buche. Angesichts der sprichwörtlich astronomischen Preise in Norwegen ist das doch ein Schnapper. Das machen wir.

MagischerFC-Brann-Stadion-aussen
Das Stadion am Kniksens Plats

Und so geht es Freitagabend in Richtung Brann Stadion. Die Kiste am Kniksens Plats fasst nicht mal 18.000 Personen, ist damit aber schon die drittgrößte Arena in Norwegen. Ja, das Land ist groß, aber Norweger*innen gibt es nicht gerade viele. Auch wenn Fußball einen hohen Stellenwert im Lande genießt, sind alle Dimensionen entsprechend überschaubar.

Braunweiß 1910

Mit der kürzlich erst erbauten Straßenbahn erreichen wir eine gute Stunde vor Anpfiff das Stadion. Offenbar ist das noch reichlich früh. Durch den Idrettsveien (“Sportweg”) latschen wir gemächlich zu unserem Ziel und bemerken dabei, dass der heutige Gegner Mjøndalen Braunweiß trägt und dick das Gründungsjahr 1910 präsentiert. Wäre der Auswärtsblock da doch die bessere Idee gewesen? Nunja, um ausgeprägte Sympathien in die eine oder andere Richtung muss es heute ja nicht gehen. Fantrennung gibt’s jedenfalls keine und beim Schlendern rund um das Brann Stadion sehen wir sage und schreibe ein einziges Polizeiauto. Nebenan ist noch großes Fanfest mit Hüpfburg und allem Pipapo. Familie wird offenbar groß geschrieben beim norwegischen Fußball. Das anscheinend vollkommene Fehlen von rivalisierendem Gekribbel ist irritierend, aber manchmal, denken wir Hippies, könnte Fußball doch wirklich so harmlos sein.

MagischerFC-SKB-Pullover
Für kleine Szenekundige?

Im Fanshop freuen wir uns noch über die Art und Weise, wie der Sportsklubben Brann sich abkürzt. Da kann man sich durchaus Menschen mit auffälliger Barttracht vorstellen, die so was tragen.

Seksjon Fjordkraft

Also auf zur Seksjon Fjordkraft. Was stellt man sich unter diesem Namen vor? Eine martialische Wikinger-Ultrà-Gruppe? Fast. Es ist lediglich die Gegentribüne des Brann Stadions, benannt nach einem Stromanbieter. Der Name der Arena ist beim Verein geblieben, dafür hat jede Tribüne einen eigenen Großsponsor. Wir sind jedenfalls ganz zufrieden mit Sitzplätzen, denn erstens wären Stehplätze kaum billiger gewesen und zweitens lässt sich das Geschehen wesentlich neutraler beobachten. Mehrere Paraglider über dem Stadion, die von den Bergener Hausbergen gestartet sein dürfen, haben einen gewissen Unterhaltungswert.

MagischerFC-Brann-Stadion-innen
Viel voller wird’s nicht. Der von oben hilft auch nicht nach.

Ernüchternd: kein Bier. Nicht mal für 20 Euro. Das puritanische Norwegen hat bekanntlich eine ziemlich restriktive Alkoholpolitik, die sogar den Verkauf von Höherprozentigem (mehr als 5 %) in Supermärkten untersagt und selbst Bier ist dort ab 18 Uhr unter Verschluss. In Kneipen kostet das flüssige Gold gern mal umgerechnet 8-9 Euro. Und so berauschen sich die Bergenser*innen mit Kaffee und Cola, Popcorn oder Speckchips. Damit auch niemand zu viel Spaß hat, ist das Stadion außerdem komplett rauchfrei. Wir legen einem Antragsteller von der letzten JHV hiermit die Auswanderung nahe. Genug Platz im Stadion ist auf jeden Fall auch, es werden keine 10.000 Gäste im Stadion gezählt. Ob es an der Ferienzeit liegt? Man weiß es nicht.

Fotball!

Das Vorgeplänkel mit einer Musikauswahl, die vermutlich selbst für den Pöbelbus zu gummibärig wäre, wird unterbrochen von der einen oder anderen Vereinshymne (in einem Gitarrenstück wird sehr wohl Hansa Øl besungen), wo niemand mitsingt. Dann aber hauen die Bergenser*innen alles raus bei “Nystemten”, der Stadthymne. Gänsehaut. Nicht. Stellt euch mal vor, hierzulande würde “Stadt Hamburg an der Elbe Auen” geschmettert. Ähnliches Level.

Nun geht das Spiel auch mal los. Und das ist auf einem überschaubaren Niveau. Brann spielt derzeit durchaus oben mit, steht zum Zeitpunkt des Spiels auf Platz 3 und hat mit dem drittletzten Mjøndalen einen schlagbaren Gegner zu Gast. Die ersten Minuten gehören allerdings den Herren aus dem Südosten des Landes. Doch das ändert sich bald. Über weite Strecken gibt es massiven Einbahnstraßenfußball zu sehen und am Ende ist der Ballbesitz mit 69 zu 31 % für die Heimmannschaft verteilt. Doch Zählbares kommt trotz einiger sehenswerter Chancen nicht dabei raus, es bleibt beim 0:0 nach 90 Minuten. Die Tore des Spieltages werden wohl alle bei den parallel stattfindenden Spielen verbraucht, wo es ein 6:0 und ein 4:2 gibt.

Lagets tolvte mann?

Ein Blick rüber zum “Brann Bataljonen”, dem offiziellen Supporterclub von SKB, der sich kreativ als “zwölfter Mann der Mannschaft” bezeichnet: Auf den Stehplätzen, wo grob geschätzt knapp 200 Leute versammelt sind, entwickelt sich kurz nach Anpfiff doch ein beachtlicher Support. Ganz ohne Trommel oder Megafon und natürlich völlig unberauscht machen die Rotweißen Alarm und singen mehr oder weniger nonstop. Das ganze Stadion kriegen sie dabei nur selten mitgerissen, lediglich zwei Mal fühlen wir uns zum Aufstehen genötigt und klatschen hier und da höflich mit. Von den wenigen mitgereisten Mjøndalern hören wir zaghafte Gesänge – wie viele tatsächlich vor Ort sind, lässt sich von unserer Sitzposition schwer ausmachen. Auf den paar Auswärts-Stehplätzen sind allenfalls zwei, drei Dutzend Menschen, aber die Sitzplätze werden sich noch mehr Braunweiße befinden.

MagischerFC SK Brann Mjoendalen IL
Unterhaltsames, aber torloses Spiel

Als nach fünf Minuten Nachspielzeit trotz verzweifelter Bemühungen von Brann die letzte Pfeife der torlosen Partie erklingt, erschüttern uns gleich zwei Dinge. Erstens ein Pfeifkonzert der Heimfans, das offensichtlich der eigenen Mannschaft gilt. Bitte was? Not our kind of support, nicht mal nach einer herben Niederlage. Aber bei einem torlosen Unentschieden, das immerhin Unterhaltungswert bot? So erfolgsverwöhnt ist der SK Brann eigentlich nicht, dass wir das nachvollziehen könnten. Zweitens leert sich das Stadion schneller, als wir “Våre hjerter står i Brann” sagen können. Vielleicht ist es ja der ungestillte Bierdurst, der die Menschen von den Tribünen zieht. Die Ankündigung des Stadionssprechers des nächsten Spiels, die Europa-League-Qualifikation gegen die Shamrock Rovers, lässt uns ein wenig wehmütig von internationalem Fußball träumen, auf den wir mit dem FCSP trotz nicht unbedingt geringeren Niveaus noch ein Weilchen warten müssen.

Da wir selbst Trottel sind, die das mit dem “kein (Voll-)Bier im Supermarkt nach 18 Uhr” noch nicht genug verinnerlicht haben, lassen wir den Abend mit Lettøl ausklingen. Als zwingend würden wir den Besuch beim SK Brann vielleicht nicht bezeichnen. Aber spannende Einblicke in den norwegischen Kosmos gab es dennoch.

Jul 042019
 

Wir haben gerade erfahren, dass unser Lieblingsgetränkelieferant verstorben ist. So sitzen wir nun auf dem Trockenen ohne dich, Hans-Werner.

Hans-Werner war eine Seele von Mensch. Es gibt wohl keine Institution in der FCSP Fanszene, die nicht von ihm Getränke bezogen hat.

Auch unsere 10 Jahres-Feier letztes Jahr hat er natürlich beliefert.

Mit wenigen Worten verstand man sich, auch abseitige Wünsche wurden irgendwie ermöglicht. Zwar immer mit ein bisschen Chaos, aber auch mit viel Herzblut für die Sache. Aber das war nur die geschäftliche Seite, viel wichtiger war der Mensch.

Tief verwurzelt in der linken Szene und früher Förderer von alternativen Getränkeherstellern. Fragt mal die Menschen von Premiumcola. Dazu hochsympathisch und eigentlich nie schlecht gelaunt. Und nie in Hektik. Selbst wenn der Zug in 5 Minuten fahren sollte und wir alle schon am durchdrehen waren. Ja diese tiefe Geduld konnte einen wahnsinnig machen. Aber das war eben Hans-Werner und so musste man ihn lieben.

Das und du wirst uns fehlen. Wo auch immer du bist, wir trinken eine Flora Mate auf dich.

Jul 012019
 

… möglichst viel Reichweite geben. Alle hin da!

Wichtiger Nachtrag von den Seglern: +++ WICHTIG: ORTSWECHSEL +++

Aufgrund der medialen Reaktionen ist nicht damit zu rechnen, dass wir morgen im kleinen Kreis bleiben werden 😉

–> Wir treffen uns daher auf der SCHWANENWIKWIESE und segeln rund um die Tonne 1 <–

Bitte weitersagen und teilen! Danke! #fcsp

Jun 222019
 

Liebe Lesenden,

wenn sich zwei Menschen ganz doll lieb haben … äh … wenn eine Biene und eine Blume …

Wartet bitte, wir kommen noch mal rein. Und ja, wir sind wohl etwas aus der Übung.

Also.

Es gibt da diese beiden Menschen, denen wir uns sehr verbunden fühlen. Sie sind jetzt schon ziemlich lange ein Paar und haben sich zu unser aller Begeisterung entschieden, demnächst die Steuerklasse zu wechseln. Einander das Ja-Wort zu geben. Sich zu vermählen. Wie auch immer wir dieses Ereignis nennen wollen, das sind ja ohnehin alles nur bürgerliche Kategorien.

Jedenfalls möchten wir, die derzeit nicht heiratenden Teile dieses Blogkollektivs, unsere wundervolle Plattform für eine bescheidenen Glückwunsch nutzen. Auch wenn zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung die Trauung noch nicht vollzogen worden sein wird (ist das jetzt Futur Drölf?), sondern vielmehr holterdiepolterbisnachobervolta ein anderer schöner Brauch zelebriert wird.

Wird bei einem Polterabend eigentlich Poltergeist serviert?

Nun verhält es sich bei so intimen Feiern ja ähnlich wie mit einer Sonderzugfahrt: Was auf dem Polterabend passiert, bleibt auf dem Polterabend. In weiser Voraussicht haben wir also diesen kleinen Text vorgeschrieben.

Und sie fahren

Und sie fahr’n nach Hannover
Und sie fahr’n zum VfB
Und sie fahren nach Wiesbaden
Und sie fahr’n zum KSC

Und sie fahren nach Sandhausen
Und sie fahr’n zu Holstein Kiel
Und sie fahren auch nach Darmstadt
Ja, sie fahren ziemlich viel

Seien sie im Erzgebirge
Oder fern im Ruhrgebiet
Ihnen ist kein Weg zu weit
daher singen wir dieses Lied

Seht ihr sie auf fremden Plätzen
Und habt ihr sie gleich erkannt
Drückt ihnen, ein, zwei Kaltgetränke
in jede schöne Hand

Und sie fahren zur Arminia
Ins obskure Bielefeld
Und sie fahren auch nach Heidenheim
Haben die denn zu viel Geld?

Sie zeigen so viel Liebe
für den magischen FC
Einst mit Fußball anzufangen
war ’ne schlimmschöne Idee

Dadadaa

Und sie fahren zu Dynamo
Und sie fahr’n nach Osnabrück
Und sie fahren zu den Rauten
Und die Bären bringen Glück

Mal ist sie auf den Lofoten
Mal ist er bei Rock im Park
Gäben wir den Beiden Noten
Gäb’s zweimal „bärenstark“

Einst fahren sie nach London
Lissabon, Paris, Madrid
Mit Sankt Pauli in die Champions League
Und wir fahren alle mit

Und dann fahren sie nach Hause
nach Haus ans Millerntor
Da stehen wir zusammen
und schreien ihnen laut ins Ohr

Und sie fahr’n auch nach Chicago
Und sie fahren zu den Cubs
Alles Gute dieser Liebe
Alles Gute, T. & N.!

Falls ihr die beiden bei nächster Gelegenheit auch besingen möchtet, geht das übrigens auf diese Melodie:

Bzw. hier in passender Karaoke-Fassung:,