Zum Inhalt springen

Ja, scheiße.

Wir schreiben hier heute ziemlich verkatert. Normalerweise sind wir nicht so, aber am Samstag nach Abpfiff ist uns auch nichts besseres eingefallen. Wir sind aber nicht nur verkatert vom Alkohol. Die ganze Saison hat Körner gekostet. Das sportliche auf und ab was schlussendlich in einem Sturzflug endete. Die vielen Verletzten im Kader. Die vielen Störgeräusche außenherum und innerhalb des Teams. So viel Streit und Diskussionen. Unendliche viele dumme, inhaltsleere und unwissende Kommentare. So viele Gästeblöcke. So viele Kilometer in Auto, Bus und Bahn. So viele Stunden an Bahnhöfen, vor Stadien, auf Autobahnen und ekeligen Raststätten. So viele Kilo Nüsse, Mangostreifen und Bananenmilch. So viel Zeit, Energie und Leidenschaft. Und jetzt ist das Kapitel Liga 1 erstmal wieder vorbei und wir sind verkatert. 

Fangen wir versöhnlich an: Ey Oke, Borne, Blessin, Rest des Teams um das Team danke für zwei Jahre erste Liga. Danke an die Spieler für ganz viele Endorphine und Glücksmomente. Danke dafür, dass wir etwas erleben durften was noch vor ein paar Jahren so unendlich weit weg schien. Danke, für ein kontinuierliches und besonnenes Arbeiten. Auch wenn auch wir natürlich nicht immer mit allem einverstanden sind (Wir sind schließlich ein Pöbelblog und haben einen Ruf zu verlieren), wissen wir doch wie viel besser die sportliche und wirtschaftliche Situation des Vereins jetzt ist im Vergleich zu früher. 

Ja, es ist scheiße. Sogar richtig scheiße. Und es tut weh. Die Saison war wiedermal der Beweis, dass an „die zweite Saison ist immer die schwerste“ halt doch was dran ist. Und nein, du Typ von Insta der in unseren Kommentaren behauptet „es wäre ein leichtestes gewesen die Klasse zu halten“. So leicht ist es eben nicht. Dafür muss ziemlich viel gut laufen und sehr viele Räder in einander greifen und das haben sie nicht. 

Die bittere Wahrheit ist halt auch: Wir hatten es komplett selbst in der Hand und haben es komplett selbst verbockt. Da müssen wir nicht die Schuld bei Schiedsrichtern, dem VAR oder den Bayern suchen. Wir hatten es selbst in der Hand. Wir haben aus den letzten 10 Spielen nur 3 Punkte geholt. Und das ist dann einfach zu wenig. „Einfachstes Restprogramm“? Am Arsch! Und ja im nachhinein spricht es sich immer leicht aber wir haben Zeugen, dass Teile von uns schon von Beginn an bei dem Restprogramm Bauchweh hatten. Scheiße, wir hassen es wenn wir in so einem Fall recht haben. 

In der Analyse fallen ein paar Dinge auf. Zu viele floskeln sich einen hin. „Mit einem anderen Trainer wäre das nicht passiert“ „Mit diesem Trainer spielen wir auch in Liga 3 gegen den Abstieg“ etc. sind nichts anderes als dumme Stammtischparolen auf dem Niveau „Klimawandel gibt es nicht, weil ist ja gerade kalt draußen“. Komplexe Sachverhalte Unterkomplex zu erklären, ist gerade richtig woke. Und besonders das „Bornemann raus“-Gekreische von ein paar Leuten zeugt einfach nur von …. fügt hier selbst das passende Wort ein. Stell dir vor du hast als Verein den erfolgreichsten und sportlich besten Kader aller Zeiten und du forderst trotzdem die Entlassung des Sportchefs. Für so gedankliche Spagate sind wir echt nicht flexibel genug. 

Greifen wir ein paar Punkte auf: 

Schlechtere Abwehr

60 Gegentore reichte für den 12. Platz von 18 Teams in der Kategorie „Gegentore“. In der Saison vorher hatten wir halt nur 41 Gegentore und das war Platz 2 in dieser Kategorie. Da ist ein großer Unterschied zu sehen. Ursachenforschung? Wahrscheinlich ist es erstmal eine langweilige Regression zur Mitte https://de.wikipedia.org/wiki/Regression_zur_Mitte. 24/25 hat unser guter Abwehrverband seine Leistungsfähigkeit noch mal außergewöhnlich übertroffen. Nun fiel er wieder in sein „normales“ gut ab. 

Man muss dann aber weiterhin das „warum“ fragen. Und da fällt auf, dass wir gerade im defensiven Bereich sehr viele Verletzungen hatten. Offensichtlichstes Beispiel: David Nemeth – 24 Spiele letzte Saison. Alle in der Startelf. 0 Spiele diese Saison. Das ist und war bitter. Für ihn und für uns als Verein. Dazu kommt, dass wir selbst wenn man David und Jannik Robatsch raus rechnet beinah nie alle zentralen Verteidiger an einem Spieltag zur Verfügung hatten. Irgendwer war immer verletzt. Die Übersicht bei Transfermarkt (findet ihr im Notfall selbst) sieht bitter aus. Das im zentralen Mittelfeld Irvine, Sands und Metcalfe sich auch die Klinke in der Klinik in die Hand gaben, macht das Ganze noch schlechter. Kurz: Im ganzen Verbund „gegen den Ball“ haben wir die ganze Saison keine konstante, eingespielte Truppe gefunden.

Verletzungen sind mal Pech, mal aber eben auch nicht. Strukturelle Defizite durch eine nicht ausreichende Trainingsanlage sind langfristige Punkte, die wir angehen. Ob im Training, in der Vorbereitung etc. Fehler gemacht wurden, können wir nicht sagen und wollen wir auch nicht beurteilen. Aber irgendjemand auf Facebook wird es schon besser wissen als wir.  

Was in diesem Zusammenhang aber vielleicht eine Rolle spielt: Der FCSP hat 133 mal gewechselt. Das war am wenigsten in der Liga. Unsere Startelf hat im Schnitt 83 Minuten pro Spiel gespielt. Das war am meisten in der Liga (alle Werte laut fbref.com). Das ist jetzt natürlich eine Henne/Ei Situation. Haben wir so wenig gewechselt, weil durch die Verletzungen die Alternativen ausgingen oder haben wir zu wenig gewechselt und unsere wenigen guten Spieler damit überlastet? Aber falls ihr während der Saison über die wenigen und zu späten Auswechselungen gemeckert habt: Die Statistik gibt euch recht. Immerhin haben eingewechselte Spieler dann durchschnittlich 20 Minuten gespielt, was im Mittelfeld der Liga ist (auch laut fbref.com). Was man aber auch erwähnen muss: Wir waren in der letzten Saison in dieser Statistik auch sehr weit hinten. Und: Heidenheim hat nach Köln die zweitmeisten Wechsel und ist auch mit abgestiegen. Also vielleicht sagt das mit den Anzahl der Wechsel auch gar nicht so viel aus?

Aber natürlich kann man hier fragen, ob wir da hätten mutiger sein sollen? Sind Spieler wie Robatsch oder Hara wirklich so viel schlechter, dass sie nie eine Chance erhalten können? Wissen wir nicht und auch Trainingseindrücke sind uns natürlich unbekannt. Aber das gilt es kritisch zu analysieren. 

Standards  

Letzte Saison haben wir, laut whoscored.com, 8 Gegentore nach „Set Pieces“ bekommen, diese Saison 16. Wir müssen nur auf Leipzig und Wolfsburg hinweisen. Vier Gegentore nach Ecken sind einfach vier Tore zu viel. Eckenverteidigung und der FCSP? Gerade am Ende der Saison Dinge, die so gut zusammen gingen wie Mitgliedschaft in der cdu und Empathie. Im Profifußball führen irgendwas zwischen 3 und 8 % (je nach Quelle) aller Ecken zu einem Tor, beim FCSP führten in den beiden letzten Spielen 33 % aller Ecken gegen uns zu einem Tor. Ja, das ist natürlich aufgrund der schmalen Basis keine saubere Statistikarbeit, aber wir sind hier ja auch im Abstiegsverarbeiten. 

Dabei sind wir offensiv bei „set pieces“ selbst im oberen Mittelfeld der Liga und 16 Gegentore ist auch bei weitem nicht das schlechteste in der Liga, aber es fällt halt auf. Und das wahrscheinlich auch besonders, weil es in den letzten Spielen war, bei denen es um alles ging und es die Mannschaft eigentlich gar nicht so schlecht gemacht hat und sich durch die Gegentore nach Ecken so bitter um verdiente Punkte gebracht hat. 

Offensive eigentlich okay

29 Tore diese Saison. 28 Tore die Saison davor. Das ist zwar zweimal sehr wenig, aber im Vergleich lag es daran nicht. Was das aber auch zeigt, dass „wir brauchen einen Stürmer“ eben auch nur eine Floskel ist. Aber wenn man bedenkt, dass man mit Morgan Guilavogui den Topscorer der vorherigen Saison verloren hat, dann ist es halt nicht so schlimm. Ach ja, den zweitbesten Scorer (Eggestein) nebenbei auch. 

Geld schießt Tore

Am Ende steigen die beiden Vereine ab, die am wenigsten Geld zur Verfügung hatten. Und der Verein im Abstiegskampf mit dem größten Etat rettet sich in die Relegation. Und feiert sich dafür vor unserer Kurve als wären sie der Underdog der gerade das Wunder des Jahrzehnts vollbracht hat. Das Demut und Selbstreflexion nicht im Handbuch des „Arbeitervereins“ (AHAHAHA selten so gelacht) stehen, ist jetzt auch keine neue Erkenntnis. Geld schießt Tore. Das will niemand hören und jeder träumt immer davon, dass man doch jetzt bitte Philip Tietz von Mainz verpflichtet, aber es gibt leider Wörter wie „Gehaltsgefüge“ und „Etat“ und die brechen einem das Genick. Immerhin hat besagter Tietz den geäußerten Sympathien mit seinem Tor gegen Heidenheim Taten folgen lassen. Der FCSP sollte sich auch nicht verleiten lassen kurzfristig irgendwelche Wahnsinnstaten zu begehen. Wir haben infrastrukturell (Kollaustraße, Erhaltung und Erweiterung (?) Millerntor) zu viel vor der Brust, um nun riesige finanzielle Risiken für einen auf tönernen Füßen stehenden sportlichen Erfolg zu investieren. Warnende Beispiele gibt es genügend. Und nur weil das im Osten Berlins einmal gut gegangen ist, ist das keine sinnvolle Idee. Kaderwerte sind entscheidend und das was wir oben über wenige Auswechselungen geschrieben haben, findet sich hier natürlich wieder. 

Und jetzt? Ist immer noch alles scheiße so vom Gefühl her. Die Gespräche mit den Kolleg*innen sind zäh. Und wir wissen ehrlich gesagt nicht was schlimmer ist: Der Spott der Rautenkolleg*innen oder das vermeintlich tröstende „Es ist doch nur Fußball“. Es ist halt nicht nur Fußball. Da hängt für jeden einzelnen von uns so viel mehr dran. Sonst würden wir ja nicht jedes verdammte Wochenende da wieder hingehen. Sonst würden wir nicht diese Zeilen schreiben. Sonst würden wir uns nicht so scheiße fühlen. Und wir können wirklich froh sein, dass im Verein in den letzten Jahren so vernünftig und stabil gearbeitet wurde, dass der Abstieg nun (wahrscheinlich) nicht bedeutet, dass man die komplette Belegschaft entlassen muss, der Stadionname verkauft wird und wir zukünftig auf der Heinz-Ketchup-Tribüne stehen. 

Also wie geht es weiter? Erstmal fühlen wir uns noch ein bisschen scheiße. Verarbeiten die Saison. Machen Sommerpause. Warten ab welche Entscheidungen im Verein getroffen werden und vertrauen darauf, dass dies die richtigen sind. Und dann? Dann greifen wir wieder an. 

PS: Kann uns mal jemand von dem Fluch befreien ständig mit Heidenheim in der selben Liga zu spielen? Den Ground haben wir in den letzten Jahren wirklich zu oft gesehen. 

PPS: Das jetzt die ganzen „das liegt ja nur an der Politik“ Trottel aus allen Löchern kommen, ist so erwartbar wie dumm. Wir sind politisch aufgestiegen, wir bleiben politisch. Und das sowieso der ganze Sport politisch ist, könnt ihr hier nochmal nachlesen: https://www.magischerfc.de/2025/09/von-der-maehr-fussball-sei-unpolitisch/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Blue Captcha Image
Refresh

*