„Wisst ihr noch wie sie euch am letzten Spieltag gedemütigt haben? Geht raus uns zeigt ihnen was ihr Millionenkader wirklich wert ist!“ So ungefähr stellen wir uns die Ansprache vor dem Spiel vor. Und sie haben geliefert.
Was für ein krass intensives Spiel! Was für ein Kampf! Was für ein Einsatz!
Von Beginn:
Vor dem Spiel gab es mal wieder Themen, die für Diskussionen sorgten. Die personifizierte Diskussion war dieses Wochenende Hauke Wahl.
Ja, Hauke, was sollen wir sagen? Du hast dich dazu entschieden, dem Ruf des Geldes zu folgen, zu einem Verein, der die Integrität des Wettbewerbs mit Füßen tritt. Es ist wahrscheinlich dein letzter großer Vertrag und du willst nochmal Geld mitnehmen. Okay. Dann steh aber auch dazu. Dann erzähl uns nichts von Werten und Leidenschaft für unseren Verein. „Wenn Spieler das Wappen küssen, sind sie meistens schnell weg“ gilt halt auch für dich. Wir haben dich eigentlich immer für intelligent genug gehalten, um zu verstehen, dass du dafür Kritik ernten wirst. Finden wir es gut, Spieler auszufeifen? Eher nein. Verstehen wir alle, die von dir enttäuscht sind? Absolut.
Soweit so gut. Aber Hauke, vorbei war es dann mit dem Interview in der Mopo. Die Kritik an deinem Wechsel als „Neiddebatte“ zu bezeichnen ist unterste Schublade und nur ein billiger Versuch von deiner Entscheidung abzulenken. Es ist schade. Wir hatten dich bei uns wirklich gern. Schade, dass du das so kaputt gemacht hast. „Neiddebatte“ auch so richtig übler Neoliberaler Sprech, wenn man keine Argumente mehr hat. Und wo hast du denn diese ganzen Nickligkeiten gelernt? Das hast du weder in Kiel noch bei uns gezeigt? Wir sind beeindruckt von der Nervenstärke von Ceesay. Wir wären wahrscheinlich irgendwann explodiert, wenn wir zum zwanzigesten Mal von hinten geklammert, geschubst oder am Trikot gepackt worden wären. Seit wann ist Textilvergehen und ständiges festhalten eigentlich kein Foulspiel mehr?
Immer noch peinlich: Euer Gepfeife bei Diamonds. Und: Bei der Aufstellung bei allen Spielern „Fußballgott“ rufen, außer bei Kaars da war es dann „Chancentot“. Rafft euch mal.
DIE NEUE ANLAGE IST SEHR LAUT! Mehreren Menschen klingelten nach dem Spiel die Ohren. Vieles war einfach so laut, dass es nicht mal mehr zu verstehen war. Wir buchen das mal als „Lernphase“ mit der neuen Anlage, aber da muss noch ein gutes Niveau gefunden werden. Stadiontechnik, übernehmen Sie bitte.
Außerdem gabe es vor dem Spiel verschiedene Spendenaktionen unter anderem für Antifaschistische Projekte in Sachsen-Anhalt. Falls ihr im Stadion nicht dazu gekommen seid, sind hier Links zu diversen Gruppen mit Infos und Spendenmöglichkeiten als Spendenvorschläge (garantiert keine abschließende Liste):
https://www.fluechtlingsrat-lsa.de
Im Stadion wurde mit diversen Tapeten für sexuelle Selbstbestimmung und Abschaffung des § 218 StGB geworben. Falls ihr euch fragt, warum dies bei diesem Spiel passiert: Kontext ist der Gegenprotest gegen Demos von christlichen Fundi Gruppen, die nächste Woche auf die Straße gehen wollen. Weitere Infos zu den Gegenprotesten findet ihr hier: https://www.sexuelle-selbstbestimmung.de/termine/aktionstag-2026/

Zum Spiel:
Es gibt so Spiele, da schaut man auf die Uhr und fragt sich, wie erst 15 Minuten vorbei sein können, weil einfach nichts passiert. Gegen Wolfsburg war es ein Spiel, bei dem man auf die Uhr schaut und sich fragt, wie erst 15 Minuten vorbei sein können, weil schon so viel passiert ist.
Aufgrund von einigen Ausfällen (Gute Besserung an Mathisen und Hrgota und Alles Gute an Ando) und einer ausgiebigen Videoanalyse wurde fleißig gewechselt und wir konnten Ritzka, Ceesay, Connor, Fujita und Niang in der Startaufstellung begrüßen. Was soll man sagen? Der Plan ging voll auf. Mit neuem Spielsystem mutig volle Kraft voraus. Abdoulie und Connor liefen vorne an, was das Zeug hielt. Ecken und Freistöße kamen da an, wo sie hin sollten, und so konnten wir nach langem aus Standardsituationen mal wieder Gefahr erzeugen. Schade, dass das nicht belohnt wurde. Was auch immer ihr da diese Woche im Training gemacht habt: Do it again! Es wurde geackert und gekämpft. Es waren tolle Spielzüge zu sehen, und wenn der Ball mal weg war, dann waren drei andere da, um den Ball wiederzuholen. Genau das wollen wir sehen. Kämpfen für den Ball, füreinander, für drei Punkte. Für St. Pauli.
Wir würden natürlich gerne behaupten wir hätten Wolfsburg in Grund und Boden gespielt aber zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass wir in der ein oder anderen Situation ganz schön Glück gehabt haben, dass der Ball neben das Tor oder an die Latte geht. Es ist eine Floskel mit sehr viel Wahrheit: Ein Team mit der Qualität von Wolfsburg schaltest du nie zu 100 % aus. Aber auch das muss man sich als Team erzwingen können. Und das bisschen Glück hat bekanntlich immer der Tüchtige. Verdient haben sie sich es auf jeden Fall. Wie oft war in den letzten Wochen das Glück auf der Seite des Gegners. Bestes Beispiel: Kiel. Und wie stark fehlen uns gerade diese 2 Punkte für einen gefühlten guten Saisonstart.
Wir geben zu: Nach gut 20 Minuten hatten wir etwas Sorgen, dass das Spiel so läuft wie zu viele Spiele in letzter Zeit. Wir fangen stark an und dann fangen wir uns doch nach einem unglücklichen Fehler wieder das Gegentor. Um so stärker, dass es das Team geschafft hat dagegen zu halten, keine Fehler zu machen und wenn doch diese gemeinsam wieder ausgebügelt werden konnten. So ging es hin und her mit Chancen auf Wolfsburger Seite und Chancen bei uns. Während dem Spiel wurde sich schon gefragt ob im Training das Tor 10 Meter höher ist oder man da immer bergauf spielt, weil unsere Torschüsse teilweise weit über das Tor in die Nord hinein flogen. Es wird gemunkelt mancheine*r hätte Angst gehabt man würde das noch bereuen, dass keiner der Bälle reingegangen ist. Aber so etwas würden wir ja nie sagen. Wir hoffnungslose Optimisten.
Es gibt Torschützen über die freuen wir uns. Und dann gibt es Torschützen für die freuen wir uns besonders. Joel, ey. Wir zitieren ihn mal selbst: „Es waren harte Wochen auch für mich, jetzt habe ich das Siegtor geschossen. Erst habe ich die WM verpasst, dann sind wir abgestiegen, ich war sehr traurig. Meine Situation war lange unklar, jetzt bin ich aber voll und ganz beim FC St. Pauli und darauf fokussiere ich mich.“ Nicht zur WM dürfen, absteigen, kein passendes Angebot. Ist doch klar, dass das etwas mit einem Menschen macht. Und dann der Kopf arbeitet. Auch wenn im Fußball immer von Marktwerten gesprochen wird, sind Spieler keine Gegenstände sondern Menschen, mit Gefühlen und einem Kopf der sicherlich auch mal zu viel arbeitet. Um so schöner, dass er sich belohnen konnte. Auch von ihm dürfte mit dem Tor etwas abgefallen sein. Wie schön ist es ihn nach dem Spiel so grinsend und tanzend zu sehen?

Und ja bei dem Tor ist auch wieder Glück dabei. Der Wolfsburger lässt sich von Ceesay den Ball abnehmen und der selbe Wolfsburger fälscht dann den Ball so ab, dass er unhaltbar ins Tor geht. Aber nochmal. Glück muss man sich im Fußball erzwingen. Und das haben die Jungs an diesem Abend definitiv getan.
Der Ball fliegt ins Tor und das Millerntor explodiert. Ein ganzes Stadion liegt sich vor Freude in den Armen und brüllt die Anspannung der letzten Wochen in den Hamburger Nachthimmel. Endlich! Unendlich viel Freude und Erleichterung. Wie geil ist das denn? Wir führen. Kurz vor Schluss. Gegen Wolfsburg. Verdient.
Ben brüllt es nach vorne, gefühlt das ganze Stadion denkt es: Jetzt konzentriert bleiben. Bringt es über die Zeit. Fünf Minuten Nachspielzeit wirken unendlich lang. Aber das Team macht es klug und als der Schiri pfeift ist da einfach nur unendlich viel Freude und Erleichterung. Bei uns und beim Team.
Was für ein Abend, was für ein Spiel.

Extra Herzchen hier mal für Connor. Dies ist sowieso ein Connor Fanblog, aber das war mal richtig fett. Schade, dass der zweite Reihe Kracher nicht rein gegangen ist. Einziger Spieler, der bei uns richtig Entfernung schießen darf, wenn ihr uns fragt.
Spannend ist es ja immer nach solchen Spielen die Zusammenfassungen der verschiedenen Medien zuvergleichen. Während Sky/RTL die Szene vor dem Tor als Ceesay den Ball erobert, als leichtfertiges Verlieren des Balls durch den Abwehrspieler deutet, liest der NDR die Szene als super Durchsetzen und Ballerobern von Abdoulie. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte. Aber es ist schon interessant wie verschiedenen Medienanstallten das Spiel teilweisen lesen und deuten. Und apropos Spielzusammenfassungen: IST ES DENN SO SCHWER DIE NAMEN DER SPIELER RICHTIG AUSZUSPRECHEN? VERDAMMT NOCHMAL!
Mit allem was wir haben, mit Kampfgeist, Mut und Leidenschaft. Weiter immer weiter! Als Nächstes: „Stadion der Freundschaft“. Garantiert so unpolitisch und Schweinefrei wie letztens in Essen. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten.
