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Dazke Uwe


Heute ist im Alter von 85 Jahren das Hamburger Fußballidol Uwe Seeler gestorben. 


Man soll das Wort „Idol“ vorsichtig verwenden, aber für Seeler passt es. Zu seiner aktiven Zeit ein Vollblutstürmer – „Torriecher“ lässt sich bis heute nicht wirklich vollständig wissenschaftlich erklären, aber er hatte ihn. Exemplarisch sei hier nur sein Hinterkopftor bei der WM 70 gegen England genannt (https://youtu.be/ulqsrMFP7gw).

Wer nebenbei sehen will, wie sich Fußball gewandelt hat, aber wie dramatisch auch uralter Fußball sein kann, der gucke sich bitte das Jahrhundertspiel DFB-Italien bei dieser WM an: Seeler in diesem Spiel als Vorbereiter für den zweiten Menschen, der bei „Torriecher“ im Lexikon abgebildet ist: Gerd Müller. 

Aber wir würden hier nicht über Seeler schreiben, wenn er nur auf dem Platz ein Großer gewesen wäre. 

Nein, Seeler war auch außerhalb des Platzes ein Idol. Unser Senior durfte mal mit ihm zu tun haben, und der Eindruck eines bodenständigen, fairen, und ehrlichen Menschen hat sich da nur verfestigt. Das war nicht nur Klischee. Das war Seeler. Einer, dem der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen war, sondern der immer er selbst geblieben ist. Während Beckenbauer durch die Welt jettete und so tat, als ob er der Geilste sei, saß Seeler halt in seinem kleinen Häuschen neben dem Trainingsgelände der Rauten und war Seeler. Das war erfrischend, das war in diesem Zirkus Fußball liebenswert. Und das wird fehlen. 

Seeler war Raute durch und durch. Außer einer obskuren Geschichte, die zu einem Einsatz für Cork Celtic geführt hatte, hat er bekanntermaßen nur für die Rauten gespielt. Er hatte ein für damalige Verhältnisse wahnwitziges Angebot von Inter Mailand abgelehnt und ist in Hamburg geblieben. Klar – versüßt mit einer Adidas-Vertretung, die ihm ein gutes Einkommen bescherte, aber eben einem bürgerlichen Job, den er ausfüllte. 

Gut bürgerlich waren auch viele Ansichten von ihm und einiges davon natürlich aus einer progressiven, modernen Sicht heute schwierig, aber er blieb sich eben immer treu.

Und so wurde Seeler „Uns Uwe“, und die Hansestadt Hamburg lag ihm zu Füßen. 

Man kann den bronzenen Fuß im Volkspark schwierig finden, aber wenn man es so sehen mag, dann ist es immer noch so: Hamburg liegt ihm auf Ewig zu Füßen. Wenn denn sein Herzensverein nicht die Statue zu Geld machen muss. Man kann sich da leider nicht sichern sein. 

Verdient hat dieser Verein Seeler eigentlich nicht. Denn „bodenständig“ und Rauten sind zwei Dinge, die nicht zusammenpassen. Und so musste er sich häufig genug Sorgen um seinen Verein machen und sprang auch mal in höchster Not als Präsident ein. 

Und seien wir ehrlich: Da kam er mit diesen hinterlistigen, mit allen Wassern gewaschenen Typen nicht zurecht und konnte ihre Unrechtmäßigkeiten nicht verhindern. Vielleicht ja, weil er sich soviel Unehrlichkeit zu Lasten seines Vereines nicht vorstellen konnte. 

Eines der ersten Spruchbänder beim FCSP war deswegen „Euch Uwe klaut“. Lasst euch von einem bekannten Hamburger Theatermacher gern mal die Geschichte von dem feuchten Banner und seiner ruinierten Jacke erzählen (dann hört nicht immer nur unser Senior die). 


Klar wurde Uwe von braun-weißer Seite mal geneckt. „Uwe macht sich Sorgen um seinen…“ ist ein geflügeltes Sprichwort bei uns Braun-Weißen. Aber hier gilt „was sich liebt, neckt sich“, und auch wir alle beim FCSP haben Uwe geliebt. 

Corny hat ihn Dauerkarten in unserer schwersten Zeit verkaufen lassen, als PR Maßnahme. Und natürlich hat er das gemacht. Hilfsbereit wie immer. 
Uwe, du wirst Hamburg fehlen. Allen Fußballmenschen in dieser Stadt wirst du fehlen. Egal ob braun-weiß oder schwarz-weiß-blau. 

Dazke für alles und grüß Hermann. Die zweite bodenständige Raute  

Viel Kraft an Ilka, die weitere Familie, und allen Freunden und Gefährten von Uwe. 

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