Dez 092019
 

Regensburg. Die Domstadt, welche die bedeutendste gotische Kathedrale in Deutschland aufweist, wurde an Maria Empfängnis besucht. Wir vernachlässigen hier natürlich das Gebäude in der Nähe des Rheins, welches laut eines am Niederrhein beliebtem Liedes sieben Tage brennt. Aber aus diesem linksrheinischen Gebäude wollte ja bereits Heine eine Pferdescheune machen.

Womit wir dann schon fast in Regensburg sind, liegt in der Nähe der Stadt die bayrische Ruhmeshalle Walhalla, über die Heine folgendes dichtete
„Bei Regensburg läßt er erbaun/ Eine marmorne Schädelstätte/ Und er hat höchstselbst für jeden Kopf/ Verfertigt die Etikette“

Dass man 2010 Heine wirklich auch mit einer Büste in dieser Schädelstätte aufnahm, sagt viel über Bayern und auch über Regensburg aus.

Kommen wir zurück zum Datum. Maria Empfängnis? Ja, wir alten Agnostike*innen haben auch ein bisschen gerätselt, aber dieses katholische Hochfest bezieht sich auf die Empfängnis, die zu Marias Geburt führte. „Was interessiert es mich, wann ihre Eltern geschnackselt haben?“ ist eine berechtigte Frage.

Gute & Schlechte Ideen

Idee! Wir schreiben nur noch über solche Themen, bis unsere Truppe wieder gewinnt.

Okay niemand sagt, dass dies eine gute Idee sei.

Die Bahn ist grundsätzlich auch keine gute Idee, aber heute brachte sie uns problemlos nach Regensburg (und danach auch wieder zurück).

War an diesem Tag irgendwas fit für die Champions League? Ja! Das Frühstücksbüffet. Hier Sonderzugtresenorga: wir wollen ein Waffelpartywaggon auf dem Weg nach Wiesbaden.

(Not sponsored, keine Werbung. :))

In Nürnberg begleitete uns das USK beim Umstieg, in Regensburg empfing es uns dann abermals. Und konnte mit massiven Kräften gerade noch die Trockenlegung des örtlichen Brauhauses durch Absperrung verhindern. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung wäre auch in konkreter, akuter Gefahr gewesen, hätte man Hamburger Fußballfans erlaubt, ein Bier käuflich zu erwerben. Der Dom hätte gebrannt. Oh wait.

Und dann darfst du dir auch keine gut schmeckende Zigarette drehen. Dann kommen die auch oberwichtig an. Boa, seid ihr nervig. (Jegliche weitere passende Worte verbot der Hausjurist aus Haftungsgründe)

Loide, wenn ihr weiblich gelesene Menschen mit dem F. Wort bezeichnen wollt, dann bitte bitte bitte geht einfach ganz weit weg. Aber kreuzt bitte nie unsere Wege und lebt am besten nicht weiter auf diesem Planeten. (Gilt übrigens sowohl für Menschen in FCSP-Merch als auch für Heimfans, die meinen am Zaun mal rumprollen zu müssen). Nehmt die Typen, die sich mehrfach ungefragt und dabei ignoriert in Gespräche von Frauen einmischen bitte gleich mit.

Dürfen wir über die Stadionshow in Regensburg lästern? Ach, was fragen wir? Es ist unser Blog, wir dürfen alles!
Jahni das Maskottchen der Regensburger*innen (Warum muss man sein Maskottchen, oh halt, seinen Verein nach irgendeinem antisemitischen Trottel benennen?) führt die Show an. Laut Internetseite kann man Jahni für Geburtstagsfeiern, Firmenfeiern oder als absolutes Highlight am Spieltag mieten. Ähm, gilt dies auch für Auswärtsfans? Der macht sich garantiert gut umgedreht am Zaun.

Vor dem Spiel standen wir sogar kurz in der Sonne.

Dazu kommt der typische hyperventilierende Stadionsprecher, die Präsentation jedes Furzes durch einen Sponsor und Werbebanden, die mehr blinken als die berühmte Lightshow in Mainz. Und wir übertreiben dabei nur ganz wenig.

Argh. Da willst du die reichlich an diesem Stadion verbauten Zäune alle eintreten. Warum zum Teufel leuchtet von diesem komischen Flutlicht ein Scheinwerfer voll in den Gästeblock?

Kommen wir zum Spiel

Ach vergesst es. Das will echt keine*r lesen. Die lauten „Aufwachen“ Rufe nach dem Spiel sind wohl Kommentar genug. Guckt euch das fcsp Hashtag auf Twitter an. Da war Laune angesagt:

Oder seht was Ian Joy schrieb:

Ganz ehrlich: Spätestens nach der Gelb-Roten Karte muss da inklusive Zeugwart jede*r im Innenraum komplett brennen. Bei uns ist eher Business as usual, sich pro forma beschweren und wieder hinsetzten angesagt. Ne Leute, so funktioniert zweite Liga nicht.

Da ist eine gewisse Giftigkeit notwendig. Guckt euch einfach Mats vs. Diekmeier zweimal pro Tag an, anstatt zu trainieren. Wir übertreiben wieder, aber nur knapp.

Wir haben wenig Bock schon wieder Durchhalteartikel zu schreiben. Versteht das alle als Drohung. Ebenso versteht es als Drohung, dass wir Katzenbabies, Geißziegen aus Köln oder Jahnis nicht mehr verschonen werden. Googelt rituelle Opfergaben. Feuer machen wir aus den Eintrittskarten verlorener Auswärtsspiele. Davon gibt es mehr als genug.

Das ist gerade alles so eine Gülle, dass man sich fast nicht mehr über den „Noch ein Jahr zweite Liga“ Kurs des Volksparks freuen kann.

Nach dem Spiel wieder zurück zum Bahnhof. Hier ein Tipp für entspanntes Bahnfahren mit Fußballfans: Labern Sie nie – wir wiederholen nie – Fußballfans von der Seite an, wenn sie sich nicht 100 % sicher sind, dass diese überzeugend gewonnen haben.

PS: Die Überschrift entstand aus der Frage „wem gönnen wir eigentlich die Meisterschaft in der Bundesliga?“

Dez 022019
 

Diese Zeilen wurden jetzt zum dritten Mal begonnen. Wir hatten zweimal angefangen, uns dann mit dem Gemotze selbst genervt und es dann beide Male einfach wieder gelöscht. Und weil wir keine Lust mehr auf das ganze Gemotze haben, schreiben wir einfach nur über die schönen Sachen und blenden das Spiel komplett aus.

Außenrum

Samstag, Heimspieltag­­. Gefühlt seit Jahrtausenden endlich mal wieder Sonne in Hamburg. Auswärtsdauerkarte abgeholt, Zugtickets nach Regensburg abgeholt, Kartendeals durchgeführt. Neue und alte Gesichter gesehen, gute Menschen geherzt. Bei der Einlasskontrolle herzlich gelacht, als tatsächlich diskutiert wurde, ob man Wunderkerzen mit ins Stadion nehmen darf. Nachwehen der Derbystrafe?

Tribüne war ne Stunde vorm Anpfiff noch schön leer, Plätzchen gefunden und n bissl geschnackt. Jüngste Stadionbegleitung brachte eine Freundin mit und die beiden saßen während quasi dem gesamtem Spielverlauf in allerbester Kaffeeklatschmanier auf dem Wellenbrecher und fachsimpelten über das Spiel. Wahrscheinlich mit mehr Sachverstand als im ganzen Kollektiv zusammen vorhanden ist.

Wir haben an dieser Stelle bereits diverse Male auf Initiativen der Awareness-AG hingewiesen, auch dieses Mal gab es wieder zwei Dinge:
Auf allen Toiletten im Stadion hängen jetzt Awareness-Plakate. Die nächste Person, die ein solches Plakat verschandelt, kriegt es höchstpersönlich mit uns zu tun. Was zur Hölle ist bei euch verkehrt?

Zusätzlich gab es dieses Mal auch noch Hinweise über die LED-Banden und per ganzseitiger Anzeige in der VIVA. Wenigstens teilweise ein schöner Ausblick. Danke an alle, die das möglich gemacht haben.

Vor dem Spiel wurde der internationale Tag des Ehrenamts am 5. Dezember schon mal vorgefeiert und die Initiator*innen des FCSP Auftritts auf dem Christopher Street Day wurden geehrt. Danke Euch und allen anderen – ihr macht den Verein zu dem, was er ist.

Außerdem gab es dann auch noch die Gelegenheit in Form einer Gedenkminute, uns von Sabine, Tjark, Frank (und Gabi) zu verabschieden. Danke an die Menschen, die die Störer*innen auf Hannoveraner Seite zurechtgewiesen haben. Was stimmt denn mit denen nicht?

You’ll never walk alone!

Es muss besser werden – egal wie

Dann war irgendwie Fußball, darüber schweigen wir uns jetzt lieber aus. Und sagen es mal so: Zum Glück werden die nächsten Spiele eine Besserung bringen. Entweder auf dem Platz, oder eben daneben. Weil klar ist: Das war nichts. Und so kann es nicht weitergehen. 

Nach dem Spiel Karten zurückgetauscht, nach Hause gegangen und Plätzchen gebacken. War dann noch ein schöner Samstag. 

Nächsten Sonntag geht’s nach Regensburg, wir freuen uns auf Mimosa-Frühstück im Zug. Ansonsten schaun wa mal. Enthusiasmus sieht anders aus.

Mehr zum „auf dem Platz“ gibt es beim Millernton.

Dez 012019
 

Liebe Lesenden,

wie vielleicht mache*r von euch mitbekommen haben, gibt es bei uns eine personelle Überschneidung mit der Band Wiedergænger. Und weil ihr ja auch ganz gern mal anderen Content als nur Fußballgepöbel lest, gibt es an dieser Stelle nicht einen, nein, gleich zwei Konzertberichte – und zwar von der anderen Seite als sonst bei diesem journalistischen Genre. „Bericht“ ist dabei wie immer so eine Sache, denn von Objektivität kann natürlich keine Rede sein. Aber lest selbst.

Teil 1: Heimspiel

Es ist Donnerstag, der 7. November, und wir werden ein Konzert im Kaiserkeller spielen. Yeah. Schon seit März steht fest, dass wir die Hamburger Black-Metal-Band Herbstschatten beim Auftakt ihrer „Black Rain Over Europe“-Tour unterstützen dürfen. Genug Zeit für Vorfreude, aber auch genug Zeit, um sich einen Arm zu brechen oder mit der Band zu verkrachen. Glücklicherweise ist nichts davon passiert.

Aus mehreren Gründen sind die Erwartungen an diesen Abend höher als sonst:

  1. Der Kaiserkeller verfügt über die größte Bühne, auf der wir jemals gespielt haben, davon konnte ich mich wenige Wochen zuvor noch vergewissern. Wobei unser letzter Auftritt tatsächlich im Clochard war, wo eine Bühne an sich gar nicht existiert. Wir stapeln also tief. Aber: Yeah, große Bühne. Endlich etwas Auslauf für Bewegungshungrige.
  2. Das Paket ist gut. Vier Bands (Kataris, Wiedergænger, Herbstschatten und Thjodrörir) werden spielen. Die für eine Underground-Band ausgesprochen professionelle Organisation seitens Herbstschatten inklusive Backline und den ganzen Kram verspricht einiges. Der Vorverkauf lief auch sehr ordentlich.
  3. Wir haben es geschafft, gerade noch rechtzeitig T-Shirts anfertigen zu lassen, die wir an diesem Abend unters Volk bringen können. Zusätzliche Herausforderung, wenn man alles als Band allein wuppt, aber das kriegen wir hin.

Die Vorfreude ist also groß und natürlich werde ich hibbelig vor dem Auftritt. Vormittags noch Lohnarbeit, nachmittags frei, damit wir uns schon gegen 15 Uhr im Kaiserkeller einfinden können. Kurz zu Hause vorbei und das neue Bühnenhemd, das drei Tage zuvor durch zahlreiche Messerstiche zu einem solchen wurde, mit Dreck verzieren. Früher in den Achtzigern und Neunzigern haben die Black-Metal-Bands ihre Bühnenbekleidung noch im Wald vergraben, heute muss die Blumenerde für die Balkonpflanzen herhalten. Egal, sieht gut schmodderig aus, passt.

Also los geht’s, mein spärliches Equipment und die ca. 50 T-Shirts (uff!) eingepackt und auf Richtung Kaiserkeller. Fußläufig zum eigenen Konzert ist schon eine coole Nummer. Die Nervosität ist inzwischen doch spürbar gestiegen, aber das gehört dazu. Vaddern war Berufsmusiker und hat die Auftritte an den Nagel gehängt, als das Lampenfieber nicht mehr kam.

Was backstage passiert, bleibt backstage

Am Kaiserkeller rödeln die Jungs schon eifrig die Backline aus dem Transporter, den Herbstschatten für die Tour gemietet haben. Das Zeug ist relativ bald da, wo es ist – also gleich mal den Backstageraum auschecken. Woohoo, das ist ‘ne ordentliche Versorgung. Aber wir wollen nicht zu viel verraten, denn mit dem Backstage verhält es sich so ähnlich wie mit dem Sonderzug. Was dort passiert, bleibt dort. Aber für künftige Booker*innen: Keine Sorge, wir haben eine gute Erziehung genossen und sind stubenrein.

Als sich nach viel Zeit für ausgedehnten Soundcheck gegen 19 Uhr die Türen vom Kaiserkeller öffnen, stehe ich in freudiger Erwartung hinterm Merch-Stand. Mäßig professionell drapiert sind unsere Shirts, aber alle fangen mal klein an. Zügig werden wir eine gute Handvoll los, am Ende sind es immerhin mehr als zehn. Es sind also noch ein paar da, liebe Lesenden. Zwinker zwinker.

Währenddessen bekomme ich von Kataris leider nicht so viel mit, aber es klingt nach Spaß und sieht danach auch aus. „TO THE BAND CAVE“ heißt es kurze Zeit später und wir bereiten uns mit dem letzten Feinschliff auf unseren Auftritt vor. Dreck ins Gesicht und los, wir haben nicht viel Zeit. Es kommt mir direkt vor dem Gig ja immer sehr seltsam vor, in voller Klamotte die letzten Kabel auf der Bühne zu verlegen, während der Saal schon gefüllt ist. Aber nützt nix, für entsprechendes Personal reicht’s noch nicht ganz. Selbst ist der Wiedergænger.

Los geht’s!

Ohne Schnickschnack geht es wie geprobt mit „Die Leblosen“ und dem nahtlos anschließenden „Wiedergänger“ weiter. Joa, das haben wir schon etwas sauberer hinbekommen. Ein Bier weniger vorher? Egal. Weiter im Text, jetzt wird’s spannend: Wie macht der Kaiserkeller mit, wenn ich zum gemeinsamen „Kein Fußbreit“ auffordere? Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, gerade in Hamburg, aber Metaller*innen sind ja manchmal so entsetzlich „unpolitisch“. Aber heute mault niemand und bei den grob geschätzten 60 Leuten vor der Bühne ist zu spüren, dass die auf der richtigen Seite stehen. Yeah, „Würmer“ funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Diese Momente sind einfach nicht im Proberaum zu simulieren, das entscheidet sich knallhart auf der Bühne.

Bei „Ekke Nekkepenn“ gelingt es zwar nicht ganz wie erhofft, die Meute zum Hüpfen zu animieren – dafür klappt das völlig überflüssige und gerade deswegen megageile gegenseitige Umgreifen von Bass und Gitarre, wie ich erst später auf Fotos erkennen kann. Hahaha, Rock’n’Roll, Baby! Gesanglich und auch instrumental gelingt das unveröffentlichte „Ein höherer Feind“ richtig gut – puh, eine kleine Sorge weniger. „Weltenende“ ist zwar mal wieder für kleine Unsauberkeiten gut, wir kommen aber 1a wieder rein. Immerhin, das zeigt, dass wir eingespielt sind.

Huch, schon „Vier Tage, vier Nächte„? Das war’s ja schon fast. Aufgrund totalen Tunnelblicks entdecke ich hier auch erst später auf zugespielten Videos, wie gut das gar nicht explizit eingeübte Vier-Personen-Headbanging aussieht. Apropos Tunnelblick: Ja, ich bekomme grob mit, wer dort vor der Bühne steht, dass mal was hineingerufen oder mitgesungen wird, dass die eine oder andere Matte weht. Aber im Großen und Ganzen muss ich ehrlich zugegeben, dass bei der geringen Routine, die wir so haben, die Konzentration und der Fokus auf den eigenen Auftritt eine Menge um mich herum ausblendet. Die kurzen Pausen zwischen den Songs mit deutlichem Applaus verschaffen Hochgefühl, aber wenig Ruhe. Kommt Zeit, kommt mehr Gelassenheit.

Und damit sind wir auch schon am Ende. Die scheinbar letzten Worte sind ans Publikum gerichtet und zack, soll „Im Nobiskrug“ losgehen. Verdammt, vergessen, auf den Merch hinzuweisen. Wie gut, dass wir einmal kollektiv den Einstieg „antäuschen“ und noch mal von vorn anfangen – da kann ich das noch direkt hinterherschieben. Und zack, auf einmal sind auch diese vier Minuten vergangen und wir haben es hinter uns. Es gibt tatsächlich einzelne Stimmen, die so was wie Zugaben fordern, aber das ist heute bei dem engen Zeitplan nicht drin.

Erst mal tief durchatmen

Yeah. Das war ganz gut. Trotz kleinerer Ruckler (vielleicht hatten das frühe Treffen und die reichhaltige Getränkeversorgung einen Teil dazu beizutragen) keine ernsthafte Panne und richtig gute Stimmung. An Bühnen dieser Größenordnung und darüber hinaus kann ich mich gewöhnen, da geht noch mehr, was den Auslauf betrifft. Mal wieder keine ernsthafte Vorstellung, wie es für die Leute im Publikum gewirkt hat. Aber ich bin zufrieden. Den restlichen Abend verbringe ich am Merch, wo noch ein paar Textilien den*die Besitzer*in wechseln, ein bisschen vor der Bühne, ein bisschen backstage. Am Ende muss das ganze Geraffel wieder nach Hause und ich schleppe mich verschwitzt-ausgepowert mit Sack und Pack durch Sankt Pauli. Am nächsten Tag wieder Lohnarbeit. Was kommt mir das profan vor!

Teil 2: Auswärtsspiel

Spulen wir kurz vor. Es ist Freitag, der 29. November, und wir machen uns auf den Weg nach Berlin, um beim Nox A Carnival Vol. 7 zu spielen. Genauer gesagt machen wir uns in unterschiedlichen Kleingruppen und zu verschiedenen Zeiten auf den Weg in die Hauptstadt. „Alle Leute in den Bus und dann Rock’n’Roll“ ist also nicht ganz angesagt.

Unser Treck will sich mit dem Auto am späten Vormittag in Bewegung setzen. Allein, das haut alles nicht ganz hin. Die Fahrenden kommen a) erst deutlich später los als gedacht und b) heute gar nicht ins Zentrum, weil wir Öddel den Klimastreik verschusselt haben. Also fix umdisponiert, den Großteil der T-Shirts wieder ausgeladen und mit Hängen und Würgen treffen wir uns am Hauptbahnhof. Die Stimmung ist erst mal gereizt. Sollen wir uns das bei dem Generve jemals wieder antun mit Konzerten außerhalb der Heimatstadt?

Die Laune soll wieder besser werden

Trotz Stau vor Berlin treffen alle Wiedergænger – zwei Stunden nach Plan – noch locker rechtzeitig im Schicksaal-Tommyhaus ein. Und was für ein guter Laden! Ob es an den Menschen des SJZ Drugstore im Exil oder an den Veranstalter*innen des Nox A Carnival (oder an den wie auch immer gearteten und uns nicht näher bekannten personellen Überschneidungen) liegt: Die ganze Veranstaltung vereint eine friedliche und diskriminierungsfreie Atmosphäre mit großem Spaß an der Sache. Ab und an erscheint es ja in linken Läden, dass man zum Lachen besser in den Keller gehen sollte. Nicht aber im Schicksaal-Tommyhaus: Düstere Clowns, Zirkusmusik, ein Schminkstand und viel Liebe zum Detail erzeugen eine bizarre Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Dazu ist die Organisation zwar entspannt, aber gleichzeitig professionell. Von Anfang an fühlen wir uns pudelwohl.

Da noch etwas Zeit ist, suchen wir uns eine Kleinigkeit zu essen. Bemerkenswert wenig los in der näheren Umgebung des Ladens für einen Freitagabend, aber vielleicht schreckt das nahegelegene Willy-Brandt-Haus Gastronom*innen ab. Am Ende gibt’s eh noch eine leckere Stärkung aus der VoKü sowie eine gute und sehr günstige Bierauswahl. Der Backstageraum ist gut durchgerockt und urgemütlich. So lässt sich das aushalten.

Volle Hütte – um die Zeit?

Schon von Beginn an ist gut was los beim Nox A Carnival. Nanu, geht man in Berlin nicht erst weit nach Mitternacht feiern? Uns soll’s recht sein. Wir werden zwar erst gegen 23 Uhr auf der Bühne stehen, aber es ist ja für alle Beteiligten schöner, wenn schon was los ist. Und so ernten sowohl rýr als auch Red Strict Area viel Aufmerksamkeit. Wir selbst können früh den Merch-Stand beziehen und müssen uns offensichtlich keine Sorgen machen, dass da was ungewollt wegkäme. Verkaufen können wir leider aber auch nicht viel. Das macht aber nix, kommt sicher noch.

Kleiner Wermutstropfen: Da der Backstageraum nur über die Bühne zu erreichen ist, können wir während der Auftritte nicht zwischen vorn und hinten wechseln. Das bedeutet, dass wir uns die guten Teryky nur von schräg hinten angucken können. Aber wir werden einander eh wiedersehen.

Dann steigt die Spannung, denn allmählich sind wir an der Reihe. Klamottenwechsel und Dreck ins Gesicht. Danke noch mal an Annika von Teryky, die in Ermangelung eines vernünftigen Spiegels bei den Äußerlichkeiten assistiert. Von ihr bekomme ich außerdem die „Fernbedienung“ für die Nebelmaschine in die Hand. Oh, cool? Hätte ich mir mal vorher Gedanken gemacht, wann ich die gezielt einsetze!

Da sich alles etwas verzögert und wir sogar doch noch so etwas wie einen Soundcheck bekommen, hätte ich theoretisch noch Gelegenheit, darüber nachzudenken. Allein, so ganz den Kopf dazu habe ich nicht. Dabei ist die Nervosität heute meinerseits gar nicht so groß: Das Set wird das gleiche sein wie drei Wochen zuvor, wir sind also noch gut in der Spur. Und auswärts kennt uns eh kaum jemand. Wir können also eigentlich nur gewinnen, vor allem, weil wir gegenüber den post-metal-lastigen anderen Bands des Abends mit unserem „Deep Diggin’ Dreck’n’Roll“ stilistisch etwas aus der Reihe tanzen.

Also los!

Dann wollen wir mal. Nach der relativ langen Verzögerung in der Running Order ist Berlin jetzt auch fällig! Und das gelingt von der Bühne aus gesehen ziemlich gut: Auch wenn wir davon ausgehen müssen, in der Hauptstadt zuvor noch nicht auf viele offene Ohren getroffen zu haben, ist von Anfang Bock im Publikum spürbar. Da wehen Haare, da werden Fäuste gereckt und „Kein Fußbreit“ mitgebrüllt. Applaus geht runter wie Öl. Dass ich eine Strophe verhaue oder mal ein kleines Fill fehlt, stört offensichtlich Keine*n. Natürlich ärgert man sich als Musiker*in im Nachhinein auch noch über kleine Fehler, aber die zunehmende Erfahrung lässt uns gelassener werden. Und die meisten Unsauberkeiten fallen schließlich nur denjenigen auf, die sie verursachen.

MagischerFC Wiedergaenger Setilist Nox A Carnival November 2019
So sieht das auf der Bühne dann eben aus

Eine Weile kann ich nur wenig sehen, weil wir ziemlich viel Licht im Gesicht haben. Im Laufe des Auftritts bemerke ich allerdings zwei, drei Menschen, die in der ersten Reihe sitzen (!) und seelenruhig ihren Eintopf futtern (!!). Ich bin viel zu perplex, um was Geistreiches dazu zu sagen. Sie stören ja nun auch niemanden und bremsen uns nicht aus. Die gar nicht ganz kleine Bühne kommt meinem Bewegungsdrang jedenfalls abermals entgegen. Den kurzzeitigen Gedanken, mal von der Bühne in Publikum zu hüpfen, lasse ich zum Glück wieder fallen. Wir wollen ja nicht gleich übertreiben.

Wie das so ist, geht der Gig viel schneller um als erwartet. Liebe Lesenden, habt ihr die Nebelmaschine noch im Kopf? Ich nämlich auch nicht. Erst kurz vor Schluss fällt mir die kleine Fernbedienung wieder ein. Vermutlich wirkt der ungewollt sparsame Einsatz gewollt. Geile Option jedenfalls, die ich gern öfter hätte.

Als die letzten Takte von „Im Nobiskrug“ verklungen sind und wir höflich die gar nicht mal zaghaften „Zugabe!“-Rufe zurückgewiesen haben (es ist zeitlich eh schon alles so weit drüber), falle ich den anderen Jungs erst mal um den Hals. Das war im Ganzen richtig geil. Großartig zu spüren, dass der Mist gut ankommt und sich die wachsende Erfahrung zeigt.

Ausklang: Es wird eine lange Nacht

Herrlich, durch zu sein. Fix die Sachen nach hinten gebracht und wieder vor die Bühne, um nicht bei Kyáneos im Backstage gefangen zu sein. Der Rest ist Gelassenheit und Grinsen und Bier. Irgendwann nach 3 Uhr taumeln wir in die Unterkünfte, die für uns glücklicherweise sehr leicht erreichbar sind. Schlaf wird’s dennoch nicht viel und der Morgen knatschig. Aber hell yeah – Abende wie diese sind der Grund, warum ich den Scheiß so gern mache.

Wenn ihr Wiedergænger live sehen wollt, habt ihr schon am 14.12. nach dem Wiesbaden-Spiel die nächste Gelegenheit im Indra Club beim Next Step Festival 2019! Tickets gibt’s für schmales Geld hier.

Nov 292019
 

Es ist unsere traurige Pflicht schon wieder einen Nachruf zu schreiben, denn wie der FCSP heute über Twitter verkündete, ist Frank verstorben.

Liebevoll von allen Opa Frank genannt war Frank ein Dauergast bei Fanladen-Tours und eigentlich bei jedem Auswärtsspiel zu finden, wenn er nicht mit seiner Frau in dem Hotel Urlaub machte, in dem er laut eigenem Bekunden schon seit über 50 Jahren Urlaub machte. Meistens verbunden mit einem Fantreffen irgendeiner komischen Volksmusik Band. Wie hast du bloß all die Jahre Spinner CDs ausgehalten, Frank? Wie haben wir sie ausgehalten? 
Ihr wolltet wissen, was wirklich an der Kollaustrasse passiert und warum ein Spieler nicht spielte oder was im sportlichen Bereich schief läuft? Einfach Frank fragen, der wahrscheinlich mehr wusste, als alle FCSP Reporter*innen zusammen. Er und seine Gang von Trainingskibiezen waren selbst zu Geheimtrainings zugelassen. Wusste doch jeder Trainer, dass die Jungs nicht plaudern würden. Naja außer mit uns und wir haben das garantiert nicht veröffentlicht. 
Irgendeine 20 Stunden Bus Tour? Frank war am Start! Immer! Und wenn wir komplett platt und genervt aus dem Bus fielen, hatte er immer noch eine positive Energie, die einzigartig war. Frank war gefühlt auch der letzte Mensch, der im Fanladen analog bestellte. 
Frank war ein angenehmer und fröhlicher Mensch. Ihn im Bus zu haben sorgte immer für nette Momente, schöne Unterhaltungen und Betrachtungen aus vielen Jahrzehnten FCSP. Durch seine offene Art hat sich Frank bei allen Arten von FCSP Fans beliebt gemacht. Und so wünschten ihm auch “die Ultras” gute Besserung als er vor ein paar Monaten erkrankte. 
Leider hat er sich davon nicht mehr erholt. Mach es gut, Opa Frank. Du wirst auf Fanladen Tours und auf dieser Welt fehlen. Hoffentlich darfst du im Jenseits auch zu Geheimtrainings. 

Nov 282019
 

Liebe Lesenden,

heute Abend wurde mit großer Mehrheit der Antrag zur Förderung von Frauen in den leitenden Gremien des FCSP angenommen. Wie ihr euch denken könnt, freuen wir uns riesig.

Der diesjährige Blogbeitrag zur MV kommt dann wie üblich später und fällt vielleicht etwas kürzer (nur etwas) aus.

Stattdessen aber ein schon mal vorab anderes Gimmick. Wir haben aus Gründen Zugriff auf die Antragsbegründung und teilen diese gerne mit Euch.

FCSP Mitgliederversammmlung 2019

Förderung von Frauen in allen Gremien des FC St. Pauli

Liebe St. Paulianer*innen, lieber Aufsichtsrat, liebes Präsidium.

Ich würde am liebsten in einer Welt leben, in der keine Quoten notwendig sind, in der diverse Repräsentanz in Gremien auch ohne Quotierung erreicht werden kann. Uns auf den Weg in eine solche Welt zu machen ist Ziel dieses MV-Antrages.

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, haben wir ausgerechnet in dem Bereich der Diversität in den vergangenen Jahren keine großen Fortschritte gemacht. 

Ja, wir sind einen kleinen Schritt weiter als viele andere Profifussballvereine in Deutschland. Nur mal ein Beispiel: Von 54 Profivereinen der ersten drei Ligen (Chemnitzer FC hat aktuell keinen AR, FC Bayern ist nur einmal gezählt) haben 43 Vereine gar keine Frau im Aufsichtsrat. Unter den insgesamt 346 Mitgliedern sind ganze 13 Frauen zu finden. Aber reicht es uns, nur einer von 11 Vereinen zu sein?

Oke sagte im Januar dass wir “Projektionsfläche für kritische Fans geworden sind, die gemeinsam mit uns daran glauben, dass ein anderer Fußball möglich ist“. Wir als FC St. Pauli stehen wie kein anderer Fussballverein in Deutschland für Vielfalt und Pluralität. Lasst uns dies auch praktisch umsetzen. Lasst uns diese Diversität auch zu unserem Gesicht werden lassen.

Warum dann mit einer Quote arbeiten? Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass es nur da signifikante Fortschritte gab, wo mit einer (temporären) Quote nachgeholfen wurde. Wie gesagt, ich wünsche mir das in einer idealen Welt auch ohne. 

Aber ohne Quote geht es einfach nicht schnell genug voran. Und ich bin nicht bereit, die nächsten Jahrzehnte einfach abzuwarten. Lasst mich hier auch Sandra , zitieren, die seit 2014 an der Spitze unserer Aufsichtsrates steht: „Ich habe eine Quote früher immer für überflüssig gehalten. Mittlerweile glaube ich jedoch, dass sie helfen und den Prozess beschleunigen würde. Denn wenn wir in dem Tempo weitermachen, sind wir erst in 50 Jahren am Ziel.“

Liebe Sandra, lieber Oke, ein Nebenkommentar sei mir hier erlaubt: Demnächst gebt ihr solchen guten Interviews aber nicht mehr der Springerpresse, ok? 

Liebe Kritiker*innen, lasst mich direkt auf einige eurer Bedenken eingehe. Highlight der Kritik war natürlich der Artikel heute Morgen im Abendblatt – ich nenne ihn auch “Sozialstudien für die letzten Tage des Patriarchats”:

  • „Dieser Antrag schreibt eine harte Quote vor.“
    Nein, genau das tut er nicht. Er formuliert ein Ziel – nämlich die geschlechtsparitätische Besetzung von Aufsichtsrat und Präsidium und erteilt den Auftrag, einen entsprechend abgestimmten Vorschlag zu erarbeiten. Der der Mitgliederversammlung dann im kommenden Jahr zur Abstimmung vorgelegt werden soll.
  • Auch das Wort geschlechtsparitätisch ist bewusst gewählt. So lässt es uns genau die Flexibilität zu entscheiden, woran wir eine etwaige Quote festmachen: Eine Quote zu einem festgelegten Prozentsatz oder eine Quote parallel zum Mitgliedsantrag: Männlich- Weiblich- Divers. Hier ist noch nichts entschieden.
  • Und natürlich muss aufgrund eurer Zustimmung zu diesem Antrag kein Mitglied der Direktor*innenrunde – ich gendere hier schon mal vor – entlassen werden. Es geht darum, einen Plan zu erarbeiten, wie das bis 2025 – also in 6 Jahren erreicht werden kann.
    Zur Visualisierung: Heute vor sechs Jahren, 2013, hatten wir gerade auswärts in Aalen gewonnen und waren Tabellenvierter in der 2. Bundesliga. Hinter Kaiserslautern, Köln und Fürth. Und keines der Mitglieder unserer aktuellen Direktorenrunde war damals schon beim FCSP angestellt. Längste Amtszeit hat Martin Drust, der seit 2015 – also seit 4 Jahren – im Verein angestellt ist. [Drust 2015, von Geldern 2016, Stilz 2016, Michael 2018, Thomsen 2018, Urban 2019].
  • Ein Argument, das ich in den vergangenen Wochen immer wieder gehört habe ist, wie schwierig es sei, Frauen zu finden, die diese Ämter übernehmen wollen und können.
    Ich verneine diese Schwierigkeit nicht. Ich bin aber fest überzeugt, dass eine solche Quote auch motivierend für interessierte und geeignete Frauen sein kann. Dies zeigen auch entsprechende Studien, die sich mit den Effekten von Quoten befassen. Die Wirkung ist nicht nur eine formale, sondern auch eine psychologische.
    Und für den Fall, dass keine interessierte und geeignete Frau gefunden werden, kann man dann immer noch entsprechende Regelungen treffen. Mit diesem Antrag formulieren wir vor allem, dass wir uns für das Ziel einer geschlechterdiverseren Besetzung unserer Führungsgremien einsetzen.
    Erstaunlich ist in diesem Kontext aber auch, dass das Thema Kompetenz immer nur bei Frauen ein Thema ist. Wann wurde bei sowas jemals bei einem Mann aufgrund seines Geschlechts an seiner Kompetenz gezweifelt?

Und nein, die Einführung einer Quote löst natürlich nicht alle Probleme. Aber sie ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und wird dann erfolgreich, wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Genau daran möchte ich – wie im Antrag formuliert – gemeinsam mit interessierten Mitgliedern, Aufsichtsrat und Präsidium in einem offenen Prozess arbeiten. Und freue mich besonders, dass Jörn heute schon gesagt hat, dass er dieses Thema auch auf die Delegiertenkonferenz der sporttreibenden Abteilungen tragen wird.

Und wenn Euch meine Argumente noch nicht überzeugt haben, dann lasst es mich abschließend mit Mats versuchen. Der 2017, als das norwegische Frauennationalteam zur EM fuhr, über die männlich dominierte Kultur im Fussball sagte „Wenn wir alle in den Spiegel gucken, werden wir erkennen, dass wir alle noch besseres tun können.“

Nov 242019
 

Man erlebt in diesem Verein ja immer wieder Überraschungen. So tauchten im Laufe der Woche noch weitere Anträge zur MV auf, die wir kurz noch behandeln wollen. 

Was wir mit Erstaunen feststellen mussten, war, dass „normale“ Anträge nach unserer Satzung nicht auf der Homepage veröffentlicht werden müssen. Nur für Satzungsänderungsanträge gilt eine Veröffentlichungspflicht. Dies ist natürlich sehr unglücklich und der innervereinlichen Demokratie echt abträglich. Wenn die Homepage Recht hat, dann wurden die nun gleich zu behandelnden Anträge am 20.11. und damit 8 Tage nach der Frist veröffentlicht. Wir hatten das letzte Mal am 16.11 auf die Homepage geguckt, da waren sie definitiv noch nicht veröffentlicht. 

Eine zeitnahe und rechtzeitige Veröffentlichung ist jedoch für eine Willensbildung der Mitgliedschaft zentral. Gerade weil wir auf der MV mit den Anträgen gerne mal zur Nachtschicht beginnen, sollte jeder interessierten Person genügend Zeit vorab zur Willensbildung gegeben werden. Das ist nebenbei auch der juristische Grund für eine Frist für Anträge. Alle sollen sich in Ruhe drauf vorbereiten können. Das können sie aber nur, wenn diese Anträge auch bekannt sind. Wir sollten hier unsere Satzung bei nächster Gelegenheit anpassen. 

Nun zu den Anträgen. Wie immer mit einer kurzen Empfehlung von uns. Die restlichen Anträge und Empfehlungen findet ihr in unserem anderen Artikel.

Der „Zubau-Antrag“

„Wir können dem einen Pullover crowdfunden“ und „Wir haben Hamburger Wetter“ reichen als inhaltliche Beschäftigung. Keine Zustimmung. 

Alkoholfreie Verkaufsstände und Verzicht auf Suchtmittelwerbung

Technisch handelt es sich hier um zwei getrennte Anträge, die aber ein und das selbe Thema haben. Daher gemeinsam ein paar Worte. 

Soweit wir wissen, sind beide Anträge aus dem Kreis der weiß-braunen Kaffeetrinker (Korrektur 25.11., danke D.) gestellt worden. Einem Fanclub, dessen Mitglieder aus unterschiedlichen Gründen auf Suchtmittelgetränke verzichten (so deren Eigenbeschreibung). 

Wir hatten das Thema schon. Wir möchten niemandem den Konsum der Droge seiner Wahl verbieten, aber der komplett unkritische, teilweise verherrlichende Umgang mit Verkauf und Werbung für das Hauptsuchtmittel Alkohol im Kontext FCSP ist moralisch schon lange nicht mehr tragbar. Und wir alle stellen uns aus Bequemlichkeit oder auch aufgrund unseres eigenen garantiert fragwürdigen Konsums ziemlich blind an.

Amerikanischer Ausrüster? Die Moral trieft aus jeder Pore. Werbung für Alkohol? Es erfolgt kein Hinterfragen, keine breite Kritik. Nix. Im Notfall bekommt man noch ein „stellt euch nicht so an“. Das ist angesichts der vielen Fälle von Elend, die Alkohol hervorgerufen hat, hervorruft und hervorrufen wird, sehr fragwürdig. Und auch wir als Blog könnten uns hier noch mehr hinterfragen, auch unsere Spieltagsbeschreibungen beinhalten Alkoholkonsumgeschichten, auch wir posten Bilder mit alkoholischen Getränken.

Und insofern haben die Antragsteller*innen beider Anträge absolut einen Punkt. Den kann man kapitalistisch mit „wirtschaftlichen Zwängen“ wegargumentieren, aber puh. Kapitalistische Argumente sind hier sehr schwierig. Unser Caterer sagte mal, dass er 95 Prozent seines Umsatzes mit Bier machen würde. Das zeigt auf der einen Seite das wirtschaftliche Problem, auf der anderen Seite aber auch, über welchen Mengen pro Kopf wir hier sprechen. 

Wir sind als Kollektiv sehr gespannt darauf, wie die Diskussion auf der MV verläuft, und sind uns ehrlich gesagt noch nicht sicher, wie wir diese Anträge abschließend bewerten wollen. Aber auch wenn wir diese Anträge nicht annehmen wollen, wir müssen da ran. So geht es nicht weiter. 

Seid ihr euch selber eigentlich im Klaren, ob euer Alkoholkonsum noch okay ist? Oder ob er schon als problematisch anzusehen ist? Und das subjektive „ich hab das alles im Griff“ sollten wir alle mal hinterfragen. 

Nichtrauchen in einzelnen Blöcken

Wir hatten das Thema letztes Jahr bereits und haben es nun wieder. Rauchen ist auch eine beschissene Sucht und Passivrauchen ist eben auch in einem Freiluftstadion ein Thema. Ist so. Das wegzuleugnen, wäre ein lautes „Fake News“-Gebrüll. Natürlich ist die Belastung nicht mit einer Kneipe zu vergleichen (hallo Jolly Roger), aber dass es irgendwo schlimmer ist, heißt ja nicht, dass es gut ist. 

Trotzdem ist so ein Antrag schwierig. Menschen in unserem Stadion kleben sehr an ihren Plätzen. Sei es wegen subjektiver Gründe, sei es wegen der fehlenden Bewegungsmöglichkeiten in einem ständig ausverkauftem Stadion. Hier z. B. 1/3 der Gegengerade Stehplätze als Nichtraucher-Plätze zu definieren und damit eine Blockteilung und eine Blockkontrolle einzuführen, dies insbesondere auch auf der Süd, die bisher nicht ernsthaft unterteilt ist, ist sehr schwierig. Gleiches gilt bei den Sitzplätzen, die es insbesondere im halbwegs bezahlbaren Bereich auch nicht wie Sand am Meer im Millerntor gibt. 

Und da sind wir noch nicht einmal bei dem Thema „wie kontrolliere ich den bitte die Einhaltung?“. Bock, dass es jedes dritte Spiel eine Hauerei zwischen Ordner*innen und irgendeinem uneinsichtigen gibt? Puh. Schwierig. Und wir sprechen hier von einer Sucht. 

Hinzu kommt die sehr kurz gesetzte Deadline. Wir fänden es bei solchen Themen besser, wenn man ausreichend Vorbereitungszeit ermöglicht und gemeinsam mit den Menschen auf den Tribünen einem solchen Vorgehen den Weg ebnet. Das ist bis zum Beginn der neuen Saison nur schwer zu schaffen.

Aber auch hier gilt: Wir müssen da ran. Auch wenn es weh tut. Aber ob dieser Antrag so der Weg ist? Wir zweifeln.

Nov 232019
 

Worte vor den Worten 

Der legendäre Manager Casey Stengel wurde mal danach gefragt, was das Geheimnis für erfolgreiches Trainieren eines Sportvereines sei. Er antwortete

„Keep the five guys who hate you away from the five who are undecided.” 

Dies zumindest scheint Dirk Schuster sehr gut zu schaffen, denn seine Truppen bilden eine Einheit, die motiviert bis in die letzte Haarspitze ist. Sympathischer macht dies seine dauermeckernde Art aber auch nicht. Aber irgendwo hat er seinen Weg gefunden. 

Von vorne

Fangen wir aber den Tag vorne an. Er begann mit dem bereits erwähnten Trauerfall. Der später im Stadion von den Vorsängern aufgegriffen wurde und wo ihrer mit einem “You’ll never walk alone” gedacht wurde. 

Mit dem letzten Rest Pöbelbus machten wir uns dann auf den Weg nach Aue. Kurz bei der südlichen Außenstelle gesammelt und ab durch die Rübenländer nach Braunschweig, dann auf die Autobahn. Passend wurde es bei Magdeburg dunkel. Und wurde auch nicht mehr richtig hell.

Der Rest der Hinfahrt wäre schnell erzählt, wenn nicht noch kurz die Luftdruckanzeige der Reifen sich zu Wort gemeldet hätte. War aber Fehlalarm. 

In Sachsen

Wird man gleich erstmal mit zwei Freiwild Autoaufklebern begrüßt. Mal ganz unter uns: Wir kennen echt gute Menschen in Sachsen und bewundern eure Ausdauer in einem solchen Klima standhaft zu bleiben. Und wie wissen wieder wie gut wir es dann doch haben in unserem Wohlfühlviertel. 

Parkplatz ist schnell gefunden, Kartendeals werden abgewickelt und das übliche “Hallo” wurde erledigt. 

Der Eingang ist schnell überwunden und wir finden einen netten Platz neben Nordsupport. 

Das Spiel 

Fand statt. Und damit ist das positive schon gesagt. “Sportlich sind wir auf einem guten Weg und haben volles Vertrauen in die sportliche Leitung” sagte unser Präsident letztens im NDR. Das Problem dabei ist, dass der sportlich gute Weg ein nicht sichtbarer Trampelpfad geworden ist. Es fehlt die Aggressivität, die zwischenzeitlich die Jungs auszeichnete.
Wenn man sieht wie sehr ein Aue das Spiel einfach erzwingen will, dann fehlt es uns da massiv. 10 Minuten sieht man mal ein leichtes Aufbäumen, aber das war es. Mats sprach nach dem Spiel von “aufwachen“ und „andere Mentalität zeigen”. Uns fehlt es auch schon seit längerem keine Antwort auf Mannschaften der Marke Schuster.

Erinnert ihr euch an das Derby? Oder an Mats vs. Diekmeier? Da hatten wir Antworten. Jetzt ist es alles wieder weg. Bestes Beispiel heute? Spieler von uns wird direkt vor der eigenen Bank gefoult. Reaktion von der Bank? Einer springt auf. Halbherzig. Ende. Könnt ihr euch das bei einem Dirk Schuster Team vorstellen? Nein, wir auch nicht. Da hätte die Mannschaft sich auch mehr als eine gelbe Karte geholt.

Keine Bilder im Block! Und/ oder Blog.

Es fehlt da einfach bei uns die Stimme, die jeden von Nr. 1 bis 19 glühend heiß macht. Und verstehen wir uns nichts falsch, ein Trainer kann nicht jeden Part spielen. Entscheidend ist das Team und die Erkenntnis nicht alles alleine machen zu können. Oder glaubt ihr, dass Jürgen Klopp sich für einen begnadeten Techniktrainer hält? 

Wir müssen auf den Sandhausen Pfad zurück finden. Das wäre zumindest erstmal ein Weg zur sportlichen Stabilität. 

Und dann wird es schlimmer 

Und als wäre das alles nicht schlimm genug, kam es dann zu einem Polizeieinsatz gegen Leute von uns. Der Support wurde eingestellt und eine kurze Ansage vom Podest erfolgte. Man entschloss dann das Stadion zu verlassen und auch wir schlossen uns an.

Wir haben da ein Grundprinzip, welches wir schon damals in Bielefeld schilderten: Es sind unsere Menschen und mit denen sind wir gerade auswärts solidarisch. Wir kommen zusammen und vollzählig, wir gehen so auch wieder. Wenn es dann ein Verhalten zu kritisieren gibt, regeln wir das zu Hause in Ruhe. Aber wir lassen uns garantiert nix von der sächsischen Polizei diktieren. 

Es kam noch zu kurzer Hektik vor dem Stadion und die besagte Polizei zeigte ihr behelmtes Gesicht und nervte rum. Alle uns Bekannten sind da aber dann halbwegs schnell weg gekommen. Und das bleibt dann auch die positivste Mitteilung des Tages.
Schade dagegen, dass der Verein über das Drumrum (Stand jetzt, 22:51) nicht informiert. Aus Bielefeld hätte man lernen können. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Über 15 verletzte Spieler verlieren wir auch keine Worte mehr. Ihr habt das alles schon gelesen und wir wollen euch und uns nicht langweilen. Aber fragt doch mal bei der MV nach.

Nov 222019
 

Heute Morgen haben wir erfahren, dass @diepauliane verstorben ist. Krebs ist ein Arschloch! 

Mit Gabi geht einer der wirklich guten Menschen von uns. Unser Kollektiv hat sie schon alleine deswegen besonders ins Herz geschlossen, weil sie einen von uns zu Beginn seiner FCSP-Zeit an die Hand genommen hat. Und das kennzeichnete Gabi sowieso aus: offenherzig, engagiert und wirklich eine Seele von Mensch. 

Gabi gehörte auch zu den Menschen, die ihre Fußballliebe weit von ihrem Wohnort gefunden hatte und positiv verrückt genug war, um diese vielen Kilometer für Heim- und Auswärtsspiele zu überwinden. Und jede*r, der*die sie kannte, freute sich auf diesen Menschen, der nie schlecht gelaunt wirkte und immer ein fröhliches Wort über hatte. Es war bei noch so doofen Auswärtsspielen der Lichtblick des Tages, wenn wir Gabi trafen. Jeder Spieltag wurde dadurch besser. 

Man verstehe uns nicht falsch, ihre Offenheit gegenüber jeder und jedem war keine Prinzipienlosigkeit. Im Gegenteil: Gabi hatte ganz klar ihre Standpunkte und vertrat diese auch leidenschaftlich und voller Energie. Und so war sie auch ungefähr auf jeder noch so kleinen Demo für gute Sachen in ihren Heimatort zu finden. 

Jeder Mensch ist einmalig, aber Gabi war noch mal einzigartiger. Gabi, dein “… und Moin” auf Twitter wird uns ebenso fehlen wie dein Lächeln, wie Du. Mach es gut, Gabi. 

Krebs ist ein Arschloch! 

Nov 142019
 

Worte vor den Worten

Liebe Lesende,

wir werden dieses Jahr leider keinen umfangreichen MV-Artikel schreiben. Leider ist der Senior verhindert, da er das Wiegenfest seiner Schwester feiern muss, und Familie ist ab und zumal wichtiger als der Verein. Ja ist so.

Trotzdem wollen wir euch natürlich up to date bringen und für euch einen Blick auf Anträge und Wahlen stellen.

Wir orientieren uns an der Übersicht auf der Vereinshomepage, diese haben wir das letzte Mal kurz vor der Veröffentlichung dieses Artikels gecheckt und hoffen auf dem neusten Stand zu sein.

Die Anträge

Es ist Zweitausendneunzehn
FCSP Führung ist männlich, nicht zu verstehn
Nur zwei Frauen – fast allein?
Ja, die Varianz ist klein
Na fein! Herein, willkommen im Verein!

(frei nach Fettes Brot unter Verbiegung des Reimschemas)

In der Reihenfolge, wie sie auf der HP abgebildet sind:

Satzungsänderung zur Einberufung der Mitgliederversammlung

Ein rein technischer Antrag, der eure Zustimmung finden sollte. Die Argumentation mit „Nachhaltigkeit“ ist jedoch ein schlecht gespielter Witz. Es ist wohl keine zu gewagte These, zu behaupten, dass der gedruckte „Blickpunkt“ ungefähr der kleines Posten im Rahmen einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfung des FCSP sein würde. Hier geht es knallhart darum, Kosten zu sparen. Um nichts anderes. Und das darf man den Mitgliedern auch mal so sagen. Aber seien wir mal ehrlich: Die Berichte des Alten Stamms waren schon immer nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt waren. 

Satzungsänderung zur Änderung des Paragraphen 36 Ziffer 5

Die Satzung zu gendern? Muss man das anders begründen, als zu schreiben, dass wir immer noch 2019 haben? Nein! Der Antrag wird von Aufsichtsrat, Präsidium und Ehrenrat unterstützt.

Kommt uns bitte nicht mit solchen Argumenten wie „besserer Lesbarkeit“ oder „kompliziert“. Ja es macht es komplizierter, sind juristische Texte aber sowieso. Das nicht lesen zu wollen, ist bei den meisten Menschen einfach schlichtweg Ignoranz oder Faulheit. Daher ist jedes „Lesbarkeitsargument“ hier ein Scheinargument. Und wer das trotzdem vertreten will, der kann ja die Satzung in generisches Femininum schreiben. Und Männer sind dann halt mitgemeint.

Exkurs
Es sei nur angemerkt, dass es natürlich Menschen gibt, die auf sogenannte leichte Sprache oder die sogenannte einfache Sprache angewiesen sind. Unterschied ist hier erklärt.

Wir sprechen hier nebenbei von Millionen Betroffenen. Umso wichtiger für eine gelebte Inklusion sind daher Informationen in einfacher Sprache auf Internetseiten. Haben wir nicht, hat der FC St. Pauli auf seiner offiziellen Homepage nicht, leuchtendes Vorbild ist wieder mal der weltbeste Fanladen, der hat das. 
Exkurs Ende

Aber um es nochmal zu betonen: Dies ist hier und eigentlich in allen Fällen kein Argument gegen vernünftiges Gendern.

Ein bisschen Kritik an dem Antrag sei trotzdem erlaubt: Warum hat man der MV als höchstes Gremium nicht einfach eine gegenderte Version der Satzung zur Abstimmung vorgelegt? Und warum hat man keinen Antrag auf Streichung des zitierten Satzes in der Präambel (die ist zumindest technisch Bestandteil der Satzung) gestellt? Das ist so ein bisschen schade. Trotzdem ist der Antrag natürlich zu unterstützen.

Antrag zur Nutzung von HVV-Tickets

Das Ganze ist komplex und mit einem einfachen „ja oder nein“ unserer Meinung nach nicht zu beantworten, der Antrag versteht sich daher vollkommen zu Recht als Auftrag an das Präsidium. Auch wenn er nicht perfekt formuliert ist. Grundsätzlich ist ihm zuzustimmen. Das bedarf aber einiger Worte:

Es ist lange überfällig, dass der FCSP proaktiv gegen Autoverkehr bei Heimspielen vorgeht. Und dazu gehört auch, die möglichst billige Nutzung des HVV zu ermöglichen. Argumente wie „aber ich brauche das nicht, warum soll ich das finanzieren?“ greifen hier viel zu kurz, denn es geht hier schon lange nicht mehr um eine Bequemlichkeit oder einen Egoismus. Es geht darum, dass wir entweder alle durch Klimawandel umkommen oder die Leute extrem umdenken. (Wir sind jetzt einfach mal dramatisch.) Und dazu gehört insbesondere auch, dass wir weniger Auto fahren. Und das sollte jede*r unterstützen. Und wenn es nur dadurch ist, dass man ein HVV-Ticket jemand anderem subventioniert. Alleine die Fahrt von Reinbek ans Millerntor und zurück mit einem PKW, der 7 Liter Benzin verbraucht, produziert jede Saison 119 kg CO2. Ja, das klingt nicht nach viel, ist es vielleicht auch nicht, aber wir leben zur Zeit in einer Situation, in der jedes Gramm zählt.

Dass wir in Sachen Nachhaltigkeit noch ganz andere Baustellen haben, sollte auch jedem klar sein.

Jedoch: Wir haben heutzutage schon Ticketpreise, die sich am oberen Rande dessen bewegen, was Menschen ohne viel Geld bezahlen können. Genügend Menschen können dies auch nicht bezahlen. Und ein HVV-Ticket wird entweder die Marge des Vereins bei den Eintrittsgeldern verringern oder das Ticket verteuern. Ersteres wird der Verein nicht machen. Zweiteres ist unpopulär.

Hier gilt es vielleicht auch kreative Maßnahmen zu ergreifen, wie z. B. einen Solitopf „Ich kaufe mir eine HVV-Karte und ich finanziere deine mit“ oder ähnliches. Auch sollten soziale Härtefälle, die nicht unter Ermäßigungstatbestände fallen, irgendwie bedacht werden. Hinzu kommt, dass aus übergeordneten politischen Entscheidungen der HVV schweineteuer ist.

Das Präsidium und wir alle werden da einen Gordischen Knoten zerstören müssen. Dies sollte aber unser Anspruch sein!

Antrag zur Auskunft anlässlich des Baus einer zweiten Anzeigentafel

Ganz ehrlich: Außer dem obligatorischem Foto des Endstandes bei einem Derby ist unsere jetzige Anzeigentafel für uns eher nebensächlich. Das liegt auch daran, dass Informationen gerne mal falsch angezeigt werden. Aber wenn das Menschen stört, dass sie diese nicht einsehen können, und sie gerne eine zweite Anzeigentafel hätten, dann tut das anderseits auch nicht weh.

Wir gehen mal davon aus, dass sich das Präsidium im Rahmen seines Berichtes zu den schon im Vorjahr angedeuteten Aus- und Umbauten äußern wird, so dass sich dieser Antrag wahrscheinlich von alleine in Wohlgefallen auflösen wird. Ansonsten gibt es aber auch keinen Grund, das Präsidium hier zu einer Auskunft per Zustimmung zu bringen.

Förderung von Frauen in allen FCSP-Gremien

Es ist 2019. Reicht als Argumentation, oder? ODER ETWA NICHT??

Disclaimer: Es könnte sehr gut sein, dass dieser Antrag von einem unserer Kollektivmitglieder gestellt wurde. Es könnte aber auch sehr gut sein, dass diesem Kollektivmitglied verboten wurde, für diesen Antrag Werbung per diesem Blog zu machen.

#Slackleaks

Da ihr ja am liebsten auf alte weiße Männer hört, hier mal ein paar Worte zu diesem Antrag von unserem ältesten, weißesten Mann:

1. Eine Quote beim FCSP ist lange überfällig. Der FCSP hat es nicht geschafft, Frauen in Führungspositionen zu bringen, er redet sich da aus seiner Verantwortung immer wieder raus. Wer nicht hören will, der muss dann auch endlich mal spüren. Es ist 2019. 

2. Es gibt bereits mindestens eine sehr große Abteilung des FCSP, die eine Quote hat, sie hat bisher immer geeignete Frauen gefunden und lebt mit der Quote sehr gut. Man könnte beinah sagen, sie ist ihre Stärke und zieht Mitglieder an, denn diese Abteilung wächst auch unaufhaltsam. Ihr könnt die Ausgestaltung in der Abteilungsordnung nachlesen. Und ihr werdet in dieser auch einen Notausstieg finden, falls es wider Erwarten keine Frauen gibt. Ja, ich bin da ein bisschen stolz auf meine Abteilung.

Ihr werdet sehen, dass diese Regelung erstens mindestens einen weiblichen Vize und dann eine Quotierung nach Mitgliederstärke vorsieht.

3. Daher ist das „es haben sich keine geeigneten Frauen gemeldet“-Argument, gerne auch in der „wir haben ganz viele Frauen gefragt, keine wollte“-Abwandlung benutzt, ein „am Arsch!“-Argument. Wenn dies wirklich so ist, dann baut einen Notausstieg ein, dann müsst ihr nämlich transparent machen, warum sich keine Frauen gemeldet haben. Oh, weil ihr die gar nicht ernsthaft gefragt habt? Mal ganz davon ab, es gibt da so ein Wort, welches sich „Sogeffekt“ nennt. Eine Quote wirkt immer auch ermutigend.

Ebenso sind “warum kommt ihr jetzt mit dem Holzhammer, muss man das nicht noch ganz viel intern diskutieren?”-Argumente gepflegter Bullshit. Seitdem wir Sandra gewählt haben, hätte auch dem letzten maskulinen Gremium klar sein müssen, dass wir Frauenförderung brauchen und eine Quote kommen wird, wenn sich nix ändert. Geändert hat sich nix. Holzhammer wäre nebenbei ein Antrag auf sofortige Satzungsänderung und sofortige Entlassung mindestens zweier männlicher Direktoren gewesen. Verdient hätten all die Verzögerer einen solchen Holzhammer. Der jetzt gestellte Antrag ist ein solcher nicht. Und nochmal: Es ist 2019. Es gibt Vereine, die die Quote leben und wieder einmal labern wir viel, sind aber wieder nicht die Ersten, die mal was Progressives umsetzen. Das ist doch peinlich! Image ist alles, Handeln ist nichts? Oder wie?

4. „Aber dann werden auch weniger geeignete Frauen gewählt, willst du das?“ Ja will ich. Immer noch besser, als wenn wir nur weniger geeignete Männer wählen. Und es ist ja nicht so, dass bei uns nur die super geeigneten Männer bereit stehen und diese alle sich nicht mehr trauen zu bewerben, weil es ggf. auch eine Frau in dem Gremium gibt. Das ist ein Scheinargument. Und wir haben in 109 Jahren FCSP genügend schlechte Männer gewählt (oder ob unserer Struktur auch wählen müssen), da würde eine schlechte Frau echt nicht ins Gewicht fallen. Mal ganz davon ab: Wir würden sofort 200 super geile Frauen aufzählen können, die wir für super geeignet halten würden sich für jeden Posten in diesem fucking Verein zu bewerben. Sogeffekt!

5. Das gilt ebenso alles auch für die hauptamtlichen Berufe. Frauenförderpläne etc. sind seit Jahrhunderten bekannt und dass man nun zufällig in den ganzen Berufen, die bei uns als Direktor*innen ausgestaltet sind, keine entsprechenden Frauen findet, das könnt ihr eurer Mutter erzählen. Und die wird euch das nicht glauben. Verpflichtetende Ausschreibungen und standardisierte Auswahlverfahren wirken nebenbei Wunder.

6. Der Verein mit seiner AG Regenbogen veröffentlichte letztens folgende Sätze:

„Nach mehreren Treffen geben die AG Regenbogen und der FC St. Pauli bekannt, dass sich der Verein verpflichtet, das Symbol des Regenbogens oder die damit verbundenen Werte Toleranz, Vielfalt und Freiheit der sexuellen Orientierung ab der Saison 2018/2019 und für jede weitere Spielzeit auf verschiedenste Art und Weise über unterschiedliche Wege in die Kommunikation des Clubs mit aufzunehmen.

Die Maßnahmen werden über die bereits beständig wehende Regenbogenflagge hinausgehen und in unterschiedlichsten Ausprägungen sichtbar gemacht werden. Bereits vor dem Antrag wurden zusätzliche Maßnahmen, wie die Einbindung einer Regenbogen-Applikation in den neuen Trikots zur Saison 2018/2019, ermöglicht.“ Quelle

Wenn für uns Vielfalt ein Wert ist, dann darf dieser Wert eben nicht nur hole Phrase, ein leeres Vermarktungselement bleiben, sondern muss eben auch gelebt werden. Und da ist eine Frauenquote ein erster kleiner Trippelschritt in die richtige Richtung. Wer also dagegen stimmt, sollte vielleicht mal überlegen, ob er sein „lieb doch wen du willst“-Shirt zu Recht trägt. Oder ob das immer nur dann gelten soll, wenn es keine konkreten Folgen hat. Dass eine Frauenquote bei weitem nicht ausreicht und wir auch in anderen Bereichen der Diversität riesige Nachholpotentiale haben, sei am Rande erwähnt. Nehmen wir nur als Beispiel, dass wir ein extrem weißes Publikum und eine extrem weiße Mitgliedschaft haben. In einem Viertel, das extrem anders aussieht. In einem Verein, der sich mit eben jenem Viertel besonders identifiziert. Das muss sich alles ändern. Aber diese weiter umfassenden Änderungen auch sehen zu wollen, sollte euch in keinster Weise von der Zustimmung zu diesem Antrag abhalten. Stichwort Trippelschritte.

Ihr wollt das alles nicht? Das ist dann Symbolpolitik, immer da nicht mitgehen, wo es ggf. einem weh tut. Und das ist verlogene Scheiße. Und die wirft uns Dynamo Dresden dann zu Recht auf einer Tapete vor. Wobei: Anderseits wäre es schon lustig, wenn sich Ultras Dynamo am Ende indirekt für eine Frauenquote aussprechen würde. Aber nein, brauchen wir nicht haben.

Klimaneutrale Durchführung von Heimspieltagen

Dem Antrag ist zuzustimmen. Die Ökobilanz des FCSP ist dringend zu verbessern. Denn sie wird schlimm aussehen. Zuviel Fleisch, zuviel Autoanreise, zuviel Energie, zuviel andere klimaschädliche Dinge, hier Konzepte zur Minderung und Vermeidung zu entwickeln ist überfällig. Der FSV Mainz 05 behauptet von sich, klimaneutral zu sein. Dies kann man in einigen Punkten garantiert hinterfragen, denn Kompensation ist ein eher fragwürdiges Konzept, aber es muss uns schon ärgern, dass die anscheinend da an Konzepten arbeiten, während das bei uns noch nicht mal wirklich ein Thema ist. Klar, bei Mainz spielt da auch ein Sponsor mit rein, aber anstatt E-Wald wäre das die bessere Nummer gewesen.

Sonst bräunt sich bald niemand mehr in der Südsee. Um wieder auf Fettes Brot zu kommen.

Und auch hier: Nur der Beginn der Fahnenstange, auch sonst ist Fußball ja nicht unbedingt der klimafreundlichste Sport. Aber hier mehr sehen zu wollen, heißt ja nicht, dass man nicht den Schritt in die richtige Richtung gehen soll. Trippelschritte, ihr wisst schon.

Wahlen

Kassenprüfer*innen

Seufz, nur Männer. Keine Ahnung, wir kennen die alle nicht. Es kandidieren 5 Männer auf einen Posten. Hört die euch an, sucht euch euren Favoriten vor Ort aus. 

Wahlausschuss

Es kandidieren 9 Menschen auf 6 Plätze. Darunter auch 3 Frauen. Nach dem eben Gesagten werdet ihr davon ja wohl mindestens 2 auf euren Wahlzettel schreiben, ja? 

Das wir Dr. Karin Nitsch jedes Heimspiel vollpöbeln, da sie bei unserer Gegengeradenfraktion steht und ihr Mann in Roth für den Senior geschwommen ist, sei am Rande erwähnt. Mit ihr macht ihr garantiert nix falsch. 

Nov 102019
 

Heimspiel. Das dritte in kürzester Zeit, was zu einem sehr verschobenen Kartenmarkt am Millerntor führt. Sind sonst die “Suche Karte”-Schilder auch wegen der professionellen Händler in der Überzahl, überwiegen diesmal die hoch gehaltenen Karten doch sehr. 

Auch die Eingangsschlange ist zum Beginn des Einlass sehr kurz. Freitag 18:30 ist echt keine optimale Zeit. Aber immerhin wird es am Ende gut voll, was man auch daran merkt, dass pünktlich um 17:45 lange Schlangen vor allen Einlässen sind. Unverständlich, dass man bei dieser besonderen Situation dann nicht mit Personal aufstocken kann.

Wir möchten den Beginn mal nutzen, um mal die Stimmung zu loben und den unermüdlichen Einsatz unserer Menschen auf dem Zaun der Süd. Immer wieder werden Süd und GG angetrieben und die Energie dieser Menschen wirkt ansteckend. Wenn Supportblock-Trommel und Südtrommel nun noch ein Tempo hätten … nein! Nörgeln wir mal nicht. Denn auch der immer wieder anstimmende oder übernehmende Supportblock wird immer mehr die Antriebsfeder der GG. Weiter so! Die lang anhaltenden, lauten Wechselgesänge sind Zeugnis genug. Wobei wir auch noch ein bisschen Wasser in den Wein schütten müssen: Die Mitmachquote in der Süd ist phasenweise insbesondere in der 1. Halbzeit doch ziemlich miserabel. Schön auch das Gejammere, man sei doch nicht zum Sport hier, während des oben genannten Wechselgesangs. Pumpen für die erste Liga, Leute. In Frankfurt hat das auch geklappt.

Im Block 1 feiern die Barflies 15-jähriges Jubiläum und irgendwer zündet hinter den Jubiläumsfahnen Rauch und Pyro. Sieht gut aus. Glückwunsch an die Gang. Auf die nächsten 15 Jahre. 

Die Barflies feiern den Geburtstag standesgemäß.

Auf dem Platz

Nein, wir sind nicht jede Woche beim Training, aber diese Aufstellungsspielereien werfen Fragen auf:

Warum steht Flum plötzlich wieder auf dem Platz und stattdessen bleibt Knoll auf der Bank? Flum ist nicht mehr so schnell wie andere, auf die Erfahrung kannst du setzen. Aber dann muss er Bälle wirklich gut verteilen, 70 Prozent Passquote reichen in einem solchen Spiel dann nicht.

Warum ist Mats angeschlagen im Kader (hatte nach eigener Aussage schon vor dem Spiel Sprunggelenksprobleme), während wir immer noch dieses Klingeln im Ohr haben, dass nur komplett fitte Spieler spielen dürften? Und das ist keine Kritik an Mats.

Gerne wüssten wir auch, was Carstens jetzt schon wieder gemacht hat, dass er nicht mal im Kader ist, parallel in der U23 spielt – also nicht verletzt ist – und stattdessen Senger einen Kaderplatz kriegt. 

Ebenso Miyaichi & Sobota – rein, raus, rein, raus, raus, raus, rein, raus, rein, rein. Kommt ihr noch mit?

Wenn du jedes Spiel anders defensiv stehst, dann kriegst du halt auch so einen Konter rein. Irgendwann zählen wir auch mal nach, ob wir nach eigener Ecke mehr Tore gemacht oder Gegentore nach einem Konter nach eigener Ecke bekommen haben. 

Kein Wunder, dass auch im weiteren Spielverlauf in der Defensive immer wieder Fehler passieren, die aus schlechter Abstimmung resultieren. 

Gut, dass Bochum defensiv aber auch nicht unbedingt die stärkste Mannschaft ist und Sobotas 2. Versuch aus gleicher Position reingeht – und er dann sogar noch weitere Chancen aus gleicher Position hat, die aber alle nichts mehr werden.

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit gibt es dann noch zahlreiche weitere Chancen, aus denen mehr als das eine Tor in der 10. Minuten resultieren muss. Dazu müsste aber die ganze Mannschaft auch mal sicherer bei Ballannahmen werden. Was da verhoppelt, passt auf jeden Fall nicht zum Anspruch. 

In der Halbzeitpause …

… laufen dann die Sportfreunde Stiller und die ganzen Nachwuchsultras in unserem Umfeld gucken höchst irritiert, als wir mitgrölen. Gut, vielleicht sind wir auch einfach nur alt.

Die AFM wurde 20 und der Nicht-Ultrá-Nachwuchs dankte zur Halbzeit

Ähnlich sparsam kommt die Mannschaft aus der Kabine. Das ist nicht das erste Mal, dass da in den ersten Minuten nach der Halbzeit richtig Energie fehlt. Dass wir da kein Gegentor kriegen, liegt jedenfalls mehr an Bochums Unvermögen als an unserem eigenen Können. Wir sitzen nicht in der Kabine, aber sollten die Spieler da nicht taktisch neu eingestellt und mental fit auf den Platz gehen?

Der Rest der 2. Halbzeit ist ein recht belangloses Zweitligaspiel ohne wirkliche Großchancen. Bochum scheint zufrieden mit dem Punkt und auch bei uns sehen wir keinen unbedingten Siegeswillen.

Mats’ Sprunggelenksprobleme sorgen dann auch für seine Auswechslung. Wir warten als immer noch darauf, dass Mats und Henk endlich wieder gemeinsam auf dem Platz stehen.

Man scheint dann auch von der Trainerbank mit dem Unentschieden zufrieden, verzichtet auf den 3. möglichen Wechsel und es gibt auch keine weiteren taktischen Anpassungen. Und nicht nur lässt der Trainer den 3. Wechsel weg, sondern bricht demonstrativ bereits einige Minuten vor Spielende das Aufwärmen ab. Reicht ja schon, wenn sich da einer – beim FCSP natürlich völlig unerwartet – ‘nen Muskel zerrt und ersetzt werden muss.

Um es hier mal ganz deutlich zu sagen: Der eine Punkt ist gegen den Gegner zu wenig. Und wenn man größere Ansprüche sonst bei jeder Gelegenheit rausposaunt, dann sollte man das in einer solchen Situation auch mal zeigen.

Erinnert ihr euch noch an den “Abwasch” gegen Sandhausen? Wie bockstark und ungefährdet die Mannschaft da einen klaren Heimsieg runtergespielt hat? Und das Testspiel gegen Bremen mit vielen guten Ansätzen? Was ist bloß seitdem und seit der letzten Länderspielpause passiert? 4:7 Tore aus 5 Pflichtspielen (0.8 Tore pro Spiel, vor dieser Pause waren es 1.77 pro Spiel), 3 Niederlagen und 2 Unentschieden. Bei einer klaren sportlichen Entwicklung nehmen wir so ein Spiel gegen Stuttgart mal mit, genauso das Spiel in Dresden. Aber so eine Phase, ohne dass es sichtbare Reaktionen der Spieler oder Offiziellen gibt? Sorry, das ist einfach nicht genug.

Danach

Wir finden uns vor der Weinbar ein und haben wahrscheinlich 50 Prozent des Museums finanziert. Dankt uns später.

Kulturförderung

Es ist Dom. Das macht alles eng und nervig und ein Gang auf den Dom zeigt auch wieder, was für komische Menschen vom Dom angezogen werden. 

Irgendein Eumel hat dann so ein Überkopf-Fahrgeschäft direkt so gestellt, dass es über den Stadioneingang seine Loopings dreht. So richtig klug ist das nicht, denn wenn da mal was runter fliegt, dann trifft es mit Schwung jemanden, der im Notfall nicht hinguckt. Nicht gut. Nach ein, zwei Getränken findet sich dann noch ein Kollektivmitglied zur Testfahrt. Dem Blick nach zu urteilen ist das eher langweilig. Immerhin einmal hoch hinaus gekommen an diesem Tag.

Und jetzt? Haben wir natürlich richtig Bock auf ein Spiel in Aue.

Mit Dank an T. für den Titelvorschlag.