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Aug 032020
 

Verein und Fanladen haben am Freitag ein Positionspapier “Neuer Fußball” als Resultat der AG “Neuer Fußball” veröffentlicht. 

Wir können uns dem Papier inhaltlich allergrößtenteils anschließen, von wenigen unscharfen Formulierungen und einigen vielleicht zu vagen Passagen abgesehen. Es ist viel wichtiger, etwas in Bewegung zu setzen, auch wenn es hier und da Diskussionsbedarf nach sich zieht, als sich viel zu lange an Kleinigkeiten aufzureiben, damit das Ergebnis möglichst makellos würde.

Unsere Sicht auf das Positionspapier

Einiges mussten wir mehrfach lesen, wie z.B. “Privatisierung der Gewinne aus dem Fußballgeschäft“ vs. „Vergemeinschaftung der Kosten zulasten der Steuerzahler*innen“, gemeint ist hier in unserem Verständnis, dass Gewinne gerne mal an einige wenige fließen – beispielsweise in Form von hohen Prämien bei Gewinnen. Oder auch an mehrere in Form von Dividenden an Aktionär*innen. Wenn’s dann aber finanziell nicht so gut läuft, bezahlt die Sozialgemeinschaft gerne mal Stadien (Gruß nach Kaiserslautern) oder bürgt gleich für einen Verein, der sich selbst als „ganz normales Wirtschaftsunternehmen“ bezeichnet (Gruß nach Gelsenkirchen).

Einiges liest sich auf den ersten Blick komisch, bei „Externe Zuflüsse ohne entsprechende Gegenleistungen, wie Stimmenmehrheiten, sollen vermieden werden“ fehlt vermutlich noch mal der direkte Bezug zu 50+1 als sowieso unumrüttelbarer Eckpfeiler.

Gerade im Bereich „Risikomanagement“ wäre es aus unserer Sicht total geschickt gewesen, etwas tiefer einzusteigen. Da ja dieser Bereich gerade zum Problem für uns alle geworden ist – und da wäre dann auch die explizite Lösung über Rücklagenbildung aus unserer Sicht gut gewesen.

Schade aus unserer Sicht ebenso, dass das Thema “Mitglieder in Vereinen” nur recht oberflächlich betrachtet wurde, auch da hätte es noch Potential gegeben, einmal, um die absurden Konstrukte wie in Leipzig abzuwatschen, andererseits weil es da auch noch mehr Themen gegeben hätte, die man gerade als FC St. Pauli auch mal lautstärker in den Ligenverbund treiben könnte.

Und zum ganzen Komplex “Fernsehgelder” & gerechterer Verteilung kommt hier demnächst auch noch mal so ein bisschen mehr hier im Blog. Es sei so viel gesagt, dass “immer mehr Geld reinbuttern, damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt” auf jeden Fall nicht klappt. Irgendein Scheich, der das dann ganz schnell wieder verdoppelt, findet sich nämlich überall. Und auch: Dass Kalle und Uli da gerade so viel über Reformideen im Bereich Fernsehgelder schimpfen ist auch nur davon geprägt, dass die realisieren, dass sie Teil einer kleiner werdenden Gruppe sind, die den Status Quo gut finden & beibehalten wollen. Auffällig und gut, dass sich eben auch andere Mitglieder des DFL-Präsidiums, welches über die Fernsehgelder entscheidet, sich schon sehr explizit für eine Reform ausgesprochen haben. Und diese Entscheidung wird aus unserer Sicht eine wirklich wegweisende werden.

Wer ist die AG ”Neuer Fußball”?

Allerdings möchten wir mal ein anderes Thema beleuchten, welches uns in der Entstehungsgeschichte aufgefallen ist. Das legt jetzt so ein bisschen den Finger in die Wunde, sollte aber gerade im Kontext der inhaltlichen Forderungen des Papiers auch nicht außer Acht gelassen werden.
Die AG „Neuer Fußball“ besteht aus ”Vertreter*innen der organisierten Fanszene und des Fanladens“, so lesen wir in dem Begleittext zu dem veröffentlichten Papier. Und genau hier wollen wir ansetzen:

Rund um den FCSP gibt es eine Vielzahl von Initiativen, Bündnissen und Gruppierungen, die wir irgendwann in diesem Blog mal versucht haben, transparent aufzulisten, und dann ehrlicherweise daran gescheitert sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich rund um den FCSP eine Vielzahl von Gruppierungen gibt, die sich mal öffentlicher darstellen und in anderen Fällen eher nicht bekannt sind. 
Sei es nun das (mittlerweile eher inaktive) Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus, der AK Refugees Welcome oder das Netzwerk Gegengerade, der Fanclubsprecherrat oder der Ständige Fanausschuss.

Gemein ist diesen Aufgezählten, dass es eine direkte Möglichkeit gibt, diese jeweiligen Gruppierungen per Mail oder anderweitig zu kontaktieren und man sich auf den verlinkten Seiten zumindest einen ersten Überblick über diese machen kann.

Die AG ”Neuer Fußball” tritt zum ersten Mal im Kontext des veröffentlichten Positionspapiers auf und war zumindest uns bisher nicht explizit öffentlich bekannt. Eine Google-Suche zu “AG Neuer Fußball” führt dann als erstes in die Vorstadt, aber das ist noch mal eine andere Geschichte. 

Wir wissen nun, dass diese AG teilweise über den Fanladen koordiniert wird (das steht da) und dass der Ständige Fanausschuss (STFA) involviert ist (das wurde uns auf Nachfrage mitgeteilt). Ebenso wissen wir, dass sich die Teilnehmer*innen über genau diese Wege durch Ansprechen zusammengefunden haben. 

Was aber auch aufzeigt, wer unseres Verständnisses nach nicht stark involviert war: der Fanclubsprecherrat (FCSR) – als gewählte Vertretung der Fanclubs. Oder sie waren es und stehen dann aus unbekannten Gründen nicht als Unterzeichner*innen mit dabei. Vereinseitig war das Präsidium involviert, es fehlen in der Aufzählung: der Aufsichtsrat und die AFM als Vertreterin der passiven (zumeist fußballschauenden) Mitglieder.

Wie sagte eine kluge Person kürzlich: “Fanvertretungen beim FCSP kann man nur abendfüllend erklären”. Oder könnt ihr uns auf Anhieb erklären, was den FCSR vom STFA unterscheidet? Wer eigentlich alles gerade als Person bzw. als Gremium im STFA sitzt? Und wie man da reinkommt? Und wenn man reinwill, müssen die existenten Mitglieder zustimmen. Das hat sicher gute Gründe. Birgt dann aber eben auch Probleme. Ein paar Infos gibt’s oben auf der verlinkten Seite, mehr dann aber auch nicht. Und klar kann man wie beschrieben den Fanladen fragen – aber gerade in den letzten Wochen musste man bedingt durch Corona dazu eben ‘ne Mail schreiben oder das Telefon in die Hand nehmen, und konnte nicht mal ebenso auf eine Spezi vorbeikommen. Das ist ein Hürde für Menschen, das dürfen wir hier einfach nicht vergessen.

Nun gibt es mit Sicherheit Menschen, die sich zur aktiven Fanszene des FCSP zählen würden (was ja nun mal auch keine Mitgliedschaft ist, die man sich durch ein Aufnahmeritual erwirbt, sondern eine heterogene Gruppe von Menschen), die bis heute nichts von dieser AG und diesem Reformpapier gehört haben. Die aber interessiert gewesen wären, mitzuarbeiten – und die wahrscheinlich auch kluge Inhalte beizutragen gehabt hätten. Diese konnten sich aber nicht beteiligen, und das ist doof.

Das Maß zwischen offener Diskussion und “Überraschungseffekt”

Es ist klar, dass eine Debatte über “Neuen Fußball” in der aktuellen politischen Lage rund um den Profifußball nicht komplett öffentlich geführt werden kann. Die Veröffentlichung des Papiers kurz vor der DFL-Mitgliederversammlung ist mit Sicherheit bewusst gewählt. Stichwort: Überraschungseffekt.
Und wenn man diesen erreichen will, kann man natürlich auch nicht zu einer öffentlichen (Zoom-)Veranstaltung namens “DFL & DFB reformieren: Wo würdet ihr ansetzen” einladen. Und natürlich werden solche Diskussionen mit mehr Menschen auch immer aufwändiger und man muss ein gutes Maß zwischen “arbeitsfähig sein” und “möglichst viele mitmachen lassen” finden. Aber ein gewisses Geschmäckle von “Hinterzimmerentscheidung” bleibt hier.

Aber gibt es nicht einen Zwischenweg? 

Im Mai hat z. B. eine Onlineveranstaltung der “(M)ein Verein”-Reihe zum Thema Geisterspiele stattgefunden. In dieser wurde über die Arbeitsgruppe berichtet und in verschiedenen Kleingruppen dazu diskutiert. Wir haben teilweise auch an dieser Veranstaltung teilgenommen. In einigen Kleingruppen ging es dann explizit um das hier besprochene Positionspapier, in anderen stärker um die grundlegende Situation rund um die Geisterspiele. Die Veranstaltung war nicht öffentlich beworben, sondern Menschen wurden persönlich eingeladen. Solch eine Veranstaltung wäre aber doch ein tolles Mittel gewesen, eine breitere Basis der Fans und Mitglieder rund um den Verein über diese Gruppe zu informieren, und auch expliziter zur Mitarbeit aufzurufen. 

Weitere Ideen, die uns so auf die Schnelle kommen: Nutzung des FCSR-Verteilers, um die Fanclubs direkt anzusprechen. Einladungen zu (Online-)Veranstaltungen um Teilaspekte zu besprechen und ggf. hieraus Mitwirkende zu akquirieren. Ansprechen der anderen aktiven Gruppierungen und AKs, ob es dort Interesse an der Mitarbeit gibt. Hinweis auf die Arbeitsgemeinschaft im Blickpunkt sowie die Kontaktmöglichkeit angeben. Einbeziehung weiterer gewählter Gremien z. B. Aufsichtsrat und AFM. 

All dies betrachten wir auch im Kontext der Forderung, die sich im Papier selbst wiederfindet:
“Der Fußball mit seiner Geschichte und den damit verbundenen Werten ist untrennbar mit dem Grundgedanken eines eingetragenen Vereins verbunden. Nur in dieser durch Mitglieder gestalteten Vereinskultur konnte der Fußball zu dem werden, was er größtenteils in Deutschland heute noch ist. Wenn wir von den wenigen Vereinen absehen, die dieses Prinzip umgehen, ist es auch heute noch die von der überwiegenden Mehrheit gelebte Praxis.
Das zentrale Element in einem Verein sind die Mitglieder. Nur wenn die Mitgliedschaft im Verein für alle bezahlbar ist, gibt es die Möglichkeit eines echten Vereinslebens, welches nicht nur formales Alibikonstrukt ist. Eine realistische Möglichkeit zur Mitbestimmung und Teilhabe eines jeden Mitglieds muss daher verpflichtender Inhalt des Lizenzierungsverfahrens und sogar bonifiziert werden, da das demokratische Wesen eines eingetragenen Vereins als Arbeit an der Gesellschaft wertzuschätzen ist”.
 (Hervorhebungen durch uns)

Gut sind diese Forderungen in jedem Fall. Und gerade deswegen finden wir es wichtig, auf den Bruch zwischen Forderung und eigenem Vorgehen bei der Erstellung des Papiers hinzuweisen: Wenn wir von Vereinen reden, dann reden wir in erster Linie von Mitgliedern. Diese waren hier nur indirekt über das Präsidium repräsentiert. Und klar: Viele der Mitwirkenden in der AG sind sicherlich auch Vereinsmitglieder. Aber eben nicht durch diesen als Mitarbeitende demokratisch legitimiert. (Und klar ist das Präsidium demokratisch legitimiert, aber dann hätten sie ja das Papier auch alleine schreiben können.)

Welche Möglichkeit zur Teilhabe hatten in diesem Fall Vereinsmitglieder, die nicht die richtigen Leute kennen bzw. von diesen gekannt werden?

Und wer spricht dann wieder?

Für Montag 16:00 Uhr ist laut NDR eine Pressekonferenz angesetzt, in der auch noch mal weitere Einblicke gewährleistet werden sollen.

Und wer spricht für den Verein? “Präsident Oke Göttlich, der Fanbeauftragte Sven Langner und Henning Rennekamp”. 

Wer spricht nicht? Die ebenfalls am Prozess beteiligten Frauen. Es mag gute Gründen dafür geben. Doof ist das trotzdem.

Schulle sagte gestern bei der Pressekonferenz vorm Trainingsstart, dass er “ständige Weiterentwicklung und mutig sein” von den neuen Co-Trainer und von den Spielern erwarten. Und wenn er “das ganz groß aufziehe, dann sollten wir das vom ganzen Verein erwarten“.

Wir als Kollektiv erwarten diese ständige Weiterentwicklung, auch und gerade in diesem Bereich. Und wir hören nicht auf, auf diese Themen hinzuweisen, bis sowas dann eben einfach nicht mehr passiert.

Unser Fazit

Eine immer wieder genannte Hürde, die Leute von mehr Engagement im Verein abhält ist, dass es für einzelne schwierig sei, das Konstrukt FCSP zu verstehen und nachzuvollziehen, wer wofür zuständig ist, und wie man hier “reinkommt”. Gerade im Kontext von Mitbestimmung und Partizipation ist es immens wichtig, diese bestehenden Hürden abzubauen und Menschen die Beteiligung so einfach wie möglich zu machen. Wenn wir das in dem Positionspapier von anderen fordern, dann sollten wir als Verein da als allererstes bei uns selbst beginnen.

Hinterher ist man immer schlauer, auch das ist klar. Deswegen versteht das bitte auf keinen Fall als Kritik an den einzelnen beteiligten Personen. Sondern vielmehr als Denkanstöße für uns alle, wie wir diesen “Neuen Fußball” auch im FCSP noch stärker leben können. Und dazu gehört es dann auch lange bestehende Konstrukte zu hinterfragen, Sachen anzusprechen, die nicht ideal laufen, und eben auch mal den Finger in die Wunde zu legen. 

Zu allerletzt: Vielen Dank an alle Beteiligten! Es ist gut und wichtig, dass der FCSP sich zu diesem Thema äußert und klare Position bezieht.

Unser Tag wird kommen.

Jul 212020
 

Letzte Woche wurden durch DFL und DFB ein Konzept vorgelegt, wie unter Corona-Bedingungen eine Teilzulassung von Zuschauer*innen ermöglicht werden kann. Und während wir einzelne Themen auf Twitter schon (teilweise eher hitzig) diskutierten, ist jetzt noch mal der Zeitpunkt für uns gekommen, das ganze zu betrachten. 

Infektionsschutz ist am allerwichtigsten

Wir hoffen und denken, dass alle Beteiligten sich hier einig sind. Eine Risikominimierung ist am allerwichtigsten. Wir haben Corona – Stand jetzt – einigermaßen unter Kontrolle in Deutschland. Und das muss unbedingt so bleiben. Wir sprechen durchaus regelmäßig mit Menschen, die im nicht-europäischen Ausland in Hot Spots leben. Und wir alle wollen darauf verzichten, sowas zu erleben.
Niemand von uns will, dass weitere Infektionsherde sich irgendwann auf den Fußball zurückführen lassen. Infektionsschutz ist oberstes Gebot. Und unter diesen Rahmenbedingungen betrachten wir auch alle weiteren Aspekte.

Wie viele Zuschauer*innen sind ok?

Wir fangen gleich mit der schwierigsten Frage an und ja, die Frage ist bewusst so formuliert. Als FCSP haben wie eine Sondersituation, weil unseres Wissens nach in der letzten Saison 17 von 18 Wettbewerbsheimspielen (im Heimbereich) ausverkauft waren. Wir haben nicht das Problem vieler anderer Erst- und Zweitligisten, die diesen Zustand nur bei vermeintlichen Spitzenspielen hinbekommen und sonst auch mal eher mit komplett leeren Tribünen aufwarten. 
Zudem sind bereits mehr als die Hälfte der maximal möglichen Plätze (ca. 15.500 von 29.546) Tickets verkauft. In anderen Worten: Selbst wenn wir ein reines Sitzplatzstadion hätten, könnten nicht alle Menschen, die ein Ticket gekauft hätten, rein. Maik hat im MillernTon berechnet, dass ca 8.400 Zuschauer*innen ins Stadion könnten, wenn man die Maximalbedingungen des Konzeptes zu Grund legt. Überschlagen heißt das, dass etwa die Hälfte der Menschen, die jetzt bereits ein Ticket haben, bei Maximalauslastung ins Stadion könn(t)en. Und da ist noch niemand mit „normalerweise Saisonabo“ eingeplant. Das viele Menschen auch in unserem Umfeld nutzen, weil sie eben nicht seit x Jahren auf der Dauerkartenwarteliste stehen.
Uns ist klar, dass es auch sonst immer eine No-Show-Rate gibt. Und dass auch wir unter unseren Fans Risikogruppen haben, die den Weg in größere Menschengruppen eher scheuen werden, so lange kein wirklich wirksamer Schutz gefunden ist. Aber wir wollen zumindest mal anzweifeln ob das 7.000 Menschen sind.

Und dabei ist dann auch ein Teilaspekt: Wir kennen Menschen, die sonst immer beim FCSP sind und unter diesen Bedingungen es aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht machen können werden. Diese Menschen kommen in der Diskussion um eine Teilzulassung auch gefühlt leider gar nicht vor.

Alle oder kein*r

Es gibt Stimmen, die „alle oder keine*r“ sagen. Und wir können das emotional komplett nachvollziehen. Es wird kein Fußballerlebnis, wie wir das wollen. Vieles wurde bisher der Maxime „unbedingt weiterspielen“ untergeordnet. Die Fans in den Stadien, die Wochenende für Wochenende Fußball zu einem runden Ding machen, sind bisher komplett außenvorgelassen worden – wenn man von ein paar salbungsvollen Worten in deren Richtung absieht. Thema wurden sie erst, als sie dann an den letzten Spieltagen teilweise vor die Stadien kamen, sei es in Bielefeld, Stuttgart, Dresden oder Heidenheim. Nachdem die Vereine das stark befeuert hatten und es zuvor komplett ruhig geblieben war. Dies aber sowieso nur als Nebenbemerkung.

Und auch jetzt erscheinen sie eher als Beiwerk, um die Show auf jeden Fall weiterspielen zu lassen. Wir wissen um die wirtschaftlichen Zwänge. Aber die hätte man mit früherer und besserer finanzielle Vorbereitung auf gemeinschaftlicher Ebene auch deutlich besser abfedern können. Was nicht passiert ist. Und in Zukunft unbedingt passieren muss. 

Nun sind wir aber in dieser Lage, die nach wie vor für viele Vereine in erster und zweiter Liga existenzbedrohend ist. Und vor allem, bzw. eher für die e.V.-Vereine und nicht die Glitzerprodukte aus Wolfsburg, Leverkusen oder Leipzig. Die dann im Fall von VW mal eben und schön Kurzarbeit einführen (Geld der Sozialgemeinschaft), um im nächsten Schritt dann potentiell dem VfL wieder schön Geld reinzuspritzen. Kapitalismus, so geil, ne? Zu RedBull schreiben wir nichts, der Hausjurist liest solche Texte nicht und wir wissen nur, dass das wahrscheinlich justitiabel wäre.

Auf jeden Fall befinden wir uns jetzt in der Lage, dass gespielt werden „muss“, um die wirtschaftliche Insolvenz zahlreicher Vereine zu verhindern.
Wir persönlich haben eher keine Lust auf Spiele mit halbleeren Stadien, Sicherheitsabstand und ohne organisierten Support. Und diese Aussage ist eine maximale Untertreibung. Zum Fußball gehört für uns die Enge auf den Stehplätzen, der Support, das Gemeinschaftserlebnis. Das sich unter Corona-Bedingungen nur schwer einstellen wird. Und auch das ist maximale Untertreibung.

ABER: In unserem 2009 erarbeiteten Leitbild des FCSP steht auch: 
„Es gibt keine „besseren“ oder „schlechteren“ Fans. Jeder kann sein Fansein nach eigenem Gutdünken ausleben, solange dies nicht gegen o.g. Bestimmungen verstößt.“

Und das heißt auch, dass wir – nur weil Du und ich darauf eher geringen Bock haben – anderen nicht das Recht absprechen sollten, das Spiel so zu erleben, wie sie das wollen. Und wenn Leute auf Fußball im Stadion unter diesen Rahmenbedingungen Lust haben, steht es uns nicht zu, ihnen das nicht möglich zu machen, wenn es grundsätzlich möglich ist.
Zumal: Wir sind uns auch nicht sicher, was wir machen, wenn denn irgendwann die Frage kommt, ob wir ins Stadion wollen, oder ob wir unseren Anspruch nicht geltend machen wollen. 
Wir sind jedenfalls froh, dass bei uns bisher noch keine Debatte, um Stadionblockierung aufgekommen ist – und können unter diesen Bedingungen auch wirklich drauf verzichten.

Aufpassen!

In der der Debatte um die Rahmenbedingungen kommen viele Themen auf, die wir – aus gutem Grund – bisher pauschal für den FCSP ausgeschlossen haben: Personalisierung von Tickets (zur Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten), zusätzliche technische Geräte bei den Eingangskontrolle (zur Identifikation potentiell Infizierter) seien jetzt nur 2 Stichworte.

Wir hoffen, dass in all diesen Themenbereichen genau abgewägt wird zwischen dem nötigen Infektionsschutz und der Normalisierung von Sicherheitsmaßnahmen, die dann ganz unauffällig Einzug halten und nach Corona auch nicht mehr weggehen.

Nicht ohne Gästefans

In den letzten Tagen entwickelten sich mehrere Diskussionen auf Twitter zur Frage der Gästefans. Und der Brauseverein, der sowieso für genau das Gegenteil von Fußballkultur steht, hat dann auch schön fleißig schon mal ein Konzept vorgelegt, in dem Gästefans bewusst ausgeschlossen werden, die haben sich auch noch nicht mal die Mühe gemacht, da irgendwie eine halbwegs vertretbare Begründung zu erfinden. So erwartbar wie scheiße.

Wir haben da eine klare Haltung: 
So lange es infektionstechnisch vertretbar ist, sind Gästefans genauso elementarer Teil des Fußballs wie Heimfans.

Im Konzept (Seite 20) steht dazu:
„Sofern für den Umgang mit den statuarisch geregelten Kontingenten für Gästefans keine bundesweiten Verfügungslagen oder Vorgaben gelten, sind – vorbehaltlich etwaiger ligaweiter einheitlicher Festlegungen durch die Clubs auf einer Mitgliederversammlung/Ligaversammlung – Heim- und Gastclub angehalten, sich unter Maßgabe des jeweiligen örtlichen Stadionkonzeptes und der damit verbundenen Einhaltung aller Schutz- und Hygienemaßnahmen hierzu miteinander abzustimmen.“

Auch hier erinnern wir noch mal an unser Leitbild:
„Der FC St. Pauli wird weiterhin ein guter Gastgeber sein. Er gesteht seinen Gästen weitgehende Rechte zu, erwartet aber auch, dass dies entsprechend gewürdigt wird.“

Wir stellen dazu fest:
Gästefans pauschal auszuschließen ist scheiße. Wenn gewisse Landkreise unter Quarantäne gestellt werden, dann dürfen die Menschen, diesen Landkreis nicht verlassen. Das hat aber mit Fußball nix zu tun. 

Es gibt mehr als genug Fußballfans, die nicht am Standort ihres Vereins wohnen und regelmäßig zu den Spielen pendeln. Auch unter uns befinden sich Leute, die lange nicht in Hamburg gewohnt haben. Die Anreise ist natürlich ein gewisser Risikofaktor, den man berücksichtigen muss. 

Aber: Wir dürfen in Deutschland Zug fahren (unter Sicherheitsbestimmungen, wie Maskenschutz, auf den aber diverse Menschen auf der letzten Fahrt auch geschissen haben), es gibt Autos, organisierte Busreisen sind wieder möglich. Warum ist das für „normale“ Menschen ok, für Fußballfans aber nicht?

Wir überspitzen: Der mit dem Zug anreisende Junggesell*innenabschied auf der Großen Freiheit ist ok, Fußballfans aber nicht? Und nein: Wir wollen auch keine Fans, die sich so verhalten. Aber guckt mal, auf wessen Seite ihr dann argumentiert, wenn ihr sowas Fußballfans pauschal zuschreibt.

Gilt für die Heimfans, die weiter weg wohnen dann auch, dass sie nicht kommen dürfen? Und klar wird das auch eher keine Anreise „wie sonst immer“ sein. Aber pauschal verbieten muss man sie nicht. Zumal das Argument spätestens bei den Stadtderbys ad absurdum geführt wird.

Dresden befindet sich nicht mehr in der Liga, insofern ist die Gefahr für Gästefans, die sich komplett danebenbenehmen, deutlich verringert. Und glaubt ihr ernsthaft, bei uns gibt’s nur coole Leute, die sich an alle Regeln halten und bei unseren Gegner nur Arschlöcher, die drauf scheißen? Und was machen wir mit den 3 Leuten, die bei uns auf alles scheißen, anders als mit den 3 Leuten im Gästeblock?

Und ja, das zieht noch mal 10% der möglichen Plätzen für „unsere Leute ab“. Aber auch ”unter Normalbedingungen“ ”verhindern“ Gästefans halt auch, dass noch mehr FCSP-Fans ins Stadion dürfen.
Zumal zu einem integren Wettbewerb, der ja als Schlagwort genutzt wird, eben eine Anwesenheit von beiden Seiten gehört. Und – und damit kommen wir zur Überschrift zurück – wir sehen jetzt schon, wie dieser Präzedenzfall dazu führt, dass unangenehme Gästefans dann eben nicht mehr willkommen sind.

Wir spielen ja (hoffentlich) nie wieder gegen Dresden. Aber falls doch: Wie schön kann man dann in Dresden FCSP-Fans mit vermeintlicher Gefahrenabwehr verhindern? Ging doch bei Corona auch.

Steh- und Sitzplätze?

Ein “Problem” – und zwar Problem nur in dieser pandemischen Lage – ist unsere hohe Anzahl an Stehplätzen. Da diese in Sicherheitskonzepten deutlich geringer ausgelastet werden dürfen, als die Sitzplätze. Es gibt nun angebliche Möglichkeiten, (einen Teil) der Stehplätze in Sitzplätze zu verwandeln. Kostet natürlich erst mal, soll dann aber wohl auch recht schnell kostendeckend sein, wenn noch weiter nicht vor komplett vollen Rängen gespielt wird.

Wir als Kollektiv befinden uns auf der Stehtribüne, sitzen beim Zuschauen nur, wenn wir in ner Kneipe gucken und verstehen die Argumente beider Seiten. Wir sind da also recht unentschlossen, ob das Sinn macht oder nicht. Da haben Menschen sicher genauere Zahlen, die dann die Entscheidungsgrundlage sind.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie du das auch mit der hohen Zahl an Stehplätzen machst. Teilst Du die Leute, die jetzt ein Ticket haben, in kleinere Gruppen (nach Tribüne und Ticketart zB) ein und vergibst daraus die Kontingente? Würde soviel heißen, dass die Leute mit Sitzplatz-DKs deutlich öfter ins Stadion gehen können, als die Leute mit Stehplatz-Tickets. Fänden wir nur so semigeil. 

Aber wie machste das dann finanziell? Stehplätze lohnen sich finanziell einfach nicht so sehr, gerade wenn du Menschen mit Stehplatztickets dann ohne Aufpreis auf die Sitzplätze lässt. Und die andere Seite: Nicht jede*r mir Stehplatzticket kann sich den Aufpreis auf den Sitzplatz leisten. 
Hier werden auch schwierige Entscheidungen zu treffen sein, zumal wir davon ausgehen, dass ggf. auch nicht alle auf ihre angestammten Tribünen können.

Wie verteilst Du die Tickets?

Es ist ziemlich klar, dass nicht alle, die wollen, ins Stadion werden gehen können. Uns ist wichtig, dass es hier ein möglichst transparentes und faires Verfahren zur Verteilung geben wird. Per „kontrolliertem“ Losen oder ähnlichem. Und trotzdem wirst Du nicht verhindern, dass die eine dann das Derby zugelost bekommt und die andere das Heimspiel gegen Sandhausen. Man muss und kann das bestmöglich regulieren, aber komplette Gleichheit wird man nicht schaffen.

Das liebe Geld

Als kommunistisches Propagandamedium reden wir wirklich nicht so gerne übers Geld. Das wisst ihr. Aber komplett wäre dieser Beitrag ohne eben auch nicht. Also wollen wir mal:
Wir haben für irgendeinen älteren Beitrag mal ausgerechnet, dass uns pro Heimspieltag ohne komplett volles Stadion eine knappe Million € fehlen. Wir finden den Beitrag gerade nicht, das können auch 300.000€ mehr oder weniger sein und Details haben die Verantwortlichen beim Verein mit Sicherheit. Aber das ist die Größenordnung, in der wir rechnen. Anders gesagt: 5 Mats-Transfers, wenn wir eine ganze Saison ohne Zuschauer*innen spielen. Und das ist eine verdammt große Zahl. Überlegt doch mal, wie wir mit 5 Matsen dastünden!

Insofern ist es – wenn die DFL mehrheitlich spielen will – simpel und einfach auch eine Frage, ob man es sich leisten kann, dann eben keine Zuschauer*innen reinzulassen. Klar ist auch, dass es bei Teilzulassungen natürlich auch um geringere Summen geht, als in einer „normalen“ Saison.

Die Kosten gehen hoch, die Einnahmen runter. Einfaches Ding. Und trotzdem möchten wir zumindest erwähnen, dass wir es bisher nach unserem Wissen geschafft haben, sehr sozialverträglich mit den Folgen der Krise umzugehen. Stichworte: Bewusster Einsatz von Kurzarbeit, keine betriebsbedingten Kündigungen, etc.

Und um das auch weiterhin zu schaffen und gleichzeitig in der Liga konkurrenzfähig zu sein, brauchen wir dann eben einfach Einnahmen. Und auch wenn wir davon nicht die größten Fans sind, lohnen sich halt insbesondere Logen in so einem Kontext doch einfach mehr als so ein einfacher Stehplatz. Und wir reden hier wirklich nur übers finanzielle, und ja, “nicht größte Fans” ist eine Untertreibung. Und wenn das berücksichtigt wird, um andere schwierige soziale Folgen abzufedern, dann können wir das zumindest verstehen.

Fragen, die bleiben

  • Warum arbeiten gefühlt alle auf Quartal 1 2021 hin? Wir haben zumindest noch nirgendwo gelesen, dass der Impfstoff (wenn es den überhaupt geben wird) genau dann fertig ist und Fußballfans genau dann alle wieder ins Stadion können.
  • Was machen wir alle zusammen bloß mit den Leuten, die jetzt im Volkspark spielen wollen? Wir sind da echt ratlos.
  • Warum werden die feiernden Horden auf dem Schulterblatt (500m vom Stadion entfernt) Abend für Abend geduldet, während Veranstalter*innen ausführliche Konzepte schreiben müssen?
  • Wie sehr freut ihr euch auf das erste richtige Spiel? Mit allen, wie vorher. 

Unser Tag wird kommen! Tiocfaidh ár lá!

Jul 122020
 

oder: Wir haben einen Trainer

Sonntagmorgen, ausgeschlafen, Kaffee im Bett – und die FCSP-Timeline dreht durch: Der Verein meldet tatsächlich eine Entscheidung bei der wochenlangen Suche nach einem neuen Cheftrainer. Aber mal ehrlich: Glaubt ihr, die hätten in den Wochen nur Däumchen gedreht? Es las sich teilweise danach. Der neue Mensch an der Seitenlinie heißt jedenfalls Timo Schultz und ist ein mehr als guter alter Bekannter. Aber wem erzählen wir da etwas Neues! Schließlich fiel der Name schon diverse Male in den vergangenen Wochen. Ein Paukenschlag ist Schulles Cheftrainerposten nicht.

Die Loide vom Millernton waren die ersten Streber*innen, die ausführlich zu der Neubesetzung geschrieben haben. Es wurde schon alles gesagt, nur nicht von uns? Fast, aber ein paar eigene Gedanken haben wir aber natürlich dazu.

Zunächst einmal: Herzlich willkommen auf der Cheftrainer*innen-Bank, Schulle! Wir finden dich gut, wir freuen uns auf dich, wir glauben an dich. Wir wollen mit dir aufsteigen und international spielen, bescheiden wie wir sind.

Man könnte jetzt viel Wasser in den Wein kippen. Ist Schulle nur zweite (oder dritte oder vierte) Wahl gewesen und hat aus reiner Not den Zuschlag bekommen? Natürlich möglich, wissen wir nicht. Dürften aber viele so interpretieren. Wird aber keine*n mehr interessieren, wenn sich Erfolg einstellt. Daran – und vor allem daran – sollte der neue Cheftrainer gemessen werden. Seht es uns nach, aber nach den vergangenen Kacksaisons ist uns “schöner Fußball” scheißegal. Wir sollten nicht so tief da unten stehen. Wir haben besseres zu tun als Abstiegskrampf. Also muss Zählbares oberste Prämisse sein. Zugegeben, auf faires Verhalten gegenüber Spielern und eine einigermaßen vernünftige Darstellung nach außen legen wir wert. Aber da wir Schulle schon eine Weile kennen, machen wir uns darüber keine Sorgen.

Und Loide, jetzt mal ehrlich: Gerade wenn sich Schulle gegen die vier, fünf anderen Kandidat*innen durchgesetzt hat, spricht das doch für sich. Für uns heißt das: Man hat sich sorgfältig umgeguckt und dann guten Gewissens für diese Variante entschieden. Und nicht – wie es mitten in der Saison der Fall ist – auf die Verlegenheitslösung zurückgreifen müssen.

Nothing to lose

Ein Eigengewächs also. Die Nachteile liegen auf der Hand: Timo Schultz hat nicht zig Jahre Erfahrungen als Trainer im Profifußball und kein großes Netzwerk außerhalb des Vereins. Er muss schauen, wie er seinen ganz eigenen Weg mit der Mannschaft findet. Wer den ganzen Bums schon seit langer Zeit kennt und mitbegleitet, scheut sich vielleicht auch mehr als Leute von außen vor unpopulären Entscheidungen, um lange gepflegte Beziehungen nicht zu belasten. Das kennen sicherlich viele von euch aus dem eigenen Berufsleben. Ein*e Aufsteiger*in aus den eigenen Reihen wird immer mit anderen Maßstäben gemessen als jemand, der*die von außerhalb kommt und einen großen Erfahrungsschatz mitbringt. 

Und dann ist da noch die Eigendynamik des Profifußball-Trainer*innendaseins: Schulles Entscheidung, die Beförderung anzunehmen, ist damit auch die erklärte Bereitschaft, sich hier die Finger zu verbrennen und es sich mit dem gesamten FC St. Pauli zu verscherzen. Unser Cheftrainer*innenposten ist ja nun in den vergangenen Jahren nun wirklich kein bequemer Sessel gewesen. Allzu viel Geduld bei Erfolglosigkeit kann Timo Schultz nicht erwarten. Aber das ist Berufsrisiko als Fußballtrainer*in, relativ egal wo.

Wir glauben jedenfalls, dass Schulle als Chefcoach eine gute Idee ist. Als Grund gehört auch dazu, das muss man mal so knallhart sagen, dass es da keine wesentlich bessere Alternative gibt. Nun kennen wir natürlich nicht jeden Namen, der jemals irgendwo auf irgendeiner Liste stand. Aber dass es seit der Trennung von Luhukay eine Weile bis zur Verkündigung des Nachfolgers gebraucht hat, sagt einiges aus. Und das kann natürlich daran liegen, dass der Trainer*innenposten bei uns – nach der Historie der letzten Jahre – auch schon mal attraktiver war. Dafür liefen die vergangenen Jahre zu mies. Andererseits: Es gehen auch immer noch Leute als Trainer zum H$V. Uns das ist sowieso und immer unattraktiv. Mancher hat sich hier schon die Zähne ausgebissen, um es milde auszudrücken. Und da hat Schulle als Mensch mit langjähriger FCSP-Erfahrung den deutlichen Vorteil, dass alle wissen, worauf sie sich einlassen. Für Schultz ist das Risiko höher als für den Rest des Vereins. Und dabei wollen wir auch nicht aus den Augen lassen, dass der Vizepräsident, der in den letzten knapp sechs Jahren für das Sportliche zuständig war, jetzt seit zwölf Tagen nicht mehr da ist. Und somit auch eine Stimme fehlt, die die letzten Entscheidungen prägte. Und dass das aber eben auch heißt, dass das der sechste Trainer unter Oke ist. Wir sagens mal so: Die Chancen auf eine Wiedernominierung (wenn er es denn selbst will) steigen nun nicht unbedingt, wenn der Trainer jetzt floppt.

Kein Allheilmittel, aber wir freuen uns trotzdem

Fußballfans neigen dazu, sehr viel an der Personalie des*der Trainer*in festzumachen. Womöglich wird diese Position manchmal sogar überbewertet. Der Einfluss ist dann eben doch begrenzt, denn an Faktoren wie den individuellen Eigenheiten der Spieler und speziellen Strukturen im Verein kann er*sie auch nicht alles ändern. Und so sollte sich niemand die Hoffnung machen, dass jetzt alles ganz anders wird. Stichwort Kaderplanung, damit steht und fällt die neue Saison. Und machen wir uns nichts vor: Die Kaderplanung wird die letzten Wochen vorangeschritten sein, wenn man denn ein sportliches Konzept hat. Das scheint man zu haben – wir nennen es mal aktiver Offensivfußball. Auf jeden Fall: Mit diesem Konzept wird man parallel nach Trainer und Spielern gesucht haben und nicht jetzt erst mit der Spielersuche beginnen.

Aber: Die Freude und die Zuversicht in der Fanszene sind unübersehbar. Ganz überwiegend steht das Umfeld des FCSP dieser neuen Konstellation positiv gegenüber. Und verdammtnochmal, das brauchen wir jetzt auch! Lasst uns noch mal kurz festhalten, wo wir uns gerade befinden: Nach einer weiteren wirklich miesen Saison (Ausnahmen – DERBYSIEGE!!! – werden nicht vergessen) stecken wir noch immer tief in der Coronakrise. Das ist niederschmetternd für uns als Fans, das ist aber auch nicht zuletzt für die Gesundheit des Vereins von einschneidender Bedeutung. Da werden keine Fuffis in den Club geschmissen. (Auch das kann ein Argument für eine elegante interne Lösung bei der Neubesetzung des Trainer*innenpostens sein.) Bis wir wieder ins Stadion können und sich Fußball wieder so anfühlt, wie wir es gewohnt sind, wird noch viel Wasser die Elbe herunterfließen.

So, und jetzt haben wir mit Schulle als Cheftrainer eine Lösung, die sich viele so gewünscht haben. Neunmalkluge Fußballexpert*innen wissen vielleicht schon ganz genau, ob das für den sportlichen Erfolg die allerbeste Idee war oder was man hätte anders machen können. Wir jedenfalls freuen uns und sind guter Hoffnung, dass es zumindest nicht schlimmer wird. Forza!

PS: Schulle hat als U19-Trainer zwei Derbysiege gegen den H$V eingefahren. HAMBURG BLEIBT BRAUN-WEISS!
(Über das andere Spiel verlieren wir einfach kein Wort.)

Jul 072020
 

Anmerkung des Kollektivs: Neben dem gestern verkündeten Besetzungswechsel konnten wir auch noch eine Gastautor*innen gewinnen, die regelmäßig unregelmäßig hier veröffentlichen werden. Und hiermit machen wir heute den Anfang. Autor*in ist dem Kollektiv bekannt und von diesem sehr geschätzt.

Mächtig gewaltig.

Schön guten Tag Herr Amin, Sie lehnen also jegliche Form der Gewalt ab? Ich zitiere: „Ich lehne jegliche Art der Gewalt und deren Androhung kategorisch ab.“

Das ist sehr löblich für Sie. Ich sehe eine Europafahne in Ihrem Twitter-Profil? Und Ihre Twitterbio sagt: „Mensch der #Mitte. Für #FDGO, gegen jeden #Extremismus, für #Toleranz, #Vielfalt und #Humanismus.“

Und dann pinnen Sie noch einen Tweet an, in dem Sie ein unbedingtes Bekenntnis zur FDGO fordern?

Ich habe ja Sympathien für Ihre gutbürgerliche Existenz, bin ich doch auch in einem Vorort aufgewachsen und hielt mich für wild, als ich die Grünen wählte. Und ich mag auch das Musical „Hair“ und Liebe, Blumen und Frieden.

Aber ich muss Sie leider enttäuschen. Zwar mag Ihre Fassade bürgerlich sein, vielleicht sehen Sie sich selbst als Mensch der Mitte und Freund der freiheitlich demokratischen Grundordnung, aber aus der Fremdwahrnehmung des Verfassungsschutzes sind Sie leider ein staatszersetzender Anarchist. Wir müssen Sie deswegen leider beobachten und in die Datei Linksradikal aufnehmen.

Ich sehe ihr erstauntes Gesicht und es ist für Sie vielleicht ein Schock, daher lassen Sie mich Ihnen kurz unsere Entscheidung erläutern.

Sie lehnen jegliche Art der Gewalt und deren Androhung KATEGORISCH ab? Das haben Sie selber geschrieben. Dabei ist Gewalt ein Kernbestandteil der von Ihnen angeblich (wahrscheinlich zur Tarnung ihres Radikalismus!) unterstützten FDGO. Lassen Sie mich dazu aus der sogenannten „NPD-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichts (Urteil vom 17.01.2017 2 BvB 1/13; es wird aus den Leitsätzen zitiert) zitieren:

„3. Der Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne von Art. 21 Abs. 2 GG umfasst nur jene zentralen Grundprinzipien, die für den freiheitlichen Verfassungsstaat schlechthin unentbehrlich sind.
a) Ihren Ausgangspunkt findet die freiheitliche demokratische Grundordnung in der Würde des Menschen (Art. 1 Abs. 1 GG). Die Garantie der Menschenwürde umfasst insbesondere die Wahrung personaler Individualität, Identität und Integrität sowie die elementare Rechtsgleichheit. 
b) Ferner ist das Demokratieprinzip konstitutiver Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Unverzichtbar für ein demokratisches System sind die Möglichkeit gleichberechtigter Teilnahme aller Bürgerinnen und Bürger am Prozess der politischen Willensbildung und die Rückbindung der Ausübung der Staatsgewalt an das Volk (Art. 20 Abs. 1 und 2 GG).
c) Für den Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind schließlich die im Rechtsstaatsprinzip wurzelnde Rechtsbindung der öffentlichen Gewalt (Art. 20 Abs. 3 GG) und die Kontrolle dieser Bindung durch unabhängige Gerichte bestimmend. Zugleich erfordert die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit des Einzelnen, dass die Anwendung physischer Gewalt den gebundenen und gerichtlicher Kontrolle unterliegenden staatlichen Organen vorbehalten ist.“

Ich sehe Sie zittern. Soviel Gewalt in so wenig Sätzen! Staatsgewalt! Die dann auch noch vom Volke ausgeht. Ist Ihnen eigentlich klar, dass sie Teil dieses Volkes sind? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie ein Problem mit dem Begriff „Staatsvolk“ haben, aber nach dem Grundgesetz sind Sie Teil davon. Ob Sie wollen oder nicht: Sie üben jeden Tag Gewalt aus.

Glauben Sie uns immer noch nicht? Immerhin verprügeln Sie ja niemanden! Aber vielleicht haben Sie da auch einfach Gewalt falsch verstanden. Gucken wir doch mal bei Google nach dem ersten Link:

„Gewalt werden Handlungen, Vorgänge und soziale Zusammenhänge bezeichnet, in denen oder durch die auf Menschen, Tiere oder Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend eingewirkt wird. Gemeint ist das Vermögen zur Durchführung einer Handlung, die den inneren oder wesentlichen Kern einer Angelegenheit oder Struktur (be)trifft.“

Sie lehnen also Gewalt kategorisch ab? Wie bekommen Sie eigentlich die Tür auf? Oder wie fahren Sie Auto? Denn auch da wird die Luft (ein physikalischer Gegenstand!) mit physikalischer Gewalt (!) zur Seite gedrängt.

Und das lehnen Sie alles kategorisch ab? 

Aber das wollen Sie doch gar nicht ablehnen? Es geht Ihnen doch um was Anderes? Um die politische Gewalt! Und diese schlimmen Straßenschlachten?

Ah, ich merke, Sie widersprechen sich. Das ist nicht sehr glaubwürdig. Man wird ihnen beinah eine Schutzbehauptung unterstellen müssen. Ah, Sie meinen die strafbare böse Gewalt! Soll ich Ihnen das glauben? Ich glaube nicht.

Gucken wir uns das doch mal juristisch an. Gewalt, so sagt die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes und des Bundesverfassungsgerichts, ist jede körperlich wirkende durch die Entfaltung von Kraft oder durch eine physische Einwirkung sonstiger Art, die nach ihrer Zielrichtung, Intensität und Wirkungsweise dazu bestimmt und geeignet ist, die Freiheit der Willensentschließung oder der Willensbetätigung eines anderen aufzuheben oder zu beeinträchtigen.

(Liebe Lesende, lesen Sie diese Definition bitte dreimal und beschließen Sie dann vollkommen zu Recht, dass niemand, aber wirklich NIEMAND Jurist*innen braucht. Und falls Sie zu diesem Schluss noch nicht gekommen, sind überzeugen wir sie etwas später im Text.)

Was ist da nicht erfasst? Richtig! Die Zerstörung von Sachen! Dies ist zwar strafbar (§ 303 StGB z.B.), aber es ist eben keine juristische Gewalt. Auch die Plünderung ist juristisch keine Gewalt.

Wir sind verwirrt! Also so einen Bullenwagen klauen (keine Gewalt, wenn der/ die Fahrer*in gerade nicht anwesend ist) und die Innenstadt demolieren ist für Sie also okay? Was, auch nicht? Sie widersprechen sich schon wieder!

Sie haben ja kein Problem damit, wenn man protestiert, aber diese Plünderungen sind doch viel zu weit gehende Gewalt.

Wissen Sie was Gewalt laut Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist? Eine Sitzblockade! Ihre friedlichen Protestierer, die Ghandis dieser Welt, die Dr. Martin Luther Kings, sie alle übten Gewalt aus! Gewalt z. B. in Form einer Sitzblockade.

(Liebe Lesende, Sie wissen natürlich, dass weder Ghandi noch Dr. King biblische Figuren waren, und Sie wissen natürlich auch, dass beide nicht unter deutsches Recht fallen!)

„Aber das kann doch nicht wahr sein!“ rufen Sie aus! Doch, und die Begründung des BVerfG wird Sie überraschen! Klicken Sie hi… äh halt, Entschuldigung, falscher Film. Wo waren wir? Ah ja, bei der 2. Sitzblockadeentscheidung des BVerfG (1 BvR 388/05) hat das Bundesverfassungsgericht es als Gewalt im Sinne des § 240 StGB (Nötigung) angesehen, bzw. die juristische Auslegung der Strafgerichte akzeptiert, dass eine Sitzblockade einer öffentlichen Straße Gewalt sei, weil der sitzblockierende Mensch die erste Reihe an Autos als Werkzeug nehme um die zweite (und folgende Reihe) mittels einer physischen Sperrwirkung am Weiterfahren zu hindern und damit physischen Zwang gegen diese auszuüben (sogenannte Zweite-Reihe-Rechtsprechung). Weil gegenüber der ersten Reihe sei es ja nur psychische Gewalt, denn die/der betroffene könne ja ohne weitere über die Demonstrat*innen rüber fahren. Er würde sie halt nur töten. 🤷‍♀️🤷‍♂️🤷

(Liebe Lesende, Jurist*innen, ne? Braucht kein Mensch! Seien sie nebenbei vorsichtig: Diese Rechtsprechung wird gerne mal falsch zitiert, eine Sitzblockade bleibt in D weiterhin ein juristisches Risiko. Nutzen Sie sie natürlich trotzdem in geeigneten Fällen.) 

Sie sehen also: Sie würden Sitzblockaden also ablehnen und Plünderungen befürworten! Aber Staaten ablehnen!

Wir verkürzen nun mal, Herr Amin, Sie lehnen friedliche entspannte Sitzblockaden ab, wollen geplünderte Innenstädte und mit der Staatsgewalt haben Sie es auch nicht so. Wir können uns nicht helfen, aber wenn wir Herrn Seehofer nur diese Merkmale mitteilen würden, würde der wohl sagen „Linksextremist“! 

Ach, so meinen Sie das gar nicht? Das ist Ihre einzige und beste Ausrede? Sehr glaubhaft ist das nicht!

Sie wollen nur das Gewaltmonopol beim Staat? Notwehr? Oder auch Art. 20 Abs. 4 Grundgesetz? Wollen Sie alles nicht? Es wird immer komischer.

Sowieso dieses Gewaltmonopol beim Staat, das ist doch auch mal interessant. Diesen Mietendeckel (klassische staatliche Gewalt), den finden Sie ja anscheinend nicht so cool. Da berufen sie sich auf Recht und FREIHEIT? Ja was denn nun? Schon wieder erwischen wir Sie dabei, dass Sie das Grundgesetz nicht so wichtig finden, wie es Ihnen anscheinend ist.

Sollen wir Ihnen denn noch irgendwas glauben? „Eigentum verpflichtet“, schreibt dieses. Ja, diesen kleinen Satz kann man überlesen. Das Bundesverfassungsgericht schreibt zu diesem Satz: „Hierin liegt die Absage an eine Eigentumsordnung, in der das Individualinteresse den unbedingten Vorrang vor den Interessen der Gemeinschaft hat.“ (Zitiert nach BVerfG 242/91 Urteil vom 16.02.2000.)

Gewalt! Gewalt! Ja, es ist ein schwieriges Thema, Herr Amin. Wir sind ja noch gar nicht bei dem soziologischen Gewaltbegriff. Und bei den Ursachen von Gewalt. Denken Sie nur an Diskriminierung oder die Ausgrenzung an politischer Teilhabe! Gucken Sie sich mal den Hamburger Senat an. Da finden sie niemanden, der nicht Peter oder Katarina heißt! Das ist beinah schon juristische Gewalt, wie oben beschrieben. Wir hier in Hamburg haben unfassbar viele Menschen mit dem, was viele „Migrationshintergrund“ nennen.

Wobei der Marineoffizier d. R. Kazim letztens „Migrationsvorteil“ als Bezeichnung ins Spiel brachte. Und wir wollen ihm hier mal nicht widersprechen. Wobei Marineoffizier? Bundeswehr? Das ist Gewalt, das ist nichts für Sie. Aber im Senat repräsentiert? Werden diese Menschen trotz ihres Vorteils nicht. Da gibt es nur Kartoffeln, Kartoffeln und Kartoffeln. Da wird man doch gewalttätig, oder? Jeden Tag das gleiche Essen? Mit dem gleichen Blick in das gleiche Kartoffelgesicht? Langeweile, sagt man, führt zu Gewalt. Das können wir mit Blick auf den Hamburger Senat nur bestätigen.

Herr Amin! Wissen Sie was? Sie sind ein Mann, das macht sie ja gleich noch suspekter! Denn Gewalt ist häufig genug männlich!

Aber Sie lehnen weiterhin jegliche Gewalt kategorisch ab? 

Sie sind ein Anarchist! Gucken Sie bei Wikipedia! Anarchie ist die Abwesenheit von Herrschaft. Herrschaft ist geprägt dadurch, dass sie sich durch Gewalt (Staatsgewalt!) manifestiert.

„Chaos und Anarchie!“ rufen Sie aus? Und meinen die Zustände in Stuttgart? Wenn überhaupt wäre das Anomie und auch dies, lieber Herr Amin, liegt nicht vor, wenn ein paar Jugendliche ein paar Bullenwagen demolieren. Das hat im Notfall ihr Vater schon bei den Rolling Stones in der Ernst Merck Halle gemacht. Ist davon die Welt untergegangen? Nein! Hat ihr Vater „die Republik aufgebaut“? Wahrscheinlich Ja! Es waren halt seine Streetfighting Years! (Oh ne, das waren die Simple Minds)

Lieber Herr Amin, liebe Lesende, ganz vielleicht ist es besser, wenn Jugendliche in ihrer Frustration mal ein paar Supermärkte und eine Bullenwanne smashen, dann auch mal einen „zwischen die Hörner“ bekommen (und das ist was anderes als „härteste Strafen!!!!!!!“ und die damit verbundene lebenslange Stigmatisierung), als wenn sie Nazi werden und Menschen ermorden. Gucken Sie sich einfach an, was aus den Rolling-Stones-„Krawallmachern“ und „Rowdies“ geworden ist, die damals 1965 aus einer „dumpfen Empörung gegen alles“ randaliert haben? (Zitate laut NDR).

Heute sind das Manager*innen, Ärzt*inne, Museums-Betreiber*innen. Stützen in der Mitte der Gesellschaft. Aber mit dieser haben Sie es ja nicht so, Herr Amin. Und die Stones selber? Bestechen Bezirksämter, anstatt als Bad Boys Konzerthallen zu zerlegen oder einfach ein illegales Konzert zu geben. Wir singen traurig was davon. 

Was halten Sie eigentlich von Nazi-Gewalt, Herr Amin, Sie sind in diesem Zusammenhang immer so erstaunlich ruhig?

(Bio und Zitate sind aus einem echten Twitteraccount, der Name ist leicht verfälscht. Die Zitate stimmen, das Gespräch ist natürlich fiktiv. Die Überschrift ist der wunderbaren Olsenbande entnommen.)

Jul 062020
 

Liebe Lesenden,
in unser eigenen Sommerpause haben wir auch weitere personelle Veränderungen zu vermelden. Doch lassen wir diejenigen selbst sprechen! 

Ein Abgang …

Sollten sich eines wunderbaren Tages Philolog*innen dem Wirken dieses Blogs widmen, würden sie feststellen, dass eine Stimme schon länger in den Texten fehlte. Dies ist die meine und daher möchte ich folgerichtig meinen Abschied von MagischerFC.de bekanntgeben.

Das ist – wie angedeutet – ein Entschluss, der sich länger abzeichnete und nichts mit plötzlichen Zerwürfnissen, dem mangelnden Zugang zu Fußball während einer globalen Pandemie oder der Trennung des FCSP von meinem engen, persönlichen Freundes Jos Luhukay zu tun hat.

Tatsächlich empfinde ich persönlich mittlerweile eher ein starkes Desinteresse an Fußball als Sport und den deutschen Profiligen als Institution. Die Tage, in denen ich großen Spaß daran hatte, auf transfermarkt.de Oberliga-Kader zu studieren sind zwar ohnehin schon lange vorbei, aber wenn in den letzten Wochen die stärkste Emotion eine müde Schadenfreude über die letzten beiden Spiele des hsv war, dann ist das keine gute Basis weiter über Fußball schreiben zu wollen.
Und wann oder ob die Fanszenenkultur zurückkehrt, ist angesichts der Public-Health-Situation ja noch mal eine ganz andere Frage, die mich auch nicht gerade optimistisch zurücklässt.

Ich wünsche den verbleibenden Mitgliedern des Redaktionskollektiv alles Gute und viel Kraft beim Weiterführen dieses mir nach wie vor sehr wichtigen Blogs. Magischerfc.de ist in sehr guten, kompetenten Händen; wenn ich ehrlich sein soll, haben die Anderen in den letzten Monaten den Blog ohnehin ohne wirkliche Hilfe von mir getragen. Ich bin also hoffnungsvoll, dass uns das Medium als kritischer Begleiter rund um den FCSP noch lange erhalten bleibt.

Schlussendlich natürlich vielen Dank meinen (ehemaligen) Mitstreiter*innen und allen Leser*innen für die erfüllenden Jahre. Für alle Debatten, für alle Aktionen und die entstandenen Freundschaften.

@choonradus


Und damit danken wir von allergrößtem Herzen unserem scheidenden Mitglied. Du wirst fehlen! Die Tür steht dir allezeit offen, das weißt du. 

HA, jetzt denkt ihr, die von MagischerFC.de bluten weiter aus, das kann ja nix mehr werden? Pustekuchen! (Was ist eigentlich ein “Pustekuchen“?)

Jedenfalls freuen wir uns sehr, an gleicher Stelle verkünden zu dürfen: Vorhang auf für Flossi!

… und ein Neuzugang!

Hi! Ich bin Flossi. Seit 10 Jahren widme ich Zeit, Geld, Nerven und Bahnbonuspunkte dem FC St. Pauli. In der Vergangenheit habe ich schon den einen oder anderen Gastbeitrag schreiben dürfen und freue mich, nun ein Teil des Kollektivs zu sein. An Spieltagen findet man mich auf der Gegengerade. Wenn ich dort nicht neue Spielformationen erfinde (Stichwort “Abwehrraute”), bin ich die, die Spieler noch aus 200 m Entfernung erkennt und immer mit am lautesten pöbelt. Ich möchte mich bei den anderen Mitgliedern für diese Chance bedanken und freue mich, zukünftig hier mitwirken zu dürfen. 

Jul 022020
 

Das war es nun. Die Saison 19/20 ist vorbei und damit auch die Zeit von Jos Luhukay am Millerntor. 
Wir waren einfach nur froh, dass es beim letzten Spiel um nichts mehr ging. Lange Zeit haben wir einem Saisonende nicht mehr so entgegengefiebert.

Sogar beim Spiel Kiel-Nürnberg in der Konferenz zum letzten Spielttag waren wir emotional involvierter als bei unserem eigenen. Und ja, das hängt sicherlich damit zusammen, dass wir Corona-bedingt seit 3.5 Monaten kein Spiel im Stadion gesehen haben. Dass wir den Re-start der Liga durchaus kritisch sehr kritisch gesehen haben und auch immer noch sehen. Aber eben auch mit der sportlich zuletzt doch recht desolaten Leistung, die uns zuletzt so gar nicht mehr mitgerissen hat. Das letzte geile Spiel war am 22.02.2020.

Am Tag unserem Saisonende hat der Verein dann die Trennung von Luhukay zum Saisonende bekanntgegeben. In der Mitteilung wird von gegenseitigem Einvernehmen gesprochen, klar wird daraus natürlich nicht, ob Jos, dessen Vertrag noch bis Sommer 2021 laufen sollte, einen Auflösungvertrag unterschrieben hat oder ob er weiterhin auf unserem Gehaltszettel steht.

Auch wenn Trainerentlassungen immer doof sind, glauben wir nicht, dass es unter Luhukay noch produktiv hätte weitergehen können.

Die Zeit unter Luhukay: geprägt von Gegensätzen

Offensivfußball vs. fußballerisches Komplettversagen. 

Es steht außer Frage, dass Jos mit einem klaren sportlichen Konzept ans Millerntor wechselte und eine Idee davon hatte, wie er mit der Mannschaft ein Spiel gestalten will, um vorne mitzuspielen. Das war eine wohltuende Veränderung im Vergleich zum häufig auf Zerstörung ausgelegten Spiel unter Kauczsinki. Wir können uns da an keine tollen Spiele mehr erinnern. Tim schreibt im Millernton auch davon, dass Luhukay den Gegner immer wieder ausgecoacht habe. Aber zum Bild gehören eben auch schlimme Spiele in Regensburg, in Karlsruhe und in Darmstadt, die phasenweise fußballerischen Offenbarungseiden glichen.

Heimspiele vs. Auswärtsspiele

Jos war mit einem Schnitt von 1,12 Punkten pro Spiel insgesamt nur mäßig erfolgreich. Unter allen Trainern, die die Mannschaft mehr als 20 Spiele gecoacht haben, ist dies sogar der schlechteste Schnitt.
Zum Bild gehört auch, dass es unter Luhukay Zeit nur zwei Auswärtssiege gab: im Volkspark und in Lübeck beim Pokalspiel. Beides im weitesten Sinne übrigens noch Hamburger Umland. 
Aus den insgesamt 20 Ligaspielen auswärts haben wir unter ihm neun Punkte geholt: ein Sieg (DOPPELDERBYSIEGER*INNEN), sieben Unentschieden.
In dieser Saison haben wir zu Hause 30 Punkte geholt, auswärts ganze neun. Mit der Heimbilanz liegen wir auf einem okayen 7. Platz, mit der Auswärtsbilanz dagegen auf dem letzten. 
Unter Jos gab es in der Liga zu Hause somit 1,75 Punkte pro Spiel, auswärts dagegen mickrige 0,45 Punkte im Schnitt.

Erwartungshaltung vs. zerschmetternde Pressekonferenzen

Jos war mit der Erwartung hierhergekommen, innerhalb von 2 Jahren aufzusteigen. Das stand kommunikativ immer wieder im Widerspruch zu dem, was er dann so auf Pressekonferenzen zum Potential der Mannschaft sagte. Wir schrieben darüber schon vor einem Jahr: Das ist doch scheiße.

Berechtigte Kritik äußern vs. Spieler öffentlich anzählen

Sicherlich haben Trainer*innen die Aufgabe, ihre Spieler*innen besser zu machen. Verbesserungen sind grundsätzlich auf zwei Ebenen möglich: Fehler korrigieren oder Stärken noch weiter ausbauen. Und sollte sich im Idealfall als Mischung aus beidem abspielen. Bei uns hat sich immer wieder der Eindruck verfestigt, dass Jos eher auf mögliche Fehler und Schwächen als auf Stärken konzentriert war. Immer wieder wurden Spieler öffentlich über die Presse angezählt, die danach mal mehr, mal weniger laut kommunizierten, dass sie die Kritik so persönlich noch nicht gehört hätten. Zur Kommunikation gehören immer zwei Personen, wenn das aber immer wieder passiert, liegt der Fehler zumindest nicht nur bei den Empfänger*innen.
Und dann ist da auch noch das zweite Thema: Wann ist es “berechtigte und bekannte Kritik äußern”, wann ist es “fertigmachen”? Für uns klang das in unseren Ohren teilweise zu stark nach letzterem. Und das ist nicht ok, das ist nicht, wie wir möchten, dass hier mit Leuten umgegangen wird.

Bei anderen genau wissen was schief läuft vs. die eigene Rolle nicht reflektieren

Jos ist analytisch definitiv stark und hat immer wieder den Finger in die Wunde gelegt, was auf dem Feld nicht gut gelaufen ist. Dabei hat es aber häufig die Tendenz gehabt, dass er bei anderen genau wusste, was besser gemacht werden muss, seine eigene Rolle aber – zumindest nach außen – nur wenig reflektiert hat. Beispielsweise wurde immer wieder der fehlende Fitnesszustand der Mannschaft bemängelt. Auf St. Pauli leider ja auch kein neues Thema. Aber eben genau im Verantwortungsbereich des Cheftrainers, daran nachhaltig zu arbeiten.

Jugendförderung vs. die Erfahrenen richtig einsetzen

Der Trainer hat es geschafft, unglaublich viele Jugendspieler deutlich näher an den Kader heran- oder reinzuholen. Finn-Ole Becker hat sich unter Jos in den Profikader gespielt. Galt er schon unter Kauczinski als ein großes Talent, so war er da noch weit vom Kader entfernt und kein Mal auf der Bank. Direkt unter dem ersten Spiel unter Jos saß er dann dort, wurde sogar eingewechselt und spielte die letzten drei Saisonspiele letzte Saison dann auch durch. Dieses Jahr war er in 28 von 34 Spielen auf dem Platz. Man nennt das landläufig auch einen wichtigen Stammspieler. Gleiches gilt auch in ähnlicher Form für das Raufholen von Jungs von Conteh, Coordes oder Franzke, der am Sonntag beim ersten Spiel in der Startelf dann auch direkt seinen ersten Assist verbuchte.
Und ihr kennt uns, wir finden Jugendförderung klasse und wichtig und freuen uns, wie viele Spieler es geschafft haben. Wir hoffen sehr, dass die / der nächste Trainer*in diesen Weg weiter beschreiten wird und das Potential, das wir da aufgebaut haben, weiterhin nutzen wird.
Dazu gehört aber auch, dass immer wieder “eigentliche Stammspieler” mit ein paar mehr Lebensjahren auf der Bank saßen: Hatte Knoll 2018/2019 noch 30 von 34 Spielen gemacht (und drei der vier Spiele lt. Transfermarkt mit Muskelproblemen verpasst), so waren es 2019/2020 nur 24 von 34 Spielen, wobei Verletzungen kein Thema waren. Das kann jetzt daran liegen, dass Jos nach dem reinen Leistungsprinzip aufgestellt hat. Wir wissen es nicht 100%, aber es fällt auf.

Gegen den H$V zweimal derbysieger*innenstark auftreten vs. gegen den Tabellenletzten der Abschlusstabelle nach 3:0 Führung noch ein Unentschieden fangen.

Und das fasst die Widersprüche der Zeit unter Luhukay dann einfach gut zusammen.

Es bleiben die Fragezeichen

Ist es wichtig und richtig, den Verein auf fußballerische Missstände aufmerksam zu machen? Ja. War der Weg von Luhukay immer der richtige? Nein.

Oft hatten wir Fragenzeichen auf der Stirn. Bei Aufstellungen, bei Auswechslungen, bei Aussagen auf den Pressekonferenzen. Spätestens als Henk nach seinem Tor gegen Aue nicht jubelte und es auf dem Weg in die Kabine ein für alle erkennbares Wortgefecht zwischen Jos und ihm gab, war vielen klar, dass es innen brodelt. Zu oft hatte man von Zerwürfnissen zwischen ihm und der Mannschaft gehört. Ab diesem Spiel wurden auch die Stimmen lauter, die das Ende der Ära Luhukay forderten. Wir waren von Anfang an sicherlich nicht unkritisch ihm gegenüber – was sich teilweise aus seinem Auftreten speiste, teilweise aber auch aus Erzählungen anderer Vereine, die zu sehr ähnlichen Enden wie nun dem beim FCSP führten. 

Es gab es in dieser Saison Phasen, in denen fußballerische Fortschritte zu sehen waren. Die Derbys, Wiesbaden und Bielefeld zuhause. Offensiver Fußball, der Spaß machte. Leider bekam auch Luhukay keine Konstanz in die Leistung der Mannschaft. Sah es phasenweise immer wieder gut aus, so gab es dann nach Länderspiel- oder anderen Pausen einen Bruch.
Zuletzt auch vor und nach der Coronapause. Hatten wir vorher eine gute Phase mit acht Punkten aus vier Spielen, so sind es nach Corona neun Punkte aus zehn Spielen gewesen. Es wirkt, als wäre der Graben zwischen ihm und der Mannschaft in dieser Zeit größer geworden. Die Auftritte in Darmstadt, Hannover und Wiesbaden sprachen Bände.

Trainer weg, alles gut?

Wir langweilen uns selbst ein bisschen damit, dass wir dauernd den Präsidenten zitieren. Aber es ist das zentrale Element, deswegen sei es auch hier noch mal wieder rausgeholt:

“Wenn unsere Erinnerung uns kein Schnippchen schlägt, dann war es unser Präsident, der mal sagte, dass eine Trainerentlassung auch immer heißt, dass das ganze sportliche System in einem Verein versagt hat.”

Jos war gekommen, um verkrustete Strukturen aufzubrechen, die wir als fehlenden Ehrgeiz, Genügsamkeit und nicht genügend Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, interpretieren. Das hat sicher teilweise geklappt, ist dann aber wohl auch einfach übers Ziel hinausgeschossen. Und das Problem ist nun wahrlich nicht erst mit Jos ans Millerntor gekommen, das war auch schon vorher da. Und da muss man dann den Blick auch in Richtung des Präsidiums wenden. 

Oke ist seit 2014 im Amt, Teile der Vizepräsident*innen auch, Christiane und Carsten kamen 2017 hinzu. In dem Zeitraum seit ihrem Amtsantritt gab es fünf Trainer (Meggle, Lienen, Janßen, Kauczinski und Luhukay), wobei Meggle sehr bald nach Postenübernahme vom Trainer zum Sportlichen Leiter wurde; und eben auch fünf sportliche Leiter / Sportdirektoren (Azzouzi, Meggle, Rettig, Stöver und Bornemann), wobei Azzouzi sehr bald von Meggle ersetzt wurde. 

Konsistenz sieht anders aus.

Der Aufsteiger Bielefeld hatte im gleichen Zeitraum auch vier Trainer (wir lassen die Interimsdinger von drei Spielen o. ä. aus der Rechnung mal raus), wobei die letzten beiden jeweils mind. fast zwei Jahre im Amt waren. Seit 2016 gibt es mit Samir Arabi ein und denselben Geschäftsführer Sport. Stuttgart betrachten wir aufgrund der Querelen rund um die Abstiegssaion mal besser nicht. Das zeigt nämlich nur, dass Inkonsequenz auf diesen Posten zu nichts Gutem führt. Heidenheim hat noch Aufstiegschancen in der Relegation und mit Frank Schmidt seit 4670 Tagen den gleichen Trainer. Wisst ihr, damals, als es RB Leipzig noch nicht mal gab.

Und sogar der H$V hatte nur zwei Trainer mehr im gleichen Zeitraum. Die, über deren ständige Trainerwechsel wir uns immer so gerne lustig gemacht haben. Dankenswerterweise haben die noch ein paar andere Themen im Angebot.

Die Konsequenz dieser Wechsel und der nicht vorhanden sportlichen Stabilität zeigen sich dann auch in den Tabellenplätzen an, wo die Tendenz ebenfalls nach unten zeigt: Als 15., 4., 7., 12., 9. und nun 14. Platz der Abschlusstabellen seit Amtsantritt des Präsidiums. Das ist für einen Verein mit unseren Möglichkeiten einfach nicht genug. Da geht mehr, da muss mehr kommen. Wir wollen europäisch spielen, es gibt da einen Plan 2030.

Und dann wird mit Jos ein Trainer geholt, der die verkrusteten Strukturen aufbrechen soll. Der den Finger in die Wunde legen soll. Und der das auch macht. Was nicht nur bei uns, sondern auch beim Kader und Kaderumfeld immer wieder auf wenig Gegenliebe stößt. Der nach etwa 14 Monaten dann unter anderem genau daran scheitert. Wobei wir uns fragen: War das nach den Schilderungen aus Sheffield, aus Stuttgart, aus Augsburg nicht auch zu erwarten? Was hat man getan um zu verhindern, dass es wieder so endet?

Bornemann spricht davon, dass sich die positiven Folgen davon auch in Zukunft noch zeigen werden. Aber auch mal ehrlich: Wie verkrustet muss das denn sein, dass man das in 14 Monaten nicht geknackt kriegt? Dass immer wieder in alte Muster zurückgefallen wird? Dass wir immer wieder von trainingsfaulen Spielern hören? Es immer wieder richtig schlimme Spiele gibt? 

Klar ist: Jos hat keine Schuld an dieser Verkrustung. Das muss über Jahre gewachsen sein. Jahre, in denen das aktuelle Präsidium bereits im Amt war, Jos aber noch etwa zwei Trainerposten weit weg vom FCSP. In denen man von Verkrustung nichts hörte – das Thema kam erstmals mit dem Wechsel von Kauczinski zu Luhukay zur Sprache. Es ist gut und wichtig, dass das Thema erkannt und angegangen wird. Aber hätte das nicht auch schon vorher auffallen müssen?

Und zum Bild gehört auch, dass Jos noch im November von Oke sehr positiv beschrieben wurde. Wir haben das im MV-Bericht so beschrieben:

“Man habe sich innerhalb der Gremien auf einen Weg verständigt und dies sei der Weg, den man gehen wolle, auch mit den beiden hauptamtlichen Entscheidungsträgern Bornemann und Luhukay. Diese seien ehrgeizig und ambitioniert, sprächen auch mal Klartext. „Dies ist uns dann zu viel?“
Man habe einen Trainer, der im persönlichen Gespräch sehr inhaltsstark, offen und freundlich agiere, anders als es in einigen öffentlichen Auftritten vielleicht wirke und eines genauso wenig ab kann wie alle Fans und Profis, nämlich das Verlieren. Es werde Rückschritte und Täler geben, man werde den Weg nicht naiv aber mit aller Konsequenz weiter beschreiten.“

Die MV war ziemlich genau zur Halbzeit von Jos’ gesamter Trainerzeit hier bei uns. Damals klang das noch sehr anders. Was ist in den letzten Monaten passiert, dass sich auch im Präsidium die Meinung dann so geändert hat, die nun zum Wechsel führte? Geholfen hat es hierbei sicherlich auch nicht, dass wir zeitgleich einen neuen Sportdirektor und einen neuen Trainer geholt haben. So konnte keiner von Beginn an dem anderen helfen, was ok ist, und was dann auch mal (kommunikativ) übers Ziel hinausschießt.

Wir finden diese beschriebene Verkrustung auch alles andere als geil. Vor allem so lange sie zwischen uns und dem Aufstieg steht. Wir finden es wichtig, dass daran gearbeitet wird. Und wir können uns auch vorstellen, dass da das eine oder andere Idol auch nicht nur gut wegkommen wird. Es ist wichtig, eine*n neue*n Trainer*in zu finden, die / der diesen Weg weitergeht. Aber ihn ebenso beschreitet, dass mehr Leute mitgenommen werden.

Sodass wir dann nicht nächstes Jahr schon wieder einen Trainerwechsel-Artikel schreiben müssen. Und auch das Präsidium wird wissen, dass 2021 Wahlen anstehen und dass diese Entscheidung und die Wirksamkeit der Entscheidung da durchaus eine große Rollen spielen sollten. Wir hoffen auf ein glückliches Händchen und eine*n Trainer*in, die / der uns alle überzeugt. Mit der / dem wir in zwölf Monaten den Aufstieg feiern dürfen.

Was bleibt von Luhukay am Millerntor? 

Hoffentlich wirkt der Anstoß zur Veränderung. So wie in den letzten Saisons kann es wirklich nicht weitergehen. Vielleicht war sein Weg nicht der richtige, aber Jos Kritik war sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen und in vielen Punkten berechtigt. Man hatte versucht, mit Luhukay jemanden zu verpflichten, der in diesem Verein mal aufräumt. Der Pressemitteilung des Vereins nach zu urteilen, war es für manche zu viel des Guten.

Was wir nicht vergessen werden: Zwei fantastische Derbysiege. Sechs Punkte, die uns (und die Vorstadt) in der Liga halten. Spiele und Emotionen, die sich in all unsere Gehirne und Herzen gebrannt haben. Danke dafür.

Jun 302020
 

In den letzten Tagen gab es eine Vielzahl von Veränderungen im Personalbereich des FC St. Pauli. So viele, dass wir mit dem “Gedanken machen und die dann aufschreiben” gar nicht mehr hinterherkommen. Deshalb betrachtet dies nicht als allumfassende Betrachtung aller Ereignisse. Der Artikel zum Trainerwechsel steckt immer noch in der Schublade, Schnecke haben wir schon einen Artikel gewidmet, auch die Lage in und um die Mannschaft muss und soll noch weiter betrachtet werden.

Neben den Veränderungen im sportlichen Bereich wurde heute Morgen vom Verein bekannt gegeben, dass unser Vizepräsident Joachim Pawlik sein Amt mit Wirkung von heute niederlegt.

Als Begründung wird angeführt, dass “vor dem Hintergrund der vielfältigen Aufgabenstellungen mit seinen Kunden ist ein solch zeitintensives Ehrenamt als Vizepräsident des FC St. Pauli nicht mehr in dem Maße zu leisten, wie es der 55-Jährige von sich selbst stets erwartete.”
Joachim war seit 2014 Mitglied des Präsidiums und war u. a. für die Bereiche “Sponsoring, Vermarktung und Sport” zuständig. (Info aus seinem LinkedIn-Profil, wenn uns die Erinnerung nicht trügt, betreut er diese Themen auch seit Amtsantritt.)

Im Bereich Vermarktung hat er den Rückkauf der Merchandiserechte mitbegleitet, ebenso wie den Schritt in die Eigenvermarktung des Vereins. 
Der damit von ihm aus dem Präsidium verantwortete Bereich Vermarktung & Sponsoring hat sich dabei aber auch immer wieder mit mäßig tollen (und ja, wir untertreiben) Aktionen hervorgetan: Stichwort Moods (https://www.magischerfc.de/2019/09/etwas-ist-faul-im-staate-fcsp/), Stichwort “An welche Themen denken die in dem Bereich gar nicht”, Stichwort Auswahl von Partnern wie MediaMarkt, Stichwort Fansofa, Stichwort Onboarding von Kooperationspartnern.

Und das gehört ebenso zum Bild, was in diesem Verantwortungsbereich Vermarktung & Sponsoring geschehen ist, wie eben auch den Rückkauf der Rechte und die Stärkung der Eigenvermarktung. 

Für das Thema Sport stellen wir einfach mal nüchtern fest, dass wir seit der Saison 2015/2016, in der es dann erstmalig vollumfänglich eine Saison in der Verantwortung des damals neuen Präsidiums war, vierter, siebter, zwölfter, neunter und nun vierzehnter den Abschlusstabellen der 2. Liga geworden sind. 
In dem Zeitraum gab es mit Meggle, Lienen, Janßen, Kauczinski und Luhukay fünf Trainer, wobei Meggle 2014 kurz nach Antritt des neuen Präsidiums auf den Posten des Sportlichen Leiters gewechselt ist – und der Abgang des letzten Trainers ja auch schon feststeht.
Im gleichen Zeitraum waren es mit Azzouzi, Meggle, Rettig, Stöver und Bornemann fünf sportliche Leiter / Sportdirektoren. Konsistenz auf diesen wichtigen sportlichen Posten sieht anders aus.

Sicherlich ist das Präsidium ein Team, in dem die Menschen nicht singulär für gute oder schlechte Entwicklungen verantwortlich sind. Hinzu kommt, dass bei uns – mit ganz wenigen Ausnahmen – der Präsident für das Präsidium spricht und nach außen auftritt, deswegen können und wollen wir die Arbeit von Joachim gar nicht weiter bewerten.
Was uns nach knapp sechs – sicherlich sehr zeitintensiven – Jahren bleibt, in denen es die ein oder andere sportlich brenzlige Situation (aber auch zwei Derbysiege) gab, ist ein Danke für den Einsatz. 

In der Mitteilung des Vereins wird ebenso kommuniziert, dass das Präsidium “erst einmal satzungsgemäß mit vier Mitgliedern weiter agieren” werde und die Stelle nicht nachbesetzt werde.

Option wäre grundsätzlich eine Nachbesetzung des freiwerdenden Postens unter Zustimmung des Aufsichtsrates bis zur nächsten MV, auf der dann ein*e 4. Vizepräsident*in erneut gewählt würde. Man könnte den Posten auch bis zur MV freilassen und dort eine*n Nachfolger*in durch die MV wählen lassen. Oder den Posten bis zur Neuwahl des gesamten Präsidiums in 2021 freilassen.

So weit, so schlecht

Es ist grundsätzlich erst mal nichts Gutes, wenn sich Menschen zurückziehen, die auf ehrenamtlichen Posten viel geleistet haben. Es ist aber auch etwas sehr Nachvollziehbares: Es ist ein grundlegendes Problem der Vereinbarkeit, neben Lohnarbeit (und seit das nun als Angestellte*r oder als Inhaber*in eines Unternehmens) noch ein Ehrenamt zu bekleiden, insbesondere wenn diese eine große Verantwortung – und damit auch immer mal dringende, wenig planbare Einsätze und Einspringen erfordert. 

Die Lokalpresse mischt auch noch mit

Bereits kurze Zeit nach der Kommunikation durch den Verein ist in der Hamburger Lokalpresse dann ein Artikel erschienen, der sich für uns so liest, als wolle da jemand noch mal ordentlich Öl in ein eh schon gut brennendes Feuer schütten. Und klar, auch hier gilt wie immer, dass man mit reißerischen Artikeln mehr Geld verdient. Und dass die Lokalpresse seit Jahren um Auflage kämpft. 

Es gehört aber auch dazu, dass gerade über das Abendblatt und gerade der Autor auch immer wieder versucht haben, Stimmung zu machen. Wir erinnern da an das Interview mit dem ausscheidenden Präsidium in 2014. Das vom Lichterkarussell so hervorragend betrachtet wurde. (Still <3-ing Lichterkarussell!). Oder auch an die jüngere Fairnetzer-Veranstaltung, wir betrachteten die Situation bereits letztes Jahr.

Der Artikel schreibt eine Situation herbei, in der Joachim das Präsidium im Streit über die Prioritäten verlassen habe. Der Artikel gibt sich, als hätte jemand Interna gehört und würde diese uns lieben Leser*innen ganz uneigennützig und lediglich mit dem Ziel, uns alles zu erzählen, mitteilen. Dafür ist es aber tonmäßig und vermeintlich auch inhaltlich eine ganz schöne Abrechnung mit Oke bzw. dem restlichen Präsidium. 

In dem Artikel wird insgesamt der vermeinltiche Konflikt zwischen Profifußball und Politik beschrieben.
Unter anderem taucht auch wieder der der Spruch mit dem “Politbüro mit angeschlossener Sportabteilung“ auf. Der sehr wahrscheinlich nirgendwo sonst kursiert als unter Abendblatt-Reporter*innen, die sich 2014 ähnliches von Orth haben vorbeten lassen.

Wir wüssten auch wirklich gerne mal, woraus der vermeintliche Konflikt besteht

Es wird so getan, als könnte man nur eines von beidem sein: Sportlich erfolgreich oder eben politisch engagiert und meinungsstark. Wir sehen das anders: Es wird immer wieder zu Ressourcenkonflikten zwischen den beiden groben Themengebieten kommen, die man dann an der jeweiligen Stelle entscheiden muss. Aber es ist möglich und wichtig, beides zu tun. Wir haben eine wichtige Stimme, der wir Gehör verschaffen sollten und müssen. Wir sind weit mehr als nur ein Fußballverein.
Wenn wir uns die Ressourcen bei einem möglichen Ressourcenkonflikt mal genauer angucken, dann gibt es vereinfacht drei Arten von Ressourcen, die hier relevant sind. Wobei 2 der 3 dann letztendlich doch relativ das gleiche sind: Geld, Personal & Zeit. Geld & Personal dann zumindest mit starker Überschneidung: Fürs Personal braucht man halt das Geld. 

Wir betrachten das mal an einem möglichen Beispiel:

Es gibt beim FCSP eine CSR-Abteilung, die sich viel um die sozialen Initiativen des Vereins kümmert. Und es gibt einen Profisportbereich, in dem Profifußball gespielt wird. Der Bereich CSR in der Geschäftsstelle hat nach unserem Kenntnisstand weniger Mitarbeiter*innen als allein die Profimannschaft vorgestern Trainer*innen hatte. Und damit ist noch nicht das weitere “Team ums Team“ betrachtet. Ja, man könnte natürlich die CSR-Abteilung morgen auflösen und vom dem Geld noch weitere Trainer*innen bezahlen. Was die Frage nach der Wirkung der eingesetzten Ressourcen aber nicht berücksichtigt: Was bringt uns denn insgesamt als Verein weiter? Die potentiellen weiteren Trainer*innen, die den ganzen Tag mit den Spielern Elfmeter und Ecken üben? Oder die CSR-Mitarbeiter*innen, die soziale Initiativen betreuen und die gesellschaftspolitisch wichtige Themen im Verein voranbringen? Oder auch aus dieser CSR-Brille prüfen sollen, welche neuen Partnerschaften wir im Bereich Vermarktung so eingehen. Und uns durch diese Haltung und durch diese Initiativen auch neue Fans bringen. Die möglicherweise so viele Fanartikel kaufen und ‘ne Loge mieten, dass wir davon dann wiederum auch eine*n neue*n Trainer*in bezahlen können. Alles natürlich indirekt, aber wir befinden uns hier ja im Gebiet der vereinfachen Beispiele.

Und natürlich ist die Frage, was uns als Verein wichtig ist und wofür wir stehen wollen, bei diesem Beispiel auch noch nicht umfassend beantwortet. Also ja: Natürlich gibt es irgendwo einen Ressourcenkonflikt. Ist aber das Umshiften der Ressourcen erstens das, was wir als Verein wollen, und zweitens aus Wirkungssicht sinnvoll? Wir wollen das bezweifeln.

Der zweite Ressourcenkonflikt “Zeit” ist da schon etwas schwieriger zu betrachten, simpel und einfach, weil wir nicht wissen, mit welchen Themen sich auf den Präsidiumssitzungen befasst wird. Hier könnten wir nur spekulieren und das ist doof. Wir sagens aber mal so: Wir hätten kein Problem damit, wenn sich das Präsidium in Zukunft weniger mit gewissen sportlichen Fragestellungen befasst. So Trainerthemen, wenn denn die / der Nachfolger*in gefunden ist. Einfach weil es läuft.

Wir stellen hierzu fest, dass Joachim selbst in keinem Wort des Rücktritts einen solchen möglichen Konflikt aufzeigt. Er ist in dem Artikel herbeigeschrieben, ohne dass klar ist, ob der Konflikt im Präsidium so tatsächlich existiert hat und ob er dann auch noch der Grund ist, warum Joachim zurücktritt. Es wird also ein Bild gezeichnet, das mit dem nach außen kommunizierten nur wenig zusammenpasst.

Cui bono?

Nach dem Exkurs zurück zum Artikel in der Lokalpresse. Als wir den Artikel lasen, fragten wir uns sofort, wer denn mit dem Artikel welche Interessen verfolgt. Und haben da mal ein paar Szenarien aufgeschrieben. In den Szenarien kommen nicht immer alle gut weg, aber da müssen wir für das Gedankenspiel nun gemeinsam durch:

1.) Der Artikel ist wirklich die reine Privatmeinung des Autors, der sich da ein bisschen was zusammengereimt hat, was geile Auflage bringt. Und da haben die “Trainer raus!“-Artikel der letzten Tage einfach noch nicht genug gebracht und man nimmt eben, was man kriegt. Dagegen spricht das hoffentlich existente Berufsethos des Autors.
2.) Der Autor hat Insiderinfos vom scheidenden Vizepräsidenten, der nach richtigem Krach im Präsidium mit den Kolleg*innen abrechnen möchte. Wobei er den Konflikt dann doch nicht komplett entfachen will und deswegen dann nicht gleich ein ganzes Interview gibt, sondern “nur” als Informant auftritt. Dagegen spricht, dass Joachim den vermeintlich existierenden Konflikt in seinem Abschiedsstatement über den Verein mit keinem Wort erwähnt. Was natürlich auch Kalkül sein könnte. Und dagegen spricht auch, dass man sowas auch nach krassen internen Konflikten und der Rückzugsentscheidung eben einfach nicht macht.
3.) Der Autor hat Insiderinfos von anderen Personen im präsidiumsnahen Umfeld, die gegen das aktuelle Präsidium agitieren möchten und ein Interesse haben, dass das aktuelle Präsidium in 2021 nicht wiedergewählt wird. Beispielsweise, weil sie ein eigenes Team / eine*n eigene*n Kandidat*in an den Start bringen möchten. Da kann es natürlich so sein, dass der Konflikt wirklich so dramatisch war, dass er zum Rückzug führte, oder auch einfach, dass da ein Thema extrem aufgebauscht wird, weil es der eigenen Sache dient und Joachim einfach nur aus den Doppelbelastungsgründen zurückzieht. Dagegen spricht: Übernimmt der Autor die zugesteckte Meinung ohne weitere Prüfung? Dagegen spricht auch: Im Endeffekt entscheidet der Aufsichtsrat über die Kandidat*innen für das Präsidium – und man darf so einen Move aus deren Sicht mehr oder auch weniger geschickt finden. 
4.) Der Autor hat die Info über den vermeintlichen Konflikt von jemandem gesteckt bekommen, der/ die im präsidiumsnahen Umfeld davon mitbekommen hat und es nun toll findet, seine/ ihre Interna in der Presse zu lesen. Dagegen spricht: Die schlimmen Leaks sind weniger geworden und aus den internen Diskussionen im Präsidium dringt kaum etwas nach außen. Warum dann jetzt plötzlich wieder? Andererseits: Auch die Trennung von Jos war bereits eine Woche vor Kommunikation durch den Verein in der Presse zu lesen. Auch hier gab es möglicherweise ein Leck. 

Und sicherlich gibt es auch noch weitere Szenarien. Eine Kombination der obigen Szenarien ist auch möglich, ebenso wie die jeweiligen Szenarien in Abstufungen.

Was glaubt ihr vom magischenFC?

Was ist das wahrscheinlichste Szenario, fragt ihr uns? Wir haben da aktuell keine Antwort drauf.
Wir alle sollten uns aber fragen, wer vermeintlich von dieser Schilderung profitiert. Und deshalb werden wir die nächsten Wochen und Monate ganz besonders vorsichtig sein, welche Interna wann, wo, von wem und wie weiter- und an die Presse gegeben werden. Und wer davon jeweils profitiert und wer eher Schaden nimmt. 

Und während wir an diesen Zeilen schreiben, erscheint auch in der anderen Lokalpresse ein Artikel, der in der Fundamentalkritik (zu viel Politik, zu wenig sportliches) durchaus dem Betrachteten ähnelt. Interna gibt es da allerdings keine zu lesen. Ein Zufall? Mag sein. Wir glauben aber auch da nicht unbedingt dran. So oder so wichtig: Kritisch sollten wir alle bei dem, was wir in nächster Zeit so zu hören bekommen, alle sein. 

Jun 292020
 

Lieber Schnecke. Lange haben wir nach den richtigen Worten zu deinem Abschied gesucht. Und sie dann in alten Blogbeiträgen gefunden.

Danke für alles!

Schön, dass du bleibst!

Alles Gute für die weiterhin gemeinsame Zukunft <3!

Es war die Fahrt des neuen Jahrzehnts

Choreo? Perfekt „Komm zur braun-weißen Seite der Macht, wir haben den Aufstieg“ war vielleicht nicht ganz so kreativ, aber die Blockfahne mit Schnecke als Han und so war schon cool.

How to – Antrag auf der Mitgliederversammlung

Beispielsweise macht es vereinsrechtlich wenig Sinn, die Medienabteilung/ Leiterin der Medienabteilung damit zu beauftragen, auf Social Media nur noch Fotos von Schnecke, Mats und James zu posten. Gebt diesen Auftrag an das Präsidium, welches dann dafür verantwortlich ist, dieses in den hauptamtlichen Bereichen umzusetzen. 

Wir haben das Fairnetzer Gespräch gehört

Dies ist ein Potential, das im Bezug auf die Vermittlung von Werten noch deutlich mehr genutzt werden könnte. Spieler wie Mats und Schnecke haben bei uns auch bzw. besonders wegen ihrer Äußerungen abseits des Fußballs den Status, den sie haben.

Spieler kommen wieder, Spielen können sich verpissen

Kalla mit neuer Frisur. Die Frisur ist jetzt nicht so unsers. Oder halt, eher “war”. Wenn Schnecke die trägt, dann ist sie toll.

Jahrzehntstadtmeister

Natürlich auch groß für Schnecke Kalla, dass er den Derbysieg als Einwechselspieler verteidigen darf. Und der wirft sich auch nochmal richtig rein. Jetzt müssen wir schnell den Weg in die Europa League hinbekommen, damit er das Karriere-Highlight noch toppen kann.

Entladungen in der Kabine

Das funktioniert nicht so wirklich gut. Kalla hat doch arge Probleme mit dem Kieler Baku, der aufgrund der Offenheit dieses Systems immer wieder 1 gegen 1 gehen kann. Da sieht man dann doch, dass Kalla in seinen alten Jahren nicht der schnellste ist. Dementsprechend wird er auch zur Halbzeit ausgewechselt, wahrscheinlich auch, weil er doch nah der gelb-roten Karte ist. Baku ist am Ende nach WhoScored-Note auch der beste Spieler auf dem Platz.

The MVP Machine – Und was man daraus lernen kann

Nehmen wir mal Schnecke Kalla (<3) als Beispiel. Die meisten Menschen würden sagen, dass es sich um einen guten Ergänzungsspieler handelt. Kannst du bedenkenlos für ein zwei Spiele auf nahezu jede Position stellen. Wird da nicht glänzen, wird aber auch wahrscheinlich solide seinen Stiefel spielen. Meint ihr, dass man den noch zu einem Superstar bekäme? Wahrscheinlich nicht. Wir auch nicht. Aber doch passiert genau das im Baseball. Justin Turner war bis 2014 und seinem Lebensalter 30 ein ganz netter Ergänzungsspieler, sozusagen ein Kalla des Baseballs. Danach begann er mit einem Trainer außerhalb des Establishment zu arbeiten und wurde ein Superstar seines Sports.
(…)
Das Buch zeigt Wege auf, wie man dies besser erreichen kann, wie man Spieler auf ein neues Level heben kann. Wie man eben aus einem Kalla einen Lahm macht. Naja, vielleicht nicht ganz.

Kaderplanung, Stand jetzt

4 Außenverteidiger: Bednarczyk (zu dem man sehr gemischtes hört und der in den bisherigen Testspielen eher unglücklich agierte), Schnecke (<3), Buballa und Park. Wobei Buballa dabei auch noch der einzige etatmäßige Linksverteidiger ist, aber Schnecke kann ja alles.

Ein bisschen Zahlenwerk der letzten Saison

Die besten Spieler – nach WhoScored: Kalla (7.33), gefolgt von Knoll (7.27) und Veerman (7.17)

Die Balance finden zwischen der großen weiten Welt und dem Zuhause

Umso schöner ist es, wenn Schnecke die Jugend einpackt und mit ihr in den Sonderzug steigt. Das ist ja nun wirklich nicht die einfachste Art des Fankontaktes, denn 1000 mehr oder minder besoffene FCSPler sind nicht nur Spaß für nüchterne Fußballer, die gerade in der 92. Minuten noch das letzte Saisonspiel verloren haben, aber wir fanden das sehr schön. Und wenn sich dann auch noch ein Spieler wie Coordes beinah schüchtern bei jedem bedankt, der ihm sagt, wie sehr er sich freut, dass er bei der 1. Mannschaft spielt, dann geht einem das Herz auf. Man entwickelt Sympathien für einen Spieler und genau dafür sind diese kleinen Kontakte sehr wertvoll.

Kein schönes Ende

Er kommt für Schnecke Kalla, der seinen 150. Einsatz in Liga 2 zeigt. Die geringe Anzahl auf seine unzähligen Jahre spricht auch für die vielen Verletzungen, die seine Karriere auch geprägt haben. Ob diese nun in einer aktiven Spielerrolle noch viel weiter geht, wird sich zeigen. Schon vor dieser Saison hatten wir prophezeit, dass etwas schief gelaufen ist, wenn er viele Einsätze bekommt. Es sind am Ende der Saison 9 (und vielleicht noch 10?) und er hat die beste Whoscored-Note des Kaders. Es zeigt halt, wie wichtig ein guter 12. Mann ist, der dazu noch die absolute Kampfmaschine ist. Der unfassbar intensive lange Zweikampf mit seinem Gegenspieler in der ersten Halbzeit ist exemplarisch.

Das sind die vom MagischenFC, die machen immer Stress

Es sah besser aus und der zusammen gewürfelte Haufen schlug sich wacker. Ein Handelfmeter der zumindest kuriosen Sorte brachte Dresden die Führung. Wie genau Schnecke verhindern soll, dass ihm der Ball vom Oberkörper an den Arm springt, wäre noch zu klären. Zumal der Schiedsrichter die Situation absolut nicht im Griff hatte. Elfmeter anzeigen, ewig diskutieren, so dass es so aussieht, als würde er ihn zurücknehmen, um ihn dann doch zu geben. Unsere Jungs hatten genügend Chancen um trotz des Rückstandes was mitzunehmen, aber die machten sie mit einer Ausnahme nicht rein, Dynamo nutzte die eine Chance. 

Sonne, Optimismus, Kommunismus

Und wir haben da ein echtes Juwel mit hervorragenden Leistungswerten: Beste Leistungswerte aller Innenverteidiger über die Saison hinweg, vierbester Spieler insgesamt seit der Winterpause (hinter Schnecke, Knoll und Alex Meier).

Something happened on the way to heaven

Nach den Who-Scored-Noten ist Marvin Knoll unser bester Stammspieler. (Nur Schnecke ist im Schnitt besser.) Sein Schnitt von 7,23 macht ihn den 14.-besten Spieler der gesamten (!!!) zweiten Liga.

Derbysiegerelf

Also eigentlich diskutieren wir hier überhaupt nicht: Schnecke auf rechts, Buballa auf links.

Parkplatzinfrastruktur

Man of the Match? Schnecke, der ungefähr jeden Millimeter des Rasens umpflügt und der extrem unangenehm für seinen Gegner agiert. Das ist Fight pur. So muss das laufen. In Halbzeitgesprächen stellten wir fest, dass wir mit Schnecke in der Form bisher alle Spiele dieses Saison gewonnen haben. Klappte dann ja auch wieder.

Holland Hardcore

Dagegen unsere Rumpftruppe, der unser Mannschaftsbaumeister ein 3-5-2 verordnet hat. Köln weiß aber mit seiner Schnelligkeit die Lücken über außen immer wieder nutzen und Schnecke sieht da nicht immer gut aus. Kein wirklicher Vorwurf an unseren 12. Mann und Fußballgott, die sind da schon sehr gut, die Kölner, und da wird es sehr schwierig.

Eiskaltes Union-Busting

Polytheismus am Millerntor in Reinform? Als bei den Unionern unzählige und auch bei uns zwei vermeintliche Fußballgötter angesagt werden, drängt sich die Vermutung auf, dass hier vieler übersinnlicher Wesen gehuldigt würde. Aber: “Der Fußball-Gott auf St. Pauli ist Schnecke”, soll der neue alte Götze laut einem unbedeutenden Käseblatt gesagt haben. Word.
Für Schnecke, der diese Saison vier Mal gespielt hat und uns damit bisher 12 Punkte beschert hat. Oder anders gesagt: Mit Schnecke gilt #fcspunschlagbar

Nussig im Abgang, Knackig im Zugang

Alex, wir haben gehört, dass du gegen die Rauten eine ziemlich gute Quote hast. Zwar ist das Siegtor in der 95. Minute für Schnecke reserviert, aber zum einen ist die Vorlage noch zu vergeben und vielleicht geht das Spiel ja auch 2-1 aus.

Die JHV 2018: Sandra und die sechs Männer

Bei Kiezhelden (das ist das Label, unter dem beim FCSP CSR läuft) hat nun der Kiezheldenspendenbeirat (falls ihr auswärts zur Unterhaltung Galgenraten spielt, hier ist euer Wort) seine Arbeit aufgenommen. Dieser Beirat besteht unter anderem auch aus Vertretern der Mannschaft, was prinzipiell ziemlich cool ist. So ein Fußballprofi in seiner Bubble kann auch mal ganz andere Welten erfahren. Der Vertreter war bis zu seinem Weggang Philipp Heerwagen. Wer das jetzt übernommen hat, ist uns unbekannt und war auch mit kurzer Recherche nicht offensichtlich. Wahrscheinlich Schnecke, der diese Bubble schon mal verlassen hat. 
(…)
Man habe nicht alles erreicht, was man sich vorgenommen habe, die Ideale seien nicht erreicht. Z. B. habe man keine Kontinuität auf der Trainerposition erreicht. Die wird ja auch erst mit dem Traumteam Schulle, Gunesch, Schnecke erreicht, die dann die Champions League mit dem FCSP gewinnen. #plan2030 Und dann innerhalb ihrer 30 Jahre Trainerschaft beim FCSP den FC Bayern als Rekordmeister ablösen werden. #fcspunschlagbar

Sollen wir uns etwa daran gewöhnen?

Und wenn wir dann doch schon mal bei Einzelpersonen sind: Unsere innige Liebe für JPK ist ja weithin bekannt, aber auch abseits von Fangegirle und -geboye gibt es keinen Zweifel daran, dass Schnecke zu jedem Zeitpunkt beweist, dass er vollkommen berechtigt da wieder steht (und läuft und grätscht). Das ist kein Gnadenbrot für die Endphase einer Karriere, das ist Anerkennung einer richtig guten Leistung. Herr Kauczinski, für Ihr Händchen gibt’s einen dicken Daumen nach oben.
(…)
Und alle, die uns das durch unsere schneckenfarbene Brille nicht abnehmen. Die Statistik gibt uns Recht.

Look how brilliant Kalla clears the ball

Kaum hätten wir es uns bequem gemacht, begann die Aufstellungsdiskussion. Und wich der Freude über eine Schnecke in der Startelf.
(…)
Dabei ganz vorne dabei: Schnecke. So will man einen Spieler sehen, der rein geworfen wird. Voll dabei, immer auf der Höhe des Geschehens und mit ganz vielen tollen Abfangaktionen.
(…)
(Überschrift direkt vom englischen Fernsehkommentar entnommen. #SchneckeUltras!)

Zu- und Abgänge

Und aus der Rubrik „Bleibt uns länger erhalten“ ist noch Yi-Young Park zu vermelden. Der letzte Saison angedeutet hat, wie wertvoll er sein kann. Und der durch seine Flexibilität wahrscheinlich auch diese Saison noch sehr wertvoll werden wird. 
Die wahrscheinlich auch dazu führen wird, dass er nie irgendwo wirklich Stammspieler wird. Solche Spieler neigen dazu, der 12. oder 13. Mann in einem Kader zu sein. Das ist nichts für eine Starkarriere, aber für einen Fußballverein unfassbar wichtig. 
Er löst in dieser Rolle auch so langsam Schnecke ab, was ein schöner Generationswechsel ist. Sein bisher einziges Tor war auch schon einmal ein ganz richtiges. Schön, dass du da bleibst. 

Wohlfühloase

Natürlich waren auch einzelne Spielernamen im Gespräch Thema, aber das wollen wir aus den oben genannten Gründen vollkommen ausblenden. Außer natürlich, dass die Runde sich einig war, dass Jogi ohne Schnecke keine Chance bei der WM haben wird. „Eindeutig Weltklasse“ ist der Kalla halt.

Wie man damit umgehen kann

Und als wäre all dies nicht genug, ist es ja auch noch so, dass wir uns alle Tore selber einschenken. Besonders übel das 2-0 und 3-0. Beim 2-0 macht Buballa einen Jahrhundertfehler und beim 3-0 gucken viele Offensive aus sicherer Entfernung zu, wie Kalla das „wie verteidige ich zwei Spieler gleichzeitig?“-Rätsel versucht zu lösen. Dieses Rätsel ist alleine unlösbar. Und all diese Situationen entstehen nicht dadurch, dass Regensburg nun tollen Tempofußball spielt, der den Gegner auch zu Fehlern zwingt.
(…)
Nach dem Spiel kommt es mehr oder minder zu einem Plenum zwischen dem, was wir jetzt mal als „Ultrà-Szene“ umschreiben möchten, und den am Zaun verharrenden Spielern. Buballa, Flum und Schnecke gehen dann auch noch direkt an den Block und diskutieren mit einzelnen Leuten, während der Rest der Mannschaft inklusive Trainer- und Betreuerteam vor dem Zaun verharrt.

Fragen

Weswegen hier auch Schnecke nicht genannt ist. Die ganze Konstruktion klingt nach Teilzeitprofi mit langsamen Übergang in die Zeit nach der aktiven Karriere. Nun kann man so etwas nicht jedem verdienten Recken anbieten, aber wenn es einen Kandidaten für einen solchen Übergang und die weitere Beschäftigung im Verein gibt, dann wäre das Timo Schu.. äh Schnecke. Und sollte er plötzlich seinen dritten Frühling erleben, verdientermaßen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen und das Derby mit vier Toren ganz alleine entscheiden, dann sagen wir nicht nein.

Wenn wir St. Pauli angreifen wollen, dann machen wir das alleine

Wir kommen in die Relegation. Die Jungs aus dem Volkspark auch. Schnecke hat seine Rente bereits angekündigt, aber muss im Rückspiel auf den Acker, weil ganz viele verletzt sind. Nach einem epischen Kampfspiel fehlt uns in der Nachspielzeit noch ein Tor für den Stadtligawechsel und das Unglaubliche. Noch einmal Ecke, der Ball wird abgewehrt, Schnecke nimmt aus 25 Metern Maß und lötet das Ding in den Winkel. Tor! Der Schiedsrichter pfeift nicht mehr an.

Lasse und Jan hoch2

Doof nur: Nach 80 Minuten ist der Akku aller Braun-Weißen bei 1 %. Es kommt dann aber die elegante Rettung in Person von Jan-Philipp Kalla. Als Ein-Mann-Abfangjäger und Konterspieler beschäftigt er Bochum und sorgt auch noch für eine numerische Überzahl unserer Braun-Weißen. Weihnachtliche Zimtschnecke! Wir sind ja so oder so Fanboys, aber heute macht Kalla wirklich eine ganze Menge richtig. So etwas will man von der Bank sehen!

Unbekanntes Fußballobjekt

Unverständnis bleibt, wann immer ein Trainer sein Wechselkontigent nicht ausschöpft, gerade nach einem Platzverweis, und überhaupt wahnsinnig spät erst frische Spieler (immerhin Schnecke <3) auf den Platz schickt.

We put the Aus in Pokal

Und man sollte weiteren Teilen des Kaders immer auch mal die Möglichkeit geben, sich im Spiel zu beweisen. Mal ganz davon ab, dass man es garantiert nicht exklusiv an Cenk, Schnecke oder Litka festmachen kann, dass wir ausgeschieden sind.

Mal wieder Bochum

Und Schnecke. Startelf. Herzchen.

Tief im Westen

Beide Mannschaften haben viele Chancen und hätte Schnecke nicht sein Torwart-Gen ausgepackt, würde Bochum noch den 2-2 Ausgleich schaffen, bevor dann ein Konter das Spiel entscheidet.

Es nervt

Es nervt, wenn Leute sich auf Spieler einschießen, Spieler lächerlich machen oder so tun, als ob es alles nur eine Frage der Einstellung wäre. Warum sich dann noch auf Kalla und Ziereis (!!!) eingeschossen wird, bleibt eine Frage, die unbeantwortet bleiben muss. Oder nach ca. 10 Minuten sich einem Support lautstark verweigern mit der Aussage „die müssen erstmal was bringen, bevor ich hier supporte“. Alter! 

Die Playlist des Todes

1.Wechsel bei uns. Schneider rein, Kalla raus 
Für alle Kalla Hasser: 
Beschwerden an meinen Assistenten
Damit er sie für mich verbrennt denn
Ich kann grad nicht ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt Euch Allee
(Großstadtgeflüster) 

Ein bisschen Pech, ein bisschen Glück

Schade, dass Schnecke dann den letzten Ball nicht formvollendet an Tschauner vorbei bekommt. Das wäre natürlich so ein Herzensmoment gewesen.

Erkenntnisse

Was uns definitiv fehlt, ist ein Spieler, der aus dem Mittelfeld einen Angriff präzise und schnell einleiten kann. Die mittleren zwei Positionen der Mittelfeldkette besetzen Avevor und Buchti; und bei aller Liebe, aus beiden wird dieser Typ Spieler nicht mehr. Auf Außen mit Kalla und Hedenstad zwei Spieler, die sich extrem bemühen. Wir denken, Kalla wird auch diese Saison eher wieder der zwöflte Mann sein; derjenige, der bei Verletzungen oder Formschwäche alle Positionen übernehmen kann. Auf den Außenbahnen stehen mit Ryo, Sobotta etc. pp garantiert offensiv stärkere Spieler als er zur Verfügung. Oder dies ist der „Auswärtslook“, wo die Außen im Mittelfeld halt eher defensiv denken sollen und müssen. Mal abwarten.
(…)
Wir haben mit Kalla, Sobiech und auch bald Hornschuh noch mehr geborene Führungsspieler, sodass es uns an dieser Gruppe nicht mangeln wird.

Die Trikotvorstellung

Dann wurde noch die Mannschaft zugeschaltet, so ein bisschen so getan, als ob live, war natürlich nicht live. Unsere Aufzeichnungen dazu lesen sich wie folgt: „blablupp“. Einzige Aussage, die bei uns hängen blieb „das ist schön eng, da ist man nicht so gut zu greifen“. Worauf Spieler so achten. Welcher Spieler da was gesagt hat, war von unserem Platz nicht so schnell mitzuschneiden, wenn wir es richtig gesehen haben, hatte man Lasse, Schnecke, Bernd da platziert, aber unsere Sicht war relativ eingeschränkt.
(…)
Bleibt nur noch eines zu erwähnen: Es gab für jeden ein Trikot mit Wunschbeflockung (immerhin ein 75 Euro Gegenwert), was wohl auch ein relativ simpler Versuch ist Sympathie zu erkaufen. Nun können wir lange über unmoralisch diskutieren, aber hey, wer schlägt schon ein geschenktes „Kalla“-Trikot aus? Wir und der hochgeschätzte Übersteiger Frodo nicht.

Die Lage nach der Liga

Kalla: Wird immer mehr zu einem flexibel einsetzbaren zwölften Mann. Wird so auf keiner Position der Beste im Kader sein, ist aber zum Löcherstopfen auf allen Positionen unwahrscheinlich wichtig. Das er dazu noch in der Kabine wichtig ist, sollte bekannt sein. Wird in dieser Aufgabe weiter aufgehen, aber wahrscheinlich eher im Mittelfeld und nur in der Not in der Abwehr. Und am Ende wird er wieder 25 Spiele gemacht haben, auf dem Betzenberg getroffen haben und alles wird gut sein. Wird uns hoffentlich bis zur Rente erhalten bleiben.

Wenn Erfolg so aussieht, dann sollte man keinen Erfolg haben

Als Schnecke – nebenbei zu Recht – die gelbe Karte sieht, wollen wir ob der lebensgefährlichen Verletzungen des Freiburgers schon seine nahen Angehörigen informieren. Glücklicherweise gab es eine Wunderheilung. Selbst ohne die Heilungskräfte der Mannschaftsärzte. Bei aller Liebe: Foul ist Foul und das war ein Foul, aber könnte mal bitte jemand Fußballern dieses Theatralische abgewöhnen?

Zebrastreifen am Horizont

Puh, was Ewald da auf den Rasen stellte, ist die Ersatzaufstellung der Ersatzaufstellung. Das wir bisher in 50 Prozent unserer Spiele zu Null gespielt haben, liegt ja auch an einer sehr überragenden Saison unserer beiden Innenverteidiger. Die an diesem Tag beide nicht anwesend sind. Ihre „natürlichen“ Ersatzleute nur leider auch nicht. Maier, Kalla, Sobiech, Ziereis, Nehrig, Gonther gar nicht dabei, Sobota nur so mit halber Fitness? Seien wir ehrlich, aus diesen sieben Namen kann man eine sehr ordentliche Zweitligamannschaft machen.

Verdienter Lohn

Sagen wir was zum Spiel? Schnelle Führung: Langer Hafer, Lenny gewinnt das Kopfballduell, Ratsche mit Sahneflanke, Kalla als Kopfballungeheuer und drin ist er. Wollte er den so? Fakt ist, die guten Kopfbälle sind immer jene, die vom Kopf so halb abglitschen und dann am verdutzten Torhüter vorbei ins Tor kullern. Hat man bis dahin das Spiel im Griff, holt man in einer Fehlerkette zwei Minuten später den Gegner zurück ins Spiel. Kollektives Träumen und die Unfähigkeit von technisch und taktisch gut ausgebildeten Fußballern der heutigen Zeit, einen Ball einfach mal auf die Tribüne zu dreschen. 
(…)
Was uns zu diesem „Kapitän wechsel dich“-Spiel führt: Sonntag in gleicher Besetzung ist Kalla Kapitän, heute wieder Lasse. Macht ihr beiden euch da einen Spaß draus? Oder wird das ausgeknobelt? Hätte Schnecke geschossen, wenn er Kapitän gewesen wäre? Vielleicht wäre der drin gewesen, war ja irgendwie Schneckes Abend. Aber das ist „Hätte, wenn und aber“. Wie gesagt, kein Vorwurf an Lasse …

Ein Spiel mit einem Nachspiel

Im Fußball immer wieder zu kurz kommt der zwöflte Mann. Und damit ist hier mal nicht das Publikum gemeint. Sondern der Spieler, der eigentlich überall spielen kann und immer bei Lücken ins Team geworfen wird. Bei uns ist das ein Kalla, der keine Position wirklich fest bekleidet, aber da ist, wenn irgendwo Not am Mann ist. Umso erstaunlicher, dass er dann auch die Kapitänsbinde trägt und nicht Lasse, der ebenso Stellvertreter wäre. 

Zeig mir den Weg nach oben

Die letzten 20 Minuten sehen trotz richtiger Wechsel nicht mehr so ansehnlich aus, sodass der Schlusspfiff schon ein wenig erlösend ist. Vom Gegner kam auch nichts Zwingendes mehr. Immerhin ist Schnecke wieder fit.

Schweinerei

Am Ende noch ganz viel Liebe an JP Kalla, der im „Antifascist Action“-Shirt im Gästeblock stand.

Von der Auslosung bis zur ersten Runde

Kalla verletzt? Oh man, nicht noch einer … Fängt das schon wieder an? Zu viele Spieler verletzt. Und den von Ewald vor dem Spiel proklamierten „breiten Kader“ konnte man auf der Ersatzbank bewundern.

Gastbeitrag: Der alte Mann und der Klassenerhalt

Wir kamen zum Bahnhof und mit Kalla, Himmelmann, Ewald, Meggie und Oke ging es zurück nach Hamburg. Es mag beim FCSP eine Meldung sein, dass Präsidium, Trainer, Sportdirektor und zwei Spieler (Danke dafür Jungs, das ist ja nicht immer ganz einfach, mit so einer freudetrunkenen Meute zu fahren) sich in den Sonderzug schwingen. Dass bei uns jedes Mal die Aufsichtsratsvorsitzende den Partywagen schmeisst, geht da gerne mal unter. Danke dafür. Und frag mal den Hopfner, ob er das schon mal gemacht hat.

Vita et miracula ewaldi in missioni Sancti Pauli

Es ist Sonntag, der 24. Mai 2015, etwa 23.30 Uhr. Ich bin in einem mir völlig unbekannten Abteil aus dem Schlaf erwacht, der mich im Sonderzug übermannte. Kinder, streckte mich dieser Tag nieder. Die erlösende Feier in den Partywagen konnte ich noch eine Weile mitmachen, dann brauchte ich einfach Ruhe.
Ewald, Oke, Meggie, Skyman und Schnecke habe ich nicht mehr getroffen. Ich steige am Hauptbahnhof aus und taumel nach kurzen Umwegen nach Hause. Was fühle ich mich schmutzig, äußerlich wie innerlich. Erschöpft. Beseelt. Zufrieden.

Redemption Song

Also, Fußball. Viel Hoffnung haben zu Beginn die Wenigsten, so hier die Einschätzung. Doch Schachter macht gleich Alarm – es soll nicht das letzte Ausrufezeichen bleiben. Was unser FCSP da zusammenkickt, ist nicht immer schön und auch nicht durchgehend souverän. Es ist aber leidenschaftlich, es ist druckvoll und satt, von Anfang bis Ende. Das Tor des Tages: ein Traumpass vom großartigen Kalla, den Thy tatsächlich nicht fatal verstolpert, sondern irgendwie halbwegs gekonnt im Leipziger Tor unterbringt. Irre, so was geht doch sonst nie rein bei uns!?

Alles wie immer

Die Neuzugänge machen indes keinen schlechten Eindruck auf uns. Klar, beim ersten Heimspiel der Saison solltest du als Grünschnabel besonders motiviert sein. Das kann man überwiegend schon erkennen an diesem Tag. Auch Kalla ist dankbar für das Vertrauen und läuft sich einen Wolf, wenngleich der Spielaufbau nach wie vor nicht seine Stärke ist. Schade finden wir die Entscheidung, Thorandt auf der Bank zu lassen. Wir halten die #16 für einen prima Kerl, auch wenn er gern im Hintergrund bleibt. Aber da spielen wir uns nicht als besserer Trainer auf.

Ich habe ein Kissen dabei

Nach den Jubelarien wollte der Block noch den Trainer sehen, dem das eher peinlich war. Eine Welle wollte er da noch nicht machen, aber das holen wir dann nach, wenn wir bei München Rot gewonnen haben. Oder wie findet ihr die Vorstellung, dass uns Kapitän Kalla in die Arroganz Arena führt, wenn diese rot leuchtet? Wer ist schon Kapitän Lahm, wenn man Kapitän Kalla hat? Diese Träume werden wir jetzt auf der Rückfahrt träumen. Denn wir haben ein Kissen dabei. 

Flaschenhals

Der Wunsch an unsere Jungs war eigentlich nur, dass sich jeder zu Ehren von Walter Frosch eine gelbe Karte abholt. Das hat letztendlich mit fünf gelben Karten nicht ganz geklappt. Aber Buchtmann kann mit seiner 8. Im 14. Einsatz auf eine ordentliche Quote blicken. Ach, dieser Buchtmann wird ja sowieso immer mehr zum stillen Held. Was der an Lücken wegackert, dies ist schon bemerkenswert. Ansonsten wurde doch die ordnende Hand im Mittelfeld immer wieder vermisst. Und so komisch das klingt: Da fehlte Kalla in der Form der letzten Wochen. 

Nazi Punks Fuck Off!

Und das kann man sehr gut genau an Schachten fest machen. Was der ackert, das geht auf keine Kuhhaut. Auch sonst waren beinah alle Spieler richtig stark. Nöthe wird zwar kein Vollstrecker mehr, aber wo er wertvoll ist, zeigte er bei seinem Pass zum 1-0. Zu hoffen bleibt, dass Kalla sich nicht schlimmer verletzt hat, denn in der ersten Halbzeit zeigte er, dass er immer mehr zum Angelpunkt unseres Spieles wird. 

Eine Oper auf dem Betzenberg

Unser Ensemble wurde auf dieser Gastspieltour lange umjubelt. Es kam durch einen Stich in das Herz des Teufels, brilliant geführt von unserem jungen Heldentenor Kalla auch zum zwischenzeitlichen Gleichstand, musste sich dann aber doch geschlagen geben. Zu viele Töne wurden versungen. Zwar klappte das Vortragen des Vaudeville hervorragend, aber wenn es in die schwierigen Passagen der Da-Capo-Arie ging, waren unsere Sänger dem Gegner nicht mehr gewachsen und versangen sich bei einzelnen Noten.

Realexistierende Langeweile

Aber kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Unsere Jungs begannen – mal wieder – wie die Feuerwehr und führten dementsprechend auch relativ schnell 1-0. Und diesmal gab man das Spiel nicht vollkommen aus der Hand, sondern spielte weiterhin gut mit. Man darf ja nicht vergessen: Fürth ist schon eine der besten Mannschaften in Liga 2. In den ersten Minuten fiel auf, wie hoch und aggressiv unsere Jungs verteidigten. Und es wurde auch ersichtlich, wie Kalla die Unsrigen dirigierte und auch mal mit dem Schiedsrichter argumentierte. Anscheinend tut Frontzek dem Kleinen gut.
Überhaupt ist es bemerkenswert, dass sich Spieler unter Frontzek weiterentwickeln. Nun mag er Schwächen im taktischen Konzept der Gesamtmannschaft haben, aber wenn man sieht, welche Wandlung Buchtmann gemacht hat, dann spricht das auch für einen Trainer. Von einem kreativem Bruder Leichtfuß zu einer Stütze im Spiel. Wenn er nun noch abstellt, dass er gefühlt jedes Spiel eine gelbe Karte bekommt, dann kann er auf dieser Position absolut gut werden. Und wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass eine Doppelsechs Kalla/Buchtmann sehr gut funktioniert? Klar, da ist noch nicht alles perfekt, aber das sah schon sehr ordentlich aus.

Eine kurze Presseschau

Jan-Philipp „Schnecke“ Kalla feiert heute sein 10 jähriges in unserem Verein. Bei englischen Vereinen würde man ihm nun ein Testspiel widmen, wir widmen ihm einfach einen Link zu Gröni, dessen Glückwünsche wir uns anschließen.

Ein Klasse Erhalt. Warum denn nicht gleich so?

Fix fand eine fette Schnecke den Weg zu Kalla und ein Rauten-Drache wurde buchstäblich zum Spielball der ausgelassenen Mannschaft, bis er dorthin verbannt wurde, wo er hingehört: ins Dunkel.
(…)
Kurz nach dem Abpfiff und der Erleichterung, dass wir das Abstiegsgespenst endgültig weggesaugt haben, flogen auch schon die ersten Kuscheltiere. Die Frage darf erlaubt sein, wie sinnvoll die ganze Aktion ist und wem sie in welcher Form zugute kommt, doch aus rein hedonistischer Perspektive: Haha, geiles Ding! In Sekunden segelten Bären, Hunde, Elefanten, Tintenfische und mehr auf Spielfeld, dass es eine reine Freude war. Fix fand eine fette Schnecke den Weg zu Kalla und ein Rauten-Drache wurde buchstäblich zum Spielball der ausgelassenen Mannschaft, bis er dorthin verbannt wurde, wo er hingehört: ins Dunkel.

Geheimnis Sonderzug

Noch etwas: Sollte noch ein Trainer irgendwann mal auf die Idee kommen, Herrn Kalla auf die Außenverteidiger-Position statt nach Innen – wie heute – zu stellen, dann bitte sofort Lizenz entziehen. Die Leistungen unterscheiden sich wie Tag und Nacht.

Bahnfahren macht Laune

Kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Vor dem Anpfiff entwickelte sich auf Twitter eine Diskussion um Kalla. Und seien wir ehrlich: Auch wir haben hier schon häufig genug geschrieben, dass er kein Außenverteidiger mehr wird. Nun wäre die absolute Flexibilität von Spielern ein Traum, aber so etwas ist eher die Ausnahme im Fußball und wirklich flexibel einsetzbare Spieler sind daher heiß begehrt. Niemand käme bei uns auf die Idee, Boller oder Thorandt auf außen zu stellen. Kalla kann den Außenverteidiger an guten Tagen solide spielen, an schlechten Tagen ist er überfordert. Stellt man ihn jedoch in die Mitte, wird seine Leistung sofort besser. Gegen Frankfurt reichte es für die Kicker-Elf des Tages, gegen Duisburg sah ihn die MoPo als „Idealbesetzung gegen Exslager“ und gab ihm eine 2.

Unangenehmer Besuch

Kommen wir zum Geschehen auf dem Platz. Man las schon wieder von „der schlechteste Spieler“ (wahlweise sind dann Kalla, oder wer auch immer gemeint) oder von „Viererkette schlecht“ und natürlich stimmt so etwas auch immer ein bisschen. Was aber einfach auffällt ist, dass von 1 bis 11 die gesamte Verteidigungshandlung zu langsam, zu lieb und zu unstrukturiert ablief. Wer mal Verteidigung im modernen Fußball in Perfektion sehen will, der gucke sich 90 Minuten Bayern- Barcelona nur im Hinblick auf das Verteidigungsverhalten an, was zugegeben für die Spieler wahnsinnig laufintensiv ist.

Den Löwen die Zähne herausgearbeitet

Wenn Jan-Philipp Kalla als Kapitän auf den Platz führt, dann haben wir einen unfassbar höheren Punkteschnitt als bei anderen Kapitänen. Nun ist Schnecke ja nun wirklich nicht als Lautsprecher bekannt und seine Leistung als Außenverteidiger eher solide als herausragend, aber bemerkenswert ist dies schon.

Auf dem Jahn rumturnen

Und dann geht ihr ans Millerntor, seht das Flutlicht leuchten. Tabellenletzter? Gebt uns Gegner keine Opfer! Kapitän Kalla führt seine Mannen auf den Platz, das Stadion explodiert, ihr explodiert, 90 Minuten fliegen alle Emotionen aus euch raus und Vokabeln wie „Aufbaugegner“ oder „Tabellenletzter“ verkriechen sich vor Angst in der hintersten Ecke des Stadions namens Gästeblock. Angesteckt vom Feuer der Tribüne rennen unsere Jungs und werden gewinnen.

Hintergehen ist strukturell antisemitisch

Ja an die Truppe von Kapitän Kalla kann man glauben. Man hat wieder das Gefühl dort eine Mannschaft zu sehen. Eine Mannschaft, die jung, unerfahren und ungeschliffen ist. Aber an der man so langsam Struktur erkennen kann. Und die mit Kalla, Funk (könne wir den bitte verlängern?), Tschauner, Schachten, Thorandt eine Führungsgruppe bekommt. Wir wollen dem Kollegen Metalust ja gar nicht widersprechen: Aber junge Spieler ohne Gesicht sind das auch nicht. Vielleicht sind sie einfach nur still und heimlicher. 

Hicks

Und damit kann man die nächste Saison sehr viel ruhiger planen. Auch wenn Kapitän Kalla diesmal schlechter war und auch die anderen jungen Jungs nicht so ins Spiel kamen: Ich glaube an die Truppe. Wenn man noch ein zwei gute Ergänzungen findet (insbesondere ein Stürmer und einen Offensiven, der ein Spiel schnell und überraschend machen kann), dann kann hier was entstehen.

Ein strahlender Abend

Ginzcek machte dann den Vollstrecker, wobei insbesondere das 2:0 seine ganze Willenskraft zeigte. Was für ein Wahnsinnstor. Neben dem Tageshelden kann man noch Kalla herausheben, der wohl allen Zweifelern gezeigt hat, dass er eben doch Zweitligatauglich ist – wenn auch nicht zwingend auf der Außenbahn. Und bereits in der Hinrunde klappte das ja sehr gut mit Kalla als Kapitän, sodass es gar nicht verwunderte, dass Fronze zu dieser Lösung zurückkehrte.

Man für die Scheiße seid ihr 500km gefahren

Zum sportlichen: Siehe Überschrift und Einleitung. Was wir nicht begreifen: Man kann einen bescheidenen Tag haben, man kann volle Elle mit dem falschen Fuß aufgestanden sein, aber wenn man von Minute 1 nicht kämpfen will, nicht für den Nebenmann fighten will, dann trägt man das falsche Trikot. Und da kann auch nicht von „Verunsicherung“ oder ähnlichem die Rede sein. Was an Kalla z.B. in der Vergangenheit gefiel: Scheißtag und trotzdem haute er sich immer wieder rein. Diese Qualität wurde gestern komplett vermisst. Und zwar bei allen auf dem Platz. Dennoch glauben wir, dass man dieser verdammt jungen Mannschaft weiterhin eine Chance geben sollte.

Der Jahresrückblick, Teil 3

Überraschung des Jahres: Kapitän Kalla

Phönix in der Asche

Aber auch andere erstaunliche Dinge spielten (!) sich im Millerntor ab. Kapitän Kallas Mannen spielten (!) den Gegner nämlich an die Wand, zeigten Spiel(!)züge und Kombinationen und offenbarten ein lange nicht gesehenes Spiel(!)verständnis und eine spielerisch (!) gute Leistung. Dazu lag noch die wachsende Tugend des „never give up“ und eine wirklich ansprechende Darbietung auf dem Rasen. Nur, und das ist das absolut Unbefriedigende: Die Jungs gaben zwei Punkte ab. Man könnte sich wie ein kleines Kind auf den Boden werfen, mit den Fäusten trommeln und immer wieder brüllen „Ich will diese zwei Punkte!“ und man hätte Recht. Aber der verfickte Ball wollte einfach nicht ein zweites Mal über die Bochumer Torlinie gehen. Chancenverwertung ist bekanntlich nur in wenigen Spielen eine Stärke der Jungs auf dem Feld.

Dynamo dreht am Rad

Zum Spiel: Das Ganze war die ersten 40 Minuten einfach schlecht. Unsere Jungs mental zu langsam, lauffaul, viel zu weit weg von den Gegnern und zu breit aufgestellt. Kalla auf Außen mit seinem guten Gegenspieler komplett überfordert und beim 0-1 einfach auch so hmmmm… Doch plötzlich, als hätten die Jungs einen Schalter gesucht und nun gefunden, kippt das Spiel. Boll, immer wieder Boll und Boll dreht sich und dreht dadurch das Spiel. 1-2 und neue Hoffnung. 
(…)
Der Kapitän holt seine Mannen zu sich, redet auf sie ein und erst dann gehen sie in die Halbzeit. Plötzlich ist alles anders. Kampf, alle beißen sich rein, auch Kalla gewinnt mal einen Zweikampf und das Spiel kippt. 2-2 und 3-2 innerhalb kürzester Zeit. 

Ein Licht der Hoffnung

Und im Presseraum empfängt mich der SportMikrofon Schreiberling mit der Aufstellung. Jan-Philipp Kalla als Kapitän, Boller ist verhindert und Ginczek im Sturm. 
(…)
Und nun muss eine Ode an unsere Jungs folgen. Eine Ode als Gegenwind zu dem Shitstorm der Möchtegerntrainer im Internet. Da liest man bei Kalla „er habe seine Zweitligauntauglichkeit ja schon mehrfach bewiesen“ oder über Ginczek liest man „dass er nie 15+ Tore in Liga 1 oder 2 machen wird“. Ich bin es einfach leid. Leid solche Thesen zu lesen, die sich auf ein Konzept stützen, was einem Menschen über dem Alter von 17 anscheinend jegliche Entwicklungsfähigkeit abspricht. Man fragt sich immer, ob die Schreiberlinge diese Sozialdarwinismusthesen auch außerhalb des Fußballs vertreten. 
(…)
Ja liebe Leser, ich mag Jan-Philipp Kalla. Ein stiller Junge, ein Hamburger Junge. Garantiert nicht der beste Außenverteidiger der Welt. Garantiert nicht der beste Spieler, der für uns jemals gespielt hat. Darum geht es nicht. Darum geht es bei Sympathien für Spieler selten. Es geht um Vokabeln wie Eigengewächs, Bescheiden, garantiert nicht Topverdiener. 
(…)
Ein Spieler, den ich durch die Ränger der U23 wachsen sehen habe. Dort war er auch ein Führungsspieler, trotz seiner ruhigen, unauffälligen Art. Und so führte er seine Jungen auch als Interimskapitän aufs Feld: Ruhig, bescheiden, nicht im Mittelpunkt stehen wollend. Ein Lob an Fronzeck, der nicht nur anscheinend eine Hackordnung respektiert und fortführen will (Kalla ist immerhin Kassenwart der Truppe), nein auch auf ein Eigengewächs in diesem wichtigen Spiel zu setzen zeigt Mut und ist ein Fingerzeig für die Zukunft. Und zwar ein Fingerzeig dahin, nicht immer den gerade gekauften Spieler denen vorzuziehen, die aus den eigenen Reihen stammen. Und dies obwohl mit Kringe auch ein „Neuer“ auf dem Platz stand, der sich sehr wohl als Führungsspieler eignet, aber eben noch nicht so fest in der Ordnung steht. Rückblickend alles richtig gemacht, Trainer. (….)
Der Sonnenstich zog seine Bahn und so fantasierten wir munter über ein Pokalfinale, in dem die Truppe von heute aufläuft. Gegen Bayern. Bruns wird humpelnd in Minute 119. eingewechselt. Alle verschießen. Er läuft an, unten links, Neuer ahnt die Ecke, aber er ist drin. 1-0 Pokalsieger. Und als Schnecke den Pokal von der Kanzlerin bekommt, ist er ihm zu schwer und er fällt mit ihm auf sie. Und beendet unglücklich die Kanzlerschaft. Jemand was dagegen? 

Hordak und die Wilde Horde

Aber wisst ihr was? Das ist doch alles viel zu negativ, denn wir sahen in unseren Jungs etwas, was wir lange nicht gesehen haben. Das Kampfgen blitzte wieder hervor. Da beißt sich ein Kalla nach unglaublich schlechten 30 Minuten immer mehr in das Spiel rein, wird sicherer, kommt plötzlich auch mal an einem Mann vorbei.

Weiße Schuhe und Wendechoreo

Und Kalla zeigte auf seiner „angestammten“ linken Bahn eine Leistungsexplosion, die er beinah mit einem Tor gekrönt hätte. Trotzdem zeigte der Abwehrverbund in den ersten 30 Minuten auch Schwächen und an diesen muss auch noch gearbeitet werden. 

Emotionslos

Und ganz ehrlich: Dieses „ich will gewinnen“ Gefühl, das hatte man ansatzweise nur bei Tschauni, Kalla und Bruns.

Blitz und Donner

Die Viererkette also mit Kringe-Zambrano-Thorandt-Kalla. Und da diese Besetzung doch sehr lange so spielte, gehen wir mal davon aus, dass das auch die erste Wahl gegen Aue sein wird. Das wäre zumindest erstaulich, denn Kalla hatten wir eigentlich unter diesem Trainer abgeschrieben. Bemerkenswert dabei ist auch, dass dann zwei nicht gelernte Außenverteidiger die Außenverteidigerpositionen bekleiden würden. Mag ein Risiko sein und so ganz eingespielt wirkte die Kette auch noch nicht.

Das Gesicht von St. Pauli

Aus diesen angeblich chaotischen Zeiten haben es aber immerhin Spieler in die Bundesliga geschafft, wenn auch nicht bei uns (man darf nie vergessen, dass Spieler wie Torun und Choupo Moting immerhin aus unserer Jugendarbeit kommen). Seitdem ist aber auch Ende und viele Spieler (Kalla, Daube, Herber, Schenk seien als Beispiele genannt) verrecken kurz bevor sie irgendwie in den erweiterten Stamm vorstoßen, bzw. auf ihre Art Leistungsträger werden konnten. Man muss sich fragen, warum unser System dort erhebliche Probleme hat und warum das nicht klappt. Und natürlich muss man auch den Verantwortlichen hinterfragen, als Person.

Ein unwürdiger Abschied

Man sieht keine Entwicklung in der Mannschaft und gerade bei den jungen Spielern. Wenn man ein Ausbildungsverein sein will, dann kann man nicht nur kurzfristiger Durchlauferhitzer für ausgeliehene Spieler sein, sondern muss auch eigene Talente irgendwie entwickeln. Exemplarisch sei hier nur Jan-Philipp Kalla genannt. Er spielt, regelmäßig, sein Vertrag wird langfristig verlängert und danach spielt er keine Rolle mehr in den Überlegungen, steht nach der Winterpause nur noch einmal überhaupt im Kader. Da ist irgendwas falsch und fehlender Trainingseifer kann es bei einem Musterprofi wie Kalla irgendwie nicht sein.
(…)
Wie es nun weiter geht, wissen wir nicht. Es macht uns Sorgen, dass unser sportlich verantwortliches Personal angezählt ist und eine Krise in der Vorbereitung diese sofort sturmreif schiessen könnte. Das ist im Sinne einer Kontinuität und im Sinne eines mittelfristigen Umbaus nicht gut. Es bleibt zu hoffen, dass wir es schaffen Spieler zu entwickeln, Talente zu entwickeln und Spieler wie Naki, wie Kalla, wie Daube endlich mal vom Talent zum vollwertigen Profi zu entwickeln und sie damit halten können.

Aufstiegswille

Spieler wie Kalla, die in der erfolgreichen Hinrunde zumindest noch im Kader Stammgast waren, sind vollkommen weg vom Fenster.

Beim Warten auf das richtige (Spiel), kann man mit dem falschen (Spiel) viel Spaß haben

Man stelle sich mal vor, dass Kalla gegen Fürth sich die gelb/rote abholt und Funk diesen Ball in die weiten des Münchener Nachthimmels befördert. Wir wären mit vier Punkten mehr Tabellenführer. Und es sind leider diese Kleinigkeiten, die nach guten Spielen und einer guten Saison eventuell zwischen Platz 5 und Platz 1 unterscheiden. Denn qualitativ geben sich die Mannschaften nur wenig. Trotzdem muss man mit dem Punkt bei 1860 hochzufrieden sein, es hätten aber halt noch 2 mehr sein können.

 Re-Read: Holger Stanislawski, dir gehören die Ohren abgerissen!

Einschub: Unsere Helden waren: Pliquett Thorandt Zambrano Gunesch Volz
Boll Lehmann Kruse Takyi Bartels Asamoah von Anfang an, rein kamen: 58. Ebbers für Takyi 71. Daube für Asamoah 89. Bruns für Boll das ganze von der Bank abgesichert haben: Kessler Eger Kalla Sukuta-Pasu. Tor: Asamoah 59. Minute. Danke an euch, danke an Holger für die bekloppteste Idee ever und danke an Truller, dass er nicht sofort gekündigt hat, als Stani diese Idee hatte.

Sexismus ist kein Lebensentwurf, Sexismus ist scheiße!

Aber auch Eigengewächse wie Schnecke Kalla und Daube würden sich hervorragend entwickeln und seien ein Zeichen, wie durchlässig man in den Profibereich sei. (hier gab es sehr lauten Beifall)

Paderborn macht mich krank

Kalla gefiel mir als Linksverteidiger gar nicht und träumt (mit zwei weiteren Leuten) auch fröhlich vor dem Gegentor. Da stimmte die Abstimmung gar nicht, denn zwei Spieler haben ihre Gedanken beim Ballführenden, ein Spieler ist so im Halbfeld, nur um den letztendlichen Torschützen kümmert sich niemand. Das darf einfach nicht passieren.

Wir sind schwule Antifamodule

Was bei uns nicht funktioniert ist die Außenverteidigung. Rechts ist klar bei den ganzen Ausfällen, aber Kalla gefiel mir auf links auch gar nicht. Und immer noch stehen beide Spieler auf der linken Seite mir viel zu offensiv und müssen dementsprechend viel zu häufig ihren Gegenspielern hinterher laufen. Das macht für mich wenig Sinn und wird immer mehr zu unserer Schwachstelle.

Arbeitssieg

Schubert ging ein extrem hohes Risiko, indem er gleich drei Spieler, die aus einer Verletzungspause kamen aufbot. Und man kann nur sagen: Gewagt gewonnen! Naki mit einem Tor, Takyi mit einer Vorlage und Kalla mit solidem Spiel.
(…)
Natürlich muss unser Trainer an vielem arbeiten, aber nun hat er wieder eine Woche Zeit, Thorandt kehrt zurück, Ebbers wird vielleicht für einen Kurzeinsatz wieder fit, Naki, Kalla, Takyi wieder sicherer, da ist Potential und dies gilt es gegen Union und Fürth in die Waagschale zu werfen.

Das ist die perfekte Welle

… was bei unserer Crew auf dem Platz dieses Jahr auffällt: Sie glaubt an sich, an sich und ihre Methoden. Auch in der 93. Minute spielt Kalla den Flachpass nach außen, anstatt zu bolzen und dann klappt es eben mal. Und wie wir alle wissen: Glaube kann Berge versetzen. Und ich will aufsteigen.

Ist der Ball zu schnell, bist du zu langsam

St. Pauli ist so wenig Fußball, wie es nur sein kann. Ja, ich will pöbeln auf den Rängen, ich achte da nicht auf die 1.000 % Korrektheit und ein Schiedsrichter bekommt auch mal eine an sich strafbare Beleidigung an den Kopf. Wer Fußball anders erleben will, der gehe bitte zum Handball. Fußball muss dreckig bleiben und spätestens, wenn ich mich nicht mehr über so absurde Schiedsrichterleistungen wie die am Freitag aufregen darf, ohne eine PC-Diskussion zu führen, dann ist es nicht mehr meines. Denn diese Leistung war zwar unparteiisch im besten Sinne, sie grenzte aber an das Absurde, an das Surreale. Wie verbogene Uhren bei Dali (nicht zitierfähig, oder?), so ungefähr pfiff dieser Schiedsrichter. Da wird Kalla so umgetreten, dass er mindestens ein Spiel ausfällt. Und was bekommt der Übeltäter? Gelb! Bis dahin war der Stiepermann der beste Aachener, jetzt stoppt ihn Kalla einmal und er begeht ein brutalstes Frustfoul. Und bekommt Gelb. Nun kann man das ja noch als gespielten Witz sehen, aber dann haut Stiepermann noch einen im Mittelfeld um, geht schon von alleine vom Platz und der Schiri holt ihn zurück für die Ermahnung. Ja, Hallo geht es noch? Die Flüche von mir waren jetzt nicht wirklich mehr druckreif. Ein paar Minuten später wird ein Aachener für eine Lächerlichkeit im Mittelfeld vom Platz gestellt. Ebenso der Elfmeter, den man ehrlich gesagt nicht geben kann und eine weitere Reihe von mehr als komischen Entscheidungen machten die ganze Leistung mehr als absurd. (Und da sieht man am Montag Bibi über den Platz traben und weint, weil da weiß man: Hansa – Bochum => gute Schiedsrichterleistung.)
(…)
Die Jungs kämpfen sich rein. Sobiech gewinnt an Sicherheit, Kalla fightet gegen Stiepermann und irgendwann hat er ihn, nimmt ihn den Ball ab, nimmt ihn noch mal den Ball ab und wird umgetreten.
(…)
Das Publikum jubelt, das Publikum geht gut unterhalten nach Hause und wird in 14 Tagen wieder kommen, wenn der Zirkus zum nächsten Gastspiel in der Stadt ist. Trotzdem sieht der Kritiker noch Verbesserungsbedarf, denn unser Ensemble hat doch Lücken zwischen den Trapezkünstlern in der Sturmhöhe und der Elefantendressur in der Abwehr. Und unser Polizist vom Dienst war angeschlagen und auch nicht in Topform, so dass in seinem Ermittlungsgebiet sich immer wieder Lücken auftaten, sich Schachten von der gekonnten Pferdedressur lösen musste, reinrücken musste, alles verschieben musste und plötzlich auf Kallas Seite das Rennpferd durchging. Da müssen die Trapezkünstler besser nach hinten verschieben, dann kann Kalla auch das Rennpferd Stiepermann besser dressieren.

Hasenkodex

Kalla spielte 90 Minuten, mal links, mal rechts, machte seine Sache okay.

Nicht meine Saison

Jan-Philipp Kalla: Ein Trainerwechsel als Chance? Als Außenverteidiger aus meiner Sicht verschenkt. Gehört ins Mittelfeld. Hinzu kam, dass Stani ihn als alten Musterschüler in der Jugend überkritisch sah und immer als Ersten aus der 1. Elf oder dem Kader strich. Ist ruhig geworden und in Liga 2. ist vieles viel einfacher. Kann auch durch den neuen Trainer sehr viel gewinnen. Hoffen wir es, denn seine ruhige Art ist sehr angenehm. Nebenbei einer von zwei Spielern im Kader, die immer grüßen. Der andere ist Ralle. (Bitte nicht zwingend als Vorwurf zu verstehen, da Spieler an Spieltagen teilweise auch derbst fokussiert sind.) 

Meine Elf für morgen

Bartels möchte ich hier nicht sehen. Nein, er hat das Klasse gemacht, aber er fehlt uns weiter vorne. Daher würde ich ihn ins Mittelfeld ziehen. Dann bleiben eigentlich nur Kalla und Lelle, denen ich ein gutes Außenverteidigerpaar zutraue.

Jun 252020
 

Was machen schlaflose Blogger*innen so? Richtig, sie gucken sich die Fernsehgeldtabelle vorm letzten Spieltag noch mal an. 
Disclaimer: Wir haben das alles nach bestem Wissen und Gewissen via www.fernsehgelder.de ausgerechnet, da mögen sich Denk- oder Rechenfehler eingeschlichen haben, dann gebt uns gerne Bescheid und wir ergänzen / korrigieren entsprechend. Wir müssen für die Betrachtung zwischen dem Platz in der Fernsehgeldtabelle (der den ausgeschütteten Anteil vorhersagt) und Tabellenplatz (in der sportlichen Tabelle) unterscheiden und haben die Begrifflichkeiten unten entsprechend durchgezogen, um hoffentlich Verwirrung zu mindern.

Stand jetzt

Wir liegen aktuell auf Platz 28 der Fernsehgeldtabelle mit Fernsehgeldern in Höhe von 11.950.000 € für die kommende Saison. Im direkten Umfeld der Fernsehgeldtabelle (zwei Plätze vor und zwei Plätze nach uns) liegen Paderborn, Kiel, Regensburg und Fürth.

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(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Grundsätzliches zum System:

  • Fernsehgelder wird auf vier Säulen verteilt. Die vier Säulen verteilen sich proportional auf: 70 % Bestand, 23 % Wettbewerb, 5 % Nachhaltigkeit, 2 % Nachwuchs. Innerhalb der Säulen wird dann proportional zum jeweiligen Platz in der Tabelle ein gewisser Prozentsatz des Gesamttopfes ausgeschüttet. Details dazu findet ihr auf den jeweiligen Unterseiten von fernsehgelder.de.
  • Die in der nächsten Saison auszuzahlende Summe (1. und 2. Liga) beträgt 1.4 Mrd. Euro. Was 240 Millionen Euro mehr sind als diese Saison. Und ja, das klingt für uns auch echt nur nach Spielgeld.
  • Das heißt aber auch, dass es sich diese Saison lohnt, noch auf den letzten Metern was in der Fernsehgeldtabelle gutzumachen, einfach weil es um noch mehr Kohle als eh schon geht.

Aufgrund dieser Verteilung ergibt es Sinn, die einzelnen Säulen der Fernsehgeldtabelle stärker zu betrachten.

Bestand

In der Bestandstabelle wird der sportliche Erfolg der letzten fünf Saisons berücksichtigt, hierbei wird die jeweils letzte Saison fünffach gewichtet, die Saison vor fünf Jahren wird einfach gewichtet – Saisons „dazwischen“ entsprechend analog. 
In dieser Tabelle werden die 1. und 2. Liga getrennt betrachtet. Der Unterschied zwischen den beiden Ligen ist sehr groß: Letzter Platz in der 1. Liga kriegt 2,9 % des Topfes, der 1. der 2 Bundesliga nur 1,69 %. Somit kommt es auch, dass Hannover (265 Punkte in dieser Tabelle) in der kommenden Saison deutlich weniger Fernsehgeld als Bielefeld (198 Punkte) erhält. Der Unterschied liegt darin, dass Bielefeld nächstes Jahr in der ersten Liga spielt, Hannover nicht.
Da dies der größte Topf ist, könnt ihr euch denken, wie wichtig der der Tabellenplatz zum Ende dieser Saison hier ist. Wir sind heute auf Platz 11 der Fernsehgeldtabelle der 2. Liga. Aktuell liegen Kiel, Regensburg & Fürth noch in direkter Nähe. Wie ihr dem Screenshot entnehmen könnt, geht es dabei um einen möglichen Gewinn von einer Million Euro (Überholen von Kiel und Regensburg) oder einen Verlust von 400.000 Euro – jeweils zum aktuellen Stand gerechnet.

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(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Auf Kiel ist die Distanz aktuell 15 Punkte in der Fernsehgeldtabelle – was drei Tabellenplätzen entspricht, um gleichzuziehen. Rein rechnerisch ist das noch möglich, wenn wir in Wiesbaden gewinnen und gleichzeitig Kiel gegen Nürnberg verliert UND wenn wir dabei das Torverhältnis von -4 auf Kiel aufholen. Na, freut ihr euch gerade noch mal so sehr wie wir über das Spiel in Hannover?

Auf Regensburg können wir die sechs Punkte in der Fernsehgeldtabelle gutmachen, wenn wir noch zwei Tabellenplätze auf sie aufholen. Das klappt, 

  • wenn wir in Wiesbaden gewinnen und Sandhausen und Osnabrück maximal unentschieden spielen oder
  • wenn wir in Wiesbaden gewinnen, Kiel noch in der Tabelle überholen (sprich -4 Tore auch noch aufholen) und gleichzeitig entweder Osnabrück oder Sandhausen noch in der Tabelle überholen.
  • Währenddessen darf Regensburg gleichzeitig maximal unentschieden spielen und der vor Regensburg liegende Verein Fürth darf bei einem Unentschieden Regensburgs nicht hoch verlieren (und somit noch in der Tabelle hinter Regensburg rutschen). Regensburg spielt gegen Aue, wenn Regensburg also unentschieden spielt, dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Aue.

Fürth kann uns in der Fernsehgeldtabelle noch überholen, wenn sie einen Tabellenplatz auf uns gutmachen, sprich wenn sie selbst gewinnen (und damit Hannover oder Bochum noch überholen) und wir nicht parallel auch mindestens einen, bzw. zwei Tabellenplätze (nötig falls Fürth Hannover und Bochum überholt) gutmachen. 

Ein Sonderfall ist die Abstiegsgefahr von Nürnberg: Wenn diese noch absteigen, rutschen wir wir einen Platz in den Fernsehgeldtabelle nach oben (sprich +400.000 Euro) und wir könnten dann auch rein rechnerisch immer noch Regensburg überholen – und somit zwei Plätze im Vergleich zu jetzt gutmachen. Abstieg Nürnbergs hieße aber auch, dass sie gegen Kiel verlieren oder unentschieden spielen, während Karlsruhe gleichzeitig gewinnt. Und bei Kiel hatten wir oben schon betrachtet, dass andererseits eine hohe Niederlage Kiels gut wäre.

Wettbewerb

In der Wettbewerbstabelle, die 23 Prozent des Topfes ausmacht (322 Millionen Euro in der kommenden Saison) wird eine durchgehende Tabelle aus 1. und 2. Liga berechnet.

Die Bestandstabelle schützt absteigende Erstligisten somit stärker.)

Wie ihr sehr, geht es hier in den möglichen Verschiebungen insgesamt um deutlich geringere Beträge, es können aber zu den oben genannten Beträgen noch mal bis zu 130.000 Euro Gewinn bzw. 70.000 Euro Verlust (jeweils zum aktuellen Betrag gerechnet). Die Mannschaften, um die es geht, sind genau die gleichen. Entsprechend gelten die Szenarien von oben genauso.

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(Quelle www.fernsehgelder.de, abgerufen am 24. Juni 2020)

Nachhaltigkeit & Nachwuchs

Bei Nachhaltigkeit kann sich in diesem Jahr nichts mehr ändern. Wir erhalten 1,1 Millionen Euro über diesen Topf.

Die Säule Nachwuchs betrachtet die Einsatzminuten verbandsausgebildeter U23-Spieler, wo wir wahrscheinlich nicht so schlecht dastehen, aber die 2 % des Topfes, um die es da geht, sind dann halt wirklich nicht so relevant im Großen und Ganzen.

tl;dr?

Wir können am letzten Spieltag noch zwischen 1.2 Millionen Euro und 700.000 Euro gewinnen respektive verlieren. In Bezug auf den jetzigen planerischen Stand von 11.950.000 Euro sind das dann bis zu 10 % unserer Fernsehgeldeinnahmen. Wir alle können uns denken, wie viel Geld gerade überall durch die Geisterspiele (und die dadurch sinkenden Einnahmen) fehlt. Es geht also noch um richtig was, auch wenn der finanzielle sportliche Super-GAU durch die Vermeidung des sportlichen Abstiegs auf jeden Fall verhindert wurde.

Jun 182020
 

Eigentlich wollten wir nicht bloggen. Und nachdem die MillernTon-Hoschis jetzt unter die Pöbelblogger*innen (1, 2) gegangen sind, machen wir mal einen galanten Rollenwechsel und stellen uns und euch ein paar Fragen in der Trainerdiskussion. Und nein, wir haben keine Antworten. Zumindest keine leichten.

Kommunikationsstil

Ja, Jos‘ Kommunikationsstil ist nicht immer der glücklichste. 
Wir haben uns früher sehr intensiv mit interkultureller Kommunikation auseinandergesetzt und dort gibt es verschiedene Modelle, die die Direktheit der Sprache betrachten. Die Niederlande, das Land, in dem Jos geboren ist, gilt als eines der direktesten Länder überhaupt und wird regelmäßig als „Lehrbuchbeispiel“ herangezogen. Deutschland befindet sich irgendwo in der Mitte des Spektrums mit Tendenz zu direkter Kommunikation. Treffen hier einfach gerade verschiedene Kommunikationsstile & Ansichten dazu, was sozial akzeptiert & normal ist, aufeinander? 
Und ja, Jos hat lange in Deutschland gearbeitet und kennt sich gut hier aus. Und nein, wir finden öffentliches Anzählen von Spielern, die das anscheinend im bisherigen persönlichen Austausch mit dem Trainer nicht verstanden haben, auch überhaupt nicht gut. 
Aber es ist eine Frage, die wir uns stellen. Zumal – und auch das kennen viele von uns: Sich in der Muttersprache auszudrücken, ist immer noch mal eine andere Sache, als in einer Fremdsprache zu sprechen. (Und wir arbeiten täglich mit einer Sprache, die nicht unsere Muttersprache ist. Wir sprechen die Sprache fließend und trotzdem passieren uns manchmal doofe Ausdrücke. Keine Ahnung, auf was man sich da alles einschießen könnte, wenn wir diese Dinge in Mikrofone sagen würden. Und ja, auch wir als Kollektiv haben bei unserem Trainer schon Sätze rausgezogen und uns auf die fokussiert und diese auseinandergenommen.)
Und: Modelle sind immer eine simplifizierte Darstellung der Welt – zumal wenn sie Landesgrenzen als Denominator berücksichtigen. Sie helfen uns zumindest, uns über gewisse Dinge Gedanken zu machen – am Ende des Tages sind es immer Individuen, die in diesen Modellen agieren und sie liefern keine absoluten und leichten Antworten. Aber sie helfen uns zumindest beim Nachdenken.

Haste Scheiße am Fuß

Mit einigen Ausnahmen haben wir am Millerntor insgesamt schon einige Trainer erlebt, die mit mehr Begeisterung hier empfangen wurden als Jos es genießen durfte. Markus Kauczinski war sicher kein Publikumsliebling und wir haben über den Wechsel auch nicht getrauert.

Jos hatte aber einfach einen schwierigeren Start, weil die Trainerposition nicht erst seit seinem Wechsel unterm Brennglas ist. Dazu kommen sportliche Herausforderungen mit vielen Verletzten, ein Sportchef, der das Team sehr lange nicht verstärkt hatte und auf “abwarten bis die Preise fallen” gesetzt hat. Ein optimaler Start war das nicht.
Dann die „legendäre“ Pressekonferenz – wo wir in Bezug auf Direktheit auf den obigen Abschnitt verweisen wollen.

Seitdem lief es immer mal gut, und kippte dann wieder. Geiler Derbyheimsieg gegen den H$V, okayer Auftritt gegen Osnabrück, geiles komplett souveränes Spiel gegen Sandhausen. (Wir träumen immer noch von Mats Check gegen Dennis Diekmeier!) Dann kippt es gegen Nürnberg, Länderspielpause (no borders, no nations) und es läuft plötzlich nicht mehr.

Wichtige Spieler fallen immer wieder aus. (Und ja, der Trainer ist in letzter Instanz für die Fitness zuständig und da läuft es nach wie vor nicht rund.) Es waren aber auch doofe Dinger dabei: Jacksons frühe Verletzung, James‘ Knieprobleme, als er sich gerade in die Mannschaft gespielt hatte. Hornschuh’s tolles Comeback und die erneuten körperlichen Probleme, nachdem wir uns sehr für ihn gefreut hatten, dass er wieder da ist. Das passiert, das ist schwierig. Und weil wir wissen, dass es sonst kommt: Allgemeine Fitness ist ein Thema, das wir nicht in den Griff bekommen. Und das darf nicht sein.

Dann fährt Jos die Strategie, sehr junge Spieler aufzustellen – gibt vielen die Chance. Was dann immer genau passiert, wissen wir auch nicht im Detail, aber es waren dann immer wieder gute Auftritte und dann Leistungseinbrüche bei genau diesen Spielern.

Und dann am Mittwoch auch noch mal exemplarisch: Jos erntet massiv Kritik für die „vielen“, „willkürlichen“ Wechsel. Wir haben uns das mal genauer angeguckt:

  • Henks späten Einsatz begründet Jos mit mangelnder Fitness, schlechten Athletikkennwerten und Schutz des Spielers (Quelle: Pressekonferenz nach dem Spiel). Daran hat der Trainer einen Anteil. Der Spieler aber auch. Und konsequent ist das nicht-Aufstellen bei mangelnder Fitness allemal, zumal das immer wieder genau so kommuniziert wurde.
  • Dimi is verletzt und konnte nicht spielen.
  • Bei Sobota & Viet sind uns keine Gründe bekannt. Aber: Anderes taktisches System durch den Sturmwechsel nötig; mit Coordes und Gyökeres statt Dimi und Henk musst du auch das Mittelfeld dahinter umstellen. Bei Viet wissen wir auch, dass er letztes Spiel verletzt vom Platz musste & jetzt nicht im Kader war. Auch hier kann eine Verletzung ein Grund sein. Wissen wir aber bei beiden auch einfach nicht, weil keine*r nachgefragt hat. Sondern sich alle auf Henk-Jos eingeschossen haben.

Inwiefern ist das dann wirklich das willkürliche Durchwechseln oder verletzunsgbedingte Wechsel und eine taktische Anpassung? Inwiefern ist das in einer englischen Woche auch einfach normal? Nürnberg hatte zwischen dem 0:1 und dem 6:0 nebenbei auf sechs Positionen der Startelf gewechselt.

Spieler*innen sind keine Roboter

Fußballprofis sind Menschen wie ihr und wir. Wir hören schlechtes Feedback eher nicht so gerne und freuen uns, wenn wir gelobt werden. Macht irgendwie mehr Spaß, ist angenehmer. Freuen wir uns, schlechte Rückmeldung zu bekommen? Nee, eher nicht so. Hätten wir Bock, dass unsere Chef*innen jede Woche in ner Pressekonferenz erzählen, was wir alles schlecht gemacht haben? Also nun ja. Eher nicht so.

Entwicklung klappt durch positive Verstärkung – sehen wir Jos als eher kritischen Zeitgenossen? Auch ja. Die Ansprache funktioniert nicht für die Spieler, die aktuell im Kader sind. Zumindest nicht im Gros und bei weitem nicht immer.

Aber das ist nicht das gesamte Bild. Wir ziehen noch mal Parallelen zu unserem Leben: Wir hatten schon Chef*innen, die wir unterschiedlich stark geliebt haben. War es immer einfach, für die doofen zu arbeiten? Ne, natürlich nicht. Mussten wir auch mal die Zähne zusammenbeißen? Ja.
Und zeichnet sich ein*e tolle*r Spieler*in nicht AUCH dadurch aus, dass sie/er auch mit einer/m nicht so kompatiblen Trainer*in gut zusammenarbeiten können?

Und wieso gab’s diese Leistungsschwankungen bei den Spielern auch unter einem Trainer, der einen komplett anderen Kommunikationsstil hatte?

Außenbild & das was wirklich passiert

Wir haben mehrfach kritisiert, dass wir keine Reflektion vom Trainer sehen und das Schießen in andere Richtungen deutlich mehr passiert als das öffentliche Nachdenken über die eigene Rolle. 

Aber wir sehen eben auch nur Pressekonferenzen. Die Auftritte sind nicht geil, aber bilden sie die ganze Realität ab? Wissen wir, ob und wie stark Jos sich intern reflektiert und an sich und seinem Verhalten arbeitet? Nee, wir haben aber auch noch kein persönliches Gespräch mit ihm geführt. Und in ihn reingucken können wir auch nicht.

Fußball ist Ergebnissport 

Und die Ergebnisse sind immer mal wieder da, aber eben bei weitem nicht konsistent genug. Aber das ist nun wirklich kein Jos-Phänomen, in dieser Spirale befinden wir uns seit etwa so langer Zeit wie der FCB deutscher Mei8ter in Serie ist. (Hah, wir wollten das schreiben, um uns über diesen unglaublich überheblichen Hashtag aufzuregen. Möget ihr an eurer nicht vorhanden Demut doch noch mal so richtig scheitern.) Und seitdem hatten wir viele Trainer & viele Sportchefs. Und bei niemandem hat es langfristig Erfolg gegeben.

Was genau an dem System nicht funktioniert, wissen wir wirklich auch nicht. Glaubt uns, sonst hätten wir das längst geäußert. Klar ist, dass wir alle überhaupt keinen Bock auf diese ewige Spirale haben.

Ernsthaft: Es stinkt, es nervt. Aber der Trainer alleine ist nicht das Problem. Sonst wäre das nicht das gefühlt 19.10 Mal, zu dem wir uns an diesem Punkt befinden.

Und nun?

Ist ein Trainerwechsel die Lösung? Wir wissen es nicht. Wirklich nicht. Gräbt sich der Trainer gerade ein Loch, das nicht kleiner wird? Ja. Haben wir irgendwann gewettet, dass er keine 2 Jahre bleibt? Ja. Wünschen wir uns, dass wir die Wette gewinnen? Jein. 
Trainerentlassungen sind eben immer doof. Wir schrieben letztes Jahr im April:
„Nun kann man natürlich den Trainer als Sündenbock definieren und so ganz schuldlos ist der meistens auch nicht. Aber das ist eben immer nur die halbe Wahrheit. Wenn unsere Erinnerung uns kein Schnippchen schlägt, dann war es unser Präsident, der mal sagte, dass eine Trainerentlassung auch immer heißt, dass das ganze sportliche System in einem Verein versagt hat. Und da hat er natürlich Recht. Denn in einem guten System gäbe es eine Qualitätskontrolle, Frühwarnsysteme und genügend vertrauenswürdige Stimmen, die einem Trainer frühzeitig neue Ideen mitgeben und ihm seine Arbeit erleichtern.”

Wir wünschen uns: Klare sportliche Ambitionen. Verdammt, wir wollen aufsteigen, wir wollen europäisch spielen, wir wollen verdammt noch mal Champions-League-Sieger*innen werden. Wir wollen klare Bekenntnisse zum sportlichen Erfolg und dass dann alle gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeiten. Und reicht da “mind. den Platz der Fernsehgeldtabelle belegen” als Inspiration aus? Wir finden nicht. Klare, inspieriende Ziele kommunizieren, gemeinsam daraufhin arbeiten. Und ja, beim Fußball spielt der Zufallsfaktor eine große Rolle. Es gibt viele Einflussfaktoren und Input ungleich Output. Gegen wen spielst du wann? Hast du ne Serie oder der Gegner? Fällt Spieler*in X beim Kochen zu Hause ein Messer auf den Fuß? Hat der BVB die Saison scheinbar abgeschenkt und du hast Glück, spät in der Saison gegen die zu spielen?
Schaffen andere Vereine mit konsistenter Arbeit konsistentere Leistung auch mehr als wir? Auch ja. Stichworte hier nur: Heidenheim, Sandhausen.
Wir lachen viel und gerne über die Vorstadt (und erst recht, wenn sie wieder nicht aufsteigen). Aber sie formulieren klare Ziele. Überheben sie sich dabei? Ja, auch das. Aber immerhin ist allen klar, wo es hingehen soll. Diese Ziele haben wir bei uns weder vom Präsidenten gehört noch von der sportlichen Leitung. Und nein, „größtmöglicher sportlicher Erfolg“ ist nicht gleich „wir wollen unter die ersten sechs Tabellenplätze“.

Tragik ist wie Liebe

Doch die Liebe beweist sich erst
Wenn der Wind zunimmt.
Und Liebe ohne Leiden
Hat noch niemand gesehn.
Man kann ein Lied davon singen,
Man kann sich selbts nicht verstehn.
Und hooray, hooray, hooray, FC St Pauli!

Unser Tag wird kommen.