Okt 172021
 

Wir klicken uns jetzt (mit viel Kaffee und reichlich Müdigkeit) seit über einer Stunde von FCSP-Euphorie zu FCSP-Euphorie.

Einiges wurde in losen Tweets verarbeitet, nun der Versuch der Zusammenfassung

Die Tabelle

22 Punkte aus 10 Spielen. 2.2 Punkte pro Spiel. Mit 74.8 Punkten biste ja nun wirklich noch nie nicht aufgestiegen.(Und wehe hier kommt jetzt jemand und sagt, dass das an den .8 liegt!)

Die beste Halbserie dieses Jahrtausends (und vermutlich sogar der Vereinsgeschichte) war 16/17 unter Ewald Lienen. Damals gab es 34 Punkte, dazu fehlen uns jetzt noch 12 Punkte aus 7 Spielen. Bei 13 Punkten (bzw. natürlich sowieso den anvisierten 21 Punkten [“ansonsten kann Bornemann gleich seine Koffer packen”]) wäre es die beste FCSP Halbserie des Jahrtausends, vermutlich sogar aller Zeiten.

22 Punkte gab es letzte Saison nach 20 Spielen. Doppelt so häufig gespielt für die gleiche Punktausbeute. Diese Saison in den 10 Spielen 21 Tore, die hatten wir letzte Saison nach 16 Spielen.

Spiel gedreht!

Das war das erste Spiel, das wir unter Timo Schultz nach Rückstand noch drehen konnten.

Bisher lagen wir diese Saison sowieso erst 3 mal zurück, gegen Hannover haben wir das 0:1 bekommen und dann auch ohne eigenes Tor verloren. In Paderborn waren wir zu zehnt 1:0 in Führung gegangen, um uns dann kurz vor der Halbzeit den Ausgleich selbst reinzumurmeln und dann noch zu verlieren.

Gegen Heidenheim liegen wir jetzt zurück und drehen das Spiel dann noch. Die Mühe, zu gucken, wann das vorher zuletzt geklappt hatte, hat sich der Millernton schon gemacht.

Und Bielefeld war das “famose” Spiel mit dem Polizeieinsatz, wo der Ausgleich vor relativ leeren Rängen gelang, weil große Teile der aktiven Fanszene demonstrativ das Stadion verlassen hatten. Letzte Spiel vorher war dann auch 18/19 am 1. Spieltag gegen Magdeburg.

Lazarett? K(aum )ein Problem!

Ohlsson, der letzte Saison unfassbar wichtiger Stabilisator war, seit Monaten verletzt – aber wieder voll im Training. Smith verletzt nicht dabei. Wieckhoff mit neuer Knieverletzung und unbekannter Ausfallzeit. Matanović wieder im Training aber auch noch nicht kaderfit. Avevor ebenfalls seit langem verletzt. Daschner verletzt. Knoll verletzt. Amenyido verletzt.

8 Spieler, die auf jeden Fall Kaderpotential, häufig sogar Startelfpotential haben nicht dabei. 8 Spieler von denen einige wirkliche Unterschiedsspieler sein können.

Merkt man davon auf dem Platz irgendwas? Nein! Schulle stellt da ne Elf hin und es wirkt so als würden die genau richtigen Spieler zusammenspielen. Was natürlich nicht heißen soll, dass die obigen 8 nicht auch ganz schnell wieder ganz fit werden sollen und wir euch diese Saison hoffentlich auch alle noch auf dem Feld sehen können.

Spieler, deren Stärke wir mit wenigen Worten beschreiben können

Das ist jetzt sicher von der Euphorie geprägt,aber wann, wenn nicht jetzt?

Vasilj? Strafraumbeherrschung!
Zander? Offensiv immer eine Gefahr!
Ziereis? Zweikampfstark!
Medić? Abgekocht ohne Ende!
Aremu? Steht fast immer da, wo er defensiv stehen muss!
Irvine? Was für eine Übersicht!
Hartel? Umschaltspiel!
Buchtmann? Giftig!
Kyereh? Ballkontrolle, Dribblings, Zuckerpässe!
Burgstaller? Eiskalt!

Dittgen? Was für ein Antritt!
Benatelli? Kannste in der Not immer den Ball geben!
Makienok? Schwer zu verteidigen!
Lawrence? Stabilisator!
Becker? Lösungen auf engstem Raum!

[Was für ein Luxus, diese Spieler von der Bank bringen zu können. Und dann noch Beifus, Dźwigała und Ritzka auf selber sitzen lassen zu können. Und obiges Lazarett zu haben.]

Das Team macht den Unterschied und hat noch viel vor

Wir haben uns in der Kabine eingeschworen und besprochen, was wir verändern wollten. In der zweiten Hälfte hatten wir mehr Aktivität im Spiel.” Maximilian Dittgen nach Heidenheim. 

“Wir haben die erste Hälfte in der Kabine knallhart analysiert und uns viel für die zweite Halbzeit vorgenommen.” Philipp Ziereis nach Heidenheim

“Ich kann die Tabelle auch lesen und sehe, dass wir Spitzenreiter sind. Das fühlt sich sehr gut an. Es fühlt sich für mich aber auch immer sehr gut an, zur Kollau zu kommen und zu wissen, dass wir noch viel zu tun haben und wir in Phasen von einzelnen Spielen oder ganzen Spielen nicht so gut waren, wie einige uns sehen.” Timo Schultz nach Dresden

„Wir hatten ein paar schwierige Momente, wir haben es als Team aber gut gelöst. Es war eine heiße Atmosphäre, wir hatten aber die Erfahrung in unserer Mannschaft, um ruhig zu bleiben.“ Jackson Irvine nach Karlsruhe.

Und die Liste der Zitate könnten wir jetzt lange so fortsetzen.

Was wir daraus lesen? Die Jungs haben wirklich Bock, die wissen, was sie können, die wissen aber auch, dass es in jedem Spiel noch kleine und große Sachen gibt, die verbessert werden können. Die sie aber vor allem verbessern wollen und die klarmachen, dass das hier nicht das Ende der Reise ist, sondern dass wir gerade erst anfangen.

Die – subjektiver Eindruck – auf dem Platz viel miteinander kommunizieren. Die keine Brandreden vom Trainer brauchen, um “aufgeweckt” zu werden, die das einfach selbst machen. Spieler (Simon) die Fans bei der eigenen Einwechslung auffordern, noch mal für den Spieler, den sie ersetzen (Burgstaller) zu jubeln. Spieler, die wissen, wann sie ablegen müssen (Kyereh auf Dittgen) statt es unbedingt selbst machen zu wollen. Spieler, die keinen unzufriedenen Mucks von sich geben, wenn sie mal nicht in der Startelf sind. 

(Und ja, vergleicht das noch mal mit vorherigen Teams, die hier auch schon auf dem Platz standen.)

Die Leichtigkeit des Seins

“Was kann mir schon gescheh’n?” singt Vicky Leandros.

Und ganz ehrlich? Wer soll uns so stoppen? Außer wir selbst? Und warum sollten wir uns unter diesen Voraussetzungen stoppen wollen?

Klar, es wird auch schwierige Phasen geben. 

Aber wir haben gegen Heidenheim gezeigt, dass wir eine nicht so gute Halbzeit einfach ausbügeln und dann innerhalb von 5 Minuten Spiele komplett drehen können, wenn wir richtig Druck aufbauen. Wir haben gegen Regensburg gezeigt, dass wir geduldig warten können, bis wir das Tor machen und nicht kopflos anfangen anzurennen. Wir haben gegen Paderborn gezeigt, dass das Kollektiv auch im Rückstand kämpft und sich nie aufgibt (und dass man da dann trotzdem mal verliert, gehört zum Fußball). Wir haben gegen Dresden gezeigt, dass wir einfach ganz schnell in Führung gehen können und dann nie auch nur ein Fünkchen Zweifel am Sieg aufkommen lassen.

Tonight we’re gonna have a real good time
We feel alive
And the world we’ll turn it inside out, yeah
We’re floating around in ecstasy
So, (don’t stop us now)
(Don’t stop us)
‚Cause we’re having a good time, having a good time

(Frei nach Queen)

Immer weiter vor, keinen Schritt zurück.

Okt 162021
 

Sportlich? 

So musst du in der 2. Halbzeit zurückkommen, wenn du aufsteigen willst. Da ist ganz viel Raum nach oben. Und wir gewinnen VOR FANS in Heidenheim. 

Dittgen als Einwechselspieler ändert einfach die gesamte Dynamik eines Spieles. Und bis sich der Gegner auf die Änderung eingestellt hat, haben wir ihm drei Dinger rein gemacht. 

Und dieses 3-1? Was für ein Stürmertor! Ihm fällt der Ball auf den Fuß und wo andere lange überlegen, was sie nun machen, biegt Guido schon zum Jubeln ab. 

Ist das alles geil, würden wir gerne unbefreit feiern. Können wir aber nicht. Und das ist scheiße. Warum folgt jetzt. Man mag uns jetzt ewige Nörgler*innen nennen, aber uns ist das wichtig.

Es ist immer noch Pandemie

Ihr erinnert euch? Letzte Woche Süd? Pandemie nach 19.10 Sekunden vergessen. Unter 2G Bedingungen. In Heidenheim gilt 3G, mit Maskenpflicht im Block. Das ist die Bedingung, unter der Menschen sich entscheiden, ins Stadion zu kommen. 

Karlsruhe war vor 3 Wochen, da galten die gleichen Bedingungen, da waren Abstände überall möglich und das Ordnungspersonal hat ziemlich konsequent auf Einhaltung der Regeln geachtet.

In Heidenheim fühlen wir uns an Schilda erinnert. Wie tue ich in der Pandemie so, als würde ich mich um deren Eindämmung bemühen, ohne wirklich was machen zu müssen? 3G Kontrolle (übrigens ohne angekündigte Beachfahne) halbherzig ohne Scannen und mit sehr flüchtigem Blick auf das Zertifikat, auf Maskenpflicht weise ich genuschelt in der Halbzeit hin und schicke Ordner*innen mit Schild („Maskenpflicht beachten“) nur durch die Sitzblöcke. 

In kurz? Da kann ich organisatorisch viel viel mehr machen, um die Bedingungen, unter denen das Spiel stattfinden soll, auch umzusetzen. 

ABER. Wir sind St. Pauli. Wir wollen der andere Fußballverein sein, Solidarität soll in unserer DNA sein. 

Die Menschen, die Maske tragen kannste an einer Hand abzählen. Und ja, wir holen sie jetzt raus, die großen Worte, die Solidarität. Das Tragen einer Maske, um uns selbst und andere zu schützen, ist der einfachste Akt der Solidarität in so einer Pandemie. Damit sind wir dann offenbar in der Mindermeinung. 

„Du bist auch so ne Frau, die sich immer nur als Opfer sieht“

Filmen im Block? Mögen wir nicht, haben wir tausendmal erläutert. Wir haben geguckt, die letzten Beiträge aus Heidenheim erwähnen das Thema jedes Mal. Das Nicht-Filmen sollte aber eben Norm sein, insbesondere in der Süd, aber eben auch in Auswärtsblöcken. 

Das sprechen wir gegenüber den filmenden Menschen immer wieder an, mal freundlich, mal sehr direkt, mal gebrüllt, auch je nach Umstand. 

Diesmal sind wir gegenüber dem Dude ruhig, wollen erläutern. Wenn wir dann innerhalb von wenigen Augenblicken als „Nazi“ bezeichnet werden, disqualifiziert das die Person ja eigentlich schon komplett. Dass Leute sowas von sich geben, ist das eine. Dass das Umfeld da keinen Mucks von sich gibt, entzaubert dann aber ganz schnell jegliche St. Pauli Harmonie. 

Noch mal: Da sucht jemand ruhig (!) das Gespräch, will erklären, und wird ohne einen vollständigen Satz gesagt zu haben mit einer Hasstirade überzogen, die mit „Nazi“ beginnt und mit obigem Zitat endet. 

Hopfen und Malz verloren, der Ausdruck wurde quasi für diese Situation erfunden. Das Krönchen ist dann, dass das Umfeld das ganze amüsiert betrachtet und den verbalen Komplettausfällen nichts entgegnet. Das sagt dann leider auch mehr über unsere Kurve als uns lieb ist.

Und wisst ihr was? Dass wir im Patriarchat leben erkennt man daran, dass wir uns bis jetzt fragen, was wir hätten anders machen können. Neutral ist vermutlich der einzige Fehler wahrscheinlich mit solchen Leuten das Gespräch zu suchen und nicht das dem „Nazi“ nicht direkt zu beenden. Da ist jemand verbal übergriffig. Und wir suchen den Fehler bei uns. St. Pauli im Oktober 2021. 

Menners endlich aus der Kurve, damit die Kurve leben kann. 

(Moin Senior des Blogs hier, der bei besagter Szene nicht anwesend war, der aber später in räumlicher Nähe der Magischen stand und genau den gleichen Dude deutlich später am Tag auch darauf ansprach, weil er auch mir ins Gesicht filmte. Und ich bekam sehr wenig Widerrede. Und sorry Leute, das liegt daran, dass da dann ein bärtiger 1,90 Dude spricht. Und das kann es nicht sein. Echt nicht. Männer raus aus der Kurve, bis wir diese Problematik gelöst haben. Es geht nicht mehr anders.) 

Nie, nie, nie wieder Heidenheim

Wir schrieben beim letzten Auswärtsspiel schon, dass der Heidenheimer Gästeblock und wir keine Freund*innen mehr werden. Signifikant niedrigere Frauenquote, signifikant höhere Dude-Quote. Jedes Mal in Heidenheim unangenehme Erlebnisse, die uns den Spieltag verhageln. 

Wir wirklich keine Lust mehr, herzukommen. Aber so lange wir hier Spiele angesetzt bekommen, so lange kommen wir. Wir sind da, wir sind laut. Und wir geben nicht Ruhe, bis sich auch alle Menschen, die nicht cis-männlich weiß gelesen sind, hier wohlfühlen.

„Das sind die vom MagischenFC, die motzen immer nur“.

Nö 😎

  • Fraueneinlass sehr viel schneller als Männereinlass (weil halt kaum Frauen da, s.o.) und auch endlich mal ohne unangemessenes „Abtasten“
  • Super Mitfahr*innen, super Fahrer*innen (danke, dass ihr hinterm Steuer saßt und wir trinken konnten) und das Buffet des Jahres. Waffeln Leute! Es gab Waffeln! 
  • Es ist auch schön endlich wieder die ganzen positiven Verrückten regelmäßig im Block zu sehen, mit denen wir schon seit Jahren fahren. Die sich noch unwohl fühlenden und damit fehlenden: wir denken an euch. Wir sind bereit, wenn ihr es seid. <3
  • Die Paderborner Parkplatzinfrastruktur (Insider)
  • Das Verweilen im Block nach dem Spiel, um das alles noch wirklich einzusaugen, führt dann zu ausdauerndem Anfeuern der auslaufenden Spieler. Die die Atmosphäre auf und vor allem hoffentlich mitnehmen.
  • Auf der Rückfahrt wurde bisher 2x die Musik aufgedreht. Zu „Wer wird deutscher Meister“. Und zu Scooter. Naja, immerhin keine DJ Ötzi Diskussionen.
  • Diese Mannschaft 

Der FC St. Pauli ist die einzige Möglichkeit. 

Keine Schritt zurück, nicht auf dem Platz, aber vor allem auch nicht daneben. 

PS: Jakov? Wir sind Fans!

PPS: Von Jacob auch! 

PPPS: Uns wurde dieses Foto von Menschen im Gästeblock geschickt. Der dumme Spruch zur Einordnung ist uns noch nicht eingefallen. Euch vielleicht?

Okt 062021
 

„Wenn wir aufsteigen…“ 
„Nein, sobald wir aufsteigen. Das ist nicht kausal. Das ist temporal.“ 

Dieser Dialog ist fiktiv. Es ging um wichtigere Dinge. Vereinspolitisches. Am wichtigsten aber: Jetzt ist die Zeit aufzusteigen. Wer war noch mal Tabellenführer? Keinen Schritt zurück. Diesen Platz geben wir nicht mehr ab. 

2G ist richtig. Volles Stadion sofort, wenn es logistisch möglich ist. Die Menschen müssen diesen FCSP sehen. Kann jemand eine Truppe erinnern, die so Spiele bestimmen, nach ihrem Wunsch gestalten und den Gegner so dominieren kann? Dresden hat am Ende zwei ernsthafte Abschlüsse. Und die sind ja nicht mal eine schlechte Truppe im Zweitliganiveau. Trotzdem zeigen wir nach einer Minute, dass hier nur einer gewinnen wird. Eine Minute Druck? Zack! Tor! Danach kontrolliert und in allem überlegen. Medić? Fans! Irvine? Fußball spielen! Kann sich noch jemand an Ohlsson, Smith und Becker erinnern? Buchti? Als 10? Wow! Der Junge ist einen Gesundbrunnen gefallen! Was für eine Ansage! Toll! Es sei dir gegönnt. Burgi? Hundeschnauzen sind warm dagegen. Nicht ganz so gut aus der Kabine gekommen? Dresden sieht trotzdem keinen Stich. Und die haben eine Woche zuvor Werder ziemlich abgefertigt, falls ihr euch noch erinnert.

2G? War es für den Süd-Teil des Kollektivs ja das erste Spiel in der wieder vollen Süd hatten wir uns gefragt, ob es irgendwie komisch wird, so vielen Menschen so nahe zu kommen. So können wir für uns festhalten: Keine 19,10 Sekunden hat es gedauert, bis die Pandemie vergessen und wir in der Süd eingetaucht waren. Hach, das war toll! Unser Verständnis für Impfgegner*innen ist ja sowieso schon nicht vorhanden. Aber wie bekloppt seid ihr denn, dass ihr sowas nicht auch wieder erleben wollt?

Nicht so toll? Immer wieder Leute anzählen, die Menschen im Block fotografieren, die nicht fotografiert werden wollen. Lasst es doch bitte einfach. Insbesondere, wenn ihr euch auf der Süd aufhaltet. Auch nicht so toll? Mackertum. Mit „seid viel zu schwach, seid uns weit unterlegen“ werden wir nicht mehr warm.

Mal ehrlich Leute. Wir sind Tabellenführer. Und dies zu Recht. Nicht aus Glück, nicht weil 2. Spieltag ist, sondern weil wir gut sind. Wir gehören da hin. Alles wirkt geplant, durchdacht und souverän. Wann hatten wir das mal am Millerntor? Zwei Wochen scheint uns jetzt die Sonne aus dem Arsch. Und niemand kann dagegen was tun. 

Coach Schulle wird garantiert noch viel zum Verbessern finden, aber wir als Fans? Wir wissen gar nicht wohin mit unserem Glück. Wir steigen auf. Wir wollen aufsteigen. Es gibt nur diese Möglichkeit. Wir wollen Bayern am Millerntor an die Wand spielen. Wir können das. Wir sind St. Pauli. 

Menschen in verantwortlicher Position winken beim Wort mit 8 Buchstaben lieber noch ganz schnell ab. Das ist ok. Aber wir sind Fans, wir dürfen das aussprechen. Wir wollen aufsteigen. Das schreiben wir seit Jahren in diesen Blog. Und gerade fangen wir an daran zu glauben.

Dresden? Ja auch im Gästeblock mit „Fachpublikum“ vertreten. „Oh guck mal, es gibt ja doch geimpfte Sachsen“ „Nein, das sind nur Genesene“. Und 6 Zivibullen. Sorry, SKBs heißen die ja. „Sind die wohl geimpft oder genesen?“ Dass man euch aber auch einmal quer übers Spielfeld rüber direkt erkennt ist schon ne Leistung.
(Ob das wirklich welche waren? Wir lassen uns den Gag doch nicht von der Wahrheit kaputt machen.)

VAR? Kann man grundsätzlich ja auf jeden Fall diskutieren. Wenn aber im ganzen Umfeld alle rätseln, warum jetzt was genau gepfiffen wurde und nicht mal die Kicker App so richtig aushilft, dann kann man mindestens mal feststellen, dass die Umsetzung für Zuschauer*innen im Stadion immer noch beschissen ist. Späteres nochmaliges Anschauen sagt „klarer Elfer“, aber verdammt dann zeigt uns doch die Bilder im Stadion oder lasst den Schiedsrichter das kurz erklären. In diversen anderen Sportarten klappt sowas ja auch. Aber ja liebe Fußballfunktionäre bei FIFA, UEFA, DFB und DFL (bewusst nicht gegendert): Wir wissen, dass euch Stadionpublikum egal ist.

Fußballfunktionäre und Verbände? „Friede den Kurven. Kampf den Verbänden“ stand da vor dem Spiel vor der Süd geschrieben. USP hat  dann im Verlauf des Abends noch ausführlicher Stellung bezogen:
„Es zwingt sich der Eindruck auf, dass die gesamte Struktur der DFL und des DFB nur für die Erhaltung des Status Quo, sowie eigener privater Interessen arbeitet. Das Handeln und die Konsequenzen um den Geschäftsbetrieb in der schlimmsten Zeit der Pandemie in Europa führte nicht zu Demut, sondern nur zu neuer Schamlosigkeit: Der unregulierte Bereich der Spielerberater, das Geschachere um Jugendspieler, die permanenten Angriffe auf die 50+1 Regelung und die überhitzte finanzielle Dynamik des Wettbewerbs, die immer mehr Vereine in den Ruin oder risikoreiche Finanzkonstrukte drückt, sind nur einige Beispiele für das, was derzeit so verdammt falsch läuft.
[…]
Wir dürfen diesen Leuten, die bei allem was sie tun nur an ihre eigene Bereicherung denken, nicht das Feld überlassen. Werte wie Freundschaft, Miteinander und Solidarität, die für unsere Bewegung elementar sind, zählen für sie nicht. In ihrer Welt geht es einzig um den Profit. Diese Leute haben das, wofür wir alle leben, nie verstanden. Und sie werden es auch nie tun. Für uns gilt deshalb:Ein andere Fussball ist möglich, aber nicht mit diesen Verbänden!Wir laden alle Fans dazu ein, den alten reichen Männern in ihren teuren Wein zu spucken und ihnen den herzlosen, möglichst profitablen Fußball, den sie sich so sehr wünschen, so gut es geht zu verderben. Wir müssen immer wieder den Finger in die Wunde legen und dürfen diese Art von Fußball nicht kommentarlos geschehen lassen.“

In Form einer Person hatten wir ja das „große Vergnügen“ einige diese alten reichen Männer kennenzulernen und mit ihnen über die Zukunft des Profifußballs nachzudenken, zu diskutieren und zu streiten. Und naja, vom „in den Wein spucken“ wollen wir euch nun wirklich nicht abhalten. Wenn man drüber nachdenkt, ist es immer noch unerträglich, wie viel positive Kraft in diesem Sport steckt. Und was Profitgier, Egoismus und Hybris daraus machen wollen.

„Mensch seitdem die Süd wieder besetzt ist, sehe ich das Spiel nicht mehr. Ich muss aber immer dringend die Highlights gucken. Man spielen die gut.“Schön, dass ihr wieder da seid, beste Ultras. 

Menschen sehen sich nach 19 Monaten wieder. „Treffen wir uns wie immer?“ klappt trotz der Pause. Es fehlen noch Menschen. Weil sie noch nicht cool mit Menschenmassen sind. Ihr fehlt. Lasst euch Zeit. In unserem Herzen und auf unseren Stufen ist Platz für euch. 

Jubel? Die Co-Trainer, der Athlektiktrainer und der Team Manager schunkeln etwas hinterm Team vor der Süd mit. Der Trainer und Sportchef von der Mittellinie aus. Und die haben alle sicher Spaß zusammen. Und wir freuen uns, das zu sehen.

Fast untergegangen? Wir haben das ehrlicherweise im Stadion gar nicht mitbekommen. Den Grüßen schließen wir uns dann aber doch vollumfänglich an. Passender Zeitpunkt, passender Gegner, passende Nachricht. Weiter, immer weiter. („Das sind die vom MagischenFC, die motzen ja gar nicht immer.“)

Drumherum? Ida? Die Waffeln sind gut, aber der Laden ist nur 7/10. Trotzdem danke, dass du ihn uns empfohlen hast. Und Simon knipst auch wieder. Spätestens im Derby! Endlich ist „Spielerfrauen Instagram“ für was gut. Nicht nur für beige Welten. Love you Ida! 

Liebe Menschen treffen wir. Es ist schön. Feldstern hat Platz für uns. Essen für alle, sonst gibt es Krawalle! Und Whisky für die besondere Menschen. Love you all. „Hey du Tabellenführer!“ „Das ist jetzt aber eine billige Anmache.“ 

2G? Ist geil. Im Jolly geht alles. Und noch mehr. Tanzfläche? Bald wieder. Habt ihr gehört, dass es beim magischen Stress gegeben hat? Ja deswegen stehen da Ex-Kollektiv und akut Kollektiv Arm in Arm vor dem Jolly. Wir können den gegenseitigen Hass nämlich gut überspielen. (Das ist übrigens gelogen. Grüße nach Dresden. Und den nächsten Gast gleich mit.)

Wir treffen noch einen Olympioniken. Toll! Schön, dass du den FCSP repräsentierst. 

Der Morgen danach? Kater ist ja nie schön, aber definitiv schöner wenn man nicht lohnarbeiten müsste. Also: Bitte mehr Samstagsspiele, wenn das ginge?. Aber das Grinsen beim Gedanken an den Tabellenplatz gleicht viel wieder aus. Und das „Nächstes Jahr spielen wir dann endlich mal wieder gegen Euch“ vom Erstligakollegen ging runter wie Öl.

Keinen Schritt zurück! Tiocfaidh ár lá! Wer war noch mal Hansa Rostock?