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Sep 012019
 

Am 29.8.19 fand die zweite Veranstaltung zum Thema “(M)ein Verein – die Werte des FC St. Pauli” mit dem Schwerpunkt Marketing/Sponsoring statt. Auf dem Podium anwesend sind an diesem Abend Bernd von Geldern (Direktor Vertrieb), Martin Drust (Direktor Marketing), Maik (MillernTon), Sven (Fanladen, in Vertretung für Fanladenjustus) und Georg Margaretha (AFM), der die Moderation übernimmt. 

In seinem Eingangsstatement stellt Bernd von Geldern die Aufgabenbereiche des Vertriebs vor:
Hierzu gehört unter anderem die Akquise und Verwaltung der Sponsoren. Er wies darauf hin, dass Sponsoren nicht, wie oft angenommen, bei uns Schlange stehen, und man oft selbst aktiv sein müsste um passende zu finden. Zudem schildert er kurz, dass das CSR (Corporate Social Responsibility) alle Sponsoren überprüft (Lieferketten, politisches Handeln, getroffene Aussagen, etc.) und bei der Auswahl der Sponsoren immer ein Vetorecht hat. 

Martin Drust legt dar, dass das Marketing vor allem für die Außendarstellung des Vereins (Videowall, LED-Banden, Kampagnen, Digitalprodukte, Onlinekampagnen) verantwortlich sei. Er sieht den FCSP als attraktive Plattform für Sponsoren (hatte von Geldern nicht gerade noch etwas anderes erzählt?) und will den Verein weiterentwickeln. Ihm ist es wichtig von dem „wir sind gegen etwas“ hin zu „für etwas sein“ zu kommen (lieber für Diversität als gegen Faschismus, nun ja …) und er erwähnt zum ersten Mal den DIY-Ansatz, der im Verlauf des Abends noch öfter zur Sprache kommt. 

Maik erläutert, dass seinem Empfinden nach die Sponsoren des FCSP deutlich besser zu ertragen seien als in anderen Stadien und stellt Überlegungen an, was man den tun könnte, wenn man mit Sponsoren nicht zufrieden ist (intern, öffentlich, juristisch). Er spricht auch an, dass man sich dringend darüber Gedanken machen muss, warum Produkte für Frauen bei uns fast immer rosa oder pastellfarben sind, und dass es doch schön wäre, von Eventim wegzukommen. 
Als nächstes folgte die Fragerunde. Die einzelnen Fragen werden hier nicht chronologisch, sondern nach Themen sortiert dargestellt:

Kommunikation und Austausch mit Fans

Die Kommunikation ist an diesem Abend, besonders von Martin Drust, teilweise fragwürdig. Wenn ein älterer Herr seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringt, dass er seine Karte nicht seiner Enkelin vererben kann, ist die passende Antwort sicher nicht: „Und wo ist jetzt die Frage?“ 

Wenn Kritik am Auftritt von The Bosshoss geübt wird, ist „Es ist nicht Freiwild“ nicht passend. Wenn „nicht Freiwild“ unser Kriterium bei Bands ist, na dann Glückwunsch. 

Und wenn permanent auf den Zustand bei anderen Vereinen hingewiesen wird, muss man sich fragen, ob dies wirklich unsere Messlatte ist. 
Immerhin folgt, nach Hinweisen aus dem Publikum, eine Entschuldigung für die Reaktion auf das Statement des älteren Herren, ebenso wird das Freiwild-Statement relativiert.

Auf Anregung aus dem Publikum wird erläutert, dass man sich einmal pro Quartal mit dem ständigen Fanausschuss treffe und dort ein regelmäßiger Austausch stattfinde. Ansonsten sei der Fanladen immer dafür da, Stimmungen und Meinungen zu sammeln und zu kanalisieren. Ebenso könne man natürlich gerne Mails schreiben, die aber offenbar nicht immer ankommen, wie im Verlauf des Abends die Rückfrage zu einer im Juli an den Verein gesendete Mail, die wohl nie von den Zuständigen gelesen worden war, zeigt.

Schön, dass mit Maik ein Fan (Zitat des Abends: “Ich bin nur Fan” <3) und mit Sven ein Vertreter des Fanladens auf dem Podium stehen. 
Noch schöner, wenn dann auch offizielle Vertreter der Fangremien, die seit Jahren intensiv an diesen Themen arbeiten, eingeladen würden. Und lest das bitte nicht als Kritik an Maik und Sven, die sehen phasenweise so aus, als müssten sie gerade in der 19,10. Stunde nachsitzen, weil sie ein Fenster mit einem Ball eingeschossen haben.

Sponsorenkonzept/ Markenkern/ Ziele des Vereins

Die guten Nachrichten? Es gibt nach Auskunft der Verantwortlichen ein Sponsorenkonzept. Die schlechten? Uns blieb ein wenig verborgen, was dieses Konzept nun eigentlich genau sein soll:
Grundsätzlich sei es natürlich nötig, Sponsoren anzuwerben, um professionell Fußball spielen zu können. In diesem Kontext werde der Verein als Wertegemeinschaft gesehen, die gewissen Marken die Möglichkeit gebe, hierüber ihre Werte zu kommunizieren. 

Was nun Sponsorenzusammenarbeit angeht, wird aber in der Bandbreite von “Auf gar keinen Fall stehen Sponsoren hier Schlange” bis “Wir sind sehr attraktiv für gewisse (rebellische) Marken” geantwortet. Ebenso unklar bleibt, ob es nun einen spezifizierten Suchradius gibt oder “genommen wird, was da kommt”. Was vor allem daran liegt, dass die Antworten hier häufig leider etwas schwammig ausfallen. Grundsätzlich positiv ist, dass immer angestrebt wird, mit den Sponsoren auch über das Sponsoring hinaus zusammenzuarbeiten, insbesondere in Form gemeinsamer Projekte. 

Dem Impuls aus dem Publikum, noch stärker zu differenzieren, wer nun wirklich zum FCSP passt, schließen wir uns in diesem Themenkomplex noch mal explizit an.

Wie wir schon auf Twitter neulich gepostet hatten, wurden zum 28. August diesen Jahres bisher 28 neue Kollektionen im Fanshop veröffentlicht. Die Frage, welcher Markenkern sich durch dieses diverse Angebot ziehe, wird bei dieser Veranstaltung letztlich mit “Totenkopf” und “ergibt sich aus dem Erlebnis” beantwortet. Nun ja.

Wir stellen uns die Frage nach der Notwendigkeit von so vielen Kollektionen nach diesem Abend jedenfalls immer noch, würden diese doch (nur) 6-7% des Gesamtumsatzes ausmachen. Zumal das Ziel ist, den Totenkopf als Symbol St. Paulis in die Welt zu transportieren – das kann man unserer bescheidenen Meinung nach immer noch am allerbesten, wenn man selbigen prominent in den Vordergrund stellt und nicht durch Werber*innengags, Landkarten oder Pailetten überlagert. Dass ein gewisses Sortiment notwendig ist, steht außer Frage (auch wenn unsere Schwestern und Brüder in Nordkorea sicherlich mit weniger Produkten in Sportfanshops auskommen), aber die Frage, wo genau die Grenze anzusetzen ist, sollte weiterhin ausverhandelt werden. 

Und auch die Frage, ob jeder Dulli weltweit nun unbedingt ein St.-Pauli-Shirt tragen muss, spaltet uns selbst ein wenig. Es ist toll, wenn wir uns und unsere Werte in die Welt tragen; es gibt viele Menschen, die hinter der Idee St. Pauli stehen und dies auch durch ihre Kleidung ausdrücken. Das erleben wir auch immer wieder und gerade im Austausch mit ausländischen Fans und das ist gut so. Ebenso gut ist, dass wir dadurch Geld machen (ja, wir würden auch lieber ohne Geld Fußball spielen, aber das wird schwer). Aber dass dadurch auch Menschen, die dem FCSP so nah stehen, wie wir dem Zeit-Feuilleton (Kussi an Turbost.pauli), den Totenkopf tragen, sollte ebenso klar sein.

Nachhaltigkeit

Ein Problem bei der hohen Anzahl an neuen Sortimenten ist natürlich auch die Nachhaltigkeit (Stichworte Produktions- und Lieferketten, Impulskäufe – wobei wir da meistens nur den Impuls haben, schnell wegzusehen – und Fast Fashion). Immerhin sollen wohl 50 % des Sortiments umgestellt sein, die Nachfrage zu den Details geht in der Themenvielfalt des Abends leider unter. Ebenso wie die Frage nach dem Konzept der Kooperationen im Bereich Nachhaltigkeit. Hier wäre es aus unserer Sicht schön, wenn der Verein proaktiver zu diesem Themenblock kommunizieren würden.

Umgang mit Fehlverhalten von Sponsoren

Von Maik zu Beginn der Veranstaltung bereits angesprochen, steht auch der Umgang mit Fehlverhalten von Sponsoren im Fokus. Der erste angesprochene Fall ist die MediaMarkt-Kampagne, wir verlinken Euch so sexistische Kackscheiße bewusst nicht. Hier verweist man darauf, dass man sehr deutlich gesagt hätte, dass die Kampagne nicht bei uns im Stadion laufen dürfe (nebenbei waren wir da mit dem SC Freiburg wohl die einzigen) und dass MediaMarkt mittlerweile auch nicht mehr Sponsor bei uns sei. Drust muss dann aber auch zugeben, dass letzteres nicht im Zusammenhang mit dieser Kampagne steht. Eine ähnliche Regelung hätte man auch mit Astra getroffen, dass ihre “kritische” Werbung bei uns nicht im Stadion zu sehen sein dürfe. 
Die Frage, die sich in beiden Fällen stellt ist, ob man generell überhaupt mit solcher Werbung in Verbindung gebracht werden will. Denn selbst wenn sie nicht im Stadion läuft, machen wir immer noch Werbung für diese Marken, die im Falle von MediaMarkt halb Deutschland damit zugekleistert hatte. 

Ihnen sei die Problematik mit Astra bewusst, man habe allerdings noch einen Vertrag bis 2023 und da die Brauerei sehr viel Geld in den Umbau des Stadions gesteckt hat, wurden Astra sehr viele Exklusivrechte zugesichert. Aus diesem Grund sei es nicht möglich, aus diesem Vertrag herauszukommen, unabhängig davon, welche Werbung Astra schaltet. 

Aus dem Publikum wird zudem angemerkt, dass die Werbung von Fritz Kola, die bei Spielen immer über die Banden läuft, nicht mit den Werten des Vereins vereinbar sei. Man könne sich nicht damit profilieren, den Gegner am Millerntor explizit willkommen zu heißen und ihre Hymne zu spielen, um sie dann im gleichen Atemzug über die Bandenwerbung zu beleidigen. Dies erntet viel Beifall. Martin Drust erklärt, dass man man schon mit Fritz Kola darüber gesprochen und sie auch darauf hingewiesen habe, dass dies nicht in Ordnung sei, Fritz Kola aber bisher nicht auf das Feedback angesprungen habe.

Sexismus

Und dann war da noch der große Themenblock ‘Frauen im Verein’ bzw. ‘Sexismus im Marketing’. Oh Boy (!), haben wir da noch viel Arbeit vor uns:
Auf den Hinweis, dass Sichtbarkeit von Frauen sehr wichtig sei und an diesem Abend nur Männer vorne auf der Bühne stünden, wird mit „Frauen haben aber bei der Vorbereitung geholfen“ geantwortet. Achso, also sind Frauen im Verein nur dafür da, um den Herren die Bühne vorzubereiten, auf der sie dann diskutieren und ihre Meinungen prominent kundtun dürfen? Cool.

Es wird dann zwar nachgeschoben, dass man dies für die nächste Veranstaltung ändern würde (was wir doch mal schwer hoffen wollen, bei einer Veranstaltung zum Thema Frauen im Verein) aber ein fader Beigeschmack bleibt. 
Und leider wird dies im Laufe des Abends nicht besser. Das „Bei uns machen doch alle auf dicke Hose“-Shirt, das es nur für Männer gibt (Zufall?), wird damit begründet, dass der Spruch in den 90ern cool (so alt, wie wir sind können wir euch noch ne ganze Reihe Dinge nennen, die in den 90ern cool waren und mittlerweile nicht mehr) war und dass niemandem in den Sinn gekommen wäre, dass dies sexistisch verstanden werden könnte. 

Passend dazu fühlt sich dann auch noch ein Herr (der unserem Verständnis nach bei uns im Vertrieb arbeitet) aus den vorderen Reihen dazu bemüßigt, sich umzudrehen und die Fragestellerin darauf hinzuweisen, dass das ganze eben ironisch verstanden werden müsse. Dudes, die Frauen erklären was sexistisch ist und was nicht. Wir lassen das einfach mal so stehen.

Manchmal macht es schon sehr müde. 

Bloß weil ein Spruch vor 30 Jahren cool war, heißt das nicht dass er dies heute immer noch ist. Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Dinge, die man vor 30 Jahren gesagt hat, sagt man heute nicht mehr. Und das aus gutem Grund. Wir müssen uns ganz dringend fragen, ob Menschen die sich dieser Thematik nicht bewusst sind, die richtigen dafür sind, den Verein nach außen zu vermarkten. 

Auf dem Podium sitzen nebenbei auch deshalb keine Frauen, weil die Direktorenebene des FCSP eine reine Männerrunde ist. Es wäre ja auch mal ein Impuls, Frauen bewusst einzustellen, auch auf solchen Positionen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann einiges mal ins Positive ändert, ist auf jeden Fall höher, als wenn man den Boysclub so belässt.

Suchtmittel

Ein Herr aus dem Fanclub „Weiß-Braune Kaffeetrinker“ merkt an, dass im Stadion sehr viel Werbung für Suchtmittel zu sehen sei:
“Wie passt es zusammen, unsere Jugendspieler zu einer Schulung zum Thema Spielsucht zu schicken aber dann im Stadion Werbung für Wettanbieter zu machen? Gibt es Überlegungen, das Stadion in ein suchtmittelfreies Stadion zu verwandeln?”

Die “entschiedene” Antwort an dem Abend: Jein. Hier wirkte es so, als wäre diese Thematik den Verantwortlichen überhaupt nicht bewusst. Sie reden viel drumherum, bis irgendwann ein Herr aus dem Publikum wütend aufsteht und sie auffordert, zuzugeben, dass bet&win nur wegen des Geldes bei uns Partner sei. Nach etwas Herumgedruckse wird dies dann bestätigt.

Von Geldern erläutert, dass man wirklich keine Antwort auf die Fragen hätte, man dies lange diskutiert hätte und vielleicht hier auch die falsche Entscheidung getroffen hätte. 

Fazit? Nun ja.

Es ist wichtig und richtig, dass es solche Austauschplattformen gibt. Die Teilnehmer*innenzahl von (durch uns geschätzt) 200 Menschen zeigt zudem auch, dass das Thema für viele relevant ist. Vielen Dank an alle, die dies ermöglicht und sich den Fragen und der Kritik gestellt haben.

Leider war das Ergebnis des Abends für uns nicht so richtig erquicklich, da wurde viel rumgedruckst, Ausflüchte gesucht und manchmal rhetorisch auch auf nicht unbedingt hohem Niveau geantwortet. 

Gingen wir nach der ersten Werteveranstaltung (Stichwort “Derbyaufarbeitung”) durchaus positiv gestimmt nach Hause, so bleibt von gestern eher die Erkenntnis, dass da auf vielen Ebenen noch viel Luft nach oben ist. Umso wichtiger, dass wir alle dranbleiben und weiterhin kritisch nachfragen und kommentieren.

Aug 272019
 

Eigentlich sollte dieser Bericht „Schweiß, Bier und Gänsehaut“ heißen, aber dann kam die Pressekonferenz. Details später.
Die Vorfreude auf dieses Spiel hielt sich in engen Grenzen. Zu schlecht sind wir in die Saison gestartet. Und Kiel ist nicht gerade ein Gegner, gegen den wir in den letzten Jahrzehnten zu Hause gut ausgesehen haben – selbst wenn die bisherigen Ergebnisse dies vermuten lassen. Dazu ist noch Montag, was das ganze nicht schöner macht. Sowieso ist dreimal montags so früh in der Saison echt unschön. Selbst wenn es alles Spiele sind, die nicht eine Reise durch die ganze Republik erfordern.

Dieses Spiel ist kein Derby, es ist keine Rivalität und Kiel ist der Eber, der sich an der Eiche reibt. „Keine andere Stadt, keine andere Liebe, kein anderer Verein – Nur Holstein“ singt man in der – gewohnt schrecklichen – Gästehymne (aber immerhin keine mittelständische Powerballade), was angesichts eines Handballvereins, der internationale Spitze ist, so richtig der Wahrheit nahe kommt. Für mehr Realität in Vereinshymnen! Am Millerntor muss man dann in der Halbzeit immerhin keine Cheerleader*innenchoreografie von Menschen, die der 0 näher als der 18 sind, erleben.

Aber ein voller Gästeblock ist doch auch mal was schönes. Kiel versammelt sich nun hinter einem „Working Class“ Banner, was angesichts der eher studentisch, mittelklassigen Prägung von Ultrà-Szenen etwas lustig ist. Haben wir schon mal die Erfindung von T-Shirts erwähnt? Und das man die auch anlassen kann? Privilegien etc. und so, aber auch „ih bäh“. Niemand will sich in einem vollen Stadion an eurem nackten Oberkörper vorbei schlängeln müssen. Auch wenn es im Millerntor Pommes gibt, es ist kein Freibad. Das gilt im übrigen auch für die Dullis, die meinten den Südaufgang ohne Shirt nutzen zu müssen und sich dafür ne verdiente Abreibung einfingen.

Sehr schön dafür, dass im Südkurvenschreiben das Awareness-Plakat abgedruckt ist. Danke an die Hoschis, die das möglich machten. Kudos auch an die Leute, die mit Adiletten oder offenen Schuhen in eine Fußballkurve gehen. Wir wissen noch nicht so richtig, ob wir das für mutig oder wahnsinnig halten. Dazu passend auch der in der ersten Halbzeit ketzerisch umgetextete “Wir sind der Fußballclub Sankt Pauli” zu “Wir sind das Modelabel FCSP”.

Taktisches

Unser Trainer hat für die Aufstellung „Überraschungen“ angekündigt und die bekommt man dann auch pünktlich 60 Minuten vor dem Start. Die Grafiker der Medienabteilung stellen die Mannschaft diese Saison ja immer im 2-2-2-2-2 auf, der Kicker macht sowieso ein 4-2-3-1 draus und wir spekulierten zwischen 10-0-0 und 3-5-2 mit allen möglichen Zahlenkombinationen, die addiert 10 Feldspieler ergeben. Letztendlich war das wohl eine Art 3-4-3/3-4-1-2, zumindest wenn man den realen Positionen laut WhoScored glauben möchte. Und seien wir ehrlich: Das funktioniert nicht so wirklich gut. Kalla hat doch arge Probleme mit dem Kieler Baku, der aufgrund der Offenheit dieses Systems immer wieder 1 gegen 1 gehen kann. Da sieht man dann doch, dass Kalla in seinen alten Jahren nicht der schnellste ist. Dementsprechend wird er auch zur Halbzeit ausgewechselt, wahrscheinlich auch, weil er doch nah der gelb-roten Karte ist. Baku ist am Ende nach WhoScored-Note auch der beste Spieler auf dem Platz.

Die Trainer bemerken in der Pressekonferenz nach dem Spiel, eine ausgeglichene erste Halbzeit gesehen zu haben. Das mag man so unterschreiben. Kiel hat mehrfach Spieler sehr blank vor dem Tor stehend und scheitert dann am eigenen Unvermögen, wir haben immer ansehnliche Aktionen, aber am Ende treffen beide das Tor nicht und es geht unentschieden in die Halbzeit. In der zweiten Halbzeit ist Kiel auch laut beiden Trainern stärker, aber im Endeffekt gewinnt der FCSP. Ein langgezogener Freistoß wird von Lawrence ins Tor gehämmert, sodass der Torwart gleich mit reinfliegt und wir in Führung gehen. Der Jubel fällt verhalten aus, denn Lawrence knallt nach der Aktion mit Schwung in den Kieler Torhüter und zumindest im Stadion-Livebild kann man nicht sehen, ob das nun ein ahndungswürdiges Foul oder ein unglücklicher Zusammenprall ist. 

Und da sind wir auch bei einem der größten VAR-Probleme: Als Stadionzuschauer*in ist das eine Stimme aus dem Off, deren Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind, da die komplette Tatsachenbasis fehlt. Letztendlich kommt es zu keinem VAR-Eingriff, das Tor zählt und alles ist gut. Kiel ist danach drückend und wir meinen DRÜCKEND überlegen, hat mehrfach freie Schuss- oder Kopfballbahn und erzielt nix Zählbares. In dieser Phase sind der Pfosten, der Himmelmann und das Glück sehr auf unserer Seite. Da müssen wir auch mal Wasser in den Wein kippen, denn hier hätte das Spiel ohne weiteres gedreht werden können und eine etwas effektivere Mannschaft haut uns da einen rein. Hier ist bei uns noch Verbesserungsbedarf. Auch dass wir erneut durch einen schnell ausgeführten Freistoß überrascht werden in Halbzeit 1 ist nervig und abstellbar: Gegnerfreistoß in unserer Hälfte, die Defensive pennt und Himmelmann pariert und tobt dann. In dieser Reihenfolge. Wir wollen echt nicht zählen, wie viele Tore wir uns so dumm-dämlich gefangen haben.

Was Lautstärke bewirken kann 

Die Kausalkette zwischen “in Führung gehen und dann hinten träumen” würden wir gerne mal verstehen – und noch eher brechen. Die Kausalkette zwischen dem lautesten Wechselgesang seit Ewigkeiten und Contehs Sprint zum 2:0 können wir alle aber beim Derby in drei Wochen (ja, wirklich!) ganz leicht wiederholen. Noch mal im Detail, weil es so schön war: Die Süd startet einen Wechselgesang mit der GG. Der – anstatt der normalen routinierten fünfmal wechselnden „St. Pauli“ Rufe die nun normalerweise folgen – sich plötzlich hochschaukelt und immer lauter und drückender wird. Dieser Wechselgesang bringt den Ball dann zu Diamantakos, brüllt ihn mit einem Killerpass zu Conteh und erzwingt in seiner Lautstärke ein Willenstor. Bäm! 2-0 nachlegen, damit Ruhe ist, in Perfektion. Gänsehaut. Laut Twitter ist das Stadion wohl bis ins tiefste Altona zu hören. 

Man sieht dem Abwehrverbund an, dass er noch nicht zu häufig so zusammen trainiert hat. Ziemliches Risiko, das dann gleich in den Livebetrieb zu geben, aber hat ja – größtenteils – geklappt.

Nur Ruhe ist leider bis zum Abpfiff nicht in unserem Spiel. Wir bauen – man muss leider sagen “wie üblich” – in den letzten Minuten arg ab, Kiel kommt zum Anschlusstreffer und es muss noch mal gezittert werden. Penney kassiert noch eine du äh blö äh unglückliche gelb-rote Karte (hier streitet sich das Kollektiv – das ist doch vor allem die Abgewichstheit, die wir alle vor wenigen Wochen vermissten) und so gucken doch alle mehrfach auf die Uhr bevor der Schlussjubel ertönt. Womit wir wieder beim Wasser im Wein sind: Wir müssen immer noch einen viel zu hohen Aufwand treiben, brechen immer noch zu stark ein, haben nicht die Kraft, den Aufwand 90 Minuten zu betreiben. Da muss sich was ändern. Dazu gehört auch, dass wir einen ballsicheren Abfänger von der Bank kommend sehr gut gebrauchen könnten. Hoffmann ist dies (noch?) nicht.

Details später? Bitteschön!

Aber egal, Buballa versprach Elo vergangene Woche den Sieg. Gestern holten wir uns dann nach dem Spiel noch ne Trullerfaust auf den Derbysieg ab. Vorher noch Dresden, wir verspüren dieses komische Gefühl, das sich Vorfreude nennt. Naja, zumindest bis Samstag irgendwann vor 4 der Wecker klingelt.

17 und 21

Die Nummern sind seit gestern vergeben beim FCSP. Dazu folgende Anmerkungen:

1. Ja diese Nummern wurden von sehr verdienten Spielern getragen, die zu Recht ein Platz in guten Erinnerungen von FCSP Fans haben. 

2. Wir haben zur Zeit laut Kaderübersicht 11,16, 29, 34, 35, 39, 40 offen. Der DFB regelt, dass man 1-40 belegen muss und höher nur gehen kann, wenn man mehr Spieler gemeldet hat. Dies macht “Nummern nicht vergeben“ schon sehr schwierig. Es hat in Deutschland im Fußball auch sehr wenig Tradition. Die 17 war auch schon zwischendurch an Eden vergeben. 

3. Die Satzung des FCSP ist in Paragraph 9 und seiner Nr. 3 deutlich. Die möglichen Ehrungen sind geregelt und dann steht da „Weitere Ehrungen werden nicht vergeben.“ Das gilt auch für die Nichtvergabe ehrenhalber von Rückennummern. Wer dies ändern möchte, dem steht ein entsprechender Antrag auf der JHV frei. Einen solchen hat es bisher nie gegeben und dementsprechend gibt es auch keinen entsprechenden Beschluss. Und nur so wäre eine solche Ehrung überhaupt vorzunehmen. Irgendwelche Beschlüsse der sportlichen Leitung anderer Organe oder des lieben Gotts sind angesichts der Satzung irrelevant. 

Ob sie nun verdient ist oder nicht, dies sei eurer eigenen Wertung überlassen. Fakt ist aber: Hamburger Zeitungen entscheiden beim FCSP nicht über Ehrungen. 

Wer diese Platte bekannt vor kommt: Wir hatten das Thema schon bei der Ehrenpräsidentschaft für Cornelius L. 

Aug 172019
 

Stuttgart. 4:40 lud uns der ICE nach Stuttgart ein. Optimismus war lieber gleich im Bett geblieben, aber Sarkasmus und Morgenlaune hatten es pünktlich geschafft. 

Um uns vom Pöbel abzugrenzen hatten wir uns ein erste Klasse Abteil gegönnt. An die kommunistischen Brüder und Schwestern: Sparpreis olé! Vom Schaffner einmal freundlich mit einem “Stuttgart wo der FCSP heute selbstverständlich gewinnt“ begrüßt worden. Aber nur einmal, niemand hat hier jede weitere Ansage mitgefilmt. Alles nur für euch, liebe Leser*innen. Mehrfach kann man das ja wegen „der anderen konservativen Mitreisenden“ nicht machen. 

Stadt, Land, Fußball vertrieb uns die Zeit. Gerade “Grund für eine rote Karte” als Kategorie brachte so Perlen wie “Mord” oder “Illegale Drogen verkaufen” hervor. Hier Maik, ist doch richtig, oder? 

Pünktlich brachte uns die Bahn nach Stuttgart. Und damit ins Chaos. S Bahn Verkehr in Stuttgart ist ein Erlebnis. Nur kein schönes. Bei einem Spiel mit 50.000 Zuschauer*innen eine potentielle Anreisestation alle 30 Minuten anzufahren ist schon eine gute Idee. Und dann kam die auch noch zu spät. Und war voll. Und nervig. Und überhaupt. Und auf der Rückfahrt wurde es eher schlechter. Wir wollten schon eine neue Kategorie in dem Stadt, Land und Fußball Spiel einbauen “Schimpfworte für den ÖPNV in Stuttgart”. 

Irgendwann waren wir dann doch im Stadion. Man muss noch den “Fantrennungsumweg” um ein Gebäude machen, was dann irgendwie witzlos wird, wenn nach dem Schlenker alles durcheinander rennt und sich genau an der Ecke des Gebäudes drei Stuttgart Dullis mit “Ey Schw…. Pauli, komm mal her” produzieren dürfen. Ein Besuch der Polizei beendete leider ihre Chance auf eine verdiente Abreibung. 

Rein ins Getümmel

Zurück zu vor dem Spiel. Abtasten schnell überwunden und damit die positive Ordner*innenerfahrung des Tages gehabt, hat vielleicht etwas lange gedauert. Die negative Erfahrung waren dann Ordner, die meinten das Banner “St. Pauli ist die einzige Möglichkeit” nicht aufhängen zu wollen, bzw. das Aufhängen verhindern wollten. Gut das wurde durch uns bestimmt und freundlich geregelt. 

Positiv im Stadion: Die haben für viele Dinge eine Gebärdendolmetscherin auf der Anzeigetafel. Negativ: Sie haben ein Maskottchen. Ein Krokodil. Fritzle. Fragen Sie nicht. 

Der Gästeblock zeigte dann Schwenkfahnen dazu. Garantiert sehr hübsch, aber den massiven Fahneneinsatz in der Heimkurve konnte man nicht schlagen. Dass es in Gästeblöcken immer jemanden gibt, der über Fahnen schon vor dem Spiel meckert, ist auch so eine wiederkehrende Sache. Genauso wie diese in den Block filmenden Leute. Aber so kurz mal Handy weg nehmen und mit Erklärung wieder geben wirkt echt Wunder. 

Der Support beim Spiel war gut. Selbst bei uns in den hinteren Reihen ging gut was. 

Lag natürlich auch an einer sehr guten ersten Halbzeit, die unsere Jungs hinlegten. Schönes Tor, alles super. Außer dass wir trotz genügend Chancen den berühmten Sack nicht zumachen. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht.

Was gefiel: Mats zentral offensiv. Starker Auftritt. Und seien wir ehrlich, als er dann von Buchti ersetzt wurde, wurde unser Spiel extrem langsamer. Buchti ist zentral offensiv echt nicht perfekt aufgehoben und für einen “ab nun mauern” Wechsel war es ein bisschen früh. 

2% aller Ecken werden statistisch Tore. Außer der FCSP ist Ihr Gegner, da werden alle Ecken Tore. Unsere Ecken hingegen sind ungefährlicher als Fritzle. Und diese “kurze Trickecken” waren schnell mehr eine Gefahr für uns, als für den Gegner. Mehrfach ging eine eigene Ecke über zwei Stationen zu unserem Torhüter. 

Und dann lassen wir eine Flanke zu, lassen selbige segeln und verlieren halt doch noch. Auch wenn es spät war, es kam nicht überraschend, denn am Ende war erneut ein Unterschied in der Frische deutlich erkennbar. 

Unerklärlich, warum Hoffmann nach Kopfzusammenstoss weiterspielen darf, um dann gleich beim nächsten Kopfball wieder zusammenzusacken. Aber unsere Liebe zur medizinischen Abteilung kennt ihr ja schon. Concussion Protocol durch neutrale Instanz. Ende der Diskussion.

Klar, diese Niederlage haben wir alle erwartet, aber es ist halt ärgerlicher spät 2-1 zu verlieren, als von der ersten Sekunde an unterlegen zu sein. 

Nach dem Spiel war die Mannschaft inkl. Umfeld in der Kurve. Außer Bornemann, der scoutet Spieler und wartet auf die Möglichkeit im überhitzten Markt. Knoll setzte um, was wir alle fühlten, riss ein Stück Rasen raus und feuerte selbigen durch die Gegend. Noch lieber hätten wir allerdings die Deutschland-Fahnen an den Stuttgarter Schals durch die Gegend gedonnert.

Zurück zum Hauptbahnhof. Siehe oben. Wir haben es geschafft. Und sitzen dann mit der Mannschaft im Zug. Und können dann immerhin für unseren Chief Editor ein Matsgramm zum Geburtstag bekommen. Sehr, sehr viel Liebe für Mats. Ansonsten: Was im Zug passiert bleibt im Zug. Zum Beispiel, dass wir gegen (geschätzt) 12-jährige in AntiRa-Shirts (❤️❤️❤️) bei Stadt, Land, Fußball verlieren. Diese Niederlage immerhin sehr gerne.

Kein Bier, Scheiße hier!

Aug 142019
 

Das schön an Regioanfahrten ist ja vor allem, dass man auf dem Hinweg auch normalen Leuten, die es nicht für die beste Sonntagsunterhaltung halten, sich in irgendwelchen Stadien rumzutreiben, begegnet. Nach kurzem Austausch darüber, was wir hier eigentlich machen würden, stellte die Dame dann fest, dass Fußball ja sowieso viel schöner als Fliegen sei.

Der Beweis bleibt nach dem Pokalerlebnis noch zu erbringen.


Wir reisten – wie es sich für einen „ultrá-nahen Blog“ gehört mit der USP-Reisegruppe an, Abfahrt und Ankunft fast pünktlich, im Zug wurden die Ernährungsgewohnheiten eines Mitreisenden ausführlich gesanglich kommentiert. Ankunft in Lübeck, dann mit dem Fanmarsch gen Stadion und zum ersten Mal die höchst kreativen Banner der Lübecker gesehen. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag, ihr Schnuffis. Schön, dass ihr euren Geburtstag und die erste Pokalteilnahme seit drei Jahren vor allem dadurch feiert, dass ihr diese höchst kreativen Shirts wieder auflegt. Mehr dazu bei Maik vom Millernton.


Was man in Blogs ja viel zu wenig liest ist, wie viel Anreisezeit man bei solchen Spielen damit verbringt, irgendwo rumzuhängen. Dieses Mal in mehrfachen Etappen vorm Stadion. Und immerhin sind wir da in unserer Freizeit und stehen da nicht in vollem Militäroutfit, weil wir einen Beruf ergriffen haben, den niemand ergreifen muss. Dafür war der Einlass dann umso schneller. Dass in unsere Bauchtaschen nicht mal reingeguckt wird, ist auch eher selten – und dass gar nicht abgetastet wird wohl auch. Und nein, das ist definitiv keine Beschwerde. Um unseren Ruf als Motzer*innen zu bewahren: Dixies komplett ohne Handwaschmöglichkeiten sind für Frauen eher uncool. Das coole an Dixies: Alle (auch nicht-binäre Menschen) können die gleichen nutzen. (Ergänzung 14.08: Danke Elo für die Schreibweisehinweise!)



Sicherheit wird in Lübeck großgeschrieben.



Weiteres Rumgehänge vor dem Spiel, schöne Choreo (zumindest aus „im Block-Sicht“) mit ein bisschen Lichteffekten. So mögen wir das.
Noch vor Anpfiff durften wir auch Peter (Ähnlichkeit mit lebenden Personen rein zufällig) kennenlernen, der vor allem gekommen war, um uns St. Paulianer*innen „mal“ zu sagen, wie scheiße wir doch sind. Danke, das ist uns noch nie passiert und wir haben jetzt drei Nächte deswegen schlecht geschlafen und weinen immer noch, wenn wir daran denken.

Warum man die beiden Tore des eigenen Teams in der regulären Spielzeit dann dadurch feiert, sich bei uns als Mittelfingermodel zu bewerben verstehen wir auch nicht. Müssen wir ja aber auch nicht. Und ob die eigene Mannschaft nun so davon motiviert wird, wenn man eigentlich nur den Gegner beschimpft, sei zumindest auch bezweifelt. Liebe weiblichen* Fans in Lübeck: Wir würden Euch sehr, sehr feiern, wenn ihr es irgendwann mal schafft, „Lübecker Mädels“ einzusingen. Bis dahin belächeln wir die gesamte Fanszene weiterhin nur müde.

Egal, wir schweifen ab: Anpfiff, das 3-5-2 deutete auf eine eher offensive Ausrichtung hin (als Zweitligist „musst“ du beim Viertligisten das Spiel machen) was dann auch so war. Begeistert waren wir davon vorm Spiel nicht und das leider auch nicht zu Unrecht. Jedenfalls offenbarte die Ausrichtung dann auch große Lücken in der Defensive, die dann auch zum 0:1 und 0:2 führte. Erschreckend wie leicht wir mit Pässen in den Lauf auszukontern sind. Und: Das waren auf Lübecker Seite jetzt keine technisch brillanten Spieler. Sonst würden die nicht in Lübeck spielen. Angezweifelt sei auch, ob Miyaichi soweit hinten am besten aufgehoben ist. Verzeiht uns, wir vergessen schon wieder wie überhitzt der Markt einfach ist und dass deswegen einfach keine defensiven Spieler zu holen sind, da nimmt man halt was noch so da ist und noch laufen kann. (Und das lest ihr bitte nicht als Kritik an Ryo!)


Wenn man im Spiel öfter mal die Augen verdreht, kennt man dann den Flutlichtmast immerhin im Detail.

Die guten Neuigkeiten dieses Spiels: Wir haben immerhin ein Pflichtspiel erledigt, bei dem wir a) aus einem (doppelten) Rückstand zurückkamen, b) ein Tor nach einer Ecke machten und c) konditionell stärker als der Gegner waren. Das alles zusammen führte dann zum 2:2 nach regulärer Spielzeit.
Verlängerung, Diamantakos (edit 14.08.: der in Wirklichkeit Knoll heißt) macht das 3:2, da kann man das Stadion dann ja gut verlassen, Spiel ist entschieden. Wir mussten dann tatsächlich gehen, um einen 77-jährigen zu sehen, bei dem die Spieler vielleicht mal in konditionelle Ausbildung gehen sollten. Wahnsinn, wie der nach mehreren Herz-OPs noch die Bühne gerockt hat. Und wie gut, dass es auch in Brasilien noch Stimmen des Widerstandes gibt.


Diffidati con noi – findet im übrigen auch Nara Gil!


Als notorische Auswärtsfahrer*innen kommen wir leider viel zu selten in den Genuss des AFM-Radios. Ein bisschen surreal war das schon während des noch laufenden Spiels zurück zum Lübecker Bahnhof zu laufen und Tims liebliche Schreistimme in komplette Ekstase zu erleben. Das war ein bisschen surreal, vor allem aber großartig, danke


Im Elfmeterschießen dann souverän weitergekommen, nur damit die hübschesten Stutzen der Welt sich jetzt auf Deutschlandtournee machen. Das Kollektiv diskutiert noch, wer der nächste Lieblingsgegner ist. Aber ist ja eigentlich auch egal, wen wir auf dem Weg nach Europa noch so alles rausschießen.


PS: Und das ganze scheinbar auch noch ohne (neue) Blessuren im Kader. Unaufhaltbar auf dem Weg nach Europa!

Aug 042019
 

Liebe Lesende, es läuft gerade nicht. Und unser altes Thema war nie weg. Verletzungen. Es gibt Verletzungen, da kann man nicht viel machen. So eine widerfuhr Jackson. Naja man kann da auch mal Foul pfeifen, denn ein Faktor war schon der robuste Einsatz von hinten in Richtung des Standbeins von Jackson. Und irgendwie haben wir “Ball berührt” bisher nicht so verstanden, dass man dem Gegenspieler das Standbein weg ziehen darf, um dann den Ball zu spielen und alles ist gut. 

Was folgte ist regelkonform, aber dran gewöhnen und das richtig finden muss man trotzdem nicht. Fürth spielte schnell weiter, nutzte genau die aufgegebene Position und schoss ein Tor. Kann man machen, man kann dann aber auch die englische Lösung nehmen und den Gegner ausgleichen lassen. Insbesondere wenn man sieht, dass der wirklich übel verletzt ist. Und warum niemand ernsthafte Verletzungen mehr ernst nimmt, zeigte Fürth dann im weiteren Spielverlauf auch mehrfach. Diese Wunderheilungen nach Pfiff durch den Schiedsrichter/ Ball nach außen spielen durch den Gegner sind etwas ganz besonderes. Und halt mehr als Scheiße, wenn niemand deswegen schwere Verletzungen auf den ersten Blick mehr ernst nimmt.

Natürlich kann man das alles “clever” und “abgewichst” finden. Nur dann findet man Cum-Ex Geschäfte wahrscheinlich auch ganz okay. Die Gesetzeslücke existierte halt. (Die ursprüngliche Strafbarkeit ist nämlich nicht so klar, wie Twitter sie gerne darstellt. Ohne euch nun mit Steuerrecht nerven zu wollen.)

Es nervt, dass wir keine Reaktion auf “clever” und “abgewichst” haben. Die meisten Zweitliga Mannschaften können dieses “Arme hoch und hinfallen” und die Schiedsrichter pfeifen nur das. Hast du nicht die Arme hoch und kullerst 5 mal über den Rasen bekommst du keinen Freistoß. So ist das. Leider. Es ist clever das zu wissen. Es wäre auch clever, Fürthern die unseren Rasen als Liegewiese benutzen mal ein zwei drei freundliche Worte zu sagen. Insbesondere weil das Stadion nach der Jackson Aktion on fire war. Das kann man gegen einen Gegner, der nun nicht gerade 29546 Menschen im Stadion gewöhnt ist auch mal ausnutzen. 

Nix gegen die Fürther Fans. Wir hatten das Thema letztes Jahr. Es sind halt ein paar hundert Menschen, die der Spielvereinigung folgen, das aber wahrscheinlich auch zu einem Spiel Mittwoch 12 Uhr in Klein Gladebrügge. Umgestaltete Werbeplakate vom Dritten Weg sind uns trotzdem deutlich lieber als Deutschlandfahnen. 

Awareness

Schön, dass es nun Plakate gibt, die von der Awareness-Gruppe gestaltet und aufgehängt wurden. Unschön, dass wieder von Vorfällen berichtet wurde, die zeigen wie wichtig die sind. Sexisten aufs Maul. 
Und ja, das Wort nutzt nicht jede*r in seinem täglichen Sprachgebrauch. Man kann dann natürlich über den modernen Sprech motzen und den Inhalt völlig ignorieren. Oder man kann sich mit dem Inhalt auseinandersetzen. Dass wir Menschen erster Gattung ziemlich blöd finden, könnt ihr euch denken.

Braune M & Ms

Kennt ihr diese van Halen braune M & Ms Story? Falls nicht, lest sie hier nach. 

Der FCSP ist eindeutig ein Veranstalter, der solche Sachen nicht liest. Da wird ein Tor per VAR DEUTLICHST vom Schiedsrichter zurückgenommen und eine Korrektur der Anzeigentafel erfolgt minutenlang nicht. Als sie erfolgte, stimmte die Anzeige dann leider schon wieder. 

Da kommt es zu einem Unfall in der Gegengerade und zufällig anwesende Menschen mit Erste Hilfe Erfahrung müssen Ordner*innen sagen, was sie zu tun haben. (Hier stand erst „in der Süd“ das war unser Fehler)

Das sind alles Dinge die man proben kann; alles Szenarien, die nicht von Himmel fallen – eher sogar in den erwartbaren Erlebnisrahmen bei einem Fußballspiel fallen.

Und es passt zu einem sportlichen Bereich, der jetzt Kondition als Thema entdeckt, aber vorher beinahe eine Woche später mit dem Training anfängt als die meisten anderen Zweitligisten. Und selbst wenn man davon ausgeht, dass alle Jungs im Urlaub gewissenhaft arbeiten, so ersetzt nichts die Intensität einer Vorbereitung. Gerade wenn man schnell und intensiv spielen will. Und wenn der Trainer u.a. die sportliche Verfassung einzelner bemängelt, dann darf man nicht vergessen, dass der Trainer durchaus über die Trainingsausgestaltung und -terminierung entscheidet.

Und da kommen wir zu den anderen Verletzungen. Den “muskulären Problemen”. Die sind kein Zufall. Die sind Folge falscher Belastung und Entlastung. Und in dieser Häufigkeit zum einen extrem schädlich und ein brauner M&M, der da nicht hätte sein sollen, wenn man alles gelesen hätte. Und bei aller (nichtvorhandenen) Liebe: Für den Trainingsbetrieb und die Belastungssteuerung ist der Trainer zuständig. Der vor genau einer Woche motzte, er habe nicht genug Spieler, die durchspielen können.

Nebenbei suchen wir die angekündigten Umbauten im Eingangsbereich der Süd immer noch, auf der Gegengeradenseite war da nichts und der Einlass ging schnell vonstatten. Im Gegensatz zum Aufgangsbereich Gegengerade. Einzelne berichteten von 30 Minuten Schlangestehen, was besonders toll ist, wenn man zwischen Dom und Einlassschlange auch gar nicht mehr durchkommt. Lieber Verein, mehr Ordner*innen sollten da helfen. Genauso wie es auch ratsam ist, drei Stunden vor Spielbeginn mehr als einen Kartenschalter aufzumachen. Erstaunlicherweise wollen Leute ihre Karten für den Spieltag kaufen oder aufwerten oder auch sowas wie Auswärtsdauerkarten besorgen.

Sportliches

Wie sehr uns der Abwehrchef fehlte, sah man im weiteren Spielverlauf. Auch wenn wir ziemlich glücklich über Hornschuhs Comeback sind. Ohne den sähen wir ganz alt aus. Die Frage, warum Carstens nicht mal im Kader steht, sei aber noch mal besonders laut gefragt. Da ist der Junge letzte Saison nach WhoScored-Werten fünftbester im Kader und steht nun zum zweiten Mal nicht in der Mannschaft, ohne dass uns ein gesundheitlicher Grund bekannt wäre (und steht nebenbei am Sonntag dann auch in der Startelf der U23). Und trotz verletzungsbedingt ausgedünnter Personaldecke auf seinen Positionen.
Unverständlich bleibt auch, dass wir körperlich nicht dagegenhalten. Das zog sich durch die letzte Saison und geht jetzt nahtlos so weiter. Da laufen die Fürther im Spielverlauf mal kollektiv 4.39 km mehr als unsere Spieler, da geht die Zweikampfquote mit 55% zu 45% für Fürth aus, und da werden wir 15mal gefoult, während die Fürther nur 9mal gefoult werden. (Quelle für alle Werte: Kicker). 
Das ist eine Mannschaft, die körperlich nicht mal gegen eine Mannschaft, die nun wirklich nicht im oberen Drittel der Tabelle erwartet wird, dagegenhalten kann. Wie soll das denn erst in den nächsten Ligaspielen gegen Stuttgart, Kiel, Dresden und den H$V aussehen? Zumal uns da jetzt auch noch Jackson fehlen wird, der zwar auch wenig foult, aber körperlich durchaus präsent ist.
Und da geben wir dann auch 17 Schüsse ab, von denen aber nur fünf aufs Tor gehen. Letzte Saison waren es nebenbei im Schnitt 12.1 Schüsse, von denen 4.5 aufs Tor gingen.
Und hatten wir in Bielefeld wirklich keine richtigen Ideen den Spielaufbau betreffend, die über “langer Ball von Himmelmann” hinausgingen (41 lange Abschläge von ihm – mehr als in jedem anderen Spiel letzte Saison, wo der Durchschnitt bei 22.2 lag, von denen 8.2 gut beim eigenen Spieler ankamen), so waren es gegen Fürth nur noch 23 Abschläge mit einer besseren Ankommquote von von insgesamt 12 Pässen. Auch wenn es in den letzten Minuten auch hier wieder vermehrt auf die Abschlagtaktik gesetzt wurde.
Zur ganzen Geschichte gehört auch, dass Knoll, Buballa, Himmelmann, Knoll und Möller-Daehli eine deutlich schlechtere individuelle Leistung zeigen als gegen Bielefeld, lediglich Diamantakos steigert sich, während Hornschuh quasi konstant bleibt.

(Quelle: www.whoscored.com)

Es ist aber auch nicht alles schlecht

Wir haben genug Chancen. Wir können hier locker 3-3 spielen. Es sieht teilweise echt nach Fußball aus. Das ist gut. 

Die ganzen Support Gruppen hatten eine fette Chaos Choreo vorbereitet. Und die sah einfach gut aus. Danke für eure Mühe und euer Gewusel. 

Es ist/ war Pride Week und der Regenbogen mächtig präsent auf Rängen und Platz. Inklusive Warm Up Shirt für die Mannschaft. Toll. 

Der Supportblock und USP haben in Kombi noch einen wirklich guten Abendausklang hinter dem Fanräume-Tresen hingelegt.

Jacksons Faust beim rausgetragen werden ist schon jetzt ein Bild, das sich zu dieser Saison einbrennen wird. Auch wenn wir auf den Anlass wirklich verzichten können. Gestern bestätigte sich die Vermutung, die wir schon nach dem Spiel hatten, was einen monatelangen Ausfall zur Folge haben wird. Gute Besserung, Jackson, YNWA!

Jul 302019
 

Das Ergebnis: Bielefeld – FCSP 1-1
Die Punkte: äh der Punkt (99/102 noch zu holen, Kurs 34 Punkte)
Der Liebling heute: Conteh
Die Emotion zum Spiel: 📺🤷🏼‍♂️

Bielefeld, auf einem Montag Abend. Wer da optimistisch anreist kann auf jeden Fall mal ein bisschen Negativität in seinem Leben gebrauchen.

Ein bisschen ballern

Dachte sich auf jeden Fall auch der Polizeibeamte, der uns bei der Parkplatzeinweisung schmunzelzwinkernd mit dem Satz verabschiedete, der nun die Überschrift dieses Beitrags bildete. Das ist wohl die Deeskalationsstrategie der Polizei in Bielefeld (“Die Beamten der Polizei Bielefeld sind neutral, gesprächsbereit und setzen grundsätzlich auf Deeskalation mit allen Fußballfans.“)
Kleine Anmerkung des Fahrers: So richtig sicher, ob er das wirklich schmunzelnd meinte bin ich mir auch nach einer Nacht Schlaf nicht. Aber immerhin verabschiedete er sich nach dem Spiel freundlich. 

Powerballade

Anreise ansonsten unspektakulär, es dauerte 40 Minuten bis der weltbeste Fahrer mit “Mach mal lauter“ angeschrien wurde. Pöbelplaylists sind einfache eine ganz eigene Sache und der Bus schon in „Mid Season Form“. Unproblematische Kontrolle für uns, dann rein in den Block. 60 Minuten bis Anpfiff, wir waren geteilter Meinung, ob wir uns nun auf die Saison freuen. Bis dann wieder die typische Bielefelder Stadionmusik gespielt wurde.

Jugend forscht

Bei der Startelf gab es dann doch einige Überraschungen, so kann man sich nun zumindest noch mal klarer denken, welche Spieler Luhukay in seiner “Wutrede” gemeint hat – auch wenn man dann sieht, wer eben auch nicht eingewechselt wurde. Trainingsleistung können und wollen wir nicht beurteilen, wir wüssten aber trotzdem zu gerne, was bei Carstens das Ding ist – letzte Saison immerhin unser siebtbester Spieler, frisch aus der Jugend kommend, in einer unstabilen Mannschaft, und auf dem Platz war Einsatzbereitschaft auch nie ein Thema. Nun ist er nicht mal mehr im Kader.

Dafür dann immerhin 2 andere Spieler aus der eigenen Jugend im Startelfkader, die – wir spoilern hier mal – das Spiel ganz schön retteten. Schön auch, dass Hornschuh zurück auf dem Platz ist. Dass da noch etwas Spielhärte fehlt ist klar, aber was er an Sicherheit und Spielübersicht auf der 6 ausstrahlt, kann noch viel wert werden.

45 Minuten gut ist gleich Punkteteilung

Auf dem Feld sahen wir dann 2 durchaus sehr verschiedene Halbzeiten, wurde in der ersten der Ball offensiv schön schnell weitergegeben, festgemacht und kam die Mannschaft einige Male gut vors Bielefelder Tor. Aus einem Konter macht Conteh dann nach Zuckerpass von Mats sein erstes Profitor (kann man davon sprechen, wenn der Schütze nicht mal einen Profivertrag hat?), in seinem ersten Spiel. Wir lasen in diesem Internet, dass er beim vorhergehenden Sprint 39 km/h (Ergänzung, 30.07.: Es waren 34.8 km/h – never believe what you read on the internet) hatte. In der zweiten HZ dann ein ganz anderes Bild, kann Bielefeld doch schon in der 48. Minuten ausgleichen und geht der Ball noch knapp an die Unterlatte. Irgendwann versuchen wir dann Beton anzurühren, aber es bleibt dann beim Versuch. Offensiv geht quasi nichts mehr und wir machen keinen Ball vorne mehr fest.

Wie auch diese Statistik (Quelle Kicker) anschaulich zeigt:

(Im Laufe der zweiten Halbzeit lagen wir in der Zweikampfquote noch vorn, auch die ist also in den letzten Spielminuten richtig nach unten abgesackt.)

Hornschuh muss irgendwann aus verständlichen Gründen raus und damit ging dann das letzte bisschen Ordnung verloren. Ärgerlich natürlich, dass der Ausgleich spät und durch einen Standard (1,27 % aller Ecken führen zu Toren) fällt.

Während des Spiels kamen wir dann auch in den Genuss des ersten VAR-Einsatzes im Stadion. Wenn auch mit gutem Ausgang für uns, ist das aus Stadionsicht gar nicht mal so geil. Das was man mit der Ursache machen kann, kann man sich aber trotzdem mal angucken

Was gefällt

Es gefällt, dass wir in der 1. Halbzeit es endlich mal schaffen unsere schnellen Leute zu schicken und die Verteidiger in ein schnelles 1 gegen 1 zwingen. Ja, das ist nicht die höchste Fußballkunst, aber wenn wir Waffen haben, dann ist es doch Geschwindigkeit (Wir sagen nur 39 km/h!).

Insgesamt sind die Einzelleistungen phasenweise schon echt ok (Avevor rasierte hinten in der ersten Halbzeit ganz schön was weg, Conteh mit der schon angesprochenen Geschwindigkeit und Zug zum Tor, Hornschuh mit viel Sicherheit und Übersicht, Mats der zentral einfach viel mehr zur Wirkung kommt und die Bälle nach einer Berührung schon weiterverteilt, Becker der keinen Ball verloren gibt), im Gesamtgefüge aber noch mit viel Platz nach oben. War das auf dem Platz nun die erhoffte Reaktion auf Luhukay’s Pressekonferenz vom Sonntag?

Einen Vorschlag hätten wir jedenfalls schon mal: So einen Profivertrag mit Conteh fänden wir nicht so schlecht.

Was ist das nun wert?

Wenn man unserem Trainer glaubt und Bielefeld „best of the rest“ ist und wir irgendwie eine Mittelfeldmannschaft, dann ist das viel wert. Aber ob das so ist, zeigt sich in der überraschenden zweiten Liga der Welt häufig genug erst an Spieltag 25. Wenn man diesen Punkt nun „vergoldet“ und mit den berühmten 2 Punkten pro Spiel in die Pokalpause geht, dann kann einem erstmal zwei Wochen die Sonne ein bisschen aus dem Arsch scheinen.

Insbesondere weil man in Stuttgart definitiv Außenseiter ist und da mit einer „ihr müsst doch“ Haltung ziemlich gut fahren kann.

Wir wollen keine Darsteller*innen in Euren Homevideos sein

Support vor Ort war ok, aber auch das haben wir schon lauter erlebt. Die letzten Wochen haben auch in der Fanszene nicht nur Lust auf die neue Saison gemacht. Und auch wenn wir alle aus der Wohlfühlzone rauskommen sollen, gilt auch in 2019 erst recht: Weniger filmen, mehr supporten. Wir wollen einfach nicht in euren Homevideos auftauchen.

Wir fuhren ja nun nicht zum ersten Mal auswärts und haben uns entsprechend schnell auf den Weg nach Hamburg gemacht, so dass wir die Landesgrenze pünktlich um 1:00 Uhr wieder überquert haben. Auf der Fahrt versuchten wir uns auch noch an einer inhaltlichen Diskussion von Se­ñorita (Die KayOne-Version, selbstverständlich). Tipp für Euer Seelenleben: Lasst es.

Unser Tag wird kommen.

Auch in Bielefeld war Tim vom Millernton, trotz widriger Anreise.

Jul 282019
 

Freund*innen der Sonne, dieser Verein überrascht doch immer wieder. Fällt unserem Cheftrainer doch direkt vor dem ersten Spiel ein, dass eigentlich alles scheiße ist. Nachzulesen beim Kicker

Kaderfragen

Es ist ja nicht so, dass wir alles rosarot sehen und wir haben ja selber schon genügend auf fragwürdige Dinge hingewiesen und Dinge angemahnt. Auch die Kaderzusammensetzung, auch die hohe Verletztenquote. Aber wir hätten ja nicht gedacht, dass sich so ein Cheftrainer nach einer Vorbereitung, die er selbst voll verantwortet und vorbereiten konnte, hinstellt und so tut, als ob er damit nichts zu tun hat. 
Luhukay sagt, dass wir keinen Kern haben, weil er keine Spieler habe, die mehr als 15 Spiele machen können. Da mag ein Körnchen Wahrheit dran sein, auch wir hatten darüber schon geschrieben. Zu dieser Wahrheit gehört aber auch, dass von vier neuen Spielern drei beim ersten Saisonspiel verletzt ausfallen.
(Zander als fünfter „neuer“ fällt auch aus, das war aber schon vorher klar, und wir zählen ihn jetzt mal nicht mit rein, da er ja letzte Saison schon hier war.)
Und zwar alle drei aufgrund von muskulären Verletzungen, die sie sich im Training zugezogen haben. Mit anderen Worten: Der einzige nicht verletzte Neuzugang ist Gyökeres. Der bisher ein Mal mit der Mannschaft trainiert hat. 
Das fällt voll in die Verantwortung des Trainers. Da kannst du noch so schön drumrum reden. Und wenn die auch kein Kern sind, dann muss man sich als Luhukay auch fragen, warum man sie dann holt. Einer davon kam immerhin auch auf „kennt der Trainer“ Empfehlung (bei den anderen beiden sagen böse Zungen, dass der Sportchef wohl nur Kontakte zu genau einem Premier League Club hat).

Zu Beginn der Pressekonferenz sagte Luhukay folgendes: „In dieser Zeit haben wir versucht, vieles zu verändern. Insbesondere in Bezug auf Intensität und Trainingssteuerung gerade wegen der Verletzungsmisere. Das ist in fünf Wochen aber nicht zu ändern.“ das stimmt. Aber in einer Vorbereitung kann man es. Dann muss man in den viereinhalb Monaten, die Luhukay nun auch schon am Millerntor ist, eben die richtigen Stellschrauben drehen. Deswegen hat man doch auch während der schon abgeschriebenen vergangenen Saison den Trainer gewechselt. 

Stilfragen

Ein weiterer Punkt: Warum jetzt und in dieser Form? Reden “die Verantwortlichen” in diesem Verein eigentlich miteinander? Redet Luhukay mit Sportchef, Präsident etc.? Das wirkt alles wie eine kurzfristige Abwälzung von Schuld ohne konstruktiven Ansatz. Und erinnert an seine Zeit beim VfB über die Wikipedia folgendes zu berichten weiß „Querelen mit Sportdirektor Jan Schindelmeister über die Ausrichtung und die Verpflichtung der Spieler Takuma Asano, Benjamin Pavard und Carlos Mané – Luhukay wollte für den angestrebten Wiederaufstieg stattdessen erfahrenere deutschsprachige Spieler – waren dafür ausschlaggebend.“ Bevor Luhukay also die Schuld für das nicht direkt miteinander reden von sich schiebt: Er hat mit sowas schon mal von sich hören gemacht.
Und unter ferner liefen: In der neuen Struktur wird hervorgehoben, wie wichtig es ist, dass die Direktorenebenen viel untereinander diskutiert und entscheidet. Wenn Luhukays Rundumschlag ein Ausblick ist, erwarten wir großartiges. 
Zum ganzen Bild gehört auch, dass er als Trainer auch Vorgesetzter von (teilweise sehr jungen!) Menschen ist. Und denen direkt vor einer ersten Bewährungsprobe zu sagen, dass sie eigentlich den Ansprüchen nicht genügen, ist keine gute Menschenführung. Im Trainingskontext sagen „dies das brauch ich von dir, dies das läuft schief“ ist super, aber eben ausgewogen und konstruktiv. Aber nicht dieser Stil, nicht zu diesem Zeitpunkt. Als Trainer gehört es nun mal dazu, dass ich ein Gespür dafür haben muss, wann ich was in welcher Schärfe sagen kann. So wie Luhukay dies nun tat, ist jedenfalls nicht zu empfehlen. 

Kein Ponyhof

Nochmal: Niemand sagt, dass beim FCSP alles rund läuft. Ganz im Gegenteil. Und auch wir finden dieses “Piep, Piep wir haben uns alle lieb” teilweise echt anstrengend. Man muss sich in aller Liebe auch mal die Meinung sagen und das ist bei uns häufig genug auch verloren gegangen. Aber doch bitte im direkten Austausch und nicht über die Presse. Darüber, dass dies schon passiert sein kann und diese PK nun Luhukays letzter Rettungsanker sein kann, machen wir uns lieber keine Gedanken.

Und nu? Schrieb ein Mitglied dieses Kollektivs “Sprechen wir uns im Sommer 2020”. Wäre vielleicht auch die bessere Wahl. Wider besseren Wissens fahren wir morgen nach Bielefeld. Immerhin die Pöbelachterplaylist verheißt gutes. Vorfreude auf eine neue Saison sieht jedenfalls anders aus.

Jul 182019
 

Strahlende Sonne ist unser Begleiter, hell unser Himmel, blau unser Meer.
Ihr habt gekämpft und die Macht uns erobert, wir aber geben sie nie wieder her.

Refrain: Partei, deine jungen Genossen, tragen die rote Fahne voran. Du kannst dich auf sie verlassen, da kommt der Steuermann.

(Aus „Partei, deine jungen Genossen“ gefunden auf lieder-aus-der-ddr.de – unverschämterweise nicht gegendert!)

Lieben lesende Menschen,

in den letzten Tagen erschien das Sondermagazin „Das Herz von St. Pauli“ im Hinz & Kunzt Verlag und ist an den für Hinz & Kunzt üblichen Orten erhältlich. Ihr werdet das natürlich kaufen, weil Hinz & Kunzt eine gute Sache ist.

Unter anderem findet sich in diesem Sonderheft auch ein Interview mit unserem scheidenden kaufmännischen Geschäftsführer Andreas Rettig und unserem Präsidenten Oke Göttlich. Es geht um die bereits auf der letzten JHV (in einem Satz) angekündigte Genossenschaft.

Es bleiben viele Fragen und Anmerkungen. Wir wollten erst einen Hot Take schreiben und vielleicht sollten wir das immer noch tun. Aber das ganze ist einfach zu komplex und ja, wir versuchen uns kurz zu halten, aber nein es wird uns nicht gelingen.

TLDR

Eine endgültige Bewertung des Projektes verbietet sich. Die Kommunikation ist zumindest fragwürdig gelaufen.

Es gibt schon im jetzigen Projektbekanntheitsstatus Dinge, die einem Bauchweh machen müssen und es wird spannend sein, ob und wie die Gestalter (bewusst nicht gegendert, bisher liest es sich so, als würde dies tatsächlich primär von Männern vorangetrieben) dieses Projektes auf diese Bauchweh eingehen werden.

Vorab / Die Art und Weise

Es ist bei Oke üblich, dass er irgendwas in einer JHV Rede knapp und nebenbei ankündigt, das dann meistens folgende Schweigen, weil niemand so genau zuhört, als breite Zustimmung interpretiert und die meisten Menschen dann von der Umsetzung überrascht werden. Das ist natürlich bei euch Lesenden nicht so, denn wir hatten schon im JHV Artikel deutlich auf die Genossenschaft hingewiesen.

Für weitere Informationen wählt man nun das „Exklusivinterview“ bei Hinz & Kunzt. Dies ist so ein bisschen zweischneidig. Gut, weil man so natürlich Aufmerksamkeit auf dieses Heft lenkt und jede Hamburger Zeitung gezwungen ist, für dieses Heft Werbung zu machen. Schlecht, weil man nicht immer die JHV als höchstes Gut verkaufen kann und die Mitglieder als „der Verein“ umschmeicheln kann, wenn sie nicht die Ersten sind, die solche – detaillierteren als das was zu hören war – Informationen erhalten. Wenn man schon so einen Weg geht, wäre die gleichzeitige Ankündigung einer umfassenden Informations- und Sachstandsveranstaltung für Mitglieder schon sehr wünschenswert. Immerhin sollen die hier ihren Anteil an der MSB verkaufen.

Wir kommen darauf später noch etwas anders denkend zurück.

Das dann natürlich 11Freunde (ausgerechnet!) das ganze zu einem sehr umfangreichen Vorabartikel verwurstet, ist dann noch ärgerlicher. Während die Mitglieder einen Satz von der JHV kennen. 50+1 ist halt vor allem dann cool, wenn man mit dem Finger auf andere zeigen kann.

Die jetzige Konstruktion

Unser Stadion gehört der sogenannten Millerntorstadion Betriebs-GmbH & Co. KG im Volksmund auch MSB genannt. Dies ist eine Tochtergesellschaft des FC St. Pauli e.V., sie hat aber auch andere Gesellschafter, das letzte Mal wurde ihre Struktur 2011 öffentlich, im damaligen Prospekt der Anleihe. Wir zitieren:

„Kommanditisten der Emittentin [gemeint ist die MSB] sind der Verein mit einer Kommanditeinlage von EUR 9.800, Michael Meeske mit einer Kommanditeinlage in Höhe von EUR 100 und Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke mit einer Kommanditeinlage in Höhe von EUR 100. Ferner ist zu erwarten, dass sich im Zusammenhang mit dem weiteren Aus- und Umbau des Millerntor-Stadions der Fanräume e.V. […] beteiligen wird.“
Wir gehen mal davon aus, dass Meeske nicht mehr Gesellschafter ist. Prof Dr. Schulke hat netterweise eine Wikipedia Page (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_Schulke) ist aber sonst im Verein wahrscheinlich eher unbekannt. Uns ist zumindest nicht bekannt, dass Prof Dr. Schulke nicht mehr Gesellschafter ist.

Fanräume ist verwirklicht und wird nun auch Gesellschafter sein, aber verkündet wurde dies – nach unserem Wissensstand – nie.

Die Anteile werden im Prospekt mit 1 %, 1 % und 98 % angegeben. Wir nehmen nun mal an, dass Fanräume e.V. auch 1 % übernommen hat, so dass zur Zeit dem e.V. 97 %, den drei Fremdgesellschaftern jeweils 1 % gehört. Dafür spricht auch eine weitere Zahl, werdet ihr gleich sehen. 

Man muss dazu auch wissen, dass in der MSB vereinbart ist, dass Beschlüsse nur einstimmig erfolgen können. Und zwar auch (und wir zitieren noch mal das Anleiheprospekt von 2011) „insbesondere auch auf sämtliche Geschäfte des täglichen Lebens“.

Dies gilt natürlich auch für Änderungen des Gesellschaftsvertrages und die Neuaufnahme von neuen Mitgliedern in diese MSB.

Ihr werdet euch nun fragen „wer ist denn so bescheuert und nimmt da Minderheitengesellschafter auf, die alles blockieren können?“ Und wir antworten euch: „Das deutsche Steuerrecht ist Schuld“. Was hier verhindert werden soll, ist eine sogenannte Betriebsaufspaltung. Details ersparen wir euch lieber. Könnt ihr googeln. Wir müssen gleich noch mal ein bisschen tiefer gehen, aber wir versuchen das so kurz wie möglich zu machen. 

Wir gehen davon aus, dass niemand vor hat, diese Konstruktion zu beenden. Das muss immer weiter mit gedacht werden.

Die nun bekannt gewordenen Fakten

Man möchte „große Anteile der vereinseigenen MSB“ an die Fans verkaufen, schreibt 11Freunde. ”Es läge ein Wertgutachten für die MSB vor und man wolle bis zu 46 Prozent Anteile der MSB in eine Genossenschaft geben“ steht im Interview. 

Man würde zur Zeit noch „steuerliche Vor- und Nachteile“ prüfen und die „exakte Form der Beteiligung werde noch diskutiert“.

Gesellschafter neu?

Es entsteht dann eine sehr spannende Gesellschafterstruktur. Die wir hier mal versucht haben grafisch darzustellen:

Wer sich also gewundert hat, wie man auf nun auf gerade 46 % kommt, der findet hier seine Antwort. Beim Verein verbleiben dann 51 %, was natürlich nur dann wirklich interessant wird, wenn nicht mehr Einstimmigkeit vereinbart ist.

Weiterhin Einstimmigkeit? / Steuerlich prüfen?

Ein bisschen müssen wir jetzt noch auf das Steuerrecht eingehen, denn es ist hier nicht ganz unwichtig. Die MSB wird damals sogenannte Vorsteuern gezogen haben. Das macht eine Investition billiger und ist einer der Gründe  warum man eben nicht zu 100 % dem Verein gehört. Würde man nun die Gesellschafterstruktur ändern, dass eine sogenannte Betriebsaufspaltung vorliegen würde, dann könnten diese Vorsteuern noch korrigiert werden. § 15a Umsatzsteuergesetz sieht da eine Frist von 10 Jahren vor.

Da die Gegengerade ca. 2013 fertig geworden ist, sind wir zumindest mit großen Teilen der damaligen Investition noch sicher innerhalb der Frist, so dass die Einstimmigkeit wohl beibehalten werden muss.

D.h. auch, dass die MSB als Konstrukt erhalten bleiben muss, was die oben abgebildete Grafik so schön unübersichtlich macht.

Was gibt es steuerlich noch zu bedenken? Der Verkauf von Anteilen an Gesellschaften, die ein Grundstück halten kann grunderwerbsteuerpflichtig sein. Hier wahrscheinlich nicht, aber auch dies gilt es sicher zu stellen.

Und noch viel wichtiger ist, dass man nicht sogenannte „stille Reserven“ steuerlich offen legen muss. Auch dies kann durch einen Verkauf von Anteilen an einer Personengesellschaft ausgelöst werden. Ist auch hier unwahrscheinlich, aber man sollte „niemals nie“ sagen.

Wir gehen daher davon aus, dass unter der Formulierung „prüfen wir gerade“ das Engagement einer spezialisierten Kanzlei gemeint ist, die von der Möglichkeit einer sogenannten verbindlichen Auskunft beim zuständigen Finanzamt Gebrauch gemacht hat. Damit kann man ein Finanzamt verbindlich danach fragen, welche steuerlichen Auswirkungen eine geplante Konstruktion hat.

Sollte gegen unsere Annahme jemals raus kommen, dass man eine solche verbindliche Auskunft nicht eingeholt hat, dann müsst ihr uns jetzt schon versprechen, dass wir alle Verantwortlichen teeren und federn und im Volkspark aussetzen. Das wäre ein absoluter Kardinalfehler. 

Wichtig ist hier folgendes: Solche steuerlichen Konstruktionen sind was schönes, sie sind aber gegenüber Änderungen sehr sensibel und können ganz schnell platzen. Und das wird teuer. 

Genossenschaft was heißt das eigentlich?

Erstmal ist die Genossenschaft eine juristische Person, vergleichbar mit einer GmbH und einer AG. Geregelt ist sie im Genossenschaftsgesetz. Sie kann Gewinne an ihre Mitglieder ausschütten, sie kann das aber auch per Satzung ausschließen.

Was sie so attraktiv macht ist, dass jedes Mitglied grundsätzlich nur eine Stimme in Versammlungen hat und dies nicht nach Höhe der Beteiligungen gewichtet wird. Ausnahmen sind zwar gesetzlich möglich, aber hier ja wahrscheinlich nicht gewollt.

Kurz: Ein einzelner Genosse kann nie wirklich Einfluß aufbauen. Egal wie viel oder wenig Geld er/sie investiert. 50+1 möchte grüßen.

Was sie unattraktiv macht ist, dass die Genossenschaft relativ kompliziert geregelt ist im Gesetz. Wir machen jetzt mal einen vereinfachenden Vergleich: Das „Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung“ (bekannter auch als GmbH-Gesetz) schafft es bis § 88. Das „Gesetz betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ (Genossenschaftsgesetz) schafft es immerhin bis § 171.

Man muss sich an einer Genossenschaft mit einer Zahlung beteiligen. Man kann diese Mitgliedschaft kündigen und bekommt dann sein Geld wieder, wobei da lange Kündigungsfristen vorgesehen werden können.
Genossenschaften müssen nach § 1 des Genossenschaftsgesetzes einen bestimmten Zweck haben. Wir zitieren:
„Gesellschaften von nicht geschlossener Mitgliederzahl, deren Zweck darauf gerichtet ist, den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern (Genossenschaften), erwerben die Rechte einer „eingetragenen Genossenschaft“ nach Maßgabe dieses Gesetzes.“

Beteiligungen können sie dann erwerben, wenn die der Förderung dienen oder gemeinnützigen Bestrebungen der Genossenschaft dienen.

Wo ist unsere Bauchweh? 

Rechtsform

Fangen wir gleich mal mit dem zitierten Paragraphen an. Eine Genossenschaft ist nicht dafür gedacht die Anteile an einer gewerblich vermietenden KG zu halten. Es wird spannend sein zu sehen, wie man diesen Widerspruch auflöst und was am Ende der Zweck der Genossenschaft sein wird. Hier wird es allemal einer Konstruktion bedürfen. Man kann sich fragen, ob nicht damals, als man das Stadion erdacht und gebaut hat eine direkte Genossenschaft anstatt der nun nicht auflösbaren MSB besser gewesen wäre. Aber das waren damals andere Zeiten und der FCSP in anderen Nöten. 

Kündigungsmöglichkeit

Genoss*innen dürfen kündigen. Sie bekommen ihren Anteil dann wieder. Die Gefahr in einer Genossenschaft ist immer die Massenkündigung. Dann muss man das Geld liquide haben. Das ist häufig kein Problem, weil man entweder sehr geringe Anteile hat (siehe Volksbanken) oder man eine Wohnungsbaugenossenschaft hat, wo das sehr eingeschränkt werden kann.

Man stelle sich nur mal vor, der FCSP steigt ab und eine Masse Mensch verliert ihr Interesse, dann muss ich – ggf. mit Verzögerung durch Kündigungsfrist – darauf reagieren können.

Zusammensetzung der Genoss*innen

Machen wir uns nichts vor. Hier wird Geld gesammelt. Unter einem schöneren Bild, als wenn man eine Publikums-KG gegründet hätte. Das wird offen gesagt und ist ja auch Sinn des Ganzen. D.h. so ein Anteil wird nicht zu einem Euro feilgeboten. Wir vermuten mal, dass wir hier schon von einem mindestens 3 stelligen Eurobetrag ausgehen müssen. Die Anleihe sah damals Minimum 100 Euro vor. Machen wir uns nichts vor: Es gibt genügend Menschen, die können sich das neben Dauerkarte und Vereinsmitgliedschaft schlichtweg nicht leisten. Es gibt da eine ausschließende Hürde. Die Sozialisation von Produktionsmitteln haben wir uns immer anders vorgestellt. (es grüßt: Das kommunistische Propagandamedium der Herzen!)

Ausdrücklich wird ja auch davon gesprochen an „Fans“ verkaufen zu wollen. Fans sind ungleich Mitglieder. Und noch viel wichtiger: Fans sind ungleich aktive Fanszene (im Sinne von Ultras, Fanclubssprecherrat, ständigem Fanausschuss etc. pp) Es gibt Schnittmengen, aber die sind eben bei weitem nicht 100 %. 

Denken wir doch mal in einer bösen Unterstellung: Wird deswegen hier auch eine direkte Kommunikation mit den Mitgliedern (und soweit uns bekannt den aktiven Fans im oben genannten Sinne) vermieden? Will man vielleicht gerade die Schnittmenge möglichst klein halten? Das würde nämlich den nächsten Punkt noch interessanter machen: 

Machtzentrum neben dem Machtzentrum

Hier wird ein Machtzentrum neben dem Machtzentrum entstehen. Die Genossenschaft kann im FCSP sehr viel blockieren, wie oben beschrieben. Ihre Versammlung wird für viele Fragen entscheidend sein, ihr Vorstand wird entscheidend sein. Der Einfluss der JHV des e.V. auf die handelnden Personen in der Genossenschaft ist null. Ganz einfach. Das mag erstmal alles nur theoretisch erscheinen, aber wir haben es dann mit zwei unterschiedlichen Mitgliedsgruppen zu tun, die auch unterschiedlicher Meinung sein können. Insbesondere wenn ich aus der einen Gruppe den Studenten/ die Studentin, der/ die all sein Geld für Auswärtsfahrten ausgibt schon mal ausschließt. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn ich aus den oben genannten 100 Euro 500 Euro oder 1000 Euro mache.

Ein Antrag auf der Mitgliederversammlung des e.V. doch mit dem Stadion irgendwas zu machen ist schlichtweg wirkungslos. Und solche Sachen sind bisher häufig genug gegen den Willen des Vereinsvorstandes eingebracht und beschlossen worden. Nun müsste ein solcher Antrag entweder auch vom Vorstand der Genossenschaft getragen werden und/oder auf deren Mitgliederversammlung eine Mehrheit finden. Das erhöht Hürden massiv. Und wir sind uns alle einig, dass das Millerntor einen durchaus relevanten Platz im FCSP-Kosmos hat. Solifaust nach Bremen, Weserstadion für immer!

Das mag alles theoretisch klingen, aber „das wird doch nie ein Problem sein“ ist keine sinnvolle Herangehensweise. Man darf nie vergessen, dass Donald auch nie Präsident werden sollte.

Komplizierter Konzern

Der Konzern FCSP ist schon komplex genug, so wird er noch komplexer. Das kostet jede Menge Geld und Nerven. Jede Gesellschaft brauch z.B. eine Bilanz und einen steuerlichen Abschluss. Das kostet Geld.

Rettig

So ein bisschen komisch ist das schon, dass in der Außenkommunikation der scheidende Geschäftsführer so eine große Rolle spielt. Wirklich überzeugend wirkt das dann nicht. Wer übernimmt das jetzt? Der/ die bisher nicht benannte kaufmännische Leiter*in?

Kommunikation

Wir erwähnten es schon: Die Kommunikation läuft höchstspannend. Als Mitglied (das wir mal alle sind) hört man einen Satz auf der JHV, schreibt mit (den Senior) oder schaltet zwar schnell, aber eben auch nicht schnell genug (andere Mitglieder des Kollektivs) um Oke kritische Fragen zu stellen. Zumal das Thema komplett ohne Vorwarnung in einem einzigen Satz erwähnt wurde. 

Und hört dann lange Zeit gar nichts dazu. Auch wenn sonst nicht die Kommunikation gescheut wird. Zum Beispiel wenn es darum geht, der aktiven Fanszene Kartenkontigente einzuschränken (Derby olé – wir vergessen nicht so schnell…).
Und liest dann eine inhaltslose Vorankündigung in der 11Freunde (ausgerechnet). Muss sich Details zusammenreinmen. Ist sogar am gleichen Abend ins Stadion eingeladen (wo unserem Wissensstand nach das neue Trikot gezeigt wurde und man in die Kabine durfte, das Thema des Tages aber nicht erwähnt wurde (hörensagen – wir waren leider alle verhindert)). 
Und soll sich jetzt das Sonderheft kaufen, um mal wirklich Infos aus erster Hand (in Form eines Interviews) abzufangen. Nichts gegen Hinz & Kuntz. Absolut gar nichts. Ihr seid spitze, macht immer so weiter. Aber unserem Verständnis von Vereinsdemokratie entspricht es nicht, dass wir uns ein externes Presseerzeugnis kaufen müssen, um uns über vereinspolitische Themen umfassend zu informieren, weil es sonst keine Informationsmöglichkeiten dazu gibt. Wobei der Druck des Heftes durch die AFM finanziert wurde. Für Mitgliederinfo auf erwartbaren Wegen war dann wahrscheinlich kein Geld mehr übrig.

Man könnte auch – etwas zynisch vielleicht – sagen: 50+1 ist halt bequem so lange man mit dem Finger nach Hannover zeigen kann. Wenn es dann Entscheidungsprozesse im eigenen Verein betrifft, dann muss man das alles ja nun wirklich nicht so eng sehen.
Und bevor wir als ewige Nörgler*innen abgegolten werden:
Umfassendere Infos auf der JHV geben, im Prozess (überhaupt) informieren, das & was gerade passiert. H&K Sonderheft voll ok. Aber parallel (minimal vorgelagert) Mitglieder informieren. Dialogforen schaffen. Nicht nur mit Expert*innen sprechen, sondern auch mit den eigenen Leuten. Viele eigene Leute sind selbst Expert*innen. Siehe Nachhaltigkeits-AG.  50+1 nicht nur als geflügeltes Wort raushauen. Sondern wirklich leben.

Jul 052019
 

Soeben wurde über Social Media mitgeteilt, dass Boris Tashchy sich im Testspiel (Korrektur 06. Juli: wir wurden darauf hingewiesen, dass die Verletzung im Training geschah, steht ja auch 2 Zeilen weiter unten…) eine Muskelverletzung zugezogen hat und auf unbestimmte Zeit ausfällt:

Boris #Tashchy hat sich bei einem Sprint im Training eine muskuläre Verletzung im rechten Oberschenkel zugezogen und fällt für unbestimmte Zeit aus. Das ergab eine MRT-Untersuchung im Krankenhaus Agatharied in Hausham. Gute Besserung und werd schnell wieder fit, Boris! ✊🏼 #fcsp pic.twitter.com/WrX0IMQJZW— FC St. Pauli (@fcstpauli) July 5, 2019

Zuallererst das wichtigste: Gute Besserung und komm schnell wieder auf die Beine – wir haben noch was vor diese Saison.

Status Quo

War die Kaderdecke auf einigen Positionen auch vor diesem Ausfall schon äußerst dünn, so ist zumindest die Offensive spätestens jetzt absolut unterbesetzt. Drei Wochen vor Saisonbeginn (23 Tage vorm ersten Pflichtspiel!) haben wir einen einsatzbereiten Stürmer: Dimitrios Diamantakos. Henk Veerman ist nicht fit genug, um mit ins Trainingslager zu reisen, Tashchy fällt auf unbestimmte Zeit aus. Und auch Diamantakos ist jetzt nicht gerade verletzungsunanfällig: Vergangene Saison stand er in sieben Spielen nicht zur Verfügung. Übrigens auch aufgrund von Muskelverletzungen.

In der Verteidigung ist absolut unklar wann Zander und Ziereis zurückkehren, im Trainingslager sind sie ebenfalls nicht dabei. Das heißt:
3+2 Innenverteidiger: Avevor, Hornschuh (zuletzt am 16.09.2017 ein Profipflichtspiel, das Leistungslevel können wir nicht einschätzen), Knoll (wird in der Ankündigung durch den Verein in der Abwehr geführt), Carstens und Hoffmann (U23, können wir auch absolut nicht einschätzen).
4 Außenverteidiger: Bednarczyk (zu dem man sehr gemischtes hört und der in den bisherigen Testspielen eher unglücklich agierte), Schnecke (<3), Buballa und Park. Wobei Buballa dabei auch noch der einzige etatmäßige Linksverteidiger ist, aber Schnecke kann ja alles.
10+3 Mittelfeldspieler: Zehir, Møller-Dæhli, Buchtmann, Benatelli, Becker (<3), Sahin, Miyaichi, Lankford, Sobota, Coordes. Plus Lee, Conteh und Loubongo-M’Boungou (alle drei aus der Jugend, bisher ohne Profierfahrung). Hinzu kommt noch der rückkehrende Flum. Immerhin ein Mannschaftsteil, der uns keine zu großen Sorgen macht. Tendenziell eher etwas zu groß ist.
1 fitter Stürmer. Und zwei auf unbestimmte Zeit verletzte.

Was uns auch noch Sorge macht

Die Widersprüche zum Kader innerhalb eines Monats sind phänomenal:
Sagte Bornemann bei seiner Antrittspressekonferenz am 3. Juni 2019:
“Ein Kader von 30 plus ist eindeutig zu groß.” (& “Wir jagen keinen Spieler vom Hof, wir sind vertragstreu.”). 
“Wir wollen uns eher die Zeit lassen, zu einem späteren Zeitpunkt noch Qualität dazuzubekommen.“
„„Wir haben eine nicht unerhebliche Kadergröße und ein nicht unerheblicher Teil des Budgets ist gebunden.“

So klang unser Sportdirektor zum Trainingsauftakt am 23. Juni schon ganz anders:
„Wir haben keine Mannschaft, die ein stabiles Fundament darstellt.“

Und auch Luhukay ging damals in die gleiche Richtung: 
“Zuletzt waren immer vier, fünf, sechs, sieben, acht Spieler verletzt. Das ist katastrophal. Dass wir uns jetzt schon vor dem ersten Training über mehr als zehn Spieler Gedanken machen müssen, wann sie zurückkommen – das habe ich noch nie erlebt.“
„Es sind ständig zu viele Ausfälle. Es ist unglaublich, dass St. Pauli es in den letzten drei Jahren nicht geschafft hat, über eine ganze Saison kontinuierlich gut zu spielen.“ 

Und zuletzt – vor der neuesten Verletzung – wieder ein SOS von Luhukay am 3. Juli:
„Als Trainer will man immer 80, 90 Prozent der Leute zusammen haben im Trainingslager, gefühlt sind wir erst bei 60 Prozent“ und spricht dabei von Verbesserung in allen Mannschaftsteilen.
„Es können aber auch vier, fünf oder sechs [Spieler] sein. Die müssen dann aber qualitativ besser sein als die, die wir haben.“

Spannender Wandel innerhalb weniger Wochen, zumal in diesem Zeitraum genau ein Transfer kommuniziert wurde: Der von dem nun verletzten Boris Tashchy. 
Wir fragen uns, was zum Sinneswandel führte: Wurde die medizinische Situation der noch verletzten Spieler so schlecht eingeschätzt? Baut man schon mal vor, falls es sportlich nicht so läuft? Man hat dann ja immerhin mal frühzeitig vor Saisonbeginn Alarm geschlagen.
Alles macht nicht wirklich Hoffnung.

Ausblick: Hoffnungslose Optimist*innen

Wir sind – trotz allem – hoffnungslose Optimist*innen – und hoffen einfach mal, dass es da noch einige fette Joker in der Hinterhand gibt. Bei denen die Tinte nur noch nicht trocken ist. Und wir nicht als 16. in der Relegation gegen Chemnitz absteigen.

Man bedenke aber eines immer: Der FCSP neigt gerade dann zu positiven Überraschungen wenn niemand damit rechnet. Und wer weiß, vielleicht wird plötzlich Mats die falsche 9 und knipst 20 Buden! 

Apr 032019
 

Der Verein hat seine Veranstaltung am Donnerstag mit einem deutlich anderen Inhalt belegt, als zu dem Zeitpunkt als wir das erste Mal auf die Veranstaltung hinwiesen und will nun die Aufarbeitung des Derbys in den Mittelpunkt stellen. 

Wir werden wohl hingehen, haben aber doch starkes Bauchweh bei dem Einladungstext und dem Übergewicht der Redner aus der offiziellen Einladung. Zwar soll das keine Podiumsdiskussion sein, aber „vorne oben“ sitzt hat schon räumlich eine erhöhte Stellung in einer Diskussion – und framed die Diskussion allein schon dadurch, dass er zuerst das Wort erhält, insbesondere als offiziell eingeladene Person. Wenn man eine wirklich offene Diskussion will, dann sollte man hier nicht nur seine eigene Sichtweise präsentieren. Und alle Liebe für Fanladen Justus, aber er alleine als Gegenpol (siehe später) ist dürftig und wirkt schnell wie ein Feigenblatt. 

Wir finden eine Diskussion über Werte und über Gewalt prinzipiell richtig, ab hier stimmen die Prämissen einfach nicht: Wenn sich die Verantwortlichen des Vereins nach dem Derby offensichtlich einem Handlungsdruck ausgesetzt sehen, der sie u.a. bereits zu dieser absurd geschriebenen Stellungnahme letzte Woche veranlasste, sollte man nicht davon ausgehen, dass hier “Werte” neu justiert werden sollen oder dass das Präsidium sich wirklich Anregungen für die kommenden Monate von Teilnehmer*innen dieser Veranstaltung einholen will. Es ist eine PR-Maßnahme. Die Wirkung nach außen ist “wir nehmen das ernst” und nach innen ist es nicht mehr als ein “we hear you” an diejenigen, die an dieser “Diskussion” interessiert sind.

Erstaunlich ist auch der Zeitpunkt an dem man “Werte” für sich entdeckt. Wenn es Werte in diesem Verein gibt, dann sollten die doch in den demokratisch verabschiedeten Leitlinien zu finden sein. Ups! Die haben Vermarktung und auch Präsidium immer sehr frei ausgelegt. Nutzt mal die Suche hier im Blog. Ihr werdet merken wie häufig gerade diese Menschen an die Einhaltung der Leitlinien erinnert werden mussten. Siehe z.B. Hot Pink, siehe Astra, siehe Entgleisungen von Vermarktungspartnern, siehe aber auch sexualisierte Übergriffe im Stadion.
Hörten wir da ein „Statement zu den Werten” von unserem Präsidenten? Nein! Siehe auch die Stellungnahme von vergangener Woche, die in Wortwahl und Inhalt nicht den Geist der Leitlinie und Werten unseres Vereins trug. 
Zumal das Thema Übergriffe auch während der Veranstaltung im Januar mehrfach zur Sprache kam. Sichtbar passiert von offizieller Seite (außer der Versendung eines Protokolls an die Anwesenden): Nichts. Handlungsdruck scheinbar nicht vorhanden.

Und nun als Hüter der Werte darüber ein Statement abgeben wollen? Hmmm. Wir wissen nicht so recht. Da wäre der FCSR oder der Ehrenrat besser. Warum ist eigentlich der FCSR nicht offiziell auf das Podium eingeladen? Der vertritt irgendwas um die 500 Fanclubs mit irgendwas um die 3000 bis 5000 Fans. Und ist demokratisch legitimiert. Außerdem soll es im FCSR auch weibliche Mitglieder geben. Hätte man auch gleich noch das männlich besetzte Podium aufbrechen können. 

Wir sind nicht unbedingt davon überzeugt, dass die Vereinsoberen sich als besonders guter Gesprächspartner hervorgetan haben, wenn es um Verletzungen dieses Konsens ging. Eine moralische Deutungshoheit haben sie nicht und es ist interessant zu beobachten, wann sie “Werte” bedroht sehen und wann eben nicht.

Nein, das macht eine Diskussion über Leitlinien und deren Einhaltung nicht unsinnig, vielmehr ist sie dringend erforderlich, aber nicht “von oben” herab, und sowieso nicht, wenn man sie für sich selbst gerne schön weit auslegt – wie es eben gerade passt. Wenn wir sehr pessimistisch wären, würden wir schreiben, dass sich hier die autoritäre Rhetorik der Stellungnahme fortsetzen wird, aber das bleibt wohl noch zu sehen.

Auch fragen wir uns, was Svens “Sicht zum Derby Stellung nehmen” auf einer Diskussionsveranstaltung anderes soll, als dem ganzen ein Framing zu geben, aus dem man nicht mehr ausbrechen kann. Nix gegen den alten Punker Sven, aber ganz geheim würde er wahrscheinlich auch zugeben, dass der Job als “Leiter Veranstaltungen und Sicherheit” eine gewisse Sichtweise fördert. 

Immerhin soll Justus aus Sicht des Fanladens “einordnen”. Das ist als Gegenpol garantiert gut, aber auch hier wäre ein Fanvertreter und ein 50/50 auf dem Podium sehr viel besser, als ein 1/3 zu 2/3. 

Ihr seht, wir haben Bauchweh. Aber als Pessimist hat man ja eine gute Eigenschaft: Man kann positiv überrascht werden. Hoffen wir im Sinne unserer Werte beim FCSP auf eine solche Überraschung.