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Es wird ein(e) Ehre(nrat)

Liebste Lesende, 

der Ehrenrat ist ein komisches Gremium. Wenn alles im Verein so läuft, wie es soll, dann erzählt der/die Vorsitzende des Ehrenrates auf der MV, wie viele Glückwunschkarten sie geschrieben haben. Wenn es richtig aus dem Ruder läuft, dann wird der Ehrenrat sehr wichtig. 

Und das ist die Basis, die man bedenken muss, wenn man Kandidat*innen auf ihre Eignung hin überprüfen will. Im normalen Geschäft wäre „schöne Handschrift“ eine der wichtigsten Kriterien, aber im wichtigen Fall benötigen wir da Menschen, die entscheidungsstark sind, die vielleicht noch juristische und moderative Qualitäten mitbringen. 

Man verstehe mich (auch dies ist ein Artikel des Seniors) nicht falsch: Dieses „Karten schreiben“ ist super toll, super wichtig und viel mehr St. Pauli als jeder Trainer. 

Gleiches gilt für die diversen Leistungsehrungen, die dieser Verein vergibt und die leider immer mehr nach hinten und in die Irrelevanz auf Mitgliederversammlungen geschoben werden. Ich bedauere das. Sie sollten einen viel wichtigeren Platz im Vereinsleben einnehmen, denn das ist eben unser Verein. Und nicht nur der Lagebericht, der zu 99 % über schlechte Herrenfußballer geht. 

Ich würde mir bei uns im Verein auch viel engere und deutlichere Leitlinien wünschen, die den Ehrenrat viel mehr befugen, diese auch durchzusetzen. Unsere jetzigen Leitlinien sind viel zu aussagelos und nur halb im Scherz schreibe ich immer wieder, dass diese auch problemlos von einem AfDler unterschrieben werden könnten. Nebenbei: Können wir mal einen Unvereinbarkeitsbeschluss irgendwann auf einer MV treffen? Ja, das darf man als gemeinnütziger Verein. 

Wir alle wissen, dass man Andy G. leider nicht aus unserem Verein bekommt, weil er so eben gegen nix verstößt. 

Ich bin auch ehrlich: Ab und zumal würde ich mir den Ehrenrat auch konsequenter und weniger „aber wir haben uns doch alle lieb“ erleben, aber das ist vielleicht von so einem Gremium nicht zu erwarten. 

Jahrelang war der Ehrenrat auch ein Gremium, bei dem gefühlt das Rentenalter Wahlvoraussetzung war. Dem ist zum Glück nicht mehr so. Wenn man die Kandidat*innenliste so sieht, dann ist der Ehrenrat auf Jugendkurs. Der älteste Kandidat ist 60 Jahre alt und das ist eben echt jugendlich. Als ich in diesem Verein ging, war das gefühlte Durchschnittsalter dieses Gremiums 80 Jahre. 

Nebenbei: Unsere Satzung schreibt vor, dass Kandidat*innen mindestens 35 Jahre als sein müssen. Dies ist imho dann doch etwas fragwürdig. Bei der nächsten Satzungsrevision sollten wir echt drüber nachdenken, ob das noch wirklich zeitgemäß ist. 

Kenner*innen werden nebenbei an der Stelle, wo man die Steckbriefe der Aufsichtsratskandidat*innen findet, auch Steckbriefe für die Kandidat*innen zum Ehrenrat finden. Im Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels sind diese noch nicht vollständig, was nach exklusiven Informationen dieses Blogs wohl an der Wahl von falschen E-Mailadressen und nicht an Unlust der Kandidat*innen liegt. Da ist noch eine Aktualisierung zu erwarten und das es dort Fehler gegeben hat, ist sehr ärgerlich. Ich zitiere wieder nur sehr vorsichtig und zurückhaltend aus diesen Steckbriefen. Siehe dazu im Aufsichtsratsartikel.

Zwei amtierende Mitglieder treten nicht wieder an. Günther Merkel und Wilfried von Rutkowski sei an dieser Stelle für ihr Wirken im Ehrenrat und an anderer Stelle in diesem Verein sehr gedankt. Nachtrag: Mir war beim Schreiben entfallen, dass Günther verstorben ist. Sorry für die Verwirrung. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten. Danke Thomas für den Hinweis.

Was interessant ist: Während wir beim Aufsichtsrat ein Übergewicht von Kandidat*innen aus der AFM haben, ist es beim Ehrenrat genau anders herum. Ja, dass ist eine sehr grobe Schublade, aber schon interessant.

Eine Wahlempfehlung gebe ich auch wieder ab. Ich bin mir beim Ehrenrat nicht so sicher wie beim Aufsichtsrat. Erneut sei dabei erwähnt, dass ich mich als Mitglied der aktiven Fanszene dieses Vereines sehe und Mitglied einer sporttreibenden Abteilung bin. Und dies meine Perspektive auf diesen Verein ist. 

Wir müssen beim Ehrenrat zwei Frauen wählen. Berechnung ist ganz einfach: Nach dem § 12a unserer Satzung müssen wir eine Quote von mindestens 30 % der Gremiumsmitglieder erreichen. Das sind im Ehrenrat rechnerisch 1,50 und ab da ist auf die nächste volle Zahl zu runden. Also zwei Frauen. Ihr habt 5 Stimmen. Genauso viele Menschen müssen wir auch wählen. 

Und damit zu den Kandidat*innen im Einzelnen. Diesmal in reiner alphabetischer Reihenfolge: 

Susanne Borstelmann

Wenn man Google bemüht, dann findet man eine Pastorin aus Sasel. Das ist aber NICHT die Susanne, die hier antritt. Diese ist gelernte Arzthelferin und Heilpraktikerin, arbeitet aber nicht mehr in diesem Bereich. 

Im Verein war sie noch nicht aktiv. Die Vorstellung wird hier also interessant. Susanne ist eine von drei AFM-Mitgliedern, die kandidieren. 

Suzann Edding

Sollte euch von der Arbeit für die Einführung der Quote bekannt sein, ist auch bereits im Ehrenrat. Ich habe bei dieser Arbeit Suzann als eine Person kennengelernt, wie man sie im Ehrenrat haben möchte: Ruhig, sachlich und klar. Suzann kommt aus dem Frauenfußball. 

Ich habe bei Suzann auch immer das Gefühl, dass sie ein Mensch ist, der bei dem ewigen Kampf von Geschäft und Werten auf der richtigen Seite steht und ein feines Gespür hat. 

Manfred Heinzinger

Manfred ist das, was man „bekannt und bewährt“ nennt. Ist seit 1992 (!!!!) Mitglied im Ehrenrat und auch schon länger dessen Vorsitzender. 

Irgendwann stellt sich natürlich die Frage nach „frischem Blut“, aber gerade weil diesmal der Ehrenrat auch umbricht, wäre es wahrscheinlich sehr sinnvoll, den „Methusalem“ wieder zu wählen. 

Ab und zumal ist mir Manfred zu doll Hippie. Aber das ist vielleicht auch richtig für einen Ehrenrat. 

Martina Mai

War schon im Wahlausschuss für diesen Verein tätig. Und wenn sie da mir nicht aufgefallen ist, dann ist das schon was Gutes. Der Wahlausschuss ist dann am Besten, wenn er nicht auffällt. 

Wird aber aus dem Wahlausschuss die ganzen Abteilungen und das Innenleben des Vereines kennen, was auch von Vorteil im FCSP sein kann. 

Nadia Mekhchoun

Disclaimer: Nadia steht am Millerntor meistens direkt hinter mir. 

Nadia sollte im Verein durch ihre Arbeit in der AG Pride bekannt sein. Nadia ist Juristin. Und da sind wir schon bei den beiden Faktoren, die ich als sehr wichtig sehe. Nadia vertritt in diesem Verein Queer, und zwar loud and proud. Das ist wichtig. Juristin ist wichtig, wenn der Ehrenrat wirklich mal gefordert ist. Das ist eine ganz wundervolle Kombination, wenn ihr mich fragt. 

Subjektiv habe ich Nadia als intelligente Gesprächspartnerin im Stadion kennengelernt. (Diese Formulierung umfasst nebenbei auch immer, dass man mal komplett konträrer Meinung sein kann, aber gute Argumente ausgetauscht werden.) Ich denke, mit Nadia ist auch die Frage, wie man Werte wirklich praktisch macht – z.B. auf Auswärtsfahrten oder am Stammtisch nach dem Kick – in wirklich guten Händen. Denn nur wenn wir die Augen sehr verschließen, denken wir, dass da alles gut ist. 

Olav Paasch

Das Gesicht habe ich schon mal gesehen. Ist mir aber ansonsten nicht als aktives Vereinsmitglied bekannt, was aber natürlich auch an meiner Ignoranz liegen kann. 

Lauscht der Vorstellung intensiv. 

Martina Scheuregger

Ist in der Segelabteilung und war für diese bereits in Vereinsgremien aktiv. Das ist auch immer gut, um den Verein zu kennen. Ist auch schon etwas länger in der Fanszene unterwegs und Mitglied in einem sehr angenehmen Fanclub. 

Das sind alles Argumente, die mich sehr schnell überzeugen. Aber ansonsten kenne ich Martina nicht. Insofern bleibt auch hier die Vorstellung abzuwarten. 

Heiko Schlesselmann

Muss ich hier einen Disclaimer schreiben, dass ich ihn kenne? 

Wer Heiko nicht kennt, hat die Welt verpennt. Hat in diesem Verein schön jedes Theater mitgemacht und als er dies lange genug beruflich gemacht hatte, übernahm er beruflich ein Theater und machte im Verein ehrenamtlich weiter. Ein Kenner des Vereines und seiner Fanszene. 

Ist mir auch als intelligenter Gesprächspartner in diesem Verein bekannt.

Minke Tiedemann-Borsutzky

Hat lange in unterschiedlichen Funktionen in der Handballabteilung gewirkt. Aus der bekanntlich nur gute Kandidat*innen für unsere Organe kommen. Aus diesen Tätigkeiten habe ich den Namen auch schon vernommen. 

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Menschen, die schon in Abteilungsgremien tätig waren, sind immer gute Kandidat*innen für den Ehrenrat, da sie wissen, wie so ein Verein von innen tickt. 

Wahlempfehlung? 

Ganz ehrlich, liebe Menschen, ich bin mir nur in einem sicher: Wenn ihr Nadia nicht wählt, dann macht ihr etwas sehr falsch. Da bekommt ihr juristischen Sachverstand gepaart mit Menschenverstand. Und letzteres haben bei weitem nicht alle Jurist*innen. 

Ansonsten haben wir hier neun Kandidat*innen, bei denen ich erstmal keine drängenden Fragestellungen haben. Hört euch die Vorstellungen an und wählt dann weise. 

Dass ich mich sehr über viele gewählte Frauen freuen würde, ist kein Geheimnis und gilt auch beim Ehrenrat. Schön, dass die Mehrheit der Kandidat*innen weiblich ist. Macht was draus. 

2 Kommentare

  1. Thomas Thomas

    Dass Günther Merckel nicht mehr antritt, liegt vor allem wohl daran, dasss er am 05.03.2022 verstorben ist.
    Vielleicht mag das noch ergänzt werden.

  2. Blogrentner Blogrentner

    Oh danke Thomas, das war mir entfallen.

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