adminbc

Aug 282019
 

Vorab

Liebe Lesenden, es ist schwierig, über Themen zu schreiben, bei denen nur ein kleiner Ausschnitt des eigentlichen Sachverhaltes bekannt ist. Hinzu kommt, dass der Bericht des NDR über die Abgabe von VIP-Tickets an Andy Grote und andere Menschen aus dem Bereich der Hamburger Verwaltung und Politik ein „es könnte sein“- und „vielleicht hat er“-Bericht mit vielen Unterstellungen und unbelegten Hypothesen ist.

Dies ist bitte als Disclaimer vorweg zu lesen, wenn wir über so etwas schreiben.

Diplomatie ist, nicht nur mit Freunden zu reden

Der FCSP muss mit Menschen interagieren, die wir komplett scheiße finden. Das nennt man zwischen Staaten Diplomatie. Dazu gehört es eben auch, Menschen freundlich zu empfangen, die man ums Verrecken nicht auf seiner Party haben will.

Das können und sollten wir nicht ohne kritische Worte hinnehmen, es lässt sich aber nicht vermeiden. Und das gilt insbesondere für Innensenator*innen und Polizeipräsident*innen. Die sitzen häufig genug am längeren Hebel, sei es bei der Genehmigung von alkoholischen Getränken oder bei irgendwelchen anderen Abläufen am Spieltag. Das ist alles ganz großer Mist, aber wir leben halt im Falschen. Die Alternative wäre die kommunistische Weltrevolution oder eben die Faust in der Tasche und eine Reduzierung auf den notwendigsten Kontakt.

Und leider gehört dazu auch, dass man solche Menschen mal in seine VIP-Räume einlädt. Das wird sich in der Diplomatie nicht vermeiden lassen. Hinzu kommt, dass für diese Personen auch immer ein gewisses Sicherheitsbedürfnis gibt, sodass man die nicht mit Steh Süd ermäßigt abspeisen kann.

Wenn man dem NDR glauben möchte, dann geht es um insgesamt 14 Karten. Das ist ungleich 14 Spiele! Wenn z. B. ein*e Polizeipräsident*in kommt, dann bringt der eventuell Personenschützer*innen mit und die werden verlangen genau die gleiche Karte zu haben, wie ihr*e Chef*in. Gerade wenn es dienstliche Gründe geben sollte, dann bringen solche Leute auch Referent*innen oder Sachbearbeiter*innen mit. Auch die benötigen dann natürlich entsprechende Karten. Wir kommen da noch drauf zurück.

Wichtig ist, dass eine Vergabe von Karten auch moralisch immer wohlüberlegt, anlassbezogen und selten sein sollte. Alles was über eine notwendige Zusammenarbeit hinausgeht, sollte sich auch moralisch verbieten, wenn es um Polizeipräsident*innen oder Politiker*innen der SPD geht.

Von diesen Grundsätzen ausgehend, muss man das wohl wie folgt sehen: Wenn ein*e Bürgermeister*in ein Derby besucht oder ein erstes Spiel in einem neu eingeweihten Stadion, welches in unserem Fall ja auch noch die Stadt mitbezahlt hat, dann ist das wohl relativ unproblematisch. Ähnlich wird es sein, wenn ein*e Innensenator*in (ist meistens auch für Sport zuständig) mal vorbei guckt. Die Faust in der Tasche kann man ballen, aber der große Skandal ist es nun auch nicht.

Wenn ein*e Polizeipräsident*in einmalig da ist (z. B. weil es ein Hochrisikospiel ist), dann ist das schon eher was für Faust in der moralischen Tasche ballen, aber wahrscheinlich noch okay.

Anders liegt es moralisch, wenn da jemand ohne eine wirkliche Zuständigkeit wie so ein*e Bezirksamtsleiter*in sich häufiger da herumtreibt. Aber das wissen wir eben nicht. 14-mal eine Karte für Andy zum Saufen und Fressen ist halt was anderes als einmal 14 Karten, weil Andy und sein Bezirksamt mal den Schwarzmarkthandel begutachten und nach dem Spiel mit dem FCSP besprechen wollen. Da würde ich als Verein auch lieber in die VIP-Räume einladen, als am nächsten Montag zum Amt zu latschen. Bei der erstgenannten Alternative kann man die Faust schon beinah aus der Tasche nehmen und den Verantwortlichen beim FCSP eine ballern, bei der anderen sollte man es anders sehen.

Nun aber viel Juristerei

Die lieben Steuern

Gegen den FCSP läuft offensichtlich ein Steuerstrafverfahren. Das gibt die Finanzbehörde Hamburg in ihrer Information zu dem Thema zu, auch wenn sie das eigentlich nicht will.

Nebenbei auch so ein Tweet ist streng genommen schon nicht erlaubt, denn er bestätigt ja das Strafverfahren.

Warum dieses Steuerverfahren läuft, wissen wir nicht. Von einer Betriebsprüfung beim FCSP ist schon länger die Rede und wenn uns unser schlechtes Gehirn nicht täuscht, dann war da auch mal in irgendeinem Lagebericht von die Rede, dass man sich da nicht einig sei und da ggf. Nachzahlungen auf den Verein zu kommen.

Betriebsprüfung ist das eine, Steuerstrafverfahren jedoch das ganz andere. Betriebsprüfungen (§ 193 ff der bereits erwähnten Abgabenordung) sind eher Routine, können auch mal in einer Nachzahlung enden, weil man im doch sehr komplexen Steuerrecht auch mal einfach was falsch macht. Solange dies im besten Gewissen passiert, ist das alles nett und freundlich und kann man nur mit einem „passiert halt mal, kostet dann Geld“ abtun.

Anders ist ein Steuerstrafverfahren, was Voraussetzung für eine Durchsuchung wäre. Da befinden wir uns dann im Bereich der Straftat, der vorsätzlichen Tat, der vorsätzlichen Nichtzahlung von Steuern.

So etwas wird nicht eröffnet, weil man sich über die Abnutzungsdauer für Herrentoiletten auf der Gegengerade (ca. 5 Monate, dann stinken die wie die Alten) streitet und im komplexen Steuerrecht der eine 5 Monate, der andere 10 Monate sagt, sondern weil es einen erheblichen Verdacht (bitte als unjuristischen Begriff lesen) gibt, dass hier wer bescheißen wollte (!). Das mit den Herrentoiletten ist natürlich ein bewusst falsch gewähltes Beispiel, bevor nun irgendwer in den Kommentaren schreibt, dass beides nicht stimmt.

Steuerstrafverfahren sind gerne mal die Folge von Betriebsprüfungen, verlaufen aber unter ganz anderen Regeln. In der Betriebsprüfung z. B. muss ich mitwirken. In einem Strafverfahren muss ich dies nach dem alten „Sie haben das Recht zu schweigen“-Grundsatz nicht.

Wenn dem FCSP also ein Strafverfahren ereilt, dann ist das a) nicht gut und b) auch moralisch fragwürdig. Hashtag Hoeness.

Was man aber bei Steuerverfahren immer wissen muss, ist, dass sie sich auf die Vergangenheit und gerne auch mal auf die lange zurück liegende Vergangenheit beziehen. Dies liegt auch daran, dass Betriebsprüfungen zurück blicken. Das ist so ein bisschen der Schlaumeier, der nach Jahren kommt und sagt „das hättest du aber anders machen sollen“.

Laut des NDR-Berichts (wie schon geschrieben: Mit Vorsicht zu genießen!) soll es sich hier um die Jahre 2013 bis 2016 handeln. Es kann also gut sein, dass die bei uns verantwortlichen Personen gar nicht mehr im Verein tätig sind. Wir haben z. B. seit diesem Zeitraum große Teile des Präsidiums, zwei kaufmännische Leiter (Meeske und Rettig) und diverse andere Positionen im sportlichen Bereich ausgetauscht.

Auch wenn letztendlich der Präsident (und der ist seit November 2014 im Amt) immer eine „politische“ Verantwortung hat, ist dies bei der Bewertung natürlich immer zu bedenken.

Wir kennen hier aber wahrscheinlich nicht den ganzen Sachverhalt. Wenn es um irgendwie VIP-Karten in einem Gesamtwert von ca. 3.000 Euro (laut NDR) ginge, denn sprächen wir von irgendwie um die 1.000 Euro Steuern, die da fällig wären. Und für eine solche Summe macht niemand eine Durchsuchung. Es geht hier also entweder um die berühmte Spitze des Eisbergs (also um viel mehr Karten) oder um ganz andere Sachverhalte.

Die Besteuerung erfolgt über § 37b, da KANN der Einladende die Besteuerung übernehmen. Das spricht auch eher nicht für ein Strafverfahren. Er darf die Aufwendungen für solche Karten aber nicht als Betriebsausgaben buchen. Wenn er dies absichtlich machen würde, dann hätten wir mal richtig eine Basis für ein Steuerstrafverfahren.

Aber ihr merkt: Das ist alles freie Spekulationen. Der Sachverhalt bleibt unklar und so etwas ist grundsätzlich nie schön. Es bleibt den Verantwortlichen des FCSP überlassen, genauer zu informieren, und es bleibt uns überlassen, spätestens auf der JHV entsprechende Informationen einzufordern. Mit nichtssagenden Erklärungen, wie die nun veröffentlichte, sollte man sich da nicht ewig zufriedengeben.

Insbesondere, da ein solches Strafverfahren mit entsprechenden Nachzahlungen und Strafzinsen richtig Geld kostet. Da erblasst jede Pyrostrafe gegen.

Bestechung!

Beamt*innen sollten in einem Idealbild neutral, unbestechlich und von Gesetzen geleitet sein. (Ihr dürft nun lachen, wir tun es auch.) Daher ist die Annahme von Geschenken verboten und es gibt entsprechende Strafvorschriften im StGB. Nun gibt es aber ein klitzekleines Problem. Es wäre schön, wenn man das so schwarz/weiß regeln könnte, aber dann kann man einen Beamten nicht mehr zum Kaffee einladen, in einer Besprechung keine Kekse mehr auf den Tisch stellen und ein diplomatischer Besuch oder eine Eröffnung eines großen neuen Museums wäre nicht mehr möglich. Jeder Kugelschreiber wäre ein Verbrechen. Daher gibt es die Möglichkeit der Genehmigung und die Möglichkeit der Annahme.,

Die Stadt Hamburg hat dazu auch Richtlinien erlassen, die man auch per Google findet.

Und seien wir ehrlich: Da wird es schnell Gummi. Denn z. B. regelt die Stadt Hamburg folgendes:

Allgemein genehmigt werden kann auch die Teilnahme an Bewirtungen aus Anlass oder bei Gelegenheit dienstlicher Handlungen, Besprechungen, Besichtigungen oder dergleichen, wenn sie üblich und angemessen sind oder wenn sie ihren Grund in den Regeln des Verkehrs und der Höflichkeit haben, denen sich auch Angehörige des öffentlichen Dienstes unter Berücksichtigung ihrer besonderen Verpflichtung zur objektiven Amtsführung nicht entziehen können, ohne gegen gesellschaftliche Formen zu verstoßen. Dies gilt nicht, wenn die Bewirtung nach Art und Umfang einen Wert darstellt, der außer Verhältnis zu dem durchschnittlichen Einkommen im öffentlichen Dienst steht.

Wenn jetzt also der FCSP sich z. B. breit zum Thema „Sicherheit im Millerntor“ mit der Polizei besprechen will/kann/muss und sagt „passt mal auf, ihr guckt euch das mal in Ruhe hier alles an, danach gehen wir in eine Loge und bereden das mal beim Spiel und ihr guckt euch auch mal praktisch an, wie so ein Spiel verläuft, hier sind vier Karten für die Loge, ach ja wir veranschlagen mal so 6 Stunden und für Essen ist gesorgt“, dann wird man mit dem ersten zitierten Satz wohl hin kommen. Sind 250 Euro (so viel kostet so eine Karte ca.) außer Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen im öffentlichen Dienst? Darüber kannst du wahrscheinlich juristische Bücher schreiben. Ist ein Essen und eine Party für 250 Euro für jemanden, der/die ca. 3.000-4.000 Euro Brutto verdient (das nennen einschlägige Portale als Durchschnittsgehalt) nun außer Verhältnis? Das ist auch noch etwas anderes als „angemessen“.

Oder wenn man der/dem Wirtschaftssenator*in sagt „komm mal vorbei, guck mal was aus deinen 5 Millionen Förderung geworden sind!“ dann wird man da eine Besichtigung aus dienstlichem Anlass und Repräsentationszwecken wohl irgendwie bejahen müssen.

Bei der/dem Bezirksamtsleiter*in kann z. B. das Thema „Schwarzmarkt“ mit dem FCSP haben. Und wenn sie/er da mit 13 Vertreter*innen des damaligen bezirklichen Ordnungsdienstes und des entsprechenden Fachreferats auf Einladung vorbei kommt, dann ist es vielleicht ein Graubereich, weil man kann sich ja auch montags in der kalten Amtsstube treffen, aber auch da kann man dienstliche Belange sehen.

Und dann ist es auch aus der Sicht des FCSP aus den oben genannten Maßstäben moralisch okay. Dass es uns am liebsten wäre, wenn Hr. Grote in unserem Stadion gar nichts macht, nicht einmal atmen, das sollten wir häufig genug zum Ausdruck gebracht haben.

Das wiederkehrende Thema ist hier die Faust und die Diplomatie

Ihr merkt jedoch: Das wird schnell eine unklare Bewertungsfrage, die wir hier auf einem unklaren Sachverhalt vornehmen müssten. Das funktioniert nicht und irgendwelche endgültigen Schlüsse verbieten sich.

Wichtig ist aber: Es muss von einer/einem Dienstvorgesetzten genehmigt sein. Entweder allgemein durch eine Dienstanweisung oder im konkreten Einzelfall. Und dies wissen wir hier nicht. Wir kennen die allgemeinen Richtlinien dazu, die wir oben verlinkt haben und die nennt Sportveranstaltungen nicht einmal ausdrücklich. Was wir nicht kennen, sind die speziellen Regelungen, die genauen Anweisungen und die Details der Einzelfälle.

Der NDR Bericht macht es sich da viel zu einfach. Er suggeriert lieber, dass Grote Karten bekommen hat und damit ein Anfangsverdacht der Vorteilsnahme besteht und der Generalstaatsanwalt „politisch“ eingegriffen hat und Strafvereitelung im Amt betreibt. Zumindest aus den jetzt bekannten Tatsachen ergibt sich ein solcher zwingender Schluss eben gerade nicht.

Ihr merkt selber: Das ist eher kein guter Journalismus.

Natürlich kann es sein, dass hier eine Vorteilsannahme vorliegt und dann ein strafbarer Vorgang. Es kann aber genauso gut sein, dass ein Innensenator*in, ein Bürgermeister das genehmigt hat oder es in einer allgemeinen Dienstanweisung genehmigt ist. Wissen wir nicht und ohne dieses Wissen können wir es nicht bewerten.

Was in diesem Zusammenhang auch wichtig ist: Hier lädt ja der Veranstalter (!) des Fußballspiels ein, nicht die Holsten AG zu einem Spiel des FCSP. Dies kann bei der dienstlichen Notwendigkeit natürlich Unterschiede machen.

Hinzu kommt das Urteil des BGH in Sachen eines Professor C. (Fußballfans auch kurzfristiger Präsident von Hannover 96 bekannt), welcher zur WM 2006 Politiker in Baden-Württemberg eingeladen hatte und dann vom Vorwurf der Vorteilsgewährung freigesprochen wurde. Die Gründe kann man hier nachlesen.

Wer danach diese ganzen Rechtsfragen für „klar und eindeutig“ hält, der muss schon viel Lack gesoffen haben.

Was auffällt: Das Verfahren gegen den FCSP scheint ein steuerliches zu sein. Wegen Bestechung und Vorteilsgewährung scheint es kein Verfahren zu geben. Allgemein wird von Jurist*innen geraten sich bei Politikern und Amtsträgern die Zustimmung der/des Dienstvorgesetzten bestätigen zu lassen. Dies scheint der FCSP nicht gemacht zu haben, wenn er in seiner Stellungnahme davon spricht, von internen Verwaltungsanweisungen nichts zu wissen. Aber das ist natürlich Interpretation und Spekulation.

Die Rolling Stones sind was anderes

Was auch sehr wichtig ist: Der Fall mit den Rolling Stones liegt sehr anders. Denn hier geht es um hunderte Freikarten pro Veranstaltung, die vom Bezirksamt für eine Genehmigung einer Veranstaltung eingefordert wurden.

Das ist dann doch ein ganz anderer Sachverhalt als „du bekommst mal eine Karte, wir laden dich ein“. Vergleichbar wäre nur gewesen, wenn z. B. der Polizeipräsident an den FCSP einen Mustervereinbarung zur Genehmigung des Astra-Ausschanks am Millerntor geschickt hätte, in der am Ende in § 1312 steht „Für jedes Spiel während der Geltungsdauer dieses Vertrags bekommt die Polizei 300 VIP-Karten und kann 400 Südkarten verbilligt kaufen.“

So einen Sachverhalt haben wir hier ja definitiv nicht.


Anmerkung des Kollektivs: Dieser Text ist nicht durchgängig gegendert, da nach unserem Kenntnisstand alle handelten Akteure Männer sind.

Aug 072019
 

Vorwort

Liebe Lesende, ja es folgt nun die Rezension eines Baseball-Buchs und wir wissen, dass bei der Nennung des Wortes „Baseball“ nun wahrscheinlich 99 % unserer Leser*innen abschalten, aber dieser Artikel ist mehr als eine Buchrezension.

Viel wird gerade über Komfortzone und Entwicklung beim FCSP diskutiert und dieses Buch gibt für solche Prozesse eine gute Anleitung, dies macht es weit über den Baseball-Fokus hinaus spannend.

Die Autoren / Journalismus ist nicht gleich Journalismus

Zwei amerikanische Sportjournalisten, Ben Lindbergh und Travis Sawchik, haben das Buch geschrieben. Beide gehören einer Gattung von Sportjournalismus an, der in Deutschland wenn überhaupt nur in einer sehr kleinen Nische existiert.

Journalisten, die nach dem „Warum?“ fragen und Antworten aus Daten, aus Fakten suchen und Methoden grundsätzlich hinterfragen. Nerds ihres Sports. Sabermetrics nennt sich diese Bewegung, ein Kunstwort aus SABR (einer entsprechenden Vereinung von Analysten, egal ob Hobby oder beruflich) und Metric den englischen „Maße“.

So etwas fehlt im Sportjournalismus der sich mit Fußball beschäftigt nahezu vollständig. Da ist immer noch die Kickernote ernsthafte Basis für eine Diskussion.

Klar, es gibt Menschen, die können mit diesen Dingen etwas anfangen und zum Glück haben wir auch beim FCSP einige Menschen, die verstehen, was Expected Goals so grob sind (Küsschen an Tim vom Millernton), aber im „klassischen“ Journalismus wird das vielleicht mal als „Laptop Trainer“ belächelt oder ein Artikel drüber geschrieben und dann wieder vergessen. Vereine nutzen solche Sachen definitiv schon, siehe die Vorliebe für „Laptop Trainer“, aber in der öffentlichen Analyse des Fußballs spielt das Ganze nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ganz anders in den USA und beim Baseball, wo sich das Verhältnis eher umgekehrt hat. In Deutschland malen wir dann Pfeile auf Bildschirme und fühlen uns, als wären wir Kapitän*innen eines Raumschiffs.

„Moneyball“ ist das Stichwort. Ein Buch aus dem auch ein Film mit Brad Pitt gemacht wurde. Geschrieben vor gut 18 Jahren. Dieses „aha Erlebnis“ fehlt dem Fußball(journalismus) noch. Und es fehlt insbesondere „kleineren“ Vereinen. Moneyball beschreibt die Erfolgsgeschichte der Oakland A’s, einem Team ohne viel Geld und Marktmacht, „The MVP Machine“ beleuchtet den Erfolg der Astros auch einem eher mittleren Team, wenn es um Geld und Markt geht. Wobei wir im amerikanischen Sport natürlich noch mal über ganz andere Summen reden, als im Fußball.

Sowieso ist der amerikanische Journalismus in Sachen Sport so anders im Vergleich zum deutschen Journalismus. Dieses ständige „wir suchen die Sensation und überreagieren auf alles und bewerten immer das Ergebnis, nie den Prozess“ gibt es in den USA natürlich auch, aber da hat es seine ganz eigene Nische und ist nicht Mainstream. Diese nennt sich dann „Sportstalk Radio“ (Radiostationen, die den ganzen Tag über ihre regionalen Teams reden) und da ist der Hot Take des Hot Take noch nicht ausgestorben. Ja da wird auch in Boston seit 10 Jahren vertreten, dass Tom Brady endlich gefeuert gehört, weil er doch zu alt wird.

Die Grundlage des Buches

Das Buch heißt im Untertitel „How Baseball’s New Nonconformists Are Using Data to Build Better Players” und genau hier beginnen die Parallelen zum Fußball.

Nehmen wir mal Schnecke Kalla (<3) als Beispiel. Die meisten Menschen würden sagen, dass es sich um einen guten Ergänzungsspieler handelt. Kannst du bedenkenlos für ein zwei Spiele auf nahezu jede Position stellen. Wird da nicht glänzen, wird aber auch wahrscheinlich solide seinen Stiefel spielen. Meint ihr, dass man den noch zu einem Superstar bekäme? Wahrscheinlich nicht. Wir auch nicht. Aber doch passiert genau das im Baseball. Justin Turner war bis 2014 und seinem Lebensalter 30 ein ganz netter Ergänzungsspieler, sozusagen ein Kalla des Baseballs. Danach begann er mit einem Trainer außerhalb des Establishment zu arbeiten und wurde ein Superstar seines Sports.

Back in my days

Baseball gleicht in seiner konservativen „back in my days“-Art sehr dem Fußball. Trainer sind Ex-Spieler, vieles passiert nach dem Prinzip „das haben wir immer schon so gemacht“. Sei es in Trainingsinhalten, sei es in Menschenführung. Der erste Bruch in diesem Denken passierte nach „Moneyball“. Es war wie im Fußball ein ungeschriebenes Gesetz, dass Manager/Sportliche Leiter (nur Männer, bis heute), wie man die auch immer nennt, ehemalige Spieler waren. Warum eigentlich? Warum soll ich als Ex-Spieler der einzige sein, der eine Kompetenz hat einen Verein sportlich zu leiten? Und die diversen Angestellt*innen in diesem Verein sinnvoll zu leiten? Ob der nahezu reinen Männerwelt, die solche Front Office heute noch sind, tut man sich selbst da mit dem Gendern schwer.

Diese Frage stellte niemand. Und wenn man sie stellt, dann heißt es (und hieß es im Baseball wahrscheinlich auch), dass man doch das Geschäft kennen müsse und Kontakte haben müsse. 18 Jahre hat es im Baseball gedauert, diese Annahme zu beseitigen. Als Manager/Sportliche Leiter beschäftigt man nun nur noch in Ausnahmen Ex-Spieler, sondern man sucht sich Menschen, die als „Manager“ im Sinne der Industrie gut sind. Zu nahezu 99 % Menschen mit Management Abschlüssen an irgendwelchen US Elite Unis. (Dass dies dann den Rassismus in der Auswahl von Studenten an diesen Unis fortführt, ist ein Thema, was hier den Rahmen sprengen würde, aber auf das man hinweisen sollte. Diversität ist ein Thema im US Sport, aber ist bei weitem nicht erreicht. Und wie schon oben geschrieben: Frauen gibt es sehr sehr wenige in irgendwelchen Positionen. Und bis heute konnte niemand belegen, dass diese schlechtere Managerinnen als Männer wären, eher andersrum. Ganz zu schweigen über die Wichtigkeit von Diversität, gerade in Führungsgremien.)

Gleichzeitig ist Voraussetzung, mit Daten umgehen zu können und diese interpretieren zu können. Riesige Analyse- und Untersuchungsabteilungen füttern die „Front Offices“ mit allem was die wissen wollen. Inklusive der Rotationsrate wenn ein Ball geworfen wird und welchen Effekt diese Rotation hat.

Teams nutzen dann Trainer und Co-Trainer um Managersprache und Analystensprache in Spielersprache zu übersetzen. Und setzen damit auch den Trainerjob ganz anderen Herausforderungen aus. Nicht mehr der große Zampano, der alles entscheidet und einen Spieler bekommt, weil er sein Wunschspieler ist. Alleine schon, weil das „Front Office“ innerhalb von fünf Knopfdrücken auf einen Computer sagen kann, dass dieser Spieler objektiv nicht passt. Vielmehr der Moderator, der Übersetzer und – Achtung Klischee – Motivator. Diese Machtverschiebung hat viele Trainerkarrieren beendet und auch ermöglicht. Dies kommt auch im Fußball.

Auch Fußball nutzt Daten im großen Stil

Nebenbei: Ganz still und heimlich hat diese ganze Revolution auch im Fußball begonnen. Deswegen flankt niemand mehr von der Grundlinie, was in den 90er Jahren noch als „hinter die Viererkette an die Grundlinie kommen“ als vermeintlich gute Taktik dargestellt wurde. Problem dabei ist einfach, dass die Flanke viel zu selten zu Torabschlüssen und Toren führt. Das ist wie mit den Ecken. „Standardsituationen sind so wichtig im modernen Fußball“ kennt jeder noch als Satz. Das genaue Gegenteil ist im Endeffekt der Fall. Wenn jede 50ste Ecke* zu einem Tor führt, dann schießt man vielleicht jedes 10. bis 15. Spiel nach einer Ecke. Das sind dann immerhin 2 Tore pro Saison. Wow! Kann man sich das einüben eigentlich selbst schenken. Denn eine Steigerung seiner Erfolgsquote um 50 % bringt einem immerhin 3 Tore pro Saison. Dies gilt natürlich alles nur, wenn man nicht mit dem FCSP und seiner notorischen Schwäche nach Eckbällen in einer Liga spielt. Als Trainingsinhalt kann „Ecken üben“ trotzdem Sinn machen, nämlich als Teamuildingmaßnahme. „Wir erarbeiten uns etwas zusammen“ ist das Stichwort.
(*Quelle). In der Premier League führt jede 5. Ecke zu Torabschlüssen, und nur jeder 10. dieser Abschlüsse landet im Tor)

Ein Schritt weiter

Nun geht die Entwicklung einen Schritt weiter. In den Trainingsmethoden. Und auch hier sind es die Menschen ohne eigenen Profispieler-Hintergrund, die auf neue Methoden setzen, alte Annahmen anzweifeln und widerlegen.

So gab es immer die Annahme, dass man Wurftechniken nur bis zu einem gewissen Grad erlernen kann und viele Dinge auch auf Talent und physischer Beschaffenheit des Spielers beruhen. Das Buch zeigt auf, wie man durch den Einsatz von Highspeedkameras und auch Datenmessgeräten (Wearables, wie die so schön neudeutsch heißen) hochauflösend genau sieht, wann welcher Finger den Ball verlässt, welche Kräfte wann wie wirken und wie ich Muskelgruppen optimal einsetze, um Kraft zu erzeugen. Und ich kann mit Spielern dann gezielt Übungen machen, um diese Muskelgruppen in gewünschter Form anzusprechen und auf die Sekunde genau in der richtigen Reihenfolge zu benutzen.

Training wird effektiver, Kleinigkeiten können gezielt verbessert werden und damit in kurzer Zeit Fortschritte erzielt werden.

Klingt doch eigentlich ganz logisch, sollte doch jeder sofort machen, oder? Trifft aber trotzdem auf Widerstand. Alleine schon, weil die Wurfbewegung und die Schlagbewegung beim Baseball hochkomplex ist. Wenn ich daran rumfummel, kann das auch schief gehen. Und diese Angst ist ein sehr großer Hemmschuh. Die Angst vor Neuem. Die Angst „ich hab es so bis in die Liga geschafft, wenn ich jetzt da was ändere, kann es auch schlecht ausgehen“ ist in Teams und Spielern weit verbreitet. Und natürlich der Faktor des „das haben wir schon immer so gemacht“. Wenn da jemand von außen kommt und sagt „ja habt ihr, aber das war falsch“, dann wird das nicht immer nur auf Gegenliebe stoßen.

Und daher hat diese Welle zuerst bei Spielern eingeschlagen, die am Ende ihrer Karriere schienen oder in einer Sackgasse. Der genannte Justin Turner war einer von ihnen. 30 jährige Ergänzungsspieler sind im Baseball genauso wenig gefragt, wie im Fußball. Sie werden von dem 19 bis 22 jährigen Ergänzungsspieler ganz schnell verdrängt.

Spieler mit einem eher durchschnittlichen Talent sind das andere Beispiel. Trevor Bauer war der Pitcher, der als Erster Highspeed Kameras nutze, mit Trainingsdaten rumfummelte und sich so verbessern wollte. Er selber bezeichnet sich als schlechten Athleten, was natürlich eine Untertreibung ist.

Nun stellt euch aber mal eine ähnliche Analyse und Trainingsinhalte im Fußball vor. Schusstechnik verbessern? Viel einfacher. Laufgeschwindigkeit verbessern? Kein Problem! Und gerade diese Laufgeschwindigkeit kann beim Fußball viel ausmachen. Wenn ich in den ersten 10 Metern schneller als mein Gegenspieler bin, dann hab ich in vielen Situationen den Fuß als Erster am Ball.

Und noch ein weiteres Beispiel für dieses Feilen an der Technik – sogar in Deutschland, aber wenig verwunderlich in einer US-Sportart: Dirk Nowitzki hat mit seinem Jugendtrainer Holger Geschwindner jahrelang an seiner Wurftechnik gefeilt und damit eine ganz neue Art des Werfens aus dem Halbfeld etabliert, die sicher auch ihren Beitrag zu seinem riesigen Erfolg geleistet hat. Und da wurde schon vor über 20 Jahren auch vielfach mit Videoanalysen, etc. Und spannenderweise brachte Geschwindner in dem Individualtraining für Nowitzki seine Erfahrung als ehemaliger Profi mit seinem Studium der Mathematik zusammen.

Nehmen wir ein Beispiel:

Wir haben bei uns immer MMD vor Augen, der nach unserer subjektiven Beobachtung pfeilschnell wird, wenn er denn auf Touren ist, aber er braucht halt immer bis er seine Gräten geordnet hat und los gelaufen ist. Die Armhaltung sieht auch nicht gerade optimal aus.

Achtung, das ist subjektiv von der Tribüne, das mag gar nicht stimmen. Nehmt aber nun mal an, dies würde objektiv sein und man könnte mit ihm gezielt herausfinden, welche Gräte da das Problem ist und dies mit Übungen abstellen. Sein Wert für den Verein und sich selbst würde enorm steigen, denn plötzlich hat er diese zusätzliche Geschwindkeit auf den ersten 10 Metern und ist als Erster am Ball.

Oder nehmen wir die schönen Worte „Vororientierung“ und „saubere, schnelle Ballverarbeitung“.

Dieses „ich weiß schon bevor ich den Ball habe, wo alle meine Mit- und Gegenspieler sind und hab einen Plan“ ist einigen Spielern mehr, anderen weniger gegeben. Ein Philip Lahm z.B. war hier unbestrittener König. Und die Fähigkeit dies dann in einen schnellen und am besten noch präzisen Ball umzusetzen macht eine Mannschaft sofort besser.

Auch das ist (nicht nur) Talent, sondern kann erlernt werden. Footbonaut nennt sich das entsprechende Gerät. Der Wikipedia Artikel dazu war bis vor kurzem noch zur Löschung vorgeschlagen, was tief blicken lässt. Z.B. Dortmund und Hoffenheim nutzen so ein Gerät. Beide Vereine haben ihre Stärken im schnellen, direkten Spiel. Man könnte sagen, dass dieses Gerät ihnen wahrscheinlich dabei geholfen hat.

Es ermöglicht nämlich das isolierte einüben einer sehr wichtigen Fähigkeit im Fußball. Gezielt und damit zeitsparend, was Zeit für andere Trainingsinhalte ermöglicht.

Neue Mentalität gefordert

Und da sind wir bei der Frage, was Vereine tun können. „Growth Mentality“ wird in dem Buch als Stichwort genannt. Man könnte das mit einer Mentalität übersetzen, wo man offen für Neues, für Förderndes und Innovatives ist.

Wir zitieren (ungern) einen Artikel der Welt zu dem Footbonauten: „Herr Hopp ist ein totaler Fan von innovativen technologischen Trainingsgeräten.“ (von hier). Die Begeisterung muss in der gesamten Organisation vorherrschen und von oben kommen.

Wenn wir als von Mentalitätswandel beim FCSP sprechen, dann wäre dies ein mögliches und vielleicht gutes Ziel. Dafür müssen dann aber auch alle Ebenen offen sein. Vom Jugendtrainer in der U10 bis zum Präsidenten.

Und – dies sei auch mal gesagt- für so etwas muss auch Geld locker gemacht werden und entsprechendes Personal eingestellt werden. Denn so ein Footbonaut z.B. kostet Geld und muss in den Trainingsalltag integriert werden. Individuelles Training, Training an isolierten Handlungen ist dem Fußball sehr fremd, während es in anderen Sportarten sehr üblich ist. Es benötigt also gut geschulte Trainer und Spieler, welche die Geduld mitbringen, so an sich zu arbeiten.

Das „bei einer Profimannschaft hab ich eher die Aufgabe, die bei Laune zu halten“ ist dann ein Ding der Vergangenheit. Man muss also die entsprechende Mentalität bis in die Spieler und die Cheftrainer bekommen. Und insbesondere in die Jugendlichen. Lernen und sich verbessern wollen hört nie auf. Nicht für einen Finn Ole, nicht für einen Jan-Philip, aber auch nicht für einen Oke. Und Technologie kann dort ein riesiges Hilfsmittel sein.
(Und wir wollen die pädagogische Begleitung zur “Persönlichkeitsformung der Spieler bitte auch weiterhin, selbsterklärend.)

Auch bei Reha Maßnahmen genutzt

Das Buch schildert auch, wie Technologie für Reha Maßnahmen genutzt werden. Belastungen können technologisch objektiv gemessen werden und so kann eine Maßnahme zielgerichteter gestaltet werden, dass weder eine Unter- noch Überbelastung des Spielers erfolgt. Als Beispiel wird Marcus Stroman genannt, der nach einem Kreuzbandriss nach 6 Monaten wieder in Spielen eingesetzt werden konnte.

Lesebeispiel

Die Astros haben einen Ruf entwickelt Spieler besser zu machen und haben teilweise irrsinnige Erfolge aus irgendwelchen Spielern plötzlich Superstars zu machen. Dies geht so weit, dass alle anderen Teams schon misstrauisch sind, wenn die Astros einen „normalen“ Spieler von ihnen haben möchten.

Was machen die Astros mit diesen Spielern? Sie haben Präsentationen vorbereitet, die sie jedem Spieler vorlegen, der zu ihnen kommt, mit Stärken, Schwächen, detaillierter Datenanalyse und Wünsche an den Spieler. Und sie sind da genauer als jedes andere Team. Hier als Lesebeispiel aus dem Buch:

Könnt ihr euch das im Fußball vorstellen? „Hallo Leo, schön das du da bist, wir haben hier mal ein Meeting und das sind nebenbei deine Stärken, deine Schwächen, da arbeitest du bitte so und so dran, das machen wir mit dir und das ist unsere Idee für dich. Alles mit Video und Daten.“ Wie cool wäre das?

Was draus ziehen?

In Zeiten, in denen Neuverpflichtungen immer schwieriger werden, scheint es doch eine interessante Alternative zu sein, seinen Stürmer selber zu entwickeln. Gerade wenn es in der Jugend nicht an rohen Talenten mangelt. Das Buch zeigt Wege auf, wie man dies besser erreichen kann, wie man Spieler auf ein neues Level heben kann. Wie man eben aus einem Kalla einen Lahm macht. Naja, vielleicht nicht ganz.

Das Buch hat auch seine Schwierigkeiten

Das Buch und seine Idee haben auch Schwierigkeiten. Trevor Bauer ist ein Getriebener und kein Sympathieträger. Hinzu kommt, dass er eine Historie von Twitterausfällen (Beispiel) hat, die nicht dafür sprechen, ihn in den Mittelpunkt eines Buches zu stellen. Problem: Man kann die Geschichte des technologiegesteuerten Trainings nicht ohne ihn erzählen, sie wäre unvollständig. Das Buch hilft sich damit diese Punkte auch zu schildern und Bauer nicht als strahlenden Helden dastehen zu lassen.

Noch ein weiteres Problem gibt es. Technologie kann immer und wird immer zu Überwachung genutzt. Growth Mentality heißt auch „wir schmeissen die Schwachen und die Unwilligen raus“ und sie setzt das Denken in Spielern als „Werte“ voraus. Das ganze kann schnell auch in einer Überwachung des Privatlebens führen, wenn man z.B. Geräte einsetzt um Erholung zu messen. „Ach Herr Spieler XY hat nur 5 Stunden geschlafen? Das ist aber nicht gut, dann setzen wir ihn mal auf die Bank.“ Klingt nur so lange super, so lange man Sportlern nicht auch ein Privatleben zuspricht. Und das sollte man.

Und sonst

Insgesamt ist das Buch trotz der abstrakten Thematik gut zu lesen. Das Englisch des Rezenten reichte dafür aus. Baseballkenntnisse sind jedoch von Vorteil. Es hat auch seine unterhaltsamen Momente, alleine schon, weil Ben Lindbergh einen Selbstversuch startet und sich in die Hände dieser Training-Gurus begibt.

Daten

„The MVP Machine“ ist im Basic Books Verlag erschienen, kostet Listenpreis 30 Dollar, ist natürlich nicht in Europa erschienen, hat die ISBN 978-1-5416-9894-9 und ist über einschlägige Onlinebuchhändler erhältlich

Aug 062019
 

Die Rostocker Marathonnacht ist bei mir immer ein fester Termin im Laufkalender, wenn es denn dieses andere Hobby namens „Fußball“ zulässt. Und trotz der gerade stattfindenden Triathlonvorbereitung (Hallo Almere), musste dafür Platz sein, als wir ein Freitagsspiel terminiert bekamen.

Hab ich nebenbei schon erwähnt, dass ich deswegen auch halbwegs glücklich mit der Derbyansetzung bin? 😀 Okay, sie ist und bleibt Mist, aber in mein Einzelschicksal passte sie. (Anmerkung der Lektion: 🤬)

Mit dem Schwesterherz ging es also nach Rostock. Über die Berlin-Autobahn, denn A 1 und Ferien ist nie eine gute Kombination. Über das Kreuz Schwerin hat man letztendlich zwar ein paar Kilometer mehr, aber immerhin rollt es durchgängig.

In Rostock angekommen erstmal die Startnummern abgeholt, was schnell und problemlos ging. Die sortieren ihre Starter*innen immer alphabetisch, so dass Schwester und ich direkt nebeneinander lagen.

Schlendern durch die warme und volle Rostocker Innenstadt, Essen suchen (leckerer Italiener war es letztendlich) und ein Eisessen verkürzten dann die Wartezeit auf das Schiff.

Ihr habt richtig gelesen. Bei der Rostocker Marathonnacht wird man mit dem Schiff zum Halbmarathonstart gefahren, was die anderen angebotenen Strecken sofort unattraktiver macht. Denn was gibt es schöneres als eine kleine Bootsfahrt am späten Nachmittag?

Unattraktiv erscheint mir auch die neue Form der Staffel. Liefen die Teilnehmer*innen früher auf der Marathonstrecke, so müssen sie nun 13 Runden durch die Innenstadt drehen. Das kann keinen Spaß machen. Aber immerhin 28 Staffeln taten sich das letztendlich an.

Nach der Bootsfahrt wartet das Dixie und dann das noch längere Warten auf den Start. Ich hatte mich für einen Triathloneinteiler entschieden, was sich später noch als Herausforderung entpuppte. Aber bei aller Liebe: So richtig traue ich mich nicht in einer Stadt, die flächendeckend mit Hansa Aufklebern gepflastert ist in unseren Vereinsfarben zu laufen. Man muss in der Dämmerung immer nur auf einen Dummkopf treffen und das muss nicht sein.

Die ersten Marathonläufer*innen liefen durch und dann war es auch schon Zeit für uns sich in die Startaufstellung einzureihen.

Mein Ziel war es das ganze als Trainingslauf zu sehen und die 21 KM in einem halbwegs gleichmäßigen Tempo durchzulaufen. Dementsprechend etwas weiter hinten eingeordnet, was das nervöse Rennpferd namens Schwesterherz schon etwas hibbelig machte. Letztendlich war die Einordnung aber gut, wir liefen in einer Gruppe, die grob unser Tempo hatte. Schwester wie üblich etwas schneller, ich etwas langsamer.

Die ersten Kilometer bei der Marathonnacht sind immer etwas unrund. Läuft man doch sofort in den Warnowtunnel und damit bergab, dann direkt wieder bergauf, dann mal ein paar KM flach im ehemaligen IGA Gelände und dann noch mal durch den Warnowtunnel.

Kilometer 1 daher in unter 6 Minuten, dann pendelte ich mich irgendwo zwischen 6:30 und 6:45 für den Kilometer ein. Ich werde nicht mehr jemand, der Kilometer wirklich auf den Punkt gleichmäßig laufen kann. Im IGA Gelände war ob des guten Wetters natürlich noch Krawall und Remmidemmi und Schlagerparty.

Bei einem Klo dann der erste Versuch im Rennen aus einem Triathloneinteiler rein und wieder raus zu kommen. Und wie soll ich sagen? Das kann ich noch verbessern. Ich weiß, warum ich sonst Zweiteiler trage.

Nach dem Warnowtunnel dann das beliebte „runter zur Warnow, weg von der Warnow“ Spiel der Strecke. Am Straßenrand richtig viele anfeuernde Zuschauer*innen und ein wundervoller Sonnenuntergang mit einem wunderschönen Blick auf Rostock. Das macht diesen Lauf so besonders und ist echt jedes Mal ein Erlebnis. Der Veranstalter hat auch noch Lichteffekte an einigen Stellen, was das ganze noch stimmungsvoller macht.

Wenn denn gutes Wetter ist. Wir hatten da auch schon mal einen Gewitterlauf inklusive kleiner Schwimmeinlage.

Ich hab ja eine Brille auf der Nase und dementsprechend auch eine Laufbrille mit Stärke. Ohne seh ich echt nur noch bedingt etwas und so laufe ich auch hier mit meiner Laufbrille. Die aber getönt ist. Sieht immer etwas komisch aus, wenn man so lange wie möglich mit einer Sonnenbrille läuft, obwohl es eigentlich schon ziemlich dunkel ist. Aber muss halt sein.

Die Kilometer wurden nun etwas langsamer, es stand auch mal die 7 als Minutenzahl da. Aber insgesamt lief das alles noch gut und flüssig. Hätte nicht irgendwann die – zum Laufen auch eigentlich nicht passende Mischung – von Eis, Nudeln und Weizenbier beschlossen, dass sie doch nun gerne mal kurz ein Dixie besuchen möchte. Schnell eins finden? Kein Problem! Ist es noch sauber? Jo super! Triathlonanzu danach im Dunklen wieder anziehen, ohne den vollkommen zu verdrehen? Nun ja, das klappte nicht, kostete doch ordentlich Zeit und machte am Ende eine bessere Zeit zunichte.

Was in Rostock auch immer schlecht ist: Einen Endspurt einplanen. Denn kurz hinter Kilometer 20 wartet der Anstieg vom Stadthafen zum Neuen Markt, an dem sich das Ziel befindet. Leider ist davor und danach auch jeweils noch ein Stück an der befahrenen Straße eingeplant, was echt das Lowlight der Strecke ist. Es fällt einem insbesondere auch deswegen auf, weil der Rest der Strecke so ansehnlich ist. Aber nun gut, irgendwie muss man ja von A nach B in 21 Kilometern kommen.

Schwesterherz beschrieb meinen Anstieg später am Auto als „teildynamisch“, was nicht nur unsere Parkplatznachbar*innen zum lachen brachte, sondern nun auch die Überschrift bildet.

Der Anstieg kostete mich auch noch mal eine Minute und dann war die Kraft auch zu Ende. Letztendlich stand eine 2:28:20 Netto in der Ergebnisliste, was verglichen mit der letzten Teilnahme 2017 und der damals gelaufenen 2:42:27 doch eine deutliche Steigerung ist. Und auch damals peilte ich am Ende Almere an. Von der hier schon gelaufenen 2:17 (2016) und 2:09 (2011) bin ich dann doch weit entfernt. Da war ich aber auch noch deutlich jünger. Oder so.

Eine nächtliche Autofahrt später war dann auch dieses Erlebnis wieder zu Ende.

Jul 102019
 

Vorgeschichte

Roth ist in der Triathlonwelt ein Mythos. Knapp hinter Hawaii wohl der Ort, der die Triathlonwelt am meisten elektrisiert. 87 verschiedene Nationen sind unter den ca. 6.000 Teilnehmenden (Staffeln und Einzelstarter). Da wir alle keine Volldistanzler*innen sind, entschlossen wir uns im Juli 2018, auf die schwierige Jagd nach einem Staffelplatz zu gehen. Wir hatten Glück, wir hatten das nötige Klein- und Großgeld (dazu später mehr) und damit waren wir angemeldet.

Leider fiel dann unsere planmäßige Schwimmerin verletzt aus. Das war doof. Wir hätten Dich gerne mitgenommen. Aber es hatte nicht solllen sein und wir fanden glücklicherweise schnell und problemlos in M. einen tollen Schwimmer und ein tolles Teammitglied.

Und so trainierten wir, der Tag rückte näher und die Aufregung stieg.

Vor dem Rennen

Wir hatten unsere fränkische Heimat gebucht und vorweg schon mal vielen Dank an die besten Menschen, die Franken zu bieten hat. Drei nervöse Triathleten plus Anhang und Teddys zu beherbergen benötigen viel Nerven. Danke, ihr wart wundervoll.

Freitag checkten die @sielaeuftde und ich die Messe. Da gibt es alles, was man braucht und was man nicht braucht. Natürlich zu tollen Messepreisen und trotzdem sauteuer. Wer da kein Geld ausgibt, der hat meinen höchsten Respekt für Selbstdisziplin. Ich hab diese Selbstdiszplin nicht und nenne nun einen neuen Helm und einen neuen Triathloneinteiler mein Eigen. Und nutzloses Merch wurde natürlich auch gekauft.

Wir hatten ja gedacht, dass man mit allen Staffelteilnehmern zur Anmeldung muss, aber weit gefehlt, muss man gar nicht. Wir sind daher erst Samstag gemeinsam hin gegangen. Ging aber schnell und unproblematisch. Hier begann ein Thema, was sich durch den ganzen Wettkampf zog. Die Helfer*innen in Roth sind absolut einzigartig. So etwas von freundlich, schnell und kompetent, egal an welcher Stelle man ihnen begegnet. Die Veranstalter*innen kleben Dankesplakate auf Werbeflächen, danken denen per Video und Social Media und das absolut zu Recht. Auch in der zweiten Runde der Radstrecke bekam man als langsamer Teilnehmender noch die gleiche Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie der schnellste Teilnehmer, der hier schon 5 Stunden vorher durchgefahren war.

Rad Check-In genau das gleiche Bild, vorbildlich organisiert. Ein Parkplatz auf dem man eingewiesen wird, also nicht das „jeder fährt irgendwo hin und alles suchen den perfekten Parkplatz“ Chaos, das sonst in Deutschland üblich ist. Mit einem Einbahnstraßensystem und einer großzügigen Ableitung auf eine andere Straße, kein Stau, kein Chaos und wenn doch mal jemand nicht nach den Regeln spielen wollte, dann wurde er von einem Feuerwehrmann/ einer Feuerwehrfrau böse angeguckt. Die örtliche Feuerwehr regelte das nämlich.

Wettkampfrichter*innen sind das wichtigste im Sport. Undankbarer Job und niemand mag dich wirklich. Sie haben aber auch immer ihre eigenen Ideen. Beim Rad Check-In wurde bei anderen Wettkämpfen schon intensiv die Bremse geprüft, das TÜV Siegel des Helms kontrolliert oder der Lenker bemängelt. Aber dass die Teiler der Helmgurte direkt unter die Ohren gehören, hat mir bisher niemand gesagt. Okay, er war freundlich, konnte das logisch begründen und dann macht man das halt auch gerne.

Ich hab mal gelernt, dass man bei einem Rad in der Wechselzone etwas Luft aus den Reifen lassen soll. Zu groß ist die Gefahr, dass die Reifen in der Sonne warm werden und platzen. So mache ich das, so machen die meisten Triathleten das. Andere nehmen ihr Rad aus dem kühlen Auto und pumpen die Reifen noch mal extra stramm, bevor sie es in die Wechselzone stellen. Ich hoffe, dass das nicht zu einem platten Reifen geführt hat.

Wettkampfbesprechungen erbringen meistens nicht wirklich besondere Neuigkeiten, trotzdem werde ich Menschen nie verstehen, die diese 20 Minuten nicht investieren und dann am Sonntag Morgen Fragen stellen, die sie da beantwortet bekämen.

Gut fand ich, dass man zwei Detailfragen als „wir nehmen uns jedes Jahr Punkte vor in denen wir besser werden wollen“ herausstellte. Diesmal rechts fahren auf der Radstrecke (hat gut geklappt) und Müll nur in den Müllzonen wegwerfen (hat besser geklappt, als bei anderen Triathlons, von gut geklappt ist man jedoch weiterhin weit entfernt).

Und um das ganze ein bisschen aufregender zu gestalten, passierte mir das, was man absolut nicht will. Meine Cleats gingen kaputt. Neue gekauft, schnell gewechselt, wird schon passen.

Der Renntag

Unser persönliches Taxi brachte mich und M. an den Start. Dort ein großes Hallo, viele bekannte Gesichter, unser Abteilungselmo, viele Menschen, die einen – positiv – auf die FCSP Triathlon Sachen ansprachen und eine freudig nervöse Stimmung. Die Einzelstarter*innen sprangen schon von einer Kanone gestartet nach und nach ins Wasser und wir warteten auf unseren Einsatz.

Die Wechselzone war bei den Rädern und das hat trotz Enge auch fair und gut geklappt. Jeder nahm Rücksicht und verlangsamte im Notfall auch mal sein Tempo. Außer dem Einen den es leider immer gibt.

M. sprang ins Wasser und war viel schneller wieder da, als geplant. Da hatte ich gerade erst mit meinen letzten Vorbereitungen abgeschlossen. Wow! Was für eine Zeit. Toll gemacht!

Und damit begann für ihn das lange Warten und für mich der wilde Ritt

Auf dem Rad

Die Radstrecke in Roth ist schön und abwechselungsreich. Man fährt über den Kanal, guckt sich die letzten Schwimmer von oben an und dann geht es auch gleich in einen Teil, der richtig schnell ist. Das Tacho springt auf beinahe 40 KM und man fühlt sich gut. Kurve über die Schleuse. Da ist es etwas holperig, was einigen Teilnehmern Trinkflasche und/ oder Verpflegung kostete. Leute, das Warnschild steht da nicht von ungefähr.

Dann geht es irgendwann bergauf und ich kann euch sagen, dass ich keine Bergziege mehr werde. Wo eben noch 35 stand, stand dann plötzlich 15.

Viele schnellere flogen an mir vorbei, aber alle gesittet, alle mit Rücksicht, da bin ich ganz andere Dinge gewöhnt. Auch an mir vorbei flog der Abteilungselmo. Ich hatte noch gewitzelt, dass ich meine Führung ob seines etwas langsameren Schwimmers auskosten werde. Nun ja, sie hatte 7 KM Bestand.

Mit der europäischen Wasserscheide ist der erste große Anstieg vollendet und dann geht es erstmal bergab und es folgt eine lange Raserstrecke. Wieder sprang mein Tacho auf 37 km. 5 km in 8:14 radel ich sonst nicht wirklich. Enden tut dieser Spaß in Greding. Denn da wartet er, der Horroranstieg. Beim ersten Mal bin ich da noch halbwegs vernünftig hochgekommen, beim zweiten Mal wird der entsprechende 5 KM Abschnitt mit 19 Minuten ausgewiesen. Und auf beiden Runden passierte mir an dieser Stelle irgendwas. Runde 1 kam ich bis ganz oben ohne Probleme, wollte mich gerade in die folgende Abfahrt stürzen, als ein stechendes Insekt (Biene? Wespe?) meinte unbedingt in Richtung meines Munds fliegen zu müssen. Glücklicherweise knapp verfehlt, so dass der große sofort anschwellende Stich in der Lippe war und nicht im Mundraum. War zwar nervig, aber nicht weiter schlimm und die Schwellung ging auch irgendwann zurück.

Auf der zweiten Runde fiel mir dann eine Füllung aus dem Zahn. Zum Glück in einer „Trash Zone“, so dass ich den Müll ordnungsgemäß sofort ausspucken konnte.

Die zweite Runde hatte sowieso ihre Herausforderungen. Klar, die Beine werden schwerer, aber das war alles noch im grünen Bereich. Ernährung klappte auch. Es kam nur Wind auf. Und ich lebe ja auf dem Rad nach dem Prinzip, dass mich Wind nicht stört und auch Hügel nicht stören. Gestört fühle ich mich ich erst, wenn beides gleichzeitig vorhanden ist. Und natürlich kam der Wind einem dann entgegen, wenn es leicht bergauf ging und man nicht in einem Waldstück war, sondern auf freiem Feld. Das kostete dann doch Körner, so dass meine persönliche Traumzeit von 6:45 schnell illusorisch wurde.

Ein paar Worte noch zu dem Mythos „Solarer Berg“. Häufig ist es ja so, dass solche Stimmungsnester vollkommen überbewertet sind, dass für langsame Teilnehmer*innen wie meiner Einer dort wenig Stimmung ist und die Party schon vorbei ist, wenn man da ankommt. Nicht so am Solarer Berg. In Runde 1 gab es das volle L’Alpe d’Huez Feeling, mit Zuschauer*innen, die einem direkt ins Ohr brüllen und leider auch mit einem Teilnehmer, der meinte waghalsig rechts überholen zu müssen. Auf der zweiten Runde waren die Zuschauerreihen dann natürlich ausgedünnt, aber es fanden sich immer noch zwei Teenager*innen, die mich mit voller Begeisterung den Solarer Berg hoch brüllten. Leute, wer hier keine Gänsehaut als Teilnehme*in hat, hat kein Herz.

Freude und Freunde am Solarer Berg

Die zweite Runde war für mich natürlich relativ einsam. Ich sammelte sehr langsame Einzelstarter*innen ein, die wahrscheinlich meistens nicht mehr ins Ziel gekommen sind. Mal überholte mich eine Staffel, mal überholte ich eine Staffel. Es gab am Ende deutlich langsamere Radzeiten. Der Veranstalter lies an einigen Stellen wieder Verkehr zu, was grundsätzlich in Ordnung ist. Den meisten Autofahrer*innen war auch komplett klar, dass sie da in ein Rennen fahren und sie verhielten sich sehr defensiv und mit großen Abständen. Was sie auch von den Posten bei Einfahrt auf die Strecke wohl mitgeteilt bekamen. Denn wenn ich an einem solchen Posten vorbei kam, redete der mit der/ dem Autofahrer*in, der/die mich dann kurze Zeit später überholte. Wie schon gesagt, alles okay, alles gut. Der eine Fahrer, der wieder meinte, dass dies alles für ihn nicht gelte und eine Teilnehmerin knapp überholte, als sie mich gerade überholte, der bekam von ihr aber alle österreichischen (?) Schimpfworte die es gibt an den Kopf geknallt. Sie fuhr schimpfend an mir vorbei und als sie an mir vorbei war, sagte sie plötzlich „Oh, äh ja und dir viel Glück und eine gute Fahrt“. Ich musste lachen.

Die letzten Kilometer ging es noch mal abwärts. Also Gas geben. Vollgas. Am ehemaligen Schwimmstart vorbei, von dem 6 Stunden später nichts mehr übrig war und rein nach Roth. Wir hatten ja nur ein Ziel: Ankommen. Und dafür muss man halt die Cut Offs schaffen. 2:15 nach dem Schwimmen? Da hatten wir sehr viel Vorsprung drauf. 8:45 nach Schwimmen und Radfahren? Da hatten wir immer noch gut eine halbe Stunde drauf.

Ich übergab also an die rennende Schwester, die nun bis 21:10 Ortszeit bei KM 30 sein musste. Kein Problem.

Das Warten

Aber ich kann euch sagen: Wenn man nun wartet, dann wird man nervöser, als wenn man selber irgendwas macht. Sie fing gut an, ihr normales Tempo und wir guckten gespannt auf den Ticker. Bis KM 25,9 ist alles im Lack. Und dann meldet der Ticker plötzlich den Durchgang bei KM 30 nicht.

Wir hatten uns bei einer Pizzeria an der Strecke eingemietet, bezogen dort Verpflegung, wurden Verpflegung für die örtlichen Mücken und guckten immer nervöser auf unsere Handys. 20:58 Uhr dann die erlösende Mitteilung: Sie war durch. Dieser Cut Off war geschafft. Aber sie war langsam. 1:45 blieben für die letzten KM. Wir bei Kilometer 31 sitzend warteten. Und dann kam sie. Krämpfe hatten sie erwischt! Im Nachhinein war wohl der nicht selbstbestimmte Startzeitpunkt und zu wenig Salzaufnahme Schuld, aber so etwas passiert selbst der erfahrensten Athletin. Kurz Mut gemacht, ihr gezeigt, dass sie nun Zeit ohne Ende hat, ihr einen Schluck Alsterwasser (Elektrolyte sind wichtig!) gereicht und schon verschwand sie wieder im Getümmel. Nun hieß es warten. Die Zeiten stabilisierten sich und damit sollte das eigentlich alles klappen, wenn nun nicht noch irgendwas passiert. Was man bei Krämpfen nie weiß.

Aber das ist eben auch der Vorteil einer erfahrenen Marathonläuferin, wenn es nicht läuft, dann geht es halt irgendwie.

Direkt am Stadioneingang warteten M. und ich auf sie. Ich mag meine Schwester sehr und freue mich immer sie zu sehen. Aber so doll hab ich mich lange nicht gefreut sie zu sehen.

Was nun folgt war ein Traum. Wir liefen in das Stadion der Challenge Roth ein. Wir versuchten dabei Einzelstarter entweder vor zu lassen oder genügend Abstand auf sie zu gewinnen. Jeder soll hier seinen Moment haben. Die Finishline Party in vollem Gang und hier wird Mensch von einem Stadion mit unzähligen tauschend Menschen drin begrüßt, als ob man gerade Weltmeister*in geworden ist. Auch wir. WOW! Leute, das ist ein unfassbares Gefühl und das war auch den gesamten Preis wert.

Im Ziel dann erstmal um unsere Läuferin kümmern. Was zu trinken besorgen. Was bekommt man da als Erstes? Sekt! Egal! Rein damit. Auf uns.

Danach kurze Verpflegungsaufnahme und dann die von Krämpfen geschüttelte Läuferin nach Hause bringen. Das Feuerwerk noch vom Auto aus gesehen, beim Einsteigen noch einen Horrorkrampf bei ihr bekämpft und schnell zu unseren wartenden Gastgeber*innen, die auch noch Jubeltörtchen vorbereitet hatten.

Fazit

Am Ende landeten wir auf Platz 306 von 307 ins Ziel gekommenen Mixstaffeln. Ja und? Gewinnen tun wir in unserem Leben sowieso nix mehr und angekommen sind wir.

Ja, diese Veranstaltung ist teuer. ABER ich habe noch nie so viele Dixie-Klos bei einer Veranstaltung gesehen. Wenn ich nicht darüber meckere, dass das zu wenig sind, dann sind es wirklich endlich mal ausreichend viele. Ich habe noch nie eine so gut organisierte Veranstaltung erlebt. Hier weiß jedes Rädchen was es zu tun hat. Und man kann es nur noch einmal wiederholen: Die Helfer*innen sind einzigartig.

Wie man das alleine macht so eine Volldistanz ist mir immer noch komplett schleierhaft, auch wenn ich schon mehrfach die Hälfte absolviert habe. Meinen höchsten Respekt hat jeder Mensch, der dies als Einzelstarter*in abreißt.

Machen wir das noch mal? Fragt uns in 5 Jahren noch einmal. Mach ich so etwas mal als Einzelstarter*in? Fragt mich mit deutlich weniger Kilos nochmal.

Fahr ich nun nach Almere, mache genau die Hälfte und muss dafür dann wieder selber schwimmen und laufen? Aber natürlich! Da gibt es wenigstens garantiert keine Hügel.

Jul 042019
 

Wir haben gerade erfahren, dass unser Lieblingsgetränkelieferant verstorben ist. So sitzen wir nun auf dem Trockenen ohne dich, Hans-Werner.

Hans-Werner war eine Seele von Mensch. Es gibt wohl keine Institution in der FCSP Fanszene, die nicht von ihm Getränke bezogen hat.

Auch unsere 10 Jahres-Feier letztes Jahr hat er natürlich beliefert.

Mit wenigen Worten verstand man sich, auch abseitige Wünsche wurden irgendwie ermöglicht. Zwar immer mit ein bisschen Chaos, aber auch mit viel Herzblut für die Sache. Aber das war nur die geschäftliche Seite, viel wichtiger war der Mensch.

Tief verwurzelt in der linken Szene und früher Förderer von alternativen Getränkeherstellern. Fragt mal die Menschen von Premiumcola. Dazu hochsympathisch und eigentlich nie schlecht gelaunt. Und nie in Hektik. Selbst wenn der Zug in 5 Minuten fahren sollte und wir alle schon am durchdrehen waren. Ja diese tiefe Geduld konnte einen wahnsinnig machen. Aber das war eben Hans-Werner und so musste man ihn lieben.

Das und du wirst uns fehlen. Wo auch immer du bist, wir trinken eine Flora Mate auf dich.

Jul 012019
 

… möglichst viel Reichweite geben. Alle hin da!

Wichtiger Nachtrag von den Seglern: +++ WICHTIG: ORTSWECHSEL +++

Aufgrund der medialen Reaktionen ist nicht damit zu rechnen, dass wir morgen im kleinen Kreis bleiben werden 😉

–> Wir treffen uns daher auf der SCHWANENWIKWIESE und segeln rund um die Tonne 1 <–

Bitte weitersagen und teilen! Danke! #fcsp

Jun 122019
 

 

Vorwort

Unser Senior war bei Rock im Park. Hier sein Bericht: 

 

Allgemein

 

Rockfestivals sind aus vielen Gesichtspunkten problematisch. Sie animieren sehr wild zum Alkoholtrinken, sie produzieren unfassbar viel Müll und ihre Nachhaltigkeit ist definitiv nicht gegeben. Sie ziehen Menschen an, die man einfach nur als „Stück Scheisse“ bezeichnen kann und sie sind abgöttisch teuer und kommerziell. UPS, hab ich nun gerade Fußball beschrieben?

 

Und trotzdem sind sie für uns seit 2003 eine willkommene dreitägige Flucht aus dem Alltag. Mit Musik, Radler und ganz viel Spaß. Dies war das 13. Rock im Park, was ich mit meiner Gastgeberin besucht habe. In der Zwischenzeit sind wir alt geworden, haben Teddys und Kinder in die Welt gesetzt, haben Keller ausgeschippt und sind doch immer wieder hin gegangen. Diesmal nach einem Jahr Pause.

 

Es ist eine Parallelwelt, die viele kritische Seiten hat, die ich gleich beleuchten werde, aber sie ist eben auch ein persönlicher Fluchtpunkt.

 

Oder wie es die Betroffenheitsband für weiße Mittvierziger (Kettcar) mal so schön formulierte:

 

„also haltet euch fest und trocknet die augen

hier verliert keiner, keiner den glauben

man lässt nie los, was man liebt

war, ist, bleibt: immer musik“

 

Und damit sind wir eigentlich auch schon beim ersten Problem

 

Rockmusik und Frauen

 

Es ist ein elend. Rockmusik ist in weitesten Teilen weiß und männlich. Und zwar alt, weiß, männlich. Headliner, deren Bandgeschichte nach der Jahrtausendwende begonnen hat, sucht man vergeblich. Die diesjährigen Headliner-Bands des Festivals sind 1982, 1990 und 1995 gegründet. Neue Einflüsse gibt es fast gar nicht. Die Festivalmacher versuchen dies teilweise damit zu umgehen, dass halt auch HipHop und Elektro einen Platz auf diesem Rockfestival findet, aber da meistens deutsche Acts.

 

Und auch diesen ist eines gemeinsam: Abgesehen von der Backgroundsängerin sind sie meistens männlich.

 

Das liegt zum einen am Publikum, denn wie häufig hab ich mir auch schon anhören müssen, dass Person XYZ Frauenstimmen nicht mag (Ja, viel zu häufig auch schon von Frauen gehört. Das dies kompletter Bullshit ist, wissen wir alle.), es liegt aber auch an den Veranstaltern, die null darauf achten, Frauen zu buchen. Dabei gibt es sie. Im Rockgeschäft ebenso wie im deutschen HipHop und Elektro.

Auch an Instrumenten. Siehe z.B. Broilers. Und nur wenn man solche bucht und ihnen die Gelegenheit gibt vor einem größeren Publikum zu performen, nur dann werden sie auch mal Headliner Größe erreichen. Und Platz auf der Bühne ist da. Die Band die um 14 Uhr performt ist für den Erfolg des Festivals wenig ausschlaggebend. Sie wird aber immer ihr dankbares Publikum finden. Denn so sind Festivals nunmal. 

 

Einige Festivals achten darauf, dass sie Frauen buchen. Im Kleinen sei hier mal das Wutzrock genannt, was sehr darauf achtet. Aber auch größere kommerzielle Festivals haben da eine bessere Ausgewogenheit als z.B. Rock im Park. 

 

Leider wird das beim Veranstalter weiterhin auf taube Ohren stoßen. Man verpflichtet halt lieber weiterhin irgendwelche ekeligen Straßenbanden Mitglieder, als mal klare Kante zu zeigen.

 

Es wäre zu begrüßen, wenn da mehr Frauen auf der Bühne stehen. Und zwar nicht nur als Backgroundsängerin. Es würde auch dazu führen, dass eben nicht nur Jungs sich die Gitarre greifen. Wird dies den Roggnroll retten? Wahrscheinlich nicht. Zu ausgelutscht sind seine Pfade. Wird es den Pfad aber vielleicht ein bisschen wieder aktualisieren und Mensch besser repräsentieren? Definitiv!

 

Funfact dabei: Die Menschen, die für die Rock im Park App die Bandtexte geschrieben haben, ist die Männereinheitssauce selber schon aufgefallen. Siehe Screenshot:

 Das der Text sonst eine fürchterliche Ansammlung sprachlicher Klischees ist, merkt ihr selber, oder?

 

 

Sowieso politische Korrektheit

 

Seien wir ehrlich: Das Roggnroll Business ist weit von einer auch nur geringen politischen Korrektheit entfernt. Das fängt bei Texten an, geht über Handlungen von Musikern weiter und endet bei einer kompletten Unsensibilität von Festivalorganisatoren.

 

Es ist schön, wenn Casper nach Marterias Spruch, dass sich nun alle knutschen sollen, erwähnt, dass die natürlich nur für den gelte, der wolle. Es ist schön, wenn der Wetterhinweis am Freitagabend mit „kuschelt doch durch den Regen, aber vorher nach Erlaubnis fragen!“ ergänzt wird. Aber das sind kleinste Taschenlampen in einem sehr großem sehr dunklen Raum. Das beginnt mit Volltrotteln, die sich „Triebtäter“ auf Westen schreiben, es geht über Volltrottel die sich „Me too… Please?“ auf ein Shirt schreiben. Natürlich alles Typen. 

 

Es geht weiter über einen Ordnungsdienst, der zumindest am Einlass und auch an den Bühnen zwar auffällig freundlich agierte, aber der eben auch Mitglieder mit tätowierter „Schwarzer Sonne“ und komischen „Unbeugsam“ Fischerhüten beschäftigt. Nur falls ihr euch gefragt habt, warum der Ordnungsdienst solche Shirts nicht kontrolliert. Deswegen.

 

Und es endet damit, dass Männer irgendwie ihr Shirt ab 10 Grad Plus von ihrer Hühnerbrust nehmen müssen. Auf der Bühne langsam eine Seltenheit, im Publikum leider nicht. Neben allen anderen Gründen ist so eine schwitzige Männerbrust im Gedrängel nebenbei echt unschön. Für euch getestet. 

 

Die Rockwelt hat hier viele Dinge aufzuarbeiten, dabei sollte doch gerade sie die Welt sein, die Vorbild und Antriebsmotor ist. Sie war es schon in genügend anderen Dingen. Auch hier müssen Veranstalter echt umdenken.

 

Genauso absurd: Typen, die Böhse Onkelz Tätowierungen mit Ärzte Merch kombinieren. Was genau hast du nicht verstanden, Digga?

 

 

Klos

 

Es ist ein widerkehrendes Thema seitdem wir zu Rock im Park gehen. Genügend Toiletten sind Gold wert. Dieses Jahr hatte man wohl geplant mit deutlich weniger auszukommen, als sonst. Das musste schief gehen. Dazu sind einige Gerätschaften sofort kaputt gegangen. Gerüchten zu Folge aufgrund eines falschen Anschluss. Immerhin und das muss dann auch lobend erwähnt werden, man hat aggressiv auf den Missstand reagiert und ab Samstag stand an ungefähr jeder Ecke ein Dixie.

 

 

 

Es gibt aber auch positive Dinge

Die Anzahl der – gerade deutschen- Bands, die sich sehr deutlich politisch positionieren ist lobenswert hoch. Und das sollte auch „die Jugend“ erreichen und zum nachdenken anleiten. Die Junge Union verteilte nebenbei auf dem Festival Kondome (!!!). Sie und die Jusos waren die beiden einzigen vertretenen parteipolitischen Jugendorganisationen.

 

Das Angebot an Essen hat sich deutlich verbreitert und wir haben in den drei Tagen auch immer was essbares zu halbwegs vernünftigen Preisen gefunden. Billig ist das alles nicht, aber halbes Hähnchen mit Krautsalat für 6,50 ist erstmal okay.

 

Die Musik

 

Und damit wären wir bei der Musik. Es folgt ein Kurzeindruck aller halbwegs gesehenen Bands. Das ist natürlich rein subjektiv und genau deine Lieblingsband finde ich natürlich zu Unrecht vollkommen Scheiße! Ich hab sowieso keine Ahnung von Musik. Und Speedmetal konnte ich noch nie von Trashmetal unterscheiden. 

 

Mit einer Ausnahme ist das Thema „die Künstler sind ziemliche Volltrottel“ ausgelassen. Es gibt auf der Liste aber auch noch zwei, drei andere Bands, welche die Rubrik „Kontroversen“ auf Wikipedia nicht zu Unrecht füllen. Checkt so etwas aus, bevor ihr Fan werdet. Da hat ja auch jeder seinen persönlichen Toleranzbereich, den ich euch garantiert nicht vorgeben möchte. 

 

Freitag 

 

Seiler und Speer

Österreicher. Ich verstehe kein Wort. Musik geht aber ins Tanzbein. Die kommentieren politisch eher durchs Knopfloch mit einem Lied über Polizisten und „Going to Ibiza“ nach dem letzen Song. Machten Laune, werden aber wahrscheinlich nie nördlicher als Würzburg etwas werden. 

 

Feine Sahne Fischfilet

Du bekommst die Leute aus dem Dorf, aber das Dorf nicht aus den Leuten (frei nach Thees). Es gibt aus einer urbanen linken Sicht wahrscheinlich 50 Millionen Argumente gegen Band, handelnde Personen und Musik. Aber insgesamt ist schmissigere Punk mit klaren politischen Ansagen, etwas was Menschen erreicht, wo Adorno nicht hin kommt. Und das können die. Und sie formulieren Sätze wie “in was für Flüssen ihr hier schwimmen müsst, kommt mal ans Meer!” das ist was für die norddeutsche Seele. Und auf so einem Festival geht solche Musik immer. 

 

Dropkick Murphys

 

“Das sind voll die Prolls, die gehen gar nicht” “Mir egal ob die Prolls sind, die hauen Nazis!” (Legendäre Facebook Diskussion)

 

Gesehen habe ich sie. Gehört nicht. Absolut mieser Sound, Instrumente nicht zu erkennen, daher ohne Wertung. Die hatten Stauprobleme und wurden auf einen anderen Termin geschoben und erwähnten, dass sie trotzdem in Hast aufbauen mussten. Insofern kein Vorwurf. Schade war es trotzdem. 

 

Die Ärzte

 

Drei alte Herren rocken. Und haben sichtlich Spaß dran. Laberten nicht so unfassbar viel wie bei anderen Auftritten, die ich von ihnen sah. Und sofort wird es unterhaltsamer.  Bemerkenswert: Das Publikum hatte bei uralten Liedern (z.B. “Zu spät”) Textprobleme. Und das obwohl auch Menschen anwesend waren, die schon die erste Platte nicht mehr als Teenager gekauft hatten.

 

Die Antwoord

Es war eine Erfahrung. Ich weiß nur nicht, ob eine Gute. Eine der wenigen weiblichen Künstlerinnen (siehe Exkurs). Die Arbeiten massiv mit Stimmverfremdungen und Effekten, die Musik ist tanzbar, das gerollte R der beiden Südafrikaner (auch mal außergewöhnlich) trifft mein Dialekt Herz. Aber irgendwie ist das auch SEHR abgedreht und befremdlich. Und dabei sind die Penismännchen, die zwischendurch den grafischen Hintergrund bilden noch das am wenigsten befremdliche.

 

Samstag 

Adam Angst

 

Wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man Songwriter Musik oder Punk machen will, dann macht man halt Songwriterpunk. Aber der geht gut ab und eine sehr gut gefüllte Alternastage hatte ihren Spaß.

 

Kontra K

 

Ganz große Warnung! Der Typ geht gar nicht. Siehe z.B. diesen Artikel hier.

 

Aber in dem Artikel steht auch der Grund, warum ich mir den angesehen habe. Die Jugend (TM) hört den. Und man kann sich auch vorstellen warum. Eingänge Melodien, gut ausgearbeiteter HipHop, wenn auch ohne Ecken und Kanten. Aber alleine das Mikro in Schlagring Optik und diese Straßengangster Attitüde ist aber nun so gar nix für mich.

 

Tenacious D

 

Man sieht das beide Schauspieler sind. Können eine Bühne ohne viel Beiwerk füllen und haben augenscheinlich Spaß auf der Bühne. Spielen eingängigen Rock und werden von einer handwerklich perfekten Begleitband unterstütz. Launeband die perfekt für ein Festival ist. Auf Platte wirkt das wahrscheinlich null. 

 

Bastille

 

Die Hits kennt ihr. Die anderen Lieder stellt euch so ähnlich, aber etwas weniger Massenkompatibel vor. Nett aber nicht etwas an das ich mich in 10 Jahren noch erinnere. Ihr Konzert war per Grafiken in drei Akte eingeteilt, das ganze sollte wohl eine Nacht in drei Teilen darstellen.  Bemerkenswert: Jedes Bandmitglied singt.

 

Marteria & Casper

 

Elo meinte mal, dass die beiden wie ein altes Ehepaar seien. Und das fasst die Stimmung auf der Bühne zusammen. Ein sehr verliebtes altes Ehepaar. Das Konzert? Neudeutsch ein kompletter Abriss. Mischung aus gemeinsamen Songs und Hits, die sie jeweils einzeln verbrochen hatten. Wir standen relativ weit vorne und einmal liefen die direkt an uns vorbei. 

 

Sonntag 

 

Halestorm

 

Es besteht noch Hoffnung für diese Welt! Denn entgegen aller anderer Behauptungen gibt es ihn noch, den klassischen Amihardrock mit fetter Rockröhrenstimme der Frontfrau. Bruder und Schwester machen zusammen Musik, seitdem sie 10 und 13 sind. Und das hört man. Perfekt eingespielt, der Schlagzeuger ist ein echter Entertainer und Schnuckelchen. Machte wirklich Laune und eine perfekte Festivalband.

 

Alice in Chains

 

Ich verstehe ja warum Menschen auf dieses hirnzersetzende Brett mit Monsterstimme stehen, bei mir kam das noch nie an. Diese Beziehung ist gescheitert und es liegt eindeutig an mir. Fans wird der Auftritt gefallen haben.

 

Foals

 

Britpop! Muss man mehr schreiben? Tanzbar, schöne Stimme, aber auch nix was nicht aus den 30000 anderen Britpop Bands heraus sticht.

 

Smashing Pumpkins

 

Sperrig, ein Redner oder Entertainer wird er nicht mehr, aber ich mag die. Und “die Hits” spielten sie auch.

 

Und danach waren wir platt. „Wir sind zu alt für den Scheiß“ ist unser Motto seit 2003.

 

Fazit

 

Danke an meine Gastgeber. Wie jedes Jahr wart ihr toll. Und lustigerweise sehen wir uns bald schon zum nächsten Abenteuer im Frankenland.

 

Bis zum nächsten Jahr

 

 

Jun 042019
 

Höher, besser weiter

  • Die meisten Spiele: Himmelmann & Möller-Dæhli (je 32), gefolgt von Knoll (30) und Buballa (27)
  • Die meisten Spielminuten: Himmelmann (3049), gefolgt von Knoll (2729) und Möller-Dæhli (2639)
  • Am weitesten gelaufen: Möller-Dæhli (334 km), gefolgt von Knoll (327) und Buballa (266)
  • Am weitesten gelaufen je Spiel: Coordes (11.6) gefolgt von Möller-Dæhli (11.4), Nehrig und Becker (11.0)
  • Die meisten Tore: Diamantakos (7), gefolgt von Veerman & Meier (je 6)
  • Die meisten Torschüsse: Buchtmann (47), gefolgt von Knoll (44) und Veerman (39)
  • Die meisten Torschüsse aufs Tor: Veerman (13), Buchtmann (12), Knoll (11)
  • Die besten Spieler – nach WhoScored: Kalla (7.33), gefolgt von Knoll (7.27) und Veerman (7.17)
  • Die schlechtesten Spieler – nach WhoScored: Koglin (5.85), gefolgt von Schneider (6.09) und Park (6.34)
  • Die besten Spieler – nach Kicker-Note: Brodersen (2.50), gefolgt von Veerman (2.96) und Himmelmann (3.02)
  • Die schlechtesten Spieler – nach Kicker-Note: Park (4.33), gefolgt von Schneider und Koglin (6.00)
  • Die meisten Fouls haben begangen: Miyaichi (40), gefolgt von Buchtmann (37) und Buballa (32)
  • Am meisten gefoult wurden: Dudziak (54), gefolgt von Knoll (51) und Möller-Dæhli (44)
  • Am meisten im Abseits stand Allagui (29), gefolgt von Diamantakos (10) und Meier (7)
  • Die meisten gelben Karten gingen an Flum (8), gefolgt von Buchtmann (6) und Ziereis und Miyaichi (je 5)

Die Analyse

Gute Spieler spielten wenig

Kurz vorweg: Wenn im Folgenden von führenden Spielern in der zweiten Liga oder Top 10 in der zweiten Liga etc. die Rede ist, dann sind in dieser Liste immer nur Spieler mit einer Mindesanzahl an Einsätzen gemeint. WhoScored definiert dies als mehr Einsätze, als ein durchschnittlicher Zweitligaspieler gehabt hat. Insgesamt gibt es laut WhoScored 254 (von 491) solcher Spieler.

Wenn man nach den durchschnittlichen WhoScored-Noten geht, dann kommen von unseren zehn besten Spielern nur 4 überhaupt auf über 20 Einsätze. Und von diesen vier Spielern kommen zwei so gerade eben über 20 Einsätze (Buchtmann mit 24 und Dudziak mit 24). Nur ein Spieler aus dieser Gruppe kommt auf über 30 Einsätze (Mats mit 32 Einsätzen, Knoll hat genau 30). Unter diesen Top 10 ist aber auch nur ein Spieler mit weniger als 10 Einsätzen (Brodersen), so dass dies auch nicht Spieler mit einmaliger Topleistung sind, die da in die Top 10 gedrängt haben (Brodersen mal außen vor). Nr. 11 auf der Liste wäre Alex Meier, der mit 16 Einsätzen nichts an diesen Feststellungen ändern würde. Nr. 12 wäre Daniel Buballa, der mit 27 Einsätzen immerhin über 20 hat.

Etwas vereinfacht kann man sagen, dass wir selten unsere beste 11 wirklich auf den Platz bringen konnten.
Kalla wäre bei genügend Spielen der neuntbeste Spieler der 2. Liga, Knoll ist der elftbeste Spieler der 2. Liga (wäre der vierzehntbeste, wenn auch obige Regel zu Mindesteinsätzen nicht gelten würde), Veerman wäre der 27.-beste Spieler. Es ist also nicht so, dass wir nicht wirkliche Top-Spieler der zweiten Liga hätten. Und man bedenke, dass die in der Hinrunde alle noch bessere Werte haben. Mats als unsere Nr. 4 ist dann aber schon nur noch Platz 83 von 254 Spielern in der zweiten Liga.

Schneider und Koglin wären hinter dem 254. einzuordnen, Park irgendwo bei Platz 250. Kurz: Nach diesen Zahlen ist es nur verständlich, dass man Schneider und Koglin abgegeben hat.

Und als Vergleichswert sicher spannend, die Aufsteiger haben 6 Spieler unter den Top10. Unter den Top50 befinden sich 8 Kölner Spieler, 7 Paderborner und 4 Unioner. Und ein St. Paulianer….

Viel laufen, wenig Zählbares?

Mats ist eine Rennmaschine. Gefühlt gehen trotzdem viele seiner Aktionen am Ende im Nichts unter. Das stimmt laut WhoScored nur bedingt. Vier Assists sind immerhin Platz 2 beim FCSP, einsam an der Spitze ist hier Marvin Knoll (Sieben, das werden auch viele Standards sein. vier Assists weist auch Veerman auf)

Whoscored hat auch noch eine Statistik über Key Passes und definiert die wie folgt: “The final pass leading to a shot at goal from a teammate”

Hier sind Buchtmann und Mats mit 1,5 solcher Pässe pro Spiel auf Platz 2 des Teams. Finn Becker mit 1,8 auf Platz 1. Das wir hier auch Nachholbedarf als Verein haben, zeigt sich daran, dass der beste Spieler in der zweiten Liga in dieser Wertung 2,9 „Key Passes“ pro Spiel abliefert (Philipp Klement), Paderborn und Köln haben jeweils zwei Spieler in dieser Statistik in den Top 10 und das passt ja auch zu den sehr guten Offensiven beider Vereine. Bemerkenswert unter den Top 10 sind Kevin Wolze aus Duisburg und Santos von den Rauten. Beide nicht gerade in Top-Offensiven unterwegs, aber in dieser Statistik weit mit vorne. Wenn wir das richtig sehen, ist Wolze irgendwo linker Außenbahnspieler und noch immer beim MSV Duisburg.

Vielleicht haben wir aber auch eine Verbesserung schon „in House“, denn Finn Ole Becker wäre in der Statistik immerhin unter den Top 10 mit seinen 1,8 Key Passes.

Passen ist nicht wirklich unser Ding

In der Liga haben 54 (wie oben erwähnt von 254 erfassten) eine Passquote über 80 Prozent. Davon spielen immerhin drei für uns. Zum Vergleich: Köln und die Freunde aus dem Volkspark haben alleine schon drei in den Top 10 mit einer Quote über 86 Prozent. Unser Bester ist Avevor mit 83 Prozent. Klar, Passquote ist nicht alles, aber das ist schon auffällig.

Mai 232019
 

Wir hatten schon mal ganz juristisch aufgearbeitet, wie schwierig ein Vereinsausschluss für unseren amtierenden Innensenator ist. Das gilt insbesondere auch deswegen, weil wir unsere Leitlinien, unsere „Werte“ so schwammig formuliert haben, dass wahrscheinlich selbst Alice Weidel sie nicht verletzten würde. Das mal zu ändern, ist wahrscheinlich mal die demokratische Aufgabe einer der nächsten JHVs.

Soweit so schlecht. Wir wollen uns trotzdem mal fragen, was der Typ eigentlich am Millerntor will und warum er sich da zu Hause fühlt. Viele seiner Vorstellungen sind einfach diametral entgegen unseren Vorstellungen der Werte des FCSP.

Neuster Ausfluss dieser Meinungen aus Absurdistan ist ein Interview mit dem Abendblatt und ein daraus folgender Tweet von Herrn Grote an Emily Laquer von der Interventionistischen Linken. Wir halten Herrn Grote zwar für gefährlicher als Frau Laquer, aber nun gut. Ein paar Statements aus dem Interview wollen wir aber nicht unkommentiert lassen, denn Fußball ist Politik und Politik ist Fußball und so ein prominentes Mitglied unseres Vereines hat Widerspruch zu bekommen, sonst schmückt er sich am Ende noch mit seiner Mitgliedschaft und tut so, als hätte er hier Unterstützung.

Thema des Interviews ist vordergründig 70 Jahre Grundgesetz, aber der Inhalt lässt einen schaudern.

Leider versäumen es Jens Meyer-Wellmann und Stephan Steinlein, die das Interview für das Abendblatt geführt haben nach seiner Verbindung zum FCSP zu fragen. Jungs, ihr habt da wirklich eine interessante Frage nicht gestellt: „Was halten sie eigentlich von Ultra Antifa, Rotsport und dem kommunistischem Propagandamedium des FCSP?“

„Wir dürfen mit den Werten der Verfassung nicht leichtfertig umgehen“ lässt sich Grote zitieren und man dürfe sich nicht heraussuchen, was einem gerade in das eigene Weltbild passt. Was macht Grote dann genau danach? Sich aus dem Grundgesetz das heraussuchen, was in sein Weltbild passt. Da wird die Eigentumsgarantie als wesentlicher Grundsatz verkauft, die im Grundgesetz vorgesehene Enteignung aber es wird als „gefährlich“ bezeichnet, wenn man davon mal ernsthaft Gebrauch machen will. Natürlich fragen die Interviewer nicht danach, wie denn Herr Grote Bayrische Hausbau, Wohnungsnot und Investorenträume zugunsten von Menschen ändern will. Schade eigentlich. Wir hätten gerne mal gelesen, was er denn so für Vorschläge hat.

Auch ist es für Herrn Grote gefährlich, wenn man Freiheitsrechte als Abwehrrechte betont (!), dann aber das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellt. Sorry, aber das klingt wie jemand, der das Grundgesetz nicht verstanden hat. Abwehrrechte sind für ihn anscheinend nur Gedöns und das staatliche Gewaltmonopol ist bitte weder zu hinterfragen, noch sind die Abwehrrechte von Bedeutung. Der Verfassungsschutz schützt laut Grote unsere Verfassung und ist erste Verteidigungslinie der Demokratie. Und Fehler passieren, daran dürfe man doch nicht die Wertung fest machen.
Oh ha, das ist mal eine spannende Ansicht. Also erstmal ist die erste Verteidigungslinie einer Demokratie garantiert keine polizeiliche oder polizeinahe Institution. Oder überhaupt eine staatliche Behörde. Die erste Verteidigungslinie einer Demokratie sind die Menschen und ihr demokratisches Engagement. Unten nach oben, nicht totalitär von oben nach unten ist eine Demokratie aufgebaut.

Wir zitieren hier Wikipedia:
„Der demokratische Gedanke bedarf einer Verwirklichung in der Gesellschaft. In Demokratien kann ein wesentlicher, wenn nicht der entscheidende Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung bei den Bürgern verortet werden. Dies entspricht schon dem Demokratieverständnis der Antike, als Marktplatz, Agora oder Forum bedeutende Orte der politischen Meinungsbildung waren. Aber auch entsprechend zahlreichen demokratietheoretischen Überlegungen der Gegenwart wird einer zivilgesellschaftlich verankerten politischen Öffentlichkeit zentrale Bedeutung als Bedingung funktionsfähiger Demokratie zugemessen. […]

Ein weiterer Maßstab für die demokratische Qualität des Staates ist sein Verständnis vom Menschen als Empfänger von Leistungen. Dass die staatlichen Verwaltungen kein Selbstzweck sind, sondern den Menschen dienen sollen, ist ein traditioneller Bestandteil der europäischen und speziell der deutschen Verwaltungskultur. Dennoch haben sich an vielen Stellen der Verwaltungen noch obrigkeitliche Vorstellungen erhalten, die mit dem Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat unvereinbar sind, weil sie nicht von den Wirkungen auf die Menschen her konzipiert sind“

Alles von hier.

Was Grote da ausdrückt ist eben genau diese obrigkeitliche Vorstellung, dass die Behörde lenkt und nicht die Bürger die Behörde.

Dass es sich beim Verfassungsschutz nicht um einzelne Fehler handelt, sondern der Fehler System ist, hat Anne Roth schon vor Jahren bei einem Vortrag für den Chaos Computer Congress verdeutlicht. Solltet ihr euch mal ansehen, den Vortrag.

Was Grote in dem Interview auch macht und was genauso obrigkeitlich und totalitär ist, dass er jede Meinung, die nicht seine eigene ist als „Extremismus“ brandmarkt oder in die Nähe von Extremisten stellt. Ganz großväterlich lobt er zwar Friday for Future und andere Dinge, aber all dies werde ja von Extremisten (natürlich links) unterlaufen und für diese Zwecke missbraucht. Früher sei die DKP ja nur mitgelaufen, nun würde das ja aktiv unterlaufen und dagegen müsse man sich ja wehren. Was für ein hahnebüchener Blödsinn. Es geht ihm in vielen Worten um eine Delegitimation von demokratischen Bewegungen durch Extremismusvorwurf.

Das ist die bereits aus Sachsen bekannte Demokratieklausel „wenn du uns nicht beweist, dass all deine Mitglieder Demokraten sind, dann bist du Extremist.“ Ach ja und wer Demokrat und wer Extremist ist, das bestimmen wir.

Natürlich fragen die Interviewer null nach, wie er denn inhaltlich zu diesen Bewegungen steht, die klassische Rechte aus dem Grundgesetz (Demorecht, Streikrecht etc.) benutzen. Als Repräsentant in einer Demokratie wäre es seine grundgesetzliche Aufgabe, sich damit auseinander zu setzen. Schade, dass dieser Bogen nicht geschlagen wird im Interview.

So ist für ihn bei der „Antifa“ eine extremistische Grundausrichtung vorherrschend. Er nennt Rechtsextremismus die derzeit größte Gefahr, verwendet dann aber von gut 2000 Wörtern in diesem Interview gerade einmal gut 50 Wörter zu diesem Thema.

Und beinah alle diese Wörter bilden Sätze, die mit „aber der Linksextremismus!!!“ enden. Dazu noch eine fröhliche Gleichsetzung der Linken (immerhin Koalitionspartner seiner Partei im
Bundesländern) und der AfD. Kurz: eine systematische Verharmlosung von rechten Tendenzen und viel Ausführungen dazu, wie schlimm der Linksextremismus denn nun sei. Namentlich werden diverse Gruppen in Hamburg als linksradikal (rechte Gruppen erwähnt er nicht, es wird nur die „Merkel muss weg“ Demo namentlich erwähnt, die AfD wird nur einmal in der Gleichsetzung mit der Linken erwähnt) gebrandmarkt, Gruppen von denen genügend Mitglieder ans Millerntor gehen und mit denen sich Institutionen des FCSP und seiner Fanszene schon mehrfach solidarisch gezeigt haben. Vollkommen zu Recht nebenbei. Schade, auch danach fragen die Interviewer nicht. Die Antworten hätten uns wirklich mal interessiert, auch gerade weil Herr Grote als Vereinsmitglied und Stadiongänger diese Solidarisierungen doch garantiert mitbekommen hat.

Natürlich haben die Interviewer nicht nach einer Definition von Linksextremismus oder auch Rechtsextremismus gefragt. Oder mal die ja nicht gerade leise Kritik an diesen Schubladen erwähnen.

Auch dies ist Schade, denn Grote wirft zwar allen anderen ein schwarz/weiss denken vor, aber er selber ist tief darin verwurzelt. Seine Denke ist undemokratisch und einem Grundgesetz nicht annähernd würdig.

Insgesamt ist es ein Interview eines Menschen, der in einer Welt lebt, die mit dem lebendigen, demokratischen, solidarischen und bunten Ideal, was für beim FCSP anstreben und was eigentlich auch dem Grundgesetz zugrunde liegt nichts zu tun hat.

Es wäre Zeit Herr Grote, dass sie das Millerntor meiden. Der FCSP ist sowieso ein Hort des Linksradikalismus, zumindest wenn man ihn definiert wie Sie. Und mit denen wollen Sie doch nicht gleichgesetzt werden?

In diesem Sinne: Happy Birthday Grundgesetz

Mai 222019
 

Der FCSP ist auf Amerika-Reise. Das ist gut so. Die amerikanischen Fanclubs sind ein sehr geliebter und aktiver Teil unserer weltweiten Gemeinschaft geworden und diese Basis kann und sollte ausgebaut werden. Nicht nur um die Ideen des FCSP noch weiter in die Welt zu verteilen, nein auch ganz klare böse kapitalistische Argumente spielen da eine Rolle. Hat der FCSP doch zwei große amerikanische Unternehmen als Sponsor (als wir das schrieben kam ein drittes hinzu) und mehr Merch in einem Land zu verkaufen, in dem mit Sportmerch ein riesiger Umsatz erzielt wird, erscheint uns auch eine gute Idee. Und wie man auch im MillernTon hören konnte: Die Reise im letzten Jahr hat auch ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Spieler den Verein besser verstehen und verstanden, was unseren FCSP so magisch macht.

Daher ist so eine Reise zu begrüßen und es ist zu begrüßen, dass zu so einer Reise auch niedrigschwellige Kontakte zwischen Spielern und amerikanischen Fans gehören. Das stärkt unsere Basis und das soll auch so sein.

Nun sind leider diese niedrigschwelligen Kontakte zu Hause in Hamburg rarer geworden. Testspiele „auf dem Dorf“ sind ebenso eine extreme Seltenheit geworden, wie Saisonabschlussfeiern vor dem Knust oder Auftritte auf Hafengeburtstagsbühnen.

Uns ist absolut klar, dass solche Auftritte gerade in Hamburg nicht immer nur eine reine Freude sind. Nicht jeder FCSP Fan ist respektvoll und entspannt und halbwegs nüchtern, wenn er auf Spieler trifft. Und das mag in den USA doch einfacher sein, wo tendenziell ein höherer Respekt vor Athleten vorhanden ist.

Trotzdem ist es sehr schade, dass es diese Gelegenheiten beinah nicht mehr gibt. Nächste Saison fällt selbst das Auftaktspiel am Millerntor weg, denn der FCSP bestreitet seinen jährlichen Härtetest nicht am Millerntor, sondern beim SC Heerenveen. So schön das für Freaks ist, auch hier geht der niedrigschwellige Kontakt für Kinder, Jugendliche und erwachsene Fans verloren.

Auch öffentliche Trainings werden – garantiert auch aus nachvollziehbaren sportlichen Erwägungen – seltener und noch eine weitere Möglichkeit fällt weg. Klar, es gibt Rabauken und andere Dinge, wo Spieler gerade mit Kindern interagieren, aber die meisten haben eine Einstiegshürde, die bei einer Abschlussfeier oder einer Auftaktfeier eben nicht gegeben ist.

Umso schöner ist es, wenn Schnecke die Jugend einpackt und mit ihr in den Sonderzug steigt. Das ist ja nun wirklich nicht die einfachste Art des Fankontaktes, denn 1000 mehr oder minder besoffene FCSPler sind nicht nur Spaß für nüchterne Fußballer, die gerade in der 92. Minuten noch das letzte Saisonspiel verloren haben, aber wir fanden das sehr schön. Und wenn sich dann auch noch ein Spieler wie Coordes beinah schüchtern bei jedem bedankt, der ihm sagt, wie sehr er sich freut, dass er bei der 1. Mannschaft spielt, dann geht einem das Herz auf. Man entwickelt Sympathien für einen Spieler und genau dafür sind diese kleinen Kontakte sehr wertvoll.

Ohne nun eine konkrete Idee zu haben, wie man diese Kontakte wieder vermehrt ermöglicht, ohne sportliche, finanzielle und logistische Erwägungen außer Acht zu lassen, würden wir uns freuen, wenn es in den nächsten Jahren wieder mehr solche kleinen Events in Hamburg und Umgebung geben würde. Zumal wir hoffnungslose Romantiker*innen sind und glauben, dass es durchaus auch einen Typ Spieler gibt, der diesen Kontakt mit den Fans vor Ort mag, und daraus sogar Energie und Motivation zieht.

Wir erinnern uns an eine der sehr zähen Saisons in der Regionalliga, als Morena als Kapitän das Mikrofon ergriff und sehr deutlich machte, was der Anspruch der Mannschaft war. Er scheute die enttäuschte Menge nicht, sprach sie direkt an und baute selber für sich und seine Mannschaft Druck auf. „Mutig“ dachten damals alle, die da waren. Und mutig spielte diese Truppe dann auch in den nächsten Jahren, wie wir alle jetzt wissen. Vielleicht braucht es genau so einen Moment mal wieder, um unsere Vereinslethargie aufzubrechen.