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Sexkinos in Bielefeld

Bielefeld an einem Freitagabend? Eigentlich sehr nett, es ist nicht weit, man hat das Wochenende frei und Flutlichtspiele haben dann ja doch ihren eigenen Reiz.

Bielefeld an einem Freitagabend heißt aber auch, dass man von Billstedt bis zur südlichen Stadtgrenze gut 40 Minuten braucht und sich danach auch über eine ordentlich volle Autobahn schlängeln kann. Wir haben aber Zeit, können das also alles gelassen nehmen und auch während des einsetzenden starken Regens entspannt weiter fahren. Die Musik ist gut, es ist eine kurzweilige Fahrt und die Nüsse mit Honig und Salz sind lecker.

In Bielefeld ändern sich mehrfach Pläne, aber wir finden irgendwann einen Parkplatz in Gästeblocknähe. Und hier liebes Bielefeld müssen wir reden. Es ist prinzipiell okay, einen Parkplatz zu empfehlen und der kann bei innerstädtischen Stadien auch gerne mal ein Stück weg sein. Wenn jedoch schon der Fanladen vor dem Spiel vor dem Weg warnt und wir nach dem Spiel von mehreren unangenehmen Begegungen hören, dann ist das nicht gut. Und anscheinend dort üblich. Dann muss man das anders organisieren. Mal ganz davon ab, dass diese Jagd auf einzelne kleine Autobesatzungen mit großen Gruppen nicht gerade Härte zeigt, sondern eher das Gegenteil. Wir gähnen jetzt schon, wenn wieder fein säuberlich zusammengenähte Fanshopschals präsentiert werden. Falls ihr euch fragt, warum wir lieber durch Wohngebiete gekurvt sind, anstatt auf dem empfohlenem Parkplatz zu parken. Darum.

Alles in allem ist das wahnsinnig sympathisch in Bielefeld.

Regen? Schnell in Gästeblock und trocknen. Wir bedanken uns beim Wettergott, dass der Regen pünktlich zum Spiel aufhört und im gesamten Gästeblock alle möglichen Kleidungsstücke zum Trocken aufgehangen werden können. Wir haben gute Sicht (wer muss schon beide Tore sehen?), fragen uns wann der Vorhang unter dem Sprecherturm geöffnet wird und wann geschlossen und das Spielfeld sieht man auch noch. Ja, der Gästeblock in Bielefeld ist echt ganz am Rand. Der Alarm ist gut im weiten Rund, das ritualisierte „Scheiss St. Pauli“ wurde diesmal aber nicht mit „Ostwestfalen Idioten…“ gekontert.

Auf dem Platz? Ja da müssen wir wohl reden. Das sieht alles griffig aus und wenn wir hier so z.B. Dresden – Bochum nebenbei gucken, dann spielen wir garantiert keinen schlechten Ball im Zweitligavergleich. Entgegen den Schreiern im Internet können wir auch verstehen, dass Ceesay noch als Joker agiert. Der Junge kommt aus einer Verletzung und nichts ist unsinniger, als den zu schnell zu stark zu belasten. Und gerade als Stürmer kannst du halt mit Kurzeinsätzen a. noch richtig den Unterschied machen und b. dich immer weiter in Spielform bringen. Keine Sorge, wenn der Junge so weiter trifft, dann spielt der sehr bald sehr viel von Beginn an. Offensiv ist das alles gefällig bei uns. Aber defensiv? Guckt euch lieber nicht das 1-0 von Bielefeld an. Das ist schon ziemliches Slapstick. Da sieht kein Defensiver gut aus. Ganz im Gegenteil. Auch das 2-1 ist eine Fehlerkette der Extraklasse, Ballverlust, korrigiert durch ein Foul, der Freistoss segelt rein, kann nicht richtig verteidigt werden und okay dann ist es super gemacht, aber da darf der Ball eigentlich nicht sein. Siehe Ballverlust.

Spielernamen sind hier nebenbei Schall und Rauch. Wir machen ja keine überpanische Instagramseite mit KI Bildern und rechten politischen Takes. Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen. Kommen wir zu dem Positivem: Schöner Pass und eiskalter Abschluss zum 1-1, ein Tor der Monats* zum 2-2. Beides Stürmertore. Außer Mathisen haben diese Saison nebenbei nur Stürmer getroffen. Das ist doch auch mal erfrischend. Am Ende versuchen wir noch zu drücken, aber genau da ist natürlich das Problem, wenn wir ständig Rückständen hinter her laufen: Das kostet Kraft und Bielefeld kann das dann gut weg verteidigen. Wir müssen diese Slapsticknummern echt abstellen und sehen da jetzt mal die Szene ganz am Ende, als David da ein Ding weg klärt und sich danach feiert einfach als Beginn einer ganz neuen wunderbaren Freundschaft und Abwehrsicherheit.

PS: Wir möchten der Stellungnahme von USP gar nichts hinzufügen, möchten hier aber allen Betroffenen unsere Solidarität aussprechen und viel Kraft senden. Bedenkt bei aller Bitte nach Aufklärung und Information immer, dass Betroffene immer die Bestimmenden sein sollten. Und nicht Journalisten von Tageszeitungen. Und an alle Döddel-Dulli-Fanszenen, die jetzt meinen sich mit wenig geistreichen Plakaten an USP und damit auch an den Betroffenen abarbeiten zu müssen: Vielleicht fangt ihr erstmal an bei euch genau hinzuschauen, als über andere zu Urteilen, die Vorfälle aktiv und bewusst aufarbeiten.

*das eigentliche Tor des Monats wird das Tor des Osnabrückers gegen die Bayern. Aber vielleicht basteln wir Ceesay einfach eine vereinsinterne Tor-des-Monats-Medaille.

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