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Okt 062021
 

„Wenn wir aufsteigen…“ 
„Nein, sobald wir aufsteigen. Das ist nicht kausal. Das ist temporal.“ 

Dieser Dialog ist fiktiv. Es ging um wichtigere Dinge. Vereinspolitisches. Am wichtigsten aber: Jetzt ist die Zeit aufzusteigen. Wer war noch mal Tabellenführer? Keinen Schritt zurück. Diesen Platz geben wir nicht mehr ab. 

2G ist richtig. Volles Stadion sofort, wenn es logistisch möglich ist. Die Menschen müssen diesen FCSP sehen. Kann jemand eine Truppe erinnern, die so Spiele bestimmen, nach ihrem Wunsch gestalten und den Gegner so dominieren kann? Dresden hat am Ende zwei ernsthafte Abschlüsse. Und die sind ja nicht mal eine schlechte Truppe im Zweitliganiveau. Trotzdem zeigen wir nach einer Minute, dass hier nur einer gewinnen wird. Eine Minute Druck? Zack! Tor! Danach kontrolliert und in allem überlegen. Medić? Fans! Irvine? Fußball spielen! Kann sich noch jemand an Ohlsson, Smith und Becker erinnern? Buchti? Als 10? Wow! Der Junge ist einen Gesundbrunnen gefallen! Was für eine Ansage! Toll! Es sei dir gegönnt. Burgi? Hundeschnauzen sind warm dagegen. Nicht ganz so gut aus der Kabine gekommen? Dresden sieht trotzdem keinen Stich. Und die haben eine Woche zuvor Werder ziemlich abgefertigt, falls ihr euch noch erinnert.

2G? War es für den Süd-Teil des Kollektivs ja das erste Spiel in der wieder vollen Süd hatten wir uns gefragt, ob es irgendwie komisch wird, so vielen Menschen so nahe zu kommen. So können wir für uns festhalten: Keine 19,10 Sekunden hat es gedauert, bis die Pandemie vergessen und wir in der Süd eingetaucht waren. Hach, das war toll! Unser Verständnis für Impfgegner*innen ist ja sowieso schon nicht vorhanden. Aber wie bekloppt seid ihr denn, dass ihr sowas nicht auch wieder erleben wollt?

Nicht so toll? Immer wieder Leute anzählen, die Menschen im Block fotografieren, die nicht fotografiert werden wollen. Lasst es doch bitte einfach. Insbesondere, wenn ihr euch auf der Süd aufhaltet. Auch nicht so toll? Mackertum. Mit „seid viel zu schwach, seid uns weit unterlegen“ werden wir nicht mehr warm.

Mal ehrlich Leute. Wir sind Tabellenführer. Und dies zu Recht. Nicht aus Glück, nicht weil 2. Spieltag ist, sondern weil wir gut sind. Wir gehören da hin. Alles wirkt geplant, durchdacht und souverän. Wann hatten wir das mal am Millerntor? Zwei Wochen scheint uns jetzt die Sonne aus dem Arsch. Und niemand kann dagegen was tun. 

Coach Schulle wird garantiert noch viel zum Verbessern finden, aber wir als Fans? Wir wissen gar nicht wohin mit unserem Glück. Wir steigen auf. Wir wollen aufsteigen. Es gibt nur diese Möglichkeit. Wir wollen Bayern am Millerntor an die Wand spielen. Wir können das. Wir sind St. Pauli. 

Menschen in verantwortlicher Position winken beim Wort mit 8 Buchstaben lieber noch ganz schnell ab. Das ist ok. Aber wir sind Fans, wir dürfen das aussprechen. Wir wollen aufsteigen. Das schreiben wir seit Jahren in diesen Blog. Und gerade fangen wir an daran zu glauben.

Dresden? Ja auch im Gästeblock mit „Fachpublikum“ vertreten. „Oh guck mal, es gibt ja doch geimpfte Sachsen“ „Nein, das sind nur Genesene“. Und 6 Zivibullen. Sorry, SKBs heißen die ja. „Sind die wohl geimpft oder genesen?“ Dass man euch aber auch einmal quer übers Spielfeld rüber direkt erkennt ist schon ne Leistung.
(Ob das wirklich welche waren? Wir lassen uns den Gag doch nicht von der Wahrheit kaputt machen.)

VAR? Kann man grundsätzlich ja auf jeden Fall diskutieren. Wenn aber im ganzen Umfeld alle rätseln, warum jetzt was genau gepfiffen wurde und nicht mal die Kicker App so richtig aushilft, dann kann man mindestens mal feststellen, dass die Umsetzung für Zuschauer*innen im Stadion immer noch beschissen ist. Späteres nochmaliges Anschauen sagt „klarer Elfer“, aber verdammt dann zeigt uns doch die Bilder im Stadion oder lasst den Schiedsrichter das kurz erklären. In diversen anderen Sportarten klappt sowas ja auch. Aber ja liebe Fußballfunktionäre bei FIFA, UEFA, DFB und DFL (bewusst nicht gegendert): Wir wissen, dass euch Stadionpublikum egal ist.

Fußballfunktionäre und Verbände? „Friede den Kurven. Kampf den Verbänden“ stand da vor dem Spiel vor der Süd geschrieben. USP hat  dann im Verlauf des Abends noch ausführlicher Stellung bezogen:
„Es zwingt sich der Eindruck auf, dass die gesamte Struktur der DFL und des DFB nur für die Erhaltung des Status Quo, sowie eigener privater Interessen arbeitet. Das Handeln und die Konsequenzen um den Geschäftsbetrieb in der schlimmsten Zeit der Pandemie in Europa führte nicht zu Demut, sondern nur zu neuer Schamlosigkeit: Der unregulierte Bereich der Spielerberater, das Geschachere um Jugendspieler, die permanenten Angriffe auf die 50+1 Regelung und die überhitzte finanzielle Dynamik des Wettbewerbs, die immer mehr Vereine in den Ruin oder risikoreiche Finanzkonstrukte drückt, sind nur einige Beispiele für das, was derzeit so verdammt falsch läuft.
[…]
Wir dürfen diesen Leuten, die bei allem was sie tun nur an ihre eigene Bereicherung denken, nicht das Feld überlassen. Werte wie Freundschaft, Miteinander und Solidarität, die für unsere Bewegung elementar sind, zählen für sie nicht. In ihrer Welt geht es einzig um den Profit. Diese Leute haben das, wofür wir alle leben, nie verstanden. Und sie werden es auch nie tun. Für uns gilt deshalb:Ein andere Fussball ist möglich, aber nicht mit diesen Verbänden!Wir laden alle Fans dazu ein, den alten reichen Männern in ihren teuren Wein zu spucken und ihnen den herzlosen, möglichst profitablen Fußball, den sie sich so sehr wünschen, so gut es geht zu verderben. Wir müssen immer wieder den Finger in die Wunde legen und dürfen diese Art von Fußball nicht kommentarlos geschehen lassen.“

In Form einer Person hatten wir ja das „große Vergnügen“ einige diese alten reichen Männer kennenzulernen und mit ihnen über die Zukunft des Profifußballs nachzudenken, zu diskutieren und zu streiten. Und naja, vom „in den Wein spucken“ wollen wir euch nun wirklich nicht abhalten. Wenn man drüber nachdenkt, ist es immer noch unerträglich, wie viel positive Kraft in diesem Sport steckt. Und was Profitgier, Egoismus und Hybris daraus machen wollen.

„Mensch seitdem die Süd wieder besetzt ist, sehe ich das Spiel nicht mehr. Ich muss aber immer dringend die Highlights gucken. Man spielen die gut.“Schön, dass ihr wieder da seid, beste Ultras. 

Menschen sehen sich nach 19 Monaten wieder. „Treffen wir uns wie immer?“ klappt trotz der Pause. Es fehlen noch Menschen. Weil sie noch nicht cool mit Menschenmassen sind. Ihr fehlt. Lasst euch Zeit. In unserem Herzen und auf unseren Stufen ist Platz für euch. 

Jubel? Die Co-Trainer, der Athlektiktrainer und der Team Manager schunkeln etwas hinterm Team vor der Süd mit. Der Trainer und Sportchef von der Mittellinie aus. Und die haben alle sicher Spaß zusammen. Und wir freuen uns, das zu sehen.

Fast untergegangen? Wir haben das ehrlicherweise im Stadion gar nicht mitbekommen. Den Grüßen schließen wir uns dann aber doch vollumfänglich an. Passender Zeitpunkt, passender Gegner, passende Nachricht. Weiter, immer weiter. („Das sind die vom MagischenFC, die motzen ja gar nicht immer.“)

Drumherum? Ida? Die Waffeln sind gut, aber der Laden ist nur 7/10. Trotzdem danke, dass du ihn uns empfohlen hast. Und Simon knipst auch wieder. Spätestens im Derby! Endlich ist „Spielerfrauen Instagram“ für was gut. Nicht nur für beige Welten. Love you Ida! 

Liebe Menschen treffen wir. Es ist schön. Feldstern hat Platz für uns. Essen für alle, sonst gibt es Krawalle! Und Whisky für die besondere Menschen. Love you all. „Hey du Tabellenführer!“ „Das ist jetzt aber eine billige Anmache.“ 

2G? Ist geil. Im Jolly geht alles. Und noch mehr. Tanzfläche? Bald wieder. Habt ihr gehört, dass es beim magischen Stress gegeben hat? Ja deswegen stehen da Ex-Kollektiv und akut Kollektiv Arm in Arm vor dem Jolly. Wir können den gegenseitigen Hass nämlich gut überspielen. (Das ist übrigens gelogen. Grüße nach Dresden. Und den nächsten Gast gleich mit.)

Wir treffen noch einen Olympioniken. Toll! Schön, dass du den FCSP repräsentierst. 

Der Morgen danach? Kater ist ja nie schön, aber definitiv schöner wenn man nicht lohnarbeiten müsste. Also: Bitte mehr Samstagsspiele, wenn das ginge?. Aber das Grinsen beim Gedanken an den Tabellenplatz gleicht viel wieder aus. Und das „Nächstes Jahr spielen wir dann endlich mal wieder gegen Euch“ vom Erstligakollegen ging runter wie Öl.

Keinen Schritt zurück! Tiocfaidh ár lá! Wer war noch mal Hansa Rostock?

Sep 262021
 

„Das schönste Land in Deutschlands Gau’n,
das ist mein Badner Land.
Es ist so herrlich anzuschaun
und ruht in Gottes Hand.“

Hallo M. wir haben dich als Mensch, der Baden fühlt, angerufen und wollten mit dir diese Zeilen des Badnerlieds diskutieren. Du bist nicht ran gegangen. Du weißt warum. Wir mögen dich trotzdem. Und als du zurück riefst, gabst du uns die richtige Antwort. Kein Mensch mit Gehirn kann das mitsingen. Ey ihr progressiven badischen Fanszenen, macht euren Vereinen noch mehr die Hölle heiß, solche deutschnationale Scheisse muss aus Stadien verschwinden. Fuck Gau, fuck Deutschland.

Wir wollten wissen was Heinrich Heine zu Karlsruhe so gesagt hat, aber aber außer einem Lagerverkauf haben wir nix gefunden. Heinrich! Das erste Mal im Leben des magischen enttäuscht du uns!

Haben wir schon was über unsere Erlebnisse des Tages geschrieben? Nein! Will das jemand lesen? Ist uns doch egal!

Bahn? 6:10. Reisegruppe eingesammelt und da der Mensch mit dem Ticket als Letztes kam, hatten wir schon die Flüge im Kopf gebucht. Aber sie kam rechtzeitig. Rein in den Zug! Fanladen on the left, Aufsichtsrat on the right. Aber direkt in the middle ungefähr alle Dummköpfe, die dieser Verein leider anzieht. Maskenpflicht? Kann, muss und sollte man einhalten. Nennt sich solidarisches Verhalten. Kennen Paulis trotzdem nicht. Rauchen im Zug ist auch einfach uncool.

Reiseleitung? 19 von 10 Punkten! Essen? 19 von 10 Punkten! Getränke? 19 von 10 Punkten! Wir hatten Royal o Porto mit Tonic, Kenner*innen kennen das auch unter Port Tonic.

Die Deutsche Bahn war kulant (Stichwort BahnCard) und pünktlich. Wir kamen also entspannt in Karlsruhe an. Dort trafen wir den und die Sommer. Mensch, das könnt ihr mit Norddeutschen nicht machen. 26 Grad im September? Das können wir nicht ab.

Gott war am Hauptbahnhof Karlsruhe. „Darum seid auch ihr bereit!“ sagt die Bibel. Aber der versprochene Pendelbus zum Stadion kam trotz unserer Bereitschaft nicht. Und dann doch. Yeah!

Eine Stadtrundfahrt später kamen wir am Stadion an, trafen unsere Lieblingsfranken, holten uns das „Meine Heimat. 3G“ Armband. Hate your Heimat, Digga!

Womit wir schon wieder beim Badner Lied Sinn

Einlass. Desinfektionsmittel nicht mit rein nehmen? Uncool! Auf Twitter Kritik aufnehmen und „wir sprechen mit den Kollegen“ antworten? Cool. (Also außer dem fehlenden Gendern, aber wir sind auch Nörgler*innen.) Sonst wurde genauestens kontrolliert und ein Veteran hatte schon Angst, dass ihm die Hose ausgezogen wird.

Karlsruhe hat das Stadion neu gebaut, alles gedreht, macht das Stadion ordentlich voll, aber die aktive Szene agiert noch nicht wieder im Stadion. Warum genau dies so ist, wissen wir nicht, aber eigentlich sind die Voraussetzungen für einen Support gegeben. Der neue Gästeblock wirkt ganz okay, außer die Höhe der Treppenstufen. Wir sind alt. Bergsteigen ist nicht unser Hobby. Unklar ist jedoch wieviel davon Zwischenstand im Bau ist. Hoffen wir mal, dass die Anzahl von drei Klos für Frauen im gesamten Gästeblock auch ein Zwischenstand ist. Sonst wäre das sehr ungenügend.

Zum Spiel? Irvine kann Fußball SPIELEN! Medić? Wir sind Fans! Wie geil ist das nebenbei wenn Nikola einen Ball auf die Tribüne klärt und Jakov ihn anzählt, weil er denkt, dass er die Situation besser hätte lösen können. Diese Jungs wollen Perfektion. Nichts halbgares. Burgi? Eiskalt! Dittgen? Clever! (Oder wollte er den etwa nicht genau da hin spielen?) Kyereh mit dem Tor, das ihm die Sicherheit geben wird, nun richtig viele rein zu lecken. Coach Schulle als Trainer wird trotzdem Montag eine etwas längere Videositzung einberufen, denn so ein bisschen Schlendrian war am Ende doch drin. Perfekt für den Coach, gibt keinen besseren Ausgang um am Montag die Jungs in ihrem Streben nach Perfektion anzustacheln.

Dass der Schiedsrichter immer noch einen Karlsruher ohne gelbe Karte fand, verwunderte uns. Und führte zur Überschrift.

Nun die Impfverweigerer aus dem Stadion ballern und wir können mal ernsthaft das „Aufstieg“ Wort in den Mund nehmen. Wir wollen das. Wir wollen vor der Scala der Welt klar machen, dass unser verschissener FC St. Pauli von 1910 e. V. die einzige Möglichkeit ist und die Utopie ist, die diese Welt dringend braucht. Wir wollen mit Paupi auf dem Marktplätzen Europas betrunken „Oiropabogal“ brüllen.

Nach dem Spiel gab es noch ein bisschen Stress im Gästeblock. Es sei nur kurz angemerkt. Wir haben Details nicht mitbekommen und sie gehören auch nicht in die breite Öffentlichkeit.

Wir latschten durch das wirklich schöne Karlsruhe zum „Litfaß“ genossen Bier und einen guten stabilen Gegenprotest gegen die blauen Nazis. Hier funktioniert es auch noch, dass sich eine Partei findet, die ihren Infostand für den Protest instrumentalisiert. In HH haben wir das lange nicht mehr gesehen.

Bahn zurück? Wir sind gut kaputt gespielt und die Deutsche Bahn zeigt uns zwischen Kassel und Göttingen noch mal die Nebenstrecken. Aber nothing can stop us and the FCSP. Europa wir kommen. Da sprechen die Menschen auch nicht so komisch wie in Baden.

Bleiben eigentlich nur zwei Fragen ungeklärt:

Waren in Rostock T-Shirts aus? Und wie gendert man eigentlich Hurensöhne?

Nehmt uns dabei vielleicht nicht ernst. Nehmt lieber folgendes ernst:

Tiocfaidh ár lá

Der FC St. Pauli ist die einzige Möglichkeit

Sep 252021
 

Vorwort

Liebe lesende Menschen da draußen, danke, dass Ihr auch dieses Jahr wieder einschaltet, wenn die Geschehnisse auf der Mitgliederversammlung 2021 niedergeschrieben und kommentiert werden. Ich danke jetzt schon den beiden Macherinnen dieses Blogs, dass sie mir den Platz überlassen und dass sie die Geduld aufbringen, die notwendig ist, diesen Schinken zu veröffentlichen. 

Vielleicht nehme ich jetzt ein bisschen Spannung, aber es war insgesamt eine sehr konstruktive und eine wenn auch mal emotional, so doch zu 99 % sachlich bleibende MV. Das macht Hoffnung, dass unsere gewählte sehr basisdemokratische Form eine Zukunft hat und nicht im „Chaos“ endet. Wir werden das über eine Reform und insbesondere eine Präzisierung der Satzung noch verbessern müssen, aber daran arbeiten schon Menschen. 

Ich möchte gleich vorweg erwähnen, dass ich ein Teil der Helfer*innen bei dieser MV war, da Christiane (Hollander) mich gebeten hatte, bei juristischen Fragen sie, den Versammlungsleiter und die Hausjuristin des Vereines zu unterstützen. Ironisch wurde unser Job mit „wir sind zum Zuzwinkern da“ beschrieben. Das war – zum Glück – gar nicht notwendig, so dass ich am Ende der Versammlung einen sehr schönen Blumenstrauß für ein-kluges-Gesicht-machen bekam, dafür saß ich in der ersten Reihe. Es war mir eine Freude, und wenn ihr wieder Hilfe braucht, dann sagt Bescheid. 

Spielregeln

Dieser Bericht basiert auf einer handschriftlichen Mitschrift des Gesagten. Diese wird mit dem abgeglichen, was der Verein so auf Twitter und Homepage veröffentlicht, und ich bekomme auch mal Redetexte auf dunklen Wegen (die sich da E-Mail nennen) zugespielt. 

Trotzdem kann es immer Fehler geben; wir haben im Verein sehr geübte Schnellsprecher*innen, die teilweise auch nicht gerade straighte Sätze formulieren, so dass es auch nicht möglich ist, das Ende vom Anfang her zu erraten. Diese Fehler seien also bitte zu verzeihen. 

Namen der sprechenden Menschen nenne ich dort, wo sie vereinsöffentlich sind. Das heißt, sie sind entweder in Amt und Würden (gewesen; dies umfasst auch Mitarbeiter*innen des Vereines bzw. seiner Tochtergesellschaften) oder aus anderen Gründen im Verein berühmt. Bei Internetmenschen nutze ich gerne Mal den dort geläufigen Namen. Alle Namen sind nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben, eventuelle Fehler bitte ich zu entschuldigen. Eigene Meinungen und Erläuterungen werde ich vom Fließtext absetzen. Und zwar durch eckige Klammern. Daher auch die „ich“ Form. Wenn das Kollektiv etwas ergänzt hat, dann ist das mit {} Klammern gekennzeichnet. Wir alle hoffen, dass das klar ist. Kontakt zum Autor erhaltet ihr im Notfall über das Kollektiv. 

Das Ganze wird durch Zwischenüberschriften eingeteilt, diese orientieren sich an den Tagesordnungspunkten oder an Diskussionslinien, die sich im Plenum ergeben haben, sind aber bitte alle mit einem Augenzwinkern zu lesen. Das Gesagte wird in indirekter Rede wiedergegeben und gegendert. Das heißt nicht zwingend, dass die Redner*innen alle wirklich gegendert haben – die meisten Menschen in unserem Verein tun es, aber nicht alle, und nicht alle sind dabei perfekt. Ich bin da auch ehrlich: Im Schreiben wird das bei mir immer besser, mündlich tue mich damit noch SEHR schwer. Für eine Verunstaltung der deutschen Sprache oder unleserlich oder, oder, oder halte ich das aber ehrlich gesagt nicht. Sprache lebt und wandelt sich. Und das ist auch gut so, Digga. 

Wie immer sind diese Berichte für ein spezielles Publikum geschrieben. Wer sich schnell über Ergebnisse informieren möchte, ist bei MoPo und Co. besser aufgehoben. Hier geht es um Details, um Diskussionslinien, ja, auch um eine umfangreiche Dokumentation. 

Der Vorlauf

Man musste sich wie zu einem normalen Spiel eine Karte kaufen, und dies haben wohl auch die meisten Mitglieder in Anspruch genommen. Der Verein hatte die VIP-Sitze auf der Haupt schick gemacht und insgesamt saß man da auch ganz gut, und bei solchem Wetter macht so eine MV im Stadion deutlich mehr Spaß als im CCH. Warum das leider keine Zukunft hat wird sich noch später zeigen. 

Was zieht man zu so einer Versammlung eigentlich an? Ich entschied mich für meinen Cut. Warum? A. ist das ja wohl ein klassisches White Tie-Event und B. trägt man ja einen Cut bekanntermaßen nur bis 18 Uhr, danach wechselt man in den Smoking. Irgendwie muss man ja pressen, dass wir bis 18 Uhr fertig sind… Hätte nebenbei fast geklappt. Fertig waren wir um 18:23.

Nur mal ehrlich, lieber FCSP: In was für einem schlechten Zustand sind bitte teilweise die Sitze in unserem VIP-Bereich? Aufgeplatzte Polster, abgeschrubbt etc. Nicht dass ich viel Mitleid mit Menschen habe, die sich VIP-Plätze leisten können, aber hier hätte ich beinah solches.

Trotz des ganz zügig funktionierenden Einlasses wurde nicht pünktlich begonnen. Leider wurde auch der symbolträchtige Beginn um 13:12 knapp verpasst, dafür waren einfach zu viele Menschen auf den letzten Drücker gekommen. An die ausgerufenen Regeln hielten sich meiner Wahrnehmung nach ungefähr 99,9% der Anwesenden. Dass es immer den einen Men-, äh, Mann gibt, der meint, die Regeln diskutieren zu müssen, ist auch klar. Dass dieser Mann an späterer Stelle noch eine gewichtige Rolle spielen wird, ist Euch auch schon klar, oder? Dazu nur mal folgendes: Ja, gewisse Regeln sind auf den ersten Blick nicht wirklich sinnvoll, z.B. dass Eheleute nicht direkt nebeneinander sitzen können. Aber A. ist der ehegesetzliche Status von zwei Menschen nahezu nicht nachprüfbar in diesem Moment und B. bekommt der FCSP diese Auflagen auch nur vorgesetzt. Man kann dann den Anordnungen des Ordnungspersonals auch einfach mal Folge leisten. Oder anfangen zu diskutieren, weil man sowieso alles besser weiß. Welche Haltung ich für sinnvoller halte könnt Ihr Euch selber denken. 

Auf dem Podium war vor der Versammlung fröhliches Reden auch Diskutieren angesagt, wie sich gleich herausstellte wahrscheinlich über die Frage von „schriftlichen Abstimmungen“. 

Begrüßung und Eröffnung

Oke (Göttlich) begrüßte die Anwesenden nach den langsam üblichen Hells Bells, er wünschte einen wunderschönen Nachmittag und zeigte sich erfreut, doch mal wieder alle zu sehen und auch weil man so wichtige Beschlüsse fassen könne, die man wegen ihrer Tragweite nicht letztes Jahr hätte beschließen können, weil man sich nicht live getroffen habe. Deswegen müsse man aber nun zwei MV machen. 

Es sei schön, alle zu sehen und schön, auch alle im Stadion zu sehen. Man wolle die vorliegenden Dinge vernünftig und professionell diskutieren. [Ich stolperte so ein bisschen über das Wort „professionell“ und überlegte sehr lange, ob ich es hier eigentlich passend finde, sind wir doch alle Amateur*innen. Aber irgendwie passt es auch wieder.]

Er bat darum, sich an die Abstände zu halten; die Einhaltungen der Regeln sei nicht nur für den FCSP, sondern auch für die Veranstalter*innen im Viertel sehr wichtig, weil da genau drauf geschaut werde und die Veranstalter*innen nur so arbeiten könnten. 

Er grüße an dieser Stelle auch die Mannschaft und sportliche Leitung, die sich verdientermaßen im Urlaub oder bei internationalen Spielen aufhalte. Es zeige sehr gut den Wahnsinn des Fußballes, dass Spieler für so etwas in diesen Zeiten über den Globus flögen, aber man gönne es ja auch jedem Spieler. 

[Ich persönlich empfinde ja diese Anwesenheit der jeweiligen Profitruppen immer eher als unwichtig. Und bei einer Versammlung, die nicht die Jahresberichte umfasst, empfinde ich sie als noch unwichtiger. Und auch den sportlichen Leiter habe ich nun nicht wirklich vermisst. Und irgendwann muss halt auch der mal Urlaub machen. Ich sehe aber gerne auch das Gegenargument ein, dass die Herren auch mal lernen sollen, wofür sie eigentlich spielen und was die Mitglieder bewegt. Dieser Clash der Welten ist vielleicht auch nicht immer schlecht. Ich denke aber, dass die ganze Truppe am 01.12.2021 wieder dabei ist und dann bekommen die das auch wieder mit.]

Man habe letztes Jahr die Schwächen einer Online-Veranstaltung live miterlebt. Man hätte da nicht allen Themen gerecht werden können, daher diese nun erst. Man sei das erste Mal mit einer MV im Stadion und als er hier gerade rein kam, habe er zu [??? ich meine Brux] gesagt, dass man sich das so nicht vorgestellt habe, als man hier das erste Mal hingegangen sei. Das sei alles sehr professionell und er danke daher allen Mitarbeiter*innen. 

Dann würden er und Kristian Heiser normalerweise Frau Steinhoff für das Protokoll benennen, aber Frau Steinhoff sei im letzten Jahr unerwartet von uns gegangen, und dies viel zu schnell. 

Es folgte eine Gedenkminute. 

[Oh man, das ist richtig traurig. Ich habe Frau Steinhoff nie persönlich kennengelernt, habe ihr aber jedes Jahr im MV-Bericht meinen absoluten Respekt für diese undankbare Protokollarbeit ausgesprochen, und irgendwie war sie immer eine schöne Konstante bei den MVs. Sie wird mir fehlen.]

Stellvertretend wolle man damit auch den vielen anderen Mitgliedern und Freunden des Vereines gedenken, die von uns gegangen seien, die einen begleitet und viel mit angestoßen hätten. 

Versammlungsleiter

Es wird Kristian Heiser vorgeschlagen und erläutert, dass die Versammlung mit einer 2/3-Mehrheit eine*n andere*n Leiter*in bestimmen kann. 

[Wir kommen an einer anderen Stelle noch dazu, weil wir uns echt mal ernsthaft darüber unterhalten müssen, was die MV eigentlich autonom aus sich selbst regeln kann und was nicht. Dass die Versammlungsleitung fremdbestimmt wird und diese auch nur mit einer 2/3-Mehrheit verändert werden kann, ist eine sinnvolle Einschränkung der MV-Autonomie, die hier geopfert wird für das Ziel einer geordneten Versammlung. Ob das bei der Zulassung von Presse auch so sein muss, erörtern wir dann später.]

Kristian dankte dann für das Vertrauen, erklärte, dass er AFM-Mitglied sei und seit über 10 Jahren die Versammlung leite. Seine Stimme sei etwas belegt, aber alle Tests seien negativ. Er wies auf die besonderen Hygienevorschriften hin, die auf den Leinwänden zu sehen seien. 

Er sei gehalten, die Einhaltung dieser Vorschriften [die er im einzelnen aufzählte, ich spare mir das hier jetzt mal] zu überprüfen und habe die Ordner*innen deswegen auch gebeten, ihn zu informieren, wenn es denn Probleme gebe. 

[Wollen wir jetzt mal ein richtiges Fass aufmachen? Das sich an dieser Stelle aber sehr gut aufmachen lässt? Wer hat eigentlich bei einer MV das Hausrecht? Unsere Satzung bestimmt da nichts. Kristian nahm später in einem anderen Kontext an, dass er das habe, immerhin ist er Versammlungsleiter. Aber wo seine Kompetenz beginnt und endet, da schweigt sich unsere Satzung aus. Und da die Mitgliederversammlung sich auch keine Geschäftsordnung gibt, wäre diese Frage schnell sehr spannend. Man stelle sich nur vor, der renitente Herr von der Einleitung wäre aus der Versammlung ausgeschlossen worden. Wäre dies rechtens gewesen? Und wer hätte diesen Beschluss fassen müssen?]

Er bat dann darum, bei schriftlichen Abstimmungen den Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen [dies funktionierte eher so lala]. Die MV 2020 sei außergewöhnlich gewesen, fuhr er fort, auch diese sei außergewöhnlich. Man sei das erste Mal und wahrscheinlich auch das letzte Mal im eigenen Stadion und er sei gespannt, wie dies laufe. Es werde wohl ein Einzelfall bleiben, weil man zu der normalen MV Zeit im November dies wohl nicht im Stadion machen könne. 

Später in der Versammlung wurde danach noch mal gefragt und Oke erklärte dort, dass dies ungefähr doppelt so viel kosten würde als wenn man sich im CCH treffe. Auch müsse man beachten, dass noch kein Jahresabschluss vorläge und eine MV daher grundsätzlich später stattfinden müsse. Und dann habe man kein ausreichend planbares Wetter mehr. 

[Ich stimme eigentlich allen Stimmen zu, die das Setting echt sehr angenehm fanden. Definitiv angenehmer als das CCH. Wenn aber die Kosten so viel höher sind, dann ist es nicht wirklich erstrebenswert. Wir müssen laut unserer Satzung nur einmal pro Jahr eine MV machen, es gibt keine Frist zur Beendigung des Geschäftsjahres vorher, aber es wäre auch ziemlich absurd, eine MV im August für das Geschäftsjahr zu machen, welches im Juni des Vorjahres geendet hat. Und alle Menschen, die sich ein bisschen im Bilanzrecht auskennen, wissen, dass für einen Fußballverein ein Geschäftsjahr zum 30.06. deutlich sinnvoller ist. Nebenbei: In der zweiten Liga haben nur Schalke (!), Heidenheim und Sandhausen Geschäftsjahre, die mit dem Kalenderjahr übereinstimmen.]

Er eröffnete die Veranstaltung um 13:28, begrüßte namentlich die beiden Gebärdendolmetscherinnen. Die Versammlung belegte sie mit deutlichem Applaus. [Die beiden wurden dann etwas später mangels Nachfrage wieder entlassen. Gut, dass der Verein es anbietet. Schade, dass wir nicht divers genug sind, dass dieser Service auch auf nutzende Mitglieder trifft.]

Kristian wies auch auf die Stimmkarten hin, die mit Brailleschrift versehen waren. Er meinte, dies sei eine tolle Idee und Umsetzung. [Kann man sich nur anschließen. Das sind wichtige kleine Schritte, die das Ganze einfacher für Menschen mit entsprechenden Behinderungen machen. Der QR-Code auf der Stimmkarte führte zu der Tagesordnung und den Anträgen auf der Homepage des Vereines.]

Er wies dann darauf hin, dass die Versammlung nicht öffentlich sei und bat die Anwesenden Medienvertreter*innen, Aufnahmegeräte oder ähnliches auszuschalten. Auch Livestreams seien verboten. Gegen Twitter sei aber nix einzuwenden. 

Es werde ein Tonträger für das Protokoll angefertigt, auf den die Organe außer der MV Zugriff haben, und falls man nicht wolle, dass sein Beitrag aufgezeichnet werde, dann solle man das vorher sagen, dann würde das Tonband gestoppt. 

[Mein Gedanke hier: Komm, Oke, im Dezember bei „Bericht des Präsidiums“ die Karte mal ziehen. Mal gucken, was am Ende im Protokoll steht. Nein, bloß nicht. Ich habe bisher auch noch nie erlebt, dass irgendwer um ein Abschalten gebeten hätte.]

Kristian erinnerte auch noch mal an Uschi Steinhoff, deren Ableben ihn sehr betroffen gemacht habe. Sie habe mit ihrer stoischen Ruhe ihm auch in aufgewühlter See sehr geholfen. Er habe dies immer sehr bewundert. 

Als neue Protokollführerin habe man Petra Dischinger [und hier entschuldige ich mich jetzt schon für den wahrscheinlich falsch geschriebenen Namen] gefunden, die er nach § 16 Nr. zur Protokollführerin bestimme. Petra steht auf, erhält Beifall, Kristian wünscht ihr viel Spaß [!!] und weist noch darauf hin, dass sie extra angereist sei. 

[Meine Solidarität hat sie hiermit. Ein Protokoll zu fertigen aus diesem Chaos, das am Ende wahrscheinlich 5 bis 10 Leute lesen, ist eine äußerst undankbare Aufgabe. Danke, dass Du sie übernimmst.]

Kristian ratterte dann die üblichen Fristen und Daten runter; ich schenke mir das mal. 

Dann erwähnte er, dass es zwei MV geben würde, auf der zweiten dann auch mit den Berichten, den Jahresabschlüssen und Entlastungen. 

[Hier für spitzfindige Menschen: Man kann aus der Satzung heraus ein bisschen daran zweifeln, ob man eine ordentliche MV ohne die ganzen Berichte und Entlastungen beim FCSP machen darf. Denn die Formulierung in § 14 ist „Mindestens einmal im Jahr muss die […] stattfinden.“ Man könnte aus dieser Formulierung deuten, dass bei zwei MV auch zweimal das entsprechende Programm abgespult werden muss. Ich würde sagen: Nein, das ist eine gewagte Interpretation und auch der Rest der Jurist*innen stellt sich auf diesen Standpunkt, aber man sollte es nicht unerwähnt lassen. Welche Kompetenzen eine außerordentliche MV hat, bleibt aus der Satzung komplett unklar, wenn mich jemand fragt. Warum die Satzung überhaupt zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen MV unterscheidet, bleibt ebenso unklar. Benötigen tut man diesen Unterschied eigentlich nicht.]

Kristian stellte dann die ordnungsgemäße Ladung und damit auch die Beschlussfähigkeit der Versammlung fest.

Man habe heute 7 Punkte. Insbesondere die Wahl von Esin Rager, die Ehrungen aus dem Jahr 2020 und Anträge. Ein umfangreiches Programm, er bitte daher um straffe Beiträge und die Vermeidung von Wiederholungen.

[Da sind wir wieder bei der fehlenden Geschäftsordnung. Denn viele Leute diskutierten nach der Versammlung darüber, ob eine allgemeine Redezeitbegrenzung nicht sinnvoller wäre. Dass der Versammlungsleiter um so etwas bittet, finde ich ohne eine Basis schon etwas schwierig. Klar ist es inhaltlich absolut sinnvoll, aber mir wäre sehr viel wohler, wenn solche Bitten ihre Grundlage in einer demokratisch beschlossenen Geschäftsordnung hätten. Wir sollten uns dringend mal eine geben.]

Kristian erklärte dann, dass die Form der Abstimmung grundsätzlich vom Versammlungsleiter bestimmt werde. Grundsätzlich wolle er per Akklamation abstimmen lassen und wenn das Ergebnis nicht klar sei, schriftlich. Und er überlege, gewisse Anträge grundsätzlich schriftlich abstimmen zu lassen, und zwar die Anträge zu den besonderen Vertreter*innen, zur Quote und zum Ausschluss der Presse.

Begründen wolle er das damit, dass diese Anträge durchaus kontrovers seien und sich Mitglieder unwohl fühlen könnten, ihre Meinung zu vertreten. Dies sei eine objektive Aussage. Man stehe für eine Meinungsvielfalt, man soll sich frei fühlen, diese auch in einer Abstimmung zu vertreten. Dies könne man auch anders sehen, aber er sehe das so.

Der Wahlausschuss stehe für ein schriftliches Verfahren bereit und der Nachteil einer etwas längeren Auszählung würde nicht überwiegen. Er habe das noch nicht abschließend entschieden und weise auch darauf hin, dass die MV dies auch beschließen könne, hier bestünden aber die gleichen Sensibilitäten. Schriftlich müsse aber die Wahl der Vizepräsidentin erfolgen.

[Ich könnte schwören, dass wir Vizepräsident*innen auch schon per Akklamation gewählt haben, aber ja, die Satzung schreibt da eine schriftliche Wahl vor. Ob man nun Kristians Argumentation so folgen mag, sei mal dahin gestellt. So ganz von der Hand zu weisen ist es natürlich nicht, dass Akklamation zu einem gewissen Gruppenzwang führt. Dass er da so ein bisschen ergebnisoffen argumentierte, fand ich jedoch ein bisschen schwierig. Denn aus aus welchen aktuellen Anzeichen er denn jeweils entnehmen wollte, ob denn sich so ein Unwohlsein zusammen braut, blieb sein Geheimnis. Mir hätte an dieser Stelle ein „So machen wir das!“ besser gefallen. Auch gerade weil er hier wirklich ausdrücklich laut der Satzung die Kompetenz hat. Aber schlussendlich hatte das alles keine Auswirkungen.]

Satzungsanträge bedürften einer 3/4-Mehrheit, Dringlichkeitsanträge einer 2/3-Mehrheit für die Beschlussfassung, Geschäftsordnungsanträge bitte mit beiden Händen anzeigen, er ziehe die dann vor. Solche lägen gerade nicht vor.

[Mein Evergreen an dieser Stelle: Wir haben als MV keine Geschäftsordnung; die Satzung sieht für die MV nicht mal eine vor. Also eigentlich auch keine Geschäftsordnungsanträge. Wir sollten diese Lücke mal schließen. Und: Ich wiederhole mich.]

Verabschiedung Protokoll

Wie üblich hattet Ihr das alles gelesen und verinnerlicht, als Ihr mit 5 Enthaltungen das Protokoll genehmigt habt.

Es wird creepy / Wahl der Vizepräsidentin 

Kristian erwähnte, dass nach dem Ausscheiden von Joachim Pawlik mit Esin Rager eine neue Vizepräsidentin auf Vorschlag von Oke und mit Zustimmung des AR kommissarisch zum 01.07. 2021 bestellt worden sei. Diese kommissarische Bestellung ende mit der nächsten MV und daher sei sie nun zur Wahl vorgeschlagen. 

Die Voraussetzungen des § 23 der Satzung seien erfüllt. [Kristian erwähnte hier auch eine Altersspanne, die unsere Satzung aber (nicht mehr) vorsieht. Nur für hauptamtliche Präsidiumsmitglieder sieht unsere Satzung noch eine Altersbeschränkung (Rentenalter) vor. Alle anderen Einschränkungen sind mal gestrichen worden. Und zwar auf der MV 2014. Da muss mal jemand unseren Versammlungsleiter mit einer aktuelleren Satzung versorgen.]

Kristian führte weiter aus, dass Esin nun für den Rest der Amtsperiode gewählt werde, was bis zur Dezember-MV sei, weil dann das gesamte Präsidium neu gewählt werden würde. Die Wahl müsse schriftlich erfolgen, dies sehe die Satzung so vor. [Unsere Satzung – immer wieder eine Quelle der Freude. Sie sieht grundsätzlich vor, dass man Personenwahlen per Akklamation machen kann, aber die Vizepräsident*innen, bei denen nie eine Auswahl bestehen kann nach unserer Satzung, die müssen wir zwingend schriftlich wählen.]

[Hier ist nebenbei eine Sache zu beachten: Das ist die erste Wahl von Esin, die danach „nur noch“ drei Mal wieder gewählt werden kann nach § 23 Nr. 1; ihre erste Wiederwahl hat sie nach drei Monaten Amtszeit dann schon hinter sich.]

Esin stellte sich dann vor, bewegte sich eher widerwillig an das Rednerpult und erklärte, dass Oke gesagt habe, dass sie sich hier vorstellen solle. „Hallo, Leute“ begann sie ihre Rede. [Was ich schon mal erfrischend direkt fand. Sie genderte zumindest nicht mit einer gesprochenen Pause/Sternchen. Aber im Notfall fällt dies unter „man lernt voneinander“.]

Sie sei Journalistin und Teeunternehmerin. Es sei ihr eine Freude und eine Ehre, hier nominiert zu sein; sie habe damit nicht gerechnet in ihrem Leben, dass sie noch mal so ein Amt angedient bekäme. Es habe mit einer SMS von Oke begonnen, der geschrieben habe, dass er sie nicht kenne und sie ihn nicht, er aber mit ihr mal einen Tee trinken wolle. 

[Im Auditorium war schon ein bisschen Gelächter und Unbehagen zu hören und zu verspüren. So, wie sie das schilderte, klang es schon ganz schön creepy. Aber ich behaupte mal, dass das eher an der Schilderung gepaart mit Nervösität lag als an der Realität des Erstkontaktes.]

Ihr Mann sei Schlagzeuger, sie hätte erst gedacht, dass es irgendwie darum ginge, weil ja auch Oke in der Musikbranche tätig sei, aber nein, er habe ihr dann den Vizepräsidentinposten angedient, weil sie im Bereich Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit Kompetenzen habe. Diese beiden Themen und Klima und Personal sollen ihre Aufgabenbereiche sein. Dies seien schöne Begriffe mit komplizierten Details. Sie habe mal zur Verdeutlichung ein Kinderbuch mitgebracht, „Die Geschichte einer Straße„.

Dieses Buch zeige die Ansicht einer Straße von der Steinzeit, als alles schön grün gewesen sei, bis zur heutigen Zeit und wie dazwischen die Menschheit gewirkt habe. Sie schenkte es dann Oke. 

Was sei denn eigentlich Nachhaltigkeit? Sie sei das Gegenteil von kurzfristigem Handeln; man müsse dafür nicht nur an sich denken, sondern auch 50 oder 100 Jahre in die Zukunft. Man wolle dies auf der Welt umsetzen und beim FCSP. Man wolle umweltfreundlich und sozial gerecht werden. 

[Die direkten Widersprüche zu dem Tagesgeschäft Fußball, in dem Spieler ständig von A nach B reisen und dies aufgrund von engen Terminkalendern mehr als häufig mit dem Flugzeug, selbst wenn nur 250 km zu überwinden sind, müssen wir nicht weiter erörtern, oder? Auch bei „sozial gerecht“ gibt es offene Widersprüche, denn Fußballvereine nutzen viele Arbeitsverhältnisse mit relativ geringen Bezahlungen und beschäftigen gleichzeitig junge Männer mit Millionengehältern. Auch wenn ich denke, dass der FCSP hier garantiert nicht die größte Sau ist, unterliegt auch er dem absurden Kostendruck dieses Business und wird sich dem nicht ganz entziehen können. Und ob dieses Business insofern „sozial gerecht“ ist bzw. sein kann, kann man sehr gut bezweifeln.]

Sie sei Vize auf Probe gewesen und ihre Probezeit könne nun verlängert werden und im Dezember werde sie dann voll gewählt. Sie sei von allen Kolleginnen und Kollegen und allen Mitarbeiter*innen offen und super toll aufgenommen worden. Man habe Projekte anstoßen können – dabei sei DIIY das Flagschiff -, sie wolle nun der Booster sein für mehr solche Projekte, wolle Tipps geben. 

Es wurde dann nach ihrem Fußballbezug gefragt. Sie antwortete, dass ihr Vater gespielt habe, dass ihre Söhne in Billstedt spielen würden und sie selber nicht-organisiert und mit ihrer Firma spiele. Dies wolle sie aber nicht an die große Glocke hängen, da sie ihr Engagement beim FCSP strikt von ihrer Firma trennen wolle. 

[Firma könnt ihr googlen. Ich finde das nebenbei sehr sympathisch, dass sie im Bezug auf ihr Unternehmen so denkt. Wenn ich das richtig sehe, ist ihre Unternehmung auch nicht Sponsor des FCSP.]

Etwas später wird Jörn Sturm bei der Quotendiskussion den hier gelegten Elfmeter verwandeln, weil er sagen wird, dass es sehr typisch sei, dass eine Frau nach ihrem Fußballbezug gefragt würde, dies würde man nie bei einem Mann machen. Jetzt konnte man bisher den Praxistest nicht machen, denn bisher waren ALLE Bewerbungsreden beim FCSP ungefähr so aufgebaut „Ich bin XYZ, ich bin XX Jahre alt, stehe seit YY Jahren auf der Gegengerade, bin verheiratet und meine Kinder heißen Paul und Paula und das hat natürlich FCSP-Bezug.“ Da würde sich die Frage natürlich nicht mehr stellen. Aber mal unter uns: Selbst wenn man glauben würde, dass so eine Frage auch Männern gestellt würde (ich sage mal „Nein, wird sie nicht“): Es war ein so schöner Elfmeter, den musste jemand rein machen. 

Jetzt ab davon: Es ist so erfrischend, wenn sich mal jemand nicht an das oben beschriebene Muster hält. Esin erwähnt ihren Mann, weil er in die Geschichte passt, ihre Söhne auf Nachfrage. Sie dreht sich in ihrer Rede um ihre Kompetenz, die sie einbringen will. Das ist doch eigentlich genau das, was ich als Wähler wissen will! Nun muss ich als Wähler entscheiden, ob ich so eine Kompetenz in meinem Verein brauche (Ich würde sagen: Ja!) und ob mich die Vorstellungsrede überzeugt hat. Selbst wenn sie nach ihrer kommissarischen Ernennung zum ersten Mal in ihrem Leben einen Fußballplatz betreten hätte macht es sie ja für das Ziel, das man mit ihrer Nominerung und Wahl verfolgt hat, nicht ungeeigneter. Ganz im Gegenteil – aufgrund des oben aufgezeigten Zielkonfliktes ist es vielleicht selbst besser, wenn der zuständige Mensch nicht aus dem Fußball kommt. Die Rede an sich war vielleicht nicht perfekt, da war auch viel Nervösität spürbar, aber das mindert die erfrischende Sachorientiertheit echt nur im geringsten Maße.]

Danach ein kurzer Paulimoment, weil sich irgendein Typ mit einem wirren Beitrag zu Wort meldet, den Oke elegant abmoderierte. Danach gab es keine Fragen mehr. 

Es wurde dann mit dem Stimmzettel Nr. 1 gewählt. [Es gab nebenbei vier vorbereitete Stimmzettel an der Wahlkarte und wir alle hätten gerne fünfmal schriftlich abgestimmt, nur um zu sehen, wie es dann gelöst worden wäre.]

Anwesenheit

Es waren um 13:22 446 Mitglieder anwesend und davon waren 441 stimmberechtigt. 
[Wie jedes Jahr mein Respekt an die 5 nicht stimmberechtigten Mitglieder, die sich das antun. Aber irgendwie ist das auch unbefriedigend. Wir sind ein Verein von 30.400 Mitgliedern und hier sitzen gerade mal 1,5% rum und ändern die Satzung? Auf der einen Seite ist das ja gut, weil das andere Paulimomente verhindert. Auf der anderen Seite wünscht man sich doch eine breitere Beteiligung und eine breitere Mitnahme aller Mitglieder. Hier gibt es noch viel zu tun, auch wenn mit Onlineveranstaltungen (neudeutsch „Townhalls“) garantiert ein richtiger Schritt in Richtung „Mitnahme“ gemacht wurde. Ich würde mir wünschen, dass wir irgendwann da mit 6.000 Menschen sitzen und trotzdem die gleichen Beschlüsse fassen. Das würde dem Ganzen doch sehr viel mehr Kraft geben. Und ich habe immer noch Angst vor einer MV so Köln-, Bochum- oder Stuttgart-Style, wo über Presse und Geschenke plötzlich der Mob mobilisiert wird, eine Ausgliederung an allen Leuten, die Jahrzehnte im Verein gearbeitet haben, vorbei beschlossen wird und irgendein reicher Sack sich an dem Verein verlustieren kann.]

Die Ehrungen

Es wurden insgesamt 62 Mitglieder für 25jährige Mitgliedschaft geehrt. Nach meiner Zählung davon 53 Männer und 9 Frauen (nach Vornamen beurteilt), darunter einige bekannte Namen, wie z.B. eine AFM-Radiostimme, ein Ex-Trainer und Manager, ein Ex-Spieler (und kurzfristiger Vizepräsident), ein ehemaliger Stadionmanager (wurde der nicht schon letztens geehrt?) etc. pp. 

[Ich bin immer wieder bei ehemaligen Angestellten des Vereines (seien es nun Spieler, Trainer und/oder in anderen Kapazitäten) positiv überrascht, dass anscheinend soviel Herz im Verein geblieben ist, dass man eine Mitgliedschaft behält. Ich mag das. 

Wie man 50, 60 oder selbst 70 Jahre in diesem Verein Mitglied sein kann, wird mir immer unerklärlich bleiben. Ich müsste 77, 87 oder 97 werden, damit ich das erreiche. Karl-Heinz, Ronald, Rainer, Frank, Horst, Ralph (alle 50 Jahre), Hans, Horst (beide 60 Jahre) und Walter (70 Jahre): Schön, dass Ihr so lange dabei seid, alles Gute, und ganz viel braun-weiße Herzchen. 
Ich will hier nicht verheimlichen, dass ich dafür bin, die Ehrungen vor einem geeigneten Publikum durchzuführen. Wir werden spätestens in drei Jahren die 25jährigen Mitgliedschaften nicht mehr individuell auf einer MV ehren können, weil es einfach zu viele wären, aber die 50, 60 und 70 Jahre irgendwo verschwinden zu lassen und nicht mehr vor dem höchsten Gremium des Vereines zu ehren, wäre für mich eine Sünde am Vereinsleben.]

Aufgrund von Corona gab es wenige allgemeine Leistungsnadeln oder sportliche Leistungsnadeln. 

[Ich sehe die allgemeine Leistungsnadel immer noch ein bisschen kritisch (siehe dazu die Vorjahre), aber wenn sie einer verdient hat, dann ist es der Paupi. Und er bekam sie. Der Paupi. Setzen Sie an dieser Stelle bitte ganz viele Herzchen ein.]

Die einzige sportliche Leistungsnadel an die fussballernden 4. Herren bezog sich auf einen Aufstieg am Grünen Tisch. Die Truppe hatte darum gebeten, auf ihrer Abteilungsversammlung geehrt zu werden, und ich gehe mal davon aus, dass dabei eine Runde Getränke auf den Mannschaftsdeckel ging. 

Uhrenvergleich

Als wir diesen Tagesordnungspunkt beendeten, war es 14:18. 

Ergebnis Vizepräsidentin

Es wurden 425 Stimmen abgegeben, 413 Ja, 12 Nein; letzteres ging im Jubel mehr oder minder unter. Ebenso die Frage, ob Esin die Wahl annehme. Kristian meinte nur, dass sich dies angesichts der Glückwünsche wohl erübrige. 

Die Anträge

Für die Anträge waren wir hier und für die Anträge sind wir geblieben. Und die nächsten vier Stunden (und 2/3 der handschriftlichen Aufzeichnungen) drehten sich um diese. 

Exkurs

Habt Ihr euch mal ernsthaft § 15 unserer Satzung durchgelesen? Der ist schon echt harter Stoff. Folgende Punkte sind echte Highlights: 

Einfache Anträge sind bis zwei Wochen vor der MV zulässig, danach nur noch als Dringlichkeitsanträge. Und dies nach der herrschenden Auslegung selbst dann, wenn sie den ursprünglichen Antrag ändern. Diese Auslegung ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach nebenbei falsch. Sinn und Zweck von Antragsfristen ist, dass man sich auf die Anträge vorbereiten und kein Thema überraschend auf die Tagesordnung gesetzt werden kann. Das ist bei Änderungsanträgen kein Problem. Jeder Mensch weiß, welches Thema da beantragt wird. Dafür spricht auch, dass unsere Satzung Änderungsanträgen zu Satzungsänderungsanträgen eine eigene Frist gibt. Und diese dann selbst nur eine Woche ist. Sprich: Ich kann auf einen misslungenen Satzungsänderungantrag noch bis eine Woche vor der MV reagieren, auf einen misslungenen normalen Antrag nicht. Dafür geht eine Satzungsänderung auf der MV nicht mehr via Dringlichkeitsantrag. Was für ein Chaos! 

Das ist insbesondere deswegen unglücklich, wenn eine Vorab-Diskussionsveranstaltung logischerweise nach Ablauf der Antragsfristen stattfinden muss und ein*e Antragssteller*in dann nicht mehr auf konstruktive Kritik reagieren kann, ohne gleich einen Dringlichkeitsantrag stellen zu müssen.

Die Fristen werden mit „zwei Wochen vor dem Tag der Mitgliederversammlung“ definiert. Das wird nach herrschender Lesart im Verein so gelesen, dass zwei Wochen vom Tag vor der MV zurück gerechnet wird, die Frist also bei einer samstäglichen MV am Freitag zwei Wochen vorher endet. Diese Formulierung ist unüblich und § 188 BGB regelt das für den gesetzlichen Normalfall genau anders. Sinn war wahrscheinlich, für eine MV am Wochenende keine automatische Fristverkürzung zu haben, denn Achtung: Fristen enden nicht am Wochenende!, aber so richtig sinnvoll ist es trotzdem nicht. Und ist – wie eben schon geschrieben – auch auslegungsfähig. 

Jedes stimmberechtigte Mitglied kann einen weiteren Punkt auf die Tagesordnung setzen (§ 15 Nr.5) und ja, Ihr guckt jetzt genauso bedröppelt aus der Wäsche wie ich. Nein, da ist keine Abstimmung oder Zustimmung der MV vorgesehen. Auch das Präsidium oder wer auch immer kann nix dagegen machen. Falls Ihr also mal eine MV sabotieren wollt, hier ist Eure Chance. Tagesordnungspunkt nächste MV „Was ist ein Derby und wo endet Norddeutschland“ {OSNABRÜCK IST JEDENFALLS KEIN DERBY. Sorry, kurzer Exkurs der Kollektivlektorin.}

Unsere Satzung formuliert „Anträge müssen fristgerecht vor der Mitgliederversammlung schriftlich eingereicht werden und sind von mindestens einem Mitglied namentlich zu unterzeichnen.“ Das wird von der gelebten Praxis so interpretiert, dass eine einfache E-Mail reicht. Auch das kann man sehr gut anders sehen, denn § 127 BGB iVm mit § 126a BGB regelt für den „Zweifel“ genau das Gegenteil, nämlich das nur eine qualifizierte elektronische Signatur ausreicht. Und die Zweifel, wie unsere Satzung das meint, habe ich. Ich bekomme nämlich jedes verdammte Jahr mindestens einmal die Frage, ob eigentlich eine E-Mail reicht. Was das Ganze noch schöner macht: An welche E-Mailadresse soll das denn eigentlich gehen? Denn in den Einladungen wird nie eine genannt. 

Und so weiter und so fort. Wir müssen hier ran. 

Exkurs Ende

Die ganzen Formalien erläuterte Kristian noch mal und erklärte dann, dass er die Anträge darauf geprüft und zugelassen habe. 

[Noch so eine sehr offensichtliche Lücke, denn das ist in unserer Satzung mal wieder gar nicht geregelt. Wer macht das eigentlich? Und so sehr ich Kristian schätze, das ist eine Stelle, an der riesig Schindluder getrieben werden kann. Ich wäre ja immer noch dafür, ein Gremium namens „Antragskommission“ zu schaffen, das Anträge formal (!!!) prüft und die Antragssteller*innen ansonsten unterstützt und auch mit ihnen redet, gerade wenn der Antrag formal keinen Sinn ergibt oder besser gestellt werden könnte. Das würde auch das Präsidium und die Geschäftsstelle entlasten, die nun häufig genug diesen Part übernimmt. Zugegeben sei, dass auch so eine Prüfungskommission nicht ohne Probleme ist. Siehe dazu die akute Fragestellung bei Union Berlin.https://www.textilvergehen.de/2021/09/15/union-schraenkt-mitbestimmungsmoeglichkeiten-seiner-mitglieder-ein/ Ein wichtiger Aspekt so eines Gremiums ist wahrscheinlich, das es nicht vom Präsidium und/oder AR für eine Abmoderation von unliebsamen Anträgen missbraucht werden kann. Gerade „rechtliche Umsetzbarkeit“ lassen da ganz viel Spielraum für Schindluder.]

Aufwandsentschädigung

Zum Glück war der „Wir wollen eine Aufwandspauschale“-Satzungsänderungsantrag, der zwischenzeitlich mal auf der Homepage zu sehen war, zurück gezogen worden. Ich habe den – glaube ich – nie wirklich behandelt. Der war auch Unsinn, denn wie Christiane erläuterte geht das bereits jetzt schon auf Basis der vorhandenen Satzung, wenn denn die Abteilungen ein entsprechendes Budget haben. Und da haben die ja auch eine gewisse Autonomie. 

DFB-Anforderungen

Christiane begann ihre Begründung damit, dass sie heute die prickelnden Anträge stellen müsse. Man müsse den § 3 unserer Satzung verändern, weil der DFB das so verlange. Das sei eine Anforderung des DFB. Zur Zeit passe die Satzung nur für Liga 1 und 2, daher müsse man diese Erweiterung vornehmen, um die Richtlinien zu erfüllen. Das sei sehr technisch, aber man stelle sich mal vor, die erste Mannschaft steige auf und die zweite könne dann nicht in die 3. Liga, weil man die Satzung nicht geändert habe. 

[Meinen Unmut darüber, was sich der DFB hier raus nimmt, habe ich bereits in der Vorberichterstattung deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich verweise darauf.]

Es gab eine halbe Gegenstimme, weil unser Präsident seine Karte noch hoch hielt, als nach „dagegen“ gefragt wurde. Viele werden das als „gepennt“ interpretiert haben, ich interpretiere das als ausdrückliche Protestgeste. Danke dafür. 

Und es gab eine Enthaltung. Damit war der Antrag angenommen und unsere Satzung auch für den DFB wieder passend. 

Gemeinnützigkeit

Gleich über dem DFB steht in der Beliebtheit das Finanzamt, und damit durften wir uns dann beschäftigen. 

Wieder durfte Christiane ihre prickelnde Rolle einnehmen. Dies sei sehr juristisch: Das Finanzamt habe den FCSP aufgefordert tätig zu werden, man müsse sich an das Muster aus der Anlage 1 zu  § 60 Abgabenordnung (AO) halten und tue dies nicht. Die Mustersatzung müsse wortwörtlich abgeschrieben werden. Die Änderungen würden zu einer Übereinstimmung mit den §§ 1 und 2 der Mustersatzung führen. 

Weiterhin müsse man die Ablehnung von Mitgliedern anders regeln, man dürfe seine Mitgliederanzahl nicht künstlich klein halten, da man sonst nicht die Allgemeinheit fördere. [Hallo, Finanzamt Leipzig, bei Euch ist etwas falsch!]

Auch § 35 müsse man anpassen, damit er dem Wortlaut des Musters entspreche. Dies habe alles steuerliche Gründe und sei sehr technisch, aber auch sehr wichtig, um die Gemeinnützigkeit zu erhalten. 

Kristian fragte dann, ob es Steuerberater*innen gäbe, die noch etwas beitragen wollten und dem Autor dieser Zeilen juckte es kurz in den Fingern, aber nein, das ist schon alles so okay. 

[Diese Muster sind nebenbei das letzte Mal 2009 in der AO geändert worden. Es ist schon bemerkenswert, dass es 12 Jahre lang weder dem Finanzamt noch irgendwem im Verein aufgefallen ist, dass unsere Satzung da falsch ist. Und wir hatten zwischendurch eine Betriebsprüfung und die Fahndung im Haus und haben die Satzung diverse Male geändert.]

Hier fand sich weder eine Gegenstimme noch eine Enthaltung. Unsere Satzung ist damit auch wieder schick für das Finanzamt. 

Besondere Vertreter*innen / Oke: „bis 2040 in der Champions League“ 

Es folgte der erste „brisantere“ Antrag: Die besonderen Vertreter*innen. Oke trat vor zur Begründung. 

Man wolle besondere Vertreter*innen einführen. Dies sei das Ergebnis von langen Konsultationen zwischen Präsidien und Aufsichtsräten, auch schon von Präsidien vor dem jetzigen. Der FCSP ist ein e.V., der mitgliedergeführt ist, und das soll er auch bleiben. Aber er wächst und es gibt wachsende Themen, und man muss sich fragen, wie so etwas weiter im Ehrenamt bei der Haftung der Präsidiumsmitglieder geleistet werden kann. Er wolle diesen Moment auch nutzen, um seinen Präsidiumsmitgliedern [er nannte die Namen] zu danken. 

[Ich werde dieses Haftungsargument als zentrales Argument nie wirklich ganz nachvollziehen können. Ja, es gibt eine Haftung von Vereinsvorständen und ja, die bezieht sich auf das gesamte Privatvermögen. Auch gegenüber Dritten. Im Innenverhältnis zwischen Verein und ehrenamtlichen Vorstand ist sie jedoch auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begrenzt (§ 31a BGB) und bei der Klage eines Dritten wird der Verein, für den gehandelt wurde, seine Vorstände im Innenverhältnis eigentlich immer freistellen müssen. Beispiel: Vorstand handelt für den Verein, baut eine Sportstätte, daran verletzt sich jemand, das geschieht wegen einer leichten Fahrlässigkeit durch den Vorstand. Der Dritte (der nebenbei nicht Vereinsmitglied sein darf, siehe § 31a Abs. 1 S.2 BGB) könnte nun den Vorstand direkt verklagen. Mein doofes juristisches Gefühl sagt mir aber, dass der Verein hier sein Organ freihalten müsste (nicht geprüft). Es bleiben also echt nur relativ wenig Fälle, wo eine solche Haftung bei einfacher Fahrlässigkeit wirklich relevant werden könnte. Und diese Fälle könnte man versichern. Viel gefährlicher sind da Haftungen wegen Insolvenzverschleppung oder gegenüber der Steuer, aber die bekommt man auch durch besondere Vertreter*innen nicht weg.

Wenn Ihr mich fragt, ist das Argument ein bisschen anders richtig: Es ist schlichtweg irgendwann grob fahrlässig, einen solchen Verein mit diesen Umsätzen nur ehrenamtlich führen zu wollen, was eine Haftung auslösen würde. Denn das ist ein grobes Organisationsverschulden. Und deswegen muss man irgendwie handeln.]

Oke führte weiter aus, dass die MV das oberste Gremium sei und das Präsidium das operative Gremium. Die Entwicklung sei immer vielfältiger, man müsse daher mehr ins Hauptamt legen, so könne man ehrenamtlich nicht weiter machen. Alle Präsidiumsmitglieder hätten Jobs, die sie auch noch nebenbei machen müssten. Man habe dann zu wenig Zeit für immer größere Komplexe und für die Herausforderungen. Man müsse das zukunftsfähig machen. 

[Das war schon mehrfach Thema und diese Sätze unterstreichen noch mal eine Offensichtlichkeit. So wie bisher können wir nicht guten Gewissens weitermachen als Verein.]

Seit 2015 versuche man, Leitplanken für ein zukunftsfähiges Konzept einzuziehen. Diese seien, dass man ein mitgliedergeführter Verein bleiben wolle, der unabhängig von Personen im Präsidium sei, der nachhaltig und stabil sei und bei dem das Ehrenamt entlastet und das Hauptamt gestärkt werde. 

[Ich wiederhole mich da, aber eine der Stärken des Präsidenten Oke ist, dass er auch mittel- und langfristige Dinge auf die Agenda hebt und durchzieht. Das habe ich bei vorherigen Präsidenten so nicht erlebt. Das ist jetzt nicht mal zwingend eine Kritik an diesen, denn viele hatten einfach das Thema „Stadionbau“ als wichtigstes Thema, ohne das viele nun angestoßene strukturelle Dinge gar keinen Sinn ergeben hätten oder gar nicht möglich gewesen wären. Aber so wenig zielstrebig Okes Sätze auch sind, so zielstrebig ist er in diesen Themen und ist da immer am Ball geblieben. Natürlich läuft da auch mal eine Idee ins Nichts (viele Grüße an die Genossenschaft), aber das lässt sich nicht vermeiden, wenn man so einen Tanker wie den FCSP bewegen will. Ich bin gespannt, was da noch kommt, denn neben der „Professionalisierung“ steht „Kapitalisierung“ gerade nach Corona immer noch groß auf der Agenda. Ob man nun will oder nicht.]

Als Lösung habe man sich nun die besonderen Vertreter*innen nach § 30 BGB gesucht. Sie seien vorgesehen für gewisse Geschäfte, seien hauptamtlich angestellte Mitglieder des Präsidiums und dem ehrenamtlichen Präsidium weisungsgebunden. 

Warum? Man spiele im Profifußball, habe über 275 Mitarbeiter*inenn in Vollzeit und mehrere 100 in Teilzeit. [Später war in einer anderen Rede von insgesamt 275 Vollzeitäquivalenten die Rede und das scheint mir die richtigere Zahl zu sein. Ich habe das Gefühl, dass Oke die hier falsch übersetzt hat.]

Dies sei im Ehrenamt schwerlich machbar. Diese Führungsstruktur sei nicht mehr zeitgemäß, man müsse die Hauptamtlichkeit stärken und damit auch das ehrenamtliche Präsidium möglich machen. Die besonderen Vertreter*innen würden Verantwortung und Haftung übernehmen und so auch im Sinne der Mitgliedschaft eine soziale Diversität im ehrenamtlichen Präsidium erlauben. Man wolle, dass alle Menschen in die Gremien gehen können, dies werde so möglich und man könne dann die Gesellschaft komplett repräsentieren. Zur Zeit repräsentiere man nur einen Teil der Gesellschaft, der Unternehmer*in ist und sich das Amt leisten kann. 

So sei eine weitere Partizipation der Mitglieder durch das ehrenamtliche Gremium ermöglicht und die Zukunft als ehrenamtlicher Verein bliebe so am besten gewährleistet. 

Dies sei die besten Möglichkeit aus zwei Welten: Man habe dann unabhängige ehrenamtliche Präsidiumsmitglieder und hauptamtliche. Man schaffe eine enge Verzahnung, aber keine neuen Hierachien. [Das habe ich mir mit ein bisschen Erstaunen aufgeschrieben.]

Das ehrenamtliche Präsidum könne dann weniger kleinteilig tätig – als Beispiel nannte er das Steuerrecht – und dann eher langfristig strategisch tätig werden. 

Zur Zeit hafte das Präsidium komplett privat, die besonderen Vertreter*innen würden auch eine Haftung übernehmen. 

[Ketzerisch könnte man jetzt sagen: Eine solche Trennung wäre auch ohne besondere Vertreter*innen komplett möglich. Man müsste nur als Präsidium sich nicht kleinteilig in jeden Scheiß einmischen wollen. Aber das ist natürlich viel Theorie und Praxis, und die Überlegungen, die Oke hier anstellt, sind richtig.]

Welche Pflichten/Rechte hätten die besonderen Vertreter*innen: Sie würden haften, hätten aber auch ein Stimmrecht im Präsidium und damit Einfluss. Die gewählten Mitglieder hätten aber immer die Mehrheit, daran ändere sich nichts. Diese besonderen Vertreter*innen sollten für Sport, Finanzen, Vertrieb und Recht zuständig sein. Eine Vertretung nach außen werde nur mit einem gewählten Mitglied des Präsidiums möglich sein. Eine Abweichung davon sei nur mit Zustimmung des ARs möglich und auch wieder entziehbar. 

[Machen wir uns nichts vor: Wenn das Ganze eine Arbeitserleichterung für die ehrenamtlich tätigen Menschen bringen soll, dann wird man von der Einzelvertretungsbefugnis umfangreich Gebrauch machen müssen. Und das ist auch nicht schlimm. Wenn man mehr strategisch arbeiten möchte als gewähltes Präsidium, dann sollte möglichst wenig Zeit dafür drauf gehen, dass man ständig irgendwo bei jedem alltäglichen „Kleinkram“ zustimmen muss. Wichtig sind bei so etwas gut definierte interne Grenzen und ein Vertrauen in die bestellten besonderen Vertreter*innen. Liegt dies nicht vor und/oder man beteiligt sich doch wieder an jedem Alltagsgeschäft, dann bringt der ganze Wumms aber mal so gar nichts.]

Die Zustimmungspflicht des Aufsichtsrates bleibt unberührt. Es könne maximal vier besondere Vertreter*innen geben, die vom Präsidium und Aufsichtsrat bestimmt würden, diese würden maximal vier Jahre eingesetzt, eine Verlängerung sei aber unbegrenzt möglich. Ihre Anzahl sei immer geringer als die der gewählten Mitglieder des Präsidiums; ein Überstimmen sei damit nicht möglich. Wenn sich die Anzahl der gewählten Vertreter*innen verringere, dann dürfe dieser Zustand nur vier Wochen ohne Zustimmung des Aufsichtsrates und längstens bis zur nächsten MV bestehen. Es gelte dann, innerhalb von vier Wochen den richtigen Zustand wieder herzustellen. 

[So richtig rund klingt das für mich immer noch nicht, aber es ist halbwegs praktikabel geregelt. Problem ist natürlich: In vier Wochen kann sehr viel geschehen und sehr viel beschlossen werden. Und so ein richtiger Leidensdruck für eine Vizenachbesetzung kommt da bei den beteiligten Parteien auch nicht wirklich auf. {Die Nachbesetzung des Postens von Joachim Pawlik hat übrigens fast ein Jahr gedauert; am 30.06.2020 wurde der Rücktritt von Joachim bekannt, am 04.06.2021 wurde Esin Rager kommisarisch in das Präsidium berufen. Hätte man zu dem Zeitpunkt 4 besondere Vertreter*innen gehabt, hätte man das spätestens zur MV 2020 ändern müssen. Und wie ihr von oben sicherlich erinnert, hat Oke sich sowieso erst im Januar 2021 erstmalig per SMS an Esin gewendet.}]

Die Änderung hätte viele Vorteile, so dass man auf das Wachstum der letzten 10/20 Jahre reagieren könne. Man müsse auch in Betracht ziehen, dass dieses Wachstum so weiter gehe. Mit diesen Änderung bliebe man da handlungsfähig und würde die Zukunft sichern. Das Ganze sei personenunabhängig. Man wolle sich erst Strukturen und Satzungen anschauen und dann über Personen reden.  

[„Wachstum so weiter gehe“ übersetzt heißt das für mich „Oke G. fordert Einzug in die Champions League bis 2040“. Daher die Zwischenüberschrift. Und das nimmt nun bitte niemand ernst. Mehrfach wird auch in der Folgezeit betont, dass man noch nicht über Kandidat*innen gesprochen habe, aber ganz ehrlich: Da halte ich für sehr unwahrscheinlich. Man schafft solche Strukturen NIE in einem Vakuum und setzt sich danach hin und überlegt, ob man überhaupt Kandidat*innen habe und/oder diese suchen müsse. Auch gerade weil sich nach der ganzen  Begründung sofort zwei Kandidaten benennen lassen, und zwar Bernd von Geldern und Andreas Bornemann. Auch gerade weil man wohl bei beiden sicher sein kann, dass sie den Verein verlassen würden, wenn nicht sie diesen Titel bekämen, sondern jemand Anderes. Man stelle sich mal vor, man würde nun BvG zum besonderen Vertreter machen und Borni nicht. Wie lange, bis die Hamburger Presse „Misstrauen an Bornis Arbeit?“ titeln würde? Ich würde sagen: 0,1 Sekunden. Wer jetzt einwendet „aber warum dauert das denn nun nach der MV so lange, bis die bestellt werden?“, dem sei gesagt, dass die Änderung erstmal ins Vereinsregister eingetragen sein muss und so etwas dauert.]

[Technischer Hinweis: Ich habe mir leider nicht kenntlich gemacht, wann genau wir in die Fragerunde eingestiegen sind, ich meine ab hier. Ich bin leider nicht sehr gut im Fragen mitschreiben, daher ab hier die Wiedergabe von dem, was ich mir „oh, das ist interessant“ aufgeschrieben habe. Es geht jetzt auch die zeitliche Reihenfolge ein bisschen durcheinander, weil ich teilweise Antworten zusammenfasse. Es ist also keine direkte Wiedergabe.]

Oke widmete sich nochmal dem Thema „Wer berichtet an wen“. Das Präsidium solle sich den strategischen Entscheidungen widmen, der Alltag solle von den besonderen Vertreter*innen geführt werden, das aber alles in enger Abstimmung. Dies sei die Fortführung unserer Ausrichtung seit 2 Jahren, man wolle das Ehrenamt stärken und Wege verkürzen. [Zahl kann auch eine andere sein, da kann ich meine Schrift echt nur bedingt lesen, also bitte mit Vorsicht genießen.]

Frage: Warum keine externen Expert*innen für einzelne Themen statt besondere Vertreter*innen, dies wäre doch das beste aus allen Welten?

Antwort: Man werde auch weiterhin Expert*innen für Themen dazu holen. Aber da spreche man von begrenzten Tätigkeiten und einem Blick von außen von Personen, die den Verein und seine Menschen nicht kennen. Die besonderen Vertreter*innen seien aber Mitglieder im Verein, würden diesen kennen und seien auf vier Jahre bestellt. Wenn man unzufrieden sei, könne man das Anstellungsverhältnis beenden und die besonderen Vertreter*innen abbestellen. Wichtig sei, dass hier nicht das Kündigungsschutzgesetz greife, so dass jederzeit gekündigt werden könne, weil das Geschäftsleitungsposten seien. Ein*e besondere Vertreter*in schließe ein Dienst- und Anstellungsverhältnis und werde entsprechend vergütet, wahrscheinlich besser als Geschäftsführer*innen und Leiter*in. Ob man die Stelle, die bei einer internen Beförderung frei werde, neu besetze, müsse man auch mal sehen, damit habe man sich noch nicht beschäftigt. 

Aus einer anderen Antwort dazu: 

Man bewege sich weiterhin im gesetzten Budget, man müsse gewährleisten, dass man wirtschaftlich bestehen könne. Man werde nicht unvernünftig bezahlen, aber wenn man sich für Menschen entschieden habe, dann müsse man die auch bezahlen wollen. Egal ob nun einer mehr oder weniger verdiene, man wolle im jetzigen Budget bleiben. 

[Viele Fragen drehten sich im Endeffekt um das „was kostet das?“, was aus meiner Sicht immer etwas schwierig ist. Gutes Personal kostet Geld, und wenn es Verantwortung übernehmen soll, dann muss es entsprechend vergütet werden. Und solche Vergütungen regelt halt auch „der Markt“. Wenn Bornemann Gehalt XYZ fordert, dann kann man halt als Verein auch sagen „Nein, Borni, das zahlen wir nicht, denn einen Ersatzmanager bekommen wir auch für 50 % von XYZ“ und dabei ist es beinah egal, wie der Titel ist. Und das gilt natürlich auch anders herum. Wenn Borni irgendwo für „Manager“ 50 % mehr Gehalt bekommt, dann ist er weg. Egal, wie dann sein Titel heißt. Nur wenn das beim Geld ungefähr gleich ist machen so etwas wie Titel was aus. Noch mehr natürlich „Kompetenzen“. Es ist nebenbei eine sehr komische Sichtweise, dass im Profisport Manager und Trainer immer als unersetzlich gelten, aber in jedem anderen Beruf tut man so, als ob „Busfahrer*innen“ oder „Jurist*innen“ komplett austauschbar wären. Die Wahrheit liegt – wie immer – irgendwo in der Mitte. Auch das ist eine Erkenntnis, die sich für „personenunabhängig“ durchsetzen muss. Der Fußball ist zur Zeit davon weit entfernt. Und es ist so ein bisschen wie bei den Spielern. Wir haben gewisse Einnahmen, wir können die beinah nur durch sportlichen Erfolg steigern, also wird man auch mal in eine Lösung von der man überzeugt ist investieren müssen. Was ich aber nicht glaube ist, dass dabei alle Grenzen und alle Vorsicht in den Wind geschissen werden. {Auch hier wollen wir nur minimal widersprechen – und das ist bei „Borni ist bei 50% mehr woanders weg“. Gibt ja sogar im nicht-sportlichen Bereich des FCSP Angestellte, die ähnliche Tätigkeiten auch im nicht-Fußball oder ggf. bei einem anderen Verein machen könnten und da auch schnell mal 50% mehr bekommen.}]

Weiterhin wurde gefragt, warum man nicht ins Hauptamt auf Präsidiumsebene begibt. Oke antwortete, dass man sich als unabhängige und direkte Vertretung der Mitglieder verstehe und dies beim Hauptamt nicht gegeben sei, und dann würden auch andere Interessen noch eine Rolle spielen. Später wurde noch nach der Mischung zwischen Haupt- und Nebenamt gefragt. Oke  sagte, dies wolle man nicht machen, weil es Machtungleichgewicht bewirke zwischen den gewählten Vertreter*innen. 

[Ich hab diese Argumente alle mal für sehr stark gehalten, über die Jahre komm ich da immer mehr zu einer anderen Meinung. Zu attraktiv ist zum einen Macht, auch im Ehrenamt. Warum sonst tun sich Menschen so schwer, bei Posten und Pöstchen loszulassen? Ich glaube nicht, dass eine Bezahlung da so einen riesigen Unterschied macht. Auch dieses Machtungleichgewicht wird immer bestehen, ob man das Kind nun „besondere Vertreter*innen“ oder „hauptamtliche Vize“ nennt. Aber man kann das alles auch sehr gut anders sehen.]

Es wurde noch nach der Weisungsbefugnis gefragt und erneut antwortete Oke, dass weiterhin Aufträge an das Präsidium erteilt werden könnten, die diese aber eigenverantwortlich umsetzen müsse. Dies sei auch ein indirektes Weisungsrecht und keine Veränderung des Status Quo. 

[Gut, dass das noch mal in der MV sozusagen „für das Protokoll“ erwähnt wird. Ansonsten siehe vorbereitende Artikel.]

Die nächste Fragestellerin nannte ihren Namen und  ihre Abteilung und ließ dann das Mikrofon fallen. Kommentar hinter mir nur „Mic drop!“. Sie meinte, dass es nicht sein dürfe, dass der Status quo sich nicht ändere. Es habe ja in der Vergangenheit mehrfach Fälle gegeben habe, bei denen das Hauptamt (konkret Marketing) Dinge gemacht habe, die dann nach öffentlichen Protesten zurückgedreht wurden. Sie meinte auch zu erinnern, dass es darunter Fälle gab, zu denen das Präsidium nicht vorab informiert gewesen sei. Und nun sollten da von besonderen Vertreter*innen Verträge unterschrieben werden, die sich ggfs. nicht einfach so zurückdrehen lassen würden. Was wäre dann? Und die Mitglieder könnten ein solches Verhalten weder direkt bewerten noch hätte man die Gelegenheit, die Verursacher*innen auf einer MV (nicht) zu entlasten.

 Oke antwortete sichtlich genervt, es seien Fehler gemacht worden, mal laut, mal leise, und man werde auch weiterhin Fehler machen. Er fände aber einen Druck, dass keine Fehler gemacht werden dürften, gegenüber Ehrenamtlichen falsch, und man wolle sich da nicht unter Druck setzen lassen. Und es könne nicht jedes Mitglied ein Mitspracherecht haben wollen und gefragt werden. 

 [Ganz ehrlich Oke, es gibt immer so Momente, da möchte ich Dich schütteln. Niemand möchte Dir persönlich an die Wäsche, und nicht nur bei mir steht doch immer wieder, dass die Richtung stimmt. Reagier auf solche – nebenbei hardcore harmlose – Kritik einfach mal souveräner und entspannter und nicht so dünnhäutig unentspannt. Diese „Ihr stellt viel zu hohe Ansprüche und habt mich eigentlich gar nicht lieb“-Haltung ist so super unproduktiv. Mal ganz davon ab ist es einfach ein Umdrehen der gesagten Wörter der Fragestellerin. Überflüssig.]

Ein anderes Mitglied formulierte seine Bauchweh damit, dass auch die Bereiche Sponsoring und Vermarktung für besondere Vertreter*innen vorgesehen seien. Gerade dies seien Bereiche, in denen die Werte durchscheinen müssen, und sie habe das Gefühl, dass diese Werte da am wenigsten gelebt werden würden. Sie habe das Gefühl, dass da Briefing und Abstimmung immer wieder nicht gepasst habe und habe deswegen Bauchweh zuzustimmen, wenn diese Bereiche mit umfasst seien. 

Oke antwortete, dass man gerade mit den besonderen Vertreter*innen die Möglichkeit zum Austausch und der Kontrolle erhöhen würde; bisher seien diese Bereiche in Tochtergesellschaften angesiedelt, da sei das nicht so gut gelungen. Auch sei mit den besonderen Vertreter*innen eine bessere Transparenz möglich als in den Tochtergesellschaften. Weil auch Bedenken gegen BvG geäußert werden würden: Dieser sei über ein Jahrzehnt im Verein, kenne diesen und sei ihm verbunden wie kein anderer. Er sei ein Kenner in seinem Bereich und für die Existenzsicherung des Vereines Gold wert. 

[Natürlich ist Struktur für einen Umgang prägend. Und natürlich ist eine Tochtergesellschaft etwas anderes als eine Einbindung in ein Präsidium. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, hier wird ungefähr gesagt, dass die ganze Zeit der Schwanz mit dem Hund gewackelt hat und zur Belohnung machen wir ihn nun zum Hund. Und was Bernd von Geldern angeht: Ich habe bei dem „kennt den Verein“ immer meine Bauchweh. Ich bin da aufgrund einer Kolumne namens „Bernd am Ball“ in Zeiten der Rostock-Blockade sehr nachtragend. Und ja, seitdem sind Jahre ins Land gegangen und wir alle haben voneinander gelernt. Aber so ganz überzeugt bin ich vom „Gefühl für diesen Verein“ immer noch nicht. Dafür geht mir in diesem Vermarktungsbereich zu viel gegen dieses Gefühl. Zugegeben, „es kann alles schlimmer sein“ stimmt auch, kann aber nicht immer der Maßstab sein. Nur noch positiv? Vielleicht ist es genau das, was fehlt, um diesen Verein ganz zu fühlen, die Präsidiumssitzungen, die Themen und Vibes, die da besprochen werden. Was ich aber auch mitgeschnitten habe, dass hier ein kompletter Fachmann für seinen Bereich bei uns arbeitet. {Und wie so ein „kennt den Verein“ dann auch mal abläuft, könnt Ihr bestens hier nachlesen.}]

Sandra sprach dann für den Aufsichtsrat und meinte, dass der AR den Antrag vollständig unterstütze; sinnvoll zu führen habe im Ehrenamt seine Grenzen, man habe hier eine gute Lösung gefunden. Die Kontrolle der Mitglieder würde einmal über den Aufsichtsrat sichergestellt, der auch hier alle Zustimmungsrechte habe, auch in den Mitgliederversammlungen und den Meetings zwischendurch seien die Menschen ansprechbar und dies sei ein guter Weg. 

[Wisst ihr was mir so ganz grundsätzlich gefällt? In unserem Verein besteht eine gewisse skeptische Grundhaltung, wenn „oben“ was will. Das ist garantiert auch mal anstrengend, aber ich mag diese kritische Grundhaltung. Noch mehr mag ich, wenn „oben“ das auch weiß und beachtet.]

Weitere Stichworte der Diskussion: 

Oke „man habe kein Problem damit, Verantwortung und Haftung zu übertragen“. 

Christiane erläuterte, dass vieles auch praktische Fragen seien, denn so sei z.B. die Assistentin des Präsidiums („die Arme“) mal mehrfach durch die Stadt gejagt, um Unterschriften für einen Vertrag zu besorgen. Dieser Zustand könne vermieden werden; dies sei ein notwendiger Zugewinn. 

Die besonderen Vertreter*innen können auch kurzfristig Mitglied im Verein geworden sein. Es gäbe da keine Frist. [Gibt es bei uns nebenbei für das gewählte Präsidium auch nicht.]  

Für HVV sei nie Geld vorhanden, hier aber schon. [So ein Fragesteller. Das ist wahrscheinlich ein bisschen sehr verkürzt.]

Esin führte aus, dass zur Zeit nur Menschen diesen Job machen könnten, die ihre Schäfchen im Trockenen hätten. Man müsse wissen, dass 20 Stunden die Woche bei ihr zur Zeit schon die Untergrenze seien, und sie tue das zwar sehr gerne, aber man müsse schon in einer Position sein, (sich) dies zu leisten. Selbst sie bekäme schon 30 E-Mails pro Tag. Da helfe nur ein Timemanagment, und um Entscheidungen zu treffen, müsse man auch Zeit und Aufmerksamkeit haben. Das funktioniere derzeit so nicht, daher Menschen in die Haftung nehmen und damit Menschen ein Ehrenamt ermöglichen, die 40 Stunden arbeiten müssen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 

[Ich fand das einen ziemlich guten Einwurf, weil sie mal kurz und knapp die erheblichen Belastungen schilderte.]

Es wurde schriftlich abgestimmt, eine Pause gemacht und zur Fortsetzung um 16:11 folgendes Ergebnis verkündet: 

416 abgegebene Stimmen, daher war die 3/4-Mehrheit 312 Stimmen. Dafür waren 353, dagegen 63. Damit war der Antrag angenommen. 

[Ich habe meine Bauchweh, ich finde das an vielen Stellen immer noch etwas schwierig, aber ich kann die Motive hinter diesem Antrag komplett verstehen und die rein ehrenamtliche Führung wäre relativ schnell schief gegangen. Insofern ist das vollkommen okay. Was nun geschehen muss ist, dass das auch im Alltag gelebt werden muss. D.h. Oke und Co. müssen lernen, dass sie aus Dingen ihre Finger lassen müssen, außer sie gehen schief. Und die bald bestellten besonderen Vertreter (und ich gendere hier mal bewusst nicht, weil ich beinah befürchte, dass wir hier keine Frauen bekommen) werden ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. Wenn die komplett frei drehen, dann werden sie der Professionalisierung dieses Vereines riesige Schäden zufügen.]

Zustimmungspflichtige Geschäfte 

Sönke erläuterte den Antrag. Die Beträge seien seit 10 Jahren nicht mehr angepasst, es seien aber immer mehr Verträge, die der Verein abschließe und die unter den jetzigen Grenzen zustimmungspflichtig seien, man wolle daher weniger prüfen, dann aner da, wo es auch sinnvoll sei. Man sei ein Konzern mit 275 Vollzeitäquivalenten, da müsse auch ein gewisses Vertrauen in die handelnden Menschen vorhanden sein. Er bitte um Zustimmung. 

Die er dann bei 0 Gegenstimmen und  5 Enthaltungen, die zum größten Teil aus den Reihen des Präsidiums kamen, auch bekam.  

[Die mündliche Begründung bringt es auf den Punkt: Solche Zahlen muss man regelmäßig anpassen. Nur mal als Vergleichsgrößen: Wir hatten 2010/2011 einen Umsatz von 33 Millionen. Wir hatten letztes Jahr einen Umsatz von 53 Millionen. Und wir sprechen im Jahr 2010/11 über ein Erstligajahr und 2019/2020 über ein Corona-Jahr. Da musst du die Zahlen anpassen. Es wird sonst nicht sinnvoll.]

Die Quote

Suzann Edding begründete den Antrag. Sie seit 1993 bei den Fußballfrauen Mitglied, seit 2017 im Ehrenrat und für diesen seit 2019 in der AG Diversität. Man habe 2019 beschlossen, die aktive Beteiligung von Frauen zu fördern. Dazu habe man die AG Diversität gegründet, die zum Ziel habe, wie man Präsidium und Aufsichtsrat geschlechtergerecht bekomme. Man habe sich ausgetauscht, man habe Studien gelesen, man habe eine Umfrage gestartet, an der 1500 Fan*innen und Mitglieder teilgenommen hätten, wofür sie sich auch noch mal bedanken wolle. Ergebnis dieser Umfrage sei gewesen, dass eine hohe Bereitschaft vorhanden sei, eine Gleichstellung zu erreichen, einzig allein ob man dafür eine Quote wolle, daran würden sich die Geister scheiden. 

Auch in der AG sei man nicht immer Freund*innen davon gewesen, aber man habe feststellen müssen, dass es kein angemessenes anderes Mittel gebe, das eine Gleichstellung als Ziel in einer angemesssenen Zeit erreiche. 

Die wichtigsten Punkte des Antrages seien, dass man bei Aufsichtsrat, Ehrenrat und Wahlausschuss anteilig Frauen wählen müsse, mindestens 30%, weiterhin, dass auch das Präsidium diese Quote beachten müsse. 

[Was nach meinen Beobachtungen viele Leute noch nicht so ganz durchdacht haben ist, dass wir es hier mit einer dynamischen Quote zu tun haben. Sollten wir mehr Frauen als Mitglieder des Vereines gewinnen, dann wird auch ihre Repräsentanz in den Gremien ansteigen. Siehe dazu den genauen Satzungstext.]

Suzann führte weiter aus, dass man sich natürlich fragen könne: Warum nicht ohne Quote? Geschlecht dürfe doch keine Rolle spielen. Man habe aber festgestellt, dass viele Frauen sich die Verantwortung nicht zutrauen, dass sie glauben, als Frau nicht voll respektiert zu werden und/oder nicht das Netzwerk zu haben. Man fühle sich nicht willkommen, und es gebe hohe Hürden. Bei Männern würde man immer die Qualifikation annehmen, bei Frauen würde diese hinterfragt werden. Daher sei die Quote das wirksame Mittel, um Gremien geschlechtergerecht und diverser zu gestalten. Fragt uns gerne nach den Quellen, wir geben Auskunft. 

Die Quote sei ein deutliches Zeichen, dass wir Frauen wollen, sie sei kein „ja, aber“. Die Quote löse nicht alle Probleme, sie motiviere aber Frauen, sie stelle sicher, dass Frauen integriert werden, und sie sei ein wichtiges gesellschaftliches Signal. Die weiteren notwendigen Schritte werde die AG Diviserität begleiten. Für den Antrag seien auch das Präsidium, der Aufsichtsrat, die AFM, der Amateurvorstand und der Wahlausschuss, daher lasst uns diesen wichtigen Schritt gemeinsam gehen. 

[Eine unserer Aufgaben als Verein in der Zukunft muss es sein, für Frauen attraktiver zu werden. Wir sind weit davon entfernt, als Sportverein die Bevölkerung abzubilden. Genauso wichtig: Diese Sätze gelten genauso für andere maginalisierte Gruppen. So lange wir da nicht unsere(n) Stadt(teil) abbilden, gibt es viel zu tun. Es ist ja immer so eine Frage, wie man so einen Antrag vorstellt. Überlastet man das Ganze mit Zahlen, die sowieso sich keiner merken kann? Mache ich das Ganze ruhig? Oder kämpferisch? Die AG hatte sich für ruhig und mit der Möglichkeit, durch Fragen einzuhaken, entschieden. Und Suzann hat eine ruhige, verbindliche Art, die viel Emotion automatisch rausnimmt. Das gefiel mir. Und wird gleich noch wichtig.]

Oke ergänzte für das Präsidium, dass man den Antrag unterstütze, definitiv die Quote erfüllen wolle, man in der richtigen Situation sei und man das richtig finde und brauche. 

Kristian wies dann darauf hin, dass es eine Art Gegenantrag gebe und dieser redundant sei, wenn die Quote beschlossen würde. Deswegen bitte er jetzt um die entsprechende Begründung. 

Die Quotengegenrede

[Kurz vorab: Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich hier nun den Namen nenne oder nicht. Ich habe es im Vorbericht nicht getan, habe aber mal nachgeguckt, wie ich es über die Jahre gehalten habe. Ich habe eigentlich immer den Satz stehen, dass Namen dann genannt werden, wenn sie „vereinsöffentlich“ sind, und habe das dann immer mit einer Formulierung wie „in Amt und Würden oder aus anderen Gründen“. Und ich denke, dass diese Anforderungen bei dem zuerst sprechenden Menschen der Antragssteller*innen definitiv gegeben ist. Dies soll also kein „Outing“ oder Bloßstellen oder irgendwas sein. Sollte das irgendwer so verstehen, dann bitte ich das jetzt schon zu überdenken. Ich persönlich finde den nun folgenden Vortrag äußerst unglücklich, so unglücklich, dass er wahrscheinlich mehr Zweifler*innen überzeugt hat als der Vortrag von Suzann. Ich bin definitiv anderer Meinung als der Vortragende, aber ich finde nichts unschöner, als nun irgendwas Persönliches daraus zu machen. Die Antragssteller*innen waren anderer Meinung und haben versucht, für ihre Meinung zu werben. Dass dies voll nach hinten losgegangen ist, werdet ihr gleich sehen. Aber insgesamt sollte so ein Diskurs in einer persönlichen Wertschätzung möglich sein und ich kann den Antragssteller*innen auch immer noch die Hand reichen. Das sollten wir alle tun.]

Es sprach also Ex-Aufsichtsrat Uwe Doll. Der Aufruf dieses Namens führte im Publikum schon zu einem deutlichen Gemurmel. 

Moin liebe St. Paulianer*innen, er sei seit 1989 Mitglied, sei Mitglied im Aufsichtsrat gewesen. Die Ablehnung des Antrages liege nicht daran, dass man die Ziele nicht teile, dieses Missverständnis wolle er gleich ausräumen, man wolle eine bunte Gesellschaft, aber diese dürfe kein Dogma sein. Man würde mit einer Quote das demokratische Grundprinzip der freien und gleichen Wahlen aushebeln, und diese seien wichtiger als einzelne Ziele und eine willkürlich festgelegte Quote. 

Wenn man die Axt an die Grundfesten der Demokratie lege, um wie auch immer definierte Frauen zu fördern, dann sei das endlos und am Ende nichts mehr übrig, da man sich fragen müsse, was mit der Repräsentanz von anderen Gruppen sei [er zählte viele auf], und diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Man habe dann keine Wahl, sondern nur noch willkürlich festgelegte Gruppen, die Mandate bekämen. 

[Das rhethorische Mittel der Übertreibung wird prägend für diese Rede werden. „Ein Schneidergesell, ein niedlicher, kleiner junger Mensch, so dünn, dass die Sterne durchschimmern konnten“, um mal Heinrich Heine mit einer Übertreibung zu zitieren. Und Übertreibungen können funktionieren. Jeder Mensch, der Twitter nutzt, weiß das. Aber wenn sie nicht funktionieren, dann schlagen sie unfassbar brutal in das Gegenteil um. Ich behaupte mal, dass Populismus und Übertreibung nach dem ruhigen Vortrag von Suzann schlichtweg das falsche Stilmittel waren. Das war einfach taktisch unklug. Die Stimmung im Raum zu lesen ging hier komplett schief. 

Hätte man es sachlich versuchen können? Garantiert. Es ist natürlich schwierig bis unmöglich, gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis sachlich anzureden, aber die hier gewählte Form musste schief gehen. Dafür sitzt da halt kein Stammtisch, sondern der FCSP. 

Und natürlich liegt einem sofort „ja klar, und so etwas von einem alten, weißen Mann“ auf der Zunge. Und auch ich wollte schon ein Bingo ausrufen. Was mich insgesamt verwundert ist, dass Uwe als absoluter Kenner unserer Satzung wissen musste, wie angreifbar seine Argumentation ist. Denn unsere Satzung ist an einem ganz zentralen Punkt (der Wahl des/der Präsident*in) gerade nicht von einer freien Auswahl geprägt, die für „demokratisch“ so wichtig wäre. Diesen lässt er hier unerwähnt, aber bei einer Frauenquote stört ihn dann plötzlich ein Demokratiemangel. Denn beim Präsidium haben wir immer nur die Auswahl zwischen „friss oder stirb“, und selbst bei seiner zugespitzt weitergedachten Quote für alle maginalisierten Gruppen, die  nicht mal als Antrag zur Abstimmung vorlag, hätte man ja trotzdem noch die freie Wahl zwischen X Kandidat*innen aus den jeweiligen Gruppen. Das ist mehr Demokratie als wir zur Zeit bei der Präsidiumswahl haben.]

Die Behauptung, Frauen seien benachteiligt, sei eine falsche und vielmehr ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die Sandra aufgestellt  und gewählt hätten. Tatjana Groeteke und Sandra hätten bei ihren Wahlen jeweils das stärkste Ergebnis eingefahren, die von den Quotenfans behauptete Diskriminierung scheint es nicht zu geben. 

[Wollen wir noch mal über taktisch unklug reden? Hier Sandra ins Spiel zu bringen, die ausdrücklich den Antrag unterstützt, kann nur schief gehen. Sachlich ist das natürlich eher schwierig als Argument, denn wie Suzann gerade ausführte soll Quote ja gerade mehr Kandidatinnen bringen. Dass die sehr wenigen Kandidatinnen beim FCSP meistens auch gewählt wurden, ist kein wirkliches Gegenargument. Nebenbei wurde unsere Stadionsprecherin auch mal nicht gewählt. Und damit sind dann auch alle weiblichen Kandidatinnen für den Aufsichtsrat erwähnt, die ich in meiner FCSP-Zeit erlebt habe.]

Wichtiger seien doch die Qualifikation und die Werte des Vereines. So könnte unter Umständen auch jemand gewählt werden, der Beatrix von Storch oder Eva Hermann gleiche. 

[Sind wir hier im alten Internet? Godwin’s Law lässt grüßen. Ohne Nazi-Vergleich geht es auch bei einer Quotendiskussion nicht. Dass solche Nazis natürlich nur Frauen sein können und natürlich die Situation viel besser ist, wenn – wie in den letzten Jahren – immerhin 8 Menschen für 7 Plätze antreten, zeigt, wie weit hergeholt die Idee ist. Nebenbei: Mit dem Extrem zu argumentieren ist meistens eher schwierig. Mal ganz davon ab, dass Uwe sich hier selber ins Knie schießt, denn auf der einen Seite zu behaupten, dass Frauen bei einer Quote eigentlich immer nicht die notwendige Qualifikation hätten und auf der anderen Seite aber die beiden gewählten Frauen zu loben und Frauenförderung zu wollen, ist nicht wirklich konsequent.]

Die fachliche Qualifikation müsse im Vordergrund stehen, wolle man denn auch beim Sportchef irgendwann auf eine Quote setzen und müsse dann Bornemann entlassen? Er sei Aufsichtsrat für mehr als 10 Jahre gewesen, habe mehr als 20 Jahre aktiv mitgearbeitet und habe auch dafür gesorgt, dass man bei den Aufsichtsratswahlen nur 4 Stimmen habe und so niemand seine Leute durchwählen könne. 

[Eine Regelung, die nebenbei auf den ersten Blick sehr geil aussieht. Wenn man jedoch bedenkt, dass unsere Satzung nur in sehr wenigen Fällen im Aufsichtsrat eine qualifizierte Mehrheit vorsieht, ist das eher eine Scheinlösung. Man kann diesen Verein mit einer 4 zu 3 Mehrheit bequem leiten.]

Man wolle mehr Frauen mehr ermutigen, aber man müsse auch das Risiko übernehmen, dass man nicht gewählt werde. Verlieren können gehöre auch zur Demokratie. Er könne sich eine Vielzahl von Werbemaßnahmen vorstellen. Er verweise da auf den auch von ihm eingebrachten Antrag zu den Leitlinien. Er wolle jetzt aber schon erklären, dass dieser Antrag zurückgezogen würde, wenn der Satzungsantrag durchgehe. Nun wolle seine Mitantragsstellerin noch ein paar Worte sagen.

[Merkt ihr was? Der Quotenantrag wird damit begründet, dass man damit effizient mehr Frauen dazu bringt, sich zu bewerben. Der Gegenantrag impliziert die ganze Zeit, dass dies nicht der Fall sein werde und die wenigen Frauen, die sich bewerben würden, dann immer sofort gewählt werden würden. Mit keinem Wort werden aber die eben vorgetragenen Erkenntnisse von Studien in Zweifel gezogen oder einfach gesagt „Ich glaube nicht, dass die Quote wirksam genug ist, um eine genügende Auswahl unter den Frauen zu haben“. Ich wette nicht wirklich häufig, aber ich behaupte mal, dass wir in den nächsten Jahren immer genügend weibliche Kandidatinnen haben, um eine Auswahl zu treffen. Und vergesst nicht, dass wir bei der Aufsichtsratswahl gerade mal 8 Kandidat*innen auf 7 Plätze hatten. Es ist also nicht so, dass da nun die wahnsinnige Auswahl vorherrschte.]

Die Mitantragstellerin [deren Namen ich nach den oben aufgeführten Grundsätzen nicht nenne. Mir ist klar, dass das inkonsequent wirkt, aber es ist meines Erachtens konsequent.] ergänzte nun, dass sie nicht verstehe, dass Frauen sich nicht trauen würden. Die Quote sei eine nette Einladung für Frauen, man müsse sich mal vorstellen, die Tür würde einer Frau aufgemacht und man führe sie die Treppen hinauf, man geleite sie zu ihrem Stuhl und rücke ihn ihr zurecht, und dann sieht sie Menschen, für die das nicht gemacht wurde, die das alles selber gemacht hätten, und dies sei unfair. Gleichberechtigt sein heiße auch „gleiche Chancen“ und dies sei hier nicht der Fall, vielmehr sei dies eine Diskriminierung von Frauen.

Sie selber wolle nicht über Geschlechtsmerkmale definiert werden. Sie sei in der Sowjetunion aufgewachsen, sie habe da gelernt, dass das Ziel echte Gleichberechtigung sein müsse, Frauen müssten darüber nachdenken, die Quote jedoch sei eine zu schnelle Änderung und sei zu kurz gedacht. Damit sei außer Repräsentation nichts erreicht. Prozesse bräuchten ihre Zeit, die müsse man sich nehmen. Man sollte daher was anderes machen als die Quote. Dies sei das falsche Signal, auf dieses undemokratische Mittel zu setzen.

[Viele empfanden diese Rede als „besser“, aber ehrlich gesagt war sie damit noch lange nicht gut. Denn es ist auch schon wieder ein Jahrzehnt her, dass Frauen ans Mikrofon beim FCSP traten und deutlich auf die Unterrepräsention von Frauen hinwiesen. Was ist seitdem passiert? Und wo ist der langsame Prozess, der deutlich nach vorne geht, den man abwarten könnte? Das wäre vielleicht alles vor 15 Jahren beim FCSP noch argumentativ auf zustimmende Ohren getroffen, aber dieser Zug ist abgefahren. Zu wenig hat sich verändert.

Es bleibt auch hier die Frage, was eigentlich genau der Kritikpunkt an der Quote ist. Undemokratisch? Wie oben schon geschrieben, das ist ein schwieriges Argument. Unfair gegenüber Männern? Das ist ebenso schwierig. Auch bleiben die Alternativen extrem unklar. „Lass uns was anderes machen“ überzeugt mich immer dann am Besten, wenn es sehr konkret ist.]

Welcome to my ted talk / Die Quotenaussprache

Es folgte die Aussprache. Und ganz ehrlich, ich hätte hier Schlimmes erwartet. Und es kam doch ganz anders. Ich kürze teilweise. 

Es begann Jörn Sturm (Amateurvorstand), der erklärte, dass er auch erst gegen eine Quote gewesen, er aber nun überzeugt sei. Es habe sich das heute wieder gezeigt, wenn Esin nach ihrem Bezug zum Fußball gefragt werde – das  würde ein Mann nie. Und dies passiere so jeden Tag. Wir seien ausgrenzend, wir hätten deswegen nur 24 % weibliche Mitglieder, und wir bräuchten dringend mehr. 

[Der Autor wollte auf der MV Jörn spontan heiraten. Wie oben geschrieben geht es nicht mal darum, ob die Frage legitim war oder nicht. Sie wurde ganz konkret einer Frau gestellt, und Jörn verwandelt diesen Elfmeter zielsicher und mit Anlauf. „So gehen Populismus und Emotionen, Digga“ möchte man Uwe zurufen.]

Es folgte Stephanie Gonçalves Norberto [die für die Namensnennung hier im Bericht als pädagogische Leiterin im NLZ garantiert ein Grenzfall ist, aber ich musste diesen wundervollen Nachnamen einfach schreiben. Viele Grüße, liebe fast-Namensvetterin.]

Sie stellte sich vor und sagte, sie sei knallhart für Frauen. Weniger als 10 % aller Führungspositionen seien mit Frauen besetzt, aber 60 % aller Frauen würden sich für Fußball interessieren. Man müsse hier nur in die Reihen der MV schauen – das sei nicht divers. Diversität bedeute auch deutlich mehr als Frauen, aber sie wisse, dass dies die Antragsstellerinnen auch so sehen würden und im Blick hätten. 

Man brauche „weibliche und nichtbinäre Vorbilder für unsere Töchter, und für unsere Rabauken“. Auch für die Spieler im NLZ. Dies sei Teil der Zukunftsfähigkeit und andere Vereine seien da wesentlich weiter. Studien hätten gezeigt, dass Unternehmungen mit einer Repräsentanz von Frauen in den Führungsgremien bis zu 30 % mehr Gewinn machen würden. 

„Welcome to my ted talk“ schloss sie.

[Ich mag ja kapitalistische Argumente als Mensch, der gerade einen Gastbeitrag für ein kommunistisches Propagandamedium schreibt, nicht wirklich, aber es liegt eigentlich auf der Hand. In der eigenen Suppe zu schwimmen ist nie gewinnbringend. Und auch das durchbricht die Quote.]

[Ab hier stark gekürzt noch ein paar Ausschnitte]

Ein Mitglied optisch Typ „alter weißer Mann“ [und ich dachte noch, dass nun die Gegenrede käme] kloppte dann sehr emotional in die gleiche Kerbe. Man müsse nur hören, was bei Spielen der Jugend so in den Kabinen geredet werde – da seien Sexismus und andere Diskriminierungen an der Tagesordnung. Dies müsse sich ändern und dafür bedürfe es Frauen als Vorbilder. Man müsse auf der Führungsebene Frauen erzwingen, da Männer die Macht nicht abgeben wollen. Wir müssen Frauen unterstützen, dafür gibt die Quote Hilfe. „Frauen verändern die Welt.“

Ein weiteres Mitglied meinte, man brauche nun die Quote. Vielleicht in Zukunft nicht mehr, aber nun brauche man sie. 

Viele Redner*innen empfanden die 30 % selbst als zu wenig und regten eine 50 % Quote an. Ein im Rollstuhl sitzendes Mitglied führte an, dass sie als Frau und Rollstuhlfahrerin genug diskriminiert werde, auch in diesem Verein. Davon müsse man weg, und dafür brauche man die Quote. 

Was aber ausblieb: Ein anderer Beitrag gegen die Quote. Oder er ist mir und meinen Back-Ups komplett entgangen. {Dann ist dieser auch dem Kollektiv entgangen, wir halten das daher mal für ausgeschlossen.}

Kristian sah dann keine Notwendigkeit für eine schriftliche Abstimmung. Aus der Versammlung wurde noch eine schriftliche Abstimmung gefordert, diese aber mit einer klaren Mehrheit abgelehnt.  

Der Antrag an sich wurde dann bei 5 Gegenstimmen angenommen.

[Wow! Was für ein Erfolg. Hätte ich in dieser Klarheit nicht für möglich gehalten. Glückwunsch an die AG Diversität und auch Glückwunsch an einen Teil des magischerfc-Kollektivs, die diese Idee mal aufgebracht hat. So ein Antrag bedarf sehr vieler Reden und braucht sehr viel Zeit, denn auch wenn am Ende alle Gremien diesem Antrag zustimmten, bedurfte es auch ein bisschen Klinkenputzen. So etwas fällt nicht vom Himmel. Respekt, dass Ihr diesen Weg erfolgreich gegangen seid! Und wir ihn nun hoffentlich weiter gehen, denn wie viele Redner*innen anmerkten ist 30 % Frauenquote nur ein klitzekleiner erster Schritt. Aber häufig genug ist der erste Schritt einer Reise immer der schwerste. Hoffen wir das hier auch. 

Der Autor dieser Zeilen freut sich auch, hat er doch einen klitzekleinen Part beim Formulieren der Satzungsbestimmung gespielt. Und ganz ehrlich: Mal sehen, ob die in der Praxis nicht irgendwo einen Fehler hat. Man hat wirklich versucht an alles zu denken, aber ich spucke hier immer große Töne, wie wenig durchdacht unsere Satzung an einigen Stellen ist; mal sehen, ob sie es hier ist.] 

Die Erweiterung des Amateurvorstandes

Carsten Balschat begründete den Antrag kurz und knackig damit, dass Diversität gefordert sei, man wolle daher ein weiteres Mitglied im Amateurvorstand, man ist sich auch klar, dass dies nur ein erster Schritt sei, er bitte dafür zu stimmen. 

Christiane erklärte, dass sich das Präsidium über diesen Vorstoß freue und ihn unterstütze. 

Kurz und schmerzlos wurde der Antrag dann bei einer Enthaltung angenommen. 

Springer enteignen / Die sonstigen Anträge

Uwe stellte einen Geschäftsordnungsantrag und zog wie vorher erklärt den Gegenquotenantrag zurück. 

Antrag Umgestaltung Denkmäler

Gregor und Natascha [beide auch bekannt durch Fanräume e.V. ;-)] begründeten ihren Antrag damit, dass der Gedenkort aus drei Elementen bestünde: Einer Tafel für Otto und Paul Lang, einem Stein, der den Gefallenen von 1914-1918 und 1939-1945 gedenke, und einer Tafel für die NS-Opfer. Jedes dieser Elemente bedürfe einer Überarbeitung, auch weil sie keinen Bezug aufeinander nehmen würden. Der Ort sei auch eine Visitenkarte des Vereines, weil man da auf dem Weg zur Geschäftsstelle vorbei käme; man müsse da zur Tat schreiten. Es war den Antragsteller*innen wichtig, das höchste Organ gleich mit ins Boot zu holen, es solle in der Diskussion Gehör und Platz finden. 

Jochen Winand ergänzte für das Präsidium, dass man sich als Präsidium darüber freue und darum bitte, bei der Einrichtung der Kommission Menschen zu berücksichtigen, die hauptamtlich für den Verein tätig sind und für das Museum. 

Ich weiß nicht mehr von wem, aber es wurde auch noch ergänzt, dass Nachwuchsspieler*innen beteiligt werden sollten, damit sie ihren Beitrag leisten könnten. [War das auch Stephanie? Ich meine ja, aber ich hab es mir nicht aufgeschrieben. {Ja, das war Stephanie.}]

Dem Antrag wurde dann ohne Gegenstimmen und ohne Enthaltungen zugestimmt. 

[Und das ist auch gut so. Ich freue mich jetzt schon auf die Präsentation eines neuen Gedenkortes, der angemessener, würdevoller und weniger widersprüchlich an die Opfer des Nationalsozialismus und des Krieges erinnert und dabei auch Schicksale einzelner Vereinsmitglieder beleuchtet. Das wird garantiert nicht einfach, aber bei den Antragsteller*innen und einer entsprechenden Kommission sehe ich das Thema in guten Händen. Sie werden das garantiert gut lösen.]

Antrag „Handläufe Niedergänge Sitzplatzbereich“

Der ursprüngliche Antrag wurde vom Antragssteller durch einen Dringlichkeitsantrag ersetzt. Sinngemäß wie folgt: 

„Man möge prüfen, wie baurechtlich barrierefrei Plätze geschaffen werden können, auch durch Hilfsmittel mit Einbezug des Antragsstellers“ 

Zur Begründung erwähnte der Antragssteller, dass man beim Thema Barrierefreiheit viel verschlafen habe beim Neubau. So seien auch die Rampen für die Rolliplätze zu erklären, die nachträglich gebaut werden mussten. Man habe nun Hörplätze für Hörgeschädigte und Gebärdendolmetscher, aber es gebe noch viel zu tun. So seien die Treppen auf den Tribünen für viele Menschen unüberwindbar, gerade der Abstieg bereite Probleme. Man müsse das prüfen und kritisch hinterfragen. 

Die Dringlichkeit wurde dann mit der notwendigen 2/3-Mehrheit festgestellt und dem Antrag ohne Gegenstimmen und Enthaltungen zugestimmt. 

[Es ist ein Elend mit unserer Satzung. Warum eine schlichte Änderung eine Dringlichkeit mit ihren Hürden erfordert, will einfach nicht in meinen Kopf. Und es führt praktisch dazu, dass bei solchen einfach nur abgeänderten Anträgen die Zweistufigkeit immer mehr verwischt. Denn eigentlich müsste auch mal zur Dringlichkeit vorgetragen werden. Und die könnte man z.B. hier sehr gut verneinen. Warum sollte man so einen Antrag nicht auch bei der nächsten MV erneut und fristgerecht stellen können? Warum genau ist er so dringlich in seiner abgeänderten Form, dass er nun beschlossen werden muss? Früher ist es auch so gehandhabt worden, dass vor einer inhaltlichen Befassung erstmal NUR zur Dringlichkeit vorgetragen wurde. Und eben nicht inhaltlich. Da ist unsere Satzung jedoch nicht wirklich deutlich, weil sie von „darf nur abgestimmt“ spricht. Inhaltlich hat der Antrag jedoch meine volle Sympathie. Der Verein macht beim Thema „Barrierefreiheit“ gerade große Schritte nach vorne, siehe „Klartext St. Pauli“ und die Viva vom Ingolstadt Spiel. Das ist ganz wundervoll. Vieles ist noch anzupacken, aber ich bin guter Hoffnung, dass da weiterhin an Lösungen gearbeitet wird und diese auch gefunden werden.

An unserem Antragswesen müssen wir aber gerade bei solchen unglücklich formulierten Anträgen arbeiten, denn die hohen Hürden für einen Antrag und die Notwendigkeit, über eine Dringlichkeit zu gehen, wenn man diese in seiner Formulierung nicht erreicht, ist auch eine Art der Barriere, von der wir uns befreien müssen, wenn wir mehr Partizipation haben wollen.]

Bild oder nicht Bild, das war eigentlich nicht die Frage / Der „MV darf Presse ausschließen“-Antrag

[Ach, es ist doch ein Kreuz. Der Vorlauf zu diesem Antrag war schon wieder zum Abgewöhnen. „Angriff auf die Pressefreiheit“. Leute, geht es auch eine Nummer kleiner? Menschen verstehen heutzutage einfach Grundrechte nicht mehr. Insbesondere wenn sie meinen, dass es das ihrige sei. Wenn man Meinungsfreiheit oder Pressefreiheit sagt, dann denken Menschen echt, dass das schrankenlos und darüber alles genehmigt sei. Das ist aber nicht der Fall. Pressefreiheit ist nicht grenzenlos und auch der FCSP schränkt Pressefreiheit ständig ein. So unterliegen z.B. Blogs jeglicher Art wohl nach herrschender Meinung der Pressefreiheit des Art. 5 (vgl Maunz/Dürig Art 5 Rdnr 250ff; sorry, dass ich hier den konservativen Grundgesetzkommentar mit dem ekligen Namen zitiere, es ist der einzige, auf den ich gerade Zugriff habe) und trotzdem könnt Ihr ja mal versuchen, mit Eurem Blog bei einer Pressekonferenz eines Bundesligsten zugelassen zu werden oder einen Fotograf*innenplatz zu ergattern. Ihr werdet wahrscheinlich in den meisten Fällen keinen Erfolg haben.  Man wird sich da immer auf „Presseausweis und damit hauptberufliche*r Journalist*in“ als Abgrenzungskriterium berufen, und solche Einschränkungen sind auch von Gerichten akzeptiert worden. Sie bleiben trotzdem ein Eingriff in die Pressefreiheit. Das verstehen Journalist*innen auch gerne nicht. Nein, ein Presseausweis und/oder eine Hauptberuflichkeit ist eben keine Voraussetzung für dieses Grundrecht. 

Titeln beim Ausschluss von Blogs überall die Hamburger Medien mit „Angriff auf die Pressefreiheit“? Oder wenn bei der IAA Journalist*innen trotz Akkreditierung von der Polizei in Gewahrsam genommen werden? https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-iaa-praeventivhaft-aktivisten-1.5409141  Eher nicht. Man sollte immer mal überlegen, wann man denn meint, eskalieren zu müssen und wann nicht. Einer sachlichen Diskussion wird mit dieser Überdramatisierung vollkommen der Boden entzogen. Und dies führt nur zu Populismus und „neue Dimension der Gewalt“-Gelaber, die unsere ganze Gesellschaft so vergiften.

Wichtiger Hinweis: Der FCSP hat zumindest in der Vergangenheit gegenüber Blogs  (und anderen Fanmedien) bei entsprechenden Anfragen immer eine Lösung gefunden, die über den oben beschriebenen Formalismus hinaus geht. Daher bitte das Beispiel nicht auf den FCSP verallgemeinern.]

Die beiden Antragssteller begründeten ihren Antrag damit, dass man der Mitgliederversammlung ein weiteres Werkzeug geben wolle. Dies sei der primäre Grund für diesen Antrag. Es ginge hier nicht darum, der Pressefreiheit den Garaus zu machen; dies möchte man zurückweisen. Dies sei eine nicht öffentliche Veranstaltung und man möchte über das Zulassungsverfahren sprechen. 

Man habe das mit einer Bitte an das Präsidium formuliert, weil man eine Regelung haben möchte, mit der alle leben könnten und die rechtssicher sei. Es ginge nicht um einen automatischen Ausschluss bei jeder MV, sondern auf Antrag, wenn die MV das wolle. Es ginge darum, mehr Rechte der MV zu geben. Insbesondere bei hitzigeren MV sollte auch eine Diskussion im internen Kreis möglich sein. Man sehe aktuell keinen Grund, aber man sollte dieses Werkzeug nun schaffen. 

Es müsse dann auch geklärt werden, wo die Grenzen verlaufen, Stichwort Blogger*innen, aber deswegen habe man den Antrag so gestellt. 

Oke hielt für das Präsidium dann die Gegenrede. § 16 Nr. 4 unserer Satzung bestimme, dass die Versammlung nicht öffentlich sei, aber das Präsidium das Verfahren für die Zulassung bestimme. Da wolle man es auch belassen. Er stimme aber dem Antragsteller insoweit zu, dass die heutige Berichterstattung zu weit gehe. Die Presse werde schließlich auch nicht zu Präsidiumssitzungen eingeladen, weil es da einfach auch Dinge zu besprechen gäbe, die man ohne Öffentlichkeit besprechen müsse, und auch da schreibt niemand was vom „Ende der Pressefreiheit“ 

Die Antragssteller ergänzten dann noch mal, dass dies nichts Extravagantes sei, viele Vereine hätten diesen Passus. 

Oke sprach sich dann dagegen aus, weil er auch einen „Walk of Shame“ für eventuell ausgeschlossene Medienmitglieder vermeiden wolle. Dies hätten diese nicht verdient. [Oh, mir würde da schon ein Medium einfallen, das ich genau so unter „Buh“-Rufen und Beleidigungen endgültig verabschieden möchte. Mal ganz davon ab: Ich habe mir „geht es auch eine Nummer kleiner, Oke?“ aufgeschrieben. ]

Die restliche Diskussion war sehr viel kleinteiliger Kram und ich bin ehrlich gesagt auch komplett ausgestiegen. 

Der Antrag wurde am Ende mit einer großen Mehrheit abgelehnt. 

[Der Antrag war definitiv nicht perfekt; es wäre wahrscheinlich besser gewesen, gleich einen entsprechenden Satzungsantrag zu stellen. Ich persönlich habe trotzdem große Sympathien für diesen Antrag. Nix gegen mein Präsidium, aber wenn man dieses „höchste Gremium des Vereines“ ernst nimmt, dann sollte dieses Gremium auch so viel Selbstautonomie wie möglich haben. Nur Dinge, die absolut notwendig sind, um einen geregelten Ablauf zu gewähren, sollten fremdbestimmt sein. Und dazu gehört die Frage, ob Presse anwesend sein sollte, schlichtweg nicht. Und machen wir uns nichts vor: Presse ist ein Druckmittel. Nun stellt Ihr Euch mal vor, ein Mitglied würde da mit vollem Namen Hausverbot für die TAZ (oder eine andere Zeitung) fordern. Mir würden da Zeitungen einfallen, die ihre ganzen Bluthunde losschicken würden, um diesem Menschen die Hölle heiß zu machen. Vielen Mitgliedern fiel diese angebliche Zeitung auch ein. Mich nerven diese „aber wir müssen doch dieses Blatt tolerieren“-Argumente. Ich muss kein Blatt tolerieren, das Blut an den Fingern kleben hat und rechtsradikale Scheiße in die Welt hinaus posaunt. Da endet schlichtweg die Pressefreiheit. Und dieses Blatt regelmäßig aus einer MV inklusive „Walk of shame“ auszuschließen wäre schon mal ein guter Anfang. Leider ist man bei uns im Verein aus meines Erachtens falsch verstandener Toleranz noch nicht so weit. Es gilt da noch ein dickes Brett zu bohren. Wäre man so weit, gegen dieses Blatt wirklich kämpfen zu wollen, dann muss man sich natürlich fragen, wie ich verhindere, dass dieses Blatt einzelne Menschen abschießt. Denn nicht jeder, der handelt, arbeitet in einer Bild-freien Umgebung. Und das kann Menschen wirklich schaden. Oh, jetzt hab ich ja doch den Namen dieses Stückes Scheiße genannt.]

Sonstiges / Busfahrerwitze

Es wurde nach einer regelmäßigen Durchführung der MV im Stadion gefragt. Siehe oben. 

Es meldete sich der Busfahrer der Profis zu Wort; seine Rede fasse ich mal unter einer Mischung aus Busfahrerlatein und „die Stimmung ist gut, wir reißen richtig was“ zusammen. Passte zwar nicht so wirklich, aber zur Erheiterung der Massen war es geeignet. 

Es wurde noch nach 2G gefragt. Da hat uns die Realität überholt, muss ich nichts zu schreiben. 

Fazit?

Gibt es wie immer nicht. Dafür aber ein hidden Bonustrack 

Bonustrack / Die Suche nach dem verlorenen Antrag

Wir hatten irgendwann in den 00er Jahren ein „Rock and Roll“-Trikot, in dem wir letztendlich auch wieder aus der Regionalliga Nord in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind. Das Diskutable an diesem Trikot war, dass das Wappen auf diesem in silber abgebildet war. 

Als nun unser 3. Trikot 2021/2022 auf den Markt kam und dieses ein verändertes Wappen hatte, meinten viele Menschen zu erinnern, dass genau so etwas durch einen Antrag auf einer MV ausgeschlossen worden sei. Und fragten mich, ob ich das erinnern könne. 

Kann ich nicht, aber ich hatte irgendwie auch dunkel eine Diskussion über das Thema im Kopf. Ich habe mich also mal auf die Suche gemacht, und da stellt sich grundsätzlich eine Frage, die ich auch nicht wirklich beantworten kann: Wer sorgt eigentlich offiziell dafür, dass Anträge nicht in Vergessenheit geraten? Wie lange werden Protokolle aufbewahrt und könnte man die einsehen? Diese Fragen konnte ich nicht klären, aber ich habe mal meine MV-Berichte durchsucht. Die sind aber nicht vollständig, da nicht für jede MV ein solcher Bericht gefertigt wurde und/oder noch vorliegt. ABER wenn dieses Trikot in der Saison 2006/2007 getragen wurde, dann müsste es doch in dieser Zeit eine Diskussion darüber geben haben, oder? 

MV 2006? Nein! 

http://www.fanclubzweiundvierzig.de/nrsa274.html

aoMV 2007? Nein! 

http://www.fanclubzweiundvierzig.de/nrsa291.html

(Haha, das zu lesen tut noch 14 Jahre später weh.) 

MV 2008? Nein! 

(wer den Bericht lesen möchte: Passwort ist StP1910)

Es fehlt die ordentliche MV 2007. Denn leider liegen die NRSA-Berichte aus einer Periode von 11/07 bis 05/08 nicht mehr vor. Auch andere Quellen finden nichts. 2007 auf der ordentlichen MV haben wir aber definitiv über den Verkauf des Stadionnamens diskutiert. 

Wir können diese Frage also nicht abschließend lösen, so dass dieser Bonustrack – wie so viele Bonustracks – viel zu wünschen übrig lässt. 

Abschließend noch mal vielen Dank an das magische Kollektiv. Wir lesen uns wahrscheinlich zur 2. MV des Jahres wieder. 

​​​​​​​ 

Aug 272021
 

Liebe Lesende, da nur noch ein weiterer Antrag bisher aufgetaucht ist, fasse ich die weiteren Erkenntnisse in diesem Beitrag zusammen.  

Die Veranstaltung am 24.08. 

Die Veranstaltung am 24.08 war erstmal vereinsöffentlich, aber es war eben doch keine MV*. Anders als bei einer MV daher hier keine wortwörtliche Wiedergabe. Ich beschränke mich auf neugewonnene oder ergänzende Erkenntnisse in Bezug auf die diskutierten Anträge.  

*Auch eine MV ist laut Satzung nicht öffentlich, um dann durch die breite Zulassung von Medienvertreter*innen de facto wieder öffentlich gemacht zu werden. Wir kommen aufgrund eines Antrages darauf noch zurück. Das ist imho ein entscheidender Unterschied zu dieser obigen Veranstaltung. Ich denke aber, es ist nur fair und im Sinne der Veranstaltenden AGiM Argumente, die im Verlauf der Veranstaltung gebracht wurden, diese weiter zu tragen (auch um euch alle noch besser auf die MV vorzubereiten). Insbesondere auch, wenn sie vielleicht Fragen, die in Teil 1 und 2 aufgeworfen wurden, beantworten oder zu beantworten versuchen.  Ich verzichte daher auch auf Namen der Antragssteller*innen, selbst wenn sie mir bekannt sind. Es ist vielleicht kein großes Geheimnis, dass der „Gegenantrag Quote“ u.a. von einem ehemaligen Aufsichtsratsmitglied gestellt wurde, aber diese Angabe grenzt die Identität nur ein, gibt sie aber imho nicht preis.  

Danke erstmal an die AGiM für die Organisation und Moderation. Und es sei so viel verraten, dass dies trotz des prinzipiell schwierigen Mischformat (Online und Präsenz)  gut gelöst war. [Auch wenn wir als Kollektiv ein paar Mal gehört haben, dass Äußerungen aus dem Publikum wohl online nicht so gut zu verstehen waren.]. Danke dafür an alle beteiligten Menschen. Nun zu den neuen Erkenntnissen. Ich setze dabei die Kenntnis der Teile 1 und 2 sowie der Inhalte der Anträge voraus.  

Besondere Vertreter*innen

Es tut mir jetzt schon leid, was nun folgt. Wir sprechen hier über keine einfachen Sachverhalte und ich weigere mich, euch einfache Lösungen zu präsentieren. Ich schreibe nun ganz viel „ja, aber“-Argumentationen. Ob euch das zufriedenstellt? Bitte seht und denkt selbst.  Ich habe meine Bauchweh mit dem im Antrag enthaltenen Satz „Hiervon ausgenommen sind die besonderen Vertreter*innen (§ 24a), die ausschließlich den Weisungen des Präsidiums unterliegen, sowie Aufträge an das Präsidium, den besondere Vertreter*innen Weisungen zu erteilen.“ deutlich zum Ausdruck gebracht und meine vermutete Lesart deutlich gemacht.  Die Antragssteller*innen sehen das genau anders herum und wollen mit dem letzten Halbsatz genau eine indirekte Anweisung an die besonderen Vertreter*innen ermöglichen. Dies wurde noch mal mehrfach deutlich gemacht auf der Veranstaltung, denn nicht nur mir ging es so mit der Interpretation. 

Ich sage es mal so: Meine Bauchweh mindert das deutlich. JEDOCH nicht langfristig und vollständig. Natürlich ist der historische Wille des Gesetzgebers eine nicht ganz unwichtige Auslegungsquelle. Es ist aber nicht die einzige Auslegungsart (Jurastudierende sind gerade kotzen gegangen) und ein Gesetz kann sich vom Willen des Gesetzgebers emanzipieren, insbesondere wenn die Formulierung unglücklich ist. Und wenn es – wie in diesem Fall – ja auch keine offiziellen, öffentlichen und schriftlich festgehaltenen Motive (im Sinne von Protokollen dazu, wie es gemeint ist) gibt. Man hätte das besser nicht als Schachtelsatz formulieren sollen, sondern als Ausnahme und dann als Ausnahme von der Ausnahme. Aber das ist nichts, was nicht eine redaktionelle Satzungsreform ausbügeln kann. Und die wird kommen. 

Viele Beiträge drehten sich auch um die Möglichkeit von Rücktritten gewählter Präsidiumsmitglieder und der dann entstehenden Unwucht gegenüber den besonderen Vertreter*innen. Und hierzu ist die Regelung im Vorschlag wahrscheinlich nicht wirklich auf alle Eventualitäten gut vorbereitet. Dazu folgendes:  Es ist Aufgabe von Jurist*innen, alle Eventualitäten durchzudenken. Man muss dabei aber auch vorsichtig sein. Wenn man nämlich versucht, alle extremen Eventualitäten bis ins letzte Detail für alle zufriedenstellend zu regeln, dann kommt ein unverständlicher und auch unanwendbarer Kauderwelsch heraus. Guckt euch gerne mal das Einkommensteuergesetz an. Auch gibt es einfach Momente, die nicht regelbar sind. Wenn Oke und alle Vizes morgen zurücktreten, dann haben wir ein Problem. Und das kann man nur bedingt durch eine Satzungsregelung ändern. Fakt ist, es kann hier zu Momenten kommen, in denen wir mehr besondere Vertreter*innen haben als gewählte Präsidumsmitglieder. Vorteil der besonderen Vertreter*innen in diesem Moment: Wir bleiben handlungsfähig(er) als Verein. Nachteil: Ein nicht direkt (!) von der Mitgliederversammlung gewähltes Organ übernimmt viele dieser Handlungen. Man kann hier vollkommen zu Recht Bauchweh haben. 

Ich persönlich (!) teile diese Bauchweh, denke aber wie bei dem ersten Punkt, dass man dies auch nachträglich noch ausbessern bzw. noch besser regeln/formulieren kann und dies auch tun wird. Ich denke auch, dass sich in der Praxis da sowieso noch Fehlerchen finden werden. Was uns immer klar sein muss: Besondere Vertreter*innen bleiben eine Hilfskonstruktion, die unseren Abwägungen im Verein geschuldet ist. Natürlich kann man zu einem e.V. ein ehrenamtliches Präsidium passender finden. Ich bin jetzt aber auch mal ganz gehässig und sage, dass ein Idealverein nicht gerade das passende Vehikel für eine Unternehmung mit 600 Millionen Umsatz und ca. 300 Vollzeitäquivalenten ist. Nett nebenbei, dass da mal jemand eine Zahl genannt hat. Das klingt für mein Herz sehr viel präziser als „600 Mitarbeiter*innen in Voll- und Teilzeit“. 

Ich weiß, ich begebe mich auf dünnes Eis, aber rein juristisch ist halt eine Ausgliederung sehr viel sauberer. Juristerei ist aber nicht alles, und wir müssen dann damit leben, dass wir es uns an einigen Stellen kompliziert machen (wollen). Das ist finde ich außerhalb meines juristischen Herzens auch vollkommen richtig. Wir sind halt wir, und einfach können andere. Zur Quote Es gab eine lebhafte Diskussion. Es gab gute und weniger gute Nachfragen. Es gab gute und weniger gute Anmerkungen. 

Ich möchte daraus nur einen Aspekt auswählen. Es wurde argumentiert, dass man ja bei zwei Kandidatinnen und zwei Ämtern alle wählen müsste, selbst wenn eine davon AfD-Anhängerin sei.  Richtig ist, dass unsere Satzung bei Aufsichtsratswahlen keine „Nein“-Stimmen kennt. Dies gilt eventuell selbst dann, wenn wir so viele Kandidat*innen haben wie es Ämter gibt. Aber es gibt einen Ausweg, denn § 19 Nr. 3 Abs. 3 sagt folgendes:  „Für den Fall, dass Anzahl der Kandidat*innen und Anzahl der zu besetzenden Positionen im Organ gleich sind, kann die Gruppe/Person per Akklamation mit einfacher Mehrheit bestätigt werden.“  

Das schöne Wort „kann“ sagt, dass man auch normal wählen kann und dann gilt eine relative Mehrheit und das heißt, dass alle gewählt sind, die angetreten sind. Man kann (!) dies aber verhindern, denn wenn bestätigt werden darf, dann darf auch abgelehnt werden. Das Beispiel ist also Bullshit. Und es bleibt auch die Frage, warum das jetzt bei der Quote auffällt, wenn doch bei unserer letzten Aufsichtsratswahl gerade einmal 8 Kandidat*innen für 7 Plätze antraten. Das (Schein-)Problem gibt es also auch unabhängig von einer Quote. Und eine Quote soll ja gerade mehr Kandidatinnen (!) bringen und reduziert dieses (Schein-)Problem damit selbst. Noch bemerkenswerter ist, dass die Person, die dieses Scheinproblem bildete, meines Wissens in diversen Satzungskommissionen saß. Es wäre jedoch nicht unsere Satzung, wenn die Regelung nicht ein bisschen verbesserungswürdig wäre, denn „kann“ benötigt immer jemanden, der entscheidet, ob man es macht, und wer das ist wird in der Satzung auch nicht bestimmt. Auch kann man dann wohl nur alle Kandidat*innen ablehnen, was man ja eigentlich in dem gebildeten Beispiel nicht will. Aber unsere fiktive AfD-Anhängerin ist nie automatisch gewählt. 

Ich möchte noch etwas anmerken: Wenn wir es als Verein nicht schaffen ein*en Kandidat*in so zu kennen, dass wir eine AfD-Sympathie definitiv ausschließen können und/oder keine*n Gegenkandidat*in organisiert bekämen, dann hätten wir aber sehr viel Schläge verdient. Es wurde – zu Recht – nach non-binären Menschen und ihrer Repräsentanz gefragt. Da ist die Quote unter unseren Mitgliedern noch verschwindend gering, so dass eine prozentuale Quote hier wenig ändern würde. Dass von den meisten Sportverbänden immer noch eine binäre Geschlechterstruktur vorgegeben wird, macht das Ganze nicht besser. Ich hatte aber auch deutlich das Gefühl, dass jede*r*m klar ist, dass die Quote nur ein erster Schritt ist. Menschen mit Wissen konnten der Versammlung aber berichten, dass es ein sehr wichtiger Schritt ist, der auch non-binäre Menschen ermutigt, so dass eine „Sogwirkung“ entsteht. 

Handläufe-Antrag

Es ist schwierig. Ich glaube schon, dass der Antragssteller sehr viel Gutes will. Und ich glaube auch, dass der Verein ein offenes Herz für die Belange von Menschen hat, die nicht zu jedem Platz in unserem Stadion problemlos gehen können. Es herrscht aber anscheinend eine Art Sprachbarriere und ich hatte das Gefühl, dass da mehr mit einem ehrenamtlichen Einbringen in die bestehenden Strukturen bewirkt werden könnte als mit einem unbestimmten Antrag.  Und wir rennen da in einen ganz hässlichen Zielkonflikt. Und zwar „Wertigkeit der Plätze“ vs. „alle Plätze sind vereinfacht zu erreichen“. Die notwendigen Handläufe nehmen Sichtachsen, dies macht Plätze billiger. Das ist aus Sicht des verkaufenden Vereines natürlich nicht anstrebenswert. Würde man nun einzelne Abschnitte entsprechend ausrüsten, dann wäre das keine Inklusion, es wäre klassische Exklusion. „Da die kranken und schwachen, dort die gesunden“ wäre dann das Motto. Hier gibt es garantiert Lösungen, wir haben sie nur noch nicht gefunden. 

Ich sehe es nun mal positiv und sage, dass dieser Antrag vielleicht nützlich ist und schlafende Hunde weckt und vielleicht Menschen in die bestehenden Strukturen* bringt, die ganz tolle Ideen haben. 

*wir haben u.a. mit Reyk jemanden, der sich um Inklusion kümmert, und wir haben beim Fanladen auch einen Stammtisch Barrierefrei, der die Problematik schon in seinem Namen hat.  

Ändert doch mal die Satzung, Präsidium. 

Hinzu kam noch ein Antrag, der das Präsidium bittet, die Satzung in der Form zu ändern, dass die MV einzelne oder alle Medienvertreter*innen ausschließen kann.  Ich habe grundsätzlich Sympathien für diesen Antrag. Die MV ist nicht öffentlich (so steht es in der Satzung!) und sollte sich nur selber eine gewählte Öffentlichkeit geben können. Die jetzige Regelung „nicht öffentlich, aber die Medienabteilung lässt Pressevertreter*innen mit Zustimmung des Präsidiums zu“ ist ein Eingriff in die Autonomie des höchsten Gremiums, und Bullshit. 

Der Teufel liegt natürlich im Detail und inwieweit diese Regelung etwas bringt. Denn bekanntlich sind auch Medienvertreter*innen Mitglieder im Verein, hätten so auch Zugang zur MV und könnten berichten. Und so argumentierten dann auch Organe dieses Vereines gegen diesen Antrag.

Ich möchte aber diese Organe an unsere Ticketing-AGB erinnern, in denen sich folgender Passus findet: Der Aufenthalt im Stadion zum Zwecke der medialen Berichterstattung über die Veranstaltung (Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print, Foto) und/oder der Erhebung von Spieldaten ist nur mit Zustimmung des FC St. Pauli und in den für Medienvertreter besonders ausgewiesenen Bereichen zulässig.“  Man kann nicht bei dem öffentlichen Spiel diesen Passus haben und bei der nicht öffentlichen MV dann überzeugend anders argumentieren. Excuse me.  Trotzdem gibt es Probleme rechtlicher Art und tatsächlicher Art, die man durchdenken muss:  

1. Die Frage der Grenzen. Was ist z.B. mit Blogger*innen. Oder wie ich ab jetzt aus dem Zusammenhang gerissen ein Organmitglied zitieren werde „Bloggeridioten“ (Achtung, das ist wirklich nur ein Witz, der Sinn wird vollkommen entstellt.). 

2. Die Frage der Folgen. Ich persönlich finde, dass wir ALS VEREIN vor keinem Medium und auch nicht der Presse an sich Angst haben sollten. Hier passt das Freibeuter*innen-Klischee doch endlich mal! Keine Angst vor niemandem! Und schon gar nicht vor der Bild! Trotzdem müssen wir, bevor wir a la Düsseldorf dieses Medium aus der MV schmeißen, Pläne haben, dass die uns nicht aus Rache einzelne Menschen abschießen. Und das ist trotz allem immer noch unangenehm. Nicht jede*r von uns arbeitet in Bild-freien Umgebungen.  

3. Die Frage der Pressefreiheit. Ja, diese ist geschützt und man kann sich nicht eine Gefälligkeitspresse schaffen, indem man Medien aus öffentlichen Pressekonferenzen ausschließt (Ich habe das eine entsprechende Urteil was es dazu gibt mal übersehen, Sorry dafür und danke an Menschen, die mich zwischenzeitlich auf den Fehler aufmerksam gemacht haben). Aber wir haben nun einige Male betont, dass wir hier eben keine öffentliche Veranstaltung haben.  All dies wird es zu wälzen geben. Was aber viel nerviger ist, ist dass es immer noch genügend Menschen gibt, die gewisse Medien als nicht so schlimm oder als was auch immer verteidigen. Ich möchte hier einfach mit einem Tweet antworten.

Und diese Aufzählung ist absolut nicht vollständig: 

Wir werden hier Lösungen finden müssen. Nicht nur, aber insbesondere auch für die MV.     

Aug 242021
 

Vorwort

Meine Grundannahmen und wie man das Ganze zu benutzen hat, entnehmt ihr bitte Teil 1 dieser Serie.
Daher gleich rein in die Vollen. 

Umgestaltung des Gedenkortes Harald-Stender-Platz

Die schriftliche Begründung sagt eigentlich alles aus. Der 1962 in der alten Südkurve aufgestellte und beim Stadionneubau an seinen jetzigen Standort verbrachte Gedenkstein ist schlichtweg schlecht gealtert. 
Ich mag die 1962er Perspektive nicht komplett von oben herab verdammen; Menschen haben damals anders gedacht und haben konkret auch Freunde und Angehörige in diesem Krieg verloren, aber aus heutiger Perspektive ist dieser Stein schlichtweg nicht mehr haltbar. Man muss ihn entweder sehr stark einordnen oder aber ersetzen. Daran ändert auch die 2004 aufgestellte, besser gealterte Tafel nichts, weil beide so nebeneinander stehen, als ob sie sich ergänzen oder kommentieren könnten. Was sie nicht tun. Ich finde es komplett richtig, dass man eine Umgestaltung (Neuerrichtung?) von Gedenktafeln/einer Gedenktafel vereinsöffentlich diskutiert und sich da breit aufstellt. Zwar ist „wenn man nicht weiter weiß, dann gründet man ein Arbeitskreis“ auch inhaltlich richtig, aber hier ist es mal sinnvoll. 

Neben den schon angesprochenen Problematiken sind Gedenksteine, die auf einem Parkplatz in einer Wildpinkelecke stehen, auch nicht wirklich an einer guten Stelle untergebracht. Man sollte die Gelegenheit nutzen, die Gedenktafel(n) entweder an einer besseren Stelle oder mit einem besseren Drumherum aufzustellen.   

Hilfsmittel/ Handläufe auf den Sitztribünen

Ich finde es erstmal grundsätzlich gut, dass man sich über so etwas Gedanken macht und den Verein anstößt, sich darüber ebenfalls Gedanken zu machen. Der Antrag selber ist ja auch nicht mehr als ein Anstoß, weil er nicht konkret genug wäre, um ihn so direkt umzusetzen. Ich habe keine Ideen, was baurechtlich möglich wäre und wie die Kosten-Nutzenanalyse da ist. Aber älteren und/oder nicht so gehsicheren Menschen den Besuch des Stadions zu erleichtern muss immer unser Ziel sein. Auch das ist gelebte Diversität. Und zu Recht merkt der/die Antragssteller*in an, dass es zwischen „braucht Rolliplatz“ und „ist komplett fit“ noch sehr viele Graustufen gibt. 
Und seien wir ganz ehrlich: Wir werden nicht drum herum kommen, unser Stadion an eine immer älter werdende Gesellschaft anzupassen. Und dazu gehört auch, dass wir zur Zeit einen absoluten Mangel an billigeren, attraktiven Sitzplätzen haben. Das sind Diskussionen, die geführt werden müssen, die aber sehr unangenehm werden könnten

(Nur um alle gegen mich aufzubringen: Man kann ernsthaft überlegen, ob man nicht Bedarf an mehr Sitzern auf der GG hat und ggf. dafür auch Steher opfern könnte. Und mir ist klar, was für ein sensibles Politikum das ist.) 

Wie eben schon angemerkt: Der Antrag ist sehr unkonkret und nicht viel mehr als eine symbolische Handlungsaufforderung ohne wirklichen Adressaten. Das macht ihn nicht sehr verbindlich. („How to Anträge“ anscheinend nicht gelesen).

Ergänzung der Leitlinien-Antrag

SEUFZ! Zu Beginn hab ich ja noch gedacht, dass sich hier Leute einfach ein bisschen verquer mit dem richtigen Gedanken beschäftigen – und dann kam die Ablehnung der Quote. 

Ich mag jetzt echt nicht mehr für die Quote argumentieren müssen, sondern möchte nur ein paar Ungereimtheiten dieses Antrages darstellen: 

1. Unsere Leitlinien haben so gar keinen rechtlichen Gehalt. Sie sind so butterweich, dass selbst die AFD sie unterschreiben würde. Ja, ich bin hier polemisch. Aber so sehr sie 2009 in guter Absicht gemacht wurden und so sehr ich es begrüße, dass sie meines Wissens wirklich zum Bestandteil von Verträgen gemacht werden, so sehr sind sie gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Ja, das liegt auch an Zielkonflikten und daran, dass man sich häufig auf klarere Formulierungen nicht einigen konnte. Und es tut mir in der Seele weh, dies alles zu schreiben, weil da echt gute Menschen Herzblut hinein investiert und sich bessere Grenzen erhofft haben. 

Auch die hier vorgeschlagene Ergänzung ist butterweich und voller Leerformeln. Was heißt denn fachliche und charakterliche Eignung? Es gibt keine Ausbildung zum Fußballpräsidiumsmitglied oder Fußballaufsichtsratmitglied.

Man nimmt gerne berufliche Tätigkeiten als Pseudoqualifikation, aber das ist absolutes Lügen in die eigene Tasche. Und das schreibe ich mit einem juristischen Studium – einer Qualifikation, die in der Öffentlichkeit immer noch dazu führt, dass Menschen meinen, man sei für Führungspositionen geeignet. Und das haben weder Armin Laschet noch Olaf Scholz ändern können. Gut für meine Studienkolleg*innen, schlecht für die Welt. (Nur als Hinweis: Auch Frau Baerbock hat viel zu viel juristische Dinge studiert, besitzt aber im Gegensatz zu den beiden Herren zumindest laut Wikipedia kein erstes juristisches Staatsexamen. Dieser Absatz ist ausdrücklich keine Wahlempfehlung.)

Charakterlich? Was soll das denn heißen? Tief im katholischen Glauben verwurzelt? Immerhin ist unser Verein nach einem Heiligen benannt. Darf man noch geschieden sein? Mal Juso gewesen sein? Also letzteres wäre imho sofort disqualifizierend. (Disclaimer: Ich war von 1996 bis 1999 Juso. Jeder Mensch hat seine Jugendsünden.) 

Ältere Menschen, die Hamburger Zeitungen lesen, werden sich daran erinnern, dass eine ehemals abends erscheinende Hamburger Zeitung in Sportkommentaren zu einer Aufsichtsratswahl der Rauten mal geschrieben hat, dass man ja nicht einfach Fans wählen könne, sondern man müsse ja „Fachleute“ wählen. Damals spielten die Rauten noch international und nach einer Kampagne in besagter Zeitung (und allen anderen Zeitungen Hamburgs) wählte man diese angeblichen Fachleute. Die man in der gleichen Zeitung nach einigen Jahren wieder vom Hof schrieb, damit man nun doch bitte endlich „Fachleute“ wähle. Ihr seht selber, wo das geendet ist. Eben noch im Europacup, einige „Fachleute“-Etappen später schon nur noch Nr. 2 in Hamburg. Tja nun. 

Ich möchte auch daran erinnern, dass dieser Verein viele Quereinsteiger*innen beschäftigt. Man nehme nur den hochgeschätzten OL. Der hat wahrscheinlich auch als letzte Ausbildung „Punk“, hat sich aber seine Kompetenzen erarbeitet und auch wenn älter werdende Punks die größten Spießer sind (nicht ernst gemeint, Sven), ist es gut, auch mal Quereinsteiger*innen zu beschäftigen. Da gilt das im letzten Artikel Gesagte: Es ist gut, auch mal Menschen in Positionen zu haben, die vielleicht mal bei einem Riot dabei waren. Andere Vereine haben da gerne mal einen Ex-Bullen oder ähnliche Menschen mit echt großer fachlicher Kompetenz. 

Wer nebenbei glaubt, man könne Bewerbungsauswahlen ernsthaft objektivieren, der sitzt entweder an einem Verwaltungsgericht oder versucht, beruflich damit Geld zu machen. Ich glaube da aus eigener Erfahrung nicht [Jetzt muss das Kollektiv wir hier auch mal kurz beruflich rumnerden. Klar kann man da mehr objektivieren, wenn genau klar ist, was gewollt wird. Umso mehr „persönliche Passung“ (so nennt man das in unserem Arbeitssprech) umso schwieriger wird das allerdings, da hat der Senior Recht. Einfach gesprochen: Wenn ich jemanden brauche, der*die gut rechnet und sonst gar nichts tun muss, kann ich dazu gute Verfahren mit klaren Kriterien entwickeln. Wenn ich jemanden brauche, der*die mit vielen Leuten zurecht kommt, kann ich das auch noch machen, aber die Vorhersagefähigkeit, ob die Menschen dann wirklich auch im Job erfolgreich sein werden, sinkt automatisch. Und da haben wir noch nicht davon angefangen, dass das noch ein ganz anderer Schnack ist, wenn am Ende des Tages Wahlen bei einer MV das „Bewerbungsverfahren“ abschließen.]

2. Es ist Unsinn auf einen Satzungsänderungsantrag mit einem einfachen Antrag als „Gegenantrag“ zu antworten. Theoretisch könnte die MV beide Anträge beschließen. Sie sollte es nach einer Zustimmung zur Quote just for the lulz einfach mal tun. Denn Satzung schlägt Leitlinien. Rein technisch (ungleich inhaltlich) wäre halt eine Gegenrede das richtige Mittel. Welche die Antragssteller*innen ja auch bei dem Quotensatzungänderungsantrag sowieso halten müssten, weil sonst ihr Antrag absurd wäre. 

3. Die Argumentation ist schon sehr schwieriger Unsinn. Und jetzt argumentiere ich doch noch für die Quote. Will ich doch gar nicht mehr. Daher nur kurz und polemisch: Nur weil in den knapp 30 Jahren Aufsichtsrat beim FCSP immerhin zwei Frauen gewählt wurden, bräuchte man ja keine Quote, sondern müsse nur andere Hürden abbauen, die Frauen von Kandidaturen hemmen. Natürlich werden diese nicht wirklich benannt, die Einflüsse von Männerseilenschaften lieber ausgeblendet und die Schuld an so wenig Frauen in Führungsgremien lieber auf die Frauen verlagert. „Ihr traut euch ja nicht“. Wow! „Offensive Werbung und Überzeugungsarbeit“ Wow! Das ist bequem und inhaltsleer. Der Antrag hat in diesem Bereich auch lieber keine Adressaten. Wer soll denn werben? Die bestehenden Gremien? Die Fans? Oder die Ultras? Auch hier bleibt es dann beim Unverbindlichen, Symbolischen. Und ich glaube, das wissen die Antragssteller*innen auch. Das alles sind Nebelkerzen, weil sie so tun wollen, als gäbe es einen anderen Weg. 

Liebe Antragssteller*innen, dann haut doch mal das 100seitige Konzept raus, wie diese Dinge aussehen soll. Kleiner Tipp: Am Ende würde in so einem Konzept wahrscheinlich nichts anderes stehen als „wenn ihr Männerbünde aufbrechen wollt, dann verpflichtet euch zu einer Mindestanzahl von Frauen in den Gremien“. Oh wait, das ist ja eine Quote. „Mangelndes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten“ ist nebenbei ein sehr schönes Reproduzieren von Vorurteilen gegenüber Frauen, welches immer wieder gegen Frauen eingesetzt wird. Wer so etwas in seinen Antrag schreibt, will eben nicht eine vorurteilsfreie Auswahl, er will das genaue Gegenteil. 

4. Unsere Satzung sieht für die Wahlämter keine fachlichen Qualifikationen vor und für den Aufsichtsrat auch keinen vorgeschalteten Auswahlmechanismus, der angebliche fachliche oder charakterliche Eignung prüfen könnte. Ich kann nur davor warnen, so etwas auch nur anzudenken. Und alleine deswegen ist dieser Antrag Müll. Andere Vereine haben solche Auswahlmechanismen und da werden dann gerne mal Kandidat*innen gar nicht erst zur Wahl zugelassen. Aus Gründen, die nie transparent sind. Zum Beispiel in Mainz, Düsseldorf oder Gelsenkirchen wurden über solche Vorauswahlen unliebsame Kandidat*innen gleich aussortiert. 

5. Eine Quote schränkt freie und gleiche Wahlen nicht, bzw. nicht unverhältnismäßig ein. Dies ist entschieden. Zwar sehen viele Gerichte gesetzliche (!) starre (!) Quoten immer noch als schwierig an, aber wir sprechen hier von einer privatrechtlich selbst auferlegten Quote. Der Antrag erweckt den Eindruck, als ob nun sein Recht auf freie und gleiche Wahl unverhältnismäßig eingeschränkt werde. Und will dann gleichzeitig charakterliche und fachliche Qualifikation vorab prüfen, was nebenbei das Recht auf freie und gleiche Wahlen einschränkt. Tja. 

6. Stimmt für die Quote. Sie ist wichtig und richtig. 

Weitere Anträge? 

Gibt es definitiv noch, sind aber noch nicht (Stand 23.08.2021, 15 Uhr) veröffentlicht. So bleibt wenigstens noch Platz für einen weiteren Teil. 

Aug 222021
 

Vorwort

Gastartikel vom Senior, diesmal freiwillig und nicht durch den Einsatz bewusstseinserweiternder Drogen (= Derbysiegen).  

Liebe Lesende, ich wurde letztens gefragt, ob ich das denn gut fände, was hier so auf dem Blog erscheint, weil bei mir wäre das doch immer so ausgewogen und abwägend gewesen, und meine Antwort war: „Bei den angesprochenen Themen wäre ich nicht so lieb und nett gewesen wie die aktuellen Macher*innen dieses Blogs“.

Der FCSP muss dringend – und ich wiederhole mich an dieser Stelle – aufpassen, dass er nicht in eine Harmoniefalle tritt, bei der jegliche Kritik als Nestbeschmutzung wahrgenommen wird und im Notfall die Antwort anderer Fans darauf ein „nun stell dich doch nicht so an, es ist doch alles nicht so schlimm“ ist. Ja, wir alle können froh sein, dass wir Menschen in der Vereinsführung haben, die schon mal einen Auswärtsblock von innen und einen Tresen von hinten gesehen haben, und die in ihren wilden Jahren vielleicht auch mal ein Haus besetzt haben/hätten.

Auf diesem Internetplatz ist vieles gelobt worden, was in den letzten Jahren gemacht wurde, und vieles (DIIY z.B.) sieht vielversprechend aus. Trotzdem gibt es auch Dinge, die deutlichst (!) zu kritisieren sind. Und wenn man so etwas kritisiert, dann heißt das nicht, dass man die Grundrichtung, die Oke und Co. sowie Sandra und Co. diesem Verein geben nicht gut findet und es heißt insbesondere auch nicht, dass man alle diese Menschen und auch ihre Zugänglichkeit nicht schätzt. Das soll mal von mir hier an dieser Stelle deutlich gesagt werden, auch wenn ich in letzter Zeit aufgrund der Art, wie mit Fans kommuniziert wird, extrem sauer war. Es ist auf diesem Ort genug darüber geschrieben worden, aber nicht von mir.

Ganz ehrlich: Ich hatte den offenen Austrittsbrief schon formuliert, er hätte 20 Seiten gehabt und er wäre sehr unfreundlich geworden. Dankenswerterweise haben Menschen das geahnt und mit mir gesprochen, und vielleicht braucht ihr alle mich nicht, aber ich brauche doch noch diesen Verein und sein Chaos. Und eigentlich wäre das auch ein bisschen unfair gewesen. 

ABER: Wir als Verein müssen dringend aufpassen, dass wir nicht nur eine hochglänzende PR-Kommunikation versuchen, die keine Ecken, keine Kanten und insbesondere keine eigenen Fehler mehr kommuniziert. Wir müssen aufpassen, dass unser Kiezbezug nicht nur Astra ist, sondern es muss auch Hausbesetzung sein. Wir müssen wieder lernen, zu Fehlentwicklungen wie Alkoholverbot, Kneipenschließungen um 23 Uhr und „Paulihaus“ als Verein (das ist ungleich Fanszene, sondern meint hier unsere öffentliche Kommunikation) klarer und deutlicher Stellung zu beziehen.

Und wir müssen lernen, wer privilegiert ist und wer nicht und unsere Perspektive darauf ausrichten. Wenn wir selber nur aus unserer weißen Vorortperspektive (die nebenbei auch meine ist) auf Geschehnisse vor Ort gucken, dann muss das immer hinterfragt werden. Wir dürfen uns dabei nicht die Meinung und die Befindlichkeiten der Mächtigen und der Privilegierten zu eigen machen.

Wir müssen dem Innensenator vor das Bein pissen, nicht der Münzviertel-Ini. Oder anders ausgedrückt: Es kann nicht sein, dass Bielefeld sich zu gesellschaftlichen Themen radikaler äußert als wir. Dieses Radikale ist Teil unseres USP (Unique Selling Point und aufgrund der Abkürzung ein genauso naheliegender wie müder Gag, den ich immer wieder machen muss) und muss es wieder viel mehr werden. Und neben den lokalen Themen gibt es da noch Afghanistan, Klimawandel, rechte Arschlöcher überall, etc. pp. Ruf mal wieder zu Demos auf, liebe offizielle Kommunikation! (Nachdem das geschrieben wurde, rief man zu einer Afghanistan Demo auf, als hätten sie es geahnt.) 

Warum ich dies hier schreibe? Weil es in allen Betrachtungen, die nun folgen, mitgedacht werden muss.

Gebrauchsanweisung

Es folgt eine Betrachtung aller bis zum 18.08.2021 auf der Homepage veröffentlichten Satzungsanträge. Es wird der Inhalt dieser Anträge und ihrer Begründungen voraus gesetzt, die hier nachlesbar sind. Am besten, ihr haltet die jeweiligen Texte beim lesen immer bereit.  Ebenso wird der Inhalt unserer Satzung vorausgesetzt und nicht wiederholt. §§ ohne Nennung eines Gesetzes sind §§ unserer Satzung.  Es wird noch einen Teil 2 geben mit den „einfachen“ eingegangenen Anträgen und wahrscheinlich nach dem 24.08. eine Aufbereitung des auf der Diskussionsveranstaltung Gesagten sowie eventuell einen 3. Teil, falls noch Anträge auf der Vereinswebsite nachgeschoben werden.

Besucht die Veranstaltung am 24.08. –gerne auch virtuell –, es kann nicht schaden, wenn man sich noch mal die Argumente der Antragssteller*innen anhört und diese für sich selber abwägt. Ich werde mich schwer hüten, euch hier eine abschließende Empfehlung abzugeben, wie ihr abstimmen sollt.

Meine Meinung sage ich deutlich, aber sie ist nicht Zwergallwissend. Sich selber und insbesondere seine eigene Meinung für den Mittelpunkt der Erde zu halten überlasse ich gerne anderen Menschen. Es wird jedoch eine Ausnahme geben, denn diesen Antrag halte ich für komplett zwingend und ÜBERFÄLLIG! Ihr könnt euch wahrscheinlich jetzt schon denken, um welchen es geht. 

Ausgangssituation 

Wir haben dieses Jahr zwei ordentliche MV. Achtung! Keine davon ist eine außerordentliche MV. Leider ist unsere Satzung dort unglücklich formuliert. Unsere Satzung kennt eine außerordentliche MV, die aus Gründen (§ 15 Nr. 2) einberufen wird, und eine ordentliche MV, die mindestens (!) einmal jährlich stattfinden muss. Diese Unterscheidung ist eher unsinnig; es ist unklar, ob eine außerordentliche MV nur eine beschränkte Beschlussmacht hat, und daher haben wir dann halt zwei ordentliche MV. 

Einschub: Leider ist unsere Satzung an vielen Stellen etwas ruckelig, dies ist nur das nächste Beispiel. Das letzte Mal hatte eine Kommission sich 2017 an der Satzung versucht und leider, leider ist sie schon wieder überarbeitungsreif. Das soll die Arbeit der Menschen in dieser Kommission nun null schmälern (man lese das oben Gesagte bitte analog), denn häufig genug fallen solche Probleme erst in der täglichen Nutzung auf. Im Hintergrund wird an dem Thema fleißig gearbeitet und Besserung ist hoffentlich in Sicht. An dieser Stelle noch ein weiteres Beispiel für dieses Ruckeln: In diesen Verein sind zwischen 1999 und 2001 garantiert eine hohe vierstellige Zahl an Menschen eingetreten, von denen sich die meisten als sehr zäh und langlebig in ihrer Vereinsliebe erwiesen. Das könnte ganz eventuell mit dem Erfolgsprojekt „AFM“ zusammenhängen, wenn mich jemand fragt. Diese ganzen Mitglieder wären nach aktueller Satzung auf einer MV für ihr 25-jähriges Vereinsjubiläum zu ehren. Ich freue mich jetzt schon, wenn Manfred so ab 2024 jährlich ungefähr 2.000 Menschen auf die Bühne rufen muss. Beginn der entsprechenden MVs? 6 Uhr Morgens, gegen 12 Uhr ist mit dem Ende der Verlesung der Namen zu rechnen. (Disclaimer: Auch ich bin seit 99 Vereinsmitglied.) Einschub Ende 

Man kann diskutieren, ob eine ordentliche MV nun immer alle Punkte aus § 13 Nr. 4 behandeln muss, aber imho ist dies hier nicht der Fall, denn eine Zuständigkeit heißt ja nicht, dass man jedes Mal diese Zuständigkeit auch benutzen muss. Wir wählen schließlich nicht jede MV ein Präsidium. Aber es kommt dadurch zu einer kleinen Besonderheit: Wir wählen diesmal Esin (Rager) zur Vizepräsidentin, um beim nächsten Mal gleich ein ganzes Präsidium zu wählen. Auch das ist unserer Satzung geschuldet, welche die Bestätigung einer kommissarischen Vizepräsidentin auf der nächsten MV in § 23 Nr. 4 vorsieht. PS: Esin ist im bisherigen persönlichen Kontakt sehr angenehm, bietet natürlich in vielen Dingen eine diversere Perspektive, in einigen anderen Dingen nicht (immer noch sind außer Christiane alle unsere Präsidiumsmitglieder mit dem Label „Unternehmer*in“ oder „Wirtschaft“ sehr gut umschrieben. Da ist die „Mieter*innen helfen Mieter*innen“ Anwältin aufgrund der anderen Perspektive jeden Tag Gold wert.) 

Der Schwerpunkt der MV liegt aber bei den Anträgen, und nach drei Seiten Gelaber kommen wir nun endlich zu diesen. 

Die „Faust in der Tasche“-Anträge 

Die beiden Anträge „DFB Statut“ und „Absicherung Gemeinnützigkeit“ sind leider alternativlose Notwendigkeiten. Ich persönlich balle bei solchen von außen aufgedrückten Satzungsänderungen ja immer sofort die Revoluzzerfaust und will sie am liebsten durchfallen lassen, aber die Realität sagt, dass uns dies sehr stark schaden würde, und das soll nicht sein. 

Mal ganz davon ab: Ich habe ja auch ein ganz bisschen Ahnung vom Gemeinnützigkeitsrecht und ich befürchte das Finanzamt Hamburg-Nord (das in HH zentral zuständig ist für Vereine), hat hier einfach schlichtweg Recht. Unsere Satzung entspricht da nicht den Vorgaben des Gemeinnützigkeitsrechtes. 

Schönen Gruß aber nach Leipzig

Spannend ist die Änderung in § 7 Nr. 3 Satz 3. (II. im Antrag), die darauf abzielt, dass man die Anzahl der Mitglieder nicht künstlich klein halten darf, um gemeinnützig sein zu können. Anderer Ansicht auch nach all den Jahren anscheinend immer noch das zuständige Finanzamt Leipzig. Denn bei Rasenballsport ist es bis heute ziemlich unmöglich Mitglied zu werden. Siehe Sächsische.

Und: Ja, auch die müssen gemeinnützig sein, denn sonst könnten sie nicht DFB-Mitglied sein und damit auch keine Nachwuchsteams stellen. „Fehlt ein Anspruch auf eine Aufnahme“ ist nebenbei nicht ganz so klar, wie es da in der Begründung formuliert ist, und dies gilt auch bei einem gemeinnützigen Verein. Auch ein solcher muss nicht jeden Menschen aufnehmen. Er kann Mitgliedschaften auch gut ablehnen. Er darf dies aber eben nicht komplett willkürlich, um z.B. sich eine genehme oder sehr kleine Mitgliedschaft zu schaffen. Und ja, da sind wir auch wieder beim juristischen Thema Andy Grote. Und glaubt mir, es ist nicht schön. Details? Füllen sehr viele Bücherregale. Aber gut, Obernazi T., der bei uns Mitglied werden möchte, kann gerne eine Begründung haben. „Du bist ein Drecksfascho, verpiss dich“ reicht dann. Und wäre endlich mal wieder ehrliche, gute Kommunikation. (Gerichtskosten einer eventuellen Klage machen wir als Crowdfunding. Nur damit das klar ist.)

3. Liga? „Nie mehr zweite Klasse, nie mehr dritte Liga“! Aber vielleicht will unsere 2. Mannschaft da mal spielen, und dann brauchen wir dieses Statut. Nebenbei: Von dem Statut für „Frauenfußball“ ist da nirgendwo Rede, und vom Statut für Handball, Rugby, Schach, Triathlon, Tischtennis, Bowling und Kegel (etc.) auch nicht. In all diesen Sportarten können oder dürften wir in der 3. Liga spielen ohne eine entsprechende Satzungsänderung. Teilweise spielen wir derzeit aktuell noch höher. Dies zeigt nur, was der DFB sich hier rausnimmt, dass er hier in die Satzungen (!) der Vereine eingreift. Es ist vollkommen überflüssig, hat definitiv keinen Satzungsrang und wäre auch durch ein einfaches Anerkenntnis bei Auf- oder Abstieg genauso gültig. Ihr könnt also zu Recht die Faust bei der Zustimmung in der Tasche ballen. 

Der „das sind ja 50 Mark“-Antrag 

Der Aufsichtsrat möchte die Zustimmungserfordernisse der Inflation angleichen und einige Formulierungen schärfen bzw. definieren, was eigentlich als „finanzielle Verpflichtung“ zu verstehen ist. Wenn dies das Gremium tut, das diese Kontrollfunktionen ausüben soll, dann ist das erstmal problemlos möglich und muss nicht groß hinterfragt werden. Kontrolle muss immer irgendwie begrenzt werden, denn auch zu viel zustimmungspflichtige Geschäfte sind nicht sinnvoll. Denn dann hat man gar nicht die Zeit, alles vernünftig zu kontrollieren. Und die Betragsgrenzen mal raufzusetzen ist angesichts eines in den letzten Jahren explodierten Umsatzes des Vereines absolut sinnvoll.

Warum man aber „finanzielle Verpflichtungen“ gesetzgebungstechnisch in Unterpunkt d definiert, wirft gleich die Frage auf, ob diese Definition auch für Unterpunkt c gelten soll. Und warum man in Unterpunkt f nicht die schöne Formulierung „finanzielle Verpflichtungen“ wiederholt hat. Aber wie eben schon geschrieben: Die Satzung hakt ein bisschen, die Korrektur ist am Horizont und bis dahin werden die anwendenden Menschen wissen, wie sie das meinen. 

Die erweiterte Diversität 

Der Amateurvorstand möchte sich selbst um zwei Posten erweitern, davon soll eine*r ein*e Vizepräsident*in Diversity sein. Angesichts der Tatsache, dass der Amateurvorstand ungefähr 15.000 Mitglieder dieses Vereines vertritt, sehe ich eine Erweiterung auf 7 Menschen als eher überfällig an. Und ein Posten „Diversity“ ist definitiv kein Allheilmittel, aber ein zusätzlicher Mensch, der mit dieser Perspektive und aus einer nicht privilegierten Erfahrung auf alle Entscheidungen blickt, ist ein riesiger erster (!) guter Schritt in die richtige Richtung. 

Der Quotenantrag 

Ich bin all diese Gähn-Argumente gegen Quoten leid. Ich habe keine Lust mehr, für eine Quote zu argumentieren. Sie ist überfällig, und wir sollten uns jeden Tag unsere alten, weißen Männerfressen gegenseitig polieren, dass wir eine Quote nicht seit spätestens 2000 haben. Ich mein, selbst die CDU (!!!) hat eine Quote in § 15 ihres Statuts. Wollen wir etwa rückständiger als die sein? Ja, die Quote der CDU ist butterweich formuliert, aber wir haben aktuell nicht mal eine… Stimmt zu, oder der Ex-Chief-Editor und meine Wenigkeit lesen euch den Rest eures Lebens Altherrenwitze vor. (Das ist a. eine Drohung und b. ein Vertrag zu Lasten eines Dritten.) 

Eines nur noch: Eine Frauenquote kann nur der Anfang von mehr Diversität in diesem Verein sein. Wir sind auf allen Ebenen und allen Bereichen zu männlich, zu weiß und zu studiert. Dies ist einer Stadt und einem Stadtteil, der in vielen Dingen migrantisch und durch Arbeiter*innen geprägt ist, schlichtweg unwürdig und muss unser Thema der nächsten Jahre sein. Sonst können wir auch gleich „Die Veddel ist unser Klo“ singen und das witzig finden. Sollte noch irgendwer etwas sachlichere Argumente benötigen, um einen anderen Menschen zu überzeugen, so gibt es diese auch.

Der Bauchweh-Vertreter*in-Antrag 

Ich bin ganz ehrlich. Ich werde mit der Einführung der besonderen Vertreter*innen nicht warm. In diesem Verein gibt es für mich nicht nachvollziehbare Bedenken, im Präsidium hauptamtliche Mitglieder sitzen zu haben. Selbst mit der Zahlung von angemessenen Aufwandsentschädigungen tun wir uns extrem schwer. Das ist meines Erachtens von einem falsch verstandenen Idealismus geprägt und führt dazu, dass sich eigentlich nur reiche und damit privilegierte Menschen ernsthaft eine Führungsposition bei uns leisten können.

Oder Menschen, die bescheuert genug sind, ihre kapitalistische Lohnarbeit für den Verein (teilweise) hintenanzustellen. (Ich war knapp davor das „teilweise“ im letzten Satz komplett zu streichen, aber das wäre dann wohl doch übertrieben. Oder doch nicht?)

Ich bin froh, dass wir immer noch genügend aus beiden Kategorien finden, aber gesund ist das nicht. Auch gerade weil es immer (!) Diversität verhindert. Und wir sprechen hier halt über eine Unternehmung (und ich weiß, dass wir unseren geliebten Verein sehr ungern so sehen), die irgendwas über 50 Millionen Umsatz macht und 600 Menschen beschäftigt. Ich möchte hier mal einen zugegeben groben Vergleichsmaßstab nennen. In einer GmbH, deren Gesellschafter*in man selber ist, kann man sich ein Geschäftsführer*innen-Gehalt zahlen. Diese darf steuerrechtlich aber nicht unbegrenzt sein, sondern muss angemessen sein. Warum das so ist, lasse ich jetzt mal außen vor. Bei einer GmbH mit 50 Millionen Umsatz und 500 Mitarbeiter*innen ist nach den handelsüblichen Vergleichstabellen ein Geschäftsführer*innen Jahresgehalt im Rahmen von  292.000 bis 555.000 Euro steuerlich angemessen, wenn man in der Branche „allgemeine Dienstleistungen“ tätig wäre. Wir zahlen unserem Präsidium zur Zeit 0 Euro. Und das ist einfach nicht mehr angemessen.

Ja, man kann damit argumentieren, dass wir ein gemeinnütziger Verein sind, aber dann müsste unsere Struktur so sein, dass unser Präsidium nur noch Grüßauguste und Grüßaugustas sind, die Vereinsnadeln verteilen. Es wird mir niemand widersprechen, dass wir davon weit entfernt sind, oder? Dieser in meinen Augen unhaltbare Zustand ist aber nicht Schuld der Antragssteller*innen, sondern es gibt in den ganzen Zirkeln dieses Vereines immer noch erhebliche Vorbehalte gegen eine Bezahlung der Präsidiums- und nebenbei auch Aufsichtsratsposten. 

Aus diesen Argumenten wäre mir ein Antrag sehr viel lieber gewesen, der sinngemäß sagt „das Präsidium kann bis zu X Vizepräsident*innen haben, davon dürfen Z Menschen hauptamtlich sein.“ Ja, es gibt ein Argument, was gegen eine Mischform spricht, nämlich, dass dann eine Unwucht zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitgliedern des Präsidium besteht. Weil die Hauptamtlichen immer vor Ort sind. Aber ich sage euch auch ganz ehrlich: Das überzeugt mich heute weniger als es das vielleicht noch 2020 getan hat. Insbesondere wenn ich den Zeitaufwand sehe, der heutzutage ehrenamtlich geleistet wird. Wenn man aber diesen gordischen Knoten nicht zerschlagen möchte oder kann, dann sind besondere Vertreter*innen ein möglicher und auch für unseren Verein guter Kompromiss.

Immerhin sieht das altehrwürdige BGB die in § 30 vor. Daher begrüße ich grundsätzlich (!) die Einführung dieses neuen Organs. Und nun kopiere ich teilweise, was ich bereits zum ersten Antrag gleichen Wortlautes für die MV 2020 geschrieben habe, um meine Bauchweh zu begründen (ist nicht wortgleich und ein paar Details entscheidend geändert): Tätigkeit sehr unbestimmt Nach § 30 BGB ist ein*e besondere*r Vertreter*in für alles zuständig und vertretungsbefugt, was der ihr/ihm „zugewiesene Geschäftskreis“ gewöhnlich mit sich bringt. Kiel legt diesen Geschäftskreis gleich in der Satzung auf Profifußball fest, was Manövern des Präsidiums als bestellendes Organ von vornherein Grenzen setzt. Dies erfolgt bei uns anders. In dem vorgeschlagenen § 24a ist folgendes formuliert: „Das Präsidium ist berechtigt, maximal vier besondere Vertreter*innen gemäß § 30 BGB für die folgenden Verantwortungsbereiche des Vereins zu bestellen: a) Sport, b) Finanzen, c) Vertrieb und Sponsoring/Vermarktung, d) Recht, e) Vereinsstrategie und Clubentwicklung“ 

Fällt euch ein Bereich des FCSP ein, der damit nicht abgedeckt ist? Okay, Amateursport vielleicht, aber das bekäme man auch relativ elegant unter „Sport“. 

Auch die Anzahl der besonderen Vertreter*innen ist nicht absolut, sondern nur relativ zur Anzahl der Vize- + Präsident*in begrenzt. Es ist also ohne weiteres möglich, eine*n besondere*n Vertreter*in mit einem relativ weit gefassten Geschäftsfeld zu bestimmen und diesen Menschen zum „starken Menschen“ in diesem Verein zu machen. Das gilt umso mehr, wenn man das nun folgende bedenkt: 

Ausschluss direktes (!) Weisungsrecht

Die besonderen Vertreter*innen sollen vom Weisungsrecht der MV ausgeschlossen sein. Das Weisungsrecht der MV ist ein hohes Gut und hat bei uns schon viele Dinge bewegt. Wenn man hier Bereiche pauschal davon ausnehmen will, dann muss das gut (sehr gut) begründet werden. Im engen „sportlichen Bereich“ kann ich das sofort nachvollziehen. 29.546 Trainer*innen sollt ihr sein, aber bitte keinen Einfluss auf das reale Leben nehmen. Dafür ist im Profifußball trotz aller Datenanalyse vieles einfach eine Bauchentscheidung. Da ist der „starke Mensch“, der das alleine verantwortet, aber auch alleine verantwortlich ist, vollkommen sinnvoll.

Diesen von einer Weisungsgebundenheit auszunehmen wäre ebenfalls sinnvoll. 

Anders sieht das aber schon bei anderen Geschäftsfeldern aus. Warum soll ich z.B. Bernd von Geldern in seinem Feld von so einer Weisungsgebundenheit ausnehmen?

Und ich möchte hier mal den Bereich Vermarktung und Merch (mir ist bis heute nicht klar, wer da genau für was zuständig ist und wie die Abgrenzung genau ist, soll hier mal keine Rolle spielen; nachfolgend ist zusammenfassend mal von „Vermarktung“ die Rede) als prägendes Beispiel nehmen, weil dieser Bereich eine riesige prägende Außenwirkung hat. Ich sag nur „Modelabel mit angeschlossenem Fußballbereich“. Schließe ich hier die Weisungsgebundenheit aus, weil die das nervig finden? Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in der Verantwortung der Vermarktung nur weiße Männer sitzen haben, und das ist bis hierhin nur eine Feststellung und keine Wertung!

Aber diese Besetzung führt auch zu einer Perspektive und zu einer Art der Denke. Das abzustreiten wäre ein ganz großes in-die-Tasche-lügen. Diversität prägt halt auch Denke und hier fehlt sie uns (noch?). Und es fehlt die Perspektive des Mitglieds und der Fans. Vermarkter*innen wollen vermarkten, dafür sind sie angestellt, dafür leben sie, das prägt ihre Denke. Und das ist auch gut so.

Aber Vermarkter*innen können aus dieser Perspektive gewisse Befindlichkeiten nicht sehen und/oder verstehen.

Das ist auch gut so.

Und da muss die MV als Korrektiv eben mal tätig werden.

Deswegen finde ich es schwierig, eine Weisungsgebundenheit auszuschließen. Ich will nicht sagen, dass es nicht eine Begründung für diesen Ausschluss gibt, ich habe da auch nachgefragt und mir ist auch noch eine Antwort versprochen. Oder wir bekommen die am 24.? Ich lasse mich gerne überzeugen, noch bin ich aber nicht überzeugt.  

Indirekt?

Ja? Nein?Ihr habt das Ausrufezeichen hinter dem „direkte“ in der letzten Zwischenüberschrift gesehen? Kann man die besonderen Vertreter*innen indirekt anweisen, indem man das Präsidium anweist, sie anzuweisen? Das ist mir in der Formulierung immer noch nicht wirklich klar. Wortwörtlich steht da:„Hiervon ausgenommen sind die besonderen Vertreter*innen (§ 24a), die ausschließlich den Weisungen des Präsidiums unterliegen, sowie Aufträge an das Präsidium, den besondere Vertreter*innen Weisungen zu erteilen.“

Für mich liest sich da so, dass Aufträge an das Präsidium, die besonderen Vertreter*innen anzuweisen, ausgenommen sind. Und das verstärkt dann meine Bauchweh. Bisschen elegant geschnittene Geschäftsbereiche für zwei bis drei besondere Vertreter*innen und schon ist eigentlich das gesamte operative Geschäft des FCSP von dem Weisungsrecht der MV ausgenommen.

Dann kann man das Weisungsrecht, welches unsere Satzung vorsieht, auch ganz streichen. Dies ist in einem Verein möglich. Wir können aber gerne Wetten abschließen, ob ein solcher Vorschlag eine notwendige Dreiviertelmehrheit auf einer MV erhalten würde. Mein Gefühl sagt mir, dass die MV darauf nicht verzichten würde.

Nun wird aber genau dieser Ausschluss durch die Hintertür eingeführt. Und beraubt damit der MV eines Kontrollmittels.  

Für mich bleibt daher massiver Rechtfertigungsbedarf. Im Interview 2020 wird auf diesen Punkt nur wie folgt eingegangen:  „Das Präsidium und der Aufsichtsrat werden weiterhin von den Mitgliedern gewählt. Dadurch haben unsere Mitglieder weiterhin die Möglichkeit, Einfluss auf das tägliche Geschehen des Vereins zu nehmen.“ 

Leider ist dieses Interview nicht mehr verfügbar auf der Vereins-website. Diese Argumentation bleibt aber auch Bullshit, denn wie oben schon formuliert: Ich kann sehr gut mit dem Präsidium im Ganzen einverstanden sein, dieses sehr gut gerne wiederwählen wollen, aber doch in einem Punkt so uneinverstanden sein, dass ich es anweise.

Dieses Recht nun indirekt für große Teile des Vereinsgeschehens auszuschließen, halte ich für falsch. Der MV bleibt dann nur eine alles oder nichts Lösung. Und dies auch nur durch Abwahl und/oder alle vier Jahre. Dann kann es schon zu spät sein.  Im Antrag wird breit auf die erweiterte Haftung der besonderen Vertreter*innen eingegangen.

Das kann aber kein Argument sein, die Weisung auszuschließen. Wenn die MV als höchstes Gremium den Vorstand anweist, uns morgen von der 2. Liga abzumelden, dann kann die MV nicht ein Jahr später den Vorstand für diese – komplett geschäftsschädigende – Handlung in Haftung nehmen. Egal welchen Haftungsmaßstab man wählt. Gleiches würde halt gelten, wenn es besondere Vertreter*innen anweisen würde. 

Also selbst wenn es dafür gute Gründe gäbe, diese Weisung auszuschließen, so sollten wir uns immer fragen, ob diese es uns wert sind. Vielleicht wären hauptamtliche Vorstände mit Weisungsrecht eben doch die deutlich bessere Lösung unseres Problems?  Bedenkt dabei immer auch, dass Personen wechseln. Da sitzen nicht immer Oke und Bernd von Geldern, denen ich beiden eine gewisse Zugänglichkeit bescheinigen möchte.

Erinnert euch nur mal an Corny. Wenn man den nicht sanft in die richtige Richtung gezwungen hat, dann lief das aus dem Ruder. Und dieses Weisungsrecht ist ein sehr schönes Mittel, um Leute in die richtige Richtung zu leiten, ohne ihnen gleich grundsätzlich das Vertrauen zu entziehen oder eine Abwahl mit allen ihren Folgen (die älteren erinnern Corny vs. Aufsichtsrat?) anzuzetteln. 

Ich wiederhole mich: Hier ist Rede- und Rechtfertigungsbedarf vorhanden! Die Regelung sieht vor, dass es nie mehr besondere Vertreter*innen geben darf als Vizepräsident*innen. Was mir nicht so richtig klar ist, ob da nicht eine Lücke bei einem Massenrücktritt entstehen kann zwischen Rücktritt und Neubesetzung nach § 23 Nr. 4. Auch gerade weil das nur eine „kann“-Bestimmung ist und nun aber § 24a im dritten Absatz seiner Nr. 1 eine Frist von höchstens 4 Wochen, längstens aber bis zur nächsten MV vorsieht. Das ruckelt zwischen alten Normen und neuen Normen, wäre aber nix, was sich nicht im Rahmen einer allgemeinen Reform korrigieren ließe; es würde nun meine Zustimmung nicht verhindern.

Abschließende Anmerkung: Können wir bei der anstehenden Reform unserer Satzung mal bitte Nummern und Absätze harmonisieren? Der vorgeschlagene § 24a z.B. hat in seiner Nr. 1 vier Absätze und dann pro Nummer einen Absatz. Das macht den juristischen Monk in mir vollkommen wahnsinnig. Im nächsten Teil widmen wir uns dann den einfachen Anträgen. Bis dahin: Gute Nacht und Aufstieg jetzt.  

Aug 142021
 

(Unsere Leber und Köpfe arbeiten noch, daher haben wir uns senioren Beistand geholt.
„Du solltest bloggen“ 🤎🤍)

Es ist Derby. Es ist immer noch Pandemie. Es ist nicht wirklich alles mit dem Verstand zu erklären. An diesem Tag ist nicht jede Handlung rational. Es ist zu voll. Vor dem Spiel, nach dem Spiel zu viele Menschen am Jolly, im Viertel etc. 

Aber nicht hingehen? Geht auch nicht. Das Fieber siegt. Das Fieber was am Spieltag nie aufkommt. Zu doll geht man immer wieder von Niederlage aus. Zu doll ist man als FCSP Fan auf „das hier ist Fußball, das hier ist Drama“ gepolt. Thees singt ja nicht „das hier ist Fußball, das hier sind Triumphe“ wir sind hier ja nicht bei Bayern. 

Vor dem Spiel 

Wichtige Gespräche werden geführt. Am Derbytag nicht immer klug. Zu hibbelig. Aber alle haben Zeit. Erstmal eine Paulinenplatz Pommes zum runter kommen. Immer wieder spazieren Menschen die man kennt vorbei. Teilweise froh ein Derby zu sehen „letztes Jahr hätte ich nicht gedacht in meinem Leben überhaupt noch ein Derby zu sehen, nun sitze ich auf meinen Platz im Stadion“ Krebs ist ein Arschloch. Aber hier gibt es ein Happy End. 

Fanladen läuft vorbei. Spielen wir nun so gut, weil das übliche Ritual durchbrochen wurde oder weil es sowieso so etwas wie Aberglaube nicht gibt? Warum dann die Glückstutzen? 

Fanladen ein fröhliches „Was macht ihr denn hier?“ zugeworfen. „StraSo!“ war die Antwort. Was man mit „Kaffee holen“ übersetzen konnte. 

Ne Spaß beiseite. Jobs, die Menschen aufsuchen, sind nicht gerade geil in Pandemie Zeiten. 

Der Straßenfunk sagt was von Pyroshow. Also stehen wir an der Budapester. „Fahr ruhig langsam“ sagen wir nur. Auch das zeigt, was für ein Verein wir haben. Ein Trainer, der so etwas zur Pyroshow formuliert. 

Einlass. Schlange. Namensabgleich. Nicht jede*r Ordner*in weiß, wo man den Namen in der Apple Wallet findet, wird aber alles gelöst durch eine Ordnerin, die das kennt. Trotzdem Rauten im Block. Schwierig. 
Es fehlen 19.543 Menschen im Stadion. Ja auch die von der rautigen Seite der Macht. Derby bringt ja dann richtig Spaß, wenn sich jemand ärgert. 

Stimmen gesucht

Vor dem Spiel waren die 700 Air Bäron Anhänger*innen noch bester Stimmung. Das legte sich. Nach dem Ausgleich waren sie noch  leicht zu hören. Später nicht mehr. Und nach dem Spiel war dann „Danke für nichts“ Stimmung. Mal ehrlich: da wo wir „Kein Mensch ist illegal“ stehen haben, könnten die bei sich mal „Danke für Nichts“ hinmalen. Dann lassen sie auch vielleicht mal unsere Treppen und Brücken in Ruhe. Wenn man bei so einer Aktion nebenbei noch Menschen angeht, dann ist das der letzte Dreck. 

Es fehlen Rituale. Die Choreo. Das Pyro. Die Vorsänger*innen, die heiss wie Frittenfett sind. Es entwickelt sich unter den 9.300 anwesenden Menschen braun-weißer Gesinnung aber doch ein guter Support. Auf der Haupttribüne sitzen wir. Komische Perspektive. Michel im Hintergrund? Cool! Aber uns fehlt der große Mensch, der die Sicht weg nimmt und die Fahne die vor uns wedelt. Man sieht viel zu viel. 

Und Fußball im Sitzen geht in der Pandemie. Aber unser neues Hobby wird das nicht. 

Dieses Schreien und Singen, nech? Das geht ganz schön auf die Stimmbänder. Die kollektiven Halsschmerzen sind hoffentlich bei allen nur dieses. 
Umso wichtiger: wenn ihr noch nicht geimpft sein solltet: ihr könnt euch jetzt den Derbysiegerchip impfen lassen. Direkt im Stadion. Macht es! 

Auf dem Platz

Während des Spieles wollen dann diverse Männer Simon heiraten oder ein Kind von ihm. Boa ey. Was für ein Derbyspieler. 3-1-2: 3 Tore, eine Vorlage in 2 Derbys. 

Pass Medić? Pass Medić! Und wenn FOB nun auch noch anfängt Tore zu schießen, dann werden wir ihn wohl doch mal in der CL sehen. Seufz. Oder wir spielen in der CL mit ihm. 

Wir als FCSP tun uns ja immer schwer sportlichen Erfolg zu fordern und als unseren Inhalt zu sehen. „Grosskotzig“ „dann geh doch zum…“ „erstmal Klassenerhalt“ sind Formulierungen, die einem Entgegenkommen, wenn man von „Aufstieg“ spricht. Aber liebe Leute: man holt einen Hartel nicht, um Platz 7 zu sichern. Und die Pferdelunge zeigte schon jetzt was der leisten kann. 

Und mal ehrlich: diese Liga kommt uns entgegen. Probleme haben wir immer mit den fucking Sandhausens dieser Welt. Truppen die ihr Überleben im zerstören sehen. In dieser Liga? Unfassbar viele Teams, die nach vorne spielen wollen und müssen. Teams, die ihr Heil im Fußball spielen wollen suchen. Das ist doch was für uns. Denn wir können da vom Niveau mitspielen. Glaubt ihr nicht? Guckt euch das Derby an. Wo wir noch vor kurzer Zeit mit Kampf technische Nachteile weg machen mussten, fließt der Ball nun. Das ist top. 

Wir wollen aufsteigen! Wir wollen die Nr. 1 dieser Stadt sein. Die Rauten auf den Lauterer Weg verabschieden. Und seien wir ehrlich: Mal unter uns Kapitalist*innen: wir sitzen hier in einer Pfeffersäcke Stadt mit 1,8 Mio Menschen. Was glaubt ihr welche heiße Ware unsere Werbepakete als einziger Bundesligst in der Stadt wären? Okay, Kommunismus ist uns dann doch lieber, aber man muss ja realpolitisch sein. 

Daher nun: Nicht ausruhen, keine Atempause, Paderborn weghauen. Für ein Derby gibt es ganz viel Fankarma und Liebe. Aber in der Tabelle nur 3 Punkte. Wir brauchen mindestens noch 58. Lass sie uns holen! 

Nach dem Spiel

Das Jolly war vor der Sperrstunde schon alle. Und auch der Zoo sollte seinen Schnitt gemacht haben. Am späten Abend dann skurrile Stimmung. Läden offiziell zu, inoffiziell häufig noch Stimmen zu hören. Gruppen flanieren und es wird gelacht und getrunken. Hamburg ohne Hamburger Wetter kann was. 

Liebe Autofahrer (kein Gendern nötig), wenn an der Budapester ein Mob an der Straße steht, dann muss man dort nicht mit 120 vorbei brettern. Und den dicken BMW aufheulen zu lassen Nachts, ist auch eher so 1975. 

Stimme weg, Leber am arbeiten, Gesicht am Lächeln. Wir sind Derbysieger*innen. Wir sind St. Pauli. Kommt unser Tag vielleicht gerade? 

Ein Twitteruser fasst das Gefühl der älteren Säcke sehr gut zusammen:        

Es ist so schön. 

Jul 302021
 

Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren“

Paul Watzlawick

Das Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick beschreibt in 5 Axiomen, die Regeln menschlicher Kommunikation. Es ist ein kreisförmiges, dynamische Modell. Das bedeutet, dass nicht nur die Reaktion einer Person auf die Kommunikation einer Anderen wichtig ist, sondern auch die Rückwirkung die die Reaktion hat. Schauen wir uns die ersten beiden Axiome einmal genauer an. Das erste Axiom besagt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Jedes Verhalten hat einen Mitteilungscharakter und wird von unserer Umwelt interpretiert. Folglich ist Verhalten Kommunikation und es is dem Menschen nicht möglich nicht zu kommunizieren. Das zweite Axiom drückt aus, dass jede Kommunikation sowohl einen Inhaltlichen- als auch einen Beziehungsaspekt hat. Der Inhaltslicheaspekt beinhalten die reine Sachinformation. Der Beziehungsaspekt übermittel wie die Information vom Empfänger aufgefasst wird und wie der Sender die Beziehung zwischen Sender und Empfänger definiert.

Was das alles mit dem FC St. Pauli zu tun hat?

In Sachen Kommunikation mit seinen Fans hat der Verein Nachholbedarf

Der Verkauf von 29.546 Karten ist ein großer organisatorischer Aufwand. Die Pandemie hat dies nicht leichter gemacht. Zuschauerbeschränkung bedeutet, dass nicht alle, die bisher immer im Stadion waren, ins Stadion können. Folglich muss eine Priorisierung getroffen werden. Dauerkarten/ Jahreskarten vor Saisonpaketen. Saisonpakete vor Tageskarten. Mitglieder vor Nichtmitgliedern. Das ist hart für die, die sich erstmal keine Karte kaufen können, rational aber nachvollziehbar. Es ist genauso nachvollziehbar bei einer großen Anzahl an Auswärtskarten, bei einer geringen erwarteten Verkaufsquote zu beschließen, die ADKs nicht zu priorisieren, sondern den Verkauf für alle Dauerkarten und Mitglieder freizugeben. Egal für welche Verkaufsmodalität man sich entscheidend, man enttäuscht immer jemanden und zufrieden werden nie alle sein. Wie lässt sich also dieses Frust minimieren? Das Zauberwort lautet Kommunikation. Vier Beispiele aus unserer eigenen Erfahrungen der letzten Monaten bei denen der Verein eher unglücklich agiert hat.

Beispiel 1: Dauerkarten-Warteliste

Ein Mitglied dieses Kollektivs steht seit Jahren auf der DK-Warteliste und kämpft deshalb jede Saison mit Eventim um den Erwerb eines Saisonpakets. Wir wussten, dass, sollten irgendwann wieder Zuschauer*innen zugelassen werden, die Saisonpaketeinhaber*innen hinter den Dauer- und Jahreskarteninhaber*innen stehen würden. Die ersten Karten gingen in den Verkauf und vom Verein kam keine Erklärung an die Saisonpaketeinhaber*innen. Stattdessen erklärte Bernd von Geldern, dass die DK-Inhaber*innen „die Treusten der Treusten“ seien (wie sich das anfühlte haben wir hier niedergeschrieben.) Eine einfache Mail „Hey Leute, aktuell dürfen wir nur 2000 Zuschauer*innen zulassen, deswegen können sich als erstes die Inhaber*innen einer DK eine Karte kaufen. Wir haben euch aber nicht vergessen. Wir melden uns bei euch, wenn die zugelassene Zuschauerzahl groß genug ist, sodass wir euch auch Karten anbieten können.“ Ein kurzes „Das ist die Lage, wir haben euch nicht vergessen.“

Wäre das so schwer gewesen? Die Mailadresse von uns habt ihr ja. 

Am Ende des Tages ist es doch im Interesse des Vereins, dass die Saisonpaketeinhaber*innen sich irgendwann wieder ein Saisonpaket für den Vollpreis von 17 Heimspielen kaufen. Ob das alle tun wenn man diesen Personengruppe 18 Monate komplett ignoriert? Mal zum Vergleich: Das Saisonpaket Stehplatz Block C kostete in der Saison 19/20 246,50€ (ohne Versand), der Preis für die DK im selben Block liegt für Mitglieder bei 173€. Für 73,50€ mehr pro Saison kann man schon etwas mehr Kundenbindung erwarten als absolute Totenstille. Zumal es sich hierbei um immerhin ca. 4000 Fans handelt. 4000 Fans die vom Verein seit Beginn der Pandemie links liegen gelassen werden. Und wie man auch gesehen hat, war der Run auf das erste Heimspiel nun wirklich nicht so groß, dass das alles kein Problem ist. Auch der FCSP muss sich um seine Kund*innen kümmern.

Beispiel 2: Auswärtsdauerkarten

Für das Pokalspiel in Magdeburg bekommen wir 1500 Karten. Unter normalem Bedingungen gingen davon ca 350 Karten an die Auswärtsdauerkarteninhaber*innen. Der Rest würde auch relativ schnell über den Tisch gehen. Jetzt ist aktuell aber nichts normal, wie der Verkauf der Tickets für das Spiel gegen Kiel gezeigt hat. Am Freitag gab der Fanladen bekannt, dass sich Fanclubs bezüglich der Karten per Mail melden sollen. Der Verein würde sich dann Montag dazu äußern. Schon das war in der Kommunikation etwas ungünstig, da nicht klar war was das für die Auswärts-DKs bedeutet. Am Montag veröffentlichte dann der Vereins seine Ticketinfos zu dem Spiel. Dauer- und Jahreskarteninhaber*innen, sowie Mitglieder könnten ab Mittwoch 10 Uhr über den Ticketshop Karten kaufen. Die Auswärts-DKs seien ausgesetzt. Wäre man zynisch könnte man jetzt denken, das Allesfahrer*innen anscheinend auch nicht zu den „Treusten der Treusten“ gehören, obwohl es sich hier auch um Dauerkarten handelt. Aber das ist gar nicht der Punkt. Wir reden hier von einer Gruppe von Menschen, die teilweise seit Jahren jedes noch so beschissene Auswärtsspiel in Ingolstadt im Schneeregen im Stadion gesehen haben. Die mit dem Erwerb der ADK dazu verpflichtet sind die Karten für jedes Spiel abzunehmen. Auch hier wäre eine kurze erklärende Mail alles gewesen, was wir gewollt hätten. Denn auch die ADK-Inhaber*innen haben seit Mai 2020 kein Wort vom Verein gehört (und da ging es auch „nur“ um die Erstattung eines Spiels). 

Beispiel 3: Lebenslange Dauerkarten

Auch Inhaber*innen der lebenslangen Dauerkarte mussten lange auf gezielte Informationen in der Pandemie warten. Menschen, die immerhin mal dem Verein finanziell den Arsch gerettet haben, indem sie einen insolvenzreifen Unternehmen richtig Geld überwiesen haben. Auch da kann man gezielt informieren. Und nein, dass Pokalsaison, sportlicher Erfolg und viel Glück diesen Personen ein gutes Geschäft beschert hat, ist da unbeachtlich. 

Der Senior hat uns auf Nachfrage auch darauf aufmerksam gemacht, dass das auch rechtlich spannend ist. Denn während man den „normalen“ Dauerkartenvertrag vor der Saison 20/21 mit einem „wir müssen sehen ob und wie ihr die nutzen könnt“ eingeschränkt hatte, erfolgte vom Verein nie ein solcher Versuch gegenüber den lebenslangen Dauerkarten. Und das heißt, eigentlich hätte man diesen 450 Menschen kostenlos zuerst Karten anbieten müssen. Man war schlichtweg rechtlich dazu verpflichtet. Denn sofort als Zuschauer*innen zugelassen waren, war diese Leistung nicht mehr unmöglich. 

Jetzt zum Kiel (und Hertha) Spiel bekamen die LDK Inhaber*innen nebenbei eine individuelle E-Mail mit auf sie inhaltlich zugeschnittene E-Mail. Der Verein kann dies also von den Daten her. Er muss nur wollen. 
Jetzt könnte man natürlich anführen, dass eine Mail an einzelne Personengruppen gar nicht nötig ist, da sich alle Informationen auf der Homepage finden lassen. Der Verein verschickt allerdings personalisierte Informationsmails. Nur nicht an alle. Damit wären wir wieder bei Watzlawick. Ja, auf der Homepage finden sich alle Sachinformationen. Aber was sagt es über das Verhältnis eines Vereins zu seinen Fans aus, der seinen DK-Inhaber*innen gezielt Informationen zuspielt, alle anderen aber gekonnt ignoriert? Das nicht Verschicken von Informationen ist auch eine Information, nämlich darüber wie der Verein die Fans hinter den verschiedenen Kartenkategorien sieht. „Die Treusten der Treusten“. Beziehungsebene und so.

Beispiel 4: Schweigen

Wir kommen noch mal zurück zu den Inhaber*innen von Auswärtsdauerkarten. Als diese haben wir nämlich eine Mail an den Verein geschickt, dass wir das oben beschriebene Vorgehen ziemlich doof und enttäuschend finden und haben auch konkrete Vorschläge gemacht, was aus unserer Sicht besser laufen könnte.

Abgeschickt Montagabend. Eine Antwort haben wir bis heute nicht erhalten. Fast vier volle Arbeitstage liegen da jetzt dazwischen.

Diese Nicht-Antwort kommuniziert mehr, als es jede inhaltliche Antwort könnte. Mag sein, dass die Mitarbeiter*innen im Kartencenter aufgrund der Kurzarbeit wirklich keine Kapazitäten dafür haben. Aber auch das ist eine Entscheidung der Verantwortlichen in diesem Verein, dass solche Themen eben keine Priorität haben. Wie das bei uns ankommt, könnt ihr euch vorstellen. 

Das Zauberwort heißt Kundenbindung

Ganz trocken betrachtet sind wir am Ende des Tages alle Kund*innen des Vereins. Kund*innen, die durch den Kauf eines Produkts Einnahmen sicherstellen. 15.500 Dauerkarten reichen nicht aus um den Laden am Laufen zu halten. Durch das konsequente Ignorieren verprellt man sich Kund*innen. Kund*innen, von denen man, sollte diese Pandemie irgendwann mal vorbei sein, erwartet, dass sie ihr Geld wieder beim Verein lassen. Etwas Arbeit in die Kundenbindung zu stecken und sich nicht nur darauf zu verlassen, dass Menschen ihr ganzes Leben dem Verein verschrieben haben, scheint also angebracht. Sonst könnte der Eindruck entstehen, die nicht „Treusten der Treusten“ sind nur dann wichtig wenn es darum geht ein volles Stadion auf Social Media posten zu können. 

Jul 202021
 

Sonntag war ich nun zum ersten Mal seit 500 Tagen wieder am Millerntor, um dort ein Spiel zu verfolgen. Wie wars, fragt ihr? Die Antwort ist – typisch MagischerFC – mal wieder etwas länger.

Auf dem Platz

Joah, typisches Testspiel halt. In der ersten Halbzeit ganz gut eingespielt mit einem defensiven 4-3-3 in dem die drei Spitzen die ganze Zeit durchrotierten, offensiv mit der typischen Mittelfeldraute. Das sah alles einigermaßen eingespielt aus und mit einer ähnlichen Elf sollten wir auch beim ersten Punktspiel am Sonntag rechnen können. Auch wenn ich einen fitten James Lawrence vor Jakov Medić sehe, war das von der Aufstellung her doch ganz passabel. Was nicht heißen soll, dass Jakov Medić schlecht war. Aber James ist halt James.

Dann noch einen James Irvine (der noch Fitnessrückstand aufholen muss) und Sebastian Ohlsson (der immer noch verletzt ist leider) und wir haben da eine durchaus konkurrenzfähige Mannschaft. In die zudem noch Afeez Aremu (ich mag den Jungen) und Max Dittgen streben. Genauso wie Christopher Buchtmann (hat mich am Sonntag nicht unbedingt überzeugt), Lars Ritzka, Lukas Daschner und auch die jungen Christian Viet und Max Brandt weitere spannende Optionen sind. Auf der Torwartposition bin ich mir aktuell noch unsicher – ich sehe weder Dennis Smarsch (der bei beiden Gegentoren nicht nur glücklich aussah) als auch Nikola Vasilj als nicht so stark wie Dejan Stojanović in der vergangenen Saison. Sind aber auch beschränkte Eindrücke meinerseits.

Andererseits merkt man schon, dass uns mit Rodrigo Zalazar und Omar Marmoush ganz schön offensives Tempo abhanden gekommen ist – wie ich auf Facebook so passend gelesen habe: Makienok und Burgstaller sind eher Diesellok statt ICE. Die haben ihre Qualitäten eben ganz woanders. Pressing mit den beiden ist aber ein anderes als mit Marmoush und Zalazar. Wobei die beiden durch ihre Größe und physische Präsenz da dann auch wieder andere Qualitäten reinbringen.

Die Qualität des Spiels nahm dann mit zunehmenden Wechseln ab. Wurde in der ersten Halbzeit (bis auf kurze Trinkpause) in der Anfangsformation durchgespielt, so wurde in der zweiten Halbzeit kräftig gewechselt, was bei der Anzahl der Wechsel natürgemäß das Spiel zerfledderte und sich damit auch nur noch teilweise zur wirklichen Bewertung des Spiels eignet. Hertha sah man die fehlende Abstimmung ganz schön an (die sind zwei Wochen in der Vorbereitung hinterher) und die Aggressivität mit der in Zweikämpfe gegangen wird, ist auch nur so lange schön, wie dann – wie im Fall dieses Spiels – nichts passiert. Und da war es dann teilweise doch eher grenzwertig.

Es war aber wirklich toll – auch aus rein fußballerischer Sicht – mal wieder im Stadion zu sein. So weiß ich jetzt, dass Simon Makienok echt ganz schön behäbig ist, und auch nicht unbedingt der schnellste, dass Kyereh einen tollen Antritt hat, wie die Spieler sich bewegen in welchen Situationen. Wer wem wie schnell aufhilft, wenn er auf dem Boden liegt, wer Anweisungen gibt, wer viel mit der Trainerbank spricht. All diese Sachen, die man ob des Fernsehbildes der vergangenen 1.5 Jahre nur sehr begrenzt einschätzen kann. 

Gleiches gilt übrigens auch schon fürs Aufwärmen, es hat wirklich Spaß gemacht, das Trainerteam bei der Leitung des Aufwärmens zu beobachten. Allen drei Akteuren sieht man wirklich an, dass ihnen ihr Job Spaß macht. Für mich hervorgetan hat sich dabei Fabian Hürzeler, der gefühlt halb mitspielte beim Kleinfeldeinspielen (da gibt’s sicher irgendeinen Fachbegriff für, aber ein Fußballblog waren wir ja noch nie.).

Auch den Spielern merkte man an, dass es eben doch was anderes ist vor etwa 2500 Menschen zu spielen statt vor leeren Rängen. Immer wieder gingen die Blicke nach oben. Nach seinem Tor realisierte Kyereh, dass er ja zum Publikum laufen kann, um sich vor den Leuten zu freuen. Und gleiches konnte man danach ja auch in den Presseaussagen nach dem Spiel rauslesen.

Als Fan auf der Tribüne

Es war auf gar keinen Fall Fußball, wie ich es aus vorpandemischen Zeiten kannte. Ich gucke ja auch sonst mal gerne Livesport und es hatte einfach etwas von Tennispublikum (no shame!), wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und vor allem das Spiel verfolgen, mal klatschen, mal anfeuern; aber eben nicht dauerhaft supporten.

Aber dann gab es da auch diese typischen Millerntor-Momente, die mir (und auch anderen, so hörte ich) dann doch ein paar Gänsehautmomente bescherten. Einlaufen mit „Das Herz von St. Pauli“, Song 2 beim Torjubel, „Antifa Hooligans“ in der Halbzeitpause. Das waren diese kurzen Momente, als der „alte“ Fußball, das „alte“ Millerntor durchblitzten. Dann aber auch schnell wieder vorbei, wenn du zum Song 2 sitzenbleibst und niemanden umarmst. (Gut, es war ein Testspiel, wäre auch sonst kaum passiert, aber ihr wisst, was ich meine.)

Andererseits waren da dann auch diese ausschließlich männlichen Mitzuschauer, die immer wieder versuchten, Support anzustimmen. Und die Diskussion, wie und ob das eigentlich selbstreferenziell ist, hatten wir ja auch schon vor Corona immer mal. In diesem Fall ging es in meiner Wahrnehmung wenig darum, tatsächlich das Team zu pushen (wie gesagt, Testspiel), sondern vor allem darum, mal schön selbst im Mittelpunkt zu stehen, wenn man einen Chant anstimmt. Auf die Spitze wurde das ganze dann für mich getrieben, als aus dem Gebiet der GG „Aux Armes“ angestimmt wurde. Sorry Leute, das startet auf der Süd, von den dort anwesenden Gruppen und nicht sonst irgendwo. Das ist einfach doof. 

Es wird spannend, wie sich das Thema weiterentwickelt. So fühlt sich für mich Support von einem Sitzplatz aus, relativ exponiert und nicht in der Masse verschwindend, auch tatsächlich ziemlich komisch an. Dazu stehe ich eigentlich irgendwo eng gedrängt, der Sitzplatz passt dazu für mich einfach nicht. Und diese Abstände, die werden wir in meiner Einschätzung nicht so bald los werden. Und klar sollen die Jungs Unterstützung kriegen, wo es passt. Aber dann halt bitte als echten Support und nicht, weil du so ein cooler Macker bist, der auch endlich mal laut brüllen und vor allem von allen gehört werden will.

Ich hatte ja schon vorher mein Ticket für Kiel besorgt und bei mir kribbelt es auch ein ganz wenig für das Spiel am Sonntag. Ich habe mich insgesamt so sicher gefühlt, wie man sich während Corona eben in größeren Menschenmassen sicherfühlen kann. Aber eben auch nicht anders/ schlimmer als vor der Kneipe am Samstagabend, im Zug, in dem die Typen extra langsam essen, um ihre Maske nicht tragen zu müssen oder in irgendwelchen Schlangen draußen, wo MNS auch nur halbherzig getragen wird. Da unterscheidet sich der Fußball dann halt auch nicht weiter von anderen gesellschaftlichen Bereichen, in denen viele Menschen zusammenkommen.

Sorgen machen mir die steigenden Zahlen in Hamburg dann durchaus diesbezüglich, dass das mit den Fußballspielen unter diesen Bedingungen dann eben auch einfach nicht weiterhin so durchgezogen werden kann und wird.

Und das organisatorische?

Zumindest aus meiner Sicht gibt es organisatorisch noch einiges an Nachholbedarf:

  • Wir waren ganz früh drin und konnten den Einlass von oben ganz gut beobachten. Reihenweise haben sich Leute falsch angestellt (Einlass war nach einzelnen Tribünenteilen organisiert) oder sie standen nur in einer der beiden möglichen Reihen. Der Mund-Nase-Schutz wurde beim Einlass auch nicht mal ansatzweise zuverlässig getragen – ihn zu sehen war zumindest in dem was ich beobachten konnte eher die Ausnahme statt die Regel. Für mich ehrlicherweise komplett unverständlich, aber das ist ja dann andererseits auch nicht nur beim Fußball so. Eindeutigere Lagepläne würden helfen, ebenso wie bessere Beschilderung direkt vor Ort. Und darauf kann man dann ja auch einen Hinweis abdrucken, dass Masken auch in den Schlangen ganz cool wären.
  • Ebenso lief das zumindest bei mir mit der Überprüfung der Impfzertifikate auch noch etwas ruckelnd. Hantiert man sowieso mit zwei Apps mindestens (Impfnachweis, bzw. Testnachweis; sowie Ticket), wird es natürlich nicht einfacher, wenn die Ordner*innen dann noch wenig Erfahrung im Lesen der Zertifikate haben. Aber genau für sowas gibt’s ja solche Testläufe. Hoffen wir, dass die Routine sich bis zum kommenden Sonntag einschleicht, wenn dann die vierfache Menge Menschen ins Stadion will. Weil so dauerte es und das wird spätestens dann ungemütlich, wenns dann zeitlich Richtung Anpfiff geht.
  • Sowieso das leidige Thema Masken. Mit einer Ausnahme waren es ausnahmslos Männer, die das mit dem Maske tragen nicht so genau nahmen. Gerne mal gar nicht, auf halbacht oder „ich will ja nur schnell ein (alkoholfreies) Bier holen“. Kannste alles gerne machen, aber trag halt bitte die Maske. Und nein, sie dann zum Niesen abzunehmen, ist immer noch keine Glanzidee. Schön war, dass die Ordner*innen darauf sehr konsequent und freundlich hingewiesen haben. Auch wenn das öfters geäußerte „sonst verlieren wir unseren Job, wenn die Spiele wieder ohne Zuschauer*innen stattfinden“ zumindest aus meiner Sicht als aufgemachte Drohkulisse gegenüber den Ordner*innen etwas reichlich unpassend ist. Hier aber auch: Keine Ahnung, wer da was wie gesagt hat. Aber das hörte ich als Erklärung mehr als einmal – und irgendwoher werden sie es ja haben.
  • Mega ätzend dagegen der Umgang einzelner mit der Ansprache durch die Ordner*innen. Eine Situation ist besonders im Gedächtnis geblieben, als ein Ordner auf die Abstände und das Tragen von Masken hinwies (Halbzeitpause, Menschen stellten sich zum Diskutieren nah aneinander hin – soweit komplett normaler Prozess, wobei ich auch komplett diesen Impuls, das so zu tun nachvollziehen kann. Aber es passt halt nicht zu den Regelungen, mit denen wir uns alle abfinden, wenn wir aktuell in ein Stadion wollen). Zumindest der Bitte wurde Folge geleistet. Warum genau man sich dann feixend und hinter dem Rücken des Ordners darüber lustig machen muss, bleibt zumindest mir ein Rätsel und in schlechter Erinnerung.
  • Ausbaufähig aus meiner Sicht auch der mobile Getränkeverkauf. So waren die regulären Verkaufsstände geschlossen (ich vermute mal, um Warteschlangen zu vermeiden, in denen sich viele Leute eng auf eng befinden). Wenn sich diese Häufung dann aber fast automatisch ergibt, wenn die mobilen Verkäufer*innen auf die Tribüne kommen, ist auch niemandem geholfen. Und wenn dadurch die Mundlöcher bei Ein- und Ausgängen verstopfen erst recht nicht. In meiner bescheidenen Sicht ist auf den Umläufen mehr Platz und ich würde aus meiner Sicht als Besucherin Sinn machen, eher wieder dort Getränke verkaufen als auf der Tribüne. Aber da mag es Argumente geben, die ich gerade einfach nur nicht kenne.
  • Zudem gab es nur Einwegplastikbecher. Ich vermute mal auch hier, dass es an rein organisatorischen Gründen liegt. Ideal ist es eben einfach trotzdem nicht und es wäre doch schön, wenn sich wieder ein Weg fände, diesen vielen Plastikmüll zu vermeiden. Ansonsten können wir die Bikinis, die es im Fanshop zu kaufen und gibt und die aus Plastik, das im Meer gesammelt wurde, hergestellt wurden, vielleicht in Zukunft einfach direkt aus dem Einmalplastik dieser Becher herstellen. Sorry, ja, das war polemisch. Die Zwänge sind klar, doof ist es halt trotzdem.
  • Für mich auch nicht ganz nachvollziehbar, warum auf der GG (wo ich mich befand) penibelst auf das Schachbrettsitzen hingewiesen wurde, während dann Leute auf der Süd (die nicht offiziell geöffnet war, wo aber u.a. die digitale Saisoneröffnung durchgeführt wurde) mehrfach direkt nebeneinander saßen. Wir können gerne lang und breit über den Sinn dieser Schachbrettlogik diskutieren (und ich persönlich hätte eine große Affinität zu 10er Sitzgruppen, die dann stärker von anderen abgegrenzt sind, statt dieses durchgängige Schachbrettsitzen), aber so lange es die gibt und die penibelst umgesetzt werden, ist es im Sinne des Vorbildcharakters einfach unnötig, wenn sich auf anderen Tribünen dann genau daran nicht gehalten wird. 
  • Der gestaffelte Auslass (von unten nach oben wurden die Reihen rausgelassen), mag in dieser Form bei einem Testspiel funktioniert haben. Ich sehe noch nicht, wie das klappt, wenn die Mannschaft noch im Mittelkreis den 3-0 Sieg gegen Kiel feiert und noch nicht auf Stadionrunde war. Einige aus den Reihen wollen dann sicher bleiben, andere raus. Wenn die Ordner*innen dann ziemlich direkt darauf hinweisen, dass man „JETZT!“ gehen müsse, trägt das sicherlich Potential, eine Konfliktquelle zu werden.
  • Auf den meisten Rängen gibt es aktuell Unisex-Klos, wie Sven Brux irgendwo auf Facebook schrieb, weil es eben nicht überall M/W Toiletten gibt. Persönlich bin ich großer Fan von deutlich mehr Unisex-Klos überall und auch im Millerntor. Die anwesenden Ordner*innen haben sich allerdings wirklich den Mund fusselig reden müssen, um das zu erklären. 

Es bleibt hier also durchaus auch im organisatorischen noch Raum nach oben. Aber genau dafür sind solche Testläufe vor dem „Ernst“ am Sonntag dann ja eben auch da.

Ansonsten steht ein Saisonauftakt an, in den wir ohne Testspielniederlage gehen (auch wenn Testspiele bekanntermaßen nur bedingt Aussagekraft haben). Und es wäre schon, wenn sich der Saisonauftakt aus der letzten Saison (Pokalspiel gegen Elversberg) dann eben diese Saison nicht in der Form für uns wiederholt. Ich bin aber auch kaum vorbereitet und habe keine Ahnung, wie stark ich Kiel diese Saison einschätze. Aber gegen einen Start in die Saison, der zu 9 Punkten am 13. August gegen 20:30 Uhr führt, hat hier vermutlich niemand was?

PS: Alerta, Alerta! Alle hassen Hertha!

Jul 152021
 

Nun steht sie also fast vor der Tür, die Saison 21/22. Und somit erstmalig auch wieder die Chance seit fast einem Jahr, ein Spiel des FC St. Pauli im Stadion zu erleben. Heute gehen die ersten Tickets für das Heimspiel gegen Kiel in den Verkauf. Im Kollektiv befinden sich Menschen, die reinkönnten, wenn sie wollten (dank Jahreskarte Süd) und Menschen, die – Stand jetzt – keine Chance haben, reinzukommen (trotz ADK und Saisonabo seit vielen Jahren). Morgen steht er also an, der erste Ticketverkauf und wir haben uns ein paar Gedanken dazu gemacht, ob es ein Stadionbesuch für uns unter diesen Bedingungen eine Option ist. Vorweg: Das ist natürlich eine höchst individuelle Entscheidung, die wir hier auch nur bedingt beleuchten können. Und zudem eine höchst privilegierte, die viele langjährige Anhänger*innen des FCSP aktuell gar nicht treffen können, weil sie eben aktuell gar keine Option haben, eine Karte zu erwerben.

Auch für mich gilt, dass ich – gerade zu Beginn der Pandemie – Anhängerin von „alle oder keine*r“ war. Aber für mich haben sich die Vorzeichen geändert: So war Corona damals eine vorübergehende Erscheinung, die wir „in ein paar Monaten“ überwunden haben werden. Für mich wandelt es sich immer mehr zu einem Dauerzustand. Dinge, die lange komplett selbstverständlich waren (volle Kneipen, in luftarmen Clubs tanzen, im ÖPNV eng auf eng kuscheln, sich unbedacht in großen Menschenmengen bewegen) werden meiner Einschätzung nach noch lange Zeit auf sich warten lassen. Das heißt auch, dass das Gefühl von damals „wir bleiben jetzt ein paar Monaten den Stadien fern und gehen dann wieder alle gemeinsam rein“ einfach nicht mehr der Realität entspricht. 

Tatsache ist, dass nicht alle, die wollen, reinkönnen. Und auch nicht alle, die könnten, reinwollen. 

Wie solidarisch verhalte ich mich mit den Leuten, die reinwollen, aber nicht können, weil ich mein Privileg der Jahreskarte ausnutze, dass ich mich überhaupt um eine Karte bewerben kann? Ich persönlich bin vor einigen Jahren von der GG auf die Süd gewandert – eine Tatsache, die nun überhaupt nur dazu führt, dass ich mir diese Gedanken machen kann. Wäre ich damals (mit Saisonabo) auf der GG geblieben, wäre ich nun ausgeschlossen. Ein ganzer Freundeskreis hat – weil sie auf der „falschen“ Tribüne stehen und obwohl sie größtenteils sogar länger und in gleicher Regelmäßigkeit zum FCSP gehen – aktuell keine Option. Das ist doof, darüber kann man elendig lange diskutieren und auch eure Kommentare in den letzten Monaten haben immer wieder gezeigt, dass das ein Thema ist, das für viel Diskussionsstoff sorgt. Aber auch ein Thema, das der FCSP auf dem Schirm hat. Zumindest ein bisschen:

„Man darf aber auch nicht vergessen, dass noch weitere Gruppen auf vieles verzichtet haben, insbesondere natürlich unsere Mitglieder, die ihr übliches Vorkaufsrecht überhaupt nicht in Anspruch nehmen konnten. Auch da denken wir über Lösungen nach, wie wir sie wieder mit einbinden und den Stadionbesuch möglich machen können. Und auch in dieser Hinsicht bekommen wir positive Signale von unseren Dauerkarteninhaber*innen, dass viele bereit wären, ihre Ansprüche zugunsten anderer auch mal hintenanzustellen. Das ist gelebte Solidarität und im allerbesten Sinne st. paulianisch!“

Jetzt kann man natürlich sagen, dass das zu wenig Solidarität ist, dass auch diese Gruppen von Anfang an mitbetrachtet hätten werden sollen. Gut ist, dass es überhaupt ein Thema ist, das diskutiert wurde und zu dem in der Umfrage vor einigen Wochen ja auch explizit Fragen gestellt wurden.

Gleiches gilt andersrum für mich übrigens auch für Gästefans. Auch die gehören für mich elementar zur Fußballkultur dazu. (Auch wenn ich mir nettere Gäst*innen vorstellen kann als Dresden und Rostock. Unfreundliche Grüße.) Auch die Kieler*innen haben keinerlei Chance, ihr Team beim ersten Auswärtsspiel der Saison zu begleiten.

Man kann das ganze jetzt auch andersrum sehr pragmatisch sehen: Bei einer Zulassung von einem Drittel werden viele Menschen, die normalerweise Spiele des FCSP mitbekommen könnten, nicht dabeisein können. Hier wurde nun eine Grenze gezogen, über die man diskutieren kann und soll. Es werden aber nicht alle Interessierten unter diesen Umständen reinkommen können.

Die Gesundheit

Ein wichtiger Abwägungsfaktor, den jede*r für sich selbst betrachten muss. Ich persönlich halte bei der vorgesehenen Auslastung, bei der aktuellen Inzidenz und mit dem Status als Geimpfte das Risiko für mich persönlich aktuell vertretbar. Einerseits ist „genug“ Platz, so dass ich mich bei potentiellen Situationen, in denen viele Menschen aufeinandertreffen, entsprechend zurückziehen kann. Zudem ist mit der 3G-Vorgabe (Geimpft, Genesen, Getestet) ein zusätzliches Sicherheitsnetz eingezogen, das sicherlich nie perfekt sein kann. Aber eben zusätzliche Sicherheit bietet. Die EM hat zu vielen, vielen Infektionen geführt. Aber vor allem an Orten, an denen genau diese Bedingungen wenig bis nicht gegeben waren. In Budapest und St. Petersburg galten deutlich laschere Vorgaben (kein 3G, nach allem was man so auf Fotos und Fernsehbildern sah war auch „Abstand halten“ und „Maske auf“ ein eher unbekanntes Konzept) und die Grundinzidenz war jeweils sehr viel höher.

Zumal die Frage ja auch ist, wie viele Menschen sich direkt im Stadion infiziert haben und wie viele auf gemeinsamen An- und Abreisen sowie bei dem drumrum. Was übrigens den Fußball nicht entschuldigen soll – die Verantwortung des Fußballs endet nicht am Stadiontor. Aber für mich eine Rolle spielt, wenn ich das Risiko abschätze. Ich komme immer zu Fuß oder mit dem Rad ans Millerntor und bin nicht gezwungen, mich durch Menschenmassen zu begegnen.

In England bei den Halbfinal- und Finalspielen war die Auslastung deutlich (!) höher als sie bei den kommenden Spielen am Millerntor sein wird, zumal sich zahlreiche Menschen ziemlich gewaltsam trotzdem Zutritt verschafft haben, die kein Ticket hatten.

Und ja, auch nach den Spielen in München gab es einige wenige Infektionen. Aber die wird es immer geben, so lange wir nicht konsequent ZeroCovid durchziehen.

Die Fußballkultur

Zu meinem Fußballerleben gehören volle Stadien, gehören Gesänge, gehören Fans von 2 Teams. Gehört das eng-auf-eng (auch wenn es einfach beschissen ist, wenn Männer gerade in solchen Situationen ihre Hände nicht bei sich lassen können). Früh ins Stadion rein, um auf „unseren“ Plätzen zu sitzen. Dazu gehört auch aktiver Support, Fangesänge. Das kollektive Erleben. Die Kurve, die komplett eskaliert beim Siegtor in der 93. Minute. Schlecht sehen, weil die Sicht aus der Süd einfach nicht so geil ist. Vorsänger*innen, die versuchen uns mehr oder weniger liebevoll zu motivieren.

Erinnert ihr euch, als wir am 26. August 2019 mit einem Wechselgesang des ganzen Stadions den Ball gegen Kiel förmlich über die Torlinie gesungen haben? DAS ist Fußball im Stadion für mich.

Kurzum: All das, was mir ein Stadionbesuch unter Coronabedingungen nicht ermöglicht. 

Dessen bin ich mir bewusst, wenn ich mich um eine Karte bemühen werde. Ich erwarte das auch nicht. Ich vermisse es nach wie vor tierisch. Aber ich will es unter den aktuellen Umständen nicht erleben. Mir persönlich wäre das zu riskant. Das paradoxe ist: Weil es eben all das, weshalb ich normalerweise zum Fußball gehe, nicht möglich ist. Ich gehe da mit anderer Erwartungshaltung ran, als an meine Stadionbesuche früher. Alleine schon, dass ich gegen Hertha sitzen werde. Ich weiß wirklich nicht, wann ich zuletzt bei einem Fußballspiel saß. Die Erinnerung sagt gerade „irgendwann in den 90ern“.

Dazu gehört für mich auch: Ich werde nicht organisiert supporten. Auch wenn ich richtig Bock habe, die Jungs mit allem was geht nach vorne zu brüllen. Ich werde es nicht tun. Ein Aux Armes, das nicht von der Süd angestimmt wird? Während die Leute, die es normalerweise anstimmen, gar nicht oder nur teilweise da sind? Undenkbar. Organisierte Fangesänge? Unter diesen Umständen nichts meins. Das heißt nicht, dass ich ausschließen will, dass ich das Spiel emotional miterlebe und das gegebenenfalls auch laut kundtun werde. Meine Nachbar*innen wissen, wovon ich spreche. Aber dann als spontane Äußerung, nicht als organisierte Aktion. Nicht mit dem, was ein bis zum letzten Platz ausgefülltes Millerntor so ausmacht. 

Und ich persönlich finde, es stünde auch jeder anderen Person gut, nicht organisiert zu supporten, so lange die entsprechenden Gruppen nicht allergrößtenteils wieder ins Stadion können. 

Die Fußballmüdigkeit

Auch mir geht es so, dass ich in den vergangenen Monaten immer weniger interessiert verfolgt habe, was den FCSP so umtreibt. Fast 500 Tage ohne richtigen Stadionbesuch und ein sich immer weiter selbst überbietendes Geifern nach mehr Geld und eine Liga, die häufig weit von der Lebensrealität der Menschen in diesem Land waren, haben ihre Spuren hinterlassen. Hatte ich früher 5 Minuten nach Ansetzung der Spiele Anreisen besprochen, Urlaubstage genommen und konnte all das auswendig aufzählen, weiß ich gerade nicht mal, gegen wen wir am 2. Spieltag spielen. (Ist übrigens Aue, ich habe nachgeguckt).

Also ja, die Fußballmüdigkeit, sie ist definitiv auch bei mir da. Aber klar ist auch, dass ich die Spiele des FCSP auch in der kommenden Saison – Stand jetzt – verfolgen werde. Und ganz ehrlich? Da ist ein Stadionbesuch unter Coronabedingungen immer noch schöner als die bekloppte Sky-Übertragung, die mich regelmäßig in den Wahnsinn treibt.

Das Fazit?

Ich werde am Samstag erstmalig seit dem 1. März 2020 (übrigens genau 500 Tage später) wieder ein Spiel des FCSP im Millerntor verfolgen. Ich werde mich auch um ein Ticket gegen Kiel bemühen. Und dann mal schauen, was ich mit dem Derby mache (und hoffen, dass ich diese Entscheidung erst treffen muss, nachdem ich Kiel „ausprobieren“ konnte). 

Ich weiß, dass es nicht „der normale“ Stadionbesuch werden wird. Ich weiß, dass viele leider aktuell nicht reinkönnen. Aber es kribbelt zu sehr in den Fingern, mal wieder ein Spiel im Stadion zu erleben und nicht Sky dauerhaft anmaulen zu müssen. Nein, es wird auf keinen Fall so wie beim letzten Spiel gegen Sandhausen. Als wir supporteten, als wir uns mit Dudes, die sexistische Kackscheiße von sich gaben, angelegt haben.

Menschenmassen, durchdrängeln, organisierten Support wird es nicht geben. Stattdessen Sitzplatz, Abstand, Maske.

Ich halte das in meiner individuellen Risikobetrachtung bei den aktuellen Inzidenzen und den mir bekannten Vorkehrungen des FC St. Pauli (und geimpft) für vertretbar. Wie es dann war, werde ich sicherlich in diesem Blog weiterhin beleuchten.

Und vor allem hoffen wir, dass diese Diskussionen bald obsolet wird. Dass wir Corona so weit im Griff haben, bei Niedrigsinzidenzen und einer Impfquote von über 90% (Leute, lasst euch impfen – ihr schützt damit euch selbst und vor allem auch die, die nicht geimpft werden können), dass wir guten Gewissens Stadien vollmachen können.