Sep 142021
 

Wir haben in unserem Leben schon einige Stadionhymnen gehört. Jetzt lässt sich ja über Geschmack bekanntlich streiten, aber wir sagen mal so: Es gibt solche und solche. Immer wieder stellen wir uns die Frage: Wer schreibt und komponiert sowas? Wir haben da eine Theorie:

Der Stadionhymnengenerator

Der Stadionhymnengenerator ist eine vom DFB zur Verfügung gestellte Website, auf der sich jeder Verein gegen eine Gebühr seine eigene Stadionhymne bauen kann. Es gibt verschiedene Preismodelle, die sich vor allem in den Einstellungsmöglichkeiten und der Qualität der Produktion unterscheiden. Es ist an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass mehr Geld nicht unbedingt eine bessere Hymne bedeutet. Geschmack kann man bekanntlich nicht kaufen.

Als erstes wählt man den Musikstil aus, den man bevorzugt – Schlager, Pop, Werbejingle? In der Premiumversion stehen noch Rock, Hip-Hop, Punk und Classic zur Verfügung. Es können bis zu drei Musikstile gleichzeitig ausgewählt werden. Schon hier ist es wichtig, sich zu überlegen, welchen Effekt man bei seinen Fans (und dem Gegner) erzeugen will : Four on the floor mit Klatschen, Gröhlen oder peinlichem mit-dem-Schal-wedeln?

Im nächsten Schritt wird dies dann konkretisiert. Mit einem Regler lässt sich einstellen, wie sehr das Lied zum Mitklatschen einlädt. Hierbei sollte man als Nutzer*in vorsichtig sein – was bei den eigenen Fans gut aufgenommen wird, kann bei Gästefans schnell zu peinlich ironischem Mitklatschen führen.

Anschließend wird an einem weiteren Regler der sogenannte „Scooter-Faktor“ eingestellt. Je höher der Regler geschoben wird, desto leichter können der betrunkenste Fan und jemand, der noch nie im Stadion war, beim ersten Hören mirgröhlen. Des Weiteren hat der Regler Einfluss auf die Plumpheit des Beats.Im Premiummodell können darüber hinaus noch individuelle Instrumente oder andere Klangerzeuger ausgewählt werden, auf die der Verein besonderen Wert legt. Neben den Klassikern wie Gitarre und Schlagzeug stehen hier auch Dinge wie Kuhglocke, Elefantentröten oder Schiffshorn zur Verfügung.

Nun folgt der Text. Hier gibt es einen Fragebogen, in den nach und nach die wichtigsten Schlagworte eingepflegt werden können, und je weniger Eingaben hier gemacht werden, um so generischer der Text. Aber Achtung: Zu viele Eingaben führen schnell zu einem klischeeschwangeren Oktoberfest-Mitklatsch-Hit. Folgende Fragen müssen beantwortet werden:Vereinsfarben? Stadionname? Ort? Gibt es ein Feindbild, wenn ja: wer? Spitzname? Erfolge, die schon drei Jahrhunderte zurückliegen? Gründungsjahr? Etc. Hinter jeder Frage kann die Häufigkeit des Wortes im Lied und die Wichtigkeit angegeben werden; dies entscheidet über die Platzierung des Wortes im Lied. Ist es mehr was für den Vers oder benötigt es eine übermäßige Betonung und muss deshalb im Refrain untergebracht werden?

Nachfolgend wird wieder an einem Regler eingestellt, wie billig und platt die Reime sein sollen. Der obere Bereich ist allerdings nur für Premium-Kunden zugänglich.Vereine, die Wert auf rassistische Klischees oder besonders starke Abwertungen legen, können dies in einem Untermenü gezielt auswählen.

Im letzten Schritt folgt die Auswahl der Stimme. Sänger, Sängerin oder Gruppe stehen hier zur Verfügung. Die Art und Qualität des Gesangs kann natürlich ebenfalls geregelt werden; auch hier unterscheidet sich die Qualität je nach der in diesen Service investierten Summe. Lokale Sprachfärbungen und Dialekte stehen den Premium-Kunden außerdem noch zur Verfügung.

Hat man sich als Verantwortliche*r durch die Webseite gearbeitet. muss man nur noch auf „generieren“ klicken und erhält sofort eine Hörprobe seiner neuen Stadionhymne. In der Basicversion ist diese allerdings nur 10 Sekunden lang. Auch kann der Generator nur einmal bedient werden. In der Premiumversion stehen einem der volle Song und unendlich viele neue Versuche zur Verfügung.Hat man sich für ein Lied entschieden, kann dies sofort heruntergeladen werden. In der Premiumversion besteht noch die Möglichkeit den Song mit bedeutungsschwangeren Bildern zu unterlegen und direkt über social media zu streuen.

Das zumindest ist unsere Theorie. Anders können wir uns manche Stadionhymnen einfach nicht erklären.