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Sep 142021
 

Wir haben in unserem Leben schon einige Stadionhymnen gehört. Jetzt lässt sich ja über Geschmack bekanntlich streiten, aber wir sagen mal so: Es gibt solche und solche. Immer wieder stellen wir uns die Frage: Wer schreibt und komponiert sowas? Wir haben da eine Theorie:

Der Stadionhymnengenerator

Der Stadionhymnengenerator ist eine vom DFB zur Verfügung gestellte Website, auf der sich jeder Verein gegen eine Gebühr seine eigene Stadionhymne bauen kann. Es gibt verschiedene Preismodelle, die sich vor allem in den Einstellungsmöglichkeiten und der Qualität der Produktion unterscheiden. Es ist an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass mehr Geld nicht unbedingt eine bessere Hymne bedeutet. Geschmack kann man bekanntlich nicht kaufen.

Als erstes wählt man den Musikstil aus, den man bevorzugt – Schlager, Pop, Werbejingle? In der Premiumversion stehen noch Rock, Hip-Hop, Punk und Classic zur Verfügung. Es können bis zu drei Musikstile gleichzeitig ausgewählt werden. Schon hier ist es wichtig, sich zu überlegen, welchen Effekt man bei seinen Fans (und dem Gegner) erzeugen will : Four on the floor mit Klatschen, Gröhlen oder peinlichem mit-dem-Schal-wedeln?

Im nächsten Schritt wird dies dann konkretisiert. Mit einem Regler lässt sich einstellen, wie sehr das Lied zum Mitklatschen einlädt. Hierbei sollte man als Nutzer*in vorsichtig sein – was bei den eigenen Fans gut aufgenommen wird, kann bei Gästefans schnell zu peinlich ironischem Mitklatschen führen.

Anschließend wird an einem weiteren Regler der sogenannte „Scooter-Faktor“ eingestellt. Je höher der Regler geschoben wird, desto leichter können der betrunkenste Fan und jemand, der noch nie im Stadion war, beim ersten Hören mirgröhlen. Des Weiteren hat der Regler Einfluss auf die Plumpheit des Beats.Im Premiummodell können darüber hinaus noch individuelle Instrumente oder andere Klangerzeuger ausgewählt werden, auf die der Verein besonderen Wert legt. Neben den Klassikern wie Gitarre und Schlagzeug stehen hier auch Dinge wie Kuhglocke, Elefantentröten oder Schiffshorn zur Verfügung.

Nun folgt der Text. Hier gibt es einen Fragebogen, in den nach und nach die wichtigsten Schlagworte eingepflegt werden können, und je weniger Eingaben hier gemacht werden, um so generischer der Text. Aber Achtung: Zu viele Eingaben führen schnell zu einem klischeeschwangeren Oktoberfest-Mitklatsch-Hit. Folgende Fragen müssen beantwortet werden:Vereinsfarben? Stadionname? Ort? Gibt es ein Feindbild, wenn ja: wer? Spitzname? Erfolge, die schon drei Jahrhunderte zurückliegen? Gründungsjahr? Etc. Hinter jeder Frage kann die Häufigkeit des Wortes im Lied und die Wichtigkeit angegeben werden; dies entscheidet über die Platzierung des Wortes im Lied. Ist es mehr was für den Vers oder benötigt es eine übermäßige Betonung und muss deshalb im Refrain untergebracht werden?

Nachfolgend wird wieder an einem Regler eingestellt, wie billig und platt die Reime sein sollen. Der obere Bereich ist allerdings nur für Premium-Kunden zugänglich.Vereine, die Wert auf rassistische Klischees oder besonders starke Abwertungen legen, können dies in einem Untermenü gezielt auswählen.

Im letzten Schritt folgt die Auswahl der Stimme. Sänger, Sängerin oder Gruppe stehen hier zur Verfügung. Die Art und Qualität des Gesangs kann natürlich ebenfalls geregelt werden; auch hier unterscheidet sich die Qualität je nach der in diesen Service investierten Summe. Lokale Sprachfärbungen und Dialekte stehen den Premium-Kunden außerdem noch zur Verfügung.

Hat man sich als Verantwortliche*r durch die Webseite gearbeitet. muss man nur noch auf „generieren“ klicken und erhält sofort eine Hörprobe seiner neuen Stadionhymne. In der Basicversion ist diese allerdings nur 10 Sekunden lang. Auch kann der Generator nur einmal bedient werden. In der Premiumversion stehen einem der volle Song und unendlich viele neue Versuche zur Verfügung.Hat man sich für ein Lied entschieden, kann dies sofort heruntergeladen werden. In der Premiumversion besteht noch die Möglichkeit den Song mit bedeutungsschwangeren Bildern zu unterlegen und direkt über social media zu streuen.

Das zumindest ist unsere Theorie. Anders können wir uns manche Stadionhymnen einfach nicht erklären.

Sep 112021
 

Hannover. Auf einem „dekorierten“ Wahlplakat in der Hannoveraner Innenstadt stand unsicher, unsauber, ungeliebt. Und zumindest letzteres beschreibt unser Verhältnis zu Hannover ganz gut.

Aber fangen wir vorne an.

An diesem Samstag ist die Stadt so leer, dass schon Pläne geschmiedet werden neue Geschwindigkeitsrekorde auf dem Ring 2 aufzustellen.

Die Autobahn ist frei und so laufen wir Gefahr an den Raststätte unseren weiteren Mitfahrer zu vergessen. Was wir aber natürlich nicht tun.

Und weil wenigstens das heute alles super klappt sind wir überpünktlich und ohne Probleme in Hannover.

Dinge für die Hannover nicht mehr berühmt wird: Die Parkplatzinfrastruktur (Hallo Paderborn!). Zwei Optionen um Parkmöglichkeiten für Gäste zu kennzeichnen fallen uns spontan ein: Schilder oder Ordner*innen. In Hannover gibt es beides nicht. Wobei das so nicht ganz stimmt. Es gab Ordner*innen. Von denen wusste nur leider keiner wo man denn jetzt parken darf, soll oder muss. So beobachten wir mehrfach wie Autos in den Parkplatz einfahren, quer auf der Straße stehen, dann gesagt kriegen „hier nicht“ und dann wieder drehen mussten, während hinter ihnen sich ein anderes Auto durchquetschte. Unser Parkplatz wurde, nachdem wir dort parken, auf einmal als Behindertenparkplatz deklariert. Hannover, dass kann man geschickter lösen.

Ansonsten bieten die Straßenverkäufer ihr Bier nur den Herren unserer Gruppe an und Hannoveranern, die uns entgegen kommen, fällt nichts besseres ein uns Schimpfwörtern bezüglich unseres Körpers entgegen zu schreien. Wir sind so müde. Hier passt ja auch, dass der Account der Sportfrauen, der #MeToo Geschichten von Frauen im deutschen Fußball anonymisiert öffentlich macht, nach nicht mal 48 Stunden schon wieder gesperrt ist.

Der Einlass funktioniert schnell und unkompliziert. Erst Impfpass und Perso zeigen dann Personenkontrolle. Von hinten wird einmal abgetastet und kurz in die Tasche geschaut. Ticket scannen und wir sind drin.

Hannover, wenn man 4 Stockwerke zum Gästeblock hochlaufen muss, dann sagt doch vorher bescheid, dass die Toiletten und Getränke auf der untersten Ebene zu finden sind. Sehr viele Leute hätten sich sehr viele Treppen gespart.

Ohje – das Spiel

Kurz gesagt: Gut war das nicht.

In der ersten Halbzeit erspielen wir uns zwar einige guten Szenen, so richtig gefährlich werden die aber nicht. Teilweise ist es dann sehr wild und chaotisch. Hannover nimmt Kyreh in die Manndeckung, damit komplett aus dem Spiel und wir haben kein Mittel dagegen. Wir verlieren, vollkommen unnötig, in der Mitte des Spielfelds den Ball und dann ist der Ball mit Ansage im Tor.

Wir wechseln zur Halbzeit. Benatelli für Makienok. Damit ging uns aber leider das komplette Tempo verloren. Was vorher zu wild war, war jetzt zu pomadig. Später kommen noch Irvine, Buchtmann und Dittgen ins Spiel. Buchtmann kommt kurz nach seiner Einwechslung zu einer der besten Chancen des Spiels, aber Zieler hält den Ball überragend.

Vergleichen wir das mit der Niederlage in Paderborn, hat uns heute der letzte Wille und der Einsatz gefehlt. So richtig das Gefühl, dass da heute noch was geht hatten wir nicht.

Die Stimmung im Block ist so geht so. Wenn es laut wird, wird es auch etwas lauter. Aber diese selbsterklärten Vorsänger, die mitten im Gästeblock sich an den Zaun hängen, Väter mit ihren Kindern anbrüllen und den Ordner*innen ihren Zigarettenrauch ins Gesicht pusten, braucht kein Mensch.

Der Heimbereich glänzt durch 5x „Scheiß St. Pauli“ in den ersten 15 Minuten und übertrifft sich zum Ende hin noch selbst mit „Scheiß St. Pauli – Hurensöhne“. Ansonsten wird hier alles gesponsert oder von irgendjemandem präsentiert was nur geht. Wir schrieben heute, dass nicht jeder Furz präsentiert werden müsse. Beim drüber nachdenken: FCSP, das wäre so bekloppt, dass es schon wieder geil wäre.

Abfahrt

Die Abfahrt gestaltet sich schnell und ohne Probleme. Die Stimmung im Auto war vorher allerdings deutlich besser.

PS: Jakov Medic – Wir sind Fans.

PPS: Aufbaugegner sein stinkt. Und das sind wir viel zu oft.

Sep 032021
 

Der Tag begann für die einen optimistisch (Grüße!), die anderen (Grüße!) wollten bei Hamburger Wetter und der Aussicht vom Tabellenführer aus dem eigenen Stadion geschossen zu werden, lieber im Bett bleiben. Die Aussage, dass zum Spiel fahren nichts mit Freiwilligkeit zu tun hat sowie die Aussicht auf Lebkuchen, Franzbrötchen und gute Menschen (Grüße!) trieben uns dann allerdings doch aus dem Bett und ins Viertel. Durch nicht saisonhabendes Gebäck und Bier gestärkt ging es dann auch schon ins Stadion.

Der Einlass funktionierte, wie bisher immer, relativ reibungslos. So stellten wir bereits um 12:15 Uhr fest, dass man jetzt langsam mal anpfeifen könne. Einen lieb gewonnenen und lange nicht gesehenen Menschen wiedergesehen (Grüße!) und sofort kamen alte Rituale und Frotzeleien zurück. Das haben wir die letzten Monate vermisst. 

Die Gäste begeisterten besonders durch ihre mitgebrachte Stadionhymne, auf die man wunderbar deutsch im 4/4 Takt daneben mitklatschen kann. Ansonsten waren die ca 300 mitgereisten Regensburger*innen unauffällig. Aber Respekt, dass es immerhin 300 nach Hamburg geschafft haben. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist das mit diesen wenigen Gästefans Murks und man kann mit 300 Menschen einfach nicht die Wucht eines Gästeblocks entwickeln. Erlebten wir letzte Woche in Padeborn ja auch ähnlich, wo wir auch mit rund 300 Menschen angereist waren. 

Das Spiel

Vor dem Spiel sagen wir Wieckhoff in der Startaufstellung voraus. Lawrence als Kapitän anstatt Ziereis. Ansonsten mit der gleichen Aufstellung wie gegen Paderborn. Aber im Gegensatz zu Paderborn sieht das was die Herren da auf dem Rasen bieten von Anfang an nach richtig gutem Fußball aus. Bis auf eine kleine Szene, in der man merkt das Medic und James noch nicht so oft zusammen gespielt haben, stehen wir stabil und schaffen es die Konter, die Regensburg so gefährlich machen, zu unterbinden.Wir erarbeiten uns Chancen schaffen es aber nicht den Ball im Tor unterzubringen. Er will einfach nicht rein.

Kyereh kann einem echt leid tun. Er ackert und läuft aber der Ball will einfach nicht von seinem Fuß ins Tor. Wir haben uns während des ganzen Spiels mehrfach gewünscht, dass endlich der Knoten platzt. Seinen unermüdlichen Einsatz konnte er aber immerhin durch zwei entscheidende Bälle auf Burgstaller belohnen. Wie sehr er sich gerade für die Mannschaft einsetzt, ließ sich auch an der Szene nach dem Tor erkennen, in der Burgstaller nicht sich oder den Treffer feiert sondern sofort auf Kyereh zeigt. 

Schrieben wir letzte Woche noch​​​​​​​ noch, dass wir Eric Smith gerne mal mit Körnern für 90 Minuten sehen würden, hat sich das schon vor Anpfiff wieder erledigt. Er verletzt sich beim Aufwärmen. Für ihn rückt Afeez Aremu in die Startelf und liefert prompt sein bestes Spiel, das er beim FCSP je gespielt hat, ab. Er zeigt immer mehr warum man ihn ans Millerntor geholt hat. Obwohl er spontan in die Startaufstellung kommt, ist er von Anfang an gut in das Spiel eingebunden und hält das Mittelfeld stabil.

Und wie großartig und ungewohnt ist es als FCSP-Fan, dass da 3 Spieler mit Startelfformat ausfallen/ fehlen (Zander, Ohlsson, Smith) und dass man das auf dem Feld gar nicht merkt? Wir können uns da in jüngerer Vergangenheit nicht so gut dran erinnern. Uns gefällt was wir da sehen. Das macht Lust auf mehr.

Während Menschen um uns rum (Grüße!) noch etwas irritiert vom Fußballzauber am Millerntor sind, stellen wir fest: Wir können das. 

Nach dem Spiel 

Wir lassen den Spieltag im Viertel mit Kleine Pause – Pommes ausklingen. Das war heute ein ganz schön guter Tag. 

Frage: Leasen unsere Spieler ihre Autos in Paderborn oder warum haben die alle PB als Kennzeichen?

Erkenntnis: Das da an der Kirche ist gar nicht der Bibelkreis – das sind unsere Ultras!

Pokal: Das sind zu viele Nazis im Oktober.

PS: Medic? Wir sind Fans.

Aug 212021
 

Paderborn das Elend begann 777 nach Christus, als Karl der Große in Paderborn einen  Reichstag und eine Missionssynode einberief. Karl der Große ist schon lange Wurmfutter und Groß ist im
Jahre des Herren 2021 in Paderborn nur noch das Möbelhaus neben dem Stadion.

Anreise

Champagner, gute Laune und aufgrund eines Staus ein touristischer Abstecher ins Weserbergland. Das ist ja richtig hübsch da. Und bei Radfahrer*innen richtig beliebt augenscheinlich. Kurz überlegt, ob wir die Paderborner Parkplatzinfrastruktur gegen eine nette Mühle am Weserlauf tauschen, aber ihr wisst ja, alles für den Dackel, alles für den Club.

In Paderborn angekommen zeigt sich die Parkplatzinfrastruktur unvorbereitet. Wir wollen zum Gästeparkplatz. Viele werden zum Gästeparkplatz geschickt, nur wir werden zu den Heimfans geschickt. So ein Möbelhaus neben dem Stadion hat aber auch Vorteile. Ein namentlich jetzt nicht genannter Mitfahrer nutzt diese zum vierten Toilettengang. Nicht, dass wir zählen, aber wir zählen.

Lieber Fanladen, wir nehmen euch erst wieder ernst, wenn ihr wie das Fanprojekt Paderborn im Partnerlook rumläuft. Die Shirts nebenbei der Marke „siehst du im Dunklen aus dem All“. Das dazu passende Auto haben die auch noch. Fanprojekt Goal.

Einlass? War gechillt und okay. Ein Kollektivmitglied wurde jedoch das erste Mal in der Pandemie ordentlich gefilzt.

Im Stadion war es okay. Es gab echtes Bier! 300 Leute im Gästeblock sorgten für ordentlich Platz. Ob es sinnvoll ist auf der einen Seite nur 300 Menschen zuzulassen und dann aber keine Abstände zu definieren, lassen wir mal klügere Menschen beurteilen. Auf der Heimseite führte das zu einer kompletten Ballung der Menschen. Laienvorschlag von uns: mach doch 2 G Blöcke ohne Abstände.

Neben dem Gästeblock entstanden Mischblöcke mit einer erstaunlichen Dichte von FCSP Merch, da anscheinend auch Paderborn Probleme hat, die Tickets im Verein zu verkaufen.

Wir waren am 02.03.2019 das letzte Mal in Paderborn und können immer noch alle Hits da mitsingen. Das zeigt, dass wir da definitiv zu häufig waren.

Trauerminuten in Paderborn sind immer ein Erlebnis für sich. Ihr erinnert die Parkplatzinfrastruktur? Diesmal wurde an Gerd Müller gedacht und als Verdienst erwähnt, dass er mal in Paderborn einen Ball unterschrieben hat. Uns würden wichtigere Dinge einfallen. Ruhe in Frieden Gerd!

Musst du nicht verlieren

Die Rote Karte? Aus der Gästeblock Perspektive ganz klar Schwalbe, keine rote Karte, sondern gelb für den Paderborner. Wer etwas anderes behauptet: Digga, deine Objektivität kotzt uns an. Sonst hat Jakob Medić dazu alles gesagt. Medić? Wir sind Fans. Nicht nur neben dem Platz, sondern auch auf dem Platz. Wir meckern auch nie wieder, wenn Borni einen ihm bekannten Spieler verpflichtet. Okay, wahrscheinlich doch.

Bis zur roten Karte war das nebenbei ganz schön schlecht von uns. Erst in Unterzahl wurde es stabiler. Simon musste einem Leid tun, letzte Woche noch der Held und heute gerade mal 6 Minuten auf dem Platz. Ist für einen Trainer eine komplette Bauchentscheidung, die du so oder so machen kannst. Burgstaller raus nehmen, weil Simon einen Lauf hat oder Simon raus nehmen, weil Burgstaller die abgewichstere Sau ist? Letztendlich trifft Burgstaller, also alles richtig gemacht.

Interessante Beobachtungen: 1. wir brechen an solchen Tagen nicht ein. Wir bleiben trotz aller Nackenschläge stabil und können das Spiel echt noch gewinnen. Kyereh hat beim Thema „Lauf“ gerade nicht die beste Zeit. Das Ding nach der Pause kannst du mal machen. 2. Auf der anderen Seite kannst du auch mal froh sein, dass Paderborn unsere teilweise haarsträubenden Fehlpässe so gar nicht nutzen kann. 3. Ohne die rote Karte zu bewerten können, aber „klare Linie“ und „gute Spielführung“ sieht anders aus. 4. Wir erspielen uns echt viele Chancen in Unterzahl, wir haben da Lösungen, aber machen die Chancen einfach nicht. Ärgerlich! 5. Smith: Auffällig, dass der Junge körperlich immer nach 70 Minuten brutal abbaut. Bis dahin immer guter Abräumer, der alles mit bringt und eine klasse Übersicht besitzt. Die letzten 20 Minuten körperlich noch abreißen zu können, wäre Gold wert. 6. Viet: Kommt rein und spielt als ob er schon seit Jahrzehnten in der zweiten Liga spielen würde. Das nächste Eigengewächs mit richtig Potenzial. Schulle immer wieder auch mit begeistertem Klatschen in seine Richtung.

Trotzdem zur Zeit einfach weit weg von sportlicher Zufriedenheit. Wir stehen hinter Dresden. Das geht so nicht weiter!

Das drumherum

Ein Kollektivmitglied hat ihre Bewerbung als Einwechseltrainerin bereits abgeschickt. Sagte sie doch alle fünf Einwechselungen inklusive Auswechselungen korrekt voraus.

OKF und Schalparade? Muss echt nicht sein. Auch nicht wenn der Fischerhut an bleibt.

Alle 10 Minuten wurde auf das Hygienekonzept hingewiesen und auf den Klos war Seife und Desinfektionsmittel vorhanden. Das ist wirklich gut gewesen.

Das wir jedoch Sankt Pauli heißen, hätte sich auch schon bis Born rumsprechen können. Irgendwelche Gegner zu verniedlichen ist halt auch fehlender Respekt.

Ausblick

Dienstag AGiM Veranstaltung. Alle hin da! Artikel kommt definitiv.

Sonntag kommt Regensburg. Als Favorit!?! Definitiv richtungsweisend das Spiel, so dass wir gerne wieder die Derbyleistung sehen wollen.

Ende

Wir gehen jetzt grillen. Aber nicht am Stadion.

PS: Medić? Wir sind Fans!

Okt 082020
 

Mit Bwin hat der FC St. Pauli einen Sportwettenanbieter unter seinen Sponsoren. In dieser Saison veranstaltet Bwin mit dem Verein ein Tippspiel. Dies wollen wir im Folgenden beleuchten und hinterfragen.

Wie läuft das Tippspiel?

Das Tippspiel ist ein klassisches Tippspiel auf kicktipp.de. Durchgeführt wird es von der GVC Services Limited, Teil der GVC Holdings PLC in Gibraltar, kurz „bwin“. Getippt wird bis zum Anpfiff des Spiels. Es werden Spieltags-, Hinrunden- und Rückrundensieger*innen ermittelt. Die Teilnahme ist kostenlos und altersunabhänig; gewinnberechtigt sind allerdings nur Personen mit einem Mindestalter von 18 Jahren.
Zu gewinnen gibt es für die Spieltagssieger*innen ein signiertes Heimtrikot der aktuellen Saison und einen 10-Euro-Freebet-Gutschein von Bwin. Außerdem erhalten die Erst-, Zweit- und Drittplatzieren der Hin- bzw. Rückrunde VIP-Tickets für ein Heimspiel, beflockte Trainingskits oder einen 100-Euro-Gutschein des Fanshops. Innerhalb der Saison werden also folglich 34 Wettgutscheine über 10 Euro vergeben. Und damit sind wir schon bei dem Problem: Mit diesem Preis wird eine verdammt niedrige Eintrittsschwelle zu Sportwetten geschaffen.

Sportwettenanbieter im deutschen Fußball

Der FC St. Pauli ist beiweitem nicht der einzige Fußballverein in Deutschland, der Werbung für Sportwetten macht. Bei unserer Recherche haben wir herausgefunden, dass alle Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga – außer Erzgebirge Aue (ausgerechnet Aue!) – Sportwettenanbieter als Sponsoren haben.
Frankfurt, Heidenheim, Hertha, Kiel, Leverkusen und Mainz machen sogar Werbung für mehr als einen Anbieter. Der SC Paderborn und der VFL Osnabrück haben mit Sunmaker einen Wettanbieter als Haupt- und Trikotsponsor. Und bei Fortuna Düsseldorf heißt das Stadion Merkur Spiel-Arena. In der folgenden Tabelle haben wir die Vereine und die jeweiligen Wettanbieter aufgeführt. Wir haben Lotto Bayern und ähnliches mitaufgenommen, da auch hier auf Fußballergebnisse gewettet werden kann. Es kann aber sein, dass wir bei den Vereinen Anbieter übersehen haben.


Verein

Anbieter

Aue

Augsburg

Lotto Bayern

Bielefeld

XTiP

Bochum

LeoVegas Sport

Braunschweig

Sportwetten.de

Bremen
Betway

Darmstadt

Skybet

Dortmund
Bwin

Düsseldorf

Merkur

Bayern

Tipico

Frankfurt

Tipwin/ Lotto Hessen

Freiburg

Lotto Baden-Württemberg

Fürth

Lotto Bayern

Gladbach

Unibet

Hannover

Skybet

Heidenheim

Lotto Baden-Württemberg/ Tiptorro

Hertha
Betway/ Lotto Berlin

Hoffenheim
Interwetten

HSV

Admiralbet

Kiel

Lotto Schleswig-Holstein/ Skybet

Köln
Bwin

Kralsruhe

Neo.bet

Leipzig

Unibet

Leverkusen
KB88.com/ Tipwin

Mainz

fb88.com/ Lotto Rheinland-Pfalz

Nürnberg

Lotto Bayern

Osnabrück

Sunmaker

Paderborn

Sunmaker

Regensburg

Lotto Bayern

Sandhausen

Skybet

Schalke
Bet-at-home

St. Pauli
Bwin

Stuttgart
Tiptoro

Union
Bwin

Wolfsburg
Interwetten

Würzburg
Bwin

DFB
Bwin

Nationalmannschaft
Bwin

DFB Pokal
Bwin
1. BundesligaTipico
2. BundesligaTipico

3. Liga
Bwin

Ligen Frauen
Bwin

Aber nicht nur die Vereine machen Werbung für Sportwetten. Bwin führt in seinem Portfolio außerdem auch den DFB, die Nationalmannschaft, die 3. Liga und die Frauenligen als Werbepartner auf. Bundesliga 1 und 2 werden von Tipico gesponsert. Während der Vorberichterstattung zur Bundesligakonferenz liefen am Samstag Werbungen für fünf verschiedene Wettanbieter (Tipico, Skybet, Mybet, Betway, Unibet).
Neben der Werbung über Sponsorships machen auch Prominente aktiv Werbung für Sportwetten. Sei es Oliver Kahn für Tipico, Podolski für Xtip oder Rapper Specter für Hpybet. Der Effekt? Sportwetten werden normalisiert und rücken immer weiter in die Mitte der Gesellschaft.
Im Interview mit Buisnesspunk gab Peter Reinhard, Geschäftsführer von Hpybet, an, dass man sich bewusst für einen Rapper als Werbefigur entschieden hätte, um eine jüngere Zielgruppe und Menschen mit Migrationshintergrund zuerreichen ( https://www.business-punk.com/2019/12/mit-hiphop-fuer-sportwetten-werben-ein-gespraech-mit-hpybet-ueber-marketing/2/).
Wie zynisch das ist, zeigt sich bei der Betrachtung der Erhebung zum Thema Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Laut der Studie für das Jahr 2019 sind besonders junge Männer, Menschen mit niedrigem Einkommen und Menschen mit Migrationshintergrund gefährdet, ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten zu entwickeln.

Und es lohnt sich für die Anbieter. Im Jahr 2019 machten sie einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro, Tendenz steigend. (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sportwetten-deutschland-legal-1.4782648). Aber auch für die Vereine ist die Zusammenarbeit lukrativ. So zahlt Tipico dem FC Bayern München 5,5 Millionen Euro pro Saison (https://www.mittelstand-nachrichten.de/verschiedenes/tipico-und-der-fc-bayern-schliessen-sponsorendeal/). Kein Wunder also, dass die Vereine eher ein Auge zudrücken, wenn es um die Gefahren von Sportwetten und die rechtliche Lage geht.

Problematisches und pathologisches Spielen

Laut der DSM-5 (5. Auflage des Handbuchs “Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders”, dies gilt als das dominante Bewertungssystem für psychiatrische Krankheiten), gibt es neun Kriterien (https://www.lsgbayern.de/information/gluecksspielsucht-daten-fakten/definition-pathologischen-gluecksspielens) für eine „Störung durch Glücksspielen“:

  • Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen, um eine gewünschte Erregung zu erreichen.
  • Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben.
  • Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben.
  • Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen (z. B. starke Beschäftigung mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Verhindern oder Planen der nächsten Spielunternehmung, Nachdenken über Wege, Geld zum Glücksspielen zu beschaffen).
  • Häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen (z. B. bei Hilflosigkeit, Schuldgefühlen, Angst, depressiver Stimmung).
  • Rückkehr zum Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen (dem Verlust „hinterherjagen“ [„Chasing“]).
  • Belügen anderer, um das Ausmaß der Verstrickung in das Glücksspielen zu vertuschen.
  • Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, von Ausbildungs- oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens.
  • Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um die durch das Glücksspielen verursachte finanzielle Notlage zu überwinden.

Für die Diagnose einer „Störung durch Glücksspiel“ müssen mindestens vier Kritierien innerhalb von zwölf Monaten erfüllt sein.

Die BZgA ermittelt in ihrer Studie
https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/studien/BZgA-Forschungsbericht_Gluecksspielsurvey_2019.pdf auch, welche soziodemographischen Faktoren problematisches und pathologisches Spielen begünstigen können. So sind zumeist jüngere Männer betroffen. Charaktereigenschaften wie “Sensation Seeking” und Impulsivität sowie ungünstige soziale Einflüsse durch Peers und die Familie können die Enstehung von problematischem und pathologischem Spielen begünstigen. Desweiteren geht die Studie davon aus, dass es einen großen Zusammenhang mit stoffgebundenen Süchten gibt. So gibt es Hinweise, dass vor Beginn des pathologischen Spielens bei drei von vier Betroffenen eine Suchterkrankung wie z.B. Alkoholmissbrauch vorlag.

Laut der BZgA sind zwischen 0,2 und 1,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland spielsüchtig. Insgesamt haben 79,9 Prozent der Männer und 70,7 Prozent der Frauen schon einmal ein Glücksspiel gespielt. Für Sportwetten liegt der Wert bei 10 Prozent der Bevölkerung.

In der folgenden Tabelle ist dargestellt, wie viel Prozent der verschiedenen Altersgruppen in ihrem Leben schon Erfahrungen mit Sportwetten (Lebenszeitprävalenz) gemacht haben. Verteilt auf die verschiedenen Altersgruppen sieht das wie folgt aus:


Altersgruppe

16-17

18-20

21-25

26-35

36-45

46-55

56-70

Lebenszeitprävalenz

2,8 %

5,4 %

10,3 %

10,0 %

7,1 %

6,5 %

6,7 %

Laut Angaben der Seite www.schon-verloren.de ist in Hamburg jede 7. Person, die wegen einer Glücksspielproblematik ambulat betreut wird, abhängig von Sportwetten.

Welche Arten von Sportwetten gibt es?

Man unterscheidet drei Arten von Sportwetten: Toto, Oddset und Livewetten.
Toto ist die klassische Sportwette, bei der auf den Spielausgang von Fußballspielen gewettet wird.
Bei Oddset geschieht das Gleiche, nur das hier auf feste Quoten gewettet wird.
Livewetten sind die riskanteste Form der Sportwetten. Hierbei wird während des Spiels auf ein Ereignis gewettet. Der Zeitdruck, unter dem die Spieler während des Wettens stehen, erhöht das Gefährdungspotential, da die Spieler keine Ruhephase haben, um Einsätze und Wetten abzuwägen. In Deutschland ist diese Form der Sportwette nur eingeschränkt zulässig: “Wetten während des laufenden Sportereignisses sind unzulässig, da sie ein überaus hohes Suchtpotenzial aufweisen. Davon abweichend können Sportwetten, die Wetten auf das Endergebnis sind, während des laufenden Sportereignisses zugelassen werden (Endergebniswetten). Wetten auf einzelne Vorgänge während des Sportereignisses (Ereigniswetten) sind ausgeschlossen“ (Auszug aus Paragraph 21, Absatz 4 des Glücksspielstaatsvertrages).
Personen, die an Livewetten teilnehmen, haben ein fünffach höheres Risiko für problematisches bzw. abhängiges Spielverhalten. Trotzdem ist es möglich, darauf zu wetten, wer die nächste Ecke schießt oder die nächste gelbe Karte bekommt. Die Rechtslage ist hier eine einzige Grauzone.

Sportwetten werden auch als Glücksspiel mit Kompetenzanteil bezeichnet, da Wissen und Erfahrung die Gewinnchance beeinflussen. Dieser Faktor ist aber gering und wird von Spieler*innen häufig überschätzt. Aus diesem Grund gelten Sportwetten als Glücksspiel mit erhöhtem Gefährdungspotential. Im Forschungsbericht der BZgA (https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/studien/BZgA-Forschungsbericht_Gluecksspielsurvey_2019.pdf) wird unter anderem der GABS-Wert für die verschiedenen Arten von Glücksspiel ermittelt. Die Gambling Attitudes and Beliefs Scale erfasst kognitive Verzerrungen hinsichtlich des Glücksspiels. Als theoretische Grundlage gilt die Annahme, dass eine verzerrte Kognition (z. B. Illusion der Kontrolle) zu einer erhöhten Spielhäufikeit führt und sie problematischem Spielverhalten vorrausgeht. Sportwetten haben im Mittel einen GABS-Wert von 1,96 und weisen damit den höchsten Wert aller Glücksspiele auf. Bedeutet, dass bei Sportwetten die größte kognitive Verzerrung vorliegt.

Beim Tippspiel, das Bwin gemeinsam mit dem FC St. Pauli veranstaltet, erhält der*die Tagessieger*in nach dem erfolgreichen Tippen eines Spieltages Gutscheine für eine kostenlose Wette. Diese Person hat sich gerade als kompetent im Tippen erlebt und wird nun eingelanden, das ganze doch einmal mit der Aussicht auf einen Geldgewinn zu versuchen. Durch das vorangegangene Kompetenzerleben wird die Hemmschwelle noch weiter herabgesetzt und das Gefühl verstärkt, man hätte Einfluss auf den Wettausgang. Der Verein und Bwin verleiten somit Spieler*innen indirekt zum Glücksspiel. Zumal aus der Studie der BZgA auch hervorgeht, dass Menschen, die auf Sportergebnisse wetten, deutlich häufiger auch noch andere Formen von Glücksspielen spielen.

Rechtliche Lage

Häufig genug hört man im Leben, dass Dinge kompliziert seien, sie sind aber ganz einfach. Nehmen wir doch zum Beispiel das Schicksal flüchtender Menschen: Politiker versuchen uns zu erklären, dass das ganz kompliziert sei, es europäische Lösungen bräuche und laber. Dabei ist das ganz einfach: Die BRD kann und sollte alle Flüchtlinge aufnehmen und das ist Menschenrechtlich die einzig richtige Lösung.

Anders verhält es sich mit dem Glücksspiel. Leute werden euch sagen „es ist ganz einfach“ und dann entweder „es ist in Deutschland verboten“ oder „es ist in der EU erlaubt“ antworten. Beide Antworten sind wahrscheinlich genau so richtig wie falsch. Die Wahrheit ist: Es ist kompliziert. Sehr so gar.

Glücksspiel ist in Deutschland Sache der Länder. Es könnte also theoretisch jedes Bundesland seine eigene Glücksspielregelung treffen. Dies will man aber nicht, sodass man das ganze durch sogenannte Staatsverträge einheitlich regelt.

Ursprünglich war die Regelung mal ganz einfach. Es gibt ein staatliches Monopol. Lotto, Toto, Spielbanken und sonst nix. Außer vielleicht ein paar Daddelautomaten.

Ihr habt den Unterschied in den zwei Sätzen mit dem „erlaubt“ und dem „verboten“ oben gesehen? Die EU sah das deutsche Verbot als Monopol gegen die Dienstleistungsfreiheit und kippte es. Ganz grob vereinfacht gesagt ist nach einheitlichen Binnenmarktregeln alles in der EU erlaubt, was in einem Land erlaubt ist.

Es begannen also Sportwettenanbieter mit Sitz in anderen EU-Staaten, ihre Angebote in Deutschland anzubieten. Und beriefen sich auf diese Dienstleistungsfreiheit.

Nun gibt es aber Ausnahmen von dieser Dienstleistungsfreiheit. Z. B. zum Schutz der Gesundheit. Und ihr lest hier in den anderen Abschnitten von dem erheblichen zerstörerischen Potenzial von Online-Glücksspiel. Die Länder beschlossen daher ein staatliches Monopol und ansonsten ein Verbot. Oddset war der Name. Dies wurde von BVerfG noch bestätigt, der EuGH kassierte es jedoch und argumentierte u. a. damit, dass Oddset massiv Werbung machte und so nicht wirklich ersichtlich sei, dass das Ganze zum Schutz vor Spielsucht erfolgen würde.

Darauf reagierten die Länder und wollten 20 private Anbieter für Onlinesportwetten lizensieren. Diese Änderung erfolgte 2010. Das Ganze ist so nie gekommen. Schleswig-Holstein ging erst einen Sonderweg, vergab eigene Lizenzen und argumentierte damit, dass ausländische Anbieter über das Internet sowieso nicht an ihrem Geschäft zu hindern seien und man dann lieber die Steuern und die Arbeitsplätze haben wolle. Eine Landtagswahl und einen Machtwechsel später trat man 2013 dann doch der Änderung bei. Die Lizenzen koppelte man nebenbei mit einer Sondersteuer und man muss sich immer fragen, ob es Politiker*innen bei diesen Entscheidungen nicht immer etwas mehr um ihren Haushalt als um den Gesundheitsschutz der Süchtigen ging.

Lizenzen wurden aber trotzdem nicht vergeben. Mehrere Gerichte waren dagegen, weil sie die Vergabe als intransparent und als einen Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit ansahen. 2016 entschied das auch der EuGH. Dabei wird immer wieder auf die nicht konstante Regelung in Deutschland verwiesen, die teilweise versucht, ein staatliches Monopol zu etablieren, das dann wirbt oder aber zwischen Casinospielen und Sportwetten fein unterscheiden will. Ein absolutes Verbot anderer europäischer Länder hat der EuGH jedoch akzeptiert, siehe Portugal. (C-42/07 ist das Aktenzeichen)

Seitdem versuchen sich die Länder auf eine erneute Neuregelung zu verständigen. Diese war auch vereinbart, als in Schleswig-Holstein erneut die Macht wechselte, die neue Koalition der Änderung nicht zustimmen wollte und so eine Ratifikation unterblieb und die Änderung nie in Kraft trat. Für 2021 ist ein erneuter Versuch einer Neuregelung geplant, die z. B. eine Begrenzung der Summe vorsieht, die man verspielen kann.

Too long, didn’t read?

Zurzeit gibt es aber in Deutschland keine rechtliche Grundlage für Online-Wetten, die mit dem EU-Recht vereinbar wäre. Zwar verbietet das deutsche Recht das Anbieten und Werben und Behörden rasseln da auch immer mal wieder gerne mit den Säbeln, aber im Endeffekt ist das Ganze ein sehr stumpfes Schwert.

Konsequenz daraus ist, dass nahezu alle Anbieter im europäischen Ausland sitzen. So ist z. B. der Sponsor des FCSP in Gibraltar zu Hause. Ob dies angesichts des Brexit so bleibt, kann wohl bezweifelt werden. Folge davon ist aber auch, dass in Deutschland keine Steuern anfallen.

Ob die Neuregelung Bestand hat, bleibt abzuwarten. Insbesondere wenn es erneut zu offensichtlich wird, dass es eher um Steuereinnahmen, als um Suchtprävention geht, dann wird der EuGH das ggf. wieder kassieren.

Soziale Verantwortung

Fußballvereine sozialisieren Menschen. Sie sind Vorbild und führen Menschen an Themen heran. Wir alle wissen das am besten. Zudem haben sie eine extrem große Reichweite. Der FC St. Pauli ist stolz auf seine vielen Fans und Fanclubs außerhalb Hamburgs und auch außerhalb Deutschlands. Dies ist für viele Sponsoren sicherlich ein Grund mit dem Verein zusammenzuarbeiten. Die hohe Reichweite heißt aber auch, dass viele Menschen dem Risiko der Sportwetten ausgesetzt werden. Aktuell nehmen an dem Tippspiel über 1500 Personen teil. Über 1500 potentielle Kund*innen für Bwin. Über 1500 Personen, die dazu verleitet werden, ihre Kompetenzen im Tippen auf das Wetten mit Geld zu übertragen.
Im pädagogischen Konzepts des NLZs nimmt die Präventionsarbeit eine große Stellung ein. Unsere Nachwuchsspieler nehmen regelmäßig an Workshops teil, auch zu Glücksspiel und Wetten. Gleichzeitig macht der Verein aktiv Werbung für Glücksspiel und Sportwetten. Wie passt das zusammen? Eine Frage, die auch schon bei der “Mein Verein”-Veranstaltung zum Thema Werte aufkam. Ist der Verein nicht in der Verantwortung, nicht nur seine “eigenen” Jugendlichen, sondern auch alle anderen im Stadion vor dem Einfluss von Sportwettenanbietern zu schützen? Ein häufig aufgeführtes Argument ist, dass Sportwetten nur für Menschen über 18 Jahre erlaubt ist. Machen wir uns nichts vor, im Zweifel ist im Internet jede*r über 18.

Die Vorbildfunktion, die der Verein, besonders gegenüber Kindern und Jugendlichen hat, ist sogar in unseren Leitlinien verankert.
Darin heißt es: “Jeder Einzelne und jede Gruppe sollte sein/ihr gegenwärtiges und künftiges Handeln ständig selbstkritisch prüfen und sich seiner/ihrer Verantwortung für andere bewusst sein. Die Vorbildfunktion gerade für Kinder und Jugendliche darf nicht in den Hintergrund geraten.”
Desweiteren steht in unseren Leitlinien: „Der FC St. Pauli ist ein Stadtteilverein. Hieraus zieht er seine Identifikation und hat eine soziale sowie politische Verantwortung gegenüber dem Stadtteil und den hier lebenden Menschen.“ Wenn der Verein Menschen aktiv an das Glücksspiel heranführt und die Hemmschwelle durch das Vergeben von Gutscheinen herabsetzt, vernachlässigt er seine soziale Verantwortung.

Die Frage, die sich uns stellt: Haben sich die Verantwortlichen vorher nicht mit Sportwetten und den Gefahren auseinandergesetzt oder ignorierten sie es bewusst? Beides ist fahrlässig. Beides darf nicht passieren.

Aber wir tippen im Freundeskreis doch auch, was ist Euer Problem?

Auch wir tippen im Freundeskreis – übrigens auch über die Plattform kicktipp – seit Jahren die 2. Bundesliga. Auch wir als Blog haben schon für Wetten für Wasser (https://www.wettenfuerwasser.de) Werbung gemacht – dieses Jahr übrigens bewusst nicht.
Aus unserer Sicht gibt es da einige Faktoren, die die Situationen grundlegend unterscheiden:

  • Bei uns im Freundeskreis gibt es einen Wanderpokal, der rumgeht. Keinerlei monetären Gewinne und erst recht keinen Gutschein für ein Wettspiel bei einem Wettspielanbieter.
  • Die soziale Kontrolle ist eine gänzlich andere: Wir kennen unsere Freund*innen, die mit uns gemeinsam teilnehmen – und können zumindest einigermaßen einschätzen, ob und in welcher Form sie (glückspiel-)suchtgefährdet sind. Wie wollen bwin und der FCSP überprüfen, wer da teilnimmt und ob die Personen bereits suchtgefährdet sind?

Und im Endeffekt ist es doch wie beim Alkohol und den Tabakprodukten: Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem individuellen Konsum durch einzelne Personen und der Werbung/Kooperation, die eben nicht ausschließen kann, dass auch potentiell gefährdete Menschen diese Werbung erleben.

Hinzu kommt, dass Alkohol als Sucht-/Genussmittel in der Gesellschaft akzeptiert, ja sogar tief verankert ist. Sportwetten sind dies, unserem Eindruck nach, noch nicht im gleichen Maße. Sie werden aber gerade durch die vielen Sponsorships und die viele Werbung immer weiter normalisiert. Ein Trend, bei dem der FC St. Pauli sich fragen sollte, ob er wirklich daran teilhaben will.


Hilfe für Betroffene und Angehörige:
https://www.automatisch-verloren.de/de/hilfe/beratungsstellen-und-selbsthilfegruppen-in-hamburg.html

Sep 252020
 

Jeden Morgen fahre ich am Stadion vorbei. Jeden Morgen schaue ich sehnsüchtig darauf. Mein Blick verweilt so lange bis der Bunker mir die Sicht versperrt. Heute Morgen bin ich traurig. Die Sehnsucht ist der Enttäuschung gewichen.

Ja, durch Corona ist vieles anders, vieles komplizierter und Dinge die vorher selbstverständlich waren gehen so jetzt nicht mehr. Halte ich die Lösung für Sonntag für okay? Ja. War mir bewusst , dass es ohne DK kaum möglich sein wird, in näherer Zukunft ins Stadion zu kommen? Auch ja. Rational kann ich das einordnen. Emotional null.

Dieser Verein und seine Fanszene ist für sehr viel in meinem Leben mitverantwortlich. Ohne würde ich sehr viele gute Menschen nicht kennen. Hier wurde ich für Themen und Probleme sozialisiert. Der Verein ist mit Schuld daran, dass ich nach Hamburg gezogen bin. “Da kann ich nicht, da bin ich in Bochum”, “Ne da bin ich im Hamburg”, “Da ist Pokal” waren Sätze die Nicht-Fußballmenschen öfter zu hören bekamen als dass ich einem Treffen zusagte. Er war Ankerpunkt für so vieles. Die Bücher, die ich lese. Die Musik, die ich höre. Ja sogar den Alkohol, den ich trinke (Aperol Spritz, Rotkäppchensekt Halbtrocken).

Die Spiele, die ich die letzten Jahre nicht live im Stadion gesehen habe, lassen sich schnell aufzählen. Um die 30.000 km mit dem Zug, dem Bus, dem 9er, der U-Bahn. Jede Saison. Als die DK-Warteliste das letzte Mal offen war, habe ich mich eingetragen. Seitdem rücken ich jedes Jahr ein kleines bisschen vorwärts. Aber sehr, sehr langsam. Also kämpfe ich (oder Freund*innen <3) jedes Jahr mit Eventim und anderen Fans um ein Saisonpaket. Der Dank? Bernd von Geldern sagt im Interview “dass die treuesten der treusten Fans die mit Dauerkarte seien”. Ja ich weiß, dass man irgendwie sortieren muss, wer jetzt ins Stadion kann und wer nicht. Sollen die Leute mit DK zuerst. Sehe ich alles ein. Aber mir die Treue zu diesem Verein abzuschreiben, bloß weil ich immer noch auf der Warteliste stehe. Nein, wirklich nicht. Zumal die Möglichkeit, an eine DK zu kommen, in den letzten Jahren faktisch nicht existierte. Das Fass mit “Wie viele der DK Inhaber*innen haben sich die Grottenkicks in Heidenheim und Aue angeschaut“ und sich in Dresden beinahe vom Rastplatz bügeln lassen“, mache ich jetzt nicht auf. Und darum geht es auch nicht. Ich bin traurig, müde und enttäuscht. Bernds Aussage hat mich getroffen.

Allen, die am Sonntag ins Stadion dürfen, wünsche ich viel Spaß. Ich freue mich für euch. Genießt es.