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Jan 252020
 

oder

warum ihr alle kommen solltet

Musik beschreibt häufig genug wünschenswerte Utopien. Und so forderte schon Ton, Steine, Scherben 1972 “Keine Macht für Niemand“, ein Lied welches Andreas Baader nebenbei für „Schmarrn“ hielt.

Nun ist es leider so, dass wir als Gesellschaft mit “Keine Macht für Niemand“ nicht so richtig umgehen können und in der Realität ein Machtvakuum eher zu Chaos und Krieg führt, als zu Bürostuhlrennen im ehemaligen Reichstag, um mal K.I.Z zu zitieren.

Wir haben uns zähneknirschend zu einem Staatswesen entschieden und zur Abgabe von Macht und Verwaltungen. Niemand käme auf die Idee solche Verwaltungen nicht zu kritisieren oder in enge Regeln zu pressen. “Guten Tag, Finanzamt, wir würden gerne mal ihr Portemonnaie, ihre Kontoauszüge, ihre letzten drei Gehaltsabrechnungen und ihren Kleiderschrank sehen. Da ist immer Geld versteckt.” Was wollt ihr nicht? Eingriff in die Privatsphäre? Ihr habt euch nichts zu Schulden kommen lassen. Würde man so etwas gesetzlich fordern, würden FDP, bürgerliche Presse und auch ihr sofort eskalieren.

Aber die Polizei bekommt genau diese Rechte und noch viel mehr, ohne dass es einen Aufschrei gibt. Ohne dass außer ein paar Ultras und einige politische Gruppen auf die Straße gehen. Gerade einmal 5.000 Menschen (positiv geschätzt) demonstrierten im Dezember gegen das neue Polizeigesetz. Und auch am 01.02. wird für viele wieder das Bier näher sein, als gegen diesen Unsinn zu demonstrieren.

Man gibt hier einer Institution immer mehr Macht, die tödliche und stark verletztende Waffen nutzen darf und auch nutzt.

Wir nennen hier nur als Beispiel wie unbeteiligte Menschen bei G20 traumatisiert wurden.

Die Geschehnisse rund um die gewaltsame Auflösung der “Welcome To Hell“-Demo am Vorabend des G20-Gipfels sind den allermeisten Leser*innen wohlbekannt. Auch wir als Kollektiv waren an diesem Abend auf den Hamburger Straßen unterwegs. Und noch heute, 2 1/2 Jahre später hat der hier schreibende Teil des Kollektivs das panische Weinen einer Minderjährigen in der Hafenstraße im Kopf. Was war passiert? Die Jugendliche hatte mit ansehen müssen, wie ihr Freund durch mehrere Polizeibeamt*innen verprügelt wurde, als er zwischen die Fronten geriet. Er musste ärztlich versorgt werden (vielen Dank an die Demosanis an dieser Stelle) und die danebensitzende Freundin konnte die erlebte Polizeigewalt nur schwer verarbeiten.

“Aber das sind doch gut ausgebildete Spezialist*innen, die auf Grundlage von Gesetzen handeln”. Selbst wenn wir dies mal annehmen (Das nennt man Hypothese. Beweisen lässt sich diese wahrscheinlich nicht), dann sollte man nie Lord Acton vergessen, der den berühmten Spruch “Power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely“ geprägt hat. Und der stand als katholischer Adliger des 19. Jahrhunderts nicht wirklich im Verdacht ein Kommunist oder Linker zu sein. Man lese sich seine Wikipedia Biografie durch.

Ein Beispiel aus dem neuen Polizeigesetz? Der sogenannte Palantir-Paragraph. Die Polizei darf dabei Datensätze automatisiert auswerten, um vorbeugend Straftaten zu verhindern. Dabei darf sie ausdrücklich auch Beziehungen zwischen Personen, Personengruppen, Institutionen und Organisationen herstellen. Das heißt nichts anderes, als dass sie euren Kleiderschrank mal angucken darf, wenn ihr mit einer/ einem potenziellen Straftäter*in im gleichen Verein seid. Und lasst euch nicht von dieser Einschränkung “unbedeutende Sachen sind auszuschließen” täuschen. Die Polizei beschäftigt seit Jahren Menschen im Fußballumfeld deren einzige Aufgabe es ist Menschen zu verknüpfen und dadurch in die Schublade “potenzieller Gewalttäter” zu stecken. Einmal im Abteil eines Ultra gesessen? Schon seid ihr Gefährder*in und könnt vorsorglich in Fußfesseln gelegt werden. Ja auch das steht in diesem Gesetz.

Als wäre dies alles nicht schon schlimm genug, wird das ganze noch dadurch schlimmer, dass Kritik an der Polizei und ihrer Vorgehensweise von Politikern als Hochverrat dargestellt wird. Unser Vereinsmitglied Andy G. natürlich gleich wieder vorweg.

So zu tun, als ob eine Institution unfehlbar sei, gibt ihr noch mehr Macht. Und wie sehr dies korrumpiert, wissen wir von der Katholischen Kirche.

Verhindern wir also, dass die Polizei (noch) allmächtiger wird. Kommt alle zur Demo!

Jan 222020
 

Gewalt gegen Frauen ist eine Epidemie im Profisport.

Jedes Wort des Eingangssatzes ist mit einem Link zu einem Bericht über Gewalt gegen Frauen im Zusammenhang mit Profisport unterlegt. Alle Berichte sind aktuell (die Fälle nicht immer), alle Berichte sind aus dem amerikanischen Raum.

Man muss den Satz oben verkürzen. Gewalt gegen Frauen ist eine Epidemie. 25 % aller Frauen erleben in ihrem Leben häusliche oder sexuelle Gewalt (und das ist eine Studie eines Bundesministeriums!). Und da redet noch keiner über die Dunkelziffer. Der männliche Profisport mit seiner Funktion als Brennglas der Gesellschaft zeigt dies sehr deutlich.

Vielen der oben genannten Artikel ist gemeinsam, dass die Täter durch Vertuschung und öffentliche Ignoranz nie wirklich bestraft wurden und auch heute noch Teil des Heldenuniversums sind, welches durch die Vermarktung des Profisports geschaffen wird. Lest euch den Artikel über die 86er Mets durch, der unter „Gewalt“ verlinkt ist. Dieses Team wird bis heute als „toughes“ Team glorifiziert und die Spieler immer noch als Helden herum gereicht. Außer diejenigen, die nebenbei noch Drogen genommen haben. Was schon viel zeigt. Gefängnisstrafen? Ausschluss dem Heldenkanon? Mitnichten!

Anders die Opfer. Ihnen wird häufig nicht geglaubt, es kommt zu einer Täter-Opfer-Umkehr, sie leiden ein Leben lang unter den Folgen und häufig genug teilt sich das Leben in “davor” und “danach”. Das Leben wird komplett auf den Kopf gestellt.

Aber das sind doch nur die USA!

Wir wagen zu bezweifeln, dass dies ein rein amerikanisches Problem ist. Dort hat sich nur die öffentliche Wahrnehmung zumindest etwas gewandelt, den Ligen ist das Problem zumindest halbwegs bewusst und sie haben Programme dagegen entwickelt. Dass hier trotzdem noch erhebliche Defizite bestehen, wird weiter unten noch Thema sein.

Begründen kann man die These, dass dies auch ein deutsches Problem ist, damit, dass in den vergangenen Jahren zweimal dies ein Thema in den Medien war und nun konkret ein Spieler vor einem Gericht angeklagt ist.

Dunkelziffer hoch

Aus ganz vielen unterschiedlichen Gründen verzichten Frauen häufig genug diese Fälle anzuzeigen oder sie ertragen die juristischen Verfahren nicht bis zu einer Verurteilung des Täters. Eine Studie aus Mecklenburg-Vorpommern geht davon aus, das 98 % aller Taten nicht angezeigt werden. (leider existiert nur noch der Sekundärlink) Wir sind da als Gesellschaft noch sehr weit von einem Idealzustand entfernt. Eine andere Studie versucht Gründe zu benennen (Seite 78 des verlinkten PDF) und hier spielen auch Themen wie „Angst vor dem Täter“ und „Vor Gericht aussichtslos“ eine Rolle. Diese Zahlen sind ein Sinnbild des Versagens dieser Gesellschaft im Umgang mit solchen Themen. Im Sicherstellen, dass 50% der Bevölkerung nicht in einem dauerhaften Bedrohungszustand leben müssen.

Eine abschließende Frage: Was glaubt ihr, wie sich diese Zahlen verändern, wenn es um einen Mann mit Geld und Einfluß geht? Um einen Mann, der in der öffentlichen Wahrnehmung ein Held ist, vergöttert wird.

Aber auch Verdachtsberichtserstattung

Man muss immer bedenken, dass Verdachtsberichterstattung sensibel ist und wir agieren hier in einem Zeitpunkt in dem keine Verurteilungen vorhanden sind. Dies gilt insbesondere bei Dingen, die in das Intimleben von zwei Menschen eindringen. Denn auch das Opfer kann durch eine falsche Berichterstattung schnell ein zweites Mal zum Opfer werden. (Der Artikel ist von einem Journalisten geschrieben, der genau eine solche falsche Berichterstattung zu verantworten hatte, das damalige Opfer hat ihre Eindrücke des Treffens hier geschildert)

Die deutschen Grundsätze könnt ihr hier anhand eines anderen Falles durchlesen. Wir kommen da gleich drauf zurück.

Angeklagt

Wir haben nun aber eine konkrete Anklage gegen einen aktuellen Bundesligaprofi, der zumindest immer noch zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft gehört. Habt ihr nix von gelesen? Dies kann gut sein, denn das ganze wurde echt nur kurz in Medien behandelt und gerade die sonst sehr lauten Boulevardmedien hielten sich in der Berichterstattung sehr zurück. Und dies liegt nicht etwa an den oben verlinkten Grundsätzen. Denn in diesem Fall, dem eine Ermittlung wegen Kinderpornografie bei einem ehemaligen Fußballer zugrunde liegt, feuerte die Zeitung mit den vier Buchstaben sofort aus allen Rohren. Dies wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als die Ermittlungen noch ganz am Anfang standen und die Verdachtsberichtserstattung dementsprechend eigentlich viel vorsichtiger hätte ausfallen müssen, als im Zeitpunkt einer Anklage.

Auffällige unterschiedliche Berichterstattung
Warum die Berichterstattung so auseinander fällt, können wir nur spekulieren. Der Arbeitgeber des aktiven Fußballspielers mag dabei eine Rolle gespielt haben. Oder aber auch, dass häusliche Gewalt in einer Machogesellschaft eben ein viel kleineres Tabu darstellt, als die Kinder. Wir erinnern da immer an Berti Vogts der mal sagte

„Hass gehört nicht ins Stadion. Die Leute sollen ihre Emotionen zu Hause in den Wohnzimmern mit ihren Frauen ausleben.“

Und dieser Spruch wird auch heute noch in hahaha witzig-Sammlungen aufgenommen.

Wir lassen die Betroffenen alleine

Sportprofis sind keine normalen Arbeitnehmer. Niemand jubelt euch zu, wenn ihr morgens einstempelt, niemand verklärt euch zu „Helden“ oder „Idolen“. Dies ist aber vollkommen normal mit Sportprofis. Sie sind für Kinder Vorbild und ihre Namen werden auf Trikots umher getragen.

Unter den Fans sind viele Opfer häuslicher Gewalt und sexuellem Mißbrauch. Man muss ihre Schilderungen nur lesen, um zu verstehen, wie sehr das unkritische Weiterbeschäftigen von Tätern ihre Wunden wieder aufreisst.
(An dieser Stelle die Anmerkung, dass es in dem verlinkten Artikel um häusliche Gewalt durch die Mutter der Autorin geht. Natürlich sind auch Frauen in diesem Kontext Täterinnen. Aufgrund der besonderen Dynamik des männlichen Profisport fokussieren wir uns in diesem Artikel auf das Thema. Aber hier kann man ja auch hervorragend sehen, wie das Vorgehen der Proficlubs dann zu weiteren Folgen, die man gar nicht absehen kann, führt.)

Und die Täter? Gerne wird argumentiert, dass eine Vorverurteilung oder eine Berichterstattung ihre Zukunft vernichten würde. Genau das Gegenteil ist bisher der Fall. Die Spieler spielen weiter, die Öffentlichkeit vergisst und selbst auf Wikipedia spielen die Anschuldigungen keine Rolle mehr oder sind unter Punkt 6.5. versteckt. Hinzu kommt, dass auch der Arbeitgeber oder der Verband das Thema lieber totschweigen, als sich irgendwie zu äußern. Es gibt in beiden Fällen weder eine Stellungnahme des Verbandes, noch des Arbeitgebers.

Und nun fragen wir euch ernsthaft: Soll dies der Zustand sein? Wollen wir Betroffene wirklich so alleine lassen? Die Antwort auf diese Frage kann nur ein „Nein“ sein, wenn man so etwas wie die gesellschaftliche Verantwortung des Sports wirklich noch ernst nehmen will.

Es muss sich was ändern!

Wir müssen nicht glauben, dass die Vereine sich von den Tätern trennen. Wenn diese einen sportlichen Wert haben, dann würde wahrscheinlich nicht einmal eine Bewährungsverurteilung zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen. Verdächtigungen schon gar nicht. Und vergessen wir nicht: Es kommt häufig aus diversen Gründen nicht zu Gerichtsverfahren.

In den USA versuchen die Hauptprofiligen diesen Zustand zumindest etwas erträglicher zu machen in dem sie ein Strafensystem mit den Spielergewerkschaften vereinbart haben, welches Sperren schon bei konkreten Verdachtsmomenten vorsieht und welches unabhängig von einer strafrechtlichen Verurteilung greifen soll. Auch findet man bei den Ligen Programme gegen häusliche Gewalt und sexuellen Mißbrauch.

Es gibt daran – auch vollkommen zu Recht- auch Kritik, weil diese Sperren das Problem nicht lösen und Teams teilweise anfangen Täter während der laufenden Sperre einzukaufen, weil sie gerade billig zu haben sind. Die Houston Astros und ihre Verpflichtung von Roberto Osuna sei hier als Beispiel genannt. Was dann noch zu schlimmen Verteidigungsreden und Machogehabe gegenüber Frauen führte.

Jedoch! Wir im deutschen Fußball haben…. … gar nix. Natürlich ist das Rechtssystem ein anderes und die amerikanischen Gerichte sind extrem dysfunktional, aber dies ist keine Ausrede. Der DFB, die DFL und die Vereine agieren bei diesem Thema gerade wie die berühmten drei Affen. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Natürlich agieren wir in einem anderen Rechtsrahmen als in den USA, es fehlt ja schon alleine an Tarifverträgen zwischen Spielern und Ligen. Aber wir müssen was ändern. Es ist 2020.

Abschließend wollen wir auf die Awarness-AG beim FCSP hinweisen. Diese beschäftigt sich mit den grundlegenden Dynamiken mit Fokus auf unsere Fanszene. Natürlich auf einer anderen Ebene, aber ein bisschen Werbung ist insbesondere auch in diesem Kontext nie falsch.

Plakat der Awarness-AG.

[Dieser Artikel ist aufgrund der Thematik ausnahmsweise und bewusst nicht gegendert. Namen sind bewusst nicht genannt. Die Gründe sind auch in den Maßstäben der Verdachtsberichtserstattung und unserer fehlender Rechtsabteilung zu suchen. Weiterführende Links findet ihr im Text.]

Jan 142020
 

Auf der Internetseite einer Organisation mit FC St. Pauli-Bezug wird zur Zeit u.a. Folgendes behauptet:

„[…] wohlgemerkt unseres Antrages auf Einführung einer Quote bei der Mitgliederversammlung mit Fanladen, Präsidium und Aufsichtsrat so persönlich erleben durften und weiter erleben, einiges anzumerken […]“

(Im Original ist das ”unseres“ unterstrichen)

Wie ihr unserer Berichterstattung zur MV entnehmen konntet, ist der Antrag zur Einführung einer Quote /Förderung von Frauen beim FCSP durch ein Mitglied unseres Kollektives alleine gestellt und auf der MV begründet worden.

Wir als Kollektiv legen Wert auf die Feststellung, dass niemand von uns Mitglied bei der Organisation ist, die diese Internetseite und das obige Zitat zu verantworten hat. Wir legen auch Wert auf die Feststellung, dass es nicht deren Antrag ist und niemand mit einem Mitglied besagter Organisation über diesen Antrag gesprochen hat. Wir hatten zu der Organisation oder handelnden Personen sowieso noch nie Kontakt und wollen dies auch nicht ändern. Sie können daher keine Erlebnisse schildern, die mit der Stellung dieses Antrages zusammenhängen.

Es sind also Falschbehauptungen! Anwaltliche Schritte behalten wir uns ausdrücklich vor.

Wir verwehren uns dagegen, dass Menschen unsere Arbeit instrumentalisieren und sich mit unseren Federn schmücken. Dies gilt insbesondere, aber nicht nur, für Texte auf unserer Internetseite, sondern auch für Initiativen, die in den vielen Jahren dieses Kollektives von seinen Mitgliedern gestartet wurden. Wir freuen uns immer über Solidarität und Mitarbeit an der guten Sache, aber wir lassen uns nicht für Machtspiele oder Sabotageakte missbrauchen!

Gez. Redaktionskollektiv von magischerfc.de

St. Pauli im Januar 2020

PS: Name der Gruppe oder die Domain ist bewusst nicht genannt. Das lässt sich im Notfall ergoogeln. Wir bitten darum keine Verlinkung in Kommentaren vorzunehmen.

Jan 102020
 

Vorwort

Liebe Lesende, wir sind spät dran. Dieser Bericht erscheint später als sonst. Und er wird etwas kürzer sein. Wir werden wieder eine sehr umfassende Analyse der Situation beim FCSP wagen und uns an den ganzen gesagten Dingen auf der MV (ja auch wir gehen langsam weg von „JHV“, letztes Jahr waren wir da noch standhafter) orientieren, aber dieses Jahr ist alles ein bisschen anders. Zum einen war unser Senior auf der MV nicht anwesend, sodass er nicht mitschreiben konnte. Dies haben Menschen aufgefangen und daher basiert dieser Bericht – wie üblich – auf umfangreichen Mitschriften. Zum anderen waren wir als Kollektiv selber an einzelnen Diskussionen beteiligt. Wir waren sonst eher immer die stillen Beobachter*innen und Kommentator*innen, diese Rolle hat sich verändert, auch weil es notwendig ist.

Die zu beobachtende Lethargie im interessierten Publikum wird mehrfach Thema sein. Es ist eben nicht damit getan, sich in eine MV zu setzen. Man muss auch mal nachhaken und Klarheit einfordern. In vielen Diskussionen drehen wir uns im Kreis. Themen bewegen sich seit Jahren nicht voran und werden immer wieder aufgewärmt.

Für die Hörer*innen

Falls ihr den Bericht lieber über das Ohr aufnehmen wollt, dann müsst ihr nach diesem Absatz nicht weiter lesen.
Auch dieses Jahr gibt es unter Ton-Regie von Millernton-Curi eine Hörbuchversion.
Es gibt aus „das kann ich nicht aussprechen“, „ups, verlesen“ oder ähnlichen Gründen einzelne Stellen, die von der Textversion abweichen. Auch ist die Audioversion mit Datum vom 12. Januar „final“, falls sich im Text noch Änderungen ergeben, werden die hier natürlich nicht nachgezogen. Es gilt daher im Zweifel das geschriebene Wort. Sollten Korrekturen nach Veröffentlichung notwendig sein, werden wir diese transparent vornehmen.

Spielregeln

Dieser Bericht ist Word DIN A4 27 Seiten lang (Schriftgröße 11, Arial). Kopiert ihn euch auf ein möglichst gut zu lesendes Medium. „Druckt ihn aus“ lassen wir jetzt mal aus Umweltschutzgründen als Empfehlung sein. Aber bitte nutzt kein Handydisplay. Wir werden zudem versuchen euch den Text als epub-Datei (für E-Reader wie zB Tolino) zur Verfügung zu stellen. Und zwar genau unter diesem Link als Download.

Wie eben schon erwähnt basiert das Ganze auf umfangreichen Mitschriften, dazu wird es mit dem was die offizielle HP und das Hashtag auf Twitter so hergeben abgeglichen und ergänzt. Trotzdem kann es immer sein, dass wir irgendwas vergessen oder falsch verstanden haben. Dieser Bericht ist also nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt und beansprucht daher keine vollständige Richtigkeit.

Dies gilt umso mehr, als dass dieses Jahr in Teilen die Person, welche die Niederschrift gefertigt hat und die Person, die diese Abschrift letztendlich daraus gefertigt hat auseinanderfallen. Da kann es zu Ungenauigkeiten kommen.

Klarnamen werden nur bei Menschen genannt, die im Sinne des Vereines „berühmt“ oder Personen des öffentlichen Lebens sind. Vereinsberühmt meint, sie sind Amts- und Funktionsträger*innen, sowie berühmtere Sportler*innen unseres Vereines. Bei normalen Vereinsmitgliedern wird der Name nicht genannt. Soweit bekannt wird bei Twitter-Usern*innen der Twitter-Handle genannt. Wir bemühen uns um die richtige Schreibweise, aber teilweise ist die nicht zu kontrollieren. Falls hier ein Fehler auffällt, meldet euch gern. Nach der ersten Nennung des Namens kürzen wir diesen meistens mit den Initialen ab. Ihr könnt euch die Ausnahme denken, oder?

Wir versuchen wie immer eigene Meinungen und Gesagtes farblich voneinander abzusetzen. Sollten wir uns im Kollektiv uneinig sein, dann ist dies gekennzeichnet. Weiterhin versuchen wir das ganze mit sinnvollen Überschriften zu unterteilen, damit ihr wisst, wo wir uns gerade befinden. Dabei orientieren wir uns einmal an der Tagesordnung, aber auch mittels Zwischenüberschriften an dem gerade thematisch Behandelten.

Wie halten wir es mit dem Gendern? Das ist eine schwierige Frage, weil in einer stenographischen Mitschrift das Gendern einer/eines Redner*in nicht zwingend richtig und vollständig übertragen ist.

Wir machen das einfach mal dieses Jahr wie folgt: Wir gendern durch. Punkt. Wenn uns aufgefallen ist, dass ein/e Redner*in nicht gegendert hat, dann merken wir es an. Dass wir es nicht anmerken, ist aber noch lange keine Garantie, dass gegendert wurde. Dass wir garantiert wieder ungefähr 10 % aller Möglichkeiten zu gendern vergessen, ist keine Absicht, sondern unsere Schusseligkeit.(Anmerkung des weiblichen Kollektivmitglieds: Wir haben uns mal das ehrgeizige Ziel 0% gesetzt. Ansonsten das, was der Senior sagt.)

Wenn ihr was ergänzen wollt oder irgendwas anders wahrgenommen habt, dann teilt uns das gerne mit. Ihr erreicht ihr uns auf den üblichen Kanälen (Facebook, Twitter, Instagram).

Begrüßung und sonstige Formalien

Um 19:04 (lustig, hier liegen drei Mitschriften vor, eine sagt 19:04, die andere 19:05, die dritte schweigt sich aus. Ihr seht, wie der Bericht dieses Jahr entstanden ist.) eröffnet Oke Göttlich (OG) die Versammlung und schlägt Christian Heiser (CH) als Versammlungsleiter vor. Die anwesenden Gebärdendolmetscherinnen finden keine Abnehmer*innen und werden daher mit ausdrücklichem Dank von ihren Aufgaben entbunden.

Es ist trotzdem sehr positiv zu loben, dass der Verein diese Möglichkeit auf der MV immer wieder anbietet. Dank an die Dolmetscherinnen, die sie sich dafür gefunden haben. Die Schnellsprecher*innen dieses Vereins zu übersetzen, ist wahrscheinlich genauso wenig Spaß, wie der Versuch diese mitzuschreiben.

CH fährt mit einem Hinweis auf die Tagesordnung fort, stellt das Abstimmungsverfahren vor, es gibt kurze Konfusionen wegen der Farbe der Abstimmungskarten. Ob gelb oder orange, Hauptsache dagegen. Oder so.

Dringlichkeitsanträge liegen nicht vor. Es gibt die übliche Änderung zur Tagesordnung, die Ehrungen betreffend.

Wir wiederholen uns jedes Jahr, so etwas kann man eigentlich schon rechtzeitig absprechen und nicht jedes Mal einen Antrag zur Änderung der Tagesordnung stellen. Oder wenn das Thema „Ehrung von Jugendlichen“ ist, dann macht doch einen vorsorglichen Tagesordnungspunkt. Aber nun gut.

Das 2018er Protokoll wird verabschiedet (habt ihr alle natürlich intensiv gelesen und geprüft) und dann sind wir auch schon bei den Ehrungen der jugendlichen Sportler*innen. Zu den Ehrungen später gebündelt mehr.

Totengedenken

Kurz vor der MV war Tjark Woydt verstorben, der ehemalige Vizepräsident des FCSP. OG leitet damit sichtlich bewegt das Totengedenken ein und erwähnt stellvertretend noch einige weitere verstorbene Mitglieder.

Berichte

Das Präsidium

Der Verein hat auf der offiziellen HP viele wörtliche Zitate veröffentlicht . Wir gehen trotzdem erstmal von unseren Aufzeichnungen aus. Größere Widersprüche zwischen der HP und unseren Aufzeichnungen gab es auch nicht.

OG beginnt mit einem Dank an das Ehrenamt: Dank an alle, die ihre Energie dem Verein zur Verfügung stellen. Besonderen Dank richtet er dabei an seine Mitstreiter*innen: „Mit und dank euch ist der Verein gewachsen“. Er nannte die Präsidialen namentlich. Braun-weiß sei eine Verpflichtung.

Winterspeck ist gut

Es sei alles gewachsen und man sei in vielen Bereichen auf Rekordkurs: Rekordmitgliederzahl, Rekordumsatz, Wachstum der Eigenkapitalquote auf 23 %, die Verbindlichkeiten seien um 11 Millionen getilgt. Die Anzahl der lohnbuchhalterisch erfassten Mitarbeiter*innen sei auf über 600 gestiegen.

Finanzzahlen machen wir etwas später in einem Exkurs. Aber die Zahl 600 lohnbuchhalterisch erfasste Mitarbeiter*innen – was ungleich „Vollzeitkräfte“ oder „sozialversicherungspflichtigte Beschäftigte“ ist – zeigt alleine schon, wie groß der FCSP als Konzern geworden ist. Nur mal als Vergleich, auch wenn das ggf. eine etwas anders ermittelte Zahl ist: 2014 hatte die Unilever Deutschland GmbH in Hamburg 900 Mitarbeiter*innen und war damit laut Hamburger Abendblatt auf Platz 100 der größten Arbeitgeber in HH. Davon sind wir mit unserem kleinen schrabbeligen Fußballzweitligisten gar nicht mehr so weit entfernt. Umso bemerkenswerter ist, dass wir immer noch ein rein ehrenamtliches Präsidium haben. Ob dies wirklich noch sinnvoll ist, wagen wir zu bezweifeln. Diesen letzten Satz werdet ihr in der Folge noch häufiger lesen.

Es ist ab hier ganz spannend, die Passagen aus dem Vorjahr und von 2017 zu vergleichen. 2017 gab es keine Zielsetzung im sportlichen und das Sportliche ganz am Ende. 2018 relativ kurz und „jo läuft“. Nun gleich zu Beginn eine kritische Analyse und es kommen plötzlich Worte wie „Zielsetzung“ und „ambitioniert“ vor. Da ist schon ein deutlicher Wandel zu erkennen.

Man sei mit dem Etat und dem Fernsehgeldplatz im oberen Drittel der Liga, stagniere aber sportlich seit der Saison 2011/2012 mit den Plätzen 10, 8, 15, 4, 7, 12, 9 und habe in dieser Zeit nur drei mal das erreicht, was man nach seinem Selbstverständnis mindestens erreicht haben wollte.

Wenn wir uns da richtig erinnern: Mindestens gleicher Ligaplatz wie in der Fernsehtabelle.

Die beschriebene Entwicklung des Clubs sei nur auf Basis von sportlichem Erfolg halt- und ausbaubar. Da müsse man die Entwicklung nebeneinander legen, der Profifußball sei das Fundament, mit dem wir alle anderen politischen, sozialen Dinge vermitteln und ermöglichen. Man müsse alles dafür tun, dass sich die sportliche Situation verbessere. Man möchte sich mit Leidenschaft, Klarheit, inhaltlich fundiert und datengestützt fortentwickeln.

Das „datengestützt“ hören wir natürlich sehr gerne. Wir wünschen uns da eine Vorreiterrolle des FCSP.

Jos ist der Richtige

Man habe sich innerhalb der Gremien auf einen Weg verständigt und dies sei der Weg, den man gehen wolle, auch mit den beiden hauptamtlichen Entscheidungsträgern Bornemann und Luhukay. Diese seien ehrgeizig und ambitioniert, sprächen auch mal Klartext. „Dies ist uns dann zu viel?“

Man habe einen Trainer, der im persönlichen Gespräch sehr inhaltsstark, offen und freundlich agiere, anders als es in einigen öffentlichen Auftritten vielleicht wirke
und eines genauso wenig ab kann wie alle Fans und Profis, nämlich das Verlieren. Es werde Rückschritte und Täler geben, man werde den Weg nicht naiv aber mit aller Konsequenz weiter beschreiten.

Kurzer sportlicher Kommunikationsexkurs

Puh, das ist irgendwie schwierig. Wir wollten eigentlich immer noch mal so eine Pressekonferenz auseinander nehmen und wir halten auch nichts davon so zu tun, als ob dies zweitrangige Kommunikation wäre.

Wir können natürlich immer nur das öffentlich gesprochene Wort oder das was mal aus dem Internen geleakt wird beurteilen, aber das öffentliche Wort scheint uns schon ungefähr die gleichen Geschichten zu erzählen, wie das interne. Zumindest wenn man dem geleakten Wort glauben mag.

Das ist immer natürlich so ein Punkt, denn meistens wird es an Hamburger Presse geleakt und die ist schlichtweg mit Vorsicht zu genießen. Aber da kam schon häufig genug die „wir wissen nicht, was er von uns will“-Kritik. Klar, kann man alles mit „ist ja nur Hamburger Presse“ abtun und macht sich dann eine sehr schöne und bequeme Wahrheit, aber das greift eben auch zu kurz. Denn wie schnell der FCSP Sachen per Vereinskommunikation richtig stellen kann, wenn er denn der Meinung ist, dies machen zu müssen (!), haben wir alle bei der Lawrence Verletzung gesehen. Und dass wir da nun Mr. Jeykill und Dr. Hyde als Trainer haben, mögen wir auch nicht so richtig glauben.


Und selbst wenn dem so ist, dann wären wir wieder bei braunen M & M’s, denn der Trainer ist nun mal in dem System, welches die DFL wahrscheinlich auch vorschreibt der externe Kommunikator eines Vereines. Es ist also auch eine seiner zentralen Aufgaben. Und hey, wir sind keine Geheimorganisation! Immer so zu tun, als ob die „böse Öffentlichkeit“ das alles nur nicht versteht, ist insbesondere in einem demokratischen Verein (den OG ja auch bei Gelegenheit gerne mal betont) sehr harter Tobak. So nach dem Prinzip „ihr dürft zwar Demokratie spielen, aber nun seid doch mal bitte nicht zu interessiert!“.

Braune M & M’s? Man muss dann den Coach entsprechend unterstützen, damit da nicht irgendwas raus kommt, was einfach schlichtweg auch kontraproduktiv ist. Denn das öffentliche Wort ist eben nicht einfach nur Unsinn. Spieler, Berater und auch Fans finden da eine klare Kommunikation ganz angebracht. Klartext!

Und seien wir ehrlich: Klartext ist in diesem Verein überfällig. Und der muss auch an bequem gewordene Profis gerichtet sein. Und an lahmarschige Strukturen und an alles/alle. Aber ihr selber wisst, wie schwierig es wird, wenn euer Chef nicht mit euch direkt Klartext redet. Oder euch gegenüber a. und dem Kolleg*innen (der Öffentlichkeit) gegenüber b.

Gibt dies Selbstvertrauen? Einen klaren Arbeitsauftrag? Ein persönliches Ziel an dem ich, aber auch mein Vorgesetzter, mich messen kann? Eher nicht. Viele Trainer retten sich da in mehr oder minder inhaltsleere Floskeln. Das ist ja auch okay, denn sie bearbeiten halt eine sehr fragwürdige Presse. Und so etwas kann selbst ein alter Hase noch lernen.

Die Kritik ist dann nicht „zu viel Klartext“ sondern eher zu wenig. Oder falsch. Und dazu gehört auch, dass man als Präsidium Ziele formuliert und deren Einhaltung strengstens überwacht. Klar werdet ihr sagen, da ist doch ”Platz im oberen Drittel“, aber das ist ein so nicht greifbares Ziel, dass es eigentlich nicht überwachbar ist. Und selbst dieses Ziel verpassen wir zur Zeit immer noch klar.

Aber das ist natürlich viel zu differenziert und nix für Schwarz/Weiß-Seher*innen oder wie es nun heißt „Team Luhukay“ oder „Anti-Luhukay“. Da werden Dinge zu einer Religion gehypt und nur noch das Tolle oder das Falsche gesehen. Was auf der Strecke bleibt? Eine ernsthafte Analyse und eine ernsthafte Weiterentwicklung und eine kritische Öffentlichkeit, der sich OG, Luhukay und wir alle stellen müssen. Setzen Sie hier einen Shrug Smiley ein.

Und zum Klartext und zu den unbequemen Wahrheiten gehört halt auch, dass wir mit dem hier gelobten Verantwortlichen weit davon entfernt sind, kurzfristige (Rang 9 war doch die Idee des Trainers, oder?), mittelfristige (Fernsehgeldtabelle? Oberes Drittel?) oder langfristige (mal in Liga 2 (!) oben angreifen?) Ziele zu erreichen. Klartext ist es nämlich nicht, jetzt zu sagen „wir sind auf einem gutem Wege“, sondern auch zu erkennen, dass es gerade so gar nicht in die richtige Richtung geht. Und trotz allem Tagesgeschäft gilt dies auch trotz einer hervorragenden Leistung gegen Bielefeld und zuletzt 6 Punkten. Man darf nicht vergessen, dass wir selbst mit diesen 6 Punkten immer noch auf einem Kurs für 38 Gesamtpunkte in der Saison sind. Das ist nicht wirklich eine Zahl, die Ligamittelfeld verspricht. Und das nächste Spiel nach der MV war dann halt auch Regensburg. Das war auch nicht so geil.

Was in der sportlichen Analyse auch klar sein muss und das spricht OG hier ganz klar und zu Recht an: Es ist ja nicht so, dass wir zum ersten Mal in den letzten acht Jahren in der Scheiße stehen. Eher passiert das ständig, nur die Höhe ändert sich.

In dieser Zeit haben wir eigentlich alles im Verein ausgewechselt. Es nun an einer Person fest zu machen, wäre viel zu einfach. Wir alle gehören auf den Prüfstand und müssen unsere bequeme Wahrheit (siehe z.B. oben) in so vielen Dingen verlassen. Und unsere grundlegenden Methoden. Womit wir nebenbei wieder bei der Frage nach dem ehrenamtlichen Präsidium sein könnten.

Es ist auch eine Wahrheit, dass Wettbewerber Geld auf Wegen generieren, die wir nicht bestreiten wollen(!). Auch das ist eine unbequeme Wahrheit. Aber dies erklärt unsere Situation nicht vollständig. Sandhausen steht nicht deswegen ständig vor uns. Wir kommen noch drauf zu sprechen.

Zuletzt noch ein Beispiel: Zu Klartext gehört auch eine konstante und aufeinander aufbauende Ansprache und Kommunikation. Heute hü, morgen hott, übermorgen hühott ist das nicht. Fragen Sie mal bei unserem Torhüter und seinem Berater nach. Oder bei der Frage, ob unser Kader nun ausreichend oder eine Katastrophe ist (Die damaligen Widersprüche hatten wir schon im Juli mal zusammengefasst:Hier). Oder war das „auch mal“ Klartext schon wieder einschränkend gemeint von Oke?

Exkurs Ende

Dann verkauf doch den Scheißstadionnamen!

OG geht noch detaillierter auf den Wettbewerb ein, hebt hervor, dass viele Wettbewerber andere Finanzmodelle hätten, die Millionenspritzen erhielten, die Stadionnamen verkauften, die direkt vor dem Anpfiff werben, jede Ecke präsentieren ließen etc. Dies mache man nicht, dies koste aber jedes Jahr einen vielfachen Millionenbeitrag. Hinzu käme, dass man das Stadion selber zahle und nicht wie andere von der Stadt bezahlt bekomme und die U 23 nicht abgemeldet habe.


Mal ganz ehrlich Leute: Mehr als ein lautes „OOOOOOOOOOOOOOHHH“ kann er hier doch nicht erwarten, oder? Natürlich sind Finanzkonstrukte anderer Standorte mit viel Geld und viel Hoffnung auf eine unrealistische Rückzahlung verbunden und leider sterben die Verrückten, die Unsummen in Fußballvereine stecken, auch nicht aus. ABER wir operieren hier in der zweitgrößten Stadt Deutschlands, wir operieren mit einem Zuschauerschnitt von über 29.000, von denen nicht alle auf, im Ligavergleich, günstigen Stehplätzen stehen und wir haben auch so einen Umsatz, der – wie er selber sagt- im oberen Drittel der Liga ist. Wenn wir nun ständig 4. hinter solchen Finanzkonstrukten wie Hoffenheim werden würden, die aus dem Nichts kommen, dann würden wir seine Argumentation deutlich mehr nachvollziehen.


So lange wir aber nicht dahin kommen, wo wir nach unseren Umsätzen und unserer finanziellen Kraft (!) hingehören, so lange müssen wir nicht über solche Dinge reden. Also sprecht es nicht jedes Jahr an!

Oder verkauf den Rotznamen, hol dir eine*n Investor*in und präsentiere die Ecke durch Astra! Dann ist aber “Aufstieg oder Du hast eine Stunde die Stadt zu verlassen“ das Saisonmotto.

Aber jedes Jahr wieder so zu tun, als ob eigentlich nur diese Dinge uns vom Aufstieg trennen, nervt! Entweder wir machen dies mit dem Stadionnamen und der/dem fehlenden Investor*in aus Überzeugung – dann muss ich es nicht ständig ansprechen – oder wir machen das wegen der bösen Mitglieder. Dann sollte man sich fragen, ob man am richtigen Ort ist. Oder versuchen die Mitglieder von der Kosten-/Nutzenrechnung zu überzeugen. Aber bitte ohne Pullis.

Zu einem ambitionierten Verein gehört es auch, dass man mal die ganzen Ausreden in der Tasche lässt. Gerade wenn sie so zweifelhaft sind. Wir wollen nach oben. Das muss eben auch mal gehen, in dem man Finanzen outperformt. Und sie nicht jedes Jahr als Ausrede präsentiert. Wir haben es bisher auch immer sicher geschafft bei teuer eingekauften Spielern daneben zu liegen. Unsere historischen Top 10 nach Ablösesumme sind (von teuer zu billig, alle Daten nach Transfermarkt): Inceman, Sahin, Budimir, Zambrano, Marcao, MMD (😭), Veerman, Nascimento, Takyi, Zander. Wobei Veerman gerade mal ne halbe Mio. gekostet hat. Da kann man gerade die Trefferquote im teuren Bereich echt noch verbessern.

Es ist ja auch nicht so, dass von uns haufenweise Spieler Leistungsträger in Liga 1 werden. Fragt mal in Freiburg nach. Die können wahrscheinlich aus ihren Ex-Spielern zwei kompetente Bundesligamannschaften formen. Hm, mal kurz nachzählen: Seit 09/10 hat Freiburg 25 Spieler in die Bundesliga abgegeben. Wir 9. Das ist jetzt handgezählt, kann also ggf. nicht ganz stimmen. Zeigt aber die Richtung an. Geld ist garantiert ein begrenzender Faktor, aber wir sollten bitte erstmal an diese Grenze stoßen.

Kritik aber bitte in kleinen Dosen

Zurück zu den Worten von OG:

Alle Verantwortlichen stellen sich der Kritik, aber öffentlich über anstatt miteinander zu reden verlässt diesen Raum der Kritik. Diskussionen in Social Media, offene Briefe etc. seien kontraproduktiv.

Das Kollektiv beschloss daraufhin, seine Tätigkeit einzustellen.

Nein, Spaß beiseite. Das ist so echt falsch.

Erstmal sollte man dann aber auch auf interne Kritik reagieren und die nicht einfach vom Tisch wischen. Dinge wie diese unsägliche Veranstaltung mit unserem Innensenator durchzuziehen, obwohl duzende wohlgesonnene Stimmen intern(!) davor warnten, zeigt beispielhaft, dass man sich eben nicht der internen Kritik stellt. Oder inhaltlich sie nicht annehmen möchte. Da hilft dann irgendwann auch nur öffentlicher Druck. Das mag einem nicht gefallen, ist aber eben in einem demokratischen Verein unabdingbar. Unsere Oberen betonen immer gerne, dass wir doch ein demokratischer Verein sind. Und dazu gehört eben auch ein öffentlicher Diskurs. Das externe „Piep, Piep, Piep wir haben uns alle lieb“ hatten wir lange genug. Es hat nichts gebracht, der Verein steht still. So ein allgemeiner Rundumschlag ist einem solchen Diskurs eher hinderlich.

Richtig ist aber auch: Auf offene Briefe erwartet niemand eine Antwort. Meistens schreibt man diese aber auch, weil interne Briefe ignoriert wurden. Und auch: Nicht jeder Brief ans Präsidium muss sein, da gab es letztes Jahr auch einiges unschönes. Aber wir wünschen uns hier von OG deutlich mehr Differenziertheit.

Die Finanzen / Jetzt geht es ins Eingemachte

OG kommt auf die Finanzen zu sprechen. Es sei bei den selbst gemachten Wettbewerbsnachteilen (OOOOOHHHH!) nicht selbstverständlich, dass man diesen wirtschaftlichen Erfolg erziele. Man habe 8 Jahre in Folge einen Rekordumsatz, die Verbindlichkeiten um 11 Millionen getilgt und das Eigenkapital gestärkt.

Exkurs / Wir werden nicht informiert! Die Finanzen!


Was nervt?

Dass der FCSP es nicht schafft, seiner MV jedes Jahr vernünftige Unterlagen bereit zu stellen. Dieses Jahr gab es zur Abwechslung nur die Bilanz des e.V., nicht auch die des Konzerns. Uns ist klar, dass diese nur auf der Geschäftsstelle ausliegen muss, damit der Satzung (§ 14 Nr. 7 Satz 2!) genüge getan ist, aber es war zumindest bisher üblich (außer dem einen Jahr, wo gar nix auslag), diese Zahlen auch den Anwesenden der MV direkt zur Verfügung zu stellen. Dieses Jahr nicht. Mal ganz davon ab, dass wir doch bezweifeln, dass diese in der Geschäftsstelle auslag. Für 2020 wird im Kollektivkalender „Einsicht in die Unterlagen auf der Geschäftsstelle“ geschrieben. Ebenso müssen wir mal dringend in diesem Punkt die Satzung ändern. Das ist der Vereinsdemokratie echt schädlich, denn die Bilanz des e.V. ist wenig aussagekräftig für die Frage, wie es dem gesamten Konstrukt FCSP geht. Mal ganz ehrlich: Ihr könnt von Glück reden, dass der Senior im Urlaub war. Der wäre zum Mikro gesprungen und wäre richtig eskaliert.

Lieber FCSP: Für einen Verein, der seine Mitgliederschaft und seine Vereinsdemokratie extrem hoch in Sonntagsreden aufhängt, wäre es unverzichtbar, dass wir eine konstante Informationspolitik insbesondere in solchen Fragen haben. Und dazu gehört auch, dass jedes Jahr vergleichbare und vollständige Unterlagen auf der MV verfügbar sind.

Wir wissen, was nun kommt. „Stellt euch nicht so an, es wird doch ein Gewinn erwirtschaftet.“ oder „Der Kassenprüfer und der AR hatten doch auch nix zu meckern, warum wollt ihr das denn wissen?“ Sorry, entweder wir wollen eine MV als wichtiges Gremium oder wir können uns das schenken, dann können wir auch ausgliedern und einen Investor holen, wenn ihr solche desinteressierten Sätze wirklich ernst meinen würdet. Auch das sagen wir noch mehrfach in diesem Bericht: Es ist auch beschämend, wie lethargisch hier die MV reagiert. Da muss der Baum brennen!

Was können wir aus den bekannten Zahlen machen?

Und aus dem was OG in seiner Rede noch so erwähnte?

Spannend, dass der FCSP uns auf den Cent genau in diese Unterlagen rein schreibt, wie viel der Hauptsponsor so bar (!) zahlt. Das ist zumindest ein bisschen unglücklich. Auch wenn garantiert nicht jede Leistung des Hauptsponsors durch die Bücher des e.V. geht, sondern irgendwo anders im Konzern verbucht wird. Es entzieht sich z.B. unserer Kenntnis, wie genau der E-Sports im Konzern aufgehängt ist. Wahrscheinlich nicht im e.V. alleine schon wegen der Gemeinnützigkeitsbedenken. Und dieser wird ja zusammen mit dem Hauptsponsor betrieben. Ob und in welcher Höhe gewisse Bartergeschäfte zwischen Hauptsponsor und Konzern betrieben werden, ist uns auch unbekannt, solche wären aber gut denkbar.

Wir haben laut Oke eine Eigenkapitalquote von 23%. Auch hier ist der Konzern gemeint. Für den Verein gelten andere Zahlen. Das ist gut, aber nicht toll! Wir zitieren uns vom letzten Jahr:


„Eine Eigenkapitalquote (und das ist ein guter Indikator von wirtschaftlicher Gesundheit) von 18% ist historisch für den FCSP und auch im Vergleich der zweiten Liga super. Es ist jedoch immer noch gering. Wenn man mal so Google anwirft, dann wird eine Eigenkapitalquote von über 30 % als gesund angesehen unter 20% als problematisch. Wir haben bis zu 30 % noch einen weiten Weg vor uns, könnten den aber ggf. über die Rückzahlung der Anleihe schon ein ganzes Stück gegangen sein. Nur mal als Vergleich: Der FC Bayern hat eine Eigenkapitalquote von über 60 %. Selbst unsere Freunde im Volkspark hatten in der Bilanz 2016/2017 noch eine Eigenkapitalquote von 23%. Es ist also noch ein weiter Weg zur wirklichen Stabilität. Wir sind weit gekommen, aber haben noch einen riesigen Weg vor uns.“

Wir haben unsere Verbindlichkeiten um 11 Millionen reduziert. Oke spricht hier vom Verein, was natürlich Unsinn ist. Dieser hat konstant um die 2 Millionen Verbindlichkeiten. Oke spricht hier vom Konzern, denn die Reduktion wird insbesondere bei der Stadion KG stattgefunden haben. Sie kommt aber auch nicht überraschend. Wir zitieren uns erneut selbst vom letzten Jahr:


„Ein Posten, der in der nächsten Bilanz sehr wichtig sein wird, ist die Höhe der Verbindlichkeiten. Zum 30.06.2018 waren dies knapp unter 47 Millionen. Da sollten wir einen großen Sprung machen. Am liebsten in Höhe von 8 Millionen (Höhe der Anleihe), oder?“

Wenn wir jetzt also bei ungefähr 36 Millionen sind (wir können es nicht nachprüfen und dies NERVT!!), dann ist das super. Und eben nicht nur der Rückzahlung der Anleihe geschuldet. Das ist immer noch sehr viel Geld, es ist insbesondere im Vergleich zum Umsatz immer noch sehr viel Geld, aber es geht in die richtige Richtung.

Wir haben alleine im e.V. 5 Millionen echtes bares Geld. Das ist mal eine nette Rücklage, auch wenn ein Teil davon durch Rechnungsabgrenzungen und ähnlichem entsteht. Bestes Beispiel: Verkauf der Dauerkarten genau zum Zeitpunkt der Bilanzaufstellung.

Man könnte sich beinah überlegen, ob man nicht doch ein Jahr mal in die Vollen geht und einen deutlichen Verlust in Kauf nimmt, um aufzusteigen. Ist Sport so planbar? Geht das? Wahrscheinlich nicht. Man sollte daher damit vorsichtig sein. Der Lagebericht des e.V. kündigt für das gerade laufende Jahr auch einen Verlust an, weil man Ausgaben erhöht hat und ohne besondere Einnahmen (Spielerverkäufe!) plant. Es wird abzuwarten sein, wie hoch dieser Verlust ist. Diese Sätze haben sich wahrscheinlich überholt. Mats sei dank. (😭)

Bei einer Eigenkapitalquote von 23% wäre aber ein einmaliger Verlust nicht gleichbedeutend mit richtigen Problemen. Und es bleibt natürlich offen, ob auch der Konzern am Ende einen Verlust ausweist. Tut dies nur der Verein, ist dies nicht wirklich interessant, denn vieles davon hat dann mit Geldfluss im Konzern zu tun.

TL;DR? Es geht uns wahrscheinlich gut. Aber die abschließende Antwort auf die Frage nach dem finanziellen Zustand des Vereines blieb man uns schuldig. Das ist traurig. Auch gerade weil es eigentlich keinen Grund dafür gibt. Oder etwa doch? Dass die Bilanz des Konzerns plötzlich fehlt, sollte JEDES Mitglied sehr hellhörig machen. Wir sollten hier dringend die Ohren spitzen. Und in Zukunft auf eine vollständige Information bestehen. Oder Gremien nicht entlasten.Und wir selbst stellen nächstes Jahr keine Anträge (also, ja gut, mal sehen) und können uns wieder auf andere Dinge konzentrieren und prüfen hier auch genauer nach. Und der Senior ist ja auch wieder da.

Exkurs Ende

Kommen wir zurück zu der Rede unseres Präsidenten.

Der im Bereich Finanzen bleibt, Martin Urban begrüßte, der im Finanzbereich einige neue Themen anstoßen solle. Google findet über den jungen Mann nicht wirklich was. Sein Xing Profil zeigt eine breite Berufserfahrung in dem was man wohl „New Economy“ nennen würde. Na dann, herzlich willkommen.

Man müsse sich der ständigen Frage stellen, wie die Finanzierungskonzepte der Zukunft aussähen und wie man ligaunabhängige Einnahmen erzielen könne. Dabei sei das Steuerrecht zu beachten und auch die Gemeinnützigkeit des e.V. Mittel zu akquirieren habe Priorität. Der Genossenschaft werde man sich nähern, wie und wann werde weiterhin im Auge behalten, in Abstimmung mit Gremien, Mitgliedern etc. Erst intern, dann extern.

Oke ist dafür bekannt, Dinge eher etwas verklausuliert anzusprechen. Wir hatten das im letzten Jahr schon einmal als Thema. Wenn man ihm genau zuhört, dann ist das aber auf seine Art schon Klartext. Und so sehr wir uns klare Ansprache wünschen und das eben ja auch bekrittelt haben, so sehr werden wir Oke nicht ganz ändern. Wenn man versucht ihn zu dekodieren, dann ist der Stand bei der Genossenschaftsidee (siehe unseren Bericht vom Juli) folgender:

„Werdet Genossen! Aber jetzt nicht.“

Wir verfolgen die Idee weiter, aber sie steckt gerade ein bisschen in einer Sackgasse, weil wir auf Probleme gestoßen sind. Unter anderem mit der bösen Steuer. Wichtig ist für uns, dass wir Gelder herein holen können, die uns Kapital außerhalb des sportlichen Erfolges geben. Ob das mit der Genossenschaftsidee passiert, müssen wir mal sehen.

Wir hatten im Juli schon auf die akuten Probleme und Fragestellungen hingewiesen. Insbesondere, dass unsere Stadionbesitzgesellschaft steuerlich ein ziemlich fragiles Gebilde ist. Auf der offiziellen Homepage wird Oke zu Beginn des Genossenschaftsabschnittes wie folgt wörtlich zitiert:

„Dabei sind steuerrechtliche Fragen […] ständige Begleiterscheinung.“

Das klingt so, als ob man da auch akut an Grenzen gestoßen ist und nicht die Auskünfte erhalten hat, die man gerne haben möchte. Wenn man mal das Interview vom Juli als eine Art Teaser verstehen möchte, dann hätte nun wahrscheinlich die große Ankündigung mit Vermarktung ab Januar/Februar auf dem Wunschzettel gestanden. Da hat der Weihnachtsmann/die Weihnachtsfrau (seht, ihr wir gendern alles durch!) wohl was anderes gebracht.

OG wechselt zum Thema Eckbebauung zwischen der Haupt/Nord für die man zwar Machbarkeitsstudien erstellt habe, die aber keine Priorität besäße und gegenüber anderen sportlichen Infrastrukturprojekten zurückstünde.

Wenn man frisches Geld in das System FCSP bringen möchte, dann wäre hier vielleicht ein Hebel, der genutzt werden könne. Bündelung von Sporthalle, Fitness-Studio, Eckbebauung, neuem Trainingszentrum in einer Genossenschaft? Ist jetzt natürlich nur eine Schnapsidee, die wir nicht durchdacht haben und es gibt in Hamburg ja auch immer das klitzekleine Problem der Flächen. Aber wenn wir das machen, dann möchten wir a. natürlich das Schwimmbad haben (irgendwo müssen die Triathleten ja trainieren) und oben drauf passt sehr gut das Fitness-Studio und Rehazentrum, welches Sportspaß das Wasser abgreifen kann und b. nehmen wir dann ja wohl das Molotow irgendwo auf. Weil guter Laden, dem eine langfristige Perspektive in Kieznähe garantiert gefallen würde. Und was passt besser zu uns, als ein kleiner Musikclub? Allemal sollten wir damit beginnen das Hamburger Abendblatt zu überzeugen. Denn wenn die etwas toll finden, dann wird es gebaut, egal wie unsinnig es ist und egal was es kostet. Mit vielen Grüßen in die Hafencity.

Wenn man unserem Senior genügend bewusstseinserweiternde Drogen gibt, dann fängt er ja gerne von der Idee des 60 Meter in die Tiefe verlegten HGF an, was dann mit Trainingsplätzen, Hallen etc. überbaut wird. Wäre eine Weltattraktion, wenn da der Dom in 60 Meter Tiefe stattfinden würde und an der Decke in deiner Glasröhre die U3 fahren würde. Das sind so die Dimensionen, in denen in Hamburg zu häufig ohne Drogen gedacht wird. Falls das Abendblatt oder irgendein Architekt das als Idee aufgreift: Ihr habt es hier zuerst gelesen, wir nehmen gerne so 5 Millionen als Provision.

Die zweite Anzeigentafel sei Bestandteil einer Eckbebauung, man prüfe aber zur Überbrückung die Unterbringung von Spielstand und Spielzeit auf den LED-Banden. War beim letzten Spiel zu sehen, ist ein sehr netter Service, auch wenn die Zeit noch nicht mit der Anzeigentafel synchronisiert war. Das sind aber Details. Dass eine zweite Anzeigentafel auch aufgrund von besser sichtbarer Werbung natürlich was Gutes wäre, sollte auch allen klar sein.

Direktoren statt Andreas

OG fährt fort, dass er sich nach Köln bedanken wolle, denn Andreas Rettig habe den Verein maßgeblich weiterentwickelt und professionalisiert. Man habe seine Aufgaben auf die jeweiligen Experten (hier gendern wir nicht, weil die Direktorenrunde keine weiblichen Mitglieder hat. Aber dass sich das ändern soll, haben wir ja auf der MV, über die wie hier schreiben, beschlossen) und auf die Direktoren verteilt, die an das Präsidium berichten.

Er nannte auch noch alle Direktoren. Für die Leute, die das nicht wissen, dies sind Bernd von Geldern, Martin Drust und -Urban, Thomas Michael und Michael Thomsen. Dazu kommen im sportlichen Bereich noch Roger Stilz, Andreas Bornemann und bis vor kurzem -Rettig – dass der ein Guter war und schwer zu ersetzen ist, sollte jedem klar sein.

Wir haben so ein bisschen Bauchweh mit der neuen Struktur. Klar, einen Rettig ersetzt man nicht so einfach. Das ist schwierig. Und da ist gut, dass man Personal für Bereiche verantwortlich macht und wenn es denn Fachleute sind, dann sollen die das bitte auch entsprechend verantworten und dafür auch entsprechendes Geld und Titel bekommen. Die Bauchweh sind eher beim „ans Präsidium berichten“. Denn wir haben immer noch ein ehrenamtlich tätiges Präsidium. Welches in dieser Struktur eine Direktor*innen Ebene von sechs Männern überwachen und leiten soll. In einem Konzern mit irgendwas über 50 Millionen Umsatz und 600 Angestellten.

Wir wissen nicht, ob dies wirklich menschlich möglich ist. Wir haben da so unsere Zweifel. Hier über der Direktor*innenebene ein hauptamtliches Präsidiumsmitglied oder eine*n Geschäftsstellen-Leiter*in zu haben, welche genau diese Führung der Fachbereichsleiter*innen (ja, das ist ein Begriff, der nicht so sexy ist, es aber auch trifft) übernimmt, erscheint uns sinnvoller. Ein ehrenamtliches Präsidium, was eben nicht 40+ Wochenstunden auf der Geschäftsstelle anwesend sein kann und nebenbei ja auch noch Repräsentanzaufgaben hat, scheint uns da schwerlich geeignet. Und dann nehmen so sechs Alphatierchen auch schnell mal Dynamiken auf, die nicht gut sind.

Rettig wäre gerade in einer solchen Konstruktion natürlich eine Idealbesetzung, weil er einen Ball mal geradeaus gekickt hat und auch Einblicke in Personalführung und Unternehmen genommen hat. Aber auf diesem Posten wäre dann eher Unternehmensführungserfahrung wichtiger, als Ballkompetenz. Denn die haben wir ja auf Direktoren*innen Ebene.

Wichtig ist für ein solches Konstrukt insbesondere klare Vorgaben, klare übergeordnete Leitlinien und klare Überprüfung der Einhaltung sowie eine ständige Moderation.

Vermarktung und Co

Weiter geht es mit den Worten von OG:

Die Vermarktung werde seit dem Sommer in das Team von Bernd von Geldern integriert. Das koste aktuell sehr viel Mühe, habe aber einen hohen perspektivischen Wert. Man habe da ein komplett neues Team, sei sehr froh über die neuen Kolleg*innen. Zuerst galt es den Übergang der Sponsor*innen störungsfrei zu organisieren. Man könne aber absehen, dass dies eine positive unternehmerische Entscheidung sei. Man danke aber U!Sports für die lange Partnerschaft.

Wir denken wir haben in den Vorjahren bereits alles dazu gesagt. Ob das ein guter Plan war, wird sich dann in ca. 10 Jahren zeigen. Oder auch nicht. Die Grundlinie „wir machen es lieber selber“ findet aber grundsätzlich unsere Zustimmung und sollte noch weiter ausgedehnt werden. Als nächstes im Ticketing?

Er bedankt sich bei Benny Bendel, der 13 Jahre den Catering/Event-Bereich geleitet hat und im Sommer sagte, er wolle sich verändern. Man wünscht ihm alles Gute und sagt Danke. Nachfolger sei Tjark Röhrs. Schreibweise des Namens mussten wir googeln. Dann auch von uns alles Gute Benny und willkommen Tjark. Vielleicht kann man ja aus dem Clubheim und seiner Küche noch mehr machen?

OG kommt zum Thema Merchandise: Rückblickend sei das letzte Jahr das beste im Bereich Merchandise und auch das laufende Jahr liefe sehr gut. Man hoffe in 3,5 Jahren den damaligen Kaufpreis komplett zurückverdient und dann echte Werte für den FCSP geschaffen zu haben.

Wenn man Merchandise als dies sieht, was es ist, nämlich als Einnahmequelle, dann ist es sehr schön zu lesen, dass wir hier auf Rekordniveau agieren. Man kann sich nichts Besseres wünschen. Wir haben diese Rechte zum 01.01.2016 zurück gekauft, haben diesen Kauf also nach 6,5 Jahren insgesamt wieder rein geholt, wenn Okes Prognose denn Wahrheit wird. Wir sprechen hier aber auch nicht über das Geld für einen Wunderstürmer, denn wie ihr der Meldung entnehmen könnt, haben wir für die Rechte damals 1,3 Millionen gezahlt. Also irgendwas um die 200.000 Euro Gewinn scheinen wir pro Jahr in diesem Bereich zu machen. (In 12,5 Jahren ist das eine Mats-Ablösesumme ??. Das mal so für die Dimensionen.)

Exkurs / Das Merch

Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt im Merch. Wir sind hier Mensch im eigenen Haus und müssen das daher auch als Mitgliedschaft kritisch begleiten. In der Vergangenheit ist da die sehr positiv die begonnene Umstellung auf nachhaltige Produkte zu erwähnen, die auch von OG in seiner Rede erwähnt wurde. Der MV sind in den Vorjahren die diversen Schwierigkeiten bei einer solchen Umstellung berichtet worden, die wahrscheinlich jedes Mitglied nachvollziehen kann.

Wir haben trotzdem unsere Fragen. Und leider blieben die trotz Nachfrage einer Freundin des Blogs (Hallo Flossi <3) teilweise unbeantwortet. Wir stellen fest, dass beinah wöchentlich neue Kollektionen auf „den Markt“ geworfen wurden. Die aber alle irgendwie „Totenkopf“ basierend sind. Naja, bis auf die Pommes-Socken. Und die Holzfällerjacken. Und…

Das erscheint irgendwie von außen betrachtet keine zielführende Idee zu sein. Insbesondere, da saisonale Kollektionen wohl deutlich unter 50 % des Umsatzes aus machen. Uns ist auch klar, dass man auch mal was ausprobieren und gucken muss, ob „der Markt“ das haben möchte oder nicht. Auch sind wir ultranahe Kommunist*innen garantiert nicht die Zielgruppe für diese Kollektionen. Die ja aber eben auch nicht der Kassenschlager bei dem „Pauli ist irgendwie cool“ Publikum zu seien scheinen.

Hinzu kommt, dass unser Kassenschlager Totenkopf schon gut 25 Jahre auf dem Markt ist. Wir haben in den Vorjahren schon mal angemahnt, dass neue parallele Insignien und eine Modernisierung des Totenkopfes schon sehr hilfreich wären. Aber gerade dies erfolgt ja nicht, wenn man den Totenkopf klassisch mal auf gelb, mal auf grün und mal auf bunt druckt.

Fans (und insbesondere Ultras) machen es immer wieder vor, wie man schicke, moderne Sachen produziert. Sich hier neue Ideen zu holen, wäre schön. Und dabei meinen wir nicht einfach eine Sache abkupfern (also wirklich nicht, vor allem auch nicht wie in Bremen vor kurzem), die zuerst von Fans auf den Markt gebracht wurde, sondern vielleicht auch gemeinsam „Kollektionen“ für den Shop entwickeln. Das funktioniert doch schon sehr gut im „Lieb doch wen du willst“ Bereich (wir nennen das jetzt mal so). Ebenso wenn für den Fanladen produziert wird. So wäre eine Kollektion aus dem Fanbereich garantiert authentischer, als Totenkopf Schaumprint auf einem blaupastellfarben geringeltem Kleid, wie in der zur Zeit erhältlichen Kollektion „Greta“ (Online seit März 2019 und nun im Abverkauf, daher keine Ahnung wie lange die noch Online ist, Link hier: Greta).

Nochmal: Ja, vieles davon wird auch für den Pauli von Nebenan produziert, aber seien wir ehrlich: Wir haben in Eppendorf im Sommer da nicht alle Leute mit rum laufen sehen. Eher mit dem alten Totenkopf. Und nein, wir Kommunist*innen sind natürlich nie in Eppendorf. Höchstens, um da H$V-Sticker zu entfernen.

Exkurs Ende

CSR

Im Marketing erwähnt OG dann noch die sozialen Projekte, die man mit Partnern voran treibe. Da sei der Eisbecher “Melting Pot” zu erwähnen, der 150.000 Euro eingebracht habe. Er kenne keinen Verein, der in einer solchen Größenordnung Initiativen unterstütze. Da sei auch die Waldverbessern Kampagne genannt, die garantiert nicht die Lösung aller Probleme, aber ein Beitrag zum bewusst machen ist.

Wertevermittlung sei auch anderswo ein großes Anliegen. Z.B. im E-Sport, oder wenn es darum gehe, den Rabauken einen guten Umgang mit Medien beizubringen.

Corporate Social Responsibility (CSR) ist immer ein zweischneidiges Schwert, denn hier vermischt sich Gutes tun stark mit dem Interesse als Unternehmung hübsch auszusehen und eigentlich doch nur Werbung zu machen. Stichworte wie „Green washing“ seien hier genannt. Und so muss sich natürlich auch der FCSP immer hinterfragen lassen, ob seine Projekte nur gut aussehen oder ob sie auch gut sind. Diese ganzen Baumpflanzen-Kampagnen sind häufig doch etwas fragwürdig und auch mit ein paar mehr Stadtbienen wird man die Welt nicht retten. Da kann sich der Name unseres technischen Direktors noch so gut für Wortspiele mit Bienen und Wald eignen. Aber Oke nennt hier einen wichtigen Aspekt, den gerade ein Player, wie der FCSP nutzen kann und muss: Aufmerksamkeit erzeugen. Menschen zum Nachdenken bewegen. Und da hilft halt auch die Biene und der Wald. Das Thema kommt in die Medien und erreicht garantiert auch Leute, die nicht jeden Tag auf Twitter sind und jedes Detail der Klimakatastrophe verinnerlicht haben. Vergleichbares gilt im Bereich LGBTQ+. Klar haben hier Firmen auch lukrative Zielgruppen im Visier, aber jedes „Lieb doch wen du willst“, jedes positionieren ist wichtig. Ihr müsst dafür nur mal in Kommentarspalten zu entsprechenden Produkten sehen. Es ist trotzdem immer gut daran zu erinnern, dass wir es hier mit kapitalistischen Unternehmen zu tun haben, die natürlich immer auch ihre eigenen Interessen im Blick haben.

Medien, Engagement und so

Er widmet ein paar Worte an Christoph Pieper, der nach acht Jahren den FCSP in Richtung Bremen verlassen habe. Sein letztes Projekt sei die USA-Reise gewesen, die medial mit 13 Millionen Impressionen ein voller Erfolg gewesen sei. (Haben wir keine Ahnung von, können wir null bewerten.) Er dankt ihm und wünscht ihm alles Gute. Funfact: Werder hat bis heute (Zeilen am 09.01.2020 zuletzt überprüft) kein Foto für/von CP auf der Homepage. Geht es dir gut, Christoph?

Wichtig sei es, dass man Themen für die man nach außen wahrgenommen werde auch intern implementiere. Er nennt das Engagement für Obdachlose und begrüßt ausdrücklich Birgit als neue Fanbeauftragte für Menschen mit Behinderung.

Hier mal eine Anmerkung: Bitte glaubt in diesem Bereich nicht alles, was per Morgenpost in die Welt gepustet wurde. Wir hatten schon bei dem Wechsel zu Birgit deutlich gemacht, dass viele Dinge nicht in die Öffentlichkeit gehören und begrüßen es daher sehr, dass viele Beteiligte einfach auch mal den Mund halten. Man kann sich dann gerne fragen, warum andere Menschen nun unbedingt zu Buttje gehen müssen. (Ihr merkt, dass wir uns nicht fragen, warum Buttje dann sowas schreibt.) Wir zumindest haben von Birgit schon mehr Infos mitbekommen, als vom einem/einer Fanbeauftragten für Menschen mit Behinderung in den ganzen Jahren vorher. Und das begrüßen wir. An dieser Stelle sei für alle Interessierten auf den Millernton verwiesen.

Wir übernehmen die DFL und stiften zur Revolution an

OG kommt nun zur DFL. Man sei da erstmals die kommenden Jahre im Präsidium vertreten. Dort werde über die Form des Wettbewerbs (da gibt es in unseren Quellen ein bisschen Diskrepanz, es wurde auch teilweise „Durchführung des Wettbewerbs“ notiert, was einen etwas anderen Wortsinn hätte), die Geldverteilung und anderes bestimmt. Da sei die Stimme des FCSP sehr wichtig. Außer Hannover hätten alle Zweitligisten für den FCSP gestimmt.

Hannover, wir müssen reden.

Die Bereitschaft sich da zu engagieren, ist absolut zu begrüßen! Auch weil der FCSP vielleicht mal den Mut anderer Zweitligisten wecken kann. Zu viele dieser Vereine halten die 2. Liga ja eigentlich nur für eine Durchgangsstation und eigentlich gehören sie ja sowieso mindestens in die Europa League. Mit dem Ergebnis, dass sie sich schwer tun die 2. Liga zu Ungunsten der 1. Liga zu stärken. Oder sie glauben der Mär, dass man Bayern alles auf dem Tablett servieren muss, sonst würden die alleine in der Superdupereuropamegameisterwowpremiereleaguesponsoredbyredbull spielen. Da spielen sie auch bald, wenn man über jedes Stöckchen springt, den diese Gesellschaften einem hinhalten. Gerade die 2. Liga muss erkennen, dass es auch einen Markt für einen normalen, bezahlbaren und menschennahen (um mal das Unwort ‘volksnah’ nicht zu verwenden) Fußball gibt. Der kann nämlich neben der Glanzwelt ‘Champions League’ mit seinen 100 Euro Eintrittspreisen und optimierten Anstoßzeiten für den australischen Markt sehr gut bestehen.

OG führt aus, dass man da keinen Popularitätspreis gewinnen werde, aber sich eben für die Überzeugungen des FCSP einsetzen werde. Neben ihm seien auch Bornemann, Drust, Wenk und von Geldern in Kommissionen tätig.

Wir möchten hier die Frage wiederholen, wie man das alles ehrenamtlich schaffen will.

Alles Amateure

OG wechselt zum Amateursport. Er erwähnt hier, dass man den Verein als ‘Verein’ begreifen müsse und dies eine gemeinsame Linie des Präsidiums und Amateurvorstandes sei. Dazu habe man den Grundlagenvertrag unterzeichnet, der die Rolle des Amateursports beim FCSP stärke. Man habe daraus Strukturen erarbeitet, welche die Zusammenarbeit regeln. Dabei wolle man die Autonomie der Abteilungen erhalten und ehrenamtliches Engagement ermöglichen (er nennt z.B. die CSD Teilnahme). Man sei mit Thomas Michael sehr gut vernetzt und habe dies noch intensiviert.

Der Auftaktsatz klingt ein bisschen hohl, ist aber richtig. Wir als FCSP sind sehr viel mehr als der Profiherrenfußball. Wir sind und wollen ein gemeinnütziger Sportverein sein und dazu gehört eben insbesondere ein Vereinsleben mit vielen Amateurabteilungen. Und es sollten noch viel mehr sein. Die ersten Herren im Fussball sind natürlich unser großes Aushängeschild, aber nicht mehr. Wir kommen da gleich bei den Ehrungen noch mal drauf zu sprechen.

OG spricht nun zum Thema Sportanlagen und insbesondere auch die Feldarena an. Man müsse da die Lage verbessern. Man führe viele Gespräche, könne die aber nicht immer kommunizieren. Sei es die Feldarena auf einen neuen Stand zu bringen, sei es fehlende Sportstätten zu erhalten. Man bitte da um Vertrauen, auch wenn nicht immer gleich etwas kommuniziert wird.

Wenn wir jetzt unbegrenzt Zeit und Curi unbegrenzt Stimme hätte, dann würden wir uns hier nun stundenlang über die Sportstätten in Hamburg und die fehlende Unterstützung der Stadt Hamburg für Sportvereine aufregen.

Wenn man dieses Thema mal anspricht, dann hören wir seit Jahren immer wieder, dass sich die entsprechenden Personen mit allen möglichen Menschen absabbeln, um die gewünschte Halle(n), die gewünschten Plätze und das Jugendzentrum mit genügend Trainingsplätzen endlich zu realisieren. Wir können nicht beurteilen, ob da Fortschritte erzielt wurden/werden und natürlich ist Diplomatie erstmal etwas, was im Hinterzimmer an der breiten Öffentlichkeit vorbei passiert. Und hier ist erstmal Diplomatie gefragt.

Nur Diplomatie hat auch ihre Grenzen. Und wenn keine Fortschritte erzielt werden, dann muss der FCSP irgendwann in die öffentliche Offensive gehen. Und so auch Druck aufbauen. Oder anders ausgedrückt: Es kann nicht sein, dass Befürworter von Seilbahnen alle 3 Jahre wieder ihre Idee breit öffentlich präsentieren und damit immer wieder Druck aufbauen und wir unsere Idee von der Überbauung des Heiligengeistfeldes (Achtung Ironie!) immer nur Behörden zeigen. Irgendwann muss man halt die Öffentlichkeit bemühen. Und es ist immer wieder erstaunlich, was man dadurch gerade vor Wahlen erreichen kann. Weder die Grünen, noch die SPD werden es sich leisten wollen Schlagzeilen wie „Hamburg lässt Sportverein im Regen stehen“ zu lesen.

OG erwähnt irgendwo in diesem Bereich auch den Frauenfußball und sprach da von „Mannschaften“. Da ist noch „üben“ angesagt.

Das Pflänzchen Nachwuchs geht auf

OG kommt nun zur U23 und dem Nachwuchs allgemein. Ziel müsse es sein, die Durchlässigkeit weiter zu erhöhen. Auch wenn Nachwuchsspieler inzwischen so häufig wie lange nicht mehr in der Profimannschaft eingesetzt werden. Er nennt hier noch diverse Namen.

Wir sind hier auf dem richtigen Weg. Vergleichen wir den Zustand doch mal mit dem im letzten Jahr gesagten, was wir noch mal kurz zitieren wollen:

„Das Loblied wird schon lange gesungen und die Idee der AFM ist immer noch uneingeschränkt richtig, aber irgendwann müssen da auch Erfolge kommen und die waren bisher selten. Und Erfolge meint, dass da Spieler wirklich in den Profis ankommen. Nur mal als Beispiel: Hertha hat im aktuellen Kader 12 Spieler, die als “Local Player” gelten, keiner älter als 23 und acht hatten bereits Ligaeinsätze. Das ist Spitze in der Bundesliga. Wir haben acht “Local Player” und davon ist einer Schnecke. Vier davon hatten schon Ligaeinsätze. Da ist also definitiv noch Nachholbedarf. Gerade wenn man Spieler billig einkaufen und teuer verkaufen möchte. Man muss aber darauf hinweisen, dass acht Spieler in der zweiten Liga schon nah der Spitze ist. Was auch zeigt, wie häufig da einfach wild eingekauft wird. Alle Daten laut Transfermarkt.de.“

Stand dieses Jahr? Sieben Spieler sind lokal ausgebildet (Local Player laut Transfermarkt.de) und hatten irgendwann schon einmal einen Einsatz in der Profimannschaft. Damit führen wir die zweite Liga an. Und außer Brodersen hatten alle Local Player diese Saison schon einen Ligaeinsatz. Wir sind hier also auf dem richtigen Weg. Ob das schon ein „break even“ ist? Dies können wir nicht sagen, aber Schritte in die richtige Richtung sind getan.

Zwei Erläuterungen sind zu diesen Zahlen noch fällig: Conteh gilt auf transfermarkt.de nicht als Local Player. Einer unserer Local Player ist Schnecke. Der ganz vielleicht nicht mehr als „junges Talent“ gilt. Anderseits ist es ja ein Traumszenario, wenn ein selbst ausgebildeter Spieler auf (Stand 02.01.20) 172 Einsätze in der 1. Mannschaft kommt.

Zur Durchlässigkeit gehöre auch, dass Mitarbeiter*innen, die sich im NLZ bewiesen hätten nun ihren Dienst bei den Profis verrichten würden. Dazu gehöre der Videoanalyst (ah, danke wir haben uns immer gefragt, ob es da einen neuen gibt und woher der kommt) und der Athletiktrainer. Auch wenn man bei der U23 bis zuletzt um den Klassenerhalt gekämpft habe, sei die Saison der NLZ Mannschaften ein Erfolg gewesen. Die U19 und U17 selbst mit historisch hohen Platzierungen.

Wie so häufig im Sport gilt, dass Platzierungen nicht alles sind, aber ohne ein Spielen auf höchstem Niveau (gleich Jugendbundesliga) vieles nichts ist. Klar muss man gerade bei 16- bis 18-jährigen auch langfristige Trainingsziele verfolgen, die teilweise den kurzfristigen sportlichen Erfolg drücken, aber es ist immer eine schwierige Balance. Das Mitarbeiter*innen „hochgezogen“ werden, spricht für Qualität, man darf aber nie vergessen, dass die Arbeit mit Jugendlichen eine andere ist als mit Profis. Siehe dazu auch die Millerntonfolge mit Schulle.

Man arbeite daran für die U23 und vielleicht andere Mannschaften eine Spielstätte in Hamburg zu finden. (siehe oben)

OG bedankt sich noch bei der AFM. Er gratuliert zum 20., erwähnt, dass alle Nachwuchsmannschaften mit einem entsprechenden Logo auflaufen werden und wünschte alles Gute für die nächsten 20. (Ja von uns auch)

Zum Abschluss sagt OG noch was von „Fundament legen“ und „handelnden Personen in diesem Sinne weiter zu machen“. Wir haben da aber leider nicht alles mitgeschnitten.

Wie war nun diese Rede? Wir haben mal eine nicht repräsentative Umfrage beim Bielefeld Heimspiel gestartet:

Einige Leute meinten nur „wen will er denn damit einlullen?“, andere fanden die Rede gut. Wieder andere bemerkten, dass er angefressen gewirkt habe. Ihr merkt, die Reaktionen waren so gemischt wie dieser Verein es ist.

Wollen wir das beurteilen? Nein! Ein Redner der kurzen präzisen Thesen wird Oke nicht mehr und zur Revolution aufrufen wird er wahrscheinlich auch niemals. Das wussten wir aber alle, als wir ihn mehrheitlich gewählt haben.

Was auffällt ist diese mehrfache Bitte nach Vertrauen und „intern kritisieren“ und „keine Öffentlichkeit“. Wie wir schon erwähnten, es gibt da ein Spannungsverhältnis zwischen demokratischem Verein und natürlich auch teilweise notwendiger Vertraulichkeit. Es ist an uns allen, daran immer wieder zu erinnern.

Was noch auffällt? Was Oke weglässt. Kein Wort zu den Vorkommnissen des 18/19 Derbys. Sowieso wenig Worte zum Thema „Fans“. Kein Wort zu diversen Andy Grote Themen.

Es gab aber auch keine Wortmeldungen, die z.B. dies nachfragten. Dabei wollten das doch so viele Twitteranis?

Der Kassenprüfer

Er spricht insgesamt zwei Minuten. Was einer der Notizen anfertigenden Menschen noch mit „so viel Liebe für die Kürze“ kommentierte. Nein, liebe Menschen, Kürze ist nicht alles und hier fehlte definitiv etwas.

Denn der Kassenprüfer erwähnt nur, dass die Buchführung der einzelnen Abteilungen sich qualitativ auf einem hohen Niveau bewege und einen gegliederten und guten Eindruck mache. Für momentane Anforderungen sehe man den Verein gut aufgestellt, jedoch sollten für kommende höhere Ziele Verstärkungen eingeplant werden. Auf dieser Basis wolle man die Entlastung des Präsidiums vorschlagen.

Ihr könnt echt froh sein, dass der Senior nicht anwesend war. Spätestens hier hätte er den Saal in Brand gesetzt. Sorry, aber das geht gar nicht! Erstmal: Welche „höheren Ziele“? Oke hatte nicht wirklich welche in seiner Rede benannt.

Dann hat es im Jahr über das wir die MV abhalten eine steuerstrafrechtliche Durchsuchung gegeben. Wenn ich die Entlastung eines Vorstandes eines Vereines empfehle, dann muss ich irgendwie darauf eingehen. Die Wirkung der Entlastung ist immerhin, dass wir als Verein auf Schadensersatzansprüche gegenüber dem Vorstand verzichten und seine Arbeit als Ordnungsgemäß bewerten. Zumindest im juristischen Grundsatz.

Man stelle sich jetzt mal vor, aus dem Steuerstrafverfahren kommt doch eine Millionennachzahlung raus. Es kommt raus, dass Oke und Co alles verbockt haben und wir haben fröhlich ohne darüber zu reden einer Entlastung zugestimmt? Schwierig.

Dies kann das einfache Mitglied allein nicht überblicken und genau deswegen gibt es einen Kassenprüfer, der eine Empfehlung zur Entlastung abgibt. Und ein solcher muss auf solche Themen zwingend eingehen. Und hier mal eine allgemeine Rüge des Seniors an alle Anwesenden: Warum verfickt noch mal fragt da keine*r von euch nach? Man ey! Man kann euch echt nicht alleine lassen!

Wenn der das erwähnt und sagt „Mal ehrlich Loide, das ist Kleinschiss und wir haben das geprüft und für uns ist das alles in Ordnung und steht einer Entlastung nicht entgegen“, dann ist das vollkommen in Ordnung. Wir selber hatten ja schon versucht zu erklären, dass es entweder um etwas ganz anderes geht oder die Durchsuchung einfach lächerlich ist. So etwas muss ein Kassenprüfer aber echt überprüfen, einschätzen und auf der MV erklären. Dafür ist er gewählt.

Der Aufsichtsrat – Sandra mahnt

Es folgte unsere Aufsichtsratsvorsitzende Sandra.

Sandra spricht von einem Jahr mit viel Licht und Schatten. Die Integration von Philippe Niebuhr in den Aufsichtsrat sei gelungen, er habe einen frischen Blick auf die Dinge mitgebracht.

Sportlich konnte man dem Wunsch nach Kontinuität nicht nachkommen, es gab wieder einmal einen Wechsel beim Trainer und Sportdirektor. Man habe aber dem Wunsch des Präsidiums, nach einem Wechsel, nach Diskussionen entsprochen. Man sei sich im Klaren gewesen, dass dies auch die jetzt laufende Saison prägen würde und auch zu Ungeduld führen würde. Man sei im regelmäßigen Austausch mit der sportlichen Leitung und man sehe erste positive Auswirkungen der Arbeit von Bornemann und Luhukay. Man blicke positiv in die Zukunft. Veränderungen bräuchten Zeit und man brauche Geduld.

Wir können jetzt nur wiederholen, was wir bei OG geschrieben haben: Das ist alles richtig. Es muss nur irgendwann die Kurve bekommen werden. Und das sah in der Hinrunde nicht immer so aus. Die beiden Siege direkt vor der Winterpause schaffen natürlich Zeit und Geduld, aber die Ergebnisse müssen jetzt irgendwann besser werden. Sonst hilft der beste langfristige Plan nichts. Die Formulierung „nach Diskussionen“ spricht nicht gerade dafür, dass der AR sofort Feuer und Flamme für einen weiteren Wechsel auf beiden Positionen war.

Es macht nebenbei so gar keinen Spaß die Äußerungen zu Trainern/Managern bei den letzten MVs nachzulesen. Klar, man kann hier schlecht das Vertrauen entziehen und muss sie als Ideallösung präsentieren. Aber es ändert nichts daran, dass die letzte Ideallösung gerade mal 5 Monate gehalten hat, bevor sie von dieser Ideallösung abgelöst wurde.

Die nackten Zahlen sind ziemlich ernüchternd. Wir hatten in den 10er Jahren 9 verschiedene Personen (teilweise mehrfach) als Trainer, 5 verschiedene Personen als sportliche Leiter. Das ist eine ganz schön bittere Bilanz. Die gewünschte Kontinuität war also nie vorhanden. Möge es in den 20ern besser werden. Das Werder Bremen der Neuzeit ist hier nebenbei Heidenheim. Die haben in den 10er Jahren den Trainer nicht einmal gewechselt.

Sandra zeigt sich sehr zufrieden mit der Entwicklung der Nachwuchsspieler. Ausbildung bereite große Freude und sei auch dank der AFM und deren Geldern möglich. Sie sei auch sehr wichtig. Man müsse aber dringend infrastrukturelle Anpassungen im Nachwuchsbereich und auch für die Lizenzmannschaft durchführen, damit die positive Entwicklung weiter gehen könne. Alle Bemühungen seien bisher an dem Mangel an Sportflächen in Hamburg gescheitert. Man hoffe da dank der stetigen Bemühungen des Präsidiums und auch von Roger Stilz weiter zu kommen.

Seufz! Siehe oben! Wir brauchen Platz und bisher will uns den niemand bieten. Vielleicht sollten wir zu Haus- äh Platzbesetzer*innen werden?

Auch das Thema Finanzen sei laut Sandra positiv zu sehen. Man habe solide gewirtschaftet, der Austausch mit Geschäftsleitung und den Wirtschaftsprüfer*innen sei intensiviert worden, aber hier sei noch Luft nach oben, man müsse das Ganze noch engmaschiger begleiten.

Hören wir hier bei allen guten Dingen auch sehr viel Mahnung zu mehr Aufmerksamkeit heraus? Wir schrieben schon vor Jahren, dass beim FCSP historisch immer dann die großen Fehler gemacht wurden, wenn eigentlich alles lief und man sich davon hat einlullen lassen. Wir kommen hier auch auf die fehlende Konzernbilanz zurück. Wir als Mitglieder dürfen uns nicht einlullen lassen, sondern müssen kritisch hinterfragen. Auch in einem solchen sperrigen Gebiet wie „Finanzen“. Wir sind ein Mitmachverein und das heißt auch, dass hier jede*r am Ball bleiben muss.

Der andere Fußball müsse auf gesunden Beinen stehen, führt Sandra weiter aus. Dazu sei es notwendig Mittel und Wege zu finden, den ständig steigenden Sportetat zu finanzieren. Man müsse dazu neue Finanzquellen erschließen und Geldgeber*innen bzw. Partner*innen finden, die zu unserem Verein, unseren Werten passen. (Den letzten Satz haben wir nun bewusst mal von der Homepage abgeschrieben) Denn ohne Geld sei Fußball nicht möglich.

Geldgeber*in meint hier wahrscheinlich auch Menschen oder Gesellschaften, die uns Geld geben, was über ein normales Sponsoring hinaus geht. Bei unserer Struktur hilft uns zur Zeit auch noch einmaliges Geld, weil wir eben noch immer Zinsen für sehr viel Fremdkapital zahlen. Sandra erwähnte das Wort „Genossenschaft“ nicht. Was wahrscheinlich auch zeigt, dass diese Idee nicht kurzfristig umgesetzt werden wird. Falls irgendwer von euch in nächster Zeit irgendwie 50 Mio. im Lotto gewinnt und nicht weiß, was er/sie damit machen soll: Ruft auf der Geschäftsstelle an.

Unsere Aufsichtsratsvorsitzende zeigt sich hocherfreut über das Wachstum der sportlichen Abteilungen und das diese auch zusammen wachsen würden. Die AFM sei dabei eine Garantin für gute Jugendarbeit, nicht nur im Bereich Fußball.

Klare Mahnungen

Sie kommt nun aber zu kritischeren Themen. Der Verein reagiere spät auf personelle Engpässe, manchmal auch zu spät. Eine Mitarbeiter*innen Planung mit Weitsicht fehle. Man reagiere zu kurzfristig.

[… wir lassen jetzt mal was aus…]

Sandra mahnt das Präsidium an, dass es Regelungen in der Satzung gäbe, die man einhalten müsse, auch wenn diese sehr anstrengend seien und nicht immer einfach umzusetzen. Dem AR sei das Spannungsverhältnis Ehrenamt und Vereinsführung bekannt, aber man werde als AR wiederholt vor vollendete Tatsachen gestellt und Verträge oder Vertragsinhalte seien dann schon nach außen hin in Kraft, noch bevor der AR überhaupt zustimmen konnte. Das dürfe nicht sein. Zwar seien es immer kleine Dinge, aber die Häufung ist so groß, dass man nicht mehr von Einzelfällen sprechen könne, die mal passieren können. Die Kritik sei dem Präsidium bekannt und es gäbe ein Verständnis über den weiteren Weg.

Beide Punkte gehören für uns zusammen. Auch wenn Sandra da noch was zwischen gepackt hatte. Beide Punkte zeigen nämlich, dass es uns an Weitsicht und Ruhe in der Vereinsführung fehlt. Beide Punkte zeigen auch, dass zu viel noch spontan und nicht nach Regeln entschieden wird. Wir wiederholen uns, wenn wir hier wieder die Frage stellen, ob eine rein ehrenamtliche Führung wirklich noch sinnvoll ist. Und möchten in diesem Licht auch noch mal auf die zusätzliche Problematik der Direktor*innenrunde hinweisen. So ein Konstrukt hilft in so einer Lage nämlich wirklich nicht.

Es ist auch absolut nicht zu tolerieren, wenn das Präsidium die Satzung missachtet und Verträge abschließt ohne die notwendige Zustimmung des AR. Und dieses Thema kommt nicht zum ersten Mal bei diesem Präsidenten auf die Tagesordnung. Klar, wir sind hier nicht mehr im Lande Littmann, wo alles am AR vorbei in Gutsherrenart entschieden wurde, aber nur weil es besser ist, ist es noch lange nicht gut oder ausreichend. Der AR hat hier sehr wenig Handhabungen, um ein solches Verhalten wirklich zu bestrafen. Eigentlich bleibt nur die Zustimmung zu verweigern und dann der MV zu empfehlen nicht zu entlasten, wenn man nicht zur Ultima Ratio der Entfernung aus dem Amt greifen will. Beides ist dann aber auch nur schwerlich vorstellbar, wenn die MV – wie hier – eher mit einem gelangweilten Gähnen reagiert, als mit Empörung. Ja liebe Menschen da draußen, hier wäre ein Gang an das Mikrofon und die Frage an den AR/an das Präsidium, wie man sich denn unter solchen Umständen zu einer Entlastung entscheiden soll sehr angebracht gewesen. Und ebenso die Frage an den Präsidenten, ob diese Verhaltensweisen nun endgültig abgestellt werden würden. Hier muss die MV für den AR auch Druck aufbauen.

Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, so ein riesiges Gebilde kann nur dann vernünftig und sicher geführt werden, wenn sich alle an Regeln halten. Und noch mal als Wiederholung: Der FCSP ist immer dann abgestürzt, als es ihm gerade halbwegs gut ging.

Hoffen wir aber mal, dass wir über diese Themenkomplexe nie wieder reden werden.

Weiter im Text

Wir hatten hier eben den Dank von Sandra an Andreas Rettig und das Bedauern über seinen Abgang ausgelassen. Man freue sich aber, dass dadurch der Übergang zu dem neuen Führungskreis möglich geworden sei. Diese Idee das auf mehrere Schultern zu verteilen wäre schon länger diskutiert und nun umgesetzt worden.

Wir bleiben da etwas skeptisch und hatten das bereits bei der Rede von OG ausgeführt. Uns fehlt da irgendwie die kontrollierende und ordnende Hand. Wir sehen nicht, dass dies ein ehrenamtliches Präsidium leisten kann. Im Endeffekt ist mit dieser Struktur eine Hauptamtlichkeit des Präsidiums (oder Teilen des Präsidiums) vorweg genommen.

Sandra kommt zum Ende. Sie erwähnt noch, dass man als Verein häufig eine klare Haltung gezeigt habe, diese aber auch in anderen Themen nicht gezeigt habe bzw. nur auf andere reagiert habe. Man wünsche sich, dass die Haltung noch klarer in Äußerungen nach außen getragen werde. Dies sei nicht immer einfach und auch nicht von heute auf morgen immer zu realisieren. Aber Werte nach Innen und Außen zu leben, dies sei Ziel.

Wir können nur darüber spekulieren, was hier gemeint ist, vielleicht Werbepartner, die Mist bauen? Oder auch mal klare Kante gegenüber Andy? Das Ziel finden wir allemal gut.

Man wolle nun die nächsten Schritte machen bei Finanzen, Struktur und Infrastruktur und trotz kritischer Worte wollen man dem Präsidium danken und die Entlastung vorschlagen.

Es gab wieder keine Fragen. Warum eigentlich nicht? Nach diesem Bericht war es 20:16. Dies sei hier mal erwähnt. Wir kommen noch später zu dem Thema „Zeitmanagement auf der MV“ und auch „Termin einer MV“

Ein kurzer Disclaimer

Ab hier waren unsere Stenograf*innen ziemlich am Ende und haben bei vielen Reden nur noch Highlights notiert. Dies ist ausdrücklich kein Vorwurf und wir (und insbesondere ich, der Senior) sind ihnen ewig dankbar, dass sie diesen Wahnsinnsjob übernommen haben. Deswegen wird es ab hier nun keine vollständige Wiedergabe mehr des Geschehens geben. Wir reduzieren das ganze auf ein paar Highlights und kommentieren diese.

Bericht des Amateurvorstandes

Jörn Sturm berichtet, dankt seinen Kolleg*innen für deren Einsatz, verabschiedet Harald Singer aus dem Gremium und begrüßt dafür Carsten Balschat (wenn uns nicht alles täuscht, dann ist der in der Triathlon Abteilung) als neues Mitglied. Er dankt auch Manfred Heinzinger und dem Ehrenrat, die viel im Stillen leisten würden.

Er erwähnt den Auftritt beim CSD, der nicht nur politisch toll wäre, sondern auch ein schönes Zeichen für das Motto „Wir sind ein Verein“ gewesen sei. Diese Motto solle die Arbeit weiter prägen und man möchte weitere Angebote erarbeiten, seien es gemeinsame Trainings oder andere Aktionen.

Das Motto hören wir zum ersten Mal. Und so richtig überzeugend klingt das für uns nicht. Oder haben wir ihn da komplett falsch verstanden? Die CSD Sache ist jedoch an sich echt cool, weil echt von unten gewachsen und es ist sehr schön, was draus entstanden ist. Und natürlich sind Aktionen der Amateurabteilungen über die Abteilungsgrenzen immer begrüßenswert.

JS begrüßt die Digitalisierung des Blickpunkts und weist auf die Postkarte im nächsten Blickpunkt hin.

Er dankt allen Mitarbeiter*innen auf der Geschäftsstelle und insbesondere auch Thomas Michael für die Zusammenarbeit. „Danke, dass du da bist“.

Er geht nun auf die Geschlechterdinge ein. Zuerst sagt JS, dass er den Antrag zur Satzungsänderung unterstütze. Er sei froh, dass es diesen Antrag gäbe und das auf „wir machen es uns einfach und bequem“ verzichtet werde.

Es seien zur Zeit 13.233 Mitglieder in sporttreibenden Abteilungen aktiv. Davon seien 23 % weiblich. Darüber hinaus gäbe es noch einige Mitglieder, die das Geschlecht „divers“ angegeben hätten. Für diese Mitglieder bemühe man sich um eigene Angebote, eigene Umkleiden und JS sichert diesen Mitgliedern die volle Unterstützung bei der Bewältigung aller Probleme zu.

Von den 22 Abteilungen seien vier durch ihren Zweck auf ein Geschlecht fixiert.

Wir kommen nur auf drei: Herrenfußball, Frauenfußball und Rollerderby. Kann uns mal jemand bei Gelegenheit die Vierte sagen? Futsal hat zur Zeit nur eine Männertruppe, aber das ist ja keine Begrenzung, oder?

27 % der Abteilungen würden von Frauen geführt, es seien 26 % der Ämter weiblich. Statistisch habe man keine Probleme. Die Probleme lägen eher in der Verteilung, es gäbe auch beim FCSP Zirkel, die männlich dominiert seien und wo Frauen unterrepräsentiert seien. Dies könne einem nicht gefallen und man müsse sich auch fragen, warum nur ein Viertel der Mitglieder weiblich sei. Habe man die falschen Angebote?

Das Thema „Frauen“ dürfe nicht bei den beiden Führungsgremien enden. Auch in den sporttreibenden Abteilungen müsse es stattfinden. Auch im Hinblick auf einen Aufstieg (wenn wir ihn richtig verstanden haben, verhaspelte er sich da sehr süß und sagte „Aufzucht“) in diese Gremien.

Jörn, lass dich mal knuddeln. Danke. Das waren gute Worte, die wir so nur unterschreiben wollen. Der FCSP sollte dringend eine Analyse fahren, warum er so wenig weibliche (und diverse) Mitglieder hat.
Wir haben uns hier auch die Frage gestellt, woran das liegen kann: Haben wir nicht die richtigen Angebote für Frauen die Sport treiben wollen? Gibt es nicht genügend Frauenteams, an die sich interessierte Frauen wenden können? Klar ist, dass Frauen insgesamt deutschlandweit etwas weniger Sport machen. Aber das reicht natürlich als Argumentation nicht aus und erklärt die große Diskrepanz auch bei weitem nicht. Und im Idealfall müssen wir dann noch nicht mal Parallelangebote schaffen, sondern machen die existierenden Angebote noch interessanter für interessierte Menschen. Und wenn wir dann feststellen, dass es noch weitere Angebote geben könnte, dann fänden wir es super, wenn diese Menschen St. Pauli als eine Plattform sehen, in der sie ihren präferierten Sport gemeinsam mit Menschen, mit denen sie unsere Werte teilen, betreiben können. Es ist sehr schön, dass JS dies als Thema sieht und zu seinem Thema macht. Das ist ein langer Weg, aber der beginnt immer mit dem ersten Schritt. Und es passt natürlich auch inhaltlich komplett zum Quotenantrag.

JS erwähnt noch, dass man mehr Sportflächen brauche, gerade auch für Angebote an Frauen. Er dankt dem Präsidium für die Zusammenarbeit und erwähnt auch wie wichtig der Profifußball für den Gesamtverein sei. Wenn man sich da zu doll bei Sponsoren oder so einschränke, dann könne dies zu Problemen führen.

Bericht AFM

Ihr kennt das. Alex lassen wir aus. Nicht weil wir ihn doof finden oder so, sondern weil wir a. Irgendwo eine Pause brauchen und b. gibt es eine eigene AFM Versammlung, die wir nicht besuchen (auch weil wir teilweise in anderen Abteilungen sind) und bei der man den Rechenschaftsbericht von Alex und seinen Mitstreiter*innen hören und diskutieren könnte. Danke für den Einsatz an dieser Stelle. Eine kleine Rüge gibt es aber schon: Länger als die AR Vorsitzende zu sprechen, ist angesichts der doppelten Rechenschaft ein bisschen lang.

Man kann sich natürlich fragen, ob es sinnvoll ist, dass der AFM Vorsitzende auf der MV berichtet, aber das ist mit der damaligen Entscheidung die AFM frei im Verein und nicht unter dem Amateurvorstand aufzuhängen, festgezurrt worden und nun wahrscheinlich nur noch schwerlich zu ändern. Man kann ja auch verstehen, dass der sich mal an das allgemeine Volk wenden möchte.

Anwesenheit

Um 19:33 waren 706 Mitglieder anwesend und davon waren 700 stimmberechtigt.

Das ist wie immer viel zu wenig. Wir haben 29.000 Mitglieder. 10 % davon sollten schon eine MV besuchen.

Ehrenrat

Manfred Heinzinger trägt vor. Er beginnt damit, dass er nun 27 Jahre im Ehrenrat sei und viele Höhen und Tiefen erlebt habe. Der Verein sei wirtschaftlich gut aufgestellt. Sportlich könne man mehr reißen, aber er vertraue der sportlichen Leitung.

Hinsichtlich der Werte sei klarzustellen, dass diese nicht von Einzelnen oder von Gruppen definiert werden würden. Diese dürften sich nicht das Recht herausnehmen zu definieren, was die Werte seien. Es gelten da immer noch die Satzung, die Stadionordnung und die Leitlinien. Man könne die garantiert überprüfen ob das alles noch so richtig sei, aber erstmal seien die das Grundgesetz des FCSP.

Einspruch euer Ehren! Der Jurist des Kollektives sieht das doch deutlich anders. Denn seine Sätze würden erstmal eine komplette Klarheit und Unzweideutigkeit dieser drei Machwerke voraussetzen. Dies ist insbesondere bei den Leitlinien nicht der Fall. Wir sagen immer wieder ketzerisch, dass diese wahrscheinlich auch ein Mitglied der AfD sofort unterschreiben würde. Insofern würden wir Manfred sofort zustimmen, dass diese mal überarbeitet werden sollten. Der Impuls dazu und auch der Impuls Werte zu definieren kommt in diesem Verein aber historisch immer von einzelnen Menschen oder Gruppen. Insofern stimmen seine Ausführungen eben nicht wirklich. Sie sind nur dann richtig, wenn man Gruppen oder einzelnen Personen unterstellen würde, diese drei Normen nur dann zu beachten, wenn es gerade passt. Als Jurist*innen und Menschen sollte man aber immer de lege late (nach geltendem Recht) und de lege ferenda (nach zu schaffendem Recht) unterscheiden. Man muss sich an geltendes Recht halten, man kann in einem demokratischen Gebilde (wie so ein Verein es ist) eben auch anderes Recht schaffen wollen. Das ist legitim. Und gerade bei den Leitlinien sollten wir sehr stark de lege ferenda denken.

Und noch etwas möchten wir hier anmerken: Die Stadionordnung ist als Werteskala sehr ungeeignet. Sie beinhaltet vielen Dreck, den wir aufgrund von DFL Zwängen da rein schreiben müssen. Sie widerspricht vielen Dingen, die der FCSP eigentlich leben möchte. Insofern würden wir sie nur unter deutlichem Vorbehalt als ein Grundgesetz verstehen wollen. Im Vereinszusammenhang fehlen da dann anderseits die jeweiligen Abteilungsordnungen, denen ja auch immerhin jedes Mitglied unterworfen ist. Mit Ausnahme der wenigen verbliebenen NO1 Mitgliedern.

Der Ehrenrat sei häufig angerufen worden, selbst wenn er nicht zuständig gewesen sei. Es habe auch Fälle gegeben, da sei damit gedroht worden über Medien und dann sei nichts gekommen. Es sei genau in der Satzung geregelt, wofür man zuständig sei.

Wir können uns beinah denken, was er damit meint. Und schweigen als Genießer*innen und sprechen dem Ehrenrat unser Beileid aus.

MH gefallen die vielen Anträge nicht. Er wolle, dass man mehr miteinander spreche und Dinge intern kläre, es gebe genügend Ansprechpartner, man müsse nicht alles als Antrag formulieren. Jeder könne Arbeitsgemeinschaften gründen und jeder im Verein sei willens berechtigten Anliegen nachzugehen.

Wir möchten hier widersprechen. Die MV ist das höchste Gremium und „intern klären“ kann kein Ersatz sein. Ja, es gibt Probleme mit den Anträgen, wir kommen dazu, aber wir würden eher mehr als weniger Anträge und Diskussionen über Anträge sehen. Denn dies schärft auch unsere Demokratie.

Insgesamt sei man ein Sportverein mit Schwerpunkt Profifußball und damit ein Abbild der Gesellschaft. Diese lebe von Meinungsvielfalt und Toleranz, dies gelte bei allen Anliegen und er habe den Eindruck, dass dies nicht alle lebten.

Puh, irgendwie juckt es dieses Jahr bei MH massiv in den Fingern. In einer Gesellschaft, die sich immer weiter nach rechts verschiebt, sollte der FCSP unserer Meinung nach kein allgemeines Abbild der Gesellschaft sein wollen. Mal ganz davon ab, dass Toleranz echt nicht mehr so das coole Wort ist. Das ist uns ein bisschen zu viel Hippie Gelaber, aber wir verstehen auch, dass der Ehrenratsvorsitzende Kraft seines Amtes der Oberhippie des Vereins sein soll und muss.

Er dankt allen Ehrenämtler*innen und erwähnt noch, dass der Ehrenrat 2700 Glückwunschkarten verschickt habe. (Das ist immer noch saucool und da kann man denen echt nicht genug für danken.)

Entlastungen

Es folgen die Entlastungen. Präsidium ohne Gegenstimmen und mit ein paar Enthaltungen. Amateurvorstand ohne Gegenstimmen und bei 7 Enthaltungen.

Wahlen zum Wahlausschuss und zum Kassenprüfer

Vorstellung der Kandidat*innen

Allgemeines: Wir beantragen bald, dass es verboten wird seinen Familienstand und die Anzahl der Kinder zu nennen. Diese Angaben sind nur dann relevant, wenn sie irgendwas mit dem Amt zu tun haben. Wir nennen mal ein Beispiel: Wenn wir einen Jugendwart hätten, dann könnte Kinder/keine Kinder schon interessant sein. Für Wahlausschuss- oder Kassenprüfer-Kandidat*innen ist es echt egal. Ausnahme: Euer Mensch, eure Frau, euer Mann, eure Kinder sind irgendwas in diesem Verein. Dann sollte das die MV erfahren, da sie ja über Gefahren der Klüngelei informiert sein sollte.

Auch wie lange ihr eine Dauerkarte habt, ist meistens eher uninteressant. Nutzt eure 2,5 Minuten lieber dafür zu sagen, was euer Ziel in dem jeweiligen Gremium ist und warum ihr euch besonders dafür geeignet findet. Natürlich ist das bei solchen Gremien wie Wahlausschuss eher schwierig, denn ungefähr 99% aller Mitglieder haben wahrscheinlich keinen Plan, dass es einen solchen überhaupt gibt. Er wird darüber hinaus auch nur alle sechs Jahre gewählt, was für eine vereinsinterne Bekanntheit auch nicht förderlich ist.

Die Redebeiträge der einzelnen Kandidat*innen haben wir nicht mitgeschrieben. Außer, dass Pavel etwas von einer neuen Wahlordnung erwähnte. Da wir nicht einmal wissen, wie die alte aussieht, haben wir dazu mal nix zu sagen.

Es wurden am Ende 636 gültige Stimmzettel abgegeben, gewählt wurden Pavel Andrasko mit 593 Stimmen, Birgit Lührs mit 545 Stimmen, Dieter Knecht mit 503 Stimmen, Dr, Karin Nitsch mit 439 Stimmen, Anne Prax mit 411 Stimmen und Martin Plotzki mit 357 Stimmen.

Von uns einen herzlichen Glückwunsch! Schön, dass dieses Gremium nun über drei Frauen und damit eine 50 % Quote verfügt. Pavel macht das gefühlt doch auch ungefähr schon 100 Jahre, oder? Bleibt nur eine Frage: Wer zählt eigentlich die Wahl zum Wahlausschuss aus?

Kassenprüfer. Neu gewählt wurde hier Armin Koch mit 255 Stimmen. Herzlichen Glückwunsch!

Die Ehrungen, die MV und die Durchführung einer MV ein Exkurs

Wer geehrt wurde und warum entnehmt ihr bitte dem entsprechendem Artikel auf der offiziellen Homepage. Oder schaut in den letzten (analogen) Blickpunkt – 6/2019.

Wir haben hier aber ein Streitthema. Im Kollektiv. Und überhaupt. Unsere Mitgliederversammlungen sind zu lang. Dadurch das die Anträge zu spät kommen und alle genervt sind, kommt es zu keiner guten Diskussion mehr. Dies ist Fakt. Wir brauchen hier als demokratischer Verein mehr Raum für solche inhaltlichen Diskussionen und diese sollten auch auf der MV stattfinden.

Ebenso ist es Fakt, dass unsere Ehrungen ab und zumal etwas zweifelhaft sind. Wenn wir immer hören, wer alles Hamburger Meister im Bowling wird, dann fragen wir uns manchmal, ob die Konkurrenz da ausreichend ist für eine überragend sportliche Leistung, die eine Ehrung rechtfertigt. Das soll nun echt kein rumhauen auf Bowling sein, vielleicht liegen wir ja komplett falsch, aber vielleicht sollten sich hier Amateurvorstand und Ehrenrat als hauptsächlich zuständige Gremien mal hinterfragen. Dass wir Leistungsehrungen aus nichtsportlichen Gründen eher skeptisch sehen, sagten wir hier in Vorjahren bereits mal.

Hinzu kommt, dass wir spätestens 2023, 2024 und 2025 Probleme bekommen werden Menschen mit 25 jähriger Vereinsmitgliedschaft einzeln auf der Bühne zu ehren. Denn in diesen Jahren begann der Sturm auf den Verein und viele der heute noch aktiven Menschen in diesem Verein sind in diesen Jahren in den Verein eingetreten.

ABER!

Es sollte auch nicht auf die Ehrungen verzichtet werden und sie sollten auch nicht ein „unter ferner liefen“ ohne Publikum am Schluss sein. Wir sind ein Verein, wir wollen ein Verein sein und zu einem solchen Verein gehört ein Vereinsleben. Und Vereinsleben heißt eben auch würdige Vereinsmitglieder vor einer entsprechenden Kulisse zu ehren. Und das geht nur auf der MV oder bei einem Heimspiel der ersten Mannschaft. Ja, das mag mal nervig sein, aber es gehört dazu.

Und es muss aus steuerlichen Gründen auch dazu gehören. Eine stromlinienförmige MV, die sich am Ende in den Reden und Anträgen (denn alle diese bezogen sich auf den Profifußball) nur noch um den Profifußball dreht, gibt den Kritikern noch wieder mehr Wasser auf die Mühlen, dass der Idealverein keinen Profifußball betreiben sollte. Das Fehlen von Vereinsleben und die Dominanz von Profifußball gibt dem Verein das Gepräge, das es ihm eben nicht geben darf. Dies ist zu verhindern. Zum Vereinsleben gehört z.B. auch die Würdigung aller verdienten Mitglieder.

Wir müssen aber trotzdem etwas ändern. Wir haben dazu keine abschließenden Konzepte, möchten aber ein paar lose Ideen mal in den Raum stellen:

Termin anders

Der Termin unter der Woche ist einfach nicht mehr haltbar. In Hamburg fahren die öffentlichen Verkehrsmittel irgendwann nicht mehr, so dass selbst Menschen aus Lüneburg nicht über Anträge abstimmen konnten. Hinzu kommt, dass Menschen am nächsten Tag arbeiten müssen und so ausgeschlossen werden, weil es einfach zu spät wird.

Uns ist auch klar, dass ein Termin am Wochenende mit DFL und Amateurabteilungsverpflichtungen nicht ideal ist. Aber vielleicht gibt uns die Reformation eine Möglichkeit, die wir ins Auge fassen sollten? Vielleicht sollten wir unsere MV regelmäßig am Reformationstag Beginn 9 Uhr Morgens machen? Da ist in Hamburg und Umgebung frei, wenn man das langfristig fest macht, dann können auch Amateurabteilungen sich entsprechend von ihren Verpflichtungen ausmelden/abmelden und wir hätten dann Zeit. Blieben nur die Tage an denen die Bundesliga da was rein terminieren könnte. Dann macht man das in diesen Jahren halt nicht, sondern nutzt dann doch einen anderen Tag. Oder das spielfreie Wochenende, was eigentlich immer im November lauert.

Dies ist auch nicht die ideale Lösung, würde aber trotzdem sehr viele Jahre mit einem guten morgendlichen Termin für die MV ausstatten. Es sei aber erwähnt, dass der Reformationstag erst in 2022 aus den DFL Tagen bewegt. (Vorausgesetzt, es gibt dann wirklich kein Montagsspiel mehr.)

Klar, man müsste ggf. ein paar Fristen umbasteln. So muss z.B. die AFM ihre Versammlung ein paar Wochen vor der MV gehalten haben und auch da müssen Abteilungskassenwärt*innen und Kassenprüfer*innen genügend Zeit haben und das abgeschlossene Jahr zu bearbeiten.

Ehrungen im Stadion

Eine andere Möglichkeit wäre es die Ehrungen fest vor Heimspielen vorzunehmen. Das wäre ein absolut würdiger Rahmen und sie könnten ja auch auf zwei Heimspiele verteilt werden.

Wichtig ist aber, dass der Breitensport in all seinen Facetten genügend Aufmerksamkeit bekommt. Steuerlich, wie auch von den Werten her. Aber Ehrungen sind eben nicht alles, was eine MV lang macht.

Antragsvorarbeit

Wir sollten eine Antragskommission in der Satzung verankern. Dies würde die Qualität der Anträge erhöhen, würde Diskussionen bereits vor der MV beginnen lassen und würde zu einer besser informierten MV führen.

Unsere Ideen dazu:

Diese soll keine Vorauswahl machen oder Anträge vorab ablehnen. Wir wollen eher mehr als weniger Anträge zu einer MV. Wir sind ein Mitmachverein und viele sehr sinnvolle Änderungen in diesem Verein sind durch Anträge, auch durch kontroverse Anträge erreicht worden. Es war nämlich nicht so, dass damals der „Wilhelm-Koch“ Antrag auf ungeteilte Begeisterung gestoßen ist. Nur mal als Beispiel.

Ihr Job soll eher sein, Antragssteller*innen zu beraten, Anträge mit Gremien zu besprechen und so diese in die richtige Richtung lenken.

Wir könnten so verhindern, dass viele Anträge einfach an formalen Dingen, an schlechten Formulierungen oder an einer Unmöglichkeit der geforderten Sache scheitern. Das würde das Thema „Anträge“ um viele unnütze Beiträge entlasten und auch viele Dringlichkeitsantragsehrenrunden vermeiden.

Wir haben dies dieses Jahr schon mit unseren begrenzten Mitteln mit anderen Menschen gemeinsam versucht. Danke an alle, die da mit geholfen haben. Aber eine offizielle Kommission wäre da viel besser, da auch jede*r Antragssteller*in weiß, dass sich an diese gewendet werden kann, diese Kommission sich aber auch ggf. offiziell melden wird. Dadurch werden auch Präsidium und Aufsichtsrat entlastet, weil sie den – garantiert teilweise nicht immer einfachen – Erstkontakt nicht herstellen müssen, und sie das dieses Jahr auch intensiv gemacht haben.

Auch ein Diskussionsabend über Anträge wäre gut und könnte von der Antragskommission organisiert und moderiert werden. So etwas könnte man dann auch streamen und so der breiten Vereinsöffentlichkeit Möglichkeiten der Information geben und den Antragssteller*innen auch Möglichkeiten geben ihre Argumente zu testen und auch das Auftreten vor Menschen testen. Nicht jede*r kann sich so ohne Test vor so einen Mob stellen und vernünftig argumentieren.

Es würde dann auch vermieden werden, dass sich gute Menschen mit moralisch guten Anträgen mehr oder minder im Regen stehend vorkommen. Und sorry, aber den Eindruck hatten wir bei den Weiß-Braunen Kaffeetrinker Anträgen (Anträge zur Suchtmittelwerbung und zu alkoholfreien Ständen).

(Ergänzt am 13. Januar 🤓)

Denkbar wäre, dass man auch ein bisschen an den Fristen arbeitet. Z.B. Antrag kann mit Zustimmung der Antragskommission noch bis eine Woche vor MV angepasst werden.

Wir sollten dieses Thema als Verein mal angehen. Weitere Ideen sind erwünscht und unsere sind jetzt auch so aus der kalten Hose geschossen. So ein Gremium wäre ja relativ klein denkbar.

Jedoch: Keine stromlinienförmige Showveranstaltung!

Weitere Ideen sind garantiert denkbar, aber es bleibt dabei: Eine stromlinienförmige MV mit Redezeitbegrenzung eine Minute und einem 99% Fokus auf den Profifußball wird unserem Wert “Vereinsleben” nicht gerecht. Da könnten wir stattdessen auch eine AG gründen, da den Fußball einbringen und eine JHV der AG machen.

Ebenso nicht sinnvoll: Virtuelle Mitgliederversammlungen oder Happenings mit geschenkten Pullovern. Das zieht Menschen an, die ihre Meinung aus der Bild-Zeitung bekommen und an einem Diskurs null interessiert sind. Sorry, aber das muss nun echt nicht sein. Das würde das gewünschte Vereinsleben dann wieder auf andere Art zerstören.

Es wäre auch hilfreich, wenn Anträge wirklich zeitnah nach Eingang auf der Homepage zu lesen wären. Unglücklich ist es, wenn da plötzlich eine Woche nach Ablauf aller Fristen ohne irgendein Hinweis per Social Media oder ähnlichem noch Anträge auftauchen wie dieses Jahr.

Exkurs Ende

Was nervt: Formalfoo!

Es wurde dann über schriftliche Abstimmungen zum Quotenantrag und später auch über die Verlängerung der MV über 0 Uhr kontrovers diskutiert. Gewisse ältere aktive Fans machten hier eine nicht gerade glückliche Figur. Und ganz ehrlich das “ich will ins Bett und wir haben hier kein repräsentatives Quorum“ Argument zu bringen als jemand, der dies sehr gezielt in den früheren Jahren genutzt hat, ist schon so ein bisschen peinlich. Um es mal freundlich auszudrücken. Und dann noch weibliche Mitglieder als „nicht schlau“ zu bezeichnen auch äh unpassend. Um es noch mal freundlich zu sagen.

Dass man mit so einem Formalfoo auch noch Zeit frisst und damit die MV noch mehr verlängert, ist auch mal erwähnt.

Vielleicht sollten wir auch endlich mal eine vorgeschriebene Lösung erarbeiten, was wir um 0 Uhr mit Anträgen machen, die noch nicht behandelt sind. Denn zur Zeit würden diese bei einem Abbruch verfallen. Das kann es irgendwie auch nicht sein. Da eine Regelung zu finden im Sinne von „wenn was übrig bleibt, dann treffen wir uns in 3 Monaten noch mal“ würde viel Druck vom Kessel nehmen. Denn egal wie wir es drehen und wenden: Wir werden auch mal Mitgliederversammlungen haben, die in der Woche sind. In diesem Zusammenhang sollten wir auch überlegen, ob wir wirklich immer noch in fremde Hallen gehen müssen oder ob nicht eine MV im Stadion technisch möglich wäre.

Die einzelnen Anträge

Der Versammlungsleiter CH weist noch mal darauf hin, dass Anträge zu unterschreiben sind. Auch hier ist die Satzung echt überarbeitungswürdig, denn „namentlich unterzeichnen“ wird gerne auch mal als Unterschrift gedeutet und dies ist der Name unter einer E-Mail nicht. Mal ganz davon ab, dass die Satzung in § 15 nicht einmal die Möglichkeit einer Einreichung per E-Mail vorsieht. Das ist eher gelebte Praxis das „schriftlich“ so auszulegen. Und hmm, wir kennen Anträge, die nicht unterzeichnet wurden und die als ”ordnungsgemäß eingegangen“ bezeichnet wurden. Den Vorschlag mit dem Antragsbogen (und ggf. auch kurzem ”Antrags How To“) haben wir aber schon weitergegeben und dies wurde positiv gesehen.

Wir geben hier jetzt nicht die einzelnen Begründungen wieder, gehen nur auf kleine Highlights ein.

Änderung der Satzung in gendergerechte Sprache

Hier wird noch mal nach der angedachten Form gefragt, dies wurde mit “Gendersternchen” beantwortet. Der Antrag wird dann mit vier Gegenstimmen und 21 Enthaltungen angenommen.

Einberufung der MV / Blickpunkt

Wird mit sieben Nein Stimmen und 19 Enthaltungen angenommen.

HVV Nutzung / ÖPNV Nutzung

Wird abgelehnt. Das Präsidium nannte ein paar Daten, z.B. dass 90 % aller Besucher aus dem HVV Bereich kämen, dass viele mit dem Rad kämen und man deswegen auch die Fahrradgarage erweitern wolle (dies ist sehr gut), 2007 sei so ein Antrag schon mal abgelehnt worden, man verhandele zwar mit HVV, sehe seine Position aber geschwächt, wenn Antrag durch käme (warum?), man müsse eine Preiserhöhung von 50 Cent bis ein Euro kalkulieren.

Auf Vorschlag aus dem Plenum wird dann das ganze noch in einen Dringlichkeitsantrag im Sinne von „verhandelt mal bitte“ abgeschwächt, aber auch dieser bekommt zwar eine einfache, aber keine hier notwendige 2/3 Mehrheit.

Ach irgendwie ist das Rotz. Ganz ehrlich: Wenn wir sehen, wie viele HH Autos da jeden Spieltag stehen, dann ist es zu einfach sich mit „kommen viele zu Fuß und Rad“ oder „haben Ticket“ herauszureden. Da ist definitiv noch Optimierungspotential. Wir hatten auch im Vorfeld über die Probleme eines solchen Antrags gesprochen und noch ein Euro mehr im Ticketpreis ist eben auch nicht optimal. Die soziale Komponente ist nicht zu missachten. Siehe unseren Antragsartikel. Begrüßenswert ist, dass das Präsidium da dran ist. Ein klarer Auftrag der MV wäre aber wünschenswert gewesen.

Anzeigentafel

Der Antrag wird zurück genommen. Siehe Bericht OG

Antrag „Hamburger Wetter“

Wird vom Präsidium mit dem Hinweis auf die Rasenbelüftung abgelehnt und dann auch von der MV deutlichst abgelehnt. Sponsoren für einen dicken Pulli für den Antragssteller fanden sich nicht.

Antrag Suchtmittelwerbung

Das Präsidium weist darauf hin, dass Verein in dieser Art schwerlich ohne entsprechende Werbung bestehen könne, auch auf die Vertragstreue gegenüber Partnern wird hingewiesen. Man habe das Thema aber auf dem Zettel und sei dafür immer offen. Man wolle weitere Maßnahmen mit dem Antragssteller besprechen. Der Antrag wird mit lediglich 29 Ja-Stimmen abgelehnt.
Wir brauchen einfach den Weltkommunismus, dann brauchen wir auch keine Werbung mehr für Rotz.

Antrag alkoholfreie Verkaufsstände und Rucksackverkäufer

Das Präsidium will das prüfen, bietet an das als Prüfauftrag zu übernehmen. Sofortige Umsetzung sei wegen bestehender Verträge und so schwierig. Es wird ein Dringlichkeitsantrag formuliert und auch angenommen. Das Präsidium wird bis zum 31.03.20 berichten.
Wir finden das gut so und verweisen auf unsere Ausführungen zu dem Antrag

Klimaneutrale Durchführung Spieltag

Es kommt die „aber Pyro“ Wortmeldung (BINGO!), der Antrag wird vom Präsidium unterstützt und ansonsten enthalten wir uns dazu wegen Bekanntschaft und so. Und ”aber Pyro“: Kann man kompensieren, sagten wir schon auf der MV.

Nichtraucherblöcke

Das Präsidium gibt keine Empfehlung, es weist nur auf logistischen Aufwand hin. Umsetzung Dauerkarteninhaber, Erhöhung der Anzahl der Ordner etc. Der Antrag wird abgelehnt. Der Antragsteller geht auf Vorschläge zur Umformulierung in einen Prüfauftrag als Dringlichkeitsantrag nicht ein. Nun denn.

Förderung von Frauen in allen FCSP Gremien

Siehe eigener Blogartikel. An dieser Stelle mal ein kleines kollektivinternes Herzchen. „Wenn ich doch so eloquent auftreten könnte“ hörten wir nicht nur einmal. Es gibt in diesem Kollektiv nur eine Verabredung: Die Antragsstellerin darf hier nicht zu diesem Thema schreiben. Das macht der Rest des Kollektivs. Danke auch an Gremiumsvertreter*innen, die den Antrag sehr positiv aufgegriffen haben.

CH schließt die MV um 01:05 Uhr.

Fazit?

Wir haben nun so häufig Anpassungen der Satzung gefordert, dass wir hiermit eine Satzungskommission fordern.

Ein weiteres Fazit gibt es gerade nicht.

Dank

Danke an FrauHassi, Curi0us, Kersti für das unermüdliche Mitschreiben. Danke auch die beiden jetzt nicht genannten Mitblogger, die dieses ultralange Machwerk mit editiert haben. Danke an Curi und – Überraschung! – Kersti „Beyond The Voice“ für das Vorlesen. Letztes Jahr haben ungefähr 200 Menschen der Stimme von Curi gelauscht. Danke an Curi, Kersti und FrauElo für das Redigieren dieses Artikels. Danke Elo für die Schnipselierung bereits vor Veröffentlichung.

Und zu guter Letzt

Hat gerade das Jahrzehnt begonnen an dessen Ende der Champions League Einzug des FCSP stehen wird. Dieser Tag wird kommen, wenn wir alle kritisch, gemeinsam und auch mal streitend darauf hin arbeiten.

Tiocfaidh ár lá

Jan 082020
 

Liebe Menschen da draußen, wir schreiben jetzt ganz bewusst nicht, worum es im Detail geht. Menschen mit sensiblen Fühlern können sich das eventuell ergoogeln. “Intern klären“ ist eine gute Maxime, hat aber auch seine klaren Grenzen und an diesen wird immer mehr gekratzt. Trotzdem möchten wir hier wage bleiben und nur ein paar allgemeine Worte veröffentlichen:

Dieser Verein wird von ganz vielen Menschen getragen und geprägt, die ganz viel Zeit in ihn investieren und ganz viele Dinge in die Wege leiten. Sie opfern dafür Freizeit und auch genügend Arbeitszeit, die sie irgendjemanden in Rechnung stellen könnten. Viele für euch selbstverständliche Dinge beruhen insbesondere auch auf Arbeit dieser Menschen. Es gäbe keine cool bedruckten Pfandbecher im Stadion, wenn da nicht Menschen Freizeit rein investiert hätten. Es gäbe keinen niedrigschwelligen Eintritt in das Fanclubleben. Ihr könnt ja gerne mal nachlesen, wie man Fanclub in Gelsenkirchen oder bei den Rauten wird. Dann würdet ihr sehen, dass die dort ganz andere Hürden aufbauen, damit man sich „offizieller Fanclub“ nennen darf und gewisse Privilegien genießen darf.

Diese Menschen weisen auch intern häufig genug auf Fehler hin, die dann von hauptamtlicher Seite nicht gemacht werden oder ohne viel Aufheben korrigiert werden. Sie pflegen seit Jahren den kurzen Draht, um auch eure Interessen und UNSERE WERTE in der täglichen Arbeit sicher zu stellen. Dies führt dazu, dass wir außerhalb des sportlichen relativ skandalfrei als Verein durch die Welt gehen. Und die meisten Dinge geklärt sind, bevor wir uns richtig aufregen können. Und glaubt uns, wir regen uns sehr schnell auf. Und immer zu Recht.

Wenn ich aber als hauptamtliche Seite dieses Vereines diese Menschen für gegeben halte oder sie für überflüssig empfinde, weil sie eigentlich nur nerven, dann wird dieser Verein sein blaues Wunder erleben. Ja, da steht ganz bewusst blau als die unangenehmste Farbe, die wir kennen. Wenn ich als Verein ständig und wiederholt in Kernbereiche der Arbeit dieser Menschen vordringe, ohne auch nur ein Wort mit denen abgesprochen habe, dann werden diese Menschen gehen.

Ihr werdet nun mit den Schultern zucken und sagen „was ist das Problem?“ und vielleicht halten wir uns alle auch für viel zu wichtig. Aber wir sagen euch, dass es ein Problem werden wird und der FCSP ganz schnell ein anderer werden würde, wenn es diese Menschen nicht gäbe. Und bitte heult dann nicht rum, wenn doch irgendwann der Stadionname verkauft ist und die Ecke nicht mehr von J. mit „ich will keine Ecken, die bringen sowieso nix ein“ präsentiert wird, sondern von Astra mit einem lauten „Plooop“.

Wir geben auch zu bedenken, dass in Sonntagsreden gerne von “St. Pauli selber machen” die Rede ist. Dies geht aber nur, wenn man es praktisch nicht untergräbt.
(Ergänzung 22:10 Uhr: „St. Pauli selber machen“ bezieht sich nicht auf die Stadtteilinitiative. Uns erreichten Rückmeldungen, dass das so verstanden wurde und das war so nie beabsichtigt. Die sind spitze – Entschuldigung an alle, die sich fälschlicherweise angesprochen fühlten!)

Wir sind solidarisch mit diesen Menschen, sie wissen wer sie sind. Und sollte das alles Absicht sein, um diese Menschen los zu werden, dann sei euch gesagt, dass wir alle nicht gehen, ohne es richtig knallen zu lassen.

Dez 042019
 

Endlich mal wieder Marathon laufen. Diesmal den Spacecoast Marathon in Cocoa. Spacecoast (nicht Spacecake, ihr Kiffer), weil der Ort direkt neben Cape Canaveral liegt. Bekannt für seine große NASA Basis.

Dementsprechend ist der gesamte Marathon auch in einem Space Thema gehalten und wird jedes Jahr einem bestimmten Programm der NASA gewidmet. Dieses Jahr dem Gemini Programm.

Alle Helfer*innen waren dann folgerichtig in Astronauten Anzügen oder in Klamotten eurer Lieblingsscifi Serie gekleidet.

Kram abholen

Die kleine Marathonmesse ergab immerhin neue Socken und schnell und unproblematisch die Startnummer. Dazu ein wirklich schönes Raceshirt mit Gemini Rakete und ganz vielen Sternen drauf.

Will run for beer

Das Ganze ist perfekt organisiert, vom Sheriff, der den Verkehr regelt, bis zu ganz viele Helfer*innen.

Der Renntag

Startzeit um 6 Uhr Morgens. Das ist in den USA nicht unüblich, führt aber zu einem Wecker, der auf 3 Uhr gestellt wird. Aber den hätte ich gar nicht gebraucht. Die Nachbarn waren auch Starter und hatten ihren Wecker eine Minute eher gestellt und dann immer nur auf Snooze gedrückt. Angesichts der dünnen Wand war Verschlafen unmöglich.

Zum Start wurde man von den Hotels mit Bussen gefahren. Mit typischen amerikanischen Schulbussen. Perfekte Logistik. Nur so wirklich Beinfreiheit haben diese Busse nicht.

Im Startbereich dann das übliche “Dixie Klo macht Läufer froh”. Diese waren mehr als genügend vorhanden, so dass man eigentlich nie warten musste. Und glaubt mir, ich hab das ausreichend getestet. In der Schlange noch Deutsche getroffen und Amerikaner, die 85/86 in Bremen lebten und fröhlich ihr Deutsch auspackten.

Sachen Abgabe nur in einer eigenen durchsichtigen Plastiktüte. Ja, so etwas wie Nachhaltigkeit oder Müllvermeidung ist in diesem Land ein Fremdwort.

Start

Es gab im Endeffekt drei Rennen. Einen Halbmarathon nach rechts, einen nach links und einen Marathon, der beide Halbmarathon Strecken ablief. Die Strecke war die Straße rauf und wieder zurück. Einmal von Ziel aus nach links und einmal nach rechts. Klingt langweiliger, als es am Ende war.

Der Marathon hatte einen 7 Stunden Zielschluss und dafür auch einen 7 Stunden Paceläufer. Der eine Halbmarathon hatte auch einen 7 Stunden Zielschluss. Der andere musste in 3 Stunden absolviert werden. War also für die sportlich ambitionierten.

In Startaufstellung eingereiht und los geht es.

Cheap Sunglasses

Um 6 Uhr war die Sonne noch nicht aufgegangen, ich hatte aber schon meine Laufsonnenbrille auf der Nase. Die hat nämlich Sehstärke und so war das die Wahl zwischen wenig sehen den ganzen Lauf und wenig sehen bis es hell wird. Funktionierte aber bis hell werden erstaunlich gut.

So in den Sonnenaufgang hinein laufen hat aber was. Und ich bin ehrlich gesagt schon hässlicher Marathon gelaufen. Zur rechten Hand der “Indian River”, die Strecke eine geschlängelte Wohnstraße und links nette -garantiert preiswerte- Anwesen.

Ganz netter Ausblick auf der Strecke

Ins Rollen kommen

Es gibt Paceläufer*innen für alles. So auch zwei für 5 Stunden. Warum zwei? Weil die eine Gruppe eine Walk and Run Technik anwendet. Irgendwas um eine Minute rennen, dann 30 Sekunden gehen, wieder rennen etc. Das immer lautstark verkündet und mit Handzeichen auch deutlich angekündigt. Trotzdem ist es schwierig daneben zu laufen, da man selber keinen Rhythmus findet. So war ich froh die nach Meile 1 durch einen Klostopp verloren zu haben.

Nun lief es erstmal. Es war noch kühl, Tempo und Puls gut, die Getränkeverpflegung jede Meile und damit reichlich. Die Strecke hübsch, es gab Vögel zu gucken, die morgendlich erzählten. Die Anwohner*innen glänzten mit Schildern und eigenen Verpflegungsständen. An denen es auch Pfannkuchen, Schnäpse und Bacon gab. Und das auch schon weit vor KM 42. Das ist dann für Liebhaber*innen.

Die Pace pendelte sich knapp unter 7 Minuten den KM ein und es lief locker alles in die richtige Richtung. Wende und hinter einem immer noch Massen an Halbmarathon und Marathon Läufer*innen.

Hälfte geschafft

So ging es bis zum Halbmarathon. Nun wurde die Strecke leerer, aber nicht leer. Genügend Marathon Läufer*innen um sich nicht einsam zu fühlen. Ein kleines Loch bei KM 18 war schnell überwunden.

Dann aber zu warm

Dann stellte sich aber leider langsam die Tageswärme ein. Und während es am Tag nach dem Rennen angenehme 19 Grad waren, waren es nun schöne schwüle 26 Grad. Und ich werde kein Hitzeläufer mehr. So also Tempo raus nehmen und auf ankommen laufen. Macht ja kein Sinn hier am Ende noch den Krankenwagen zu benötigen. Leider war auch genau auf diesen KM mal eine Lücke in den ansonsten reichlich vorhandenen Getränkestationen. Doofer Zufall.

Kleines minus bei dem Lauf? Der Zieleinlauf war nicht da, wo die Musik spielte und man irrte doch einen KM lang mehr oder minder durch die Gegend, auch weil die Absperrungen und Schilder eher spärlich gesät waren. Das Ziel dann etwas lieblos auf dem Parkplatz. Endspurt war sowieso nicht mehr drin, mir war nur noch warm.

Finish

Immerhin im Ziel angekommen und die Helfer*innen reichten Medaille, Finisher Handtuch (!) und eisgekühlte Waschlappen. Dazu Bier und Pizza (warm) im Ziel. Das war gut.

Or will run for Handtuch

Fazit

Das sportliche Ziel endlich mal die Marathonbestzeit zu verbessern habe ich deutlich verfehlt. Es wäre bei besserem Wetter garantiert interessant geworden, aber so leider nicht. Heißt aber auch, dass ich mir weiterhin keine Gedanken um eine Volldistanz machen muss, denn dafür müsste ich besser Marathon laufen können. Kann ich nicht. Ist dann halt so. Vier Tage zu spät angelieferte Koffer und damit ausfallende Läufe, die zu einer Anpassung an die Wärme hätten führen können, verbesserten die Ausgangslage auch nicht gerade. Nun gut, angekommen und Marathon Nr. 13 ist absolviert und war dann wohl eine successful failure wie Apollo 13. Um auf das Space Thema zurück zu kommen. Nun ist Off Season.

Dez 012019
 

Liebe Lesenden,

wie vielleicht mache*r von euch mitbekommen haben, gibt es bei uns eine personelle Überschneidung mit der Band Wiedergænger. Und weil ihr ja auch ganz gern mal anderen Content als nur Fußballgepöbel lest, gibt es an dieser Stelle nicht einen, nein, gleich zwei Konzertberichte – und zwar von der anderen Seite als sonst bei diesem journalistischen Genre. „Bericht“ ist dabei wie immer so eine Sache, denn von Objektivität kann natürlich keine Rede sein. Aber lest selbst.

Teil 1: Heimspiel

Es ist Donnerstag, der 7. November, und wir werden ein Konzert im Kaiserkeller spielen. Yeah. Schon seit März steht fest, dass wir die Hamburger Black-Metal-Band Herbstschatten beim Auftakt ihrer „Black Rain Over Europe“-Tour unterstützen dürfen. Genug Zeit für Vorfreude, aber auch genug Zeit, um sich einen Arm zu brechen oder mit der Band zu verkrachen. Glücklicherweise ist nichts davon passiert.

Aus mehreren Gründen sind die Erwartungen an diesen Abend höher als sonst:

  1. Der Kaiserkeller verfügt über die größte Bühne, auf der wir jemals gespielt haben, davon konnte ich mich wenige Wochen zuvor noch vergewissern. Wobei unser letzter Auftritt tatsächlich im Clochard war, wo eine Bühne an sich gar nicht existiert. Wir stapeln also tief. Aber: Yeah, große Bühne. Endlich etwas Auslauf für Bewegungshungrige.
  2. Das Paket ist gut. Vier Bands (Kataris, Wiedergænger, Herbstschatten und Thjodrörir) werden spielen. Die für eine Underground-Band ausgesprochen professionelle Organisation seitens Herbstschatten inklusive Backline und den ganzen Kram verspricht einiges. Der Vorverkauf lief auch sehr ordentlich.
  3. Wir haben es geschafft, gerade noch rechtzeitig T-Shirts anfertigen zu lassen, die wir an diesem Abend unters Volk bringen können. Zusätzliche Herausforderung, wenn man alles als Band allein wuppt, aber das kriegen wir hin.

Die Vorfreude ist also groß und natürlich werde ich hibbelig vor dem Auftritt. Vormittags noch Lohnarbeit, nachmittags frei, damit wir uns schon gegen 15 Uhr im Kaiserkeller einfinden können. Kurz zu Hause vorbei und das neue Bühnenhemd, das drei Tage zuvor durch zahlreiche Messerstiche zu einem solchen wurde, mit Dreck verzieren. Früher in den Achtzigern und Neunzigern haben die Black-Metal-Bands ihre Bühnenbekleidung noch im Wald vergraben, heute muss die Blumenerde für die Balkonpflanzen herhalten. Egal, sieht gut schmodderig aus, passt.

Also los geht’s, mein spärliches Equipment und die ca. 50 T-Shirts (uff!) eingepackt und auf Richtung Kaiserkeller. Fußläufig zum eigenen Konzert ist schon eine coole Nummer. Die Nervosität ist inzwischen doch spürbar gestiegen, aber das gehört dazu. Vaddern war Berufsmusiker und hat die Auftritte an den Nagel gehängt, als das Lampenfieber nicht mehr kam.

Was backstage passiert, bleibt backstage

Am Kaiserkeller rödeln die Jungs schon eifrig die Backline aus dem Transporter, den Herbstschatten für die Tour gemietet haben. Das Zeug ist relativ bald da, wo es ist – also gleich mal den Backstageraum auschecken. Woohoo, das ist ‘ne ordentliche Versorgung. Aber wir wollen nicht zu viel verraten, denn mit dem Backstage verhält es sich so ähnlich wie mit dem Sonderzug. Was dort passiert, bleibt dort. Aber für künftige Booker*innen: Keine Sorge, wir haben eine gute Erziehung genossen und sind stubenrein.

Als sich nach viel Zeit für ausgedehnten Soundcheck gegen 19 Uhr die Türen vom Kaiserkeller öffnen, stehe ich in freudiger Erwartung hinterm Merch-Stand. Mäßig professionell drapiert sind unsere Shirts, aber alle fangen mal klein an. Zügig werden wir eine gute Handvoll los, am Ende sind es immerhin mehr als zehn. Es sind also noch ein paar da, liebe Lesenden. Zwinker zwinker.

Währenddessen bekomme ich von Kataris leider nicht so viel mit, aber es klingt nach Spaß und sieht danach auch aus. „TO THE BAND CAVE“ heißt es kurze Zeit später und wir bereiten uns mit dem letzten Feinschliff auf unseren Auftritt vor. Dreck ins Gesicht und los, wir haben nicht viel Zeit. Es kommt mir direkt vor dem Gig ja immer sehr seltsam vor, in voller Klamotte die letzten Kabel auf der Bühne zu verlegen, während der Saal schon gefüllt ist. Aber nützt nix, für entsprechendes Personal reicht’s noch nicht ganz. Selbst ist der Wiedergænger.

Los geht’s!

Ohne Schnickschnack geht es wie geprobt mit „Die Leblosen“ und dem nahtlos anschließenden „Wiedergänger“ weiter. Joa, das haben wir schon etwas sauberer hinbekommen. Ein Bier weniger vorher? Egal. Weiter im Text, jetzt wird’s spannend: Wie macht der Kaiserkeller mit, wenn ich zum gemeinsamen „Kein Fußbreit“ auffordere? Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, gerade in Hamburg, aber Metaller*innen sind ja manchmal so entsetzlich „unpolitisch“. Aber heute mault niemand und bei den grob geschätzten 60 Leuten vor der Bühne ist zu spüren, dass die auf der richtigen Seite stehen. Yeah, „Würmer“ funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Diese Momente sind einfach nicht im Proberaum zu simulieren, das entscheidet sich knallhart auf der Bühne.

Bei „Ekke Nekkepenn“ gelingt es zwar nicht ganz wie erhofft, die Meute zum Hüpfen zu animieren – dafür klappt das völlig überflüssige und gerade deswegen megageile gegenseitige Umgreifen von Bass und Gitarre, wie ich erst später auf Fotos erkennen kann. Hahaha, Rock’n’Roll, Baby! Gesanglich und auch instrumental gelingt das unveröffentlichte „Ein höherer Feind“ richtig gut – puh, eine kleine Sorge weniger. „Weltenende“ ist zwar mal wieder für kleine Unsauberkeiten gut, wir kommen aber 1a wieder rein. Immerhin, das zeigt, dass wir eingespielt sind.

Huch, schon „Vier Tage, vier Nächte„? Das war’s ja schon fast. Aufgrund totalen Tunnelblicks entdecke ich hier auch erst später auf zugespielten Videos, wie gut das gar nicht explizit eingeübte Vier-Personen-Headbanging aussieht. Apropos Tunnelblick: Ja, ich bekomme grob mit, wer dort vor der Bühne steht, dass mal was hineingerufen oder mitgesungen wird, dass die eine oder andere Matte weht. Aber im Großen und Ganzen muss ich ehrlich zugegeben, dass bei der geringen Routine, die wir so haben, die Konzentration und der Fokus auf den eigenen Auftritt eine Menge um mich herum ausblendet. Die kurzen Pausen zwischen den Songs mit deutlichem Applaus verschaffen Hochgefühl, aber wenig Ruhe. Kommt Zeit, kommt mehr Gelassenheit.

Und damit sind wir auch schon am Ende. Die scheinbar letzten Worte sind ans Publikum gerichtet und zack, soll „Im Nobiskrug“ losgehen. Verdammt, vergessen, auf den Merch hinzuweisen. Wie gut, dass wir einmal kollektiv den Einstieg „antäuschen“ und noch mal von vorn anfangen – da kann ich das noch direkt hinterherschieben. Und zack, auf einmal sind auch diese vier Minuten vergangen und wir haben es hinter uns. Es gibt tatsächlich einzelne Stimmen, die so was wie Zugaben fordern, aber das ist heute bei dem engen Zeitplan nicht drin.

Erst mal tief durchatmen

Yeah. Das war ganz gut. Trotz kleinerer Ruckler (vielleicht hatten das frühe Treffen und die reichhaltige Getränkeversorgung einen Teil dazu beizutragen) keine ernsthafte Panne und richtig gute Stimmung. An Bühnen dieser Größenordnung und darüber hinaus kann ich mich gewöhnen, da geht noch mehr, was den Auslauf betrifft. Mal wieder keine ernsthafte Vorstellung, wie es für die Leute im Publikum gewirkt hat. Aber ich bin zufrieden. Den restlichen Abend verbringe ich am Merch, wo noch ein paar Textilien den*die Besitzer*in wechseln, ein bisschen vor der Bühne, ein bisschen backstage. Am Ende muss das ganze Geraffel wieder nach Hause und ich schleppe mich verschwitzt-ausgepowert mit Sack und Pack durch Sankt Pauli. Am nächsten Tag wieder Lohnarbeit. Was kommt mir das profan vor!

Teil 2: Auswärtsspiel

Spulen wir kurz vor. Es ist Freitag, der 29. November, und wir machen uns auf den Weg nach Berlin, um beim Nox A Carnival Vol. 7 zu spielen. Genauer gesagt machen wir uns in unterschiedlichen Kleingruppen und zu verschiedenen Zeiten auf den Weg in die Hauptstadt. „Alle Leute in den Bus und dann Rock’n’Roll“ ist also nicht ganz angesagt.

Unser Treck will sich mit dem Auto am späten Vormittag in Bewegung setzen. Allein, das haut alles nicht ganz hin. Die Fahrenden kommen a) erst deutlich später los als gedacht und b) heute gar nicht ins Zentrum, weil wir Öddel den Klimastreik verschusselt haben. Also fix umdisponiert, den Großteil der T-Shirts wieder ausgeladen und mit Hängen und Würgen treffen wir uns am Hauptbahnhof. Die Stimmung ist erst mal gereizt. Sollen wir uns das bei dem Generve jemals wieder antun mit Konzerten außerhalb der Heimatstadt?

Die Laune soll wieder besser werden

Trotz Stau vor Berlin treffen alle Wiedergænger – zwei Stunden nach Plan – noch locker rechtzeitig im Schicksaal-Tommyhaus ein. Und was für ein guter Laden! Ob es an den Menschen des SJZ Drugstore im Exil oder an den Veranstalter*innen des Nox A Carnival (oder an den wie auch immer gearteten und uns nicht näher bekannten personellen Überschneidungen) liegt: Die ganze Veranstaltung vereint eine friedliche und diskriminierungsfreie Atmosphäre mit großem Spaß an der Sache. Ab und an erscheint es ja in linken Läden, dass man zum Lachen besser in den Keller gehen sollte. Nicht aber im Schicksaal-Tommyhaus: Düstere Clowns, Zirkusmusik, ein Schminkstand und viel Liebe zum Detail erzeugen eine bizarre Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Dazu ist die Organisation zwar entspannt, aber gleichzeitig professionell. Von Anfang an fühlen wir uns pudelwohl.

Da noch etwas Zeit ist, suchen wir uns eine Kleinigkeit zu essen. Bemerkenswert wenig los in der näheren Umgebung des Ladens für einen Freitagabend, aber vielleicht schreckt das nahegelegene Willy-Brandt-Haus Gastronom*innen ab. Am Ende gibt’s eh noch eine leckere Stärkung aus der VoKü sowie eine gute und sehr günstige Bierauswahl. Der Backstageraum ist gut durchgerockt und urgemütlich. So lässt sich das aushalten.

Volle Hütte – um die Zeit?

Schon von Beginn an ist gut was los beim Nox A Carnival. Nanu, geht man in Berlin nicht erst weit nach Mitternacht feiern? Uns soll’s recht sein. Wir werden zwar erst gegen 23 Uhr auf der Bühne stehen, aber es ist ja für alle Beteiligten schöner, wenn schon was los ist. Und so ernten sowohl rýr als auch Red Strict Area viel Aufmerksamkeit. Wir selbst können früh den Merch-Stand beziehen und müssen uns offensichtlich keine Sorgen machen, dass da was ungewollt wegkäme. Verkaufen können wir leider aber auch nicht viel. Das macht aber nix, kommt sicher noch.

Kleiner Wermutstropfen: Da der Backstageraum nur über die Bühne zu erreichen ist, können wir während der Auftritte nicht zwischen vorn und hinten wechseln. Das bedeutet, dass wir uns die guten Teryky nur von schräg hinten angucken können. Aber wir werden einander eh wiedersehen.

Dann steigt die Spannung, denn allmählich sind wir an der Reihe. Klamottenwechsel und Dreck ins Gesicht. Danke noch mal an Annika von Teryky, die in Ermangelung eines vernünftigen Spiegels bei den Äußerlichkeiten assistiert. Von ihr bekomme ich außerdem die „Fernbedienung“ für die Nebelmaschine in die Hand. Oh, cool? Hätte ich mir mal vorher Gedanken gemacht, wann ich die gezielt einsetze!

Da sich alles etwas verzögert und wir sogar doch noch so etwas wie einen Soundcheck bekommen, hätte ich theoretisch noch Gelegenheit, darüber nachzudenken. Allein, so ganz den Kopf dazu habe ich nicht. Dabei ist die Nervosität heute meinerseits gar nicht so groß: Das Set wird das gleiche sein wie drei Wochen zuvor, wir sind also noch gut in der Spur. Und auswärts kennt uns eh kaum jemand. Wir können also eigentlich nur gewinnen, vor allem, weil wir gegenüber den post-metal-lastigen anderen Bands des Abends mit unserem „Deep Diggin’ Dreck’n’Roll“ stilistisch etwas aus der Reihe tanzen.

Also los!

Dann wollen wir mal. Nach der relativ langen Verzögerung in der Running Order ist Berlin jetzt auch fällig! Und das gelingt von der Bühne aus gesehen ziemlich gut: Auch wenn wir davon ausgehen müssen, in der Hauptstadt zuvor noch nicht auf viele offene Ohren getroffen zu haben, ist von Anfang Bock im Publikum spürbar. Da wehen Haare, da werden Fäuste gereckt und „Kein Fußbreit“ mitgebrüllt. Applaus geht runter wie Öl. Dass ich eine Strophe verhaue oder mal ein kleines Fill fehlt, stört offensichtlich Keine*n. Natürlich ärgert man sich als Musiker*in im Nachhinein auch noch über kleine Fehler, aber die zunehmende Erfahrung lässt uns gelassener werden. Und die meisten Unsauberkeiten fallen schließlich nur denjenigen auf, die sie verursachen.

MagischerFC Wiedergaenger Setilist Nox A Carnival November 2019
So sieht das auf der Bühne dann eben aus

Eine Weile kann ich nur wenig sehen, weil wir ziemlich viel Licht im Gesicht haben. Im Laufe des Auftritts bemerke ich allerdings zwei, drei Menschen, die in der ersten Reihe sitzen (!) und seelenruhig ihren Eintopf futtern (!!). Ich bin viel zu perplex, um was Geistreiches dazu zu sagen. Sie stören ja nun auch niemanden und bremsen uns nicht aus. Die gar nicht ganz kleine Bühne kommt meinem Bewegungsdrang jedenfalls abermals entgegen. Den kurzzeitigen Gedanken, mal von der Bühne in Publikum zu hüpfen, lasse ich zum Glück wieder fallen. Wir wollen ja nicht gleich übertreiben.

Wie das so ist, geht der Gig viel schneller um als erwartet. Liebe Lesenden, habt ihr die Nebelmaschine noch im Kopf? Ich nämlich auch nicht. Erst kurz vor Schluss fällt mir die kleine Fernbedienung wieder ein. Vermutlich wirkt der ungewollt sparsame Einsatz gewollt. Geile Option jedenfalls, die ich gern öfter hätte.

Als die letzten Takte von „Im Nobiskrug“ verklungen sind und wir höflich die gar nicht mal zaghaften „Zugabe!“-Rufe zurückgewiesen haben (es ist zeitlich eh schon alles so weit drüber), falle ich den anderen Jungs erst mal um den Hals. Das war im Ganzen richtig geil. Großartig zu spüren, dass der Mist gut ankommt und sich die wachsende Erfahrung zeigt.

Ausklang: Es wird eine lange Nacht

Herrlich, durch zu sein. Fix die Sachen nach hinten gebracht und wieder vor die Bühne, um nicht bei Kyáneos im Backstage gefangen zu sein. Der Rest ist Gelassenheit und Grinsen und Bier. Irgendwann nach 3 Uhr taumeln wir in die Unterkünfte, die für uns glücklicherweise sehr leicht erreichbar sind. Schlaf wird’s dennoch nicht viel und der Morgen knatschig. Aber hell yeah – Abende wie diese sind der Grund, warum ich den Scheiß so gern mache.

Wenn ihr Wiedergænger live sehen wollt, habt ihr schon am 14.12. nach dem Wiesbaden-Spiel die nächste Gelegenheit im Indra Club beim Next Step Festival 2019! Tickets gibt’s für schmales Geld hier.

Nov 192019
 

Liebe Lesende, wir haben nun beschlossen, dass wir uns fit für die erste Liga machen. Irgendwer muss damit ja anfangen. Vielleicht sind wir ja als Fitnessblog genauso Influencer wie beim streuen kommunistischer Ideen beim FCSP. Daher ab jetzt #pumpenfürdieersteliga.

Und auch ein bisschen Laufen, Radeln und Schwimmen. Unseren hauseigenen Triathleten hatten wir daher am Sonntag zum Quickborn-Run delegiert. Hier sein Memo:

Es ist kalt

Es ist Sonntag Morgen und das nervöse Rennpferd namens Schwesterherz klingelt. Wie immer etwas zu früh und wie immer entspannt vor einem Rennen. Ab nach Quickborn, wo wir als letzte Vorbereitung vor einem Marathon an der Space Coast am Quickborn-Run 25 km teilnehmen wollen. Die Straßen sind glatt, so dass wir vorsichtig fahren müssen, aber insgesamt geht es reibungslos nach Quickborn. Nur der Nachbar, der mit uns aus dem Haus ging und dann zu 80 % den gleichen Weg hatte, muss sich zwischendurch gefragt haben, ob wir ihn eigentlich verfolgen.

Menschen mit gelben Jacken weisen einen professionell auf einen Parkplatz ein und kurze Zeit später hat man dank sehr schneller und fröhlicher Helfer*innen seine Startnummer in der Hand. Noch kurz die üblichen Klobesuche und das große Hallo und schon geht es auf die Strecke. Die Ansagen des Rennleiters über Megaphon sind in den hinteren Reihen nicht zu verstehen, er fasst sie aber nach dem Start mit „passt auf, wir haben nur zwei mal Sanitäter an der Strecke, unter Beinbruch fahren wir euch nicht nach Hause“ zusammen. Da es aber erstmal durch den Ort geht, haben alle genügend Platz und können ihr Tempo finden.

Zusammen ist es weniger einsam

Schwesterherz und ich laufen gemeinsam, irgendwo um die 6:20 pro Kilometer. Nach ein paar Kilometern verlässt man Quickborn und läuft durch die Feldmark in Richtung Hasloh. Meistens auf asphaltierten Wegen und immer mit genügend Platz. Wobei der bei unserem Tempo auch auf einem engen Weg vorhanden gewesen wäre, es gibt nämlich nur sehr wenig Teilnehmer*innen in unserem Tempo. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass am Ende nur 266 Teilnehmer*innen das Ziel erreichen. Nur um es zu verdeutlichen: Letztendlich trennten mich und Schwesterherz im Ziel 2,5 Minuten. In dieser Zeit kamen gerade einmal zwei Frauen ins Ziel.

Norddeutschland ist nicht flach

Ich hatte mir irgendwie vorgenommen das ganze in 6:30 zu laufen und die ersten 10 KM lief das auch wirklich gut. Aber irgendwie mochten dann meine Oberschenkel nicht mehr, die irgendwie mit der Kälte nicht zu Recht kamen und fest wurden. Zwischen KM 10 und 17 schlängelt man sich parallel zur Autobahn durch das Gehölz, läuft einmal auch direkt an ihr und muss feststellen, wie langsam man im Vergleich zu einem Auto ist und wie laut so eine Autobahn ist.

Wer nebenbei glaubt, dass Schleswig-Holstein flach ist, der hat noch nicht bei solchen Läufen mitgemacht. Natürlich gibt es hier keine großen Berge oder Anstiege, aber auch hier gibt es diese eigentlich beinah nicht merklichen Anstiege aus Flußtälern, die einem richtig schön Energie aus den Beinen ziehen. Dazu die beschriebenen Oberschenkelprobleme und irgendwie wurde es unschön.

Rest alleine

So musste ich Schwester bei dem Überqueren der Autobahn ziehen lassen und die restlichen 5 Kilometer alleine bestreiten. Zum Glück erholten sich die Beine wenigstens ein bisschen und so konnte ich das Tempo zumindest ungefähr halten.

Aber irgendwie stellt man sich das am Ende einer Marathonvorbereitung lockerer vor.

Am Ende kackt die Strecke

Nun muss man in Quickborn noch mal abbiegen und über Ellerau wieder rein nach Quickborn und dieser Kilometer 23,5 bis 24,5 hat es in sich. Es geht nämlich noch mal ordentlich bergauf. Okay, die Zeit leidet etwas, aber es geht schon irgendwie.

Endspurt und am Ende steht eine 2:43:03 in den Büchern. Und damit Platz 245 von 266.

Irgendwie unzufrieden

Irgendwie hatte ich mir ja 6:30 pro KM vorgenommen und das war es am Ende dann ja auch, aber irgendwie befriedigt das alles irgendwie nicht. Ich fühlte mich absolut platt und es fühlte sich alles nicht so an, wie ich es mir zwei Wochen vor einem Marathon gewünscht hätte. Fun Fact: Ich war bisher erst einmal beim Quickborn Run. Genau vor 10 Jahren. Damals lief ich eine 2:45:55 und wurde 401 von 427 ins Ziel kommenden. Damals gab es aber auch noch keinen 10 KM Lauf bei der Veranstaltung.

Okt 152019
 

Da ich (in diesem Sinne heute mal der Senior des Blogs) am Samstag vom Testspiel genügend ausnüchtern konnte, stand einem Start beim Bramfelder Halbmarathon nix entgegen. Hier also der kurze Bericht:

Der Bramfelder Halbmarathon startet auf dem Steilshooper Sportplatz (Gropiusring, da ist dann auch die berühmte Architektur von Steilshoop zu bewundern) und umrundet dann mehr-fach den Bramfelder See. Jede*r die/der in Hamburg sich mit Läufen zur Winterzeit beschäf-tigt, kennt diese Runde über die berühmte Bramfelder Winterlaufserie. Wenn Mensch etwas benötigt, um sich bei schlimmsten Januarwetter zu motivieren, dann ist eine Meldung bei der Bramfelder Winterlaufserie Gold wert. In familiärer Atmosphäre kann man dann den Bramfelder See umrunden und trifft auf viele gleichgesinnte Menschen.

Negative Folge dieser beliebten Überlebensstrategie im Winter? Man kennt diese Runde irgendwann In- und Auswendig.

Daher war ich da lange nicht mehr gestartet. Mein Langeweilefaktor also abgeklungen und ich mal wieder für ein paar Runden um den Bramfelder See bereit. Auch war mein erster offizielle Halbmarathonwettkampf beim Bramfelder Halbmarathon. Vor genau 10 Jahren lief ich in glorreichen 2:23:58 auf den 103. Platz. Von 110 Teilnehmern. Eine gewisse Verbun-denheit mit dem Rennen ist also gegeben.

Klar, ich hatte mal wieder alle Meldetermine verschwitzt, aber zum Glück war zu preiswerten 19 Euro eine Nachmeldung vor Ort möglich. Die neben dem Platz liegende Schule ist immer noch eine riesige Baustelle, aber so langsam ist da ein Ende in Sicht.

Das ich wie immer zu früh vor Ort war, sei nur am Rande erwähnt, so wurde ein bisschen getrödelt, ein bisschen gegammelt und dann war es auch schon Zeit die wichtigste Frage zu klären: Kurz/kurz oder unten kurz, oben lang(ärmelig)? Ich entschied mich für unten kurz, oben lange Ärmel, eine Entscheidung, die ich sehr schnell bereute.

Gestartet wird auf dem Sportplatz, denn die Seerunde ist ziemlich genau 5 KM lang, so dass der Veranstalter vorher 2 1/4 Runden auf dem Sportplatz eingebaut hat, bevor man 4 Runden um den See lief. Vorteil auf einer Laufbahn zu laufen? Das federt so schön, man fängt sehr schnell an. Der Nachteil? Wenn die alt, mit Laub bedeckt und nass ist, dann ist das eine eher rutschige Angelegenheit. Ging aber alles gut und nach einem schnellen ersten Kilometer (5:33 für diesen) befand man sich auf der eigentlichen Strecke.

Und ich stellte fest, dass ich viel zu warm angezogen war. Also wurde KM zwei für einen klei-nen Striptease genutzt, zum Glück hatte ich ein Radtrikot an und darunter etwas langärmliges. Das langärmlige Shirt wurde in die Radtasche verfrachtet und weiter ging die wilde Hatz. Hat mich am Ende ungefähr eine Minute gekostet, aber nun gut.

Erste Runde und ich wusste nicht so richtig, welches Tempo ich eigentlich laufen mag und kann. Nach einigen Diskussionen mit mir selbst beschloss ich eine 6:10er Pace anzupeilen. Das lief dann auch ganz gut. Und da ich durch meinen Kleidungswechsel ganz hinten ins Feld gespült wurde, konnte ich eine-zugegeben miese- Taktik fahren, Ran saugen an einen Menschen, der vor einem läuft, kurz in dessen Windschatten ein bisschen erholen und dann an den nächsten ran saugen.

Die meisten Kilometer blieben immer knapp unter 6:10. 6:02, 6:03 findet sich am häufigsten als Kilometerzeit in den Aufzeichnungen. Das beeindruckte mich an dem samstäglichen Marathon unter 2 Stunden Projekt am Meisten, diese Präzision mit denen die Kilometer in immer genau 2:50 abspulten. Selbst mit einem Pacingfahrzeug würde ich nicht so genau laufen können. Genau vor dem Ziel befindet sich auf der Runde ein kleiner Anstieg, direkt nach dem Ziel auch und dort ist auch die Verpflegungsstelle. Folge ist, dass dieser Kilometer immer etwas langsamer war.

Nun die letzte spannende Frage: Halte ich das durch? Ich lief auf eine Teilnehmerin und einen Teilnehmer in FCSP-Trikots auf, laberte mit denen ein bisschen und überlegte gerade, ob die für mich nicht ausreichend schnell liefen. Dann packte mich aber doch der Ehrgeiz, weil eine Zeit unter 2:10 im Bereich des Möglichen lag. Ich habe mich also mit den Worten „wir sehen uns im Ziel oder gleich wenn ich eingehe“ verabschiedet und noch mal Gas gegeben.

Die letzten 4 Kilometer also nun mal nah an der Kotzgrenze. Lustig dabei ist, dass mein Puls gar nicht so doll hoch ging.

Am Ende stand eine 2:09:42 in den Büchern und damit der schnellste Halbmarathon seit sehr lange. Bei meiner letzten Teilnahme 2016 bin ich hier eine 2:19:10 (hihihi) gelaufen. Und meiner Läuferkarriere kann man die Halbmarathons unter 2:10 bisher an knapp einer Hand abzählen.

Insgesamt ein sehr schöner Testlauf und ein Hinweis darauf, dass die Laufform schon in Ordnung ist. Zur Belohnung gab es auch noch eine wirklich schöne Holzmedaille. Der Plan beim Space Coast Marathon endlich mal unter 5 Stunden auf einer Marathondistanz zu bleiben, wird jetzt also mit Schwung weiterverfolgt. Um dann wahrscheinlich am Renntag an schwülen 28 Grad zu scheitern, die mir bekanntlich so richtig liegen.

Fazit dieses Tages? Das ist nun garantiert nicht der spektakulärste, schönste oder größte Lauf in Hamburg und wer ein „Event“ sucht, der ist hier falsch. Wer jedoch in freundlicher Atmosphäre auf einer flachen Strecke seine Form testen möchte oder einfach laufen möchte, der ist hier richtig.

PS: Knutscha an Paupi, der einzige Mensch, der sich wahrscheinlich auf diese Berichte freut. 😉

Sep 292019
 

Dennis macht Spaß

Diekmeier du alte Raute, das hat heute mit Dir mal richtig Laune gemacht. Spieler die Emotionen zeigen und giftig sind, passen perfekt zum Millerntor. Selbst wenn sie als Gegner da sind und als heutiges Feindbild dienen. Und deine „Kommt doch!“-Geste in die Gegengerade? Feinste Unterhaltung!

Es begann grau

Ein Tag, wie ihn nur Hamburg zu bieten hat. Grau, nass und kalt. Der Verein sprach in seiner Spieltagszeichnung von „leichten Schauern“, was ein schöner Euphemismus für bestes Hamburger Dauernieseln ist. Wünscht sich irgendwer da die alten Stehplätze ohne Dach zurück?

Zuviel Jörn

Inhaltlich hatten wir alles zu dem Wechsel auf der Position unseres Behindertenfanbeauftragten gesagt. Wir erwähnten, dass wir den Protest nicht wirklich inhaltlich teilen, aber auch für legitim halten.

Nur, liebe Protestler*innen, weniger wäre hier mehr gewesen. Petition online und Unterschriftenlisten analog sind redundant und die Erklärung null ausreichend für den normalen Stadionbesucher. Und wenn dann manche uns berichten, dass sie sich davon überrumpelt fühlten, spricht das wirklich nicht für Euren Auftritt. Wir durften mehrfach versuchen Hintergründe zu erklären. Gleich aussehende Tapeten auf allen Tribünen sind sowieso immer etwas künstlich, aber hier kam noch hinzu, dass keine der Tapeten ein einziges Mal richtig ausgerollt wurde. Eine wirkmächtige Aktion an einem Ort wäre besser gewesen.

Oz, du fehlst

Wir erwähnten bereits das graue Wetter. Insofern war das Gedenken an OZ ein schöner bunter Gegenpunkt. Und einem Menschen angemessen, der etwas gegen Grau tat.

Auf der Gegengerade wurde St. Depri per Choreo gewürdigt. „Wir sind immer für uns da“ ist wichtig und wir wünschen uns eine ganz breite Unterstützung für diese Gruppe. Danke, dass es Euch gibt!

In der Halbzeit wurde dann noch breit gegen das Polizeigesetz demonstriert. Absolut zu Recht. Worum es inhaltlich geht? Findet ihr hier.

Wir erwähnten es bereits schon mehrfach: Eine Polizei, die nicht kontrolliert wird und immer umfassendere Machtbefugnisse bekommt, passt null zu einer freiheitlichen Gesellschaft. Es wird hier komplett versäumt, der Polizei praktisch und durch Gesetze Grenzen zu setzen.

Folge sind dann „Schmerzgriffe“ gegen Jugendliche, deren schlimmes Verbrechen war, mal kurz Autostraßen zu besetzen. Oder das Zusammenscheppern von Gegendemos bei Naziaufmärschen, wie heute geschehen. Aber der deutsche Michel lässt sich durch „wir haben alles richtig gemacht und wer was anderes sagt, ist linksradikal“ beruhen und reagiert nicht mal dann, wenn es ihn selber trifft. Siehe S21. Rosige Aussichten. Nicht.

Wir schweifen ab

Zurück zum Spiel

Trotzdem entwickelte sich – auch dank Dennis – eine ganz ordentliche Stimmung. Die in der Süd auch von wechselnden Frauen auf dem Podest angefeuert wurde. Noch (?) ohne Megaphon, aber das ist im Sinne einer Diversität ein sehr schönes Bild. Wir deuten das mal sehr optimistisch als Trockenübung und freuen uns aus das nächste Mal mit Megaphon. Nix gegen unsere männlichen Vorsänger, aber Vielfalt ist immer besser.

Sowieso Männer. Auf der Süd mal wieder eklige Sexisten unterwegs. Filmen in den Block ist scheiße. Auf Ansprache pissig zu reagieren, mühsam. Für das bekannte “von einer Frau lass ich mir gar nicht sagen” habt ihr auf die Fresse verdient. Verpisst Euch, euch will hier keiner. Danke an die Umstehenden, die auf Ansprache dann noch mal eine Ansage in deren Richtung machten. Und nächster Dulli, dem wir bei so einer Aktion eine runterhauen: Sorry, not sorry. Es reicht.

Geht doch einfach weit weg, am besten irgendwo außerhalb dieses Planetensystems. Und der Verein als Ausrichter kann da gerne mal deutlich mehr machen, als die Plakate der Awareness-Gruppe aufhängen zu wollen.

Mitnehmen könnt ihr gleich die Leute, die meinen, mit Bierbechern oder Feuerzeugen zu werfen. Das tut weh, wenn man davon getroffen wird, und meistens trifft es Mitfans. Es nervt auch, dass auf der GG jemand seelenruhig zum Zaun gehen kann, den Becher auf den Platz werfen kann und dann seelenruhig dumm grinsen kann, ohne eine klare Ansage der Nebenstehenden zu bekommen. Selbstkontrolle? Am Arsch! Noch ätzender ist es aber, wenn Menschen aus unserer Bezugsgruppe den vollen Becher an den Kopf kriegen und die Nachwirkungen das ganze Spiel andauern. Lebt Eure Wurffreude doch beim Dosenwerfen auf dem Dom aus. Der ist (leider) bald wieder. Zwei Sekunden Mitdenken für Mitmenschen ist aber auch verdammt viel verlangt.

Dramaturgie

Der Philosoph unseres Kollektivs plädiert ja dafür, dass Schiedsrichter in ihre Entscheidungen etwas Dramaturgisches einfließen lassen sollten. So nach dem Prinzip: „Was tut dem Entertainment-Faktor gut?“ Unser heutiger Schiedsrichter war das genaue Gegenteil davon. Immer wieder kleinliche Unterbrechungen. Dazu auch zwei klare Vorteile unterbrochen. Das war nicht dramaturgisch klug.

Immerhin gab er Mats für das Nicht-Foul an Dennis Gelb. Das hatte dann wieder was Dramatisches. Wobei sich Mats im gleichen Zug wohl auch verletzte und nicht mal mehr zum Jubeln in die Kurve kam. Wir drücken alle Daumen! Besonders schön auch, dass das Nicht-Foul als Reaktion darauf kam, dass Denis D. Penney ins Gesicht fasste. “Hier gewinnt nur einer” voll verinnerlicht. Danke Mats!

Wow, einfach nur wow

Das war die beste Saisonleistung bei beschissenem Wetter. Dem Millernton-Tim kam das Wort „Ballbesitzfußball“ über die Tastatur. Und das auch noch teilweise echt gut gespielt. Frühes Tor hilft natürlich sehr gegen Sandhausen, denn die können schon echt super gut verteidigen. Und sind in der Gegenbewegung echt schnell und gefährlich.

Gut, dass sich Finn-Ole Becker sich da ein Herz nimmt, nachdem die Ränge schon zweimal „Schieß doch“ vollständig ausgesprochen hatten und die Möglichkeit schon vorbei schien.

Danach eine kurze Schwächephase, dann wieder Druck und Chancen ohne Ende. Das Spiel hätte auch höher gewonnen werden können. Aber nun gut, irgendwas ist immer.Gerade als Sandhausen aufmachte, gab es genug 1-1 Situationen mit dem Torhüter, um das Spiel höher zu entscheiden. Das üben wir noch. Buchtmann nach seiner Einwechselung mehrfach positiv beteiligt.

Richtig gut und auffällig? Østigård! Und dazu immer wieder in Interaktion mit der Süd. Wir glauben, dem gefällt es bei uns. Ist aber auch schöner als in den allermeisten englischen Stadien.Knoll als halber Stürmer. Irgendein Fußballphilosoph sagte mal, dass Spieler im Alter immer defensiver werden. Bei Knoll ist es genau andersrum. Und das ist richtig gut so! Besonders fühlten wir auch, wie er mehrfach nach vergebenen Chancen in den Rasen haute. Richtig gut!

Und Gyökeres ist auch richtig am Millernton angekommen. Beweis gefällig? Dies sagte er dem Verein:
„Der Treffer bedeutet mir persönlich sehr viel. Ich bin im Sommer zum FC St. Pauli gekommen und wollte dem Team helfen. Heute hatte ich endlich die Chance, genau das zu tun, und es hat sich richtig gut angefühlt, auf dem Rasen zu stehen.“

Fazit

Wir sprachen vom Abwasch, der nach dem Derby erledigt werden müsse. Das haben die Jungs glänzend hin bekommen. Das Geschirr von 5 ungeschlagenen Spielen steht blinkend sauber im Schrank. Als nächstes? Nürnberg weg hauen.