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Jul 052019
 

Soeben wurde über Social Media mitgeteilt, dass Boris Tashchy sich im Testspiel (Korrektur 06. Juli: wir wurden darauf hingewiesen, dass die Verletzung im Training geschah, steht ja auch 2 Zeilen weiter unten…) eine Muskelverletzung zugezogen hat und auf unbestimmte Zeit ausfällt:

Boris #Tashchy hat sich bei einem Sprint im Training eine muskuläre Verletzung im rechten Oberschenkel zugezogen und fällt für unbestimmte Zeit aus. Das ergab eine MRT-Untersuchung im Krankenhaus Agatharied in Hausham. Gute Besserung und werd schnell wieder fit, Boris! ✊🏼 #fcsp pic.twitter.com/WrX0IMQJZW— FC St. Pauli (@fcstpauli) July 5, 2019

Zuallererst das wichtigste: Gute Besserung und komm schnell wieder auf die Beine – wir haben noch was vor diese Saison.

Status Quo

War die Kaderdecke auf einigen Positionen auch vor diesem Ausfall schon äußerst dünn, so ist zumindest die Offensive spätestens jetzt absolut unterbesetzt. Drei Wochen vor Saisonbeginn (23 Tage vorm ersten Pflichtspiel!) haben wir einen einsatzbereiten Stürmer: Dimitrios Diamantakos. Henk Veerman ist nicht fit genug, um mit ins Trainingslager zu reisen, Tashchy fällt auf unbestimmte Zeit aus. Und auch Diamantakos ist jetzt nicht gerade verletzungsunanfällig: Vergangene Saison stand er in sieben Spielen nicht zur Verfügung. Übrigens auch aufgrund von Muskelverletzungen.

In der Verteidigung ist absolut unklar wann Zander und Ziereis zurückkehren, im Trainingslager sind sie ebenfalls nicht dabei. Das heißt:
3+2 Innenverteidiger: Avevor, Hornschuh (zuletzt am 16.09.2017 ein Profipflichtspiel, das Leistungslevel können wir nicht einschätzen), Knoll (wird in der Ankündigung durch den Verein in der Abwehr geführt), Carstens und Hoffmann (U23, können wir auch absolut nicht einschätzen).
4 Außenverteidiger: Bednarczyk (zu dem man sehr gemischtes hört und der in den bisherigen Testspielen eher unglücklich agierte), Schnecke (<3), Buballa und Park. Wobei Buballa dabei auch noch der einzige etatmäßige Linksverteidiger ist, aber Schnecke kann ja alles.
10+3 Mittelfeldspieler: Zehir, Møller-Dæhli, Buchtmann, Benatelli, Becker (<3), Sahin, Miyaichi, Lankford, Sobota, Coordes. Plus Lee, Conteh und Loubongo-M’Boungou (alle drei aus der Jugend, bisher ohne Profierfahrung). Hinzu kommt noch der rückkehrende Flum. Immerhin ein Mannschaftsteil, der uns keine zu großen Sorgen macht. Tendenziell eher etwas zu groß ist.
1 fitter Stürmer. Und zwei auf unbestimmte Zeit verletzte.

Was uns auch noch Sorge macht

Die Widersprüche zum Kader innerhalb eines Monats sind phänomenal:
Sagte Bornemann bei seiner Antrittspressekonferenz am 3. Juni 2019:
“Ein Kader von 30 plus ist eindeutig zu groß.” (& “Wir jagen keinen Spieler vom Hof, wir sind vertragstreu.”). 
“Wir wollen uns eher die Zeit lassen, zu einem späteren Zeitpunkt noch Qualität dazuzubekommen.“
„„Wir haben eine nicht unerhebliche Kadergröße und ein nicht unerheblicher Teil des Budgets ist gebunden.“

So klang unser Sportdirektor zum Trainingsauftakt am 23. Juni schon ganz anders:
„Wir haben keine Mannschaft, die ein stabiles Fundament darstellt.“

Und auch Luhukay ging damals in die gleiche Richtung: 
“Zuletzt waren immer vier, fünf, sechs, sieben, acht Spieler verletzt. Das ist katastrophal. Dass wir uns jetzt schon vor dem ersten Training über mehr als zehn Spieler Gedanken machen müssen, wann sie zurückkommen – das habe ich noch nie erlebt.“
„Es sind ständig zu viele Ausfälle. Es ist unglaublich, dass St. Pauli es in den letzten drei Jahren nicht geschafft hat, über eine ganze Saison kontinuierlich gut zu spielen.“ 

Und zuletzt – vor der neuesten Verletzung – wieder ein SOS von Luhukay am 3. Juli:
„Als Trainer will man immer 80, 90 Prozent der Leute zusammen haben im Trainingslager, gefühlt sind wir erst bei 60 Prozent“ und spricht dabei von Verbesserung in allen Mannschaftsteilen.
„Es können aber auch vier, fünf oder sechs [Spieler] sein. Die müssen dann aber qualitativ besser sein als die, die wir haben.“

Spannender Wandel innerhalb weniger Wochen, zumal in diesem Zeitraum genau ein Transfer kommuniziert wurde: Der von dem nun verletzten Boris Tashchy. 
Wir fragen uns, was zum Sinneswandel führte: Wurde die medizinische Situation der noch verletzten Spieler so schlecht eingeschätzt? Baut man schon mal vor, falls es sportlich nicht so läuft? Man hat dann ja immerhin mal frühzeitig vor Saisonbeginn Alarm geschlagen.
Alles macht nicht wirklich Hoffnung.

Ausblick: Hoffnungslose Optimist*innen

Wir sind – trotz allem – hoffnungslose Optimist*innen – und hoffen einfach mal, dass es da noch einige fette Joker in der Hinterhand gibt. Bei denen die Tinte nur noch nicht trocken ist. Und wir nicht als 16. in der Relegation gegen Chemnitz absteigen.

Man bedenke aber eines immer: Der FCSP neigt gerade dann zu positiven Überraschungen wenn niemand damit rechnet. Und wer weiß, vielleicht wird plötzlich Mats die falsche 9 und knipst 20 Buden! 

Apr 032019
 

Der Verein hat seine Veranstaltung am Donnerstag mit einem deutlich anderen Inhalt belegt, als zu dem Zeitpunkt als wir das erste Mal auf die Veranstaltung hinwiesen und will nun die Aufarbeitung des Derbys in den Mittelpunkt stellen. 

Wir werden wohl hingehen, haben aber doch starkes Bauchweh bei dem Einladungstext und dem Übergewicht der Redner aus der offiziellen Einladung. Zwar soll das keine Podiumsdiskussion sein, aber „vorne oben“ sitzt hat schon räumlich eine erhöhte Stellung in einer Diskussion – und framed die Diskussion allein schon dadurch, dass er zuerst das Wort erhält, insbesondere als offiziell eingeladene Person. Wenn man eine wirklich offene Diskussion will, dann sollte man hier nicht nur seine eigene Sichtweise präsentieren. Und alle Liebe für Fanladen Justus, aber er alleine als Gegenpol (siehe später) ist dürftig und wirkt schnell wie ein Feigenblatt. 

Wir finden eine Diskussion über Werte und über Gewalt prinzipiell richtig, ab hier stimmen die Prämissen einfach nicht: Wenn sich die Verantwortlichen des Vereins nach dem Derby offensichtlich einem Handlungsdruck ausgesetzt sehen, der sie u.a. bereits zu dieser absurd geschriebenen Stellungnahme letzte Woche veranlasste, sollte man nicht davon ausgehen, dass hier “Werte” neu justiert werden sollen oder dass das Präsidium sich wirklich Anregungen für die kommenden Monate von Teilnehmer*innen dieser Veranstaltung einholen will. Es ist eine PR-Maßnahme. Die Wirkung nach außen ist “wir nehmen das ernst” und nach innen ist es nicht mehr als ein “we hear you” an diejenigen, die an dieser “Diskussion” interessiert sind.

Erstaunlich ist auch der Zeitpunkt an dem man “Werte” für sich entdeckt. Wenn es Werte in diesem Verein gibt, dann sollten die doch in den demokratisch verabschiedeten Leitlinien zu finden sein. Ups! Die haben Vermarktung und auch Präsidium immer sehr frei ausgelegt. Nutzt mal die Suche hier im Blog. Ihr werdet merken wie häufig gerade diese Menschen an die Einhaltung der Leitlinien erinnert werden mussten. Siehe z.B. Hot Pink, siehe Astra, siehe Entgleisungen von Vermarktungspartnern, siehe aber auch sexualisierte Übergriffe im Stadion.
Hörten wir da ein „Statement zu den Werten” von unserem Präsidenten? Nein! Siehe auch die Stellungnahme von vergangener Woche, die in Wortwahl und Inhalt nicht den Geist der Leitlinie und Werten unseres Vereins trug. 
Zumal das Thema Übergriffe auch während der Veranstaltung im Januar mehrfach zur Sprache kam. Sichtbar passiert von offizieller Seite (außer der Versendung eines Protokolls an die Anwesenden): Nichts. Handlungsdruck scheinbar nicht vorhanden.

Und nun als Hüter der Werte darüber ein Statement abgeben wollen? Hmmm. Wir wissen nicht so recht. Da wäre der FCSR oder der Ehrenrat besser. Warum ist eigentlich der FCSR nicht offiziell auf das Podium eingeladen? Der vertritt irgendwas um die 500 Fanclubs mit irgendwas um die 3000 bis 5000 Fans. Und ist demokratisch legitimiert. Außerdem soll es im FCSR auch weibliche Mitglieder geben. Hätte man auch gleich noch das männlich besetzte Podium aufbrechen können. 

Wir sind nicht unbedingt davon überzeugt, dass die Vereinsoberen sich als besonders guter Gesprächspartner hervorgetan haben, wenn es um Verletzungen dieses Konsens ging. Eine moralische Deutungshoheit haben sie nicht und es ist interessant zu beobachten, wann sie “Werte” bedroht sehen und wann eben nicht.

Nein, das macht eine Diskussion über Leitlinien und deren Einhaltung nicht unsinnig, vielmehr ist sie dringend erforderlich, aber nicht “von oben” herab, und sowieso nicht, wenn man sie für sich selbst gerne schön weit auslegt – wie es eben gerade passt. Wenn wir sehr pessimistisch wären, würden wir schreiben, dass sich hier die autoritäre Rhetorik der Stellungnahme fortsetzen wird, aber das bleibt wohl noch zu sehen.

Auch fragen wir uns, was Svens “Sicht zum Derby Stellung nehmen” auf einer Diskussionsveranstaltung anderes soll, als dem ganzen ein Framing zu geben, aus dem man nicht mehr ausbrechen kann. Nix gegen den alten Punker Sven, aber ganz geheim würde er wahrscheinlich auch zugeben, dass der Job als “Leiter Veranstaltungen und Sicherheit” eine gewisse Sichtweise fördert. 

Immerhin soll Justus aus Sicht des Fanladens “einordnen”. Das ist als Gegenpol garantiert gut, aber auch hier wäre ein Fanvertreter und ein 50/50 auf dem Podium sehr viel besser, als ein 1/3 zu 2/3. 

Ihr seht, wir haben Bauchweh. Aber als Pessimist hat man ja eine gute Eigenschaft: Man kann positiv überrascht werden. Hoffen wir im Sinne unserer Werte beim FCSP auf eine solche Überraschung.

Mrz 302019
 

Hallo Loide!

Die Redaktion dieses Presserzeugnisses im nicht herkömmlichen Sinne versteht sich als Kollektiv, aber die Einleitung wurde durch ein einzelnes Mitglied verfasst, welches diesen Artikel unbedingt mit einer schlechten Analogie beginnen wollte, also here we go:

Ein Besuch des Millerntors ist wie der der Schule früher. Eigentlich würde man lieber hinter der Sporthalle Bier trinken und Gras rauchen oder ganz zuhause bleiben, aber irgendwo versteht man es doch als individuelle Pflicht und geht häufiger hin, als es der eigenen Gesundheit vielleicht gut täte. Und an machen Tagen hat man ein besonders schlechtes Gefühl, weil man am Vorabend lesen musste, dass morgen eine Mathearbeit ansteht. Und während man sich im Klassenzimmer sitzend gerade fragt, warum man überhaupt jemals Stochastik lernen sollte, erfährt man, dass der Lehrer krank ist, es wird keine Klausur geben und der Tag ist gerettet.

So ein schlechter Tag schien jedenfalls der vergangene Freitag zu werden. Nach der Stellungnahme des Vereins zu den kommenden Einschränkungen für die Südkurve hatte niemand recht Lust, sich Richtung Stadion zu begeben. Und wenn dann vor dem Spiel ein übereifriger Sponsor noch Astra Weizen feilbietet, weiß man auch nicht mehr so genau, was hoffnungsloser ist: Die Perspektive auf dieses Spiel oder der Versuch der Brauerei mit Herz und Anker, Kellerbier auf den Markt zu werfen. Aber es sollte doch in Teilen ein guter Tag werden. Im Zentrum des Interesses stand selbstredend die Reaktion der Südkurve auf die Kontroversen der vergangenen Wochen. 

Die Aktion mit den roten Sturmhauben und dem „Pyro ist für ein rotes Tuch“-Banner war ein gut gewähltes Stilmittel, denken wir. Auch die Solidaritätsbekundungen auf Nord und Gegengerade sprechen möglicherweise dafür, dass sich die Wogen etwas glätten. Schön, dass irgendwer auf der GG mit einem “Gegen Kollektivstrafen”-Banner auch mal die “Verantwortlichen” daran erinnern, dass wir wissen, warum wir hier stehen. 

Quelle: Privat

Der Verein selbst machte seine komplett verfehlte Rhetorik in der Stellungnahme zumindest ein kleines bisschen wieder gut durch die Erklärung der Solidarität mit der Ida-Ehre-Schule vor dem Spiel. Der öffentliche, von rechts erzeugte Druck gegen die Schule kann bestenfalls noch als absurd bezeichnen werden. Die Rolle von MOPO, Abendblatt und sonstigen Medien ist einmal mehr ein erschreckendes Beispiel für des Fehlen jeder kritischen medialen Öffentlichkeit in der Hamburger Lokalpolitik. 

Sportlich kann diese Saison als aufgegeben bezeichnet werden. Einen so auftretenden Gegner sollte man eigentlich an die Wand spielen und mit 5:0 vom Platz gehen. Dass wir der sportlichen Leitung in den letzten Wochen nicht viel Kompetenz zutrauen, sollte kein Geheimnis sein. Dass das Verlieren und schlechte sportliche Leistungen immer noch als USP (haha) des Vereins verstanden werden, ist zunehmend nervig. Klar, sind die sportlichen Resultate nicht das Wichtigste, wir wollten eigentlich mal für Werte stehen und würden den Verein auch lieber als Vorfeldorganisation der Kommunistischen Partei sehen. Aber dieses Fixieren auf das Verlieren als Teil der Identität ist extrem ungeil. Irgendwann wollen wir auch mal nach vorne und nicht nur zurück. 

Aber wie gesagt, die Saison ist gelaufen, Aufstieg könnt ihr knicken, wollt ihr ja eh alle nicht. Trotzdem war es ein schöner Abend und wir blicken mit deutlich mehr Zuversicht auf den FCSP als noch am vorherigen Tag. Aber denkt dran, der Mathelehrer ist nur krank gewesen, die Klausur wird noch stattfinden. Probleme werden noch auszudiskutieren sein. (Fuck yeah, Literaturnobelpreis ist entschieden dank dieser Analogie!)

Neulesende und Kommentierende

Da uns das Hamburger Abendblatt gerade als “beliebtes Blog” bezeichnet hat und die letzten Artikel auch ziemlich viele Neuleser hatten, hier ein sehr herzliches Willkommen. Wer wir sind, findet ihr hier. Wir freuen uns, wenn ihr uns lest, und wir freuen uns, von euch zu lesen. 

Leider muss hier mal ein allgemeines “aber” folgen. Wir haben eine Kommentarfunktion und freuen uns über eure Meinungen, muss ja nicht unsere sein. Aber mal ganz ehrlich: Wir schreiben über ein Thema drei ausführliche Berichte mit tausenden Argumenten und einen Rant und euer Kommentar ist “aber die Ultras sind doof, da ist Schlimmes passiert, da muss nun alles bestraft werden”? Und damit meint ihr, jemanden mit anderer Meinung zu überzeugen? Oder einen konstruktiven Dialog im FCSP zu fördern? Nun ja. Wäre vielleicht cooler, dann einmal um den Block zu rennen, noch mal nachzudenken und vielleicht die Welt dann anders zu sehen. 

Unser Blogsenior verehrt bekanntermaßen so eine Altherren-Punkband und wir hatten hier früher ein Textschnipsel stehen, der immer noch gilt für uns, für euch, für alle: 

“A righteous student came and asked me to reflect
He judged my lifestyle was politically incorrect
I don’t believe in self important folks who preach
No Bad Religion song can make your life complete” 

Und zu guter Letzt: Unser Blog, unsere Regeln. Wenn ihr hier was schreibt, behalten wir uns das Recht vor, es zu kommentieren, zu löschen oder zu ignorieren. “Warum kommentiert ihr hier denn alles”, fragte letztens ein Kommentator. Weil wir es können. Ganz einfach. 

Auf dem Platz

Bereits nach dem Derby hatten wir mehr Kampf und Einsatz auf allen Ebenen gefordert. Und das ging gestern definitiv in die richtige Richtung, auch wenn uns nicht ganz klar ist, was der taktische Ansatz war und warum wir bei 4 Punkten auf den Tabellendritten nicht auf Sieg spielen. Gut, gestern konnte man nicht wissen, dass der unbedeutende Hamburger Verein und Berlin heute erneut Federn lassen würden. Wir rechnen lieber nicht aus, wo wir ohne die verlorenen 5 Punkte der letzten beiden Spiele gegen Abstiegskandidaten stehen würden.
Zu klären bleibt auch, warum Flum und Allagui in dieser ausgedünnten Kadersituation keine Einsatzzeiten mehr bekommen. Wir erinnern: Gewählter Kapitän und sein Stellvertreter, die in einer schwierigen Phase dann nicht auf dem Platz stehen. 

Offensivstatistiken aller Spieler in der bisherigen Saison. Berechnungsgrundlage: kicker.de

Und warum wir bei einem Spiel gegen den Tabellensiebzehnten, der während des gesamten Spiels keinen Schuss aufs Tor abgibt, dann nicht offensiv umstellen, weiß auch nur der Trainer. Kauczinski hat die Kritik der letzten Wochen scheinbar auch ernst genommen: Seine Hände bleiben nicht mehr in den Hosentaschen, sondern sind jetzt hinterm Rücken verschränkt. Wir merken schon: Da müssen wir noch präzisieren, was wir uns wünschen.
Carstens spielt erstmals als rechter Verteidiger und man sah recht deutlich, dass das nicht seine angestammte und erlernte Position ist. Wir würden uns allerdings auch mal wünschen, dass er sich mal auf einer stabilisieren kann, statt dauernd auf den Positionen durch die Gegend geschoben zu werden. Warum Park – mit dem man vorzeitig bis 2022 verlängert hatte – nicht mal mehr im Kader ist, ist uns ebenso ein Rätsel.

Es bleibt allerdings auch ein Problem, dass die in Frage kommenden offensiven Einwechselspieler in 2384 Spielminuten bisher an 9 Toren beteiligt waren. Und ohne Allagui (der gestern eben nicht zum Zug kam), ist es dann noch 1 Torbeteiligung in 1213 (knapp vorbei, sorry) Minuten.

Vergleich von Toren und Torschüssen je Spiel vor und nach Winterpause. Berechnungsgrundlage: kicker.de

Insgesamt spricht der Einbruch im Offensivspiel seit der Winterpause seine ganz eigene Sprache. Waren es in der Hinrunde im Schnitt 1.67 Tore pro Spiel, sind es jetzt gerade mal noch 0.89 pro Spiel. 
Alex Meier hat dabei 5 der 8 Tore seit der Winterpause selbst erzielt, dabei keinen Assistent gegeben. Henk hatte vor der Winterpause 6 Tore gemacht, dafür aber auch noch 5 Assists selbst gegeben. Es scheint der Vorlagengeber zu fehlen, zumal die Zahl der Schüsse pro Spiel verhältnismäßig viel weniger abgerutscht ist. Und dass Alex Meier eher selbst Tore macht statt diese anderen aufzulegen, wissen sogar wir.

Nach dem Spiel

Wir begossen die Emotionen der letzten Tage und Wochen mit Weinbar-Wein und Fanräume-Bier an Schmalzkuchen, planten Auswärtstouren nach Heidenheim und Dresden und herzten liebe Menschen. Teilweise ging es dann noch weiter ins Viertel, wo an Hamburger Jukeboxes neue Kontributoren für die Playlisten des Todes gefunden wurden und wir außerdem die letzten 10 Jahre Musikgeschichte mit “Zaz ist die französische Rammstein” zusammenfassten.
Fußball könnte so schön sein. Wenn da bloß der Fußball nicht wäre. 

Mrz 282019
 

Liebe Lesende, warum wollen wir beinah jeden zweiten Hot Take „Am Arsch” nennen? 

Egal. Kommen wir zum Thema. Unser Verein hat heute eine „Maßnahmenpaket” veröffentlicht, das in Tonalität und Inhalt nur als kontraproduktiv und lächerlich bezeichnet werden kann. Beinhaltet es doch beinahe ausschließlich Kollektivstrafen, die entweder alle Südbesucher*innen betreffen oder zumindest eine große Gruppe von Südbesucher*innen. Dabei wird ausdrücklich keine individuelle Verantwortlichkeit der Süd oder der benannten Gruppen ausgemacht.

Das ganze ist eine Ansammlung von fragwürdigen Formulierungen, die MOPO Leser*innen und ihr Geifern nach möglichst harten Strafen beruhigen soll, und vollkommen unsinnigen Kollektivstrafen für Südbesuchern*innen, die wahrscheinlich zu 99 % mehr Opfer als Täter*innen waren. Das ist zutiefst reaktionär. Wenn man sich heute von Seiten des Präsidiums fragt, was einen denn von anderen Vereinen unterscheidet, dann kennen wir die Antwort: Euer Verhalten in Krisen schon mal nicht. Ihr reagiert genauso holzschnittartig und auf den deutschen Pöbel zugeschnitten wie Uli Hoeneß. 

Uns ist ja klar, dass man Presse, Sponsoren etc. auch beruhigen muss, die mit einem ruhigen pädagogischen Ansatz nichts anfangen können, sondern lieber den starken Mann sehen wollen, der ein paar Leute öffentlich „hängt”. Klar ist das ein Spannungsfeld, aber das kann man doch viel klüger bearbeiten, als mit so einem Schrott. 

Ein paar Lowlights

Da wird z. B. geschrieben “Der FC St. Pauli wird den Weg des Dialogs mit der Fanszene nicht aufgeben, auch wenn das vom Verein entgegengebrachte Vertrauen während des Derbys von Teilen der Fanszene in der Südkurve missachtet worden ist.” Warum wird da entweder niemand benannt oder jemand konkret benannt? So eine Wischiwaschi-Formulierung ist doch scheiße! “Teilen der Fanszene in der Süd” bedeutet 10%? 50%? 70% Klingt doch nach mindestens 50%, realistischer sind wahrscheinlich 10%. Und macht man nun USP verantwortlich? Wenn ja: Dann sagt es! Wenn nein, warum dann Kartenentzug? (Dazu später mehr)

Was soll dieses „Ihr wart böse, aber wir sind gnädig und bleiben im Dialog?” Sonst stille Treppe wie bei der Super-Nanny? Mal ganz davon ab, dass diese komplett erzieherisch destruktiv ist, ist so eine unkonkrete Formulierung ein Witz. Was ist denn die Alternative zum Dialog, liebes Präsidium? Polizei mit Knüppeln reinschicken? Stadionverbot für alle Südler? Beleidigtes Anschweigen? Sagt mal konkret, was eure Handlungsalternative ist! So ist es eine lächerliche Mischung aus gnädigem Mafiaboss und zahnlosem Tiger. Warum soll man den Dialog mit “der Fanszene” (Definition?) aufgeben wollen, wenn ein Teil der Fanszene auf der Süd (da sind zwei Eingrenzer drin!) sich danebenbenimmt? Da wird einer kollektiven Verantwortung und Bestrafung das Wort geredet, welche wir beim FCSP eigentlich immer – aus guten Gründen – abgelehnt haben. 

Man formuliert weiterhin “Nach dem Abschluss der Gespräche” und an einer anderen Stelle dann “Die weitere Aufarbeitung der Ereignisse mit allen Beteiligten erfolgt”. Ja was denn nun? Und warum braucht man, wenn man einen Maßnahmenkatalog schon in die Öffentlichkeit posaunt, eine weitere “Aufarbeitung”. Was soll diese denn noch bringen? Noch mehr Strafen? Und welches Interesse sollten dann Fans daran haben? Als aktive Gruppe kann man doch seine Beteiligung auf dem Podium nächste Woche nun nur absagen. Wir haben auch schon gehört, dass dies Vertreter*innen gemacht haben. (Kurze Klarstellung: Auf dem Podium sollten Fans ja sowieso nicht sein, aber auch als Publikumsdiskutant macht das kein Sinn mehr.)

Und zu allem auch noch die gewählten Formulierungen: “Maßnahmenpaket” klingt auch eher nach Amtsschimmel als nach Fussballverein, der “durch sportlichen Erfolg seine Werte möglichst vielen Menschen präsentieren will”. Könnt Ihr Euch Oke beim Verlesen dieses Maßnahmenpaketes vorstellen? Gut, wir auch nicht. Ehrliche Sprache statt autoritärem Gehabe.

Vor 10 Jahren haben wir – wie sogar der Verein so schön auf seiner Seite beschreibt – als erster Verein in Fussballdeutschland gemeinsame Leitlinien beschlossen:
Toleranz und Respekt im gegenseitigen Miteinander sind wichtige Eckpfeiler im FC St. Pauli.”
“Die aktive, d.h. in erster Linie die auch am Spieltag vor Ort engagierte Fanszene bildet das Fundament für die Emotionalisierung des Fußballsports, welche wiederum die Grundlage der Vermarktungsfähigkeit des FC St. Pauli darstellt.”
Wir wünschen uns, dass die für dieses Unding von Statement verantwortlichen mal mit den Leitlinien meditieren gehen. Sehr sogar.

Zu den einzelnen „Maßnahmen“: 

“Verringerung des von Fangruppen in der Südkurve selbstbestimmt verwalteten Kartenkontingents für die Südkurve. Diese Karten gehen in den freien Verkauf.”

Unser Wissensstand ist, dass USP und der Fanladen Karten haben. Da der Fanladen keine „Fangruppe” ist, meint man hier wohl USP. Warum? Macht man sie verantwortlich? Ist vielleicht schon weit hergeholt, aber sie haben ja Verantwortung übernommen. Siehe MillernTon. Dann kann man es aber sagen. Aber warum dann die Karten? Wir kennen genug Leute, die so Karten bekommen, und das waren eher Leute, die über das Geschehen entsetzt waren. Warum muss man diese Leute nun konkret bestrafen? Oder ist es ein albernes “Privilegien entziehen”? Und was genau soll ein freier Verkauf besser machen? Dass Elo noch häufiger erklären muss, dass Fotos in Mitte der Süd extrem uncool sind? Die Grundstruktur ändert es nicht. Und der Sturm wurde ja z.B. auch mit der Kartensituation begründet. Die macht man nicht über einen “freien Verkauf” besser. Das ist auch so ein bisschen „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“. Wir wollen kollektiv bestrafen, aber das Südkonzept da trauen wir uns nicht. Nächstes Mal werden dann 10 Karten mehr pro Pyro entzogen? 

“Kostenbeteiligung von Fangruppierungen der Südkurve an brandschützenden Maßnahmen”

Das klingt komplett unklar. Ist das abgesprochen? Ist das eine Strafe? Welche Gruppen und wie? Über die Kartenpreise? Das wäre eine Kollektivstrafe, die auch alle Unbeteiligten trifft. Ebenso wäre eine Rechnung an erkennbare Gruppen. Warum soll die G.A.S. dafür bezahlen, wenn die wahrscheinlich gar nix damit zu tun haben? (Wissen wir natürlich nicht, aber die sind jetzt mal fiktiv genannt, weil sie toll sind) Unseren in der Süd stehenden Teil hat jedenfalls bisher noch keine Rechnung erreicht.

Man kann natürlich Eingänge umbauen (Personenvereinzelungsanlagen etc), aber auch hier muss wieder gefragt werden, inwieweit ich alle für einige bestrafen möchte. Denn solche Umbauten und “strengere Kontrollen” sind immer extrem unbequem. Man kann das gerne mal in Bielefeld besichtigen. Zumal die Einlasssituation in der Süd nun auch in der Vergangenheit schon nicht gerade optimal war. Wir berichteten mehrfach.

Morgen

Wir sprachen vor einigen Tagen darüber, dass wir morgen mit komischem Gefühl ins Stadion gehen – wenig vorhersehbar was passiert, wie und ob es eine Reaktion gibt, etc. pp. Und durch das Statement ist leider klar geworden: Dieses mulmige Gefühl war berechtigt. Gilt doch in Krisensituationen auch bei uns das Prinzip “Führung mit harter Hand” statt Dialog.
Offen bleibt, warum so ein Statement einen Tag vorm nächsten Heimspiel – und eine Woche vorm angekündigten Dialog über unsere Werte – so scharf (in Wortwahl) und unscharf (in Inhalt) zugleich rausgedonnert werden muss. 
Wir wundern uns nicht, wenn Unmut darüber morgen auch im Stadion zu sehen ist. Und können nur sagen: Zu Recht. Und schicken solidarische Grüße an alle guten Leute mit reaktiönären Präsidien da draußen, so fühlt sich das also an.

Nachtrag (29.03.2019, 09:00 Uhr)

Wir haben uns noch mal die beiden Statements des Vereins angesehen:

„Am Tag nach der Partie gegen den HSV kritisieren Präsidium, Aufsichtsrat und Geschäftsführung des FC St. Pauli die Vorfälle in der Südkurve.“
Erste Stellungnahme des Vereins am 11. März

„Verantwortliche des FC St. Pauli beschließen Maßnahmenpaket nach Vorkommnissen im Derby“
Verkündigung des Maßnahmenpakets am 28. März

Uns fällt auf, dass die erste Formulierung klar die unterzeichnenden Gruppen benennt, das fehlt in der gestrigen Kommunikation völlig. Und stellt sich daher die Frage, ob da jemand unaufmerksam war oder ob die Formulierung absichtlich so schwammig gewählt wurde.

Mrz 082019
 

Wer sich taktisch auf das Derby einstimmen will, sollte dies beim MillernTon tun. Aber auch wir haben das magische Zauberexcel angeworfen, die bisherigen Daten dieser Saison ausgewertet und daraus eine Aufstellung gebastelt. Natürlich konnten wir dabei taktische Grundausrichtungen, aktuelle Form, Trainingsleitung, etc. nicht berücksichtigen, insofern betrachten wir nur einen relevanten Teilausschnitt.

Kurze Anmerkung zur Taktik: Wir gehen von dem klassischen 4-2-3-1 aus, das sich defensiv auch in ein 4-4-2 verschieben kann und planen die Aufstellung entsprechend.

Bei der Erstellung der Aufstellung haben wir verschiedene Leistungswerte der bisherigen Saison angeguckt: Individuelle Leistungen (abgebildet durch die WhoScored-Note, aus unserer Sicht der beste frei verfügbare Indikator individueller Leistung), Tore & Gegentore während die Spieler auf dem Feld waren, Punkteschnitt der Spieler, etc.. 

Wir berücksichtigen selbstverständlich nur Spieler, die auch auflaufen können (sprich: Zehir, Veerman & Ziereis nicht), ansonsten gehen wir von einem kompletten Kader aus.

Bei der Positionsbetrachtung haben wir jeweils nur die Spiele der Spieler auf der entsprechenden Position berücksichtigt und nicht die Spiele auf anderen Positionen.

Überblick über die Leistungen aller in Frage kommender Spieler in dieser Saison.

Tor

Zwei Spieler haben diese Saison bereits auf dieser Position gespielt, Brodersen und Himmelmann. Wobei Brodersen genau 1x zum Zuge kam – beim 1:4 in Köln. Von daher sprechen die Werte hier klar für Himmelmann. Alles andere wäre ja auch höchst verwunderlich. 

Innenverteidigung

Drei Spieler kommen hier in Frage: Avevor, Carstens & Hoogma. [Knoll wäre prinzipiell auch eine Option, aber seine Einsätze in der Innenverteidigung waren nun nicht gerade von Erfolg gekrönt und außerdem brauchen wir ihn viel zu sehr im defensiven Mittelfeld].

Wir setzen auf Avevor und Hoogma . Die beiden haben insgesamt den besseren Punkteschnitt im Vergleich zu Carstens (2.05 & 2.25 vs. 1.75), zumal deutlich seltener Gegentore fallen, wenn die beiden auf dem Platz sind.  Für Carstens sprechen seine individuellen Leistungswerte – hier bleibt es auf jeden Fall spannend, wobei Avevor gesetzt scheint.

Außenverteidigung

Also eigentlich diskutieren wir hier überhaupt nicht: Schnecke auf rechts, Buballa auf links.  Buballa auf links scheint auch aus Mangel an Alternativen quasi gesetzt, Kalla hat die besten individuellen Werte und den besten Punkteschnitt.

Defensives Mittelfeld

(Nur Spiele der Spieler im DM sind berücksichtigt)

Sieben verfügbare Spieler haben bisher in dieser Saison im defensiven Mittelfeld gespielt: Buchtmann, Carstens, Dudziak, Flum, Kalla, Knoll & Park. In Betrachtung der individuellen Leistung liegen Dudziak & Knoll vorn, knapp dahinter Buchtmann, der im defensiven Mittelfeld seine besseren Spiele diese Saison gemacht hat. Knoll ist gesetzt, wir setzen auf Buchtmann, der den leicht besseren Punkteschnitt hat. Zumal Dudziak jetzt einige Spiele Pause hatte und sein Gesundheitszustand nicht ganz klar ist. Und ja, wir erwarten Buchtmann tatsächlich eher im defensiven als im offensiven Mittelfeld. Zu den Gründen kommen wir gleich noch.

Offensives Mittelfeld

Dudziak hat in seinem 1 Spiel im OM (am 4. Spieltag gegen Köln) zwar ein echt gutes Spiel gemacht, dennoch wäre eine Aufstellung dort im Derby sehr überraschend. Insofern kommen acht Spieler in Frage (bzw. mit Buchtmann im defensiven Mittelfeld sieben). Wir setzen – aufgrund der individuellen Leistung – auf die Kombination aus Möller-Dæhli, Sobota & Allagui.  Close Call zwischen Ryo und Sami, den Ausschlag geben im Endeffekt die besseren individuellen Werte von Sami und die Tatsache, dass Sobota bisher an keinen Toren beteiligt war. Buchtmann macht seine besseren Spiele aktuell im defensiven Mittelfeld und wird da auch gebraucht.

Sturm

Fünf Tore in sechs Spielen sprechen eine eindeutige Sprache: Alles andere als Alex Meier wäre eine riesengroße Überraschung.

Einwechslungen

Das ist natürlich sehr viel „in die Glaskugel schauen“. Wir können uns gut vorstellen, dass Flum, Carstens und Miyaichi Alternativen sind, die bei Kauczinski ganz oben auf der Liste stehen.

Zusammenfassend kommt natürlich alles anders, und vor allem als man denkt. Und wenn das tatsächlich die Spielaufstellung ist, nun ja, dann dürft ihr uns gerne ein Bier ausgeben. Und dann gehen wir einfach mal davon aus, dass jeder einzelne Spieler das Spiel seines Lebens macht und dass wir die am Sonntag aus dem Stadion schießen.

Feb 202019
 

Seit einigen Tagen geistert der Aufruf an die Fanclubs, diese mögen ihre Tickets für Dresden doch “unseren Frauen” zur Verfügung stellen, durch das Internet. (<= Link ist für eure Information!) 

Uns erreichte dieser Aufruf bisher nicht direkt, wir wollen aber trotzdem kurz Stellung beziehen. Da dieser bisher unkommentiert verbreitet wurde, ist uns dies besonders wichtig.

Wir glauben nicht, dass dieser Frauenblock auch nur ansatzweise Sinn ergibt und unterstützen diese Idee nicht. Das liegt auch daran, dass die ominöse Facebook-Gruppe bisher ein Festival der schlechten, klischeebehafteten und Patriarchat unterstützenden Ideen (Perücke, Blasorchester, Kittelschürzen) war.

Wir fanden die Dresdener Plakate natürlich auch scheiße. Aber das ist in unserer Wahrnehmung nun nicht eine “neue Dimension” und hat entsprechende Historie. Und ja, diese Monothematik finden wir auch eher zum Gähnen. Nur weil die Medien dieses Stöckchen breiter als sonst aufgegriffen haben – an dem Spieltag war ja sowieso einiges los – müssen wir ja nicht in dieser übereifrigen Art und Weise mit entsprechendem Aktionismus starten.

In der Erzählung um Stimmungsboykott, Notarzteinsatz auf der Nord, zerstörten Toiletten im Gästebereich und Abhitlern fand halt auch das Transpi seinen Platz und wurde mehr als “normalerweise” durch die (sozialen) Medien getragen. Umso absurder, dass sich nun Menschen berufen fühlen, da zu antworten, denen das alles noch gepflegt am Arsch vorbei gegangen ist, als der Adressat noch mit “USP-Frauen” benannt war. Da waren es ja halt nur die Ultras und die sind ja bekanntlich selber schuld. 

Wir vertrauen im übrigen auch auf die Adressaten, dass sie da eine angemessene Reaktion hinbekommen. Stichwort: “Stellt Euch endlich unserer Gier.” Eine halbgare Idee mit Kittelschürzen oder ähnlichem wäre für „die Dresdener“ nur ein gefundenes Fressen und würde die eher anheizen als zum Schweigen bringen. Und jetzt mal ehrlich: Wirklich niemand in der Ideengeschichte des Feminismus hätte diese Aktion jemals als antisexistisch aufgenommen.

Daher: Kommt nach Dresden wie geplant. Und lasst uns gerne in der aktiven Fanszene darüber diskutieren, was angemessene Reaktionen sind. Aber lasst bitte auch den eigentlichen Adressaten Raum zum Antworten. Solche Diskussionen sollten jedoch eher nicht (halb-) öffentlich passieren, denn auch ein „Überraschungseffekt“ ist bei solchen Dingen immer wichtig.

Es ist einfach so, wenn man aus dem Nix kommt, eine Facebook-Gruppe macht, sich jeglicher (konstruktiver) Kritik verschließt, dann muss man sich nicht wundern, dass sich Menschen, die schon 2003 in Dresden mit Steinen und Hitlergrüßen eingedeckt wurden, sich ein bisschen verarscht vorkommen und einen nicht als Heilsbringer empfangen. Wir haben über Jahre insbesondere auswärts gewisse Handlungsweisen und ein gewisses Auftreten miteinander vereinbart und da kann man nun nicht einfach mit Kittelschürzen und Perücken kommen und meinen, man könne da ein Vakuum besetzen. Das gibt es nämlich nicht. Ja, das klingt alles ein bisschen nach „wir waren zuerst da“, aber so funktionieren Kurven halt auch. Respekt muss man sich da erarbeiten. 

Umso mehr kann man die Initiatorinnen nur auffordern, von ihrem hohen Ross herunter zu kommen, Kritik anzunehmen und mit vorhandenen Strukturen zu reden. Eine Möglichkeit dafür wäre nebenbei der Tag für Vielfalt und Inklusion gewesen, der im Januar stattfand. Leider glänzten dort die Initiatorinnen mit Abwesenheit. Nicht nur diese, aber das soll Thema eines eigenen Berichtes sein. Der auch noch auf unserer „zu schreiben“ Liste steht.

Noch was

Eine begrüßenswerte Reaktion auf solche sexistische Scheiße ist natürlich immer die verstärkte Einbindung und Sichtbarmachung von Frauen in Fanszenen. Sei es überregional durch Aktionen wie die „Fan.tastic Females“-Ausstellung, sei es lokal beim FCSP. Und da können z. B. Frauen*touren Hemmungen abbauen und Frauen* das Erlebnis „Auswärts“ näher bringen. Und nirgendwo kann sich Frau* besser vernetzen als auf einem Ritt zu einem Auswärtsspiel. Aber doch bitte nicht so! 
Und wir wünschen uns auch, dass alle Empörten mit der gleichen Kraft gegen übergriffiges Verhalten in den eigenen Reihen angehen. Aber den Finger auf andere zu zeigen, ist natürlich immer einfacher.

Und noch etwas persönliches vom Blogsenior

Ich versuche ja immer das Gute im Menschen zu sehen und nicht jeder Internetaktionismus ist gleich zu verdammen. Es ärgert mich aber doch sehr, wenn die Möglichkeiten des Internets (z. B. leichte Vernetzung, leichter Austausch) zu nix wirklich Konstruktivem führen und man es eigentlich alles in die Tonne treten kann. 

Letztes Beispiel: Da wird irgendwo eine Petition gegen Under Armour gestartet, es unterschreiben drölfmillionen Menschen, aber im Verein, da wo er geprägt wird, kommt nix davon an. Warum nicht? Das ist einfach Dreck! Man kann/sollte/müsste diese Anliegen real auf einer JHV diskutieren. Nur so kann man was ändern oder verstehen, dass man falsch liegt. Nein, lieber halbgar in die Öffentlichkeit blasen und dann rumheulen, dass der Adressat sein Verhalten nicht ändert. 

Gleiches gilt hier wieder. Man kapselt sich ab, das Motto ist „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ und so verpufft alles. Nach der Perücken-Tour nach Dresden geht man wieder in sein Privatleben und lässt die aktive Fanszene die Suppe auslöffeln? Und wenn das nächste Mal da wieder “USP Frauen” draufsteht, ist es wieder okay, weil “aber die Ultras”? Oder wie soll das funktionieren? 

Und nein, ich stempele solche Leute ungern sofort als „für immer gestorben“ ab. Dafür hab ich schon zu viele Menschen gesehen, die zuerst ganz wirre Ideen hatten und dann irgendwann diese Fanszene über Jahre geprägt haben. In einem positivem Sinne. Aber da muss jetzt was kommen. Das ist Holschuld. 2019 muss eine aktive Fanszene nicht über jedes Stöckchen springen. Denn wir sind St. Pauli. Ihr könntet es werden. Aber nicht so. 

Dez 172018
 

Liebe Leser*innenschaft,

alle, die im Meckern, Motzen und Pöbeln unsere Kernkompetenz sehen: Ihr müsst jetzt ziemlich stark sein. Ja, nein, da ist einfach zu wenig Beklagenswertes an diesem Spieltag passiert. Oder andersherum: Sackzement, das ist ja wirklich ganz geiler Fußball gerade!? Wir sind beeindruckt und versuchen es irgendwie mit diesem “einfach mal glücklich sein”. Aber die Winterpause nehmen wir dennoch bald mit Kusshand, das nur nebenbei.

Gegen das arg gerupfte Kleeblatt geht es heute abermals auf einen Sonnabend. Guter Spieltermin weil Sonnabend, schlechter Termin weil immer so früh. Nun ja, für irgendwo in Block D reicht es noch, auch wenn die Einlassschlange schon wieder entsetzlich lang geworden sind. Wäre da eigentlich irgendwo Optimierungspotenzial, fragen wir uns? Hängt vermutlich von spieltagsbezogenen Anweisungen an U-Need bzw. der Laune der Ordner*innen ab sowie äußerden Faktoren wie der Verkehrslage ab, wie lange wir uns die Beine in den Bauch stehen müssen, bevor es auf die heiligen Stufen geht.

Kalte Hände lassen sich warmklatschen

Die Anhängerschaft der Spielvereinigung ist wieder einmal so zahlreich erschienen wie Bürobesatzungen zwischen den Jahren. Und das am Sonnabend, dem König der Spieltage! Ey Fürth: Wenn die eigene Mannschaft gerade 0:5 und 0:4 auf die Rübe bekommen hat, braucht sie vielleicht extra viel Unterstützung. Aber das soll nicht unsere Sorge sein.

Unser Support ist auch schon so ein bisschen in der Winterpause angekommen. Ja ja, kalt, bla bla. Handschuhe ausziehen & klatschen hilft auch gegen die Kälte. Da müssen wir heute doch noch wieder den Finger in die Wunde legen, allerdings stehen wir außer der Reihe auch weiter abseits vom Epizentrum. Die Trommel auf der Nord ist zu hören und erinnert uns daran, dass das auf der Gegengerade ja auch mal eine sehr gute Idee war. Erwähnten wir schon, dass wir die Trommel wiederhaben wollen? TROMMEL. BADAMBADAMBAMBADAMBADAMBAMDAM! So. Wäre das auch geklärt.

Wie gegen einen Drittligisten

Erst die Negativkritik: Gegen schwache Fürther kann man eine fast zwanzigminütige Wackelphase in der zweiten Halbzeit eigentlich auch vermeiden. Im Idealfall geht da nicht noch ein Schuss an die Latte, der uns zittern lässt. Und deshalb müssen wir da früher ein zweites oder drittes Tor nachlegen.

Jetzt zum Positiven: Der FCSP spielt heute wie gegen einen Drittligisten. Also nicht so, wie er es in hässlicher Regelmäßigkeit im Pokal tut, sondern so, wie er sollte. Das Spiel wirkt zu überwiegenden Teilen so, als ob man eine Klasse über dem Gegner wäre. Dabei sprechen noch nicht einmal die Ballbesitzzahlen, Zweikampf- oder Passquoten eine so eindeutige Sprache wie das Gefühl, das das Spiel vermittelt. Nun kann es anekdotisch werden, aber wenn wir sehen, wie selbst in der Fürther Drangphase unsere Defensivkräfte zulangen und in aller Regel mit perfektem Timing die Grätsche auspacken, sich strecken, den letzten Meter gehen und sich nicht durch Körpertäuschungen verarschen lassen, dann ist das eine Wohltat. Vielleicht lässt man in diesen Minuten die SpVgg ja mal extra kommen, damit alle sehen, was wir für eine geile Abwehr haben?

Magischer FC St. Pauli vs. Greuther Fürth Dezember 2018
Es geht in die richtige Richtung – nach vorn

Ein quirliges, engagiertes und zumindest im Vergleich zu vergangenem Jahr weitsichtiges Offensivspiel, bei dem die Braunweißen auch geistesgegenwärtig umschalten können … das ist auch noch ganz schön ungewohnt. Finden wir aber okay, dürfen sie weitermachen.

Nicht zu vergessen, wie viel personelle Rotationen wir in den vergangenen Spielen erleben mussten. Und so steht heute ein Florian Carstens erstmals in der Startaufstellung am Millerntor und macht das bockstark. Als Defensivmensch im Heimspieldebüt gleich mal eine Bude zu machen, das ist schon fast kitschig schön. Und wenn wir dann doch schon mal bei Einzelpersonen sind: Unsere innige Liebe für JPK ist ja weithin bekannt, aber auch abseits von Fangegirle und -geboye gibt es keinen Zweifel daran, dass Schnecke zu jedem Zeitpunkt beweist, dass er vollkommen berechtigt da wieder steht (und läuft und grätscht). Das ist kein Gnadenbrot für die Endphase einer Karriere, das ist Anerkennung einer richtig guten Leistung. Herr Kauczinski, für Ihr Händchen gibt’s einen dicken Daumen nach oben.

Und alle, die uns das durch unsere schneckenfarbene Brille nicht abnehmen. Die Statistik gibt uns Recht:

Gemittelte WhoScored-Noten unserer Spieler während der 17 Hinrundenspiele.

Das war die Hinrunde …

Nun ist, zweitligaüblich, die Hinrunde zwar beendet, doch vor der Winterpause kommt noch ein Spiel. Wir hoffen mal ganz stark, dass es gegen Magdeburg so weiter geht und wir 2018 mit einem Ausrufezeichen abhaken können. Denn wie eingangs erwähnt: So eine Winterpause ist echt mal notwendig. Dinge sacken lassen, sich entweder weniger drüber ärgern oder überlegen, wie wir Probleme angehen können. Und wenn es Ende Januar wieder losgeht (warum zum Geier das mit einem Dienstagsspiel sein muss, naja), dann sind wir alle wieder voller frischer Energie, nicht wahr?

Das Haar in der Suppe

Wir können nicht ganz aus unserer Haut – so ganz ohne Kritik geht es nicht:

Wir müssen Groeni korrigieren.

Gestern gab es nämlich sogar 12:25 Minuten Anlass zu spielbezogener Freude am Millerntor. Und ob wir mathematische Genies in unseren Reihen haben klären wir demnächst mal bei nem Bier.

Anlass zu spielbezogener Freude gab es gegen Fürth überdurchschnittlich häufig.

Forza!

Auf dem Heimweg aus Bochum einigten wir uns darauf, aus diesem Jahr noch sechs Punkte mitzunehmen. Nächsten Samstag noch mal alle ans Millerntor, Magdeburg wegbrüllen und mit einem richtig guten Gefühl in die Winterpause gehen.

Dez 052018
 
Liebe Lesende dieses Beitrags. Soviel vorweg: Wir sind 2 Frauen, die mehr Spiele des FCSP im Stadion (auswärts und zu Hause) mitbekommen, als nicht. Wir haben uns beide schon an geeigneter Stelle über Sexismus im Vereinsumfeld aufgeregt. Und wir haben beide schon gemeinsam mit dem Fanladen nach Lösungen gesucht. Aber die letzten Monate geben uns den Eindruck, dass auf einen Schritt nach vorn dann gleich zwei zurück folgen.
 
Wir haben beide die Tapete der Dresdener als, nun ja, “Höhepunkt” der letzten geschmacklosen Aktionen mitbekommen, wahrgenommen und verurteilt. Und wir haben darauf beide keinen Bock mehr auf diesen Scheiß. (Und mal fernab von der inhaltlichen Ausgestaltung: Dresden, Diggi. Wie wär’s mal mit was Neuem? Oder dürfen wir das als Einladung verstehen, dass wir monothematisch bleiben sollen und uns beim nächsten Besuch als England verkleiden? Gruß an Waving the Guns an dieser Stelle.)
 
Aber wir nutzen diese dämliche Provokation nicht, um uns jetzt selbst als F**zen zu betiteln, oder sonstigen dämlichen Facebook-Aktivismus zu betreiben. Uns selbst bezeichnen wir nicht als F**zen, auch ein Reclaimen und “positiv besetzen” dieses zutiefst frauenverachtenden Begriffs kommt für uns keinen Millimeter in Frage.
 
Es kann einfach nicht sein, dass als Reaktion jetzt Aktionismus-Ideen auftauchen, die veraltete Geschlechterbilder und patriarchale Strukturen (jetzt hier nur beispielhaft: Kochlöffel, Schürzen, Perücke und “Frauenkleider” mit denen alle nach Dresden ins Stadion sollen) bedienen, aufgreifen und somit tiefer in den Köpfen verankern. Als Innenwirkung mögen das einige “witzig” finden, aber als Außenwirkung kommt die bloße Reduzierung auf die stereotype Frau (und indirekt auch auf den Mann) an.
 
Protest, der als erstes Ziel hat, witzig zu sein, ist gleichzeitig von der Angst gefüttert, bestehende Strukturen anzugreifen und vor allem einzureißen – genau das sollte aber das Ziel sein. Missstände anprangern, niederreißen und ändern. Egal, ob in Dresden, auf St. Pauli oder anderswo.
 
Und um jetzt hier mal eine Sache für immer und ewig festzustellen: Wir sind nicht humorlos, weil wir Eurer Einknicken und Anbiedern an bestehende Verhältnisse/ Vorurteile nicht witzig finden. Wir sind nicht bereit, faule Kompromisse einzugehen und wir arbeiten nicht mit Euch zusammen, so lange ihr weitere sexistische Weltbilder verbreitet und verstärkt.
 
Wir müssen bei Protest auch nicht witzig oder nett sein, wir wollen anecken und sichtbar sein, aber nicht nur weil wir Sexismus aufgreifen, sondern weil das Stadion eben auch unser Platz ist.
Daher an die lieben Menschen, die diese Haspa-Putzer mit ihrem anbiederndem Aktionismus auch aufgeregt haben: Wir fanden die auch scheiße. Und wir finden auch nach wie vor Sexismus scheiße. Wir sind nur nicht bereit, unsere Ideale aufzugeben, um irgendwelchen Typen zu gefallen und alles fröhlich mit Humor zu nehmen. Wir sind wütend, verdammt. Und wir haben allen Grund dazu. 
 
Die Schreiberinnen sind dem Blogkollektiv persönlich bekannt.