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Die letzten Minuten waren kafkaesk

Mit der rosaroten Brille gegen Regensburg.

Wir haben wieder mal ein Spiel mit zwei Gesichtern gesehen. Wie so viele Spiele in der letzten Zeit. Und weil Fußball einen viel zu großen Einfluss in unserem Leben hat, haben wir uns für unseren Bericht davon inspirieren lassen. Kennt ihr diese Bücher, bei denen man immer wieder Entscheidungen treffen muss und es dann verschiedene Versionen der Geschichte gibt? So ist dieser Bericht. Entscheidet euch selbst, ob ihr die rosarote „alles ist super“-Version oder die „wir haben gewonnen, aber“-Version lesen wollt. 

ROSAROT1 
Wir fahren auswärts und können ausschlafen. Wie das funktioniert? Spiel einfach mal um 20:30 Uhr in Regensburg. 
Der ICE ist leer, wir treffen uns mit guten Menschen und fahren entspannt Richtung Süden. 
Weiter mit der rosaroten Version der Ankunft in Regensburg? Dann hier klicken. Oder soll etwas kritischer sein? Dann geht es hier weiter. 


ABER1
Wir fahren auswärts und können ausschlafen. Wir sind irritiert. Abfahrt erst kurz nach 12:00 Uhr? Das ist nicht mehr unser Pauli. Im Zug gibt es genau eine Flasche Sekt, an die niemand so richtig heran möchte. Es wird gearbeitet, gestrickt und an Gemüse gesnackt. Alter. Auswärtsfahren war früher mehr Rock‘n‘Roll.   
Bis Nürnberg war alles gut und entspannt. Unser Anschlusszug hatte aufgrund einer „behördlichen Maßnahme“ 60 Minuten Verspätung. Gut, dass wir genug Zeit mitgebracht hatten… 
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ROSAROT2
Wir kommen entspannt mit Verspätung aufgrund einer „behördlichen Maßnahme“ in Regensburg an und schlendern lustig in das Brauhaus, dass 2019 von 100 USK-Beamt*innen gesichert wurde. 2022 können hier FCSP und Regensburg nebeneinander sitzen, und das ganz ohne Ausschreitungen. Faszinierend. 
Der Laden ist gut voll. Dank Mama H. haben wir aber einen Tisch und kommen in den Genuss von bayerischem Speis und Trank. 
Weiter zum rosaroten Einlass? Dann hier entlang. Warum beim Einlass doch nicht alles gut war, lest ihr hier. 

ABER2
Wir kommen trotzdem entspannt mit Verspätung in Regensburg an und schlendern zu dem Brauhaus, in das wir 2019 nicht reinkamen, weil es von 100 USK-Beamt*innen vor den bösen St. Pauli-Fans beschützt werden musste. Dank Mama H. haben wir einen Tisch im komplett vollen Brauhaus und können noch Essen und Getränke zu uns nehmen. 


So ein bisschen absurd ist es aber schon, dass ein Brauhaus in einer Pandemie derart voll sein darf, du dir lange Tische mit anderen teilst, ohne eine Maske tragen zu müssen, und wo das letzte Mal ungefähr 1886 nach der Trauerfeier für Ludwig II. gelüftet wurde, aber 40 Minuten später im Stadion trägst du dann bitte FFP 2 und hältst Abstand. 


Weiter zum rosaroten Einlass? Dann hier entlang. Warum beim Einlass doch nicht alles gut war, lest ihr hier. 

ROSAROT3
So ein Parkplatz neben der Autobahn hat schon was. Wir kommen gut hin und später auch gut wieder weg. Hübsch ist das alles hier aber immer noch nicht. Der Einlass klappt schnell und die Einteilung nach geboostert/2G+Test gefällt. Auch wenn das Verhältnis Männer/Frauen-Einlass immer noch zu wünschen übrig lässt. 


Wir freuen uns, Menschen zu treffen, von deren Anwesenheit wir erst kurzfristig erfahren haben. 
Der Stadionsprecher zeigt so richtig, was er kann, und auch die musikalische Beschallung lässt jeden Eventfan vor Freude im Kreis springen. 

Auswärtssieg! Zum rosaroten sportlichen Teil geht es hier. Auswärtssieg! Aber was es trotzdem zu pöbeln gibt, lest ihr hier. 

ABER3
Stadien neben der Autobahn. Ingolstadt, Regensburg. Überall die gleiche 08/15-Schüssel an der Autobahn mit null Aufenthaltsqualität. Ein Traum.


Der Ordnungsdienst in Regensburg hat in den letzten 2 Jahren seine unfassbar unfreundliche Art auch nicht verloren. Und Kopfhörer als Wurfgeschosse abnehmen zu wollen, ist auch mal eine Ansage. 
Haben wir schon geschrieben, wie hässlich das hier ist? Und Alter! – was für eine Beschallung. Ein Freund von uns sagte mal, dass viele Pop-Songs nach 2:15 Min. nichts Neues beizutragen haben. Was sollen wir sagen: Die Stadionhymne von Regensburg hat nach 10 Sekunden nichts Neues mehr zu bieten. Dafür bekommen wir die Extended Version vorgespielt. Ein Traum. Nicht. Uns bluten die Ohren. Und Schalchoreo gibt es auch noch dazu. 

Auswärtssieg! Zum rosaroten sportlichen Teil geht es hier. Auswärtssieg! Aber was es trotzdem zu pöbeln gibt, lest ihr hier. 

ROSAROT4
Zum Spiel. Wie sollen wir sagen? Im Stil eines Spitzenteams. Schnell zwei Tore und dann sicher und souverän herunter gespielt. Was? Das glaubt ihr nicht? Das nennt man „den Gegner noch mal an der Wurst schnuppern lassen“, aber insgesamt war der Sieg nie in Gefahr. 

Kofi ist zurück! Und das merkt man. Er kam in der 57. Minute und schoss dann auch gleich das Tor zum 3:1. Schön, dass du wieder da bist, Kofi! 

Hintenraus wird dann noch etwas für die Herzgesundheit getan. Das zahlende Publikum wollte noch ein bisschen Suspence und bekam es auch. Aber am Ende war der Sieg ungefährdet.  

Der war wichtig und schiebt uns für den Moment auf Platz 1. 

Wir auf 1, Bremen auf 2 und dann schön im Eisen die Relegation des HSV schauen? An diese Vorstellung könnten wir uns gewöhnen. 

Zum Ende geht es hier.

ABER4
Zum Spiel. Wie sollen wir sagen? Im Stil eines Spitzenteams. Schnell zwei Tore und dann sicher und souverän herunter gespielt. Was? Das glaubt ihr nicht? Das nennt man „den Gegner noch mal an der Wurst schnuppern lassen“, aber insgesamt war der Sieg nie in Gefahr. 


Was uns zur sicheren und souveränen Spielweise fehlt ist, dass gegnerische Stürmer 13 (!) Kopfballduelle gewinnen können, während unsere defensiven Spieler zusammen 11 gewinnen. Jeder hohe Ball lässt die Herzen von Kardiologe*innen, die sich FCSP-Fans als Patient*innen wünschen, höher schlagen. Ecken sind jedes Mal ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Und die letzten 10 Minuten? Als Drehbuch in einem Sportfilm wären die als zu unrealistisch abgelehnt worden. Kafkaesk. 


Schöne Grüße an Schmölli, der uns die Idee zu der Überschrift gab. 

Aber am Ende zählt das Ergebnis. Und das Erfolgserlebnis. Und das sollte dem Trainerteam doch ein paar Möglichkeiten geben, an den offensichtlichen Problemen in der Abwehr zu arbeiten. Was uns Sorgen macht ist, dass wir personell in diesem Bereich auf dem kompletten Zahnfleisch gehen. Mal sehen, wie schwer die Verletzungen bei James und Ziereis sind. 

Und so ein bisschen Sorgen macht uns auch, dass wir in den zweiten Halbzeiten immer wieder körperlich abbauen. Das war in der Hinrunde sehr viel mehr noch unsere Stärke. Und auch da sind fehlende Alternativen natürlich nicht hilfreich. 

Über das Verhalten im Block müssen wir dann doch leider noch ein bisschen meckern. Masken tragen? Ja, das ist nicht optional. Und die berufliche Tätigkeit der Mutter zu einem Schimpfwort zu formen ist nicht cool. „In der Hektik rausgerutscht“ ist eine schlechte Ausrede und mit „wir sind hier schließlich beim Fußball“ wird es echt nicht besser.

Ende 
Nächstes Ziel also: Spiele mal wieder mit einem oder keinem Gegentor zu absolvieren. Machen wir dann gleich mal gegen Hannover. 


Danke an dieser Stelle an unsere Taxifahrer*innen und Gastgeber*innen; unsere Übernachtungsherberge und das wundervolle Frühstück seien auch lobend erwähnt. Danke! 

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