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Simon, der Libero

(Danke an @heithauer für die Idee zur Überschrift. Die älteren Leser*innen haben nun Flashbacks zu einer uralten ZDF-Serie.) 

Humanismus ist nicht verhandelbar!

Es gibt in diesen Zeiten sehr viel wichtigere Dinge als Zweitligafußball. 
Humanismus ist nicht verhandelbar! Solidarität ist unsere Waffe! 
Und das zeigte sich unter anderem bei der riesigen Spendenbereitschaft vor dem Spiel. Danke an alle, die gespendet haben. Dass wir gute Sponsoringpartner haben, konnte man daran sehen, dass alle von ihnen zugunsten einer politischen Nachricht auf Bandenwerbung verzichteten. 

(c) afroh

Fußball kann nicht unpolitisch sein. Gut, dass unser Verein dies weiß und aktiv nutzt. 

Auf den Rängen 

Der Fußball aber kribbelte auch wieder. Endlich. 22158 Menschen im Stadion ist schon wieder so nah genug an der Normalität, dass endlich wieder diese Spieltagsunruhe einsetzte. Wie schön. An dieser Stelle ganz viel Liebe und „bitte ein ganz milder Verlauf“ an die vielen Menschen in unserem Umfeld, die sich leider in letzter Zeit mit Corona infiziert haben. Bald seid ihr wieder bei uns im Stadion. 

(c) afroh

Zum Anlass passend haute unsere Stadionsprecher*innen Crew ungefähr jeden Hippie-Antikriegssong raus, der jemals geschrieben wurde. Kenner*innen vermissten Black Sabbath – War Pigs, aber sonst war alles dabei. 
Millerntor in the sun? Es gibt keinen besseren Platz auf Erden. 

Maskenpflicht? Gibt es in den Eingängen von Hamburgern Schwimmbädern nicht mehr, aber draußen im Stadion gibt es sie noch. So richtig Sinn macht es ehrlich gesagt nicht mehr, insofern ist es auch schwierig, hier eine Einhaltung anzumahnen. Außer dass sonst wahrscheinlich wieder die bösen Fußballfans Schuld sind. Die Inzidenzen steigen passenderweise ja auch schon wieder.Wobei wir auch festhalten wollen, dass es so, wie es jetzt läuft, einfach doof ist. Menschen entscheiden sich unter den im Hygienekonzept genannten Bedingungen dafür, ein Spiel zu besuchen, vielleicht auch gerade die, die sich noch nicht so sicher bzgl. größerer Menschenmengen sind. Und wenn dann eine hohe Zahl die Maske nicht trägt, ist das dem eigenen Sicherheitsgefühl sicher nicht zuträglich. Und unsere Laune wird auch nicht gesteigert, wenn Leute bei den Durchsagen der Stadionsprecher*innen dann feixend die Maske abreißen und blöd grinsen. Keine Ahnung, ob das mit Masken so Sinn macht, aber die Pflicht war vorher klar kommuniziert. Und da ist so ein Verhalten weder cool noch edgy.

Unsere aktiven Gruppen mochten mit Maske noch nicht wieder auftreten, was komplett okay ist. Trotzdem der Witz „jetzt sind endlich mal alle vermummt und dann ist es auch nicht richtig“ liegt zu einfach rum, um ihn nicht zu machen. Aus unserer Sicht gäbe es da ja auch noch ein zwei andere Dinge zu klären, bevor wir alle (!) wieder ein normales Stadionerlebnis haben können. 

„Aux Armes“ schallte trotzdem durch das Stadion als Schlacht(!)ruf. Und da sind wir wieder bei angemessener Sprache. Ist es gut in diesen Zeiten, zu den Waffen zu rufen? Oder vielleicht ist es notwendig? Wir wissen es nicht. Allein dass Schlachtruf ein gebräuchliches Wort ist, zeigt doch, wie komplex und umfangreich eine Reflektion über Sprache ist. 
Menschen? Immer ein schwieriges Thema. Aber wenn man wieder in seiner kleinen Blase steht, Menschen wiedersieht, die man lange nicht gesehen hat, von geplanten Hochzeiten und vermissen hört, dann ist das schön. Es fehlen immer noch viele Menschen. Wir hoffen, euch bald zu begrüßen. 

Beidfüßig wegköpfen

Was war das eigentlich auf dem Platz? So und nur so funktioniert unser Spiel. Laufen für den anderen, nie aufgeben, Tore erzwingen. Erste Halbzeit war ganz groß. In der zweiten Halbzeit Abzüge in der B-Note, da das „eiskalt runterspielen“ (noch?) nicht klappt. 

Wir möchten hier mal fünf Spielern ein individuelles Lob mit auf den Weg geben. 

1. Buchti: Wer uns vor der Saison gesagt hätte, dass wir aus ihm echte qualitativ hochwertige Minuten bekommen würden, den hätten wir für verrückt erklärt. Aber heute war wieder so ein Spiel. Buchti wird gebraucht? Buchti ist da! 

2. Beifus: Erneut einfach abgezockt und super sicher stehend. Das macht Laune. Über gewisse Schwierigkeiten im Spielaufbau sehen wir jetzt einfach mal hinweg. 

3. Simon: In der zweiten Halbzeit defensiv mit Rausköpfen beschäftigt. Aber vorher einfach ein feines Tor, ein großartiger Jubel und ein rundes Spiel – vermutlich im Gesamtbild das beste in braun-weiß.

(c) afroh

4. Kofi: Beidfüßig! Das 1-0 zeigte, wieviel das wert ist. 

5. Jackson: Der Junge läuft und läuft und läuft. Und steht meistens ziemlich richtig und stabilisiert unser Spiel merklich. Und sah man letzten Dienstag noch, dass die einem in der ersten Liga doch deutlich näher auf den Füßen stehen, ging das in der 2. Liga dann wieder deutlich flüssiger.

(c) afroh

Sowieso: Hatten wir gegen Regensburg (und auch Ingolstadt) noch die Kopfballinstabilität unserer Defensive bemängelt, so ist es doch super, wenn die Trainercrew auch hier eher unkonventionelle Antworten findet und Simon auch mal neue Aufgaben kriegt. Und so macht Philipp Hofmann dann sein fast schon obligatorisches Tor – aber immerhin nicht mit dem Kopf. Darüber, dass das auch ein Freistoß der Marke „kannst du verteidigen“ ist, breiten wir aber einfach den Mantel des Schweigens.

Und gegen Dresden gewinnen wir dann auch mal wieder zu null. Weiter, immer weiter.

(c) afroh

Ebenso den Mantel des Schweigens breiten wir über den VAR. Wie lange dauerte das schon wieder alles? Wie sehr nervt das aus Stadionperspektive, wenn du dann nicht mal selbst nachvollziehen kannst, was entschieden wurde? Und vor allem: Wie lange dauert das bitte? Ja, wir wiederholen uns. Aber ihr macht unseren Sport kaputt.

Hoffen wir, dass der jetzt schon beinah wöchentliche Griff an den Oberschenkel nix Schlimmes bedeutet. Weniger Muskelverletzungen wären schön und werden bei der Masse irgendwann auch eine Frage, wie gut die medizinische Abteilung in der Verletzungsprävention arbeitet. Hatte es sich doch lange bereits deutlich gebessert, so ist das für unser Empfinden jetzt wieder zuviel.

Der Rest war Jubel. Inklusive Foto mit Gästeblock. 

Wie schön ist es eigentlich, dass die Dienstag so unglücklich verlieren und dann so antworten. Dienstag noch auf dem Platz als ein Team auftreten, den geknickten Jakov stützen. Und heute – gerade in der ersten Halbzeit – befreit aufspielen und sich die lange vermisste Leichtigkeit Schritt für Schritt zurückholen. Dass das in der zweiten Halbzeit dann nicht mehr so weitergeht – ach, es wäre schön gewesen; aber wir nehmen mal die positiven Zeichen mit.

Wäre auch ein schönes Tor gewesen (c) afroh

Und sorry Leute, aber über die ungefähr 50 Cottbusser, die während des Spieles vor der GG geprollt haben und dann von der Polizei begleitet wurden, verlieren wir weiter keine Worte. Wir sind ja nicht Ultras.ws. Nur soviel: Sucht euch dringend mal bessere Hobbys. 

Schnick-Schnack-Schnuck-Terror

Nach dem Spiel verloren wir uns, fanden wir uns wieder und saßen im Feldstern in einer wundervollen Runde. Liebe an alle, die dabei waren oder auch später noch dazustießen. Und dann kommen wir nach Hause, machen noch das Abendspiel an und ein kleiner „Derbyfluch“-Schmunzler bleibt uns wirklich nicht verwehrt. Aber keine Sorge, Uwe, ihr steigt bestimmt auf.

PS: Jakov? Wir sind Fans! Wie stark, so sicher aufzutreten (wir erinnern einen Wackler im Stellungsspiel), gerade nach Dienstag.

PPS: Beifus? Wir sind Fans! 

PPPS: Was ist das denn für ein Spieltag bisher? 5 Tore im Schnitt! Grüße nach Rostock an der Stelle. In 4 Wochen seid ihr fällig… „… und schießen Rostock ab…“(Auch so eine Floskel, die man in Bezug auf Sprache mal hinterfragen kann.)

PPPPS: 

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