Zum Inhalt springen

Eine Sprachnachricht aus der Badewanne

Die folgende Mitschrift einer Sprachnachricht ist fiktiv. Sie beruht aber auf wahren Ereignissen. 

Ey, ich mach das jetzt als Sprachnachricht, weil ich sonst platze. Ich verstehe diese ganzen Menschen nicht mehr. Was ist los, Leute? 

Dieser Tweet, nech? Den hatten wir letzte Woche für das Spiel gegen Hannover als vorterminierten Tweet geschrieben. Weil wir albern sind. Und ja, natürlich ist der Spruch nicht intelligent. Und natürlich ist das dummes Fußballrumgeprolle, aber mal ehrlich, 3. Weltkrieg? Zu viel Hass? In diesen Zeiten? Geht das auch alles eine Nummer kleiner? Auch gerade im Stadion dann wieder: „Bastards“, „zu schwach“ – alles singen sie mit. Und schreiben wir was dazu, bekommen wir dann wieder auf die Mütze, weil „ist doch alles nicht so schlimm“ und „nun habt euch nicht so, ist doch nur Fußball“. Und wenn wir dann „nur Fußball“ machen, ist es auch wieder der Weltuntergang. Pass mal auf, Montag dann „magischerfc Schuld am 3. Weltkrieg!“ 

Als die Welt noch in Ordnung war. (c) afroh

Und auch gerade Hannover! Was für ein ekliger Dreckshaufen. 90 Minuten „Scheiß St. Pauli“ und „H*rensöhne“, prollen die ganze Zeit im Viertel rum, laufen da rum, als ob es ihnen gehört. Inklusive Schalparade an der GG längs. Aber wenn ich bei denen zum Stadion gehe, komme ich keine 5 Meter weit, ohne mir von irgendeinem Hannoveraner irgendwelche sexistischen, ableistischen oder Bodyshaming-Beleidigungen anhören zu müssen. Ey, nein, so soll es bei uns nicht sein, aber vielleicht sollten diese ganzen Hippies mal auswärts fahren und vielleicht begreifen, warum man so einen Film gegen diesen beschissenen Verein fährt. 

Gut, dass du nicht da warst; du hättest dich so über den Einlass aufgeregt. Ich hörte nur in meinem Kopf den Senior immer „braune M & M’s!“ rufen. Erst gehen die Steherkarten im Scanner nicht, dann sind die Ordner vollkommen überfordert und schieben einen zurück in den strömenden Regen. Dann gehen zwar die Papiertickets, aber die Onlinetickets immer noch nicht, und gefühlt würde ich immer noch im Regen stehen, wenn nicht irgendwann ein netter Ordner gesagt hätte „komm her, halt mal dein Ticket unter den Scanner, bis es geht“. Was es dann nach ein paar Minuten tat. 

Und dann im Block. Kommen sie zu uns und schicken C. weg, weil da zu viele an unserem Wellenbrecher stehen, aber das ging in unserem ganzen Block null auf. Da standen am Ende ganz viele Leute, die einfach an keinen Wellenbrecher mehr passten. [Kurzer objektiver Einschub: Das könnte daran liegen, dass das mit den Wellenbrechern ganz unten gerechnet war, diese aber aufgrund des Regens nicht wirklich genutzt wurden. Das müssen dann objektivere Leute analysieren. Das Wiedergegebene ist eine subjektive Beobachtung.]

Und ich verstehe es einfach nicht – was ist los mit den Leuten?! Alle wollen immer so links, cool und solidarisch sein, aber schaffen es nicht 5 Minuten,  ihre verfickte Maske zu tragen! Und es sind immer nur alte, weiße Männer. Und die feiern sich noch, die Ordner ausgetrickst zu haben. Was für eine beschissene Haltung! Und wenn du sie drauf ansprichst, grinsen sie dich noch frech an. Was für Scheiße! Ich hab kein Bock mehr auf diese Pseudolinken.

Und was war das da bitte auf dem Platz? Ey. Die ersten Minuten denk ich noch „jo, scheiß Acker, aber sie versuchen konzentriert auf dem Acker zu spielen“, aber dann? Nur Scheiße! Und das schon seit 6 oder 7 oder wievielen Spielen? Und die Körpersprache! Eine Katastrophe. Nur Jakov und Jackson schreien da noch rum und ärgern sich, der Rest steht da einfach. Und bei aller Liebe, für Igor wird das noch ein riesiger Schritt. Der wirkt viel zu langsam, viel zu gehemmt für Profifußball. Und müssten in dem Alter nicht Unbekümmertheit und Tempo seine Stärken sein? 

So wirkte es viel zu häufig: Ein Sankt Paulianer gegen ganz viele Hannoveraner. (c) afroh

Und dann haust du so eine Leistung gegen Scheiß Hannover raus. Guck dir das 3-0 bloß nicht noch mal an. Da bleiben alle von uns stehen. Das ist fürchterlich. 

Ey, was sind wir angemacht worden, als wir nach Kiel gesagt haben, dass das ganz übel ist gerade… Jede doofe Dorftruppe spielt nun 3-5-2 gegen uns und wir laufen da blind rein. Ohne Tempo, ohne Idee, ohne alles. Das ist doch scheiße. Und ich kann dieses Schönreden nicht mehr ab, und diese Claqueure, die sich gegenseitig immer sagen, wie toll das alles ist.

Posiealbumspruch und alles ist gut? Am Arsch! Da muss sich dringend was ändern. Ey, ich weiß nicht was, ich bin keine Trainerin, aber ich schick dir mal ein paar Statistiken gleich. Das ist alles grauenhaft in der Rückrunde. Jakov? Ein Schatten seiner selbst! Guido? Komplett jede Torgefahr verloren. Warum? Das Laufen kann es nicht sein, das tun sie. Außer gestern. Das war echt schlimm. 


Exhibit 1: Wenn Burgstaller nicht trifft, läuft es bei uns beschissen        

Exhibit 2: Auch wenn das eine einfache Antwort wäre, an der Laufleistung liegt es nicht

Exhibit 3:Seit Darmstadt läuft es beschissen.

Exhibit 4: Das sieht man dann leider auch bei einzelnen Spielern.
„Jakov hat nach seiner Verletzung einen Knacks“ stimmt so leider. Ist aber auch stellvertretend fürs ganze Team.

Exhibit 5: Wir sind viel zu abhängig von frühen Toren.
6 Spiele haben wir in dieser Saison bisher verloren, viermal haben wir dann jeweils kein Tor gemacht, gegen Paderborn Rückrunde und HSV Rückrunde sind wir jeweils in Führung gegangen in der 28. bzw. 30 Minute. 5 Spiele haben wir mit einem Punkt beendet, davon nur zweimal, nämlich gegen Aue (30.) und Paderborn (5.) ein Tor in der 1. Halbzeit gemacht, ansonsten jeweils dann erst in der 2. Halbzeit (gegen Bremen Hinrunde (67.), Düsseldorf Hinrunde (47.), bzw. gar nicht (Aue Hinrunde)).Ganz anders sieht es dagegen bei den Spielen aus, die wir gewonnen haben: Da haben wir bei 7 Spielen in den ersten 15 Minuten bereits getroffen und nur zweimal Spiele gewonnen (gegen Heidenheim, als wir das Spiel gedreht haben und gegen Regensburg, gegen die wir in der Hinrunde lange angerannt sind), „obwohl“ wir kein Tor in der 1. Halbzeit gemacht haben. Stark vereinfacht und keine Handlungsempfehlung: Beim FCSP weißte schon nach 15 Minuten, wohin die Richtung geht.

Phasenweise interessant als das, was sonst so auf auf dem Platz (oder sollen wir Acker sagen?) passierte. (c) afroh

Wenn sich der Chefstatistiker nicht mehr aufregt, sondern nach dem Spiel  einfach stumm fortgeht, dann ist richtig was kaputt. 

Ich gehe jetzt Wein trinken. So lange, bis ich glaube, dass wir das Spiel 4-3 gewonnen haben. In 32 Minuten Nachspielzeit. Kind ist zu einem Hörgerät verschmolzen, weil er komplett ausgetickt ist, als in der 32. Minute der Nachspielzeit plötzlich Dittgen mit Gips am Fuß ins Spiel kam und den Ball aus 45 Metern reingelötet hat. So wird es sein. Nach genügend Wein. Oder ich leg mich jetzt in die Badewanne. Oder beides. 

Ob in der 122. Minute noch ein Tor gefallen wäre? (c) afroh

Schöne Grüße auch von meinem Vater. Er hofft, dich spätestens in Berlin zu sehen. 

Nachtrag am nächsten Morgen per Messenger: „Ich könnte immer noch schreien.“

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Blue Captcha Image
Refresh

*