Apr 082021
 

Corona hat den Fußball immer noch fest in der Hand und wir veröffentlichen auf diesem Blog in letzter Zeit kaum Inhalte. Umso dankbarer sind wir, dass Trashi sich bereit erklärt hat, diesen Gastartikel zu schreiben. Wir freuen uns, diese wichtigen Inhalte hier vertiefend aufgreifen zu können.

Kein Fußball den Faschist*innen, keine Soli mit Corona-Leugner*innen und keine Kulturszene für extreme Rechte.

[ihr werdet sehen, dass wir auf verschieden Arten Gendern – als Kollektiv sind wir hier immer noch im Meinungsfindungsprozess, bis dahin gendern wir auf jeden Fall, aber auf verschiedene Arten

Hier nun der Text:

Gestern habe ich einen Thread auf Twitter veröffentlicht, der den Status Quo rund um die Große Freiheit 36, das Docks und ihr Netzwerk beleuchtet. Aufgrund der großen Resonanz und der Wichtigkeit des Themas wurde ich vom Kollektiv angefragt, ob ich nicht Lust habe, etwas ausführlicher zu werden. Vielen Dank dafür. Ich habe alle Quellen soweit verlinkt wie ich es für vertretbar halte dahin zu verlinken. Alles andere ist, wenn es euch wirklich interessiert, mit ein bis zwei Suchen bei der Suchmaschine eures Vertrauens zu finden. 

Die erste Wandzeitung

Ich persönlich bewege mich seit vielen Jahren im Hamburger Club- und Veranstaltungskontext und verfolge die Thematik deshalb von Beginn an mit großem Interesse. Mit den beiden Clubs hatte ich, außer als Gast, allerdings nie etwas zu tun. Als die erste Wandzeitung am Docks auftauchte, wunderte ich mich, dass diese auf wenig Gegenwehr traf. Gefühlt war das Thema nur in einer kleinen linken Bubble zu sehen. Dachte allerdings auch, dass da jetzt auch keine große Gefahr von ausgeht und das Ganze nicht größer gemacht werden sollte als es ist. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert.

Spannend wurde es dann erstmals, als das Musikmagazin OXMOX sich auf die Seite der Lockdown-Gegner:innen stellte. Zudem veröffentlichte das OXMOX Magazin eine Stellungnahme der Großen Freiheit 36, namentlich unterschrieben vom damaligen Geschäftsführer Mitja Boettger-Soller*, in Solidarität mit dem Docks und ein Zitat von Karl-Hermann Günther [Korrektur, 9. April 2021, 20:41 Uhr, hier hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen und Karl-Herrmann wurde fälschlicherweise als Klaus Hermann bezeichnet] aus April 2020: „Ich denke, dass in vier bis sechs Wochen alles wieder weitergehen kann“. Nunja, er sollte sich irren.

In der Veranstaltungsbranche ist allgemein bekannt, dass Docks, GF36 und alle damit zusammenhängenden Läden einem Betreiber gehören. Dies war mit laienhafter Recherche jedoch zu dem Zeitpunkt nicht nachzuvollziehen, da verschiedene Betreiber:innengesellschaften mit verschiedenen Geschäftsführungen den Clubs vorangestellt sind. Nur ein Youtube-Video des Clubkombinats aus dem Jahr 2018 zeigt den Betreiber der Clubs Karl-Herrmann Günther bei einer Preisverleihung. Dort spricht er auch persönlich ein paar kurze Worte des Danks und sagt sinngemäß, dass er eigentlich nie wollte, dass Leute wissen, wer da nun wirklich hinter steht. Hier hält Karsten Schölermann (Inhaber des KNUST) eine flammende Rede für ihn. Heute dürfte ihm das Video hoffentlich peinlich sein. Inzwischen tritt der Inhaber der beiden kritisierten Läden aber häufiger öffentlich auf, dazu später mehr.

So bestätigte sich aber die Vermutung, dass hier der Geschäftsführer eines Clubs der Geschäftsführerin eines anderen Clubs, die beide den selben Betreiber haben, verteidigt. Das ist dann schon recht unseriös, wenn man das nicht transparent macht, sondern so tut, als kenne man sich nicht. Dazu forderte das OXMOX-Magazin schon auf der Titelseite eine Beendigung des Lockdowns. Das passt schon alles zusammen. Das OXMOX Magazin wird von Klaus M. Schulz in seinem eigenen Verlag vertrieben, den Namen könnt ihr euch für später merken.

Das Thema nimmt an Fahrt auf

Neue Fahrt nahm das ganze Thema mit Fotos der Wandzeitung am Docks Anfang dieses Jahres auf.

Neben Verharmlosung von NS-Verbrechen (Anne-Frank-Zitate in Verbindung mit der Corona-Lage) gab es Verweise auf Webseiten, auf denen antisemitische Inhalte verbreitet werden, beispielsweise KenFM von Ken Jebsen. Darauf reagieren – erwartet deutlich – zuerst Audiolith und danach – unerwartet deutlich – ein Zusammenschluss wichtiger Hamburger Musikagenturen mit einem offenen Brief, der eine Distanzierung von den Inhalten und einen Abbau der Wände fordert. Ansonsten müsse man die Zusammenarbeit einstellen. Bemerkenswert ist hierbei, dass sich eigentliche Konkurrent:innen offen gemeinsam gegen eine gemeinsame Einnahmequelle stellen. Die Clubgrößen von Große Freiheit 36 und Docks sind immens wichtig für den Hamburger Musikmarkt und nur äußerst schwer zu ersetzen. Das erfordert Mut und zeigt Haltung!

Da an diesem Statement alle großen Agenturen beteiligt waren, würde den betroffenen Clubs damit ein großer Teil ihrer Einnnahmen über Konzerte verloren gehen. Nach mehreren Wochen meldeten sich dann diese Clubs zu Wort, relativierten die Aussagen in ihrer Wandzeitung und schossen verbal zurück. Dieses Statement ist ein Klassiker der Diskursverdrehung. Es wird auf die konkreten Vorwürfe kaum eingegangen, stattdessen wird mit dem Finger auf andere gezeigt. In klassischem Duktus der rechten Coronaleugner:innenbubble wird den Autor:innen des offenen Briefs Demokratiefeindlichkeit vorgeworfen und man versucht mit klug klingenden Pseudoargumenten die Kritik auf andere zu lenken. Gesprächsbereitschaft wird lediglich vorgeblich suggeriert, denn eigentlich wird klar, dass die Unterzeichnenden nur sagen wollen, dass sie alles richtig gemacht hätten. Dass das einleitende Zitat Voltaire nicht mal zuzuschreiben ist und das mit einmal googlen klar wird, ist dann noch die Kirsche auf der Sahne-Schwurbeltorte.

Was viele vermutet hatten, wurde deutlich: Die Clubs distanzieren sich nicht und suhlen sich in ihrer angeblichen Opferrolle. Der Vorstand des Clubkombinats äußerte sich daraufhin (für einen Verein, der diese Clubs noch offiziell nach Satzung als Mitglied vertritt, sehr deutlich). Gleichzeitig gab es ein Stellungnahme vieler anderer Clubs, Kollektive und Künstler:innen, die sich für einen Auschluss aus dem Clubkombinat aussprechen. 

Weitere Hintergründe

Was mich persönlich zum Herauskramen meiner alten Ergebnisse brachte, war ein Artikel aus der ZEIT vom 2.4.2021, in dem auch Karl-Hermann Günther zu Wort kommt. Neben Geheule, dass sich Konzertagenturen dazu herabgelassen hätten, mit Diffamierungsbegriffen Entrüstungsorgien losgetreten zu haben, macht er auch deutlich, dass die kritisierten Clubs nicht freiwillig aus dem Clubkombinat austreten wollen. Er sei der Hoffnung, dass auch das Clubkombinat wieder zu einem normalen und offenen Diskurs zurückkehren möchte.

Hier sind zwei Dinge besonders zu beachten:
  1. versucht er sich in einer Opferrolle zu suhlen und das Gegenüber (Clubkombinat, Agenturen etc) in einen Handlungszwang zu bringen.
  2. tritt er aber nun zum erstem Mal nach zig Jahren als Betreiber der Clubs in Erscheinung.

Es wird versucht, mit einer Flucht nach vorne zu retten, was irgendwie noch zu retten ist. Diese Kampagne ist offenbar genau so geplant. Auch in Kieler Medien treten Karl Hermann Günther und seine Tochter (Geschäftsführerin seines Clubs „Traum“ in Kiel) schon seit letztem Jahr häufiger auf. Hier wurde sich offenbar ausprobiert. In Hamburg gibt es nun sogar einen ehrenamtlichen Pressesprecher. Doch auch da lohnt sich ein genauerer Blick, denn dieser ist kein geringerer als Torsten Engelbrecht, ein bekanntes Gesicht in der Szene der Corona-Leugner:innen. Er treibt sich auf Corona-Demos rum, vertreibt ein Buch, in dem er die Existenz von Seuchen leugnet („Virus Wahn“), und spricht und schreibt auf den Kanälen von Ken Jebsen.

All das MUSS den Verantwortlichen der Clubs bekannt sein und zeigt, wie sehr sie im Netz aus Leugner:innen verfangen sind. Viel mehr schwurbeln am rechten Rand geht nur wenn man auf Leugner:innendemos Reichsflaggen schwenken würde. Hamburg1 hat zur Thematik einen guten kleinen Beitrag gebracht, in dem Engelbrecht auch selbst zu Wort kommt. An all diesen zeitlich nah beieinander liegenden öffentlichen Auftritten und Äußerungen wird deutlich, dass hier ganz offensichtlich eine geplante Kampagne gefahren wird.

Ein weiterer Verein taucht auf

In der Stellungnahme von Karl-Hermann Günther aus der die ZEIT zitiert, spricht er außerdem von einem anderen Verband aus der Branche, auf den er mehr Hoffnung setze. Dieser heißt ALIVE!Kultur. Ein kurzer Blick auf die Website verrrät, dass dieser Verband unter anderem Zitate von NENA veröffentlicht, die sich kürzlich bei den coronaleugnenden Demonstrant:innen in Kassel bedankte. Aber das passt ja dann auch wieder, wenn man „FCK LCKDWN“-Merchandise in Shop des Vereins verkauft. Dass ein Stop des aktuell ohnehin zu ineffektiven Pseudo-Lockdowns Menschenleben kostet, scheint nebensächlich zu sein. 

Auch einer Zusammenarbeit mit Kalle Schwensen steht nichts im Weg. Dieser hat zuletzt damit Schlagzeilen gemacht, dass er zur Pressekonferenz mit Coronaleugner:innen ins Hooters-Restaurant auf der Reeperbahn einlud. Unter anderem sprach dort auch der oben genannte Torsten Engelbrecht und Bianca Mansfeld von der Schwurbler:innen-Initiative „Eltern stehen auf“. Schon 2018 sprach Schwensen in Interviews herablassend über die MeToo Bewegung und seine Facebookseite strotzt seit Jahren nur so vor Nähe zur nächsten „Merkel muss weg“ Demo.

Ein Klick weiter und man ist beim Impressum angekommen. Schon wieder springen einem bekannte Namen entgegen, die schon woanders auftauchten: 1. Vorsitzende ist Roxanne Melody Schulz, die Tochter von Klaus M. Schulz, der das OXMOX-Magazin vertreibt. Und neben einer Sängerin Namens Susi Salm, die das Restaurant „Zwick“ mit führt, ist der 3. Vorsitzende Mitja Boettger-Soller, kein Geringerer als der inzwischen ehemalige Geschäftsführer der Großen Freiheit 36*. Zudem ist es mindestens unseriös, dass sich der Verein auf seiner Webseite als gemeinnützig bezeichnet, aber weder eine Satzung noch eine Steuernummer zu finden ist. Das ist tatsächlich normalerweise Standard. Da tiefer einsteigen sollten aber lieber Jurist:innen, vielen Dank für den Hinweis. Auffällig ist auch, dass die Spendengelder zur Zeit an einen Verein Namens „Hilf Helfen Hamburg e.V.“ gehen, über den wenig bis nichts zu finden ist, und nicht an ein Konto, das der Kampagne zugeordnet werden kann.

Neben den kritisch zu sehenden Personen wird auf der Webseite von ALIVE!Kultur sehr prominent die Landgang Brauerei als Unterstützerin aufgeführt, es gibt sogar ein extra Unterstützer:innenbier. Die Brauerei hat auf Twitter schon reagiert.

Dennoch muss man sich hier die Frage stellen, wie unwissend deren PR Abteilung ist, wenn die Fehltritte eines Kalle Schwensen an einem vorbeigehen und man da nichtmal recherchiert, bevor man ihn auf seine Bierflasche druckt. Seine öffentlichen Fehltritte begannen ja durchaus schon weit vor der Pandemie und führten schon lange zu Diskussionen um seine Person, zum Beispiel innerhalb der Fanszene des FC St. Pauli. Ein einziger Blick auf seine Facebookseite hätte gelangt. Seit Jahren.

Extrem rechte Positionen in den Mainstream bringen

Wenn man all dies nun betrachtet, wird deutlich, dass sich hier offenbar ein Kreis von Unternehmen und Menschen gegenseitig einen guten Leumund geben will. Beziehungsweise soll eine gut inszenierte Kampagne dazu führen, dass den Betreiber:innen der Clubs ein neues Image gegeben wird und diese so ihre (finanzielle) Haut retten können. Zudem entsteht ein neues Bündnis aus GF36, Docks und Co., das zusammen mit hippem Bier, einem Musikmagazin und fragwürdigen Kiezmenschen eine Akzeptanz für stramm rechte Parolen und Inhalte geben will. Man baut sich eine eigene Öffentlichkeit auf, weil einem die der anderen gegen den Strich geht. Ich bin mir nahezu sicher, dass viele Menschen, die sich dem anschließen, gar nicht merken mit was für Scharlatan:innen sie sich dort zusammentun. Genau aus diesem Grund braucht es aber eine kritische Gegenöffentlichkeit

Und zu guter Letzt könnte sich ja auch die der Stadt Hamburg zuzuordnende Sprinkenhof AG mal überlegen, ob über die Pachtverträge für Docks und Prinzenbar nicht nochmal nachgedacht werden sollte. Es gibt wirklich genügend gute Leute in Hamburg, die diese Bühnen für den Kulturbetrieb retten könnten. Bei der Haltung des Betreibers und seiner Geschäftsführungen werden die Räumlichkeiten dem Kulturstandort Hamburg ansonsten auf Dauer verloren gehen!

*Der Posten der Geschäftsführung der MGB Musikladen Gastronomie Betriebs-GmbH, dem Unternehmen das hinter den in der Großen Freiheit 36 ansässigen Clubs steht, wurde inzwischen von Mitja Boettger-Soller an Benjamin Steinicke übergeben. Dieser war dort schon bis 2017 Geschaftsführer und führte danach die Security Große Freiheit GmbH.

Mrz 242021
 

Wie das erste Heimspiel nach überwundener Pandemie aussehen könnte

Seien wir ehrlich. Wir alle haben Sehnsucht nach Stadionbesuchen. „Ich wünsche mir, dass ihr mich anmotzt, weil ich zu spät in den Block komme.“ „Ich will sonntags um 4 Uhr aufstehen müssen.“ „Ich würde sogar freiwillig nach Dresden fahren.“ Sätze, die so oder so ähnlich in den letzten Wochen und Monaten in unserem Umfeld gefallen sind. Uns allen fehlt das Stadion, das Umfeld, die Zerstreuung. Auch wir können es kaum erwarten, endlich wieder ein Spiel mit einem vollen Millerntor zu erleben. Aber wäre es wirklich so geil, nach X Monaten Fußball im TV plötzlich wieder in einem vollen Stadion zu stehen? Eine (nicht ernstgemeinte) Zukunftsvision. 

Heimspiel. Samstag. Anpfiff: 13:00 Uhr. November. 3°C und Regen. Zu Gast: Gegner 08/15

Der Wecker klingelt. Wir schälen uns voller Vorfreude auf das erste Spiel mit vollem Haus aus dem Bett. „War Fußball früher auch schon so früh?“, blitzt bei uns als Frage im Hinterkopf auf. Dunkel können wir uns an Treffen um 4 Uhr morgens erinnern. Vor unserem Kleiderschrank stehend folgt schon das erste Problem. Was zieht man für 3°C Regen in Hamburg im November an? Regenjacke oder schon die dicke Winterjacke? Wie viele Schichten, um weder zu erfrieren noch den Hitzetod zu sterben? Braucht es schon Termoleggins? Handschuhe? Mütze? Und wo ist eigentlich der Glücksbringer-Hoddie? Nach schier endlosen Minuten des Überlegens und verzweifelten Nachrichten zwischen den Mitgliedern der Bezugsgruppe verdrängen wir den Gedanken an unseren Jogger und das Sofa und entscheiden uns für ein Outfit. 

Wir sind zu aufgeregt zum Frühstücken

Schon viel zu lange fiebern wir auf diesen Tag hin, viel zu lange haben wir gewartet, viel zu oft unsere Verzweiflung und Hilflosigkeit gegen den Fernseher geschrien. 

Also auf zum Stadion. Auf dem Weg dorthin schießen uns die Erinnerungen durch den Kopf, was wir alles vor so einem Spiel während der Pandemie gemacht haben. Einkaufen, Putzen, Laufen oder auch einfach den kompletten Vormittag im Bett verbracht. Wie viel Zeit wir in unserem Leben wohl schon dem Fußball gespendet haben? Schon aus der Ferne sehen wir die Menschenmengen vor dem Fanladen stehen. Mal sehen, ob wir das mit der sozialen Interaktion nach all der Zeit noch können. Wir stürzen uns in die Menge. Begrüßen gute Menschen, die wir in der letzten Zeit viel zu stark vermisst haben, und sehen Menschen, auf die wir gerne noch länger verzichten könnten. Letztere sitzen hoch zu Ross. Und wir hatten uns zwischenzeitlich schon Sorgen gemacht, ob die Pferde in den letzten Monaten genug Auslauf bekamen. Wir quatschen über dies und das. Holen uns ein Spezi aus dem Fanladen und fragen uns beim Abholen der Auswärtskarten, ob Fußball schon immer so teuer war. 

Weil alte Rituale nur langsam sterben, stehen wir 30 Minuten vor Einlass an „unserem“ Eingang. Es ist kalt und wir haben jetzt schon nasse Füße. Wir hätte doch die Winterjacke anziehen sollen. Die Ordner*innen öffnen die Eingänge und wir stellen fest, dass wir definitiv aus der Übung sind. Jacke auf? Abtasten? Ticket zeigen? Was kam nochmal zuerst? Und wie herum muss die Karte unten den Scanner? Die Ordner*innen wirken beim Abtasten genauso aus der Übung wie wir. Aber immerhin mal wieder Körperkontakt. Wir erklimmen die ersten Stufen, und stellen fest, dass das Stadion in den letzten Monaten gewachsen sein muss. Das war vorher doch nicht so hoch. Zum Glück können wir eine kurze Verschnaufpause einlegen, denn wir müssen ja noch frühstücken. Enttäuscht stellen wir fest, dass es immer noch keine Pommes auf der Gegengerade gibt. X Monate hatten sie Zeit und jetzt das. Allgemein war der Inhalt unseres Kühlschranks bzw. des Kühlschranks des Lieferservices unseres Vertrauens überzeugender. Hallo? Gebt euch mal ein bisschen Mühe! Wir haben in den vergangenen Monaten schließlich auch ordentlich kochen gelernt! Naja. Wir entscheiden uns für Waffeln und nehmen uns auf dem Weg zu unseren Plätzen noch ein Bier mit. Das haben wir uns früher definitiv schmackhaft getrunken. Wir vermissen unser leckeres IPA oder Witbier aus Kleinbrauereien, das zu Hause wartet.

Ob sich Fußball im Stadion durchsetzen wird?

Wir finden unsere Plätze, reden und um uns herum füllen sich die Tribünen langsam. Ganz schön eng so ein Fußballstadion. 30 Minuten vor Anpfiff beginnen die Füße zu schmerzen. Auf Betonstufen stehen – ein seltsames Konzept. Wir tippen uns einen Reminder ins Handy, uns für die nächste Saison unbedingt Sitzplätze zu besorgen. Besorgt versuchen wir im Kopf zu überschlagen, wie lange es wohl dauert, bis wir uns wieder hinsetzen können. Zum wiederholten Mal heute denken wir wehmütig an unser Sofa und den Jogginganzug zuhause. Um uns herum herrscht munteres und aufgeregtes Gerede und wir stellen fest, dass es uns ohne Vorberichterstattung schwer fällt, etwas zum Gespräch beizutragen. Woher sollen wir denn wissen, welches der beste Stürmer der letzten 17,391 Spieltagen, der Mittelfeldspieler mit der schönsten Frisur oder der Verteidiger mit der größten Briefmarkensammlung ist, wenn es uns nicht Thorsten Mattuschka vor dem Spiel persönlich erzählt? Wir schweifen ab und erwischen uns bei dem Versuch die Spieltagsplaylist auf unserem Handy ändern zu wollen. Wir tippen frustriert in Spotify herum, bis uns wieder einfällt, dass die Musik ja gar nicht aus unserem Handy kommt. 

Der Block ist voll, das Spiel beginnt. Und schon mit Anpfiff sind wir genervt. Wir sehen nichts. Fahnen? Ernsthaft? Wir vermissen den Zoom auf den ballführenden Spieler und die Taktikcam. Das Spiel läuft Richtung Nordtribüne, ein Zweikampf an der Torauslinie. Ecke. Zumindest vermuten wir es, denn ohne Wiederholung können wir von unserem Platz aus, auf Zehenspitzen stehend, das Geschehen an der Eckfahne nur erahnen. Aus der Ecke wird nichts. Stattdessen läuft nun der Konter auf unser Tor zu Richtung Süd. Dann passiert es: Foul knapp an der Strafraumgrenze. Die Schiedsrichterin pfeift und zeigt auf den Punkt. Proteste überall im Stadion. Hinter uns wird geschimpft und geschrien. Wir sind unsicher. Ohne Nahaufnahme können wir das nicht entscheiden. Die Schiedsrichterin hält ihren Finger ans Ohr und malt dann ein Viereck in die Luft. Auf die Erleichterung, jetzt endlich selbst nachvollziehen zu können, was dort gerade eben auf dem Rase passiert ist, folgt die Enttäuschung. Wir sehen nichts. Die Schiri entscheidet doch auf Freistoß und wir sind genauso ahnungslos wie vorher. Vor dem TV wusste man wenigsten immer, was gerade passiert. 

Aus der Süd dringen Gesangsfetzen zu uns rüber. Manche versuchen tapfer, mitzusingen und ihre Textlücken mit „Lalalas“ zu füllen. Andere haben schon nach der zweiten Zeile aufgegeben. Hatten unsere Lieder schon immer so viel Text? Wir sind überfordert und versuchen verzweifelt gleichzeitig zu singen und den Text zu ergoogeln. Wie haben wir uns das früher alles gemerkt? Die Schiedsrichterin pfeift zur Halbzeit und wir wollen uns schon auf zur Waschmaschine machen, um die Pause zu nutzen um die frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen, bis die irritierten Blicke uns zurück in die Realität holen. Wer hängt denn jetzt die Wäsche auf, wenn wir heute hier sind? Richtig. Niemand. Weil wir die Maschine ja nicht vor dem Spiel eingestellt haben, weil wir uns ja schon 20 Stunden vor dem Spiel treffen mussten. Wir packen dies zusammen mit Einkaufen auf unsere mentale To-Do-Liste. 

Zu Beginn der zweiten Halbzeit trifft uns die Erkenntnis, dass wir morgen mit Muskelkater aufwachen werden. Klatschen, singen, hüpfen. Halleluja, ist das anstrengend. Und das mit der Stimme wird auch spannend: Wann haben wir zuletzt so viel geredet und gesungen? Wir sind vollkommen aus der Übung.

Und dann passiert das Unglaubliche: Ein Tor für uns. Das Millerntor explodiert. Und wir sind zum wiederholten Male überfordert. Menschen um uns herum schreien und liegen sich in den Armen. Eine Mischung aus Bier und Konfetti fliegt durch die Luft. Alle klebt. Das Konfetti piekst im BH. 

Müde!

Das Spiel ist aus. Freude, Ektase und Erschöpfung lassen sich an den Gesichtern um uns herum ablesen.  Wir wissen nicht so richtig wohin mit uns. Jolly? Kleine Pause? Zoo? Zu müde sind wir von den ganzen Eindrücken, die auf uns hereinprasseln. Wir entscheiden uns, unsere Freude, wie die letzten Wochen üblich, ins Internet zu schreiben, und machen uns langsam auf den Heimweg. 
Wir fallen müde in unsere Wohnung. Hallo Sofa, wir haben uns wieder. Wir schmeißen uns in den Jogginanzug, streichen „Wäsche waschen“ und „Einkaufen“ von unserer To-Do-Liste und öffnen die Seite des Lieferdienstes unseres Vertrauens. Im TV läuft die Zusammenfassung des Spiels und wir verstehen zum ersten Mal, was wir da heute eigentlich auf dem Rasen gesehen haben.    

So, Quatsch beiseite

Wir vermissen dich, Millerntor. Wir vermissen die guten Leute und die guten Gespräche. Wir vermissen die Anspannung, die Aufregung und den Stress. Wir können es kaum erwarten, dich mit allem was dazu gehört endlich wieder in real, nicht durch einen Bildschirm, zu sehen. 

Mrz 052021
 

Montagabend, 22.30 Uhr, Bier in der einen, Kippe in der anderen Hand, Mitten in Hamburg, “DERBYSIEGER” schreiend, einfach mal glücklich sein.
Auf dem eigenen Balkon. Zu zweit. Vor einem leeren Innenhof. Vereinzelter Jubel in der Ferne. Ein bisschen Feuerwerk.

Ihr Lieben, ihr wisst, was die vergangenen 12 Monate passiert ist. Ihr wisst, was Montag passiert ist. Der FC St. Pauli ist Pandemie-Derbysieger. Das ist aus mehreren Gründen nicht normal. Das ist ein Spieltag als Lach-Wein-Smiley*.

Wir wetten, euch geht es nicht viel anders als uns. Wie oft seid ihr zwischen “YEAH, endlich mal wieder ein RICHTIG geiles Erlebnis in diesen miesen Zeiten!” und “Wie traurig ist es, das nicht gemeinsam feiern zu können!?” hin- und hergependelt? Bei uns ständig seit Montag. Kein gemeinsames Ausrasten im Stadion, kein Sich-in-die-Arme-fallen, kein verschallertes gegenseitiges Anbrüllen vor den Fanräumen … schon vor dem Spiel kam einfach nicht das Kribbeln auf wie sonst. Aber das haben wir bereits zum Hinspiel geschildert.

Die (un-)sichtbare Wand der Hilflosigkeit

Einen Fernseher anzuschreien, das macht nach wie vor wenig Spaß. Auch wenn die Spieler auf dem Platz sicherlich relativ wenig individuelle Stimmen hören, wollen wir doch glauben, dass es im Stadion was bringt. Gemeinsam. Zusammen. Alles nach vorn. Noch mal alles geben.

Hilflosigkeit. Dieses Gefühl haben wir im Stadion eigentlich nie, vorm Fernseher ist das Gang und Gäbe. Vielleicht auch ein Sinnbild für diese ganze Pandemie, an der wir so wenig ausrichten können, außer eben zu Hause zu bleiben.

Hoffentlich habt ihr alle noch nicht vergessen, wie das mal war. Damals. Im Stadion. Alle zusammen.

Zum Glück wissen wir, wie es eigentlich geht

Dieser Derbysieg fühlt sich an wie ein halber, wenn wir mal ehrlich sind. Zugegeben, wir haben uns mittlerweile fast daran gewöhnt, liefen die vergangenen Jahre doch in der Regel gut für Braunweiß. Was sind wir dankbar, dass es 2019/2020 noch live und vor Ort zu erleben war, die Vorstadt rund zu machen! Stellen wir uns vor, dies wäre der erste Derbysieg seit langer Zeit gewesen. Da wären wir doch alle verrückt geworden.

Vor allem ist da diese unüberwindbare Distanz. Am Montag drehen wir wenige Stunden vor Anpfiff sogar noch unsere Runden durchs Viertel, sehen ein paar bekannte Gesichter auf den Straßen, am Stadion ist – pandemiegerecht – ein bisschen was los in Vorbereitung auf das kleine große Spiel. “Das kleine große Spiel” haben wir gerade ohne viel Nachdenken geschrieben. Das trifft es. Ein bisschen wie das kleine Derby zwischen den U23-Mannschaften. Mehr ein Symbol. Nicht die ganz große Wirklichkeit.

Punkte sind so oder so wichtig

Und nun ist Freitagabend, wir sind Derbysieger*innen und alles war richtig, wichtig und gut. Sonnabend ist schon das nächste Spiel. Vergessen wir nicht, dass wir jeden Punkt gebrauchen können! Schließlich hängt in diesen Zeiten sicherlich mehr als sonst schon das Überleben unseres Herzensvereins von Klassenerhalt, Platzierung in der Abschlusstabelle und Fernsehgeld ab. Doch nach diesem Spiel, was die vollkommene Entfesselung aller aufgestauter Emotionen hätte sein können, ebbt die Freude so viel schneller ab als sonst. Weil sie nie das gleiche Maß wie sonst erreicht hat.

Natürlich haben wir uns gefreut und freuen uns noch. Ein kleines bisschen heiser war unsereins sogar am nächsten Tag, wie lange hatten wir vorher nicht mehr laut gerufen!? Es gab sogar das Glück, am nächsten Tag einen Rautenkollegen kackfrech nach seinem Befinden zu fragen. Und Twitter war für viele von uns ein Kanal, wo zumindest virtuell die Sau rausgelassen wurde.

Ein Derbysieg in Pandemiezeiten ist besser als eine Derbyniederlage in Pandemiezeiten.
Aber ein Derbysieg ohne Pandemie ist noch viel besser als ein Derbysieg mit Pandemie.

*Ich hasse Lach-Wein-Smileys normalerweise, weil sie so inflationär vorkommen, wo die meisten Menschen doch herzlich selten beides gleichzeitig tun.

Mrz 042021
 

Dank Euch konnten wir gerade (aufgerundete) 2.121,00€ an jedes der drei ausgesuchten Projekte überweisen. Hier die Nachweise:

Vielen, vielen Dank für Euer Mitmachen und Eure Solidarität! Was mit einer fixen Idee begann, endete jetzt in über 15.000€ die während der beiden Stadtderbies für 7 soziale Initiativen zusammen gekommen sind.

Wir wissen, dass dies in den aktuellen Zeiten nicht selbstverständlich ist. Und erst recht nicht, da viele von euch uns gar nicht persönlich kennen. Danke, einfach nur danke, ihr Derbysieger*innen!

St. Pauli bleibt braun-weiß und solidarisch.

Genau so, immer weiter.

Auf und neben dem Feld. 🤎🤍

Feb 262021
 

Freitag Abend. 19:10 Uhr. Derbywochenende!

Unter normalen Umständen wären wir jetzt gerade alle im Viertel unterwegs. Treffen in kleineren und größeren Bezugsgruppen. Ob es heute wohl schon einen ersten allgemeinen Treffpunkt gäbe? Das Viertel käme das ganze Wochenende nicht zu Ruhe. Wir würden zahlreiche Freund*innen aus aller Welt willkommen heißen. Uns wiedersehen. Gemeinsam auf das Derby hinfiebern. Gemeinsam feiern. Und so richtig unter Strom stehen.

Bei uns ist von diesem Derbyfieber ehrlicherweise nur ganz wenig schon zu spüren. Weil dieses verdammte Virus unsere Leben immer noch im Griff hat. Und bei so einem Derby ohne Zuschauer*innen mag dann Derby drüberstehen, da ist aber lange noch kein Derby drin. 

Und während das so richtig doof ist alles, wollen wir wieder nicht vergessen, dass das in der globalen Situation komplette Nichtigkeiten sind. Nach einem Jahr Pandemie sind obdachlose Menschen in Hamburg (und überall) schlecht versorgt und auf den Straßen täglich zusätzlichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Noch immer sind nach dem Brand in Moria die Menschen nicht aus Kara Tepe rausgeholt, stattdessen häufen sich die Berichte über schwer traumatisierte Kinder und Erwachsene. Noch immer haben die (Angehörigen der) Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau keine Aufklärung erfahren. Und das sind selbstverständlich nur drei Beispiele.

Und daher wollen wir das wiederholen, was sich beim letzten Derby bereits bewährt hat: Gemeinsam möchten wir mit euch Geld sammeln für 3 Projekte, die bei diesen Problemen zumindest Linderung schaffen können:

  • Die Initiative 19. Februar wurde von Angehörigen, Familien und Freund*innen der Opfer und Verletzten gegründet, um sich gegenseitig Halt und einen Ort zum Zusammenkommen zu geben.
  • Hinz und Kunzt unterstützt bereits seit Jahrzehnten obdachlose Menschen auf Hamburger Straßen und hat in diesem Winter mit dem Winternotprogramm im wahrsten Sinne des Wortes Leben gerettet.
  • Stand by Me Lesvos ist ein Projekt von Bewohner*innen der griechischen Insel, die mit Geflüchteten zusammenarbeiten und ein bisschen Menschlichkeit in die Unmenschlichkeit des Lagers bringen wollen.

Wir alle würden dieses Wochenende nicht nur unsere Freund*innen sehen, sondern auch viel Geld ausgeben. Vielleicht möchtet ihr einen Teil davon stattdessen gemeinsam mit uns spenden? Vielleicht wollt ihr auch eine „Spieltagswette“ machen und 19,10 € für jedes Burgstaller-Tor spenden? (Vorsicht, das kann teuer werden!) Das bleibt komplett euch überlassen.

Der PayPal Moneypool ist bis zum 2. März 23:59 Uhr geöffnet, damit ihr evtl. Beträge für Tore o. ä. noch in Ruhe einzahlen könnt. Wir überweisen das Geld dann umgehend und zu gleichen Teilen an die drei oben genannten Projekte.

Wir wissen auch, dass viele von euch von Kurzarbeit betroffen sind, ihr als Soloselbständige gar keine Einnahmen haben, etc. Und vielleicht habt ihr auch ein anderes Projekt, das ihr lieber unterstützen möchtet? Das ist natürlich alles vollkommen in Ordnung. Wir freuen uns über jede Person, die mitmacht.

Solidarität wird immer unsere stärkste Waffe bleiben! ✊ Und Hamburg bleibt braun-weiß! 🤎🤍

Jan 122021
 

Eigentlich hatten wir nicht vor, was zu dem Thema zu schreiben, nachdem der Millernton die Sache gestern nüchtern-sachlich dargestellt hatte. Jetzt werden hier aber allenthalben Grenzen der guten Kommunikation überschritten und wir wollen als allererstes vorwegschicken:

Fußball ist für derbe Sprache bekannt, da schießen Leute auch mal übers Ziel hinaus. Und da nehmen wir auch keine Person in diesem Kollektiv aus, manches was wir im Frust gebrüllt oder geschrien haben ist zum Glück vergessen oder im kleinen Kreis gelandet. Wenn wir jetzt aber auf unseren Internetpräsenzen Begriffe wie „Pack“ lesen, dann sind damit die Grenzen des guten Umgangs deutlich überschritten. Und wir sind wirklich sprachlos, wenn wir Screenshots aus Facebookgruppen bekommen, in denen Leute Fantasien mit Schrotflinten in Bezug auf unsere sportliche Leitung haben. Leute, das ist richtig scheiße und wir werden sowas auch in Zukunft nicht auf unseren Präsenzen tolerieren. Könnt ihr eigentlich noch in den Spiegel schauen, nachdem ihr sowas ins Internet gerotzt habt? Schämt euch!

Zur Sache stellen wir mal nüchtern fest: Seit Jahren wird immer wieder gefordert, dass die sportliche Leitung alte Zöpfe abschneiden soll, dass alle Steine umgedreht werden sollen. Da wird unbedingter Erfolg gefordert. Dann passiert das unter Luhukay teilweise und viele (inkl. uns) finden das im Umgang (weil eben Leute öffentlich niedergemacht werden – was in dieser Situation, über die wir nun schreiben werden nebenbei eben nicht der Fall war) nur so mäßig geil. Was dann ja letztendlich auch zu der Entlassung von Luhukay geführt hat. Und somit zu der Einstellung von Schultz. Der übrigens mit Sicherheit nicht letzte Wahl war, weil sonst keiner mehr hierherkommen wollte.

Dann wird sich von einigen verdienten Spielern im Sommer getrennt und immer wieder ist das Geschrei schon da relativ groß.

Bitte alles ändern, also außer bei den verdienten Spieler, die müssen unbedingt bleiben. Hä?

Was bisher geschah

Im Sommer wurde auch ein ganz neues Trainerteam gefunden, nur eine Position blieb stabil: Die des Torwarttrainers. Wenn alle Steine umgedreht werden, wurde auch diese Position sicherlich beleuchtet und man hat sich dann entschieden, mit dem bisherigen Torwarttrainer weiterzumachen. Über die Gründe könnten wir jetzt groß und breit mutmaßen, aber das wäre es halt auch: Mutmaßungen. 

Es bleibt zu erwarten, dass in diesem Kontext auch die Position des Torwartes – so wie eben alle Kaderpositionen – kritisch beleuchtet wurde. Ein superklares Bekenntnis zu Robin Himmelmann gab es damals nicht – das wäre nämlich z.B. eine Vertragsverlängerung über diese Saison hinaus gewesen. Zudem war der Abschied von Korbinian Müller klar (der letzte Saison Nummer 2 hinter Robin war und noch mal zurückkam kam als Svend sich verletzte) und es wurde in Person von Dennis Smarsch ein weiterer Torwart geholt. Vom Sportchef damals mit den folgenden Worten begleitet: „Für Dennis ist es der nächste Schritt, sich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erhoffen wir uns, dass er den Konkurrenzkampf unter den Keepern vorantreibt.”

Nach einem klaren Bekenntnis zu Robin klingt auch das nicht. Oder lest ihr sowas, wenn z.B. der FCB einen neuen Torwart holt?

Nichtsdestotrotz wurde dann mit Robin als Nummer eins in die Saison gestartet. Und es lief so mittelmäßig:

Nach 4 Niederlagen in Folge wurde dann am 11. Spieltag zum Spiel gegen Aue ein Wechsel auf der Torwartposition vorgenommen und wir holten in dem Spiel auch zumindest wieder einen Punkt. Ob und wie das mit dem Torwart allein zusammenhängt, könnte man nun groß und breit diskutieren. Parallel konnte man dann auch in der Bild lesen (Man FCSP, echt. Get your shit together und hört auf, irgendwelche Infos an dieses Drecksblatt durchzustechen), dass der FCSP sich nach einer neuen Nummer 1 im Tor umsehen würde.

Himmelmann saß dann noch für 2 Spiele (die beiden im Jahr 2020) auf der Bank; dieses Jahr war er dann bei den bisher 3 Spielen nicht mehr im Kader.

Anfang des Jahres wurde mit Dejan Stojanović ein neuer Torwart geholt, der klar als designierte Nummer 1 gekommen ist und dann auch prompt am vergangenen Wochenende seinen ersten Einsatz hatte. Wieder nicht im Kader: Robin Himmelmann.

Gestern wurde dann vom Verein kommuniziert, dass Robin Himmelmann – in Absprache zwischen sportlicher Leitung, Spieler und Berater – ab sofort individuell trainieren würde. Da Robin klar den Ansprucht hat zu spielen, scheint ein Abschied in den nächsten Wochen somit aus unserer Sicht wahrscheinlich.

Was man bedenken sollte

Die Torwartposition ist nicht irgendeine beliebige Position, auf der man häufig durchwechselt. Es hat einen Grund, warum es auf dieser Position in einer laufenden Saison nur selten Wechsel gibt.

Und das heißt auch, dass man damit zwangsläufig eine Kaderpositionen hat, auf der Spieler im Idealfall nicht zum Einsatz kommen, sondern sich mit der internen Hierarche zufriedengeben. Jemand kluges (Gruß an den Senior) verglich das mit Quarterbacks im American Football: Dort gibt es hochdotierte Spieler, die eben 2. Quarterback in einem Team sind und viel Geld dafür bekommen, dass sie die Klappe halten (keine Unruhe reinbringen) und im Idealfall nicht spielen. Kann nicht jede*r.

Wir haben früher ja auch Teamsport betrieben und naja, wir waren meistens eher unzufrieden damit, wenn wir nicht spielen durften/ ausgewechselt wurden. Und haben das auch durchaus mal kundgetan. Menschlich komplett nachvollziehbar und ja erst mal als Sportler*in auch komplett richtig. Aber eben auch nicht immer intern das allerbeste.

Nun haben wir hier einen Torwart, der die letzten Saisons – mit Ausnahme der Rückrunde 16/17 – quasi immer gespielt hat und der plötzlich nicht mehr Nummer 1 ist. Kann nicht jede*r – und das ist menschlich total nachvollziehbar – mit umgehen, dass das in der eigenen Wahrnehmung dann plötzlich so ist.

Die benötigte Ruhe in sportlich schwieriger Lage bringt es aber eben auch nicht rein, wenn da ein Spieler intern ist, der die ganze Zeit wieder die Nummer 1 sein will und erst recht nicht, wenn man als sportliche Leitung dabei möglicherweise auch erwartet, dass er mit diesem Ehrgeiz übers Ziel hinausschießt – oder dies sogar schon geschehen ist. Stabilität und Sicherheit für den ersten Torwart und den gesamten Abwehrverbund bringt das jedenfalls auch nicht rein. Wir erinnern an die Diskussionen nach Svends Patzer beim Spiel gegen Düsseldorf. Die könnte man bei jedem Fehler von Stojanović dann auch wieder erwarten.

Was noch so passierte

Nach über 2 Jahren der Stille meldete sich Robin auf Facebook zurück und auf Instagram an. Mit zwei emotionalen, gutgeschrieben Beiträgen, in denen er einmal zu Weihnachten die schwierige sportliche Situation beleuchtet und verspricht alles zu geben, um dann in einem zweiten Beitrag anzudeuten, dass er keine Intentionen hat, den Verein zu verlassen.

Der zweite Poste wurde an dem Tag, an dem die Leihe der neuen designierten Nummer 1 kommuniziert wurde, gepostet. Mit Wissen von heute liest sich das für uns nicht nach „ich akzeptiere, dass mir da einer vor die Nase gesetzt wird“ (was schwierig ist, keine Frage) sondern eher nach „jetzt erst recht“ (was menschlich total nachvollziehbar ist). Nach Akzeptanz, dass das jetzt nun mal so ist, liest sich das nicht. Und wie wir oben schrieben brauchst du gerade auf der Torwartposition eben einen zweiten Torwart, der für sich akzeptiert, der zweite zu sein.

2016/2017 gab es ja schon mal den (damals verletzungsbedingten) Wechsel auf der Torwartposition in der laufenden Saison und Heerwagen sowie das ganze Team haben sportlich so überzeugt, dass eine Diskussion zu keinem Zeitpunkt nötig war. Aber wir alle wissen auch nicht, was da intern lief und ob es da intern schwierige Auseinandersetzungen gab.

Was wir gerne wissen würden

Unklar ist uns ja ehrlicherweise die Rolle von Dennis Smarsch. Der wurde geholt, um oben anzugreifen, hat den längsten Vertrag bei uns (2023, alle anderen laufen in diesem Sommer aus) und konnte sich dann eben in dieser beschriebenen Situation in keinster Weise anbieten. Verstehen wir nicht ganz – vielleicht wurden da aber auch vor dem Transfer einfach Fähigkeiten überschätzt, o.ä.

Stilfragen

Dieser vorgenommene Wechsel auf der Torwartposition kam für viele überraschend, sicherlich. Robin war für viele die klar gesetzte Nummer 1. Es wurde aber auch immer wieder zu Beginn neuer Saisons davon gesprochen, dass auf der Position komplett offen sei. Wir erinnern da an 17/18, als viele nicht nachvollziehen konnten, warum Heerwagen plötzlich wieder weichen musste. Auch Luhukay sprach von dem Leistungsprinzip und legte sich nicht sofort fest, sondern erst ganz knapp vor Saisonbeginn. Und so eben auch wieder in dieser Saison.

Es ist aber auch klar, dass Robin diesen internen Wettbewerb jeweils gewonnen hatte und somit seit Jahren die Nummer 1 war. Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass er in der Außenwahrnehmung fester im Sattel saß, als das intern der Fall war. 

Es steht auch außer Frage, dass Robin ein toller Mensch ist, der gut zu diesem Verein passt und sich nie einen Skandal geleistet hat, der irgendwie nach außen gedrungen wäre. Dass Robin ein Mensch ist, der sich über den Tellerrand hinaus für Sachen engagiert, sei das für soziale Projekte oder auch für das Spielerbündnis und zuletzt auch in der DFL-Taskforce. Ein Spieler, der menschlich super hierher gepasst hat und der auch immer noch super her passt. Bei dem es aber leider sportlich nicht mehr reicht.

Versetzen wir uns nun mal in die Lage der sportlichen Leitung: Du entscheidest dich – aus rein sportliche Gründen – den Wechsel auf der Position vorzunehmen. Und hast nun plötzlich 4 Torwarte im Team, von denen im Idealfall einer die restliche Saison durchspielt. Das sind zu viele Spieler, auch wenn uns das Verletzungspech ja durchaus mal verfolgt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass du alle 4 brauchen wirst. Es ist auch klar, dass du unter den dreien, die nicht spielen können, einen sehr ehrgeizigen hast, der unbedingt spielen will. Der sich bei jedem Training anbieten wollen wird und der eben die Hackordnung vielleicht nicht 100% akzeptiert. Brauchst du die Unruhe, die das mit sich bringen kann, in dieser Situation? Eher nicht. Und dann sagst du das dem Spieler vielleicht zwei, drei Mal und der akzeptiert das vielleicht nicht ganz so, wie du es dir erhoffen würdest?

Dabei ist dir dann auch klar: Wenn Robin spielen will, dann wird er bei uns in dieser Saison wohl kaum auf die Einsatzzeiten kommen, die er für sich selbst sehen will. Da sprichst du dann schon mal mit Spieler und Berater und legst ihnen einen Wechsel nahe. Von dem der Spieler mäßig begeistert ist (s. auch Facebookpost von Robin), sondern wo er dann eher wieder signalisiert, unbedingt angreifen zu wollen. Während du als sportliche Leitung dich auf der Position – aus rein sportlichen Gründen – klar für einen anderen Spieler entschieden hast. 

Die Lösung: Ihn aus dem Teamtraining rauszunehmen. Mit zweierlei Zweck: Ihm unmissverständlich die Hackordnung klarmachen und vielleicht auch noch einen kleinen Stupser im Sinne von „Wir würden dir gerne einen Wechsel nahelegen“ mitgeben. Und damit wären wir dann bei gestern. Wo genau das so kommunziert wurde.

Die Bewertung

Ja, es wäre total klasse, wenn solche Wechsel komplett geräuschlos verlaufen würden. Aber zu sowas gehören immer alle beteiligten Parteien. Und wir können zumindest Indizien dafür entdecken, dass es eben hier nicht alle so akzeptiert haben, wie es aus rein sportlicher Sicht wünschenswert wäre. Und dann ist eben die Torwartposition häufiger auch mit speziellen Charakteren besetzt und nichts, wo du einem Spieler Hoffnung machen kannst, dass er sich durch anbieten im Training wieder durchsetzen kann.

Und damit wollen wir Robin in keinster Weise einen Vorwurf machen. Da bist du seit Jahren die Nummer 1, setzt dich immer wieder im internen Machtkampf durch. Hast auch mal schwierige Zeiten mit dem Team überstanden. Und in deiner Wahrnehmung steht dann sehr plötzlich – und obwohl du nichts geändert hast – deine Rolle zur Disposition. Klar bist du da ehrgeizig und sagst, dass du unbedingt wieder spielen möchtest. Spielst lange und gerne beim FCSP und hattest ein Karriereende hier durchaus ins Auge gefasst. Identifizierst dich mit dem Verein und hast eine „jetzt erst Recht“-Einstellung, die du auch zeigst und andere spüren lässt.

Vielleicht ist aber auch dieses „Angreifen wollen“ genau die falsche Reaktion, weil eben Unruhe befürchtet wird? Da bekennst du dich zu den Verein und das ist dann auch noch das falsche. Weil eben eine sportliche Entscheidung getroffen wurde, die menschlich richtig doof ist und die für dich auch sehr plötzlich, unerwartet und unverhofft kommt.

Bisher wurde öffentlich von keiner Seite ein böses Wort über die andere verloren, sondern eine sportliche Entscheidung getroffen und ein sportlicher Wechsel vorgenommen. Dass dies in einer Situation geschieht, in der sportlich sowieso nicht alles rund läuft und in der sowohl Präsident, als auch Sportchef und Trainer nicht das allerbeste Standing haben, trägt dann sicherlich auch zu der aufgeladenen Stimmung bei.

Aber wenn wir unbedingten sportlichen Erfolg wollen, dann gehört eben auch mal dazu, aus sportlichen Gründen Wechsel vorzunehmen – gerade und auch bei liebgewonnen Spielern.

Und dass das nicht immer geräuschlos ablaufen kann, liegt dann auch etwas in der Natur der Sache bei Spielern, die sich hier verdient gemacht haben. 

In einem sind wir uns doch einig: Wir wollen den sportlichen Erfolg, wir wollen, dass alte Zöpfe abgeschnitten werden, wir wollen, dass auch bisher nicht hinterfragte Dinge mal hinterfragt werden. Und ja, das wird dann auch weiterhin wehtun und wir werden dann auch mal Lieblinge gehen sehen. Und ja, das läuft dann vielleicht auch mal nicht ganz rund. Aber so sind Trennungen eben. Wichtig ist doch, dass sich dann nachdem der Staub sich gelegt hat, alle in die Augen gucken können. Und das erscheint absolut möglich und wäre ein tolles Ende einer doofen Episode.

Danke für acht Jahre FCSP, Robin. Wir haben dich hier immer gern gesehen. YNWA. 

Jan 042021
 

Immer wieder lesen wir in den letzten Tagen den Vorwurf, uns sei das alles egal, und wir würden die sportliche und Vereinsleitung unkritisch decken. Wir haben uns in den letzten Wochen bewusst nicht in den Chor der Motzer:innen eingeschaltet, die lieber heute als morgen den Rückzug von Personen in sportlicher Verantwortung sehen würden, die den Kader schon 1910-mal komplett umgestellt haben und die die Eigenproduktion von Trikots für die sportliche Misslage verantwortlich machen. 

Online ohne offline ist doof

Vielen von euch kennen uns. Wir sind nun wahrlich nicht dafür bekannt, nicht auch mal richtig zu fluchen, genervt aufzustöhnen oder auch mal Trainer so gar nicht geil zu finden (Gruß an Markus & Jos). Aber an der aktuellen Situation ist etwas sehr anders: Wir können das nur noch schriftlich machen und wir sehen unsere Bezugsgruppen gerade nur sehr dezimiert in Form von Einzelpersonen. Es ist – während draußen die Pandemie tobt und drinnen in den Stadien der Fußball weiterspielt als wäre nichts – uns schlicht nicht möglich, unseren Frust in großer Runde rauszulassen.

Wisst ihr, wie sehr wir es vermissen, unsere Freund:innen mal so ne Bahnrückfahrt aus Regensburg anzumaulen? Wie gerne wir vor der Gegengerade oder im Jolly oder im Feldstern in Schreilautstärke Meinungen austauschen und fachsimpeln würden? Wie viele gute Gedanken dabei einstanden sind und in diesen Blog einflossen?

Unser Fußball-Erleben lebt vom persönlichen Austausch, von diesen Diskussionen. So bilden wir unsere Meinungen, das macht Fansein für uns aus. Witzig genug, dass wir als Menschen, die immer schon auch über diesen Verein geschrieben haben, eben nicht mehr so gut schreiben können, wenn wir nicht vorher darüber in bekanntem Maße sprechen können. Und nein, ein Podcast ist keine Option.

Die machen das doch nicht, um uns zu ärgern

Mit Sicherheit ist da bei der Kaderplanung nicht alles rund gelaufen. Eine Kaderanalyse für diesen Blog war irgendwo mal in Notizen zusammengestückelt und dann nie veröffentlicht. Siehe oben, uns fehlt auch etwas die Muße, über so manches in diesen beschissenen Zeiten zu schreiben. Dabei waren unter anderem folgende Notizen und Fragezeichen: 

  • Verletzungsanfälligkeit von Ziereis und Avevor
  • Defensives Mittelfeld erfahren genug?
  • Wann kommt Ryō wieder? 

Und natürlich sind wir hinterher schlauer und all diese Fragezeichen bewahrheiten sich. 

Kannst Du dann aber auch noch damit rechnen, dass ein solider Zweitligatorwart (dessen Schwächen wir alle vor dieser Saison kannten) richtig unterhalb des Möglichen spielt, dass Burgstaller diese komische Freakverletzung hat, dass dann auch noch Lawrence wieder ausfällt, wo er die Abwehr gerade einigermaßen stabilisiert hatte? Dass Wieckhoff jetzt schon seit Monaten nicht mehr spielen kann? Dass auch andere Spieler aus der eigenen Jugend immer wieder verletzungsbedingt ausfallen?

(Übrigens auch ein Thema: Die Verletzungsproblematiken rund um die Jugendspieler, die hochgezogen werden – Gruß an Christian Conteh an dieser Stelle. Wenn wir Muße haben (s. o.), gucken wir uns das vielleicht auch noch mal im Detail an.)

Das ist schon extrem viel Scheiße am Fuß und wir wüssten gar nicht, wessen Ausfall das noch schlimmer machen sollte. Und so kommt es dann halt auch, dass der Trainer nicht nur immer wieder freiwillig durchwechselt – was ja auch dosiert eingesetzt aus taktischer Sicht total richtig und gut ist – , sondern eben auch jedes Spiel irgendein Spieler ausfällt. Und nein, das ist natürlich keine Erklärung für die ganze Misere und soll es auch nicht sein. 

Viel wichtiger ist doch dabei: 

Wir alle wissen, wie sehr Schultz diesen Verein liebt und lebt (außer wenn er Partner:innen zum Einkaufen schicken will. Sorry Schulle, der musste sein). Der verliert doch keines dieser Spiele gerade germ. Wir wissen, dass kein Sportchef dieser Welt gerne einen schlechten Kader aufbaut und dann jede Woche mit Freuden auf die Fresse kriegt. Hat er vielleicht etwas überschätzt, die Transfers von Veerman und Mats kompensieren zu können? Wahrscheinlich? Findet er das gerade geil? Mit Sicherheit nicht. 

Und wir und ihr wissen auch, dass wir nicht immer auf einer Linie mit Oke und dem Präsidium liegen und dass wir kritische Themen auch schon wiederholt in diesem Blog angesprochen haben. Aber einer Sache sind wir uns ganz sicher: Der leidet unter dieser beschissenen Situation genau wie ihr und wir. Und auch Sandra (stellvertretend für den gesamten Aufsichtsrat) hat vermutlich gerade mehr schlaflose Nächte, als ihr und uns lieb ist.

Und die wichtigste Frage ist doch auch: Ist ein Rausschmiss von handelnden Personen jetzt auch nur ansatzweise die Lösung?

Jetzt mal nüchtern betrachtet: Das Transferfenster schließt in vier Wochen, da sind dann noch mal sechs Spiele mehr gespielt. Ist es da sinnvoll, jetzt den Sportchef zu wechseln, der sich in Turbozeit ein Bild von der Situation machen und dann auch noch passende Spieler bis zum 31. Januar verpflichten müsste? Und ist das realistisch?

Bringt ein Trainerwechsel etwas? Zunächst mal: Was sagt das denn über uns aus, wenn wir immer erst mal das Personal zum Abschuss freigeben? Zumal ein Urgestein, der hier sehr beliebt ist?

Und wie soll hier jemals etwas Nachhaltiges aufgebaut werden, wenn das im Halbjahres- bis Jahresrhythmus die Problemlösungsstrategie ist? Vielleicht sind erfahrene Co-Trainer:innen die Lösung, vielleicht auch nicht. 

Und für die Posten, die noch viel weniger direkten Einfluss auf das Sportliche haben (Präsidium und Aufsichtsrat) gilt das dann natürlich doppelt und dreifach. Wir wissen es einfach nicht. Vielleicht fehlen uns die Gespräche für die finale Einschätzung, vielleicht würde es helfen. Wir wissen es einfach nicht. Eins ist aber auch klar: Es gibt gerade genug Negativbeispiele in der ersten Bundesliga, dass wir ja nun nicht wirklich sicher sind, ob ein schneller Wechsel das alle lösen würde.

Und wir reden hier über diese akute Situation, nicht über die Präsidiumswahlen, die im Herbst anstehen. Was jetzt keine Aussage in irgendeine Richtung sein soll.

Auf Menschen, die am Boden liegen, tritt man nicht ein

Wir können jetzt über unsere Erziehung ausführlich streiten. Eine wichtige Sache wurde der Person, die diese Zeilen schreibt, aber beigebracht: Auf Personen, die am Boden liegen, tritt man nicht ein. 

Wir haben viele junge Spieler im Kader, die gerade sicher an der Situation rumknapsen. Spieler aller Erfahrungsstände, die wissen, in was für einer beschissenen Lage wir uns befinden. Die ungern verlieren. Die alle in einem tiefen Loch sind und sich absolut nicht wissen, wie sie da jemals wieder rauskommen sollen. Denen die Beine in jedem Spiel und jedem Training schwerer werden. Und die deshalb gerade auch die einfachsten technischen Sachen nicht hinbekommen.

Auf Menschen, die an sich zweifeln und denen es beschissen geht, tritt man nicht einfach so ein. 

Und genau nichts würde sich ändern, wenn wir Spiel um Spiel unsere schlechte Laune in die Welt blasen und schnellstmöglich den Kopf der Person fordern, die aus unserer Sicht das alles tagesaktuell verbockt. Es ändert nichts, es war noch nie so richtig unser Stil und wird erst recht nicht unser Ding, wenn es beschissen läuft.

Wir haben ja auch Freund:innen, die Fans des Vereins aus St. Ellingen sind. Und irgendwann in den letzten Jahren, in denen wir uns jetzt in der gleichen Liga befinden, haben sich beide Seiten abgewöhnt, die Misserfolge des anderen Vereins brühwarm und süffisant zu kommentieren. Wir machen das mittlerweile lieber, wenn wir wissen, dass beide Seiten drüber lachen können. Ist gesünder für die Freundschaften und macht auch ehrlicherweise mehr Spaß, wenn man gemeinsam lacht.

Uns ist gerade auch nicht zum Lachen zumute. Aber besser wird es nicht, wenn wir hier alle und jeden schlecht machen. Wir kritisieren dann doch lieber lieber mit scharfer Klinge (*Tastatur), wenn es einigermaßen läuft.

Wir glauben immer noch: Der Knoten platzt in den nächsten zehn Tagen. Und wenn nicht, dann sind wir froh, nicht entscheiden zu müssen, was dann der richtige Weg ist.

Der FC St. Pauli ist die einzige Möglichkeit.

Dez 242020
 

Vorwort

Liebe Leser*innen, wie jedes Jahr (und nächstes Jahr selbst zweimal) bieten wir auch unter diesen ungewöhnlichen Umständen einen Bericht über die Mitgliederversammlung des FC St. Pauli von 1910 e.V. Das Ganze hat sich über die Jahre zu einem kommentierten Archiv des Zustandes des FCSP entwickelt und hat aus unserer Sicht alleine dadurch einen Wert. Auch dieses Jahr ist dieser Bericht wieder in großen Teilen eine Bestandsaufnahme und ein Vorschlag zu einem Zukunftsdiskurs.

Wer mal lesen möchte, wie weit wir gekommen sind in den letzten Jahren, der lese sich mal den Bericht zur MV 2003 durch, der beim FC 42 immer noch abrufbar ist. Da war unsere Stadiongesellschaft noch 0 Euro wert, weil gerade mal wieder ein Stadionprojekt mehr oder minder gescheitert war, und wir machten 2,2 Millionen Euro Verlust in einem „normalen“ Jahr.  Wir alle meckern viel und vielleicht ist das im besten Hornbyschen Geist, der Unzufriedenheit als den Normalzustand von Fußballmenschen definierte; aber wenn man 2003 gegen 2020 hält, dann meckern wir auf deutlich höherem Niveau. Ist so. 

Das Ganze ist ein Herzensprojekt unseres Pensionärs und wurde von ihm hauptsächlich abgetippt und erstellt. Insbesondere unter Unterstützung von Flossi.  

Die praktischen Dinge

Es wird ein Hörbuch geben. Wann genau dies der Fall sein wird, können wir jetzt noch nicht sagen. Wir werden euch auf den üblichen Kanälen informieren, wenn es so weit ist. Sollte es am Ende zu Differenzen zwischen dem gesprochenen und geschriebenem Wort kommen, dann gilt immer das geschriebene. 

Wir verweisen auch auf die beiden Berichte der Townhalls, die vor der MV stattgefunden haben. Das ist uns wichig, weil wir hier nicht noch mal die Finanzen und das sportliche Konzept aufdröseln wollen, die auf diesen Veranstaltungen in Breite diskutiert wurden. Lest die, denn wir setzen im Folgenden teilweise die Kenntnis dieser Inhalte voraus. 

Dieser Bericht basiert auf einer handschriftlichen Mitschrift des Gesagten. Diese wird mit dem abgeglichen, was der Verein so auf Twitter und Homepage veröffentlicht, und wir haben auch Redemanuskripte auf dunklen Wegen (man nennt diese E-Mail) zugeschanzt bekommen.

Trotzdem kann es immer Fehler geben und gerade wenn die Pausen für Applaus fehlen, dann wird es noch schwieriger, mitzuschreiben. Wir können kein Steno. 

Namen der sprechenden Menschen nennen wir dort, wo sie vereinsöffentlich sind. Das heißt, sie sind entweder in Amt und Würden oder aus anderen Gründen berühmt. Bei Internetmenschen nutzen wir gerne Mal den dort geläufigen Namen. Wir versuchen eigene Meinungen und Anmerkungen von der Abschrift zu trennen. Unsere Meinung ist kursiv geschrieben und so zu erkennen. Nicht so gut, wie in Farbe, aber dafür einfacher zu generieren. Sollten wir uns irgendwo nicht einig sein, dann würden wir das kennzeichnen. 

Wir versuchen Zwischenüberschriften zu setzen, die sich an der Tagesordnung orientieren. Und in den Reden weiteren ordnende Überschriften zu setzen. Wir gendern durch. Alle Redner*innen bemühten sich um eine gendergerechte Sprache. Das wird noch mal im Verlauf Thema. Und nun rein in die Vollen.

Vorlauf

Unser Präsident ist ja ein Schlingel, nech? Schrieben wir doch letztes Mal, dass vollständige Sätze nichts mehr seins werden. Schreibt er uns daraufhin, dass es nie ganze Sätze geben würde, denn dies würde ja langweilig. Um dieses Mal beinah nur vollständige Sätze zu reden. Okay, wir nehmen die Pointe vorweg. 

So eine digitale Versammlung ist für alle Beteiligten Neuland. Das Anmeldeformular war etwas missverständlich, aber zumindest auf Twitter waren sich irgendwann alle User*innen einig, was wo hingehört. Was der Verein bei Gelegenheit mal machen muss, ist, alle Menschen über ihre gerade aktuell gültige Mitgliedsnummer zu informieren. Die haben wohl im Buchungssystem des Vereines den Format M0XXXXXX, so haben das aber viele Menschen nicht auf ihren Ausweisen notiert. Da gab es bei uns doch ein bisschen Verwirrung. 

Das verwendete System hatten schon andere Bundesligisten für ihre MVs benutzt und letztendlich erwies es sich auch als stabil und gut handhabbar. Was nicht so gut war: Passworteingabe ohne Wiederholung in ein Feld, welches „eigener Login“ beschriftet war und am Ende wird das Passwort im Klartext mit der Einladungs-E-Mail rausgejagt. Da schreien Datenschützer*innen einmal ganz laut. Aber nun gut, das hatte der FCSP so eingekauft und es gab wenig Alternativen, wo man sich sicher sein konnte, dass diese dann auch funktionieren. Und wie schon gesagt: Am Abend verlief dann alles reibungslos. 

Natürlich gab es noch einen braune M-&-Ms-Moment, als der Twitteraccount fröhlich den Versand der E-Mails verkündete, dieser aber nicht vollständig funktioniert hatte. Es blieb im Rahmen der MV 2020 der Einzige. Und das finden wir mal positiv.  Um 18 Uhr wurde das Portal freigeschaltet und gespannte Menschen sammelten sich an den Bildschirmen. Bei einer normalen MV würden wir nun unsere Plätze suchen, das Popcorn zum Beschmeißen von Elo bereit stellen, den Senior ein bisschen wegsetzen, damit wir ihm nicht zu laut sind … aber dies fiel alles weg. Dafür Alkohol in Griffweite. Es ist nicht alles schlecht. 

Einloggen funktionierte problemlos und so lief über die Speaker beste Fahrstuhlmusik, die um 18:44 von einem lauten „Haaaaalllloooo???“ in einer tiefen Stimme unterbrochen wurde. Nun waren bis 19 Uhr immer wieder „Test, Test“ zu hören und auf dem Bildschirm ein Countdown zu sehen.  Pünktlich begann die MV. Auch ein Novum beim FCSP.

Eröffnung und Begrüßung

Oke (Göttlich) eröffnete die Veranstaltung, begrüßte aus dem Fernsehstudio Ballsaal und erläuterte, dass alle Anwesenden sich einem Coronatest unterzogen hätten, der bei allen negativ ausgefallen sei. Es seien besondere Zeiten und die würden besondere Maßnahmen erfordern. Und damit herzlich willkommen vor den Bildschirmen. Man freue sich, dass so viele erschienen seien. 

Er übergab an Dr. Kristian Heiser (KH), der erklärte, dass er zum zehnten Mal die Leitung übernehmen dürfe, diesmal blicke er in eine Kamera und nicht in einen gut gefüllten Saal. Dies sei eine Herausforderung, die man aber auch meistern werde.

Mehrere Beteiligte berichteten nach der MV davon, dass das sehr ungewohnt und auch ein bisschen unangenehm gewesen sei, nur vor Kameras zu reden. Und wir können das sehr gut nachvollziehen. Seine Prognose trat aber ein, alle meisterten das. 

„Ich eröffne also hiermit die Mitgliederversammlung des Fußball-Club St. Pauli von 1910 e.V um 19:02“. 

Bei der vollen Namensnennung geht einem doch das Herz auf. Wusstet ihr eigentlich, dass unsere Satzung diesen Namen mit einer Fußnote versieht und dann folgendes schreibt „Auch: „Fußball-Club St. Pauli v. 1910 e.V.“ Beide Termini sind rechtsgültig.“. Danach nicht rechtsgültig: „Fußball-Club SANKT Pauli von 1910 e.V.“ wir möchten an dieser Stelle @_cluny_ grüßen. 

Dann sagte er, dass er Kristian Heiser heiße und Oke unterbrach ihn und meinte nur „ist mir total durchgerutscht“. Oke meinte dann weiter, dass sein Kopf noch nicht ganz da gewesen sei und ergänzte, dass er sich freue, wenn KH die Versammlung leite. Wenn man als MV dagegen sei, müsse eine 2/3 Mehrheit her. 

Bevor jetzt jemand Widerspruch einlegt, weil unsere Versammlung nicht ordnungsgemäß geleitet wurde: § 16 Nr. 1 der Satzung (§§ ohne Nennung irgendeines Gesetzes oder so sind ab jetzt immer §§ der Satzung) regelt, dass der/die Versammlungsleiter*in vom Präsidium bestimmt wird. Eine Form oder eine Mitteilung dieser Bestimmung an die MV ist nicht vorgesehen. Für die Satzung hätte also selbst die erste schlanke Übergabe an KH vollkommen ausgereicht. Im Notfall hätte man darin eine konkludente Bestimmung durch das Präsidium sehen können. 

KH führte weiter aus, dass er 50 Jahre alt sei, Rechtsanwalt sei, dass er Mitglied der AFM sei und den Verein schon seit vielen Jahren juristisch begleite. Man könne mit einer Zweidrittelmehrheit eine*n anderen Versammlungsleiter*in bestimmen, dies sei ein bisschen schwierig, denn diese müsse hier entweder anwesend sein oder schnell hier sein und dürfe nicht Aufsichtsrat oder Präsidium angehören. 

Nun gibt es absolut keinen Grund, KH abzusetzen. Aber dies zeigt schon, wie schwierig eine virtuelle MV unter Coronabedingungen ist. Es ist dann vielleicht auch nicht schlecht, virtuelle Versammlungen in der eigenen Satzung schon geregelt zu haben. Aber da kommen wir im Fazit noch drauf zu sprechen.

KH führte dann die Formalien aus, Fragen und Anträge könnten über das Chatsymbol auf dem Bildschirm gestellt werden. Bitte in das Textfeld schreiben und dann abschicken. Wenn es ein Geschäftsordnungsantrag sein soll, dann bitte entsprechend kennzeichnen, dieser werde dann vom Backoffice bevorzugt zu ihm geleitet und könne dann behandelt werden.

Jedes Jahr wieder der Hinweis, dass wir als MV keine Geschäftsordnung haben, uns keine geben und unsere Satzung auch keine vorsieht. Das ist eine Lücke, die mal ausgefüllt werden sollte. Dann würden Geschäftsordnungsanträge auch Sinn ergeben. Ihr werdet jetzt Fragen, warum das problematisch sein kann. Ein Beispiel: Es wird später das Ende der Aussprache beschlossen. Auf welcher Grundlage? Die Satzung sieht das nicht vor. Wenn da ein Mitglied pissig wird, dann klagt er da, weil seine Rechte beschränkt wurden ohne Grundlage. 

Die Versammlung sei nach § 16 Nr. 4 nicht öffentlich. 

Ihr habt den Bild Artikel in diesem Blog gelesen? Diese Regelung ist irgendwie Unsinn, wenn das Präsidium nach § 14 Nr. 6 Presse akkreditiert. Aus unserer Sicht wäre es deutlich besser, wenn die MV selber darüber entscheidet, ob und wie sie Presse anwesend haben möchte. Und das ist in anderen Vereinen auch üblich. 

Er bitte nun also Aufnahmegeräte auszuschalten. KH führte aus, dass eine Überprüfung nicht dieser Regel natürlich nicht möglich sei er aber appelliere sich dran zu halten. Twitter sei aber kein Problem. 

Die jährlichen Jubelstürme der Twittergemeinde waren diesmal bundesweit zu hören.  

Der Verein mache aber nach § 16 Nr. 2 einen Mitschnitt, auf den nur die Organe außer der MV Zugriff hätten.

Das ist ein bisschen verkürzt das, was in der Satzung steht. Denn auch die Protokollführung hat natürlich Zugriff und Uschi Steinhoff ist zwar eine Bank für diese Tätigkeit, aber kein Organ. 

Nach § 16 Nr. 2 werde Uschi Steinhoff zur Protokollführerin bestimmt.

Unsere Satzung sieht zwar vor, dass auch ein Nichtmitglied zur*m Protokollführer*in bestimmt werden kann, regelt aber die Bestimmung an sich gar nicht. Das ist auch sehr spannend. Ja, das ist alles Formalfoo (wenn die Piraten eines geschafft haben, dann dieses Wort geprägt zu haben), aber so etwas kann extrem viel Ärger machen. Nun ist das bei uns zur Zeit gefühlt königlich auf Lebenszeit mit Uschi Steinhoff besetzt, der hier wie jedes Jahr ein riesiger Dank ausgesprochen werden soll. Wir schreiben hier ja nur zum Spaß und Vergnügen mit, aber ein offizielles Protokoll über das alles zu führen, ist noch mal eine ganz andere Sache.

Die Mitgliederversammlung hat grundsätzlich Beschlüsse in einer Präsenz zu fassen nach § 32 BGB, es ist umstritten, ob auch eine virtuelle Versammlung möglich sei. Jedoch habe der Gesetzgeber in Art 2 § 5 des „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ geregelt, dass Vereine auf Wunsch des Präsidiums auch virtuell ohne Anwesenheit online abhalten kann. 

Das BGB ist von 1900. Und man merkt es spätestens dann, wenn trotz mehrerer Reformen (die das Gesetz nicht besser gemacht haben, wenn den Hausjuristen jemand fragt) immer noch von einer Vor-Ort-Veranstaltung ausgegangen wird. Die herrschende Meinung sagt, dass eine virtuelle Versammlung auch in normalen Zeiten möglich ist, wenn denn die Satzung des e.V. das vorsieht. Was unsere Satzung nicht tut. So also nun über die Corona-Gesetzgebung ohne weitere eigene Regeln. Und da kommt ein Gedanke zum Tragen, den wir wieder aufnehmen: Eine Versammlung vor Ort hat ganz viele Vorteile, aber man sollte in der Satzung regeln, was eine Onlineversammlung kann und was nicht. Diese Vorsorge sollten wir alleine deswegen treffen, weil die nächste Pandemie garantiert kommt. Und dann sollte eine „ungeregelte“ Versammlung vermieden werden. Nebenbei: Das zitierte Gesetz ist am 27.03.2020 verkündet worden. Da sieht man mal wie schnell der Gesetzgeber sein kann, wenn er denn will. Auch wenn es jetzt einem wie Jahre her vorkommt: Am 08.03.2020 standen wir alle noch im Sandhausener Stadion.

KH führte weiter aus, dass man erst beabsichtigt habe, am 15.11.2020 eine Veranstaltung in Präsenz abzuhalten, dies dann aber wegen der Verschärfung der Lage und den damit einher gehenden Einschränkungen abgesagt. Um aber der Verpflichtung in § 14 Nr. 1 zu erfüllen, habe man sich entschlossen, alle notwendigen Themen im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung zu erledigen und am 02.05.2021 eine außerordentliche Mitgliederversammlung in Präsenz abzuhalten. 

Und ihr stimmt dann für die Einführung einer Quotenregelung, damit das klar ist, ihr Vögel! 

Geladen werde durch Veröffentlichung in der Vereinszeitung am 11.11.2020, die Einberufung ist auch nach § 14 Nr. 5 auf der Homepage veröffentlicht worden, sie ist da heute noch abrufbar. Die Frist von fünf Wochen sei gewahrt. 

Das ist nicht ganz richtig, denn es wurde per E-Mail eingeladen, die zwar vom gleichen Account wie die Vereinszeitung verschickt wurde, aber mit keinem Wort als Vereinszeitung gekennzeichnet wurde. Alles nicht so schlimm, weil unsere Satzung sagt, es muss in der Vereinszeitung ODER schriftlich eingeladen werden. Und E-Mail in diesem Fall = schriftlich. (Was wann wie der BGB Schriftform entspricht, erzählen wir euch mal bei einem Bier nach Corona.) 

Bereits am 01.11.2020 habe eine erläuterte Bilanz in der Geschäftsstelle ausgelegen, sodass auch diese Frist gewahrt sei. Auch das Protokoll habe ausgelegen und auf Wunsch hätten Mitglieder auch eine Kopie erhalten. 

Das ist nebenbei nicht richtig, der Senior hat trotz Anforderung per E-Mail keine erhalten. Machen wir jetzt kein Fass auf, uns ist aber auch aufgefallen, dass die Satzung keinen Verantwortlichen für die Zusendung nennt und nur „Auf Wunsch eines Mitglieds werden diese oben genannten Unterlagen auf seine Kosten zugesandt.“ regelt. Ggf. sollte man hier auch mal auf die digitale Wirklichkeit reagieren und das Ganze in einen Mitgliederbereich verlagern, wo jedes Mitglied mit einem Passwort das abrufen kann. Oder eine zentrale E-Mail für die Anforderung einrichten. Das kann man im digitalen Zeitalter vereinfachen. Dafür müsste aber wahrscheinlich die Satzung mal angepasst werden. Im Rahmen einer Transparenz wäre es aber sehr wünschenswert. Ein Mitglied dieses Kollektivs hatte dies auch angefordert und da war es übrigens problemlos und schnell in der Post. Und der Senior hatte auf diesem Weg dann auch Einblicke. Ok ist das natürlich trotzdem nicht, soll aber aufzeigen, dass es eben auch geklappt hat.

Es seien keine Anträge gestellt, man habe gebeten, dass bis zum 12.12. sich angemeldet werde, aber auch danach habe man noch die Möglichkeit gehabt, sich anzumelden, dann aber mit einem Phantasienamen und nicht mit dem echten Namen. Es seien also alle Satzungserfordernisse erfüllt, Einwände seien nicht erhoben worden. Er lies noch mal eine Pause, es kamen aber weiterhin keine Einwände.  Die Versammlung sei damit beschlussfähig, die Anzahl der Mitglieder läge noch nicht vor. Das Backoffice nannte dann die Zahl von 641 stimmberechtigten Mitgliedern.

Zum Vergleich: Letztes Jahr hatten wir 700 stimmberechtigte Mitglieder anwesend. Es ist ziemlich enttäuschend, wenn man immer wieder hört, dass man doch gerne wolle, aber nicht könne, weil es doch so weit sei und dann macht man mal aus Gründen eine virtuelle Versammlung und es kommen trotzdem nicht mehr Leute. Das Desinteresse der Leute am Vereinsleben und an Vereinsinformationen ist echt enttäuschend. Aber wenn irgendein*e Investor*in mit Pullovern und dem Versprechen einer deutschen Meisterschaft winkt, dann kommen alle angerannt und stimmen in deren Sinne oder was? Mit vielen Grüßen in den Volkspark, nach Köln, Bochum und Stuttgart.  

Zum Gesundheitsschutz aller Anwesenden habe man diese auf Corona mit einem Schnelltest getestet, alle seien aber negativ gewesen. Man habe auch Masken auf, wenn man den Platz verlasse. Als Gebärdendolmetscherin seien [Namen genannt] anwesend. 

Wir haben nur die Nachnamen aufgeschrieben und wollen die nun hier nicht veröffentlichen. Danke an euch beide, gerade wenn man keine Applauspause hat, dann ist das eine absolute Herkulesausgabe und es war faszinierend im unteren Eck des Bildschirms anzusehen. Danke! 

Man habe neun Tagesordnungspunkte, der Ehrenrat habe aber schon erklärt, dass er die Ehrungen nur auf der Homepage veröffentlichen werde und sie zu einem geeigneten Zeitpunkt nachholen werde. Amateurvorstand, AFM und Ehrenrat würden auf ihre Berichte verzichten, würden aber für Fragen zur Verfügung stehen. Man habe das Interesse, das Programm auf ein Minimum zu reduzieren, er bedanke sich, dass alle trotz des Risikos anwesend seien.  Er erklärte dann, wie elektronisch abgestimmt werde, dass man eine Minute Zeit habe und so lange auch seine Meinung noch ändern könne.  Er wolle das nun einmal überprüfen mit einer Testfrage, nämlich ob man schon das neue Trikot aus der DIIY-Kollektion schon gekauft habe. Dies beantworteten 122 mit „Ja“, 462 mit „nein“ und 49 Enthaltungen. 

Bei den Enthaltungen gehen wir mal davon aus, dass das als Weihnachtsgeschenk gekauft wurde und man sich nicht in die Karten gucken wollte. Das sind nebenbei ungefähr 19 Prozent„Ja“. Wenn das repräsentativ für die Mitglieder wäre, wären das ungefähr 5900 Trikots vorbestellt durch Mitglieder. Das klingt gar nicht mal so unrealistisch. Dass es ohne Schleichwerbung nicht gehen würde, hatten wir beinah erwartet. 

KH kommentierte es damit, dass noch Potenzial nach oben habe.  Abschließend noch der Hinweis, dass Mitglieder der Presse, unter 16-Jährige und Menschen, die weniger als drei Monaten Mitglied seien, nicht abstimmungsberechtigt seien. Man dürfe nur persönlich abstimmen, aber dies könne man natürlich auch nicht kontrollieren, man appelliere daher auch dort an die Mitglieder. 
Fragen könne man auch über die Chatfunktion stellen, die werden dann von Thomas Michael (Geschäftsführer Amateure), Anne Kunze (Medienchefin) und Lennart Förster (Medien) bearbeitet. Man solle auf die Nettiquette achten und respektvollen Umgang.

Das soll nach allem was wir wissen, nicht durchgängig geklappt haben. Was echt unfassbar ist. Wir sind ein Verein, da sollte ein respektvoller Umgang eigentlich selbstverständlich sein. 

Dann wurde nach Einwänden gegen die Tagesordnung gefragt, die nicht bestanden. 

Genehmigung des letztjährigen Protokolls

Habt ihr alle wie immer aufmerksam gelesen und konntet daher auch guten Gewissens das genehmigen, richtig? Immerhin 560 Mitglieder beantworteten diese Frage mit Ja, eine Person hatte insgesamt Korrekturbedarf und stimmte mit „Nein“ und vier Menschen taten das eigentlich richtige und enthielten sich. 

Funfact: KH erwähnt jedes Jahr, dass das Protokoll auf der Geschäftsstelle ausgelegen habe. Unsere Satzung sieht das gar nicht vor. Das steht da zumindest nirgends so richtig. Und überhaupt kann man sich fragen, wie eine MV über ein Protokoll entscheiden soll, was ihr an diesem Abend wahrscheinlich nicht mal vorliegt. Vereinsrechtlich notwendig ist so eine Genehmigung durch eine MV nebenbei nicht. Man könnte dies also auch ganz sein lassen. 

Totengedenken

Oke forderte auf, der Toten zu gedenken und erklärte, dass man positive Signale an die Angehörigen und Familien der Verstorbenen senden wolle.

Von den verlesenen Namen sagte uns nur Opa Frank was. 
Er hob dann noch Lotti (Handball), Horst Peterson (den meisten vom Hallenturnier bekannt), Helmut Gienke, Peter Dwars und Uwe Gronau (letzterer ist Vater von Jürgen) hervor, die an verschiedensten Stellen im Verein gewirkt haben. Ihr alle werdet vermisst! Schweigeminuten sind virtuell nicht ganz so kraftvoll wie in einem vollen Raum. Allen Angehörigen viel Kraft. 

Berichte

Präsidium

Einleitende Worte

Liebe St. Paulianer*innen, der gestrige Tag habe wieder gezeigt, wie unvorhersehbar die Zeiten seien, man müsse Solidarität zeigen und seiner sozialen Verantwortung gerecht werden. Man müsse aber mit positiven Elan nach vorne blicken. Es gelte Verantwortung zu übernehmen für die Gesundheit aller Menschen. Man könne aber nicht nur verwalten, sondern auch zu entwickeln, anzupacken und mutig Entscheidungen zu treffen.  

Die Krise

Man sei im März schnell von einem Krisen- in ein Aufbauprogramm gewechselt. Es sei Ziel gewesen, den Verein und Standort zu sichern und die alle Arbeitsplätze fortzuführen. Man hoffe, dass man irgendwann zurückblicken könne und sagen könne, dass man gestärkt aus dieser Krise hervorgegangen sei und dies sei dann den Menschen beim FCSP zu verdanken. Danke an das Präsidium [nannte alle Namen], den Mitarbeiter*innen, auch den Fans, die auf Erstattungen verzichtet hätten. Auch den Partner*innen, die ihr Engagement teilweise noch ausgebaut hätten. Dieses alles mache den FCSP einzigartig. 

Die Höhe des Verzichts auf Erstattungen hat uns ziemlich überrascht. In der Bilanz auf den 30.06.2020 ist von einem Verzicht in Höhe von 0,9 Mio Euro die Rede. Das ist angesichts der Tatsache, dass es sich gerade mal um vier Heimspiele handelte und auf der Veranstaltung davon die Rede war, dass der FCSP pro Heimspiel ohne Zuschauer*innen ungefähr 0,75 Millionen weniger einnimmt und diese Zahl noch ganz viele weitere Positionen neben „Ticketgeld“ hat, dann ist das wirklich eine hohe Quote. Je nach Sichtweise möchte man sagen „ihr seid toll“ oder „ihr seid komplett bescheuert“. Sucht euch eure Sichtweise selbst aus. 

Man hätte gerne einen Rekordgewinn verkündet, aber wie viele Unternehmen sei auch der FCSP und der Profifußball an sich von der Pandemie betroffen. Trotz umsichtiger Finanzplanung müsse der FCSP seinen ersten Verlust seit neun Jahren hinnehmen müssen.  Der Profisport sei das Fundament, um Haltung zeigen zu können. Man müsse Jobs sichern und sich nicht selbst zerfleischen, der Launch der eigenen Kollektion stehet nicht in Korrelation mit dem sportlichen Abschneiden, vielmehr habe man einen Auftrag der Mitglieder umgesetzt. Er fordere daher auf, DIIY zu einem Erfolg zu machen „macht es zu eurem Projekt und zu einem Erfolg“  

/Beginn unsachlicher Rant/

Hier hat Oke recht. Es gab schlichtweg einen Beschluss auf einer MV, dass man sich um Nachhaltigkeit im Merch Bereich bemühen solle. Wenn der Verein dann den Weg geht, dies in eigener Hand zu machen, dann ist das schlichtweg auch nur Ausfluss dieses Beschlusses. Der nebenbei auf zwei MVs lang und breit Thema war. „Warum konzentriert ihr euch nicht aufs Sportliche und verkauft lieber weiter Fremdtrikots, die irgendwo unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden?“ hat da erstaunlicherweise niemand gesagt. Und wir wiederholen uns über Jahre: Der FCSP ist ein Mitmachverein. Man kann mit relativ wenig Engagement Dinge mit bestimmen und in eine Richtung lenken. Mit Facebookbeiträgen „aber jetzt konzentriert euch doch mal aufs Sportliche“ (die nebenbei nie kommen, wenn es sportlich läuft) ändert man aber nix. Und ja, man kann sich die*den große*n Bestimmer*in wünschen, die*der alles auf Aufstieg und deutsche Meisterschaft lenkt, bitte, macht einen Antrag auf der MV. Vertretet den und ab geht es, wenn ihr eine Mehrheit bekommt. Das ist das Schöne am FCSP 

/ Unsachlicher Rant Ende / 

Sachlicher Hinweis: Das Geld verdienen ist ein sehr großer Bestandteil des „sportlichen Erfolges“. Wir als Verein müssen immer sehen, wo das Geld herkommt. Und dazu gehört auch nervige Werbung mit Superlativen. Wir hassen es zwar sehr, wenn ständig darauf rumgeritten wird, dass wir bewusst auf Vermarktungsmöglichkeiten verzichtet wird, aber es hat halt auch ein Stück weit die Wahrheit. Nun ist es nicht so, dass die Ausrüster*innen bei den Zweitligisten Schlange stehen und mit den Scheinen nur so um sich werfen. Wäre dies der Fall, wäre es fahrlässig, in diesem Bereich ohne Partner agieren zu wollen. Wenn die Aussichten aber sowieso mau sind, dann kann man auch mal was Anderes versuchen, anstatt am Ende einen relativ unlukrativen Vertrag mit einer Ausrüsterfirma zu haben, die dann auch noch irgendwo sehr fragwürdig produziert. Nur mal so: Paderborn hat seinen Vertrag mit seinem Ausrüster bis 2024/2025 verlängert und erhält irgendwas zwischen 150.000 und 300.000 Euro, wenn man den Zeitungen glauben möchte. Und die waren zum Zeitpunkt der Verlängerung in der 1. Liga. Davon wird viel Ausrüstung mit Material sein (Bartergeschäft). Diese Beträge kannst du wahrscheinlich relativ gut auch mit einer eigenen Kollektion erreichen, wo man die Einnahmen ja auch voll für sich behält. Insbesondere, wenn wirklich viele Leute von diesem Vorbestellen Gebrauch machen und man ggf. schon einige Einnahmen weit vor den Ausgaben hat. Natürlich hat diese Idee auch Risiken. Aber wer nicht wagt, die*der nicht gewinnt. Was man auch nicht vergessen darf: Der Kurs der Eigenständigkeit hat beim FCSP wirtschaftlich zu den erwähnten Rekordgewinnen geführt. Vom Ergebnis her gedacht, ist dieser schon richtig. Wir haben häufig genug auch deutlich gemacht, wo es Punkte zu kritisieren gibt, wo aus unserer Sicht auch finanziell Optimierungsbedarf besteht. Diese Punkte muss man hier natürlich mitdenken. 

Konzentriert sich aufs Sportliche?

Oke verwies dann auf die virtuellen Veranstaltungen. Man sei im sportlichen Bereich nicht zufrieden, wolle den eingeschlagenen Weg aber konsequent weiter verfolgen. Man habe sich im Sommer mit Andreas und Timo auf einen Weg verständigt und diskutiere diesen immer wieder. Man scheue sich auch nicht vor unbequemen Entscheidungen. Und diesen Weg werde man weiter gehen, man wolle erfolgreichen Fußball spielen und mit Andreas und Timo lange zusammen arbeiten. Man wollte in den Top 25 in Deutschland spielen. Man wolle die Transfererlöse, als fünfte Säule der Einnahmen. „Wir wollen einen proaktiven Offensivfußball mit Spielfreude, Hingabe und Leidenschaft sehen, der die Emotionalität unserer Mitglieder und Fans widerspiegelt und wir wollen einen integrativen und gemeinschaftlichen Ansatz zwischen dem Sport und dem Gesamtverein. Diesen Weg gehen wir mit voller Überzeugung mit einem neuen Trainerteam“, zitiert die offizielle Homepage Oke. Und das mal bewusst wortwörtlich zitiert. 

Merkt ihr eine deutliche Anpassung gegenüber den Vorjahren? Nein? Wir schon. 2017 war ein sportliches Ziel gar nicht Thema, 2018 war es eher kurz diffuse Thema, 2019 waren schon etwas mehr zu hören, aber mehr als eine Vorgabe eines Platzes und ein „ambitioniert“ war eigentlich nie zu hören. Jetzt werden ganz klare Vorgaben zum Charakter des Vereines (Transfererlöse, Stichwort „Ausbildungsverein“) und zum Charakter des geforderten Fußballs gemacht.So klar formulierte Ziele kommen Jahre zu spät. Und wenn ihr schon sucht, warum der Verein so Probleme hat, sich sportlich zu fangen, dann kann man auch hier sehr gut eine mögliche Ursache finden. Es ist kein Geheimnis, dass Mitarbeiter*innen durch klare Ziele motiviert werden können und durch unklare Ziele demotiviert (jetzt verkürzt, Mitarbeiter*innenmotivation ist ein komplexes Thema).

Als wir das gerade googelten, fanden wir als erstes ein Artikel, der mit „Lowperformer brauchen Ziele“ überschrieben war. Passt irgendwie, oder? Und diese Ziele müssen in einem Mitgliederverein wie dem FCSP halt nicht nur in irgendeiner Schublade liegen, sondern auch den Mitgliedern bekannt sein. Das ist versäumt worden und es spricht Bände, dass Sandra in ihrem Vortrag davon sprechen wird, dass „inzwischen ein schriftliches sportliches Konzept“ vorläge und zumindest wir eine deutliche Betonung auf „schriftlich“ heraushörten. Man muss das auch immer mal im Vergleich zum wirtschaftlichen Bereich sehen. Da waren immer wieder in Reden auf der MV Ziele formuliert worden, die dann auch umgesetzt wurden. Im sportlichen Bereich erfolgt dies erst jetzt. Und es ist hoffentlich nicht zu spät. Ziele sind das eine. Nun muss auch jeder jeden Tag sich an die vereinbarten Ziele halten und dran arbeiten. Aber ohne Ziele kann man nicht einmal das. 

Er wolle nicht nur Timo hier willkommen heißen, sondern auch alle neuen Spieler [zählte alle Namen auf].  Man sei in der sportlichen Infrastruktur nicht hinreichend aufgestellt. Es bestehe dort Handlungsbedarf. Man wolle nicht nur erweitern, sondern auch zentralisieren. Man stünde im Austausch mit der Politik und den Behörden und hoffe das Ziel eines nachhaltigen Profifußballs gemeinsam verfolgen zu können. 

Loide, dieses Thema nervt! Es bewegt sich seit Jahren gar nix und es wird langsam nervig und eilig. Wenn die Politik und ihre seit Jahrzehnten beschissene Stadtplanung sich da nicht endlich bewegt, dann müssen wir echt überlegen, ob wir militant werden. Heiligengeistfeld besetzen und umbuddeln? Dem FCSP der Vergangenheit möchte man hier aber auch Versäumnisse vorwerfen, weil er sich doch zu schnell auf dem jetzigen Zustand Brummerskamp/Kollaustraße damals ausgeruht hat. Vielleicht sollte man auch in bestem Rautenstyle überlegen, ob man nicht doch die Stadt verlässt? Lieber ein gutes Trainingsgelände in Reinbek, als gar keines in Hamburg. Und von den Platzproblemen des Frauenfußballs und des Amateurbereiches der Herren sprechen wir ja noch gar nicht. Man stelle sich mal vor, dass wir ernsthaft mit den Frauen in Liga 2 aufsteigen wollten? Und mittelfristig hat diese Abteilung das Potenzial, wenn sie denn Platz zum semiprofessionell trainieren findet. 

Auch der Nachwuchs hat sportliche Ziele

Das NLZ habe eine historische Saison gespielt, bis es zum Coronaabbruch kam. Nach der Unterbrechung haben U 19 oben in der Liga mitgespielt und die U 17 habe das Stadtderby gewonnen. Seit November ruhe nun der Betrieb und 200 Spieler arbeiteten individuell oder in kleinen Gruppen an ihrer Fitness.  Das NLZ sei nach oben durchlässig. [Er zählte all die Spieler auf, die bei den Profis spielten] und erwähnte dann noch länger Ivan Matanovic, der mit 17 Jahren 7 Monaten und 27 Tagen der jüngste Zweitligaspieler des Vereines geworden sei und bereits seit der U 10 beim FCSP spiele. 

Wir verweisen hier so ein bisschen auf die Worte der letzten beiden Jahre. So ein NLZ ist nur dann das immense Geld wert, was auch die AFM da rein buttert, wenn im Profibereich Spieler ankommen und Leistungen zeigen. Sonst müsste man sich fragen, ob man das Geld, was da investiert wird, nicht sinnvoller ausgeben kann. Seit 2018 sieht es jedoch so aus, als ob wir da wirklich Spieler produzieren, die uns wirklich weiterhelfen und nicht nur wegen irgendwelcher Local-Player-Regeln im Profikader stehen. Das ist gut.

Auch Mitarbeiter aus dem NLZ stiegen zu den Profis auf, dieses Jahr Niklas Hennecke. [Im Transkript auf der offiziellen Seite als „Medizinier“ bezeichnet, Physio nennt man das wohl richtig.] Trotz aller Widrigkeiten sei das NLZ auch dieses Jahr mit der Kategorie 1 ausgezeichnet worden und es sei Roger Stilz zu danken. Auch die Unterstützung der AFM müsse man hervorheben. 

Wie wir an dieser Stelle schon letztes Jahr schrieben: Das mit der AFM kann man nur unterstreichen. Das ist eine Erfolgsgeschichte. 

Im Verein arbeiten Menschen

Oke ging dann auf die Mitarbeiter*innen des FCSP ein. Man habe insgesamt 600 Mitarbeiter*innen, wenn man Minijobber*innen und Teilzeitmitarbeiter*innen mit einrechne. Man wolle diese schützen und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Daher habe man das Mittel der Kurzarbeit und alle anderen möglichen Maßnahmen ergriffen. Insgesamt sei man zu 30 Prozent in Kurzarbeit gegangen und habe mit dem Betriebsrat Vereinbarungen geschlossen, die dies vorsahen und auch Gehaltsaufstockungen und einen Härtefallfond, der durch Verzichte der Profimannschaft gespeist werden konnte. Im November habe man mit der Kurzarbeit pausiert und befinde sich seit Dezember wieder in Kurzarbeit.

Der FCSP ist ein*e relativ große*r Arbeitgeber*in im Hamburger Vergleich. Das wird gerne vergessen. Ja, das ist alles „nur Fußball“ und „die Scheiß Profis sollen keine Extrawürste bekommen“ ist schnell gesagt; dass aber auch in der Pandemie da deutlich mehr Schicksale dran hängen als die von ein paar Kickern, wird dann ganz schnell vergessen. Und das sind nicht alles Jobs im Hochlohnsektor. Und dann haben wir noch gar nicht über Menschen gesprochen, die in den Medien arbeiten, bei den Caterern oder bei Sicherheitsfirmen. Ja, davon hängen verdammt viele an einem fortgeführten Spielbetrieb.

Er bedanke sich bei allen Mitarbeiter*innen [zählte alle Standorte und Abteilungen auf]. Sie würden besonderes leisten in diesen Zeiten und für diesen Verein. Man wisse wie anstrengend die Umstände seien und durch das, was die Mitarbeiter*innen tagtäglich leisteten, würde man gemeinsam dadurch kommen und gestärkt heraus kommen. Dies gelte für Führungskräfte ebenso, wie für Minijobber*innen.

Wir nörgeln häufig genug rum an dem, was da teilweise verzapft wird. Und ja, der Dank ist wohlverdient. Wir sind ja nicht doof und blind und hören nun auch genug. Jedoch: Schlechte Zeiten und ein schwieriges Arbeitsumfeld sind nur bedingt Entschuldigungen. Und häufig genug reduziert es sich auch darauf, dass die Kunst von Führung auch ist, alle Mitarbeiter*innen in eine Position zu bringen, in der sie glänzen können. Dies muss noch viel mehr unser Thema werden. Auch und gerade wenn es um die Leitideen dieses Vereines geht. Das ist dann eben auch Führungsaufgabe. Und auch eine Frage der Struktur. Und es kommt dann wieder zu der Frage, ob wir mit ganz vielen Direktor*innen auf einer Leitungsebene und nur dem ehrenamtlichen Präsidium darüber wirklich gut aufgestellt sind oder ob hier nicht ein*e vollamtliche*r Geschäftsleiter*in fehlt. Und dies alles lösen wir nicht durch die Einführung von besonderen Vertreter*innen in unserer Satzung. Hier bleibt Arbeit. Arbeit, die man vielleicht schon früher hätte angehen müssen, die aber vielleicht gerade durch das Ziel „gestärkt hervorzugehen“ beschleunigt werden kann.

Er erwähnte den Krisenstab, erwähnte die Teilöffnung und, dass Brux und einige andere in kürzester Zeit ein Hygienekonzept erstellt und umgesetzt hätten, um eine Teilöffnung möglich zu machen. 

Wir möchten da Konzepte nicht umsetzen müssen. Das was da nicht nur beim FCSP, sondern auch bei ganz vielen anderen Veranstaltungsorten in diesem Sommer geleistet wurde, ist nicht zu unterschätzen. Und mit dem Teilöffnungskonzept und dessen Durchführung waren letztendlich alle ja halbwegs zufrieden. Es hat leider nix genützt und so sitzen wir nun wieder alle zu Hause und das Stadion ist komplett leer, aber an den Konzepten und deren Umsetzung lag es wahrscheinlich nicht. 

Geld Geld Geld

Oke kehrte zum lieben Geld zurück. Der FCSP habe zum ersten Mal seit neun Jahren rote Zahlen als Konzern geschrieben. Verlust von 575.000 Euro. Vier Heimspiele ohne Fans, das Geschäft mit den Veranstaltungen sei komplett zusammengebrochen. All dies hätte zu Mindereinnahmen von vier Millionen erbracht. Viele hätten auf Erstattungen verzichtet und auch Spieler und Angestellte hätten verzichtet. Man habe Kosten eingespart und einen Überschuss bei den Transfers erzielt, welches die Lage besser gemacht habe.

Wir verweisen jetzt mal auf den Bericht zur Townhall „wirtschaftliche Lage“. Der Verlust und die Mindereinnahmen in der Saison 19/20 sind schlichtweg ein lustiger Kindergeburtstag, gegen das, was uns in einer Saison 20/21 blüht, die voraussichtlich nicht einmal Heimspiele mit einer nennenswerten Anzahl von Zuschauer*innen bringen wird. Der FCSP wird sämtliche Reserven aufbrauchen müssen und sich wieder in den Bereich der sogenannten „bilanziellen Überschuldung“ übergeben müssen, um dies aufzufangen. Das ist nicht schön. Und wenn wir absteigen sollten und/oder wir auch noch eine Pandemiesaison 21/22 erleben, dann könnt ihr schon mal überlegen, welche Gottheit ihr anbetet. Dann wird das nämlich brutal eng für diesen Verein. Sollte das Thema Pandemie sich im Jahr 2021 jedoch nicht nach und nach erledigen, dann können wir wahrscheinlich auch von einem Wandel der Art des Zuschauens bei Profisport erleben. Man konnte dies z. B. in der NBA-Bubble beobachten, wo das Publikum als Bildschirm per Zoom (oder ähnlichem) zugeschaltet wurde, um eben auch diese Emotionen für das Fernsehen nutzbar zu machen. Alptraum, oder? Dann bekommst du halt einen Platz auf dem Bildschirm für 45 Euro.

Man habe im Februar einen Letter of Intent unterschrieben, der die Erbpacht des Millerntors bis zum 200. Geburtstag des Vereines sichere. Man möchte Standort für Fußball und soziales Zentrum an diesem Standort bleiben. Dies gäbe uns Mut für die nächsten Projekte und Herausforderungen. 

Diese Sätze ließen vor dem Bildschirm aufhorchen. Es ist in diesem Verein sehr üblich, dass Dinge in Nebensätzen angedeutet werden und dann plötzlich vor der Tür stehen. Das war z. B. beim Rückkauf der Vermarktungsrechte der Fall. Und nachdem die Marschrichtung eher war, dass Corona alle Projekte wohl erstmal auf Eis gelegt hat, ist es schon bemerkenswert, dass hier dieser Punkt erwähnt wird. Denn ohne Projekte macht das Ganze wenig Sinn, wie wir im Juni bereits ausführten, als dies öffentlich wurde. Etwas später wird davon die Rede sein, dass wir als nahezu einziger Verein in Hamburg Mitglieder hinzugewinnen. Und man muss sich mal vorstellen, welches Potenzial wir noch hätten, wenn wir eine weitere Halle und ein Fitness-Studio mit entsprechendem Kursprogramm anbieten könnten. Dass dies nicht aus dem Auge verloren wird, sollten wir sicherstellen.

Man müsse mit 20 Prozent weniger Umsatz in diesem Geschäftsjahr rechnen. Dies seien Zuschauereinnahmen, aber auch Fanshop-Einnahmen und Rabaukeneinnahmen und anderes. Man habe bereits im April vorsorglich Mittel aufgenommen, um gewappnet zu sein. 

Hier handelt es sich um ein KfW-Darlehen. Wir sahen Kommentare im Sinne von „wie kann ich das als Fußballverein? Das ist doch unanständig!“ und können diese nicht wirklich nachvollziehen. Es gibt garantiert moralisch bessere kapitalistische Unternehmungen. Aber es gibt auch die Lufthansa, die das 2.000-fache von diesem Betrag erhalten hat und deren Geschäftsmodell auf Klimazerstörung basiert. 

Vermarkten

Bis Corona sei man einem Rekordergebnis zugesteuert. Dies zeige, dass es richtig war die Vermarktung in den Verein zurück zu holen. Er danke den ganzen Mitarbeiter*innen für die gute Arbeit. 

Mal ein doofer Gedanke: Wir schreiben seit Jahren von Rekordergebnissen und wie gut es dem FCSP geht, aber machen nie einen Vergleich mit anderen Vereinen in der gleichen Liga. Wie entwickelt sich eigentlich deren Umsatz? Sind unsere Erfolge nur die berühmte Flut, die alle Boote hebt, oder entwickeln wir uns im Gegensatz zum Markt besser? Falls mal jemand sehr viel Langeweile hat: Wir wären interessiert.

Man müsse hier auch unseren Partner*innen danken, welche die Treue gehalten hätten. Congstar habe mitten im ersten Lockdown verlängert, diese Partnerschaft mache große Freude. Er möchte um Verständnis werben, dass man jede*n Partner*in brauche und auch neue suchen und an sich binden werde. 

Der Zielkonflikt, den wir leben. Man möchte am liebsten natürlich nur für Nordkorea und andere stabile kommunistische Länder Werbung machen, kann vielleicht mit ein paar halbwegs korrekten Kapitalisten leben und muss am Ende beinah alles machen, damit man auf das notwendige Geld kommt. Bisschen Angst haben wir aber jetzt schon vor der nächsten Partner*in-Verkündung. 

Das letzte Jahr stand ganz im Zeichen von DIIY. Das Team um Martin Drust habe diese nachhaltigste Teamsportkollektion entwickelt. Gleichzeitig habe man die erste eigene native App gelauncht. Bisher habe man 20.000 Downloads erreicht, was ein stolzes Ergebnis sei.

Ist 20.000 wirklich viel? Wir haben keine Ahnung und Google findet so richtig keine Antwort auf diese Frage. Eine Statista-Erhebung von 2016 (!) ergab als Ergebnis, dass ca. 55 Prozent aller aller Dauerkarteninhaber*innen der 1. Liga ihre Vereinsapp heruntergeladen haben. Wenn wir das mal als Basis nehmen, dann sind 20.000 Downloads vielleicht gar nicht schlecht in der relativ kurzen Zeit, welche die App auf dem Markt ist. Wir haben die App auch runtergeladen, nutzen die aber ehrlicherweise kaum. Wir folgen dem Verein auf den entsprechenden sozialen Medien. Und während natürlich klar ist, dass der Verein das macht, um sich von externen unabhängiger zu machen, gibt es für uns keinen Mehrwert, die App regelmäßig zu nutzen. Und dann ist da auch noch zu jedem Spiel elendige bwin-Werbung drin.

Der E-Sport habe sich schnell zu einem Erlösbringer entwickelt. Man sei im eFootball und bei Leagues of Legend engagiert. Der eFootball sei eine wichtige Kompensation für sonst nicht erbrachte Sponsoringleistungen geworden. Man möchte auch in diesem Bereich seine Werte verbreiten.

Die wichtigste Information ist da wohl die Kompensation für sonst nicht erbrachte Sponsoringleistungen. Dies verbunden mit den Hinweis vorher, dass Partner auf Dinge verzichtet hätten, ergibt Sinn. Congstar wird im Hospitality-Bereich viele Leistungen sich garantieren lassen haben und wenn man das so umbuchen kann, dann soll der Verein bitte weiterhin über eFootball twittern, auch wenn wir –zugegeben –da nicht so wirklich die Zielgruppe sind. Wir hatten bei der Gründung der ESport-Teams bereits geschrieben, dass wir uns eine Abteilung, ein „von unten“ und eine Weitergabe unserer Ideen sehr wünschen würden. Dies bleibt immer noch ein Ziel. Auch gerade weil der FCSP in einer guten Lage wäre, das Thema „Gemeinnützigkeit von ESport“ noch mal auf die Tagesordnung zu setzen. Man darf nie vergessen: Karneval ist gemeinnützig. Allgemeine Politik machen ist es nicht. Da gäbe es also doch einige Ansätze zum Reformieren. 

Unsere unternehmerische Gesellschaftsverantwortung

Oke widmete sich dann dem Bereich CSR, die Solidarität mit dem Stadtteil von vielen Fans und Mitgliedern sowie Mitarbeiter*innen sei Teil der DNA des Vereines und Grundpfeiler des Vereins. Gerade in der Pandemie habe sich gezeigt, wie der Verein zusammen stehe. Sei es bei digitalen Sportprogrammen, sei es bei Einkaufshilfen oder ganz vielen anderen Dingen.  Er wolle zwei Sachen hervorheben. Einmal das GoBanyo-Duschprogramm, dass man da ein verlässliches Programm habe ermöglichen könne, zeige dass „St. Pauli solidarisch“ nicht nur eine Worthülse sei. Er danke dafür Bäderland und auch allen Fans und Mitgliedern, die dieses ermöglicht hätten.  Als zweites wolle er die Spendensumme von 236.000 Euro an Kiezhelden hervorheben. Dies sei eine Rekordsumme, die durch den Spendenbeirat von Kiezhelden schon zum größten Teil an Initiativen und Organisationen verteilt worden seien. Er danke daher allen, die auf Rückerstattungen verzichtet hätten und auch den Sponsoren. Auch ein besonderer Dank an das Team, welches Devotionalien zur Verfügung gestellt und dadurch einen Batzen an Spenden gesammelt hätte. 

Man bedenke, dass bei der Ticketrückerstattung der letzten Saison (?) 19,10 Prozent von Verzichtssummen an Kiezhelden gehen sollten. Das füttert dieses Rekordergebnis natürlich zu einem nicht unerheblichen Teil. Seien wir aber ehrlich: Geld ist Geld.

Er danke auch in diesem Bereich den Mitarbeiter*innen, man wolle sich aber nicht ausruhen, die Krise sei weder für die Gesellschaft, noch für den Verein zu Ende, man wolle sich immer weiter verbessern. 

Uns ist hier aufgefallen, dass im Bericht des Präsidiums keine Worte zu ökologischen Nachhaltigkeit vorgekommen sind. So war das ja durchaus Beschluss der MV 2019 und so sollte der MV 2020 auch darüber berichtet werden. Dies ist nun nicht passiert und es hätte ja durchaus einiges in dem Themenbereich zur erzählen gegeben, nicht zuletzt, wie man zur „bronze“-Zertifizierung von sustainclub steht. Hat aber in der Fragerunde auch niemand nachgefragt und wir wissen, dass Antragsteller*innen in regelmäßigem Austausch mit dem Verein zu dem Thema stehen. Kommt dann hoffentlich im Mai 2021 in ausführlicher.

Amateursport

Oke ging dann auf den Amateursport ein. 1/3 des Jahres seien alle Aktivitäten eingestellt gewesen und Sport nur individuell möglich gewesen. Auch seien die Planungen für die Sanierung der Feldarena und der Dreifeldhalle zurückgeworfen sein, was zu Enttäuschungen bei Mitgliedern und Ehrenamtlichen die sich für diese Projekte eingesetzt hätten.  Auch intern hieß es oft, dass der Amateursport doch eingestellt worden sei. Dem widerspreche er ausdrücklich. Die ehrenamtlichen Menschen hätten in den Abteilungen Dinge vorangetrieben und Hygienekonzepte für den Sportbetrieb entwickelt und Sport durchgeführt. So war auch unter schwierigen Bedingungen ein Vereinsleben möglich, dafür danke er.  Als einer der wenigen Vereine in Hamburg sei man in der Pandemie gewachsen und habe nun 31.000 Mitglieder. Er wolle dem Amateurvorstand und allen danken, die im Ehrenamt den Amateursport weiter entwickelt hätten. 

Bei den Recherchen zu diesem Bericht stießen wir auf einen Absatz aus einem Bericht über eine AFM-Versammlung von 2007, erschienen beim FC 42, den wir euch nicht vorenthalten wollen: „Ansonsten ist die Mitgliederzahl natürlich dem sportlichen Erfolg geschuldet und es war klug, nicht in dieser Zeit eine Mitgliederkampagne zu starten, die im Endeffekt zu dieser Zeit nichts bringt und nur Geld kostet. Trotzdem sollte es Ziel sein, sich den Lokalrivalen als Vorbild zu nehmen. Und dies würde heissen: der Gesamtverein hat so viele Mitglieder wie wir im Stadion Plätze haben. Sprich: zufrieden sollte man erst sein, wenn wir 20.000 Mitglieder haben. Und wenn davon noch ca. 15.000 in der AFM wären, dann wäre das super. Ich weiss, ein weiter Schritt, aber ohne Visionen kann man nichts erreichen.“

Da sind wir nun. Der Senior möchte –wiederholt – erwähnen, dass er damals für diese Vision belächelt wurde. Und wir wachsen immer noch. Sowohl im Amateur- wie auch im AFM-Bereich. Und dabei niemals vergessen, dass die AFM wahrscheinlich ganz natürlich immer wieder Mitglieder in den Amateurbereich verliert, weil Menschen erstmal passiv in den FCSP eintreten und dann ihren aktiven Sport beim FCSP finden. Wie oben schon geschrieben: Wir haben unser Mitgliederpotenzial noch lange nicht ausgereizt. Mehr Sportangebote, mehr Hallenplatz (der dann dringend auch für neue Angebote genutzt werden müsste) könnten zu einer Explosion der Zahlen führen. Die Zahl 50.000 Mitglieder wäre doch ein schönes Ziel, oder? 

Bei allem Dank wolle er Joachim Pawlik nicht vergessen, der als Vize mit hohem Einsatz den Rückkauf der Vermarktungsrechte und die DIIY Idee vorangetrieben habe. Er danke dafür.  So endete Oke.  

Fragerunde

Ganz ehrlich Loide, da war sehr viel unnötig, sehr viel einfach Murks und wir haben es ganz schnell aufgegeben, da ernsthaft mitzuschreiben. Wir möchten einige Highlights wiedergeben und zwei Exkurse hier einfügen, die hier unserer Sicht nach passen.  Ein erster Wortmelder beschwerte sich, ob es nur noch St. Paulianerinnen gäbe und schuf so die Überschrift. Und hat damit schon mehr Ruhm geerntet, als er eigentlich verdient hätte. Und bekommt jetzt noch einen kurzen Exkurs. 

Exkurs „gendergerechte Sprache

Sprache lebt. Sprache muss leben. Nur tote Sprachen wie Latein passen sich nicht mehr an und selbst da würden einige Philolog*innen sicher widersprechen. Wer Sprache festschreiben und nicht weiter entwickeln will, der wünscht sich eine aussterbende Sprache. Das kann nicht Sinn der Sache sein und wird auch von den konservativen Kreisen, die gegen die gendergerechte Sprache wettern, nicht ernsthaft vertreten. Juristisch kennt Deutschland nebenbei keine Amtssprache im engeren Sinne und Sprache wird nicht durch Gesetz festgelegt. Wir hören Erstaunen? Doch es ist wirklich so. Einzelne Verfahrensgesetze beinhalten den schönen Satz, dass die Amtssprache deutsch sei. Oder Deutsch? Kein Witz, selbst die beiden entscheidenden Verwaltungsverfahrensgesetze sind sich da nicht einig. Das Verwaltungsverfahrensgesetz für die allgemeine Verwaltung beinhaltet in seinem § 23 den Satz „Die Amtssprache ist deutsch“. § 87 Abgabenordnung, der für die Finanzverwaltung das Verfahrensrecht bestimmt, schreibt hingegen „Die Amtssprache ist Deutsch“. Unter Jurist*innen ist es ein weit verbreiteter Gag zu fragen, was denn § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz damit meine. Müssen Schreiben an die Behörden dann möglich zackig sein? Beide Gesetze schreiben nämlich nicht vor, was eigentlich „deutsch/Deutsch“ ist. Der Duden selber hat auch juristisch keine Gesetzesqualität. „Der Duden bildet nur den Pöbel ab“, sagte ein Freund des Seniors immer, wenn es um dieses Thema ging. Anders gesagt: Sprache ist Verkehrsanschauung und diese wandelt sich ständig. Hey, selbst „Susi’s Imbiss“ ist durch Nutzung „richtig“ geworden. Und nein, es zählt nicht das, was „wir in der Schule“ gelernt haben. Da sitzt man ab rund 6 Jahren bis manchmal 18 oder 20 Jahre und dann dreht sich die Welt so ungefähr 70 bis 80 Jahre mit einem am Bord weiter. Die Älteren unter uns haben auch gelernt, dass die DDR existiert. Verweigern wir uns deswegen der Realität, dass sie nicht mehr da ist? Garantiert nicht. 

Und wir beim FCSP sollten unsere Position nutzen, diese Verkehrsanschauung zu ändern. Sprache ändert Wahrnehmung, dies ist schlichtweg bewiesen.

Niemand muss das von heute auf morgen perfekt können, auch unsere Sprecher*innen vergaßen das ab und zumal. Aber das Bemühen um gendergerechte Sprache ist lobenswert und wird was verändern. Wem das nicht passt, weil er meint, als Mann nun weiterhin das Recht auf eine privilegierte Ansprache zu haben, der kann sich gerne in FAZ-Leserbriefen ausheulen und bitte nicht den Nazivergleich verpassen, der muss nämlich in Deutschland sein. 

Ansonsten kann er aber im FCSP-Kontext gerne die Schnauze halten und was lernen.

Ende Exkurs

Beinah alle Fragen kamen von Männern. Und insgesamt war das ein gelungenes Sozialexperiment, um zu zeigen, dass ein Chatbutton sehr viel niedrigschwelliger ist als der Weg zu einem Saalmikrofon (danke für diesen Satz, A.) Mehrfach wurde nach einer Satzungänderung gefragt, die so etwas grundsätzlich ermögliche. KH wies darauf hin, dass hier jetzt ein solcher Antrag nicht gestellt werden könne, weil dies als Eilantrag nicht gehe, er aber gerne anrege, dies für die nächsten Mitgliederversammlungen zu tun.  Womit wir bei unserem zweiten Exkurs in diesem Thema sind.  

Exkurs / Die Zukunft der Mitgliederversammlung

Bei Menschen, die wir kennen, waren die Reaktionen irgendwo zwischen „zeigt, dass man digitale Mitgliederversammlungen nicht machen solle“ und „wir müssen das aushalten“. Und wahrscheinlich ist die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Hier mal ein Vorschlag zur Güte: Wir sollten digitale Beteiligung ermöglichen. Wir sollten selbst digitale Beteilung an Mitgliederversammlungen ermöglichen. Und wir sollten auch die teilweise echt anstrengenden Fragen aushalten und sie als Zeichen nehmen, dass es ein Leben außerhalb unserer Bubble in diesem Verein gibt. Das ist auch eine gute Selbstkontrolle und im besten Fall kommen wir auch ins Gespräch mit Menschen, die wir sonst nicht erreichen. Oder mal etwas gehässig: Wir können nicht immer das Wort niedrigschwellig in den Mund nehmen und, wenn das mal niedrigschwellig genutzt wird, ganz erstaunt sein. Wir sollten aber dieser Beteiligung in unserer Satzung Regeln und Grenzen geben. Man kann sich echt fragen, ob es einem geordnetem Vereinsleben zuträglich ist, wenn jeder Dödel (muss man nicht gendern, oder?) seine Plattform bekommt und seinen Scheiß da in das Chatfenster ballern kann. Besser wäre vielleicht die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme mit einem eingeschränkten Antrags- und Rederecht. Und wer digital etwas sagen möchte, sollte zumindest dann die Hürde überwinden und zu der digitalen Versammlung zu sprechen. Ja, dies ist ein Widerspruch zu dem eben Gesagten. Den können und wollen wir hier gerade nicht auflösen. Es ist aus unserer Sicht sinnvoll, diese Grundlinien in Ruhe mit allen Gremien und interessierten Mitgliedern zu diskutieren und dann an diesem Punkt unsere Satzung zu modernisieren. Nicht nur, aber auch weil die nächste Pandemie garantiert kommt. Hier käme nebenbei auch eine Auftragsunterstützungskommissioecht gut ins Spiel, die wir schon mehrfach gefordert hätten. „Willst du echt den HVVAntrag stellen? Hast du mitbekommen, dass der in den letzten drei MVs ungefähr fünf Mal gestellt wurde? Würdest du noch mal gerne einen inhaltlichen Abriss haben? Wäre eine Frage da nicht besser?“ alles neben dem Livestream und vielleicht bekommt man dann die Antragssteller*innen eingebunden und alle sind glücklich. Ohne einen Antrag, der dann krachend abgelehnt wird. 

Exkurs Ende

Ein paar interessante Aspekte aus der Fragerunde:

Es wurde (von einem Kollektivmitglied) nach dem Ergebnis der TV-Gelder-Verhandlungen gefragt und was eigentlich die Arbeitsgemeinschaft Neuer Fußball dazu sagt bzw. ob die noch tagt.

Oke antwortete, dass man nicht alle Wünsche durchgebracht habe, es aber in der zweiten Liga eine nicht so große Spreizung gäbe und dadurch einen spannenden Wettbewerb. In der ersten Liga sehe das aber anders aus. Die AG Neuer Fußball habe dreimal in letzter Zeit getagt. 

Ach irgendwie ist das alles so ein bisschen unbefriedigend. Da wirft der Verein ein Positionspapier „Neuer Fußball“ auf den Markt und verkündet diese AG, dann gibt es genug Dinge, wo so eine AG Öffentlichkeit schaffen könnte (nur als Beispiel die Verkündung der neuen TV-Geldverteilung) und irgendwie ruht der See still und selbst auf der MV des Vereines, der mit diesem Positionspapier auf den Markt gegangen ist, wird das ganze mal eben in einer Fragerunde erwähnt. Man muss hier schon fragen, welche Priorität dies insbesondere auch für die aktive Fanszene des FCSP hat das Thema. Oder überwiegt da der Frust? Und zum Thema „man habe nicht alle Wünsche durchgebracht“ verweisen wir auf die zwei Stellungnahmen (1, 2) von Zukunft Profifußball. Disclaimer: Menschen dieses Kollektivs waren da involviert.

Wir sind uns ja eigentlich erst mal sicher, dass es gut ist, dass Menschen wie Oke in diesem DFL-Präsidium sitzen. Schade, dass sich sowas dann nicht in solch wichtigen Entscheidungen zeigt.Und ganz nüchtern betrachtet ist die Antwort mit der Zahl der Sitzungen ja auch höchstens eine Teilantwort auf die Frage, was in der AG passiert sei.

Auf eine weitere Frage wurde erklärt, dass bei der Anleiherückzahlung ungefähr 10 Prozent, also 800.000 Euro nicht zurück gezahlt wurden, weil die Menschen verzichtet hätten.  Auf eine weitere Frage wurde geantwortet, dass man zeitnah kein weiteres Präsidiumsmitglied plane, dass aber über die besonderen Vertreter*innen das Präsidium aufgestockt werde. Dies sei für die Weiterentwicklung extrem wichtig sei, man werde dann schauen, ob und wie man erweitere.  

Zu dem Thema „besondere*r Vertreter*in“ siehe unseren Vorbericht zur MV 2021.Da gibt es aus unserer Sicht auch noch Diskussionsbedarf, sinnvoll ist die Idee grundsätzlich aber schon. 

Die Frage nach einem Abstieg wurde gestellt. Dieser sei gerade in einer Pandemie eine Katastrophe. Nix sei teurer als ein Abstieg in die 3. Liga.  Es wurde Kritik an der Produktion in der Türkei geäußert. Das sei nicht schwarz/weiß zu sehen, meinte Oke, man arbeite jahrelang mit den Leuten zusammen und kenne die Produktionsstätten, er selber halte sich in seiner Funktion als Präsident mit Kommentaren zur Politik in anderen Ländern eher zurück, besuche aber als Privatpersonen auch Demonstrationen, aus denen seine Meinung deutlich werde. 

Es ist kompliziert. Der Umgang mit diktatorischen Ländern und ob und wie man da wirtschaftliche Beziehungen pflegt, pflegen sollte etc. ist ein Thema, mit dem man Bücher füllen kann. Da kannst du zum einen nicht alles richtig machen, zum anderen bist du da als FCSP ein relativ kleines Licht. Auch uns wurde versichert, dass es sich bei den Leuten in der Türkei um gute Menschen handelt, und warum soll man dann nicht versuchen, diese mit einem weiteren Handeln zu unterstützen? Dass dies ganz viele Fallstricke und Kompromisse beinhaltet, sollte aber auch klar sein. 

Es wurde nach den Verkaufserwartungen für das Trikot gefragt. Man sei erst zufrieden, wenn wirklich alle 31.000 Mitglieder sich eines bestellt hätten. Das sei noch nicht der Fall, aber man sei auf einem guten Weg dahin.  Es wurde irgendwann zwischendurch der Geschäftsordnungsantrag auf Ende der Debatte gestellt und kritisiert, dass KH den nicht sofort behandele. Da wirkt er immer erstaunlich unsicher und defensiv. Eigentlich vollkommen zu Unrecht, denn eigentlich hat er das doch alles im Griff. 

Für die nächste digitale Versammlung sollte man vielleicht gleich einen Zeitrahmen zu Beginn nennen. Und ganz ehrlich „Ende der Debatte“ ist etwas anderes als „Ende der Redner*innenliste“. Aber da sind wir wieder bei der fehlenden Geschäftsordnung. Wir plädieren nebenbei ab jetzt für eine quotierte Redner*innenliste: Ein Mann, ein Nicht-Mann, ein Mann, wenn dann kein Nicht-Mann kommt, dann ist Ende. Es würde so viel vereinfachen. 

Es wurde noch nach Maßnahmen gegen Fangruppen gefragt, die aggressiv und unangenehm aufträten. Christiane antwortete darauf, dass man im ständigen Austausch mit dem Fanladen sei und Gespräche führe. 

Vorab: Es ist auch beim FCSP nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt Fangruppen, die ein Verhalten an den Tag legen, welches nichts mit unseren Werten zu tun hat. Dies sich einzugestehen ist wichtig. Jedoch: Man muss nicht glauben, dass man solchen Problemen mit repressiven Mitteln löst. Stadionverbote schaffen im Notfall noch Märtyrer*innen und verstärken problematische Strukturen. Die Lösung kann nur über Fanladen, Gespräche und auch Selbstkritik anderer Gruppen laufen. Und dies ist ein schwieriger Prozess. Christianes Antwort war also vollkommen richtig. 

Bericht des Kassenprüfers

Für die beiden Kassenprüfer berichtete Michael Wolff. „Erstmal den Schnutenpulli abnehmen.“ Er eröffnete dann damit, dass es eine skurrile Veranstaltung sei und er ganz hinten, hinter den Scheinwerfern seinen Platz habe und von dort nach vorne gelangen musste. Er wolle das kurz machen, die Formalien wolle man erfüllen, das Vereinsrecht sei doch sehr stark kodifiziert und die Klage schnell da. Das wolle man vermeiden. Daher der Bericht zum Jahre 19/20, der kürzer sei als sonst. 

Das privatrechtliche Vereinsrecht ist ungefähr das schlankeste Regelwerk, welches in Deutschland in Geltung ist. Wenn das „stark kodifiziert“ ist, was ist dann das Einkommensteuerrecht? (Ja, hier ist ein pissiger Jurist am Schreiben.) Es ist auch bemerkenswert, dass dieser Bericht dann letztendlich ausführlicher und länger war als in den Vorjahren. Kleiner Disclaimer: Ich bin seit neustem Kassenprüfer von Fanräume e.V. 

Man habe Bücher geprüft und sich Belege angeschaut. Man wolle die Abteilungen für eine saubere Kassenführung trotz der widrigen Umstände loben. Auch die Geschäftsstelle müsse man loben, dass sie trotz Kurzarbeit und Homeoffice die Prüfung so gut ermöglicht habe. Kassen seien sauber geführt. Man müsse den Corona-Einfluss aber auch feststellen, da seien viele Ordner dünner und leichter gewesen.  Man sei kein ordentlicher Kassenprüfer, wenn man nicht auch warnen würde und auch sie könnten sich dies nicht verkneifen. Die Pandemie habe gezeigt, dass der Profifußball ein Schneeballsystem sei und dieses könne jederzeit platzen und dies beeinflusse dann auch unseren 1. FC St. Pauli [sic!]. Man habe genug Rücklagen, dies kurzfristig zu überstehen, aber langfristig sollte man daraus lernen und das Risiko vom e.V. und seinen Amateursportler*innen fernhalten. Der FCSP sei nicht nur Profifußball, sondern auch die Amateure und diese gelte es zu schätzen. 

Michael kann froh sein, dass traditionell niemand bei dem Tagesordnungspunkt „Bericht der Kassenprüfer*innen“ so richtig zuhört. Man kann ihm zugutehalten, dass er nicht der allgemeinen Meinung nach dem Wort redet. Denn er fordert da nicht mehr und nicht weniger als die Ausgliederung der Profiabteilung in eine eigene Gesellschaft, sodass er e.V. für die Risiken des Profifußballs nicht mehr haftet. Unser leiser Verdacht ist, dass eine solche Ausgliederung gerade nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit erreichen würde. Rein nüchtern juristisch betrachtet ist das auch eher ein zweischneidiges Schwert. Wenn man jetzt den Profifußball in eine Spielbetriebs-GmbH ausgliedern würde, dann würden sich die Puristen des Vereinsrechtes sehr freuen, die einem Idealverein mit einem integrierten Millionenunternehmen eher skeptisch gegenüber stehen. Ob das jedoch die Haftung begrenzen würde, sei mal dahin gestellt. Denn wahrscheinlich jeder Mensch, der Geld in eine solche Spielbetriebs-GmbH als Darlehen geben würde, würde dies durch Bürgschaften des e.V. absichern lassen. Kapitalgeber*innen nehmen traditionell jede Sicherheit, die sie auch nur irgendwo bekommen könnten. Die Alternative wäre dann ein*e Investor*in, die Eigenkapital geben würde. Und wir haben das Gefühl, dass dies auch nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen würde unter der Mitgliederschaft. Aus seinem Bericht wird auch nicht klar, warum er von diesem Risiko spricht. Schneeballsystem nennt er das und diese Begrifflichkeit ist unser Ansicht nach falsch. Wikipedia bezeichnet ein Schneeballsystem als ein System, welches zum Funktionieren eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötige. Das ist beim Fußball schlichtweg nicht der Fall. Auch der Sonderfall eines „Ponzi-Scheme“, wo Gewinne mit Einzahlungen neuer Investor*innen vorgegaukelt werden, liegt im Profifußball schlichtweg nicht vor. Es findet schon ein realer Austausch von Leistungen und Gegenleistungen statt. Ob diese vollkommen überteuert sind und zukunftsträchtig, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber so viel Gehirnschmalz sollte einer Mitgliederversammlung schon zutrauen, anstatt eines vollkommen unpassenden Vergleiches. Es ist auch erstaunlich, dass der Hinweis komplett fehlt , dass wir unser Eigenkapital aufbrauchen und in die Überschuldung rutschen, und hier keine mahnenden Worte gefunden werden, da wären sie passend gewesen. Thema verfehlt! Vollkommen unverzeihlich ist die Nennung des falschen Vereinsnamen. Auch gerade hat er seine Rede doch abgelesen? Kassenprüfer*innen können bei uns nur einmalig wiedergewählt werden und wir wissen nicht, ob die beiden amtierenden schon wiedergewählt wurden, aber frischer Wind wäre wahrscheinlich gut. 

Bericht des Aufsichtsrates

Es sprach unsere Aufsichtsratsvorsitzende Sandra Schwedler. Zu Beginn wies sie sichtlich angefressen, wenn uns jemand fragt, darauf hin, dass sie den Text gendern werde und eine kleine Pause in den Worten lassen werde, damit so alle Geschlechter angesprochen seien. Ein „falls es dazu noch Fragen gibt“ haben wir noch im Kopf. 

WÜRDE ES GEHEN, WÜRDEN WIR DICH UMARMEN!! Und ja liebe Menschen da draußen, deswegen ist es ab und zu mal wichtig, dass wir nicht nur alte weiße Männer in unseren Gremien haben. Nein, es ist nicht ab und zu mal wichtig, es ist immer und jeden verdammten Tag wichtig.

Sandra führte weiter aus, dass es ein Jahr gewesen sei, in dem selbst der Profifußball in den Hintergrund gerückt sei. Nicht sportlicher Saisonabschluss und kommende Saisonplanung seien Thema im Sommer gewesen, wer hätte dies gedacht? Sie wolle sich daher bei Fans, Mitgliedern, Ehrenamtler*innen [etc. pp] bedanken, die trotz allem den Verein zu einem besseren Ort gemacht hätten. 

Wir brauchen dringend mal einen Oberbegriff mit dem sich Mitglieder, Fans, Ehrenamtler*innen, Hauptamtler*innen, Werbepartner*innen, sonstige Partner*innen und alle beim FCSP gleich angesprochen fühlen. Wir würden auf jeder MV Stunden sparen. (Man lese diese Zeilen bitte mit einem kleinen Lächeln.)

Sie bedanke sich für das Einbringen, aber auch für das Verzichten, nicht nur der finanzielle Verzicht, sondern auch der Verzicht auf den gemeinsamen Sport. Oder das Homeoffice, die Kurzarbeit der Mitarbeiter*innen Es gehe auch um das solidarische Handeln, wie es sich z.B. beim Duschbus deutlich wurde, welches von FCSP-Menschen ehrenamtlich begleitet wurde. Dies lasse sie optimistisch nach vorne blicken. 

„Gerade und erst recht in schwierigen Zeiten stehen wir zusammen.“ Steht in einem ganz anderen Kontext auf dieser Internetseite. Und es gilt/galt/sollte weiterhin auch hier gelten. Wir sollten, nein wir müssen über die Richtung des FCSP streiten, aber wir müssen dies solidarisch tun. Gerade in schwierigen Zeiten. Solidarität ist unsere Waffe, auch diese Zeiten zu überstehen. 

Sandra sagte dann, dass sie zurückblicken wolle. Der strukturelle Umbau sei vorangetrieben worden. Die Führungsstruktur mit der Geschäftsführer*innenebene wurde diskutiert und weiterentwickelt. Man beschäftige sich seit 2015 intensiv mit der Frage der Struktur. Wie kann man im Profifußball als partzipativer Verein bestehen. Mit den besonderen Vertreter*innen wolle man eine Struktur schaffen, die dies langfristig ermögliche und die Struktur stärke. Den entsprechenden Satzungsantrag werde man im Mai stellen und natürlich vorher diskutieren und erläutern. 

Erstmal: Ein demokratischer Verein, der nicht sehr kopflastig ist, ist ein schwerfälliges Gebilde, der einen strukturellen Nachteil hat gegenüber schnell entscheidenden kopflastigen Vereinen, wo Gremiumsmitglieder handverlesen sind und eine Opposition schon durch Kandidaturgenehmigungen im Zaum gehalten wird. (Wer Interesse hat, wie das funktioniert, dem sei mal die Satzung von Fortuna Düsseldorf zum Studium empfohlen.) Diesen strukturellen Nachteil können und müssen wir ausgleichen. Aus unserer Sicht ist eine Möglichkeit, diesen Nachteil auszugleichen, sich die Kreativität und das Herzblut der einfachen Mitglieder zu eigen zu machen. Das funktioniert mal gut, mal weniger gut in diesem Verein. Ein anderer Punkt ist es, gute klare hauptamtliche Strukturen zu haben und diese gut und im Konsens zu verankern. Da sind wir auf dem Weg hin, das ist wie das Wenden eines Tankers und geht vielleicht nicht immer schnell genug. Und seien wir ehrlich: Nach unserer unbedeutenden Meinung ist das auch noch nicht ganz optimal.

Aber wir sind auf dem Weg. Das wird. Wir glauben auch nicht, dass eine gelenkte Demokratie mit einem Wahlausschuss, der Aufsichtsratskandidat*innen handverlesen filtert, ein Weg für den FCSP ist. Klar, da kannst du dann „sportliche Kompetenz“ und „Wirtschaftsfachleute“ anhäufen und dich gut fühlen. Aber dieser fucking Verein lebt sehr von seiner Seele. Und die trampelst du dann tot. Funfact: Habt ihr mal bei Eintracht Frankfurt nach „sportlicher Kompetenz“ in den Gremien gesucht? Viel wichtiger als die Tatsache, ob jemand mal einen Ball geradeaus nach vorne gebolzt hat, ist uns für die ehrenamtlichen Wahlgremien eine Kompetenz in dem, was dieses Gremium machen soll. Und ein Wissen, was hauptamtlich erledigt werden soll. Zu dieser klaren Trennung sind die besonderen Vertreter*innen ein sehr guter Schritt, der eben aber noch nicht bis ins Letzte durchdacht ist. Und ja, auch hier ist eine Problemstelle unserer sportlichen Entwicklung zu sehen, wir hätten eine feste, tragfähige Struktur viel früher finden müssen. Es ist bemerkenswert, wie lange dieser Verein gebraucht hat, diese ganzen Probleme anzugehen. Und da müssen wir über klare Versäumnisse der Jahre 1995 bis 2015 reden. 

Sie kam dann auf das Sportliche zu sprechen. Dies sei hinter den Erwartungen zurück geblieben. Unabhängig von Corona sehe man seit langem mit Sorge auf den sportlichen Bereich, natürlich wisse man, dass man auch selbst einen Beitrag dazu geleistet habe. Die Entscheidungen der Vergangenheit hatten – auch rückblickend – ihre Berechtigung, sie hätten aber das langfristige Ziel der Kontinuität nicht erreicht. Und dies sei die Basis, die eine sportliche Entwicklung ermögliche. Dies sei nicht die einzige Wunde, in die Andreas Bornemann die Finger gelegt habe. Inzwischen exisitiert ein schriftliches sportliches Konzept, welches nicht nur für Lizenz- und Nachwuchsbereich gelte, sondern auch Grundlage für die Diskussionen zwischen den Gremien und der sportlichen Leitung diene. Dieses Konzept werde angepasst und sei lebendig. Es sei ein weiterer kleiner Baustein, um sich zu professioneller aufzustellen trotz der ehrenamtlichen Führung. 

Puh. Das hat gesessen. Wir meinten auch eine deutliche Betonung herauszuhören. Und wer sich fragt, warum dieser Verein sportlich nicht von der Stelle kommt, der wird hier wahrscheinlich erneut fündig. Wir haben es im wirtschaftlichen, administrativen Bereich immer wieder geschafft, uns klare Ziele zu setzen, diese auf MVs auch anzudiskutieren und diese dann zu verwirklichen. Das begann mit dem Zerschlagen des gordischen Knoten „Stadionneubau“ und endete nun in einer größtmöglichen Autonomie in den Geldeinnahmequellen. Nur im Sportlichen ist man offensichtlich diesen Weg nicht gegangen. Hier hört es sich klar so an, dass es ein übergreifendes, schriftliches, Basis für alles sportliches Konzept nicht wirklich gab. Und das hat uns offensichtlich Jahre gekostet, die nun sehr schwer aufzuholen sind. Sportlicher Erfolg hat aus unserer Sicht zwei Kompetenten. Einer ist „trust the process“, der andere ist die Ausführung und die richtigen Personen für diesen Prozess. Wenn man aber gar keinen Prozess hat, der für ALLE Handlungen ausschlaggebend ist, dann komme ich gar nicht in die Ebene der Ausführung und derSuche nach den richtigen Personen für diesen Prozess. Wir kennen das Konzept nicht im Einzelnen und wären sowieso nicht in der Lage, dies vollständig auf Stimmigkeit zu überprüfen. Aber dass es ein verbindlichens offensichtlich über Jahre nicht so wirklich gab, ist fatal. 

Nebenbei: Das war vom Aufsichtsrat unserer Erinnerung nach schon mal angemahnt worden auf einer MV. Dieser muss sich wahrscheinlich vorwerfen lassen, dies nicht noch zentraler zu einem Anforderungskatalog an das Präsidium gemacht zu haben. Diese Selbstkritik schimmert ja selbst durch. Selbstkritik in MV-Reden ist bei uns so selten, dass sie hier sofort auffällt.

Sandra sprach von einem kleinen Baustein und „professioneller Aufstellen trotz ehrenamtlicher Führung“. Lesen nur wir da ein „als Ehrenamtler*in die Hauptamtler*innen auch mal machen lassen“ raus? Wir kennen die internen Verhältnisse natürlich nicht, aber das hört sich interessant an. 

Nun müsse man noch vorne blicken und daraus lernen. Man möchte Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag vemeiden. Daher richte sie die Worte an die Mannschaft und den Trainer. Man glaube an sie und man wisse, dass „ihr gemeinschaftlich viel schaffen könnt“. Man habe Leidenschaft auf und neben dem Platz aufblitzen sehen. Davon wolle man mehr. „Zeigt was in euch steckt und dass das Vertrauen mehr als gerechtfertigt ist“

Und dann kommt das Düsseldorf-Spiel und eine komplett uninspirierte Leistung. Zur Zeit sieht es leider wieder nach einem langen Abstiegskampf aus und zur Zeit gibt uns Fivethirtyeight eine Abstiegswahrscheinlichkeit von 41 Prozent. Aber hey, dies heißt, dass wir zu 59 Prozent nicht absteigen. Nur noch positiv. Hoffen wir, dass die Rückenstärkung zündet, die auch auf dieser Seite versucht wurde, und die Jungs heiß wie Feuer aus der Winterpause kommen. 

Im Nachwuchsbereich sei die Situation auch verschärft. Das Brennglas Corona habe gezeigt, wie prekär die infrastrukturelle Lage sei. Die Auswirkungen seien deutlich zu spüren, auch wenn die handelnden Personen einen guten Job machen würden. Man wolle da langsam den Fokus von „kurzfristig Probleme mindern“ auf „langfristig Probleme lösen“ verschieben. 

Siehe oben 

Die Pandemie habe große finanzielle Auswirkungen. Dank des konservativen Wirtschaftens in der Vergangenheit stünde man relativ gut da. Kurzarbeit, Verzicht auf Dauerkartenerstattungen und Alternativen bei Erfüllungen der Partnerschaften trügen dazu bei. Die Lage sei dennoch ernst. Der Austausch über Finanzen wurde intensiviert. In der Planung wichtig, wie man trotz Pandemie diese an unseren Werten ausrichten könne. Man habe sich an das „auf Sicht fahren“ gewöhnt, man hoffe aber, bald den Blick wieder weiter nach vorne richten zu können.  Man habe in den letzten Jahren viele Entscheidungen getroffen, die einen unabhängiger machten. Dafür auch ein Dank an Joachim Pawlik, der diese Themen entscheidend mitgeprägt habe. Ein Dank auch an Bernd von Geldern, auch stellvertretend für alle anderen Geschäftsleiter und Mitarbeiter*innen, die mit viel Leidschaft u.a. das Thema „nachhaltige Kollektion“ angegangen seien.  Diese strategische Entscheidung begleite einen schon länger und sei eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen der vergangenen Saison. Immer getrieben von der Frage, wie man die Profis ein Stück weit anders finanzieren können, aber auch getrieben von dem Wunsch nach Nachhaltigkeit. Eine Kollektion, wo man genau weiß, wo und wie produziert werde, eine, wo wir bestimmen wie kommuniziert werde. Eine, die nicht perfekt ist, die wir aber weiterentwickeln könnten. 

Auf diesen Seiten war mal vor einigen Jahren davon die Rede, dass wir unsere Nische finden müssen in diesem Haifischbecken, wenn wir überleben wollen und nicht der 36. Verein sein wollen, der sich an irgendeine*n mehr oder minder seriöse*n Investor*in verkaufen will. Das wird immer ein Drahtseilakt sein. Einige Ideen sind schlichtweg krachend gescheitert, siehe Genossenschaft, von der gar keine Rede mehr ist. Andere müssen sich jetzt in der Realität beweisen. Wie schon oben geschrieben: „Konzentriert euch auf das Sportliche“ ist Blödsinn, denn dieser Versuch, seine Einnahmequellen zu gestalten, ist genau dies. Ist es bequemer, sich eine*n Investor*in zu suchen? Garantiert! Ist dies das, was wir wollen? Wir bezweifeln es. Kleine Anmerkung: Wir würden uns natürlich wünschen, dass die Kontrolle der Kommunikation zu einer besseren und kreativeren Kommunikation führen würde. Stichwort ‚zu viele Superlative‘. Aber nun gut. Vielleicht ist dies dieses „nicht perfekt“. 

Die Zusammenarbeit mit dem Präsidium sei überwiegend gut. Man sei auch dann zu guten gemeinsamen Lösungen gekommen, wenn man unterschiedlicher Ansicht gewesen sei. Und würde auch an einem Strang ziehen. Dies sei gerade in Zeiten der Pandemie wichtig.  Der Aufsichtsrat stehe im kommenden Jahr vor seiner wichtigsten Aufgabe, die man sehr ernst nehme. Die Auswahl eine*r*s  Präsidentschaftskandidat*in, die dann auf der MV 2021 gewählt werden müsste. 

Wir wissen nicht, ob und wie Oke weiter machen will, aber es ist vielleicht mal Zeit für einen persönlichen Hinweis des Seniors: Ich vermeide es ganz bewusst in diesen MV-Berichten „den Kopf“ von irgendwem zu fordern oder irgendwas im Sinne von „Oke muss weg“ zu schreiben. Dies ist zum einen auch eine Art Respekt vor dem Amt, zum anderen bin ich da mal vor Jahrzehnten mit auf den Bauch gefallen. Es gäbe dafür natürlich Grenzen, aber die werdet ihr lesen, wenn es mal passieren sollte. Deutlichste Kritik werden alle ehrenamtliche Menschen in diesem Verein ertragen müssen, aber ein plattes „Sandra/Oke/werauch immer muss weg und dann wird alles super“ ist mir zu billig. Sorry. Es soll auch kein Geheimnis sein, dass ich mir mit Christiane und Sandra häufiger mal eine E-Mail austausche und ich gerade Sandra seit Jahrzehnten kenne. Das wissen hoffentlich alle Leser*innen. Wir sind aber auch nicht immer und überall einer Meinung. Es wäre auch schlimm, wenn es so wäre. Der FCSP braucht den Austausch und die auch kontroverse Diskussion, wenn er denn überleben will. Auch glaube ich, dass unser ehrenamtlicher Präsident in einer richtig gedachten Struktur (!) eine sehr kleine Rolle im Bereich „sportlichen Erfolg“ hat. Diese haben wir aber definitiv noch nicht erreicht. Siehe oben. 

Zum Abschluss beantrage sie die Entlastung.  

Die weiteren Berichte

Gab es nicht, denn die entsprechenden Gremien verzichteten. Ey Alex, so können wir nicht arbeiten, uns fehlte die kurze „nur mal zuhören und das Handgelenk vom Mitschreiben lockern“-Pause, die dein Bericht sonst liefert. Nein, Scherz beiseite. Dies soll – wie jedes Jahr – keine Respektlosigkeit sein. Wer sich für die Tätigkeit der AFM interessiert, gehe bitte in diese Versammlung und informiere sich dort! Die würden sich garantiert auch mal freuen, nicht nur in die üblichen 100 Gesichter auf Versammlungen zu blicken.  

Die Entlastungen

Das Präsidium wurde mit 558 Ja-Stimmen zu 14 Nein-Stimmen und 29 Enthaltungen entlastet. 

Es ist schon etwas verrückt, dass der Antrag, Oke abzusetzen, dann etwas später 63 Ja-Stimmen bekommt. Leute, das ist dann komplett verrückt. Ihr könnt niemanden entlasten, den ihr auf der anderen Seite abberufen wollt. Das ist schlichtweg unlogisch und zeugt auch von einem sehr geringen Verständnis, wie ein Verein funktioniert. Also rein formal könnt ihr das schon. Aber es ist eben unlogisch und passt vor allem auch nicht zu dem, wie wir uns diesen Verein vorstellen.

Der Amateurvorstand wurde dann mit 567 Ja- und einer Nein-Stimme bei 45 Enthaltungen entlastet. 

Eine Unwucht, die in unserer Satzung wahrscheinlich nicht mehr zu korrigieren ist: Der Amateurvorstand wird hier entlastet, auch von AFM-Mitgliedern, der AFM-Vorstand wird jedoch von seiner eigenen Versammlung entlastet. Beide haben hier aber ein Berichtsrecht und eine Berichtspflicht. Der Aufsichtsrat wird gar nicht entlastet. Da ist vieles historisch bedingt und wahrscheinlich nur schwer zu korrigieren. Theoretisch müsste es eine Amateurversammlung geben und eine AFM-Versammlung und beide müssten jeweils von ihren Mitgliedern entlastet werden und dann wäre auch das Berichtsrecht/die Berichtspflicht überflüssig. Womit die MV aber auch einen Überblick über das Leben im Verein verlieren würde. 

Die Ehrungen

Man werde die später persönlich übergeben und man finde diese nun im Internet, führte Oke aus. Man sollte nun gedanklich applaudieren, wie es sonst nun auf einer MV gemacht werden würde. 

Wir möchten hier stellvertretend für alle anderen Paupi gratulieren, ach was, wir möchten ihn herausheben. Ey du alter Schwabe, ohne dich wäre so viele so anders in diesem Verein. Wir alle sind grau geworden und haben viele Haare über diesen Verein verloren, aber ohne deinen Einsatz wären es noch viel mehr Haare. Und hier wird jemand geehrt, der nie näher als 600 Kilometer weg vom Millerntor lebte. Ganz viel Liebe! (Und irgendwann nach Corona machen wir mal einen „Wir erzählen unsere Lieblingspaupianekdoten“-Abend.)

Anträge

Es wurden Dringlichkeitsanträge gestellt, die wir echt schwierig fanden. Wir erwähnten das schon oben.  Als erstes wurde wieder das Thema „HVV-Berechtigung für Karten“ beantragt. KH stieg hier in eine kurze Aussprache ein, um dann über die Dringlichkeit einzusteigen. 

KH hat da nicht Unrecht mit seinem Einstieg in eine Aussprache, denn unsere Satzung (§ 15 Nr. 6) ist da unklar, aber der logische Ablauf wäre eigentlich, dass man ohne inhaltliche (!) Aussprache sofort über die Dringlichkeit entscheidet. Sonst macht die Zweiteilung der Abstimmungen keinen Sinn. Dann könnte die Satzung auch „Dringlichkeitsanträge brauchen 2/3 zur Annahme“ regeln. In früheren Jahren wurde das auch so gehandhabt, dass eine Aussprache erst dann erfolgte, wenn die Dringlichkeit angenommen wurde. Da sollte unsere Satzung klar gestellt werden. Das Thema HVV ist ein äußerst frustrierendes, aber garantiert keines, was einer Dringlichkeit unterliegt. Wir verweisen auch auf unsere Ausführungen in den Vorjahren.

Es wurde dann über die Dringlichkeit abgestimmt und diese mit 464 Nein-Stimmen und 60 Ja-Stimmen abgelehnt. 73 Mitglieder stimmten mit Enthaltung.  Dann wurde die Absetzung von Oke und Bornemann als Dringlichkeitsantrag gestellt. 

Ganz ehrlich Leute, jetzt wird es absurd. Und jedes Wort, was da von Gremienvertreter*innen noch drüber verloren wurde, ist eines zu viel. Es ist daher vollkommen richtig, dass der Aufsichtsrat schlichtweg schwieg. Gegen Bornemann ist dieser Antrag schlichtweg nicht zulässig, da er kein Amt inne hat, welches einer Abberufung fähig wäre. Bei Oke war das erste spontane Erstaunen des Seniors: „Was, das geht in Dringlichkeit?“. Ja, es geht. Sieht unsere Satzung ausdrücklich in § 15 Nr. 4 vor. Angesichts der schriftlichen Verteidigungsmöglichkeit, die bei einem normalen Abberufungsantrag vorgesehen ist, muss man hier aber wahrscheinlich eine sehr hohe Hürde an die Dringlichkeit stellen. Und da muss man die Antragssteller*innen schon mal ernsthaft fragen, was sich denn zwischen 3.12.2020 und 17.12.2020 ergeben habe, um nun dringlich die Absetzung bedürfen. Und diese Frage wird man nicht befriedigend beantworten können. Dies alles sollte bitte nicht als „es ist alles super“ verstanden werden. Zwischen einer deutlichsten Kritik und einer Abberufung aus Dringlichkeit bestehen noch ganz viele Graustufen. Auch gerade darf nie vergessen werden, dass eine Führungslosigkeit eines e.V. vertretungsrechtlich sehr schwierig und gefährlich ist.

493 Mitglieder sahen dann auch kein Grund für eine Dringlichkeit, 63 aber schon, was immerhin über 10 Prozent der Anwesenden ist. 52 Mitglieder enthielten sich.

Warum 10 Prozent schon viel ist? Unsere Satzung sieht 75 Prozent für Änderungen vor und wenn 10 Prozent schon für komplett absurde Anträge stimmen, dann ist die Hürde für eine 75–Prozent-Zustimmung deutlich schwieriger zu erreichen. Und das sollte angesichts absolut notwendiger Satzungsanpassungen uns Sorge machen. Und eine sehr ähnliche Anzahl von Menschen hat ja auch oben für die Dringlichkeit des HVV-Antrags gestimmt. Es zieht sich also durch. 

Zum Punkt „Sonstiges“ gab es dann keine Meldungen mehr und KH erklärte die Versammlung um 21:36 für beendet. Er habe sich wie ein Nachrichtensprecher gefühlt, viele sei anders gewesen und er habe viel gelernt. 

Hätte er eine Krawatte getragen, wäre nun der Zeitpunkt für den Jan-Hofer-Moment gewesen. Noch mal danke für die Leitung, die garantiert nicht immer einfach ist. Man sah mehrfach, wie er und Christiane sich Zettel hin- und herschoben und wir können uns richtig vorstellen, wie da die beiden Jurist*innen des Vereins Meinungen austauschten und die Satzung live interpretierten. Kein schöner Job. Und wir wollen das ja gar nicht schrieben, aber Jurist*innen haben doch mal Nutzwert. 

Oke sagte dann noch ein paar Schlussworte (womit nebenbei ganz streng die Versammlung noch nicht geschlossen ist).

Er danke für die rege Teilnahme und er danke KH und den Gebärdendolmetscherinnen für ihre Arbeit und Uschi Steinhoff für das Protokoll. 

Man habe keine einfache Zeit, 2021 könne nur wilder und besser werden. Man denke in dieser Zeit an Menschen in der Veranstaltungsbranche und hoffe, dass es wieder ein volles Millerntor gebe. „Wir brauchen euch.“ Man müsse als FCSP rausgehen und Hoffnung spenden. You will never walk alone, bleibt gesund und danke.  

Fazit

Gibt es traditionell nicht. Außer, dass wir die Satzung mal durcharbeiten müssen. Und eine Quote brauchen. Ist so.  

Dez 232020
 

Die Bildzeitung. Linke Menschen in den 70ern haben die noch ironisch gelesen. Heute unvorstellbar. Und sie ist mal wieder Diskussionsthema in FCSP-Kreisen. Sollte man die Bildzeitung von der Teilnahme an MVs, Pressekonferenzen und ähnlichem ausschließen? So lautet die Frage. Und die Antwort darauf ist genauso kontrovers wie kompliziert. Unterteilen wir die Fragestellung doch einfach mal in zwei Teile: „Sollen wir?“ und „Dürfen wir?“ 

Sollen wir? 

Wir haben das Gefühl, dass in den Köpfen immer noch die Bildzeitung der 70er und 80er Jahre, vielleicht selbst die Bildzeitung, wie sie sich Axel Springer vorgestellt hat, fest verankert ist. Bisschen prollig, mal Grenzen überschreitend, aber irgendwo im demokratischen Spektrum angesiedelt. Es wird dann ein klarer Unterschied zu Szenepublikationen wie z. B. Compact oder ähnlichem konstruiert. Dies ist schlichtweg nicht richtig. War es wahrscheinlich nie, wir erinnern nur an Schah-Besuch und andere Dinge, aber spätestens nach einer „gemäßigt-bürgerlichen“ (und auch hier sind die Anführungsstriche sehr zu beachten) Phase unter Diekmann ist die Bildzeitung nun ein Blatt der rechtsradikalen Erlebniswelt. Und im Endeffekt wichtiger für diese Welt als Szenepublikationen, weil sie mit ihrem bürgerlichen Schein eine viel größere Reichweite hat. Nennen wir Beispiele:  

Stichwortgeberin 

Die Bildzeitung ist Stichwortgeberin der rechten Onlinewelt. Laut einem TAZ-Bericht von 2018 teilen rechte Kreise zwischen April 2017 und April 2018 insgesamt 2.000 Artikel besonders häufig in ihrer Social-Media-Blase. Die Hälfte der Artikel kommen von der Bild, der Welt und dem Focus. Wer den aktuellen Stand sehen möchte, der kann mal bei Twitter bei @dierechteblase durchscrollen. Bild, Welt, Bild, Welt, mal irgendwer anders, Bild, Welt. Da helfen Lippenbekenntnisse wenig, dass man doch gegen Nazis sei, wenn man gezielt die Themen für diese Blase setzt. Und ihr könnt auf dem Twitter-Account die Artikelüberschriften sehen. Das sind keine „zufälligen“ Posts.  

Framings verbreitend

Der zitierte Artikel führt weiter aus, dass eben auch rechtsradikale Themen und rechtsradikale Framings von der Bild in die allgemeine Öffentlichkeit eingeführt werden. Es wird gezielt mit dem Feuer gespielt.  

Brückenbauerin

Das Bildblog nennt das „Brücken für die AfD bauen„. Die Bildzeitung verbreitet Falschmeldungen und sorgt für Hass aus dem rechtsradikalen Milieu. In dem verlinkten Artikel könnt ihr wieder sehen, wie diverse AfD Konten gezielt den Artikel der Bild verbreiten und zur Basis ihres Hasses machen. In einem Interview mit dem Tagesspiegel wird vom medialen Arm der AfD gesprochen. Das ist Ergebnis einer kurzen Internetrecherche. Nein, die Bild ist nicht der bürgerliche Krawallo, der irgendwo eine Grenze nach Rechts hat. Ganz im Gegenteil. Sie ist der rechte Krawallo in einem bürgerlichen Schafspelz  

Vorsatz? 

Ist das von der Bildzeitung Vorsatz? Man soll juristisch von dem objektiven Tatbestand nicht auf den subjektiven schließen, aber es ist wohl sehr naheliegend, dass wir hier zumindest ein billigendes in-Kauf-nehmen dieser Teilungen haben. Falls ihr mal mit einem Jura studierenden Menschen auf einer Party (in ferner Zukunft) ins Gespräch kommen wollt, könnt ihr ihn ja mal fragen, ob das Vorsatz ist. Da Jurist*innen nun echt kein Spaß auf Partys sind, sagen wir euch die Antwort auch so: Ja, ist es. Uns dünkt, dass das selbst Absicht ist, aber das können wir hier nun nicht endgültig erörtern.  

Bild schürt Rechtsradikalismus

Lange Rede, kurzer Sinn: Den Kontakt mit rechtsradikalem Gedankengut, die ständige Empörung in diesen Kreisen und das Feuer unter dem Erfolg der AfD? Da spielt die Bildzeitung eine wichtige Rolle und dies sehr bewusst. Wir sind der Meinung, dass man damit einen demokratischen Grundkonsens weit hinter sich gelassen hat. Auch wenn sie immer so tut, als ob sie sich abgrenzen würde, ist sie doch der Biedermann*die Biederfrau für die Brandstifter*innen.  

Wollen wir das am Millerntor? 

Nun mal ehrlich: Wer hier jetzt in eine Verteidigung geht, der muss schon sehr gute Argumente haben. Denn wir würden ja auch nicht die AfD am Millerntor tagen lassen, weil das sich ja in einem toleranten, demokratischen Diskurs so gehört, oder? ODER?  Teilweise wird dann geäußert, dass man ja nicht die Bildzeitung am Millerntor habe, sondern einzelne Menschen, die man individuell betrachten müsse. Ganz ehrlich. Das greift zu kurz. „Es gibt auch gute AfD-Mitglieder“. Nein, gibt es nicht. Wer für die Bild arbeitet, tut dies bewusst und gezielt. Selbst wenn er nur für den Sportteil arbeitet. Und dieser ist nun auch kein Hort der Unschuldigen, wie er bei der Geschichte Jatta mehr als bewiesen hat.

Fazit

Für uns gibt es keinen Zweifel, dass Vertreter*innen der Bildzeitungen nichts am Millerntor zu suchen haben.  

Dürfen wir das? 

Okay, wir würden nun gerne die Bildzeitung ausschließen. Da kommen wir nun in ganz andere Problematiken. Es ist hier auch immer zu betrachten, wovon wir sie ausschließen wollen. Hier ein paar Fallbereiche und ein paar Problematiken, die mit Ihnen kommen.  

Mitgliederversammlung?

Das ist bei uns in der Satzung mehr als bescheiden geregelt, wenn man ehrlich ist. Eigentlich ist die Mitgliederversammlung nicht öffentlich (§ 16 Nr. 4), nur damit sie dann in § 14 Abs. 6 quasi öffentlich gemacht wird, weil sich Medienvertreter*innen sich über die Geschäftsstelle akkreditieren können und nur noch das Verfahren dem Präsidium obliegt. Ein Ausschluss der Presse durch die MV oder eine Zustimmung zur Anwesenheit ist nicht vorgesehen. Es ist daher eher zweifelhaft, ob man bei einer MV ein Medium ausschließen könnte, welches das Präsidium/die Geschäftsstelle akkreditiert hat. Eine Weisung der MV für zukünftige MVs wäre möglich, ist aber auch irgendwie nicht das Gelbe vom Ei. Und man könnte sich auch fragen, ob die Satzung da nicht dem Präsidium/der Geschäftsstelle Autonomie gibt. 

Eine ganz andere Regelung ist bei anderen Vereinen üblich. Hier mal exemplarisch die Satzung von Fortuna Düsseldorf:  „Die Mitgliederversammlung ist nicht öffentlich. Gästen sowie Vertretern der Medien und Jugendlichen unter 18 Jahren im Rahmen des Jugendschutzgesetzes kann die Anwesenheit widerruflich gestattet werden, wenn dies von der Mitgliederversammlung mehrheitlich beschlossen wird.“

Warum wir auf Fortuna Düsseldorf kommen? Weil die gerade davon gegenüber der Bild Gebrauch gemacht haben.  Bei einer solchen Regelung kann die MV ziemlich tun und lassen, was sie will. Bei uns ist das nach der jetzigen Satzung zumindest zweifelhaft.  

Ausschluss von allen Presseaktivitäten

 Wünschenswert wäre, wenn wir die Bild komplett von Pressekonferenzen, Medienansammlungen etc. pp auszuschließen.  Dabei sind aber gewisse Dinge zu beachten. Und Hürden zu nehmen.

Wettbewerbsrecht

Die erste Hürde könnte das Wettbewerbsrecht sein. Ja liebe Freund*innen, jetzt wird es freakig. Nach dem Wettbewerbsrecht darf sich nämlich ein Unternehmen mit einer marktbeherrschenden Stellung diese nicht  diskriminierend oder behindernd gegenüber anderen Unternehmen einsetzen. (§§ 19, 20 Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen GWG) Zu Recht werdet ihr jetzt laut rufen „Sind Jurist*innen denn nun endlich von allen guten Geistern verlassen, wie soll denn der FCSP marktbeherrschend sein? Habt ihr euch diesen Trümmerverein mal angesehen?“ 

Ja, aber ganz so einfach ist das nicht. Und lustigerweise hatte das OLG München (Urteil vom 28.01.2010 / U (K) 3946/09) diese Frage zu entscheiden. Im vorliegenden Fall hatte das OLG den Fall zu entscheiden, dass der „FC…. e.V.“ aus München Medienunternehmen verbot, seine Pressekonferenzen (und andere Inhalte) live in das Internet zu streamen, weil er sie über den „nicht-linearen Mediendienst www…tv“ vermarkten wollte. Der Kläger des Verfahrens hielt sich nicht dran und wurde ausgeschlossen bzw. durfte nur nach einer schriftlichen Zusicherung, dass er nicht ins Internet streamen würde, wieder an den Pressekonferenzen teilnehmen. (Sachverhalt verkürzt dargestellt, es war etwas komplexer, aber das soll hier mal keine Rolle spielen.)  Entscheidend für uns ist, dass das OLG folgende schönen Sätze prägt:  „Die Beklagte ist Normadressatin im Sinne von § 20 Abs. 1 GWB, da sie als marktbeherrschendes Unternehmen im Hinblick auf die Vermarktung von Bundesligaspielen des FC …, u.a. durch Veranstaltung von Pressekonferenzen, gilt (BGH NJW 2006, 377 ff. – Tz. 19 – Hörfunkrechte ; Senat, Beschluss vom 18. Oktober 2007 im Verfügungsverfahren U (K) 3945/09). Der Zugang der Medienvertreter zu diesen Veranstaltungen bildet in sachlicher und räumlicher Hinsicht einen Markt, auf dem die Beklagte marktbeherrschend ist.“

Die Pressekonferenz als Markt. Spannend. Und da nur du als FC Bayern (ups, haben wir jetzt den Namen gesagt?) Pressekonferenzen des FC Bayern abhältst, bist du sehr schnell marktbeherrschend. Nun wäre es vermessen, zu behaupten, dass Pressekonferenzen des FCSP auch nur annähernd den gleichen medialen Auftrieb (und damit auch Vermarktungsmöglichkeiten für die Medien) bringen; aber auch wir veranstalten als einzige eine Pressekonferenz des FCSP und für Medien könnte auch dies eine Behinderung durch eben den einzigen Veranstalter einer FCSP Pressekonferenz sein. 

Nun führt das OLG aber weiter aus, dass man aus sachlichen Gründen schon differenzieren dürfte.  Es führt dazu aus:  „Ob eine Behinderung unbillig ist oder für die Ungleichbehandlung ein sachlicher Grund vorliegt, bestimmt sich auf Grund einer umfassenden Interessenabwägung unter Berücksichtigung der auf die Freiheit des Wettbewerbs gerichteten Zielsetzung des Gesetzes (BGH GRUR-RR 2008, 181 ff. Tz. 13 – Autoruf – Genossenschaft II ; GRUR 2004, 966, 968 – Standard – Spundfass ; NJW 1989, 3010, 3012- Sportartikelmesse ; GRUR 1980, 125, 128 – Modellbauartikel II). Die Interessenabwägung kann nur einzelfallbezogen vorgenommen werden. Für die Frage, ob die verfolgten Individualinteressen als schützenswert und sachlich berechtigt anerkannt werden können, ist dabei zu berücksichtigen, dass das Kartellrecht die Freiheit des Wettbewerbs sicherstellen will. Eine Interessenverfolgung, die mit dieser Zielsetzung unvereinbar ist, etwa weil sie zu einer unangemessenen Einschränkung der Handlungsfreiheit des Betroffenen führt, kann nicht als sachlich berechtigt anerkannt werden.“ Hier lässt das OLG nebenbei die Klage scheitern, weil es zwischen „linearen“ und „nicht linearen“ Medien eine sachliche Unterscheidung sieht und der FC Bayern alle nicht linearen ausgeschlossen habe und dies okay sei. Puh. Ob man das im Jahr 2020 noch so sehen kann? Gute Frage, soll nicht unser Thema sein. 

Wenn wir aber nun die Bild alleine ausschließen wollen, dann bräuchten wir also einen sachlichen Grund, denn Pressekonferenzen wollen wir ja weiterhin abhalten und Buttje und Co. sollen ja weiterhin kommen. Wir bräuchten also einen sachlichen Grund, der in einer einzelfallbezogenen Abwägung und Interessenverfolgung durchstehen würde. Das könnte ohne Weiteres klappen. Man darf nicht vergessen, dass wir eher ein unbedeutender Zweitligist sind und die Bild ein medialer Konzern. Da wird die Ausgangslage schon eine ganz andere sein. Und für den wirtschaftlichen Erfolg der Bild wird es eine ganz andere Grundlage bilden, dass sie zum FC Bayern zugelassen ist, als zu uns. Wir alleine könnten da also ggf. mit einer guten Argumentation durchkommen. Wünschenswert wäre natürlich, dass sich die gesamte DFL anschließt und dann könnte es schon schwieriger werden, weil dann die sachliche Unterscheidung halt die politisch rechtsradikale Ausrichtung der Bild wäre. Und ob dies ein Gericht überzeugt, wenn es schon nicht mal alle FCSP-Menschen überzeugt? Das lassen wir hier mal offen.  

DFL?

Wenn wir schon bei der DFL sind. Wie regelt die eigentlich? Wir waren ehrlich gesagt überrascht. Die überlässt es in ihren „DURCHFÜHRUNGSBESTIMMUNGEN zu den Medienrichtlinien, Spielzeit 2020/21“ vollkommen den Heimvereinen, wen sie im Bereicht „Print/Onlinemedien“ akkreditieren wollen.

Voraussetzung für eine Akkreditierung ist ein Presseausweis und ein Redaktionsauftrag (vereinfacht gesagt), aber eine Pflicht zur Akkreditierung? Oder ein „Soll akkreditiert werden“ findet man schlichtweg in den Richtlinien nicht.  Das einzige, was man findet, ist eine Regelung zu Konflikten: „In Konfliktfällen bei der Akkreditierung von Fotografen bzw. Print-/Online-Medien werden – wie auch in der Vergangenheit erfolgreich praktiziert – die örtlichen Verbindungsleute von mindestens einem der bundesweit tätigen Journalistenverbände einbezogen. Bei sonstigen übergeordneten Fragen/Problemen sind diesbezügliche Anfragen zentral an Vertreter der Journalistenverbände zu richten.“  Die beziehen wir natürlich gerne ein und würden ihnen dann noch mal einen kurzen Abriss über Gewerkschaften in rechten Diktaturen geben. Ein Konfliktlösungsverfahren gibt es aber nicht.  

Presserecht? 

„Das geht aber presserechtlich nicht“ wird dann immer gerne als Argument vorgebracht. Dazu nur sehr kurze Hinweise. Presserecht ist erstmal öffentliches Recht. Und das öffentliche Recht regelt das Verhältnis Bürger*in zu Staat. Nicht das Verhältnis Bürger*in zu Bürger*in. Das ist Zivilrecht. Klar, es gibt auch ein zivilrechtliches Presserecht, aber da geht es eher um die Haftung der Presse und Gegendarstellungen.

Einen Zwang, nicht zwischen geliebter und ungeliebter Presse zu unterscheiden, besteht definitiv für den Staat. Da muss selbst nicht nur eine Teilnahme zugelassen werden, sondern auch Fragen müssen zugelassen werden.  (VGH München, Urteil vom 06.04.2017 – 7 ZB 17.234, es gibt diverse andere Fälle) Das ist alles Ausfluss von Artikel 5 Abs. 1 Satz 2. Aber auch da ist der FCSP halt nicht Normadressat. Grundrechte sind für Menschen gegenüber dem Staat und nicht im Zivilrecht relevant. Naja, da stimmt nicht ganz, denn Jurist*innen kennen da noch die sogenannte Drittwirkung von Grundrechten, wo im Endeffekt Verträge und zivilrechtliche Normen im Geiste der Grundrechte ausgelegt werden sollen und die Grundrechte in das Privatrecht strahlen. Daher kommt wahrscheinlich auch so ein bisschen die Idee, eine Pressekonferenz für einen „Markt“ zu halten, wie im eben zitierten Urteil des OLG München. Aber ganz ehrlich: Das reicht nicht aus für eine Pflicht eines privaten Unternehmens, Presse frei zuzulassen. Auch gerade, weil sie ja immer noch schreiben könnte, was sie wollte.  

Aber es gibt noch andere Dinge… 

Neben einem totalen Ausschluss muss man sich immer auch fragen, ob man die Bildzeitung nicht mit einem Minimum abspeisen will. Eine Art „Kompromiss“, den wir noch irgendwie verstehen könnten. Aber auch davon ist der FCSP noch meilenweit entfernt. Der offizielle Twitteraccount z. B. folgt 163 Accounts. Selbst schon unserem Neuzugang Adam Dźwigała aber auch Bild St. Pauli, Sportbild oder Fußball Bild. Ach ja, Disclaimer: Dem MagischerFC-Twitter-Account ist man mal entfolgt. 

Das Folgen von Bild-Accounts? Das muss echt nicht sein. „Professionelle Zusammenarbeit“? Genau, das kann nach dem oben Geschriebenen ja eben gerade nicht das Ziel sein.  Der FCSP veröffentlicht auch jeden Tag eine Presseschau auf seiner Homepage. Dort jeden Tag vertreten? Die Bildzeitung. Auch das muss einfach nicht sein. Das ist Werbung für ein rechtsradikales Blatt und einfach Mist.  Auch zu Hintergrundgesprächen lädt man die Bild ein. Auch das muss nicht sein. Ich muss denen nicht noch einen privilegierten Zugang zu Informationen geben. Auch gerade weil zu solchen Gesprächen eben nicht breit eingeladen wurde, sondern sehr selektiert. 

TL;DR?

Die Bild ist ein rechtes Hetzblatt, das massiv zur Spaltung dieser Gesellschaft beiträgt. Und der FCSP arbeitet noch viel zu eng mit diesem Erzeugnis zusammen.     

Eine weitere Betrachtung der Lage gibts von Maik im MillernTon.          

Dez 222020
 

Lieber Leser:innen,

vielleicht hattet ihr beim Lesen unserer Worte an die Spieler ja selbst ein paar Gedanken gehabt, die ihr den Spielern gerne mitgeben würdet?

Trainingsauftakt nach der Winter“pause“ ist am 26.12. und wir fänden es schön, wenn das Team an diesem Tag mit vielen motivierenden Worten startet. 

Deshalb freuen wir, wenn ihr euch uns anschließt und ein paar Worte an das Team richtet: Erzählt ihnen davon, was Sankt Pauli für Euch bedeutet, dass ihr an sie glaubt, warum wir das Ding im neuen Jahr drehen. Schickt sie mit vielen guten Wünschen ins neue Jahr.

Wenn ihr euch uns anschließen möchtet, schickt uns bis zum 25.12. 23:59 Uhr Eure Worte an das Team an webmaster {at} magischerfc.de. Wir führen die dann alle zusammen und sorgen dann dafür, dass das Team die Sammlung am 26. zum Trainingsaufakt erhält.

Wir werden hierbei jeweils nur eure Vornamen als Absender:innen angeben – das macht das ganze aus unserer Sicht persönlicher. Falls ihr das nicht möchtet, gebt uns kurz Bescheid.

Natürlich behalten wir es uns vor, Zynismus und jegliche Arten von Müll rauszufiltern.

Gemeinsam schaffen wir das. Forza Sankt Pauli!