Okt 192019
 

Wir haben heute nach dem Spiel Astra getrunken. Wir trinken – aus Gründen – nie Astra. So ein Tag war heute.

19.10., eigentlich unser Tag, angenehm warm für Oktober (den Darmstädtern war so warm, die hatten gleich die Shirts zu Hause gelassen), nur ein bisschen Niesel zwischendurch, Samstag Mittag, seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen, amtierende Stadtmeister*innen.

Klar, dass das dann nicht unser Spieltag wird. Dit is unser St. Pauli.

Klimafreundliche Anreise

Lieber Verein, coole Dinge wie Eintrittskarte = HVV Fahrkarte könnt ihr auch mehrfach verkünden. Lieber einmal weniger Fairnetzer Kram verbreiten und einmal mehr auf diese Möglichkeit hinweisen. Und die Möglichkeit der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs bitte endlich dauerhaft einführen. Auch und gerade für unsere Gäste. Wir finden das auswärts immer sehr angenehm, uns wenigstens um sowas keine Gedanken mehr machen zu müssen, während wir 45 Minuten auf S-Bahnen warten. Looking at you, Stuttgart.

Sowieso: Dürfen nun alle Fanclubs mit einer Verbreitung ihrer Veranstaltungen inklusive ihrem Logo über offizielle Kanäle rechnen? Der Fanclub Pöbelmob1910 plant da eine Veranstaltungsreihe mit solchen spannenden Themen wie “Warum bringen Ecken nix ein?” oder “Wieviel muss man nachlegen damit Ruhe ist?” Ballsaal geht klar, lieber FCSP? Coole Gesprächspartner*innen fürs Podium organisieren wir.

Stickerbusiness

Vielen Dank für die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu unseren Stickern und zum Blog an sich. Wir freuen uns da echt jedes Mal sehr drüber. Danke auch an Turbost.Pauli für die Zusammenarbeit (Sticker, nicht Blog). Wir werden noch für Möglichkeiten sorgen, dass ihr an die Sticker kommt. Achtet auf entsprechende Ankündigungen. Wir haben allemal auch welche in Heidenheim dabei. 

Neben dem Platz

Das neugegründete Netzwerk Gegengerade machte mit einem Flyer auf diverse Probleme aufmerksam. Sehr schön. 

Unschön jedoch, dass vor dem Spiel auf der GG ein Mensch intensive medizinische Hilfe benötigte. Gute Besserung dir! In diesem Zusammenhang: Lieber Verein besorgt euch mal eine Stadionregie. Ein Mensch der keine andere Aufgabe hat als Augen und Ohren offen zu halten, jeglichen Funk auf dem Ohr hat und im Fall der Fälle Stadionsprecher*innen und Anzeigentafelbediener*innen mit Infos füttern kann. Was man dann genau macht in einem Spannungsfeld von Pietät und “bloß nicht noch Gaffer drauf aufmerksam machen“ wissen wir auch nicht. Aber wichtig ist informierte Entscheidungen zu treffen. 

Fehltritte

Nicht nur auf dem Platz war heute eher ungeschickt. Mensch kann vorbereitete Hashtags auch noch ändern, liebe Medienabteilung.

Und auch das mit dem Gendern kann einem mal durchrutschen, passiert auch uns. Aber man kann sich dann korrigieren, wenn man daraufhin hingewiesen wird. Werte in die Welt tragen und so.

Suchtmittel verteilen

Es ist eure individuelle Entscheidung welche Suchtmittel ihr konsumiert. Und uns ist auch klar, dass viel Geld gerade durch Werbung für Suchtmittel verdient wird. Aber spätestens wenn man Suchtmittel für umsonst im Stadion verteilt ist man über jede Grenze des Entschuldbaren rüber. Es gibt schon genug Gründe warum viele Player der Tabakindustrie freiwillig auf das Verteilen von Produktproben im Sportkontext verzichten. 

Moods verteilt vor dem Spiel Samples in der Südkurve

Hier ist eine deutlich höhere Sensibilität gefragt. Gerade vom FCSP. In einer idealen Welt würden wir für so etwas gar nicht werben. Und für die Möglichkeit Maserati zu mieten auch nicht. 

Ansonsten verweisen wir auf unseren Hot Take zum “Wie”, insbesondere im Hinblick darauf, dass vor wenigen Wochen Kooperationen mit Tabakproduzenten noch nicht in Aussicht waren und wenn dann intensiv geprüft werden sollten. 

Auf dem Platz

Jede Serie (außer den Simpsons) findet irgendwann ihr Ende.

Auch die der ungeschlagenen Spiele des FCSP. Dies aber richtig unnötig. Denn wir sahen ein typisches 0-0 Spiel, welches wir am Ende 0-1 verlieren. Es fehlte uns von Beginn an das Feuer, der unbedingte Wille, der uns in den letzten Heimspielen auszeichnete. Und den brauchst du gegen die harte Nuss Darmstadt, die sich fußballerisch zwar extrem beschränkt zeigte, im Aufbau einen Fehlpass nach dem anderen spielte, aber auch sehr erfolgreich einen Bus im Strafraum und einen davor parkte (um mal Tim zu zitieren).

Warum wir das dann nicht nach Hause schaukeln? Weil wir wieder nach einer Ecke, die in den 5er getreten wird ein Gegentor bekommen. Das darf in dieser Regelmäßigkeit einfach nicht passieren! Und es merken gegnerische Mannschaften immer mehr, dass dies unser Schwachpunkt ist. Das Tor fällt auch zwei Minuten nachdem wir in der Innenverteidigung wechseln (müssen?). Lawrence hat seit Donnerstag wieder voll trainiert und man muss sich fragen, ob das nicht zu viel Risiko war ihn zu bringen. Insbesondere da der Trainer zu Saisonbeginn noch sagte, er bringt nur 100% fitte Spieler. Eine offensichtliche Verletzung war jedenfalls nicht Auswechslungsgrund (was natürlich nicht ausschließt, dass das der Hintergrund war, in der Pressekonferenz wurde allerdings auch nichts derartiges gesagt).

Und auch der Wechsel Knoll-Buchtmann und Buchtmann dann in die vordere Position wirkte sich klar negativ auf das Spiel aus, da ist plötzlich Luft raus, da kommen Pässe nicht mehr an und da sind diverse Laufwege nicht aufeinander abgestimmt. Gleiches gilt leider auch für die Einwechslung von Johannes Flum. In den vergangenen Spielen war auch ein Faktor, dass wir Spieler von der Bank gebracht haben, die das Spiel besser gemacht haben, die vorne Druck gemacht haben. Dies war dieses Mal leider nicht zu sehen.

Der Schiedsrichter pfeift sein erstes Spiel am Millerntor und so richtig souverän sieht anders aus. Der ist definitiv nicht Schuld am Ergebnis, aber bei harmlosen Einwürfen wie wild rumzufuchteln ist einfach überflüssig. Genauso wie mitten durch Passwege zu laufen, mehrfach.

Offensiv wirbeln Mats, Finn-Ole und Marvin zu Beginn mehrfach gut durcheinander und stehen dadurch auch immer mal wieder schön frei. Was heute leider fehlt ist der entscheidende Pass der ankommt. Oder dann das Glück den Ball nach dem entscheidenden Pass auch reinzumachen (Diamantakos, irgendwann).

Den Spielern sah man den Frust über das Ergebnis deutlich an. Schade, dass an die guten Eindrücke des Testspiels gegen Bremen nicht angeschlossen werden konnte. Wir halten uns für heute mal an Maik: Das entscheidende Spiel nicht zu früh gewinnen.

Bijî Rojava

Sehr schön war die Solidarisierung mit den Kurd*innen nach der Halbzeitpause.

Verschiedene Fangruppen hatten nach dem Spiel aufgerufen, sich der Demo gegen den türkischen Angriffskrieg gegen Nordost-Syrien anzuschließen. Nach unserer Schätzung kamen dann etwa 500 Fans nach dem Spiel hinzu und schlossen sich am Südkurvenvorplatz an. Leute, das sind nicht mal 2% der im Stadion anwesenden Menschen. Da geht noch viel mehr!

Weiter, immer weiter

Wir fahren jetzt als solides Mittelfeld nach Heidenheim. Und ganz ehrlich? Zu Saisonbeginn wären wir damit schon zufrieden gewesen. Wäre schön, wenn das Spiel nicht so ausgeht, wie letzte Saison, wir haben da keine ganz so guten Erinnerungen.

Aber zählen darauf, dass Finn-Ole die richtige Reaktion auf den Platzverweis aus dem April hat. Wahnsinn, wie er damals frisch zum zweiten Mal für die Profis auf dem Platz stand. Und wie er jetzt fester Bestandteil der Mannschaft ist. Weiter so!

Okt 142019
 

„Wir haben jedenfalls keine Lust mehr, den drölfzigsten Stadiontourist*innen zu erklären, dass und warum das scheiße ist. Bevor ihr in die Wohnzimmer anderer Leute geht, informiert ihr euch doch auch über die Gepflogenheiten. Erklärbär*in in super freundlich ist da einfach nicht, wir gehen da aber auch noch mal in einem separaten Beitrag die Tage drauf ein.“

Das waren Sätze in unserem letzten Auswärtsbericht. Wir beziehen uns in so einer Formulierung natürlich auf eine konkrete Situation und seien wir ehrlich: Die Beschreibung war für die konkrete Situation noch viel zu freundlich.

Aber wie geht man allgemein mit einem solchen Thema um? Wir hatten da intern Diskussionen, sind vielleicht nicht immer einer Meinung, haben uns dann aber entschieden, noch mal das Ganze von vorne aufzurollen und es ausführlich, ruhig und allgemein zu erläutern. Einmal natürlich für Leute, die neu sind. Und einmal für Leute, die bisher alles darüber ignoriert haben. Wir sind so vermessen zu behaupten, dass wir auch solche Leute erreichen können. Habt ihr uns gerade unverbesserliche Optimist*innen genannt? 

Wir sind garantiert nicht das reichweitenstärkste Medium, aber gehen schon von einer sehr diversen Leser*innenschaft aus. Insofern hoffen wir, mit diesem Artikel was zu erreichen.

Man kann nebenbei viel – nein, falsch – sehr viel gegen Dynamo Dresden haben, aber da gibt es auf der offiziellen Seite einen Überblick über Gepflogenheiten im K-Block. Das ist gar nicht schlecht, weil auch du als unwissende*r Stadiontourist*in dann weißt, was los ist, und hast ganz einfach ein entspanntes Stadionerlebnis. Das ist doch auch als Neuling, der einfach mal nur diese „herrlich verrückten Paulis“ sehen will, eine geile Grundlage. Einen entspannten Tag im Block mit ein, zwei Bierchen und am Ende ein gemeinsames Lächeln mit der*m Nachbar*in? Cool, oder? 
Uns sei hierbei aber auch gestattet anzumerken, dass sowas auch in der Süd hängt. Nicht unbedingt gut sichtbar, aber es hängt da. Und da ist das Fotothema aufgegriffen.

Ist das denn wirklich Gepflogenheit?

Viele werden sagen: „Hab ich doch noch nie gehört! Und das Filmen im Block ist doch auch nicht verboten!“ Letzteres ist erstmal richtig (wir kommen dazu noch), ersteres liegt dann aber auch an deiner Ignoranz, wenn du schon mehrfach zum FCSP gegangen bist. Das ist schon in den 00er Jahren Thema in Spieltagsflyern und Auswärtsflyern (ja, gab es damals) gewesen, hier ist es schon wieder länger Thema und auch beim fc42 war es schon Thema in Berichten. USP nutzte mal „Paparazzi töteten Lady Di“ als Aufmach, um auf das Thema aufmerksam zu machen, und bereits 2011 findet sich im Internet ein Basch-Artikel zu dem Thema in dem u.a. folgendes steht: 

“Unsere Kurve ist ein Ort, indem Menschen durchdrehen, singen und sich wohl fühlen sollen. Kameras und Fotoapparate nerven, gefährden und sind daher ein Tabu, was der Doppelhalter „Paparazzi töteten Lady Di“ verdeutlichen soll. Videos und Bilder von unserer Kurve bringen wir selber heraus und legen daher keinen großen Wert auf Hobbyfilmer und –fotographen.”

„Paparazzi töteten Lady Di“ in der La Gazetta D’Ultrá (Ausgabe 91, 10.08.2007).
Herzchen an die Fanräume, wir hatten die Hoffnung auf die Abbildung schon fast aufgegeben und haben es dann im dortigen Archiv in unter 5 Minuten gefunden.

Es gab also schon genügend Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu werden.

Du solltest also eine gewisse Sensibilität für das Thema aufgebaut haben, wenn du schon länger als ein Spiel zum FCSP gehst. Hast du nicht? Du bist hier genau richtig!

Du hälst dich nebenbei auch an diverse andere Gepflogenheiten, ohne es zu wissen. Du hängst dein „Hasi grüßt Pauli“ Plakat nicht in die Mitte am Zaun, du gehst nicht aufs Vorsänger*innenpodest und dirigierst das Publikum, du reichst Fahnen weiter und gibst sie wieder ab. Und so weiter und so fort. 

Und wenn du irgendwo komplett neu bist, dann ist doch eigentlich eine Zurückhaltung und ein „ah, so läuft das hier!“ ganz normal, oder?

Ein Wort auch an Leute, die Karten weitergeben oder vermitteln. Sprecht über solche Dinge mit den Leuten, die mitkommen möchten. Wir finden, ihr habt da auch so ein bisschen eine moralische Verantwortung. Und wir wiederholen uns, aber es ist doch cooler wenn dieser Mensch beim ersten Besuch ein stressfreies Erlebnis hat. 

Aber wenn es doch nicht verboten ist, warum muss ich mich dran halten?

Ganz einfach: Es stört andere, du hast ein mieses Stadionerlebnis, weil es andere stört, und dein Tag ist nicht so schön, wie er sein könnte. Und wofür? Für ein paar rauschende doofe Videos oder ein verwackeltes Foto, das du nie wieder ansiehst? Selbst wenn einen alle gleich folgenden Argumenten nicht überzeugen, dann ist doch die alleinige Abwägung von Vor- und Nachteilen Grund genug.

Und warum ist das doof?

Fangen wir mal mit einem ganz einfachen Grund an: 

Wir alle sind da, weil wir ein Spiel genießen wollen und ein Fußball-Team (Hallo Thees) supporten wollen. Dazu gehört es, dass man eskaliert, durchdreht, auch mal pöbelt und sich dabei frei fühlen kann. Jetzt mal ein paar persönliche Worte vom Senior: Meine Wenigkeit neigt dazu, im Stadion nicht gerade ruhig rum zu stehen. Und ich sehe aufgeregt oder singend echt nicht gut aus (Anmerkung des Kollektivs: Der Senior lügt. Aber nur zu diesem Thema <3). Das kann ich nur deswegen frei, weil ich der Überzeugung bin, dass niemand mich aufnimmt und als Lachnummer seinen Freund*innen zu Hause präsentiert. Und Grundlage dafür ist eben, dass ich nicht gefilmt werde. 
Und damit ist der Senior nicht allein: Der sangesfreudige Kollege schmettert auch deswegen so inbrünstig, weil es im Hier und Jetzt des Stadions verhallt und nicht für die Ewigkeit ist. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Frei sein, fallen lassen, durchdrehen, abdrehen nennt es wie ihr es wollt, es sollte ein möglichst unbeobachtete Erfahrung sein. Das ist auch eine Grundlage für guten Support.

Es ist nicht cool

Findet ihr das cool, von irgendjemandem auf der Straße direkt ins Gesicht gefilmt zu werden? Ohne gefragt zu werden? Selbst wenn ihr gerade gut frisiert seid und euch echt cool findet, wird die große Mehrheit von euch diese Frage definitiv mit „nein“ beantworten. Das solltet ihr vielleicht überlegen, bevor ihr das Handy zückt.

Stimmung lebt vom Support

Du findest die Stimmung beim FCSP super? Wahrscheinlich geht es Dir da wie uns, und es ist besonders eindrucksvoll, wenn das ganze Stadion auf einmal mitzieht. Und was passiert, wenn du die Kamera rausholst? Eben, du supportest plötzlich nicht mehr. Und was passiert, wenn das alle machen? Zack, die Stimmung ist dahin.

Du bekommst Nerv mit der Polizei

Fußballfans werden massiv überwacht. Und gerade Foto- und Bildmaterial wird dazu eingesetzt. Die Polizei nutzt dafür schon massiv eigene Kameras, aber sie besorgt sich auch gerne „Fremdmaterial“. Und da mag dein Foto noch so harmlos erscheinen, für die netten Menschen in USK-Uniform kann das plötzlich das heiße Bild sein. Und die sehen, dass du fotografiert hast. Wir wissen nicht, wie es euch so geht, aber wir sind immer froh, wenn wir mit diesen eben gerade nicht netten Menschen in USK-Uniform so wenig wie möglich zu tun haben. So ein „ach sie haben da eben gerade fotografiert, wir hätten gerne das Foto“-Diskussion mit zehn Riotpolizist*innen kann man sich echt ersparen.

In Nürnberg fielen uns wieder rote Plastikordner an einzelnen Polizisten auf. Darin sind Fotos von Leuten, bei denen die Polizei meint, sie seien böse. Wollt ihr dafür Fotos liefern? Wohl nicht.

Gefährdung anderer

Und wie ihr daraus vielleicht schon erkennt: Ihr gefährdet andere Fans mit euren Fotos.

Polizei liebt Schubladen, will Menschen miteinander verknüpfen und in die Schublade „Gefährder*in“ einsortieren. Und da reicht es, wenn du auf einem Foto neben Hans (oder Hannah) Hooligan stehst und auf dem Video vielleicht noch zu sehen ist, dass du mit Hans Hooligan nach dem 1-0 lächelnd abklatscht. Bumms, schon bist du in der Schublade „Gefährder*in“. Und auch dafür muss man echt kein Material liefern.

Dies gilt umso mehr, wenn im Block etwas passiert, was Polizei nicht mag. z. B. Pyroeinsatz. Da kannst du zu stehen, wie du willst, du musst es nicht filmen. Insbesondere, wenn du das doof findest. Oder zeigt man das dann doch leicht bewundernd rum? Das ist dann zumindest widersprüchlich. 

Noch schlimmer: Veröffentlichen

Was noch schlimmer ist als das Foto/ den Film zu machen? Diesen zu veröffentlichen! Gründe? Siehe oben. Und ihr werdet es nicht glauben, nicht alle Menschen, die den Hashtag #fcsp sich auf Instagram ansehen, sind Engel und Fans der Braun-Weißen. Da gibt es auch Hans Hooligan von Naziverein e. V. (oder auch Naziverein AG, da sind wir flexibel), der dann jemanden aus seinem Heimatdorf sieht und sich denkt: „Ah, das ist eine Zecke? Interessant! Dann besuch ich die/ den mal.“ Und leider gibt es von dieser Sorte mehr, als ihr denkt.

Dass sich sogenannte szenekundige Beamt*inne, miese Journalist*innen etc. da bedienen, kommt auch noch hinzu. Die Bildzeitung mit ihren „Bürgerreporter*innen“ (hier Bild, wir haben mal für Euch gegendert) oder wie sie den Mist nannten lässt schön grüßen.

Rechtliches

Es ist natürlich nicht gesetzlich verboten, Fotos zu machen. Ganz ehrlich: Da haben wir jetzt einfach mal eine „legal, illegal, scheißegal“-Haltung. Aus den oben beschriebenen Gründen. 

Bei einer Veröffentlichung wären wir relativ schnell bei „Recht am eigenen Bild“ und auch wenn in Stadion-AGB heutzutage eine ziemlich weitgehende Zustimmung für die Nutzung des übertragenden Senders eingebaut ist, so gilt die nicht für deine Bilder. Klar, das ist alles Graubereich und irgendeine spitzfindige Jurist*in wird das anders sehen, aber das ist nicht der Punkt.

Zuletzt

Wenn ihr unbedingt Choreo-Fotos haben wollt, dann wendet euch doch an die üblichen Quellen. Die veröffentlichen echt viele gute Fotos. Ihr wollt das als riesiges Poster an eure Wand? Fragt freundlich nach, vergütet den Aufwand angemessen und ihr werden von denen auch die Zustimmung bekommen. Mal ganz davon ab verkaufen unsere Ultras auch regelmäßig richtig gute Poster

Und wenn es gar nicht anders geht?

Du hast der Liebe deines Lebens ein Selfie vom Spiel versprochen? Und willst diese nicht enttäuschen? Dann frag vor dem Spiel laut und deutlich deine Umstehenden, ob und wie du das kurz machen kannst. Dann werdet ihr alle gemeinsam einen Weg finden. Besser ist aber so etwas gar nicht zu versprechen, aber ab und zumal macht ja Liebe blind.

Ähnliches gilt von Weit-weg-Bildern anderer Blöcke: Klar ist da nix Spannendes drauf. Seid trotzdem vorsichtig, weist am besten Leute drauf hin, bevor ihr knipst. Wenn nur das Spielfeld zu sehen ist, ja gut, macht halt. Wir packen ja meistens auch ein Foto in die Blogberichte. Wer wären wir, da zu sagen, das geht nicht?

Und wenn jemand nörgelt?

Dann nimm es erstmal hin. Im Block sind Diskussionen gerade während des Spieles schwierig. Wenn du das gar nicht verstehst, dann sprich den Menschen in der Halbzeit oder nach dem Spiel FREUNDLICH an und frag nach den Gründen. Und nimm auch die erstmal hin und reflektiere die. Klar, das fällt jedem schwer und Menschen neigen dazu, sich rechtfertigen zu wollen. Kennen wir alles. Geht jedem so, wenn man sich „erwischt“ fühlt. Aber meistens nach ein paar ruhigen Minuten wird man sagen: „Jo, irgendwie hast du Recht.“ Ganz schlecht und irgendwie Totschlagargumente sind „deine Meinung ist deine Meinung, die mich nicht interessiert“ oder „von dir lasse ich mir gar nix sagen“ oder ähnliches. Dann wundere dich nicht, dass es aus dem Wald zurückruft, wie es hineinschallt.

Und auch: Es gibt mehr als genug Menschen, die jedes Spiel irgendwelche anderen darauf hinweisen, dass sie nicht in deren Homestory auftauchen möchten. Das macht müde und die haben deswegen nicht unbedingt immer Lust auf ”alles im Sitzkreis durchsprechen“.

Okt 132019
 

Rise up 4 Rojava

Wir sehen das wie USP. Beim FCSP ist kein Platz für religiös verklärten Nationalismus. 
Und wer jetzt was von “Meinungsfreiheit” oder “Intoleranz” faselt, dem sei gesagt, dass Meinungsfreiheit auch umfasst, die Konsequenzen seiner Meinung tragen zu müssen. Und es nicht heißt, dass man jeden Dünnsinn ohne Folgen in die Welt posaunen kann. Schon gar nicht, wenn einem das schon mal deutlich gemacht wurde. Und Toleranz (Wortsinn: Duldsamkeit) endet dort, wo Geduld mit intoleranten Meinungen einer Zustimmung gleichkäme. Nebenbei haben wir nie behauptet, beim FCSP bis zur Selbstvergessenheit tolerant zu sein. Werte vor Toleranz.

Sportliches

Fußball wurde diese Woche auch noch gespielt. Einige Beobachtungen zu dem Testspiel gegen Werder Bremen:

Schön, dass es endlich mal wieder ein Testspiel gab, auf das wir uns länger als 10 Sekunden gefreut haben. Vernünftiger Gegner, der nette Fans mitbringt. Da war das eine nette Beschäftigung für einen Freitagabend. Ist ja nun doch auch gar nicht so schwer, uns mal irgendwie glücklich zu stellen. 

Werder trat mit einer C-Mannschaft an. Das ist verständlich, mindert natürlich den sportlichen Wert, soll aber nicht negieren, dass die bei uns eingesetzten Spieler immer wieder schön den Ball laufen ließen, gute Spielkultur und immer wieder Tempo zeigten. Und es war ja auch bei uns eher die B-Elf. Insgesamt ein Spiel auf ein Tor und nur der Werder-Keeper verhinderte mehr Tore. Und vielleicht auch unsere mittelmäßige Chancenauswertung.

Schön, Ziereis, Veerman, Zander wieder auf dem Platz zu sehen. Unser ungeschultes Auge hatte gerade bei Ziereis noch das Gefühl, dass er sehr vorsichtig agierte, aber das legt sich nur im Spiel. Zander hingegen in einigen Aktionen schon mit vollem Körpereinsatz. Es ist gut, wenn die drei wieder Alternativen sind, denn wir wissen alle nur zu gut, wie schnell sich Spieler verletzten.

Kalla mit neuer Frisur. Die Frisur ist jetzt nicht so unsers. Oder halt, eher “war”. Wenn Schnecke die trägt, dann ist sie toll.

Keine Süd, keine Emotionen. Wenig bis keine Gesänge sind eher langweilig. Aber dafür war es schön, mal wild mit Werder und St. Pauli zusammen zu stehen. Dass sich wieder der Idiot des Tages fand mit solchen Aussagen wie “Das ist ein Männersport” ist auch klar, oder? Bei uns wurden sonst Pläne geschmiedet, einen bekannten Hamburger Musikclub ins Stadion zu integrieren. Details, wenn der Plan umgesetzt wird. 

Nebenbei merkte der Südteil mal wieder, wie viel mehr man von dem Geschehen auf dem Platz aus “nicht-Süd”-Sicht mitbekommt.

Nach dem Spiel wurde so ein Doppeldeckerbus in den Medienparkplatz gelassen, der mit Discobeleuchtung innen und keiner Höhenkontrolle außen trocken an die Treppen des Südaufgangs ditschte. Einmal Unterhaltung für alle. Ansonsten hoffen wir, dass da keine strukturellen Langfristschäden Ergebnis des Ausflugs sind. S.o. – ohne Süd ist es dann doch etwas langweilig.

Im Anschluss kleine Demo für Kurdistan, vergleichsweise wenig Beteiligung, Reeperbahn teilweise komplett zu mit Cops. Lustige Freitagabendunterhaltung für die Touris. Wir schlossen uns dann den Demos am Samstag an. Es gab schon schlechter besuchte Demos in Hamburg, aber richtig viel los war da nun ehrlich auch nicht. Zumindest entsprach es absolut nicht der Dringlichkeit der Lage.

Mal wieder eine Werteveranstaltung

Ansonsten soll in dieser Woche noch eine Veranstaltung zum Thema “Unser Fußball – braucht neue Werte” stattfinden.

Gäste unter anderem? Andy Grote (zu dem müssen wir nichts mehr schreiben), Rainer Koch (gegen den gerade die DFB-Ethikkommission – ja, so etwas gibt es wirklich! – ermittelt), Jonas Boldt (dessen Name im Football Leaks Kontext bzgl. Scheinangeboten auftaucht). Fehlt eigentlich nur noch ein Mitglieder des Organisationskomitees der WM 2022 in der Einladung. 
Warum sich Oke auf dieses Podium begibt, bleibt uns ein Rätsel. Klar muss man als Präsident auch mal mit unliebsamen Menschen sprechen. Aber dann eben nur aus zwingendem Grund. Und den erkennen wir hier absolut nicht.

USP hat hierzu ebenfalls eine Stellungnahme veröffentlicht. Und ja, die veröffentlichen mehr als wir in den letzten Tagen. Aber beim FCSP ist aber allgemein ja gerade wenig so wie immer. Der Einladung, die Veranstaltung entsprechend zu begleiten, schließen wir uns an.

Okt 082019
 

Vorneweg

Wir erfuhren erst auf der Rückfahrt vom Tod eines Besuchers des Spieles in Nürnberg. Da war die Rohversion dieses Berichtes bereits geschrieben, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Aber alle Dinge erscheinen dann natürlich in einer anderen Perspektive und wir wünschen allen Freund*innen und Angehörigen viel Kraft und senden unser Beileid.

Durchatmen. Hier der Rest des Berichtes.

Etwas wirr heute 

Da denkst du “Cool, Frankenland, da kann man sich eine entspannte Auswärtstour gönnen und liebe Menschen besuchen” und dann ist für 50 Prozent unserer Crew dieser Plan mit samstäglichen Stau ohne Ende und morgendlicher Migräne verbunden. Danke daher hier an die Lieferantinnen der notwendigen Pillen, um das Spiel zu verfolgen.
Falls ihr also unsere sonst so strukturierte Art und Zwischenüberschriften vermisst, liegt das daran und natürlich an den netten Getränken auf der Rückfahrt. 

Cool vs. uncool

Verarbeiten wir doch mal diesen Tag in so einer “Cool / uncool”-Liste! Etwas ausführlicher und natürlich nicht immer vollständig ernst. 

Cool ist es, dass Nürnberg ein Verkehrsleitsystem hat und man echt gut auf die Parkplätze kommt. Cool auch, dass man das Stadion gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Uncool, wenn man die Parkplätze für “Pauli-Fans” auszeichnet und die per Bahn anreisenden Menschen sonstwohin schicken will. 

Und versucht macht man überhaupt Fantrennung, wenn am Ende alles durcheinander läuft? Keine wäre uns ja meistens am liebsten, aber wenn, dann richtig. 

Cool, dass man vor dem Stadion etwas zu essen und trinken bekommt. Hallo Osnabrück. Uncool, dass man sich dabei die Stadionhits anhören muss. Es reicht einmal pro Tag “Die Legende lebt”. Was für ein elender Ohrwurm nebenbei. 

Spannende Erkenntnis des Tages: “Der Club” heißt vollständig “1. FC Nürnberg, Verein für Leibesübungen e. V.” ist das nicht irgendwie ein bisschen viel Club und Verein in einem Namen? Nun ja, jede*r wie er oder sie es mag. 

Cool, wenn es ausreichend Stehplätze gibt. Uncool, wenn diese mit diesen nervigen Klappsitzen ausgestattet sind und künstlich in zwei Blöcke unterteilt werden. Führt immer dazu, dass irgendwo versucht wird, sich in einem Block zu sammeln, und es in diesem eng wird. 

Cool sind dann Leute, die Rücksicht nehmen, den Hinweis ernst nehmen, dass man nix hinter ihnen sieht und entsprechend reagieren. 

Cool, wenn nicht immer die gleichen Nasen im Block zu sehen sind, und Fans aus der Region (nicht DIE Region, aber liebe Grüße an J.-U. S. an dieser Stelle) sich das Treiben im Auswärtsblock ansehen können. 
Uncool, wenn Schnattern und über den Vorsänger lachen dann die Hauptbeschäftigung ist. 

Filmen again

Und Leude, es wär richtig cool, wenn ihr aufhören würdet, Fotos im Block zu machen, damit ihr euren Freund*innen von diesen “verrückten Paulis” bebildert erzählen könnt. Fotos der Choreo/vom Block findet ihr an den üblichen Stellen (zum Beispiel hier bei USP). 

Und richtig uncool wird es, wenn ihr auf den Hinweis den Ton bemängelt (“Sag das doch freundlicher”), oder es euch egal ist, wenn ihr frontal in den Block filmt (“Ist meine Sache”). Wir haben jedenfalls keine Lust mehr, dem drölfzigsten Stadiontourist*innen zu erklären, dass und warum das scheiße ist. Bevor ihr in die Wohnzimmer anderer Leute geht, informiert ihr euch doch auch über die Gepflogenheiten. Erklärbär*in in super freundlich ist da einfach nicht, wir gehen da aber auch noch mal in einem separaten Beitrag die Tage drauf ein. Richtig cool ist der Vorsänger, der ebenjenen Hinweis aufs “Handy wegpacken” mit zarter Stimme in den Block flüstert. 

Cool sind Stadien mit überhängenden Oberrängen ja schon. Auch die Achteckigkeit des Nürnberger Stadions ist besonders. Uncool ist dabei aber, dass die Lautsprecher im Blickfeld hängen, wenn man oben steht und man durch die Laufbahn nix von der Stimmung auf der Gegenseite mitbekommt. Gut, ist sowieso keine Stimmung.

VAR-Tor

Unsere Truppe das erste Mal unverändert zur Vorwoche. Unverändert auch der Torschütze, denn erneut trifft Gyökeres. Das Tor zählt erst nach Videobeweis und auch wenn wir bisher immer davon profitiert haben, so richtig cool sind wir mit dem VAR immer noch nicht. Als Ausgleich wird uns dann in der zweiten Halbzeit ein Tor wegen Abseits bei Sichtbehinderung nicht gegeben. Was sonst auch nicht immer gepfiffen wird. 

Cool, dass wir genügend Chancen haben, um am Ende noch das 2-1 zu erzielen. Uncool, dass es Glück, Himmelmann und Nürnberger Unvermögen sind, die deren Führung verhindern. Noch uncooler ist, dass wir den Ausgleich erst durch einen harten Fehler ermöglichen. Passiert den Besten, Waldi, Kopf hoch. 

Cool, dass wir mehr als einen Stürmer im Kader haben. Uncool, wenn der Ersatzstürmer seine Leistung aus von vor zwei Saisons in Duisburg bisher so gar nicht abrufen kann.

Cool, dass die Nürnberger sich zu sportpolitischen Themen (Fußball-WM in Katar) äußern. Uncool, wenn der Support im Auswärtsblock dann an die aktuell dort laufende Leichtathletik-WM erinnert (ergo nicht vorhanden ist). Noch uncooler ist allerdings die Prosa, mit der die Nürnberger Fans die lokale S-Bahn verschönert haben. 

Der nicht migränegeschädigte Teil des Kollektivs, der auch in Nürnberg war, hatte für die lange Bahnfahrt nach Hause mit hervorragender Snacksituation vorgesorgt. Unverständlich, dass die Spieler nach so einem Spiel durch den Nürnberger Hauptbahbhof irren müssen, um sich selbst zu versorgen. Lieber Verein: Spendiert denen doch ein Snackpaket für die Heimfahrten. Das ist ne Entlastung und auch noch einfach nett. Kann doch nicht sein, dass wir bei so ner Tour besser essen als die Profis, die regenerieren sollten. Da kann man sich auch gleich ne Fertigpizza reinstellen. 

Cool sind Auswärtsfahrten mit guten Leuten, noch cooler werden die mit Crémant.

Prost auf die Länderspielpause. (No borders, no nations!)

Kommt zum Testspiel gegen Bremen und lasst euch als Knochenmarkspender*in registrieren.

Sep 302019
 

Und weil das Spiel gegen Sandhausen so toll war, haben wir gleich noch einen zweiten Bericht für Euch, dieses Mal mit Perspektivwechsel von @FrauElo und B. Und finden es jetzt auch nicht so schlimm, dass sie dann die nächsten Spiele doch wieder auf die Süd kommt.

***

Sonntag, Heimspiel, Südkurve. Das ist der Normalzustand, eigentlich. 

Beim Spiel gegen Sandhausen haben eine Begleitung (im Folgenden: B.) und ich den Gang in die Nordkurve gewagt, um genauer zu sein: In den Gästeblock. 

Bei Auswärtsspielen gehört das Rummoppern über den Gästeblock und das Drumherum (die Klos in Lautern! Der Einlass in Magdeburg! Die Versorgungssituation in Fürth! Die Cops in Bielefeld!*) leider irgendwie dazu und das Hinterherschieben von einem “Also bei uns ist das ja besser…”. Ob und wie dieses “besser” aussieht, wollten wir dann mal überprüfen. 

Perspektivwechsel

Da B. und ich nicht gerade als die ruhigsten Menschen der Welt im Block bekannt sind, gab es ein paar Bedingungen für die Auswahl des Spiels:

  • kein ausverkaufter Gästeblock, damit wir keinen Fans des Gastvereins die Plätze wegnehmen
  • kein Spiel, bei dem wir emotional involviert sind
  • keine Fanszene im Gästeblock, bei der wir Bedenken haben, als St. Pauli-Fans entdeckt zu werden

Das Plenum tagte und wir haben uns für Sandhausen entschieden, nach der Terminierung war klar: Sonntagsausflug!

Einlass

Kurz zur Süd, die Karten in die Bezugsgruppe gegeben, Umarmungen und hämische Sprüche abgeholt und zack, auf den Weg ums Stadion rum. “Sind wir hier richtig? Hier müsste eigentlich…” der eine (!) Reisebus (das ist für später noch wichtig) mit Sandhausen-Fans hat uns dann gezeigt, dass wir auch im Norden des Wohnzimmers einen hervorragenden Orientierungssinn haben. 

Durch den Einlass, kurz abgetastet, keine Diskussion, keine gynäkologischen Untersuchungen (Grüße nach Magdeburg an dieser Stelle) und rein in Block. 

Das Block-Drumherum

Kein Kriterium für die Qualität eines Blocks, aber was uns stutzig macht: es gibt Jacky-Cola im Stadion?! Kurz Twitter befragt und scheint auch auf den anderen Tribünen Usus zu sein. Ob und wie nötig das ist, der Party-Pauli-Tradition mehr Futter zu geben, naja. Dazu schreibt das Kollektiv bestimmt mal ausführlich was.

Fischbrötchen, Bratwurst, Getränke – joa, normale Verpflegung. Als Veggie gibt’s eine Option, als Veganer*in kannste an einem trockenen Brötchen lutschen. Das geht besser. 

Der Block

Verkleinerter Block, 300 Karten verkauft (auch das wird gleich wichtig), Platz suchen und der Stadiongöttin für das Dach danken. 

Kein Gedränge, komische Perspektive, sehnsuchtsvoll die Süd angeschmachtet, 90 Minuten Fussball, wieder raus, zur Bezugsgruppe.

aber da war ja noch… Das Menschliche:

Durch die Gespräche der Bierfahnen-Fraktion hinter uns, war der, für Sandhäuser Verhältnisse, gut gefüllte Block schnell erklärt: 50-60 Fans der Vorstadt haben sich wieder ans Millerntor gewagt. Puh, okay. Wir waren neutral angezogen bzw. ohne sichtlichen Merch, also zur Halbzeit woanders hingestellt, um keinen Streit anzufangen und das nervige Gesabbel nicht mehr im Ohr zu haben. 

Das Derby hat Spuren hinterlassen

Die Sandhäuser (auch vertreten mit “Sandhäuser Jungs” Hoodies in Frakturschrift, natürlich) sind eher ein stilles Publikum – Respekt an die 10 Ultras/ aktive Fanszene, die mit Doppelhaltern und ein bisschen Gesang im unteren Drittel vertreten waren und irgendwann wütend aufm Zaun hingen. 

(Liebe Grüße an den Sandhäuser Ultra, der einer Raute aus Versehen eine Fahnenstange ins Gesicht donnerte – es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, über alles andere sprechen wir erst in zehn Jahren)

Vorstadt doin’ Vorstadt things

“Du Arschloch” war noch der nettere Kommentar der Dudes um uns rum. “H**ensohn, F**ze” fehlten natürlich auch nicht. Der Support am Millerntor sei schlecht, in der Imte.. HS.. AO.. am Volkspark werde die ganze Zeit supportet, blablabla. B. und ich waren also die ganze Zeit mit Augenrollen beschäftigt.

Merch und Gästefarben

Leude. Im St. Pauli-Trikot in Gästeblock gehen und “Das Herz von St. Pauli” mitsingen muss echt nicht sein. Wenn ihr keine Karten fürn Heimbereich bekommt, benehmt euch einfach und zeigt ein bisschen Anstand. Jubelnde HSV-Fans will ja auch keine*r beim Derby neben sich im Heimblock haben. Bei Sandhausen geht das noch, aber es gibt andere Fanszenen, die euch, zu Recht, paar auf den Kopf geben oder euch ausm Block schmeissen. 

Insgesamt: War ‘ne Erfahrung wert, aber nächstes Mal doch wieder in die Süd. 

* Disclaimer 1: Natürlich ist sonst alles toll in Magdeburg, Bielel.. nee, isses nicht. Aber das ist alles subjektive Erfahrung und kein Bericht mit dem Anspruch, neutral zu sein. 

Sep 292019
 

Dennis macht Spaß

Diekmeier du alte Raute, das hat heute mit Dir mal richtig Laune gemacht. Spieler die Emotionen zeigen und giftig sind, passen perfekt zum Millerntor. Selbst wenn sie als Gegner da sind und als heutiges Feindbild dienen. Und deine „Kommt doch!“-Geste in die Gegengerade? Feinste Unterhaltung!

Es begann grau

Ein Tag, wie ihn nur Hamburg zu bieten hat. Grau, nass und kalt. Der Verein sprach in seiner Spieltagszeichnung von „leichten Schauern“, was ein schöner Euphemismus für bestes Hamburger Dauernieseln ist. Wünscht sich irgendwer da die alten Stehplätze ohne Dach zurück?

Zuviel Jörn

Inhaltlich hatten wir alles zu dem Wechsel auf der Position unseres Behindertenfanbeauftragten gesagt. Wir erwähnten, dass wir den Protest nicht wirklich inhaltlich teilen, aber auch für legitim halten.

Nur, liebe Protestler*innen, weniger wäre hier mehr gewesen. Petition online und Unterschriftenlisten analog sind redundant und die Erklärung null ausreichend für den normalen Stadionbesucher. Und wenn dann manche uns berichten, dass sie sich davon überrumpelt fühlten, spricht das wirklich nicht für Euren Auftritt. Wir durften mehrfach versuchen Hintergründe zu erklären. Gleich aussehende Tapeten auf allen Tribünen sind sowieso immer etwas künstlich, aber hier kam noch hinzu, dass keine der Tapeten ein einziges Mal richtig ausgerollt wurde. Eine wirkmächtige Aktion an einem Ort wäre besser gewesen.

Oz, du fehlst

Wir erwähnten bereits das graue Wetter. Insofern war das Gedenken an OZ ein schöner bunter Gegenpunkt. Und einem Menschen angemessen, der etwas gegen Grau tat.

Auf der Gegengerade wurde St. Depri per Choreo gewürdigt. „Wir sind immer für uns da“ ist wichtig und wir wünschen uns eine ganz breite Unterstützung für diese Gruppe. Danke, dass es Euch gibt!

In der Halbzeit wurde dann noch breit gegen das Polizeigesetz demonstriert. Absolut zu Recht. Worum es inhaltlich geht? Findet ihr hier.

Wir erwähnten es bereits schon mehrfach: Eine Polizei, die nicht kontrolliert wird und immer umfassendere Machtbefugnisse bekommt, passt null zu einer freiheitlichen Gesellschaft. Es wird hier komplett versäumt, der Polizei praktisch und durch Gesetze Grenzen zu setzen.

Folge sind dann „Schmerzgriffe“ gegen Jugendliche, deren schlimmes Verbrechen war, mal kurz Autostraßen zu besetzen. Oder das Zusammenscheppern von Gegendemos bei Naziaufmärschen, wie heute geschehen. Aber der deutsche Michel lässt sich durch „wir haben alles richtig gemacht und wer was anderes sagt, ist linksradikal“ beruhen und reagiert nicht mal dann, wenn es ihn selber trifft. Siehe S21. Rosige Aussichten. Nicht.

Wir schweifen ab

Zurück zum Spiel

Trotzdem entwickelte sich – auch dank Dennis – eine ganz ordentliche Stimmung. Die in der Süd auch von wechselnden Frauen auf dem Podest angefeuert wurde. Noch (?) ohne Megaphon, aber das ist im Sinne einer Diversität ein sehr schönes Bild. Wir deuten das mal sehr optimistisch als Trockenübung und freuen uns aus das nächste Mal mit Megaphon. Nix gegen unsere männlichen Vorsänger, aber Vielfalt ist immer besser.

Sowieso Männer. Auf der Süd mal wieder eklige Sexisten unterwegs. Filmen in den Block ist scheiße. Auf Ansprache pissig zu reagieren, mühsam. Für das bekannte “von einer Frau lass ich mir gar nicht sagen” habt ihr auf die Fresse verdient. Verpisst Euch, euch will hier keiner. Danke an die Umstehenden, die auf Ansprache dann noch mal eine Ansage in deren Richtung machten. Und nächster Dulli, dem wir bei so einer Aktion eine runterhauen: Sorry, not sorry. Es reicht.

Geht doch einfach weit weg, am besten irgendwo außerhalb dieses Planetensystems. Und der Verein als Ausrichter kann da gerne mal deutlich mehr machen, als die Plakate der Awareness-Gruppe aufhängen zu wollen.

Mitnehmen könnt ihr gleich die Leute, die meinen, mit Bierbechern oder Feuerzeugen zu werfen. Das tut weh, wenn man davon getroffen wird, und meistens trifft es Mitfans. Es nervt auch, dass auf der GG jemand seelenruhig zum Zaun gehen kann, den Becher auf den Platz werfen kann und dann seelenruhig dumm grinsen kann, ohne eine klare Ansage der Nebenstehenden zu bekommen. Selbstkontrolle? Am Arsch! Noch ätzender ist es aber, wenn Menschen aus unserer Bezugsgruppe den vollen Becher an den Kopf kriegen und die Nachwirkungen das ganze Spiel andauern. Lebt Eure Wurffreude doch beim Dosenwerfen auf dem Dom aus. Der ist (leider) bald wieder. Zwei Sekunden Mitdenken für Mitmenschen ist aber auch verdammt viel verlangt.

Dramaturgie

Der Philosoph unseres Kollektivs plädiert ja dafür, dass Schiedsrichter in ihre Entscheidungen etwas Dramaturgisches einfließen lassen sollten. So nach dem Prinzip: „Was tut dem Entertainment-Faktor gut?“ Unser heutiger Schiedsrichter war das genaue Gegenteil davon. Immer wieder kleinliche Unterbrechungen. Dazu auch zwei klare Vorteile unterbrochen. Das war nicht dramaturgisch klug.

Immerhin gab er Mats für das Nicht-Foul an Dennis Gelb. Das hatte dann wieder was Dramatisches. Wobei sich Mats im gleichen Zug wohl auch verletzte und nicht mal mehr zum Jubeln in die Kurve kam. Wir drücken alle Daumen! Besonders schön auch, dass das Nicht-Foul als Reaktion darauf kam, dass Denis D. Penney ins Gesicht fasste. “Hier gewinnt nur einer” voll verinnerlicht. Danke Mats!

Wow, einfach nur wow

Das war die beste Saisonleistung bei beschissenem Wetter. Dem Millernton-Tim kam das Wort „Ballbesitzfußball“ über die Tastatur. Und das auch noch teilweise echt gut gespielt. Frühes Tor hilft natürlich sehr gegen Sandhausen, denn die können schon echt super gut verteidigen. Und sind in der Gegenbewegung echt schnell und gefährlich.

Gut, dass sich Finn-Ole Becker sich da ein Herz nimmt, nachdem die Ränge schon zweimal „Schieß doch“ vollständig ausgesprochen hatten und die Möglichkeit schon vorbei schien.

Danach eine kurze Schwächephase, dann wieder Druck und Chancen ohne Ende. Das Spiel hätte auch höher gewonnen werden können. Aber nun gut, irgendwas ist immer.Gerade als Sandhausen aufmachte, gab es genug 1-1 Situationen mit dem Torhüter, um das Spiel höher zu entscheiden. Das üben wir noch. Buchtmann nach seiner Einwechselung mehrfach positiv beteiligt.

Richtig gut und auffällig? Østigård! Und dazu immer wieder in Interaktion mit der Süd. Wir glauben, dem gefällt es bei uns. Ist aber auch schöner als in den allermeisten englischen Stadien.Knoll als halber Stürmer. Irgendein Fußballphilosoph sagte mal, dass Spieler im Alter immer defensiver werden. Bei Knoll ist es genau andersrum. Und das ist richtig gut so! Besonders fühlten wir auch, wie er mehrfach nach vergebenen Chancen in den Rasen haute. Richtig gut!

Und Gyökeres ist auch richtig am Millernton angekommen. Beweis gefällig? Dies sagte er dem Verein:
„Der Treffer bedeutet mir persönlich sehr viel. Ich bin im Sommer zum FC St. Pauli gekommen und wollte dem Team helfen. Heute hatte ich endlich die Chance, genau das zu tun, und es hat sich richtig gut angefühlt, auf dem Rasen zu stehen.“

Fazit

Wir sprachen vom Abwasch, der nach dem Derby erledigt werden müsse. Das haben die Jungs glänzend hin bekommen. Das Geschirr von 5 ungeschlagenen Spielen steht blinkend sauber im Schrank. Als nächstes? Nürnberg weg hauen.

Sep 272019
 


The first item is a sketch about EFootball.

Der FCSP engagiert sich seit neustem im ESports, genauer gesagt im EFootball. Wir sind in diesem Gebiet absolut keine Expert*innen, haben gerade eineinhalb Menschen in unseren Reihen, die sich was aus Computerspielen machen und können und wollen gar nicht über Sinn und Unsinn von ESports diskutieren.

Es ist halt gerade der letzte Schrei unter Profifußballorganisationen, sich da zu engagieren und Spieler (ja, nicht gegendert…) zu verpflichten. Und wir haben hier bewusst nicht „Vereine“ geschrieben. Auch bei uns ist das erstmal ein „von oben“ einkaufen mit Hilfe eines Sponsors.

So etwas ist dem FCSP grundsätzlich etwas fremd. Wir verstehen uns ja doch sehr basisdemokratisch und „von unten nach oben“ aufgebaut. Der Breitensport hätte garantiert nicht die Größe die er hat ohne den Herrenprofifußball, aber er macht heute immerhin 50 % aller Mitglieder aus, produziert Deutsche Meister, Vizeeuropameister und ganz viele andere sportliche Erfolge von denen der Herrenprofifußball (noch) träumt.

Es läge daher näher, wenn man auch den ESport als einen Breitensport beim FCSP beginnen würde, der dann – auch gerne mit Hilfe von Sponsoren, so realistisch kapitalistisch sind wir dann auch- in den Profibereich vorstößt.

Die Pressemitteilung spricht auch von einem „im Verein verankern“ und dabei „integrativ und breitensportlich“ zu sein. Das ist aber natürlich von oben nach unten. Und dafür gibt es wahrscheinlich Gründe, die der FCSP nur bedingt in den Händen hält.

Was ist eigentlich so schwierig? Das Steuerrecht!



Nehmen wir es vorweg: Der FCSP kann höchstwahrscheinlich keine Amateuresports Abteilung gründen ohne seine Gemeinnützigkeit und damit seine gesamte Geschäftsgrundlage zu gefährden.

Der FCSP darf grundsätzlich (das heißt für Juristen „es kann Ausnahmen geben“) nur gemeinnützige Dinge machen. Insbesondere in dem Bereich in dem er Mitgliedsbeiträge ausgibt (wenn man so will „Amateurabteilungen“), darf er nur gemeinnützige Dinge machen. Was gemeinnützig ist, geht nicht etwa nach Sinn und Unsinn oder gesundem Menschenverstand. All diese Dinge verbieten sich im Steuerrecht.

Entscheidend ist § 52 Abgabenordnung (AO). Da steht der Sport als gemeinnützig drin. Der gesunde Menschenverstand würde nun sagen „Check! ESports ist halt moderner Sport alles gut, warum sollen Leute da keinen Verein für gründen, der gemeinnützig ist?“. Aber wie eben erwähnt, dies verbietet sich. Als Sport im Sinne der AO wird nur die körperliche Ertüchtigung angesehen und die will die Verwaltung und die Rechtsprechung bisher im ESport nicht sehen.

Man kann da nebenbei sehr geteilter Meinung sein, denn Reaktionsschnelligkeit, Hand Augenkoordination etc. werden bei solchen Spielen sehr wahrscheinlich ertüchtigt und sind körperliche Talente. Aber wie war das mit „gesundem Menschenverstand“? Der bleibt spätestens dann auf der Strecke, wenn man weiß, dass Motorsport als gemeinnütziger Sport anerkannt ist.

Falls wer nach Schach fragt: Die AO arbeitet da mit einer gesetzlichen Fiktion und macht damit Schach zu Sport.

Da wir als Verein aber erstmal an diese Auslegung gebunden sind, wird eine Amateursportabteilung „ESports“ schwierig. Wenn ihr nun Google anwerft, werdet ihr finden, dass einige ESports Vereine über die Brücke „Jugendförderung“ ihre Gemeinnützigkeit erlangt haben und auch dies ist ein in der Satzung genannter Zweck des FCSP. Jedoch auch das trägt keine Breitensportabteilung, denn dann könnten da z.B. keine Erwachsene ihrem ESport nachgehen.

Eigentlich ein gutes Feld für die Werte des FCSP



Der folgende Vergleich hinkt, aber hat doch einen wahren Kern. Die Gaming Community ähnelt schon dem Fußball vor 35 Jahren. Die vermeidlich unpolitische Community gibt Reichweite, Finanzierung und damit auch Macht an ziemlich fragwürdigen Persönlichkeiten (andere Beschreibungen der verlinkten Person verbot uns unser Anwalt) und ist so ein Nährboden für Rassist*innen, Sexist*innen etc. pp. Andere Stichworte sind „Gamergate“, „4Chan“ etc. Insgesamt ist die ganze Szene in ihrer männlichen, weißen, Machoprägung dem Fußball gar nicht so fern. Und das trotz ganz vieler guter Menschen und Iniativen gegen all diesen Mist, die es gibt und die der FCSP unterstützen sollte. Hier kann die Reichweite und Wirkungsmacht des FCSP nur hilfreich sein.


TLDR? oder auch Fazit?



Der FCSP macht zur Zeit das beste aus der unsicheren Lage. Ein Fuß in die Tür bekommen, das Thema besetzen und wenn es rechtlich möglich ist, dann sollte man die Gründung einer ESports-Amateurabteilung forcieren. Auch wenn ein bisschen mehr Mitbestimmung und Nutzung der demokratischen Kanäle wünschenswert wäre.

And Now for Something Completely Different /Typisier Dich!





Unser geliebter Verein spielt ein Testspiel gegen die Nr. 2 im Norden, Werder Bremen, in der Länderspielpause. Im Rahmenprogramm wird es eine Typisierungsaktion geben. Falls ihr nicht sowieso schon in der Datenbank seid, dann nimmt daran teil. Aus aktuellen Gründen, aus allgemeinen Gründen und weil es einfach wichtig ist. Hier der Text von der offiziellen Homepage nochmal:

„Vor dem Spiel: Kampf dem Blutkrebs!

Alle 15 Minuten wird in Deutschland die Diagnose Blutkrebs gestellt. Wir wollen helfen, die Krankheit zu besiegen, und rufen beim Testspiel gegen Werder Bremen zu einer DKMS-Registrierung auf.

Merkt Euch schon einmal den Termin vor und lasst Euch zwischen 16 und 18 Uhr in der Südtribüne (Zugang barrierefrei und ohne Ticket möglich) als potenzielle Knochenmarksspender*innen registrieren und helft den Menschen, die an Blutkrebs erkrankt sind.“

Sep 252019
 

Wenn wir mal nicht drauf los pöbeln

Liebe Leser*innen, ihr kennt uns. Wir pöbeln gerne mal gegen alles und jeden. Wir fühlen uns da auch nicht immer an journalistische Standards im Sinne von „wir müssen aber allen Seiten die Gelegenheit zur Stellungnahme bieten“ gebunden. Wir sind wie wir sind.

Es gibt aber Themen, da wird es sehr sensibel und da wollen wir nicht los pöbeln, insbesondere im Bereich der Jobs im nichtsportlichen Bereich beim FCSP. Diese Leute sind – zu Recht – keine Personen öffentlichen Interesses und sollten daher auch eher zurückhaltend Thema öffentlicher Debatten werden. Gerade wenn es sich im Individuen handelt, die nicht in leitender Funktion handelt – da ist das “in der Schusslinie stehen” zumindest Teil des Jobs.

Grundsätzliches zum Behindertenfanbeauftragten

Der Behindertenfanbeauftragte (BFB) ist eine wichtige Funktion. Behinderte zu integrieren und ihnen einen möglichst problemlosen Besuch von Fußballspielen zu ermöglichen, muss ein sehr zentrales Ziel des FCSP sein. Wir wollten das Thema sowieso mal angehen und werden dies in nächster Zeit auch noch vertieft tun. Da läuft nämlich insgesamt vieles nicht perfekt und ist verbesserungswürdig.

Dafür ist es auch zentral, dass diese Menschen eine Vertrauensperson haben. Und dass sie eine zentrale Person, die ihre Interessen vertritt, haben. In der Vergangenheit wurde das in Personalunion durch eine Person getan. Eine Änderung in diesem Bereich ist daher immer vorsichtig vorzunehmen.

Grundsätzliches zu Fanbeauftragten

Bisher war der BFB beim Verein angesiedelt. Das entspricht nicht unserem „normalen“ Modell. Wir haben ein Modell, das von anderen Vereinen abweicht und eine Sonderstellung hat. Bei uns sind die Fanbeauftragten nicht direkt beim Verein angestellt, sondern beim Verein Jugend und Sport e.V., der gleichzeitig auch das Fanprojekt organisiert. Das ist historisch gewachsen, entspricht nicht den Vorstellungen der DFL/des DFB, ist aber bei uns so geübte und bewährte Praxis.

Natürlich kann man diese Konstruktion hinterfragen, sollte dabei aber bedenken, dass sie sich bisher bewährt hat. Und seien wir ehrlich: Sie macht die Position des Fanbeauftragten bei uns auch unabhängiger und schwerer von irgendwelchen Klüngeln zu besetzen. Nein, wir trauen den jetzigen Verantwortlichen nicht zu, dass sie da irgendjemanden pro Forma hinsetzen, aber überlegt mal, wie das unter Cornelius hätte aussehen können. So mit irgendeinem Buddy als Fanbeauftragter. Da wäre schnell die Scheiße am Dampfen. Oder erinnert euch an Raimond Aumann, der jahrelang Fanbeauftragter des FCB war und immer noch Direktor „Fanbetreuung“ ist. Ihr könnt euch die Fachkompetenz und die Fähigkeit Uli H. zu kritisieren wahrscheinlich vorstellen.
Wenn man aber nun diese Konstruktion hat, dann ist es nur sinnvoll und folgerichtig auch den BFB in den Verein Jugend und Sport zu verlagern. Eine engere Vernetzung mit den anderen Fanbeauftragten, mit dem Fanprojekt und ja auch ein Stachel im Fleisch all dieser Institutionen ist nur wünschenswert und ein Schritt in die richtige Richtung. Und so kann der BFB die ganze Lobby des Fanladens für die Interessen von Menschen mit Behinderung nutzen.

Das war wohl auch Ziel einer geplanten Umorganisation und schon länger Thema zwischen allen Menschen, die in diesem Bereich tätig sind.

Und nun das

Nun schreibt der Verein Jugend und Sport die entsprechende Stelle aus und wahrscheinlich nur dadurch erfahren die Betroffenen, dass Jörn Weidlich seine Tätigkeit beendet. Dies brachte ein gewisses Entsetzen und eine Petition für den Verbleib von Jörn in die Social Media Umlaufbahn. Wir verlinken diese Petition hier ausdrücklich zu eurer Information, nicht weil wir sie unterstützen (warum siehe gleich).

In diesen Beiträgen werden viele Vorwürfe laut, die wir nicht diskutieren wollen. Warum? Siehe oben, es handelt sich hier um ein vertrauliches Arbeitsverhältnis, deren Zustand und Entwicklung nicht Thema öffentlicher Debaten sein darf. Wir haben uns dann mal umgehört, viele Gespräche geführt, die nicht alle für die Öffentlichkeit waren und sind trotzdem nur bedingt schlauer.

Es ist allemal doof, dass der Abschied von Jörn nicht auf andere Weise zu den Betroffenen durchgedrungen ist und denen viel zu unklar ist, ob und wann es eine Nachfolge auf dieser Position geben kann.

Es ist doof, dass das ganze über das Knie gebrochen werden muss, weil Jörn relativ kurzfristig aufhört.

Es ist doof, dass diese Stelle bei uns gerade mal eine 450 € Stelle ist. Ja, sie wird es nicht, sie ist es jetzt schon. Wenn überhaupt. Das ist Sparen an der falschen Stelle, lieber Verein. Und ja auch wenn die Stelle offiziell beim Verein Jugend und Sport angesiedelt ist, so wird sie doch vom Verein bezahlt.

Jörn hat nach allem was wir wissen von sich aus seine Tätigkeit beendet. Er spricht in seiner – öffentlich einsehbaren, deswegen nehmen wir hier überhaupt Bezug darauf – Stellungnahme von „nicht wirklich freiwillig zurückgetreten“, aber ganz ehrlich Jörn, das heißt dann genau das du freiwillig zurückgetreten bist. Auch wenn du dich vielleicht von den Umständen dazu gezwungen fühltest.

Das zieht nebenbei auch die Petition nicht in Zweifel. Er mag – wie schon gesagt – gute Gründe haben, wir wissen von den „normalen“ Fanbeauftragten, wie viel Frust sich innerhalb von zehn Jahren aufstauen kann und wieviel Kraft eine Fanbetreuung beim FCSP kostet. Das wird im Bereich „Behinderte“ nicht anders sein. Es ist auch Rolle dieses Menschen mal jemandem auf die Füße zu treten und da bleibt auch mal persönlicher Ärger nicht aus. Selbst wenn auf allen Seiten eigentlich gute Menschen ihren Job gewissenhaft erledigen. Wenn man dies dann noch auf Honorarbasis, 450 Euro Basis oder anderen nicht lebensdeckenden Einkünften macht, dann ist das noch härter und man muss großen Respekt haben, wenn das jemand 10 Jahre macht.

Wenn für ihn der Zeitpunkt gekommen ist oder er die Umstände nicht mehr ertragen kann, dann kann man das schade finden, man kann ihn auch ermuntern sich das vielleicht noch mal zu überlegen oder sich neu zu bewerben, es ist aber schwierig das dann in eine unberechtigte Kündigung umzudichten. Ob es Umstände gibt, die es zu kritisieren gibt, sei mal dahin gestellt. Wir wissen das einfach nicht. Perfekt ist das garantiert nicht.

Die Petition geht da auch von etwas falschen Annahmen aus. Denn eine Lobby ist weiterhin geplant, wir denken, dass diese Lobby auch ein sehr gewichtiges Wörtchen bei Karten und ähnlichem mitreden wird, gerade wenn sie beim Fanladen angesiedelt ist, der gerade in dem Bereichen „Karten“ eine deutliche Lobby hat und so Dinge mit viel mehr Gewicht ansprechen kann. Sollte der Verein wirklich planen, da keine Unterstützung durch einen BFB zuzulassen, dann ist dies absolut falsch und dies unabhängig von der Person, die diese Stelle ausübt.

Ebenso ist es keine fehlende Wertschätzung, wenn nun die Stelle nicht vom Verein ausgeschrieben wird, sondern vom Verein Jugend und Sport. Siehe oben. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem Enttäuschung ist zu verstehen

Trotzdem ist die Enttäuschung und auch die Angst vor einem schlechteren Service definitiv zu verstehen und die unglückliche Kommunikation ist zu kritisieren und wird hoffentlich allen Beteiligten eine Lehre sein. Wir können den Text der Petition nicht inhaltlich teilen, halten es aber trotzdem auch mal für richtig, sich Luft zu machen. Tun wir ja auch. Nur nicht hier.

Unser Wunsch wäre, dass man da zwischen Verein, Betroffenen und auch Jörn einen Gesprächsfaden hinbekommt und wenn es mit ihm nicht weiter geht, dann wenigstens eine vernünftige Übergabe und einen Abschied in einem befriedeten Zustand hin zu bekommen.

Sep 242019
 

Wenn man den Fehler begeht und Google nach “Osnabrück” befragt, ist die dritte autovervollständigte Frage (nach dem Wetter und der Einwohnerzahl) die nach der Zugehörigkeit zu einem Bundesland. Es reflektiert das ein Stück weit, dass die Menschen sich nicht ganz so gut mit dieser vergessenen Ecke Niedersachsens auskennen und sie vielleicht direkt im Anschluss recherchieren, warum man den ganzen Landstrich nicht einfach Westfalen zugeschlagen hat. Die MagischerFC-Redaktion macht sich, erstmals in ihrer aktuellen Besetzung, in voller Stärke auf den Weg dorthin, um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden. Andere Teile der Auswärtscrew hatten dafür den Derbysieg ein wenig zu kräftig gefeiert und mussten in Hamburg bleiben. Gute Besserung an dieser Stelle.

Aber eine Expedition ist eine zu schwierige Aufgabe für uns allein, deshalb schließen wir uns an diesem Sonntag unseren treuen Gefährt*innen, “den Ultras” an, um gemeinsam mit den Regionalzügen durchs wilde Niedersachsen zu reisen. Was auch ziemlich problemlos klappt. Fast alle benehmen sich und mindestens 1910-mal hören wir das Wort “Derbysieg” im Zug. 

Umsteigen in Bremen, guter Getränkenachschub und trotz früher Stunde ist die Stimmung ausgezeichnet. Alles scheint in bester Ordnung, bis wir besagtes Osnabrück erreichen. Wir wissen nicht, was entsprechende Stellen veranlasst hat, dieses Einsatzkonzept zum “Nordderby” und “Sicherheitsspiel” zu bewilligen; aber es darf ganz ehrlich als Frechheit bezeichnet werden. 

Ein Sicherheitskonzept, das bestenfalls zum Lachen ist

Keine Möglichkeit, “richtige” Toiletten zu benutzen oder Essen oder Trinken zu kaufen? Ok, normales Level an Repression, an das man sich über die Jahre leider gewöhnt hat. Beharren darauf, dass die fußläufige Distanz zum Stadion mit Shuttlebussen zurückgelegt wird? Zwei (!) mit Gittern abgesperrte Bereiche vor den Bussen mit einer maximalen Durchgangsbreite von 50 cm, um zu kontrollieren, dass keine offenen Getränke in die Busse mitgenommen werden? Mindestens 45 Minuten Wartezeit, um vom Gleis in die Busse zu gelangen? Das ist einfach nur lächerlich. Es darf gesagt werden, dass an der Ruhe und Besonnenheit unserer Auswärtsfahrer*innen liegt, dass diese Situation nicht eskaliert. Diese Behandlung von Fans hat nicht mit Sicherheit zu tun, es ist eine reine Schikane. Und kommt uns jetzt nicht mit Gefahrenabwehr. Wirklich nicht.

Oder stellt euch das mal beim gerade laufenden Oktoberfest vor “Liebe Oktoberfest Besucher, wir haben hier einen Käfig von 100 Meter Länge und dann dürft ihr nach einzelner Untersuchung langsam in einen Bus steigen, der euch 1000 Meter weit fährt.” Ihr werdet nun sagen “absurd” und “das sind doch nur friedliche Bürger“. Stimmt. Das sind Fußballfans aber auch. Nur hier wird es schulterzuckend hingenommen. Man beginnt entweder sich damit zu arrangieren oder Vermeidungsstrategien zu entwickeln. Der von Mutti gestrickte Glücksschal bleibt zu Hause, man wählt eine teurere Anreisevariante oder bleibt gleich zu Hause. Siehe Millernton Bericht. Wird gesellschaftlich alles akzeptiert, wenn die Polizei nur laut „GEFAHR“ ruft. Und das tut sie natürlich nur wenn es ihr in den Kram passt. Wenn wir diese Unlogik nicht bald hinterfragen, dann war es das mit freier Gesellschaft. Nein, es sind eben nicht nur Kleinigkeiten. Warum soll für uns als Fußballfan ein anderer Maßstab als eben für das Oktoberfest gelten, wenn doch die Gefahr einer Straftat vergleichbar gering (!) ist? Ja wir wissen, dass dieser Vergleich immer mal gerne kritisiert wird, er passt trotzdem. 

Es gibt zum Glück die Conexion, die unseren ausgedörrten Kehlen die eine oder andere Flasche Pils zum Spottpreis aus ihrem vortrefflichen Bus heraus verkauft. Gibt schließlich keinen Sprit im Stadion bei diesem Hochrisikospiel. Aber Kinder, geht bloß nicht zu weit weg mit der Buddel, denn dort herrscht Glasflaschenverbot! (Und Dosenverbot. Und Allesverbot.)

Schön auch, dass die Polizei ihren Kollegen in zivil auch mal wieder einen Derbysieger (Stadt, nicht Himmelsrichtung) präsentieren will. Wenn die aber auch die Fanszene im Block beobachten sollen, dann tun wir euch jetzt mal einen Gefallen und zählen auf, wie die ein wenig weniger auffällig sind: 
Vielleicht den Schlagstock nicht sichtbar an der Hüfte tragen (gut, das war noch vorm Stadion). Vielleicht die Funkgeräte nicht ganz so sichtbar raushängen lassen. Vielleicht nicht mit mechanischem Blick immer wieder den Block abscannen. Vielleicht nicht ganz so sehr versuchen, szenemäßig auszusehen. Vielleicht nicht jedem Blickkontakt schnellstens ausweichen.
Oder am besten gar nicht im Block auftauchen. Euch will hier keine*r! 
(Die Partypaulis die wie der berühmte Elefant im Porzellanladen in den Block marschieren im übrigen auch nicht. Ja, die Leier wiederholt sich. Die Dullis im Block leider auch.)

Dann also mal rein in die gute Stube

Die Stimmung im Block empfinden wir als phasenweise ganz gut, einem Derby wie diesem angemessen. (Wer Ironie im letzten Satz findet, darf sie behalten.)

Die eingeborenen Ultras hingegen befassen sich halbherzig mit Sankt-Pauli-Diss (inklusive eines Doppelhalters mit mikroskopisch kleiner Schrift. Sorry, Leute. Das ist echt nicht lesbar) und mit der Artikulation des Wunsches nach Erhalt des “Mythos Bremer Brücke”. Im übrigen wurde auch ein Fanshopschal und eine Fanshopmütze präsentiert. Herzlichen Glückwunsch.
Gut, vielleicht muss man mit dem Stadion sozialisiert worden zu sein, um es zu mögen (alt gleich zwingend gut ist – nicht nur im Fußball – eine so nervig weit verbreite Annahme), aber die interessantere Frage ist doch die nach der Bezeichung als Mythos. Schlägt man den Begriff nach, erfährt man, dass Mythen Götterfabeln sind, die religiös gefärbte Inhalte dadurch illustrieren, dass Götter oder sonstige Naturkräfte wie oder durch Menschen wirken.

Das Stadion selbst kann diese Funktion natürlich nicht erfüllen; nein, es geht hier eindeutig um die Spieler, sogenannte Fußballgötter, die gegeneinder kämpfen um Siege zu erringen, Heldentaten zu vollführen und “Nordderbys” zu entscheiden! Eine schon fast wagnerianische Götterdämmerung! Kann das Spiel auf dem Platz mit diesen heroischen Anpreisungen mithalten?

Nein.
Mit Diarra hatten wir immerhin den tragischen Helden, der ganze 17 Minuten spielt, bevor er mit gelb-rot wieder vom Platz fliegt. Es gibt unermüdlich kämpfende und laufende Spieler, die dem Status als Fußballgott immer näher kommen (Mats <3). Es gibt David, der sich gegen Goliath (vier Gegenspieler) im gegnerischen Strafraum durchkämpft und somit ein Tor vorlegt. Nur dass David halt eigentlich Dimitrios heißt.
Und es gibt eine Mannschaft, die mit Glück (namens Pfosten) einen 0:2 Rückstand verhindert, sich dann ins Spiel zurückkämpft, stellenweise richtig schönes Angriffspressing spielt, aber dann in der 2. Halbzeit den Faden verliert und dann auch nicht wieder findet. In den letzten Minuten aber noch mehr Körner hat und in Unterzahl zumindest nicht stark gefährdet ist, noch zu verlieren.

Nun, immerhin nicht verloren. So eine Derby-Euphorie geht es auch mal schnell nach hinten los, das konnten wir heute vermeiden. Schön war das nicht, aber der VfL Osnabrück ist in dieser Saison auch nicht zu unterschätzen und so ist die Punkteteilung okay. Und mit 8 Punkten aus 4 Spielen können wir gut leben. 

Das gleiche Spiel von vorn

Bei der Abreise von der Bremer Brücke geht der Mist aka “Sicherheitskonzept” aufs Neue los. Einige kommen zügiger weg, andere versuchen es zu Fuß und scheitern nach wenigen Metern an einer unnachgiebigen Polizeikette, die uns die anderthalb Kilometer per pedes zum Bahnhof verwehrt. Was zum Teufel soll denn bitte bei dieser Nicht-Rivalität und dem harmlosesten aller Ergebnisse passieren? Stattdessen stehen wir, leidlich mit Lebensmitteln versorgt (wie denn auch als Bahnreisende*r), eine weitere halbe Stunde in einem Polizeikessel und warten auf die Shuttlebusse. Die stehen seelenruhig 20 Minuten in der Sonne, ohne dass jemand einsteigen dürfte. Ein erneuter Heidenrespekt für die Geduld aller anwesenden Sankt Paulianer*innen. 

Endlich lässt man uns in die Busse und es geht die gewaltige Strecke zum Bahnhof. Auf dem Weg nimmt der Busfahrer dann noch fast einen Radfahrer mit und zeigt sich bei der Ansprache sehr uneinsichtig. 
Dort dürfen wir wieder eine halbe Stunde oder mehr ohne nennenswerten Bewegungsspielraum verharren. Während man Menschen in braunweiß höchstens einzeln unter Versprechung des erstgeborenen Kindes zu einer der spärlichen Einkaufsmöglichkeiten durchlässt, tanzen Lilaweiße das Wort “Fantrennung” durch unsere Reihen und feixen sich eins. Lä-cher-lich. Möge man diese Scheiße doch mal mit Menschen abziehen, die nicht so lobbylos sind wie Fußballfans. Kreuzfahrttourist*innen während doch eine super Zielgruppe für polizeiliche Allmachtsfantasien.

Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Regionalbahn bis Bremen, dort ratzfatz in den Bummelmetronom nach HH, weil der nächste angeblich ausfällt. Wieder keine Möglichkeit zur Getränkebeschaffung. Manch einer fühlt sich wie Dörrobst, denn natürlich gibt es auch im Metronom keinen Getränkeautomaten mehr. Zwischen Sprötze und Klecken kickt der Kopfschmerz richtig rein, sodass auch der Blogbericht bis zum heutigen Tage warten musste. Wir hoffen, ihr seht es uns nach und habt uns trotzdem lieb.

Im Millernton findet ihr noch Details dazu, wie die Zivibullen im Block aussahen.

Sep 172019
 

Aufwärmen

Selten waren wir uns im Kollektiv so uneinig wie vor diesem Spiel. Vier Menschen, vier verschiedene Erwartungen an das Derby und vierfach weit auseinandergehender Toleranz für Gedanken an „wenn wir das Derby gewinnen, dann…“. Was uns wohl aber verbindet, ist, dass seit dem letzten Aufeinandertreffen mit dem Vorstadtverein sensationell wenig Zeit vergangen ist und wir nach der bitteren Klatsche im März und Fanszene-interner Differenzen doch einfach etwas weniger Anspannung verspüren. Gab schließlich keinen aktuellen Stadtmeister-Titel zu verteidigen.

Wir selber mussten uns im Vorfeld ein bisschen zu einem Spannungsaufbau per GIF und Blogbeitrag zwingen, aber das lief ja ganz gut. Dass dann ein Kollektivmitglied mit dem falschen Bein aufstand und aus gleich zu erzählenden Gründen ein nicht wirklich perfektes Derby hatte, machte die Uneinigkeit nicht besser. Aber hey, vielleicht gehört das einfach auch zu einem Derby. Die Dünnhäutigkeit, die Anspannung und damit einhergehend auch mal die relativ meckerige Stimmung.

Der Tag von Anfang an

Erste Augen von uns kommen bereits um 12 Uhr im Viertel an. Noch spüren wir wenig außer der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm. Viele braun-weiße Menschen tummeln sich schon im Viertel, es wurden werden schon Kampfhun Kampfda süße kleine Dackel ausgeführt und viele Erinnerungsfotos gemacht. Das Kartencenter löst schnell noch Probleme wie „mein Mitbewohner hat die Karte weg geworfen“ (diese Geschichte ist nicht erfunden) und auch wir bekamen problemlos Pokaltickets für alle.

In alten Zeiten gab es mal ein Glücksessen. Halbes Hähnchen/Pommes in der Kleinen Pause. Also einfach mal rausholen, die alten Sitten und Gebräuche. Dank netter Begleitung ist es ein schönes, kurzweiliges Essen. Unsere Ultras haben sich auch einen gemeinsamen Mittagstisch organisiert und dinierten in der Nachbarschaft. Polizei ist zu diesem Zeitpunkt im Viertel nicht zu sehen und es könnte angesichts der vielsprachigen Gäste auch ein Vormittag des Antira anstelle eines Derby-Vormittags sein.

Kurz mal durch die Schanze schlendern, feststellen, wo die ganze Polizei ist, und sich dann langsam als Blog sammeln. Aus dem Norden kommt, durchquert ein Teil den Schanzenpark, wo am späten Nachmittag mehr als 2000 Rautenbengels rumlungern. Ganz inkognito gibt’s aber keine Schwierigkeiten.

Die Südkurve und einige GGler treffen sich auf dem Paulinenplatz, wo dann jede Kleingruppe ihren eigenen Treffpunkt hat. Großes Hallo, ein paar Getränke und insgesamt eine eher gelöste Stimmung. Es gibt einmal ein bisschen Hektik und Kontakt mit der Staatsmacht, aber wir können aus unserer Sicht keine Hintergründe oder so erkennen.

Hubschrauber nerven

Am weltbesten Fanladen dann die üblichen Ticketgeschäfte, große Hallos. Liebe Menschen fehlen aus Krankheitsgründen, andere liebe Menschen sieht man seit langem mal wieder. Ein Mikrokosmos des Lebens halt. Allen Kranken gute Besserung an dieser Stelle. Und auch wenn unsere Montagshistorie hervorragend ist: Montags wollen wir kotzen.

Im Hintergrund nervt der Polizeihubschrauber und die Freunde des Volksparks haben dann auch irgendwann das Stadion erreicht.

Einlass überwunden und auf die geheiligten Stufen.

Gewalt!

Es ist in unserem Stadion so, dass unsere Stehplätze bei normalen Spielen auch deswegen genügend Platz für jede*n bieten, weil eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Stehplatzkarten nicht genutzt wird. Dies ist bei Highlightspielen natürlich nicht der Fall, sondern es kommen alle Inhaber*innen und dementsprechend eng wird es. Wenn man miteinander redet und sich abspricht, dann ist auch noch für den Kumpel, der nicht 90 Minuten vorher da stehen kann, der noch arbeiten muss oder der aus anderen Gründen zu spät kommt, immer Platz. Das kann man über Bezugsgruppen hinweg echt gut regeln. Glaubt es uns einfach.

Was nicht geht, ist jedoch, als 1,90-Mann zehn Minuten vor Anpfiff zu erscheinen, sich zu seinen Kumpels sich durchzudrängen und dann zu meinen, dass man da stehen könne, wo eben noch Frau und Kerl standen, die beide deutlich sind kleiner als man selbst. Und dass die ein kleines Stück zur Seite gegangen sind, ist keine Einladung, da wie ein Ölgötze stehenzubleiben. Insbesondere, wenn sie es einem erst freundlich und dann unfreundlich erklären. Da muss man echt nicht den großen Ignoranten machen, sondern kann „Sorry“ sagen und gehen. Auch das ist nebenbei Awareness. Da lief zum Derby erstmals bei uns im Stadion eine Ansage zu dem Thema. Dürfen gerne alle beachten. Schön auch, dass der Südkurvenflyer das Awareness-Plakat auch noch mal aufnahm.

Wenn sich dann ein Kerl der gleichen Größe einmischt und ein deutliches „geh da weg oder es setzt was“ in die Diskussion einwirft, dann sollte die Reaktion der Kumpels zu besagtem Drängler sein: „Ey, XYZ, geh da mal weg, das ist Unsinn, komm wir arrangieren das irgendwie.“ Die falsche Reaktion in die falsche Richtung ist: „Aber du kannst dem doch nicht Gewalt androhen, das ist Nötigung!!!“ Natürlich kann man das nicht, aber man sollte auch mal überlegen, wer hier mit direkter körperlicher Gewalt angefangen hat, denn nichts anderes ist wegdrängeln* und wer auf freundliche Hinweise nicht hören will.

*Es sei hier kurz erwähnt, dass Gewalt ungleich Gewalt und es da natürlich Abstufungen gibt. Das wird immer gerne vergessen.

Gut, die Ansage ist dann wohl doch überzeugend genug und seine Kumpels und er suchen das Weite.

Einzelfall / Ränge sonst super

Es ist ärgerlich, dass so ein Einzelfall so viel Raum einnehmen muss, denn sonst ist das auf den Rängen heute echt Zucker. Gut Alarm, ein eher ironisches Auspfeifen der Süd, als nach der Fahne runter kein Pyro erschient, gefolgt von „Südkurve, Südkurve“-Rufen. Kein Gepöbel, allenfalls wenige Einzelpfiffe wegen der Pyroshow, viel Gepöbel gegen die Rauten und ein insgesamt guter Support. Teilweise heillos chaotisch, weil auch durch Aktion auf dem Feld unterbrochen, aber Knoll spricht am Ende davon, dass die Fans sie getragen hätten. Das sind diese berühmten paar Prozent, die wir im Vorbericht erwähnten. Und die Süd war Zucker, da wurde in unserem Umfeld benannte Awareness komplett gelebt und in der Ekstase passen alle aufeinander auf. Wie es dazu kam kommt gleich.

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Hübsch!



Ja, das war mal so wie wir uns das vorstellen. Klar man könnte nun ein Haar in der Suppe finden und vielleicht haben die drei linken Nachbarn nicht immer so mitgesungen, wie das in einer idealen Welt sein sollte. Aber Scheiß drauf! Wir haben offenbar was richtig gemacht, Sankt Pauli.

Ein Dank auch an Sanis und Ärzte im Stadion. Wir haben mitten im Spiel ein medizinisches Problem in einer unserer Bezugsgruppen, was uns kurz ein bisschen die Laune verdirbt. Das wird vom Roten Kreuz gut gelöst. Die Betroffene wird in den Sanitätsraum durch den Innenraum geführt, geht auch an der Gästekurve längs und kommt später versorgt zurück und meint nur mit strahlenden Augen, dass sie auf der Choreo der Rauten rumgetrampelt sei. Da wussten wir, es geht ihr wieder gut.

Was sonst noch war

Romane im Gästeblock? tl;dr!

Choreo im Gästeblock? Die Rauten in eine Working-Class-Tradition stellen zu wollen, ist soweit her geholt, das ist selbst für uns Wortspielakrobat*innen zu viel. Es hat ungefähr so viel Witz und Sinn wie die Sprüche von fritz!. Also gar keinen. (Dinos wegechsen, echt jetzt?)

Was genau davon sollte uns eigentlich nun genau treffen? Und Working Class sind sowieso nur die Skins. Und die zu Recht.

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Nun ja 🤷🏼‍♂️



Eigene Choreo: Gute Idee, die Umsetzung hakt leider ein bisschen. Aber so ein deutlicher Mittelfinger in Richtung DFL, DFB, Polizei etc. trifft natürlich unsere Herzen.

Zum Feuerwerk zu Halbzeit 2 könnt ihr in den Berichten zu Pyroeinsätzen 1999, 2000, 2001 etc. alles lesen, was dazu gesagt werden sollte und muss. Bemüht Google, dann findet ihr es. Es sieht cool aus und der Ordner mit der Schubkarre, in die alle Leute ihre abgebrannten Pyros werfen, war ein Bild für die Götter. Wir haben uns ordentlich einen gefeixt. Als hätte da jemand an den Reglern auch Bock drauf, wird nochmal “Antifa Hooligans” extra aufgedreht, als alles so schön leuchtet.

Rasengeschehen

Diese 0,2 Sekunden bevor der Ball ins Tor rollt, die sind schon irgendwie (besser als) Sex, oder?

Die haben schon eine gute Truppe da zusammen im Volkspark. Jatta ist ein echt fetter Motor über die Außenbahn und auch sein Gegenüber ist echt stark. Unsere Jungs haben da alle Hände voll zu tun, halten aber mit Einsatz und guter Einstellung echt klug dagegen. Und wenn es dann doch mal nicht reicht, dann ist Hinterseer zur Stelle und versemmelt den Ball. Der Junge, der ja wirklich gut in die Saison gestartet ist, hat mal so richtig Scheiße am Fuß. Nun ja, so ist das halt. Doof für ihn, wenn es im Derby passiert. Wie ruft unser Chief Editor in solchen Momenten immer? „HA! HA!“

Womit wir bei unserem Liebling des Spiels sind. Ach Rick, den entscheidenden Tick zu spät beim 1-0 und beim 2-0 bügelst du das aus und schiebst ihn gleich selber rein. Was deine Leistung aber echt schmälert ist, dass du das absolut mögliche 3-0 daneben setzt.

Zu unseren Jungs. Die sind ja mal heiß wie Frittenfett. ENDLICH MAL!!! So häufig hatten wir schon Derbyspiele, wo unsere Knaben wie das Kaninchen vor der Schlange hockten. Wir erinnern uns da ungern an ein Spiel im März. Diesmal ist alles anders. Laufeinsatz wie verrückt, Kämpfen bis zum Umfallen, taktisch gut eingestellt und mit einigen guten Ideen. Das ist rund! Hier mal Lob an den Coach; wer eine Mannschaft so spitz in ein für Fans so wichtiges Spiel bringt, der macht nicht alles falsch. Und das bei uns Nörgler*innen schon ein großes Lob. Der versprochene aktivere Fußball ist sichtbar und spürbar.

Einzellob? Ohlsson, der richtig stark ist (auch wenn ihm Jatta ein paar mal entwischt) und auch noch die GG anheizte. Das wirkte, als ob er einen Crashkurs in FCSP-Tugenden gehabt hätte. Diarra nach Einwechselung auch sofort auf Temperatur und mit fettem Jubelsprung. Da ist Herz vorhanden. Das Duracell-Häschen Knoll (ihr kennt die alte Werbung noch? „Läuft und läuft und läuft“), der einfach ein echter „Game Changer“ ist. Der ist überall gleichzeitig, treibt den Gegner zur Weißglut und kann dabei echt noch feine Bälle spielen. Ganz stark. So sah man ihn bei Regensburg, das deutete er in der Hinrunde letzte Saison schon an und nun wird er immer stärker. Klasse! Und Buballa: Nach kurzer Anlaufzeit: Mit welcher Brust läuft der denn rum seit er die Binde umhat?

Wie lange haben wir bitte nach einem zentralen Offensiven gesucht, der sich Bälle abholt, der dribbelt und verteilt, der im wahrsten Sinne des Wortes Schaltzentrale des gesamten Spiels ist? Und dabei verkümmerte der ideale Spieler dafür auf der Außenbahn. Was Mats nun im Zentrum unseres Spieles an Kilometern und Ballberührungen abreißt, ist klasse. Und bei ihm wird die Zeit, die er intensiv spielen kann, auch immer länger. Es ist noch gar nicht so lange her, da nahm der Trainer ihn nach 60 Minuten runter, nun marschiert der auch in Minute 92. Auch wenn für den finalen Konter die Konzentration fehlt. Ist ja alles gutgegangen.

Sein Jubellauf vor der GG nach Abpfiff war dann alles. Einfach alles. Tusen takk, Mats.
Da lässt jemand den Worten, dass er Geburtstagsgrüße für Fans gerne aufnimmt (auf Rückfahrt nach Niederlage in Stuttgart!), weil er den Verein und seine Fans sehr gerne mag, auch gleich fette Taten folgen. Top. Wie wir danach vorm Stadion orakelten: Der würde wahrscheinlich immer noch über den Rasen laufen, wenn Truller ihn nicht eingefangen hätte.

Natürlich auch groß für Schnecke Kalla, dass er den Derbysieg als Einwechselspieler verteidigen darf. Und der wirft sich auch nochmal richtig rein. Jetzt müssen wir schnell den Weg in die Europa League hinbekommen, damit er das Karriere-Highlight noch toppen kann.

Klar, es gibt auch kleine Tropfen Wasser in den Wein. Hinterseer ist schon erwähnt und noch schaffen wir es nicht, die Intensität 90 Minuten als Mannschaft geschlossen hoch zu halten. Die Auszeiten sind noch ein bisschen lang. Aber man muss ja auch immer was zum Arbeiten haben. Hochgradig clever hingegen, wie auch mal eine Weile unattraktiv hintenrum gespielt wird – vielleicht gar nicht aus Ideenlosigkeit, sondern um ein bisschen Kondition einzusparen.

Und nun?

Sind wir in diesem Jahrzehnt insgesamt 3050 Tage Derbysieger. Dieser andere Verein nur 601 Tage. (Alles gestern per Hand auf einem Schmierzettel auf dem Fanladentresen gerechnet.). Packt also eure hässlichen Aufkleber ein und macht Platz für ganz viele Mats-Aufkleber, ihr Vorstädter

Diese glücklich-leeren Gesichter nach Abpfiff überall im Viertel. Diese immer wieder erschallendem „Alte*r, wir haben gerade das fucking Derby gewonnen“-Rufe. Komplette emotionale Überforderung! Dieses debile Grinsen am Tag danach. Derbysieger!

Derbyfluch? Oder Wende der Saison? Unser Senior hatte unserem Lieblingsgewerkschafter (hallo @moeliw) ja prophezeit, dass das Derby die Wende der Saison wird. Um das zu testen, kommen nun zwei wirklich perfekte Aufgaben. Ein sehr gutes lilaweißes Kollektiv und ein echt unangenehmes Sandhausen. Das sind echte Charakterspiele, sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Etwas vereinfacht gesagt: Können wir auch Alltag oder können wir nur vereinzelte Highlight?

Wir würden uns wünschen, dass wir Mats auch dann jubeln sehen können, wenn wir gemeinsam den Abwasch (= Sandhausen geschlagen) erledigt haben.

Denn dafür leben wir. Um Mats jubeln zu sehen.

PS:

Hamburg ist braun-weiß, ihr Derbysieger*innen!

Was wir vergessen haben, lest ihr bei Millernton-Tim