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Mai 152020
 

Letzter Beitrag in diesem Blog war am 22. April, seit Unterbrechung der Liga ist es hier als deutlich ruhiger als normalerweise. Und ehrlicherweise fehlt uns gerade auch so ein wenig die Motivation, diese Zeilen zu verfassen. Jetzt steht also am kommenden Sonntag das erste Geisterspiel des FCSP an. Und ehrlicherweise haben wir uns noch nie so wenig auf ein Spiel gefreut. (Und die Menschen, die diese Zeilen schreiben, waren schon häufiger in Heidenheim, frühes Aufstehen, lange Fahrten und komische Stadien für keine Punkte, wie wir es doch vermissen.)

Naja, auf jeden Fall freuen wir uns normalerweise nach zwei Monaten ohne Fußball tierisch auf das erste Spiel. Aber „das erste Spiel“ ist eben all das, was normalerweise ein Heimspiel ausmacht und was wir nun nicht erleben werden:
Morgens früh aufstehen und erst mal eine FCSP-Playlist anmachen. Sich viel zu früh auf dem Weg zum Stadion machen, Frühstück unterwegs holen, all die vorfreudigen Gesichter im Viertel sehen. Ja, sogar die komischen Gästefangruppen auf der Budapester (ja gut, ist jetzt erst mal Nürnberg, da könnten wir auch drauf verzichten) vermissen wir. Sticker verticken (wir haben noch nen ganzen Stapel Rautenplattmachersticker hier rumliegen, mit dem wir auch noch mal irgendwas machen müssen), 1910 unserer Menschen begrüßen und umarmen. Auf Menschen vorm Stadion warten, Kartendeals, das erste Bier des Tages. Rein ins Stadion, Gespräche mit Freund*innen über die vergangene Woche, Fachsimpelei und Motzen über Aufstellungen. Platz in der jeweiligen Kurve finden, Mannschaft einlaufen sehen, warmsingen. Hells Bells und Herz von Sankt Pauli. Einlaufkinder, Konfettiregen, Choreo. Maximal 50 Prozent des Spiels von so ‘nem normalen Stehplatz mitbekommen, anfeuern, fluchen. Anfeuern, fluchen. Halbzeit, unendliche Zeiten am Klo anstehen. Antifa Hooligans, zweite Halbzeit. Nervös auf die Uhr schauen, vielleicht mal Ergebnisse in anderen Stadien checken. Von den Vorsänger*innen liebevoll ermahnt werden, dass es „nur noch einmal“ gesungen wird „dafür jetzt aber richtig laut“. Abpfiff. In der Menschentraube vor die Gegengerade schieben. Diskussion über das Spiel, Tabelle checken. 1910 andere Menschen sehen, je nach Laune Weinbarwein oder Fanräumebier, manchmal auch Solischnaps zu sich nehmen. Im Viertel was essen gehen. Dabei erste Notizen in Slack reinhauen, manchmal auch gleich den ganzen Blogbeitrag veröffentlichen. Ins Jolly weiter, und dann ist es irgendwie plötzlich sehr spät oder sehr früh. Am nächsten Tag aufwachen und sich fragen, warum man das eigentlich gemacht hat.

All das wird es am Sonntag nicht geben. Aber all das macht für uns Sankt Pauli aus. Und da kommt einfach gar keine Vorfreude auf. Denn es ist zwar der Fußball, den wir da sehen/hören könnten, aber wofür wir kommen ist das nicht:
„Denn es ist mehr als Fußball, mehr als der Sport und die 90 Minuten, die viel zu schnell vergehen.“

Über die Sinnhaftigkeit von Geisterspielen, Timing, teilweise Gebaren der Verantwortlichen wurde an vielen Stellen schon viel geschrieben. Und viel ergänzen können und wollen wir nicht mehr. Bleibt uns nur zu hoffen, dass das vieldiskutierte medizinische Konzept tatsächlich funktioniert und das schlimmste Szenario (Infektion mit schweren gesundheitlichen Folgen eines Spielers) im Kontext der Geisterspiele ausbleibt.

Es ist aber ehrlicherweise auch unfassbar, dass bei den Summen, mit denen da agiert wird, dieses Szenario jetzt so eintreten muss. Man nennt das „auf Kante genäht“. Was du halt echt nicht machen musst, wenn du ganz viel Goldstoff überall hast. Da legste normalerweise auch mal was zurück. Wir hoffen, dass die aktuelle Notsituation wirklich zu einem Umdenken führen wird, aber gesteht uns zu, dass wir daran erst glauben, wenn es soweit ist. Die öffentliche Darstellung vieler Verantwortlicher lässt uns da doch daran zweifeln. Und ja, liebe DFL. Wir werden euch genau daran messen.

Und jetzt ist Sonntag Spiel, es gibt hier noch nicht mal ‘ne Idee, wie und ob wir dem Spiel bewohnen werden. Das AFM-Radio überträgt. Es empfiehlt sich wohl, nicht erst direkt zu Anpfiff einzuwählen. Und wir können uns dem Aufruf unserer Ultràs (via Südkurvennewsletter) nur anschließen, das Stadion genauso trist und grau erscheinen zu lassen, wie es diesen Geisterspielen angemessen ist.

PS: Und ein liebgemeintes “Fuck You” an all die Scharfmacher*innen in den Sicherheitsbehörden, die von dem Beißreflex gegen organisierte Fußballfans einfach nicht ablassen können, müssen wir noch hinterherschicken. Die organisierten Fans übrigens, die an vielen Orten unfassbar viele gute und solidarische Aktionen gestartet haben. Danke dafür!

Mrz 312020
 

Es ist ein Elend. Der Fußball, Spielball der Populist*innen und der Polizei. Schon immer.

Durchdrehende Polizei, die ihre eigenen Regeln macht und alltägliches Handeln kriminalisiert? Für (fast) jeden Fußballfan eine alte Erfahrung.

Für die*den Sächs*in, die*der „ohne triftigen Grund“ ihr*sein Haus verlässt, weil niemand so richtig weiß, was eigentlich ein triftiger Grund ist, eine ganz neue Erfahrung. In einer gewaltengeteilten Demokratie soll in der Theorie eine Exekutive klare Regeln durchsetzen, die ein*e Bürger*in auch verstehen kann. Dabei kann es zwar unbestimmte Rechtsbegriffe geben, aber diese sollen dann definiert werden. All dies geschieht nicht und auch in der Pandemie.

Das ganze wird auch noch verstärkt durch unseren Föderalismus. Während du in Bundesland A noch alleine auf der einsamen Parkbank sitzen darfst, ist das in Bundesland B ein Ordnungswidrigkeit, die mit einem empfindlicheren Bußgeld bestraft wird, als 20 KM zu schnell zu fahren. 

Man verstehe uns nicht falsch, Föderalismus hat seinen Sinn und die Maßnahmen gegen den Virus, der nicht genannt werden darf (irgendwer spülte uns letztens diesen Harry-Potter-Vergleich rein), sind notwendig. Aber anstatt dass sich 16 Landesfürst*innen nun als die knallharten Macher*innen feiern lassen und sich mit sinnigen und unsinnigen Regeln und Bußgeldern übertreffen wollen, wäre ein koordiniertes Handeln echt sinnvoll. Zumindest hat Drosti in seinem Podcast noch nicht erklärt, was denn nun so gefährlich an „auf der Parkbank sitzen“ ist. Da stecken wir uns doch alle eher im Supermarkt an. Ganz zu schweigen davon, dass Arbeitgeber*innen ihre Angestellten einfach so in Großraumbüros zitieren können – und teilweise auch machen. Ohne jegliche Prüfung, ob das nicht anders ginge. Ohne jegliche Bußgelder. Heißt auch: Im Großraumbüro mit vielen anderen Menschen arbeiten? In Sachsen grundsätzlich ok. Die Mittagspause (auch weil die Kantine mittlerweile geschlossen hat) einfach kurz vor der Arbeitsstelle auf der Parkbank verbringen? Nicht ok …

Und hey, es gibt in diesen Ministerien Jurist*innen, die hätten in der einen Woche zwischen „es wird keine Ausgangsbeschränkungen geben“ -> „wir müssen drüber nachdenken“ -> „wir koordinieren uns Sonntag“ auch mal einen einheitlichen Katalog entwerfen können. Ältere Jurist*innen unter uns werden sich daran erinnern, dass 10 Bundesländer mal ein (fast) wortgleiches Polizeigesetz hatten. Die 5 neuen gab es damals noch nicht und über Bayern müssen wir nun echt nicht reden, oder? Aber dann hätten die Innenminister (nicht gegendert, weil das echt nur weiße alte Männer sind) nicht jeweils ihren Namen in der Zeitung lesen können und wie schlimm wäre das denn gewesen?

Wir schweifen ab 

Populist*innen haben es eigentlich schwer in so einer Pandemie. Sie brauchen einfache Feindbilder und einfache Lösungen für komplexe Probleme. Und ihre Ausflucht, dass das alles sowieso nur eine Erfindung der bösen Medien sei, klappt dann nicht mehr, wenn auch bei ihren Anhänger*innen die Leute umkippen wie die Fliegen. Bleibt aber immer noch der Fußball. Damit lässt sich immer noch Schlagzeile machen. 

Die taz freut sich, dass es auch ohne Fußball geht, beweist damit, dass auch sie den Fußball für die Schlagzeile braucht, und haut dann auch noch in die gleiche Kerbe wie C. Lindner, der in einem Interview mit einer vierbuchstaben Blutpostille irgendwas von „wir werden als letztes den Fußball wieder beginnen“ blubbert. Wer in diesem Zusammenhang „wir“ ist, bleibt aus der Schlagzeile, die wir in diesem Internet gelesen haben, natürlich offen. Als wir das letzte Mal guckten, war Lindner immer noch Chef einer Partei, die leider immer noch nicht in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, die aber gerade mal in 3 von 16 Bundesländern was zu sagen hat.

In welche Kerbe hauen die denn? In die Kerbe des Fußballs als Zirkus der Millionäre und arroganten Bosse, den man eigentlich nicht braucht, und der mit seiner Geldgier sowieso nur um sich selbst kreist.

Halbe Wahrheit

Das mag alles im Kern seine Richtigkeit haben, aber Fußball, Profisport und mit ihm das ganze Entertainment-Business ist halt etwas breiter als irgendwie 300 Millionärspieler und 100 feiste Funktionär*innen, die nur die Eurozeichen im Blick haben. Man darf eben nicht vergessen: Was für „den Fußball“ und seine Gefährlichkeit in der Pandemie gilt, das gilt auch für „den Handball“ oder „den Konzertsaal“ und in all diesen Branchen ist eben nicht nur die*der Künstler*in beschäftigt, die*der ggf. ein Jahr sich retten kann und mit ein paar Onlineauftritten vielleicht auch ein bisschen Geld beschaffen kann, sondern eben noch ganz viele andere Leute. Alleine der FCSP beschäftigt 600 Menschen. Davon sind die wenigsten diejenigen, die gegen den Ball kicken oder sie anleiten. Und da haben wir noch kein Wort über Bierverkäufer*innen, Ordner*innen oder freie Fotograf*innen verloren, die alle nicht beim Verein angestellt sind und von denen die meisten diese Jobs nicht machen, damit sie ein bisschen Taschengeld haben, sondern weil sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten finanzieren bzw. bestreiten müssen. 

Nebenbei: Während im Baseball eine relativ große Diskussion darüber gefahren wird, ob und wie diese Menschen bezahlt werden können und sollen, schweigt sich die ganze Diskussion im Fußball dazu ziemlich aus. Das sind die schwächsten Glieder in der Kette der Menschen, die im Fußball beschäftigt sind, vergesst die nicht! 

Und machen wir uns nix vor: Diese Menschen profitieren nur in einem ganz kleinen Teil von Geisterspielen und Online-Aufführungen.

Spielen wir zu Ende?

Die Hoschis vom Millernton zeichneten heute Morgen ja schon Szenarien auf, wie der Fußball nun weiter gehen könnte. Und fragten dann, was man so denke.

Prognosen sind bekanntlich immer dann sehr schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen (auch spannend, wem dieses Sprichwort alles zugeschrieben wird), und daher ist es wahrscheinlich unsinnig, wenn man sich nun auf ein Datum festlegt. Wir alle haben nicht so wirklich unsere Erfahrungen mit Pandemien. Insbesondere nicht mit Pandemien, die sich durch Tröpfcheninfektion weiter verbreiten. Insofern ist es wahrscheinlich sinnvoller, inhaltliche Benchmarks zu setzen als sich nun mit Daten unter Druck zu setzen. 

Aber da ist auch noch der Kapitalismus und der hat für ein Innehalten selten Zeit. Darlehen wollen bezahlt werden und die Pandemie erwischte gerade den Bundesligafußball zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt. Am 26. Spieltag wäre die nächste Rate fällig gewesen und ihr alle wisst, wie knapp man am Ende des Monats ist. So ging/geht es wahrscheinlich auch allen Fußballclubs. Selbst wenn du wirtschaftlich gesund bist, hast du als Fußballverein zu diesem Zeitpunkt nicht Millionen in kleinen Scheinen rumliegen. 

Auswege

Man kann aus diesem Gesichtspunkt verstehen, dass die DFL hier Auswege sucht. Und kommt jetzt bitte nicht mit dem moralischen oder dem „nehmt euch nicht so wichtig“: Die kämpfen wie sehr viele von uns gerade um das nackte Überleben. Und da hängen alle mit dran. Auch unser FCSP. Das mag gerade alles unwichtig erscheinen, ja Fußball mag insgesamt ein „First World Problem“ sein, aber der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein, sondern auch von den Spielen. Okay, okay wir hören ja schon auf die Bibel falsch zu zitieren. 

Trotzdem sollte eine gewisse medizinische Sicherheit der Beteiligten gewährleistet sein. Auch wenn uns das Innenminister immer glauben lassen wollen: Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Aber eine gewisse Sicherheit sollte es schon sein. Wenn man diese mit Tests aller Beteiligten sicherstellen kann, dann kann man auch wieder über einen Spielbetrieb nachdenken. Da muss jetzt aber ein großes ABER kommen. Zurzeit ist der Test sehr aufwendig und die Kapazitäten daher sehr begrenzt. So lange dies der Fall ist, wäre eine Verschiebung der Kapazitäten weg von Kranken hin zu gesunden Fußballprofis (und ihrem Umfeld) echt nicht vertretbar. Zwar werden relativ unkomplizierte Schnelltests in der Presse immer wieder in Aussicht gestellt, aber ob die jemals kommen und ob die im Mai/Juni verfügbar sind? Und eigentlich reicht auch Mai/Juni nicht, denn wenn du da halbwegs einen vernünftigen Wettkampf haben willst, musst du in zwei Wochen spätestens wieder ins Mannschaftstraining. Und auch das kannst du auch nicht machen, ohne sicher zu sein, dass da nicht wieder ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Und nach allem, was wir aktuell so lesen, wären auch in zwei Wochen solche Tests an anderer Stelle besser aufgehoben. Wir freuen uns schon auf die nächste PR-Aktion zur gesellschaftlichen Verantwortung. Klappt ja in etwa so gut wie beim Rassismus.
Wer weiß das schon? Wir sind wieder bei den Prognosen. Eines ist klar: Die Zeit ist äußerst knapp. Und bedenkt auch: Wenn Fußballer getestet werden sollen, dann bitte auch Handballprofis etc.

Geisterspiele?

Geisterspiele sind immer eine Scheißlösung. Punkt. 

Nur drei Argumente: 

1- Buttje und Co dürfen da ihren breiten Arsch in das Stadion setzen, aber Menschen, die seit 1.000 Jahren kein FCSP-Spiel verpasst haben, nicht

2- Fußball ohne die Stimmung, ohne die Energie der Zuschauer ist Rotz. Wir schrieben da auch schon hier darüber.

3- Sie erhalten das Fußballsystem irgendwie am Laufen, aber sie helfen den ganzen genannten Menschen, die im Umfeld eines Spieles ihren Lebensunterhalt verdienen, nur sehr wenig. Es hält aber zumindest die Möglichkeit der Rückkehr offen.

Ansteckung dann woanders?

Geisterspiele schön und gut. Aber was bringen die uns, wenn sie zu irgendwelchen Menschenansammlungen irgendwo anders führen? Wenn sich – angesichts eventuell gelockerter Bestimmungen – ungefähr 50 Prozent aller Zuschauer*innen im Viertel versammeln, weil sie im Knust, im Jolly oder sonstwo gucken wollen, dann ist damit relativ wenig gewonnen.

Und selbst wenn wir dann immer noch die jetzt geltenden Regeln haben: Wer erklärt Ultragruppe XYZ, dass es trotz Derby mal keine geile Idee ist, sich vor dem Stadion zu versammeln? Looking at you, Gladbach. Und worauf wahrscheinlich niemand Bock hat ist, dass die oben genannten Innenminister/ Populist*innen plötzlich wieder ihr Feindbild Ultras haben.
Apropos hässliche Fratze des Fußballs: 

Dazu kommt, dass die Akzeptanz einen Abnutzungseffekt hat. Die ergriffenen Maßnahmen haben garantiert kurzfristig eine hohe Akzeptanz, aber umso weniger man mit (dann hoffentlich nicht mehr) explodierenden Zahlen gegen 30 Grad im Schatten argumentiert, umso schwieriger wird es, die Menschen von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu überzeugen. Und das gilt insbesondere, aber nicht nur für Fußballfans, die häufig genug „unser ganzes Leben“ eben nicht nur inhaltsleer mitträllern. Ja, verdammt sie alle als dumm und seid froh, dass euer Lebensinhalt das kapitalistische Funktionieren und Netflix ist, aber warum lest ihr dann hier eigentlich? 

Mit Beendigung der Saison ist noch nicht alles gut

Wir haben keinen Plan, wie lange es dauern wird, bis die Versammlung von ein paar tausend Menschen auf einem relativ engen Raum wieder halbwegs sicher ist. Wahrscheinlich hat den Plan niemand. Klar, jede Zeitung hat schon jemanden befragt, der einen möglichst langen Zeitraum für eine Schlagzeile produziert hat, damit der hinter einem Paywall liegende Artikel auch gelesen wird. Aber wirklich sicher wissen tun das Expert*innen sowieso nicht. Und seien wir mal ganz ehrlich: Für eine*n Virolog*in ist ein Fußballstadion wahrscheinlich schon in normalen Grippezeiten die Vorhölle. Drosti trinkt nämlich aufgrund der höheren Infektionsgefahr nie gezapftes Bier. Und da hört der Spaß wirklich auf. (Lernten wir in einer der Folgen des Corona-Podcasts,)

Sowieso: Was bringt es uns, wenn wir letztendlich uns alle über Schulen, S-Bahnen und in den Großraumbüros anstecken, aber zu Hause brav Geisterspiele gucken. Und glaubt mal nicht, dass „die Wirtschaft“ nun dauerhaft auf die Präsenzpflicht verzichtet. Mal ganz davon ab, dass das sowieso ein Privileg der Sesselpuper*innen ist.

Fakt ist: Selbst wenn wir die Saison nun als Geisterspiele zu Ende spielen und in diesen sehr sauren Apfel beißen, um das System und damit verdammt viele Arbeitsplätze zu erhalten, so ist nicht ausgeschlossen, dass die Situation im Juli immer noch genauso ist. Und dann? Dauerkarten haben die Vereine dann nicht verkauft, dieses Geld wird ggf. fehlen. Niemanden ist klar, wie lange das ganze ohne Zuschauer*innen im Stadion weiter laufen soll. Mit diesen Einnahmen kann niemand ernsthaft kalkulieren. 

Fußballvereine wären gezwungen, die neue Saison ausschließlich mit Fernsehgeldern und Zuschauerunabhängigen Einnahmen zu planen. Kleiner Tipp an alle Mäzen*innen: Stelle deinem Verein jetzt schon mal 100 Mio für die nächste Saison bereit und fang schon mal an, Spieler anzusprechen. Du hast ggf. einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Ersten jetzt auch fordern, dass 50+1 doch unter diesen “besonderen” Bedingungen ausgesetzt werden solle.

Und wir sprechen hier noch gar nicht über Regenerationszeiten, Trainingssteuerung, Vereinswechsel etc. pp. Gerade die ungewohnten Trainingsbelastungen beinhalten bei hochgezüchteten Profisportler*innen immer auch ein Risiko der Verletzung. Was auch wieder nicht gut ist. 

Und ganz zuletzt

Darf man nicht vergessen, dass wir kein abgeschlossenes Profisystem haben. Selbst wenn man so vielleicht die Ligen 1 bis höchstens 3 retten kann und weiter betreiben kann, so wird dies für 4 und weiter unten wahrscheinlich aussichtlos. Und die meisten Menschen spielen halt dort Fußball. 

Fazit

Keine Ahnung. Aber wir wären jetzt bereit für die*den Forscher*in, die*der ein Wundermittel findet.

Mrz 282020
 

Eigentlich hatten wir nicht vor, diesen Monat wirklich viel im Blog zu veröffentlichen. Gibt ja keinen Anlass, wird kein Fussball gespielt, alle wichtigen Themen können wir auch einfach in den entsprechenden sozialen Medien kommunizieren. Naja, und dann kam der H$V.

Liebe nachfolgende Generationen, dieser Blogbeitrag schreibt sich im März 2020. Jener Monat, von dem Euch Eure Großeltern die ganze Zeit erzählt haben, so dass ihr echt nicht mehr irgendwas dazu hören wolltet. Ja, ihr habt verstanden, dass der März 2020 der Monat war, wo alle verstanden haben, das linke Ideen nicht nur blinde Ideologien sind, sondern tatsächlich reale Optionen aufzeigen. Indem die Menschen wieder verstanden haben, was Solidarität wirklich bedeutet. Dessen Ereignisse zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens geführt haben. Der Monat, der das endgültige Ende der AfD bedeutet hat. Der Monat, in dem alle Menschen zusammengehalten haben. Indem alle Menschen zusammengehalten haben.

Alle Menschen? Nein, eine kleine unbeugsame Enklave am Stadion an der Müllverbrennungsanlage hat einen Zaubertrank getrunken, für die trifft all das nicht zu. (RIP, Alberto Uderzo!)

Gestickert ungefähr zum Zeitpunkt der Entscheidung am Volkspark.

Die haben – in einer Situation, die damals noch global eine starke Verunsicherung bedeutet hat, in der sich viele, viele Menschen Sorgen um ihre Existenzen gemacht haben – lieber einen Führungsstreit angezettelt, der am 28.03. zum drölfzigsten Wechsel an der Vereinsspitze geführt hat. Ein Wechsel, der dann aber auch den endgültigen Untergang des Hamburger $portvereins besiegelt hat.

Ganz ehrlich, liebe Vereinsbosse: Wie kann man nur so scheiße sein? Wie kann man in einer Situation, in der sich diverse Menschen in eurem Vereinsumfeld Sorgen um ihre Gesundheit, um ihre Existenzen machen, einen Kleinkrieg anzetteln, dessen Grund wir noch nicht mal ausmachen können? Wie egoistisch und selbszentriert kann man sein? Wie kann man nur so unsolidarisch sein? Wie kann man gerade in solchen Zeiten nicht einfach mal zusammenstehen? Es gäbe so vielen gute Dinge, in die man gerade all seine Energie versenken könnte.

PS:
Hamburger $portverein
Wie kann man nur so scheiße sein
Ihr lebt in eurer Nostalgie
Das Derby, das gewinnt ihr nie!

Mrz 122020
 

Liebe Leute,

es ist zwar immer noch nicht ganz offiziell bestätigt, aber es sieht alles danach aus, als würde das Spiel am Sonntag wird ohne Zuschauer*innen stattfinden. 

(Den Exkurs, dass es eher nicht so toll ist, dass die Behörde für Gesundheit und Vebraucherschutz auch 24 Stunden nach Ankündigung die Allgemeinverfügung noch nicht erlassen hat, denkt ihr Euch an dieser Stelle.)

Und sollte somit das erste Geisterspiel in der Geschichte des FC St. Pauli sein. Toll finden wir das nicht. Gar nicht. Und auch in unserer Brust schlagen zwei Herzen. Und diese beiden Herzen wollen wir gerne mit Euch teilen.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.

(Aus Faust. Danke für die Inspiration, Trashi!)

Und auch hier noch mal als Disclaimer: Wir sind absolut keine Expert*innen in Virologie oder irgendeiner benachbarten Disziplin, so dass wir uns da Expertise zuschreiben würden. Und deshalb tun wir das, was eins am besten in einer solchen Situation macht. Wir hören auf Expert*innen wie Christian Drosten im NDR-Podcast. In dem er sehr klar Stellung bezogen hat, was eins tun muss, um jetzt eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. Um Situationen, wie sie aktuell aus der Lombardei berichtet werden hier zu verhindern.

Emotio

Ihr kennt uns. Wir lieben Fussball, wir lieben den FC St. Pauli. Wir lieben es, diese emotionalen Momente gemeinsam mit unseren Leuten auf der Tribüne zu erleben. Wir haben montags oft genug nicht unsere komplette Stimme, weil die in irgendwelchen Stadien geblieben ist. Und wir haben ein Blogmitglied, die auf dem allerbesten Weg in ihre erste goldene Saison war. Wir können auch jeden Menschen verstehen, der/ die die Mannschaft am Sonntag “trotzdem” und bestmöglich unterstützen möchte. Verdammt, wir gehören da doch selbst dazu. 
Wir wissen auch, dass viele Spieler auch von der Kulisse – gerade auch am Millerntor – berichten und daraus Energie ziehen. 
Beispiele gefällig?

Und auch Leo sprach schon von der tollen Atmosphäre im Millerntor, James tat dies ebenso im MillernTon, und auch unser Kapitän (Vorsicht BWin-Link!). Gut, wir hören schon auf, wir wollen das am Sonntag doch auch erleben!  
Und auch aus sportlicher Sicht ist das nicht so wirklich pralle: Es hat ja nun auch wirklich einen Grund, warum wir diese Saison zu Hause bisher 1.69 Punkte pro Spiel machten, auswärts dagegen nur 0.66 Punkte pro Spiel holten. (Nebenbei auch wirtschaftlich nicht, dazu schrieben wir gestern schon.

Und na klar ist auch bei uns der Gedanke “das Spiel von der Stadionecke verfolgen und die Mannschaft von außen zum Sieg schreien” da. Wir schrieben in einem der letzten Beiträge, dass wir den Fussball auch deshalb so lieben, weil er uns geteilte emotionale Momente mit vielen anderen ermöglicht. Verdammt, wir wissen wie verdammt geil dieser gesamte Derbytag war! Und zehren da auch heute noch von. Wir wollen da hin, wir wollen unsere Mannschaft unterstützen!

Ratio

Und dann kommt die Ratio. Es gibt einen guten Grund, warum das Spiel ohne Zuschauer*innen stattfindet. (Und für die spitzfindigen: Einen guten Grund, warum es überhaupt noch stattfindet, suchen wir noch. Also außer Kapitalismus. Und der ist jetzt eher nicht so oft ein guter Ratgeber.) Also es gibt einen guten Grund, warum Menschenansammlungen großer Gruppen behördlich verboten werden.

Warum sogar teilweise das Demonstrationsrecht eingeschränkt ist. Und ihr kennt uns auch: Das ist für uns sehr wichtig. Stichwort G20, da haben wir uns sehr klar zu den damaligen Einschränkungen positioniert und sehen das heute noch genau so. Aber hier ist die Lage eine komplett andere.

Und dennoch finden wir es in dieser Situation richtig, dass dieses Recht in einigen Bundesländern aktuell eingeschränkt ist. Oder warum Greta, die seit wirklich langer Zeit draußen streikt, eben jetzt dazu aufruft, dies temporär in die digitale Welt zu verlegen.

Um Expert*innen sinngemäß zu zitieren: Es geht darum, jetzt (!) eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden, um eine komplette Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Stichwort: Flatten the curve. Oder auch in noch länger.

Und genau so eine unkontrollierte Ausbreitung würde befeuert wenn sich eine undefinierbare, möglicherweise große Gruppe von Menschen (Stichwort: Infektionswege nachvollziehen) auf engem Raum trifft und sich dabei sehr wahrscheinlich (Dima macht mindestens 2 Buden!) gegenseitig in den Armen liegt. Und sehr wahrscheinlich sind die Menschen, die sich dort treffen würden, noch nicht mal Risikogruppen zuzuordnen. Aber es geht jetzt darum, vulnerable Gruppen zu schützen. Solidarität ist eine Waffe. Unsere stärkste sogar.

Und klar wird jetzt irgendjemand kommen und sagen: Aber ich muss doch auch jeden Tag U-Bahn fahren. Vollkommen nachvollziehen können wir das auch nicht (und einer unser Arbeitgeber forciert gerade auch Homeoffice wo immer es möglich ist). Aber auch hier: Wir vertrauen da lieber auf die Expert*innen und auf die Menschen, die wissen was zu tun ist.

Actio

Und was wir machen werden, fragt ihr uns? Nun wir sind da unentschieden, ob wir ganz zu Hause bleiben, oder ob es in eine kleine (!) Kneipe geht. Tendenz Stand jetzt ist aber “zu Hause” mit ein paar wenigen Menschen. Und die hier schreibenden Menschen können sich allesamt nicht erinnern, wann sie das letzte Spiel so erlebt haben. Es ist also lange her. Und natürlich wollen wir das nicht, natürlich finden wir das nicht gut. Wir finden den Gedanken daran sogar richtig, richtig beschissen. Aber es ist eben in unserer aktuellen Einschätzung das richtige. Und nein, einfach wird das für uns auch nicht werden.

In unserer Traumwelt gibt es noch irgendeinen coolen Supportaufruf, zu dem alle, die wollen, etwas beitragen können, der die Spieler morgens beim Frühstück erreicht, so dass sie noch mal so richtig merken, dass wir vollstens hinter ihnen stehen und zumindest ein bisschen der Energie, die sie normalerweise von den Rängen mitnehmen, eben auch jetzt mitnehmen. Aber hier gibt es andere, die sowas viel besser koordinieren können als wir.

Und zum Abschluss ein lieb gemeintes: Fick Dich DFL! Danke, dass ihr uns diesen ganzen Scheiß eingebrockt habt! Danke, dass ihr uns zwingt, diese Zeilen zu schreiben, weil ihr zu feige seid einfach alles zu verschieben!

Mrz 082020
 

Wir wissen, dass wir für diese Überschrift wahrscheinlich Kommentare wie “ihr seid doch sonst differenziert” oder “ich lese euch ja sonst gerne” oder “komisch immer habt ihr Ärger” oder am besten noch “aber nicht alle Männer” bekommen werden. Und unsere Antwort ist ein gepflegtes Fuck you. Heute sind Grenzen einfach weit überschritten worden und Verhaltensweisen von Männern an den Tag gelegt worden, die mehreren Frauen den Tag ordentlich verhagelt haben. Wir wollen das jetzt schildern, auch wenn wir damit heftigen Rotzmist reproduzieren. Daher Warnung! 

Da wird “Darf ich mal bitte durch?” mit “Frauen haben beim Fußball nichts zu suchen” beantwortet. Oder es wird die Schlange für den Fraueneingang mit “Hier geht es wohl zur Küche!” kommentiert. An anderer Stelle werden Frauen, die sich über die sexistische Halbzeitshow aufregen, von Männern mit “Reg dich mal nicht so auf” gemaßregelt. Und wisst ihr, was das Schlimme ist? Diese ganzen Typen bekommen in keiner dieser Szenen von Umstehenden die Ohren lang gezogen, sondern immer müssen die Betroffenen alleine was sagen. Macht euch mal gerade ey! 

Und verpisst euch, ihr Sexisten. Weit weg. Der Saturn soll ganz nett sein. 

Foto via USP

Als wäre das nicht schon nervig genug, gibt es da auch die Paulis, die so lattenstramm sind, dass sie nix vom Spiel mitbekommen und sich auch in jeden Scheiß einmischen, rumlallen und in aller Öffentlichkeit pissen. Dabei ist dieses Stadion in einem fucking Wald, kein Problem, da 10 Meter hinter die Bäume zu gehen. Oder sauft einfach mal nicht so viel. Oder im Vollsuff eine Frau von der Abtasterin weg ziehen wollen, weil “du ein Kerl bist”. Ja hahaha, weil auch alle Menschen ohne lange Haare Männer sind. Realtalk: Wie wenig woke kann man sein. Gerade am Frauenkampftag mit so unfassbar sexistischem Mist zu kommen, wir sind echt wütend. 

Immer noch nicht genug? Immer noch nicht genug! Selfie mit drei Menschen unsere Bezugsgruppe “aus Versehen” drauf, freundliche Bitte, das zu lassen. Was passiert? Es wird ins Gesicht gefilmt und als man sich dann deutlich äußert, kommt: “Ich verstehe gar nicht, warum du dich so aufregst?” Warum? Weil du scheiße bist! 

Täter*innen beinahe ausschließlich Männer. Ihr merkt, wie wir auf die Überschrift kommen. 

Dazu noch einen Rotzordnungsdienst, dessen Ordner*innen teilweise wieder voll in die Genitalien greifen. Das geht gar nicht, ist komplett übergriffig, definitiv auch verboten und demütigend. Dass man für diese Behandlung als weiblicher Mensch phasenweise noch 30 Minuten warten muss, weil die immerhin vier Ordnerinnen insgesamt für den Gästeblock haben, sei nur am Rande erwähnt. Hört endlich auf, Menschen in die Genitalien zu greifen. Da haben eure fucking Finger nix zu suchen. Und am allerschlimmsten: Ihr werdet mehrfach darauf hingewiesen, auch von Menschen, die eine berufliche Legitimation haben, euch darauf hin zu weisen. Und zwischen Einzelvorfällen liegen mindestens 30 Minuten. Wie sehr kann man zeigen, dass man keinen Fuck gibt.

Hin

Und dabei hätte es echt eine gute Tour werden können. War es eigentlich auch so. 

Mit zwei Fahrzeugen und einer 13 Personen starken Bezugsgruppe geht es in Richtung Sandhausen.

Beste Playlists in beiden Fahrzeugen, nur beste Menschen. Träume von Pokalauswärtsspielen in Wattenscheid inklusive eskalierender Kurve beim Schlager des Heimatvereins. Die Themen schwanken zwischen Rindi der Rindermarkthalle und Batik-Jogginghosen. Die Pausen werden zelebriert und Gerüchten zufolge werden auch ein, zwei Getränke konsumiert. 

Daraus entwickelt sich in einem Fahrzeug folgender Dialog. “Ich glaub, ich muss bald mal auf Klo.” “Wart mal ab, so wie die im anderen Fahrzeug getankt haben, müssen die auch gleich.” Fünf Minuten später kommt die Nachricht, dass eine Pause nicht schlecht wäre. 

In Sandhausen einen kleinen Bogen gefahren, den Parkplatz gefunden. Sticker verteilt und das Obige erlebt. Aber das ist nicht alles. 

“Ladies Night am Hardtwald-Kiez”

Lieber SVS, grundsätzlich gibt es in der zweiten Liga eine ganze Reihe an Vereinen, die schlimmer sind als du. Aber du hast heute echt nur Rotz gebracht. Und damit meinen wir noch nicht mal “auf dem Platz“.

Wir ahnten ja bereits Schlimmes, als diese bekloppte Einladung zur Ladies Night die Runde machte.


1) Das Spiel wird um 13:30 angepfiffen. “Night” our ass!
2) Wir haben viele Forderungen zum Frauenkampftag. Unsere Freundin für umsonst (oder so) mit ins Stadion nehmen zu können, ist ziemlich weit hinten. Von Patriarchat zerschmettern auf jeden Fall sehr weit weg.
3) Ist das Wort “Kiez” für den Kartoffelacker und Wald bei euch ziemlich euphemistisch.
4) Schult eure Ordner*innen mal vernünftig, dann fühlen sich Frauen auch etwas wohler und kommen dann vielleicht auch einfach so gerne. (Siehe oben).

“Etwas”?
Naja, ihr könntet auch mit so doofen Rosenverteilaktionen aufhören. Wir wollen nämlich auch keine Rosen. Diese Forderung von Feministinnen sollte doch auch ins tiefste BaWü durchgedrungen sein. Holt doch mal ne Frau bei euch in eine der 15 Führungspositionen (laut Homepage), die aktuell alle von Männern besetzt sind. Die kann euch davon vielleicht was dazu erzählen.
Und dann lasst ihr vielleicht diese bekloppten Stadionansagen sein. 

Und am allerliebsten dann auch noch diese Halbzeitspielchen. Extra zum Frauenkampftag nur mit Frauen. Die aus geschätzt 8 Metern Kegel umschießen sollen. Und dann als Gewinn ärmellose Tops erhalten. Was willst du da noch sagen?
Philipp Heerwagen ist doch jetzt nicht erst seit gestern bei euch. Und nicht ohne Grund lebenslanges Mitglied der Frauenfußballabteilung bei uns. Fragt den doch beim nächsten Mal nach Tipps. Wir sind uns sicher, da wäre nicht sowas bei rumgekommen.
Zu diesem so wichtigen Tag so einen beschissenen Auftrag hinzulegen, ist schon echt ganz große Kunst. 

Unidxs en la lucha feminista ✊

(Vereint im feministischen Kampf)
Viel besser machen es dagegen unsere Leute. 
Erst das schöne gemeinsame Zaunbanner der Orgagruppe bestehend aus Einzelpersonen aus verschiedensten Einzelgruppierungen (u. a. Conexion, Supportblock, Nordsupport & USP). 

(Vereint im feministischen Kampf. Foto via obige Orgagruppe & https://twitter.com/guenterruggaber/status/1236629821419118592?s=21)

Und dann kommentiert USP das Bannergame zur Lex Hopp und den Folgen auch hervorragend. Küsschen an alle! ❤️🤎🤍

Und am höchsten hüpft unser Herz ja immer bei Frauen auf dem Zaun. Richtig, richtig gut!

Sowieso freuen wir uns in den nächsten Wochen & Monaten auf weitere Einzelaktionen der oben erwähnten Orgagruppe, die den Frauenkampftag entsprechend bis zum AntiRa begleiten wird. Vielen Dank. Heute hat gezeigt, wie wichtig und wertvoll das ist!

In Zeiten von Corona ist es echt Mist, wenn keine Seife auf Klos vorhanden ist. Noch was, lieber SVS, was zu verbessern wäre. 

Ihr seid nur ‘ne Tretertruppe

Auf dem Platz zeigt sich Sandhausen von seinem ekligen Gesicht. Jeder Zweikampf mit Nickligkeiten, jedes Luftduell mit Ellbogen im Gegner. Der Schiedsrichter findet dagegen gar keine Linie, verpasst es, mit einer frühen Ermahnung ein Zeichen zu setzen, und so bleibt es 90 Minuten lang unklar, was er pfeifen will und was nicht. 

In einem dieser unsauberen Luftkämpfe wird Knoll (man liest von Lawrence’s Rücken) dann auch so getroffen, dass er regungslos liegen bleibt und dann benommen vom Platz geführt wird. Der Herr Schiedsrichter hat auch in dieser Szene nichts besseres zu tun, als ellenlang den starken Mann zu markieren, anstatt schnell die Betreuer zu dem offensichtlich benommenen Spieler zu winken. Gut, dass da nix Schlimmeres passiert ist. Gleiche Situation auch zuvor, als Østigård sich ebenfalls den Kopf hält und markiert, dass er Hilfe braucht. Wir haben das mit dieser Anweisung an die Schiedsrichter*innen, bei Kopfverletzungen sofort zu unterbrechen, wahrscheinlich einfach falsch gelesen. Sorry!

Aziz, mal ganz ehrlich, ganz unbeteiligt bist du an der Knoll-Verletzung auch nicht und auch in weiteren Szenen geht das Wort über “Ich bin ein giftiger Stürmer” hinaus. Da der Schiedsrichter da null einschreitet, regelt Leo das per Selbstjustiz und holt einmal das grobe Eisen raus. Finden wir gut, wie er uns auf Twitter verfolgt 🙃. Und hier ebenfalls: Auch das war klares Gelb. Natürlich nicht gegeben.

Das Spiel ist sonst schnell erzählt. Sandhausen zeigt seine Stärke (Torschüsse produzieren) und seine Schwäche (daraus Tore zu machen). Ryo und Viktor kombinieren für ein Traumtor, Dimi leckt einen rein und wir bekommen zwei dusselige Tore. Weder muss man den Elfer verursachen und wenn doch: Warum zuckt Diekmeier danach noch? Und Tore nach Ecken kann man verteidigen. Am Ende haben beide Mannschaften noch sehr gute Chancen für ein drittes Tor, beide nutzen sie nicht und schon ist es ein “gerechtes” 2-2. Es fällt auch auf, wie sehr uns Henk offensiv fehlt. Wir kommentieren während des Spiels, dass es so aussieht, als würden sie Henk suchen und ihn nicht finden. Die Verletzung ist echt Mist.

Knoll bis zu seiner Auswechselung im Mittelfeld als “freier Radikaler” echt klasse. Mega, was für Wege der geht. So ist der für uns echt wertvoll. Hoffentlich alles nicht so schlimm. Gute Besserung. 
Instagram macht zumindest etwas Hoffnung.

Noch ein paar Sticker vertickt und ab nach Hause. Danke an die Menschen, die diese Gefährte steuern!

Mrz 012020
 

Hey do what you want, but don’t do it around me
Idleness and dissipation breed apathy

Dieses Blog hält ja in weiten Teilen Grag Graffin für den größten Lyriker der Neuzeit. Und auch die eben zitierten Zeilen passen leider zu dem Tag, den unser Gegengerade-Teil hatte. 

Fangen wir jedoch vorne an. Wir sind ein Kollektiv. Wir sind die Borg und Widerstand ist zwecklos. Dies heißt aber nicht, dass wir uns nicht auch mal annörgeln. Schon gar nicht, wenn der Tag mit Personalfeststellungen durch die Polizei und einem kurzfristig vermissten Handy beginnt. 

Sowieso Polizei. Findet noch irgendwer diese Besatzungsmacht im Viertel gut? Vor dem Spiel nerven sie uns und unsere Gäste damit, dass sie Menschen unbedingt vor dem Fanladen (!) mit einem Großaufgebot (!) kontrollieren müssen; nach dem Spiel begleiten sie den Derbysieger*innen-Marsch mit zwei Wasserwerfern und einem Räumpanzer. C. fasst dies treffend mit der Frage zusammen, ob die meinen, dass wir unser eigenes Viertel in Schutt und Asche legen würden. Es nervt. Verpisst euch einfach. 

Ironie gibt’s umsonst dazu.

Generve überall

Gutes Stichwort. Verpissen können sich (in nicht unbedingt zwingender Reihenfolge): 

Der Typ, der 10 Menschen unserer Bezugsgruppe beim 2-0 mit Bier überschüttet und zwar komplett absichtlich und natürlich gut 20 Sekunden nach dem ursprünglichen Jubel. Und der darauf angesprochen meint, dass dies ja normal sei, man sich mit seinen Designerjacken nicht so anstellen und, wenn einen dies störe, man sich in den Familienblock stellen solle. Immerhin habe eine*n ja nur drei, vier Tropfen getroffen. Gut, dass J. von der Breiten Masse in diesem Moment das Reden übernimmt, sonst würde das richtig eskalieren. Liebe Breite Masse: Ihr seid die Guten. 

Jeder Stadionbesuch ist für jede*n anders. Und klar gehört für sehr viele Menschen ein bisschen “Über die Stränge schlagen” auch dazu. Die wenigsten Stehplatzbesucher*innen werden sich über ein paar Spritzer Flüssigkeit als Nebenprodukt vom eruptiven Torjubel beschweren. Das ist in unser aller Augen in jedem Fall der Deal, den alle mit dem Stadionbesuch, zumindest auf Stehplätzen, eingehen. 

Aber (natürlich gibt es ein “aber”): Es gehören aus unserer Sicht zwei Dinge dazu.

  1. Maßhalten. Und das heißt nicht “den halben Becher sehenden Auges Richtung Leute schütten, die damit nicht einverstanden sind”. Nicht überall gelten die gleichen ungeschriebenen Regeln. Und selbst die können sich ändern. Das Argument “Früher habe ich hier mehr Bier übern Kopp bekommen als getrunken” ist egal, wenn das heute nicht mehr üblich ist.
  2. Einsicht, wenn die Situation falsch eingeschätzt wurde. Ist uns vermutlich allen mal passiert, dass wir uns ein bisschen zu doll gefreut haben, sodass es andere gestört hat. Wenn die Reaktion kommt “Ey, das war nicht cool”, dann sollte es ein Leichtes sein, sich zu entschuldigen und sich im eigenen Verhalten ein bisschen daran anzupassen.

Mag der*die eine oder andere jetzt für spießig halten, aber eigentlich ist die Sache ganz einfach: Deine Freiheit endet dort, wenn sie die Freiheit der anderen einschränkt. Und da kann man durchaus von sprechen, wenn man bei sieben Grad klatschnass wird. Wir wollen das Stadion nicht in ein Kloster verwandeln. Aber so ganz grundsätzliche Rücksichtnahme, die wollen wir schon. Das mal so als Gedankenanstoß nach innen.

Die Osnabrücker, die noch vor 11 Uhr Frauen mit “F*tzensanktpauli” grüßen. Ist ja als Frau, die sichtbar Fan des anderen Vereins ist, schon eher häufig nicht so angenehm so einer Gruppe auf recht engem Gehweg zu begegnen. Wenn die dann sichtbar schon gut getankt haben sowieso noch viel weniger. Und traumhaft, wenn der Spieltag an diesem Wochenende dann auch noch mit solch einer Begrüßung anfängt.

Ebenso die Osnabrücker, die meinen, im Zug noch einen einzelnen Menschen aus unserer Gruppe anreißen zu müssen. Reisetasche wegtreten von einem Menschen, der neutral gekleidet ist, ist auch mal so richtig das coole Ding, was man seinen Freund*innen noch wochenlang erzählt. Was für eine Heldentat. 

Auch im Stadion Ordner*innen vom Zaun heruntertreten zu müssen und Banner zu klauen, ist so richtig toll. Nicht. Davon ab hätten die Osnabrücker*innen mit ihrer beachtlichen Lautstärke (Kussi nach Dresden: Deutlich lauter als ihr zuletzt) zu Beginn und der erkennbaren Loyalität zu ihrer Mannschaft trotz Niederlage am Ende ein paar Sympathiepunkte gesammelt. Klar, manche so, manche so.

Der Typ, der vor den Fanräumen erst auf unsere Intervention eine Frau in Ruhe lässt, die ihrerseits klar und eindeutig Grenzen kommuniziert hatte. Es macht so müde.

Abseits unserers Spiels: Die Polizei Mannheim, die ohne Witz eine Sonderkommission Ermittlungsgruppe wegen des Hopp-Plakates einrichtet. Rassismus? Sexismus? Wortwörtlich die gleiche Beleidigung am gleichen Tag durch Mannheim-Fans gegen den geschassten Torwarttrainer von Kaiserslautern? Alles egal und nicht der Rede wert. Aber wenn ihr unseren Didi beleidigt, dann schaffen wir Stehplätze ab und verbieten alles. Der Millernton hat ansonsten alles notwendiges dazu geschrieben. Fick dich DFB. 

Zu den guten Dingen

Zuallererst: Gute und richtige Antwort der Nord- und der Südkurve zu der Causa Hopp. Richtig eingeordnet, das sexistische Wort nicht verwendet und trotzdem klar Stellung bezogen. Küsschen!

Von der Fahne ist ein „da“ verdeckt.

Noch mehr Küsschen auch für die Halbzeittranspis, die an Hanau erinnern. Passend und richtig genau als “Antifa Hooligans” losgeht Stellung bezogen.

Wir haben gewonnen. Leo küsst die Eckfahne. Wir sind immer noch Derbysieger*innen. Die Sticker sind weg und wir können noch mal knapp 190€ in den Spendentopf der Braun-Weißen Hilfe schmeißen. (Und: Sticker sind nachbestellt). Der FC St. Pauli hat Menschen im Stadion und sucht an der Werbebande Schiedsrichter*innen. Die Stadionuhren sind synchronisiert. (Wen hat das auch jedes Mal fuchsig gemacht?) Regenbogen nach dem Spiel über dem Heiligengeistfeld, nachdem wir beim Spiel vom Wolkenbruch bis zum strahlenden Sonnenschein alles bekommen haben.

Ein extra Sternchen gibt’s, wenn dann auch noch die Spielberichte auf der Homepage durchgegendert werden.

Alle Spieler mit Namen und dem Zusatz “Derbysieger” zu feiern, breitet sich schnell von der GG aus und ist einfach eine absolut wundervolle Idee. Wie schön ist das bitte? 

Außerdem läuft da gerade so ein Modellversuch auf der Süd, den wir als sehr positiv angenommen bewerten. Es gibt endlich Hygienemülleimer im Stadion. Und dann auch noch Spender mit Hygienartikeln. Wir waren nach dem Spiel noch auf einer der 2 Toiletten auf der Süd und stellen fest: Hygieneartikel noch da, Eimer gut genutzt. Sieht für uns nach einem guten Verlauf des Piloten aus, der sich bitte schnell auf’s ganze Stadion ausbreiten darf. Und Leute: Geht damit angemessen um, da haben wir alle was von.

Wir verbuchen das unter „gut angenommen, weitermachen und überall machen“. Danke an die Menschen, die sich darum kümmerten.

Noch Details zum Spiel?

Nach so einem Derbysieg sind die Erwartungen an das Spiel … naja! Da haben wir in der Vergangenheit ja schon ganz anderen Mist erlebt. Anspannung ist in jedem Fall da und die Rechnung “Mit einem Sieg mit zwei Toren Unterschied überholen wir Osnabrück” scheint da ein bisschen optimistisch.

Nun! Das läuft aber durchaus passabel. Oder um es etwas deutlicher auszudrücken: JAWOLLJA. Das System mit Henk (gute Besserung!) & Dimi gefällt uns richtig gut, da ist direkt Dampf auf dem Kessel. Das Mentalitätsmonster Knoll ist zurück, als wäre er nie weggewesen. James ist wieder im Kader. Buba findet immer mehr Freude an der Interaktion mit der Kurve nach gewonnen Zweikämpfen. Penney startet wieder etwas wacklig, verliert zu Beginn einige Zweikämpfe nicht ganz so schön, kommt dann aber richtig rein und hat Bock. Sobota tanzt bockstark durch die gefühlt ganze Osnabrücker Abwehr und schiebt dann locker ein.
Auch, wenn nach hinten raus wieder etwas zu viel gewackelt wird und am Ende tatsächlich nur das Geradesoeben-Ergebnis für die Osnabrück-Überholung steht, sind wir ganz schön zufrieden. Den Gegner starkmachen, das muss echt nicht sein. Es hätte durchaus noch höher ausgehen können, hätte Waldi nicht diese wunderbare Welt der Schwerkraft erkundet und dabei den Arm auf den Ball bekommen oder hätte ein noch immer nicht ganz auf dem Platz angekommener Boris geknipst. Und noch ein paar andere aussichtsreiche Chancen bleiben liegen. Naja, man kann nicht alles haben. Auch die Osnabrücker haben am Ende ihre Chancen, aber wir einen Skyman.

Und schöne Dinge kann man mehrfach schreiben: Østigård küsst das Wappen und tanzt dann nach dem Spiel ausgelassen durch die Kurven. Die Sportfraktion dieses Blogs ist auch immer noch neidisch auf diese Körperspannung beim Hochspringen. Und mit den Mitspielern kommt er jetzt auch nicht so schlecht aus. Das ist einfach alles richtig, richtig, richtig gut. Also hätten wir hier irgendwas zu sagen: Leihe verlängern, Kaufen. Wie auch immer: Hierbehalten. 

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I just love you @henk_veerman ❤️

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Lest euch auch gerne mal die Kommentare durch. ❤️

Hoffentlich ist Henk halbwegs okay. Das wäre ein bitterer Verlust. “Schulter ausgekugelt” klingt erstmal nicht nach langem Ausfall, allerdings kommt da noch ein MRT. 

Und nun? “Drei Punkte in Sandhausen nachlegen, damit Ruhe ist.” Würden wir dem Curi widersprechen? Natürlich nicht! 

Ansonsten beenden wir den Spieltag im Jolly zu “Kill all the white man”. Der DFB fühle sich hiermit informiert. Wir sind uns sicher, dass da noch eine Parallele zur Lexhopp gezogen wird.

Untergegangen ist an diesem Spieltag die Ziehung der Gewinner*in für den Blogbeitrag im Kontext der Braun-Weißen Hilfe Sammlung. Holen wir diese Woche nach. Der Moneypool ist übrigens noch offen.

Feb 282020
 

Am 26.02.2020 fand in den heiligen Hallen der Südkurve ein Workshop zum Thema Diversität statt. Geladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Diversität, die Folge des „Quoten-Beschlusses“ (das ist nebenbei eine inhaltliche Verkürzung des Inhalts dieses Beschlusses) der letzten MV ist. 

In dieser AG befinden sich Vertreter*innen vieler Gremien des FCSP und die Antragsstellerin (die Mitglied dieses Kollektivs ist; vom Schreiben dieser Zeilen aber ausgeschlossen ist) des oben auch noch mal verlinkten Antrages.

Ziel dieses Workshops war nun ein „Kick off“ mit vielen interessierten Menschen aus dem breiten FCSP Kosmos um sich Input zu holen, Ideen zu sammeln und auch Diskussionen anzustoßen. Wir wollen dies mit ein paar Gedanken, die uns an diesem Abend gekommen sind im Folgenden unterstützen. Was ihr hier nicht finden werdet ist ein inoffizielles Protokoll dieses Abends. Wir wollen die Art und den Zeitpunkt eines weiteren öffentlichen Diskurses gerne der AG überlassen. Ein paar Fragen sind aber so allgemein, dass wir mal ein paar heiße Thesen in das Internet werfen wollen. 

Das Setting

Vorab jedoch erstmal ein Dank an die Organisator*innen, an den Verein (was hier dann Geschäfsstelle etc. meint) und an alle Teilnehmer*innen für einen gelungenen Abend.

In klassischer Workshop Form wurde an verschiedenen Tischen zu verschiedenen Themen gearbeitet und in einem zweiten Schritt ein Diskussionsmarktplatz eingerichtet, wo die Teilnehmer*innen von Stellwand zu Stellwand und von Thema zu Thema gehen konnten und diskutieren konnten. Jeweils ein Mitglied der AG moderierte entweder Tisch oder Stellwand. Wir wollen mal hervorheben, wie gut das geklappt hat. Nicht jede*r macht so etwas jeden Tag und trotzdem waren alle Plätze an denen wir gelauscht haben gut moderiert und später auch gut vorgestellt. Es entspricht sehr unserer Vorstellung vom „Mitmachverein“, wenn man sich frühzeitig mit so einem „von unten nach oben“ Format einem Thema nähert. Dafür ganz ganz viel Lob!

Eine Abschlussrunde mit einem flexiblen Podium lief erst etwas zäh, weil da doch ein paar Hürden zu überwinden waren, kam dann aber auch noch richtig in Schwung.

Was in der begrenzten Zeit so ein bisschen auf der Strecke blieb: Diversität, die über „mehr Frauen“ hinaus geht. Wir haben ein riesiges Brett zu bohren, denn nicht zu Unrecht bezeichneten viele Teilnehmer*innen unseren Verein als „männlich, weiß, deutsch“ geprägt. 

Ein paar Stichworte, die uns bewegt haben

Werte leben

„Äußere Werte nach Innen leben“ wurde auf der Veranstaltung gesagt und ja, das ist ein absolut richtiges Stichwort. Wie eben schon gesagt „männlich, deutsch, weiß“. Wir werden dies aktiv ändern müssen. Und das wird viel Arbeit auch an uns selbst bedürfen.

Unsichtbare Hürden

Denn eine der Hauptgründe ist, dass wir uns sehr in unseren Strukturen eingerichtet haben. Mal ehrlich: Könnt ihr euch vorstellen alleine ans Millerntor zu kommen und euch irgendwo auf der Gegengerade hinzustellen? Wenn ihr mit dem Menschen neben euch in Kontakt treten werdet, dann werdet ihr dann Fragen wie „Wo stehst du sonst?“ „Wie lange hast du Dauerkarte, bist du Mitglied, Fan?“ konfrontiert. Und dies sind brutale Hürden. Dies sind insbesondere dann Hürden, wenn ihr als Minderheit einer Mehrheit gegenübersteht und das gesamte gesellschaftliche Klima euch immer suggeriert, dass ihr nicht dazu gehört. Wir werden lernen müssen auf „Neulinge“ anders zu regieren.

Das gleiche gilt für unsere Arbeitskreise. Viele davon sind vereinsöffentlich. Aber wie viele davon sind so eingefahren, dass es für neue Menschen schwierig wird sich dort zu etablieren? Gerade diverse Menschen werden häufig nicht ein „fahr mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht“ Ego vor sich her schieben, um solche unsichtbaren Hürden zu überwinden. Die eben für diverse Menschen noch mal extra schwer zu überwinden sind.

Guckt euch eure Bezugsgruppen mal an. Wie viele davon sind nicht „männlich, weiß, deutsch“ dominiert? Beim männlich bröckelt das vielleicht einmal ein bisschen, aber „weiß, deutsch?“ steht betonfest. Hier müssen wir ran. Auch in der inneren eigenen Haltung. 

Patenschaft?

Wir werden wahrscheinlich beginnen müssen Menschen an die Hand zu nehmen. Ihnen in unseren Gruppen Plätze offensiv anzubieten und so uns zu öffnen. Nicht jede*r wird passen, aber wir müssen das viel mehr machen. Auf jeder Ebene.

Feedbackkultur

Fussballfansein ist ein emotionaler Dauerausnahmezustand. Was für Stressjunkies und Menschen, die Massenbewegung lieben. Keine Widerrede. Aus dieser Emotionalität schreibt auch dieser Blog häufig genug. Wir schreiben sehr häufig auch zum Abbau der eigenen Emotionen und weniger für die Leser*innen. 

Und wir müssen uns doch fragen, ob auch dies nicht eine Hürde für Menschen schafft. Haben wir eigentlich eine vernünftige Feedbackkultur gegenüber unseren Amtsträger*innen? Wir meinen hier nicht nur uns, sondern den ganzen Verein. Aber eben auch uns. 

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass XYZ dies abkann, verhindern wir damit, dass UVW sich um ein Amt bewirbt? Weil UVW uns liest und denkt „ach fuck, so will ich nicht kritisiert werden?“ Nicht jede*r hat ein dickes Fell. Wir werden uns hier als Blog auch mal an die eigene Nase fassen müssen. Auch wir lernen jeden Tag dazu. Wir versuchen ja immerhin seit dem 10. Jahr unseres Bestehens halbwegs zu gendern. 

Wir versuchen da auch immer zwischen „Hart in der Sache“ und „Hart gegenüber den agierenden Menschen“ zu unterscheiden. Gelingt uns das immer perfekt? Mit Sicherheit nicht. Erkennen lesende und/ oder kritisiert werdende Menschen hier immer den Unterschied? Wahrscheinlich auch nicht. Sollten wir deswegen aufhören zu kritisieren? Ebenfalls nein. Der FC St. Pauli lebt nun mal auch von Kontroverse, von Diskussionen, von unterschiedlichen Meinungen. Müssen wir uns trotzdem immer wieder selbst kontrollieren? Definitiv!

Fucking Quote

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie schwer sich viele Feministinnen (hier mal kein Gendern) mit einer Quote tun. Und wie viele dann sagen „aber wir brauchen diese fucking Quote, um das aufzubrechen“. Wir können das verstehen. Und der grundliegende Beschluss will da ja auch eine gewisse Flexibilität (Stichwort „paritätisch“) ermöglichen.

Die Diskussionen stehen immer noch am Anfang, sie haben aber auch einen engen Zeitplan. Wer meint dies aussitzen zu müssen, der macht sich eines Verrates an unseren Werten schuldig. Nicht mehr und nicht weniger. Wir werden 2020 eine Lösung finden und für die nächsten Wahlen wird es eine paritätische Beteilung von Frauen (und hoffentlich auch anderen diversen Menschen) geben. Punkt. Dafür sorgt dieses Blog. (Drei schreiben dann böse, vier gucken böse!)

Der Diskurs ist so wichtig

Wir merkten auch, dass viele skeptische Leute schon sehr viele Schritte mitgegangen sind. Sich von Argumenten überzeugen lassen, mitdenken, Probleme benennen und Lösungen akzeptieren. Das macht solche Workshops auch wichtig. Gerade wenn diese Menschen in Gremien unterwegs sind und diese Überzeugungen dann auch weitergeben können. Es ist immer wieder ein dickes Brett, was gebohrt werden muss, aber wir freuen uns, wie viel Dynamik das ganze schon seit dem Antrag im Oktober bekommen hat.

Wir als FCSP sind spät dran, diese ganze Diskussion hätte schon vor Jahrzehnten geführt werden müssen. Dies sollte aber nicht verhindern, dass wir sie nun dynamisch und zielorientiert führen. Und dafür auch mal ein Lob an die anfänglichen Skeptiker*innen. 

Es bewegt sich was beim FCSP.

Abschließend

Möchten wir die Überschrift erklären und als weitergehendes Motto ausgeben. Eine Teilnehmerin nannte dies als Weg, wie man mehr Diversität erreicht. Indem man permanent penetrant an diesem Thema dran bleibt. Wir werden dies tun, der FCSP wird dies tun.

Feb 252020
 

Ja, ihr werdet uns nun vorwerfen, dass dies das „übliche Genörgel“ ist, aber wir müssen bei aller Derbyeuphorie sowohl sportlich als auch in Fanbelangen Wasser in den Wein schmeißen [schütten wäre wohl das passendere Wort, aber wir lassen das mit dem Schmeißen mal so stehen]. Außerdem mögen wir Weinschorle. Nur deswegen fahren wir noch nach Heidenheim.

Sportlich: Zwei Gesichter

Wir haben gegen die „großen Drei“ (Bielefeld, Stuttgart, Volkspark) von möglichen 18 Punkten 11 geholt. Das ist eine Quote von 1,83 Punkten pro Spiel. Gegen die „kleinen 14“ haben wir aus bisher 15 Punkte in 17 Spielen geholt. Macht eine Quote von 0,88. Während letzteres ein klarer Abstiegskurs ist, würden wir gegen die großen Drei über eine Saison gerechnet 62 Punkte holen. Nur mal so: Stuttgart ist diese Saison etwas besser, die Volksparkler ein bisschen schlechter als 1,83 Punkte pro Spiel.

Torverhältnis gegen die “großen Drei” ist nebenbei 10:4, gegen den Rest der Liga 18:25. Und auch nebenbei lagen wir in jedem dieser 6 Spiele zwischenzeitlich in Führung, haben dann noch verloren (Stuttgart Hinspiel) und unentschieden gespielt (Stuttgart Rückspiel, Arminia Hinspiel). Ebenso der Vollständigkeit halber: All diese entscheidenen Gegentore fielen dann in der 90. Minute (Arminia Hinspiel), 60. (Ausgleich) & 90. (Führung) Minute (Stuttgart Hinspiel) und 81. Minute. Ihr erkennt sicherlich gewisse Tendenzen bzgl. des “über die Zeit bringen”.

Man könnte auch sagen: Wenn wir so wie gegen die großen Drei immer spielen würden, dann würden wir um den Aufstieg mitspielen. Und wenn wir solche Spiele dann auch über die Zeit bringen würden, dann wären wir quasi schon Europacupsieger*innen. Also quasi.

Klar, das ist alles auch ein bisschen zufällig, weil es z.B. keine wirkliche Abgrenzung der ersten drei Plätze zum Rest der Liga gibt und auch „small sample size“ bei insgesamt 6 Begegnungen eine Rolle spielt. Es zeigt aber schon eine kleine Tendenz. 

Ziehen wir erstmal das positive aus dieser Beobachtung

Wir können grundsätzlich in dieser Liga mithalten, wir haben taktische und fußballerische Mittel um „die Großen“ zu schlagen. Kein Verein in dieser Liga ist uns komplett überlegen und wir können anscheinend eine schwer zu bespielende Truppe auf den Rasen stellen. 

„Fußballerische Mittel“ spricht hier nebenbei ausdrücklich nicht von spielerischen Mitteln. Denn z.B. in beiden Derbys waren doch schon von einer spielerischen Überlegenheit des Gegners geprägt, die halt mit Lauf und Kampf ausgeglichen wurden. Das erkennen auch die Spieler selbst, hier sei exemplarisch James in der 11Freunde zitiert: ”Zu Beginn hatte der HSV einen Einwurf, ihr Stürmer sollte den Ball mit der Brust annehmen, doch ich ging dazwischen und köpfte ihn weg. Der Stürmer sah mich verdutzt an, da machte ich ihm klar: ‘Oh yeah. So wird das hier laufen. Ich bin da — und ich werde das ganze Spiel da sein.’ So waren wir alle drauf. Wir kämpften um jeden Ball.“

Aber warum geht das nicht immer?

Die Analyse fällt schwer. Es gibt zumindest keine statistischen Auffälligkeiten, die nun ein sofort ins Auge springendes Muster zeigen würden. Es ist nicht so, dass wir nun gegen die großen Drei viel mehr gelaufen sind als sonst oder irgendwie plötzlich wahnsinnig gespielt haben. 

Zu vermuten ist erstmal eine ganz grundlegende Problematik von Vereinen in Liga 2. Wir tun uns immer dann schwer, wenn der Gegner nicht „mitspielen“ will.

Dafür würde sprechen, dass unsere Offensive echt nur unteres Mittelfeld in allen statistischen Werten ist.

Wir sind nicht gerade gut darin Torschüsse (290 Torschüsse insgesamt, gut für Platz 13, via sport.de) oder einen offensiven xG Wert (Platz 12, Danke an Millernton-Tim, der diese Zahl auf dem laufenden hält) zu generieren. Drei weitere Werte (Quelle für alles), die in die gleiche Kerbe schlagen? 
Im Schnitt sind das 12.5 Schüsse pro Spiel (im Ligavergleich ist das Platz 13), davon gehen 4.1 Schüsse aufs Tor (ebenfalls Platz 13 im Vergleich), insgesamt haben wir 28 Tore gemacht (Platz 15 im Vergleich).
Aufällig? Wir dribbeln deutlich mehr als viele andere Mannschaften: 10.9 mal pro Spiel – das ist Platz 4. Auffällig hierbei auch: Es sind eine ganze Reihe von Spieler, die die Dribblings machen, der Wert vieler Teams ist hier stark von einzelnen Spielern getrieben. Bei uns gibt es eine deutlich breitere Streuung – was sicherlich auch an den verschiedenen Formationen mit denen wir aufgelaufen sind, liegt.

Bei der Torquote ist bemerkenswert, dass wir mit Henk einen Spieler haben, den wir mit „jeder Schuss ein Treffer“ ganz gut beschreiben können. Der verwertet bisher jeden dritten (7 Tore bei 23 Schüssen) seiner abgegeben Schüsse und jeden zweiten Schuss, der den Weg aufs Tor findet. Sind dies gute Werte? 
Aber Hallo! Arminia Bielefeld als beste Mannschaft nutzt gerade mal jeden 7. abgegebenen Schuss für ein Tor. Fabian Klos als führender Torschütze (und als langjährige Tormaschine) jeden 5. Wir sollten mehr Schussgelegenheiten für Henk generieren. (Ist in den letzten Spielen aber definitiv auch das offensive Mittel der Wahl gewesen). 
Und hierbei nicht vergessen: Henk ist auch noch nicht so lange wieder voll im Kader – small sample size auf der einen Seite; auf der anderen aber auch, dass deswegen unsere allgemeinen Zahlen nicht so klasse sind.

Ein*e Statistiker*in wird natürlich fragen, ob man so eine Quote wie Henk wirklich dauerhaft halten kann. Wahrscheinlicher ist, dass man sich irgendwann in Richtung eines Schnitts für einen Stürmer orientiert. Und dieser liegt wahrscheinlich deutlich unter der Quote eines Fabian Klos. Wir werden sehen. 

Unsere Defensive hingegen ist im Ligavergleich ziemlich gut. Wir haben nur 29 Tore zugelassen. Das ist immerhin Platz 6 in dieser Statistik. Bei 14.4 zugelassenen Schüssen pro Spiel. Da sind wir im Ligavergleich auf Platz 11.
Die Kombination aus geschossenen und erhaltenen Toren führt dazu, dass wir für die/den neutrale*n Zuschauer*in nicht gerade ein Feuerwerk an Toren bieten. 57 insgesamt gefallene Tore in Spielen des FCSP? Ist Platz 15 in dieser Wertung. Noch weniger insgesamt gefallene Tore in den Spielen? Osnabrück, Sandhausen und Heidenheim. Diese drei Mannschaften spielen wir nun innerhalb der nächsten 5 Spiele. Es sind Torfestivals zu erwarten. Bemerkenswert dabei ist vielleicht, dass Sandhausen zwar nur sehr wenig Tore erzielt (nur Dresden erzielt weniger), aber Torschüsse ohne Ende abgibt (Platz 3 in dieser Wertung; in der Verwertungsquote sind sie dementsprechend mit Abstand Letzter). Skyman, habe also bitte einen guten Tag. Alternativ schießt Aziz halt ein paar Buden auf die Nord. Wäre ja nun auch nicht das erste Mal im Millerntor (#scnr).
(Quellen für diesen Absatz sind die oben bereits verlinkten Seiten.)

Auch bei den zugelassenen Schüssen ordnen wir uns auf Platz 8 ein (Quelle hier whoscored), beim defensiven xG Wert auf Platz 4 (nochmal Danke an Tim).

Was zu all den genannten Statistiken zu sagen ist: Der Abstand zwischen den einzelnen Mannschaften ist meistens äußerst gering. Vieles ist sehr eng beieinander. Die eine Ausnahme ist im Text beschrieben.

Konteroffensive?

Wenn man unser Profil bei WhoScored so ansieht, dann nennt diese Seite vier Dinge als unsere Stärke: 1. Creating chances through individual skill; 2. Counter attacks; 3. Attacking down the wings; 4. Stealing the ball from the opposition. 
Und als Schwächen (hier nicht alle genannt) 1. Keeping possession of the ball; 2. Avoiding individual errors; 3. Defending set pieces; 4. Defending against long shots.

Kombiniert man das alles, dann wird wieder deutlich, dass uns “Spiel machen“ immer noch nicht liegt. Es mag der Wunsch von uns allen sein, nicht mehr den ätzenden Darmstadt-Fußball (und eben auch die Art Fußball, die unserem letzen Trainer u.a. den Job gekostet hat) als mögliche Kunstform am Millerntor zu sehen, aber zur Zeit sind unsere Stärken und Schwächen wahrscheinlich genau für so einen Fußball vorteilhaft. Der Wunsch aller sportlich Verantwortlichen ist ein anderer und hier wird es auch durch Veränderung des Spielermaterials dran zu arbeiten sein.

Ein bemerkenswerter Spieler in diesem Zusammenhang ist Benatelli, dessen Stärke im Passen liegt und dessen 90 % Passquote bei uns kein anderer Spieler auch nur annähernd erreicht. Und der in der Rückrunde bisher auch gut spielt. Mit Ausnahme eines unterirdischen Spiels in Kiel. Aber das passiert wahrscheinlich auch dem Besten. Es gibt wahrscheinlich schon ganz viele FCSP Fans, die den Jungen unter Fehleinkauf abgeheftet hatten, aber ganz vielleicht wird das noch ein richtig wertvoller Spieler. Wenn er denn den Eindruck aus den paar Spielen nach der Winterpause bestätigen kann. Die große Schwäche auf der Ebene, unser Eindruck — nicht gemessen: Gegen schnelle Gegenspieler sieht er ganz schnell alt aus. Kann man intern in so einer Mannschaft natürlich auffangen. Aber eben auch nicht komplett. Und macht es schwierig, wenn Du dann im Ballbesitz doch mal einen Fehlpass spielst. Oder im allgemeinen Defensivverhalten gegen schnelle Mannschaft, die gut umschalten können.

Wie bestreiten wir nun die restlichen Spiele so, dass wir nicht absteigen?

Und nur darum geht es den Rest der Saison.

Wir haben da einen Plan. Wir vermitteln unseren Jungs, dass alle Spiele Derbys sind. Schon werden sie zu Kampfmaschinen und das wird dann schon irgendwie reichen. Bei Osnabrück ist das ja ganz einfach. Das Spiel ist ja als Mutter aller Derbys bekannt. (Setzen Sie hier bitte ein lautes kollektivinternes „DAS IST KEIN DERBY“ ein). Danach kommt halt das „S“ Derby und dann das Club Derby etc. pp.

Okay, dieser Plan überzeugt uns noch nicht wirklich. Wir werden abwarten müssen, welche Anpassungen die sportliche Leitung noch vornehmen kann. Da wir aber gegen keinen der großen Drei mehr spielen, müssen wir die restlichen Punkte woanders holen. Am liebsten bald, damit wir nicht zu einem großen Endspiel nach Wiesbaden fahren. Und ansonsten bleibt immer noch die Variante mit Versprechen, die Buballa Elo abgeben muss. Fanladenhoschis: Ihr seid doch an was dran, Euren 30. Geburtstag zu feiern. Ggf. bitte mit ins Programm aufnehmen. Wir haben nämlich nur so begrenzt Lust auf #pumpenfuerdiedritteliga.

Soviel zum sportlichen – noch mehr und heute ehrlicherweise den Hauptgrund für Wasser in den Wein liefert aber auch das drumrum.

Es geht hier um Sexismus

Vorweg: Wir hatten schon im Derbybericht deutlich gemacht, dass wir Menschen, die sich unbedingt zum aufeinander rumhauen verabreden wollen, ihr komisches Hobby nicht absprechen wollen. Wenn ihr das untereinander machen wollt, dann sind wir die Letzten, die daraus irgendeinen Skandal konstruieren. 

Man muss wohl auch realistisch in Kauf nehmen, dass auch der FCSP genügend Menschen als Fans (keine Anführungszeichen!) hat, die solchen „sportlichen“ Auseinandersetzungen nicht abgeneigt sind. Man kann das doof finden, aber es ist nun mal so. 

Der „früher war alles besser“ Fraktion sei gesagt, dass außer vielleicht einer klitzekleinen Zeit in den 90ern beim FCSP immer sportliche Fraktionen unterwegs waren und diese auch immer irgendwie (mal mehr, mal weniger) Teil der Fanszene waren. Und es ist auch nichts Neues, dass diese Fraktionen unsere Werte teilweise auch eher großzügig ausgelegt haben. Um es mal freundlich zu umschreiben. Nein, Freundlichkeit mal zur Seite geschoben: Ihnen gehen Teile unserer Werte gepflegt am muskelbepackten Hintern vorbei. Und das nervt. Und da gab es dankenswerterweise auch häufig genug genau die richtige Reaktion.

Man muss auch ganz klar sagen, dass jede Fanszene, auch die des FCSP, bisher dazu neigt, zwar den Splitter im fremden Auge, aber nicht den Balken im eigenen Auge zu sehen. Um mal die Bergpredigt zu zitieren, wie es zu uns alten Hippies passt.

Übersetzt heißt dies, dass sich jede Fanszene sehr schwer damit tut, doofes Verhalten in den eigenen Reihen konkret anzusprechen und auch zu isolieren. “Wir gegen die” sei hier nur beispielhaft als Grund genannt.

Dieser Unwille wird noch dadurch verstärkt, dass die Medien so unterirdisch berichten, dass man viel Aufmerksamkeit darauf verwenden MUSS, diese wieder einzufangen. Ja, ein Restaurant zu demolieren ist Scheiße, ja es sind unschuldige zu Schaden gekommen, aber Nein es war nicht „wie Hanau“. Wer so etwas in Schlagzeilen druckt, handelt unverantwortlich und will Panik machen. Und kann sich gerne gehackt legen.

Dies alles vorweg gesagt, kommen wir zu einem Video (bewusst nicht verlinkt), welches unseren Marsch zeigt und diese typische „nun komm doch her wenn du dich traust“ Diskussion, die eigentlich immer nur dann erfolgt, wenn die/der Provozierende sich sicher sein kann, dass aufgrund von Zaun und daneben stehenden Ordner*innen und Polizei, ihr/ ihm keine*r was tun kann.

Im Rahmen dieser Diskussion fällt dann das „F“ Wort und ein Satz im Sinne von „deine Frau wird von einem von uns gef…“. (Einmal geht’s um Geschlechtsteile, einmal um Geschlechtsverkehr). Hierbei sei natürlich auch noch angemerkt, dass diese implizite Annahme, das Gegenüber sei heterosexuell auch absolut nicht unproblematisch ist.

Das ist einfach sexistische Rotzscheiße und hat beim FCSP nichts verloren. Digga, wenn Dir in deinem albernen „durch den Zaun Macho“ Talk echt nichts besseres einfällt, dann lass es doch einfach. Das ist in der oben beschriebenen Situation sowieso schon albernes Rumgemacker, wird es aber so noch mehr. Und hat mit „Antifa Hooligan“ aber mal so gar nix mehr zu tun.

Ach ja: Küsschen an alle anderen Szenen, die dieses Video nun mit „aber die Paulis sind ganz böse und tun immer so politisch korrekt“ verbreiten. Erstens: Glückwunsch, dass ihr erkannt habt, dass das nicht so geil war. Ist ja nun nicht immer so. Vor allem wenn ihr das selbst tut. Zweitens: Natürlich sind wir ganz böse. Aber wir sind da ganz schnell wieder bei dem Splitter und dem Balken. Es werfen bitte die den ersten Stein, die solche Rübenköppe nicht in ihrer Szene hat. Wir haben ähnlichen Rotz uns z.B. von Stuttgarter*innen diese Saison schon anhören müssen. Nur bei uns waren (immerhin – und ja die Messlatte liegt niedrig) seit langem keine irgendsolche Banner mehr in der Kurve. Wir wissen um das Problem und wir nehmen uns dem intern an.

Aber haltet eure verdammte Fresse, wenn ihr die Worte, die ein Mackertyp bei billiger Provokation sagt, bei Euch noch nicht mal auf irgendwelchen Transpis verhindert kriegt. Aber auch ey Leute, dieser Thematik jetzt komplette Facebookseiten (ebenfalls bewusst nicht verlinkt) zu widmen, ist komplett daneben – Kreativität sieht nebenbei auch anders aus.

Vorschlag zur Güte: Sexist*innen raus. Aus jeder Kurve. 

Feb 212020
 

Stellungnahmen sind extrem überflüssig. Eigentlich hat noch nie eine Stellungnahme irgendwas besser gemacht.

Dies gilt noch umso mehr, wenn Vereine meinen zu Fanverhalten Stellung beziehen zu müssen. Trotzdem können sie alle auch nicht nichts sagen (höchsten Respekt an Peter Fox, der diese doppelte Verneinung fehlerfrei singen kann). Irgendwie ist dem Menschen nicht wohl, wenn er einfach mal schweigt. Meistens erfolgt das ganze auch noch übereilt und ohne vernünftiges Nachdenken und schon kommt Mist heraus.

Dem wollen wir vorbeugen und bevor Menschen Sonntag Morgen vom Wählen abgehalten werden, weil sie Stellungnahmen verfassen müssen, möchten wir hier schon einmal die ultimative Stellungnahme zu den Geschehnissen nach dem Hamburger Derby veröffentlichen. Zutreffendes bitte ankreuzen.

„Der FC St Pauli verurteilt die Ereignisse rund um das gestrige Spiel im Volkspark.

Den Ereignissen ging ein emotionales Stadtderby voraus, welches durch ein unglückliches Eigentor in der 99. Minute zugunsten des FC St. Pauli entschieden wurde. Wir wollen an dieser Stelle Aaron Hunt unser Mitgefühl aussprechen, dessen Lattenschuß, freistehend aus zwei Metern abgegeben über den ganzen Platz ins eigene Tor prallte.

Bereits während des Spieles kam es zu einer Kampfkraft auf dem Platz und einem Supportverhalten des Gästeblocks, der weit über das akzeptable Maß hinaus ging. Der FC St. Pauli verurteilt die verursachten Hörschäden und den kaputten Rasen im Volkspark aufs Schärfste! 

Wir haben den schwer betroffenen Familienmitgliedern und Lebenspartner*innen der Spieler des Hamburger Sportvereins bereits unsere volle Unterstützung angeboten. Es ist nur schwer ertragbar, dass diese aufgrund des unaufhaltsamen Tränenflusses der Spieler seit nun mehr 24 Stunden ausschließlich mit Wasserzufuhr beschäftigt sind. Wir können und wollen das nicht länger akzeptieren. Ebenso übernehmen wir volle Verantwortung für die zerstörte Tür in Schindeleggi (Schweiz). Wir können die Wut über die verprassten Millionen nur zu gut verstehen. 

Die Vorfälle danach sind mit den Werten des FC St. Pauli, seinen Leitlinien und seiner Toleranz nicht zu vereinbaren. Der FC St. Pauli distanziert sich in aller Deutlichkeit von diesen Ereignissen.

Es ist nicht akzeptabel, dass die Hans-Albers Statue braun-weiß gestrichen wurde. Auch bei den Anwohner*innen im Stadtteil St. Pauli müssen wir uns wegen der Vorfälle entschuldigen. Lautes Weinen im Umfeld der Gerhardstraße 7 und laute „Hamburg ist braun-weiß“ Gesänge im restlichen Viertel raubten diversen Menschen die ganze Nacht den Schlaf. Ebenso sind die Geschichten der traumatisierten Betreiber*innen der Fankneipe Jolly Roger nur schwer ertragbar. Einen leergetrunkenen Getränkekeller hat es in der 1910-jährigen Geschichte der Kneipe noch nicht gegeben. Dies ist eine Zäsur im Fanverhalten und wir werden den Inhalt des weiteren Umgangs innnerhalb des Vereins kritisch diskutieren.

Ebenso möchten wir uns bei der Hamburger Polizei entschuldigen, dass ihre Aufstandsbekämpfungsmittel einrosteten und nicht gebraucht wurden. Die Verursachung von Langeweile und unnötiger Steuergeldausgaben ist mit den humanitären Grundsätzen des Vereines nicht vereinbar und gerade in Zeiten knapper Steuergelder nicht hinzunehmen. So kann unser geschätztes Vereinsmitglied Andy ja gar keine Steuergeschenke an Privatbanken mehr verteilen. Wir werden dieses Fehlverhalten intern aufarbeiten müssen.

Abschließend stellt der FC St. Pauli klar, dass er für Vielfalt und Toleranz steht und die 0,1 % Wahlergebnis für die AfD und die FDP sehr bedauert.

Für alle Geschädigten haben wir eine Hotline eingerichtet. Rufen sie unter 0800 33729743437 [Für alle U25: T9, Diggis] kostenfrei an.“

Es gibt was zu Gewinnen!

Wir haben einen zweiten Moneypool zugunsten der Bielefeld Hilfe eingerichtet. Hier könnt ihr spenden.

Und wollen diesen Pool mit einem kleinen Ansporn verbinden:

Wenn wir bis zum 27.02.2020 19:10 Uhr 1.910 Euro erreichen, dann verlosen wir unter allen Menschen die gespendet haben einen Blogbeitrag bei uns.

Bedingungen: Ihr meldet uns kurz per Mail (Webmaster ät magischerfc.de (http://magischerfc.de/)) nach eurer Spende mit dem Hinweis, dass ihr gespendet habt und teilnehmen wollt. Was ihr schreibt ist egal, es sollte aber in den Grenzen der Leitlinien des FCSP bleiben. Wir behalten uns ein Veto vor.

Feb 162020
 

„Beim jüngsten britischen Raid über Hitlerland hat das alte Lübeck zu leiden gehabt. Das geht mich an, es ist meine Vaterstadt … Aber ich denke an Coventry und ich habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ 

(Thomas Mann in seiner BBC Radioansprache vom April 1942)

Um es gleich vorweg zu sagen: Leo Østigård hat sich (vor-)gestern wieder ein Stück mehr in unsere Herzen gewütet. Und vom entscheidenen Østigård-Kopfballtor im Derby habt ihr hier zuerst gelesen.
Danke Leo, das hat einen äußerst räudigen Spieltag aus sportlicher Sicht zumindest etwas besser gemacht.

Teile dieses Kollektivs haben den Fanräumetresen mitorganisiert, kamen deswegen erst sehr kurz vor Anpfiff ins Stadion. Und ganz ehrlich, liebe Menschen in der Süd: Die Aufgänge sind Aufgänge. Keine Stehtribünen. Und wenn ihr da dann kurz vor Anpfiff bequem rumsteht, dann macht wenigstens Platz, wenn Leute durchwollen. Und hört auf, euch über einen Anmotzer aufzuregen, nachdem ihr euch augenrollend genau keinen Millimeter bewegt habt. Das kommt jetzt wahrscheinlich überraschend, aber ihr seid tatsächlich nicht alleine im Stadion. Und das ist ein Aufgang, damit Menschen da durchgehen können. Wenig überraschend auch, dass das nie bekannte Gesichter sind, die da rumstehen. Und die komischerweise auch viel das Handy zum Fotografieren nutzen.

Das Spiel?

Macht eigentlich Laune. Da wird der Tabellenletzte über weite Strecken vorgeführt und wir sehen eine wirklich angemesse Leistung unserer Spieler. Doch dass es zur Halbzeit noch nicht mindestens 2:0 steht und am Ende tatsächlich kein einziger Treffer und damit nur ein lumpiger Punkt herausspringt, macht uns fassungslos. So eine schwache Dynamo-Truppe, die nicht nur destruktiv spielt, sondern auch noch in bester Dresdener Tradition herumopfert, wenn ein Spieler in einem Zweikampf zu Boden geht, hat in unseren Augen in der Zweiten Liga nicht mehr viel verloren. Kauczinski weinen wir auch nach wie vor keine Träne nach. Was für ein beschissener Anti-Fußball. Mehr Gemotze ansonsten auch bei den Hoschis vom Millernton.

In der 68. Minute haben wir “musst du anders von der Bank eingreifen” notiert. Und freuen uns dann, als in der 72. Minute Diamantakos schon zur Einwechselbank läuft. Um dann wieder umzudrehen und Buchtmann zu holen. Und das ist dann auch der Moment, als wir das Spiel abschreiben. Wieso dieser Wechsel zu diesem Zeitpunkt, mit diesen Alternativen?

Ganz allgemein ist es im Fußball bemerkenswert, wie spät gewechselt wird. Statistisch ist der Wechsel vorteilhaft, sodass uns immer noch nicht klar ist, warum eigentlich alle Trainer 75 Minuten (und damit 5/6 des Spieles) verstreichen lassen, bevor sie wechseln. Hier liegt eine Möglichkeit, sich kleine Vorteile zu verschaffen auf der Hand. Und kleine Vorteile können in einem so engen Sport wie Fußball entscheidend sein. In diesem Zusammenhang: Unser erster Wechsel wirkte sehr nach einem “angeschlagen”-Wechsel, oder? 

Wir haben mittlerweile übrigens auch Albträume von der Handbewegung, die Veerman nach verpassten Großchancen macht. Hoffen wir mal, dass die verpassten 3 Punkte aus den letzten beiden Spielen und die verpassten 4 Punkte gegen den Scheißverein nicht noch zu viel mehr Albträumen führen. Auch wenn wir gerade nicht sehen, wir wir das in der aktuellen Situation spielerisch gelöst bekommen wollen. 

Nach dem Spiel dann zurück in die Fanräume, um dort den Tresen zu schmeißen. Wir gucken dann das nächste Mal erst um 23:30 auf die Uhr. Und mussten kurz überlegen, wie das Spiel eigentlich ausgegangen ist. Vielleicht ist das die allerbeste Verarbeitungsform nach solchen Spielen. Danke an alle, die mit uns gefeiert haben, danke an all die Spenden in den Spendendosen.

Alkoholfreie Getränke im Eingangsbereich der Fanräume.

Aus Sicht eines Nutzers und anderem Teils des Kollektivs: Danke für den nichtalkoholischer Stand gleich vorne an. Sich schnell ein Wasser holen zu können, ohne sich in die vollen Fanräume drängeln zu müssen, ist echt toll. Und das sind jetzt nur die subjektiven persönlichen Gründe des Schreibers. 

Der Abend endet dann wieder einmal vorm Jolly. Mit der Feststellung, dass in einer Woche Derby ist. Und dass die Derbystimmung im Vergleich zum September 2018 ganz schön abgeflacht ist. Wir sind uns noch unsicher, ob das gut oder schlecht ist.

Stickertheater

Der Verein hat sich gestern noch zu einer Stellungnahme hinreißen lassen. Mal ehrlich gefragt: Gab es in jüngerer Vergangenheit jemals eine Stellungnahme, die irgendwas besser gemacht hat? Wir erinnern uns nicht und sehen diese als einen weiteren Beleg dafür.

Warum braucht es diese Stellungnahme überhaupt? Bisher ist nicht öffentlich geworden, dass es ein nennenswertes Fehlverhalten seitens der Anhänger*innen unseres Vereins gab, und es wird auch in der Stellungnahme nur auf “Provokationen beider Seiten” eingegangen. Wie ihr wisst, stehen wir nicht auf der Nord, und können und wollen deshalb nicht genauer darauf eingehen, wie das ausgesehen haben könnte. 

Das Statement nennt explizit die Sticker. Und auch wenn dann sofort gesagt wird, dass die Sticker nicht als Begründung für den Angriff dienen sollen, stellt man selbst dann halt damit die Verbindung her. Das ist wie mit den blauen Elefanten, einmal als Bild in die Welt gesetzt, kriegst das nicht mehr raus. Was ist die Alternative, fragt ihr uns? Einfach gar keine Stellungnahme, es gibt einfach keinen Bedarf. Und ansonsten: Sticker einfach nicht erwähnen.

Sowieso die Sticker. Diese Sticker sind mehrere Jahre alt. Sie wurden jetzt von Dresdener Seite als “Begründung” herangezogen. Es wird von Verteilaktionen vorm Stadion gesprochen und es klingt, als wären jeder/jedem Stadionbesucher*in mehrere dieser Aufkleber in die Hand gedrückt worden und sie wären dann gezwungen worden, diese im Stadion zu verteilen; Kinder wurden dabei bestimmt auch noch instrumentalisiert. Und jeder Person, die keinen Sticker haben wollte, wurde sicher auch noch sofortig der Zugang zum Stadion verwehrt. 
Wir haben davon jedenfalls gar nichts mitbekommen und den ganzen Tag keinen einzigen neuen Sticker gesehen außer den Awareness-Stickern. Aber auch bei denen finden die Dresdener*innen sicherlich auch noch irgendeinen Grund rumzuopfern, weil die Sticker bestimmt irgendwie gemein sind. Das Hintergrundbraun erinnert sicherlich daran, wie irgendwas irgendwann ausgesehen hat.
Es reicht also, dass ein einzelner Twitteruser ein Foto dieser Sticker hochlädt und ankündigt, diese vor dem Stadion zu verteilen, um hier eine riesige Geschichte aus nichts zu machen. 

Exkurs: Humanitäre Sticker

Die Sticker sind nicht bloß als “geschmacklose Provokation” zu sehen, wie es jetzt auch verschiedenste Wutpaulis auf unserer Seite postulieren. Und von Dresden fangen wir besser gar nicht erst an. 

„Wir weinten vor Freude, als wir den roten Schein am Himmel sahen. Dresden brennt, die Aliierten sind nicht mehr weit! Das war psychologisch ungeheuer wichtig für uns.“

Überlebende des Ghettos Theresienstadt

Wir stellen fest: 
Dresden wurde nicht inhumanitär angegriffen.
Andere deutsche Städte hat es schlimmer getroffen.
Der “Bombenkrieg der Alliierten“ war Teil des Zweiten Weltkrieges. Den die Deutschen begonnen hatten, und in dessen Kontext Millionen Menschen Opfer des nationalsozialistischen, faschistischen Weltbildes wurden. 
Der Krieg war am 13./14. Februar noch nicht beendet, sondern lief noch Monate weiter. 
Ein Großteil der Städte dieses Landes misst diesen Bombardierungen keine Besonderheit zu, sondern ordnet sie eben historisch ein, wie sie einzuordnen sind: eine Maßnahme der Alliierten, um den Zweiten Weltkrieg schneller zu beenden. 
Am 13./14. Februar gab es noch mehrere Millionen deutscher Soldaten, die nach wie vor mordeten. Warschau war gerade seit 4 Wochen befreit, Auschwitz seit 18, Budapest seit 2 Tagen. Deutsche Städte waren in nach wie vor nationalsozialistischer Hand und die Unterstützung durch die Bevölkerung war ungebrochen. Tausende Jüd*innen und Internierte der Konzentrationslager wurden zu diesem Zeitpunkt in Todesmärschen durchs Land getrieben. 

Wisst ihr, wann Hamburg bombardiert wurde? Habt ihr da jemals Trauermärsche mitbekommen?

Eben. Dresden ist die einzige deutsche Stadt, in der in dieser Massivität eine Täter-Opfer-Umkehr gesellschaftlich akzeptiert wird. In der immer wieder die deutschen Opfer prioritär beklagt werden. In der Ursache-Wirkung einfach umgekehrt werden. Diese Behauptung einer Singulärität ist auch deswegen indiskutabel, weil in dem Gedenken niemand ein Wort zu Gernika (baskische Schreibweise des Ortes) und Coventry verliert. 

Und gegen diesen zum Konsens gewordenen Faschismus stellen sich die kritisierten Sicker und die entsprechenden Transparente, die das Thema auch immer wieder aufgreifen. Reflexhafte Distanzierungen bringen genau niemandem was. Sondern im Gegenteil, sie stärken den Dresdener Konsens, der niemals Konsens werden darf.

Wenn wir “Nie wieder Deutschland” brüllen, dann meinen wir das genau so. Nie wieder Angriffskrieg, nie wieder Faschismus; gegen jede Geisteshaltung, die hierfür den Nährboden bietet. 

Überflüssige Statements

Und unsere Vereinsführung fühlt sich allen Ernstes noch bemüßigt, darauf einzugehen. Spitzenvorlage für das nächste rumopfernde Statement aus Dresden, wie gemein die bösen Paulis aber auch immer mit ihrer klar antifaschistischen Grundhaltung sind. Einfach mal nicht drauf eingehen, einfach ignorieren und wegatmen. 

Und dann auch noch “verhöhnender Darstellung von Bombenangriffen sind mit den humanitären Grundsätzen des Vereins nicht vereinbar” schreiben. Sie verhöhnen eben nicht die zivilen Opfer, sondern sie richten sich gegen die Täter-Opfer-Umkehr, die in Dresden jedes Jahr auf die Straßen getragen werden. Kaum ein Mensch in Fußballdeutschland oder linker Szene thematisiert unserer Kenntnis nach die Menschen, die bei Bombenangriffen auf andere deutsche Städte als Dresden ums Leben gekommen sind. Warum? Weil keine andere Stadt ein so bizarr verzerrtes Gedenken an den Zweiten Weltkrieg zelebriert. Zuerst war der Opfermythos, dann erst kam die – geschmacklich vielleicht nicht immer ganz so treffsichere – Kritik daran. Wer diese als Verhöhnung der Toten begreift, ignoriert den Kontext und interpretiert folglich schlicht falsch.

Warum die eigene Fanszene den rechten Trollen zum Fraß vorwerfen? Ist die Angst vor der DFB-Strafe so groß? (Wir haben doch genug Geld durch den Mats-Transfer, der so hervorragend intern aufgefangen wurde.) 
Man muss als Offizielle ja nun nicht sagen, dass man die Sticker als Reaktion auf den Dresdener Opfermythos gut findet. Auch wenn wir da nichts dagegen hätten. Aber man kann doch gottverdammtnochmal einfach mal nicht reagieren. Ein uns bekannter Mensch sagt immer, wenn sich ein Mitglied des Kollektivs zu sehr aufregt: “Unrat vorbei schwimmen lassen”, uns das wäre hier die sehr viel bessere Variante gewesen.

(Ja, irgendein Frankfurter Vizepräsident hat dazu was in einem Interview gesagt, was auch nicht so klug war. Aber von offizielle Vereinsseite ohne Absender wie bei uns haben wir da nichts gefunden.)

Insgesamt: Ebenfalls in jüngster Vergangenheit hat es sich als wenig sinnvoll erwiesen, vor rechten Shitstorms einzuknicken. Um nicht zu sagen, dass das Einknicken noch nie eine kluge Idee war.

Und ansonsten ziehen wir ab sofort bei jeder Auseinandersetzung außerhalb des Platzes irgendeine alte Aktion des Gegnervereins als Begründung hervor. Dann können wir ja einfach die öffentliche Diskussion darauf lenken. Für nächsten Samstag sind es dann Puppen, die von Autobahnbrücken hingen.

Heiligengeistfeld

Wir hatten vor dem Spiel die Faninfos für Dynamo zufällig gelesen. Da war das Heiligengeistfeld als Parkplatz für Gästefans ausgewiesen. Das ist natürlich auch eine super Idee. Und einige Dynamo-Irrlichter meinten auch, dort einen auf Hooligan machen zu müssen und vermummt Menschen anzugreifen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll das wohl in einem “So was kommt von so was” für die geendet sein. Kein Mitleid. Echt nicht. 

Off Topic: Unser Fanladen fügt den Infos für Auswärtsfans eine sehr ausführliche Erläuterung zu der VcA-Bechersammlung bei und das ist sehr cool. 

Solidarität, immer noch

Wir sammeln via PayPal Moneypool immer für die Braun-Weiße Hilfe. Zu den Gründen haben wir alles gesagt.