Nov 152021
 

Vorbemerkung Teil 1

Die MV ist und bleibt meine (= der Senior) Lieblingsbeschäftigung, und so sind die nun folgenden Zeilen meine und geben meine Meinung wieder. Sollten die magischen Menschen noch Anmerkungen haben, dann werden sie die schon deutlichst in diesem Text vor Veröffentlichung ergänzen. Vielen Dank für das Gewähren des Platzes.  

Es wird wahrscheinlich (hängt immer von der persönlichen Zeit ab) die übliche Behandlung einer MV geben mit einigen Vorab-Texten und einer umfassenden Berichterstattung nach der MV. Insbesondere auch zu der „Finanzen“-Townhall, zu den Anträgen und zu allem, was sonst noch aufpoppt. Beginnen wollen wir mit den drei bisher eingegangenen Anträgen.
Stand: Montag der 15.11.2021. 

Wie üblich werdet ihr meine Meinung zu den jeweiligen Anträgen herauslesen können, ich bin aber nicht als Zwergallwissend bekannt und werde euch garantiert nicht empfehlen, ob und wie ihr euch bei den jeweiligen Anträgen verhalten sollt. Vielleicht nehmt ihr die folgenden Zeilen einfach als Grundlage für eine weitergehende Information und eine weitergehende Diskussion mit euch selbst. 

Vorbemerkung Teil 2 / Es folgt ein Rant in zwei Unterpunkten

Punkt a

Verdammt und Scheiße noch mal, warum genau haben wir eigentlich vor 73 Tagen (gerechnet auf den 15.11.2021) eine MV mit dem Schwerpunkt „Anträge“ gemacht, wenn nun schon wieder drei Anträge gestellt werden, von denen keiner (!!!) ein so akutes Thema behandelt, dass er nicht schon zu der vorherigen MV hätte gestellt werden können? Wir saßen entspannt in einem relativ warmen Millerntor zu einer Tageszeit, bei der man noch gut über alles reden konnte, und ihr stellt eure Anträge nicht? ARGH! 

Natürlich ist es das gute Recht eines jeden Mitglieds, auch zu dieser MV Anträge zu stellen, und es  mag immer Gründe geben, warum dies zur ersten MV nicht getan wurde, aber man ey. Ne sorry, jetzt sitzen wir doch wieder um 0:00 Uhr an einem Wochentag im CCH und diskutieren über Bullpencarts. ARGH!!! 

Punkt b

Ja, dieses Blog ist schon immer ein irrelevantes Meckerblog mit Hang zum Kommunismus, aber verdammte Scheiße, warum haben wir eigentlich einen relativ langen „How to Anträge“-Artikel geschrieben, wenn jede MV wieder Anträge gestellt werden, die mit einem „Liebe Leute, euer Antrag ist schon formell komplette Scheiße“ genügend abgehandelt sind? Müssen wir daraus erst statistische Grafiken machen, damit die Leute lernen? Artikel bewusst nicht verlinkt, findet ihn selber. Angefressen. Ich. 

Ja, Information ist keine Holschuld, aber viele Themen würden sich auch mit einer E-Mail an den Verein erledigen. „Hey, wie ist der Stand zum nachhaltigen Spieltag?“ – „Ja pass auf, da gibt es eine AG, hast du mal Bock, vorbeizukommen? Dann können wir dir mal unsere Probleme und unseren Stand erzählen und dann kannst du immer noch einen informierten Antrag stellen.“ 

So eine Antragsbegründung, die anfängt mit „Ich weiß, dass der Verein das zum Thema hat, aber mir reicht das nicht und aus den und den Gründen fordere ich das“ und der dann noch rechtlich richtig formuliert ist, wäre Gold wert. Später im Detail mehr. 

Denn seien wir ehrlich: Bei zwei von drei gleich behandelten Anträgen sehe ich doch die gute Absicht. Aber gut gemeint und gut gemacht sind eben doch immer zwei Schuhe. 

Da ist sie wieder, die Idee einer Antragskommission. Aber das ist wie so vieles, das eine Satzungsänderung benötigt, immer schwierig umzusetzen. Seufz. Bitte keine Nachfragen. 

Der „Golfcart“-Antrag

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Erstmal: Niemand wünscht sich eine Verletzung. Zum Glück sind Verletzungen, bei denen Spieler am Millerntor nicht auf den eigenen Füßen den Platz verlassen können, sehr selten. Noch seltener sind zum Glück Verletzungen, bei denen ein Spieler wirklich mit einer Trage vom Platz gebracht werden muss. 

Der Antrag ist erstmal formell schwierig. Ein Auftrag zur Prüfung, ob etwas realisierbar ist? Der Antrag ist so unscharf, dass das Präsidium unabhängig vom Inhalt die Annahme empfehlen könnte und dann nie darüber berichten müsste, denn eine Verpflichtung über das Ergebnis der Prüfung irgendwann zu berichten, enthält der Antrag nicht. 

Aber auch inhaltlich hakt es… 

Die Antragssteller*innen ziehen ausdrücklich die NFL als Vergleich heran. Da sind schwere Verletzungen leider an der Tagesordnung. Ihr alle, die ihr Samstagabends (an dieser Stelle mal schöne Grüße an das wandelnde College Football-Lexikon @giannivanzetti) und Sonntagabends nichts Besseres zu tun haben, als CFB und NFL zu gucken, wissen das. (Beides ist nebenbei meine Ablenkung vom üblichen November Baseball Cold Turkey). Daher hinkt der Vergleich schon. Darüber hinaus ist das, was man da im Fernsehbild sieht, kein einfaches Golfcart, sondern mehr oder minder ein halber bis ganzer Krankenwagen. Ich zitiere mal die New York Times:

„Real injury carts, driven by paramedics or team staffers (in New Orleans, the driver is a retired Saints groundskeeper), are seen as mobile emergency rooms. Most haul medications, intubation equipment and splints.“

„A heated compartment keeps medications at the proper temperature“ 

Und in den Stadien befindet sich auch jeweils eine beinah vollständige Radiologie.

An Spieltagen befindet sich so ein „Golfcart“ NFL-Style in unserem Stadion, der nennt sich nämlich „Krankenwagen“, und da sich radiologische Möglichkeiten und andere medizinische Dinge nicht in NFL-Umfang im Stadion befinden, muss dieser bei schweren Verletzungen immer in Anspruch genommen werden, weil die Spieler ins Krankenhaus müssen. Da nützt ein Golfcart nix.  

Und es sagt mir mein Laienverständnis, dass ein Lagern auf diesen Rollbetten, die sich in den Krankenwagen einfalten (die haben garantiert auch ein ganz tollen Namen) sehr viel praktischer sind, denn erneutes Umlagern vom Golfcart in den Krankenwagen benötigt Zeit, tut dem verletzten Spieler garantiert weh und macht eine Verletzung nie besser. Für uns Lai*innen mag das wackelig aussehen, aber ich gehe davon aus, dass die professionellen Helfer*innen wissen, was sie tun. Ohne jetzt eine Stoppuhr daneben zu halten, aber mein Gefühl sagt mir, dass die „Golfcart noch mal in Krankenwagen lagern“-Nummer länger dauert als die „vom Platz tragen und direkt in Krankenwagen reinfalten und ab geht die Luzie“-Nummer.

Dass man bei internationalen Turnieren dann wieder Golfcarts oder ähnliches sieht, mag auch damit zusammen hängen, dass in den Stadien wieder entsprechende Vorrichtungen wie in der NFL vorhanden sind.   

Bleibt nur der „mediale Aspekt“, und liebe Leute: Das ist makaber. Bullpen Car(t)s sind ja auch ein schöner Werbeträger und Aufmerksamkeitserhascher und vielleicht haben die Antragssteller*innen daran gedacht (Link zu ein paar schönen Bildern und eine Erklärung, aber deren Intention war immer, gesunde Spieler zu transportieren. Warum es die nicht mehr gibt? Weil die langsamer waren als wenn der Spieler einfach mal die paar Schritte lief, und weil Spieler nicht in den Dingern fahren wollten (Macho-Kultur allez). Auch verletzte Spieler in der NFL nutzen die Carts nebenbei nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Auch da Macho-Kultur. 

Die Antragssteller*innen argumentieren auch mit dem Trainingsgelände. Auch da gibt es einen ganz wichtigen anderen Faktor, der Zeit kostet. Es ist kein Krankenwagen vor Ort. Der muss gerufen und dann immer eingesetzt werden.

Und nebenbei kann ein Krankenwagen in dem – hoffentlich nie eintretenden – Fall, dass es auf Sekunden ankommt, auch immer über den Rasen brettern. Oder auf dem Platz der Rettungshubschrauber landen. 

Und zuletzt

Wir konnten erst diese Woche lesen, dass der FCSP alles im medizinischen Bereich gerade überarbeitet hat, um Verletzungen zu vermeiden. Nicht dabei herausgekommen sind Golfcarts. Das spricht für mich dafür, dass auch die Vereinsärzte die nicht als notwendig ansehen. 

Rutschfester Fußbodenbelag-Antrag

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Ich möchte folgendes vorweg stellen: Glatte Belage sind in Stadien eine Pest (der Autor durfte gerade wieder in Dresden damit Bekanntschaft machen). Es ist mir immer noch komplett unverständlich, warum Flächen erlaubt sind, die bei Nässe rutschig werden. Dies gilt umso mehr, wenn diese Flächen in einem Bereich sind, in dem sich seiner Bestimmung nach Menschen mit Behinderung bewegen. Das Ziel des Antrages ist also absolut richtig. 

Aber nun beginnen die Probleme. 

Der Antrag geht formell ins Leere und hat keine Bindungswirkung. Der FC St. Pauli e.V. hat kein Stadion, er kann also nirgendwo einen rutschfesten Belag verlegen. Mal ganz davon ab, dass er in seiner Formulierung nicht einmal eine Verpflichtung des Vereinspräsidiums darstellt. „Antrag auf rutschfesten Fußbodenbelag“ ist der entscheidende Kern, und das ist kein ausführbarer Antrag. Leute, lernt endlich, dass gewisse Dinge beim FCSP in Tochtergesellschaften angesiedelt sind, die teilweise nicht 100 % Töchter des e.V. sind. Gerade das Stadion ist dafür ein gutes Beispiel. Da in der Stadiongesellschaft vereinsfremde Gesellschafter*innen vorhanden sind UND Einstimmigkeit vereinbart ist, kann der FCSP da nicht durchregieren. Natürlich kann man unser Präsidium verpflichten, dass es seine Gesellschafterrechte dafür verwendet, für die Installation von rutschfestem Boden zu stimmen, aber das sagt der Antrag nicht. Nein, das ist keine Haarspalterei. 

Ich weiß nicht, ob es Gespräche vorher gegeben hat; aus der Begründung klingt es eher so, als sei dies nicht der Fall gewesen. Und da stellt man sich wieder die Frage, ob das ganze Problem nicht über den  Fanbeauftragten für Menschen mit Behinderung und/oder die ganzen Menschen, die beim Verein für Inklusion zuständig sind, schon lange hätte gelöst sein können? Wenn so eine Frage offen bleibt, dann schwächt dies eine Begründung immer. 

Ähnlich wie bei den Handläufen bei der letzten MV scheint hier einfach viel Potential für eine gute Lösung in einer fehlenden Kommunikation verloren gegangen zu sein. 

Es bleibt abzuwarten, wie sich das löst. Der FCSP sollte da aber unabhängig von irgendwelchen Anträgen Abhilfe schaffen, soweit es möglich ist. 

Der ab jetzt alles vegan-Antrag

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Auch hier eine kleine Anmerkung vorweg: Fleisch und Fleischprodukte sind Teil unserer Lebensweise, die diesen Planeten zerstört. Man kann sich garantiert über Anteile und Gewichtungen streiten, aber es führt kein Weg daran vorbei, dass eine vegane Ernährung (oder zumindest eine vegetarische Ernährung) ein Schritt in die richtige Richtung wäre. Dies ist natürlich nicht der einzige Schritt, aber so ein Fußballverein hat ganz viele Schrauben, an denen sich drehen lässt, und was am Spieltag verkauft und konsumiert wird, wäre auch eine. Ob es nun eine große, eine mittlere oder eine kleine Schraube im Gesamtpaket „Klimakiller FC St. Pauli“ ist, möchte ich nun nicht diskutieren, der Antrag sieht das ja auch ausdrücklich als Signal. Und mit großer Wahrscheinlichkeit als richtiges Signal. Wir haben aber auch gerade erst 2019 beschlossen, dass Heimspieltage zukünftig klimaneutral durchzuführen sind.

Und das Angebot an vegetarischen und veganen Speisen im Millerntor ist garantiert nicht optimal. Das liese sich auch ohne eine exklusive vegane Verpflegung definitiv verbessern. 

Aber nun beginnen wieder die Probleme. Alle zusammen: Der FC St. Pauli hat kein Stadion. Er hat wahrscheinlich auch nicht die Cateringverträge abgeschlossen; das haben Tochtergesellschaften gemacht, die im Notfall nicht einmal 100 % im Eigentum des FC St. Pauli e.V. sind, so dass diverse andere Gesellschafter*innen mitwirken müssten. Ihr habt diese Leier eben schon gehört, richtig? Richtig! Ein Antrag muss dementsprechend formuliert sein. So läuft er ins Leere. 

Natürlich muss man auch Verträge beachten, aber immerhin sieht der Antrag so etwas vor. Wobei „zum nächstmöglichen Zeitpunkt, bzw was kann das soll“ auch eine etwas unglückliche Formulierung ist. Besser wäre etwas im Sinne von „sorgt dafür, dass bei dem Abschluss von Verträgen im Bereich „Catering“ [den würde ich selbst definieren] die Dienstleister vertraglich auf eine rein vegane Angebotspalette verpflichtet werden. […] wirkt darauf hin, dass in Ausschreibungen diese Verpflichtung enthalten ist“. Das ist jetzt nur mal schnell runter gehauen und beansprucht natürlich nicht, die beste Formulierung zu sein…

Der Antrag möchte das Catering zur Saison 21/22 umstellen. Das läuft auch ins Leere, denn die ist zu 1/3 schon vorbei. Ja, das ist natürlich ein Flüchtigkeitsfehler, die Antragssteller*innen meinen wahrscheinlich 22/23, aber auch das ist doof formuliert. 

Der FC St. Pauli hat einen Geschäftsleiter CSR. CSR = Corporate Social Responsibility, und man kann sich vorstellen, dass unter diesen Begriff auch das Thema „ökologische Nachhaltigkeit“ fällt. Es war auch schon sehr häufig Thema auf Mitgliederversammlungen. Eine E-Mail an Michi Thomsen (der ist nämlich besagter Geschäftsleiter) würde wahrscheinlich eine Antwort ergeben, die wie folgt lauten könnte: 

„Moin, ja das ist hier auch gerade Thema. Wir haben dazu auch eine Arbeitsgemeinschaft, die aber noch nicht so an der Öffentlichkeit war, weil wir da gerade an Gesamtpaketen arbeiten und der Punkt, den ihr nennt, nämlich „wie sind unsere vertraglichen Bindungen?“ natürlich auch eine Rolle spielt. Vielleicht habt ihr mal Bock, zum Schnacken vorbeizukommen, dann bring ich euch da auf den Stand. Und vielleicht habt ihr auch Lust, euch da einzubringen?“ 

Stellt man dann noch so einen Antrag? Wahrscheinlich nicht. Liebe Menschen da draußen, dieser Verein ist bekannt für seine kurzen Wege. Auf seiner Homepage finden sich diverse Kontaktmöglichkeiten und eigentlich bekommt man immer eine Antwort. Nutzt das. 

Wenn dies aber ein „Ne, das dauert uns alles zu lange, wir wollen das JETZT“-Antrag ist, dann ist das komplett cool. Dies wird aber aus der Begründung nicht deutlich. Und Leute! Ihr geht auf der Mitgliederversammlung baden, weil euch extrem viel Wind mit „aber wir diskutieren das doch schon“ aus den Segeln genommen werden kann. Darauf sollte man sich vorbereiten mit einem Gespräch mit dem Verein. Dann kann man eine „ja, wir wissen das der Verein sich damit schon beschäftigt, aber das ist uns alles zu langsame Hippiescheiße und wir wollen das jetzt sofort“-Vorwärtsverteidigung fahren, die Menschen beeindrucken mag. Aber ein „Oh – was? Ihr beschäftigt euch schon damit? Oh, das haben wir nicht gewusst!“ ist eher immer nicht so überzeugend.  

Eine Randanmerkung: Ich hatte heute Morgen im Scherz gesagt, dass ich sofort dagegen stimme, wenn irgendwo diese unsägliche Holocaust verharmlosende Organisation mit P am Anfang ihres Namens in der Begründung auftaucht. Schön, dass sie es nicht tut. Lieber FCSP, man muss deren – sowieso zweifelhafte – Erhebung über vegane/vegetarische Stadionverpflegung nebenbei auch nicht jährlich hypen. Diese Organisation gehört ignoriert. 

Sollten noch weitere Anträge auftauchen, dann lest ihr das hier.