(In dem Artikel kommen Sätze aus einem Therapiesetting vor. Sollte dies euch triggern, dann bitte hier aussteigen. Wenn ihr euch mit schlechten Gedanken alleine fühlt, kann euch zum Beispiel die Telefonseelsorge unter den Telefonnummern 0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 helfen. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.)
Liebe St. Pauli Fans,
wir nehmen jetzt ein leeres Blatt Papier, wir schreiben da alle doofen Gedanken drauf. Hier ein paar Beispiele:
– Wer soll denn die Tore schießen?
– Wir sind zu schwach für die 1. Liga
– 2. Liga ist doch viel schöner
– Wenn wir doch das „einfachste Restprogramm“ umgesetzt hätten.
– Wir haben gegen Mainz, Heidenheim, Köln nicht gewonnen, wie soll das jetzt funktionieren?
– Spieler XYZ kann doch sowieso nix.
Etc. PP. Schreibt das Blatt voll! Wer unter einer DIN A 4 Seite bleibt, hat die Übung nicht richtig gemacht.
Und nun streichen wir das alles durch und dann schreiben wir in dicken roten Buchstaben ein „Das sind keine zielführenden Gedanken“ darauf, zerreißen das rituell und denken ab jetzt nur noch gute Gedanken. Hahaha, wenn das so einfach gehen würde. Aber wir machen das jetzt. Wir glauben an unsere Chance, an unsere Möglichkeit.
Leipzig ist schnell erzählt. Bei zu vielen Spielern flutschte es am falschen Ende, wir spielten mit der absoluten Rumpfelf, hielten gut mit und am Ende entschied Qualität und auch Spielglück. So ein Tor wie das 1-0 von Leipzig? Das fällt, wenn es bei dir läuft, wenn du oben stehst. Es fällt nicht im Abstiegskampf. Öddeliger Kopfball trifft den eigenen Mann und bleibt so liegen, dass der direkt abschließen kann? Ey, kannst du dir nicht ausdenken. Die zweite Ecke? Ja, äh wir gehen davon aus, dass diese Woche beim FCSP nichts anderes geübt wird, als die Verteidigung von Ecken. Zu viele, zu einfache Gegentore. Dann noch ein bisschen Elotrans und ganz viel „schlechte Gedanken raus aus dem Kopf“ Training und schon ist die Trainingswoche fertig. Wirklich was ändern können wir doch sowieso nicht mehr.
Wer nebenbei meint, dass er unsere Spieler mit diskriminierenden Schimpfwörtern beleidigen muss, der ist fehl am Platz. Und zwar für immer. Gut, dass der Dude deutlichste Gegenrede bekam.
Und nun kommen DIE 90 Minuten. Es wird zu Recht besungen, dass der FC St. Pauli mehr als 90 Minuten ist. Aber diesmal kommt es auf diese 90 Minuten an. Und es kommt auch jede*n Besucher*in im Stadion an. Falls du dich während dieser 90 Minuten gerne über das Wetter unterhalten willst, das Stadion mit einer Druckbetankungskneipe verwechselst oder eigene Spieler beleidigen willst, dann haben wir hier einen Link für dich. https://www.ticket-onlineshop.com/ols/fcstpauli/de Da kannst du dein Ticket abgeben und bekommst auch das Geld wieder.
Wir erwarten von allen im Stadion 90 Minuten komplett Vollgas. Positiven Support für uns. Lautstarke Unmut gegen jeden Wolfsburger. Und das unabhängig vom Spielergebnis. Man hat an solchen letzten Spieltagen schon zu häufig Dinge gesehen, die unmöglich erschienen. Und ja, wir sind nicht Eintracht Frankfurt, aber es gibt genügend.
Vergesst bei der Ausgangslage nicht, dass auch Wolfsburg nicht einfach das 1-0 schießen kann und dann mauern kann. Das geht nicht. Das kann also am Ende auch ein wildes 5-3 für uns werden.
Wir gewinnen! Alle 26.000 FCSP Fans gemeinsam. Wir ignorieren so gut es geht das Spiel in Heidenheim. Steckt das Handy in die Tasche. Es ist wie es ist. Wir können darauf keinen Einfluss nehmen.
Wir manifestieren am Millerntor einen Heimsieg. Und dann gucken wir, ob es gereicht hat. Und wenn nicht, dann nehmen wir zur Belohnung wenigstens einen 50 + 1 Verweigerer mit in Liga 2.
Für die Jungs auf dem Platz gilt: Vergesst alles, das ist wie ein Pokalspiel. Da ist egal, ob Wolfsburg einen Kaderwert von 10 Fantastilliarden hat. Es ist egal, dass die viel besser sind im Fußball. Es ist 90 Minuten und ihr haut da alles rein.
Für uns auf den Rängen gilt: Kritik ist nicht. Wir machen das diesmal bedingungslos. Nach der Saison unterhalten wir uns über Verbesserungen und es wird eine lange Unterhaltung sein. Aber dieses Spiel (und danach auch in der Relegation) gilt „So lange ich leb, sing ich FC St. Pauli“! Nicht dein Ding? Vollkommen okay. Normalerweise. Diesmal nicht. Zu den Waffen! (das „S“ ist stumm, Loide!)
Vergesst nie: Wir sind 17. der Fernsehgeldertabelle. Wir haben die Chance am letzten Spieltag diese leider alles manipulierende Tabelle genau um einen Platz zu schlagen. Das ist ein Erfolg. Das ist Oberperformance. Klingt bescheuert? Ist es auch. Aber so unfair ist der Wettbewerb. Daher: Positive Gedanken. Wir sind gut genug für diese Liga. Für Wolfsburg im Mai wird es reichen.
Und wenn es nicht klappt? Dann ist der FC St. Pauli auch in der 2. Liga die einzige Möglichkeit. Ein Abstieg wird uns und unseren Weg nicht brechen. Immer weiter vor.
