Okt 062021
 

„Wenn wir aufsteigen…“ 
„Nein, sobald wir aufsteigen. Das ist nicht kausal. Das ist temporal.“ 

Dieser Dialog ist fiktiv. Es ging um wichtigere Dinge. Vereinspolitisches. Am wichtigsten aber: Jetzt ist die Zeit aufzusteigen. Wer war noch mal Tabellenführer? Keinen Schritt zurück. Diesen Platz geben wir nicht mehr ab. 

2G ist richtig. Volles Stadion sofort, wenn es logistisch möglich ist. Die Menschen müssen diesen FCSP sehen. Kann jemand eine Truppe erinnern, die so Spiele bestimmen, nach ihrem Wunsch gestalten und den Gegner so dominieren kann? Dresden hat am Ende zwei ernsthafte Abschlüsse. Und die sind ja nicht mal eine schlechte Truppe im Zweitliganiveau. Trotzdem zeigen wir nach einer Minute, dass hier nur einer gewinnen wird. Eine Minute Druck? Zack! Tor! Danach kontrolliert und in allem überlegen. Medić? Fans! Irvine? Fußball spielen! Kann sich noch jemand an Ohlsson, Smith und Becker erinnern? Buchti? Als 10? Wow! Der Junge ist einen Gesundbrunnen gefallen! Was für eine Ansage! Toll! Es sei dir gegönnt. Burgi? Hundeschnauzen sind warm dagegen. Nicht ganz so gut aus der Kabine gekommen? Dresden sieht trotzdem keinen Stich. Und die haben eine Woche zuvor Werder ziemlich abgefertigt, falls ihr euch noch erinnert.

2G? War es für den Süd-Teil des Kollektivs ja das erste Spiel in der wieder vollen Süd hatten wir uns gefragt, ob es irgendwie komisch wird, so vielen Menschen so nahe zu kommen. So können wir für uns festhalten: Keine 19,10 Sekunden hat es gedauert, bis die Pandemie vergessen und wir in der Süd eingetaucht waren. Hach, das war toll! Unser Verständnis für Impfgegner*innen ist ja sowieso schon nicht vorhanden. Aber wie bekloppt seid ihr denn, dass ihr sowas nicht auch wieder erleben wollt?

Nicht so toll? Immer wieder Leute anzählen, die Menschen im Block fotografieren, die nicht fotografiert werden wollen. Lasst es doch bitte einfach. Insbesondere, wenn ihr euch auf der Süd aufhaltet. Auch nicht so toll? Mackertum. Mit „seid viel zu schwach, seid uns weit unterlegen“ werden wir nicht mehr warm.

Mal ehrlich Leute. Wir sind Tabellenführer. Und dies zu Recht. Nicht aus Glück, nicht weil 2. Spieltag ist, sondern weil wir gut sind. Wir gehören da hin. Alles wirkt geplant, durchdacht und souverän. Wann hatten wir das mal am Millerntor? Zwei Wochen scheint uns jetzt die Sonne aus dem Arsch. Und niemand kann dagegen was tun. 

Coach Schulle wird garantiert noch viel zum Verbessern finden, aber wir als Fans? Wir wissen gar nicht wohin mit unserem Glück. Wir steigen auf. Wir wollen aufsteigen. Es gibt nur diese Möglichkeit. Wir wollen Bayern am Millerntor an die Wand spielen. Wir können das. Wir sind St. Pauli. 

Menschen in verantwortlicher Position winken beim Wort mit 8 Buchstaben lieber noch ganz schnell ab. Das ist ok. Aber wir sind Fans, wir dürfen das aussprechen. Wir wollen aufsteigen. Das schreiben wir seit Jahren in diesen Blog. Und gerade fangen wir an daran zu glauben.

Dresden? Ja auch im Gästeblock mit „Fachpublikum“ vertreten. „Oh guck mal, es gibt ja doch geimpfte Sachsen“ „Nein, das sind nur Genesene“. Und 6 Zivibullen. Sorry, SKBs heißen die ja. „Sind die wohl geimpft oder genesen?“ Dass man euch aber auch einmal quer übers Spielfeld rüber direkt erkennt ist schon ne Leistung.
(Ob das wirklich welche waren? Wir lassen uns den Gag doch nicht von der Wahrheit kaputt machen.)

VAR? Kann man grundsätzlich ja auf jeden Fall diskutieren. Wenn aber im ganzen Umfeld alle rätseln, warum jetzt was genau gepfiffen wurde und nicht mal die Kicker App so richtig aushilft, dann kann man mindestens mal feststellen, dass die Umsetzung für Zuschauer*innen im Stadion immer noch beschissen ist. Späteres nochmaliges Anschauen sagt „klarer Elfer“, aber verdammt dann zeigt uns doch die Bilder im Stadion oder lasst den Schiedsrichter das kurz erklären. In diversen anderen Sportarten klappt sowas ja auch. Aber ja liebe Fußballfunktionäre bei FIFA, UEFA, DFB und DFL (bewusst nicht gegendert): Wir wissen, dass euch Stadionpublikum egal ist.

Fußballfunktionäre und Verbände? „Friede den Kurven. Kampf den Verbänden“ stand da vor dem Spiel vor der Süd geschrieben. USP hat  dann im Verlauf des Abends noch ausführlicher Stellung bezogen:
„Es zwingt sich der Eindruck auf, dass die gesamte Struktur der DFL und des DFB nur für die Erhaltung des Status Quo, sowie eigener privater Interessen arbeitet. Das Handeln und die Konsequenzen um den Geschäftsbetrieb in der schlimmsten Zeit der Pandemie in Europa führte nicht zu Demut, sondern nur zu neuer Schamlosigkeit: Der unregulierte Bereich der Spielerberater, das Geschachere um Jugendspieler, die permanenten Angriffe auf die 50+1 Regelung und die überhitzte finanzielle Dynamik des Wettbewerbs, die immer mehr Vereine in den Ruin oder risikoreiche Finanzkonstrukte drückt, sind nur einige Beispiele für das, was derzeit so verdammt falsch läuft.
[…]
Wir dürfen diesen Leuten, die bei allem was sie tun nur an ihre eigene Bereicherung denken, nicht das Feld überlassen. Werte wie Freundschaft, Miteinander und Solidarität, die für unsere Bewegung elementar sind, zählen für sie nicht. In ihrer Welt geht es einzig um den Profit. Diese Leute haben das, wofür wir alle leben, nie verstanden. Und sie werden es auch nie tun. Für uns gilt deshalb:Ein andere Fussball ist möglich, aber nicht mit diesen Verbänden!Wir laden alle Fans dazu ein, den alten reichen Männern in ihren teuren Wein zu spucken und ihnen den herzlosen, möglichst profitablen Fußball, den sie sich so sehr wünschen, so gut es geht zu verderben. Wir müssen immer wieder den Finger in die Wunde legen und dürfen diese Art von Fußball nicht kommentarlos geschehen lassen.“

In Form einer Person hatten wir ja das „große Vergnügen“ einige diese alten reichen Männer kennenzulernen und mit ihnen über die Zukunft des Profifußballs nachzudenken, zu diskutieren und zu streiten. Und naja, vom „in den Wein spucken“ wollen wir euch nun wirklich nicht abhalten. Wenn man drüber nachdenkt, ist es immer noch unerträglich, wie viel positive Kraft in diesem Sport steckt. Und was Profitgier, Egoismus und Hybris daraus machen wollen.

„Mensch seitdem die Süd wieder besetzt ist, sehe ich das Spiel nicht mehr. Ich muss aber immer dringend die Highlights gucken. Man spielen die gut.“Schön, dass ihr wieder da seid, beste Ultras. 

Menschen sehen sich nach 19 Monaten wieder. „Treffen wir uns wie immer?“ klappt trotz der Pause. Es fehlen noch Menschen. Weil sie noch nicht cool mit Menschenmassen sind. Ihr fehlt. Lasst euch Zeit. In unserem Herzen und auf unseren Stufen ist Platz für euch. 

Jubel? Die Co-Trainer, der Athlektiktrainer und der Team Manager schunkeln etwas hinterm Team vor der Süd mit. Der Trainer und Sportchef von der Mittellinie aus. Und die haben alle sicher Spaß zusammen. Und wir freuen uns, das zu sehen.

Fast untergegangen? Wir haben das ehrlicherweise im Stadion gar nicht mitbekommen. Den Grüßen schließen wir uns dann aber doch vollumfänglich an. Passender Zeitpunkt, passender Gegner, passende Nachricht. Weiter, immer weiter. („Das sind die vom MagischenFC, die motzen ja gar nicht immer.“)

Drumherum? Ida? Die Waffeln sind gut, aber der Laden ist nur 7/10. Trotzdem danke, dass du ihn uns empfohlen hast. Und Simon knipst auch wieder. Spätestens im Derby! Endlich ist „Spielerfrauen Instagram“ für was gut. Nicht nur für beige Welten. Love you Ida! 

Liebe Menschen treffen wir. Es ist schön. Feldstern hat Platz für uns. Essen für alle, sonst gibt es Krawalle! Und Whisky für die besondere Menschen. Love you all. „Hey du Tabellenführer!“ „Das ist jetzt aber eine billige Anmache.“ 

2G? Ist geil. Im Jolly geht alles. Und noch mehr. Tanzfläche? Bald wieder. Habt ihr gehört, dass es beim magischen Stress gegeben hat? Ja deswegen stehen da Ex-Kollektiv und akut Kollektiv Arm in Arm vor dem Jolly. Wir können den gegenseitigen Hass nämlich gut überspielen. (Das ist übrigens gelogen. Grüße nach Dresden. Und den nächsten Gast gleich mit.)

Wir treffen noch einen Olympioniken. Toll! Schön, dass du den FCSP repräsentierst. 

Der Morgen danach? Kater ist ja nie schön, aber definitiv schöner wenn man nicht lohnarbeiten müsste. Also: Bitte mehr Samstagsspiele, wenn das ginge?. Aber das Grinsen beim Gedanken an den Tabellenplatz gleicht viel wieder aus. Und das „Nächstes Jahr spielen wir dann endlich mal wieder gegen Euch“ vom Erstligakollegen ging runter wie Öl.

Keinen Schritt zurück! Tiocfaidh ár lá! Wer war noch mal Hansa Rostock?

  4 Responses to “Temporal nicht kausal”

  1. Zu eurem Kommentar zum VAR: Auf der Anzeigetafel wurde zumindest vorletztes und beim Dresden-Heimspiel dann jeweils die Entscheidung, um die es ging, textlich erklärt.
    Beim Dresden-Spiel stand da sinngemäß, dass der VAR überprüft, ob es einen Elfmeter gegeben haben sollte – und als Entscheidung wurde dann „Kein Elfmeter“ angezeigt.
    Kurz darauf (noch bei der gleichen Szene) zeigte der Schiedsrichter dann auf den Elfmeterpunkt.

    Es findet also auch im Stadion bei uns eine Info darüber statt, was und worum es bei der aktuellen VAR-Entscheidung geht und welche Entscheidung dann letztlich getroffen wurde. Na gut, auch wenn dann auf der Anzeigetafel etwas anderes angezeigt wurde als tatsächlich entschieden wurde. 😉
    Bei den Spiel von Werder gegen die Rauten soll ja auch der Stadionsprecher in der Halbzeitpause über eine Entscheidung informiert haben… Vielleicht hat sich da in dieser Saison also einfach was geändert.

  2. Was ja eine Info, was entschieden wurde. Aber halt nicht warum, so dass man das als Fan auch nachvollziehen kann. S. American Football, und auch Stichwort: Szene an der Videowand zeigen.

  3. @Kiezkickerde: dass auf der Anzeigentafel stand „KEIN ELFMETER“, war kein Fehler – es ist nur etwas missverständlich. Es ist so zu verstehen: dort angezeigt wird die vom Schiri ursprünglich getroffene Entscheidung (die ja lautete KEIN ELFMETER) und die es vom VAR zu überprüfen gilt. Später wird dann, wenn der VAR bzw. Schiri nach Sichtung der TV-Bilder entschieden hat, unten auch noch das Ergebnis der Überprüfung angezeigt. In diesem Fall ELFMETER.

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