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Keine T-Shirts, keine Tore, FCM – 1. FC Nackteburg

Das erste Mal geschichtlich bei Karl dem Großen erwähnt und zu dieser Zeit Kaiserpfalz von „Otto, dem 1.“. Da wäre es doch perfekt gewesen, wenn „Otto, die 27“ denen heute den Garaus gemacht hätte. Es kam anders, aber trotzdem gut.

Die Sonne scheint, Hochsicherheitsspiel, Magdeburg zu Gast, und die Polizei hat einfach mal alle ihnen zur Verfügung stehenden Gerätschaften aus dem Schrank geholt. Ein ganz entspannter Sonntag im Viertel also.

Nein, nicht wirklich. In den letzten Wochen gab es wiederholt Repressionen durch die Polizei gegen unsere Leute. Schon gestern beim „Ende Gelände“-Protest hatten sie zum wiederholten Male gezeigt, dass sie bereit sind, mit brutalen Mitteln gegen Leute vorzugehen und es mit der Wahrheit nicht so ganz genau zu nehmen. Sich selber mit Pfefferspray vollballern und dann rumheulen? Genau unser Humor. Nicht. So war schon Stunden vor Anpfiff das Viertel voll mit Wannen und Wasserwerfern. Natürlich immer mit laufendem Motor, versteht sich. Am liebsten auf Fahrradwegen. Unsinnig Leute zu belästigen ist eindeutig wichtiger als Umweltschutz.

Richtig scheiße wurde es dann noch nach dem Spiel, als ein FCSP-Fan in eine Wanne gezogen wurde. Solidarische Grüße an dieser Stelle.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Zum Spieltag hatte der Verein limitierte Sondertrikots mit Gendersternchen über dem Wappen an der Stelle, an der bei anderen Vereinen ein Meisterstern steht, herausgebracht. „Man erkennt aber an einigen Meinungsäußerungen in der Genderdiskussion deutlich, wie nötig das Ganze nach wie vor ist“ lässt sich Oke auf der Homepage zitieren. Der Tag heute unterstreicht dieses Statement; dazu später mehr. Aber dann macht es doch richtig – macht einen richtigen Aktionstag oder eine Woche daraus. Klärt auf, informiert.

Wir wussten, dass heute in diesen Trikots gespielt wird. Wäre es uns am Spieltag sonst irgendwie aufgefallen? Nein. Wenn Mensch unter der Woche nichts von der Aktion mitbekommen hat, dann hat er es heute im Stadion auch nicht. Kein Artikel in der Stadionzeitung, eine recht kryptische Werbebande – und schon geht die Aktion leider an den Menschen vorbei, die so eine Aktion am dringendsten brauchen.

Wir hatten uns am Freitag schon kritisch geäußert und die Quintessenz der Diskussion ist der entscheidende Aspekt: Gerade Themen wie Gendersternchen brauchen, um Leute zu überzeugen, eine tiefergehende Auseinandersetzung und nicht nur ein Druck auf Trikots. Interessant dann in diesem Zusammenhang auch, dass heute 29.146 „Zuschauende“ im Stadion waren.

Und ganz ehrlich: Als billige Provostöckchen für die üblichen Kreise, die sofort eskalieren, wenn man „Gender“ nur sagt, ist das einfach zu platt. Wir haben einiges auf Social Media gelesen, und keine*r von denen, die da rumhupen, ist bereit für eine tiefere Auseinandersetzung. Man erreicht mit so einer Aktion ohne kontextuelle Einbindung also nur die Leute, die sowieso schon erreicht sind. Und wenn man das nur zur Provokation macht, dann macht’s doch richtig – so mit „Männer aus der Kurve“ auf dem Trikot oder so.

(Auch ist „Sternchen des Nordens“ im Zusammenhang mit „Stern des Südens“ und Meistersternchen eher etwas platt. Zumal: Dieses Rumkokettiere mit fehlendem sportlichen Erfolg nervt. Ja, der verpasste Aufstieg nagt noch an uns.)

Der Verein kann das übrigens sehr viel besser; das hat er im Rahmen des „Kein Platz für Rassismus“-Trikots bewiesen. Inklusive Social Media-Takeover und vieler Infos, darunter auch Infos, die nicht selbstverständlich für halbwegs aufklärte FCSP-Kreise sind.

Wo wir schon bei „ausbaufähig“ sind: Die Getränkesituation heute war auf vielen Tribünen ebenfalls ausbaufähig:

Von außen wirkt das auf uns wie das typische „zu wenig Personal“, wie man es gerade an diversen Orten mitbekommt. Wir sind aber schon neugierig, wie es dann auch noch zu wenige Becher geben kann, so dass teilweise Altona93-Becher dabei waren oder teilweise zur 2. Halbzeit auch auf anderen Tribünen als der Nord Getränke nur noch in Einwegbechern zu erwerben waren.

Auch seltsam, dass bei dem erwartbaren Durst der Leute heute (es waren 30+ Grad angekündigt) dann nicht alle Stände geöffnet werden. Und noch seltsamer, wenn mit der initiierenden Gruppe eines dieser Stände nicht gesprochen wird:

Was heute gefiel: Die Awareness-Durchsage vor dem Spiel.

Zum Spiel

Wir kommen gut in die Partie. Hatten wir letzte Woche noch über die fehlende Stabilität der Abwehr und den fehlenden Zug zum Tor gemeckert, sieht das heute schon deutlich anders aus. Bis auf eine Szene, in der die Abwehr nicht gut steht und die zu einem kurzen Austausch zwischen Torhüter und Innenverteidigern führt, ist das heute dahinter ziemlich stabil und sicher. Was Nemeth da heute abgerissen hat – großartig.

Auch offensiv gefiel da heute vieles. Jojo Eggestein mit zwei sensationellen Toren zum 1:0 und 2:0 nach bereits 15 Minuten, und kurz vor der Pause hat er sogar noch das 3:0 auf dem Fuß, doch der Ball geht an die Latte. Wollen wir mal über die Flanke von Saliakas zum 2:0 sprechen? Wie toll war die bitte?! Schön, dass er heute zeigen konnte, wofür wir ihn verpflichtet haben. Auch Daschner hat sich heute wieder ein Fleißsternchen verdient – schade, dass er sich nicht mit einem Tor belohnen konnte.

Nach den zwei schnellen Toren tut sich Magdeburg schwer. Einzig 10 Minuten lassen wir sie besser ins Spiel kommen, und diese 10 Minuten sehen bei uns denn auch nicht wirklich stabil aus. Aber ein Trainer muss ja auch einen Kritikpunkt für die nächste Woche haben, sonst wird es ja langweilig im Training.

Aber wie das immer so ist in der zweiten Liga: Da liegt man zurück, hat zwar mehr Ballbesitz, aber nach vorne geht nichts (wir erinnern uns an Kaiserslautern letztes Wochenende). Mit dem 3:0 durch Hartel ist die Sache dann aber endgültig gegessen. Schon wieder so eine tolle Hereingabe. Wenn wir den Torjubel richtig deuten: Glückwunsch an Familie Hartel.

Die Aufstellung von Smarsch vor dem Spiel sahen wir kritisch, heute war er besser als zuvor. Aber ehrlich? Uns wäre eine andere Lösung gegen WHO THE FUCK IS HANSA ROSTOCK lieber.

„Wenn sie so stolz auf ihre Shirts sind, warum ziehen sie sie dann nicht einfach an?“

Der Gästeblock ist laut. Das ist jetzt aber auch das einzig Positive, das uns zu deren Auftritt heute einfällt. Allgemein ist das ganz schön peinlich, was uns der Magdeburger Gästeblock heute darbot. Eine Parade toxischer Maskulinität, wie sie im Buche steht. OKF und Mackergehabe. Frauen suchte man im Gästeblock heute auch eher vergeblich.

Der Gästeblock vor Anpfiff mit einer noch deutlich geringeren Hühnerbrust-Quote als zum Ende des Spiels.

Nach dem Spiel stehen wir noch kurz vor dem Fanladen herum und schauen Magdeburgern zu, wie sie entspannt vor der Gegengerade herumspazieren. Wir sind etwas neidisch. Wir würden das auswärts bei einem Hochsicherheitsspiel (!) gerne auch können.

Menschen!

Wie oft sollen wir es eigentlich noch sagen, dass ihr nicht in den Block filmen sollt? Wir sagen es heute oft. Sehr oft. Und ernten dafür heute nur dumme Sprüche und Häme auf der Gegengerade. Den Vogel schießt dann aber der Ordner ab, der anscheinend auch nichts Besseres zu tun hat als durchs Mundloch reinzukommen, sich unzudrehen, den Block abzufilmen und wieder zu gehen. Ach, und dann waren da noch die OKF-Typen. Leute, selbst wenn ihr hier zum ersten Mal seid: Check your surroundings. Check your fucking privileges. Und wenn man die Männer dann anzählt und ihnen Frauen dann auch noch zur Seite springen, dann wissen wir langsam wirklich nicht mehr weiter.

Alle feiern immer unsere Werte, alle laufen gerne mit diesen Werten auf Shirts und Co. durch die Gegend. Für diese Werte einzustehen und sie auch im eigenen Block durchzusetzen gehört aber ebenfalls dazu. Ein Genderstern ist ebenso wie die Fahne auf dem Dach des Stadions ein nettes Symbol. Aber die Handlungen, die fehlen. „Stillstand ist Rückschritt“ schrieben wir hier schon öfter, und dies gilt auch für das Miteinander im Stadion.

PS: Jakov wir sind Fans!

PPS: Aufsteigen und die Saisoneröffnung spielen. USP, meldet euch, falls ihr Ideen zur Choreo während der Nationalhymne braucht, wir hätten da ein oder zwei – entwickelt bei den zahlreichen alkoholfreien Getränken nach dem Spiel. So ein Heimsieg bei schönem Wetter hat schon was. Noch mehr hat allerdings ein Auswärtssieg in Rostock. Kommender Sonntag wäre ein dafür guter Termin.

Alle mit dem Zug nach Rostock

4 Kommentare

  1. Teewurstsalat Teewurstsalat

    „Der Gästeblock ist laut. Das ist jetzt aber auch das einzig Positive, das uns zu deren Auftritt heute einfällt. Allgemein ist das ganz schön peinlich, was uns der Magdeburger Gästeblock heute darbot. Eine Parade toxischer Maskulinität, wie sie im Buche steht. OKF und Mackergehabe. Frauen suchte man im Gästeblock heute auch eher vergeblich.“

    Wenn man nichts findet zum Kritiesieren dann denkt man sich eben etwas aus! :’D Aber so war der Linke Flügel ja schon immer
    Wenn man nichts auf die ketten bekommt dann einfach Fresse halten eure Szene ist nichts und wird auch nie etwas sein außer roter Schmutz der von unseren Steuergeldern lebt!

  2. Marius Marius

    Liebes Team vom Blog,

    trotz des anderen Lagers lese ich immer gern auch Einschätzungen vom Spieltag der gastgebenden Seite. Generell schätze ich es, wenn sich leute noch die Mühe machen das Geschehen in Schriftform zu verfassen.

    Zum sportlichen muss nicht viel gesagt werden. St. Pauli spielerisch, körperlich und mental überlegen. Verdient gewonnen.

    Was ich nicht unkommentiert lassen möchte, sind die beschriebenen Eindrücke vom Gästeblock. Zum einen tu ich mich schwer damit, freie Oberkörper als reines Sinnbild für toxische Maskulinität zu sehen, wenn die Temperatur in der vollen Sonne auf der Nordtribüne gefühlt 40° beträgt. Leider ist in diesem Zusammenhang der mehrfache Gang zum Wasserhahn auf die Toilette, als zum Gang an den Getränkestand wegen hoher Preise, alternativlos. Was an bekannten Gründen liegt.
    Zum zweiten gibt’s in der aktiven Fanszene natürlich auch weibliche Mitglieder, die sich voll und ganz engagieren. Waren auch anwesend – in starker Zahl.

    Natürlich weht in Hamburg bezüglich der Sternchen-Thematik ein ganz anderer Wind als die Elbe hinauf. Der Club kämpft zu allererst nach wie vor um die Anerkennung von 3 Meisterschaften und dem verbundnen Sternchen auf dem Trikot, die der DFB sich weigert anzuerkennen.

    Im letzten Punkt greife ich noch kurz auf, was die Fanlager wieder vereint – das ist Irritation über die Präsenz und das verbundenen Arsenal der Hamburger Polizei. Trotzdessen ist mein Eindruck vom Spieltag, was den Bewegungsradius angeht, positiv. Oder zumindest positiver als in der Saison 18/19.

    Grüße.

  3. Greenkeeper Greenkeeper

    Was du zum Magdeburger Fanblock schreibst ist absolut daneben! Sicherlich kann man mitunter sich kritisch mit der Magdeburger Fanszene auseinandersetzen, dennoch sind die Vorwürfe weitestgehend den möchtegern Toleranzmainstream zuzuordnen! Es ist mir neu, dass es jetzt als verwerflich gilt, sich bei 30° aufwärts das Trikot/Shirt auszuziehen! Ebenso anmaßend, empfinde ich es als Frechheit, den Magdeburgern anzuheften/anzuprangern das kaum Frauen im Block waren! Was soll diese unsinnige Aussage! Es obliegt den Damen bei uns immer noch selber, ob Sie sich bspw. an einer Auswärtsfahrt beteiligen möchten und den Club anfeuern wollen! Wenn es bei euch eine Frauenquote gibt, wo Frauen tatsächlich im Block anwesend sein MÜSSEN, habt ihr meiner Meinung nach ein echtes Problem! Bei uns läuft das glücklicherweise anders.
    Ich stimme dir übrigens bei der Sinnlosigkeit der Gendersternchenaktion zu! Steht zu eurem sportlichen Misserfolg. Schließlich müssen wir auch damit leben, dass unser Stern für die Oberligatitel im Unterhaus nicht getragen werden darf. Kommt von eurem hohen Ross runter!

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