Dez 072021
 

Vorweg

Ja, wir verstehen, dass das ironisch-witzig sein soll. 

Ja, Humor ist was individuelles.

Ja, wir sind nicht Hauptzielgruppe für den FCSP-Shop.

Ja, die aktive Fanszene auch nicht. (Aber: Ohne aktive Fanszene verkauft ihr noch weniger Krams. Weil ihr die braucht.)

Ja, wir können auch selbstironisch über uns lachen.

Aber das ist weder witzig noch selbstironisch noch gut gemacht. 

„Jetzt regt euch doch nicht so auf“

Ja, wir wissen was als Gegenrede kommt: 

 1. Ihr springt ja auch über jedes Stöckchen. Vielleicht. Aber wenn die Vermarktungsstrategie „aktive Fanszene anspitzen, verärgern, und warten, dass sie über das Stöckchen springt“ ist und man eigentlich keine andere erkennen mag, was sagt dies dann über diese Strategie aus? Nicht gerade viel Wertschätzung. Eher das Gegenteil. Ja, Aufmerksamkeitsökonomie. Haben wir auch schon mal gehört. Aber nicht alle Aufmerksamkeit ist gute Aufmerksamkeit.

 2. Ihr seid doch gar nicht die Zielgruppe. Wer ist denn „Zielgruppe“ für so etwas? Elton Dullis, die das politische des FCSP sowieso eher anstrengend finden, im Stadion sexistische Scheiße labern, für die „Saturday for the boys“ ist und Pauli geil? Ja, für die passt das. Und wenn man dann selber erwähnt, dass man das jetzt durchziehe „trotz der heftigen Reaktionen“, dann zeigt dies eben auch, dass man genau die erreichen will und an die Kritiker*innen gezielt kommuniziert, dass sie die Fresse zu halten haben, weil Pauli und witzig und saufisaufi. 

 3. Regt euch doch nicht so auf. Was schon immer ein valides Gegenargument gegen alles war und natürlich nie dazu führt, dass der Status Quo immer noch schlechter wird. 

Marke & Stil

Vor über 2 Jahren fand eine Veranstaltung zum Thema Marke und Werbung beim FCSP statt. Wir berichteten darüber u.a. folgendes:

„Die Frage, welcher Markenkern sich durch dieses diverse Angebot ziehe, wird bei dieser Veranstaltung letztlich mit “Totenkopf” und “ergibt sich aus dem Erlebnis” beantwortet. Nun ja.“

Und genau das ist das Problem, das wir auch hier wieder sehen. Wir sind ein unfassbar bekannter Fußballclub, der für „irgendwie subtil links“, „Rebellion“ und „Totenkopf“ steht. Und kriegen dann nichts besseres damit hin, als sowas rauszuballern? Wir sprechen ernsthaft von „Wertepartnerschaften“, die wir mit unseren Sponsoren eingehen? Welcher Werbepartner, der irgendwas Ernsthaftes auf sich zählt, nimmt denn sowas ernst? 

Wir haben noch keine Person gehört, die das witzig findet. „Springt nicht übers Stöckchen“ schon ein paar Mal, ja. Aber das deutet ja nun nicht gerade an, dass das gut gemacht ist. 

Stereotype verstärken

Es gibt genug Menschen, die sich seit Jahren für mehr Diversität in diesem Verein einsetzen, die dafür kämpfen und hart daran arbeiten, dass hier nicht immer nur (mittel-)alte weiße Dudes zu sehen sind. Denen zeigt ihr halt auch den höhnischen Mittelfinger, wenn ihr dann tatsächlich mit Ronnie und Jens mal wieder genau solchen Typen einen Job gebt. Und sie bezahlt. Es ist ein vollkommen berechtiger Kritikpunkt, dass in der Außendarstellung (und auch nach innen auch) des FCSP – auch über das Sportliche hinaus – viel zu viele weiße Männer zu sehen sind. Selbst wenn es sogar noch Teil des Konzeptes sein sollte, auch das ironisch auf die Schippe zu nehmen: Es ist nicht witzig, so lange die Umstände im Fußball und beim FCSP sind, wie sie sind. Es ist einfach nur ein riesengroßer Mittelfinger, um sich selbst mal – in Schenkelklopfer-Manier – so richtig witzig zu finden.

Das Buch (s. Screenshot) ist dann passenderweise auch noch ein „Western-Roman“ von Gert Fritz Unger. Der sich lt. Wikipedia freiwillig im 2. Weltkrieg als Torpedomechaniker meldete. 

Screenshot: Youtube

Und dass Western-Romane aus heutiger Sicht alles andere als unproblematisch sind, auch und gerade im Hinblick auf die Darstellung von Native Americans, ist ja nun auch ein offenes Geheimnis. Keine Ahnung, wie das zum FCSP passen soll und warum man alles komplett überspitzen muss – wenn es denn Absicht war. Wenn nicht: Erschreckend, wie wenig sensibilisiert die Leute sind, die für den Verein solche Kommunikation übernehmen.

Den Klappentext ersparen wir euch. Nur so viel, es geht unter anderem darum, ob der Protagonist „die schöne Esther Rudy“ im Stich lässt. Ja nun. 

Sexismus unter den Fans des FCSP ist ein Thema, das aktuell aufgearbeitet wird und werden muss. Dies betrifft zum einen die aktive Fanszene, aber auch die „Umlandfans“. Auch wir berichteten hier schon des Öfteren über Vorfälle auf Auswärtsfahrten. Der Verein und sein Image ziehen Menschen an. Das ist gut und wichtig. Aber vielleicht sollten sich die Verantwortlichen einmal Gedanken machen darüber, a) wen man durch solche Kampagnen anlockt und b) ob man damit bestimmtem Verhalten nicht Vorschub und Legitimation gibt. Was bringt es, Menschen im Auswärtsblock auf Fehlverhalten hinzuweisen, wenn gleichzeitig der Verein über seine offiziellen Kanäle solche Kampagnen spielt? Ihr wollt der Verein sein, der gegen Sexismus, Rassismus, Homofeindlichkeit etc. vorgeht? Dann verhaltet euch auch so. Im Block und auch bei euren Werbekampagnen. Wenn ich dieser Verein sein will, dann muss ich damit klar kommen, dass mein Handeln mit anderen Maßstäben gemessen wird. Und klar kann man dann schreiben, dass man trotz Gegenwind das jetzt einfach durchzieht und sich dabei ganz besonders selbstironisch und kultig fühlen. Dann tritt man aber auch die Arbeit, die die aktive Fanszene jeden Tag leistet, und die Werte des Vereins mit Füßen.

Jolly Rouges

Die älteren unter euch und uns erinnern sich an Jolly Rouge-Zeiten. Millerntaler, überbordende Vermarktung, blanke Brüste. Ihr wisst schon.

Wir sind sehr froh, dass wir ehrenamtliche Gremien haben, die den Konflikt zwischen „Kommerz“ und „St. Pauli bleibt dreckig“ meistens gut ausbalanciert bekommen und in ihren Ansprachen diesen Zielkonflikt auch offensiv benennen und lösen wollen. 

Ja, da kratzt es mal im Getriebe, da ist bei weitem nicht alles perfekt, wir nörgeln mal hier mal dort, wir verstehen aber auch vieles. Aber es gibt eine gefühlt unsichtbare rote Linie; die Sensibilisierung ist grundsätzlich gegeben und Sozialromantiker*innen mussten in letzter Zeit nicht das Stadion in rot tauchen. Es ist schön, dass aktive Fanszene und Präsidium sich bei allen Konflikten in Richtung, Ziel und Stil doch in der groben Richtung einig sind. 

Oder müssen wir schreiben „waren“? Denn die Ebene unter diesen Gremien macht dann lieber so etwas komplett Unsensibles und Unabgesprochenens, antizipiert auch noch die Kritik und macht sich halbwegs über diese lustig. Soll das die Aufkündigung des oben beschriebenen Kompromisses sein? Und wedelt hier der Schwanz mit dem Hund? Man wird sich auch in den ehrenamtlichen Gremien deutlich positionieren müssen. Oder man sieht wieder ein rotes Stadion. 

Und nun?

Unsere Lösung jetzt? 

Kampagne einstellen, den restlichen Schrott nicht mehr rausballern. Mal wirklich (!) in sich gehen, wie man Reaktionen so derart falsch einschätzen kann. Oder ob es wirklich eine coole Strategie ist, auf maximale Aufregung zu setzen und damit einfach Leute komplett unnötig gegen sich aufzubringen.

Und für die Zukunft?

Vielleicht mal die existierenden Fanvertreter*innengremien bei sowas einbinden. Wir haben doch einen Fanclubsprecher*innenrat. Einen Ständigen Fanausschuss. Die beide nicht angesprochen wurden. Die können doch Stimmungen und Reaktionen einschätzen und sind u.a. auch für sowas ansprechbar.

Vermeidet solche Peinlichkeiten bitte in Zukunft. Wir sind so müde, immer wieder solche Aufregerartikel zu schreiben, weil UNNÖTIG (!) doofe Sachen gemacht werden.  

Der FCSP ist auch nicht nur das Ergebnis des aktuellen sportlichen Erfolges. Denn auch das kommt als Gegenargument. Wäre der FCSP nur sportlich erfolgreicher Zweitligist mit gelegentlichen Ausflügen in die erste Liga, dann wären wir Fürth. Ist auch nett, aber führt nicht zu 30.000 Mitgliedern und vielen Millionen Sympathisant*innen weltweit. Zumindest wäre uns der Tweet von Tom Morello zu Fürth nicht aufgefallen. Und dieser Markenkern der wird nicht durch Ronny und Jens gebildet, wieder gegeben oder ausgebaut. Sondern durch aktive Fans.  

  8 Responses to “Bring back St. Pauli”

  1. Bring back magischerfc, wie er früher war, als der Senior ihn noch alleine betrieb!

    Puh, ich finde das ist alles nur noch sowas von rundum dogmatisch, was hier zu lesen steht… gerade heute zu diesem neuen, meeeegaschlimmen Aufreger… sonst gibt es ja auch gerade wenig zu meckern beim FCSP.

    Meinetwegen soll ja jede*r ihre*seine Meinung haben, solange alles im Rahmen der Konsens-Werte im FCSP-Kosmos geschieht.

    Aber was mich hier wirklich stört, ist diese massive Schnappatmung.

    Und gerade der Absatz, wo ernsthaft der Bogen von dem Western-Groschenroman zum (absolut verabscheuungswürdigen!!!) Sexismus in Auswärtsblöcken gezogen wird, frage ich mich, inwieweit ich das noch erstnehmen kann.

    Lebt ihr so sehr in einer Dogmaten-Bubble? Lachen verboten? Ich stelle mir das Leben darin ziemlich trist vor… daher wahrscheinlich auch das ständige sich aufregen über alles…

    Könnt ihr ja ruhig machen- was mich aber stört, ist, dass ihr stets die Meinungsführerschaft für den kompletten FCSP-Kosmos beansprucht, mit einer Attitüde, dass nur eure Wahrheit die ist, die für alle gelten muss.

    Dabei seid ihr garantiert nicht die Mehrheit. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich mal eine nennen wir es mal „Realo-Opposition“ aufraffen würde, um sich gegen diesen Hardliner-Dogmatismus, der fast schon religiöse Züge annimmt, zu stellen.

    Sehr angenehm finde ich da im Vergleich den Millernton – der äußerst auch Kritik, aber auf einer sachlichen und respektvollen Ebene, wie es auch der Senior hier früher getan hat – damals nicht nur seine eigene Meinung wiedergebend, sondern ganz Jurist auch immer andere Wahrnehmungen abwägend.

    Der für mich entscheidende Satz aus dem Millernton Blogpost von heute ist der letzte:

    Was ich aber sicher nicht möchte, ist ein Verein, der sich nicht mehr traut humorvoll zu sein.

    Und sein wir doch mal ehrlich: schon sehr lange zeigt sich der Verein in meinen Augen sehr humorlos in seiner gesamten Kommunikation- vermutlich genau aus dem Grunde, weil man keinen stets zu erwartenden Shitstorm der Dogmatiker riskieren möchte.

    Und diesmal hat man es wohl endlich mal wieder billigend in Kauf genommen. Und ja, Humor ist verschieden und Geschmackssache.
    Mein Humorzentrum trifft es, zumal ich die beiden Schauspieler Nils Holst und Olli Kleinfeld kenne, Stichwort Krude.tv auf NDR. Aber solche Perlen eher subkulturellen und absurden Humors kennt die Generation Netflix natürlich nicht. Ich fand es ja schon erstaunlich (damit meine ich jetzt nicht euch), dass niemand die beiden erkannt hat und Nils sogar mit Bastian Pastewka verwechselt wurde.

    Und ich persönlich sehe nach wie vor nicht, warum eine rundum gelungene (in meinen Augen!) Persiflage auf Shopping-TV billigster Machart „nicht erlaubt“ sein sollte beim FCSP – der satirische Anspruch ist doch nun wirklich ganz deutlich erkennbar. Und im Gegensatz zu euch (so scheint es jedenfalls!) glaube ich nicht, dass das als Dauerformat gedacht ist, sondern eher als einmalige Werbeaktion für die neuen Sneaker, anstatt es langweilig wie immer zu machen.

    Wenn das jetzt wirklich so ein riesen Problem für euch ist, dann habe ich tatsächlich sowas wie Mitgefühl… möchte aber definitiv nicht mit euch tauschen…

  2. Hi Jan, ist schon auffällig, dass du hier vor allem kommentierst, wenn zwei Frauen sich (teilweise deftig in der Wortwahl) über Sexismus und die Folgen im Kontext des FCSP auslassen. Scheint ein Thema zu sein, dass dich ja immer wieder triggert, wenn du hier dann immer reagieren musst, dass ja früher (mit dem Mann – aber das ist wohl bloß Zufall) vermeintlich alles besser gewesen wäre. Das kommt dann mittelfristig schon dem Tone Policing ganz schön nahe, wenn ein Mann sich immer wieder über Wortwahl und Ton ärgert, statt mal eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Inhalten herbeizuführen.

  3. „Bring back magischerfc, wie er früher war, als der Senior ihn noch alleine betrieb!“

    Moin Jan, was für ein harter Bullshit. Man kann sich seine Fans nicht aussuchen, aber nein da gibt es keine gute alte Zeit. Du hast nur einfach nicht zugehört.

    Auch der Rest deines Beitrages ist äh naja.

    Grüße vom Senior, der früher nicht so freundlich geschrieben hätte wie dieser Artikel. Und ihn vollinhaltlich unterschreibt.

  4. […] „Eigentor“, würden das wohl viele nennen, was der Verein sich da geleistet hat. Mit dem „Pauli“ am Vortag noch angeteasert, gestern dann mit einer komplett überzeichneten Verkaufsshow „witzig“ online gestellt.Puh… ich schwanke zwischen beschämt weggucken, resigniert an eine Blumenwiese denken und einem „Alle bekloppt“.Tim hat das etwas differenzierter auseinander gepult, durchaus empfehlenswert auch die Diskussion in den Kommentaren des Artikels. Auf Social Media haben wir von „Stellt Euch doch deswegen nicht so an und entspannt Euch mal.“ bis „Ist das Euer Ernst?! Viel zu soft!“ auch so ziemlich die ganze Bandbreite an Reaktionen bekommen. Einen Text mit härterer Tonart findet Ihr beim MagischenFC Blog. […]

  5. Moin.
    ich finde diese Spots auch absolut unterirdisch und kann die Empörung darüber sehr gut verstehen und teile sie auch.
    Es lässt mich allerdings etwas ratlos zurück, wenn anlässlich dieser Spots der „Jolly Rouge“ wieder herausgeholt wird. Es ist eine Woche her, dass das Präsidium des FCSP auf einer MV
    a. nicht bestritten hat, dass Teile der Belegschaft des FCSP nicht nach Tarif bezahlt werden
    b. dann aber geschlossen gegen einen Antrag stimmt, welcher die Aufnahme von Tarifverhandlungen fordert
    und c. der Geschäftsleiter Wirtschaft sich bemüßigt fühlt, der MV mitzuteilen, dass beim FCSP niemand weniger(!) als den Mindestlohn verdient.

    Das wäre meiner Meinung nach auch einen „Jolly Rouge“ wert gewesen.

  6. […] andere kramen schon ihren Jolly Rouge heraus, wie der magische FC. Der Millernton geht zum Lachen lieber in den Kölner Keller (das hat mir […]

  7. Die Kritik hier, vom FCSR und Millernton ist absolut und komplett berechtigt! Vielen Dank auch an den Senior für die entspannten Worte weiter oben! Als ich den „Pauli-teaser“ gesehen habe, bin ich schon hinten aus den Latschen gekippt, die „Buchstützen“ haben das nicht besser gemacht! Aber der absolute (absoluteste) Hammer war die cringe Reaktion vom FCSP Media Team zur Kritik der Fans auf Twitter. Wer so etwas raushaut dem gehört m.E. die Berechtigung und der Zugang zum Account entzogen!

    Dieser Trash-TV verkörpert nicht die Werte des FCSP! Dazu erwarte ich eine offizielle Stellungnahme des Vereins und vor allem eine Abschalt-Reaktion! Wer das wirklich als Ironie oder Karikatur gemein hat, und da bin ich mir nicht so sicher, sollte mal schleunigst bei Boris Palmer nachfragen wohin so etwas auf Twitter meistens führt!

    Unser Tag mit Tarif wird kommen!

  8. Liebe AdminA,

    Hm, interessant – ist das wirklich euer Ernst, jetzt mit der Keule zu kommen, ich als Mann würde nur von Männern geschriebene Texte gut finden? Spricht das wirklich aus dem, was ich geschrieben habe? Habe ich mich zudem in euren Augen konkret frauenfeindlich geäußert?

    Nach meinem Empfinden nicht!

    Es ist viel mehr so, dass ich selber schon einiges an Diskriminierung in meinem Leben einstecken musste und das hatte nichts mit dem Geschlecht zu tun. Ich schreibe das, weil diese Erfahrungen schon früh dafür gesorgt haben, dass ich mich stets gegen Diskriminierung gestellt habe und auch der Schritt in die Fanszene des FCSP in den 90ern ein logischer für mich war.

    So, und daher habe ich halt folgende Meinung: sowohl die Texte des Seniors früher als auch heute der Millernton kritisieren absolut hart in der Sache, sind aber fast immer auch abwägend, über den eigenen Tellerrand schauend, sachlich, respektvoll und wertschätzend bis zu einem gewissen Grad.

    Bei den Posts, die ich hier konkret schon kritisiert habe, fehlt mir das. Es spricht daraus immer wieder der reine Dogmatismus und die „reine Lehre“, eine sehr hohe moralische Messlatte.

    Und da komme ich zum für mich entscheidenden Punkt: wenn mensch meint, anhand so einer maximalst hohen Messlatte andere zu kritisieren, dann sollte mensch das auch für sich selber gelten lassen. Im Zustand höchster emotionaler Aufgebrachtheit einen verbalen Rundumschlag in diesem Internet zu veröffentlichen, ist finde ich sehr fragwürdiger Stil, der dem eigenen Anspruch so gar nicht gerecht wird.

    Zumal ja – gerade wenn es um Dinge geht, die „den Verein“ bzw. dessen Mitarbeiter*innen betrifft, es offenbar auch direkte Kontakte gibt, über die sich das sicherlich klären ließe. Zumindest wird das seitens Oke und anderen immer wieder so dargestellt und auf den einschlägigen Blogs liest es sich eigentlich auch so.

    Ich finde das Beispiel jetzt nicht mehr, aber auf Twitter habt ihr -bei oder nach der MV 2020 war es glaube ich y auch einen Spruch rausgehauen als Reaktion auf die sehr unsägliche und unterirdische Diskussion bei der digitalen Veranstaltung. Sinngemäß so was wie „ab jetzt bitte nur noch Frauen zulassen, dann passiert sowas nicht.“ Ja, mag witzig gemeint gewesen sein, was auch immer – war aber unter dem Strich genauso pauschalisierend und diskriminierend wie das, was ihr vorher absolut zu Recht diskriminiert habt.

    Und auch in dem aktuellen Artikel zu den digitalen Kunstdrucken – von dem ich natürlich ebenso wenig weiß, wer aus dem Kollektiv den geschrieben hat – gibt es eine sehr fragwürdige Formulierung, welche eure hohe Messlatte eigentlich reißen müsste….

    „…was Ungewöhnliches probieren und einfach mal einen rauswichsen.“

    Öhem… würde anderswo dieses Vokabular verwendet werden, dann käme von euch doch sofort der Hinweis „Machosprech, sexistisch, ekelhaft!“…

    Und schlussendlich bleibe ich dabei: bei dem Pauli-TV-„Skandal“ wird absolut die Mücke zum Elefanten gemacht… gibt es nicht mit Pandemie, Kapitalismus, Sexismus in der Gesellschaft wie auch beim FCSP (selbst bei USP, was viele mit dem Blick von außen vorher sicherlich für einen „safe space“ ohne Diskriminierung in jeglicher Hinsicht hielten), Armut usw. mehr als genug Themen, über die Mensch sich aufregen und irgendwie versuchen kann, die Welt an der einen oder anderen Stelle wenigstens ein klein wenig besser zu machen?

    Und irgendwie ist diese Aufregungskultur, wie auch ihr sie betreibt, nicht so weit weg von dem gesamtgesellschaftlichen Problem bei diesem Thema… auch wenn ihr grundsätzlich auf der richtigen Seite steht. Es aber eben in meinen Augen oftmals übertreibt. Dogmatismus in Reinform. Was sich auch daran zeigt, dass die geäußerte Kritik weitgehend an euch abperlt…

    Aber wenn ich mir selber den Spiegel vorhalte, muss ich eingestehen: auch ich reagiere auf Empörung und in meinen Augen unangemessen/ überzogen vorgetragene Kritik mit Gegenempörung und kann nicht anders, als eine Gegenposition hier zu posten.

    Ich merke unter dem Strich, dass es mir gar nicht gut tut, weil es eh nichts bringen wird. Dogmatismus ist schwer beizukommen. Schade, dass ein konstruktiver Austausch auf der Sachebene – und ich behaupte mal, dass ich die bei aller eigenen Empörung über euer in meinen Augen völlig überzogenem Verhalten durchaus noch beackere.

    Vielleicht beruft ihr ja jetzt eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein oder so, ob der Schwere des Skandals. Da wird dann möglicherweise ein persönlicher Austausch möglich sein. Wobei die Qualität der Wortbeiträge dort ja auch öfters kaum über Forumsniveau hinausragt bei so einigen (damit meine ich jetzt explizit nicht euch, bevor das noch missverstanden wird! Den Anträgen zu 50+1 und zur Quote habe ich auch zugestimmt, alles gut und richtig und wichtig!

    Aber ich würde mir eben etwas mehr Selbstreflexion wünschen- wer so für die Mitmenschen die dogmatische Messlatte extremst hoch hängt, die*der muss sich dann auch daran messen lassen. Und da sollte dann auch eine andere Kritikkultur dazugehören als sie hier im Blog gelebt wird. Sonst muss die Goldwaage für die Äußerungen der Mitmenschen leider mal mit weit mehr Toleranz eingestellt werden.

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