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Jul 102019
 

Vorgeschichte

Roth ist in der Triathlonwelt ein Mythos. Knapp hinter Hawaii wohl der Ort, der die Triathlonwelt am meisten elektrisiert. 87 verschiedene Nationen sind unter den ca. 6.000 Teilnehmenden (Staffeln und Einzelstarter). Da wir alle keine Volldistanzler*innen sind, entschlossen wir uns im Juli 2018, auf die schwierige Jagd nach einem Staffelplatz zu gehen. Wir hatten Glück, wir hatten das nötige Klein- und Großgeld (dazu später mehr) und damit waren wir angemeldet.

Leider fiel dann unsere planmäßige Schwimmerin verletzt aus. Das war doof. Wir hätten Dich gerne mitgenommen. Aber es hatte nicht solllen sein und wir fanden glücklicherweise schnell und problemlos in M. einen tollen Schwimmer und ein tolles Teammitglied.

Und so trainierten wir, der Tag rückte näher und die Aufregung stieg.

Vor dem Rennen

Wir hatten unsere fränkische Heimat gebucht und vorweg schon mal vielen Dank an die besten Menschen, die Franken zu bieten hat. Drei nervöse Triathleten plus Anhang und Teddys zu beherbergen benötigen viel Nerven. Danke, ihr wart wundervoll.

Freitag checkten die @sielaeuftde und ich die Messe. Da gibt es alles, was man braucht und was man nicht braucht. Natürlich zu tollen Messepreisen und trotzdem sauteuer. Wer da kein Geld ausgibt, der hat meinen höchsten Respekt für Selbstdisziplin. Ich hab diese Selbstdiszplin nicht und nenne nun einen neuen Helm und einen neuen Triathloneinteiler mein Eigen. Und nutzloses Merch wurde natürlich auch gekauft.

Wir hatten ja gedacht, dass man mit allen Staffelteilnehmern zur Anmeldung muss, aber weit gefehlt, muss man gar nicht. Wir sind daher erst Samstag gemeinsam hin gegangen. Ging aber schnell und unproblematisch. Hier begann ein Thema, was sich durch den ganzen Wettkampf zog. Die Helfer*innen in Roth sind absolut einzigartig. So etwas von freundlich, schnell und kompetent, egal an welcher Stelle man ihnen begegnet. Die Veranstalter*innen kleben Dankesplakate auf Werbeflächen, danken denen per Video und Social Media und das absolut zu Recht. Auch in der zweiten Runde der Radstrecke bekam man als langsamer Teilnehmender noch die gleiche Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie der schnellste Teilnehmer, der hier schon 5 Stunden vorher durchgefahren war.

Rad Check-In genau das gleiche Bild, vorbildlich organisiert. Ein Parkplatz auf dem man eingewiesen wird, also nicht das „jeder fährt irgendwo hin und alles suchen den perfekten Parkplatz“ Chaos, das sonst in Deutschland üblich ist. Mit einem Einbahnstraßensystem und einer großzügigen Ableitung auf eine andere Straße, kein Stau, kein Chaos und wenn doch mal jemand nicht nach den Regeln spielen wollte, dann wurde er von einem Feuerwehrmann/ einer Feuerwehrfrau böse angeguckt. Die örtliche Feuerwehr regelte das nämlich.

Wettkampfrichter*innen sind das wichtigste im Sport. Undankbarer Job und niemand mag dich wirklich. Sie haben aber auch immer ihre eigenen Ideen. Beim Rad Check-In wurde bei anderen Wettkämpfen schon intensiv die Bremse geprüft, das TÜV Siegel des Helms kontrolliert oder der Lenker bemängelt. Aber dass die Teiler der Helmgurte direkt unter die Ohren gehören, hat mir bisher niemand gesagt. Okay, er war freundlich, konnte das logisch begründen und dann macht man das halt auch gerne.

Ich hab mal gelernt, dass man bei einem Rad in der Wechselzone etwas Luft aus den Reifen lassen soll. Zu groß ist die Gefahr, dass die Reifen in der Sonne warm werden und platzen. So mache ich das, so machen die meisten Triathleten das. Andere nehmen ihr Rad aus dem kühlen Auto und pumpen die Reifen noch mal extra stramm, bevor sie es in die Wechselzone stellen. Ich hoffe, dass das nicht zu einem platten Reifen geführt hat.

Wettkampfbesprechungen erbringen meistens nicht wirklich besondere Neuigkeiten, trotzdem werde ich Menschen nie verstehen, die diese 20 Minuten nicht investieren und dann am Sonntag Morgen Fragen stellen, die sie da beantwortet bekämen.

Gut fand ich, dass man zwei Detailfragen als „wir nehmen uns jedes Jahr Punkte vor in denen wir besser werden wollen“ herausstellte. Diesmal rechts fahren auf der Radstrecke (hat gut geklappt) und Müll nur in den Müllzonen wegwerfen (hat besser geklappt, als bei anderen Triathlons, von gut geklappt ist man jedoch weiterhin weit entfernt).

Und um das ganze ein bisschen aufregender zu gestalten, passierte mir das, was man absolut nicht will. Meine Cleats gingen kaputt. Neue gekauft, schnell gewechselt, wird schon passen.

Der Renntag

Unser persönliches Taxi brachte mich und M. an den Start. Dort ein großes Hallo, viele bekannte Gesichter, unser Abteilungselmo, viele Menschen, die einen – positiv – auf die FCSP Triathlon Sachen ansprachen und eine freudig nervöse Stimmung. Die Einzelstarter*innen sprangen schon von einer Kanone gestartet nach und nach ins Wasser und wir warteten auf unseren Einsatz.

Die Wechselzone war bei den Rädern und das hat trotz Enge auch fair und gut geklappt. Jeder nahm Rücksicht und verlangsamte im Notfall auch mal sein Tempo. Außer dem Einen den es leider immer gibt.

M. sprang ins Wasser und war viel schneller wieder da, als geplant. Da hatte ich gerade erst mit meinen letzten Vorbereitungen abgeschlossen. Wow! Was für eine Zeit. Toll gemacht!

Und damit begann für ihn das lange Warten und für mich der wilde Ritt

Auf dem Rad

Die Radstrecke in Roth ist schön und abwechselungsreich. Man fährt über den Kanal, guckt sich die letzten Schwimmer von oben an und dann geht es auch gleich in einen Teil, der richtig schnell ist. Das Tacho springt auf beinahe 40 KM und man fühlt sich gut. Kurve über die Schleuse. Da ist es etwas holperig, was einigen Teilnehmern Trinkflasche und/ oder Verpflegung kostete. Leute, das Warnschild steht da nicht von ungefähr.

Dann geht es irgendwann bergauf und ich kann euch sagen, dass ich keine Bergziege mehr werde. Wo eben noch 35 stand, stand dann plötzlich 15.

Viele schnellere flogen an mir vorbei, aber alle gesittet, alle mit Rücksicht, da bin ich ganz andere Dinge gewöhnt. Auch an mir vorbei flog der Abteilungselmo. Ich hatte noch gewitzelt, dass ich meine Führung ob seines etwas langsameren Schwimmers auskosten werde. Nun ja, sie hatte 7 KM Bestand.

Mit der europäischen Wasserscheide ist der erste große Anstieg vollendet und dann geht es erstmal bergab und es folgt eine lange Raserstrecke. Wieder sprang mein Tacho auf 37 km. 5 km in 8:14 radel ich sonst nicht wirklich. Enden tut dieser Spaß in Greding. Denn da wartet er, der Horroranstieg. Beim ersten Mal bin ich da noch halbwegs vernünftig hochgekommen, beim zweiten Mal wird der entsprechende 5 KM Abschnitt mit 19 Minuten ausgewiesen. Und auf beiden Runden passierte mir an dieser Stelle irgendwas. Runde 1 kam ich bis ganz oben ohne Probleme, wollte mich gerade in die folgende Abfahrt stürzen, als ein stechendes Insekt (Biene? Wespe?) meinte unbedingt in Richtung meines Munds fliegen zu müssen. Glücklicherweise knapp verfehlt, so dass der große sofort anschwellende Stich in der Lippe war und nicht im Mundraum. War zwar nervig, aber nicht weiter schlimm und die Schwellung ging auch irgendwann zurück.

Auf der zweiten Runde fiel mir dann eine Füllung aus dem Zahn. Zum Glück in einer „Trash Zone“, so dass ich den Müll ordnungsgemäß sofort ausspucken konnte.

Die zweite Runde hatte sowieso ihre Herausforderungen. Klar, die Beine werden schwerer, aber das war alles noch im grünen Bereich. Ernährung klappte auch. Es kam nur Wind auf. Und ich lebe ja auf dem Rad nach dem Prinzip, dass mich Wind nicht stört und auch Hügel nicht stören. Gestört fühle ich mich ich erst, wenn beides gleichzeitig vorhanden ist. Und natürlich kam der Wind einem dann entgegen, wenn es leicht bergauf ging und man nicht in einem Waldstück war, sondern auf freiem Feld. Das kostete dann doch Körner, so dass meine persönliche Traumzeit von 6:45 schnell illusorisch wurde.

Ein paar Worte noch zu dem Mythos „Solarer Berg“. Häufig ist es ja so, dass solche Stimmungsnester vollkommen überbewertet sind, dass für langsame Teilnehmer*innen wie meiner Einer dort wenig Stimmung ist und die Party schon vorbei ist, wenn man da ankommt. Nicht so am Solarer Berg. In Runde 1 gab es das volle L’Alpe d’Huez Feeling, mit Zuschauer*innen, die einem direkt ins Ohr brüllen und leider auch mit einem Teilnehmer, der meinte waghalsig rechts überholen zu müssen. Auf der zweiten Runde waren die Zuschauerreihen dann natürlich ausgedünnt, aber es fanden sich immer noch zwei Teenager*innen, die mich mit voller Begeisterung den Solarer Berg hoch brüllten. Leute, wer hier keine Gänsehaut als Teilnehme*in hat, hat kein Herz.

Freude und Freunde am Solarer Berg

Die zweite Runde war für mich natürlich relativ einsam. Ich sammelte sehr langsame Einzelstarter*innen ein, die wahrscheinlich meistens nicht mehr ins Ziel gekommen sind. Mal überholte mich eine Staffel, mal überholte ich eine Staffel. Es gab am Ende deutlich langsamere Radzeiten. Der Veranstalter lies an einigen Stellen wieder Verkehr zu, was grundsätzlich in Ordnung ist. Den meisten Autofahrer*innen war auch komplett klar, dass sie da in ein Rennen fahren und sie verhielten sich sehr defensiv und mit großen Abständen. Was sie auch von den Posten bei Einfahrt auf die Strecke wohl mitgeteilt bekamen. Denn wenn ich an einem solchen Posten vorbei kam, redete der mit der/ dem Autofahrer*in, der/die mich dann kurze Zeit später überholte. Wie schon gesagt, alles okay, alles gut. Der eine Fahrer, der wieder meinte, dass dies alles für ihn nicht gelte und eine Teilnehmerin knapp überholte, als sie mich gerade überholte, der bekam von ihr aber alle österreichischen (?) Schimpfworte die es gibt an den Kopf geknallt. Sie fuhr schimpfend an mir vorbei und als sie an mir vorbei war, sagte sie plötzlich „Oh, äh ja und dir viel Glück und eine gute Fahrt“. Ich musste lachen.

Die letzten Kilometer ging es noch mal abwärts. Also Gas geben. Vollgas. Am ehemaligen Schwimmstart vorbei, von dem 6 Stunden später nichts mehr übrig war und rein nach Roth. Wir hatten ja nur ein Ziel: Ankommen. Und dafür muss man halt die Cut Offs schaffen. 2:15 nach dem Schwimmen? Da hatten wir sehr viel Vorsprung drauf. 8:45 nach Schwimmen und Radfahren? Da hatten wir immer noch gut eine halbe Stunde drauf.

Ich übergab also an die rennende Schwester, die nun bis 21:10 Ortszeit bei KM 30 sein musste. Kein Problem.

Das Warten

Aber ich kann euch sagen: Wenn man nun wartet, dann wird man nervöser, als wenn man selber irgendwas macht. Sie fing gut an, ihr normales Tempo und wir guckten gespannt auf den Ticker. Bis KM 25,9 ist alles im Lack. Und dann meldet der Ticker plötzlich den Durchgang bei KM 30 nicht.

Wir hatten uns bei einer Pizzeria an der Strecke eingemietet, bezogen dort Verpflegung, wurden Verpflegung für die örtlichen Mücken und guckten immer nervöser auf unsere Handys. 20:58 Uhr dann die erlösende Mitteilung: Sie war durch. Dieser Cut Off war geschafft. Aber sie war langsam. 1:45 blieben für die letzten KM. Wir bei Kilometer 31 sitzend warteten. Und dann kam sie. Krämpfe hatten sie erwischt! Im Nachhinein war wohl der nicht selbstbestimmte Startzeitpunkt und zu wenig Salzaufnahme Schuld, aber so etwas passiert selbst der erfahrensten Athletin. Kurz Mut gemacht, ihr gezeigt, dass sie nun Zeit ohne Ende hat, ihr einen Schluck Alsterwasser (Elektrolyte sind wichtig!) gereicht und schon verschwand sie wieder im Getümmel. Nun hieß es warten. Die Zeiten stabilisierten sich und damit sollte das eigentlich alles klappen, wenn nun nicht noch irgendwas passiert. Was man bei Krämpfen nie weiß.

Aber das ist eben auch der Vorteil einer erfahrenen Marathonläuferin, wenn es nicht läuft, dann geht es halt irgendwie.

Direkt am Stadioneingang warteten M. und ich auf sie. Ich mag meine Schwester sehr und freue mich immer sie zu sehen. Aber so doll hab ich mich lange nicht gefreut sie zu sehen.

Was nun folgt war ein Traum. Wir liefen in das Stadion der Challenge Roth ein. Wir versuchten dabei Einzelstarter entweder vor zu lassen oder genügend Abstand auf sie zu gewinnen. Jeder soll hier seinen Moment haben. Die Finishline Party in vollem Gang und hier wird Mensch von einem Stadion mit unzähligen tauschend Menschen drin begrüßt, als ob man gerade Weltmeister*in geworden ist. Auch wir. WOW! Leute, das ist ein unfassbares Gefühl und das war auch den gesamten Preis wert.

Im Ziel dann erstmal um unsere Läuferin kümmern. Was zu trinken besorgen. Was bekommt man da als Erstes? Sekt! Egal! Rein damit. Auf uns.

Danach kurze Verpflegungsaufnahme und dann die von Krämpfen geschüttelte Läuferin nach Hause bringen. Das Feuerwerk noch vom Auto aus gesehen, beim Einsteigen noch einen Horrorkrampf bei ihr bekämpft und schnell zu unseren wartenden Gastgeber*innen, die auch noch Jubeltörtchen vorbereitet hatten.

Fazit

Am Ende landeten wir auf Platz 306 von 307 ins Ziel gekommenen Mixstaffeln. Ja und? Gewinnen tun wir in unserem Leben sowieso nix mehr und angekommen sind wir.

Ja, diese Veranstaltung ist teuer. ABER ich habe noch nie so viele Dixie-Klos bei einer Veranstaltung gesehen. Wenn ich nicht darüber meckere, dass das zu wenig sind, dann sind es wirklich endlich mal ausreichend viele. Ich habe noch nie eine so gut organisierte Veranstaltung erlebt. Hier weiß jedes Rädchen was es zu tun hat. Und man kann es nur noch einmal wiederholen: Die Helfer*innen sind einzigartig.

Wie man das alleine macht so eine Volldistanz ist mir immer noch komplett schleierhaft, auch wenn ich schon mehrfach die Hälfte absolviert habe. Meinen höchsten Respekt hat jeder Mensch, der dies als Einzelstarter*in abreißt.

Machen wir das noch mal? Fragt uns in 5 Jahren noch einmal. Mach ich so etwas mal als Einzelstarter*in? Fragt mich mit deutlich weniger Kilos nochmal.

Fahr ich nun nach Almere, mache genau die Hälfte und muss dafür dann wieder selber schwimmen und laufen? Aber natürlich! Da gibt es wenigstens garantiert keine Hügel.

Jul 042019
 

Wir haben gerade erfahren, dass unser Lieblingsgetränkelieferant verstorben ist. So sitzen wir nun auf dem Trockenen ohne dich, Hans-Werner.

Hans-Werner war eine Seele von Mensch. Es gibt wohl keine Institution in der FCSP Fanszene, die nicht von ihm Getränke bezogen hat.

Auch unsere 10 Jahres-Feier letztes Jahr hat er natürlich beliefert.

Mit wenigen Worten verstand man sich, auch abseitige Wünsche wurden irgendwie ermöglicht. Zwar immer mit ein bisschen Chaos, aber auch mit viel Herzblut für die Sache. Aber das war nur die geschäftliche Seite, viel wichtiger war der Mensch.

Tief verwurzelt in der linken Szene und früher Förderer von alternativen Getränkeherstellern. Fragt mal die Menschen von Premiumcola. Dazu hochsympathisch und eigentlich nie schlecht gelaunt. Und nie in Hektik. Selbst wenn der Zug in 5 Minuten fahren sollte und wir alle schon am durchdrehen waren. Ja diese tiefe Geduld konnte einen wahnsinnig machen. Aber das war eben Hans-Werner und so musste man ihn lieben.

Das und du wirst uns fehlen. Wo auch immer du bist, wir trinken eine Flora Mate auf dich.

Jul 012019
 

… möglichst viel Reichweite geben. Alle hin da!

Wichtiger Nachtrag von den Seglern: +++ WICHTIG: ORTSWECHSEL +++

Aufgrund der medialen Reaktionen ist nicht damit zu rechnen, dass wir morgen im kleinen Kreis bleiben werden 😉

–> Wir treffen uns daher auf der SCHWANENWIKWIESE und segeln rund um die Tonne 1 <–

Bitte weitersagen und teilen! Danke! #fcsp

Jun 122019
 

 

Vorwort

Unser Senior war bei Rock im Park. Hier sein Bericht: 

 

Allgemein

 

Rockfestivals sind aus vielen Gesichtspunkten problematisch. Sie animieren sehr wild zum Alkoholtrinken, sie produzieren unfassbar viel Müll und ihre Nachhaltigkeit ist definitiv nicht gegeben. Sie ziehen Menschen an, die man einfach nur als „Stück Scheisse“ bezeichnen kann und sie sind abgöttisch teuer und kommerziell. UPS, hab ich nun gerade Fußball beschrieben?

 

Und trotzdem sind sie für uns seit 2003 eine willkommene dreitägige Flucht aus dem Alltag. Mit Musik, Radler und ganz viel Spaß. Dies war das 13. Rock im Park, was ich mit meiner Gastgeberin besucht habe. In der Zwischenzeit sind wir alt geworden, haben Teddys und Kinder in die Welt gesetzt, haben Keller ausgeschippt und sind doch immer wieder hin gegangen. Diesmal nach einem Jahr Pause.

 

Es ist eine Parallelwelt, die viele kritische Seiten hat, die ich gleich beleuchten werde, aber sie ist eben auch ein persönlicher Fluchtpunkt.

 

Oder wie es die Betroffenheitsband für weiße Mittvierziger (Kettcar) mal so schön formulierte:

 

„also haltet euch fest und trocknet die augen

hier verliert keiner, keiner den glauben

man lässt nie los, was man liebt

war, ist, bleibt: immer musik“

 

Und damit sind wir eigentlich auch schon beim ersten Problem

 

Rockmusik und Frauen

 

Es ist ein elend. Rockmusik ist in weitesten Teilen weiß und männlich. Und zwar alt, weiß, männlich. Headliner, deren Bandgeschichte nach der Jahrtausendwende begonnen hat, sucht man vergeblich. Die diesjährigen Headliner-Bands des Festivals sind 1982, 1990 und 1995 gegründet. Neue Einflüsse gibt es fast gar nicht. Die Festivalmacher versuchen dies teilweise damit zu umgehen, dass halt auch HipHop und Elektro einen Platz auf diesem Rockfestival findet, aber da meistens deutsche Acts.

 

Und auch diesen ist eines gemeinsam: Abgesehen von der Backgroundsängerin sind sie meistens männlich.

 

Das liegt zum einen am Publikum, denn wie häufig hab ich mir auch schon anhören müssen, dass Person XYZ Frauenstimmen nicht mag (Ja, viel zu häufig auch schon von Frauen gehört. Das dies kompletter Bullshit ist, wissen wir alle.), es liegt aber auch an den Veranstaltern, die null darauf achten, Frauen zu buchen. Dabei gibt es sie. Im Rockgeschäft ebenso wie im deutschen HipHop und Elektro.

Auch an Instrumenten. Siehe z.B. Broilers. Und nur wenn man solche bucht und ihnen die Gelegenheit gibt vor einem größeren Publikum zu performen, nur dann werden sie auch mal Headliner Größe erreichen. Und Platz auf der Bühne ist da. Die Band die um 14 Uhr performt ist für den Erfolg des Festivals wenig ausschlaggebend. Sie wird aber immer ihr dankbares Publikum finden. Denn so sind Festivals nunmal. 

 

Einige Festivals achten darauf, dass sie Frauen buchen. Im Kleinen sei hier mal das Wutzrock genannt, was sehr darauf achtet. Aber auch größere kommerzielle Festivals haben da eine bessere Ausgewogenheit als z.B. Rock im Park. 

 

Leider wird das beim Veranstalter weiterhin auf taube Ohren stoßen. Man verpflichtet halt lieber weiterhin irgendwelche ekeligen Straßenbanden Mitglieder, als mal klare Kante zu zeigen.

 

Es wäre zu begrüßen, wenn da mehr Frauen auf der Bühne stehen. Und zwar nicht nur als Backgroundsängerin. Es würde auch dazu führen, dass eben nicht nur Jungs sich die Gitarre greifen. Wird dies den Roggnroll retten? Wahrscheinlich nicht. Zu ausgelutscht sind seine Pfade. Wird es den Pfad aber vielleicht ein bisschen wieder aktualisieren und Mensch besser repräsentieren? Definitiv!

 

Funfact dabei: Die Menschen, die für die Rock im Park App die Bandtexte geschrieben haben, ist die Männereinheitssauce selber schon aufgefallen. Siehe Screenshot:

 Das der Text sonst eine fürchterliche Ansammlung sprachlicher Klischees ist, merkt ihr selber, oder?

 

 

Sowieso politische Korrektheit

 

Seien wir ehrlich: Das Roggnroll Business ist weit von einer auch nur geringen politischen Korrektheit entfernt. Das fängt bei Texten an, geht über Handlungen von Musikern weiter und endet bei einer kompletten Unsensibilität von Festivalorganisatoren.

 

Es ist schön, wenn Casper nach Marterias Spruch, dass sich nun alle knutschen sollen, erwähnt, dass die natürlich nur für den gelte, der wolle. Es ist schön, wenn der Wetterhinweis am Freitagabend mit „kuschelt doch durch den Regen, aber vorher nach Erlaubnis fragen!“ ergänzt wird. Aber das sind kleinste Taschenlampen in einem sehr großem sehr dunklen Raum. Das beginnt mit Volltrotteln, die sich „Triebtäter“ auf Westen schreiben, es geht über Volltrottel die sich „Me too… Please?“ auf ein Shirt schreiben. Natürlich alles Typen. 

 

Es geht weiter über einen Ordnungsdienst, der zumindest am Einlass und auch an den Bühnen zwar auffällig freundlich agierte, aber der eben auch Mitglieder mit tätowierter „Schwarzer Sonne“ und komischen „Unbeugsam“ Fischerhüten beschäftigt. Nur falls ihr euch gefragt habt, warum der Ordnungsdienst solche Shirts nicht kontrolliert. Deswegen.

 

Und es endet damit, dass Männer irgendwie ihr Shirt ab 10 Grad Plus von ihrer Hühnerbrust nehmen müssen. Auf der Bühne langsam eine Seltenheit, im Publikum leider nicht. Neben allen anderen Gründen ist so eine schwitzige Männerbrust im Gedrängel nebenbei echt unschön. Für euch getestet. 

 

Die Rockwelt hat hier viele Dinge aufzuarbeiten, dabei sollte doch gerade sie die Welt sein, die Vorbild und Antriebsmotor ist. Sie war es schon in genügend anderen Dingen. Auch hier müssen Veranstalter echt umdenken.

 

Genauso absurd: Typen, die Böhse Onkelz Tätowierungen mit Ärzte Merch kombinieren. Was genau hast du nicht verstanden, Digga?

 

 

Klos

 

Es ist ein widerkehrendes Thema seitdem wir zu Rock im Park gehen. Genügend Toiletten sind Gold wert. Dieses Jahr hatte man wohl geplant mit deutlich weniger auszukommen, als sonst. Das musste schief gehen. Dazu sind einige Gerätschaften sofort kaputt gegangen. Gerüchten zu Folge aufgrund eines falschen Anschluss. Immerhin und das muss dann auch lobend erwähnt werden, man hat aggressiv auf den Missstand reagiert und ab Samstag stand an ungefähr jeder Ecke ein Dixie.

 

 

 

Es gibt aber auch positive Dinge

Die Anzahl der – gerade deutschen- Bands, die sich sehr deutlich politisch positionieren ist lobenswert hoch. Und das sollte auch „die Jugend“ erreichen und zum nachdenken anleiten. Die Junge Union verteilte nebenbei auf dem Festival Kondome (!!!). Sie und die Jusos waren die beiden einzigen vertretenen parteipolitischen Jugendorganisationen.

 

Das Angebot an Essen hat sich deutlich verbreitert und wir haben in den drei Tagen auch immer was essbares zu halbwegs vernünftigen Preisen gefunden. Billig ist das alles nicht, aber halbes Hähnchen mit Krautsalat für 6,50 ist erstmal okay.

 

Die Musik

 

Und damit wären wir bei der Musik. Es folgt ein Kurzeindruck aller halbwegs gesehenen Bands. Das ist natürlich rein subjektiv und genau deine Lieblingsband finde ich natürlich zu Unrecht vollkommen Scheiße! Ich hab sowieso keine Ahnung von Musik. Und Speedmetal konnte ich noch nie von Trashmetal unterscheiden. 

 

Mit einer Ausnahme ist das Thema „die Künstler sind ziemliche Volltrottel“ ausgelassen. Es gibt auf der Liste aber auch noch zwei, drei andere Bands, welche die Rubrik „Kontroversen“ auf Wikipedia nicht zu Unrecht füllen. Checkt so etwas aus, bevor ihr Fan werdet. Da hat ja auch jeder seinen persönlichen Toleranzbereich, den ich euch garantiert nicht vorgeben möchte. 

 

Freitag 

 

Seiler und Speer

Österreicher. Ich verstehe kein Wort. Musik geht aber ins Tanzbein. Die kommentieren politisch eher durchs Knopfloch mit einem Lied über Polizisten und „Going to Ibiza“ nach dem letzen Song. Machten Laune, werden aber wahrscheinlich nie nördlicher als Würzburg etwas werden. 

 

Feine Sahne Fischfilet

Du bekommst die Leute aus dem Dorf, aber das Dorf nicht aus den Leuten (frei nach Thees). Es gibt aus einer urbanen linken Sicht wahrscheinlich 50 Millionen Argumente gegen Band, handelnde Personen und Musik. Aber insgesamt ist schmissigere Punk mit klaren politischen Ansagen, etwas was Menschen erreicht, wo Adorno nicht hin kommt. Und das können die. Und sie formulieren Sätze wie “in was für Flüssen ihr hier schwimmen müsst, kommt mal ans Meer!” das ist was für die norddeutsche Seele. Und auf so einem Festival geht solche Musik immer. 

 

Dropkick Murphys

 

“Das sind voll die Prolls, die gehen gar nicht” “Mir egal ob die Prolls sind, die hauen Nazis!” (Legendäre Facebook Diskussion)

 

Gesehen habe ich sie. Gehört nicht. Absolut mieser Sound, Instrumente nicht zu erkennen, daher ohne Wertung. Die hatten Stauprobleme und wurden auf einen anderen Termin geschoben und erwähnten, dass sie trotzdem in Hast aufbauen mussten. Insofern kein Vorwurf. Schade war es trotzdem. 

 

Die Ärzte

 

Drei alte Herren rocken. Und haben sichtlich Spaß dran. Laberten nicht so unfassbar viel wie bei anderen Auftritten, die ich von ihnen sah. Und sofort wird es unterhaltsamer.  Bemerkenswert: Das Publikum hatte bei uralten Liedern (z.B. “Zu spät”) Textprobleme. Und das obwohl auch Menschen anwesend waren, die schon die erste Platte nicht mehr als Teenager gekauft hatten.

 

Die Antwoord

Es war eine Erfahrung. Ich weiß nur nicht, ob eine Gute. Eine der wenigen weiblichen Künstlerinnen (siehe Exkurs). Die Arbeiten massiv mit Stimmverfremdungen und Effekten, die Musik ist tanzbar, das gerollte R der beiden Südafrikaner (auch mal außergewöhnlich) trifft mein Dialekt Herz. Aber irgendwie ist das auch SEHR abgedreht und befremdlich. Und dabei sind die Penismännchen, die zwischendurch den grafischen Hintergrund bilden noch das am wenigsten befremdliche.

 

Samstag 

Adam Angst

 

Wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man Songwriter Musik oder Punk machen will, dann macht man halt Songwriterpunk. Aber der geht gut ab und eine sehr gut gefüllte Alternastage hatte ihren Spaß.

 

Kontra K

 

Ganz große Warnung! Der Typ geht gar nicht. Siehe z.B. diesen Artikel hier.

 

Aber in dem Artikel steht auch der Grund, warum ich mir den angesehen habe. Die Jugend (TM) hört den. Und man kann sich auch vorstellen warum. Eingänge Melodien, gut ausgearbeiteter HipHop, wenn auch ohne Ecken und Kanten. Aber alleine das Mikro in Schlagring Optik und diese Straßengangster Attitüde ist aber nun so gar nix für mich.

 

Tenacious D

 

Man sieht das beide Schauspieler sind. Können eine Bühne ohne viel Beiwerk füllen und haben augenscheinlich Spaß auf der Bühne. Spielen eingängigen Rock und werden von einer handwerklich perfekten Begleitband unterstütz. Launeband die perfekt für ein Festival ist. Auf Platte wirkt das wahrscheinlich null. 

 

Bastille

 

Die Hits kennt ihr. Die anderen Lieder stellt euch so ähnlich, aber etwas weniger Massenkompatibel vor. Nett aber nicht etwas an das ich mich in 10 Jahren noch erinnere. Ihr Konzert war per Grafiken in drei Akte eingeteilt, das ganze sollte wohl eine Nacht in drei Teilen darstellen.  Bemerkenswert: Jedes Bandmitglied singt.

 

Marteria & Casper

 

Elo meinte mal, dass die beiden wie ein altes Ehepaar seien. Und das fasst die Stimmung auf der Bühne zusammen. Ein sehr verliebtes altes Ehepaar. Das Konzert? Neudeutsch ein kompletter Abriss. Mischung aus gemeinsamen Songs und Hits, die sie jeweils einzeln verbrochen hatten. Wir standen relativ weit vorne und einmal liefen die direkt an uns vorbei. 

 

Sonntag 

 

Halestorm

 

Es besteht noch Hoffnung für diese Welt! Denn entgegen aller anderer Behauptungen gibt es ihn noch, den klassischen Amihardrock mit fetter Rockröhrenstimme der Frontfrau. Bruder und Schwester machen zusammen Musik, seitdem sie 10 und 13 sind. Und das hört man. Perfekt eingespielt, der Schlagzeuger ist ein echter Entertainer und Schnuckelchen. Machte wirklich Laune und eine perfekte Festivalband.

 

Alice in Chains

 

Ich verstehe ja warum Menschen auf dieses hirnzersetzende Brett mit Monsterstimme stehen, bei mir kam das noch nie an. Diese Beziehung ist gescheitert und es liegt eindeutig an mir. Fans wird der Auftritt gefallen haben.

 

Foals

 

Britpop! Muss man mehr schreiben? Tanzbar, schöne Stimme, aber auch nix was nicht aus den 30000 anderen Britpop Bands heraus sticht.

 

Smashing Pumpkins

 

Sperrig, ein Redner oder Entertainer wird er nicht mehr, aber ich mag die. Und “die Hits” spielten sie auch.

 

Und danach waren wir platt. „Wir sind zu alt für den Scheiß“ ist unser Motto seit 2003.

 

Fazit

 

Danke an meine Gastgeber. Wie jedes Jahr wart ihr toll. Und lustigerweise sehen wir uns bald schon zum nächsten Abenteuer im Frankenland.

 

Bis zum nächsten Jahr

 

 

Jun 042019
 

Höher, besser weiter

  • Die meisten Spiele: Himmelmann & Möller-Dæhli (je 32), gefolgt von Knoll (30) und Buballa (27)
  • Die meisten Spielminuten: Himmelmann (3049), gefolgt von Knoll (2729) und Möller-Dæhli (2639)
  • Am weitesten gelaufen: Möller-Dæhli (334 km), gefolgt von Knoll (327) und Buballa (266)
  • Am weitesten gelaufen je Spiel: Coordes (11.6) gefolgt von Möller-Dæhli (11.4), Nehrig und Becker (11.0)
  • Die meisten Tore: Diamantakos (7), gefolgt von Veerman & Meier (je 6)
  • Die meisten Torschüsse: Buchtmann (47), gefolgt von Knoll (44) und Veerman (39)
  • Die meisten Torschüsse aufs Tor: Veerman (13), Buchtmann (12), Knoll (11)
  • Die besten Spieler – nach WhoScored: Kalla (7.33), gefolgt von Knoll (7.27) und Veerman (7.17)
  • Die schlechtesten Spieler – nach WhoScored: Koglin (5.85), gefolgt von Schneider (6.09) und Park (6.34)
  • Die besten Spieler – nach Kicker-Note: Brodersen (2.50), gefolgt von Veerman (2.96) und Himmelmann (3.02)
  • Die schlechtesten Spieler – nach Kicker-Note: Park (4.33), gefolgt von Schneider und Koglin (6.00)
  • Die meisten Fouls haben begangen: Miyaichi (40), gefolgt von Buchtmann (37) und Buballa (32)
  • Am meisten gefoult wurden: Dudziak (54), gefolgt von Knoll (51) und Möller-Dæhli (44)
  • Am meisten im Abseits stand Allagui (29), gefolgt von Diamantakos (10) und Meier (7)
  • Die meisten gelben Karten gingen an Flum (8), gefolgt von Buchtmann (6) und Ziereis und Miyaichi (je 5)

Die Analyse

Gute Spieler spielten wenig

Kurz vorweg: Wenn im Folgenden von führenden Spielern in der zweiten Liga oder Top 10 in der zweiten Liga etc. die Rede ist, dann sind in dieser Liste immer nur Spieler mit einer Mindesanzahl an Einsätzen gemeint. WhoScored definiert dies als mehr Einsätze, als ein durchschnittlicher Zweitligaspieler gehabt hat. Insgesamt gibt es laut WhoScored 254 (von 491) solcher Spieler.

Wenn man nach den durchschnittlichen WhoScored-Noten geht, dann kommen von unseren zehn besten Spielern nur 4 überhaupt auf über 20 Einsätze. Und von diesen vier Spielern kommen zwei so gerade eben über 20 Einsätze (Buchtmann mit 24 und Dudziak mit 24). Nur ein Spieler aus dieser Gruppe kommt auf über 30 Einsätze (Mats mit 32 Einsätzen, Knoll hat genau 30). Unter diesen Top 10 ist aber auch nur ein Spieler mit weniger als 10 Einsätzen (Brodersen), so dass dies auch nicht Spieler mit einmaliger Topleistung sind, die da in die Top 10 gedrängt haben (Brodersen mal außen vor). Nr. 11 auf der Liste wäre Alex Meier, der mit 16 Einsätzen nichts an diesen Feststellungen ändern würde. Nr. 12 wäre Daniel Buballa, der mit 27 Einsätzen immerhin über 20 hat.

Etwas vereinfacht kann man sagen, dass wir selten unsere beste 11 wirklich auf den Platz bringen konnten.
Kalla wäre bei genügend Spielen der neuntbeste Spieler der 2. Liga, Knoll ist der elftbeste Spieler der 2. Liga (wäre der vierzehntbeste, wenn auch obige Regel zu Mindesteinsätzen nicht gelten würde), Veerman wäre der 27.-beste Spieler. Es ist also nicht so, dass wir nicht wirkliche Top-Spieler der zweiten Liga hätten. Und man bedenke, dass die in der Hinrunde alle noch bessere Werte haben. Mats als unsere Nr. 4 ist dann aber schon nur noch Platz 83 von 254 Spielern in der zweiten Liga.

Schneider und Koglin wären hinter dem 254. einzuordnen, Park irgendwo bei Platz 250. Kurz: Nach diesen Zahlen ist es nur verständlich, dass man Schneider und Koglin abgegeben hat.

Und als Vergleichswert sicher spannend, die Aufsteiger haben 6 Spieler unter den Top10. Unter den Top50 befinden sich 8 Kölner Spieler, 7 Paderborner und 4 Unioner. Und ein St. Paulianer….

Viel laufen, wenig Zählbares?

Mats ist eine Rennmaschine. Gefühlt gehen trotzdem viele seiner Aktionen am Ende im Nichts unter. Das stimmt laut WhoScored nur bedingt. Vier Assists sind immerhin Platz 2 beim FCSP, einsam an der Spitze ist hier Marvin Knoll (Sieben, das werden auch viele Standards sein. vier Assists weist auch Veerman auf)

Whoscored hat auch noch eine Statistik über Key Passes und definiert die wie folgt: “The final pass leading to a shot at goal from a teammate”

Hier sind Buchtmann und Mats mit 1,5 solcher Pässe pro Spiel auf Platz 2 des Teams. Finn Becker mit 1,8 auf Platz 1. Das wir hier auch Nachholbedarf als Verein haben, zeigt sich daran, dass der beste Spieler in der zweiten Liga in dieser Wertung 2,9 „Key Passes“ pro Spiel abliefert (Philipp Klement), Paderborn und Köln haben jeweils zwei Spieler in dieser Statistik in den Top 10 und das passt ja auch zu den sehr guten Offensiven beider Vereine. Bemerkenswert unter den Top 10 sind Kevin Wolze aus Duisburg und Santos von den Rauten. Beide nicht gerade in Top-Offensiven unterwegs, aber in dieser Statistik weit mit vorne. Wenn wir das richtig sehen, ist Wolze irgendwo linker Außenbahnspieler und noch immer beim MSV Duisburg.

Vielleicht haben wir aber auch eine Verbesserung schon „in House“, denn Finn Ole Becker wäre in der Statistik immerhin unter den Top 10 mit seinen 1,8 Key Passes.

Passen ist nicht wirklich unser Ding

In der Liga haben 54 (wie oben erwähnt von 254 erfassten) eine Passquote über 80 Prozent. Davon spielen immerhin drei für uns. Zum Vergleich: Köln und die Freunde aus dem Volkspark haben alleine schon drei in den Top 10 mit einer Quote über 86 Prozent. Unser Bester ist Avevor mit 83 Prozent. Klar, Passquote ist nicht alles, aber das ist schon auffällig.

Mai 232019
 

Wir hatten schon mal ganz juristisch aufgearbeitet, wie schwierig ein Vereinsausschluss für unseren amtierenden Innensenator ist. Das gilt insbesondere auch deswegen, weil wir unsere Leitlinien, unsere „Werte“ so schwammig formuliert haben, dass wahrscheinlich selbst Alice Weidel sie nicht verletzten würde. Das mal zu ändern, ist wahrscheinlich mal die demokratische Aufgabe einer der nächsten JHVs.

Soweit so schlecht. Wir wollen uns trotzdem mal fragen, was der Typ eigentlich am Millerntor will und warum er sich da zu Hause fühlt. Viele seiner Vorstellungen sind einfach diametral entgegen unseren Vorstellungen der Werte des FCSP.

Neuster Ausfluss dieser Meinungen aus Absurdistan ist ein Interview mit dem Abendblatt und ein daraus folgender Tweet von Herrn Grote an Emily Laquer von der Interventionistischen Linken. Wir halten Herrn Grote zwar für gefährlicher als Frau Laquer, aber nun gut. Ein paar Statements aus dem Interview wollen wir aber nicht unkommentiert lassen, denn Fußball ist Politik und Politik ist Fußball und so ein prominentes Mitglied unseres Vereines hat Widerspruch zu bekommen, sonst schmückt er sich am Ende noch mit seiner Mitgliedschaft und tut so, als hätte er hier Unterstützung.

Thema des Interviews ist vordergründig 70 Jahre Grundgesetz, aber der Inhalt lässt einen schaudern.

Leider versäumen es Jens Meyer-Wellmann und Stephan Steinlein, die das Interview für das Abendblatt geführt haben nach seiner Verbindung zum FCSP zu fragen. Jungs, ihr habt da wirklich eine interessante Frage nicht gestellt: „Was halten sie eigentlich von Ultra Antifa, Rotsport und dem kommunistischem Propagandamedium des FCSP?“

„Wir dürfen mit den Werten der Verfassung nicht leichtfertig umgehen“ lässt sich Grote zitieren und man dürfe sich nicht heraussuchen, was einem gerade in das eigene Weltbild passt. Was macht Grote dann genau danach? Sich aus dem Grundgesetz das heraussuchen, was in sein Weltbild passt. Da wird die Eigentumsgarantie als wesentlicher Grundsatz verkauft, die im Grundgesetz vorgesehene Enteignung aber es wird als „gefährlich“ bezeichnet, wenn man davon mal ernsthaft Gebrauch machen will. Natürlich fragen die Interviewer nicht danach, wie denn Herr Grote Bayrische Hausbau, Wohnungsnot und Investorenträume zugunsten von Menschen ändern will. Schade eigentlich. Wir hätten gerne mal gelesen, was er denn so für Vorschläge hat.

Auch ist es für Herrn Grote gefährlich, wenn man Freiheitsrechte als Abwehrrechte betont (!), dann aber das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellt. Sorry, aber das klingt wie jemand, der das Grundgesetz nicht verstanden hat. Abwehrrechte sind für ihn anscheinend nur Gedöns und das staatliche Gewaltmonopol ist bitte weder zu hinterfragen, noch sind die Abwehrrechte von Bedeutung. Der Verfassungsschutz schützt laut Grote unsere Verfassung und ist erste Verteidigungslinie der Demokratie. Und Fehler passieren, daran dürfe man doch nicht die Wertung fest machen.
Oh ha, das ist mal eine spannende Ansicht. Also erstmal ist die erste Verteidigungslinie einer Demokratie garantiert keine polizeiliche oder polizeinahe Institution. Oder überhaupt eine staatliche Behörde. Die erste Verteidigungslinie einer Demokratie sind die Menschen und ihr demokratisches Engagement. Unten nach oben, nicht totalitär von oben nach unten ist eine Demokratie aufgebaut.

Wir zitieren hier Wikipedia:
„Der demokratische Gedanke bedarf einer Verwirklichung in der Gesellschaft. In Demokratien kann ein wesentlicher, wenn nicht der entscheidende Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung bei den Bürgern verortet werden. Dies entspricht schon dem Demokratieverständnis der Antike, als Marktplatz, Agora oder Forum bedeutende Orte der politischen Meinungsbildung waren. Aber auch entsprechend zahlreichen demokratietheoretischen Überlegungen der Gegenwart wird einer zivilgesellschaftlich verankerten politischen Öffentlichkeit zentrale Bedeutung als Bedingung funktionsfähiger Demokratie zugemessen. […]

Ein weiterer Maßstab für die demokratische Qualität des Staates ist sein Verständnis vom Menschen als Empfänger von Leistungen. Dass die staatlichen Verwaltungen kein Selbstzweck sind, sondern den Menschen dienen sollen, ist ein traditioneller Bestandteil der europäischen und speziell der deutschen Verwaltungskultur. Dennoch haben sich an vielen Stellen der Verwaltungen noch obrigkeitliche Vorstellungen erhalten, die mit dem Verständnis von Demokratie und Rechtsstaat unvereinbar sind, weil sie nicht von den Wirkungen auf die Menschen her konzipiert sind“

Alles von hier.

Was Grote da ausdrückt ist eben genau diese obrigkeitliche Vorstellung, dass die Behörde lenkt und nicht die Bürger die Behörde.

Dass es sich beim Verfassungsschutz nicht um einzelne Fehler handelt, sondern der Fehler System ist, hat Anne Roth schon vor Jahren bei einem Vortrag für den Chaos Computer Congress verdeutlicht. Solltet ihr euch mal ansehen, den Vortrag.

Was Grote in dem Interview auch macht und was genauso obrigkeitlich und totalitär ist, dass er jede Meinung, die nicht seine eigene ist als „Extremismus“ brandmarkt oder in die Nähe von Extremisten stellt. Ganz großväterlich lobt er zwar Friday for Future und andere Dinge, aber all dies werde ja von Extremisten (natürlich links) unterlaufen und für diese Zwecke missbraucht. Früher sei die DKP ja nur mitgelaufen, nun würde das ja aktiv unterlaufen und dagegen müsse man sich ja wehren. Was für ein hahnebüchener Blödsinn. Es geht ihm in vielen Worten um eine Delegitimation von demokratischen Bewegungen durch Extremismusvorwurf.

Das ist die bereits aus Sachsen bekannte Demokratieklausel „wenn du uns nicht beweist, dass all deine Mitglieder Demokraten sind, dann bist du Extremist.“ Ach ja und wer Demokrat und wer Extremist ist, das bestimmen wir.

Natürlich fragen die Interviewer null nach, wie er denn inhaltlich zu diesen Bewegungen steht, die klassische Rechte aus dem Grundgesetz (Demorecht, Streikrecht etc.) benutzen. Als Repräsentant in einer Demokratie wäre es seine grundgesetzliche Aufgabe, sich damit auseinander zu setzen. Schade, dass dieser Bogen nicht geschlagen wird im Interview.

So ist für ihn bei der „Antifa“ eine extremistische Grundausrichtung vorherrschend. Er nennt Rechtsextremismus die derzeit größte Gefahr, verwendet dann aber von gut 2000 Wörtern in diesem Interview gerade einmal gut 50 Wörter zu diesem Thema.

Und beinah alle diese Wörter bilden Sätze, die mit „aber der Linksextremismus!!!“ enden. Dazu noch eine fröhliche Gleichsetzung der Linken (immerhin Koalitionspartner seiner Partei im
Bundesländern) und der AfD. Kurz: eine systematische Verharmlosung von rechten Tendenzen und viel Ausführungen dazu, wie schlimm der Linksextremismus denn nun sei. Namentlich werden diverse Gruppen in Hamburg als linksradikal (rechte Gruppen erwähnt er nicht, es wird nur die „Merkel muss weg“ Demo namentlich erwähnt, die AfD wird nur einmal in der Gleichsetzung mit der Linken erwähnt) gebrandmarkt, Gruppen von denen genügend Mitglieder ans Millerntor gehen und mit denen sich Institutionen des FCSP und seiner Fanszene schon mehrfach solidarisch gezeigt haben. Vollkommen zu Recht nebenbei. Schade, auch danach fragen die Interviewer nicht. Die Antworten hätten uns wirklich mal interessiert, auch gerade weil Herr Grote als Vereinsmitglied und Stadiongänger diese Solidarisierungen doch garantiert mitbekommen hat.

Natürlich haben die Interviewer nicht nach einer Definition von Linksextremismus oder auch Rechtsextremismus gefragt. Oder mal die ja nicht gerade leise Kritik an diesen Schubladen erwähnen.

Auch dies ist Schade, denn Grote wirft zwar allen anderen ein schwarz/weiss denken vor, aber er selber ist tief darin verwurzelt. Seine Denke ist undemokratisch und einem Grundgesetz nicht annähernd würdig.

Insgesamt ist es ein Interview eines Menschen, der in einer Welt lebt, die mit dem lebendigen, demokratischen, solidarischen und bunten Ideal, was für beim FCSP anstreben und was eigentlich auch dem Grundgesetz zugrunde liegt nichts zu tun hat.

Es wäre Zeit Herr Grote, dass sie das Millerntor meiden. Der FCSP ist sowieso ein Hort des Linksradikalismus, zumindest wenn man ihn definiert wie Sie. Und mit denen wollen Sie doch nicht gleichgesetzt werden?

In diesem Sinne: Happy Birthday Grundgesetz

Mai 222019
 

Der FCSP ist auf Amerika-Reise. Das ist gut so. Die amerikanischen Fanclubs sind ein sehr geliebter und aktiver Teil unserer weltweiten Gemeinschaft geworden und diese Basis kann und sollte ausgebaut werden. Nicht nur um die Ideen des FCSP noch weiter in die Welt zu verteilen, nein auch ganz klare böse kapitalistische Argumente spielen da eine Rolle. Hat der FCSP doch zwei große amerikanische Unternehmen als Sponsor (als wir das schrieben kam ein drittes hinzu) und mehr Merch in einem Land zu verkaufen, in dem mit Sportmerch ein riesiger Umsatz erzielt wird, erscheint uns auch eine gute Idee. Und wie man auch im MillernTon hören konnte: Die Reise im letzten Jahr hat auch ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Spieler den Verein besser verstehen und verstanden, was unseren FCSP so magisch macht.

Daher ist so eine Reise zu begrüßen und es ist zu begrüßen, dass zu so einer Reise auch niedrigschwellige Kontakte zwischen Spielern und amerikanischen Fans gehören. Das stärkt unsere Basis und das soll auch so sein.

Nun sind leider diese niedrigschwelligen Kontakte zu Hause in Hamburg rarer geworden. Testspiele „auf dem Dorf“ sind ebenso eine extreme Seltenheit geworden, wie Saisonabschlussfeiern vor dem Knust oder Auftritte auf Hafengeburtstagsbühnen.

Uns ist absolut klar, dass solche Auftritte gerade in Hamburg nicht immer nur eine reine Freude sind. Nicht jeder FCSP Fan ist respektvoll und entspannt und halbwegs nüchtern, wenn er auf Spieler trifft. Und das mag in den USA doch einfacher sein, wo tendenziell ein höherer Respekt vor Athleten vorhanden ist.

Trotzdem ist es sehr schade, dass es diese Gelegenheiten beinah nicht mehr gibt. Nächste Saison fällt selbst das Auftaktspiel am Millerntor weg, denn der FCSP bestreitet seinen jährlichen Härtetest nicht am Millerntor, sondern beim SC Heerenveen. So schön das für Freaks ist, auch hier geht der niedrigschwellige Kontakt für Kinder, Jugendliche und erwachsene Fans verloren.

Auch öffentliche Trainings werden – garantiert auch aus nachvollziehbaren sportlichen Erwägungen – seltener und noch eine weitere Möglichkeit fällt weg. Klar, es gibt Rabauken und andere Dinge, wo Spieler gerade mit Kindern interagieren, aber die meisten haben eine Einstiegshürde, die bei einer Abschlussfeier oder einer Auftaktfeier eben nicht gegeben ist.

Umso schöner ist es, wenn Schnecke die Jugend einpackt und mit ihr in den Sonderzug steigt. Das ist ja nun wirklich nicht die einfachste Art des Fankontaktes, denn 1000 mehr oder minder besoffene FCSPler sind nicht nur Spaß für nüchterne Fußballer, die gerade in der 92. Minuten noch das letzte Saisonspiel verloren haben, aber wir fanden das sehr schön. Und wenn sich dann auch noch ein Spieler wie Coordes beinah schüchtern bei jedem bedankt, der ihm sagt, wie sehr er sich freut, dass er bei der 1. Mannschaft spielt, dann geht einem das Herz auf. Man entwickelt Sympathien für einen Spieler und genau dafür sind diese kleinen Kontakte sehr wertvoll.

Ohne nun eine konkrete Idee zu haben, wie man diese Kontakte wieder vermehrt ermöglicht, ohne sportliche, finanzielle und logistische Erwägungen außer Acht zu lassen, würden wir uns freuen, wenn es in den nächsten Jahren wieder mehr solche kleinen Events in Hamburg und Umgebung geben würde. Zumal wir hoffnungslose Romantiker*innen sind und glauben, dass es durchaus auch einen Typ Spieler gibt, der diesen Kontakt mit den Fans vor Ort mag, und daraus sogar Energie und Motivation zieht.

Wir erinnern uns an eine der sehr zähen Saisons in der Regionalliga, als Morena als Kapitän das Mikrofon ergriff und sehr deutlich machte, was der Anspruch der Mannschaft war. Er scheute die enttäuschte Menge nicht, sprach sie direkt an und baute selber für sich und seine Mannschaft Druck auf. „Mutig“ dachten damals alle, die da waren. Und mutig spielte diese Truppe dann auch in den nächsten Jahren, wie wir alle jetzt wissen. Vielleicht braucht es genau so einen Moment mal wieder, um unsere Vereinslethargie aufzubrechen.

Mai 202019
 

 

Unregelmäßig veröffentlicht dieses Blog auch die sportlichen Abenteuer seines Gründers. Nun ist wieder ein Moment.

 

Heute gibt es steile Thesen zum Rennsteiglauf 2019:

 

 

1. Das schönste Ziel der Welt liegt in Schmiedefeld

Okay, das ist keine steile These, das ist Fakt. Keine andere Veranstaltung bekommt es hin aus einem staubigen Sportplatz und ein paar Wiesen ein so liebevollen Ort zu basteln. Die Musikbeschallung ist gewöhnungsbedürftig und Schlagerlastig, aber die Sprecher sind herzlich und begrüßen JEDEN mit einer Freundlichkeit und Liebe, die ihresgleichen sucht. Egal ob du 17 KM von Oberhof gewandert bist oder 73 KM von Eisenach gelaufen bist.

 

2. Je oller, je doller

 

„Letzter Jahr war doof, da bin ich mit gebrochener Rippe gelaufen, aber dieses Jahr gewinne ich meine Altersklasse.“ „Ja weil du keine Konkurrenz hast.“ „Darf man fragen, wie alt Sie sind?“ „86 Jahre!“ Der dann folgende offene Mund wurde mit einem „einfach dranbleiben“ kommentiert. 

 Schwestermedaille

Sowieso rennen da unfassbar viele Menschen mit, die ihre 30., ihre 40. oder eben auch ihre 47. Teilnahme per Shirt oder Schild kundtun. Wohlgemerkt: Es war die 47. Ausgabe dieses Laufes. Beim ersten Mal starteten 4 Teilnehmer. Einer davon hat das Rennen noch nicht verpasst. Stark. Die ersten Rennsteigläufe waren nebenbei keine Wettkämpfe. Man lief gemeinsam bis zum Ziel. Wahrscheinlich auch daher kommt das Gefühl dieser Veranstaltung.

 

3. Thüringer sind nach Bratwürsten süchtig

 

Schilder verkünden an der Straße, dass an dem örtlichen Imbiss ab 11 Uhr der Rost brennt und das meinen die nicht als freundliche Empfehlung. Das ist eine passiv-aggressive Aufforderung sich seine Thüringer zu holen. Hier gibt es mehr Bratwurststände, als Einwohner. „Haben die das nicht irgendwann über, diese Wurst?“ „Meine These ist ja, dass die das schon gleich als Muttermilchersatz bekommen und dadurch danach süchtig sind.“

 

Ob die schmecken, führte noch zu einem kurzen fränkisch/thüringischen Konflikt, die Hamburger waren geteilter Meinung.

 

4. Das wird jedes Jahr steiler

Für uns Hamburger ist das ja schon grundsätzlich nicht so wirklich was, dieser Thüringer Wald. Das geht viel zu häufig (also ständig) bergauf. Und ab und zumal vielleicht 4 Meter bergab. Gefühlt. Schmiedefeld ist mit der tiefste Ort des Rennsteigs, so dass dies objektiv nicht stimmen kann, aber wer glaub schon an objektive Daten?

 

Das Gefühl sagt einem, dass die auch jedes Jahr die Hügel aufschütten. 7 Minuten mehr als letztes Jahr brauchte ich so, was aber auch ganz vielleicht mit etwas wenig Lauftraining dieses Jahr vs. voll im Saft letztes Jahr zu erklären ist. Aber eigentlich sind die Hügel schuld. 

 

5. Leider gibt es überall Idioten

An diesem Lauf nehmen deutlich über 15.000 Menschen teil und ein großer Teil dieser Menschen muss sich die Oberhof – Schmiedefeld Strecke teilen, die nicht immer Straßenbreite hat. 99 % der Teilnehmer wissen und beachten dies, laufen an den entsprechenden Stellen vorsichtig und überholen nur dann, wenn es wirklich geht. Und dann gibt es die Schwachköpfe, die Leute anrempeln und dann noch was von „Dann geh doch zur Seite, wenn du langsam bist“ faseln. Oder die unbedingt „Muschis“ (gemeint sind Frauen) überholen müssen. Was für Arschlöcher. Die so gar nicht zu dem „Ankommen ist alles“ Gefühl dieser Veranstaltung passen.

 

Besser passt da schon die Wanderin, die mit einem Müllsack wandert und jeden Schnipsel, den sie findet aufhebt und in ihre Tüte wirft.

 

Sowieso sind die Wanderer die heimlichen Helden dieses Laufes. Von ganz jung bis ganz alt und eben ohne auf Schnelligkeit zu achten, wandern sie ins Ziel. Das passt zu dieser Veranstaltung, die in ihrer Grundidee wie eben geschildert kein Wettkampf war. Schade, dass der Veranstalter genau für diese Gruppe nicht genügend Finishermedaillen am Ziel bereit hielt. Großes Minus. (Nachtrag: Fairerweise sei angemerkt, dass Nachlieferung versprochen ist und es zum ersten Mal eine Wandermedaille gab.)

 

6. Bier und Suppe sind eine gute Zielverpflegung

Im Ziel gibt es Köstrizer Schwarzbier und Brühe. Was will man mehr?

 

7. Wir hatten beinah alle Strecken besetzt

 

Meine Bezugsgruppe ist gewandert, ist gehalbmarathont, ist gemarathont. Uns fehlt eigentlich nur noch der Supermarathoni. Aber vielleicht macht das ja das Schwesterherz irgendwann mal?

Brudermedaille

 

8. Das Rennsteiglied ist auch nicht schlimmer als Stadionhymnen

 

Und daher nun alle: 

 

„Diesen Weg auf den Höh’n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder. 
Bin ich weit in der Welt, habe ich Verlangen, Thüringer Wald nur nach dir.“ 

 

9. Man kommt wieder

 

Um 40 Teilnahmen am Rennsteiglauf zu verwirklichen, müsste ich a. mindestens 85 werden, b. dann noch leben und laufen c. der Lauf noch existieren. Aber die dritte Teilnahme ist schon mal fest gebucht.

 

 

 

Mai 192019
 

Bayern bekommt in der Bundeswehr ein eigenes Landesregiment. Stand im Bildschirminfosystem des Pendelbusses. Wenn diese so gut funktioniert wie die bayrische Software für Steuererklärungen, dann begrüßen wir diesen Schritt als Pazifist*innen und Hippies, die wir nun mal sind.

Sonderzug. Nachdem es um nix mehr ging, wurde noch ein Motto nachgeschoben. Bisschen spät für komplizierte Ideen, aber einige hatten gute Ideen. Ansonsten gilt ja wie immer “was im Sonderzug passiert, bleibt im Sonderzug” (oder steht auf Twitter). Zitat “so einen Flakbunker braucht man immer”.


Rückrunde weg tanzen

Wisst ihr was eine komische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist? Früher war die NRW Polizei für ihre Entspanntheit bekannt und die bayrische für ihre Unentspanntheit. Heutzutage ist es beinah andersherum. Zwar fährt die Polizei Bayern auch eine Anzahl von Mensch auf, die für drei Dresden-Spiele reichen würden, aber immerhin ohne Helm und relativ entspannt was die Nutzung von Pendelbussen vs zu Fuß gehen angeht. Ja das ist jetzt Lob auf niedrigstem Niveau. Heutzutage ist man ja schon froh nicht ohne Grund gepfeffert zu werden. Auch wenn wir uns den Mitreisenden, die den Polizisten einen “Schönen Feierabend” wünschten, nicht anschließen. Niemand muss Bulle sein.

Der gastgebende Verein hat den Gästeeingang verlegt, was echt schade ist. Der Pizzaimbiss gegenüber des alten Eingangs war als Auswärtsverpflegung gut geliebt. Nun steht man irgendwo vor Wohnhäusern, deren Anwohner*innen sich garantiert bedanken, dass da nun ein Haufen Betrunkener vor ihrem Vorgarten stehen.

Einlass überwunden und rein in den Stehblock. Liebe Fürther*innen, wenn ihr den Gästeblock schon umgestaltet, warum sorgt ihr nicht mal für mehr Verpflegungsstände? Wartezeiten von gut 30 min waren die Folge. Wir wollen ja nun echt nicht kapitalistisch werden, aber ihr könntet da echt noch Geld mit den ganzen durstigen Kehlen verdienen, die traurig guckten.

Fanszenen, die Choreos aus abgenommenen Naziplakaten machen und auf deren Rückseite “Nazis aufs Maul” pinseln, sind unsere Freund*innen. Mehr müssen wir zu der Kurve gegenüber heute nicht sagen.

Was willst du zum Geschehen auf dem Platz sagen? Es ist einfacher die gesunden Spieler aufzuzählen, als die Verletzten. Im Endeffekt verspielte der zusammen gewürfelte Haufen 1,6 Millionen Fernsehgelder, um mal MoPo Logik zu zitieren. Aber seien wir ehrlich: Die haben wir in der gesamten Rückrunde verspielt, da kannst du dem Resthaufen heute keinen alleinigen Vorwurf machen.

Der Block war in Feierlaune, besang sich selbst und die Welt und irgendwann lernen wir auch noch mal folgendes: Kein gesprochenes S in Aux Armes. Kein Wechselgesang beim auswärtigen Aux Armes. Lernt das in der Sommerpause.

Nach dem Spiel zurück zum Zug und da sitzen wir gerade immer noch.

Unser Tag wird kommen.

Mai 132019
 

Hamburg bleibt zusammen

Rosa Luxemburg soll mal gesagt haben, dass sich der Charakter einer Frau nicht zeige, wenn die Liebe beginne, sondern wenn sie ende. Das gilt anscheinend nicht nur für Frauen (Sowieso – was für ein Klischee, warum soll das nicht auch für Männer und Diverse gelten?), sondern auch für Kommentatoren unter Postings des Lokalrivalens.

Das war der schöne Teil des (bevorstehenden) Saisonendes. Der unschöne war, dass wir nicht gleichzeitig die Chance beim Schopfe gepackt und uns auch sportlich zur einzigen Bundesligamöglichkeit in dieser Stadt gekürt haben. Denn auch unsere Rückrunde war ziemlich unschön.

Die Kommentare unter den Postings des FCSP sind trotzdem deutlich entspannter. Nein, auch sie sind immer wieder mit hanebüchenem Blödsinn durchsetzt (“Warum nicht Stani???1??”), aber an die Quali Nichtqualität einiger Menschen mit Liebe zu schwarz-weiß-blauen Vereinen kommen sie einfach nicht ran.

Ein Twitterer schrieb folgendes:

Mit dem #HSVplus wird alles besser! Endlich nur Fachleute in der Führung und keine dummen Fans.
Mit Häme habt ihr die aktive Fanszene übergossen damals. Oh wie ich es euch Vollidioten gönne. #SCPHSV

— Nicolai (@nicolaido) 12. Mai 2019

Man wird ihm wohl mit diesem Tweet und den folgenden schönen Grüßen an die Hamburger Sportmedien recht geben müssen. Da ändern auch die “Aber dann wären wir 2014 pleite gewesen!”-Antworten wenig. Das ist genau das, was euch die Hamburger Sportmedien erzählt haben. Mal ganz davon begann die ganze Geschichte ja schon vorher. Genauso wie sie euch alle zwei Jahre erzählt haben, dass ihr nun unbedingt Experten wählen müsst, um euch nach zwei Jahren zu erzählen, dass die ja alle keine Ahnung haben und ihr nun endlich Experten wählen müsst. Und das soll keine Kritik an unseren Ligakollegen im Volkspark werden. Eher an der Hamburger Medienlandschaft, die ihre eigene Rolle nie reflektiert.

Womit wir den Bogen zu unserem Verein schlagen. Wir nörgeln ja gerne – und natürlich immer zu Recht – an Entscheidungen unserer Führungskräfte herum. Aber insgesamt sind wir bei aller Kritik im Detail glücklich, dass wir „dumme Fans“ in allen Führungspositionen haben und keine „Experten“ von Abendblatts, MoPos und Bilds Gnaden.

Tschüß Jungs

Der Tag gegen Bochum beginnt mit einem Abverkauf von altem Fanräume-Merch. Das funktioniert ganz gut und viele Sachen gehen zu den verbilligten Preisen über den Tresen. Trotzdem können die Stufen, welche die Welt bedeuten, früh eingenommen werden und dies ist auch gut so. Es ist nämlich voll im Stadion. Es wird zwar jedes Spiel ein „Ausverkauft“ gemeldet, aber gerade auf den Stehplätzen der Gegengerade ist der Füllungsgrad schon sehr unterschiedlich. Warum er diesmal so hoch ist, wissen wir nicht. Fanfreundliche Anstoßzeit? Letztes Spiel? Oder doch die Han-Solo-Rechnung mit zwei Union-Niederlagen, höchstens einem Rautenpunkt und zwei hohen Siegen von uns? Wir wissen es nicht. Wir würden uns aber allemal wünschen, dass die Karten regelmäßiger genutzt werden. Alleine schon, weil ein anwesender Besucher auch noch ein Bier trinkt und irgendwas isst und damit dem Verein zusätzlich Geld einbringt.

Auf dem Platz werden Spieler verabschiedet. Allagui nicht, Meier nicht, diverse andere nicht, siehe Vereinstwitter. Das heißt nun nicht gerade, dass die beiden (oder die Anderen) auch nächste Saison am Millerntor auflaufen werden; aber man scheint zumindest noch unsicher genug über die Situation, um keine Verabschiedung vorzunehmen.

Neudecker, Hoogma, Müller, Schneider und Dudziak werden aus dem aktuellen Kader verabschiedet. Bei Nehrig wird die Verabschiedung an diesem Tag nachgeholt. Nehrig kann man eine gewisse Sehnsucht ansehen und der Beifall fällt verdientermaßen auch laut und lang aus. Man kann sich vorstellen, dass dies bei Dudziak genau anders herum ist. Buhrufe, freundliche Erinnerungen, dass sein neuer Arbeitgeber doof ist und ein bisschen Beifall sind die Reaktionen.

Danke euch allen und viel Glück auf euren weiteren Wegen. Ja auch dir Jerry, mögest du als guter Zweitligaspieler dieser Liga noch lange mit deinem neuen Arbeitgeber erhalten bleiben und in ihr für Furore sorgen.

0-0 der taktischen Sorte

Eigentlich hat Tim vom Millernton alles geschrieben, was ihr über das Geschehen auf dem Platz wissen müsst. Wir verweisen auf diesen Artikel und empfehlen sehr das Lesen. Auch seinem Saisonfazit kann man nur zustimmen. Wir müssen in der Rückrunde gerade einmal 26 Punkte holen und wären nun mitten drin im Aufstiegsrennen. Wenn man bedenkt, dass wir sechs Punkte in der Rückrunde gegen Union und gegen Paderborn geholt haben, dann haben wir den Aufstieg mehr oder minder gegen die Abstiegskandidaten dieser Liga verspielt. Das tut sehr weh. Es wäre so einfach gewesen.

Auch wenn wir uns wiederholen: Es war selbst noch brutaler, denn aus den letzten 16 Spielen hätten wir selbst nur 23 Punkte holen müssen für das eben Gesagte. Das ist ein Schnitt von ca. 1,4 Punkten. Ein Schnitt, wie ihn Teams wie Bielefeld oder Regensburg über die ganze Saison hatten. Das sind keine Wunderdinge.

Der Artikel stützt auch wieder eine unserer Thesen der gesamten Saison. An der taktischen Idee liegt unser Scheitern nicht. Das Trainerteam hat Ideen und versucht diese auch mit dem vorhandenen Spielern umzusetzen. Das klappt häufig genug und Dutt sagte auf der Pressekonferenz, dass er ein Kompliment ausspreche, weil er zweimal innerhalb kürzester Zeit zum Umstellen gezwungen worden sei. Das ist also wirklich nicht unser Problem.

Unser Problem liegt natürlich einmal in Verletzungen. Wie sehr bitte fehlt uns Veerman als Bande, als zentrale Anspielstation und als Spieler, der die Abwehr verrückt macht? Nehmen wir doch z. B. die Scorerausbeute von Allagui. Mit Veerman: Drei Tore, eine Vorlage. Ohne ihn? Ein Tor, keine Vorlage.

Ein weiteres augenfälliges Problem ist und bleibt, dass wir – ganz im Gegensatz zur Hinrunde – es nicht schaffen, Tempo und Aggression über 90 Minuten hoch zu halten. Und wenn das einzelne Spieler doch können, dann sind es Spieler, die in der Hinrunde nicht eingesetzt wurden und wahrscheinlich nicht ein Mal 100 Prozent der Zeit bei den Profis trainiert haben. Becker ist hier auffällig. Coordes von der Bank auch. Sowieso ist „Jugend forscht“ angesagt an diesem letzten Heimspieltag und Coordes macht in seinem Kurzeinsatz Lust auf mehr.

Er kommt für Schnecke Kalla, der seinen 150. Einsatz in Liga 2 zeigt. Die geringe Anzahl auf seine unzähligen Jahre spricht auch für die vielen Verletzungen, die seine Karriere auch geprägt haben. Ob diese nun in einer aktiven Spielerrolle noch viel weiter geht, wird sich zeigen. Schon vor dieser Saison hatten wir prophezeit, dass etwas schief gelaufen ist, wenn er viele Einsätze bekommt. Es sind am Ende der Saison 9 (und vielleicht noch 10?) und er hat die beste Whoscored-Note des Kaders. Es zeigt halt, wie wichtig ein guter 12. Mann ist, der dazu noch die absolute Kampfmaschine ist. Der unfassbar intensive lange Zweikampf mit seinem Gegenspieler in der ersten Halbzeit ist exemplarisch.

Haben wir uns jetzt wieder lieb?

Auf den Rängen ist eine ausgelassene Sommerstimmung sehr verbreitet. Das Ergebnis des Lokalrivalens sorgt natürlich für Heiterkeit und für neue wie alte Spottgesänge. Spott muss man sich halt verdienen. Und es ist besser als Mitleid.

Es gibt nach einer gewissen Pause mal wieder ein „Aux Armes“ und es den Versuch von Wechselgesängen über alle Tribünen. (Das kann noch besser werden, gerade die Nord kam bei uns gar nicht an, was nicht heißen soll, dass man sich da nicht bemüht …)

Die Gäste sind mit einem Sonderzug angereist, vor dem Stadion dementsprechend gut betankt und im Stadion mit einer Choreo dabei. Diese untermalt von (verspätet?) gezündetem Rauch, was so nicht wirklich beeindruckend aussieht. Nicht auf die Uhr geguckt, liebe Bochumer?

Danach

Gibt es in den Fanräumen noch Büffet und wir besuchten noch kurz das gallische Dorf des Hafengeburtstags namens Jolly-Bühne. Puh, nichts gegen schöne Schiffe und Städte mit Häfen haben ja immer noch Hoffnung, aber das ist ein gewöhnungsbedürftiges Fest. An der Bühne aber viele nette Menschen und ein netter Ausklang zum Wochenende.

Unser Tag wird kommen.

PS: Derbyfluch? Maik der alte Investigationsjournalist hat da mal tiefer gebohrt.