Sep 252021
 

Vorwort

Liebe lesende Menschen da draußen, danke, dass Ihr auch dieses Jahr wieder einschaltet, wenn die Geschehnisse auf der Mitgliederversammlung 2021 niedergeschrieben und kommentiert werden. Ich danke jetzt schon den beiden Macherinnen dieses Blogs, dass sie mir den Platz überlassen und dass sie die Geduld aufbringen, die notwendig ist, diesen Schinken zu veröffentlichen. 

Vielleicht nehme ich jetzt ein bisschen Spannung, aber es war insgesamt eine sehr konstruktive und eine wenn auch mal emotional, so doch zu 99 % sachlich bleibende MV. Das macht Hoffnung, dass unsere gewählte sehr basisdemokratische Form eine Zukunft hat und nicht im „Chaos“ endet. Wir werden das über eine Reform und insbesondere eine Präzisierung der Satzung noch verbessern müssen, aber daran arbeiten schon Menschen. 

Ich möchte gleich vorweg erwähnen, dass ich ein Teil der Helfer*innen bei dieser MV war, da Christiane (Hollander) mich gebeten hatte, bei juristischen Fragen sie, den Versammlungsleiter und die Hausjuristin des Vereines zu unterstützen. Ironisch wurde unser Job mit „wir sind zum Zuzwinkern da“ beschrieben. Das war – zum Glück – gar nicht notwendig, so dass ich am Ende der Versammlung einen sehr schönen Blumenstrauß für ein-kluges-Gesicht-machen bekam, dafür saß ich in der ersten Reihe. Es war mir eine Freude, und wenn ihr wieder Hilfe braucht, dann sagt Bescheid. 

Spielregeln

Dieser Bericht basiert auf einer handschriftlichen Mitschrift des Gesagten. Diese wird mit dem abgeglichen, was der Verein so auf Twitter und Homepage veröffentlicht, und ich bekomme auch mal Redetexte auf dunklen Wegen (die sich da E-Mail nennen) zugespielt. 

Trotzdem kann es immer Fehler geben; wir haben im Verein sehr geübte Schnellsprecher*innen, die teilweise auch nicht gerade straighte Sätze formulieren, so dass es auch nicht möglich ist, das Ende vom Anfang her zu erraten. Diese Fehler seien also bitte zu verzeihen. 

Namen der sprechenden Menschen nenne ich dort, wo sie vereinsöffentlich sind. Das heißt, sie sind entweder in Amt und Würden (gewesen; dies umfasst auch Mitarbeiter*innen des Vereines bzw. seiner Tochtergesellschaften) oder aus anderen Gründen im Verein berühmt. Bei Internetmenschen nutze ich gerne Mal den dort geläufigen Namen. Alle Namen sind nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben, eventuelle Fehler bitte ich zu entschuldigen. Eigene Meinungen und Erläuterungen werde ich vom Fließtext absetzen. Und zwar durch eckige Klammern. Daher auch die „ich“ Form. Wenn das Kollektiv etwas ergänzt hat, dann ist das mit {} Klammern gekennzeichnet. Wir alle hoffen, dass das klar ist. Kontakt zum Autor erhaltet ihr im Notfall über das Kollektiv. 

Das Ganze wird durch Zwischenüberschriften eingeteilt, diese orientieren sich an den Tagesordnungspunkten oder an Diskussionslinien, die sich im Plenum ergeben haben, sind aber bitte alle mit einem Augenzwinkern zu lesen. Das Gesagte wird in indirekter Rede wiedergegeben und gegendert. Das heißt nicht zwingend, dass die Redner*innen alle wirklich gegendert haben – die meisten Menschen in unserem Verein tun es, aber nicht alle, und nicht alle sind dabei perfekt. Ich bin da auch ehrlich: Im Schreiben wird das bei mir immer besser, mündlich tue mich damit noch SEHR schwer. Für eine Verunstaltung der deutschen Sprache oder unleserlich oder, oder, oder halte ich das aber ehrlich gesagt nicht. Sprache lebt und wandelt sich. Und das ist auch gut so, Digga. 

Wie immer sind diese Berichte für ein spezielles Publikum geschrieben. Wer sich schnell über Ergebnisse informieren möchte, ist bei MoPo und Co. besser aufgehoben. Hier geht es um Details, um Diskussionslinien, ja, auch um eine umfangreiche Dokumentation. 

Der Vorlauf

Man musste sich wie zu einem normalen Spiel eine Karte kaufen, und dies haben wohl auch die meisten Mitglieder in Anspruch genommen. Der Verein hatte die VIP-Sitze auf der Haupt schick gemacht und insgesamt saß man da auch ganz gut, und bei solchem Wetter macht so eine MV im Stadion deutlich mehr Spaß als im CCH. Warum das leider keine Zukunft hat wird sich noch später zeigen. 

Was zieht man zu so einer Versammlung eigentlich an? Ich entschied mich für meinen Cut. Warum? A. ist das ja wohl ein klassisches White Tie-Event und B. trägt man ja einen Cut bekanntermaßen nur bis 18 Uhr, danach wechselt man in den Smoking. Irgendwie muss man ja pressen, dass wir bis 18 Uhr fertig sind… Hätte nebenbei fast geklappt. Fertig waren wir um 18:23.

Nur mal ehrlich, lieber FCSP: In was für einem schlechten Zustand sind bitte teilweise die Sitze in unserem VIP-Bereich? Aufgeplatzte Polster, abgeschrubbt etc. Nicht dass ich viel Mitleid mit Menschen habe, die sich VIP-Plätze leisten können, aber hier hätte ich beinah solches.

Trotz des ganz zügig funktionierenden Einlasses wurde nicht pünktlich begonnen. Leider wurde auch der symbolträchtige Beginn um 13:12 knapp verpasst, dafür waren einfach zu viele Menschen auf den letzten Drücker gekommen. An die ausgerufenen Regeln hielten sich meiner Wahrnehmung nach ungefähr 99,9% der Anwesenden. Dass es immer den einen Men-, äh, Mann gibt, der meint, die Regeln diskutieren zu müssen, ist auch klar. Dass dieser Mann an späterer Stelle noch eine gewichtige Rolle spielen wird, ist Euch auch schon klar, oder? Dazu nur mal folgendes: Ja, gewisse Regeln sind auf den ersten Blick nicht wirklich sinnvoll, z.B. dass Eheleute nicht direkt nebeneinander sitzen können. Aber A. ist der ehegesetzliche Status von zwei Menschen nahezu nicht nachprüfbar in diesem Moment und B. bekommt der FCSP diese Auflagen auch nur vorgesetzt. Man kann dann den Anordnungen des Ordnungspersonals auch einfach mal Folge leisten. Oder anfangen zu diskutieren, weil man sowieso alles besser weiß. Welche Haltung ich für sinnvoller halte könnt Ihr Euch selber denken. 

Auf dem Podium war vor der Versammlung fröhliches Reden auch Diskutieren angesagt, wie sich gleich herausstellte wahrscheinlich über die Frage von „schriftlichen Abstimmungen“. 

Begrüßung und Eröffnung

Oke (Göttlich) begrüßte die Anwesenden nach den langsam üblichen Hells Bells, er wünschte einen wunderschönen Nachmittag und zeigte sich erfreut, doch mal wieder alle zu sehen und auch weil man so wichtige Beschlüsse fassen könne, die man wegen ihrer Tragweite nicht letztes Jahr hätte beschließen können, weil man sich nicht live getroffen habe. Deswegen müsse man aber nun zwei MV machen. 

Es sei schön, alle zu sehen und schön, auch alle im Stadion zu sehen. Man wolle die vorliegenden Dinge vernünftig und professionell diskutieren. [Ich stolperte so ein bisschen über das Wort „professionell“ und überlegte sehr lange, ob ich es hier eigentlich passend finde, sind wir doch alle Amateur*innen. Aber irgendwie passt es auch wieder.]

Er bat darum, sich an die Abstände zu halten; die Einhaltungen der Regeln sei nicht nur für den FCSP, sondern auch für die Veranstalter*innen im Viertel sehr wichtig, weil da genau drauf geschaut werde und die Veranstalter*innen nur so arbeiten könnten. 

Er grüße an dieser Stelle auch die Mannschaft und sportliche Leitung, die sich verdientermaßen im Urlaub oder bei internationalen Spielen aufhalte. Es zeige sehr gut den Wahnsinn des Fußballes, dass Spieler für so etwas in diesen Zeiten über den Globus flögen, aber man gönne es ja auch jedem Spieler. 

[Ich persönlich empfinde ja diese Anwesenheit der jeweiligen Profitruppen immer eher als unwichtig. Und bei einer Versammlung, die nicht die Jahresberichte umfasst, empfinde ich sie als noch unwichtiger. Und auch den sportlichen Leiter habe ich nun nicht wirklich vermisst. Und irgendwann muss halt auch der mal Urlaub machen. Ich sehe aber gerne auch das Gegenargument ein, dass die Herren auch mal lernen sollen, wofür sie eigentlich spielen und was die Mitglieder bewegt. Dieser Clash der Welten ist vielleicht auch nicht immer schlecht. Ich denke aber, dass die ganze Truppe am 01.12.2021 wieder dabei ist und dann bekommen die das auch wieder mit.]

Man habe letztes Jahr die Schwächen einer Online-Veranstaltung live miterlebt. Man hätte da nicht allen Themen gerecht werden können, daher diese nun erst. Man sei das erste Mal mit einer MV im Stadion und als er hier gerade rein kam, habe er zu [??? ich meine Brux] gesagt, dass man sich das so nicht vorgestellt habe, als man hier das erste Mal hingegangen sei. Das sei alles sehr professionell und er danke daher allen Mitarbeiter*innen. 

Dann würden er und Kristian Heiser normalerweise Frau Steinhoff für das Protokoll benennen, aber Frau Steinhoff sei im letzten Jahr unerwartet von uns gegangen, und dies viel zu schnell. 

Es folgte eine Gedenkminute. 

[Oh man, das ist richtig traurig. Ich habe Frau Steinhoff nie persönlich kennengelernt, habe ihr aber jedes Jahr im MV-Bericht meinen absoluten Respekt für diese undankbare Protokollarbeit ausgesprochen, und irgendwie war sie immer eine schöne Konstante bei den MVs. Sie wird mir fehlen.]

Stellvertretend wolle man damit auch den vielen anderen Mitgliedern und Freunden des Vereines gedenken, die von uns gegangen seien, die einen begleitet und viel mit angestoßen hätten. 

Versammlungsleiter

Es wird Kristian Heiser vorgeschlagen und erläutert, dass die Versammlung mit einer 2/3-Mehrheit eine*n andere*n Leiter*in bestimmen kann. 

[Wir kommen an einer anderen Stelle noch dazu, weil wir uns echt mal ernsthaft darüber unterhalten müssen, was die MV eigentlich autonom aus sich selbst regeln kann und was nicht. Dass die Versammlungsleitung fremdbestimmt wird und diese auch nur mit einer 2/3-Mehrheit verändert werden kann, ist eine sinnvolle Einschränkung der MV-Autonomie, die hier geopfert wird für das Ziel einer geordneten Versammlung. Ob das bei der Zulassung von Presse auch so sein muss, erörtern wir dann später.]

Kristian dankte dann für das Vertrauen, erklärte, dass er AFM-Mitglied sei und seit über 10 Jahren die Versammlung leite. Seine Stimme sei etwas belegt, aber alle Tests seien negativ. Er wies auf die besonderen Hygienevorschriften hin, die auf den Leinwänden zu sehen seien. 

Er sei gehalten, die Einhaltung dieser Vorschriften [die er im einzelnen aufzählte, ich spare mir das hier jetzt mal] zu überprüfen und habe die Ordner*innen deswegen auch gebeten, ihn zu informieren, wenn es denn Probleme gebe. 

[Wollen wir jetzt mal ein richtiges Fass aufmachen? Das sich an dieser Stelle aber sehr gut aufmachen lässt? Wer hat eigentlich bei einer MV das Hausrecht? Unsere Satzung bestimmt da nichts. Kristian nahm später in einem anderen Kontext an, dass er das habe, immerhin ist er Versammlungsleiter. Aber wo seine Kompetenz beginnt und endet, da schweigt sich unsere Satzung aus. Und da die Mitgliederversammlung sich auch keine Geschäftsordnung gibt, wäre diese Frage schnell sehr spannend. Man stelle sich nur vor, der renitente Herr von der Einleitung wäre aus der Versammlung ausgeschlossen worden. Wäre dies rechtens gewesen? Und wer hätte diesen Beschluss fassen müssen?]

Er bat dann darum, bei schriftlichen Abstimmungen den Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen [dies funktionierte eher so lala]. Die MV 2020 sei außergewöhnlich gewesen, fuhr er fort, auch diese sei außergewöhnlich. Man sei das erste Mal und wahrscheinlich auch das letzte Mal im eigenen Stadion und er sei gespannt, wie dies laufe. Es werde wohl ein Einzelfall bleiben, weil man zu der normalen MV Zeit im November dies wohl nicht im Stadion machen könne. 

Später in der Versammlung wurde danach noch mal gefragt und Oke erklärte dort, dass dies ungefähr doppelt so viel kosten würde als wenn man sich im CCH treffe. Auch müsse man beachten, dass noch kein Jahresabschluss vorläge und eine MV daher grundsätzlich später stattfinden müsse. Und dann habe man kein ausreichend planbares Wetter mehr. 

[Ich stimme eigentlich allen Stimmen zu, die das Setting echt sehr angenehm fanden. Definitiv angenehmer als das CCH. Wenn aber die Kosten so viel höher sind, dann ist es nicht wirklich erstrebenswert. Wir müssen laut unserer Satzung nur einmal pro Jahr eine MV machen, es gibt keine Frist zur Beendigung des Geschäftsjahres vorher, aber es wäre auch ziemlich absurd, eine MV im August für das Geschäftsjahr zu machen, welches im Juni des Vorjahres geendet hat. Und alle Menschen, die sich ein bisschen im Bilanzrecht auskennen, wissen, dass für einen Fußballverein ein Geschäftsjahr zum 30.06. deutlich sinnvoller ist. Nebenbei: In der zweiten Liga haben nur Schalke (!), Heidenheim und Sandhausen Geschäftsjahre, die mit dem Kalenderjahr übereinstimmen.]

Er eröffnete die Veranstaltung um 13:28, begrüßte namentlich die beiden Gebärdendolmetscherinnen. Die Versammlung belegte sie mit deutlichem Applaus. [Die beiden wurden dann etwas später mangels Nachfrage wieder entlassen. Gut, dass der Verein es anbietet. Schade, dass wir nicht divers genug sind, dass dieser Service auch auf nutzende Mitglieder trifft.]

Kristian wies auch auf die Stimmkarten hin, die mit Brailleschrift versehen waren. Er meinte, dies sei eine tolle Idee und Umsetzung. [Kann man sich nur anschließen. Das sind wichtige kleine Schritte, die das Ganze einfacher für Menschen mit entsprechenden Behinderungen machen. Der QR-Code auf der Stimmkarte führte zu der Tagesordnung und den Anträgen auf der Homepage des Vereines.]

Er wies dann darauf hin, dass die Versammlung nicht öffentlich sei und bat die Anwesenden Medienvertreter*innen, Aufnahmegeräte oder ähnliches auszuschalten. Auch Livestreams seien verboten. Gegen Twitter sei aber nix einzuwenden. 

Es werde ein Tonträger für das Protokoll angefertigt, auf den die Organe außer der MV Zugriff haben, und falls man nicht wolle, dass sein Beitrag aufgezeichnet werde, dann solle man das vorher sagen, dann würde das Tonband gestoppt. 

[Mein Gedanke hier: Komm, Oke, im Dezember bei „Bericht des Präsidiums“ die Karte mal ziehen. Mal gucken, was am Ende im Protokoll steht. Nein, bloß nicht. Ich habe bisher auch noch nie erlebt, dass irgendwer um ein Abschalten gebeten hätte.]

Kristian erinnerte auch noch mal an Uschi Steinhoff, deren Ableben ihn sehr betroffen gemacht habe. Sie habe mit ihrer stoischen Ruhe ihm auch in aufgewühlter See sehr geholfen. Er habe dies immer sehr bewundert. 

Als neue Protokollführerin habe man Petra Dischinger [und hier entschuldige ich mich jetzt schon für den wahrscheinlich falsch geschriebenen Namen] gefunden, die er nach § 16 Nr. zur Protokollführerin bestimme. Petra steht auf, erhält Beifall, Kristian wünscht ihr viel Spaß [!!] und weist noch darauf hin, dass sie extra angereist sei. 

[Meine Solidarität hat sie hiermit. Ein Protokoll zu fertigen aus diesem Chaos, das am Ende wahrscheinlich 5 bis 10 Leute lesen, ist eine äußerst undankbare Aufgabe. Danke, dass Du sie übernimmst.]

Kristian ratterte dann die üblichen Fristen und Daten runter; ich schenke mir das mal. 

Dann erwähnte er, dass es zwei MV geben würde, auf der zweiten dann auch mit den Berichten, den Jahresabschlüssen und Entlastungen. 

[Hier für spitzfindige Menschen: Man kann aus der Satzung heraus ein bisschen daran zweifeln, ob man eine ordentliche MV ohne die ganzen Berichte und Entlastungen beim FCSP machen darf. Denn die Formulierung in § 14 ist „Mindestens einmal im Jahr muss die […] stattfinden.“ Man könnte aus dieser Formulierung deuten, dass bei zwei MV auch zweimal das entsprechende Programm abgespult werden muss. Ich würde sagen: Nein, das ist eine gewagte Interpretation und auch der Rest der Jurist*innen stellt sich auf diesen Standpunkt, aber man sollte es nicht unerwähnt lassen. Welche Kompetenzen eine außerordentliche MV hat, bleibt aus der Satzung komplett unklar, wenn mich jemand fragt. Warum die Satzung überhaupt zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen MV unterscheidet, bleibt ebenso unklar. Benötigen tut man diesen Unterschied eigentlich nicht.]

Kristian stellte dann die ordnungsgemäße Ladung und damit auch die Beschlussfähigkeit der Versammlung fest.

Man habe heute 7 Punkte. Insbesondere die Wahl von Esin Rager, die Ehrungen aus dem Jahr 2020 und Anträge. Ein umfangreiches Programm, er bitte daher um straffe Beiträge und die Vermeidung von Wiederholungen.

[Da sind wir wieder bei der fehlenden Geschäftsordnung. Denn viele Leute diskutierten nach der Versammlung darüber, ob eine allgemeine Redezeitbegrenzung nicht sinnvoller wäre. Dass der Versammlungsleiter um so etwas bittet, finde ich ohne eine Basis schon etwas schwierig. Klar ist es inhaltlich absolut sinnvoll, aber mir wäre sehr viel wohler, wenn solche Bitten ihre Grundlage in einer demokratisch beschlossenen Geschäftsordnung hätten. Wir sollten uns dringend mal eine geben.]

Kristian erklärte dann, dass die Form der Abstimmung grundsätzlich vom Versammlungsleiter bestimmt werde. Grundsätzlich wolle er per Akklamation abstimmen lassen und wenn das Ergebnis nicht klar sei, schriftlich. Und er überlege, gewisse Anträge grundsätzlich schriftlich abstimmen zu lassen, und zwar die Anträge zu den besonderen Vertreter*innen, zur Quote und zum Ausschluss der Presse.

Begründen wolle er das damit, dass diese Anträge durchaus kontrovers seien und sich Mitglieder unwohl fühlen könnten, ihre Meinung zu vertreten. Dies sei eine objektive Aussage. Man stehe für eine Meinungsvielfalt, man soll sich frei fühlen, diese auch in einer Abstimmung zu vertreten. Dies könne man auch anders sehen, aber er sehe das so.

Der Wahlausschuss stehe für ein schriftliches Verfahren bereit und der Nachteil einer etwas längeren Auszählung würde nicht überwiegen. Er habe das noch nicht abschließend entschieden und weise auch darauf hin, dass die MV dies auch beschließen könne, hier bestünden aber die gleichen Sensibilitäten. Schriftlich müsse aber die Wahl der Vizepräsidentin erfolgen.

[Ich könnte schwören, dass wir Vizepräsident*innen auch schon per Akklamation gewählt haben, aber ja, die Satzung schreibt da eine schriftliche Wahl vor. Ob man nun Kristians Argumentation so folgen mag, sei mal dahin gestellt. So ganz von der Hand zu weisen ist es natürlich nicht, dass Akklamation zu einem gewissen Gruppenzwang führt. Dass er da so ein bisschen ergebnisoffen argumentierte, fand ich jedoch ein bisschen schwierig. Denn aus aus welchen aktuellen Anzeichen er denn jeweils entnehmen wollte, ob denn sich so ein Unwohlsein zusammen braut, blieb sein Geheimnis. Mir hätte an dieser Stelle ein „So machen wir das!“ besser gefallen. Auch gerade weil er hier wirklich ausdrücklich laut der Satzung die Kompetenz hat. Aber schlussendlich hatte das alles keine Auswirkungen.]

Satzungsanträge bedürften einer 3/4-Mehrheit, Dringlichkeitsanträge einer 2/3-Mehrheit für die Beschlussfassung, Geschäftsordnungsanträge bitte mit beiden Händen anzeigen, er ziehe die dann vor. Solche lägen gerade nicht vor.

[Mein Evergreen an dieser Stelle: Wir haben als MV keine Geschäftsordnung; die Satzung sieht für die MV nicht mal eine vor. Also eigentlich auch keine Geschäftsordnungsanträge. Wir sollten diese Lücke mal schließen. Und: Ich wiederhole mich.]

Verabschiedung Protokoll

Wie üblich hattet Ihr das alles gelesen und verinnerlicht, als Ihr mit 5 Enthaltungen das Protokoll genehmigt habt.

Es wird creepy / Wahl der Vizepräsidentin 

Kristian erwähnte, dass nach dem Ausscheiden von Joachim Pawlik mit Esin Rager eine neue Vizepräsidentin auf Vorschlag von Oke und mit Zustimmung des AR kommissarisch zum 01.07. 2021 bestellt worden sei. Diese kommissarische Bestellung ende mit der nächsten MV und daher sei sie nun zur Wahl vorgeschlagen. 

Die Voraussetzungen des § 23 der Satzung seien erfüllt. [Kristian erwähnte hier auch eine Altersspanne, die unsere Satzung aber (nicht mehr) vorsieht. Nur für hauptamtliche Präsidiumsmitglieder sieht unsere Satzung noch eine Altersbeschränkung (Rentenalter) vor. Alle anderen Einschränkungen sind mal gestrichen worden. Und zwar auf der MV 2014. Da muss mal jemand unseren Versammlungsleiter mit einer aktuelleren Satzung versorgen.]

Kristian führte weiter aus, dass Esin nun für den Rest der Amtsperiode gewählt werde, was bis zur Dezember-MV sei, weil dann das gesamte Präsidium neu gewählt werden würde. Die Wahl müsse schriftlich erfolgen, dies sehe die Satzung so vor. [Unsere Satzung – immer wieder eine Quelle der Freude. Sie sieht grundsätzlich vor, dass man Personenwahlen per Akklamation machen kann, aber die Vizepräsident*innen, bei denen nie eine Auswahl bestehen kann nach unserer Satzung, die müssen wir zwingend schriftlich wählen.]

[Hier ist nebenbei eine Sache zu beachten: Das ist die erste Wahl von Esin, die danach „nur noch“ drei Mal wieder gewählt werden kann nach § 23 Nr. 1; ihre erste Wiederwahl hat sie nach drei Monaten Amtszeit dann schon hinter sich.]

Esin stellte sich dann vor, bewegte sich eher widerwillig an das Rednerpult und erklärte, dass Oke gesagt habe, dass sie sich hier vorstellen solle. „Hallo, Leute“ begann sie ihre Rede. [Was ich schon mal erfrischend direkt fand. Sie genderte zumindest nicht mit einer gesprochenen Pause/Sternchen. Aber im Notfall fällt dies unter „man lernt voneinander“.]

Sie sei Journalistin und Teeunternehmerin. Es sei ihr eine Freude und eine Ehre, hier nominiert zu sein; sie habe damit nicht gerechnet in ihrem Leben, dass sie noch mal so ein Amt angedient bekäme. Es habe mit einer SMS von Oke begonnen, der geschrieben habe, dass er sie nicht kenne und sie ihn nicht, er aber mit ihr mal einen Tee trinken wolle. 

[Im Auditorium war schon ein bisschen Gelächter und Unbehagen zu hören und zu verspüren. So, wie sie das schilderte, klang es schon ganz schön creepy. Aber ich behaupte mal, dass das eher an der Schilderung gepaart mit Nervösität lag als an der Realität des Erstkontaktes.]

Ihr Mann sei Schlagzeuger, sie hätte erst gedacht, dass es irgendwie darum ginge, weil ja auch Oke in der Musikbranche tätig sei, aber nein, er habe ihr dann den Vizepräsidentinposten angedient, weil sie im Bereich Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit Kompetenzen habe. Diese beiden Themen und Klima und Personal sollen ihre Aufgabenbereiche sein. Dies seien schöne Begriffe mit komplizierten Details. Sie habe mal zur Verdeutlichung ein Kinderbuch mitgebracht, „Die Geschichte einer Straße„.

Dieses Buch zeige die Ansicht einer Straße von der Steinzeit, als alles schön grün gewesen sei, bis zur heutigen Zeit und wie dazwischen die Menschheit gewirkt habe. Sie schenkte es dann Oke. 

Was sei denn eigentlich Nachhaltigkeit? Sie sei das Gegenteil von kurzfristigem Handeln; man müsse dafür nicht nur an sich denken, sondern auch 50 oder 100 Jahre in die Zukunft. Man wolle dies auf der Welt umsetzen und beim FCSP. Man wolle umweltfreundlich und sozial gerecht werden. 

[Die direkten Widersprüche zu dem Tagesgeschäft Fußball, in dem Spieler ständig von A nach B reisen und dies aufgrund von engen Terminkalendern mehr als häufig mit dem Flugzeug, selbst wenn nur 250 km zu überwinden sind, müssen wir nicht weiter erörtern, oder? Auch bei „sozial gerecht“ gibt es offene Widersprüche, denn Fußballvereine nutzen viele Arbeitsverhältnisse mit relativ geringen Bezahlungen und beschäftigen gleichzeitig junge Männer mit Millionengehältern. Auch wenn ich denke, dass der FCSP hier garantiert nicht die größte Sau ist, unterliegt auch er dem absurden Kostendruck dieses Business und wird sich dem nicht ganz entziehen können. Und ob dieses Business insofern „sozial gerecht“ ist bzw. sein kann, kann man sehr gut bezweifeln.]

Sie sei Vize auf Probe gewesen und ihre Probezeit könne nun verlängert werden und im Dezember werde sie dann voll gewählt. Sie sei von allen Kolleginnen und Kollegen und allen Mitarbeiter*innen offen und super toll aufgenommen worden. Man habe Projekte anstoßen können – dabei sei DIIY das Flagschiff -, sie wolle nun der Booster sein für mehr solche Projekte, wolle Tipps geben. 

Es wurde dann nach ihrem Fußballbezug gefragt. Sie antwortete, dass ihr Vater gespielt habe, dass ihre Söhne in Billstedt spielen würden und sie selber nicht-organisiert und mit ihrer Firma spiele. Dies wolle sie aber nicht an die große Glocke hängen, da sie ihr Engagement beim FCSP strikt von ihrer Firma trennen wolle. 

[Firma könnt ihr googlen. Ich finde das nebenbei sehr sympathisch, dass sie im Bezug auf ihr Unternehmen so denkt. Wenn ich das richtig sehe, ist ihre Unternehmung auch nicht Sponsor des FCSP.]

Etwas später wird Jörn Sturm bei der Quotendiskussion den hier gelegten Elfmeter verwandeln, weil er sagen wird, dass es sehr typisch sei, dass eine Frau nach ihrem Fußballbezug gefragt würde, dies würde man nie bei einem Mann machen. Jetzt konnte man bisher den Praxistest nicht machen, denn bisher waren ALLE Bewerbungsreden beim FCSP ungefähr so aufgebaut „Ich bin XYZ, ich bin XX Jahre alt, stehe seit YY Jahren auf der Gegengerade, bin verheiratet und meine Kinder heißen Paul und Paula und das hat natürlich FCSP-Bezug.“ Da würde sich die Frage natürlich nicht mehr stellen. Aber mal unter uns: Selbst wenn man glauben würde, dass so eine Frage auch Männern gestellt würde (ich sage mal „Nein, wird sie nicht“): Es war ein so schöner Elfmeter, den musste jemand rein machen. 

Jetzt ab davon: Es ist so erfrischend, wenn sich mal jemand nicht an das oben beschriebene Muster hält. Esin erwähnt ihren Mann, weil er in die Geschichte passt, ihre Söhne auf Nachfrage. Sie dreht sich in ihrer Rede um ihre Kompetenz, die sie einbringen will. Das ist doch eigentlich genau das, was ich als Wähler wissen will! Nun muss ich als Wähler entscheiden, ob ich so eine Kompetenz in meinem Verein brauche (Ich würde sagen: Ja!) und ob mich die Vorstellungsrede überzeugt hat. Selbst wenn sie nach ihrer kommissarischen Ernennung zum ersten Mal in ihrem Leben einen Fußballplatz betreten hätte macht es sie ja für das Ziel, das man mit ihrer Nominerung und Wahl verfolgt hat, nicht ungeeigneter. Ganz im Gegenteil – aufgrund des oben aufgezeigten Zielkonfliktes ist es vielleicht selbst besser, wenn der zuständige Mensch nicht aus dem Fußball kommt. Die Rede an sich war vielleicht nicht perfekt, da war auch viel Nervösität spürbar, aber das mindert die erfrischende Sachorientiertheit echt nur im geringsten Maße.]

Danach ein kurzer Paulimoment, weil sich irgendein Typ mit einem wirren Beitrag zu Wort meldet, den Oke elegant abmoderierte. Danach gab es keine Fragen mehr. 

Es wurde dann mit dem Stimmzettel Nr. 1 gewählt. [Es gab nebenbei vier vorbereitete Stimmzettel an der Wahlkarte und wir alle hätten gerne fünfmal schriftlich abgestimmt, nur um zu sehen, wie es dann gelöst worden wäre.]

Anwesenheit

Es waren um 13:22 446 Mitglieder anwesend und davon waren 441 stimmberechtigt. 
[Wie jedes Jahr mein Respekt an die 5 nicht stimmberechtigten Mitglieder, die sich das antun. Aber irgendwie ist das auch unbefriedigend. Wir sind ein Verein von 30.400 Mitgliedern und hier sitzen gerade mal 1,5% rum und ändern die Satzung? Auf der einen Seite ist das ja gut, weil das andere Paulimomente verhindert. Auf der anderen Seite wünscht man sich doch eine breitere Beteiligung und eine breitere Mitnahme aller Mitglieder. Hier gibt es noch viel zu tun, auch wenn mit Onlineveranstaltungen (neudeutsch „Townhalls“) garantiert ein richtiger Schritt in Richtung „Mitnahme“ gemacht wurde. Ich würde mir wünschen, dass wir irgendwann da mit 6.000 Menschen sitzen und trotzdem die gleichen Beschlüsse fassen. Das würde dem Ganzen doch sehr viel mehr Kraft geben. Und ich habe immer noch Angst vor einer MV so Köln-, Bochum- oder Stuttgart-Style, wo über Presse und Geschenke plötzlich der Mob mobilisiert wird, eine Ausgliederung an allen Leuten, die Jahrzehnte im Verein gearbeitet haben, vorbei beschlossen wird und irgendein reicher Sack sich an dem Verein verlustieren kann.]

Die Ehrungen

Es wurden insgesamt 62 Mitglieder für 25jährige Mitgliedschaft geehrt. Nach meiner Zählung davon 53 Männer und 9 Frauen (nach Vornamen beurteilt), darunter einige bekannte Namen, wie z.B. eine AFM-Radiostimme, ein Ex-Trainer und Manager, ein Ex-Spieler (und kurzfristiger Vizepräsident), ein ehemaliger Stadionmanager (wurde der nicht schon letztens geehrt?) etc. pp. 

[Ich bin immer wieder bei ehemaligen Angestellten des Vereines (seien es nun Spieler, Trainer und/oder in anderen Kapazitäten) positiv überrascht, dass anscheinend soviel Herz im Verein geblieben ist, dass man eine Mitgliedschaft behält. Ich mag das. 

Wie man 50, 60 oder selbst 70 Jahre in diesem Verein Mitglied sein kann, wird mir immer unerklärlich bleiben. Ich müsste 77, 87 oder 97 werden, damit ich das erreiche. Karl-Heinz, Ronald, Rainer, Frank, Horst, Ralph (alle 50 Jahre), Hans, Horst (beide 60 Jahre) und Walter (70 Jahre): Schön, dass Ihr so lange dabei seid, alles Gute, und ganz viel braun-weiße Herzchen. 
Ich will hier nicht verheimlichen, dass ich dafür bin, die Ehrungen vor einem geeigneten Publikum durchzuführen. Wir werden spätestens in drei Jahren die 25jährigen Mitgliedschaften nicht mehr individuell auf einer MV ehren können, weil es einfach zu viele wären, aber die 50, 60 und 70 Jahre irgendwo verschwinden zu lassen und nicht mehr vor dem höchsten Gremium des Vereines zu ehren, wäre für mich eine Sünde am Vereinsleben.]

Aufgrund von Corona gab es wenige allgemeine Leistungsnadeln oder sportliche Leistungsnadeln. 

[Ich sehe die allgemeine Leistungsnadel immer noch ein bisschen kritisch (siehe dazu die Vorjahre), aber wenn sie einer verdient hat, dann ist es der Paupi. Und er bekam sie. Der Paupi. Setzen Sie an dieser Stelle bitte ganz viele Herzchen ein.]

Die einzige sportliche Leistungsnadel an die fussballernden 4. Herren bezog sich auf einen Aufstieg am Grünen Tisch. Die Truppe hatte darum gebeten, auf ihrer Abteilungsversammlung geehrt zu werden, und ich gehe mal davon aus, dass dabei eine Runde Getränke auf den Mannschaftsdeckel ging. 

Uhrenvergleich

Als wir diesen Tagesordnungspunkt beendeten, war es 14:18. 

Ergebnis Vizepräsidentin

Es wurden 425 Stimmen abgegeben, 413 Ja, 12 Nein; letzteres ging im Jubel mehr oder minder unter. Ebenso die Frage, ob Esin die Wahl annehme. Kristian meinte nur, dass sich dies angesichts der Glückwünsche wohl erübrige. 

Die Anträge

Für die Anträge waren wir hier und für die Anträge sind wir geblieben. Und die nächsten vier Stunden (und 2/3 der handschriftlichen Aufzeichnungen) drehten sich um diese. 

Exkurs

Habt Ihr euch mal ernsthaft § 15 unserer Satzung durchgelesen? Der ist schon echt harter Stoff. Folgende Punkte sind echte Highlights: 

Einfache Anträge sind bis zwei Wochen vor der MV zulässig, danach nur noch als Dringlichkeitsanträge. Und dies nach der herrschenden Auslegung selbst dann, wenn sie den ursprünglichen Antrag ändern. Diese Auslegung ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach nebenbei falsch. Sinn und Zweck von Antragsfristen ist, dass man sich auf die Anträge vorbereiten und kein Thema überraschend auf die Tagesordnung gesetzt werden kann. Das ist bei Änderungsanträgen kein Problem. Jeder Mensch weiß, welches Thema da beantragt wird. Dafür spricht auch, dass unsere Satzung Änderungsanträgen zu Satzungsänderungsanträgen eine eigene Frist gibt. Und diese dann selbst nur eine Woche ist. Sprich: Ich kann auf einen misslungenen Satzungsänderungantrag noch bis eine Woche vor der MV reagieren, auf einen misslungenen normalen Antrag nicht. Dafür geht eine Satzungsänderung auf der MV nicht mehr via Dringlichkeitsantrag. Was für ein Chaos! 

Das ist insbesondere deswegen unglücklich, wenn eine Vorab-Diskussionsveranstaltung logischerweise nach Ablauf der Antragsfristen stattfinden muss und ein*e Antragssteller*in dann nicht mehr auf konstruktive Kritik reagieren kann, ohne gleich einen Dringlichkeitsantrag stellen zu müssen.

Die Fristen werden mit „zwei Wochen vor dem Tag der Mitgliederversammlung“ definiert. Das wird nach herrschender Lesart im Verein so gelesen, dass zwei Wochen vom Tag vor der MV zurück gerechnet wird, die Frist also bei einer samstäglichen MV am Freitag zwei Wochen vorher endet. Diese Formulierung ist unüblich und § 188 BGB regelt das für den gesetzlichen Normalfall genau anders. Sinn war wahrscheinlich, für eine MV am Wochenende keine automatische Fristverkürzung zu haben, denn Achtung: Fristen enden nicht am Wochenende!, aber so richtig sinnvoll ist es trotzdem nicht. Und ist – wie eben schon geschrieben – auch auslegungsfähig. 

Jedes stimmberechtigte Mitglied kann einen weiteren Punkt auf die Tagesordnung setzen (§ 15 Nr.5) und ja, Ihr guckt jetzt genauso bedröppelt aus der Wäsche wie ich. Nein, da ist keine Abstimmung oder Zustimmung der MV vorgesehen. Auch das Präsidium oder wer auch immer kann nix dagegen machen. Falls Ihr also mal eine MV sabotieren wollt, hier ist Eure Chance. Tagesordnungspunkt nächste MV „Was ist ein Derby und wo endet Norddeutschland“ {OSNABRÜCK IST JEDENFALLS KEIN DERBY. Sorry, kurzer Exkurs der Kollektivlektorin.}

Unsere Satzung formuliert „Anträge müssen fristgerecht vor der Mitgliederversammlung schriftlich eingereicht werden und sind von mindestens einem Mitglied namentlich zu unterzeichnen.“ Das wird von der gelebten Praxis so interpretiert, dass eine einfache E-Mail reicht. Auch das kann man sehr gut anders sehen, denn § 127 BGB iVm mit § 126a BGB regelt für den „Zweifel“ genau das Gegenteil, nämlich das nur eine qualifizierte elektronische Signatur ausreicht. Und die Zweifel, wie unsere Satzung das meint, habe ich. Ich bekomme nämlich jedes verdammte Jahr mindestens einmal die Frage, ob eigentlich eine E-Mail reicht. Was das Ganze noch schöner macht: An welche E-Mailadresse soll das denn eigentlich gehen? Denn in den Einladungen wird nie eine genannt. 

Und so weiter und so fort. Wir müssen hier ran. 

Exkurs Ende

Die ganzen Formalien erläuterte Kristian noch mal und erklärte dann, dass er die Anträge darauf geprüft und zugelassen habe. 

[Noch so eine sehr offensichtliche Lücke, denn das ist in unserer Satzung mal wieder gar nicht geregelt. Wer macht das eigentlich? Und so sehr ich Kristian schätze, das ist eine Stelle, an der riesig Schindluder getrieben werden kann. Ich wäre ja immer noch dafür, ein Gremium namens „Antragskommission“ zu schaffen, das Anträge formal (!!!) prüft und die Antragssteller*innen ansonsten unterstützt und auch mit ihnen redet, gerade wenn der Antrag formal keinen Sinn ergibt oder besser gestellt werden könnte. Das würde auch das Präsidium und die Geschäftsstelle entlasten, die nun häufig genug diesen Part übernimmt. Zugegeben sei, dass auch so eine Prüfungskommission nicht ohne Probleme ist. Siehe dazu die akute Fragestellung bei Union Berlin.https://www.textilvergehen.de/2021/09/15/union-schraenkt-mitbestimmungsmoeglichkeiten-seiner-mitglieder-ein/ Ein wichtiger Aspekt so eines Gremiums ist wahrscheinlich, das es nicht vom Präsidium und/oder AR für eine Abmoderation von unliebsamen Anträgen missbraucht werden kann. Gerade „rechtliche Umsetzbarkeit“ lassen da ganz viel Spielraum für Schindluder.]

Aufwandsentschädigung

Zum Glück war der „Wir wollen eine Aufwandspauschale“-Satzungsänderungsantrag, der zwischenzeitlich mal auf der Homepage zu sehen war, zurück gezogen worden. Ich habe den – glaube ich – nie wirklich behandelt. Der war auch Unsinn, denn wie Christiane erläuterte geht das bereits jetzt schon auf Basis der vorhandenen Satzung, wenn denn die Abteilungen ein entsprechendes Budget haben. Und da haben die ja auch eine gewisse Autonomie. 

DFB-Anforderungen

Christiane begann ihre Begründung damit, dass sie heute die prickelnden Anträge stellen müsse. Man müsse den § 3 unserer Satzung verändern, weil der DFB das so verlange. Das sei eine Anforderung des DFB. Zur Zeit passe die Satzung nur für Liga 1 und 2, daher müsse man diese Erweiterung vornehmen, um die Richtlinien zu erfüllen. Das sei sehr technisch, aber man stelle sich mal vor, die erste Mannschaft steige auf und die zweite könne dann nicht in die 3. Liga, weil man die Satzung nicht geändert habe. 

[Meinen Unmut darüber, was sich der DFB hier raus nimmt, habe ich bereits in der Vorberichterstattung deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich verweise darauf.]

Es gab eine halbe Gegenstimme, weil unser Präsident seine Karte noch hoch hielt, als nach „dagegen“ gefragt wurde. Viele werden das als „gepennt“ interpretiert haben, ich interpretiere das als ausdrückliche Protestgeste. Danke dafür. 

Und es gab eine Enthaltung. Damit war der Antrag angenommen und unsere Satzung auch für den DFB wieder passend. 

Gemeinnützigkeit

Gleich über dem DFB steht in der Beliebtheit das Finanzamt, und damit durften wir uns dann beschäftigen. 

Wieder durfte Christiane ihre prickelnde Rolle einnehmen. Dies sei sehr juristisch: Das Finanzamt habe den FCSP aufgefordert tätig zu werden, man müsse sich an das Muster aus der Anlage 1 zu  § 60 Abgabenordnung (AO) halten und tue dies nicht. Die Mustersatzung müsse wortwörtlich abgeschrieben werden. Die Änderungen würden zu einer Übereinstimmung mit den §§ 1 und 2 der Mustersatzung führen. 

Weiterhin müsse man die Ablehnung von Mitgliedern anders regeln, man dürfe seine Mitgliederanzahl nicht künstlich klein halten, da man sonst nicht die Allgemeinheit fördere. [Hallo, Finanzamt Leipzig, bei Euch ist etwas falsch!]

Auch § 35 müsse man anpassen, damit er dem Wortlaut des Musters entspreche. Dies habe alles steuerliche Gründe und sei sehr technisch, aber auch sehr wichtig, um die Gemeinnützigkeit zu erhalten. 

Kristian fragte dann, ob es Steuerberater*innen gäbe, die noch etwas beitragen wollten und dem Autor dieser Zeilen juckte es kurz in den Fingern, aber nein, das ist schon alles so okay. 

[Diese Muster sind nebenbei das letzte Mal 2009 in der AO geändert worden. Es ist schon bemerkenswert, dass es 12 Jahre lang weder dem Finanzamt noch irgendwem im Verein aufgefallen ist, dass unsere Satzung da falsch ist. Und wir hatten zwischendurch eine Betriebsprüfung und die Fahndung im Haus und haben die Satzung diverse Male geändert.]

Hier fand sich weder eine Gegenstimme noch eine Enthaltung. Unsere Satzung ist damit auch wieder schick für das Finanzamt. 

Besondere Vertreter*innen / Oke: „bis 2040 in der Champions League“ 

Es folgte der erste „brisantere“ Antrag: Die besonderen Vertreter*innen. Oke trat vor zur Begründung. 

Man wolle besondere Vertreter*innen einführen. Dies sei das Ergebnis von langen Konsultationen zwischen Präsidien und Aufsichtsräten, auch schon von Präsidien vor dem jetzigen. Der FCSP ist ein e.V., der mitgliedergeführt ist, und das soll er auch bleiben. Aber er wächst und es gibt wachsende Themen, und man muss sich fragen, wie so etwas weiter im Ehrenamt bei der Haftung der Präsidiumsmitglieder geleistet werden kann. Er wolle diesen Moment auch nutzen, um seinen Präsidiumsmitgliedern [er nannte die Namen] zu danken. 

[Ich werde dieses Haftungsargument als zentrales Argument nie wirklich ganz nachvollziehen können. Ja, es gibt eine Haftung von Vereinsvorständen und ja, die bezieht sich auf das gesamte Privatvermögen. Auch gegenüber Dritten. Im Innenverhältnis zwischen Verein und ehrenamtlichen Vorstand ist sie jedoch auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begrenzt (§ 31a BGB) und bei der Klage eines Dritten wird der Verein, für den gehandelt wurde, seine Vorstände im Innenverhältnis eigentlich immer freistellen müssen. Beispiel: Vorstand handelt für den Verein, baut eine Sportstätte, daran verletzt sich jemand, das geschieht wegen einer leichten Fahrlässigkeit durch den Vorstand. Der Dritte (der nebenbei nicht Vereinsmitglied sein darf, siehe § 31a Abs. 1 S.2 BGB) könnte nun den Vorstand direkt verklagen. Mein doofes juristisches Gefühl sagt mir aber, dass der Verein hier sein Organ freihalten müsste (nicht geprüft). Es bleiben also echt nur relativ wenig Fälle, wo eine solche Haftung bei einfacher Fahrlässigkeit wirklich relevant werden könnte. Und diese Fälle könnte man versichern. Viel gefährlicher sind da Haftungen wegen Insolvenzverschleppung oder gegenüber der Steuer, aber die bekommt man auch durch besondere Vertreter*innen nicht weg.

Wenn Ihr mich fragt, ist das Argument ein bisschen anders richtig: Es ist schlichtweg irgendwann grob fahrlässig, einen solchen Verein mit diesen Umsätzen nur ehrenamtlich führen zu wollen, was eine Haftung auslösen würde. Denn das ist ein grobes Organisationsverschulden. Und deswegen muss man irgendwie handeln.]

Oke führte weiter aus, dass die MV das oberste Gremium sei und das Präsidium das operative Gremium. Die Entwicklung sei immer vielfältiger, man müsse daher mehr ins Hauptamt legen, so könne man ehrenamtlich nicht weiter machen. Alle Präsidiumsmitglieder hätten Jobs, die sie auch noch nebenbei machen müssten. Man habe dann zu wenig Zeit für immer größere Komplexe und für die Herausforderungen. Man müsse das zukunftsfähig machen. 

[Das war schon mehrfach Thema und diese Sätze unterstreichen noch mal eine Offensichtlichkeit. So wie bisher können wir nicht guten Gewissens weitermachen als Verein.]

Seit 2015 versuche man, Leitplanken für ein zukunftsfähiges Konzept einzuziehen. Diese seien, dass man ein mitgliedergeführter Verein bleiben wolle, der unabhängig von Personen im Präsidium sei, der nachhaltig und stabil sei und bei dem das Ehrenamt entlastet und das Hauptamt gestärkt werde. 

[Ich wiederhole mich da, aber eine der Stärken des Präsidenten Oke ist, dass er auch mittel- und langfristige Dinge auf die Agenda hebt und durchzieht. Das habe ich bei vorherigen Präsidenten so nicht erlebt. Das ist jetzt nicht mal zwingend eine Kritik an diesen, denn viele hatten einfach das Thema „Stadionbau“ als wichtigstes Thema, ohne das viele nun angestoßene strukturelle Dinge gar keinen Sinn ergeben hätten oder gar nicht möglich gewesen wären. Aber so wenig zielstrebig Okes Sätze auch sind, so zielstrebig ist er in diesen Themen und ist da immer am Ball geblieben. Natürlich läuft da auch mal eine Idee ins Nichts (viele Grüße an die Genossenschaft), aber das lässt sich nicht vermeiden, wenn man so einen Tanker wie den FCSP bewegen will. Ich bin gespannt, was da noch kommt, denn neben der „Professionalisierung“ steht „Kapitalisierung“ gerade nach Corona immer noch groß auf der Agenda. Ob man nun will oder nicht.]

Als Lösung habe man sich nun die besonderen Vertreter*innen nach § 30 BGB gesucht. Sie seien vorgesehen für gewisse Geschäfte, seien hauptamtlich angestellte Mitglieder des Präsidiums und dem ehrenamtlichen Präsidium weisungsgebunden. 

Warum? Man spiele im Profifußball, habe über 275 Mitarbeiter*inenn in Vollzeit und mehrere 100 in Teilzeit. [Später war in einer anderen Rede von insgesamt 275 Vollzeitäquivalenten die Rede und das scheint mir die richtigere Zahl zu sein. Ich habe das Gefühl, dass Oke die hier falsch übersetzt hat.]

Dies sei im Ehrenamt schwerlich machbar. Diese Führungsstruktur sei nicht mehr zeitgemäß, man müsse die Hauptamtlichkeit stärken und damit auch das ehrenamtliche Präsidium möglich machen. Die besonderen Vertreter*innen würden Verantwortung und Haftung übernehmen und so auch im Sinne der Mitgliedschaft eine soziale Diversität im ehrenamtlichen Präsidium erlauben. Man wolle, dass alle Menschen in die Gremien gehen können, dies werde so möglich und man könne dann die Gesellschaft komplett repräsentieren. Zur Zeit repräsentiere man nur einen Teil der Gesellschaft, der Unternehmer*in ist und sich das Amt leisten kann. 

So sei eine weitere Partizipation der Mitglieder durch das ehrenamtliche Gremium ermöglicht und die Zukunft als ehrenamtlicher Verein bliebe so am besten gewährleistet. 

Dies sei die besten Möglichkeit aus zwei Welten: Man habe dann unabhängige ehrenamtliche Präsidiumsmitglieder und hauptamtliche. Man schaffe eine enge Verzahnung, aber keine neuen Hierachien. [Das habe ich mir mit ein bisschen Erstaunen aufgeschrieben.]

Das ehrenamtliche Präsidum könne dann weniger kleinteilig tätig – als Beispiel nannte er das Steuerrecht – und dann eher langfristig strategisch tätig werden. 

Zur Zeit hafte das Präsidium komplett privat, die besonderen Vertreter*innen würden auch eine Haftung übernehmen. 

[Ketzerisch könnte man jetzt sagen: Eine solche Trennung wäre auch ohne besondere Vertreter*innen komplett möglich. Man müsste nur als Präsidium sich nicht kleinteilig in jeden Scheiß einmischen wollen. Aber das ist natürlich viel Theorie und Praxis, und die Überlegungen, die Oke hier anstellt, sind richtig.]

Welche Pflichten/Rechte hätten die besonderen Vertreter*innen: Sie würden haften, hätten aber auch ein Stimmrecht im Präsidium und damit Einfluss. Die gewählten Mitglieder hätten aber immer die Mehrheit, daran ändere sich nichts. Diese besonderen Vertreter*innen sollten für Sport, Finanzen, Vertrieb und Recht zuständig sein. Eine Vertretung nach außen werde nur mit einem gewählten Mitglied des Präsidiums möglich sein. Eine Abweichung davon sei nur mit Zustimmung des ARs möglich und auch wieder entziehbar. 

[Machen wir uns nichts vor: Wenn das Ganze eine Arbeitserleichterung für die ehrenamtlich tätigen Menschen bringen soll, dann wird man von der Einzelvertretungsbefugnis umfangreich Gebrauch machen müssen. Und das ist auch nicht schlimm. Wenn man mehr strategisch arbeiten möchte als gewähltes Präsidium, dann sollte möglichst wenig Zeit dafür drauf gehen, dass man ständig irgendwo bei jedem alltäglichen „Kleinkram“ zustimmen muss. Wichtig sind bei so etwas gut definierte interne Grenzen und ein Vertrauen in die bestellten besonderen Vertreter*innen. Liegt dies nicht vor und/oder man beteiligt sich doch wieder an jedem Alltagsgeschäft, dann bringt der ganze Wumms aber mal so gar nichts.]

Die Zustimmungspflicht des Aufsichtsrates bleibt unberührt. Es könne maximal vier besondere Vertreter*innen geben, die vom Präsidium und Aufsichtsrat bestimmt würden, diese würden maximal vier Jahre eingesetzt, eine Verlängerung sei aber unbegrenzt möglich. Ihre Anzahl sei immer geringer als die der gewählten Mitglieder des Präsidiums; ein Überstimmen sei damit nicht möglich. Wenn sich die Anzahl der gewählten Vertreter*innen verringere, dann dürfe dieser Zustand nur vier Wochen ohne Zustimmung des Aufsichtsrates und längstens bis zur nächsten MV bestehen. Es gelte dann, innerhalb von vier Wochen den richtigen Zustand wieder herzustellen. 

[So richtig rund klingt das für mich immer noch nicht, aber es ist halbwegs praktikabel geregelt. Problem ist natürlich: In vier Wochen kann sehr viel geschehen und sehr viel beschlossen werden. Und so ein richtiger Leidensdruck für eine Vizenachbesetzung kommt da bei den beteiligten Parteien auch nicht wirklich auf. {Die Nachbesetzung des Postens von Joachim Pawlik hat übrigens fast ein Jahr gedauert; am 30.06.2020 wurde der Rücktritt von Joachim bekannt, am 04.06.2021 wurde Esin Rager kommisarisch in das Präsidium berufen. Hätte man zu dem Zeitpunkt 4 besondere Vertreter*innen gehabt, hätte man das spätestens zur MV 2020 ändern müssen. Und wie ihr von oben sicherlich erinnert, hat Oke sich sowieso erst im Januar 2021 erstmalig per SMS an Esin gewendet.}]

Die Änderung hätte viele Vorteile, so dass man auf das Wachstum der letzten 10/20 Jahre reagieren könne. Man müsse auch in Betracht ziehen, dass dieses Wachstum so weiter gehe. Mit diesen Änderung bliebe man da handlungsfähig und würde die Zukunft sichern. Das Ganze sei personenunabhängig. Man wolle sich erst Strukturen und Satzungen anschauen und dann über Personen reden.  

[„Wachstum so weiter gehe“ übersetzt heißt das für mich „Oke G. fordert Einzug in die Champions League bis 2040“. Daher die Zwischenüberschrift. Und das nimmt nun bitte niemand ernst. Mehrfach wird auch in der Folgezeit betont, dass man noch nicht über Kandidat*innen gesprochen habe, aber ganz ehrlich: Da halte ich für sehr unwahrscheinlich. Man schafft solche Strukturen NIE in einem Vakuum und setzt sich danach hin und überlegt, ob man überhaupt Kandidat*innen habe und/oder diese suchen müsse. Auch gerade weil sich nach der ganzen  Begründung sofort zwei Kandidaten benennen lassen, und zwar Bernd von Geldern und Andreas Bornemann. Auch gerade weil man wohl bei beiden sicher sein kann, dass sie den Verein verlassen würden, wenn nicht sie diesen Titel bekämen, sondern jemand Anderes. Man stelle sich mal vor, man würde nun BvG zum besonderen Vertreter machen und Borni nicht. Wie lange, bis die Hamburger Presse „Misstrauen an Bornis Arbeit?“ titeln würde? Ich würde sagen: 0,1 Sekunden. Wer jetzt einwendet „aber warum dauert das denn nun nach der MV so lange, bis die bestellt werden?“, dem sei gesagt, dass die Änderung erstmal ins Vereinsregister eingetragen sein muss und so etwas dauert.]

[Technischer Hinweis: Ich habe mir leider nicht kenntlich gemacht, wann genau wir in die Fragerunde eingestiegen sind, ich meine ab hier. Ich bin leider nicht sehr gut im Fragen mitschreiben, daher ab hier die Wiedergabe von dem, was ich mir „oh, das ist interessant“ aufgeschrieben habe. Es geht jetzt auch die zeitliche Reihenfolge ein bisschen durcheinander, weil ich teilweise Antworten zusammenfasse. Es ist also keine direkte Wiedergabe.]

Oke widmete sich nochmal dem Thema „Wer berichtet an wen“. Das Präsidium solle sich den strategischen Entscheidungen widmen, der Alltag solle von den besonderen Vertreter*innen geführt werden, das aber alles in enger Abstimmung. Dies sei die Fortführung unserer Ausrichtung seit 2 Jahren, man wolle das Ehrenamt stärken und Wege verkürzen. [Zahl kann auch eine andere sein, da kann ich meine Schrift echt nur bedingt lesen, also bitte mit Vorsicht genießen.]

Frage: Warum keine externen Expert*innen für einzelne Themen statt besondere Vertreter*innen, dies wäre doch das beste aus allen Welten?

Antwort: Man werde auch weiterhin Expert*innen für Themen dazu holen. Aber da spreche man von begrenzten Tätigkeiten und einem Blick von außen von Personen, die den Verein und seine Menschen nicht kennen. Die besonderen Vertreter*innen seien aber Mitglieder im Verein, würden diesen kennen und seien auf vier Jahre bestellt. Wenn man unzufrieden sei, könne man das Anstellungsverhältnis beenden und die besonderen Vertreter*innen abbestellen. Wichtig sei, dass hier nicht das Kündigungsschutzgesetz greife, so dass jederzeit gekündigt werden könne, weil das Geschäftsleitungsposten seien. Ein*e besondere Vertreter*in schließe ein Dienst- und Anstellungsverhältnis und werde entsprechend vergütet, wahrscheinlich besser als Geschäftsführer*innen und Leiter*in. Ob man die Stelle, die bei einer internen Beförderung frei werde, neu besetze, müsse man auch mal sehen, damit habe man sich noch nicht beschäftigt. 

Aus einer anderen Antwort dazu: 

Man bewege sich weiterhin im gesetzten Budget, man müsse gewährleisten, dass man wirtschaftlich bestehen könne. Man werde nicht unvernünftig bezahlen, aber wenn man sich für Menschen entschieden habe, dann müsse man die auch bezahlen wollen. Egal ob nun einer mehr oder weniger verdiene, man wolle im jetzigen Budget bleiben. 

[Viele Fragen drehten sich im Endeffekt um das „was kostet das?“, was aus meiner Sicht immer etwas schwierig ist. Gutes Personal kostet Geld, und wenn es Verantwortung übernehmen soll, dann muss es entsprechend vergütet werden. Und solche Vergütungen regelt halt auch „der Markt“. Wenn Bornemann Gehalt XYZ fordert, dann kann man halt als Verein auch sagen „Nein, Borni, das zahlen wir nicht, denn einen Ersatzmanager bekommen wir auch für 50 % von XYZ“ und dabei ist es beinah egal, wie der Titel ist. Und das gilt natürlich auch anders herum. Wenn Borni irgendwo für „Manager“ 50 % mehr Gehalt bekommt, dann ist er weg. Egal, wie dann sein Titel heißt. Nur wenn das beim Geld ungefähr gleich ist machen so etwas wie Titel was aus. Noch mehr natürlich „Kompetenzen“. Es ist nebenbei eine sehr komische Sichtweise, dass im Profisport Manager und Trainer immer als unersetzlich gelten, aber in jedem anderen Beruf tut man so, als ob „Busfahrer*innen“ oder „Jurist*innen“ komplett austauschbar wären. Die Wahrheit liegt – wie immer – irgendwo in der Mitte. Auch das ist eine Erkenntnis, die sich für „personenunabhängig“ durchsetzen muss. Der Fußball ist zur Zeit davon weit entfernt. Und es ist so ein bisschen wie bei den Spielern. Wir haben gewisse Einnahmen, wir können die beinah nur durch sportlichen Erfolg steigern, also wird man auch mal in eine Lösung von der man überzeugt ist investieren müssen. Was ich aber nicht glaube ist, dass dabei alle Grenzen und alle Vorsicht in den Wind geschissen werden. {Auch hier wollen wir nur minimal widersprechen – und das ist bei „Borni ist bei 50% mehr woanders weg“. Gibt ja sogar im nicht-sportlichen Bereich des FCSP Angestellte, die ähnliche Tätigkeiten auch im nicht-Fußball oder ggf. bei einem anderen Verein machen könnten und da auch schnell mal 50% mehr bekommen.}]

Weiterhin wurde gefragt, warum man nicht ins Hauptamt auf Präsidiumsebene begibt. Oke antwortete, dass man sich als unabhängige und direkte Vertretung der Mitglieder verstehe und dies beim Hauptamt nicht gegeben sei, und dann würden auch andere Interessen noch eine Rolle spielen. Später wurde noch nach der Mischung zwischen Haupt- und Nebenamt gefragt. Oke  sagte, dies wolle man nicht machen, weil es Machtungleichgewicht bewirke zwischen den gewählten Vertreter*innen. 

[Ich hab diese Argumente alle mal für sehr stark gehalten, über die Jahre komm ich da immer mehr zu einer anderen Meinung. Zu attraktiv ist zum einen Macht, auch im Ehrenamt. Warum sonst tun sich Menschen so schwer, bei Posten und Pöstchen loszulassen? Ich glaube nicht, dass eine Bezahlung da so einen riesigen Unterschied macht. Auch dieses Machtungleichgewicht wird immer bestehen, ob man das Kind nun „besondere Vertreter*innen“ oder „hauptamtliche Vize“ nennt. Aber man kann das alles auch sehr gut anders sehen.]

Es wurde noch nach der Weisungsbefugnis gefragt und erneut antwortete Oke, dass weiterhin Aufträge an das Präsidium erteilt werden könnten, die diese aber eigenverantwortlich umsetzen müsse. Dies sei auch ein indirektes Weisungsrecht und keine Veränderung des Status Quo. 

[Gut, dass das noch mal in der MV sozusagen „für das Protokoll“ erwähnt wird. Ansonsten siehe vorbereitende Artikel.]

Die nächste Fragestellerin nannte ihren Namen und  ihre Abteilung und ließ dann das Mikrofon fallen. Kommentar hinter mir nur „Mic drop!“. Sie meinte, dass es nicht sein dürfe, dass der Status quo sich nicht ändere. Es habe ja in der Vergangenheit mehrfach Fälle gegeben habe, bei denen das Hauptamt (konkret Marketing) Dinge gemacht habe, die dann nach öffentlichen Protesten zurückgedreht wurden. Sie meinte auch zu erinnern, dass es darunter Fälle gab, zu denen das Präsidium nicht vorab informiert gewesen sei. Und nun sollten da von besonderen Vertreter*innen Verträge unterschrieben werden, die sich ggfs. nicht einfach so zurückdrehen lassen würden. Was wäre dann? Und die Mitglieder könnten ein solches Verhalten weder direkt bewerten noch hätte man die Gelegenheit, die Verursacher*innen auf einer MV (nicht) zu entlasten.

 Oke antwortete sichtlich genervt, es seien Fehler gemacht worden, mal laut, mal leise, und man werde auch weiterhin Fehler machen. Er fände aber einen Druck, dass keine Fehler gemacht werden dürften, gegenüber Ehrenamtlichen falsch, und man wolle sich da nicht unter Druck setzen lassen. Und es könne nicht jedes Mitglied ein Mitspracherecht haben wollen und gefragt werden. 

 [Ganz ehrlich Oke, es gibt immer so Momente, da möchte ich Dich schütteln. Niemand möchte Dir persönlich an die Wäsche, und nicht nur bei mir steht doch immer wieder, dass die Richtung stimmt. Reagier auf solche – nebenbei hardcore harmlose – Kritik einfach mal souveräner und entspannter und nicht so dünnhäutig unentspannt. Diese „Ihr stellt viel zu hohe Ansprüche und habt mich eigentlich gar nicht lieb“-Haltung ist so super unproduktiv. Mal ganz davon ab ist es einfach ein Umdrehen der gesagten Wörter der Fragestellerin. Überflüssig.]

Ein anderes Mitglied formulierte seine Bauchweh damit, dass auch die Bereiche Sponsoring und Vermarktung für besondere Vertreter*innen vorgesehen seien. Gerade dies seien Bereiche, in denen die Werte durchscheinen müssen, und sie habe das Gefühl, dass diese Werte da am wenigsten gelebt werden würden. Sie habe das Gefühl, dass da Briefing und Abstimmung immer wieder nicht gepasst habe und habe deswegen Bauchweh zuzustimmen, wenn diese Bereiche mit umfasst seien. 

Oke antwortete, dass man gerade mit den besonderen Vertreter*innen die Möglichkeit zum Austausch und der Kontrolle erhöhen würde; bisher seien diese Bereiche in Tochtergesellschaften angesiedelt, da sei das nicht so gut gelungen. Auch sei mit den besonderen Vertreter*innen eine bessere Transparenz möglich als in den Tochtergesellschaften. Weil auch Bedenken gegen BvG geäußert werden würden: Dieser sei über ein Jahrzehnt im Verein, kenne diesen und sei ihm verbunden wie kein anderer. Er sei ein Kenner in seinem Bereich und für die Existenzsicherung des Vereines Gold wert. 

[Natürlich ist Struktur für einen Umgang prägend. Und natürlich ist eine Tochtergesellschaft etwas anderes als eine Einbindung in ein Präsidium. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, hier wird ungefähr gesagt, dass die ganze Zeit der Schwanz mit dem Hund gewackelt hat und zur Belohnung machen wir ihn nun zum Hund. Und was Bernd von Geldern angeht: Ich habe bei dem „kennt den Verein“ immer meine Bauchweh. Ich bin da aufgrund einer Kolumne namens „Bernd am Ball“ in Zeiten der Rostock-Blockade sehr nachtragend. Und ja, seitdem sind Jahre ins Land gegangen und wir alle haben voneinander gelernt. Aber so ganz überzeugt bin ich vom „Gefühl für diesen Verein“ immer noch nicht. Dafür geht mir in diesem Vermarktungsbereich zu viel gegen dieses Gefühl. Zugegeben, „es kann alles schlimmer sein“ stimmt auch, kann aber nicht immer der Maßstab sein. Nur noch positiv? Vielleicht ist es genau das, was fehlt, um diesen Verein ganz zu fühlen, die Präsidiumssitzungen, die Themen und Vibes, die da besprochen werden. Was ich aber auch mitgeschnitten habe, dass hier ein kompletter Fachmann für seinen Bereich bei uns arbeitet. {Und wie so ein „kennt den Verein“ dann auch mal abläuft, könnt Ihr bestens hier nachlesen.}]

Sandra sprach dann für den Aufsichtsrat und meinte, dass der AR den Antrag vollständig unterstütze; sinnvoll zu führen habe im Ehrenamt seine Grenzen, man habe hier eine gute Lösung gefunden. Die Kontrolle der Mitglieder würde einmal über den Aufsichtsrat sichergestellt, der auch hier alle Zustimmungsrechte habe, auch in den Mitgliederversammlungen und den Meetings zwischendurch seien die Menschen ansprechbar und dies sei ein guter Weg. 

[Wisst ihr was mir so ganz grundsätzlich gefällt? In unserem Verein besteht eine gewisse skeptische Grundhaltung, wenn „oben“ was will. Das ist garantiert auch mal anstrengend, aber ich mag diese kritische Grundhaltung. Noch mehr mag ich, wenn „oben“ das auch weiß und beachtet.]

Weitere Stichworte der Diskussion: 

Oke „man habe kein Problem damit, Verantwortung und Haftung zu übertragen“. 

Christiane erläuterte, dass vieles auch praktische Fragen seien, denn so sei z.B. die Assistentin des Präsidiums („die Arme“) mal mehrfach durch die Stadt gejagt, um Unterschriften für einen Vertrag zu besorgen. Dieser Zustand könne vermieden werden; dies sei ein notwendiger Zugewinn. 

Die besonderen Vertreter*innen können auch kurzfristig Mitglied im Verein geworden sein. Es gäbe da keine Frist. [Gibt es bei uns nebenbei für das gewählte Präsidium auch nicht.]  

Für HVV sei nie Geld vorhanden, hier aber schon. [So ein Fragesteller. Das ist wahrscheinlich ein bisschen sehr verkürzt.]

Esin führte aus, dass zur Zeit nur Menschen diesen Job machen könnten, die ihre Schäfchen im Trockenen hätten. Man müsse wissen, dass 20 Stunden die Woche bei ihr zur Zeit schon die Untergrenze seien, und sie tue das zwar sehr gerne, aber man müsse schon in einer Position sein, (sich) dies zu leisten. Selbst sie bekäme schon 30 E-Mails pro Tag. Da helfe nur ein Timemanagment, und um Entscheidungen zu treffen, müsse man auch Zeit und Aufmerksamkeit haben. Das funktioniere derzeit so nicht, daher Menschen in die Haftung nehmen und damit Menschen ein Ehrenamt ermöglichen, die 40 Stunden arbeiten müssen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 

[Ich fand das einen ziemlich guten Einwurf, weil sie mal kurz und knapp die erheblichen Belastungen schilderte.]

Es wurde schriftlich abgestimmt, eine Pause gemacht und zur Fortsetzung um 16:11 folgendes Ergebnis verkündet: 

416 abgegebene Stimmen, daher war die 3/4-Mehrheit 312 Stimmen. Dafür waren 353, dagegen 63. Damit war der Antrag angenommen. 

[Ich habe meine Bauchweh, ich finde das an vielen Stellen immer noch etwas schwierig, aber ich kann die Motive hinter diesem Antrag komplett verstehen und die rein ehrenamtliche Führung wäre relativ schnell schief gegangen. Insofern ist das vollkommen okay. Was nun geschehen muss ist, dass das auch im Alltag gelebt werden muss. D.h. Oke und Co. müssen lernen, dass sie aus Dingen ihre Finger lassen müssen, außer sie gehen schief. Und die bald bestellten besonderen Vertreter (und ich gendere hier mal bewusst nicht, weil ich beinah befürchte, dass wir hier keine Frauen bekommen) werden ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. Wenn die komplett frei drehen, dann werden sie der Professionalisierung dieses Vereines riesige Schäden zufügen.]

Zustimmungspflichtige Geschäfte 

Sönke erläuterte den Antrag. Die Beträge seien seit 10 Jahren nicht mehr angepasst, es seien aber immer mehr Verträge, die der Verein abschließe und die unter den jetzigen Grenzen zustimmungspflichtig seien, man wolle daher weniger prüfen, dann aner da, wo es auch sinnvoll sei. Man sei ein Konzern mit 275 Vollzeitäquivalenten, da müsse auch ein gewisses Vertrauen in die handelnden Menschen vorhanden sein. Er bitte um Zustimmung. 

Die er dann bei 0 Gegenstimmen und  5 Enthaltungen, die zum größten Teil aus den Reihen des Präsidiums kamen, auch bekam.  

[Die mündliche Begründung bringt es auf den Punkt: Solche Zahlen muss man regelmäßig anpassen. Nur mal als Vergleichsgrößen: Wir hatten 2010/2011 einen Umsatz von 33 Millionen. Wir hatten letztes Jahr einen Umsatz von 53 Millionen. Und wir sprechen im Jahr 2010/11 über ein Erstligajahr und 2019/2020 über ein Corona-Jahr. Da musst du die Zahlen anpassen. Es wird sonst nicht sinnvoll.]

Die Quote

Suzann Edding begründete den Antrag. Sie seit 1993 bei den Fußballfrauen Mitglied, seit 2017 im Ehrenrat und für diesen seit 2019 in der AG Diversität. Man habe 2019 beschlossen, die aktive Beteiligung von Frauen zu fördern. Dazu habe man die AG Diversität gegründet, die zum Ziel habe, wie man Präsidium und Aufsichtsrat geschlechtergerecht bekomme. Man habe sich ausgetauscht, man habe Studien gelesen, man habe eine Umfrage gestartet, an der 1500 Fan*innen und Mitglieder teilgenommen hätten, wofür sie sich auch noch mal bedanken wolle. Ergebnis dieser Umfrage sei gewesen, dass eine hohe Bereitschaft vorhanden sei, eine Gleichstellung zu erreichen, einzig allein ob man dafür eine Quote wolle, daran würden sich die Geister scheiden. 

Auch in der AG sei man nicht immer Freund*innen davon gewesen, aber man habe feststellen müssen, dass es kein angemessenes anderes Mittel gebe, das eine Gleichstellung als Ziel in einer angemesssenen Zeit erreiche. 

Die wichtigsten Punkte des Antrages seien, dass man bei Aufsichtsrat, Ehrenrat und Wahlausschuss anteilig Frauen wählen müsse, mindestens 30%, weiterhin, dass auch das Präsidium diese Quote beachten müsse. 

[Was nach meinen Beobachtungen viele Leute noch nicht so ganz durchdacht haben ist, dass wir es hier mit einer dynamischen Quote zu tun haben. Sollten wir mehr Frauen als Mitglieder des Vereines gewinnen, dann wird auch ihre Repräsentanz in den Gremien ansteigen. Siehe dazu den genauen Satzungstext.]

Suzann führte weiter aus, dass man sich natürlich fragen könne: Warum nicht ohne Quote? Geschlecht dürfe doch keine Rolle spielen. Man habe aber festgestellt, dass viele Frauen sich die Verantwortung nicht zutrauen, dass sie glauben, als Frau nicht voll respektiert zu werden und/oder nicht das Netzwerk zu haben. Man fühle sich nicht willkommen, und es gebe hohe Hürden. Bei Männern würde man immer die Qualifikation annehmen, bei Frauen würde diese hinterfragt werden. Daher sei die Quote das wirksame Mittel, um Gremien geschlechtergerecht und diverser zu gestalten. Fragt uns gerne nach den Quellen, wir geben Auskunft. 

Die Quote sei ein deutliches Zeichen, dass wir Frauen wollen, sie sei kein „ja, aber“. Die Quote löse nicht alle Probleme, sie motiviere aber Frauen, sie stelle sicher, dass Frauen integriert werden, und sie sei ein wichtiges gesellschaftliches Signal. Die weiteren notwendigen Schritte werde die AG Diviserität begleiten. Für den Antrag seien auch das Präsidium, der Aufsichtsrat, die AFM, der Amateurvorstand und der Wahlausschuss, daher lasst uns diesen wichtigen Schritt gemeinsam gehen. 

[Eine unserer Aufgaben als Verein in der Zukunft muss es sein, für Frauen attraktiver zu werden. Wir sind weit davon entfernt, als Sportverein die Bevölkerung abzubilden. Genauso wichtig: Diese Sätze gelten genauso für andere maginalisierte Gruppen. So lange wir da nicht unsere(n) Stadt(teil) abbilden, gibt es viel zu tun. Es ist ja immer so eine Frage, wie man so einen Antrag vorstellt. Überlastet man das Ganze mit Zahlen, die sowieso sich keiner merken kann? Mache ich das Ganze ruhig? Oder kämpferisch? Die AG hatte sich für ruhig und mit der Möglichkeit, durch Fragen einzuhaken, entschieden. Und Suzann hat eine ruhige, verbindliche Art, die viel Emotion automatisch rausnimmt. Das gefiel mir. Und wird gleich noch wichtig.]

Oke ergänzte für das Präsidium, dass man den Antrag unterstütze, definitiv die Quote erfüllen wolle, man in der richtigen Situation sei und man das richtig finde und brauche. 

Kristian wies dann darauf hin, dass es eine Art Gegenantrag gebe und dieser redundant sei, wenn die Quote beschlossen würde. Deswegen bitte er jetzt um die entsprechende Begründung. 

Die Quotengegenrede

[Kurz vorab: Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich hier nun den Namen nenne oder nicht. Ich habe es im Vorbericht nicht getan, habe aber mal nachgeguckt, wie ich es über die Jahre gehalten habe. Ich habe eigentlich immer den Satz stehen, dass Namen dann genannt werden, wenn sie „vereinsöffentlich“ sind, und habe das dann immer mit einer Formulierung wie „in Amt und Würden oder aus anderen Gründen“. Und ich denke, dass diese Anforderungen bei dem zuerst sprechenden Menschen der Antragssteller*innen definitiv gegeben ist. Dies soll also kein „Outing“ oder Bloßstellen oder irgendwas sein. Sollte das irgendwer so verstehen, dann bitte ich das jetzt schon zu überdenken. Ich persönlich finde den nun folgenden Vortrag äußerst unglücklich, so unglücklich, dass er wahrscheinlich mehr Zweifler*innen überzeugt hat als der Vortrag von Suzann. Ich bin definitiv anderer Meinung als der Vortragende, aber ich finde nichts unschöner, als nun irgendwas Persönliches daraus zu machen. Die Antragssteller*innen waren anderer Meinung und haben versucht, für ihre Meinung zu werben. Dass dies voll nach hinten losgegangen ist, werdet ihr gleich sehen. Aber insgesamt sollte so ein Diskurs in einer persönlichen Wertschätzung möglich sein und ich kann den Antragssteller*innen auch immer noch die Hand reichen. Das sollten wir alle tun.]

Es sprach also Ex-Aufsichtsrat Uwe Doll. Der Aufruf dieses Namens führte im Publikum schon zu einem deutlichen Gemurmel. 

Moin liebe St. Paulianer*innen, er sei seit 1989 Mitglied, sei Mitglied im Aufsichtsrat gewesen. Die Ablehnung des Antrages liege nicht daran, dass man die Ziele nicht teile, dieses Missverständnis wolle er gleich ausräumen, man wolle eine bunte Gesellschaft, aber diese dürfe kein Dogma sein. Man würde mit einer Quote das demokratische Grundprinzip der freien und gleichen Wahlen aushebeln, und diese seien wichtiger als einzelne Ziele und eine willkürlich festgelegte Quote. 

Wenn man die Axt an die Grundfesten der Demokratie lege, um wie auch immer definierte Frauen zu fördern, dann sei das endlos und am Ende nichts mehr übrig, da man sich fragen müsse, was mit der Repräsentanz von anderen Gruppen sei [er zählte viele auf], und diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Man habe dann keine Wahl, sondern nur noch willkürlich festgelegte Gruppen, die Mandate bekämen. 

[Das rhethorische Mittel der Übertreibung wird prägend für diese Rede werden. „Ein Schneidergesell, ein niedlicher, kleiner junger Mensch, so dünn, dass die Sterne durchschimmern konnten“, um mal Heinrich Heine mit einer Übertreibung zu zitieren. Und Übertreibungen können funktionieren. Jeder Mensch, der Twitter nutzt, weiß das. Aber wenn sie nicht funktionieren, dann schlagen sie unfassbar brutal in das Gegenteil um. Ich behaupte mal, dass Populismus und Übertreibung nach dem ruhigen Vortrag von Suzann schlichtweg das falsche Stilmittel waren. Das war einfach taktisch unklug. Die Stimmung im Raum zu lesen ging hier komplett schief. 

Hätte man es sachlich versuchen können? Garantiert. Es ist natürlich schwierig bis unmöglich, gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis sachlich anzureden, aber die hier gewählte Form musste schief gehen. Dafür sitzt da halt kein Stammtisch, sondern der FCSP. 

Und natürlich liegt einem sofort „ja klar, und so etwas von einem alten, weißen Mann“ auf der Zunge. Und auch ich wollte schon ein Bingo ausrufen. Was mich insgesamt verwundert ist, dass Uwe als absoluter Kenner unserer Satzung wissen musste, wie angreifbar seine Argumentation ist. Denn unsere Satzung ist an einem ganz zentralen Punkt (der Wahl des/der Präsident*in) gerade nicht von einer freien Auswahl geprägt, die für „demokratisch“ so wichtig wäre. Diesen lässt er hier unerwähnt, aber bei einer Frauenquote stört ihn dann plötzlich ein Demokratiemangel. Denn beim Präsidium haben wir immer nur die Auswahl zwischen „friss oder stirb“, und selbst bei seiner zugespitzt weitergedachten Quote für alle maginalisierten Gruppen, die  nicht mal als Antrag zur Abstimmung vorlag, hätte man ja trotzdem noch die freie Wahl zwischen X Kandidat*innen aus den jeweiligen Gruppen. Das ist mehr Demokratie als wir zur Zeit bei der Präsidiumswahl haben.]

Die Behauptung, Frauen seien benachteiligt, sei eine falsche und vielmehr ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die Sandra aufgestellt  und gewählt hätten. Tatjana Groeteke und Sandra hätten bei ihren Wahlen jeweils das stärkste Ergebnis eingefahren, die von den Quotenfans behauptete Diskriminierung scheint es nicht zu geben. 

[Wollen wir noch mal über taktisch unklug reden? Hier Sandra ins Spiel zu bringen, die ausdrücklich den Antrag unterstützt, kann nur schief gehen. Sachlich ist das natürlich eher schwierig als Argument, denn wie Suzann gerade ausführte soll Quote ja gerade mehr Kandidatinnen bringen. Dass die sehr wenigen Kandidatinnen beim FCSP meistens auch gewählt wurden, ist kein wirkliches Gegenargument. Nebenbei wurde unsere Stadionsprecherin auch mal nicht gewählt. Und damit sind dann auch alle weiblichen Kandidatinnen für den Aufsichtsrat erwähnt, die ich in meiner FCSP-Zeit erlebt habe.]

Wichtiger seien doch die Qualifikation und die Werte des Vereines. So könnte unter Umständen auch jemand gewählt werden, der Beatrix von Storch oder Eva Hermann gleiche. 

[Sind wir hier im alten Internet? Godwin’s Law lässt grüßen. Ohne Nazi-Vergleich geht es auch bei einer Quotendiskussion nicht. Dass solche Nazis natürlich nur Frauen sein können und natürlich die Situation viel besser ist, wenn – wie in den letzten Jahren – immerhin 8 Menschen für 7 Plätze antreten, zeigt, wie weit hergeholt die Idee ist. Nebenbei: Mit dem Extrem zu argumentieren ist meistens eher schwierig. Mal ganz davon ab, dass Uwe sich hier selber ins Knie schießt, denn auf der einen Seite zu behaupten, dass Frauen bei einer Quote eigentlich immer nicht die notwendige Qualifikation hätten und auf der anderen Seite aber die beiden gewählten Frauen zu loben und Frauenförderung zu wollen, ist nicht wirklich konsequent.]

Die fachliche Qualifikation müsse im Vordergrund stehen, wolle man denn auch beim Sportchef irgendwann auf eine Quote setzen und müsse dann Bornemann entlassen? Er sei Aufsichtsrat für mehr als 10 Jahre gewesen, habe mehr als 20 Jahre aktiv mitgearbeitet und habe auch dafür gesorgt, dass man bei den Aufsichtsratswahlen nur 4 Stimmen habe und so niemand seine Leute durchwählen könne. 

[Eine Regelung, die nebenbei auf den ersten Blick sehr geil aussieht. Wenn man jedoch bedenkt, dass unsere Satzung nur in sehr wenigen Fällen im Aufsichtsrat eine qualifizierte Mehrheit vorsieht, ist das eher eine Scheinlösung. Man kann diesen Verein mit einer 4 zu 3 Mehrheit bequem leiten.]

Man wolle mehr Frauen mehr ermutigen, aber man müsse auch das Risiko übernehmen, dass man nicht gewählt werde. Verlieren können gehöre auch zur Demokratie. Er könne sich eine Vielzahl von Werbemaßnahmen vorstellen. Er verweise da auf den auch von ihm eingebrachten Antrag zu den Leitlinien. Er wolle jetzt aber schon erklären, dass dieser Antrag zurückgezogen würde, wenn der Satzungsantrag durchgehe. Nun wolle seine Mitantragsstellerin noch ein paar Worte sagen.

[Merkt ihr was? Der Quotenantrag wird damit begründet, dass man damit effizient mehr Frauen dazu bringt, sich zu bewerben. Der Gegenantrag impliziert die ganze Zeit, dass dies nicht der Fall sein werde und die wenigen Frauen, die sich bewerben würden, dann immer sofort gewählt werden würden. Mit keinem Wort werden aber die eben vorgetragenen Erkenntnisse von Studien in Zweifel gezogen oder einfach gesagt „Ich glaube nicht, dass die Quote wirksam genug ist, um eine genügende Auswahl unter den Frauen zu haben“. Ich wette nicht wirklich häufig, aber ich behaupte mal, dass wir in den nächsten Jahren immer genügend weibliche Kandidatinnen haben, um eine Auswahl zu treffen. Und vergesst nicht, dass wir bei der Aufsichtsratswahl gerade mal 8 Kandidat*innen auf 7 Plätze hatten. Es ist also nicht so, dass da nun die wahnsinnige Auswahl vorherrschte.]

Die Mitantragstellerin [deren Namen ich nach den oben aufgeführten Grundsätzen nicht nenne. Mir ist klar, dass das inkonsequent wirkt, aber es ist meines Erachtens konsequent.] ergänzte nun, dass sie nicht verstehe, dass Frauen sich nicht trauen würden. Die Quote sei eine nette Einladung für Frauen, man müsse sich mal vorstellen, die Tür würde einer Frau aufgemacht und man führe sie die Treppen hinauf, man geleite sie zu ihrem Stuhl und rücke ihn ihr zurecht, und dann sieht sie Menschen, für die das nicht gemacht wurde, die das alles selber gemacht hätten, und dies sei unfair. Gleichberechtigt sein heiße auch „gleiche Chancen“ und dies sei hier nicht der Fall, vielmehr sei dies eine Diskriminierung von Frauen.

Sie selber wolle nicht über Geschlechtsmerkmale definiert werden. Sie sei in der Sowjetunion aufgewachsen, sie habe da gelernt, dass das Ziel echte Gleichberechtigung sein müsse, Frauen müssten darüber nachdenken, die Quote jedoch sei eine zu schnelle Änderung und sei zu kurz gedacht. Damit sei außer Repräsentation nichts erreicht. Prozesse bräuchten ihre Zeit, die müsse man sich nehmen. Man sollte daher was anderes machen als die Quote. Dies sei das falsche Signal, auf dieses undemokratische Mittel zu setzen.

[Viele empfanden diese Rede als „besser“, aber ehrlich gesagt war sie damit noch lange nicht gut. Denn es ist auch schon wieder ein Jahrzehnt her, dass Frauen ans Mikrofon beim FCSP traten und deutlich auf die Unterrepräsention von Frauen hinwiesen. Was ist seitdem passiert? Und wo ist der langsame Prozess, der deutlich nach vorne geht, den man abwarten könnte? Das wäre vielleicht alles vor 15 Jahren beim FCSP noch argumentativ auf zustimmende Ohren getroffen, aber dieser Zug ist abgefahren. Zu wenig hat sich verändert.

Es bleibt auch hier die Frage, was eigentlich genau der Kritikpunkt an der Quote ist. Undemokratisch? Wie oben schon geschrieben, das ist ein schwieriges Argument. Unfair gegenüber Männern? Das ist ebenso schwierig. Auch bleiben die Alternativen extrem unklar. „Lass uns was anderes machen“ überzeugt mich immer dann am Besten, wenn es sehr konkret ist.]

Welcome to my ted talk / Die Quotenaussprache

Es folgte die Aussprache. Und ganz ehrlich, ich hätte hier Schlimmes erwartet. Und es kam doch ganz anders. Ich kürze teilweise. 

Es begann Jörn Sturm (Amateurvorstand), der erklärte, dass er auch erst gegen eine Quote gewesen, er aber nun überzeugt sei. Es habe sich das heute wieder gezeigt, wenn Esin nach ihrem Bezug zum Fußball gefragt werde – das  würde ein Mann nie. Und dies passiere so jeden Tag. Wir seien ausgrenzend, wir hätten deswegen nur 24 % weibliche Mitglieder, und wir bräuchten dringend mehr. 

[Der Autor wollte auf der MV Jörn spontan heiraten. Wie oben geschrieben geht es nicht mal darum, ob die Frage legitim war oder nicht. Sie wurde ganz konkret einer Frau gestellt, und Jörn verwandelt diesen Elfmeter zielsicher und mit Anlauf. „So gehen Populismus und Emotionen, Digga“ möchte man Uwe zurufen.]

Es folgte Stephanie Gonçalves Norberto [die für die Namensnennung hier im Bericht als pädagogische Leiterin im NLZ garantiert ein Grenzfall ist, aber ich musste diesen wundervollen Nachnamen einfach schreiben. Viele Grüße, liebe fast-Namensvetterin.]

Sie stellte sich vor und sagte, sie sei knallhart für Frauen. Weniger als 10 % aller Führungspositionen seien mit Frauen besetzt, aber 60 % aller Frauen würden sich für Fußball interessieren. Man müsse hier nur in die Reihen der MV schauen – das sei nicht divers. Diversität bedeute auch deutlich mehr als Frauen, aber sie wisse, dass dies die Antragsstellerinnen auch so sehen würden und im Blick hätten. 

Man brauche „weibliche und nichtbinäre Vorbilder für unsere Töchter, und für unsere Rabauken“. Auch für die Spieler im NLZ. Dies sei Teil der Zukunftsfähigkeit und andere Vereine seien da wesentlich weiter. Studien hätten gezeigt, dass Unternehmungen mit einer Repräsentanz von Frauen in den Führungsgremien bis zu 30 % mehr Gewinn machen würden. 

„Welcome to my ted talk“ schloss sie.

[Ich mag ja kapitalistische Argumente als Mensch, der gerade einen Gastbeitrag für ein kommunistisches Propagandamedium schreibt, nicht wirklich, aber es liegt eigentlich auf der Hand. In der eigenen Suppe zu schwimmen ist nie gewinnbringend. Und auch das durchbricht die Quote.]

[Ab hier stark gekürzt noch ein paar Ausschnitte]

Ein Mitglied optisch Typ „alter weißer Mann“ [und ich dachte noch, dass nun die Gegenrede käme] kloppte dann sehr emotional in die gleiche Kerbe. Man müsse nur hören, was bei Spielen der Jugend so in den Kabinen geredet werde – da seien Sexismus und andere Diskriminierungen an der Tagesordnung. Dies müsse sich ändern und dafür bedürfe es Frauen als Vorbilder. Man müsse auf der Führungsebene Frauen erzwingen, da Männer die Macht nicht abgeben wollen. Wir müssen Frauen unterstützen, dafür gibt die Quote Hilfe. „Frauen verändern die Welt.“

Ein weiteres Mitglied meinte, man brauche nun die Quote. Vielleicht in Zukunft nicht mehr, aber nun brauche man sie. 

Viele Redner*innen empfanden die 30 % selbst als zu wenig und regten eine 50 % Quote an. Ein im Rollstuhl sitzendes Mitglied führte an, dass sie als Frau und Rollstuhlfahrerin genug diskriminiert werde, auch in diesem Verein. Davon müsse man weg, und dafür brauche man die Quote. 

Was aber ausblieb: Ein anderer Beitrag gegen die Quote. Oder er ist mir und meinen Back-Ups komplett entgangen. {Dann ist dieser auch dem Kollektiv entgangen, wir halten das daher mal für ausgeschlossen.}

Kristian sah dann keine Notwendigkeit für eine schriftliche Abstimmung. Aus der Versammlung wurde noch eine schriftliche Abstimmung gefordert, diese aber mit einer klaren Mehrheit abgelehnt.  

Der Antrag an sich wurde dann bei 5 Gegenstimmen angenommen.

[Wow! Was für ein Erfolg. Hätte ich in dieser Klarheit nicht für möglich gehalten. Glückwunsch an die AG Diversität und auch Glückwunsch an einen Teil des magischerfc-Kollektivs, die diese Idee mal aufgebracht hat. So ein Antrag bedarf sehr vieler Reden und braucht sehr viel Zeit, denn auch wenn am Ende alle Gremien diesem Antrag zustimmten, bedurfte es auch ein bisschen Klinkenputzen. So etwas fällt nicht vom Himmel. Respekt, dass Ihr diesen Weg erfolgreich gegangen seid! Und wir ihn nun hoffentlich weiter gehen, denn wie viele Redner*innen anmerkten ist 30 % Frauenquote nur ein klitzekleiner erster Schritt. Aber häufig genug ist der erste Schritt einer Reise immer der schwerste. Hoffen wir das hier auch. 

Der Autor dieser Zeilen freut sich auch, hat er doch einen klitzekleinen Part beim Formulieren der Satzungsbestimmung gespielt. Und ganz ehrlich: Mal sehen, ob die in der Praxis nicht irgendwo einen Fehler hat. Man hat wirklich versucht an alles zu denken, aber ich spucke hier immer große Töne, wie wenig durchdacht unsere Satzung an einigen Stellen ist; mal sehen, ob sie es hier ist.] 

Die Erweiterung des Amateurvorstandes

Carsten Balschat begründete den Antrag kurz und knackig damit, dass Diversität gefordert sei, man wolle daher ein weiteres Mitglied im Amateurvorstand, man ist sich auch klar, dass dies nur ein erster Schritt sei, er bitte dafür zu stimmen. 

Christiane erklärte, dass sich das Präsidium über diesen Vorstoß freue und ihn unterstütze. 

Kurz und schmerzlos wurde der Antrag dann bei einer Enthaltung angenommen. 

Springer enteignen / Die sonstigen Anträge

Uwe stellte einen Geschäftsordnungsantrag und zog wie vorher erklärt den Gegenquotenantrag zurück. 

Antrag Umgestaltung Denkmäler

Gregor und Natascha [beide auch bekannt durch Fanräume e.V. ;-)] begründeten ihren Antrag damit, dass der Gedenkort aus drei Elementen bestünde: Einer Tafel für Otto und Paul Lang, einem Stein, der den Gefallenen von 1914-1918 und 1939-1945 gedenke, und einer Tafel für die NS-Opfer. Jedes dieser Elemente bedürfe einer Überarbeitung, auch weil sie keinen Bezug aufeinander nehmen würden. Der Ort sei auch eine Visitenkarte des Vereines, weil man da auf dem Weg zur Geschäftsstelle vorbei käme; man müsse da zur Tat schreiten. Es war den Antragsteller*innen wichtig, das höchste Organ gleich mit ins Boot zu holen, es solle in der Diskussion Gehör und Platz finden. 

Jochen Winand ergänzte für das Präsidium, dass man sich als Präsidium darüber freue und darum bitte, bei der Einrichtung der Kommission Menschen zu berücksichtigen, die hauptamtlich für den Verein tätig sind und für das Museum. 

Ich weiß nicht mehr von wem, aber es wurde auch noch ergänzt, dass Nachwuchsspieler*innen beteiligt werden sollten, damit sie ihren Beitrag leisten könnten. [War das auch Stephanie? Ich meine ja, aber ich hab es mir nicht aufgeschrieben. {Ja, das war Stephanie.}]

Dem Antrag wurde dann ohne Gegenstimmen und ohne Enthaltungen zugestimmt. 

[Und das ist auch gut so. Ich freue mich jetzt schon auf die Präsentation eines neuen Gedenkortes, der angemessener, würdevoller und weniger widersprüchlich an die Opfer des Nationalsozialismus und des Krieges erinnert und dabei auch Schicksale einzelner Vereinsmitglieder beleuchtet. Das wird garantiert nicht einfach, aber bei den Antragsteller*innen und einer entsprechenden Kommission sehe ich das Thema in guten Händen. Sie werden das garantiert gut lösen.]

Antrag „Handläufe Niedergänge Sitzplatzbereich“

Der ursprüngliche Antrag wurde vom Antragssteller durch einen Dringlichkeitsantrag ersetzt. Sinngemäß wie folgt: 

„Man möge prüfen, wie baurechtlich barrierefrei Plätze geschaffen werden können, auch durch Hilfsmittel mit Einbezug des Antragsstellers“ 

Zur Begründung erwähnte der Antragssteller, dass man beim Thema Barrierefreiheit viel verschlafen habe beim Neubau. So seien auch die Rampen für die Rolliplätze zu erklären, die nachträglich gebaut werden mussten. Man habe nun Hörplätze für Hörgeschädigte und Gebärdendolmetscher, aber es gebe noch viel zu tun. So seien die Treppen auf den Tribünen für viele Menschen unüberwindbar, gerade der Abstieg bereite Probleme. Man müsse das prüfen und kritisch hinterfragen. 

Die Dringlichkeit wurde dann mit der notwendigen 2/3-Mehrheit festgestellt und dem Antrag ohne Gegenstimmen und Enthaltungen zugestimmt. 

[Es ist ein Elend mit unserer Satzung. Warum eine schlichte Änderung eine Dringlichkeit mit ihren Hürden erfordert, will einfach nicht in meinen Kopf. Und es führt praktisch dazu, dass bei solchen einfach nur abgeänderten Anträgen die Zweistufigkeit immer mehr verwischt. Denn eigentlich müsste auch mal zur Dringlichkeit vorgetragen werden. Und die könnte man z.B. hier sehr gut verneinen. Warum sollte man so einen Antrag nicht auch bei der nächsten MV erneut und fristgerecht stellen können? Warum genau ist er so dringlich in seiner abgeänderten Form, dass er nun beschlossen werden muss? Früher ist es auch so gehandhabt worden, dass vor einer inhaltlichen Befassung erstmal NUR zur Dringlichkeit vorgetragen wurde. Und eben nicht inhaltlich. Da ist unsere Satzung jedoch nicht wirklich deutlich, weil sie von „darf nur abgestimmt“ spricht. Inhaltlich hat der Antrag jedoch meine volle Sympathie. Der Verein macht beim Thema „Barrierefreiheit“ gerade große Schritte nach vorne, siehe „Klartext St. Pauli“ und die Viva vom Ingolstadt Spiel. Das ist ganz wundervoll. Vieles ist noch anzupacken, aber ich bin guter Hoffnung, dass da weiterhin an Lösungen gearbeitet wird und diese auch gefunden werden.

An unserem Antragswesen müssen wir aber gerade bei solchen unglücklich formulierten Anträgen arbeiten, denn die hohen Hürden für einen Antrag und die Notwendigkeit, über eine Dringlichkeit zu gehen, wenn man diese in seiner Formulierung nicht erreicht, ist auch eine Art der Barriere, von der wir uns befreien müssen, wenn wir mehr Partizipation haben wollen.]

Bild oder nicht Bild, das war eigentlich nicht die Frage / Der „MV darf Presse ausschließen“-Antrag

[Ach, es ist doch ein Kreuz. Der Vorlauf zu diesem Antrag war schon wieder zum Abgewöhnen. „Angriff auf die Pressefreiheit“. Leute, geht es auch eine Nummer kleiner? Menschen verstehen heutzutage einfach Grundrechte nicht mehr. Insbesondere wenn sie meinen, dass es das ihrige sei. Wenn man Meinungsfreiheit oder Pressefreiheit sagt, dann denken Menschen echt, dass das schrankenlos und darüber alles genehmigt sei. Das ist aber nicht der Fall. Pressefreiheit ist nicht grenzenlos und auch der FCSP schränkt Pressefreiheit ständig ein. So unterliegen z.B. Blogs jeglicher Art wohl nach herrschender Meinung der Pressefreiheit des Art. 5 (vgl Maunz/Dürig Art 5 Rdnr 250ff; sorry, dass ich hier den konservativen Grundgesetzkommentar mit dem ekligen Namen zitiere, es ist der einzige, auf den ich gerade Zugriff habe) und trotzdem könnt Ihr ja mal versuchen, mit Eurem Blog bei einer Pressekonferenz eines Bundesligsten zugelassen zu werden oder einen Fotograf*innenplatz zu ergattern. Ihr werdet wahrscheinlich in den meisten Fällen keinen Erfolg haben.  Man wird sich da immer auf „Presseausweis und damit hauptberufliche*r Journalist*in“ als Abgrenzungskriterium berufen, und solche Einschränkungen sind auch von Gerichten akzeptiert worden. Sie bleiben trotzdem ein Eingriff in die Pressefreiheit. Das verstehen Journalist*innen auch gerne nicht. Nein, ein Presseausweis und/oder eine Hauptberuflichkeit ist eben keine Voraussetzung für dieses Grundrecht. 

Titeln beim Ausschluss von Blogs überall die Hamburger Medien mit „Angriff auf die Pressefreiheit“? Oder wenn bei der IAA Journalist*innen trotz Akkreditierung von der Polizei in Gewahrsam genommen werden? https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-iaa-praeventivhaft-aktivisten-1.5409141  Eher nicht. Man sollte immer mal überlegen, wann man denn meint, eskalieren zu müssen und wann nicht. Einer sachlichen Diskussion wird mit dieser Überdramatisierung vollkommen der Boden entzogen. Und dies führt nur zu Populismus und „neue Dimension der Gewalt“-Gelaber, die unsere ganze Gesellschaft so vergiften.

Wichtiger Hinweis: Der FCSP hat zumindest in der Vergangenheit gegenüber Blogs  (und anderen Fanmedien) bei entsprechenden Anfragen immer eine Lösung gefunden, die über den oben beschriebenen Formalismus hinaus geht. Daher bitte das Beispiel nicht auf den FCSP verallgemeinern.]

Die beiden Antragssteller begründeten ihren Antrag damit, dass man der Mitgliederversammlung ein weiteres Werkzeug geben wolle. Dies sei der primäre Grund für diesen Antrag. Es ginge hier nicht darum, der Pressefreiheit den Garaus zu machen; dies möchte man zurückweisen. Dies sei eine nicht öffentliche Veranstaltung und man möchte über das Zulassungsverfahren sprechen. 

Man habe das mit einer Bitte an das Präsidium formuliert, weil man eine Regelung haben möchte, mit der alle leben könnten und die rechtssicher sei. Es ginge nicht um einen automatischen Ausschluss bei jeder MV, sondern auf Antrag, wenn die MV das wolle. Es ginge darum, mehr Rechte der MV zu geben. Insbesondere bei hitzigeren MV sollte auch eine Diskussion im internen Kreis möglich sein. Man sehe aktuell keinen Grund, aber man sollte dieses Werkzeug nun schaffen. 

Es müsse dann auch geklärt werden, wo die Grenzen verlaufen, Stichwort Blogger*innen, aber deswegen habe man den Antrag so gestellt. 

Oke hielt für das Präsidium dann die Gegenrede. § 16 Nr. 4 unserer Satzung bestimme, dass die Versammlung nicht öffentlich sei, aber das Präsidium das Verfahren für die Zulassung bestimme. Da wolle man es auch belassen. Er stimme aber dem Antragsteller insoweit zu, dass die heutige Berichterstattung zu weit gehe. Die Presse werde schließlich auch nicht zu Präsidiumssitzungen eingeladen, weil es da einfach auch Dinge zu besprechen gäbe, die man ohne Öffentlichkeit besprechen müsse, und auch da schreibt niemand was vom „Ende der Pressefreiheit“ 

Die Antragssteller ergänzten dann noch mal, dass dies nichts Extravagantes sei, viele Vereine hätten diesen Passus. 

Oke sprach sich dann dagegen aus, weil er auch einen „Walk of Shame“ für eventuell ausgeschlossene Medienmitglieder vermeiden wolle. Dies hätten diese nicht verdient. [Oh, mir würde da schon ein Medium einfallen, das ich genau so unter „Buh“-Rufen und Beleidigungen endgültig verabschieden möchte. Mal ganz davon ab: Ich habe mir „geht es auch eine Nummer kleiner, Oke?“ aufgeschrieben. ]

Die restliche Diskussion war sehr viel kleinteiliger Kram und ich bin ehrlich gesagt auch komplett ausgestiegen. 

Der Antrag wurde am Ende mit einer großen Mehrheit abgelehnt. 

[Der Antrag war definitiv nicht perfekt; es wäre wahrscheinlich besser gewesen, gleich einen entsprechenden Satzungsantrag zu stellen. Ich persönlich habe trotzdem große Sympathien für diesen Antrag. Nix gegen mein Präsidium, aber wenn man dieses „höchste Gremium des Vereines“ ernst nimmt, dann sollte dieses Gremium auch so viel Selbstautonomie wie möglich haben. Nur Dinge, die absolut notwendig sind, um einen geregelten Ablauf zu gewähren, sollten fremdbestimmt sein. Und dazu gehört die Frage, ob Presse anwesend sein sollte, schlichtweg nicht. Und machen wir uns nichts vor: Presse ist ein Druckmittel. Nun stellt Ihr Euch mal vor, ein Mitglied würde da mit vollem Namen Hausverbot für die TAZ (oder eine andere Zeitung) fordern. Mir würden da Zeitungen einfallen, die ihre ganzen Bluthunde losschicken würden, um diesem Menschen die Hölle heiß zu machen. Vielen Mitgliedern fiel diese angebliche Zeitung auch ein. Mich nerven diese „aber wir müssen doch dieses Blatt tolerieren“-Argumente. Ich muss kein Blatt tolerieren, das Blut an den Fingern kleben hat und rechtsradikale Scheiße in die Welt hinaus posaunt. Da endet schlichtweg die Pressefreiheit. Und dieses Blatt regelmäßig aus einer MV inklusive „Walk of shame“ auszuschließen wäre schon mal ein guter Anfang. Leider ist man bei uns im Verein aus meines Erachtens falsch verstandener Toleranz noch nicht so weit. Es gilt da noch ein dickes Brett zu bohren. Wäre man so weit, gegen dieses Blatt wirklich kämpfen zu wollen, dann muss man sich natürlich fragen, wie ich verhindere, dass dieses Blatt einzelne Menschen abschießt. Denn nicht jeder, der handelt, arbeitet in einer Bild-freien Umgebung. Und das kann Menschen wirklich schaden. Oh, jetzt hab ich ja doch den Namen dieses Stückes Scheiße genannt.]

Sonstiges / Busfahrerwitze

Es wurde nach einer regelmäßigen Durchführung der MV im Stadion gefragt. Siehe oben. 

Es meldete sich der Busfahrer der Profis zu Wort; seine Rede fasse ich mal unter einer Mischung aus Busfahrerlatein und „die Stimmung ist gut, wir reißen richtig was“ zusammen. Passte zwar nicht so wirklich, aber zur Erheiterung der Massen war es geeignet. 

Es wurde noch nach 2G gefragt. Da hat uns die Realität überholt, muss ich nichts zu schreiben. 

Fazit?

Gibt es wie immer nicht. Dafür aber ein hidden Bonustrack 

Bonustrack / Die Suche nach dem verlorenen Antrag

Wir hatten irgendwann in den 00er Jahren ein „Rock and Roll“-Trikot, in dem wir letztendlich auch wieder aus der Regionalliga Nord in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind. Das Diskutable an diesem Trikot war, dass das Wappen auf diesem in silber abgebildet war. 

Als nun unser 3. Trikot 2021/2022 auf den Markt kam und dieses ein verändertes Wappen hatte, meinten viele Menschen zu erinnern, dass genau so etwas durch einen Antrag auf einer MV ausgeschlossen worden sei. Und fragten mich, ob ich das erinnern könne. 

Kann ich nicht, aber ich hatte irgendwie auch dunkel eine Diskussion über das Thema im Kopf. Ich habe mich also mal auf die Suche gemacht, und da stellt sich grundsätzlich eine Frage, die ich auch nicht wirklich beantworten kann: Wer sorgt eigentlich offiziell dafür, dass Anträge nicht in Vergessenheit geraten? Wie lange werden Protokolle aufbewahrt und könnte man die einsehen? Diese Fragen konnte ich nicht klären, aber ich habe mal meine MV-Berichte durchsucht. Die sind aber nicht vollständig, da nicht für jede MV ein solcher Bericht gefertigt wurde und/oder noch vorliegt. ABER wenn dieses Trikot in der Saison 2006/2007 getragen wurde, dann müsste es doch in dieser Zeit eine Diskussion darüber geben haben, oder? 

MV 2006? Nein! 

http://www.fanclubzweiundvierzig.de/nrsa274.html

aoMV 2007? Nein! 

http://www.fanclubzweiundvierzig.de/nrsa291.html

(Haha, das zu lesen tut noch 14 Jahre später weh.) 

MV 2008? Nein! 

(wer den Bericht lesen möchte: Passwort ist StP1910)

Es fehlt die ordentliche MV 2007. Denn leider liegen die NRSA-Berichte aus einer Periode von 11/07 bis 05/08 nicht mehr vor. Auch andere Quellen finden nichts. 2007 auf der ordentlichen MV haben wir aber definitiv über den Verkauf des Stadionnamens diskutiert. 

Wir können diese Frage also nicht abschließend lösen, so dass dieser Bonustrack – wie so viele Bonustracks – viel zu wünschen übrig lässt. 

Abschließend noch mal vielen Dank an das magische Kollektiv. Wir lesen uns wahrscheinlich zur 2. MV des Jahres wieder. 

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