Jul 122020
 

oder: Wir haben einen Trainer

Sonntagmorgen, ausgeschlafen, Kaffee im Bett – und die FCSP-Timeline dreht durch: Der Verein meldet tatsächlich eine Entscheidung bei der wochenlangen Suche nach einem neuen Cheftrainer. Aber mal ehrlich: Glaubt ihr, die hätten in den Wochen nur Däumchen gedreht? Es las sich teilweise danach. Der neue Mensch an der Seitenlinie heißt jedenfalls Timo Schultz und ist ein mehr als guter alter Bekannter. Aber wem erzählen wir da etwas Neues! Schließlich fiel der Name schon diverse Male in den vergangenen Wochen. Ein Paukenschlag ist Schulles Cheftrainerposten nicht.

Die Loide vom Millernton waren die ersten Streber*innen, die ausführlich zu der Neubesetzung geschrieben haben. Es wurde schon alles gesagt, nur nicht von uns? Fast, aber ein paar eigene Gedanken haben wir aber natürlich dazu.

Zunächst einmal: Herzlich willkommen auf der Cheftrainer*innen-Bank, Schulle! Wir finden dich gut, wir freuen uns auf dich, wir glauben an dich. Wir wollen mit dir aufsteigen und international spielen, bescheiden wie wir sind.

Man könnte jetzt viel Wasser in den Wein kippen. Ist Schulle nur zweite (oder dritte oder vierte) Wahl gewesen und hat aus reiner Not den Zuschlag bekommen? Natürlich möglich, wissen wir nicht. Dürften aber viele so interpretieren. Wird aber keine*n mehr interessieren, wenn sich Erfolg einstellt. Daran – und vor allem daran – sollte der neue Cheftrainer gemessen werden. Seht es uns nach, aber nach den vergangenen Kacksaisons ist uns “schöner Fußball” scheißegal. Wir sollten nicht so tief da unten stehen. Wir haben besseres zu tun als Abstiegskrampf. Also muss Zählbares oberste Prämisse sein. Zugegeben, auf faires Verhalten gegenüber Spielern und eine einigermaßen vernünftige Darstellung nach außen legen wir wert. Aber da wir Schulle schon eine Weile kennen, machen wir uns darüber keine Sorgen.

Und Loide, jetzt mal ehrlich: Gerade wenn sich Schulle gegen die vier, fünf anderen Kandidat*innen durchgesetzt hat, spricht das doch für sich. Für uns heißt das: Man hat sich sorgfältig umgeguckt und dann guten Gewissens für diese Variante entschieden. Und nicht – wie es mitten in der Saison der Fall ist – auf die Verlegenheitslösung zurückgreifen müssen.

Nothing to lose

Ein Eigengewächs also. Die Nachteile liegen auf der Hand: Timo Schultz hat nicht zig Jahre Erfahrungen als Trainer im Profifußball und kein großes Netzwerk außerhalb des Vereins. Er muss schauen, wie er seinen ganz eigenen Weg mit der Mannschaft findet. Wer den ganzen Bums schon seit langer Zeit kennt und mitbegleitet, scheut sich vielleicht auch mehr als Leute von außen vor unpopulären Entscheidungen, um lange gepflegte Beziehungen nicht zu belasten. Das kennen sicherlich viele von euch aus dem eigenen Berufsleben. Ein*e Aufsteiger*in aus den eigenen Reihen wird immer mit anderen Maßstäben gemessen als jemand, der*die von außerhalb kommt und einen großen Erfahrungsschatz mitbringt. 

Und dann ist da noch die Eigendynamik des Profifußball-Trainer*innendaseins: Schulles Entscheidung, die Beförderung anzunehmen, ist damit auch die erklärte Bereitschaft, sich hier die Finger zu verbrennen und es sich mit dem gesamten FC St. Pauli zu verscherzen. Unser Cheftrainer*innenposten ist ja nun in den vergangenen Jahren nun wirklich kein bequemer Sessel gewesen. Allzu viel Geduld bei Erfolglosigkeit kann Timo Schultz nicht erwarten. Aber das ist Berufsrisiko als Fußballtrainer*in, relativ egal wo.

Wir glauben jedenfalls, dass Schulle als Chefcoach eine gute Idee ist. Als Grund gehört auch dazu, das muss man mal so knallhart sagen, dass es da keine wesentlich bessere Alternative gibt. Nun kennen wir natürlich nicht jeden Namen, der jemals irgendwo auf irgendeiner Liste stand. Aber dass es seit der Trennung von Luhukay eine Weile bis zur Verkündigung des Nachfolgers gebraucht hat, sagt einiges aus. Und das kann natürlich daran liegen, dass der Trainer*innenposten bei uns – nach der Historie der letzten Jahre – auch schon mal attraktiver war. Dafür liefen die vergangenen Jahre zu mies. Andererseits: Es gehen auch immer noch Leute als Trainer zum H$V. Uns das ist sowieso und immer unattraktiv. Mancher hat sich hier schon die Zähne ausgebissen, um es milde auszudrücken. Und da hat Schulle als Mensch mit langjähriger FCSP-Erfahrung den deutlichen Vorteil, dass alle wissen, worauf sie sich einlassen. Für Schultz ist das Risiko höher als für den Rest des Vereins. Und dabei wollen wir auch nicht aus den Augen lassen, dass der Vizepräsident, der in den letzten knapp sechs Jahren für das Sportliche zuständig war, jetzt seit zwölf Tagen nicht mehr da ist. Und somit auch eine Stimme fehlt, die die letzten Entscheidungen prägte. Und dass das aber eben auch heißt, dass das der sechste Trainer unter Oke ist. Wir sagens mal so: Die Chancen auf eine Wiedernominierung (wenn er es denn selbst will) steigen nun nicht unbedingt, wenn der Trainer jetzt floppt.

Kein Allheilmittel, aber wir freuen uns trotzdem

Fußballfans neigen dazu, sehr viel an der Personalie des*der Trainer*in festzumachen. Womöglich wird diese Position manchmal sogar überbewertet. Der Einfluss ist dann eben doch begrenzt, denn an Faktoren wie den individuellen Eigenheiten der Spieler und speziellen Strukturen im Verein kann er*sie auch nicht alles ändern. Und so sollte sich niemand die Hoffnung machen, dass jetzt alles ganz anders wird. Stichwort Kaderplanung, damit steht und fällt die neue Saison. Und machen wir uns nichts vor: Die Kaderplanung wird die letzten Wochen vorangeschritten sein, wenn man denn ein sportliches Konzept hat. Das scheint man zu haben – wir nennen es mal aktiver Offensivfußball. Auf jeden Fall: Mit diesem Konzept wird man parallel nach Trainer und Spielern gesucht haben und nicht jetzt erst mit der Spielersuche beginnen.

Aber: Die Freude und die Zuversicht in der Fanszene sind unübersehbar. Ganz überwiegend steht das Umfeld des FCSP dieser neuen Konstellation positiv gegenüber. Und verdammtnochmal, das brauchen wir jetzt auch! Lasst uns noch mal kurz festhalten, wo wir uns gerade befinden: Nach einer weiteren wirklich miesen Saison (Ausnahmen – DERBYSIEGE!!! – werden nicht vergessen) stecken wir noch immer tief in der Coronakrise. Das ist niederschmetternd für uns als Fans, das ist aber auch nicht zuletzt für die Gesundheit des Vereins von einschneidender Bedeutung. Da werden keine Fuffis in den Club geschmissen. (Auch das kann ein Argument für eine elegante interne Lösung bei der Neubesetzung des Trainer*innenpostens sein.) Bis wir wieder ins Stadion können und sich Fußball wieder so anfühlt, wie wir es gewohnt sind, wird noch viel Wasser die Elbe herunterfließen.

So, und jetzt haben wir mit Schulle als Cheftrainer eine Lösung, die sich viele so gewünscht haben. Neunmalkluge Fußballexpert*innen wissen vielleicht schon ganz genau, ob das für den sportlichen Erfolg die allerbeste Idee war oder was man hätte anders machen können. Wir jedenfalls freuen uns und sind guter Hoffnung, dass es zumindest nicht schlimmer wird. Forza!

PS: Schulle hat als U19-Trainer zwei Derbysiege gegen den H$V eingefahren. HAMBURG BLEIBT BRAUN-WEISS!
(Über das andere Spiel verlieren wir einfach kein Wort.)

Jul 072020
 

Anmerkung des Kollektivs: Neben dem gestern verkündeten Besetzungswechsel konnten wir auch noch eine Gastautor*innen gewinnen, die regelmäßig unregelmäßig hier veröffentlichen werden. Und hiermit machen wir heute den Anfang. Autor*in ist dem Kollektiv bekannt und von diesem sehr geschätzt.

Mächtig gewaltig.

Schön guten Tag Herr Amin, Sie lehnen also jegliche Form der Gewalt ab? Ich zitiere: „Ich lehne jegliche Art der Gewalt und deren Androhung kategorisch ab.“

Das ist sehr löblich für Sie. Ich sehe eine Europafahne in Ihrem Twitter-Profil? Und Ihre Twitterbio sagt: „Mensch der #Mitte. Für #FDGO, gegen jeden #Extremismus, für #Toleranz, #Vielfalt und #Humanismus.“

Und dann pinnen Sie noch einen Tweet an, in dem Sie ein unbedingtes Bekenntnis zur FDGO fordern?

Ich habe ja Sympathien für Ihre gutbürgerliche Existenz, bin ich doch auch in einem Vorort aufgewachsen und hielt mich für wild, als ich die Grünen wählte. Und ich mag auch das Musical „Hair“ und Liebe, Blumen und Frieden.

Aber ich muss Sie leider enttäuschen. Zwar mag Ihre Fassade bürgerlich sein, vielleicht sehen Sie sich selbst als Mensch der Mitte und Freund der freiheitlich demokratischen Grundordnung, aber aus der Fremdwahrnehmung des Verfassungsschutzes sind Sie leider ein staatszersetzender Anarchist. Wir müssen Sie deswegen leider beobachten und in die Datei Linksradikal aufnehmen.

Ich sehe ihr erstauntes Gesicht und es ist für Sie vielleicht ein Schock, daher lassen Sie mich Ihnen kurz unsere Entscheidung erläutern.

Sie lehnen jegliche Art der Gewalt und deren Androhung KATEGORISCH ab? Das haben Sie selber geschrieben. Dabei ist Gewalt ein Kernbestandteil der von Ihnen angeblich (wahrscheinlich zur Tarnung ihres Radikalismus!) unterstützten FDGO. Lassen Sie mich dazu aus der sogenannten „NPD-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichts (Urteil vom 17.01.2017 2 BvB 1/13; es wird aus den Leitsätzen zitiert) zitieren:

„3. Der Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne von Art. 21 Abs. 2 GG umfasst nur jene zentralen Grundprinzipien, die für den freiheitlichen Verfassungsstaat schlechthin unentbehrlich sind.
a) Ihren Ausgangspunkt findet die freiheitliche demokratische Grundordnung in der Würde des Menschen (Art. 1 Abs. 1 GG). Die Garantie der Menschenwürde umfasst insbesondere die Wahrung personaler Individualität, Identität und Integrität sowie die elementare Rechtsgleichheit. 
b) Ferner ist das Demokratieprinzip konstitutiver Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Unverzichtbar für ein demokratisches System sind die Möglichkeit gleichberechtigter Teilnahme aller Bürgerinnen und Bürger am Prozess der politischen Willensbildung und die Rückbindung der Ausübung der Staatsgewalt an das Volk (Art. 20 Abs. 1 und 2 GG).
c) Für den Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind schließlich die im Rechtsstaatsprinzip wurzelnde Rechtsbindung der öffentlichen Gewalt (Art. 20 Abs. 3 GG) und die Kontrolle dieser Bindung durch unabhängige Gerichte bestimmend. Zugleich erfordert die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit des Einzelnen, dass die Anwendung physischer Gewalt den gebundenen und gerichtlicher Kontrolle unterliegenden staatlichen Organen vorbehalten ist.“

Ich sehe Sie zittern. Soviel Gewalt in so wenig Sätzen! Staatsgewalt! Die dann auch noch vom Volke ausgeht. Ist Ihnen eigentlich klar, dass sie Teil dieses Volkes sind? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie ein Problem mit dem Begriff „Staatsvolk“ haben, aber nach dem Grundgesetz sind Sie Teil davon. Ob Sie wollen oder nicht: Sie üben jeden Tag Gewalt aus.

Glauben Sie uns immer noch nicht? Immerhin verprügeln Sie ja niemanden! Aber vielleicht haben Sie da auch einfach Gewalt falsch verstanden. Gucken wir doch mal bei Google nach dem ersten Link:

„Gewalt werden Handlungen, Vorgänge und soziale Zusammenhänge bezeichnet, in denen oder durch die auf Menschen, Tiere oder Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend eingewirkt wird. Gemeint ist das Vermögen zur Durchführung einer Handlung, die den inneren oder wesentlichen Kern einer Angelegenheit oder Struktur (be)trifft.“

Sie lehnen also Gewalt kategorisch ab? Wie bekommen Sie eigentlich die Tür auf? Oder wie fahren Sie Auto? Denn auch da wird die Luft (ein physikalischer Gegenstand!) mit physikalischer Gewalt (!) zur Seite gedrängt.

Und das lehnen Sie alles kategorisch ab? 

Aber das wollen Sie doch gar nicht ablehnen? Es geht Ihnen doch um was Anderes? Um die politische Gewalt! Und diese schlimmen Straßenschlachten?

Ah, ich merke, Sie widersprechen sich. Das ist nicht sehr glaubwürdig. Man wird ihnen beinah eine Schutzbehauptung unterstellen müssen. Ah, Sie meinen die strafbare böse Gewalt! Soll ich Ihnen das glauben? Ich glaube nicht.

Gucken wir uns das doch mal juristisch an. Gewalt, so sagt die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes und des Bundesverfassungsgerichts, ist jede körperlich wirkende durch die Entfaltung von Kraft oder durch eine physische Einwirkung sonstiger Art, die nach ihrer Zielrichtung, Intensität und Wirkungsweise dazu bestimmt und geeignet ist, die Freiheit der Willensentschließung oder der Willensbetätigung eines anderen aufzuheben oder zu beeinträchtigen.

(Liebe Lesende, lesen Sie diese Definition bitte dreimal und beschließen Sie dann vollkommen zu Recht, dass niemand, aber wirklich NIEMAND Jurist*innen braucht. Und falls Sie zu diesem Schluss noch nicht gekommen, sind überzeugen wir sie etwas später im Text.)

Was ist da nicht erfasst? Richtig! Die Zerstörung von Sachen! Dies ist zwar strafbar (§ 303 StGB z.B.), aber es ist eben keine juristische Gewalt. Auch die Plünderung ist juristisch keine Gewalt.

Wir sind verwirrt! Also so einen Bullenwagen klauen (keine Gewalt, wenn der/ die Fahrer*in gerade nicht anwesend ist) und die Innenstadt demolieren ist für Sie also okay? Was, auch nicht? Sie widersprechen sich schon wieder!

Sie haben ja kein Problem damit, wenn man protestiert, aber diese Plünderungen sind doch viel zu weit gehende Gewalt.

Wissen Sie was Gewalt laut Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist? Eine Sitzblockade! Ihre friedlichen Protestierer, die Ghandis dieser Welt, die Dr. Martin Luther Kings, sie alle übten Gewalt aus! Gewalt z. B. in Form einer Sitzblockade.

(Liebe Lesende, Sie wissen natürlich, dass weder Ghandi noch Dr. King biblische Figuren waren, und Sie wissen natürlich auch, dass beide nicht unter deutsches Recht fallen!)

„Aber das kann doch nicht wahr sein!“ rufen Sie aus! Doch, und die Begründung des BVerfG wird Sie überraschen! Klicken Sie hi… äh halt, Entschuldigung, falscher Film. Wo waren wir? Ah ja, bei der 2. Sitzblockadeentscheidung des BVerfG (1 BvR 388/05) hat das Bundesverfassungsgericht es als Gewalt im Sinne des § 240 StGB (Nötigung) angesehen, bzw. die juristische Auslegung der Strafgerichte akzeptiert, dass eine Sitzblockade einer öffentlichen Straße Gewalt sei, weil der sitzblockierende Mensch die erste Reihe an Autos als Werkzeug nehme um die zweite (und folgende Reihe) mittels einer physischen Sperrwirkung am Weiterfahren zu hindern und damit physischen Zwang gegen diese auszuüben (sogenannte Zweite-Reihe-Rechtsprechung). Weil gegenüber der ersten Reihe sei es ja nur psychische Gewalt, denn die/der betroffene könne ja ohne weitere über die Demonstrat*innen rüber fahren. Er würde sie halt nur töten. 🤷‍♀️🤷‍♂️🤷

(Liebe Lesende, Jurist*innen, ne? Braucht kein Mensch! Seien sie nebenbei vorsichtig: Diese Rechtsprechung wird gerne mal falsch zitiert, eine Sitzblockade bleibt in D weiterhin ein juristisches Risiko. Nutzen Sie sie natürlich trotzdem in geeigneten Fällen.) 

Sie sehen also: Sie würden Sitzblockaden also ablehnen und Plünderungen befürworten! Aber Staaten ablehnen!

Wir verkürzen nun mal, Herr Amin, Sie lehnen friedliche entspannte Sitzblockaden ab, wollen geplünderte Innenstädte und mit der Staatsgewalt haben Sie es auch nicht so. Wir können uns nicht helfen, aber wenn wir Herrn Seehofer nur diese Merkmale mitteilen würden, würde der wohl sagen „Linksextremist“! 

Ach, so meinen Sie das gar nicht? Das ist Ihre einzige und beste Ausrede? Sehr glaubhaft ist das nicht!

Sie wollen nur das Gewaltmonopol beim Staat? Notwehr? Oder auch Art. 20 Abs. 4 Grundgesetz? Wollen Sie alles nicht? Es wird immer komischer.

Sowieso dieses Gewaltmonopol beim Staat, das ist doch auch mal interessant. Diesen Mietendeckel (klassische staatliche Gewalt), den finden Sie ja anscheinend nicht so cool. Da berufen sie sich auf Recht und FREIHEIT? Ja was denn nun? Schon wieder erwischen wir Sie dabei, dass Sie das Grundgesetz nicht so wichtig finden, wie es Ihnen anscheinend ist.

Sollen wir Ihnen denn noch irgendwas glauben? „Eigentum verpflichtet“, schreibt dieses. Ja, diesen kleinen Satz kann man überlesen. Das Bundesverfassungsgericht schreibt zu diesem Satz: „Hierin liegt die Absage an eine Eigentumsordnung, in der das Individualinteresse den unbedingten Vorrang vor den Interessen der Gemeinschaft hat.“ (Zitiert nach BVerfG 242/91 Urteil vom 16.02.2000.)

Gewalt! Gewalt! Ja, es ist ein schwieriges Thema, Herr Amin. Wir sind ja noch gar nicht bei dem soziologischen Gewaltbegriff. Und bei den Ursachen von Gewalt. Denken Sie nur an Diskriminierung oder die Ausgrenzung an politischer Teilhabe! Gucken Sie sich mal den Hamburger Senat an. Da finden sie niemanden, der nicht Peter oder Katarina heißt! Das ist beinah schon juristische Gewalt, wie oben beschrieben. Wir hier in Hamburg haben unfassbar viele Menschen mit dem, was viele „Migrationshintergrund“ nennen.

Wobei der Marineoffizier d. R. Kazim letztens „Migrationsvorteil“ als Bezeichnung ins Spiel brachte. Und wir wollen ihm hier mal nicht widersprechen. Wobei Marineoffizier? Bundeswehr? Das ist Gewalt, das ist nichts für Sie. Aber im Senat repräsentiert? Werden diese Menschen trotz ihres Vorteils nicht. Da gibt es nur Kartoffeln, Kartoffeln und Kartoffeln. Da wird man doch gewalttätig, oder? Jeden Tag das gleiche Essen? Mit dem gleichen Blick in das gleiche Kartoffelgesicht? Langeweile, sagt man, führt zu Gewalt. Das können wir mit Blick auf den Hamburger Senat nur bestätigen.

Herr Amin! Wissen Sie was? Sie sind ein Mann, das macht sie ja gleich noch suspekter! Denn Gewalt ist häufig genug männlich!

Aber Sie lehnen weiterhin jegliche Gewalt kategorisch ab? 

Sie sind ein Anarchist! Gucken Sie bei Wikipedia! Anarchie ist die Abwesenheit von Herrschaft. Herrschaft ist geprägt dadurch, dass sie sich durch Gewalt (Staatsgewalt!) manifestiert.

„Chaos und Anarchie!“ rufen Sie aus? Und meinen die Zustände in Stuttgart? Wenn überhaupt wäre das Anomie und auch dies, lieber Herr Amin, liegt nicht vor, wenn ein paar Jugendliche ein paar Bullenwagen demolieren. Das hat im Notfall ihr Vater schon bei den Rolling Stones in der Ernst Merck Halle gemacht. Ist davon die Welt untergegangen? Nein! Hat ihr Vater „die Republik aufgebaut“? Wahrscheinlich Ja! Es waren halt seine Streetfighting Years! (Oh ne, das waren die Simple Minds)

Lieber Herr Amin, liebe Lesende, ganz vielleicht ist es besser, wenn Jugendliche in ihrer Frustration mal ein paar Supermärkte und eine Bullenwanne smashen, dann auch mal einen „zwischen die Hörner“ bekommen (und das ist was anderes als „härteste Strafen!!!!!!!“ und die damit verbundene lebenslange Stigmatisierung), als wenn sie Nazi werden und Menschen ermorden. Gucken Sie sich einfach an, was aus den Rolling-Stones-„Krawallmachern“ und „Rowdies“ geworden ist, die damals 1965 aus einer „dumpfen Empörung gegen alles“ randaliert haben? (Zitate laut NDR).

Heute sind das Manager*innen, Ärzt*inne, Museums-Betreiber*innen. Stützen in der Mitte der Gesellschaft. Aber mit dieser haben Sie es ja nicht so, Herr Amin. Und die Stones selber? Bestechen Bezirksämter, anstatt als Bad Boys Konzerthallen zu zerlegen oder einfach ein illegales Konzert zu geben. Wir singen traurig was davon. 

Was halten Sie eigentlich von Nazi-Gewalt, Herr Amin, Sie sind in diesem Zusammenhang immer so erstaunlich ruhig?

(Bio und Zitate sind aus einem echten Twitteraccount, der Name ist leicht verfälscht. Die Zitate stimmen, das Gespräch ist natürlich fiktiv. Die Überschrift ist der wunderbaren Olsenbande entnommen.)

Jul 062020
 

Liebe Lesenden,
in unser eigenen Sommerpause haben wir auch weitere personelle Veränderungen zu vermelden. Doch lassen wir diejenigen selbst sprechen! 

Ein Abgang …

Sollten sich eines wunderbaren Tages Philolog*innen dem Wirken dieses Blogs widmen, würden sie feststellen, dass eine Stimme schon länger in den Texten fehlte. Dies ist die meine und daher möchte ich folgerichtig meinen Abschied von MagischerFC.de bekanntgeben.

Das ist – wie angedeutet – ein Entschluss, der sich länger abzeichnete und nichts mit plötzlichen Zerwürfnissen, dem mangelnden Zugang zu Fußball während einer globalen Pandemie oder der Trennung des FCSP von meinem engen, persönlichen Freundes Jos Luhukay zu tun hat.

Tatsächlich empfinde ich persönlich mittlerweile eher ein starkes Desinteresse an Fußball als Sport und den deutschen Profiligen als Institution. Die Tage, in denen ich großen Spaß daran hatte, auf transfermarkt.de Oberliga-Kader zu studieren sind zwar ohnehin schon lange vorbei, aber wenn in den letzten Wochen die stärkste Emotion eine müde Schadenfreude über die letzten beiden Spiele des hsv war, dann ist das keine gute Basis weiter über Fußball schreiben zu wollen.
Und wann oder ob die Fanszenenkultur zurückkehrt, ist angesichts der Public-Health-Situation ja noch mal eine ganz andere Frage, die mich auch nicht gerade optimistisch zurücklässt.

Ich wünsche den verbleibenden Mitgliedern des Redaktionskollektiv alles Gute und viel Kraft beim Weiterführen dieses mir nach wie vor sehr wichtigen Blogs. Magischerfc.de ist in sehr guten, kompetenten Händen; wenn ich ehrlich sein soll, haben die Anderen in den letzten Monaten den Blog ohnehin ohne wirkliche Hilfe von mir getragen. Ich bin also hoffnungsvoll, dass uns das Medium als kritischer Begleiter rund um den FCSP noch lange erhalten bleibt.

Schlussendlich natürlich vielen Dank meinen (ehemaligen) Mitstreiter*innen und allen Leser*innen für die erfüllenden Jahre. Für alle Debatten, für alle Aktionen und die entstandenen Freundschaften.

@choonradus


Und damit danken wir von allergrößtem Herzen unserem scheidenden Mitglied. Du wirst fehlen! Die Tür steht dir allezeit offen, das weißt du. 

HA, jetzt denkt ihr, die von MagischerFC.de bluten weiter aus, das kann ja nix mehr werden? Pustekuchen! (Was ist eigentlich ein “Pustekuchen“?)

Jedenfalls freuen wir uns sehr, an gleicher Stelle verkünden zu dürfen: Vorhang auf für Flossi!

… und ein Neuzugang!

Hi! Ich bin Flossi. Seit 10 Jahren widme ich Zeit, Geld, Nerven und Bahnbonuspunkte dem FC St. Pauli. In der Vergangenheit habe ich schon den einen oder anderen Gastbeitrag schreiben dürfen und freue mich, nun ein Teil des Kollektivs zu sein. An Spieltagen findet man mich auf der Gegengerade. Wenn ich dort nicht neue Spielformationen erfinde (Stichwort “Abwehrraute”), bin ich die, die Spieler noch aus 200 m Entfernung erkennt und immer mit am lautesten pöbelt. Ich möchte mich bei den anderen Mitgliedern für diese Chance bedanken und freue mich, zukünftig hier mitwirken zu dürfen. 

Jul 022020
 

Das war es nun. Die Saison 19/20 ist vorbei und damit auch die Zeit von Jos Luhukay am Millerntor. 
Wir waren einfach nur froh, dass es beim letzten Spiel um nichts mehr ging. Lange Zeit haben wir einem Saisonende nicht mehr so entgegengefiebert.

Sogar beim Spiel Kiel-Nürnberg in der Konferenz zum letzten Spielttag waren wir emotional involvierter als bei unserem eigenen. Und ja, das hängt sicherlich damit zusammen, dass wir Corona-bedingt seit 3.5 Monaten kein Spiel im Stadion gesehen haben. Dass wir den Re-start der Liga durchaus kritisch sehr kritisch gesehen haben und auch immer noch sehen. Aber eben auch mit der sportlich zuletzt doch recht desolaten Leistung, die uns zuletzt so gar nicht mehr mitgerissen hat. Das letzte geile Spiel war am 22.02.2020.

Am Tag unserem Saisonende hat der Verein dann die Trennung von Luhukay zum Saisonende bekanntgegeben. In der Mitteilung wird von gegenseitigem Einvernehmen gesprochen, klar wird daraus natürlich nicht, ob Jos, dessen Vertrag noch bis Sommer 2021 laufen sollte, einen Auflösungvertrag unterschrieben hat oder ob er weiterhin auf unserem Gehaltszettel steht.

Auch wenn Trainerentlassungen immer doof sind, glauben wir nicht, dass es unter Luhukay noch produktiv hätte weitergehen können.

Die Zeit unter Luhukay: geprägt von Gegensätzen

Offensivfußball vs. fußballerisches Komplettversagen. 

Es steht außer Frage, dass Jos mit einem klaren sportlichen Konzept ans Millerntor wechselte und eine Idee davon hatte, wie er mit der Mannschaft ein Spiel gestalten will, um vorne mitzuspielen. Das war eine wohltuende Veränderung im Vergleich zum häufig auf Zerstörung ausgelegten Spiel unter Kauczsinki. Wir können uns da an keine tollen Spiele mehr erinnern. Tim schreibt im Millernton auch davon, dass Luhukay den Gegner immer wieder ausgecoacht habe. Aber zum Bild gehören eben auch schlimme Spiele in Regensburg, in Karlsruhe und in Darmstadt, die phasenweise fußballerischen Offenbarungseiden glichen.

Heimspiele vs. Auswärtsspiele

Jos war mit einem Schnitt von 1,12 Punkten pro Spiel insgesamt nur mäßig erfolgreich. Unter allen Trainern, die die Mannschaft mehr als 20 Spiele gecoacht haben, ist dies sogar der schlechteste Schnitt.
Zum Bild gehört auch, dass es unter Luhukay Zeit nur zwei Auswärtssiege gab: im Volkspark und in Lübeck beim Pokalspiel. Beides im weitesten Sinne übrigens noch Hamburger Umland. 
Aus den insgesamt 20 Ligaspielen auswärts haben wir unter ihm neun Punkte geholt: ein Sieg (DOPPELDERBYSIEGER*INNEN), sieben Unentschieden.
In dieser Saison haben wir zu Hause 30 Punkte geholt, auswärts ganze neun. Mit der Heimbilanz liegen wir auf einem okayen 7. Platz, mit der Auswärtsbilanz dagegen auf dem letzten. 
Unter Jos gab es in der Liga zu Hause somit 1,75 Punkte pro Spiel, auswärts dagegen mickrige 0,45 Punkte im Schnitt.

Erwartungshaltung vs. zerschmetternde Pressekonferenzen

Jos war mit der Erwartung hierhergekommen, innerhalb von 2 Jahren aufzusteigen. Das stand kommunikativ immer wieder im Widerspruch zu dem, was er dann so auf Pressekonferenzen zum Potential der Mannschaft sagte. Wir schrieben darüber schon vor einem Jahr: Das ist doch scheiße.

Berechtigte Kritik äußern vs. Spieler öffentlich anzählen

Sicherlich haben Trainer*innen die Aufgabe, ihre Spieler*innen besser zu machen. Verbesserungen sind grundsätzlich auf zwei Ebenen möglich: Fehler korrigieren oder Stärken noch weiter ausbauen. Und sollte sich im Idealfall als Mischung aus beidem abspielen. Bei uns hat sich immer wieder der Eindruck verfestigt, dass Jos eher auf mögliche Fehler und Schwächen als auf Stärken konzentriert war. Immer wieder wurden Spieler öffentlich über die Presse angezählt, die danach mal mehr, mal weniger laut kommunizierten, dass sie die Kritik so persönlich noch nicht gehört hätten. Zur Kommunikation gehören immer zwei Personen, wenn das aber immer wieder passiert, liegt der Fehler zumindest nicht nur bei den Empfänger*innen.
Und dann ist da auch noch das zweite Thema: Wann ist es “berechtigte und bekannte Kritik äußern”, wann ist es “fertigmachen”? Für uns klang das in unseren Ohren teilweise zu stark nach letzterem. Und das ist nicht ok, das ist nicht, wie wir möchten, dass hier mit Leuten umgegangen wird.

Bei anderen genau wissen was schief läuft vs. die eigene Rolle nicht reflektieren

Jos ist analytisch definitiv stark und hat immer wieder den Finger in die Wunde gelegt, was auf dem Feld nicht gut gelaufen ist. Dabei hat es aber häufig die Tendenz gehabt, dass er bei anderen genau wusste, was besser gemacht werden muss, seine eigene Rolle aber – zumindest nach außen – nur wenig reflektiert hat. Beispielsweise wurde immer wieder der fehlende Fitnesszustand der Mannschaft bemängelt. Auf St. Pauli leider ja auch kein neues Thema. Aber eben genau im Verantwortungsbereich des Cheftrainers, daran nachhaltig zu arbeiten.

Jugendförderung vs. die Erfahrenen richtig einsetzen

Der Trainer hat es geschafft, unglaublich viele Jugendspieler deutlich näher an den Kader heran- oder reinzuholen. Finn-Ole Becker hat sich unter Jos in den Profikader gespielt. Galt er schon unter Kauczinski als ein großes Talent, so war er da noch weit vom Kader entfernt und kein Mal auf der Bank. Direkt unter dem ersten Spiel unter Jos saß er dann dort, wurde sogar eingewechselt und spielte die letzten drei Saisonspiele letzte Saison dann auch durch. Dieses Jahr war er in 28 von 34 Spielen auf dem Platz. Man nennt das landläufig auch einen wichtigen Stammspieler. Gleiches gilt auch in ähnlicher Form für das Raufholen von Jungs von Conteh, Coordes oder Franzke, der am Sonntag beim ersten Spiel in der Startelf dann auch direkt seinen ersten Assist verbuchte.
Und ihr kennt uns, wir finden Jugendförderung klasse und wichtig und freuen uns, wie viele Spieler es geschafft haben. Wir hoffen sehr, dass die / der nächste Trainer*in diesen Weg weiter beschreiten wird und das Potential, das wir da aufgebaut haben, weiterhin nutzen wird.
Dazu gehört aber auch, dass immer wieder “eigentliche Stammspieler” mit ein paar mehr Lebensjahren auf der Bank saßen: Hatte Knoll 2018/2019 noch 30 von 34 Spielen gemacht (und drei der vier Spiele lt. Transfermarkt mit Muskelproblemen verpasst), so waren es 2019/2020 nur 24 von 34 Spielen, wobei Verletzungen kein Thema waren. Das kann jetzt daran liegen, dass Jos nach dem reinen Leistungsprinzip aufgestellt hat. Wir wissen es nicht 100%, aber es fällt auf.

Gegen den H$V zweimal derbysieger*innenstark auftreten vs. gegen den Tabellenletzten der Abschlusstabelle nach 3:0 Führung noch ein Unentschieden fangen.

Und das fasst die Widersprüche der Zeit unter Luhukay dann einfach gut zusammen.

Es bleiben die Fragezeichen

Ist es wichtig und richtig, den Verein auf fußballerische Missstände aufmerksam zu machen? Ja. War der Weg von Luhukay immer der richtige? Nein.

Oft hatten wir Fragenzeichen auf der Stirn. Bei Aufstellungen, bei Auswechslungen, bei Aussagen auf den Pressekonferenzen. Spätestens als Henk nach seinem Tor gegen Aue nicht jubelte und es auf dem Weg in die Kabine ein für alle erkennbares Wortgefecht zwischen Jos und ihm gab, war vielen klar, dass es innen brodelt. Zu oft hatte man von Zerwürfnissen zwischen ihm und der Mannschaft gehört. Ab diesem Spiel wurden auch die Stimmen lauter, die das Ende der Ära Luhukay forderten. Wir waren von Anfang an sicherlich nicht unkritisch ihm gegenüber – was sich teilweise aus seinem Auftreten speiste, teilweise aber auch aus Erzählungen anderer Vereine, die zu sehr ähnlichen Enden wie nun dem beim FCSP führten. 

Es gab es in dieser Saison Phasen, in denen fußballerische Fortschritte zu sehen waren. Die Derbys, Wiesbaden und Bielefeld zuhause. Offensiver Fußball, der Spaß machte. Leider bekam auch Luhukay keine Konstanz in die Leistung der Mannschaft. Sah es phasenweise immer wieder gut aus, so gab es dann nach Länderspiel- oder anderen Pausen einen Bruch.
Zuletzt auch vor und nach der Coronapause. Hatten wir vorher eine gute Phase mit acht Punkten aus vier Spielen, so sind es nach Corona neun Punkte aus zehn Spielen gewesen. Es wirkt, als wäre der Graben zwischen ihm und der Mannschaft in dieser Zeit größer geworden. Die Auftritte in Darmstadt, Hannover und Wiesbaden sprachen Bände.

Trainer weg, alles gut?

Wir langweilen uns selbst ein bisschen damit, dass wir dauernd den Präsidenten zitieren. Aber es ist das zentrale Element, deswegen sei es auch hier noch mal wieder rausgeholt:

“Wenn unsere Erinnerung uns kein Schnippchen schlägt, dann war es unser Präsident, der mal sagte, dass eine Trainerentlassung auch immer heißt, dass das ganze sportliche System in einem Verein versagt hat.”

Jos war gekommen, um verkrustete Strukturen aufzubrechen, die wir als fehlenden Ehrgeiz, Genügsamkeit und nicht genügend Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, interpretieren. Das hat sicher teilweise geklappt, ist dann aber wohl auch einfach übers Ziel hinausgeschossen. Und das Problem ist nun wahrlich nicht erst mit Jos ans Millerntor gekommen, das war auch schon vorher da. Und da muss man dann den Blick auch in Richtung des Präsidiums wenden. 

Oke ist seit 2014 im Amt, Teile der Vizepräsident*innen auch, Christiane und Carsten kamen 2017 hinzu. In dem Zeitraum seit ihrem Amtsantritt gab es fünf Trainer (Meggle, Lienen, Janßen, Kauczinski und Luhukay), wobei Meggle sehr bald nach Postenübernahme vom Trainer zum Sportlichen Leiter wurde; und eben auch fünf sportliche Leiter / Sportdirektoren (Azzouzi, Meggle, Rettig, Stöver und Bornemann), wobei Azzouzi sehr bald von Meggle ersetzt wurde. 

Konsistenz sieht anders aus.

Der Aufsteiger Bielefeld hatte im gleichen Zeitraum auch vier Trainer (wir lassen die Interimsdinger von drei Spielen o. ä. aus der Rechnung mal raus), wobei die letzten beiden jeweils mind. fast zwei Jahre im Amt waren. Seit 2016 gibt es mit Samir Arabi ein und denselben Geschäftsführer Sport. Stuttgart betrachten wir aufgrund der Querelen rund um die Abstiegssaion mal besser nicht. Das zeigt nämlich nur, dass Inkonsequenz auf diesen Posten zu nichts Gutem führt. Heidenheim hat noch Aufstiegschancen in der Relegation und mit Frank Schmidt seit 4670 Tagen den gleichen Trainer. Wisst ihr, damals, als es RB Leipzig noch nicht mal gab.

Und sogar der H$V hatte nur zwei Trainer mehr im gleichen Zeitraum. Die, über deren ständige Trainerwechsel wir uns immer so gerne lustig gemacht haben. Dankenswerterweise haben die noch ein paar andere Themen im Angebot.

Die Konsequenz dieser Wechsel und der nicht vorhanden sportlichen Stabilität zeigen sich dann auch in den Tabellenplätzen an, wo die Tendenz ebenfalls nach unten zeigt: Als 15., 4., 7., 12., 9. und nun 14. Platz der Abschlusstabellen seit Amtsantritt des Präsidiums. Das ist für einen Verein mit unseren Möglichkeiten einfach nicht genug. Da geht mehr, da muss mehr kommen. Wir wollen europäisch spielen, es gibt da einen Plan 2030.

Und dann wird mit Jos ein Trainer geholt, der die verkrusteten Strukturen aufbrechen soll. Der den Finger in die Wunde legen soll. Und der das auch macht. Was nicht nur bei uns, sondern auch beim Kader und Kaderumfeld immer wieder auf wenig Gegenliebe stößt. Der nach etwa 14 Monaten dann unter anderem genau daran scheitert. Wobei wir uns fragen: War das nach den Schilderungen aus Sheffield, aus Stuttgart, aus Augsburg nicht auch zu erwarten? Was hat man getan um zu verhindern, dass es wieder so endet?

Bornemann spricht davon, dass sich die positiven Folgen davon auch in Zukunft noch zeigen werden. Aber auch mal ehrlich: Wie verkrustet muss das denn sein, dass man das in 14 Monaten nicht geknackt kriegt? Dass immer wieder in alte Muster zurückgefallen wird? Dass wir immer wieder von trainingsfaulen Spielern hören? Es immer wieder richtig schlimme Spiele gibt? 

Klar ist: Jos hat keine Schuld an dieser Verkrustung. Das muss über Jahre gewachsen sein. Jahre, in denen das aktuelle Präsidium bereits im Amt war, Jos aber noch etwa zwei Trainerposten weit weg vom FCSP. In denen man von Verkrustung nichts hörte – das Thema kam erstmals mit dem Wechsel von Kauczinski zu Luhukay zur Sprache. Es ist gut und wichtig, dass das Thema erkannt und angegangen wird. Aber hätte das nicht auch schon vorher auffallen müssen?

Und zum Bild gehört auch, dass Jos noch im November von Oke sehr positiv beschrieben wurde. Wir haben das im MV-Bericht so beschrieben:

“Man habe sich innerhalb der Gremien auf einen Weg verständigt und dies sei der Weg, den man gehen wolle, auch mit den beiden hauptamtlichen Entscheidungsträgern Bornemann und Luhukay. Diese seien ehrgeizig und ambitioniert, sprächen auch mal Klartext. „Dies ist uns dann zu viel?“
Man habe einen Trainer, der im persönlichen Gespräch sehr inhaltsstark, offen und freundlich agiere, anders als es in einigen öffentlichen Auftritten vielleicht wirke und eines genauso wenig ab kann wie alle Fans und Profis, nämlich das Verlieren. Es werde Rückschritte und Täler geben, man werde den Weg nicht naiv aber mit aller Konsequenz weiter beschreiten.“

Die MV war ziemlich genau zur Halbzeit von Jos’ gesamter Trainerzeit hier bei uns. Damals klang das noch sehr anders. Was ist in den letzten Monaten passiert, dass sich auch im Präsidium die Meinung dann so geändert hat, die nun zum Wechsel führte? Geholfen hat es hierbei sicherlich auch nicht, dass wir zeitgleich einen neuen Sportdirektor und einen neuen Trainer geholt haben. So konnte keiner von Beginn an dem anderen helfen, was ok ist, und was dann auch mal (kommunikativ) übers Ziel hinausschießt.

Wir finden diese beschriebene Verkrustung auch alles andere als geil. Vor allem so lange sie zwischen uns und dem Aufstieg steht. Wir finden es wichtig, dass daran gearbeitet wird. Und wir können uns auch vorstellen, dass da das eine oder andere Idol auch nicht nur gut wegkommen wird. Es ist wichtig, eine*n neue*n Trainer*in zu finden, die / der diesen Weg weitergeht. Aber ihn ebenso beschreitet, dass mehr Leute mitgenommen werden.

Sodass wir dann nicht nächstes Jahr schon wieder einen Trainerwechsel-Artikel schreiben müssen. Und auch das Präsidium wird wissen, dass 2021 Wahlen anstehen und dass diese Entscheidung und die Wirksamkeit der Entscheidung da durchaus eine große Rollen spielen sollten. Wir hoffen auf ein glückliches Händchen und eine*n Trainer*in, die / der uns alle überzeugt. Mit der / dem wir in zwölf Monaten den Aufstieg feiern dürfen.

Was bleibt von Luhukay am Millerntor? 

Hoffentlich wirkt der Anstoß zur Veränderung. So wie in den letzten Saisons kann es wirklich nicht weitergehen. Vielleicht war sein Weg nicht der richtige, aber Jos Kritik war sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen und in vielen Punkten berechtigt. Man hatte versucht, mit Luhukay jemanden zu verpflichten, der in diesem Verein mal aufräumt. Der Pressemitteilung des Vereins nach zu urteilen, war es für manche zu viel des Guten.

Was wir nicht vergessen werden: Zwei fantastische Derbysiege. Sechs Punkte, die uns (und die Vorstadt) in der Liga halten. Spiele und Emotionen, die sich in all unsere Gehirne und Herzen gebrannt haben. Danke dafür.

Jun 292020
 

Lieber Schnecke. Lange haben wir nach den richtigen Worten zu deinem Abschied gesucht. Und sie dann in alten Blogbeiträgen gefunden.

Danke für alles!

Schön, dass du bleibst!

Alles Gute für die weiterhin gemeinsame Zukunft <3!

Es war die Fahrt des neuen Jahrzehnts

Choreo? Perfekt „Komm zur braun-weißen Seite der Macht, wir haben den Aufstieg“ war vielleicht nicht ganz so kreativ, aber die Blockfahne mit Schnecke als Han und so war schon cool.

How to – Antrag auf der Mitgliederversammlung

Beispielsweise macht es vereinsrechtlich wenig Sinn, die Medienabteilung/ Leiterin der Medienabteilung damit zu beauftragen, auf Social Media nur noch Fotos von Schnecke, Mats und James zu posten. Gebt diesen Auftrag an das Präsidium, welches dann dafür verantwortlich ist, dieses in den hauptamtlichen Bereichen umzusetzen. 

Wir haben das Fairnetzer Gespräch gehört

Dies ist ein Potential, das im Bezug auf die Vermittlung von Werten noch deutlich mehr genutzt werden könnte. Spieler wie Mats und Schnecke haben bei uns auch bzw. besonders wegen ihrer Äußerungen abseits des Fußballs den Status, den sie haben.

Spieler kommen wieder, Spielen können sich verpissen

Kalla mit neuer Frisur. Die Frisur ist jetzt nicht so unsers. Oder halt, eher “war”. Wenn Schnecke die trägt, dann ist sie toll.

Jahrzehntstadtmeister

Natürlich auch groß für Schnecke Kalla, dass er den Derbysieg als Einwechselspieler verteidigen darf. Und der wirft sich auch nochmal richtig rein. Jetzt müssen wir schnell den Weg in die Europa League hinbekommen, damit er das Karriere-Highlight noch toppen kann.

Entladungen in der Kabine

Das funktioniert nicht so wirklich gut. Kalla hat doch arge Probleme mit dem Kieler Baku, der aufgrund der Offenheit dieses Systems immer wieder 1 gegen 1 gehen kann. Da sieht man dann doch, dass Kalla in seinen alten Jahren nicht der schnellste ist. Dementsprechend wird er auch zur Halbzeit ausgewechselt, wahrscheinlich auch, weil er doch nah der gelb-roten Karte ist. Baku ist am Ende nach WhoScored-Note auch der beste Spieler auf dem Platz.

The MVP Machine – Und was man daraus lernen kann

Nehmen wir mal Schnecke Kalla (<3) als Beispiel. Die meisten Menschen würden sagen, dass es sich um einen guten Ergänzungsspieler handelt. Kannst du bedenkenlos für ein zwei Spiele auf nahezu jede Position stellen. Wird da nicht glänzen, wird aber auch wahrscheinlich solide seinen Stiefel spielen. Meint ihr, dass man den noch zu einem Superstar bekäme? Wahrscheinlich nicht. Wir auch nicht. Aber doch passiert genau das im Baseball. Justin Turner war bis 2014 und seinem Lebensalter 30 ein ganz netter Ergänzungsspieler, sozusagen ein Kalla des Baseballs. Danach begann er mit einem Trainer außerhalb des Establishment zu arbeiten und wurde ein Superstar seines Sports.
(…)
Das Buch zeigt Wege auf, wie man dies besser erreichen kann, wie man Spieler auf ein neues Level heben kann. Wie man eben aus einem Kalla einen Lahm macht. Naja, vielleicht nicht ganz.

Kaderplanung, Stand jetzt

4 Außenverteidiger: Bednarczyk (zu dem man sehr gemischtes hört und der in den bisherigen Testspielen eher unglücklich agierte), Schnecke (<3), Buballa und Park. Wobei Buballa dabei auch noch der einzige etatmäßige Linksverteidiger ist, aber Schnecke kann ja alles.

Ein bisschen Zahlenwerk der letzten Saison

Die besten Spieler – nach WhoScored: Kalla (7.33), gefolgt von Knoll (7.27) und Veerman (7.17)

Die Balance finden zwischen der großen weiten Welt und dem Zuhause

Umso schöner ist es, wenn Schnecke die Jugend einpackt und mit ihr in den Sonderzug steigt. Das ist ja nun wirklich nicht die einfachste Art des Fankontaktes, denn 1000 mehr oder minder besoffene FCSPler sind nicht nur Spaß für nüchterne Fußballer, die gerade in der 92. Minuten noch das letzte Saisonspiel verloren haben, aber wir fanden das sehr schön. Und wenn sich dann auch noch ein Spieler wie Coordes beinah schüchtern bei jedem bedankt, der ihm sagt, wie sehr er sich freut, dass er bei der 1. Mannschaft spielt, dann geht einem das Herz auf. Man entwickelt Sympathien für einen Spieler und genau dafür sind diese kleinen Kontakte sehr wertvoll.

Kein schönes Ende

Er kommt für Schnecke Kalla, der seinen 150. Einsatz in Liga 2 zeigt. Die geringe Anzahl auf seine unzähligen Jahre spricht auch für die vielen Verletzungen, die seine Karriere auch geprägt haben. Ob diese nun in einer aktiven Spielerrolle noch viel weiter geht, wird sich zeigen. Schon vor dieser Saison hatten wir prophezeit, dass etwas schief gelaufen ist, wenn er viele Einsätze bekommt. Es sind am Ende der Saison 9 (und vielleicht noch 10?) und er hat die beste Whoscored-Note des Kaders. Es zeigt halt, wie wichtig ein guter 12. Mann ist, der dazu noch die absolute Kampfmaschine ist. Der unfassbar intensive lange Zweikampf mit seinem Gegenspieler in der ersten Halbzeit ist exemplarisch.

Das sind die vom MagischenFC, die machen immer Stress

Es sah besser aus und der zusammen gewürfelte Haufen schlug sich wacker. Ein Handelfmeter der zumindest kuriosen Sorte brachte Dresden die Führung. Wie genau Schnecke verhindern soll, dass ihm der Ball vom Oberkörper an den Arm springt, wäre noch zu klären. Zumal der Schiedsrichter die Situation absolut nicht im Griff hatte. Elfmeter anzeigen, ewig diskutieren, so dass es so aussieht, als würde er ihn zurücknehmen, um ihn dann doch zu geben. Unsere Jungs hatten genügend Chancen um trotz des Rückstandes was mitzunehmen, aber die machten sie mit einer Ausnahme nicht rein, Dynamo nutzte die eine Chance. 

Sonne, Optimismus, Kommunismus

Und wir haben da ein echtes Juwel mit hervorragenden Leistungswerten: Beste Leistungswerte aller Innenverteidiger über die Saison hinweg, vierbester Spieler insgesamt seit der Winterpause (hinter Schnecke, Knoll und Alex Meier).

Something happened on the way to heaven

Nach den Who-Scored-Noten ist Marvin Knoll unser bester Stammspieler. (Nur Schnecke ist im Schnitt besser.) Sein Schnitt von 7,23 macht ihn den 14.-besten Spieler der gesamten (!!!) zweiten Liga.

Derbysiegerelf

Also eigentlich diskutieren wir hier überhaupt nicht: Schnecke auf rechts, Buballa auf links.

Parkplatzinfrastruktur

Man of the Match? Schnecke, der ungefähr jeden Millimeter des Rasens umpflügt und der extrem unangenehm für seinen Gegner agiert. Das ist Fight pur. So muss das laufen. In Halbzeitgesprächen stellten wir fest, dass wir mit Schnecke in der Form bisher alle Spiele dieses Saison gewonnen haben. Klappte dann ja auch wieder.

Holland Hardcore

Dagegen unsere Rumpftruppe, der unser Mannschaftsbaumeister ein 3-5-2 verordnet hat. Köln weiß aber mit seiner Schnelligkeit die Lücken über außen immer wieder nutzen und Schnecke sieht da nicht immer gut aus. Kein wirklicher Vorwurf an unseren 12. Mann und Fußballgott, die sind da schon sehr gut, die Kölner, und da wird es sehr schwierig.

Eiskaltes Union-Busting

Polytheismus am Millerntor in Reinform? Als bei den Unionern unzählige und auch bei uns zwei vermeintliche Fußballgötter angesagt werden, drängt sich die Vermutung auf, dass hier vieler übersinnlicher Wesen gehuldigt würde. Aber: “Der Fußball-Gott auf St. Pauli ist Schnecke”, soll der neue alte Götze laut einem unbedeutenden Käseblatt gesagt haben. Word.
Für Schnecke, der diese Saison vier Mal gespielt hat und uns damit bisher 12 Punkte beschert hat. Oder anders gesagt: Mit Schnecke gilt #fcspunschlagbar

Nussig im Abgang, Knackig im Zugang

Alex, wir haben gehört, dass du gegen die Rauten eine ziemlich gute Quote hast. Zwar ist das Siegtor in der 95. Minute für Schnecke reserviert, aber zum einen ist die Vorlage noch zu vergeben und vielleicht geht das Spiel ja auch 2-1 aus.

Die JHV 2018: Sandra und die sechs Männer

Bei Kiezhelden (das ist das Label, unter dem beim FCSP CSR läuft) hat nun der Kiezheldenspendenbeirat (falls ihr auswärts zur Unterhaltung Galgenraten spielt, hier ist euer Wort) seine Arbeit aufgenommen. Dieser Beirat besteht unter anderem auch aus Vertretern der Mannschaft, was prinzipiell ziemlich cool ist. So ein Fußballprofi in seiner Bubble kann auch mal ganz andere Welten erfahren. Der Vertreter war bis zu seinem Weggang Philipp Heerwagen. Wer das jetzt übernommen hat, ist uns unbekannt und war auch mit kurzer Recherche nicht offensichtlich. Wahrscheinlich Schnecke, der diese Bubble schon mal verlassen hat. 
(…)
Man habe nicht alles erreicht, was man sich vorgenommen habe, die Ideale seien nicht erreicht. Z. B. habe man keine Kontinuität auf der Trainerposition erreicht. Die wird ja auch erst mit dem Traumteam Schulle, Gunesch, Schnecke erreicht, die dann die Champions League mit dem FCSP gewinnen. #plan2030 Und dann innerhalb ihrer 30 Jahre Trainerschaft beim FCSP den FC Bayern als Rekordmeister ablösen werden. #fcspunschlagbar

Sollen wir uns etwa daran gewöhnen?

Und wenn wir dann doch schon mal bei Einzelpersonen sind: Unsere innige Liebe für JPK ist ja weithin bekannt, aber auch abseits von Fangegirle und -geboye gibt es keinen Zweifel daran, dass Schnecke zu jedem Zeitpunkt beweist, dass er vollkommen berechtigt da wieder steht (und läuft und grätscht). Das ist kein Gnadenbrot für die Endphase einer Karriere, das ist Anerkennung einer richtig guten Leistung. Herr Kauczinski, für Ihr Händchen gibt’s einen dicken Daumen nach oben.
(…)
Und alle, die uns das durch unsere schneckenfarbene Brille nicht abnehmen. Die Statistik gibt uns Recht.

Look how brilliant Kalla clears the ball

Kaum hätten wir es uns bequem gemacht, begann die Aufstellungsdiskussion. Und wich der Freude über eine Schnecke in der Startelf.
(…)
Dabei ganz vorne dabei: Schnecke. So will man einen Spieler sehen, der rein geworfen wird. Voll dabei, immer auf der Höhe des Geschehens und mit ganz vielen tollen Abfangaktionen.
(…)
(Überschrift direkt vom englischen Fernsehkommentar entnommen. #SchneckeUltras!)

Zu- und Abgänge

Und aus der Rubrik „Bleibt uns länger erhalten“ ist noch Yi-Young Park zu vermelden. Der letzte Saison angedeutet hat, wie wertvoll er sein kann. Und der durch seine Flexibilität wahrscheinlich auch diese Saison noch sehr wertvoll werden wird. 
Die wahrscheinlich auch dazu führen wird, dass er nie irgendwo wirklich Stammspieler wird. Solche Spieler neigen dazu, der 12. oder 13. Mann in einem Kader zu sein. Das ist nichts für eine Starkarriere, aber für einen Fußballverein unfassbar wichtig. 
Er löst in dieser Rolle auch so langsam Schnecke ab, was ein schöner Generationswechsel ist. Sein bisher einziges Tor war auch schon einmal ein ganz richtiges. Schön, dass du da bleibst. 

Wohlfühloase

Natürlich waren auch einzelne Spielernamen im Gespräch Thema, aber das wollen wir aus den oben genannten Gründen vollkommen ausblenden. Außer natürlich, dass die Runde sich einig war, dass Jogi ohne Schnecke keine Chance bei der WM haben wird. „Eindeutig Weltklasse“ ist der Kalla halt.

Wie man damit umgehen kann

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.
(…)
Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Fragen

Weswegen hier auch Schnecke nicht genannt ist. Die ganze Konstruktion klingt nach Teilzeitprofi mit langsamen Übergang in die Zeit nach der aktiven Karriere. Nun kann man so etwas nicht jedem verdienten Recken anbieten, aber wenn es einen Kandidaten für einen solchen Übergang und die weitere Beschäftigung im Verein gibt, dann wäre das Timo Schu.. äh Schnecke. Und sollte er plötzlich seinen dritten Frühling erleben, verdientermaßen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen und das Derby mit vier Toren ganz alleine entscheiden, dann sagen wir nicht nein.

Wenn wir St. Pauli angreifen wollen, dann machen wir das alleine

Wir kommen in die Relegation. Die Jungs aus dem Volkspark auch. Schnecke hat seine Rente bereits angekündigt, aber muss im Rückspiel auf den Acker, weil ganz viele verletzt sind. Nach einem epischen Kampfspiel fehlt uns in der Nachspielzeit noch ein Tor für den Stadtligawechsel und das Unglaubliche. Noch einmal Ecke, der Ball wird abgewehrt, Schnecke nimmt aus 25 Metern Maß und lötet das Ding in den Winkel. Tor! Der Schiedsrichter pfeift nicht mehr an.

Lasse und Jan hoch2

Doof nur: Nach 80 Minuten ist der Akku aller Braun-Weißen bei 1 %. Es kommt dann aber die elegante Rettung in Person von Jan-Philipp Kalla. Als Ein-Mann-Abfangjäger und Konterspieler beschäftigt er Bochum und sorgt auch noch für eine numerische Überzahl unserer Braun-Weißen. Weihnachtliche Zimtschnecke! Wir sind ja so oder so Fanboys, aber heute macht Kalla wirklich eine ganze Menge richtig. So etwas will man von der Bank sehen!

Unbekanntes Fußballobjekt

Unverständnis bleibt, wann immer ein Trainer sein Wechselkontigent nicht ausschöpft, gerade nach einem Platzverweis, und überhaupt wahnsinnig spät erst frische Spieler (immerhin Schnecke <3) auf den Platz schickt.

We put the Aus in Pokal

Und man sollte weiteren Teilen des Kaders immer auch mal die Möglichkeit geben, sich im Spiel zu beweisen. Mal ganz davon ab, dass man es garantiert nicht exklusiv an Cenk, Schnecke oder Litka festmachen kann, dass wir ausgeschieden sind.

Mal wieder Bochum

Und Schnecke. Startelf. Herzchen.

Tief im Westen

Beide Mannschaften haben viele Chancen und hätte Schnecke nicht sein Torwart-Gen ausgepackt, würde Bochum noch den 2-2 Ausgleich schaffen, bevor dann ein Konter das Spiel entscheidet.

Es nervt

Es nervt, wenn Leute sich auf Spieler einschießen, Spieler lächerlich machen oder so tun, als ob es alles nur eine Frage der Einstellung wäre. Warum sich dann noch auf Kalla und Ziereis (!!!) eingeschossen wird, bleibt eine Frage, die unbeantwortet bleiben muss. Oder nach ca. 10 Minuten sich einem Support lautstark verweigern mit der Aussage „die müssen erstmal was bringen, bevor ich hier supporte“. Alter! 

Die Playlist des Todes

1.Wechsel bei uns. Schneider rein, Kalla raus 
Für alle Kalla Hasser: 
Beschwerden an meinen Assistenten
Damit er sie für mich verbrennt denn
Ich kann grad nicht ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt Euch Allee
(Großstadtgeflüster) 

Ein bisschen Pech, ein bisschen Glück

Schade, dass Schnecke dann den letzten Ball nicht formvollendet an Tschauner vorbei bekommt. Das wäre natürlich so ein Herzensmoment gewesen.

Erkenntnisse

Was uns definitiv fehlt, ist ein Spieler, der aus dem Mittelfeld einen Angriff präzise und schnell einleiten kann. Die mittleren zwei Positionen der Mittelfeldkette besetzen Avevor und Buchti; und bei aller Liebe, aus beiden wird dieser Typ Spieler nicht mehr. Auf Außen mit Kalla und Hedenstad zwei Spieler, die sich extrem bemühen. Wir denken, Kalla wird auch diese Saison eher wieder der zwöflte Mann sein; derjenige, der bei Verletzungen oder Formschwäche alle Positionen übernehmen kann. Auf den Außenbahnen stehen mit Ryo, Sobotta etc. pp garantiert offensiv stärkere Spieler als er zur Verfügung. Oder dies ist der „Auswärtslook“, wo die Außen im Mittelfeld halt eher defensiv denken sollen und müssen. Mal abwarten.
(…)
Wir haben mit Kalla, Sobiech und auch bald Hornschuh noch mehr geborene Führungsspieler, sodass es uns an dieser Gruppe nicht mangeln wird.

Die Trikotvorstellung

Dann wurde noch die Mannschaft zugeschaltet, so ein bisschen so getan, als ob live, war natürlich nicht live. Unsere Aufzeichnungen dazu lesen sich wie folgt: „blablupp“. Einzige Aussage, die bei uns hängen blieb „das ist schön eng, da ist man nicht so gut zu greifen“. Worauf Spieler so achten. Welcher Spieler da was gesagt hat, war von unserem Platz nicht so schnell mitzuschneiden, wenn wir es richtig gesehen haben, hatte man Lasse, Schnecke, Bernd da platziert, aber unsere Sicht war relativ eingeschränkt.
(…)
Bleibt nur noch eines zu erwähnen: Es gab für jeden ein Trikot mit Wunschbeflockung (immerhin ein 75 Euro Gegenwert), was wohl auch ein relativ simpler Versuch ist Sympathie zu erkaufen. Nun können wir lange über unmoralisch diskutieren, aber hey, wer schlägt schon ein geschenktes „Kalla“-Trikot aus? Wir und der hochgeschätzte Übersteiger Frodo nicht.

Die Lage nach der Liga

Kalla: Wird immer mehr zu einem flexibel einsetzbaren zwölften Mann. Wird so auf keiner Position der Beste im Kader sein, ist aber zum Löcherstopfen auf allen Positionen unwahrscheinlich wichtig. Das er dazu noch in der Kabine wichtig ist, sollte bekannt sein. Wird in dieser Aufgabe weiter aufgehen, aber wahrscheinlich eher im Mittelfeld und nur in der Not in der Abwehr. Und am Ende wird er wieder 25 Spiele gemacht haben, auf dem Betzenberg getroffen haben und alles wird gut sein. Wird uns hoffentlich bis zur Rente erhalten bleiben.

Wenn Erfolg so aussieht, dann sollte man keinen Erfolg haben

Als Schnecke – nebenbei zu Recht – die gelbe Karte sieht, wollen wir ob der lebensgefährlichen Verletzungen des Freiburgers schon seine nahen Angehörigen informieren. Glücklicherweise gab es eine Wunderheilung. Selbst ohne die Heilungskräfte der Mannschaftsärzte. Bei aller Liebe: Foul ist Foul und das war ein Foul, aber könnte mal bitte jemand Fußballern dieses Theatralische abgewöhnen?

Zebrastreifen am Horizont

Puh, was Ewald da auf den Rasen stellte, ist die Ersatzaufstellung der Ersatzaufstellung. Das wir bisher in 50 Prozent unserer Spiele zu Null gespielt haben, liegt ja auch an einer sehr überragenden Saison unserer beiden Innenverteidiger. Die an diesem Tag beide nicht anwesend sind. Ihre „natürlichen“ Ersatzleute nur leider auch nicht. Maier, Kalla, Sobiech, Ziereis, Nehrig, Gonther gar nicht dabei, Sobota nur so mit halber Fitness? Seien wir ehrlich, aus diesen sieben Namen kann man eine sehr ordentliche Zweitligamannschaft machen.

Verdienter Lohn

Sagen wir was zum Spiel? Schnelle Führung: Langer Hafer, Lenny gewinnt das Kopfballduell, Ratsche mit Sahneflanke, Kalla als Kopfballungeheuer und drin ist er. Wollte er den so? Fakt ist, die guten Kopfbälle sind immer jene, die vom Kopf so halb abglitschen und dann am verdutzten Torhüter vorbei ins Tor kullern. Hat man bis dahin das Spiel im Griff, holt man in einer Fehlerkette zwei Minuten später den Gegner zurück ins Spiel. Kollektives Träumen und die Unfähigkeit von technisch und taktisch gut ausgebildeten Fußballern der heutigen Zeit, einen Ball einfach mal auf die Tribüne zu dreschen. 
(…)
Was uns zu diesem „Kapitän wechsel dich“-Spiel führt: Sonntag in gleicher Besetzung ist Kalla Kapitän, heute wieder Lasse. Macht ihr beiden euch da einen Spaß draus? Oder wird das ausgeknobelt? Hätte Schnecke geschossen, wenn er Kapitän gewesen wäre? Vielleicht wäre der drin gewesen, war ja irgendwie Schneckes Abend. Aber das ist „Hätte, wenn und aber“. Wie gesagt, kein Vorwurf an Lasse …

Ein Spiel mit einem Nachspiel

Im Fußball immer wieder zu kurz kommt der zwöflte Mann. Und damit ist hier mal nicht das Publikum gemeint. Sondern der Spieler, der eigentlich überall spielen kann und immer bei Lücken ins Team geworfen wird. Bei uns ist das ein Kalla, der keine Position wirklich fest bekleidet, aber da ist, wenn irgendwo Not am Mann ist. Umso erstaunlicher, dass er dann auch die Kapitänsbinde trägt und nicht Lasse, der ebenso Stellvertreter wäre. 

Zeig mir den Weg nach oben

Die letzten 20 Minuten sehen trotz richtiger Wechsel nicht mehr so ansehnlich aus, sodass der Schlusspfiff schon ein wenig erlösend ist. Vom Gegner kam auch nichts Zwingendes mehr. Immerhin ist Schnecke wieder fit.

Schweinerei

Am Ende noch ganz viel Liebe an JP Kalla, der im „Antifascist Action“-Shirt im Gästeblock stand.

Von der Auslosung bis zur ersten Runde

Kalla verletzt? Oh man, nicht noch einer … Fängt das schon wieder an? Zu viele Spieler verletzt. Und den von Ewald vor dem Spiel proklamierten „breiten Kader“ konnte man auf der Ersatzbank bewundern.

Gastbeitrag: Der alte Mann und der Klassenerhalt

Wir kamen zum Bahnhof und mit Kalla, Himmelmann, Ewald, Meggie und Oke ging es zurück nach Hamburg. Es mag beim FCSP eine Meldung sein, dass Präsidium, Trainer, Sportdirektor und zwei Spieler (Danke dafür Jungs, das ist ja nicht immer ganz einfach, mit so einer freudetrunkenen Meute zu fahren) sich in den Sonderzug schwingen. Dass bei uns jedes Mal die Aufsichtsratsvorsitzende den Partywagen schmeisst, geht da gerne mal unter. Danke dafür. Und frag mal den Hopfner, ob er das schon mal gemacht hat.

Vita et miracula ewaldi in missioni Sancti Pauli

Es ist Sonntag, der 24. Mai 2015, etwa 23.30 Uhr. Ich bin in einem mir völlig unbekannten Abteil aus dem Schlaf erwacht, der mich im Sonderzug übermannte. Kinder, streckte mich dieser Tag nieder. Die erlösende Feier in den Partywagen konnte ich noch eine Weile mitmachen, dann brauchte ich einfach Ruhe.
Ewald, Oke, Meggie, Skyman und Schnecke habe ich nicht mehr getroffen. Ich steige am Hauptbahnhof aus und taumel nach kurzen Umwegen nach Hause. Was fühle ich mich schmutzig, äußerlich wie innerlich. Erschöpft. Beseelt. Zufrieden.

Redemption Song

Also, Fußball. Viel Hoffnung haben zu Beginn die Wenigsten, so hier die Einschätzung. Doch Schachter macht gleich Alarm – es soll nicht das letzte Ausrufezeichen bleiben. Was unser FCSP da zusammenkickt, ist nicht immer schön und auch nicht durchgehend souverän. Es ist aber leidenschaftlich, es ist druckvoll und satt, von Anfang bis Ende. Das Tor des Tages: ein Traumpass vom großartigen Kalla, den Thy tatsächlich nicht fatal verstolpert, sondern irgendwie halbwegs gekonnt im Leipziger Tor unterbringt. Irre, so was geht doch sonst nie rein bei uns!?

Alles wie immer

Die Neuzugänge machen indes keinen schlechten Eindruck auf uns. Klar, beim ersten Heimspiel der Saison solltest du als Grünschnabel besonders motiviert sein. Das kann man überwiegend schon erkennen an diesem Tag. Auch Kalla ist dankbar für das Vertrauen und läuft sich einen Wolf, wenngleich der Spielaufbau nach wie vor nicht seine Stärke ist. Schade finden wir die Entscheidung, Thorandt auf der Bank zu lassen. Wir halten die #16 für einen prima Kerl, auch wenn er gern im Hintergrund bleibt. Aber da spielen wir uns nicht als besserer Trainer auf.

Ich habe ein Kissen dabei

Nach den Jubelarien wollte der Block noch den Trainer sehen, dem das eher peinlich war. Eine Welle wollte er da noch nicht machen, aber das holen wir dann nach, wenn wir bei München Rot gewonnen haben. Oder wie findet ihr die Vorstellung, dass uns Kapitän Kalla in die Arroganz Arena führt, wenn diese rot leuchtet? Wer ist schon Kapitän Lahm, wenn man Kapitän Kalla hat? Diese Träume werden wir jetzt auf der Rückfahrt träumen. Denn wir haben ein Kissen dabei. 

Flaschenhals

Der Wunsch an unsere Jungs war eigentlich nur, dass sich jeder zu Ehren von Walter Frosch eine gelbe Karte abholt. Das hat letztendlich mit fünf gelben Karten nicht ganz geklappt. Aber Buchtmann kann mit seiner 8. Im 14. Einsatz auf eine ordentliche Quote blicken. Ach, dieser Buchtmann wird ja sowieso immer mehr zum stillen Held. Was der an Lücken wegackert, dies ist schon bemerkenswert. Ansonsten wurde doch die ordnende Hand im Mittelfeld immer wieder vermisst. Und so komisch das klingt: Da fehlte Kalla in der Form der letzten Wochen. 

Nazi Punks Fuck Off!

Und das kann man sehr gut genau an Schachten fest machen. Was der ackert, das geht auf keine Kuhhaut. Auch sonst waren beinah alle Spieler richtig stark. Nöthe wird zwar kein Vollstrecker mehr, aber wo er wertvoll ist, zeigte er bei seinem Pass zum 1-0. Zu hoffen bleibt, dass Kalla sich nicht schlimmer verletzt hat, denn in der ersten Halbzeit zeigte er, dass er immer mehr zum Angelpunkt unseres Spieles wird. 

Eine Oper auf dem Betzenberg

Unser Ensemble wurde auf dieser Gastspieltour lange umjubelt. Es kam durch einen Stich in das Herz des Teufels, brilliant geführt von unserem jungen Heldentenor Kalla auch zum zwischenzeitlichen Gleichstand, musste sich dann aber doch geschlagen geben. Zu viele Töne wurden versungen. Zwar klappte das Vortragen des Vaudeville hervorragend, aber wenn es in die schwierigen Passagen der Da-Capo-Arie ging, waren unsere Sänger dem Gegner nicht mehr gewachsen und versangen sich bei einzelnen Noten.

Realexistierende Langeweile

Aber kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Unsere Jungs begannen – mal wieder – wie die Feuerwehr und führten dementsprechend auch relativ schnell 1-0. Und diesmal gab man das Spiel nicht vollkommen aus der Hand, sondern spielte weiterhin gut mit. Man darf ja nicht vergessen: Fürth ist schon eine der besten Mannschaften in Liga 2. In den ersten Minuten fiel auf, wie hoch und aggressiv unsere Jungs verteidigten. Und es wurde auch ersichtlich, wie Kalla die Unsrigen dirigierte und auch mal mit dem Schiedsrichter argumentierte. Anscheinend tut Frontzek dem Kleinen gut.
Überhaupt ist es bemerkenswert, dass sich Spieler unter Frontzek weiterentwickeln. Nun mag er Schwächen im taktischen Konzept der Gesamtmannschaft haben, aber wenn man sieht, welche Wandlung Buchtmann gemacht hat, dann spricht das auch für einen Trainer. Von einem kreativem Bruder Leichtfuß zu einer Stütze im Spiel. Wenn er nun noch abstellt, dass er gefühlt jedes Spiel eine gelbe Karte bekommt, dann kann er auf dieser Position absolut gut werden. Und wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass eine Doppelsechs Kalla/Buchtmann sehr gut funktioniert? Klar, da ist noch nicht alles perfekt, aber das sah schon sehr ordentlich aus.

Eine kurze Presseschau

Jan-Philipp „Schnecke“ Kalla feiert heute sein 10 jähriges in unserem Verein. Bei englischen Vereinen würde man ihm nun ein Testspiel widmen, wir widmen ihm einfach einen Link zu Gröni, dessen Glückwünsche wir uns anschließen.

Ein Klasse Erhalt. Warum denn nicht gleich so?

Fix fand eine fette Schnecke den Weg zu Kalla und ein Rauten-Drache wurde buchstäblich zum Spielball der ausgelassenen Mannschaft, bis er dorthin verbannt wurde, wo er hingehört: ins Dunkel.
(…)
Kurz nach dem Abpfiff und der Erleichterung, dass wir das Abstiegsgespenst endgültig weggesaugt haben, flogen auch schon die ersten Kuscheltiere. Die Frage darf erlaubt sein, wie sinnvoll die ganze Aktion ist und wem sie in welcher Form zugute kommt, doch aus rein hedonistischer Perspektive: Haha, geiles Ding! In Sekunden segelten Bären, Hunde, Elefanten, Tintenfische und mehr auf Spielfeld, dass es eine reine Freude war. Fix fand eine fette Schnecke den Weg zu Kalla und ein Rauten-Drache wurde buchstäblich zum Spielball der ausgelassenen Mannschaft, bis er dorthin verbannt wurde, wo er hingehört: ins Dunkel.

Geheimnis Sonderzug

Noch etwas: Sollte noch ein Trainer irgendwann mal auf die Idee kommen, Herrn Kalla auf die Außenverteidiger-Position statt nach Innen – wie heute – zu stellen, dann bitte sofort Lizenz entziehen. Die Leistungen unterscheiden sich wie Tag und Nacht.

Bahnfahren macht Laune

Kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Vor dem Anpfiff entwickelte sich auf Twitter eine Diskussion um Kalla. Und seien wir ehrlich: Auch wir haben hier schon häufig genug geschrieben, dass er kein Außenverteidiger mehr wird. Nun wäre die absolute Flexibilität von Spielern ein Traum, aber so etwas ist eher die Ausnahme im Fußball und wirklich flexibel einsetzbare Spieler sind daher heiß begehrt. Niemand käme bei uns auf die Idee, Boller oder Thorandt auf außen zu stellen. Kalla kann den Außenverteidiger an guten Tagen solide spielen, an schlechten Tagen ist er überfordert. Stellt man ihn jedoch in die Mitte, wird seine Leistung sofort besser. Gegen Frankfurt reichte es für die Kicker-Elf des Tages, gegen Duisburg sah ihn die MoPo als „Idealbesetzung gegen Exslager“ und gab ihm eine 2.

Unangenehmer Besuch

Kommen wir zum Geschehen auf dem Platz. Man las schon wieder von „der schlechteste Spieler“ (wahlweise sind dann Kalla, oder wer auch immer gemeint) oder von „Viererkette schlecht“ und natürlich stimmt so etwas auch immer ein bisschen. Was aber einfach auffällt ist, dass von 1 bis 11 die gesamte Verteidigungshandlung zu langsam, zu lieb und zu unstrukturiert ablief. Wer mal Verteidigung im modernen Fußball in Perfektion sehen will, der gucke sich 90 Minuten Bayern- Barcelona nur im Hinblick auf das Verteidigungsverhalten an, was zugegeben für die Spieler wahnsinnig laufintensiv ist.

Den Löwen die Zähne herausgearbeitet

Wenn Jan-Philipp Kalla als Kapitän auf den Platz führt, dann haben wir einen unfassbar höheren Punkteschnitt als bei anderen Kapitänen. Nun ist Schnecke ja nun wirklich nicht als Lautsprecher bekannt und seine Leistung als Außenverteidiger eher solide als herausragend, aber bemerkenswert ist dies schon.

Auf dem Jahn rumturnen

Und dann geht ihr ans Millerntor, seht das Flutlicht leuchten. Tabellenletzter? Gebt uns Gegner keine Opfer! Kapitän Kalla führt seine Mannen auf den Platz, das Stadion explodiert, ihr explodiert, 90 Minuten fliegen alle Emotionen aus euch raus und Vokabeln wie „Aufbaugegner“ oder „Tabellenletzter“ verkriechen sich vor Angst in der hintersten Ecke des Stadions namens Gästeblock. Angesteckt vom Feuer der Tribüne rennen unsere Jungs und werden gewinnen.

Hintergehen ist strukturell antisemitisch

Ja an die Truppe von Kapitän Kalla kann man glauben. Man hat wieder das Gefühl dort eine Mannschaft zu sehen. Eine Mannschaft, die jung, unerfahren und ungeschliffen ist. Aber an der man so langsam Struktur erkennen kann. Und die mit Kalla, Funk (könne wir den bitte verlängern?), Tschauner, Schachten, Thorandt eine Führungsgruppe bekommt. Wir wollen dem Kollegen Metalust ja gar nicht widersprechen: Aber junge Spieler ohne Gesicht sind das auch nicht. Vielleicht sind sie einfach nur still und heimlicher. 

Hicks

Und damit kann man die nächste Saison sehr viel ruhiger planen. Auch wenn Kapitän Kalla diesmal schlechter war und auch die anderen jungen Jungs nicht so ins Spiel kamen: Ich glaube an die Truppe. Wenn man noch ein zwei gute Ergänzungen findet (insbesondere ein Stürmer und einen Offensiven, der ein Spiel schnell und überraschend machen kann), dann kann hier was entstehen.

Ein strahlender Abend

Ginzcek machte dann den Vollstrecker, wobei insbesondere das 2:0 seine ganze Willenskraft zeigte. Was für ein Wahnsinnstor. Neben dem Tageshelden kann man noch Kalla herausheben, der wohl allen Zweifelern gezeigt hat, dass er eben doch Zweitligatauglich ist – wenn auch nicht zwingend auf der Außenbahn. Und bereits in der Hinrunde klappte das ja sehr gut mit Kalla als Kapitän, sodass es gar nicht verwunderte, dass Fronze zu dieser Lösung zurückkehrte.

Man für die Scheiße seid ihr 500km gefahren

Zum sportlichen: Siehe Überschrift und Einleitung. Was wir nicht begreifen: Man kann einen bescheidenen Tag haben, man kann volle Elle mit dem falschen Fuß aufgestanden sein, aber wenn man von Minute 1 nicht kämpfen will, nicht für den Nebenmann fighten will, dann trägt man das falsche Trikot. Und da kann auch nicht von „Verunsicherung“ oder ähnlichem die Rede sein. Was an Kalla z.B. in der Vergangenheit gefiel: Scheißtag und trotzdem haute er sich immer wieder rein. Diese Qualität wurde gestern komplett vermisst. Und zwar bei allen auf dem Platz. Dennoch glauben wir, dass man dieser verdammt jungen Mannschaft weiterhin eine Chance geben sollte.

Der Jahresrückblick, Teil 3

Überraschung des Jahres: Kapitän Kalla

Phönix in der Asche

Aber auch andere erstaunliche Dinge spielten (!) sich im Millerntor ab. Kapitän Kallas Mannen spielten (!) den Gegner nämlich an die Wand, zeigten Spiel(!)züge und Kombinationen und offenbarten ein lange nicht gesehenes Spiel(!)verständnis und eine spielerisch (!) gute Leistung. Dazu lag noch die wachsende Tugend des „never give up“ und eine wirklich ansprechende Darbietung auf dem Rasen. Nur, und das ist das absolut Unbefriedigende: Die Jungs gaben zwei Punkte ab. Man könnte sich wie ein kleines Kind auf den Boden werfen, mit den Fäusten trommeln und immer wieder brüllen „Ich will diese zwei Punkte!“ und man hätte Recht. Aber der verfickte Ball wollte einfach nicht ein zweites Mal über die Bochumer Torlinie gehen. Chancenverwertung ist bekanntlich nur in wenigen Spielen eine Stärke der Jungs auf dem Feld.

Dynamo dreht am Rad

Zum Spiel: Das Ganze war die ersten 40 Minuten einfach schlecht. Unsere Jungs mental zu langsam, lauffaul, viel zu weit weg von den Gegnern und zu breit aufgestellt. Kalla auf Außen mit seinem guten Gegenspieler komplett überfordert und beim 0-1 einfach auch so hmmmm… Doch plötzlich, als hätten die Jungs einen Schalter gesucht und nun gefunden, kippt das Spiel. Boll, immer wieder Boll und Boll dreht sich und dreht dadurch das Spiel. 1-2 und neue Hoffnung. 
(…)
Der Kapitän holt seine Mannen zu sich, redet auf sie ein und erst dann gehen sie in die Halbzeit. Plötzlich ist alles anders. Kampf, alle beißen sich rein, auch Kalla gewinnt mal einen Zweikampf und das Spiel kippt. 2-2 und 3-2 innerhalb kürzester Zeit. 

Ein Licht der Hoffnung

Und im Presseraum empfängt mich der SportMikrofon Schreiberling mit der Aufstellung. Jan-Philipp Kalla als Kapitän, Boller ist verhindert und Ginczek im Sturm. 
(…)
Und nun muss eine Ode an unsere Jungs folgen. Eine Ode als Gegenwind zu dem Shitstorm der Möchtegerntrainer im Internet. Da liest man bei Kalla „er habe seine Zweitligauntauglichkeit ja schon mehrfach bewiesen“ oder über Ginczek liest man „dass er nie 15+ Tore in Liga 1 oder 2 machen wird“. Ich bin es einfach leid. Leid solche Thesen zu lesen, die sich auf ein Konzept stützen, was einem Menschen über dem Alter von 17 anscheinend jegliche Entwicklungsfähigkeit abspricht. Man fragt sich immer, ob die Schreiberlinge diese Sozialdarwinismusthesen auch außerhalb des Fußballs vertreten. 
(…)
Ja liebe Leser, ich mag Jan-Philipp Kalla. Ein stiller Junge, ein Hamburger Junge. Garantiert nicht der beste Außenverteidiger der Welt. Garantiert nicht der beste Spieler, der für uns jemals gespielt hat. Darum geht es nicht. Darum geht es bei Sympathien für Spieler selten. Es geht um Vokabeln wie Eigengewächs, Bescheiden, garantiert nicht Topverdiener. 
(…)
Ein Spieler, den ich durch die Ränger der U23 wachsen sehen habe. Dort war er auch ein Führungsspieler, trotz seiner ruhigen, unauffälligen Art. Und so führte er seine Jungen auch als Interimskapitän aufs Feld: Ruhig, bescheiden, nicht im Mittelpunkt stehen wollend. Ein Lob an Fronzeck, der nicht nur anscheinend eine Hackordnung respektiert und fortführen will (Kalla ist immerhin Kassenwart der Truppe), nein auch auf ein Eigengewächs in diesem wichtigen Spiel zu setzen zeigt Mut und ist ein Fingerzeig für die Zukunft. Und zwar ein Fingerzeig dahin, nicht immer den gerade gekauften Spieler denen vorzuziehen, die aus den eigenen Reihen stammen. Und dies obwohl mit Kringe auch ein „Neuer“ auf dem Platz stand, der sich sehr wohl als Führungsspieler eignet, aber eben noch nicht so fest in der Ordnung steht. Rückblickend alles richtig gemacht, Trainer. (….)
Der Sonnenstich zog seine Bahn und so fantasierten wir munter über ein Pokalfinale, in dem die Truppe von heute aufläuft. Gegen Bayern. Bruns wird humpelnd in Minute 119. eingewechselt. Alle verschießen. Er läuft an, unten links, Neuer ahnt die Ecke, aber er ist drin. 1-0 Pokalsieger. Und als Schnecke den Pokal von der Kanzlerin bekommt, ist er ihm zu schwer und er fällt mit ihm auf sie. Und beendet unglücklich die Kanzlerschaft. Jemand was dagegen? 

Hordak und die Wilde Horde

Aber wisst ihr was? Das ist doch alles viel zu negativ, denn wir sahen in unseren Jungs etwas, was wir lange nicht gesehen haben. Das Kampfgen blitzte wieder hervor. Da beißt sich ein Kalla nach unglaublich schlechten 30 Minuten immer mehr in das Spiel rein, wird sicherer, kommt plötzlich auch mal an einem Mann vorbei.

Weiße Schuhe und Wendechoreo

Und Kalla zeigte auf seiner „angestammten“ linken Bahn eine Leistungsexplosion, die er beinah mit einem Tor gekrönt hätte. Trotzdem zeigte der Abwehrverbund in den ersten 30 Minuten auch Schwächen und an diesen muss auch noch gearbeitet werden. 

Emotionslos

Und ganz ehrlich: Dieses „ich will gewinnen“ Gefühl, das hatte man ansatzweise nur bei Tschauni, Kalla und Bruns.

Blitz und Donner

Die Viererkette also mit Kringe-Zambrano-Thorandt-Kalla. Und da diese Besetzung doch sehr lange so spielte, gehen wir mal davon aus, dass das auch die erste Wahl gegen Aue sein wird. Das wäre zumindest erstaulich, denn Kalla hatten wir eigentlich unter diesem Trainer abgeschrieben. Bemerkenswert dabei ist auch, dass dann zwei nicht gelernte Außenverteidiger die Außenverteidigerpositionen bekleiden würden. Mag ein Risiko sein und so ganz eingespielt wirkte die Kette auch noch nicht.

Das Gesicht von St. Pauli

Aus diesen angeblich chaotischen Zeiten haben es aber immerhin Spieler in die Bundesliga geschafft, wenn auch nicht bei uns (man darf nie vergessen, dass Spieler wie Torun und Choupo Moting immerhin aus unserer Jugendarbeit kommen). Seitdem ist aber auch Ende und viele Spieler (Kalla, Daube, Herber, Schenk seien als Beispiele genannt) verrecken kurz bevor sie irgendwie in den erweiterten Stamm vorstoßen, bzw. auf ihre Art Leistungsträger werden konnten. Man muss sich fragen, warum unser System dort erhebliche Probleme hat und warum das nicht klappt. Und natürlich muss man auch den Verantwortlichen hinterfragen, als Person.

Ein unwürdiger Abschied

Man sieht keine Entwicklung in der Mannschaft und gerade bei den jungen Spielern. Wenn man ein Ausbildungsverein sein will, dann kann man nicht nur kurzfristiger Durchlauferhitzer für ausgeliehene Spieler sein, sondern muss auch eigene Talente irgendwie entwickeln. Exemplarisch sei hier nur Jan-Philipp Kalla genannt. Er spielt, regelmäßig, sein Vertrag wird langfristig verlängert und danach spielt er keine Rolle mehr in den Überlegungen, steht nach der Winterpause nur noch einmal überhaupt im Kader. Da ist irgendwas falsch und fehlender Trainingseifer kann es bei einem Musterprofi wie Kalla irgendwie nicht sein.
(…)
Wie es nun weiter geht, wissen wir nicht. Es macht uns Sorgen, dass unser sportlich verantwortliches Personal angezählt ist und eine Krise in der Vorbereitung diese sofort sturmreif schiessen könnte. Das ist im Sinne einer Kontinuität und im Sinne eines mittelfristigen Umbaus nicht gut. Es bleibt zu hoffen, dass wir es schaffen Spieler zu entwickeln, Talente zu entwickeln und Spieler wie Naki, wie Kalla, wie Daube endlich mal vom Talent zum vollwertigen Profi zu entwickeln und sie damit halten können.

Aufstiegswille

Spieler wie Kalla, die in der erfolgreichen Hinrunde zumindest noch im Kader Stammgast waren, sind vollkommen weg vom Fenster.

Beim Warten auf das richtige (Spiel), kann man mit dem falschen (Spiel) viel Spaß haben

Man stelle sich mal vor, dass Kalla gegen Fürth sich die gelb/rote abholt und Funk diesen Ball in die weiten des Münchener Nachthimmels befördert. Wir wären mit vier Punkten mehr Tabellenführer. Und es sind leider diese Kleinigkeiten, die nach guten Spielen und einer guten Saison eventuell zwischen Platz 5 und Platz 1 unterscheiden. Denn qualitativ geben sich die Mannschaften nur wenig. Trotzdem muss man mit dem Punkt bei 1860 hochzufrieden sein, es hätten aber halt noch 2 mehr sein können.

 Re-Read: Holger Stanislawski, dir gehören die Ohren abgerissen!

Einschub: Unsere Helden waren: Pliquett Thorandt Zambrano Gunesch Volz
Boll Lehmann Kruse Takyi Bartels Asamoah von Anfang an, rein kamen: 58. Ebbers für Takyi 71. Daube für Asamoah 89. Bruns für Boll das ganze von der Bank abgesichert haben: Kessler Eger Kalla Sukuta-Pasu. Tor: Asamoah 59. Minute. Danke an euch, danke an Holger für die bekloppteste Idee ever und danke an Truller, dass er nicht sofort gekündigt hat, als Stani diese Idee hatte.

Sexismus ist kein Lebensentwurf, Sexismus ist scheiße!

Aber auch Eigengewächse wie Schnecke Kalla und Daube würden sich hervorragend entwickeln und seien ein Zeichen, wie durchlässig man in den Profibereich sei. (hier gab es sehr lauten Beifall)

Paderborn macht mich krank

Kalla gefiel mir als Linksverteidiger gar nicht und träumt (mit zwei weiteren Leuten) auch fröhlich vor dem Gegentor. Da stimmte die Abstimmung gar nicht, denn zwei Spieler haben ihre Gedanken beim Ballführenden, ein Spieler ist so im Halbfeld, nur um den letztendlichen Torschützen kümmert sich niemand. Das darf einfach nicht passieren.

Wir sind schwule Antifamodule

Was bei uns nicht funktioniert ist die Außenverteidigung. Rechts ist klar bei den ganzen Ausfällen, aber Kalla gefiel mir auf links auch gar nicht. Und immer noch stehen beide Spieler auf der linken Seite mir viel zu offensiv und müssen dementsprechend viel zu häufig ihren Gegenspielern hinterher laufen. Das macht für mich wenig Sinn und wird immer mehr zu unserer Schwachstelle.

Arbeitssieg

Schubert ging ein extrem hohes Risiko, indem er gleich drei Spieler, die aus einer Verletzungspause kamen aufbot. Und man kann nur sagen: Gewagt gewonnen! Naki mit einem Tor, Takyi mit einer Vorlage und Kalla mit solidem Spiel.
(…)
Natürlich muss unser Trainer an vielem arbeiten, aber nun hat er wieder eine Woche Zeit, Thorandt kehrt zurück, Ebbers wird vielleicht für einen Kurzeinsatz wieder fit, Naki, Kalla, Takyi wieder sicherer, da ist Potential und dies gilt es gegen Union und Fürth in die Waagschale zu werfen.

Das ist die perfekte Welle

… was bei unserer Crew auf dem Platz dieses Jahr auffällt: Sie glaubt an sich, an sich und ihre Methoden. Auch in der 93. Minute spielt Kalla den Flachpass nach außen, anstatt zu bolzen und dann klappt es eben mal. Und wie wir alle wissen: Glaube kann Berge versetzen. Und ich will aufsteigen.

Ist der Ball zu schnell, bist du zu langsam

St. Pauli ist so wenig Fußball, wie es nur sein kann. Ja, ich will pöbeln auf den Rängen, ich achte da nicht auf die 1.000 % Korrektheit und ein Schiedsrichter bekommt auch mal eine an sich strafbare Beleidigung an den Kopf. Wer Fußball anders erleben will, der gehe bitte zum Handball. Fußball muss dreckig bleiben und spätestens, wenn ich mich nicht mehr über so absurde Schiedsrichterleistungen wie die am Freitag aufregen darf, ohne eine PC-Diskussion zu führen, dann ist es nicht mehr meines. Denn diese Leistung war zwar unparteiisch im besten Sinne, sie grenzte aber an das Absurde, an das Surreale. Wie verbogene Uhren bei Dali (nicht zitierfähig, oder?), so ungefähr pfiff dieser Schiedsrichter. Da wird Kalla so umgetreten, dass er mindestens ein Spiel ausfällt. Und was bekommt der Übeltäter? Gelb! Bis dahin war der Stiepermann der beste Aachener, jetzt stoppt ihn Kalla einmal und er begeht ein brutalstes Frustfoul. Und bekommt Gelb. Nun kann man das ja noch als gespielten Witz sehen, aber dann haut Stiepermann noch einen im Mittelfeld um, geht schon von alleine vom Platz und der Schiri holt ihn zurück für die Ermahnung. Ja, Hallo geht es noch? Die Flüche von mir waren jetzt nicht wirklich mehr druckreif. Ein paar Minuten später wird ein Aachener für eine Lächerlichkeit im Mittelfeld vom Platz gestellt. Ebenso der Elfmeter, den man ehrlich gesagt nicht geben kann und eine weitere Reihe von mehr als komischen Entscheidungen machten die ganze Leistung mehr als absurd. (Und da sieht man am Montag Bibi über den Platz traben und weint, weil da weiß man: Hansa – Bochum => gute Schiedsrichterleistung.)
(…)
Die Jungs kämpfen sich rein. Sobiech gewinnt an Sicherheit, Kalla fightet gegen Stiepermann und irgendwann hat er ihn, nimmt ihn den Ball ab, nimmt ihn noch mal den Ball ab und wird umgetreten.
(…)
Das Publikum jubelt, das Publikum geht gut unterhalten nach Hause und wird in 14 Tagen wieder kommen, wenn der Zirkus zum nächsten Gastspiel in der Stadt ist. Trotzdem sieht der Kritiker noch Verbesserungsbedarf, denn unser Ensemble hat doch Lücken zwischen den Trapezkünstlern in der Sturmhöhe und der Elefantendressur in der Abwehr. Und unser Polizist vom Dienst war angeschlagen und auch nicht in Topform, so dass in seinem Ermittlungsgebiet sich immer wieder Lücken auftaten, sich Schachten von der gekonnten Pferdedressur lösen musste, reinrücken musste, alles verschieben musste und plötzlich auf Kallas Seite das Rennpferd durchging. Da müssen die Trapezkünstler besser nach hinten verschieben, dann kann Kalla auch das Rennpferd Stiepermann besser dressieren.

Hasenkodex

Kalla spielte 90 Minuten, mal links, mal rechts, machte seine Sache okay.

Nicht meine Saison

Jan-Philipp Kalla: Ein Trainerwechsel als Chance? Als Außenverteidiger aus meiner Sicht verschenkt. Gehört ins Mittelfeld. Hinzu kam, dass Stani ihn als alten Musterschüler in der Jugend überkritisch sah und immer als Ersten aus der 1. Elf oder dem Kader strich. Ist ruhig geworden und in Liga 2. ist vieles viel einfacher. Kann auch durch den neuen Trainer sehr viel gewinnen. Hoffen wir es, denn seine ruhige Art ist sehr angenehm. Nebenbei einer von zwei Spielern im Kader, die immer grüßen. Der andere ist Ralle. (Bitte nicht zwingend als Vorwurf zu verstehen, da Spieler an Spieltagen teilweise auch derbst fokussiert sind.) 

Meine Elf für morgen

Bartels möchte ich hier nicht sehen. Nein, er hat das Klasse gemacht, aber er fehlt uns weiter vorne. Daher würde ich ihn ins Mittelfeld ziehen. Dann bleiben eigentlich nur Kalla und Lelle, denen ich ein gutes Außenverteidigerpaar zutraue.

Jun 252020
 

Was machen schlaflose Blogger*innen so? Richtig, sie gucken sich die Fernsehgeldtabelle vorm letzten Spieltag noch mal an. 
Disclaimer: Wir haben das alles nach bestem Wissen und Gewissen via www.fernsehgelder.de ausgerechnet, da mögen sich Denk- oder Rechenfehler eingeschlichen haben, dann gebt uns gerne Bescheid und wir ergänzen / korrigieren entsprechend. Wir müssen für die Betrachtung zwischen dem Platz in der Fernsehgeldtabelle (der den ausgeschütteten Anteil vorhersagt) und Tabellenplatz (in der sportlichen Tabelle) unterscheiden und haben die Begrifflichkeiten unten entsprechend durchgezogen, um hoffentlich Verwirrung zu mindern.

Stand jetzt

Wir liegen aktuell auf Platz 28 der Fernsehgeldtabelle mit Fernsehgeldern in Höhe von 11.950.000 € für die kommende Saison. Im direkten Umfeld der Fernsehgeldtabelle (zwei Plätze vor und zwei Plätze nach uns) liegen Paderborn, Kiel, Regensburg und Fürth.

Screen Shot 2020-06-25 at 09.06.22.png
(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Grundsätzliches zum System:

  • Fernsehgelder wird auf vier Säulen verteilt. Die vier Säulen verteilen sich proportional auf: 70 % Bestand, 23 % Wettbewerb, 5 % Nachhaltigkeit, 2 % Nachwuchs. Innerhalb der Säulen wird dann proportional zum jeweiligen Platz in der Tabelle ein gewisser Prozentsatz des Gesamttopfes ausgeschüttet. Details dazu findet ihr auf den jeweiligen Unterseiten von fernsehgelder.de.
  • Die in der nächsten Saison auszuzahlende Summe (1. und 2. Liga) beträgt 1.4 Mrd. Euro. Was 240 Millionen Euro mehr sind als diese Saison. Und ja, das klingt für uns auch echt nur nach Spielgeld.
  • Das heißt aber auch, dass es sich diese Saison lohnt, noch auf den letzten Metern was in der Fernsehgeldtabelle gutzumachen, einfach weil es um noch mehr Kohle als eh schon geht.

Aufgrund dieser Verteilung ergibt es Sinn, die einzelnen Säulen der Fernsehgeldtabelle stärker zu betrachten.

Bestand

In der Bestandstabelle wird der sportliche Erfolg der letzten fünf Saisons berücksichtigt, hierbei wird die jeweils letzte Saison fünffach gewichtet, die Saison vor fünf Jahren wird einfach gewichtet – Saisons „dazwischen“ entsprechend analog. 
In dieser Tabelle werden die 1. und 2. Liga getrennt betrachtet. Der Unterschied zwischen den beiden Ligen ist sehr groß: Letzter Platz in der 1. Liga kriegt 2,9 % des Topfes, der 1. der 2 Bundesliga nur 1,69 %. Somit kommt es auch, dass Hannover (265 Punkte in dieser Tabelle) in der kommenden Saison deutlich weniger Fernsehgeld als Bielefeld (198 Punkte) erhält. Der Unterschied liegt darin, dass Bielefeld nächstes Jahr in der ersten Liga spielt, Hannover nicht.
Da dies der größte Topf ist, könnt ihr euch denken, wie wichtig der der Tabellenplatz zum Ende dieser Saison hier ist. Wir sind heute auf Platz 11 der Fernsehgeldtabelle der 2. Liga. Aktuell liegen Kiel, Regensburg & Fürth noch in direkter Nähe. Wie ihr dem Screenshot entnehmen könnt, geht es dabei um einen möglichen Gewinn von einer Million Euro (Überholen von Kiel und Regensburg) oder einen Verlust von 400.000 Euro – jeweils zum aktuellen Stand gerechnet.

Screen Shot 2020-06-25 at 09.17.10.png
(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Auf Kiel ist die Distanz aktuell 15 Punkte in der Fernsehgeldtabelle – was drei Tabellenplätzen entspricht, um gleichzuziehen. Rein rechnerisch ist das noch möglich, wenn wir in Wiesbaden gewinnen und gleichzeitig Kiel gegen Nürnberg verliert UND wenn wir dabei das Torverhältnis von -4 auf Kiel aufholen. Na, freut ihr euch gerade noch mal so sehr wie wir über das Spiel in Hannover?

Auf Regensburg können wir die sechs Punkte in der Fernsehgeldtabelle gutmachen, wenn wir noch zwei Tabellenplätze auf sie aufholen. Das klappt, 

  • wenn wir in Wiesbaden gewinnen und Sandhausen und Osnabrück maximal unentschieden spielen oder
  • wenn wir in Wiesbaden gewinnen, Kiel noch in der Tabelle überholen (sprich -4 Tore auch noch aufholen) und gleichzeitig entweder Osnabrück oder Sandhausen noch in der Tabelle überholen.
  • Währenddessen darf Regensburg gleichzeitig maximal unentschieden spielen und der vor Regensburg liegende Verein Fürth darf bei einem Unentschieden Regensburgs nicht hoch verlieren (und somit noch in der Tabelle hinter Regensburg rutschen). Regensburg spielt gegen Aue, wenn Regensburg also unentschieden spielt, dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Aue.

Fürth kann uns in der Fernsehgeldtabelle noch überholen, wenn sie einen Tabellenplatz auf uns gutmachen, sprich wenn sie selbst gewinnen (und damit Hannover oder Bochum noch überholen) und wir nicht parallel auch mindestens einen, bzw. zwei Tabellenplätze (nötig falls Fürth Hannover und Bochum überholt) gutmachen. 

Ein Sonderfall ist die Abstiegsgefahr von Nürnberg: Wenn diese noch absteigen, rutschen wir wir einen Platz in den Fernsehgeldtabelle nach oben (sprich +400.000 Euro) und wir könnten dann auch rein rechnerisch immer noch Regensburg überholen – und somit zwei Plätze im Vergleich zu jetzt gutmachen. Abstieg Nürnbergs hieße aber auch, dass sie gegen Kiel verlieren oder unentschieden spielen, während Karlsruhe gleichzeitig gewinnt. Und bei Kiel hatten wir oben schon betrachtet, dass andererseits eine hohe Niederlage Kiels gut wäre.

Wettbewerb

In der Wettbewerbstabelle, die 23 Prozent des Topfes ausmacht (322 Millionen Euro in der kommenden Saison) wird eine durchgehende Tabelle aus 1. und 2. Liga berechnet.

Die Bestandstabelle schützt absteigende Erstligisten somit stärker.)

Wie ihr sehr, geht es hier in den möglichen Verschiebungen insgesamt um deutlich geringere Beträge, es können aber zu den oben genannten Beträgen noch mal bis zu 130.000 Euro Gewinn bzw. 70.000 Euro Verlust (jeweils zum aktuellen Betrag gerechnet). Die Mannschaften, um die es geht, sind genau die gleichen. Entsprechend gelten die Szenarien von oben genauso.

Screen Shot 2020-06-25 at 09.48.26.png
(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Nachhaltigkeit & Nachwuchs

Bei Nachhaltigkeit kann sich in diesem Jahr nichts mehr ändern. Wir erhalten 1,1 Millionen Euro über diesen Topf.

Die Säule Nachwuchs betrachtet die Einsatzminuten verbandsausgebildeter U23-Spieler, wo wir wahrscheinlich nicht so schlecht dastehen, aber die 2 % des Topfes, um die es da geht, sind dann halt wirklich nicht so relevant im Großen und Ganzen.

tl;dr?

Wir können am letzten Spieltag noch zwischen 1.2 Millionen Euro und 700.000 Euro gewinnen respektive verlieren. In Bezug auf den jetzigen planerischen Stand von 11.950.000 Euro sind das dann bis zu 10 % unserer Fernsehgeldeinnahmen. Wir alle können uns denken, wie viel Geld gerade überall durch die Geisterspiele (und die dadurch sinkenden Einnahmen) fehlt. Es geht also noch um richtig was, auch wenn der finanzielle sportliche Super-GAU durch die Vermeidung des sportlichen Abstiegs auf jeden Fall verhindert wurde.

Jun 032020
 

Ihr kennt uns. Wir haben immer was zu meckern. Aber bei den Plänen für die Sporthalle für den FCSP – im Kontext des Umbaus des Sankt Pauli Bades, fällt es uns sehr schwer, zu meckern. 
Wir zitieren hier der Einfachheit halber aus dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und Hamburger Grünen:
“Auf Basis der bislang angestellten Vorüberlegungen werden wir Planungen für eine Neukonzeptionierung des St. Pauli Bades einschließlich der Realisierung zusätzlicher Sportnutzungen (insbesondere Dreifeldhalle) in Kooperation mit dem FC St. Pauli und unter Berücksichtigung eines möglichst hohen Finanzierungsanteils des Bundes betreiben.” (S. 194. Den Exkurs, dass es euphemistisch ist, diesen Vertrag “Zuversichtlich, solidarisch, nachhaltig – Hamburgs Zukunft kraftvoll gestalten“ zu nennen, ersparen wir uns und euch.)

Der FCSP bemüht sich schon seit längerem um eine eigene Sporthalle. Wir haben schon diverse Mal geschrieben, wie wichtig eine solche wäre. 

Immer wieder hört man aus dem Amateurbereich den Wunsch nach neuen Teams, nach neuen Sportarten. Wenn dies jedoch eine Halle benötigte, dann war das mehr oder minder aussichtslos, da Kapazitäten in diesem Bereich einfach nicht vorhanden waren. Dies wird sich nun hoffentlich ändern. 

Und dies ist eine unfassbar gute Nachricht für uns. Wir sind eben nicht nur Profifußball. Mehr als 13.000 Menschen gehen in unserem Verein ihrem Sport nach. Selbst wenn man diese Zahl nähme, wären wir der drittgrößte Sportverein in Hamburg. 
Wenn man sich die verlinkte Liste so ansieht, dann haben Vereine mit so vielen Mitgliedern immer eigene Hallen oder Sportzentren. Nur wir haben dies bisher nicht. Wir kommen nun einen Schritt weiter in diese notwendige Richtung. Die noch notwendiger ist, wenn man bedenkt, dass viele der Vereine auf der Liste eher Vorstadtvereine sind. Oder nach Pinneberg gehören. Wir sind ein innenstädtischer Verein und dort ist die Situation noch bitterer als in den Randgebieten. 

Natürlich sind die Details eher noch mau, wir wissen jetzt zumindest mehr über den geplanten Ort (Sankt Pauli Bad) und über die geplante Größe (Dreifeldhalle klingt jetzt auch erst mal aus unserer Sicht nicht so schlecht, aber wir sind da leider auch keine Expert*innen, was den genauen Flächenbedarf angeht). 
Natürlich stößt es uns eher schlecht auf, dass die Finanzierung größtenteils dem Bund überlassen wird. Eine Stadt, die wie doof um Olympia gekämpft hat (und da viel mehr Geld reingebuttert hätte) und sich viele fragwürdige Großprojekte leisten kann, kann sich ja wohl auch eine moderne Sportanlage in ihrem Herzen leisten. Bzw. könnte – wenn sie denn wollte. Und an den eigenen Titel des Koalitionspapiers glauben würde. Zumal es um einen Verein geht, der für das politische, sportliche und kulturelle Leben der Stadt nun wirklich alles andere als irrelevant ist. Naja, so kann man als Hamburger Politiker*innen immerhin schon mal schön sagen, „wir wollten ja, aber der Bund hat nicht gezahlt“ – schön vorgebaut für alle Eventualitäten und auf das Schleifchenschneidefoto wollen dann doch alle mit drauf.

Daher Erbpacht-Änderung 

Mit dieser Verkündung ergibt auch die Änderung in der Erbpacht für das Millerntor sehr viel Sinn.

Denn von allem anderen losgelöst erscheint die Verlängerung eines erst in 40 Jahren auslaufenden Vertrag erstmal merkwürdig. 

Dies gilt um so mehr, als dass wir bis 2060 unser Stadion höchstwahrscheinlich neu gebaut oder massiv umgebaut haben werden. Wir haben im alten Millerntor gerade einmal 43 Jahre gespielt und es galt zu diesem Zeitpunkt schon lange als veraltet. Unser jetziges Stadion wird 2060 45 Jahre alt sein. 

Man darf dabei nicht vergessen, dass der innerstädtische Bau von Stadien nicht ganz einfach ist, da Lärmschutzauflagen und andere Dinge so etwas stark erschweren. Es hat schon seine Gründe, warum Corny das Wort Neubau immer vermied. Dies wird in 25 Jahren nicht anders werden. Und dies ist auch einer der Gründe für diese komischen Baukastenstadien am Ende der Welt, die wir alle zwei Wochen besuchen. (Wir hatten Teile dieses Textes vor Corona geschrieben und lassen das hier mal in der Hoffnung auf den baldigen Besuch genau jener Stadien einfach mal so stehen.)

Verknüpft man aber die Verlängerung mit Neubau-Massnahmen wie z. B einer Halle, dann macht das sehr viel Sinn. Die Neubauten müssen finanziert werden und dies tun wir nicht einfach so vom Konto. Wir werden Finanzierungen benötigen und Kredite. Und Kreditgeber*innen sind lieber doppelt und dreifach gesichert. So eine Finanzierung ist auch auf einen erheblichen Zeitraum angelegt. Jede*r, der*die schon mal ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, hat sich garantiert schon ausgerechnet, wann er*sie bei gleichbleibenden Zahlungen das abbezahlt hat. Und trocken geschluckt, als da eine Zahl stand, die über 30 war. 

Und irgendwas über 30 Jahre bringt uns zu nah an 2060, als dass Banken oder andere Geldleiher*innen damit entspannt umgehen würden. 

Das man letztendlich das Ganze eventuell schneller abbezahlt, ist hier unbeachtlich. 

Bisher hat der Verein hier einen unverbindlichen Letter of Intent präsentiert, aber gerade wenn man nun mit Banken verhandelt, ergibt dies komplett Sinn. So kann man der Bank sozusagen einen Sachverhalt präsentieren, den man einfach verwirklichen könnte, wenn sie den zur Finanzierung bereit wäre. Dies ist ein wichtiges Verhandlungsinstrument. 

Wir wissen nicht, ob damit auch andere Pachtzinsen oder Grundstücksgrenzen vereinbart wurden. Auch dies kann beides für den FCSP sehr wertvoll sein. Sei es für eine Eckbebauung (oder halt gleich die ganze Übernahme des Heiligengeistfeldes), sei es,ein um ein paar Euro zu sparen. 

Mai 272020
 

Lieber Leser*innen,

ich verabschiede mich hiermit aus dem magischenfc Kollektiv. Der Abschied war länger geplant und sollte eigentlich nach unserer Aufstiegsfeier in Wiesbaden erfolgen. Dann kam Corona, die Feier fand nur in unseren Träumen statt und ich habe lange darüber nachgedacht, ob es alles zeitlich so bleiben soll. Schlussendlich hab ich mir diese Frage mit „Ja“ beantwortet und grob den Zeitrahmen eingehalten.

Das magischerfc Kollektiv ist stark und gut, es wird euch weiterhin bestens (selbst besser) unterhalten. Für mich endet eine Zeit von ca. 20 Jahren „ins Internet schreiben“, mit Pausen und Abschieden. 20 Jahre mit viel Meinung und wenig Ahnung.

Für solche ewigen Nörgler und alte weiße Männer sollte kein Platz mehr sein. Und da leider alten weißen Männern nicht gesetzlich das Äußern verboten ist, sollte man sich selber als alter weißer Mann aus der Öffentlichkeit zurück ziehen, bevor es noch lächerlicher wird, als es sowieso schon ist.

Ist dies nun das ewige Ende? Man soll niemals nie sagen und unser Chief Editor sagte was von „Artikel mit der Brieftaube schicken“. Was ich natürlich nie machen würde, sonst bekäme ein anderes Kollektivmitglied wahrscheinlich Ärger zu Hause. Aber es gibt ja auch E-Mail oder meinem Alter angemessen Faxgeräte.

Ich danke den Dreien für all die wundervollen Dinge, die wir gemeinsam erreicht haben und die ganzen wundervollen Artikel, die wir gemeinsam gestrickt haben. Ihr seid großartig!


Vielleicht schreibe ich jetzt ein Buch (nein! Die Welt braucht garantiert keine Bücher aus der Perspektive “alter weißer Mann”), vielleicht mache ich wie alle alten weißen Männer einen unbedeutenden und schlechten Podcast (nein! Gleiche Gründe), vielleicht finde ich auch endlich mal vernünftige Hobbies. Ich hab gehört, dass Hallenhalma ganz groß im Kommen sei. Soll angeblich kontaktlos und mit 1,5 Abstand spielbar sein.

Podcast: Es ist seit langem ein Traum von mir für dieses Blog einen Podcast zu haben. Aber nicht mit mir. Vielleicht setzen die beiden Damen, die eigentlich schon ein fertiges Konzept haben die Idee jetzt um. Ich guck niemanden an.

Eigentlich würde ich jetzt schreiben „wir sehen uns demnächst am Millerntor“, aber ob und wann dies der Fall sein wird, steht leider in den Sternen. Wer weiß schon, ob wir wirklich alle noch Lust auf Millerntor haben, wenn wir wieder in einigen Monaten (Jahren?) dürfen? Wer weiß, ob unser Fußball dann noch existiert? Unser Tag wird kommen? Hoffentlich!

Bleibt gesund und bleibt dieser Website gewogen, die restlichen Kollektivmitglieder haben es verdient.

Grüße

Euer Senior

Mai 172020
 

Ach Loide, 19,10 Promille haben wir wohl alle auch zwei Tage später noch. Wow, was für ein Abschluss! Also nicht nur, dass unsere Jungs da in den letzten 9 Spielen 27 Punkte holen. Nein, dass sie dann noch am letzten Spieltag in der 93. Minute das entscheidende 6-0 machen, um ein Tor besser zu stehen als die Volksparker, das setzt dem ganzen dann doch die Krone auf. Wir haben gehört, dass Popcorn auf St. Pauli schon knapp werden soll, um sich für die Relegation Volkspark gegen Weser vorzubereiten. Unsere Sympathien sind da wohl klar verteilt, oder? Hauptsache Hamburg!

Wir brechen jetzt mal das Schweigegelübde des Sonderzuges. Normalerweise gilt, dass alles, was im Sonderzug passiert, auch im Sonderzug bleibt, aber das können wir diesmal nicht einhalten. Es geht einfach nicht.

Eine freudige Crew traf sich zu nachtschlafender Zeit in Altona. Es wurden schon mal die Taschenrechner gezückt und alle Möglichkeiten in diesem verrückten Finale (und das ist mal keine Sky-Übertreibung) durchzurechnen. Die kluge Frau P. holte dann auch gleich ihr Statistikwissen raus und rechnete alles genau vor, wenn dieses und jenes … “Sieg und Platz 3 wäre uns sicher. Et hätt noch immer jot jegange” fasste unsere Lieblingskölnerin die Rechnerei zusammen.

Aber auf die Rauten 3 Punkte und 6 Tore aufholen? Puh! Harte Nummer! Aber egal, die letzten 8 Spiele waren so ekstatisch, dass wir alle mit jedem Ergebnis hätten leben können. Jacksons Comeback, sein 40 Meter Hammer letzte Woche, um Regensburg zu besiegen, sein Jubellauf über den ganzen Platz? Unser Herz ging auf. Oder das Osterfest in Karlsruhe. Mit einer brillanten Abwehrraute spielten unsere Jungs den KSC schwindelig. Die wussten nach 34 Minuten schon gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand. Ging uns auf den Rängen ob des Eierlikörs der Veteranen nebenbei nicht anders. Ihr hättet auch mal das Gesicht von Flossi sehen sollen, als Jos sie endlich erhört hatte und ihre Idee der Abwehrraute umsetzte.

Viele hatten auch noch leuchtende Augen von der Nacht zum 15.05. 1910 Bengalos hatten eine leuchtende Kette von der Südkurve bis zum Dock 10 der Blohm + Voss Werft gebildet. Ganz viel Liebe an die Arbeiter*innen der Werft, die sofort Feuer und Flamme für die Idee waren, als Trashi und Co da auftauchten. Wir sahen Drohnenaufnahmen bei Trashi auf dem Handy. Freut euch auf den Film.

Glückwunsch nach Bielefeld. Habt ihr euch verdient, den Aufstieg. Aber dass Stuttgart auch so einbricht? Wer hätte das gedacht? Nun ja, die zweite Liga freut sich.

Motto?

Ja, gab es. Und es hatte wirklich geklappt, dass niemand außerhalb des Sonderzuges es kannte. So war auch noch “neutral einsteigen” angesagt und unsere gaffenden Zivis sahen einen Haufen Fußballfans. Erst im Zug begann die Verwandlung in 1.000 Gestalten aus dem Star-Wars-Universum.Der langhaarige Lüneburger als Wookie war schon gut. Schon geil, wenn man dafür seine Haare nur toupieren muss. Das Leia-Slave-Kostüm, welches der rüpelhafte Schnörresträger trug war, äh, also. Fassen wir es kurz: Es stand ihm. USP echt geschlossen als Jedi-Ritter, alle mit Lichtschwert und Umhang hatte auch was. Und die Vorsänger*innen dann als Yoda? Wir haben Tränen gelacht. Aber der Höhepunkt kam erst.

Trinken, essen, kaufen

Erstmal wurde getrunken und gegessen, der Sonderzug verwandelte sich in den üblichen Marktplatz. Fanzines, Sticker und wow, hätten wir echt nicht gedacht, Turbo, dass ihr still und heimlich doch noch die Derbyshirts hergestellt habt. Gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmel.

Über die Getränkeauswahl wurde dann aber doch Stillschweigen bewahrt. Sekt/ Äppler/ Mate ist nicht jedermenschs Sache.

Das Buffet? Vom Feinsten! Wir schlemmten gerade an den veganen Tabouleh mit Gemüse als unser Millerntonist Bilder von seinem ausgewachsenem Tiger zeigte. “Und ich dachte, dass das ein niedliches Katzenbaby ist, als ich das holte”.

Ausstieg mit Stil

Die Zeit verging wie im Fluge und wir fuhren in Wiesbaden ein. Und nun der Clou unseres Mottos: Der Zug fährt ein, die leicht hektische Wiesbadener Polizei setzt schon mal Helme auf und anstatt einer Horde betrunkener Fußballfans steigt nur Fanladen-Justus als Darth Vader aus. Dahinter ca. 100 Stormtrooper. Sein lautes „ICH BIN EUER VATER“ sorgte dann endlich bei den Polizist*innen für fallende Kinnladen und beim Mob für schreiendes Lachen. Leider hat das mit dem Force Choke bei dem örtlichen Nazi nicht geklappt. Da war die Macht nicht mit dem Fanladen.

Aufstieg mit Stil

Sonst an diesem Tag schon. Einlass? Schnell überwunden. War vielleicht nicht ganz legal. Schwamm drüber. Choreo? Perfekt „Komm zur braun-weißen Seite der Macht, wir haben den Aufstieg“ war vielleicht nicht ganz so kreativ, aber die Blockfahne mit Schnecke als Han und so war schon cool.

Liebe nach Wiesbaden, die eine Choreo mit einem Awareness Thema organisiert hatten. Erwartet man von solchen Szenen echt nicht und man ist dann immer echt positiv überrascht. Diese Gelegenheit wollen wir echt mal nutzen und unseren Antira und Awareness Menschen für ihren Aktionen und ihren Einsatz zu danken. Feministischer Kampftag, all die anderen Sachen. Echt ganz viel Liebe an euch.

Auf dem Platz dann ein Ballet in braun-weiß. 1-0, 2-0, 3-0, wow. Und alle nach Eckbällen. Der Gärtner unseres Vertrauens neben uns schrie schon was von „ich will mehr Ecken!!“. Im Volkspark immer noch 0-0. Unsere Späher vor Ort meldeten Latte, Pfosten, auf der Linie mit der Zunge geklärt und einen komplett überlegenen Stadtrivalen. Puh, wird wohl nix. 4-0. Halbzeit. Zwei Tore noch und ein Sandhausen-Wunder? Unsere Gläubigkeit endet ja normalerweise bei dem Brüllen von „SAAANNNNKKKTTT“, wenn einer „Pauli“ sagt, aber nun wurden bei Wikipedia alle Gottheiten rausgesucht, die man anbeten kann. Nicht, dass wir am Ende den entscheidenden Götzen vergessen.

69. Minute: Es kommt die erlösende Meldung aus dem Volkspark, 1-0 Sandhausen.

Ausgerechnet Dennis Diekmeier kann sich aus einer Flanke nicht mehr herausdrehen und trifft in das Tor der Rauten. Dass ein Torschütze nach seinem Tor in Tränen ausbricht und vom Platz getragen werden muss, sieht man auch eher selten. Wir mussten die im Jolly guckende Hundesitterin wirklich 10 Mal fragen, ob sie uns nicht gerade verarscht.

Der Mob in Wiesbaden nun komplett am eskalieren. Unser Vorsänger*innen gingen vom Zaun, sie waren nicht mehr nötig. Der Mob drehte auch so komplett frei. Vielleicht steuerten sie das auch alles mit der Macht? Wir wissen es nicht.

5-0 in der 86. Minute. Nun war Zittern und Bangen angesagt. Wir machten unsere Abwehrraute auf und eigentlich war das System nun 1-0-10. Robin als Libero und alle anderen vorne. Aber die Zeit lief weg. Wiesbaden mit einem Konter? Robin in bester „Beinbruch oder Ball“-Manier dazwischen, trifft aber wie durch ein Wunder nur den Ball und leitet gleich den nächsten Angriff ein. Drei Minuten Nachspielzeit? Drei Minuten Nachspielzeit!

Volkspark? Ist abgepfiffen, 1-0 für Sandhausen, die Nordkurve ist nur noch Betonstaub. Mensch, irgendwie muss dieser verfickte Ball doch ins Tor. Himmelmann hat ihn, noch 30 Sekunden … langer Hafer, Jackson legt ab. Getümmel, Dimi, Schieß doch! Nein! Er steckt auf Henk durch und Henk holt aus 10 Meter eine Klebe raus, dass der Wiesbadener Torhüter lieber nicht die Finger dazwischen gehabt hätte. 6-0. Wir haben es noch fünfmal auf Video gesehen. Ball schlägt genau bei 92:57 ein. Schiri pfeift nicht mehr an. Noch kurze Unsicherheit, ob es gereicht hat, danach brechen alle Dämme. Jubel. Star Wars auf dem Rasen. Banki babbelt was von „Enkel*innen noch erzählen“, niemand hat was zu meckern, Schmölli sagte immer „ich liebe Kaiserslautern“ und auch sonst war das mit der Zurechnungsfähigkeit nicht weit her. Selbst der Senior wurde grinsend und bei einem Freudentanz im Block gesichtet. Video ist vorhanden.

Vollkommen verstrahlt geht es zum Zug zurück. Wir haben Tresenschicht. Gesamte Mannschaft hat auf ihren Rückflieger geschissen und steht im Partywagen. James L. vorneweg. Oke ist vollkommen hinüber. Unsere Aufsichtsratsvorsitzende und Tresenchefin Sandra war wieder clever und hatte 100 Flaschen Champagner geordert. Die waren nach 20 Minuten ausverkauft. Der Partywagen schwimmt. An dieser Stelle Danke für die Organisation! Und diesmal 1 Liter Faxe Dosen am Start zu haben war auch cool.

Zurück in den Wahnsinn Partywagen. Selbst der stabilste Haarknödel der Fanszene wird nur noch von verschütteten Schnäpsen aufrecht erhalten. Von unserer Playlist wird alles abgefeiert. Zu welchem Bums ihr da eigentlich gepogt habt? Könnta hier nachhören.

In einer etwas ruhigeren Minute kommen wir mit James vor dem Klo ins Gespräch. Netter Kerl. Wir fragen nach seiner Zukunft beim Verein. Er lächelt nur und sagt „wartet mal ab“. Ende unserer Schicht ist 20 Minuten später. Und James schnappt sich Oke und das Mikrofon. Also eigentlich ist oberkörperfrei nun echt nicht okay, aber wenn man sich als Spieler den Zehnjahresvertrag auf die Brust tätowiert hat und den live im Sonderzug auf dem Tresen vom Präsidenten gegenzeichnen lässt, dann machen wir echt mal ne Ausnahme. Einmal! Die Wiederbelebungsmaßnahmen bei einer jetzt nicht nicht namentlich genannten magischerfc Schreiberin waren zum Glück erfolgreich.

Nach diesen Szenen brauchte unser Mannschaftsarzt Schnaps. Er murmelte immer irgendwas von „wenn sich das entzündet hätte und er nicht mehr spielen kann“. Aber die war die Macht war halt mit uns.

Dieser Moment als wir in Altona einfahren und Mats uns mit Pyro an den Gleisen begrüßt. Während des gemeinsamen Marsches zum Stadion flüstert er uns dann zu “Na das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen”, so richtig verstanden, wie er es so schnell aus Genk hierhergeschafft hat, haben wir immer noch nicht. Mannschaft vorneweg, wir hinterher. Es wurde eine wilde Nacht. Über die wir dann doch lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Naja, eine Sache sei gesagt: Den Mythos der Unaussaufbarkeit kann das Jolly jetzt endgültig streichen.

Wer im Sonderzug fehlte? Der Curi, der die Strecke nämlich als BB8 verkleidet radelte. Was er erlebte? Im nächsten Millernton!

Und dann klingelt leider der Wecker. Geisterspiel Nürnberg. Alles wieder Trist und Grau. Schade, es hätte so schön sein können.

Aber dieser Tag wird kommen. *Tiocfaidh ár lá*

(Vielen Dank an Elo, die ganz viele Ideen und Passagen beigesteuert hat.)

Mai 152020
 

Letzter Beitrag in diesem Blog war am 22. April, seit Unterbrechung der Liga ist es hier als deutlich ruhiger als normalerweise. Und ehrlicherweise fehlt uns gerade auch so ein wenig die Motivation, diese Zeilen zu verfassen. Jetzt steht also am kommenden Sonntag das erste Geisterspiel des FCSP an. Und ehrlicherweise haben wir uns noch nie so wenig auf ein Spiel gefreut. (Und die Menschen, die diese Zeilen schreiben, waren schon häufiger in Heidenheim, frühes Aufstehen, lange Fahrten und komische Stadien für keine Punkte, wie wir es doch vermissen.)

Naja, auf jeden Fall freuen wir uns normalerweise nach zwei Monaten ohne Fußball tierisch auf das erste Spiel. Aber „das erste Spiel“ ist eben all das, was normalerweise ein Heimspiel ausmacht und was wir nun nicht erleben werden:
Morgens früh aufstehen und erst mal eine FCSP-Playlist anmachen. Sich viel zu früh auf dem Weg zum Stadion machen, Frühstück unterwegs holen, all die vorfreudigen Gesichter im Viertel sehen. Ja, sogar die komischen Gästefangruppen auf der Budapester (ja gut, ist jetzt erst mal Nürnberg, da könnten wir auch drauf verzichten) vermissen wir. Sticker verticken (wir haben noch nen ganzen Stapel Rautenplattmachersticker hier rumliegen, mit dem wir auch noch mal irgendwas machen müssen), 1910 unserer Menschen begrüßen und umarmen. Auf Menschen vorm Stadion warten, Kartendeals, das erste Bier des Tages. Rein ins Stadion, Gespräche mit Freund*innen über die vergangene Woche, Fachsimpelei und Motzen über Aufstellungen. Platz in der jeweiligen Kurve finden, Mannschaft einlaufen sehen, warmsingen. Hells Bells und Herz von Sankt Pauli. Einlaufkinder, Konfettiregen, Choreo. Maximal 50 Prozent des Spiels von so ‘nem normalen Stehplatz mitbekommen, anfeuern, fluchen. Anfeuern, fluchen. Halbzeit, unendliche Zeiten am Klo anstehen. Antifa Hooligans, zweite Halbzeit. Nervös auf die Uhr schauen, vielleicht mal Ergebnisse in anderen Stadien checken. Von den Vorsänger*innen liebevoll ermahnt werden, dass es „nur noch einmal“ gesungen wird „dafür jetzt aber richtig laut“. Abpfiff. In der Menschentraube vor die Gegengerade schieben. Diskussion über das Spiel, Tabelle checken. 1910 andere Menschen sehen, je nach Laune Weinbarwein oder Fanräumebier, manchmal auch Solischnaps zu sich nehmen. Im Viertel was essen gehen. Dabei erste Notizen in Slack reinhauen, manchmal auch gleich den ganzen Blogbeitrag veröffentlichen. Ins Jolly weiter, und dann ist es irgendwie plötzlich sehr spät oder sehr früh. Am nächsten Tag aufwachen und sich fragen, warum man das eigentlich gemacht hat.

All das wird es am Sonntag nicht geben. Aber all das macht für uns Sankt Pauli aus. Und da kommt einfach gar keine Vorfreude auf. Denn es ist zwar der Fußball, den wir da sehen/hören könnten, aber wofür wir kommen ist das nicht:
„Denn es ist mehr als Fußball, mehr als der Sport und die 90 Minuten, die viel zu schnell vergehen.“

Über die Sinnhaftigkeit von Geisterspielen, Timing, teilweise Gebaren der Verantwortlichen wurde an vielen Stellen schon viel geschrieben. Und viel ergänzen können und wollen wir nicht mehr. Bleibt uns nur zu hoffen, dass das vieldiskutierte medizinische Konzept tatsächlich funktioniert und das schlimmste Szenario (Infektion mit schweren gesundheitlichen Folgen eines Spielers) im Kontext der Geisterspiele ausbleibt.

Es ist aber ehrlicherweise auch unfassbar, dass bei den Summen, mit denen da agiert wird, dieses Szenario jetzt so eintreten muss. Man nennt das „auf Kante genäht“. Was du halt echt nicht machen musst, wenn du ganz viel Goldstoff überall hast. Da legste normalerweise auch mal was zurück. Wir hoffen, dass die aktuelle Notsituation wirklich zu einem Umdenken führen wird, aber gesteht uns zu, dass wir daran erst glauben, wenn es soweit ist. Die öffentliche Darstellung vieler Verantwortlicher lässt uns da doch daran zweifeln. Und ja, liebe DFL. Wir werden euch genau daran messen.

Und jetzt ist Sonntag Spiel, es gibt hier noch nicht mal ‘ne Idee, wie und ob wir dem Spiel bewohnen werden. Das AFM-Radio überträgt. Es empfiehlt sich wohl, nicht erst direkt zu Anpfiff einzuwählen. Und wir können uns dem Aufruf unserer Ultràs (via Südkurvennewsletter) nur anschließen, das Stadion genauso trist und grau erscheinen zu lassen, wie es diesen Geisterspielen angemessen ist.

PS: Und ein liebgemeintes “Fuck You” an all die Scharfmacher*innen in den Sicherheitsbehörden, die von dem Beißreflex gegen organisierte Fußballfans einfach nicht ablassen können, müssen wir noch hinterherschicken. Die organisierten Fans übrigens, die an vielen Orten unfassbar viele gute und solidarische Aktionen gestartet haben. Danke dafür!