Jan 122021
 

Eigentlich hatten wir nicht vor, was zu dem Thema zu schreiben, nachdem der Millernton die Sache gestern nüchtern-sachlich dargestellt hatte. Jetzt werden hier aber allenthalben Grenzen der guten Kommunikation überschritten und wir wollen als allererstes vorwegschicken:

Fußball ist für derbe Sprache bekannt, da schießen Leute auch mal übers Ziel hinaus. Und da nehmen wir auch keine Person in diesem Kollektiv aus, manches was wir im Frust gebrüllt oder geschrien haben ist zum Glück vergessen oder im kleinen Kreis gelandet. Wenn wir jetzt aber auf unseren Internetpräsenzen Begriffe wie „Pack“ lesen, dann sind damit die Grenzen des guten Umgangs deutlich überschritten. Und wir sind wirklich sprachlos, wenn wir Screenshots aus Facebookgruppen bekommen, in denen Leute Fantasien mit Schrotflinten in Bezug auf unsere sportliche Leitung haben. Leute, das ist richtig scheiße und wir werden sowas auch in Zukunft nicht auf unseren Präsenzen tolerieren. Könnt ihr eigentlich noch in den Spiegel schauen, nachdem ihr sowas ins Internet gerotzt habt? Schämt euch!

Zur Sache stellen wir mal nüchtern fest: Seit Jahren wird immer wieder gefordert, dass die sportliche Leitung alte Zöpfe abschneiden soll, dass alle Steine umgedreht werden sollen. Da wird unbedingter Erfolg gefordert. Dann passiert das unter Luhukay teilweise und viele (inkl. uns) finden das im Umgang (weil eben Leute öffentlich niedergemacht werden – was in dieser Situation, über die wir nun schreiben werden nebenbei eben nicht der Fall war) nur so mäßig geil. Was dann ja letztendlich auch zu der Entlassung von Luhukay geführt hat. Und somit zu der Einstellung von Schultz. Der übrigens mit Sicherheit nicht letzte Wahl war, weil sonst keiner mehr hierherkommen wollte.

Dann wird sich von einigen verdienten Spielern im Sommer getrennt und immer wieder ist das Geschrei schon da relativ groß.

Bitte alles ändern, also außer bei den verdienten Spieler, die müssen unbedingt bleiben. Hä?

Was bisher geschah

Im Sommer wurde auch ein ganz neues Trainerteam gefunden, nur eine Position blieb stabil: Die des Torwarttrainers. Wenn alle Steine umgedreht werden, wurde auch diese Position sicherlich beleuchtet und man hat sich dann entschieden, mit dem bisherigen Torwarttrainer weiterzumachen. Über die Gründe könnten wir jetzt groß und breit mutmaßen, aber das wäre es halt auch: Mutmaßungen. 

Es bleibt zu erwarten, dass in diesem Kontext auch die Position des Torwartes – so wie eben alle Kaderpositionen – kritisch beleuchtet wurde. Ein superklares Bekenntnis zu Robin Himmelmann gab es damals nicht – das wäre nämlich z.B. eine Vertragsverlängerung über diese Saison hinaus gewesen. Zudem war der Abschied von Korbinian Müller klar (der letzte Saison Nummer 2 hinter Robin war und noch mal zurückkam kam als Svend sich verletzte) und es wurde in Person von Dennis Smarsch ein weiterer Torwart geholt. Vom Sportchef damals mit den folgenden Worten begleitet: „Für Dennis ist es der nächste Schritt, sich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erhoffen wir uns, dass er den Konkurrenzkampf unter den Keepern vorantreibt.”

Nach einem klaren Bekenntnis zu Robin klingt auch das nicht. Oder lest ihr sowas, wenn z.B. der FCB einen neuen Torwart holt?

Nichtsdestotrotz wurde dann mit Robin als Nummer eins in die Saison gestartet. Und es lief so mittelmäßig:

Nach 4 Niederlagen in Folge wurde dann am 11. Spieltag zum Spiel gegen Aue ein Wechsel auf der Torwartposition vorgenommen und wir holten in dem Spiel auch zumindest wieder einen Punkt. Ob und wie das mit dem Torwart allein zusammenhängt, könnte man nun groß und breit diskutieren. Parallel konnte man dann auch in der Bild lesen (Man FCSP, echt. Get your shit together und hört auf, irgendwelche Infos an dieses Drecksblatt durchzustechen), dass der FCSP sich nach einer neuen Nummer 1 im Tor umsehen würde.

Himmelmann saß dann noch für 2 Spiele (die beiden im Jahr 2020) auf der Bank; dieses Jahr war er dann bei den bisher 3 Spielen nicht mehr im Kader.

Anfang des Jahres wurde mit Dejan Stojanović ein neuer Torwart geholt, der klar als designierte Nummer 1 gekommen ist und dann auch prompt am vergangenen Wochenende seinen ersten Einsatz hatte. Wieder nicht im Kader: Robin Himmelmann.

Gestern wurde dann vom Verein kommuniziert, dass Robin Himmelmann – in Absprache zwischen sportlicher Leitung, Spieler und Berater – ab sofort individuell trainieren würde. Da Robin klar den Ansprucht hat zu spielen, scheint ein Abschied in den nächsten Wochen somit aus unserer Sicht wahrscheinlich.

Was man bedenken sollte

Die Torwartposition ist nicht irgendeine beliebige Position, auf der man häufig durchwechselt. Es hat einen Grund, warum es auf dieser Position in einer laufenden Saison nur selten Wechsel gibt.

Und das heißt auch, dass man damit zwangsläufig eine Kaderpositionen hat, auf der Spieler im Idealfall nicht zum Einsatz kommen, sondern sich mit der internen Hierarche zufriedengeben. Jemand kluges (Gruß an den Senior) verglich das mit Quarterbacks im American Football: Dort gibt es hochdotierte Spieler, die eben 2. Quarterback in einem Team sind und viel Geld dafür bekommen, dass sie die Klappe halten (keine Unruhe reinbringen) und im Idealfall nicht spielen. Kann nicht jede*r.

Wir haben früher ja auch Teamsport betrieben und naja, wir waren meistens eher unzufrieden damit, wenn wir nicht spielen durften/ ausgewechselt wurden. Und haben das auch durchaus mal kundgetan. Menschlich komplett nachvollziehbar und ja erst mal als Sportler*in auch komplett richtig. Aber eben auch nicht immer intern das allerbeste.

Nun haben wir hier einen Torwart, der die letzten Saisons – mit Ausnahme der Rückrunde 16/17 – quasi immer gespielt hat und der plötzlich nicht mehr Nummer 1 ist. Kann nicht jede*r – und das ist menschlich total nachvollziehbar – mit umgehen, dass das in der eigenen Wahrnehmung dann plötzlich so ist.

Die benötigte Ruhe in sportlich schwieriger Lage bringt es aber eben auch nicht rein, wenn da ein Spieler intern ist, der die ganze Zeit wieder die Nummer 1 sein will und erst recht nicht, wenn man als sportliche Leitung dabei möglicherweise auch erwartet, dass er mit diesem Ehrgeiz übers Ziel hinausschießt – oder dies sogar schon geschehen ist. Stabilität und Sicherheit für den ersten Torwart und den gesamten Abwehrverbund bringt das jedenfalls auch nicht rein. Wir erinnern an die Diskussionen nach Svends Patzer beim Spiel gegen Düsseldorf. Die könnte man bei jedem Fehler von Stojanović dann auch wieder erwarten.

Was noch so passierte

Nach über 2 Jahren der Stille meldete sich Robin auf Facebook zurück und auf Instagram an. Mit zwei emotionalen, gutgeschrieben Beiträgen, in denen er einmal zu Weihnachten die schwierige sportliche Situation beleuchtet und verspricht alles zu geben, um dann in einem zweiten Beitrag anzudeuten, dass er keine Intentionen hat, den Verein zu verlassen.

Der zweite Poste wurde an dem Tag, an dem die Leihe der neuen designierten Nummer 1 kommuniziert wurde, gepostet. Mit Wissen von heute liest sich das für uns nicht nach „ich akzeptiere, dass mir da einer vor die Nase gesetzt wird“ (was schwierig ist, keine Frage) sondern eher nach „jetzt erst recht“ (was menschlich total nachvollziehbar ist). Nach Akzeptanz, dass das jetzt nun mal so ist, liest sich das nicht. Und wie wir oben schrieben brauchst du gerade auf der Torwartposition eben einen zweiten Torwart, der für sich akzeptiert, der zweite zu sein.

2016/2017 gab es ja schon mal den (damals verletzungsbedingten) Wechsel auf der Torwartposition in der laufenden Saison und Heerwagen sowie das ganze Team haben sportlich so überzeugt, dass eine Diskussion zu keinem Zeitpunkt nötig war. Aber wir alle wissen auch nicht, was da intern lief und ob es da intern schwierige Auseinandersetzungen gab.

Was wir gerne wissen würden

Unklar ist uns ja ehrlicherweise die Rolle von Dennis Smarsch. Der wurde geholt, um oben anzugreifen, hat den längsten Vertrag bei uns (2023, alle anderen laufen in diesem Sommer aus) und konnte sich dann eben in dieser beschriebenen Situation in keinster Weise anbieten. Verstehen wir nicht ganz – vielleicht wurden da aber auch vor dem Transfer einfach Fähigkeiten überschätzt, o.ä.

Stilfragen

Dieser vorgenommene Wechsel auf der Torwartposition kam für viele überraschend, sicherlich. Robin war für viele die klar gesetzte Nummer 1. Es wurde aber auch immer wieder zu Beginn neuer Saisons davon gesprochen, dass auf der Position komplett offen sei. Wir erinnern da an 17/18, als viele nicht nachvollziehen konnten, warum Heerwagen plötzlich wieder weichen musste. Auch Luhukay sprach von dem Leistungsprinzip und legte sich nicht sofort fest, sondern erst ganz knapp vor Saisonbeginn. Und so eben auch wieder in dieser Saison.

Es ist aber auch klar, dass Robin diesen internen Wettbewerb jeweils gewonnen hatte und somit seit Jahren die Nummer 1 war. Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass er in der Außenwahrnehmung fester im Sattel saß, als das intern der Fall war. 

Es steht auch außer Frage, dass Robin ein toller Mensch ist, der gut zu diesem Verein passt und sich nie einen Skandal geleistet hat, der irgendwie nach außen gedrungen wäre. Dass Robin ein Mensch ist, der sich über den Tellerrand hinaus für Sachen engagiert, sei das für soziale Projekte oder auch für das Spielerbündnis und zuletzt auch in der DFL-Taskforce. Ein Spieler, der menschlich super hierher gepasst hat und der auch immer noch super her passt. Bei dem es aber leider sportlich nicht mehr reicht.

Versetzen wir uns nun mal in die Lage der sportlichen Leitung: Du entscheidest dich – aus rein sportliche Gründen – den Wechsel auf der Position vorzunehmen. Und hast nun plötzlich 4 Torwarte im Team, von denen im Idealfall einer die restliche Saison durchspielt. Das sind zu viele Spieler, auch wenn uns das Verletzungspech ja durchaus mal verfolgt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass du alle 4 brauchen wirst. Es ist auch klar, dass du unter den dreien, die nicht spielen können, einen sehr ehrgeizigen hast, der unbedingt spielen will. Der sich bei jedem Training anbieten wollen wird und der eben die Hackordnung vielleicht nicht 100% akzeptiert. Brauchst du die Unruhe, die das mit sich bringen kann, in dieser Situation? Eher nicht. Und dann sagst du das dem Spieler vielleicht zwei, drei Mal und der akzeptiert das vielleicht nicht ganz so, wie du es dir erhoffen würdest?

Dabei ist dir dann auch klar: Wenn Robin spielen will, dann wird er bei uns in dieser Saison wohl kaum auf die Einsatzzeiten kommen, die er für sich selbst sehen will. Da sprichst du dann schon mal mit Spieler und Berater und legst ihnen einen Wechsel nahe. Von dem der Spieler mäßig begeistert ist (s. auch Facebookpost von Robin), sondern wo er dann eher wieder signalisiert, unbedingt angreifen zu wollen. Während du als sportliche Leitung dich auf der Position – aus rein sportlichen Gründen – klar für einen anderen Spieler entschieden hast. 

Die Lösung: Ihn aus dem Teamtraining rauszunehmen. Mit zweierlei Zweck: Ihm unmissverständlich die Hackordnung klarmachen und vielleicht auch noch einen kleinen Stupser im Sinne von „Wir würden dir gerne einen Wechsel nahelegen“ mitgeben. Und damit wären wir dann bei gestern. Wo genau das so kommunziert wurde.

Die Bewertung

Ja, es wäre total klasse, wenn solche Wechsel komplett geräuschlos verlaufen würden. Aber zu sowas gehören immer alle beteiligten Parteien. Und wir können zumindest Indizien dafür entdecken, dass es eben hier nicht alle so akzeptiert haben, wie es aus rein sportlicher Sicht wünschenswert wäre. Und dann ist eben die Torwartposition häufiger auch mit speziellen Charakteren besetzt und nichts, wo du einem Spieler Hoffnung machen kannst, dass er sich durch anbieten im Training wieder durchsetzen kann.

Und damit wollen wir Robin in keinster Weise einen Vorwurf machen. Da bist du seit Jahren die Nummer 1, setzt dich immer wieder im internen Machtkampf durch. Hast auch mal schwierige Zeiten mit dem Team überstanden. Und in deiner Wahrnehmung steht dann sehr plötzlich – und obwohl du nichts geändert hast – deine Rolle zur Disposition. Klar bist du da ehrgeizig und sagst, dass du unbedingt wieder spielen möchtest. Spielst lange und gerne beim FCSP und hattest ein Karriereende hier durchaus ins Auge gefasst. Identifizierst dich mit dem Verein und hast eine „jetzt erst Recht“-Einstellung, die du auch zeigst und andere spüren lässt.

Vielleicht ist aber auch dieses „Angreifen wollen“ genau die falsche Reaktion, weil eben Unruhe befürchtet wird? Da bekennst du dich zu den Verein und das ist dann auch noch das falsche. Weil eben eine sportliche Entscheidung getroffen wurde, die menschlich richtig doof ist und die für dich auch sehr plötzlich, unerwartet und unverhofft kommt.

Bisher wurde öffentlich von keiner Seite ein böses Wort über die andere verloren, sondern eine sportliche Entscheidung getroffen und ein sportlicher Wechsel vorgenommen. Dass dies in einer Situation geschieht, in der sportlich sowieso nicht alles rund läuft und in der sowohl Präsident, als auch Sportchef und Trainer nicht das allerbeste Standing haben, trägt dann sicherlich auch zu der aufgeladenen Stimmung bei.

Aber wenn wir unbedingten sportlichen Erfolg wollen, dann gehört eben auch mal dazu, aus sportlichen Gründen Wechsel vorzunehmen – gerade und auch bei liebgewonnen Spielern.

Und dass das nicht immer geräuschlos ablaufen kann, liegt dann auch etwas in der Natur der Sache bei Spielern, die sich hier verdient gemacht haben. 

In einem sind wir uns doch einig: Wir wollen den sportlichen Erfolg, wir wollen, dass alte Zöpfe abgeschnitten werden, wir wollen, dass auch bisher nicht hinterfragte Dinge mal hinterfragt werden. Und ja, das wird dann auch weiterhin wehtun und wir werden dann auch mal Lieblinge gehen sehen. Und ja, das läuft dann vielleicht auch mal nicht ganz rund. Aber so sind Trennungen eben. Wichtig ist doch, dass sich dann nachdem der Staub sich gelegt hat, alle in die Augen gucken können. Und das erscheint absolut möglich und wäre ein tolles Ende einer doofen Episode.

Danke für acht Jahre FCSP, Robin. Wir haben dich hier immer gern gesehen. YNWA. 

Jan 042021
 

Immer wieder lesen wir in den letzten Tagen den Vorwurf, uns sei das alles egal, und wir würden die sportliche und Vereinsleitung unkritisch decken. Wir haben uns in den letzten Wochen bewusst nicht in den Chor der Motzer:innen eingeschaltet, die lieber heute als morgen den Rückzug von Personen in sportlicher Verantwortung sehen würden, die den Kader schon 1910-mal komplett umgestellt haben und die die Eigenproduktion von Trikots für die sportliche Misslage verantwortlich machen. 

Online ohne offline ist doof

Vielen von euch kennen uns. Wir sind nun wahrlich nicht dafür bekannt, nicht auch mal richtig zu fluchen, genervt aufzustöhnen oder auch mal Trainer so gar nicht geil zu finden (Gruß an Markus & Jos). Aber an der aktuellen Situation ist etwas sehr anders: Wir können das nur noch schriftlich machen und wir sehen unsere Bezugsgruppen gerade nur sehr dezimiert in Form von Einzelpersonen. Es ist – während draußen die Pandemie tobt und drinnen in den Stadien der Fußball weiterspielt als wäre nichts – uns schlicht nicht möglich, unseren Frust in großer Runde rauszulassen.

Wisst ihr, wie sehr wir es vermissen, unsere Freund:innen mal so ne Bahnrückfahrt aus Regensburg anzumaulen? Wie gerne wir vor der Gegengerade oder im Jolly oder im Feldstern in Schreilautstärke Meinungen austauschen und fachsimpeln würden? Wie viele gute Gedanken dabei einstanden sind und in diesen Blog einflossen?

Unser Fußball-Erleben lebt vom persönlichen Austausch, von diesen Diskussionen. So bilden wir unsere Meinungen, das macht Fansein für uns aus. Witzig genug, dass wir als Menschen, die immer schon auch über diesen Verein geschrieben haben, eben nicht mehr so gut schreiben können, wenn wir nicht vorher darüber in bekanntem Maße sprechen können. Und nein, ein Podcast ist keine Option.

Die machen das doch nicht, um uns zu ärgern

Mit Sicherheit ist da bei der Kaderplanung nicht alles rund gelaufen. Eine Kaderanalyse für diesen Blog war irgendwo mal in Notizen zusammengestückelt und dann nie veröffentlicht. Siehe oben, uns fehlt auch etwas die Muße, über so manches in diesen beschissenen Zeiten zu schreiben. Dabei waren unter anderem folgende Notizen und Fragezeichen: 

  • Verletzungsanfälligkeit von Ziereis und Avevor
  • Defensives Mittelfeld erfahren genug?
  • Wann kommt Ryō wieder? 

Und natürlich sind wir hinterher schlauer und all diese Fragezeichen bewahrheiten sich. 

Kannst Du dann aber auch noch damit rechnen, dass ein solider Zweitligatorwart (dessen Schwächen wir alle vor dieser Saison kannten) richtig unterhalb des Möglichen spielt, dass Burgstaller diese komische Freakverletzung hat, dass dann auch noch Lawrence wieder ausfällt, wo er die Abwehr gerade einigermaßen stabilisiert hatte? Dass Wieckhoff jetzt schon seit Monaten nicht mehr spielen kann? Dass auch andere Spieler aus der eigenen Jugend immer wieder verletzungsbedingt ausfallen?

(Übrigens auch ein Thema: Die Verletzungsproblematiken rund um die Jugendspieler, die hochgezogen werden – Gruß an Christian Conteh an dieser Stelle. Wenn wir Muße haben (s. o.), gucken wir uns das vielleicht auch noch mal im Detail an.)

Das ist schon extrem viel Scheiße am Fuß und wir wüssten gar nicht, wessen Ausfall das noch schlimmer machen sollte. Und so kommt es dann halt auch, dass der Trainer nicht nur immer wieder freiwillig durchwechselt – was ja auch dosiert eingesetzt aus taktischer Sicht total richtig und gut ist – , sondern eben auch jedes Spiel irgendein Spieler ausfällt. Und nein, das ist natürlich keine Erklärung für die ganze Misere und soll es auch nicht sein. 

Viel wichtiger ist doch dabei: 

Wir alle wissen, wie sehr Schultz diesen Verein liebt und lebt (außer wenn er Partner:innen zum Einkaufen schicken will. Sorry Schulle, der musste sein). Der verliert doch keines dieser Spiele gerade germ. Wir wissen, dass kein Sportchef dieser Welt gerne einen schlechten Kader aufbaut und dann jede Woche mit Freuden auf die Fresse kriegt. Hat er vielleicht etwas überschätzt, die Transfers von Veerman und Mats kompensieren zu können? Wahrscheinlich? Findet er das gerade geil? Mit Sicherheit nicht. 

Und wir und ihr wissen auch, dass wir nicht immer auf einer Linie mit Oke und dem Präsidium liegen und dass wir kritische Themen auch schon wiederholt in diesem Blog angesprochen haben. Aber einer Sache sind wir uns ganz sicher: Der leidet unter dieser beschissenen Situation genau wie ihr und wir. Und auch Sandra (stellvertretend für den gesamten Aufsichtsrat) hat vermutlich gerade mehr schlaflose Nächte, als ihr und uns lieb ist.

Und die wichtigste Frage ist doch auch: Ist ein Rausschmiss von handelnden Personen jetzt auch nur ansatzweise die Lösung?

Jetzt mal nüchtern betrachtet: Das Transferfenster schließt in vier Wochen, da sind dann noch mal sechs Spiele mehr gespielt. Ist es da sinnvoll, jetzt den Sportchef zu wechseln, der sich in Turbozeit ein Bild von der Situation machen und dann auch noch passende Spieler bis zum 31. Januar verpflichten müsste? Und ist das realistisch?

Bringt ein Trainerwechsel etwas? Zunächst mal: Was sagt das denn über uns aus, wenn wir immer erst mal das Personal zum Abschuss freigeben? Zumal ein Urgestein, der hier sehr beliebt ist?

Und wie soll hier jemals etwas Nachhaltiges aufgebaut werden, wenn das im Halbjahres- bis Jahresrhythmus die Problemlösungsstrategie ist? Vielleicht sind erfahrene Co-Trainer:innen die Lösung, vielleicht auch nicht. 

Und für die Posten, die noch viel weniger direkten Einfluss auf das Sportliche haben (Präsidium und Aufsichtsrat) gilt das dann natürlich doppelt und dreifach. Wir wissen es einfach nicht. Vielleicht fehlen uns die Gespräche für die finale Einschätzung, vielleicht würde es helfen. Wir wissen es einfach nicht. Eins ist aber auch klar: Es gibt gerade genug Negativbeispiele in der ersten Bundesliga, dass wir ja nun nicht wirklich sicher sind, ob ein schneller Wechsel das alle lösen würde.

Und wir reden hier über diese akute Situation, nicht über die Präsidiumswahlen, die im Herbst anstehen. Was jetzt keine Aussage in irgendeine Richtung sein soll.

Auf Menschen, die am Boden liegen, tritt man nicht ein

Wir können jetzt über unsere Erziehung ausführlich streiten. Eine wichtige Sache wurde der Person, die diese Zeilen schreibt, aber beigebracht: Auf Personen, die am Boden liegen, tritt man nicht ein. 

Wir haben viele junge Spieler im Kader, die gerade sicher an der Situation rumknapsen. Spieler aller Erfahrungsstände, die wissen, in was für einer beschissenen Lage wir uns befinden. Die ungern verlieren. Die alle in einem tiefen Loch sind und sich absolut nicht wissen, wie sie da jemals wieder rauskommen sollen. Denen die Beine in jedem Spiel und jedem Training schwerer werden. Und die deshalb gerade auch die einfachsten technischen Sachen nicht hinbekommen.

Auf Menschen, die an sich zweifeln und denen es beschissen geht, tritt man nicht einfach so ein. 

Und genau nichts würde sich ändern, wenn wir Spiel um Spiel unsere schlechte Laune in die Welt blasen und schnellstmöglich den Kopf der Person fordern, die aus unserer Sicht das alles tagesaktuell verbockt. Es ändert nichts, es war noch nie so richtig unser Stil und wird erst recht nicht unser Ding, wenn es beschissen läuft.

Wir haben ja auch Freund:innen, die Fans des Vereins aus St. Ellingen sind. Und irgendwann in den letzten Jahren, in denen wir uns jetzt in der gleichen Liga befinden, haben sich beide Seiten abgewöhnt, die Misserfolge des anderen Vereins brühwarm und süffisant zu kommentieren. Wir machen das mittlerweile lieber, wenn wir wissen, dass beide Seiten drüber lachen können. Ist gesünder für die Freundschaften und macht auch ehrlicherweise mehr Spaß, wenn man gemeinsam lacht.

Uns ist gerade auch nicht zum Lachen zumute. Aber besser wird es nicht, wenn wir hier alle und jeden schlecht machen. Wir kritisieren dann doch lieber lieber mit scharfer Klinge (*Tastatur), wenn es einigermaßen läuft.

Wir glauben immer noch: Der Knoten platzt in den nächsten zehn Tagen. Und wenn nicht, dann sind wir froh, nicht entscheiden zu müssen, was dann der richtige Weg ist.

Der FC St. Pauli ist die einzige Möglichkeit.