Dez 082021
 

Gepöbel vorneweg

Jetzt mal ehrlich: Wer von euch wusste vor dem 29. Oktober überhaupt, wofür NFTs überhaupt stehen? Wir hatten das unter “bekloppte Idee” abgespeichert, auch weil die Menschen, die sich mit sowas sehr viel intensiver als wir beschäftigt haben UND denen wir in diesen Dingen sehr vertrauen, vor wenigen Wochen das hier schrieben:

Übersetzt sinngemäß: “Ich hab keine Lust, Zeit oder Gehirnkapazität darauf zu verwenden, die technischen Details deines “Ponzi Scheme” zu verwenden und ich nehme es sehr persönlich, dass ich eines Tages muss, weil ihr zu laut darüber schreit.”

Digitalisierung? Gut! 

Aber von vorne:

Wir finden es grundsätzlich gut, dass der FCSP sich auch mit Folgen der Digitalisierung beschäftigt und dabei auch guckt, was davon auf den eigenen Verein übertragen werden kann. Es ergibt total Sinn, mit dem Geist der Zeit zu gehen und auch entsprechenden Nutzen für den Verein “abzugreifen” – sei es neue Kund*innen und/oder Fans zu gewinnen, sei es Prozesse intern zu vereinfachen oder all sowas. Vielleicht kann man auch einer im digitalen lebenden Kultur, die erstmal ganz weit weg vom „klassischen“ (insbesondere Männer-)fußball ist, seine Werte und Ideen näherbringen. Und ja, sorry. Wir sagen das Wort Kund*innen auch in diesem Kontext nicht gerne, aber bis zur Revolution sind das halt Sachzwänge, wenn man „da oben“ mitspielen will. Und wir wollen das.

E-Sports ist so ein Beispiel. Da finden wir vieles schlecht gemacht (haben wir hier im Blog auch schon kritisiert), es ist nicht unser Ding, aber wir können nachvollziehen, warum das getan wird. Auch wenn es eben nicht unser Ding ist, muss es aber auch gar nicht alles sein.

Gerade bei neueren Geschäftsmodellen/ Themen würden wir uns wünschen, dass man sich dann ganz genau anschaut, was man sich da eigentlich gerade anlacht.

NFTs? Unser Versuch der Erklärung

Ehrlich? Wir beschäftigen uns eigentlich den lieben langen Tag mit anderen Dingen als mit NFTs, Blockchain und all solchen Sachen. Das hier ist aus Lai*innenperspektive geschrieben, die sich von Menschen, die das sehr viel besser wissen, ein paar Links haben schicken lassen und die hier zusammenfassen.

NFT steht für non-fungible token, zu deutsch nicht ersetzbare(s) Token/Währung, was so viel heißt wie dass diese virtuellen Token nicht einfach zerteilt werden können. Wenn ihr eine Euromünze habt, dann sind die alle gleich(-wertig), „fungible“.

Eine ganz gute Erklärung für die Technologie, auf der das Ganze beruht, haben wir beim Standard gefunden. In [] schreiben wir euch zudem noch ein paar ergänzende Erklärungen von Menschen, die sich hier wirklich gut auskennen:    

Was ist noch einmal eine Blockchain?
In einer Blockchain werden laufend Datenblöcke aneinandergereiht. Weil diese kryptografisch signiert sind, können sie so gut wie unmöglich manipuliert oder nachträglich verändert werden. Die bekannteste Blockchain ist jene von Bitcoin: Dort ist gespeichert, welche Adresse zu welchem Zeitpunkt wie viele Bitcoins besessen hat – für immer. So vergänglich das Internet sonst ist: Was in die Blockchain kommt, das bleibt auch dort.

Was sind Token?
In vielen Blockchains können grundsätzlich alle selber Token erzeugen und ausgeben. In der Regel repräsentiert ein Token einen bestimmten Wert, etwa einen Anteil an einem Unternehmen. Andere Token berechtigen dazu, eine bestimmte Dienstleistung nutzen zu dürfen und sind vergleichbar mit einem Casino-Jeton oder U-Bahn-Ticket. Krypto-Token sind sozusagen digitale Gutscheine, die man einfach mit wenigen Klicks handeln kann. [Um hier noch den Sprung zurück machen zu Bitcoin: Die „Bitcoins“ sind Token, aber welche Bitcoin man hat ist egal, sie sind „fungible“. Damit ist vielleicht plastischer, was „Token“ im Digitalen bedeutet.]

Was unterscheidet jetzt nichtfungible Token von anderen Token?
Die meisten Token sind fungibel, also absichtlich so konstruiert, dass sie gleichartig, zerteil- und austauschbar sind wie eine Währung. Wenn Sie jemandem 100 Euro leihen, werden Sie schließlich nicht darauf Wert legen, den genau gleichen Schein wiederzubekommen – zehn Zehnerscheine oder zwei 50-er tun es auch. Nichtfungible Token hingegen sind so wie das uralte Waffenrad oder ein Fotoalbum, das Sie einem Freund leihen und genau so wieder zurückhaben wollen: einzigartig. Jeder NFT existiert in der Blockchain nur einmal und repräsentiert den Besitz an etwas ganz Bestimmtem – zum Beispiel an einem Kunstwerk, das es nur ein einziges Mal gibt. [„repräsentiert den Besitz“ ist das Narrativ der NFTler*innen. Das stimmt aber nicht. Am Besitz der NFTs hängt üblicherweise gar nichts. Es gibt für diverse Objekte mehrere konkurrierende NFTs und am Besitz von NFTs hängt oft nicht mal eine Lizenz zur Nutzung. Ein NFT existiert und kann besessen werden. Aber es sagt nichts Belastbares. NFTs sind so, als würde ich mich mit nem Block ins Museum stellen und sagen: „Wenn du mir 1000 EUR gibst, schreibte ich dir nen Zettel, dass dir die Mona Lisa gehört“. Genau _so_ lächerlich ist es.]“


Token werden in der Regel über das Erraten von Zahlen, so lange bis man „gewonnen“ hat, „erworben“ (deren Lösung der Menschheit allerdings absolut keinen Mehrwert bringt). Dabei werden auch noch unfassbare Mengen an Energie verbraucht (weshalb einige Staaten mittlerweile Miningfarmen verbieten. Klingt nicht so richtig geil nachhaltig. Ethereum verbraucht beispielsweise in etwa so viel Energie wie und das ist kein Ökostrom, sondern kommt zu großen Teilen aus Kohle. Dazu kommen wir unten auch noch mal ausführlicher. Zumal hat all dies den Preis für Grafikkarten (die für sowas verwendet werden) absurd in die Höhe getrieben. 

Und hier beginnen die Probleme

Was genau erwerbe ich mit so einem NFT eigentlich? Der Verein hat eine Kurz-FAQ zum Thema rausgegeben, die sich aber genau um diese Frage drückt. Und auch sonst bleibt es unklar. „limitierter digitaler Kunstdruck“ wird das Ganze beim Verein genannt. 

NFT, Blockchain, etc. sind erstmal Technologien. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dies sollte man bei dem gerade existierenden Hype und der Schlagwortartigkeit der ganzen Diskussion nicht vergessen. Ein NFT, das sich auf nichts bezieht, ist auch nichts. Sozusagen ein leeres Blatt Papier oder ein Schlüssel ohne Schloss. Wir werden da juristisch werden müssen, später, aber noch mal zurück zum „Warum“.

Wer braucht sowas?

Im Kunstmarkt ist es ja so, dass man häufig genug nicht mehr wirklich nachvollziehen kann, warum welches Objekt wie teuer ist. (Und ansonsten müssen wir – kommunistisches Propagandamedium, das wir sind – noch darauf hinweisen, dass sowas auch gerne mal zur Steuerhinterziehung genutzt wird; sprich: Preise so hoch, wie Käufer*innen es eben brauchen.)

Kunst ist häufig genug mehr Spekulations- oder Steuerhinterziehungsobjekt, als dass über rational nachvollziehbare Kriterien deutlich gemacht werden kann, warum was wie viel kostet. 

Bei der Mona Lisa können wir alle nachvollziehen, ob wir das Original zu Hause haben oder eine (billige) Kopie (in dem speziellen Fall wahrscheinlich die Kopie…). Wobei wir uns wohl einig sind, dass der reale Nutzen von Gegenständen für EUR 1 Milliarde eher zweifelhaft ist (wie viele Goatstaller wir für den FCSP davon noch kaufen könnten – oder – gut, Menschen ernähren oder so banale Dinge).

Die Sache ist bei digitaler Kunst ja komplett anders gelagert und fängt für uns schon damit an, dass wir ganz persönlich schon nicht nachvollziehen können, warum sich jemand überhaupt digitale Kunst kauft – aber gut, andere Menschen können nicht verstehen, warum wir Fußballshirts kaufen. Macht Fantum ja irgendwie aus. Wir sind Fans von ’nem mäßigen Zweitligisten, andere vielleicht von digitalen Künstler*innen.Für uns ist Kunst etwas, das wir angucken wollen, das wir nutzen, um unsere Wohnung hübscher zu machen, uns an Reisen oder Anlässe zu erinnern, andere kaufen Kunst aus anderen Motiven.

Oder wollt ihr auf der nächsten Party damit angeben, irgendeinen Tweet im Wert von USD 2.5 Millionen erworben zu haben? Das wird sicher ein spannendes Gespräch. Und es ist natürlich auch komplett relevant, ob ihr euch einen Screenshot oder den “echten” Tweet aufs Klo hängt. Und klar, wir geben auch Geld für dumme Dinge aus (Auswärtsfahrten nach Aue, anyone?), aber ob „digital bragging rights“ da ein sinnvolles Investment sind?

NFTs können es digitalen Künstler*innen grundsätzlich erst mal ermöglichen, am Verkauf mitzuverdienen. Und die unendliche Schaffung von nicht vom Original zu unterscheidenden Kopien zu stoppen und Rechte mit einem Eigentumszertifikat weiterzugeben. Künstler*innen können damit ihre Kunst kommerzialisieren – in einer kapitalistischen Welt ebenso notwendig wie verlockend. Dabei muss aber beachtet werden, dass heutzutage die meisten NFTs ohne Wissen oder sogar gegen den Willen der Schöpfenden des referenzierten Artefaktes erzeugt werden. Und dann sieht es nicht mehr so gut aus für die Künstler*innen, sondern die NFTs helfen dann eben  irgendwelchen TechBros und Spekulant*innen. 

Gerade im Internet ist es – zumindest solange wir im Kapitalismus leben und unsere nordkoreanischen Schwestern die kommunistische Weltrevolution nicht angestoßen haben –  ein Problem, dass Fotos oder auch digital gemalte Kunstwerke schnell weitergegeben werden können und die erstellenden Personen daran keinen Cent verdienen. Das ist grundsätzlich erst mal scheiße; es haben gewisse Unternehmungen in der digitalen Welt aus der schlechten Bezahlung von Künstler*innen ein sehr lukratives Geschäftsmodell gemacht. 

Warum so etwas kaufen? 

Da wären wir wieder beim Verwendungszweck: Was hat eine einzelne Person davon, dass sie ein digitales Kunstwerk besitzt? Kauft euch doch einen physischen Druck davon, dann müsst ihr auch keinen Strom für euren digitalen Bilderrahmen ausgeben. Und wenn ihr Künstler*innen unterstützen wollt, die digitale Kunst erschaffen, dann gebt doch was in Auftrag statt was zu kaufen. Und druckt es dann auch aus, verdammt. Es ist doch noch viel cooler, Menschen, die Kunst machen, zu unterstützen. Und gleichzeitig allen anderen, die diese Kunst auch toll finden, die Möglichkeit zu geben, sie auch zu genießen. In unserer Gesellschaftsutopie läuft das jedenfalls so. Und in der besitzt sicher niemand Tweets im Wert von USD 2.5 Millionen. Und falls ihr so viel Kohle habt und nicht wisst, wohin damit: Seawatch freut sich sicher über eure Kohle. Aber das ist ganz klar die Käufer*innen-Seite. Digitale Künstler*innen mögen das aus guten Gründen anders sehen. Wir kommen darauf zurück. 

Technische und rechtliche Schwächen

Das Ganze ist stark im Fluss. So gibt es schon Fälle des Diebstahles von digitalen Kunstwerken, die dann mit einem NFT armortisiert werden. Hier ein Beispiel: 

Ja wirklich: Leute durchsuchen das Internet nach cooler digitaler Kunst und verkaufen die auf irgendwelchen Plattformen an Leute, die später feststellen, dass sie n paar Mille für was ausgegeben haben, das der*dem Verkäufer*in gar nicht gehört hat. 

Aber es wird noch schöner: Die gekauften Kunstwerke werden quasi in einer Art “Katalog” abgespeichert, der wiederum mit der verkaufenden Plattform verknüpft ist. Sollte die Plattform pleite gehen, ist der Katalog leider weg. Ihr habt dann zwar ein NFT erworben, das quasi die Aussage einer Plattform oder eines Anbieters darüber ist, dass ihr etwas besitzt, wenn jedoch der Webserver weg ist, existiert das referenzierte Kunstwerk zu Deinem NFT nicht mehr. Und das passiert by the way auch schon und ist kein hätte-könnte-würde.

Bei unserem Bild an der Wand ist es zum Glück scheißegal, ob die Galerie, von der wir das gekauft haben, noch existiert oder ob nicht. Aber es ist einfach richtig geil, USD 2.5 Millionen für einen Tweet zu zahlen, der dann gar nicht mehr der eurige ist. Klar, das Bild an der Wand kann bei einem Wohnungsbrand auch untergehen, aber im Falle von NFTs mache ich mich häufig genug von Betreiber*innen abhängig, die vielleicht noch nicht wirklich unter „bekannt und bewährt“ fallen, während ich mein Haus selber gegen Feuer schützen kann. 

Auch bei Venly

Bei unserer Recherche gerade haben wir nichts darüber gefunden, dass es bei der Plattform „venly“, die der FCSP nutzt, anders ist.

Wir zitieren aus The Atlantic: “All common NFT platforms today share some of these weaknesses. They still depend on one company staying in business to verify your art. They still depend on the old-fashioned pre-blockchain internet, where an artwork would suddenly vanish if someone forgot to renew a domain name.“ “Right now NFTs are built on an absolute house of cards constructed by the people selling them,” the software engineer Jonty Wareing recently wrote on Twitter.

Venly wurde 2018 gegründet und erhielt 2021 eine Finanzspritze von ca. EUR 1,4 Millionen durch Gründungsinvestor*innen. Es sollte jede*r*m klar sein, dass so etwas richtig rund laufen kann, aber ebenso auch die Firma in 12 Monaten vom Erdboden verschwunden sein kann. Und damit ggf. auch das NFT. 

Wie der Verein richtig schreibt ist dieses Spekulationsthema bei der aktuellen Kunst, die der Verein anbietet, nicht im gleichen Maße gegeben, da Festpreise festgelegt werden und irgendwas um die EUR 30 ja auch nicht die Welt sind. ABER man unterstützt damit eben indirekt, dass es sowas überhaupt gibt und macht es mainstreamtauglicher. Es ist so ein bisschen wie der EUR 5-Sportwettengutschein, wenn man EUR 5 einzahlt. Alles nicht die Welt, aber eben sozusagen der Einstieg in das Teufelsbecken. Was dann sicher nicht dazu führen wird, dass es in Zukunft weniger Spekulation insgesamt gibt.

Was kaufe ich eigentlich? 

Es bleibt vollkommen unklar, was ich hier eigentlich für meine USD 30 kaufe. Das einfachste Bild, das uns nach längerem Darübernachdenken kommt: Kennt ihr diese Mondzertifikate, die man früher mal kaufen konnte? Ziemlich genau so ist das. Aber dann auch noch mit Speicherung des Kaufs in einer Datenbank, die jederzeit aufgelöst werden kann. Ihr also gar nicht mehr nachweisen könnt, dass ihr das wirklich besitzt.

Für Jurist*innen [und wir haben da mal mehr als den Senior gefragt und wollen an dieser Stelle dankende Grüße nach Berlin richten] ist so ein NFT etwas nicht Greifbares. Es ist eben nur der Schlüssel oder das weiße Blatt Papier, welches mit Inhalt gefüllt werden muss. „In der Blockchain ist man als Owner eingetragen, aber was man eigentlich damit hat, machen die AGB. Das ist Lawyers Work.“ Zitat sinngemäß aus diesem Podcast.

Und hier wird es schwierig, denn dazu gibt es bei den digitalen Kunstdrucken NICHTS. Keine Definition, keine AGB. „streng limitiert“ steht da. Aber es findet sich nirgendwo die Anzahl der digitalen Kunstdrucke, auch bleibt die Frage ungeklärt, ob der/die Künstler*in, der Verein oder VcA weitere herstellen dürften oder nicht und welche Rechte nun veräußert werden. All dies bleibt komplett unklar.

Im Einzelnen:

Urheberrechte sind (teilweise, wir verkürzen das mal) veräußerbar, und bei Werken, die eine Körperlichkeit haben, ist das jeder Person klar. Aber auch bei Songs ist das jeder Person klar. Da gibt es eben das Recht zum Anhören, das ich z.B. durch eine CD oder einen Download erworben habe. Da gibt es ein Recht, Songs öffentlich abspielen zu dürfen, wie es z.B. Radios oder Spotify erwerben. Aber was erwerbe ich hier? 

Papierkunstdrucke an sich haben eher keinen wirklichen Sammler*innenwert, eher einen „ich hänge mir das an die Wand“-Wert. Aber habe ich hier das Recht erworben, das digitale Kunstwerk z.B. hochwertig auszudrucken und an die Wand zu hängen? Denn das Recht zur Vervielfältigung ist ein Urheberrecht und liegt daher erstmal bei dem/der Urheber*in. Es wird bei aller Suche in der Verkaufsplattform nicht klarer, also habe ich dieses Vervielfältigungsrechte im Zweifel nicht erworben. Ebenso kann man fragen, wer welche Rechte am digitalen Original hat. Vollkommen unklar und nicht definiert.

Vergesst nie: Ohne das dahinterstehende Werk bzw. die dahinterstehenden Rechte am Werk ist der NFT ein Nichts. Siehe oben. Warum sollte ich USD 2,5 Millionen für einen Tweet ausgeben? Oder hier: Klar sind USD 30 nicht die Welt, aber aus dem digitalen Fenster werfen möchte die ja auch niemand. 

Die gesamten AGB, die man findet, beziehen sich eher auf den Betrieb der Wallet als auf das gekaufte NFT. Ihr könnt sie gerne am angegebenen Link nachlesen, vielleicht haben wir ja etwas übersehen.

Es bleibt auch abzuwarten, ob entsprechende AGB überhaupt einer Kontrolle der Gerichte standhalten. So ist z.B. in den verlinkten AGB eine Rechts- und Gerichtsstandsklausel enthalten, die nach deutschem Recht (wäre das aber anwendbar?) zumindest zweifelhaft wäre. 

Schneeballsysteme?

Und da sind wir eben bei dem Thema „Ponzi Scheme“ (Klugscheißer Kommentar: Das ist etwas anderes als ein Schneeballsystem, auch wenn beide sehr verwandt sind und die Begriffe nicht immer sauber benutzt werden). Denn zur Zeit wird an die breite Kund*innenschaft etwas verkauft mit dem Argument „es ist neu, es ist toll und du musst JETZT auf den Zug aufspringen, bevor alles es entdecken.“ Und zynisch möchten wir schreiben: „Und du kannst für gerade einmal USD 30 in das Ding der Zukunft einsteigen und unterstützt auch noch VcA“. Aber was genau – ihr ahnt es, da schon erwähnt – da verkauft wird und ob man seine 30 Dollar nur dann zurückbekommt, wenn man genau mit diesen Nichtargumenten wieder jemanden überzeugt, bleibt unklar. 

Nein, wir halten weder den FCSP noch VcA für kriminell, haben aber auch das Gefühl, dass beide gerade unüberlegt auf einen Zug aufspringen wollen, deren fahrplanmäßiges Ziel nicht bekannt ist, der aber immer schneller aus dem Bahnhof rollt, und irgendwie hat man die riesige Angst, die Party des Jahrhunderts am Zielort zu verpassen. Dabei könnte das Ziel hier auch nur der entgegenkommende Zug sein. Die Chancen liegen bei 50/50. 

Wahrscheinlich wäre es viel besser, wenn wir alle an LouBa (hier stellvertretend für alle noch kommenden digitalen Künstler*innen genannt), an den FCSP und an VcA jeweils USD 10 spenden würden oder einen Kunstdruck zum Aufhängen zu Hause erwerben würden. 

Ja, wenn es irgendwann eine Standardisierung der eingeräumten und veräußerten Rechte gäbe, dann könnte das alles schon ganz anders aussehen. Dann „weiß man, was man hat“. Aber an dem Punkt sind wir weder im Allgemeinen, noch ist das hier im konkreten Fall gegeben. 

Haftungsrisiken der Verkäufer*innen

Auch der FCSP und VcA gehen erhebliche Risiken ein. Die deutsche (und europarechtliche) Juristerei ist sich gerade komplett im Unklaren darüber, ob NFT unter die Regulierungen der Finanzdienstleistungen gehören und wenn ja, unter welche. Hier findet ihr einen Überblick über die diversen Fragestellungen

Gibt es z.B. eine Prospektpflicht? Der FCSP hat keines veröffentlicht.  Ich kaufe 30 von diesen Kunstdrucken – das sind dann immerhin auch mal USD 900 – und übermorgen gehen NFT den Weg von DAT-Geräten und verschwinden wieder. Und da sitze ich dann mit meinem Totalverlust. Kann ich den FCSP nun haftbar machen? Wenn wirklich eine Prospektpflicht bestehen würde, wäre dies zu bejahen. 

Gilt die sogenannte „Know your costumer“-Regel, d.h. muss ich die Legitimität meiner Kund*innen überprüfen, um Geldwäsche zu vermeiden? Tue ich das nicht, drohen mir normalerweise erhebliche Geldstrafen, und diese Pflicht trifft auch gewisse Güter- und Rechtehändler*innen. Wir haben während des Schreibens ein Konto bei Venly angelegt und sind zumindest dabei nicht über eine entsprechende Legitimitätsprüfung gefallen. Ob die ggf. bei einem konkreten Kauf nachgeholt wird, können und wollen wir gerade nicht überprüfen. 

Das sind nur zwei Fragen, die zur Zeit schlichtweg komplett ungeklärt sind, die aber mit einem riesigen Haftungsrisiko für die Verkäufer*innen verbunden sind. Weitere Regulierungsfragestelleungen findet ihr im verlinkten Bericht. Die verursachen extreme Bauchweh. 

Steuerrecht? 

Wollen wir gar nicht mit anfangen, aber: Es läuft alles super und die digitalen Kunstdrucke sind in 3 Jahren USD 200.000 das Stück auf dem Markt wert? Glückwunsch. Wie das zu versteuern wäre? Komplett unklar. Insbesondere wenn ich eventuell nicht nur EIN NFT an- und verkaufe. 

Nachhaltigkeit?

Beim FCSP gibt es gerade viele tolle Bemühungen im Bereich Nachhaltigkeit (full disclosure: in die Menschen dieses Kollektivs auch involviert sind), die in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter vorgestellt werden. Da passieren gerade wirklich gute Dinge.

Umso fragwürdiger, warum man dann auf eine Technologie setzt, die notorisch dafür bekannt ist, massiv umweltschädlich zu sein. Und bevor ihr das einwerft: Ja, wir haben das Zitat in den FAQ gelesen:

Blockchains haben keine gute CO2-Bilanz. Warum macht Ihr das? 
Die Blockchain Polygon erzeugt bedeutend weniger CO2 als die bekannteren Blockchains. Polygon verbraucht im Jahr 0,00079 Terrawattstunden Strom. Wohingegen Ethereum und Bitcoin bei einem Verbrauch von 35 bis 140 Terrawattstunden liegen. Um es mit einem Bild zu sagen: Unsere NFTs erzeugen in ihrer Entstehung so viel CO2, wie wenn ein Auto im Strafraum am Millerntor von einer Seite zur anderen Seite fahren würde.“

In ganz kurzer Form – und nach unserem Lai*innenverständnis – gibt es 2 Arten der Blockchain: Proof of Work und Proof of Stake. Proof of Work ist notorisch dafür bekannt, unfassbar viel CO2 auszustoßen, proof of stake hat da eine deutlich bessere Ökobilanz und macht daher aus einer ökologischen Sicht wahrscheinlich mehr Sinn. Aber diese Nachhaltigkeit muss teuer erkauft werden, weil im proof of stake eine Konzentration der Macht entsteht und diese Macht z.B. zur Änderung der Spielregeln verwendet wird (Stichwort wieder: Was kaufe ich eigentlich?).
Einigermaßen verständlich erklärt wird das bei t3n

Viele Infos findet man auch hier (am Ende wird auch erläutert, dass die Umstellung auf proof of stake deutlich energieeffizienter ist.) Und selbst wenn die gewählte Technologie umweltfreundlich(er) ist, so pusht man damit eben doch eine umweltschädliche Technologie. Simpel und auch etwas vereinfacht gesagt: Es ist gut, dass der FCSP mit Bremen zusammen ins Trainingslager fliegt. Besser wäre natürlich, gar nicht zu fliegen.

Ein weiteres Problem

Das ist alles „Stand jetzt“. Der ganze Markt ist im Wandel und in der Branche weiß niemand, was morgen kommt. Heute denken wir noch, dass die Kryptografie von Blockchains nicht (oder nur sehr schwer) hackbar sind, morgen sind sie schon offen wie ein Scheuentor. Werden dann entsprechende Löcher in der jeweils zugrundeliegenden Blockchain gestopft, oder zieht die Karawane weiter? Im oben verlinkten Podcast wird diese Frage gestellt und als großes Problem gesehen. Wer garantiert eine Reaktion auf ein entsprechendes Loch? Wenn alle Gründer*innen ihr Geld gemacht haben kann es sehr gut sein, dass niemand mehr ein Interesse an einer gehackten Blockchain hat und die letzten einfach zurückbleiben. Auch hier sind Vergleiche zu einem Ponzi Scheme erlaubt. 

Fazit? 

So sehr wir auch mal „was Ungewöhnliches probieren und einfach mal einen rauswichsen“ mögen, so sehr ist dieses hier riskant und ein sehr weites Feld mit sehr vielen, sehr großen und sehr ungelösten Problemen, die ein Fußballverein und eine NGO vielleicht einfach mal an sich vorbeisegeln hätten lassen sollen. Das heißt nicht, dass NFTs oder die nachfolgende Technologie nicht wirklich was richtig Tolles für Künstler*innen und Kunstkund*innen sein könnten, nur zur Zeit sind sie es noch nicht. Und in der grundsätzlichen Bewertung der ganzen Blockchain-Technologie sind sich die Menschen, die viel mehr Ahnung als wir haben, auch nicht ganz einig.

Einige sehen Einsatzmöglichkeiten und potentiellen Nutzen deutlicher als andere. Die Frage ist: Bringt Dezentralisierung irgendwas und gibt es da potentiellen realen Nutzen? Wir maßen uns da kein finales Urteil an. Was aber bei allen rauskommt: Die Menschen, die das gerade hypen, sind auf das große Geld aus. Nicht auf den potentiellen realen Nutzen. Und dabei passiert dann relativ viel Unsinn. Und ob das dann ein Zug ist, auf den wir als Verein zu diesem Zeitpunkt aufspringen müssen, kann jede*r für sich beurteilen.

Wir steigen dann lieber in den Sonderzug Richtung 1. Liga ein.

Weiterführende Links
https://www.theverge.com/22310188/nft-explainer-what-is-blockchain-crypto-art-faqhttps://www.youtube.com/watch?v=a6KGeUjw_q0