Zum Inhalt springen

Quit playing games with my heart

Wir könnten jetzt wieder aufschreiben, was gestern alles fußballerisch nicht geklappt hat. Von Bällen, die nicht ankamen, Spielern, die nicht richtig standen, und von einem FC St. Pauli, der seinen Mut verloren hat, könnten wir erzählen. Vom Versuch, mit Pommes vor dem Spiel und immer gleichen Ritualen den Sieg zu pressen. Von guten Herzensmenschen und Menschen, die es nach zwei Jahren Pandemie immer noch nicht schaffen, sich an die einfachsten Regeln zu halten. 

Aber es ist Sonntagmittag nach dem Spiel und wir sind müde. Und schreiben es dann doch mal wieder auf. Nur müde. 

5 Spiele in Folge in der Liga nicht gewonnen. Es scheint, als würde der FC St. Pauli gerade die seit dem Abstieg größte Chance aufzusteigen verspielen. Und wir können nichts tun als zuzusehen und unsere Frustration ins Stadion und ins Internet zu schreien. 

Versteht uns nicht falsch. Wir erwarten keinen FC St. Pauli, der FC Bayern-mäßig jeden Gegner 5:0 abschließt (obwohl…?). Grüße nach Darmstadt an der Stelle. Wir können damit umgehen, wenn unser Verein verliert. Wirklich. Wir können aber nicht mehr gut damit umgehen, wenn der FCSP mit unserer Hoffnung spielt. Mit der Hoffnung auf Aufstieg, auf Spiele nicht in Aue, auf sportlichen Erfolg und sportlichen Anspruch. Dieses ständige Hin und Her zwischen Erfolg und Misserfolg, zwischen Euphorie und Frust, zwischen Aufstiegsträumen und Abstiegsangst macht müde. 

Ja, wir sind müde. Und dass dies nun ernsthaft der 24. Monat der Pandemie ist, trägt seinen Anteil dazu bei. Und die Müdigkeit wandelt sich dann in Wut, wenn wir in die Logen blicken. Auch dort – angeblich – Maskenpflicht. Real haben wir weniger als 5 Menschen gesehen, die sich (aus unserer Perspektive) daran gehalten haben. Und wenn dann auf den „billigen“ Plätzen die Ordner*innen sehr regelmäßig darauf hinweisen – viel zu häufig darauf hinweisen müssen – dann macht es wütend, wenn selbiges in den Logen mit süffisantem Grinsen und Bierglas in der Hand gekontert wird. Unsere Sympathien für diese Orte steigert solch ein Verhalten jedenfalls wirklich nicht.

Vor dem Spiel wenigstens ein heiterer Moment, als uns die Fernsehguckenden mitteilten, dass „Sport 1“ Dittgen zunächst taktisch in die Viererkette platziert hatte. „Falsche 4“ analysierte unser Ex-Chefeditor und Fussballkenner messerscharf. 

Das System knarzt, aber auch die Individuen lassen uns verzweifeln

Was ist denn bloß mit Eric Smith seit seiner Rückkehr aus der Verletzungspause passiert? Schon gegen den HSV stand er wiederholt schlecht, und die Mauer, die er zu Ende der letzten und Beginn dieser Saison war, ist plötzlich löchrig. Zur Zeit bekommt er das, was ihn ausmacht – das defensive Stellungsspiel, das Ausbooten der Gegner, das Abfangen der Bälle – einfach nicht mehr auf den Platz. Und haste Scheiße am Fuß, dann haste Scheiße am Fuß, und dann kommen auch noch 4 „unsecured touches“ dazu (nach WhoScored). Ballkontrolle Fehlanzeige. Und so stehste zum 1:1 scheiße und beim 2:2 rollt der Ball so an dir vorbei, dass du die Flossen dazwischen hättest, wenn es denn liefe. Ist er so müde? Das hätte doch in der Länderspielpause behoben werden können.

Sowieso: Wenn es denn liefe. Ziereis hat gestern auch einige graue Haare bei uns zu verantworten. Als Spieler, der ja nun noch nie der schnellste war, musst du dann halt immer besser als der Gegner stehen – gestern springt er uns einige Male zu häufig unterm Ball durch. Bei 1:1 steht er in Kombi mit Smith dann nicht gut da.

Ja klar, es wäre jetzt einfach, individuelle Spieler verantwortlich zu machen, das wird der Situation aber natürlich auch nicht gerecht. Dennoch: FOB kommt auch nicht mit dem Zug eines zukünftigen Europacupteilnehmers (sein Traum, nicht unserer) von der Bank, Makienok muss die Situation zum möglichen 3:1 wenigstens mal aufs Tor bringen, und Paçarada läuft den Gegner beim 2:2 nicht so an, wie du ihn anlaufen müsstest, wenn du das Tor unbedingt verhindern wolltest.

Individuelle Fehler passieren, und so ein Spiel ist viel zu lang als dass das nicht passiert. Aber warum das in der Hinrunde immer noch vom eigenen Mann verhindert oder ausgemerzt ausgebessert (s. Kommentare) wurde und jetzt gar nicht mehr, lässt uns unruhig zurück. Wir sind jedenfalls gerade nicht böse, wenn Kyereh und Aremu wieder Alternativen sind.

„Wir werden die Art und Weise, wie wir agieren und trainieren, nicht ändern.“

So wird Timo Schultz auf der Vereinshomepage zitiert. Nein, 5 Spiele ohne Sieg in der Liga sind nicht der Weltuntergang. Wie Timo selbst irgendwann diese Woche sagte: Solche Phasen hat jeder mal. Zumal eine solche bei uns damit zusammenfällt, dass einer unser Unterschiedsspieler nur eines dieser Spiele mitmachen konnte. Aber wir lesen da vielleicht ein bisschen zu wenig Bereitschaft raus, sich zu hinterfragen. Uns geht es gar nicht so sehr um die Ergebnisse, sondern vor allem um das „wie“. Weil ehrlich? Keines dieser Spiele hätten wir verdient gewonnen. Und ja – man kann Spiele verlieren; wir möchten hier nur an unsere Worte nach dem Hinspiel in Paderborn erinnern…Wir schrieben gestern: „Stillstand ist Rückschritt“. Nein, wir wollen keine Panikreaktionen. Wir möchten aber natürlich, dass sich jeder im Umfeld des Teams jeden Tag hinterfragt und guckt, wo er*sie die letzten 5% noch rauspressen kann. Damit wir solche Spiele wie gestern dann wieder gewinnen.

Und wo wir dann schon bei Serien sind: Seit Timo Schultz aus seiner Quarantäne zurück ist, haben wir kein Ligaspiel mehr gewonnen. Und das lest ihr jetzt ausdrücklich bitte nicht als Rauswurfforderung. Aber wenn du die Situation verstehen willst, musste halt auch sowas mal bedenken. Gegen Schalke im ungewohnten Set-Up alles rausgehauen und noch mal was draufgelegt. Seitdem geben wir Führungen her und der Hunger, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, fehlt uns. Einzelne Spieler zeigen da emotionale Reaktionen, aber die kollektive Reaktion sehen wir nicht.

Wieder Paderborn-Hinspiel: Da ist aus jeder Pore ein „jetzt erst recht“ rausgegangen. Fuck, wir haben vor 16 Tagen das Derby verloren und die 90 Minuten gestern sollen die Reaktion darauf sein? 

Wie oft haben wir schon geschrieben, dass es nicht unser Anspruch sein kann, für ewig in der zweiten Liga zu spielen. Nach so einem verlorenen Derby erwarten wir eine Mannschaft auf dem Platz, die mit allem, was sie hat, versucht, das wieder gut zu machen. Das Ruder herumzureißen. Sorry Maximilian, aber wenn das „alles reinlegen“ war, dann haben wir ein viel größeres Problem. 

Who knows was passiert ist und was passieren muss, damit die Mannschaft ihren Mut wieder findet. Damit der unbändige Wille, jedes Spiel zu gewinnen, wieder da ist. Aber egal, was es ist: Schulle – tu es. Wir könnten es nicht ertragen, diese großartige Saison den Bach runter gehen zu sehen.

Da oben ist gerade alles extrem zusammengerückt, die ersten 6 trennen ganze 2 Punkte und gegen 4 der 5 Gegner spielen wir noch. In anderen Worten: Wir können es alleine schaffen. Wir wollen es alleine schaffen. Wir wollen maximalen sportlichen Erfolg und fordern dafür auch Leistung ein. Ja, und natürlich werden wir nach solcher Leistung wie gestern eben auch weiterhin unzufrieden sein.

Noch ein kurzes Wort zur Stimmung. Die ist immer noch pandemisch komisch, und nur phasenweise will Support aufkommen. Wenn du dich aber so laut über den angeblich fehlenden Support aufregst, dass in deinem Block niemand mehr Support aus anderen Blöcken übernehmen kann, dann ist das auch kontraproduktiv, Dude hinter uns.

Sowieso: Wir motzen ja auch viel, aber Alter, es gibt Grenzen. 

Noch ein pandemischer Nerv sei erwähnt: Da haste du endlich mal das 20:30 Uhr-Spiel, welches perfekt für eine durchtanzte Nacht wäre, und dann haste Sperrstunde. Na herzlichen Glückwunsch. 

Unser Tag wird kommen. 

PS: Jakov? Wir sind Fans!

5 Kommentare

  1. Tom Tom

    Guter Artikel, fängt die Stimmung und Situation ausgezeichnet ein, danke dafür.
    Ein klein wenig zu fan-brillig erscheint mir die Herleitung, dass der Punktverlust mit mangelndem Gewinnenwollen zu
    tun hat. Für mich fehlte ein einziger Schuss, ein Bein zur rechten Stelle, und wir hätten die 3 Punkte gesichert. Haare-raufen ja, mangelnder Einsatz unterschreib ich so nicht. Der Gegner spielt in einem Spiel auch immer eine Rolle, das kommt etwas zu kurz.
    Walk on!

  2. Dirk Dirk

    Ich bin mit ganzem Herzen bei Euch, aber könntet ihr bitte das „ausgemerzt“ zügig entfernen! Danke

  3. AdminA AdminA

    Danke für den Hinweis, wir kannten den Zusammenhang mit der Schafzucht bisher nur.

  4. […] in der eigenen Kiste. Ich würde es mit meiner Kritik nicht so drastisch formulieren wie “der magische FC blog“, aber uns stand es noch nie gut das “weiße Ballett” zu spielen. Wir haben […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Blue Captcha Image
Refresh

*