Nov 252021
 

Das erste Heimflutlichtspiel der Saison. Eigentlich war es so schön eingeplant für den 4. Dezember gegen Schalke. Doch dann machte – mal wieder – Corona die Pläne kaputt. Stattdessen also nun Sandhausen zum ersten Heimspiel mit Flutlicht der Saison. Nix gegen Sandhausen und die vielen netten Menschen, die wir da kennen. Aber so richtiges Kribbeln kommt da unter normalen Umständen nicht auf, und erst recht nicht unter aktuellen Umständen.

Corona wirft – nicht nur bei uns, wie wir feststellen – die Frage auf, ob man das aktuell noch verantworten kann. Wir beantworten die Frage heute für uns mit „Ja“. Meiden aber alle Innenräume. Ob das ausreicht? Wir wissen doch auch nicht. Nicht nur uns beschäftigt das; wir würden schätzen, dass 70% der rund 22.000 verkauften Tickets heute dann auch wirklich genutzt worden. 

Wir machen uns auf dem Weg zum Stadion noch keine Gedanken darüber, aber bei Ankunft dann die Frage: Wird das angesichts der aktuellen Vorwürfe ein normaler Spieltag? Ohne hier was vorwegzunehmen: Wird es nicht. Wir können nur für uns sprechen: Aber für uns fühlt sich der Umgang in der Süd damit richtig an. Support wie immer? Während des Spiels merken wir, für uns wäre das nichts gewesen.

Aber von vorne. Wir treffen uns recht früh: Veggie-Burger, halbes Hähnchen, Pommes. Wo, könnt ihr euch denken. Kennt ihr diese Wochen, in denen alles schwer ist? Alles nervt? So eine ist diese Woche für uns, entsprechend geladen ist die Stimmung auch untereinander. Und so einige (nicht anwesende) Personen kriegen ihr Fett weg. Bevor das zu sehr eskaliert: Auf zum Stadion, das noch sehr leer ist, als wir reinkommen. Rumstehen, unterhalten. Auf der Süd macht „kein organisierter Support“ die Runde. Weiter rumstehen, weiter unterhalten. Die Stimmung ist eher gedrückt, Corona nervt, die aktuellen Vorwürfe schweben über allem. 

Anpfiff. Die Mannschaft tritt von Sekunde 1 so an, als wolle sie Darmstadt wegwischen. 2 schnelle Tore, dann ein wenig (oder vielleicht auch sehr) nachgelassen. Da kann man echt den Vorwurf machen: Da musste einfach weiter richtig dranrumbeißen und dann auch noch weiter vorne liegen zur Halbzeit. Aber der allerletzte Zug fehlt. Auf dem Platz, und auf den Tribünen sowieso.

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie aus der Zeit einige Songs der 90er gefallen wirken? Ein gutes Beispiel ist der zu Ehren des verstorbenen Sängers von Turbonegro in der Halbzeit gespielte Song. Ein FCSP-Song mit einer so männlichen Fixierung? Unpassend heutzutage. Unpassend, speziell in dieser Woche.

2:0 in die Halbzeit. Sandhausen kommt mit Zug, wir schlafen gefühlt in der 2. Halbzeit schon ein. „Das ist mir für ein 2-0 zu wenig“ wird gesagt und fasst es irgendwie zusammen. Es dümpelt vor sich hin.  So fällt dann auch der – absolut unnötige – Anschlusstreffer. Ein paar Wechsel später dann doch noch die 3:1-Entscheidung. Igor, schön, dass du wieder da bist. Kofi hat ähnliche Bälle auch schon verzogen diese Saison; dass er den souverän macht gibt hoffentlich Selbstvertrauen. Christian Conteh hat uns noch ein paar zu viele Chancen, dann ist Abpfiff. 3:1 gegen Sandhausen. Ist in Ordnung, aber nichts, was in Erinnerung bleiben wird. Sonntag Nürnberg. Das zählt.

Ein paar Fragen haben wir aber doch noch:

  • Wie geht es einem Wechselspieler, dem gerade angezeigt wird, dass er kommen soll? Sich bereit macht, einwechselbereit ist und dann doch wieder weggeschickt wird? Heute passiert mit Ritzka und Aremu.
  • Was genau führt dazu, dass sich das Trainerteam (ohne erkennbare Spielsituation) umentscheidet?
  • Wer braucht den VAR in dieser Form? 
  • Ja gut, wo hat der VAR den Fußball für Fans, die Fußball im Stadion erleben, jemals besser gemacht? Sowieso behandelt der Fußball Stadionbesucher*innen wie dummes Vieh, das man dumm halten muss, damit es sich nicht aufregt: Zeitlupenaufnahmen der VAR-Situationen? Anzeige der Nachspielzeit? Vor der Glotze selbstverständlich. Im Stadion aus ARGH EMOTIONEN, GEWALT, Anarchie-Gründen verboten. Fans der NFL zB. würden euch wie ein Auto angucken, wenn ihr das erzählt. 
  • Was haben Nationalflaggen bei uns im Stadion zu suchen? Und ja, nicht nur die Schland-Fahne nervt. No borders, no nations.
  • Warum gibt es kein Concussion Protocol und Spieler, die sichtbar richtig wegwaren, spielen dann einfach weiter? 
  • Wissen unsere Spieler, warum die Ränge so ruhig sind oder beziehen die das auf die eigene Leistung in Darmstadt?
  • Wie wichtig ist es, dass es solche Spiele gibt? In denen Ohlsson (der ein bisschen zu häufig schlecht steht und definitiv nicht spritzig ist) wieder voll reinkommen kann? In denen Igor (der nach dem Spiel ganz schön pumpt) Spielpraxis sammelt?
  • Was diese Überschrift soll? Als hätte der Titel jemals was mit dem Inhalt zu tun gehabt. 

3:1 gewonnen. Das Spiel? Vergessen wir einfach schnell.

Nach dem Spiel noch weitere doofe Verletzungen im sozialen Umfeld: P. come back stronger 💪.

2 Kaltgetränke und dann ist die Luft endgültig raus. Der FC St. Pauli ist manchmal verdammt anstrengend. Und immer diese Frage: Ist das sinnvoll eingesetzte Energie oder verschwendete Liebesmüh? Eine Antwort werden wir heute nicht mehr finden.

Sonntag in Nürnberg wieder richtig in Spur kommen. 

Der FC St. Pauli ist die einzige Möglichkeit. Unser Tag wird kommen.

PS: Jakov? Wir sind Fans!

PPS: Gerade in diesen Tagen ist die Awarenessgruppe wichtig. Folgt denen gerne, und nehmt vor allem an der Umfrage teil: https://www.instagram.com/awareness.st.pauli/. Und falls ihr Gesprächsbedarf habt, könnt ihr auf diesem Wege auch Kontakt aufnehmen.

PPPS Nachtrag: Glückwunsch an den deutschen Meister im Blindenfußball. Blindenfußball ist braun-weiß! 🤎🤍

Nov 232021
 

Triggerwarnung, Text handelt von sexualisierter Gewalt und Übergriffigkeit.

Der FC St. Pauli ist für so viele Menschen ihre „Trauminsel“. Ihr Platz zum Wohlfühlen, ihre Oase im falschen Leben, ihr Platz zum Ausflippen und sie selbst sein und ihr Platz der Freude und des Leid. Worte wie „Wohnzimmer“ und „Heimat“ kommen über die Lippen von Menschen, die sonst nichts mit Heimat anfangen können. 

Der FC St. Pauli und seine Fanszene empfindet sich als links, emanzipiert und antisexistisch. Diese Attribute machen für viele Menschen auch die Attraktivität in einer männlich gelesenen Welt aus. 

Dabei ist auch unsere Kultur erstmal eine männliche. Viele Verhaltensweisen auch in unserem Stadion sind männlich dominiert, viele Ausdruck einer Machokultur. Es beginnt bei „seid zu schwach“ („wie Mädchen“ oder ähnliches kommt mir ganz schnell in den Sinn) geht über bei „besoffen auf den Zaun springen, egal ob da noch jemand in erster Reihe hätte stehen wollen oder stand“ und die männlich dominierten Blogs, Podcasts und Führungszirkel in diesem Verein bis zu viel schlimmeren Verhaltensweisen. Und wenn man ganz ehrlich ist, ist die auch die Ultrakultur mit ihrem territorialen Denken und ihrem auch auf der Straße Agieren wollen und auch müssen – eine männliche Kultur, eine Machokultur. 

Und ja auch beim FCSP. Und umso linker wir uns fühlen, umso mehr wird dies ein blinder Fleck in unserer Eigenwahrnehmung. Umso mehr machen wir die Augen zu. „Die sind sonst nie da“, „das kann ich mir beim FCSP gar nicht vorstellen“, „das war ja nur auswärts“ oder andere Reaktionen sind aus unserem linken Selbstverständnis nur zu schnell getroffen. 

Dabei machen wir uns nichts vor. Fehlverhalten gegenüber FLINTA* ist an der Tagesordnung beim FCSP und dies bis zum innersten der innersten Fanszene. Wir müssen uns diesem stellen. Wir müssen uns unserer eigenen Negierung und unserem eigenen Fehlverhalten stellen. Sei es, weil man als Mann selber so ein Verhalten an den Tag gelegt hat, sei es, weil man einen Mann in seinen eigenen Strukturen viel zu lange gedeckt hat oder immer noch deckt. Wer hier sagt „das habe ich niemals“, der lügt sich komplett in die eigene Tasche. Kein Mann beim FCSP wird sich von diesem Vorwurf komplett freisprechen können. Und nicht nur kein Mann beim FCSP. Kein (cis-)Mann weltweit.

Hört auf zu lügen und so zu tun, als ob ihr die perfekten Feministen seid. (Schreibt hier ausdrücklich ein Mann)
So lange dies nicht der Fall ist, werden wir keine „Trauminsel“ für FLINTA* sein. Wir können uns immer wegen unseres hohen Frauenanteils loben, aber dies ist Teil unseres blinden Flecks. Viele dieser Frauen erleben ständig Fehlverhalten, wie viele Frauen müssen sich jeden Schritt genau überlegen? Wie viel FLINTA* schrecken wir ab? Das kann nicht sein. 

Wir müssen feststellen, dass wir in vielem von anderen Vereinen überholt worden sind. Bei uns arbeiten Menschen ehrenamtlich an diesem Thema, man kann sie nicht häufig genug dafür loben, aber die Unterstützung des Restes des FCSP? Ist viel zu wenig. Nur als Beispiele: In Bremen wird per Clip auf der Anzeigentafel auf Awareness-Strukturen hingewiesen und Kontaktstellen benannt, in Darmstadt kommt es zu einer entsprechenden Durchsage. Auch im Fan-ehrenamtlichen Bereich wird sich gerne mit einer AG Awareness geschmückt, aber wie sieht denn die konkrete Unterstützung und auch Zustimmung zu Maßnahmen aus? 

Und bei der ganzen guten Arbeit, die aus dieser AG heraus kommt und kommen wird, ohne eine 100 % Unterstützung aus dem hauptamtlichen Bereich und ohne eine 100 % Unterstützung aller anderen Fangruppen sind Ressourcen endlich und die Arbeit frustrierend. Und 100 % Unterstützung meint hier u.a. auch eine Vollzeitstelle mit keiner anderen Aufgabe. 

Wir als Fans müssen auch eher die betroffenen Personen als unser eigenes Außenbild im Blick haben. 
„Intern aufarbeiten“ hat engste inhaltliche und zeitliche Grenzen. Sonst wird es Vertuschung. Wenn so etwas passiert, muss es konsequent, schnell und mit Ergebnissen, die für die Betroffenen sichtbar sind (!) passieren. Das haben Gruppen beim FCSP schon hinbekommen, das geht also. Und ja es ist schmerzhaft, jemanden aus seinem Leben zu streichen, der vielleicht mit einem im Steinhagel von Rostock stand und den 9er bis nach Neapel gefahren hat und auch sonst immer gut drauf war. Du als Kumpel bekommst die schlechte Verhaltensweise vielleicht nur am Rande mit, aber sag mir nicht, dass du sie gar nicht mitbekommst. Und dann musst du Fragen stellen. Schnell. Haben wir alle nicht gemacht. Weil bequem. Und Menschen und insbesondere Männer sind bequem. Noch mehr in solchen Fragen. 

Was brauchen wir? Klare Strukturen, klare Handlungsschemata, was in solchen Fällen zu passieren hat. Strukturen, die den Betroffenen helfen und ihre Parteivertreter*innen sind. Die Organisation (wir als Fanszene) muss sich verändern und dazu bedarf es klar abgesteckter Prozesse und Strukturen. Wir werden sehr viel unserer Verhaltensweisen grundlegend überdenken müssen. 

Und das schöne? Jede*r von uns kann damit ganz von selbst anfangen: Dummer Spruch gegenüber einer FLINTA*? Zeigt euch solidarisch, unterstützt. Wie das aussieht, ist in jeder Situation anders. Aber „Klappe halten“, „wegschauen“ und „war doch nicht so schlimm“ waren es ehrlicherweise noch nie und sind 2021 einfach keine Optionen mehr. 

Wenn wir feministisch sein wollen und endlich viel offener für FLINTA* sein wollen, müssen diese Schritte sein. Und sie werden schmerzhaft sein. Auf individueller, als auch auf kollektiver Ebene. 

Volle Solidarität mit allen Betroffenen von sexualisierter Gewalt und sexueller Übergriffigkeit. 

Kontakt zur Awareness-Gruppe gibt es über post (at) awareness-stpauli.de, wir können auch gerne persönlichen Kontakt herstellen. Haltet sonst morgen auch im Stadion die Augen auf.

Nov 212021
 

Darmstadt (Sky’s Version) 

Darmstadt und ich haben schon immer etwas bad blood. Entweder war es höllisch heiß, arschkalt oder es regnete 4 Stunden in Strömen. Von den Ergebnissen mal ganz abgesehen. Nein, eine Love Story ist das zwischen uns wirklich nicht. Wollte ich trotzdem hinfahren? Natürlich. Aber dank einer Meinungsverschiedenheit zwischen einem Essen und meinem Magen blieb heute ein blank space im Auto und die Bezugsgruppe musste ohne mich fahren. 

Also Sky. Aber ist ja auch nicht alles schlecht. Ausschlafen und dann Fußball mit der Kuscheldecke und den Katzen auf dem Sofa. 

I knew you were trouble when you walked in… So richtig gut ist das nicht. Wir kommen nicht ins Spiel. Darmstadt wirkt griffiger, motivierter. Dann ein Standard, Tor. Scheiße. Medic wird im Mittelfeld gefoult, blutet aus der Nase und muss lange behandelt werden. Scheiße. Wir kommen etwas besser ins Spiel. 2:0, und eigentlich ist das Spiel von diesem Zeitpunkt an gelaufen. Scheiße. 3:0, 4:0 nach 40 Minuten. Darmstadt, you need to calm down.

Viel schlimmer kann es jetzt auch nicht mehr werden. Changes zur Halbzeit. Es kommen Benatelli, Lawrence, Ohlsson und Smith für Medic, Aremu, Hartel und Zander. Wir sind stabiler, kommen wieder ins Spiel, aber können uns nicht belohnen. 

I don’t like your little games. Ich habe wirklich keine Geduld und keinen Bock mehr. SETZT EURE MASKEN AUF! ICH SEHE EUCH ALLE IM TV! Das ist die Regel – haltet euch dran. Ich habe keine Lust, wieder monatelang den Fernseher und meine Wände anstarren und anschreien zu müssen, nur weil du unsolidarischer Dulli es nicht schaffst, dich an eine einfache Regel zu halten.

Bleibt nur zu sagen: Shake it off und am Mittwoch wieder Tabellenführer*innen werden.

Darmstadt (Car’s Version) 

Taylor Swift verarbeitet in ihren Liedern gerne mal verflossene Liebschaften. Und ähnliche Trennungsgefühle entwickelten sich heute auch in der auswärtigen Bezugsgruppe. Jede*r bitte nur eine Anfahrtmöglichkeit. Und dazu noch ein Krankheitsausfall (siehe eine andere Version) und schon machen wir hier Taylor neidisch und basteln gleich drei Versionen dieses Berichtes. 

Ich machte mich im Einkommensteuerbomber um 4:30 auf den Weg. Die Playlist orientiert sich an dem Namen der gastgebenden Stadt. Und ich kann euch sagen, so viel Verdauung und Verdauungsprodukte waren lange nicht auf der Playlist. 

Außer einer Vollsperrung der A7 ging es reibungslos nach Darmstadt. „Scooter? Das ist Alchemie in Reinform!“ ist die Feststellung von der Hinfahrt. 

Parkplatzinfrastruktur ist dank der nahen Uni sehr gut, auch wenn 5 Euro Gebühr eher am oberen Ende des Erträglichen ist. 

Am Gästeblock ein großes Hallo und ganz viele Menschen, die man teilweise auch lange nicht gesehen hatte. Hallo Familie Ramone <3

Wollt ihr mal so richtig befummelt werden? Dann nutzt den Einlass in Darmstadt. Ich bin lange nicht so gefilzt worden. Und der langhaarige Bombenleger wurde mit der „du siehst böse aus, wir lassen uns ALLES zeigen und filzen dich mal richtig“-Behandlung begrüßt. 

Der Gästeblock-Steh im neuen Böllenfalltor wird sich eher im unteren Ende Deutschlands einfinden. Sehr klein und auf eine Plexiglaswand guckend. Durch die Corona-Maßnahmen war genügend Platz, aber ich frage mich ehrlich, wie das in einer Vollauslastung aussieht. 

Dafür sind neue Klos, die aktiv gereinigt werden während des Spieles, und ein vernünftig laufender Getränkeverkauf und Pommes (!) im Stadion echt ein Highlight. 

Sowieso ist es so etwas von angenehm, wenn ein ruhig agierender Stadionsprecher dich als Gästefans dreimal begrüßt und es keine aggressive Reaktion gibt. Auch, dass per Ansagen für Awareness-Strukturen geworben und für die Beerdigung einer verstorbenen Rollifahrerin gesammelt wird, hebt sich angenehm von dem sonst üblichen rum Gebrülle in Stadien ab. 

Sonst haben die Lilien ungefähr in jeder Punk- und Metalspielart ein Lied auf ihren Verein. Es fehlt nur eine Death Metal Version. Aber auch das ist sehr viel angenehmer als eine Popbeschallung. 

Und dann kommt DER Song. Und der ist echt anstrengend. Und ein grauenvoller Ohrwurm. Und wenn man den an einem Tag 6 mal hört, hat man für lange wieder genug. 

Auf der Anzeigentafel läuft zu DEM Song ein Film, in dem der Text angezeigt und außerdem von einer Dolmetscherin in Gebärdensprache übersetzt wird. Wie großartig ist das denn bitte? 

So, genug Lob für Darmstadt, denn wer Lieberknecht als Trainer beschäftigt, spielt auch Lieberknecht-Fußball. Sprich bei jedem Zweikampf ist die Hand ins braun-weisse Trikot verkrallt und bei jedem noch so kleinen Anlass liegt man kullernd auf dem Fußboden, um einen Freistoß rauszuholen. 

Aber der Erfolg gibt ihm ja Recht. Denn wie viele andere Teams in der 2. Liga fanden auch wir überhaupt kein Mittel dagegen und ließen uns komplett den Schneid abkaufen. Und wenn man dann noch Standards so schlecht verteidigt, wie es nur wir können, dann wird ein Debakel draus. 

Vier Wechsel zur Halbzeit. Und danach war das Spiel halbwegs ausgeglichen. Ohne dass noch viel passiert. Aus diesem Spiel muss man lernen. Wie wollen ein Spitzenteam sein. Und dazu gehört es auch, Rückschläge zu erleiden, zu verarbeiten und diese in positive Ergebnisse in den nächsten Spielen umzusetzen. Gut auch, dass Ohlsson und Smith Minuten bekommen haben. So kommen die auch wieder mehr in den Rhythmus. 

Leute! In Pandemiezeiten noch mehr als in normalen Zeiten gilt, dass man sich in Gästeblöcken nicht besinnungslos trinken muss. Und nein, keine Reaktion auf das 0-4, sondern schon mit drei Bier pro Person in den Block gekommen. Und dann sind das so Dudes, die irgendwo zwischen Macker und eklig unterwegs sind. Ne, muss echt nicht sein. 

Und es ist für mich 1,90 Mann (!) schon extrem unangenehm, wenn so ein Typ sich bei mir besoffen anlehnt. Auch so ein besoffenes Rumprollen ist ein Verhalten, welches Diversität behindert. 

Und Maske ist für solche Leute natürlich auch eher ein modisches Element auf dem Kinn. 

Und dann ging es wieder zurück. Danke an die Mitfahrenden, das war sehr nett. 

Darmstadt (Train’s Version)

Disclaimer: Wer sich an die Zugfahrt erinnert, war nicht dabei.

Stress im MagischerFC-Universum? Jetzt fahren die nicht mal mehr zusammen? Nichts dergleichen, ich persönlich finde Zugfahrten allgemein betrachtet angenehmer als die Autofahrt, wenn es sich denn anbietet. Und Darmstadt bot sich an. Pandemiebedingt entwickelte sich dann jede Woche ein anderer Stand dazu, wann ich jetzt wie hinfahren würde, letztendlich wurden es dann Fanladentours aus Hamburg und Anschluss an den Norden. Danke fürs Mitnehmen <3. 

„Jetzt schreiben die in diesem Meckerblog schon wieder über Masken“. Ja, tun sie. Wenn ihr grundsätzlich glaubt, dass diese Pandemie existiert UND euch habt impfen lassen: Danke dafür, ihr habt einen wichtigen Schritt dafür getan, dass wir hoffentlich auch in 4 Wochen noch rauskönnen. Also auch dieses Auswärtsfahren dürfen. Aber ihr könnt da noch was anderes machen: Tragt eure verdammte Maske vernünftig. Es waren gestern viel zu häufig viel zu viele Nasen zu sehen. Und nicht kurz für den Schluck Bier, sondern so als Dauerzustand. Ja, es nervt. Aber wenn wir es nicht mal schaffen, die vernünftig zu tragen, dann reiten wir uns halt weiterhin tiefer in die Scheiße rein. 

Und wenn ihr dann zu der Fraktion gehört, die bei dem Thema Impfen was von „Zweiklassengesellschaft“ faselt, dann habt ihr die richtige Antwort darauf ja gestern schon bekommen. Setzt eure kack Masken auf und zieht euren St. Pauli Merch aus, ihr Hünd*innen. 

Bahnhofspolizist zu sein ist sicher ein spannender Beruf. An jedem Bahnhof zwischendrin sind sie am Gleis, um dann ja aufzupassen, dass die gefährlichen Paulis auf dem langen Weg nach Europa nicht irgendwelche Städte in Schutt legen.

Hinfahrt ansonsten dominiert von Wizard, Gewerkschaften, Tarifverhandlungen und Musik von den Spinnern.

Wisst ihr, was das Schöne am FCSP-Kosmos ist? Man fährt in kleiner Gruppe hin und die Anzahl der tollen Menschen werden sukzessive immer mehr. Im Zug, in Darmstadt am Bahnhof und schließlich am Stadion. So verbringen wir die Zeit bis zum Spiel dann auch genau damit: Menschen treffen & viele Hallos.

Rein ins Stadion und im Vorfeld des Spiels viel Lob für Darmstadt. Relativiert sich dann auf dem Platz (Warum holst du dir als eigentlich echt cooler Verein solche absoluten Trotteltrainer wie Anfang und Lieberknecht?) durch unsportliches Spiel, das der Schiedsrichter auch zu keiner Situation unter Kontrolle kriegt. Das Spiel haben wir verdient verloren. Aber ich MUSS als Schiedsrichter wissen, dass Lieberknecht-Teams so spielen. Und dann halt auch mal gleich zu Beginn ’ne Ansage machen. Sonst kriege ich das auf dem Platz nie unter Kontrolle. 

In meiner Erinnerung sind wir sonst auch mal mit schwereren Verletzungen aus solchen Spielen gegangen; immerhin das haben wir gestern vermieden. Auch wenn Jakov sicherlich heute der Kopf eher mehr als weniger wehtut und er wohl so aussieht, als hätte er sich in eine körperliche „Diskussion“ mit ’nem Impfgegner begeben. Ganz sicher, ob man ihn nicht direkt nach dem Foul hätte runterholen müssen, sind wir uns immer noch nicht. Zumal er in der Halbzeit dann selbst um seine Auswechslung bittet. 

Uns fällt auch auf, was für eine gute Körperbeherrschung Kofi hat. Der rettet sich auch immer wieder dadurch vor schweren Verletzungen, dass er sich immer noch irgendwie aus dem „kritischen Foulkontakt“ befreit.

Am Spiel nervt, dass Darmstadt die Tore macht, wie es zu erwarten war: Aus Standards, mit dem Kopf und indem sie ihre Schnelligkeit ausspielen. Die erste Halbzeit war Mist und aus unserem Fankopf streichen wir die einfach ganz schnell. Die Trainer und das Team werden da noch viele Analysen draus ziehen können. 

In der Halbzeitpause wird gewechselt (und wir spielen das „wer wohl für wen“-Spiel einigermaßen erfolgreich). „Wenn die jetzt kein Tor mehr kriegen und dann noch 1, 2 Tore machen, kann ich damit gut leben.“ Kein Tor mehr zu kriegen hat ja geklappt (und ja, auch weil Darmstadt rausgenommen hat), wir haben uns stabilisiert. Das dann doch verdiente Tor will einfach nicht fallen und so fährste mit ’ner blutigen Nase nach Hause. Wir geben am Ende einen Torschuss weniger als Darmstadt ab. Hätte-könnte-würde. Auf der einen Seite klappt alles, auf der anderen Seite klappt nichts.

Nach dem Spiel kommen die Spieler vor den Gästeblock und auch wenn im Gästeblock nicht alles cool war (s.o.), so hören die Spieler da größtenteils ermutigenden Applaus. Das ist das erste Mal, dass die allermeisten im FCSP-Trikot vor Publikum so deutlich verloren haben. Und erwarten wahrscheinlich vieles, aber nicht, dass die allermeisten sie anfeuern und motivieren. Und das siehst du denen auch in den Gesichtern an. Die haben sich untereinander nie aufgegeben – Jackson Irvine als Antreiber während des Spiels bleibt in Erinnerung. Und die kriegen von uns nicht sofort die volle Pöbelei ab, sondern Unterstützung. Maxi Dittgen kann das scheinbar gar nicht so richtig glauben und auch andere wirken verwundert-motiviert. Dennis Smarsch kriegt von irgendnem Darmstadt-Druffi dann noch Pöbelei ab und verteilt Kussherzchen. Genau so.

Ihr erinnert euch an das Darmstadt-Lob von vor dem Spiel? Müssen wir auch neben dem Platz dann halt doch relativieren. Schalparade, „Danke-Bitte“-Ansagen, lautes „Nuuuuulls“ und der Stadionsprecher überdreht dann doch. „Spitzenreiter“ ist natürlich auch witzig, wenn du den Platz dem Gegner, gegen den du gerade spielst, abnimmst, der aber halt ein Spiel weniger hat. Zumal in der Heimkurve rechts von uns irgendwelche Dullis die eigenen Tore vor allem feiern, indem sie uns den Mittelfinger zeigen. Alles etwas skurril in einem Spiel, in dem die Fanszenen bestens miteinander klarkommen.

Getoppt wird das dann für uns nur noch davon, dass bei Darmstadt zwar nicht irgendwelche Fürze, dafür aber Verletzungspausen mit Werbung unterlegt werden. Von einer Krankenkasse. Besonders geil, wenn dein eigener Spieler mit ’ner dunkelgelben Aktion den Gegner richtig umsenst und Kofi deshalb länger behandelt werden muss. Perfekter Moment für irgendwelche „Rettungsschirm“-Werbung. Nicht.

Rückfahrt? Kurzes Gerangel rund um das allseits beliebte Thema Masken im Shuttle zum Bahnhof, den ansässigen Rewe stürmen, um Verpflegung sicherzustellen und ab geht die Rückfahrt über Frankfurt.

Für den Rest der Fahrt gilt: „Wer sich erinnern kann, war nicht dabei.“

Und jetzt? 

Haben wir im März 2018 auch mal ein Spiel 0:4 verloren und danach gegen Sandhausen gespielt. Das Ergebnis von damals würden wir ungerne wiederholen. Rausgehen, warmmachen, umhauen. 

Der FC St. Pauli ist die einzige Möglichkeit. Unser Tag wird kommen.

PS: Wer die popkulturelle Anspielung nicht versteht: https://www.vox.com/culture/22278732/taylor-swift-re-recording-fearless-love-story-master-rights-scooter-braun

PPS: Jakov? Wir sind Fans! 

Nov 202021
 

Vorwort

Liebste Lesende, hier also die weiteren Anträge zur MV Dezember 2021. Ob da noch mehr kommt werden wir sehen. Es gilt alles vorausgesetzt, das wir schon im ersten Teil sagten. 

Anmerkung des Lektorats: Es werden die Begriffe „Homepage“ und „Website“ hier auftauchen. Wir als Blog benutzen hier den Begriff „Homepage“ als Bezeichnung für die Startseite und den Begriff „Website“ als Bezeichnung für den gesamten Internetauftritt. Der unten erwähnte Antrag benennt die „Homepage“, meint jedoch nicht nur die Startseite. Dies zur Kenntnis.

Housekeeping

Auf der Website des FCSP nicht mehr verfügbar sind der Golfcart-Antrag und der rutschfester Untergrund-Antrag. Ich deute das mal als „sind zurückgezogen“. Wir danken für die kurzfristige Unterhaltung und senden Gedanken an alle, die diesen Anträgen nachtrauern. Insbesondere weil einer von beiden nun wirklich Popcornfaktor gehabt hätte. 

Würde mir bei der Frage „Wo ist denn nun der Antrag hin?“ aber mehr Transparenz wünschen und rege generell mal an, das ganze Antragswesen zu überarbeiten. Änderungen wären bei folgenden Punkten sehr wünschenswert: 

  • Wohin stellt man den Antrag per E-Mail? Das ist bisher nämlich komplett unklar. (Ähnliches gilt auch für die Möglichkeit, sich die Gewinn- und Verlustrechnung zuschicken zu lassen; aber das nur nebenbei. WIR wissen schon, an wen wir uns beim Verein wenden, aber da kann man ja nun nicht bei jedem Mitglied so automatisch von ausgehen.)
  • Muss man die wirklich ausdrucken, um sie dann wieder einzuscannen? Was der Verein zur Zeit tatsächlich macht. 
  • Transparenz über Eingang und Rücknahme von Anträgen auf der Website des Vereines
  • Bessere Sichtbarkeit auf der Vereins-Website. Wie häufig haben wir in den letzten Tagen mal wieder die „Wo finde ich die denn?“-Frage beantwortet…
  • Und wo wir dann schon dabei sind: In der Satzung kann mal nachgebessert werden, dass man satzungsändernde Anträge 3 Wochen vorher einreichen muss und bis 1 Woche vorher ändern kann; „normale“ Anträge aber nur 2 Wochen vorher eingereicht werden können und dann nicht mehr geändert werden könnnen.
  • Und ein Antragsformular wäre schon, und ein „How to“ Anträge nicht nur in diesem Meckerblog, sondern so ganz offiziell vom Verein.  

Die neuen Anträge

Kommen wir also zu den neuen Anträgen. Die sind inhaltlich wirklich mal interessant, und einer dieser Anträge führte auch bereits zu Redebedarf bei vielen Menschen. 

50+1 stärken

Link

DISCLAIMER!
Menschen aus diesem Kollektiv und ich als der Senior waren an der Stellung dieses Antrages beteiligt.
DISCLAIMER!

Weil das viele Leute fehlinterpretiert haben: Dieser Antrag ist NICHT als Kritik am Handeln unserer Organe im Sinne von 50+1 zu verstehen. Unsere Organe haben sich immer sehr deutlich hinter unsere Konstruktion eines 100 minus 0-Vereines gestellt und vertreten dies als unseren Weg auch überzeugt nach Außen. Das steht auch in der schriftlichen Begründung. Ihr müsstet sie nur mal lesen, Punks! 

Trotzdem ist dieser Antrag wichtig, da er ein Rückenstärken und auch ein öffentlichkeitswirksames Bekenntnis zur 50+1-Regelung darstellt. Man muss dem „Kalle labert in jedem Medium, wie scheiße er 50+1 findet“ auch mal medial was entgegenstellen, und die Schlagzeile „Mitgliederversammlung des FC St. Pauli bekennt sich einstimmig zu 50+1“ wäre so etwas. 

Der Antrag soll unsere Organe ermutigen, bei den wahrscheinlich bald notwendigen Änderungen an 50+1 (siehe Artikel über kartellrechtliche Bedenken) offensiv und mit uns im Rücken für eine Eindämmung von Umgehungskonstruktionen und Aufweichungstatbeständen zu kämpfen und das Ganze soweit wie möglich zurückzudrehen. Man darf nie vergessen, dass auch 50+1 ein Kompromiss ist. 

Der Antrag an sich bindet unsere Organe nicht. „fordert auf“ und „soll“ sind Formulierungen, die verwendet werden. Und das ist auch okay so. Es geht um das Rücken stärken, es geht um die eine gemeinsame kommunistische Arbeiterfront hinter Kim Un -, äh, tschuldigung. 

Falsche Platte. 

Spaß beiseite. Lasst uns gemeinsam für 50+1 kämpfen und überlassen wir nicht Kalle allein die öffentlichkeitswirksamen Dinge. 

Zustimmen! 

Der Homepage neu-Antrag

Link

Mal wieder ein Antrag, der schon einen gewissen Popcorn-Faktor hat. Hier schreiben ja die Leute mit einem Blog, das seit 2008 nicht wirklich optisch überarbeitet wurde und das zwar auf neustem WordPress-Stand gehalten wird, aber nicht wirklich viel Funktionen bietet. Kurz, hier sprechen die Teufel vom Weihwasser. 

Ich habe das Verbot bekommen, Anträge immer auf formeller Basis zu zerreißen, aber auch dieser Antrag beauftragt niemanden, er sagt nicht, wie das Ziel erreicht werden soll, und er ist daher eher ins Leere gehend. 

Auch inhaltlich habe ich da einiges Bauchweh. EIN FORUM???? Bist du von Sinnen, liebe*r Antragssteller*in? Niemand braucht ein Forum und schon gar nicht ein neues Forum. Und ganz im Notfall gäbe es auch immer noch ein inoffizielles Forum, welches – kurz mal geluschert – immer noch ganz gut besucht ist. Es erscheint auch unsinnig, die endlichen Ressourcen im Bereich „Faninteraktionen“ mit einem (dann ja bezahlten) Moderationsmenschen für ein offizielles Forum zu belasten. Und einen solchen würde man alleine schon aus Haftungsgründen benötigen. 

Wir würden uns auch viel mehr Social Media-Interaktion (und damit ist etwas anderes als ein paar Mal pro Woche überall etwas zu posten) wünschen, aber doch bitte kein Forum. 

Was so im Antrag sonst noch gefordert wird liest sich wie ein Wunschzettel an den Nikolaus. Und der ist bekanntlich am 06.12. und nicht am 01.12. 

Über die Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit einzelner Forderungen möchten wir jetzt nicht diskutieren. Bekanntlich ist der Vereinsauftritt irgendwann letztens ja erst überarbeitet worden und trotzdem findet garantiert jede*r nach einem halben Jahr Ticketshop-Nutzung ganz viele Punkte, die einen wahnsinnig machen. Mich z.B. die Aufteilung des Ticketshops in Auswärts- und Heimbereich. Aber irgendwie scheint mir das zu detailliert und sich zu stark im Kleinen zu verlieren. 

Ich verstehe Anträge auch zu einer MV auch immer so ein bisschen mit einer „Dringlichkeits- oder Wichtigkeitsschwelle“. Ich würde beispielsweise keinen Antrag stellen, dass die Spieler nun bitte nur noch schwarze Fußballschuhe zu tragen haben; für andere hingegen ist dies möglicherweise das Wichtigste von der Welt. Auch im Falle des vorliegenden Antrages würde ich persönlich sagen „Ja, es gibt Verbesserungspotential auf der Website, aber im Großen und Ganzen macht sie, was sie tun soll“, und das begründet für mich keinen Antrag. 

Natürlich kann und soll man Anträge im Bezug auf das tägliche Geschäft stellen, aber ich würde da eher immer für die große Linie plädieren und die Details den geschäftsführenden Menschen überlassen. Jede*r wie er/sie mag.

Der Tarifvertrags-Antrag

Ein langes Vorspiel

Gewerkschaften sind kontrarevolutionär und Tarifverträge nur ein weiteres Mittel des Kapitalismus, Arbeiter*innen glauben zu lassen, dass sie nicht ausgebeutet werden für die Interessen des internationalen Kapitals. 

Antrag ist abzulehnen, die Revolution ist einzuleiten. 

Schon wieder die falsche Platte. Mist. 

Ernsthaft jetzt: Tarifverträge sind etwas Gutes. Arbeitnehmer*innen-Organisation in Gewerkschaften ist etwas Gutes. Es ist schon kein Wunder, dass Arbeitverhältnisse im Bereich der IG Metal relativ gut bezahlt sind und es auch aus diesem Bereich eine sehr breite Lobbywirkung auf Politik gibt. Das hat auch etwas mit dem sehr hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad zu tun.

Viel mehr Menschen sollten gewerkschaftlich organisiert sein. Und aktiv in Gewerkschaften mitwirken. Und aus den Gewerkschaftsbünden sollten die sogenannten Polizeigewerkschaften raus, aber auch das ist ein anderes Thema… 

Tarifvertragsverhandlungen sind in Deutschland Ausfluss der grundgesetzlich garantierten Tarifautonomie und sind teilweise gesetzlich geregelt und teilweise durch sehr eingefahrene Rituale geregelt. Stichwort „Arbeitskampf“. Klassiker sind dabei der Streik und die Aussperrung. Das ist durch Rechtsprechung und Gesetzgebung alles sehr fein ritualisiert; ich schenke mir das mal im Detail. Falls ihr euch wundert, warum man in Deutschland nicht Barrikaden beim Streik anzündet: Das gehört in anderen Ländern auch zum Tarifritual, in Deutschland nicht (das war jetzt nur eine sachliche Feststellung). Tarifverträge werden zwischen Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden (und/oder einzelnen Arbeitgebern) geschlossen, und nur diese 2 ½ Parteien sind tariffähig. Bestes Beispiel für einen Haustarifvertrag ist VW, die nicht Teil des Arbeitgeberverbandes sind und deswegen einen Haustarifvertrag mit der IG Metal haben, der sehr VW spezifisch ist. Im Folgenden ist alles so geschrieben, als ob der FCSP hier einen Haustarifvertrag abschließen wird; ich kann mir keinen Arbeitgeberverband vorstellen, dem der FCSP beitreten sollte.

In den USA z.B. ist es vollkommen normal, dass Spieler*innen in einer eigenen Gewerkschaft organisiert sind UND diese mit den Ligen einen Tarifvertrag abschließt. In Deutschland gibt es mit der VDV auch eine Spieler*innengewerkschaft, die laut ihrer Website auch Tarifverträge fordert, aber bisher nicht in einen ernsthaften Arbeitskampf eingetreten ist. Wir warten noch auf James und Simon mit einer „Wir Streiken“-Weste. Das Bild davon würden sich wahrscheinlich verdammt viele Menschen ins Zimmer hängen. 

(Und kleiner Exkurs: Das Spieler*innenbündnis, das sich rund um Neven Subotić und andere gebildet hat, ist schon auch als Ausdruck der Unzufriedenheit mit der VDV zu verstehen.)

Tarifverträge regeln auch sehr viel mehr als nur die Bezahlung. Der Antrag nennt ja den TV-AVH als Beispiel. Den könnt ihr hier nachlesen und auch bewundern, wie viele verschiedene Tarifverträge so abgeschlossen werden. Der TV-AVH ist nun ein klassischer Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, der immer ein sehr eigenes Tierchen ist, aber die Antragssteller*innen nennen den ja ausdrücklich als Grundlage. 

Nun zum FCSP 

Im Antrag wird nun gefordert, dass man mit Ver.di in die Tarifverhandlungen einsteigen solle. Laut unserem Lieblingsgewerkschafter (danke und Grüße) wäre Ver.di auch die zuständige Gewerkschaft. 

„FCSP muss laut Antrag Spieler nach Ver.di-Tarifvertrag bezahlen“

Um gleich vorab diese Boulevardbullshitschlagzeile abzuräumen. Nein, muss er nicht. Fast jeder Tarifvertrag kennt auch außertarifliche Angestellte, die ihre Gehälter unabhängig von Besoldungsgruppen aushandeln. Dies sind Menschen, die ganz andere Positionen in ihren Verhandlungen haben als der herkömmliche Mensch, der beim FCSP den Rasen mäht. 

Und nun beginnen die Fragen

Erstmal müssen wir uns alle klarmachen, dass dieser FCSP verdammt viele Menschen beschäftigt und viele davon Verkäufer*innen oder Lagerarbeiter*innen sind. Jobs, die nicht gerade durch glänzende Bezahlungen und Arbeitszeiten auffallen. Man muss nur mal die Öffnungszeiten des Shops Reeperbahn angucken (und ich kann mir vorstellen, dass da Freitagabend nicht nur das geilste Publikum im Shop rumrennt). Das sind hart verdiente Euros. Wir müssen uns auch klar werden, dass viele Menschen beim FCSP mit sehr viel Fanherzblut an diesem Verein hängen, was bei der Durchsetzung von eigenen Rechten schnell hinderlich wird. Insbesondere wenn man nicht im Bereich der IG Metal tätig ist und mit dem Ausbildungsvertrag auch die Streikweste bekommt und die Rituale von Kindesbeinen an einübt. Eine ähnliche Kultur wird man in Start-Up Unternehmungen finden (und diese ist eben auch nicht immer gesund). Und nebenbei auch gerne ein Problem von gemeinnützigen Arbeitgebergesellschaften. 

Der FCSP besitzt einen Betriebsrat und der wird mit der Geschäftsleitung Vereinbarungen getroffen haben. Die wir alle nicht kennen. Man muss aber wissen, dass solche Vereinbarungen durch einen Tarifvertrag sofort ersetzt werden würden (§ 77 Betriebsverfassungsgesetz, nochmal ein Dankeschön an den Lieblingsgewerkschafter).

Man kann sich vorstellen, dass der Übergang von einem tariflosen zu einem tarifgebundenen Unternehmen allein deshalb schon in engster Abstimmung zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft erfolgen sollte. Und in der Praxis wird der Impuls wahrscheinlich auch in Gesprächen zwischen diesen Menschen entstehen. Rein in der Theorie kann natürlich auch die Arbeitgeberseite sagen: „Hey lass uns mal einen Tarifvertrag machen“, aber das ist eher die Ausnahme. Und wird auch schwierig, wenn die Gegenseite nicht will, und schlecht, wenn die Gegenseite nicht kampfbereit ist. 

Und da kommt die MV ins Spiel

Wir als MV sind Arbeitgeber. Bzw. können wir Arbeitgebervertreter*innen anweisen. Nicht den Betriebsrat, nicht eine Gewerkschaft. Der Antrag kommt auch nicht aus den Reihen des Betriebsrates und/oder der Gewerkschaft, er ist kein kreatives Arbeitskampfmittel. 

Ich hatte Kontakt mit einem Antragssteller (danke für das nette Telefonat), der die ganzen oben benannten Probleme aus eigener Erfahrung sieht, der etwas tun möchte und uns als FCSP auch in der moralischen Verpflichtung sieht. 

Soweit und als Impuls finde ich diesen Antrag gut. Wir müssen aufpassen, dass wir vereinsliebende Menschen nicht für ihre Liebe bestrafen und Arbeitsbedingungen nicht angemessen sind. 

Muss es gleich ein Tarifvertrag sein? Natürlich nicht, und man sollte hier immer vorsichtig sein, was man den Arbeitnehmer*innenvertreter*innen (konkret: dem existierenden Betriebsrat) vor die Füße wirft. Der FC United of Manchester z.B. hat sich dem Problem so gestellt, dass er der englischen Living Wage-Kampagne beigetreten ist – damals als erster Fußballverein in England (!). So etwas Ähnliches wäre natürlich auch beim FCSP denkbar. 

Wir als MV können da nur Impulse setzen, können die Geschäftsleitung immer wieder an ihre Pflicht erinnern, und ich glaube, auch die Antragssteller*innen würden halbwegs zufrieden sein, wenn das Präsidium auf der MV 2022 berichtet, dass man zwar keinen Tarifvertrag abgeschlossen hat, aber mit dem Betriebsrat folgende Regelungen vereinbart und dies und jenes gemacht hat. 

Nov 172021
 

Vorwort 

Liebende Lesende da draußen. Bereits im Juni hatten wir einen Artikel zum laufenden Verfahren vor dem Kartellamt veröffentlicht. Den Inhalt dieses Artikels setzen wir im Folgenden voraus. Damals lag uns die gesamte Stellungnahme des Kartellamtes vor, diesmal liegt uns auch die gesamte Antwort vor. Wir haben den Senior gebeten, zu diesem Artikel beizutragen, da das ganze doch einige juristische Kniffe hat. Und sorry, es wird lang.  

Leute! Versteht endlich mal, was der Stand ist! Die Kälber sind clever!

Es tut uns ja wirklich leid, wir haben keine dramatische Überschrift und wir können leider auch nicht in kurzen knackigen Worten erklären, warum die DFL hier einen Offenbarungseid geliefert hat. Wir können euch aber in ein paar mehr Worten erklären, warum sie keinen geliefert hat und wo wir gerade stehen. Sorry, wir sind halt nicht Boulevard. 

Und klar, uns wäre auch am liebsten, wenn das DFL-Präsidium – zumal mit sechs Clubvertretern aus e.V.s besetzt – ein für allemal 50+1 sichert und alle Ausnahmen abschafft. Aber so leicht geht es dann halt doch auch einfach nicht.

Der Senior betont immer wieder, wie wichtig es bei der Beurteilung von juristischen Texten ist, diese in ihrer Gänze gelesen zu haben. Das gilt auch hier. Dass so ein Text in die Öffentlichkeit gelangt, ist klar, sonst würden Menschen wie Chaled Nahar und Thorsten Poppe ihren Job nicht verstehen. Die beiden schreiben für die Sportschau und haben für diese zuerst aus dem Text zitiert. Aber er ist eben keine Rede an das Fußballvolk. 

Weitere Betrachtungen findet ihr auch von Peter Ahrens im Spiegel und Benni Hoffmann im Kicker.

Wichtig ist auch zu verstehen, wo wir uns befinden und was dieser Text ist

Er ist ein Funktionstext in einem laufenden Verfahren und gute Jurist*innen müssen einen solchen Text halbwegs überzeugend verfassen, selbst wenn sie ganz genau wissen, dass die Argumente relativ dünn sind. Jurist*innen haben da immer zwei Adressat*innen im Blick. Einmal die Entscheidenden (hier das Kartellamt) und einmal die eigenen Mandant*innen (hier die DFL). Wir sind mitten in einem laufendem Kartellverfahren; die im Juni behandelte Stellungnahme des Kartellrechtes ist ausdrücklich eine vorläufige Stellungnahme, zu der man Beiträge erwünscht.

Wir sind am Anfang der ganzen Geschichte und nicht am Ende. Wir sind noch nicht einmal bei Gericht! Niemand braucht Jurist*innen, bis man sie doch braucht

In dieser Situation gibt es keinen Grund für die DFL, auf die Knie zu fallen, dem Kartellamt Recht zu geben und zu sagen: „Ja, wir machen sofort alles, was ihr wollt.“

Das verlangt ja nicht einmal das Kartellamt. Sondern es sagt ausdrücklich „so können wir uns das zur Zeit vorstellen, sagt mal was dazu“. Das ist immer eine Einladung zum Widerspruch. Klar, vorläufige juristische Einschätzungen werden gerne mal endgültige juristische Einschätzungen, aber sie erzeugen in diesem Moment keinen Leidensdruck. 

Und das ist hier wichtig. Der Status quo ist immer am bequemsten. Das wissen alle Menschen, die mal versucht haben, etwas zu ändern. Und das gilt umso mehr für eine DFL, in der Körperschaften (das umfasst bequemerweise genauso Vereine wie auch Kapitalgesellschaften) an 50 + 1 hängen, andere an ihren 100 % Investor*innen und noch andere sich am liebsten gestern an die Fenway Sportsgroup verkaufen würden. Oder anders ausgedrückt: Wollt ihr als DFL-Präsidium da eine neue Regelung aushandeln? Oder seht ihr euch in der Lage, Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg nun ein „Morgen seid ihr raus, ihr Penner!“ an den Kopf zu werfen? Mit einer vorläufigen Stellungnahme?

Meint ihr dafür eine Mehrheit zu haben?  

Da würde ich an deren Stelle auch erstmal versuchen, den 20 Jahre alten Kompromiss, den zwar jede*r doof findet, aber mit dem alle irgendwie leben können, zu retten. Eine Änderung würde ich erst machen, wenn die vorläufige Entscheidung zu einer endgültigen zu werden droht.  Die wissen, was Phase ist

Und da kommen gut bezahlte und fähige Jurist*innen ins Spiel. Wenn alles klar ist und die vorläufige Stellungnahme in meinem Sinne ausfällt, dann brauch ich die nicht. Dann kann ich auch Christian, Peter, Oliver und Steffen (Vornamen der unterschreibenden DFL-Menschen) alleine schreiben lassen. Das ist hier aber nicht passiert. Hier waren Jurist*innen dran, die einem an einem regnerischen Tag im November überzeugend begründen können, dass bestes Sommerwetter ist. Und das war deren Job nach Außen (!!!). Was die ihrer Mandantin (der DFL) geschrieben oder gesagt haben, wissen wir nicht, aber es gibt auch in diesem Schreiben Anzeichen, die dafür sprechen, dass in den internen Meetings der DFL auf die erheblichen Risiken des weiteren Prozesses (so nennen Jurist*innen ein „das verliert ihr wahrscheinlich“) hingewiesen wurde.

Wir werden euch zeigen, wo 

Und wir schrieben bereits im Juni, dass das dünne Eis, auf dem die jetzige Regelung gebaut ist, auch der DFL absolut klar und bewusst war und ist. Das ist ja nicht erst seit heute Thema in der juristischen Fachliteratur. Und bei der DFL sitzt mit Steffen ein Rechtsanwalt im Präsidium. Die wissen, was Phase ist.  

Die DFL weiß, dass sie 50 + 1 höchstwahrscheinlich (!) verändern muss. Sie weiß aber auch, dass – egal wie sie es verändert – ein Teil ihrer Mitglieder sehr unzufrieden sein und es wieder auf einen Kompromiss hinauslaufen wird.

Wir als Fans würden natürlich einen reinen e.V.-Wettbewerb mit nahezu gleichen Fernsehgeldern begrüßen und wahrscheinlich ist so ein System auch eine Garantie für ausgeglichenen Sport. Aber dieses Ideal werden wir mit der DFL nicht bekommen. Sie ist auch zu einem anderen Zweck gegründet worden. Und auch dafür ist diese Stellungnahme. Schon mal gucken, was das Kartellamt mitmachen würde und was nicht.  

Und dann handelt es sich um eine gute Stellungnahme

Dies alles vorausgeschickt, muss man der DFL lassen, dass sie weiß, wo sie nach ihrem Strohhalm greifen muss. Sie versucht alles, um ihre Regelung zu retten. Sind das „schwache Argumente“? Vielleicht. Aber sie sind gut vorgetragen. Ja, da spricht der Jurist.  

Nochmal zur Erinnerung:
Die DFL ist ein Kartell, sie beschränkt den Wettbewerb mit der 50 + 1-Regelung und sie unterliegt damit dem Kartellrecht.

Diese Beschränkung ist jedoch legitim, wenn die DFL drei Ziele damit verfolgt:

  • einen vereinsgeprägten Wettbewerb zu organisieren,
  • für einen ausgeglichenen sportlichen Wettbewerb zu sorgen, sowie
  • die Stabilität des Wettbewerbes und der Klubs zu gewährleisten. 

Das Kartellamt nennt das die „ethisch soziale Zielsetzung des Verbandes“, und wir haben alle gemeinsam im Juni schon darüber gelacht. Das Kartellamt sagt dann, dass wir das insbesondere erreichen, wenn wir eine „Vereinsprägung“ haben. Diese sei bei 50 + 1 oder einer Stimmmehrheit (KGaA Konstruktion) der Idealvereine gegeben, weil sie eben diese ethisch soziale Zielsetzung über das reine Profitinteresse stellt.  

Bauchweh hat das Kartellamt halt, wenn da kein Idealverein mehr drin ist, sondern eben die Bayer AG. Die sogenannte „Förderausnahme“, die als Voraussetzung hat, dass man 20 Jahre den Fußballsport ununterbrochen und erheblich gefördert hat, den Amateurfußball in bisherigen Ausmaß weiter fördert, die Anteile nicht verkauft, und das gemeinsam mit dem Mutterverein beantragt hat. Diese Ausnahme nehmen zur Zeit Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim in Anspruch. Das ist der Streitkern. 

Kleiner Hinweis: Leipzig ist ein ganz eigenes Thema, aber Leipzig ist auf dem Papier ein e.V. Dass in Leipzig vielmehr das Vereinsrecht gebogen wird, bis die Balken brechen, ist noch ein ganz anderes Thema und Problem. Auch darauf hat das Bundeskartellamt hingewiesen.

Wir zitieren uns jetzt mal selbst aus dem Juni:  „Und das Kartellamt sagt auch, dass hier eine Verzerrung des Wettbewerbes stattfindet. Denn während der e.V. Probleme in der Eigenkapitalbeschaffung habe (der FCSP kann davon ein Lied singen), wären die Förderausgenommenen sehr frei. Man könnte sie in Konzernstrukturen bilanziell integrieren und auch auf dahinter stehende Ressourcen wie Presse- und Rechtsabteilung (!) zurückgreifen. Aus dem langjährigen Verlauf des sportlichen Wettbewerbes werde dieser Vorteil auch deutlich, denn alle Förderausgenommen hätten sich in der Bundesliga etabliert und seien noch nie abgestiegen.“  

„Die für einen Verein prägenden Charakteristika wie Mitgliederpartizipation und Transparenz gegenüber Mitgliedern dürfen auch hierbei beeinträchtigt werden bzw. sogar ganz verloren gehen. Vereinsgeprägter Fußball und Ausgeglichenheit des Wettbewerbes, wie es sich die DFL selbst mit der Regelung zum Ziel gesetzt hat, erscheinen […] nachhaltig und konsistent gesichert.“

Die 20 Jahre Regelung sieht das Kartellamt da nicht ausreichend. Zwar sei so ein*e mäzenatenhafte*r Investor*in praktisch der*die Übernehmer*in, als ein*e Renditeorientierte*r, aber es bleibe dabei, dass der Verein zurückgedrängt werde. Und selbst wenn man auf eine soziale Bindung des*der Mäzen*in an „seinen*ihren“ Verein abstelle, sei dies nicht ausreichend, um die Ausnahme zu begründen“   

Die Verbandsautonomie und der Spielraum

Die DFL sagt nun erstmal: „Halt, liebes Kartellamt. Ganz so einfach ist das nicht. Ihr zitiert da eine EuGH-Rechtsprechung, die besagt, dass die Verbände einen gewissen Beurteilungsspielraum haben und der umso größer wird, je mehr wir uns im Bereich einer Regelung des sportlichen Wettkampfes befinden.“ (Für die Jurist*innen unter euch: Die EuGH-Entscheidungen „Wouters“ und „Meca-Medina“ sind die Stichworte.) 

„Und auch die 50+1-Regelung sei eine solche Regelung des sportlichen Wettkampfes, zwar nicht ganz so zentral wie z.B. eine Dopingregelung (darum ging es beim EuGH), aber ihr selbst nennt ja drei sportliche Ziele, welche diese Regelung erreichen soll, also sagt ihr ja selber, dass es eine Regelung des sportlichen Wettkampfes ist. Und ach ja, es reicht laut EuGH, wenn man eines eurer Ziele erreichen kann mit der Regelung.“ 

Weiter gibt die DFL zu bedenken, dass sie einen Beurteilungsspielraum als Sportverband habe und die kartellrechtliche Überprüfung daher Grenzen habe. Über diesen Ansatz kann man schon herzlich streiten und da werden vier Jurist*innen fünf Meinungen drüber vertreten. Es ist kein Wunder, dass LTO.de in seinem Artikel Sportrechtler (das muss man leider nicht gendern… nur Kerle) (wohlgemerkt: keine Kartellrechtler*innen) befragt und diesen Teil seines Artikels mit „Sportrechtler bewerten die Lage unterschiedlich“ überschreibt.

Bei allen dort befragten Typen bedenkt immer, dass die ggf. Mandate in diesem Bereich haben und dementsprechend natürlich auch gerne in der Öffentlichkeit lesen wollen, was ihre Mandant*innen gerne lesen würden.

Unser Senior ist kein Kartellrechtler und schon gar nicht Sportrechtler, aber dieses Spannungsverhältnis „Verbandsautonomie vs Kartellrecht“ ist kein neues. Sport ist monopolistisch organisert und bisher machen das die staatlichen Behörden mit. Es gibt eben nur eine Fußball-WM. Und ich könnte nun auch keine Konkurrenz organisieren, zu der ich DFB und Co. einladen könnte, ohne dass diese Probleme mit der FIFA bekämen. Und die FIFA vor ordentlichen Gerichten wahrscheinlich Recht bekäme. 

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer! Und ist eben auch juristisch noch null endgültig geklärt. Wieviel Spielraum gebe ich den Verbänden, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln, und wo endet dieser, und wie kann ich das (z.B. kartellrechtlich) überprüfen. Nicht nur hier, sondern auch bei Pyrostrafen und ähnlichem. Ein schwarz/weiß haben die Gerichte in der Neuzeit abgelehnt, und damit befinden wir uns in einem argumentativen Graubereich, in dem alles Einzelfallentscheidungen und einzelne Betrachtungen sind. Daher ist auch bei 50+1 das Argumentieren  mit sinnigen und unsinnigen Argumenten eröffnet. 

Wie genau argumentiert die DFL denn nun? Sie orientiert sich an den Spiegelstrichen: 

Vereinsgeprägter Wettbewerb

Hier sagt die Stellungnahme, dass bei Leverkusen und Wolfsburg als Vereine diese sowieso schon immer eine ganz enge Verknüpfung mit den Konzernen hatten. Sie würden nicht zu Unrecht „Werksvereine“ heißen. Wir zitieren:  „[…] waren als „Werksvereine“ bereits insofern schon „konzerngeprägt“ als eine Vielzahl an Vereinsmitgliedern und auch Organmitgliedern in einem Anstellungsverhältnis mit dem jeweiligen Konzernunternehmen standen. Eine „Abkoppelung von einer Vereinsprägung“ hat nach Erteilung der Ausnahmegenehmigung zumindest nicht in deutlicher materieller Ausprägung stattgefunden, da der Verein mit dem Konzern bereits personell-strukturell, organisatorisch sowie wirtschaftlich durch Fördermittel und Sponsoringverträge des Konzerns seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden war. […]“

Und hey, so schlecht ist das Argument gar nicht mal. Leverkusen und insbesondere Wolfsburg wären ohne diese beiden Nazinachfolgeunternehmen ein Schiss auf der Landkarte und die Vereine nicht existent. Und ganz vielleicht würde das Kartellamt es auch so sehen, wenn es nur VW und Bayer wären, die da mitspielen würden. Aber was sich die DFL als Argument hier aufbaut, reisst sie auch gleich wieder mit dem Arsch ein, wenn sie Hoffenheim damit vergleicht. Uff. Ne, da passt diese „historisch alles so miteinander verwachsen, dass eines ohne das andere nicht denkbar ist“ irgendwie nicht so wirklich. Insbesondere weil wir hier von „Herrn Hopp“ und nicht SAP selber sprechen. Und natürlich ist das Gegenargument, dass es nicht nur auf eine wie auch immer zu definierende materielle Ausprägung, sondern eben auch auf den formellen basisdemokratischen Verein ankommt. Das wird viele Jurist*innen überzeugen, weil sie sich gerne an formellen Dingen festhalten. „Kein Verein? Dann doof!“ ist halt einfacher als „Oh, aber im Endeffekt ist das ja immer noch das Gleiche! Ja? Nein? Doch?“.

Und jetzt mal nicht aus juristischer Sicht: Es macht halt doch einen Unterschied, ob es Vereinsprägung gibt, ich also als Mitglied zu einer MV kann und da Anträge stellen kann, über die die Mitglieder dann bestimmen. Bei aller Werksprägung: Uns wäre nicht bekannt, dass das Menschen, die mit den Clubs eng verzahnt sind, sowas bei Bayer und VW tun können. Und uns wäre auch nicht bekannt, dass Bayer oder VW das gerne zulassen würden.

Die DFL argumentiert dann weiter, dass gerade Bayer und Wolfsburg im Bereich CSR führend sind und Hoffenheim da auch ein Konzept hat. Also der sozial ethische Aspekt der Vereinsprägung auch hier gegeben sei. Ihr merkt den Unterschied? Und wieder denke ich ähnliches. Leverkusen und Wolfsburg als singuläre Fälle würde man halt besser wegargumentiert bekommen.  Stabilität des Wettbewerbes und der Klubs

Hier argumentiert die DFL damit, dass die Regelung eine über das Lizenzierungsverfahren hinaus gehende Stabilität ergeben würde, weil man ja 20 Jahre dabei sein müsse, damit seine Stabilität unter Beweis gestellt habe, ein investorenlikes „Geld rein pumpen und schon Exit planen“ nicht möglich sei und man so eine Kontinuität habe. Das ist nun wirklich nicht das beste Argument. Das merkt die DFL dann auch ganz schnell und sagt, dass sie ja einen Spielraum habe (siehe oben) und nur eine völlig ungeeignete Maßnahme ja böse sei.  

Da kommt es wieder darauf an, wieviel Spielraum man denn den Verbänden geben will. 

Ausgeglichenheit des Wettbewerbes

Hier wird es interessant, denn eines der Argumente des Kartellamtes war ja, dass die betreffenden Vereine durch den Ausgleich von Fehlbeträgen im Konzern und durch die Nutzung von Konzernressourcen einen riesigen Vorteil haben und dies sich z.B. auch daran zeige, dass Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim noch nie abgestiegen seien. 

Die DFL sagt nun, dass man dies so nicht sehen dürfte, denn seitdem alle drei in der Bundesliga spielen würden (08/09) seien ja auch drei weitere Klubs nicht abgestiegen. (Zwei (FCB und BVB) sollten jedem klar sein, dass die zweite Borussia der dritte Verein ist, ist schon eher Spezialwissen.) Und sowieso hätten ja die drei gemeinsam erst seit 2015/16 die Ausnahme in Anspruch genommen und seitdem seien auch vier weitere Klubs nicht abgestiegen. Das sind Mainz, Augsburg, Frankfurt und Hertha. 

Das Argument ist – gelinde gesagt – ziemlich dünne. Die Zeit mit dem Aufstieg von Hoffenheim zu begrenzen, ist eher zufällig, denn auch vorher sind viele andere abgestiegen, aber Wolfsburg und Leverkusen nicht. (Kleiner Gedanke am Rande: Wenn Mainz und Augsburg schon zu den längeren Erstligisten gehören, warum genau kann der FCSP dann niemals nimmer nicht in Liga 1 mithalten, wie in unseren Kommentaren immer behauptet wird?)

Zweiter Gedanke am Rande: In dem Zeitraum 08/09 bis heute werden wohl rund 35 Teams in der 1. Liga gespielt haben, davon sind 6 nicht abgestiegen. Von den 35 Teams halten sich 31 an 50+1 (Leipzig so teilweise, für dieses Gedankenspiel nehmen wir sie mal mit rein). Von den 31 sind 3 nicht abgestiegen, von den anderen 4 sind 4 nicht abgestiegen. Da sollte dann auch dem „iudex non calculat“ auffallen, dass seine*ihre Argumentationsdecke verdammt dünn ist.

Die viel interessantere Frage reißt die DFL dann an. Was genau heißt denn „Ausgeglichenheit des Wettbewerbs“? Wie sicher der Ausgang eines Spieles ist? Einer Saison? Einer Zeitspanne von X Saisons? 

Die DFL selber stellt auf mehrere Spielzeiten ab und argumentiert dann, dass man die Anzahl der Clubs betrachten müsse, die sich für die internationalen Wettbewerbe qualifiziert hätten. Und da sei die DFL europäisch führend. 17 unterschiedliche Klubs hätten sich zwischen 10/11 und 20/21 qualifiziert, in Italien nur 13, England 16, Spanien 15, Frankreich 12. Auch hätten sich die drei betreffenden Vereine nicht jedes Jahr qualifiziert. 

Was in der Stellungnahme der DFL nicht vorkommt: Wer Meister geworden ist. Wahrscheinlich weil das nicht wirklich für eine Ausgeglichenheit spräche. Wie man aber die ganzen Wettbewerbe innerhalb des Wettbewerbes miteinander gewichtet und welche Zeitspanne man nimmt, bis sich auch ganz komische Verläufe ausgeglichen haben, steht frei zur Debatte. Die DFL nimmt daher natürlich komplett willkürliche Daten. 

Nur mal so zur Info. Wenn man die Qualifikanten früherer Prägung mitzählt, dann haben sich in der Zeitspanne 10/11 bis 20/21 9 verschiedene Vereine für die CL qualifiziert. Darunter auch die drei Ausnahmekonstruktionen. Aber mit Schalke und Werder auch zwei aktuelle Zweitligisten. 

Ha! Werdet ihr jetzt sagen, GOT YOU! Wenn ich so Meisterschaft und Champions League sehen und das Dauerabo, welches BVB und Bayern da haben, dann ist der Wettbewerb nicht ausgeglichen. Das kleine Problem dabei ist: Das sind wahrscheinlich Faktoren, die mit dem heutigen 50+1 sehr wenig zu tun haben, denn es ist eben nicht so, dass Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim die Champions League und die Meisterschaft unter sich und mit Leipzig ausmachen. Vielmehr sind Bayern und Dortmund 50+1-Musterkinder. Und auch die häufig in der CL auftauchenden Schalke und Gladbach sind 50+1-Konstruktionen. Und selbst einmal abgestiegen. Das würde euch die DFL auch entgegen halten.   

Hoffenheim war schon mal eine unverzeihliche Leistung des BVB (letzter Spieltag; 2-1 Sieg in Dortmund nach 1-0 Rückstand) und eine Relegation vom Abstieg entfernt, Wolfsburg zwei Relegationen. Es ist also nicht so, dass die nun immer relativ entspannt einen Fußboden gefunden haben. 

Trotzdem ist die Unausgeglichenheit des Wettbewerbes beim Meister ein arges Problem für die DFL und das weiß sie auch. Sie erwähnt die Meisterschaften schon bewusst mit keinem Wort. Folgende Argumentation ist nämlich auch wahr: Ihr schafft es nicht, in eurer jetzigen Konstruktion einen ausgeglichenen spannenden Wettbewerb für die Meisterschaft zu organisieren. Und die Meisterschaft hat eine überragende Bedeutung. Kommt nicht mit irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen. Dies ist ein Problem. Ihr müsst also viel grundlegender da ran. Alles, was ihr macht, ist ungeeignet, einen einseitigen Meisterwettbewerb zu verhindern – organisiert euch mal komplett neu.

(Und verteilt die Vermarktungserlöse gänzlich neu, liebe Grüße von der Person, die zu viel Geld Zeit mit diesen Themen verbracht hat 🤙) 

Warum macht die DFL denn keinen eigenen Vorschlag?

Am Ende fordert die DFL zeitnah ein persönliches Gespräch und steht für ein lösungsorientiertes Gespräch zur Verfügung, „innerhalb derer auch Möglichkeiten und Formen von Bestandsschutz für bereits erteilte Ausnahmen zu erörtern wäre“. 

Viele kritisieren, dass die DFL ja keinen Lösungsvorschlag unterbreitet hat. Ja, liebe Leute, natürlich hat sie das nicht. Sie wäre bescheuert, es zu tun. Alles was sie jetzt auf Papier (oder in einem PDF) vorschlägt, würde ihre eigene Stellung komplett untergraben und müsste darüberhinaus vorher mit allen Mitgliedern abgestimmt sein. Da sind wir halt noch nicht. Um ihre Mitglieder auf eine gemeinsame Haltung zu bekommen, muss sie nun auch nach außen noch mal Stärke demonstrieren. 

In einem Gespräch, über das im Notfall auch kein Protokoll geführt wird, kann man viel besser Linien erörtern, auch Dinge sagen, die man dann vielleicht doch nicht gesagt hat. Das ist auch mit Behörden komplett üblich und solche Runden wird auch das Kartellamt kennen. Und der zitierte abschließende Satz zeigt ganz genau, was der lösungsorientierte Vorschlag der DFL sein wird. „Wir erkennen an, dass die drei Förderausnahmen problematisch sind, wir machen da eine Art Bestandsschutz und lassen keine weiteren zu.“ 

Und eine Sache darf man dabei auch nicht außer acht lassen: 2018 als dieser aktuelle Prozess per DFL Mitgliederentscheid angestoßen wurde, wurde an der kompletten 50+1-Regel gerüttelt. Ja, auch aus der DFL selbst heraus. Drei Jahre später impliziert die DFL in ihrem Schreiben, dass 50+1 bleibt und grundsätzlich eine Regel ist, unter der man weiter agieren will. Nur eben Lösungen für das selbstgeschaffene Problem der Ausnahmen finden. Aber: Allein dieses „nicht akut in Frage stellen“ ist ein Erfolg. Das fühlt sich für die allermeisten von uns nicht so an. Aber es ist ein wichtiger Schritt in die defintiv richtige Richtung.

Wird dies reichen, um das Kartellamt zu überzeugen? Das bleibt abzuwarten. Wir dürfen auch folgendes nicht vergessen: Egal wie das Kartellamt nun entscheidet, es könnten auch immer noch potentielle Investor*innen (hallo nach Hannover) dagegen klagen. Und wie dann ein Gericht entscheidet, bliebe immer noch offen.  

Nov 152021
 

Vorbemerkung Teil 1

Die MV ist und bleibt meine (= der Senior) Lieblingsbeschäftigung, und so sind die nun folgenden Zeilen meine und geben meine Meinung wieder. Sollten die magischen Menschen noch Anmerkungen haben, dann werden sie die schon deutlichst in diesem Text vor Veröffentlichung ergänzen. Vielen Dank für das Gewähren des Platzes.  

Es wird wahrscheinlich (hängt immer von der persönlichen Zeit ab) die übliche Behandlung einer MV geben mit einigen Vorab-Texten und einer umfassenden Berichterstattung nach der MV. Insbesondere auch zu der „Finanzen“-Townhall, zu den Anträgen und zu allem, was sonst noch aufpoppt. Beginnen wollen wir mit den drei bisher eingegangenen Anträgen.
Stand: Montag der 15.11.2021. 

Wie üblich werdet ihr meine Meinung zu den jeweiligen Anträgen herauslesen können, ich bin aber nicht als Zwergallwissend bekannt und werde euch garantiert nicht empfehlen, ob und wie ihr euch bei den jeweiligen Anträgen verhalten sollt. Vielleicht nehmt ihr die folgenden Zeilen einfach als Grundlage für eine weitergehende Information und eine weitergehende Diskussion mit euch selbst. 

Vorbemerkung Teil 2 / Es folgt ein Rant in zwei Unterpunkten

Punkt a

Verdammt und Scheiße noch mal, warum genau haben wir eigentlich vor 73 Tagen (gerechnet auf den 15.11.2021) eine MV mit dem Schwerpunkt „Anträge“ gemacht, wenn nun schon wieder drei Anträge gestellt werden, von denen keiner (!!!) ein so akutes Thema behandelt, dass er nicht schon zu der vorherigen MV hätte gestellt werden können? Wir saßen entspannt in einem relativ warmen Millerntor zu einer Tageszeit, bei der man noch gut über alles reden konnte, und ihr stellt eure Anträge nicht? ARGH! 

Natürlich ist es das gute Recht eines jeden Mitglieds, auch zu dieser MV Anträge zu stellen, und es  mag immer Gründe geben, warum dies zur ersten MV nicht getan wurde, aber man ey. Ne sorry, jetzt sitzen wir doch wieder um 0:00 Uhr an einem Wochentag im CCH und diskutieren über Bullpencarts. ARGH!!! 

Punkt b

Ja, dieses Blog ist schon immer ein irrelevantes Meckerblog mit Hang zum Kommunismus, aber verdammte Scheiße, warum haben wir eigentlich einen relativ langen „How to Anträge“-Artikel geschrieben, wenn jede MV wieder Anträge gestellt werden, die mit einem „Liebe Leute, euer Antrag ist schon formell komplette Scheiße“ genügend abgehandelt sind? Müssen wir daraus erst statistische Grafiken machen, damit die Leute lernen? Artikel bewusst nicht verlinkt, findet ihn selber. Angefressen. Ich. 

Ja, Information ist keine Holschuld, aber viele Themen würden sich auch mit einer E-Mail an den Verein erledigen. „Hey, wie ist der Stand zum nachhaltigen Spieltag?“ – „Ja pass auf, da gibt es eine AG, hast du mal Bock, vorbeizukommen? Dann können wir dir mal unsere Probleme und unseren Stand erzählen und dann kannst du immer noch einen informierten Antrag stellen.“ 

So eine Antragsbegründung, die anfängt mit „Ich weiß, dass der Verein das zum Thema hat, aber mir reicht das nicht und aus den und den Gründen fordere ich das“ und der dann noch rechtlich richtig formuliert ist, wäre Gold wert. Später im Detail mehr. 

Denn seien wir ehrlich: Bei zwei von drei gleich behandelten Anträgen sehe ich doch die gute Absicht. Aber gut gemeint und gut gemacht sind eben doch immer zwei Schuhe. 

Da ist sie wieder, die Idee einer Antragskommission. Aber das ist wie so vieles, das eine Satzungsänderung benötigt, immer schwierig umzusetzen. Seufz. Bitte keine Nachfragen. 

Der „Golfcart“-Antrag

Link

Erstmal: Niemand wünscht sich eine Verletzung. Zum Glück sind Verletzungen, bei denen Spieler am Millerntor nicht auf den eigenen Füßen den Platz verlassen können, sehr selten. Noch seltener sind zum Glück Verletzungen, bei denen ein Spieler wirklich mit einer Trage vom Platz gebracht werden muss. 

Der Antrag ist erstmal formell schwierig. Ein Auftrag zur Prüfung, ob etwas realisierbar ist? Der Antrag ist so unscharf, dass das Präsidium unabhängig vom Inhalt die Annahme empfehlen könnte und dann nie darüber berichten müsste, denn eine Verpflichtung über das Ergebnis der Prüfung irgendwann zu berichten, enthält der Antrag nicht. 

Aber auch inhaltlich hakt es… 

Die Antragssteller*innen ziehen ausdrücklich die NFL als Vergleich heran. Da sind schwere Verletzungen leider an der Tagesordnung. Ihr alle, die ihr Samstagabends (an dieser Stelle mal schöne Grüße an das wandelnde College Football-Lexikon @giannivanzetti) und Sonntagabends nichts Besseres zu tun haben, als CFB und NFL zu gucken, wissen das. (Beides ist nebenbei meine Ablenkung vom üblichen November Baseball Cold Turkey). Daher hinkt der Vergleich schon. Darüber hinaus ist das, was man da im Fernsehbild sieht, kein einfaches Golfcart, sondern mehr oder minder ein halber bis ganzer Krankenwagen. Ich zitiere mal die New York Times:

„Real injury carts, driven by paramedics or team staffers (in New Orleans, the driver is a retired Saints groundskeeper), are seen as mobile emergency rooms. Most haul medications, intubation equipment and splints.“

„A heated compartment keeps medications at the proper temperature“ 

Und in den Stadien befindet sich auch jeweils eine beinah vollständige Radiologie.

An Spieltagen befindet sich so ein „Golfcart“ NFL-Style in unserem Stadion, der nennt sich nämlich „Krankenwagen“, und da sich radiologische Möglichkeiten und andere medizinische Dinge nicht in NFL-Umfang im Stadion befinden, muss dieser bei schweren Verletzungen immer in Anspruch genommen werden, weil die Spieler ins Krankenhaus müssen. Da nützt ein Golfcart nix.  

Und es sagt mir mein Laienverständnis, dass ein Lagern auf diesen Rollbetten, die sich in den Krankenwagen einfalten (die haben garantiert auch ein ganz tollen Namen) sehr viel praktischer sind, denn erneutes Umlagern vom Golfcart in den Krankenwagen benötigt Zeit, tut dem verletzten Spieler garantiert weh und macht eine Verletzung nie besser. Für uns Lai*innen mag das wackelig aussehen, aber ich gehe davon aus, dass die professionellen Helfer*innen wissen, was sie tun. Ohne jetzt eine Stoppuhr daneben zu halten, aber mein Gefühl sagt mir, dass die „Golfcart noch mal in Krankenwagen lagern“-Nummer länger dauert als die „vom Platz tragen und direkt in Krankenwagen reinfalten und ab geht die Luzie“-Nummer.

Dass man bei internationalen Turnieren dann wieder Golfcarts oder ähnliches sieht, mag auch damit zusammen hängen, dass in den Stadien wieder entsprechende Vorrichtungen wie in der NFL vorhanden sind.   

Bleibt nur der „mediale Aspekt“, und liebe Leute: Das ist makaber. Bullpen Car(t)s sind ja auch ein schöner Werbeträger und Aufmerksamkeitserhascher und vielleicht haben die Antragssteller*innen daran gedacht (Link zu ein paar schönen Bildern und eine Erklärung, aber deren Intention war immer, gesunde Spieler zu transportieren. Warum es die nicht mehr gibt? Weil die langsamer waren als wenn der Spieler einfach mal die paar Schritte lief, und weil Spieler nicht in den Dingern fahren wollten (Macho-Kultur allez). Auch verletzte Spieler in der NFL nutzen die Carts nebenbei nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Auch da Macho-Kultur. 

Die Antragssteller*innen argumentieren auch mit dem Trainingsgelände. Auch da gibt es einen ganz wichtigen anderen Faktor, der Zeit kostet. Es ist kein Krankenwagen vor Ort. Der muss gerufen und dann immer eingesetzt werden.

Und nebenbei kann ein Krankenwagen in dem – hoffentlich nie eintretenden – Fall, dass es auf Sekunden ankommt, auch immer über den Rasen brettern. Oder auf dem Platz der Rettungshubschrauber landen. 

Und zuletzt

Wir konnten erst diese Woche lesen, dass der FCSP alles im medizinischen Bereich gerade überarbeitet hat, um Verletzungen zu vermeiden. Nicht dabei herausgekommen sind Golfcarts. Das spricht für mich dafür, dass auch die Vereinsärzte die nicht als notwendig ansehen. 

Rutschfester Fußbodenbelag-Antrag

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Ich möchte folgendes vorweg stellen: Glatte Belage sind in Stadien eine Pest (der Autor durfte gerade wieder in Dresden damit Bekanntschaft machen). Es ist mir immer noch komplett unverständlich, warum Flächen erlaubt sind, die bei Nässe rutschig werden. Dies gilt umso mehr, wenn diese Flächen in einem Bereich sind, in dem sich seiner Bestimmung nach Menschen mit Behinderung bewegen. Das Ziel des Antrages ist also absolut richtig. 

Aber nun beginnen die Probleme. 

Der Antrag geht formell ins Leere und hat keine Bindungswirkung. Der FC St. Pauli e.V. hat kein Stadion, er kann also nirgendwo einen rutschfesten Belag verlegen. Mal ganz davon ab, dass er in seiner Formulierung nicht einmal eine Verpflichtung des Vereinspräsidiums darstellt. „Antrag auf rutschfesten Fußbodenbelag“ ist der entscheidende Kern, und das ist kein ausführbarer Antrag. Leute, lernt endlich, dass gewisse Dinge beim FCSP in Tochtergesellschaften angesiedelt sind, die teilweise nicht 100 % Töchter des e.V. sind. Gerade das Stadion ist dafür ein gutes Beispiel. Da in der Stadiongesellschaft vereinsfremde Gesellschafter*innen vorhanden sind UND Einstimmigkeit vereinbart ist, kann der FCSP da nicht durchregieren. Natürlich kann man unser Präsidium verpflichten, dass es seine Gesellschafterrechte dafür verwendet, für die Installation von rutschfestem Boden zu stimmen, aber das sagt der Antrag nicht. Nein, das ist keine Haarspalterei. 

Ich weiß nicht, ob es Gespräche vorher gegeben hat; aus der Begründung klingt es eher so, als sei dies nicht der Fall gewesen. Und da stellt man sich wieder die Frage, ob das ganze Problem nicht über den  Fanbeauftragten für Menschen mit Behinderung und/oder die ganzen Menschen, die beim Verein für Inklusion zuständig sind, schon lange hätte gelöst sein können? Wenn so eine Frage offen bleibt, dann schwächt dies eine Begründung immer. 

Ähnlich wie bei den Handläufen bei der letzten MV scheint hier einfach viel Potential für eine gute Lösung in einer fehlenden Kommunikation verloren gegangen zu sein. 

Es bleibt abzuwarten, wie sich das löst. Der FCSP sollte da aber unabhängig von irgendwelchen Anträgen Abhilfe schaffen, soweit es möglich ist. 

Der ab jetzt alles vegan-Antrag

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Auch hier eine kleine Anmerkung vorweg: Fleisch und Fleischprodukte sind Teil unserer Lebensweise, die diesen Planeten zerstört. Man kann sich garantiert über Anteile und Gewichtungen streiten, aber es führt kein Weg daran vorbei, dass eine vegane Ernährung (oder zumindest eine vegetarische Ernährung) ein Schritt in die richtige Richtung wäre. Dies ist natürlich nicht der einzige Schritt, aber so ein Fußballverein hat ganz viele Schrauben, an denen sich drehen lässt, und was am Spieltag verkauft und konsumiert wird, wäre auch eine. Ob es nun eine große, eine mittlere oder eine kleine Schraube im Gesamtpaket „Klimakiller FC St. Pauli“ ist, möchte ich nun nicht diskutieren, der Antrag sieht das ja auch ausdrücklich als Signal. Und mit großer Wahrscheinlichkeit als richtiges Signal. Wir haben aber auch gerade erst 2019 beschlossen, dass Heimspieltage zukünftig klimaneutral durchzuführen sind.

Und das Angebot an vegetarischen und veganen Speisen im Millerntor ist garantiert nicht optimal. Das liese sich auch ohne eine exklusive vegane Verpflegung definitiv verbessern. 

Aber nun beginnen wieder die Probleme. Alle zusammen: Der FC St. Pauli hat kein Stadion. Er hat wahrscheinlich auch nicht die Cateringverträge abgeschlossen; das haben Tochtergesellschaften gemacht, die im Notfall nicht einmal 100 % im Eigentum des FC St. Pauli e.V. sind, so dass diverse andere Gesellschafter*innen mitwirken müssten. Ihr habt diese Leier eben schon gehört, richtig? Richtig! Ein Antrag muss dementsprechend formuliert sein. So läuft er ins Leere. 

Natürlich muss man auch Verträge beachten, aber immerhin sieht der Antrag so etwas vor. Wobei „zum nächstmöglichen Zeitpunkt, bzw was kann das soll“ auch eine etwas unglückliche Formulierung ist. Besser wäre etwas im Sinne von „sorgt dafür, dass bei dem Abschluss von Verträgen im Bereich „Catering“ [den würde ich selbst definieren] die Dienstleister vertraglich auf eine rein vegane Angebotspalette verpflichtet werden. […] wirkt darauf hin, dass in Ausschreibungen diese Verpflichtung enthalten ist“. Das ist jetzt nur mal schnell runter gehauen und beansprucht natürlich nicht, die beste Formulierung zu sein…

Der Antrag möchte das Catering zur Saison 21/22 umstellen. Das läuft auch ins Leere, denn die ist zu 1/3 schon vorbei. Ja, das ist natürlich ein Flüchtigkeitsfehler, die Antragssteller*innen meinen wahrscheinlich 22/23, aber auch das ist doof formuliert. 

Der FC St. Pauli hat einen Geschäftsleiter CSR. CSR = Corporate Social Responsibility, und man kann sich vorstellen, dass unter diesen Begriff auch das Thema „ökologische Nachhaltigkeit“ fällt. Es war auch schon sehr häufig Thema auf Mitgliederversammlungen. Eine E-Mail an Michi Thomsen (der ist nämlich besagter Geschäftsleiter) würde wahrscheinlich eine Antwort ergeben, die wie folgt lauten könnte: 

„Moin, ja das ist hier auch gerade Thema. Wir haben dazu auch eine Arbeitsgemeinschaft, die aber noch nicht so an der Öffentlichkeit war, weil wir da gerade an Gesamtpaketen arbeiten und der Punkt, den ihr nennt, nämlich „wie sind unsere vertraglichen Bindungen?“ natürlich auch eine Rolle spielt. Vielleicht habt ihr mal Bock, zum Schnacken vorbeizukommen, dann bring ich euch da auf den Stand. Und vielleicht habt ihr auch Lust, euch da einzubringen?“ 

Stellt man dann noch so einen Antrag? Wahrscheinlich nicht. Liebe Menschen da draußen, dieser Verein ist bekannt für seine kurzen Wege. Auf seiner Homepage finden sich diverse Kontaktmöglichkeiten und eigentlich bekommt man immer eine Antwort. Nutzt das. 

Wenn dies aber ein „Ne, das dauert uns alles zu lange, wir wollen das JETZT“-Antrag ist, dann ist das komplett cool. Dies wird aber aus der Begründung nicht deutlich. Und Leute! Ihr geht auf der Mitgliederversammlung baden, weil euch extrem viel Wind mit „aber wir diskutieren das doch schon“ aus den Segeln genommen werden kann. Darauf sollte man sich vorbereiten mit einem Gespräch mit dem Verein. Dann kann man eine „ja, wir wissen das der Verein sich damit schon beschäftigt, aber das ist uns alles zu langsame Hippiescheiße und wir wollen das jetzt sofort“-Vorwärtsverteidigung fahren, die Menschen beeindrucken mag. Aber ein „Oh – was? Ihr beschäftigt euch schon damit? Oh, das haben wir nicht gewusst!“ ist eher immer nicht so überzeugend.  

Eine Randanmerkung: Ich hatte heute Morgen im Scherz gesagt, dass ich sofort dagegen stimme, wenn irgendwo diese unsägliche Holocaust verharmlosende Organisation mit P am Anfang ihres Namens in der Begründung auftaucht. Schön, dass sie es nicht tut. Lieber FCSP, man muss deren – sowieso zweifelhafte – Erhebung über vegane/vegetarische Stadionverpflegung nebenbei auch nicht jährlich hypen. Diese Organisation gehört ignoriert. 

Sollten noch weitere Anträge auftauchen, dann lest ihr das hier. 

Nov 082021
 

Liebe Lesende,

so eine Pause ist ja immer ein guter Zeitpunkt, um innezuhalten, und da nix wirklich Spannendes im TV läuft (wer guckt schon „Wetten dass…“?) wollen wir euch mit einer Diskussionshilfe für eine Diskussion mit euren „Pauli gehört aber doch in die 2. Liga, da ist es viel schöner“-Freund*innen versorgen.

Hier also die beliebtesten Argumente der Aufstiegsverweiger*innen und eure Gegenargumente:

Vorneweg

Was ist eigentlich als FCSP-Fan attraktiv?

Das mögen Menschen unterschiedlich beurteilen. Für einige ist es die soziale Ausrede, schon um 12 Uhr Bier zu trinken (wenn das bei euch so ist: Denkt mal ganz doll drüber nach, ob alles gut ist bei euch), für andere ist es einfach nur im Stadion zu stehen und Fussi mit Freund*innen zu gucken, egal wie es ausgeht. Diese Menschen sind mit Zweitligafußball gut bedient. Man kann sich immer nur fragen, ob sie mit Oberligafußball nicht besser bedient wären, da es dort das ganze Paket für deutlich weniger Geld geben würde. Wir sind nicht dafür. Wir gewinnen gerne. Wir haben gerne sportlichen Erfolg. Und das am liebsten, wenn man nicht Sonntags um 11 vor dem Stadion steht und denkt „Scheiße, da ist nun das nächste Dorf mit Fußballverein zu Gast, es kommen 50 Gästefans und eigentlich MÜSSEN wir gewinnen, alles andere wäre hart peinlich“. Das ist irgendwie nicht das Gefühl, das uns so am Leben hält. Und versteht uns nicht falsch, diese Spiele gegen die Dorfvereine gewinnen wir trotzdem lieber als sie zu verlieren.

Letztens jährte sich das erste Spiel des FC Bayern am alten Millerntor zum 33. Mal. Ältere werden ein vollkommen überfülltes Millerntor, eine Anspannung wie bei einem Endspiel, zu dritt hintereinander auf einer Traverse und ein langweiliges 0-0, das wie die Meisterschaft gefeiert wurde, erinnern. Und werden erinnern, dass eine FCSP-Truppe, denen damalige angebliche Experten (das muss man nicht gendern) nix zugetraut haben, einen 10. Platz in der Bundesliga belegte.

Dieses Underdogfeeling. Dieses „wir spielen die in einem kochenden Millerntor an die Wand, egal ob die Champions League, Weltleague oder was-auch-immer-League spielen“-Feeling, das fehlt uns. Der volle Gästeblock, der stimmlich trotzdem unterlegen ist und ansehen muss, wie seine Borussia verliert. Das wollen wir nicht nur einmal alle 100 Jahre im Pokal. Das wollen wir in der 1. Liga. Jedes zweite Wochenende.

Hier also die beliebtesten Argumente:

1. „Aber in der 2. Bundesliga spielen doch die viel geileren Truppen – kein Hoffenheim, kein Leipzig, diese Investor*innenvereine“

Dafür aber Paderborn (Investor*innenverein), Heidenheim (Investor*innenverein), Aue (Investor*innenverein), Ingolstadt (Investor*innenverein) etc. Und auch die „geilen Truppen“ sind doch eine deutliche Momentaufnahme. Man stelle sich mal vor, dass wir nicht aufsteigen. Dann steigen ggf. Schalke und Nürnberg auf und werden durch zur Zeit Bielefeld und Fürth ersetzt. Nix gegen die beiden, aber „geile Truppen“ im Sinne von „stehen für cooles Fußballerlebnis“ würden wir die nicht wirklich einordnen. Fürth? Echt sympathische Fans und so, aber eben doch eher gefühlte 2. Liga. Und nebenbei letztendlich auch ein Investor*innenverein. Greuther sei gegrüßt. Bielefeld? Da laufen wir wieder nur Gefahr, dass Polizist*innen sonst ihre Waffe ziehen müssen. (https://www.magischerfc.de/2019/07/ansonsten-muss-ich-meine-waffe-ziehen/)

2. „Wir sind viel zu klein“

Der FC Augsburg spielt seit über 10 Jahren 1. Liga. Der SC Freiburg ist ein etablierter Erstligist. Wo ist der FCSP dann „zu klein“?

Als wir das letzte Mal guckten hatte Augsburg irgendwie 300.000 Einwohner*innen und der geografisch nächste Bundesligist ist Bayern. Gerade einmal 80 km (angegeben sind jeweils die Straßenkilometer) entfernt. Freiburg? 230.000 Einwohner*innen, bis zum nächsten Bundesligisten sind es zwischen 170 und 180 km; Maps ist da unschlussig wie man fahren soll. (Nebenbei: Das ist einer der Faktoren, warum sich Freiburg so gut hält, die haben in Baden freie Bahn.)

Und der FCSP? Hamburg hat gepflegte 1,8 Millionen Einwohner*innen und der nächste Bundesligist spielt in Wolfsburg. Das ist nicht mal mehr Norddeutschland (https://twitter.com/norddoitschland/status/1397652124729847808?s=20) und es sind 177 km.

Ja, solche Argumentationen mögen FCSP-Fans nicht hören, weil jetzt knallharter Kapitalismus kommt und ein bisschen auch „Stadiontourist*innen“-Argumentationen, aber Loide, glaubt nicht, dass man so etwas in Liga 2 nicht auch unbedingt braucht. Diese Liga ist auch keine Insel des Kommunismus.

Uns liegt ein komplett ungenutzter Markt von Millionen Menschen zu Füßen, in dem die Menschen und damit auch die Sponsor*innen nach Bundesligafußball lechzen. Wir sprechen hier über eine Stadt mit einem riesigen Bruttosozialprodukt und einem riesigen Potential. Eine ohne Bundesligisten. Dankenswerterweise haben es unsere Nachbarn aus dem Bezirk Altona geschafft, diesen Markt jahrzehntelang so schlecht zu nutzen, dass sie nun auf Platz 4 und 1-1 gebucht sind.

Sorry Loide, aber da liegt das Geld auf der Straße, wir müssen es nur aufsammeln! Und wenn das euer kommunistischer Lieblingsblog sagt, dann ist das so.

Kleine Ergänzung: Wenn einem Sponsor*innen die Bude einrennen, kann man auch wählerischer werden. Vielleicht gäbe dann ohne wirtschaftliche Gefahr endlich mal die Gelegenheit, Wettanbieter (oder Alkoholproduzenten) vor die Tür zu setzen? Sowas ist in Liga 2 deutlich komplexer.

Das gilt auch für so etwas wie Businessseats. Sorry, aber die verkaufst du an relativ wenige Menschen, wenn da Heidenheim und Sandhausen kommen. Aber sie sind Verkaufsschlager, wenn du Bayern und Dortmund empfängst. Ja, wir mögen die nicht, aber so lang es die Realität ist, dass dieser Quatsch mehr Geld erlöst als das gesamte restliche Millerntor, so lange werden wir auch in Liga 2 damit leben müssen. Und dann lieber aus den vollen.

Insbesondere wenn kein anderer norddeutscher Klub mit aufsteigen würde, wäre das eine große Chance eine riesige Brachfläche zu besetzen.

Hamburg ist die größte europäische Stadt ohne Bundesligisten, und weltweit wird man wahrscheinlich nur sehr wenige Millionenstädte finden, die keinen Verein in der jeweils bekanntesten obersten Sportliga des Landes haben. Hamburg ist braun-weiß? Zeigen wir es dieser Stadt! Und das kann dann auch wichtig für die Region werden. (Grüße an Schmölli!)

3. „Wir steigen gleich wieder ab“

Natürlich, es ist nicht einfach, sich als Aufsteiger in der 1. Liga zu etablieren. Und es wird durch diesen ganzen Fernsehgelderverteilungsdreck von Jahr zu Jahr immer schwieriger. Und 00/01 und 10/11 haben wir nicht wirklich Land in Liga 1 gesehen.

Vielleicht aber nicht deswegen, weil wir verflucht sind oder es „nicht können“ als Verein. Vielleicht deswegen, weil wir ganz entscheidende Fehler selber und ohne Druck gemacht haben und gerade 10/11 auch eine Chance liegen lassen haben. Wir erinnern nur an „neeee, Trainingslager im Winter hab ich keinen Bock drauf“ und die anschließende Arie um Trainingsbedingungen. Wir sind uns sicher, dass der FCSP der heutigen Zeit da viel professioneller aufgestellt ist, um solche Chancen auch zu nutzen.

Kurz: Ein bisschen Glück gehört dazu, aber wir können das! Wir sind auch infrastrukturell dazu in der Lage. Das war 00/01 und 10/11 eben noch nicht so stark der Fall.

Und außerdem: Sogar scheiß Union hat das mit dem „nicht gleich wieder absteigen“ geschafft. Warum nicht auch wir?

4. „Aber ich gewinne lieber die meisten Spiele in der 2. Liga und die Truppe ist doch gut“

Und diese Truppe ist bei einem Klassenverbleib zu großen Teilen weg, weil Spieler eben in Liga 1 wollen. Bei Klassenerhalt gehst du sehr schnell den Kieler Weg. Und das bringt keinen Spaß. Mal ganz davon ab: Dass wir nun in den letzten 11 Jahren immer geile Saisons gespielt haben, das kannst du nur bei ganz viel Astra im Kopf glauben. Das war zu einem riesigen Teil auch ganz schlimmes Existenzgekrampfe. Dann lieber Liga 1.

Nebenbei muss auch niemand glauben, dass dann ein Timo S. hier mittelfristig Trainer bleiben würde. Genauso wenig wie ein Fabian H. oder ein Loïc F. dann hier lange als Cos bleiben. Oder ein Andreas B. Sportchef. Da lockt auch ganz schnell die Liga 1.

In Liga 1 hätten wir zumindest die Chance, Trainer und Spieler in weiten Teilen zu halten und andere Spieler zu bekommen. Das ist uns deutlich lieber als wieder Kaucze-Fußball mit Kadern, die niemand 5 Jahre später auch nur zur Hälfte noch aufzählen kann, weil die Spieler nie länger als 2 Jahre bei uns geblieben sind. (Fairerweise: So schlimm ist es nicht ganz, da sind schon noch ganz viele Spieler, an die sich ein FCSP-Fan erinnern wird. So einen richtig brutalen Willem Hupkes (Vereinslegende der Saison 04/05, da haben Spieler im Kader gestanden…) Moment hatten wir nicht.)

Wir könnten uns auch vorstellen, dass wir einige Spieler haben, die in einer Liga, in der viele Vereine gegen einen das Spiel machen wollen, noch mehr aufblühen als in Liga 2. Oder dass zumindest unser Konzept dort auch marktfähig ist.

Nebenbei: Dahin gehört auch das „aber vor einem Jahr haben wir doch noch gegen den Abstieg gespielt, lass uns doch erstmal oben in Liga 2 etablieren“-Argument. Es ist Bullshit. Es gibt im modernen Fußball keinen 3-Jahresplan. Wenn wir jetzt nicht aufsteigen, fangen wir von vorne an. Und im Notfall spielen wir dann wieder gegen den Abstieg. Vielleicht kann man einen drei oder vier Transferperioden-Plan haben und umsetzen. Aber mehr Zeit hat man nicht. Bornemann ist nun seit vier Transferperioden bei uns. Unser Plan ist also genau jetzt in der Zeit, in der er aufgehen sollte. (Wir haben den Sommer 2019 mal nicht mitgezählt, da kam er zu spät.)

5. „Aber der Kommerz ist so schlimm in Liga 1“

Ach, und in Liga 2 nicht? Ne, sorry Leute, da müssen wir euch enttäuschen. Auch in Sandhausen wird der Furz des Maskottchens von irgendwem präsentiert. Und wieviel Kommerz wir uns leisten haben wir selber in der Hand. Siehe auch oben.

Weitere Argumente für Liga 1:

6. Das Gefühl

Niemand (!) trägt „5-1 gegen Paderborn, ich war dabei“-T-Shirts. Aber viele Menschen tragen immer noch die Aufstellung des Spieles gegen Bayern an einem kalten Mittwoch im Februar auf einem T-Shirt spazieren. Und das Spiel ist bald 20 Jahre her. Solche unvergesslichen Spiele gibt es nur in Liga 1. Und kommt uns jetzt nicht mit Derby. Das wird ja zur Gewohnheit.

Und #RainerKochRaus-Pokal? Neeeee, ist uns zu selten

7. Wenn wir was ändern wollen, müssen wir erfolgreich sein

Wir wollen für einen anderen Fußball stehen. Wir wollen für einen 100 % e.V. Fußball (das ist etwas anderes als 50+1) stehen, für einen basisdemokratischen Fußball, für einen antifaschistischen Fußball (was das auch immer heißt). Wir haben die große Chance zu beweisen, dass dies geht und man in der 1. Liga damit spielen kann. Die ganzen „mittelmässiger Zweitligist“-Takes sind dann halt haltlos. „Kalle, halt die Fresse, wir sind Bundesligist“ ODER die „konzentriert euch doch aufs sportliche“ oder die „wir brauchen Experten (musste mal wieder nicht gendern hier) in der Vereinsführung“-Takes. Man wäre das Leben schön. Und Detailkritik an gewissen Dingen ist im FCSP viel einfacher.

Und genau das hat Oke auch 2019 schon gesagt:

Sowieso: Wir sind ja nicht nachtragend, aber sollen wir mal die Kommentare auf der offiziellen HP zur Ankündigung von DIIY oder zu eigentlich jedem Post in der Zeit so um Dezember 2020 heraussuchen? Möchte da vielleicht jemand „oh fuck, hatte ich Unrecht“ beichten? Nutzt dazu bitte die Kommentare. Wir verzeihen viel, wenn man beichtet. Den Wunsch, unserem Sportchef mit einer Schrotflinte zu begegnen, jedoch nicht. You know who you are.

Und stellt euch doch mal vor, wir würden vor Wolfsburg und/oder Leverkusen stehen. Da würde ein „verpisst euch mit euren 100 % Investorenmodellen“ sehr viel überzeugender klingen.

Es gibt in der DFL soviel zu ändern. Dies könnten wir als Erstligist noch viel besser.

8. Wir wollen in die Champions League

Ja, wollen wir. Einmal diese komische Hymne am Millerntor erleben. Könnt ihr euch diese Gänsehaut vorstellen? Irgendwie Real, Inter, Barcelona wer auch immer laufen auf einem Rasen auf, auf den die meisten von uns noch Paderborn oder Sandhausen haben kicken sehen? „Die Meister, die Besten“ meint uns? Uns Trümmerverein? Gänsehaut beim Schreiben, Loide!

Die Pyroshow von Inter im Gästeblock sehen, unsere fette „Fuck UEFA“-Choreo feiern. Und das Millerntor brennend erleben. Das wäre unser Traum.

Einmal vor der Scala „Oirobabogal“ brüllen. Arm in Arm mit all den verrückten Menschen, die seit Jahren diesen Verein begleiten. Die seit Jahren Ehrenämter in diesem Verein ausfüllen (Glückwunsch zur Wiederwahl, lieber FCSR, an dieser Stelle). Die schon bei Kickers Emden waren und die einfach so einen Trip mal verdient hätten. Koste er, was er wolle.

Stellt euch einfach nur den epischen 16 Stunden-eine-Tour-Sonderzug nach Barcelona vor. (Die erste Rückfahrtschicht übernehmen wir dann wieder – in guter Manier :))

(Und jetzt komme niemand mit irgendwelchen theoretischen Wegen über Pokal und Europa League etc. Und ja, dass die CL immer mehr zu einer closed shop-Shitshow wird wollen wir nicht unerwähnt lassen, aber umso wichtiger, da einmal mitzuspielen, bevor es gar nicht mehr geht.)

9. Weil wir etwas wissen wollen

Wir finden es immer wieder sehr schön, dass von den zwei Schlagerkapellen*, die sich in Teilen FCSP-Fans nennen, Melodien für Stadionlieder genutzt werden. Und wir würden sehr gerne wissen, ob und wie „Ich träum von dir…“ umgetextet wird, wenn wir Liga 1 spielen. Oder gehen wir dann den anderen Weg von Fußballliedern? Normalerweise überhypen die ja alles „sind die besten der Welt“ und wir singen im Gästeblock von Barcelona immer noch was von „in meinen Träumen bist du Europacupsieger“? Wie geil wäre das denn?

(*gemeint sind hier die Ärzte und Fettes Brot. Von den ganzen GHvC-Menschen hat nach unserer Ansicht bisher keiner eine fangesangtaugliche Melodie geschrieben. Was nicht wirklich eine Kritik ist.)

Aufstieg jetzt. Keinen Schritt zurück. Unser Tag wird kommen.

Nov 022021
 

Wie großartig ist es eigentlich, auswärts einfach durch die Stadt laufen zu können, ohne von der Polizei drangsaliert zu werden oder fürchten zu müssen, von irgendjemandem dumm angegangen zu werden?

Von der „netten“ Ansage des Metronom (ernsthaft?) im Abendblatt motiviert und weil wir echt keinen Bock hatten, in Tostedt aufgrund von Nichtigkeiten zu stranden, entschlossen wir uns, auf den Zug um 8:15 Uhr auszuweichen. Schon am Bahnsteig zeigte sich, dass wir nicht die Einzigen waren mit dieser Idee. „Du wirst sehen: der 9:15 Uhr ist komplett leer. Weil alle auf den hier ausweichen.“ Wir haben Sitzplätze und gute Laune. Läuft.

In Bremen angekommen werden wir von einer Handvoll Polizist*innen begrüßt. Die tragen weder Handschuhe noch Helm – wir fühlen uns nicht ernst genommen. Bekommen die überhaupt Gefahrenzuschlag, wenn die nicht ihre komplette Ausrüstung tragen?

Da wir (zum ersten Mal in unserem Leben?!?) vor (!) den Veteranen in der Stadt sind, spazieren wir entspannt durch die Bremer Innenstadt, um dann gemütlich und gut zu frühstücken. Merke: Wenn man in Bremen ein kleines Stück Kuchen zum Frühstück dazu bestellt, bekommt man zwei. Zudem gibt es auch noch Torte. Läuft bei uns! Wir treffen uns noch mit unseren fränkischen Freund*innen und dann geht es schon auf Richtung Stadion. An der Weser entlang zum Stadion spazieren? Hat schon was.

An der Weser entlang zum Stadion

Der Einlass läuft relativ flüssig. Erst Kontrolle des Impfnachweises in Verbindung mit Perso und personalisiertem Ticket. Die eigentliche Einlasskontrolle ist eher aus der Kategorie „Zwei mal am Arm getätschelt. Fertig“. [Der gerade durchlesende Senior ist so richtig gefilzt worden und fragt sich gerade, was er denn richtig oder falsch gemacht hat.] Diese selbstgedruckten Tickets, ne? Wenn ich mein Ticket schon selber drucken muss, dann macht doch eure Tickets bitte so, dass Teile des Tickets nicht außerhalb des druckbaren Bereichs liegen. Das hätte den Personen mit Drucker etwas Stress gespart. Und warum geht das nicht digital?

Wir erklimmen die Treppen zum Gästeblock und sind sehr froh, noch jemanden zum Getränke holen geschickt zu haben, denn wenig später geht an den Getränkeständen nichts mehr. Warum das so ist, ist für uns nicht ersichtlich. Das geht besser, Bremen.

Wir stehen oben. Vor uns USP. Und was sollen wir sagen? Es ist schön, dass ihr wieder da seid! <3

Ein großes Banner vor dem Gästeblock und viele große Fahnen im Block. Schön <3

Große Fahnen? Wir sagen mal so: Oben im Gästeblock gibt es jetzt keine Spinnweben mehr.

<3

Zum Spiel

Man merkt dem Team das Pokalspiel am Mittwoch deutlich an. Bestes Beispiel: Maxi Dittgen. Ein Spieler, der durch seine Spritzigkeit und Schnelligkeit für unser Spiel so wertvoll ist. Heute fiel ihm das deutlich schwerer. Bremen hat in Halbzeit 1 die besseren Chancen und ist auch deutlich besser im Spiel.

Halbzeit. Die Getränkeversorgung bleibt nicht existent.

Wir sagen die Einwechslung von Makienok voraus. Schulle, wann stellst du uns ein?

Wir kommen deutlich besser aus der Halbzeit und erspielen uns die ersten Chancen. Und natürlich kommt es, wie es kommen musste. Unser guter Freund Marvin Ducksch (Achtung, Ironie!) macht nach einem Abstimmungsfehler das 1:0 für Bremen.

Warum steht der noch?

Was uns an dieser Mannschaft gefällt? Neben so vielen anderen Dingen? Wir brechen nicht ein. Kommen zurück. Und Finn-Ole Becker macht das 1:1. Großartig, wie die komplette Mannschaft sofort bei ihm ist und mit ihm feiert! Und wie oft waren wir in den letzten Jahren nach 70 Minuten stehend k.o.? Jetzt kommen wir nach der Pause aus der Kabine und drehen nochmal auf. Wir sind Fans!

Danach haben wir Chancen, bekommen die Kugel aber nicht ins Tor. Kofi, Alter! „Würde er den machen, würde er nicht bei uns spielen.“

Kurz vor Schluss landet der Ball bei Makienok im Strafraum, Geflipper – der Ball ist im Tor. Der Gästeblock explodiert, unsere Bank explodiert. Die Auswechselspieler rennen auf den Rasen. Tor? Zählt nicht. Handspiel. Nach der aktuellen Regelauslegung richtig. Aber wenn du so ein Tor abpfeifst, musst du für die gleiche Szene auf der anderen Seite Elfmeter pfeifen. Und wenn selbst die Spieler nicht wissen, wann Handspiel und wann nicht, dann sind die aktuellen Regeln definitiv Mist.

So gehen wir mit einem 1:1 aus diesem Spiel. So richtig glücklich sind wir damit nicht. Wir sind nur sehr froh, dass wir uns nicht über Tore von Marvin Ducksch freuen müssen. (Warum steht der noch?)

Nach dem Spiel spazieren wir entspannt durch die Bremer Innenstadt Richtung Eisen. Ziel? Wir gehen nicht nach Hause, bis wir das Eisen leer getrunken haben. Und wir sagen mal so: Wir haben geholfen, den Biernachschub hinein zu tragen.

Was für ein gutes Gefühl, dass es Kneipen wie das Eisen nach diesen schwierigen anderthalb Jahren noch gibt. Abende wie der gestrige sind wie Balsam nicht nur für unsere Seelen, sondern auch für die Betreiber von Kneipen und Restaurants. Die Pizzeria um die Ecke vermeldete um 18 Uhr, ausverkauft zu sein, das Eisen wurde leergetrunken, erhielt manuell Nachschub und wurde dann quasi wieder leergetrunken.

PS: Jakov Medic? Wir sind Fans.

PPS: Schalalalala Schalalalala Schalke 04!

PPPS: Glückwunsch an die fantastic females!

PPPPS: Habt ihr schon mal besser geschlafen als an einer Kneipe am Tresen?

PPPPPS: Kennt ihr schon die Nonnenstory aus Paderborn?