Nov 102020
 

Guten Abend, Tag oder wann immer ihr das lest. Als wir dies schrieben, sind wir im soliden Drei-Weißbier-Territorium, also genau die richtige Zeit, um mal ernsthaft über die Ticket-E-Mail des FCSP vom 06.11.2020 und die Ticketvergabe überhaupt zu sprechen. 

Schreiben die einem doch ernsthaft Folgendes (aus obiger Mail): 
„Sollten Zuschauer*innen zugelassen sein, so zeigt uns die überwiegend positive Erfahrung zu den ersten beiden Heimspielen, dass
• die Registrierung für Tageskarten über eine Umfrage,
• eine Verlosung der Tickets unter allen Bewerber*innen und
• die anschließende Buchung über den Ticket Onlineshop
ein geeigneten und verlässlichen Prozess für den Fan darstellt. Selbstverständlich diskutieren wir verschiedene Szenarien und prüfen weiterhin die Vergabe der Tickets. Aktuell erscheint uns das gewählte Verfahren als geeignete Lösung, um kurzfristig und flexibel handeln und die wenigen Tickets gerecht verteilen zu können“

Vor über einem Monat erklärte man öffentlich noch dies hier:

„Nach dem Spiel gegen Heidenheim werden wir sofort in die Analyse gehen. Dabei werden wir auch darauf schauen, wie wir das Losverfahren weiterhin möglichst gerecht gestalten können.“

Mal ganz ehrlich: Die Analyse hat gezeigt, dass der reine Zufall ausschließlich unter Dauerkarten Inhaber*innen (und Süd Jahreskarten Inhaber*innen) gerecht ist? Und zufällig ist dies das Verfahren, was wir schon die ersten beiden Spiele mit Zuschauer*innen gefahren haben? 
„Es gibt keine Gerechtigkeit. Es gibt nur mich“, sagt der Tod der Scheibenwelt so schön. (Wer noch nie Terry Pratchett gelesen hat: Tut es!) 
Für FCSP-Fans sind diese Sätze etwas zu modifieren: „Es gibt keine Gerechtigkeit. Es gibt nur unsere unkreativsten Ideen.“

Kreative Ideen?

Ja, die Ausgangslage ist scheiße. Wir haben Pandemie. Wir dürfen oder wollen nicht alle ins Stadion. Wir dürfen nicht tonnenweise THC und hektoliterweise Bier für eine Kurve außer Kontrolle. Bei uns allen staut sich alles auf. Wir vermissen unsere Freund*innen, unsere Knuffelkontakte beim Tor und den Ärger beim Gegentor. Und wenn mal ein paar Karten auf den Markt kommen, saugen wir diese auf, um wenigstens eine homöopathische Dosis unserer Droge zu erhalten. Oder auch nicht, was natürlich auch eine vollkommen okaye Entscheidung ist. Heute wollen wir einen Blick darauf wenden, wie mit dem zu verwaltenden Mangel umgegangen wird.

Es ist Kommunikation und Kreativität gefragt und beides vermissen wir sehr! Es bleiben einfach zu viele Fragen offen, die zumindest öffentlich nicht beantwortet werden. Hinter vorgehaltener Hand ist gerne mal „es sind alle in Kurzarbeit“ als Grund für fehlenden Kund*innenservice genannt. Und ja, wir Fans lassen uns sehr ungern als Kund*innen bezeichnen, aber lieber Verein: Don’t take us for granted! Und wenn ihr meint, hier Geld per Kurzarbeit anstatt beim dritten Stürmer zu sparen, dann ist dies eine bewusste Entscheidung. Und wenn Folge dieser Entscheidung ist, dass ihr es bisher nicht geschafft habt, Saisonpaketinhaber*innen, Auswärtsdauerkarteninhaber*innen etc. pp auch nur warme Worte zu schicken, UND ihr plant, diese auf absehbare Pandemiezeiten vom Stadionbesuch auszuschließen, dann wundert euch nicht, dass diese Menschen irgendwann nur noch die Die-Hard-Antwort für euch haben:
„You can have two words, fuck and you.“

Und ist es wirklich kreativ, einfach jedes Mal neu zu losen? Menschen haben drei Mal Losglück, kommen drei Spiele in Folge rein. Menschen haben drei Mal Lospech und sehen kein Spiel? Das kann man verhindern, wenn man sich mal drüber Gedanken macht. Und ja klar ist es problematisch, dass die Spiele verschieden attraktiv sind. Aber auch das kann man lösen. 

Wir müssen damit rechnen, dass dieser Scheiß noch bis 2022 dauert. Meint ihr, dass diese Menschen dann wieder diese sauteuren Saisonpakete und Einzelkarten kaufen, nachdem ihr sie gut 36 Monate mit dem Arsch nicht angeguckt habt? Ja auch das ist fucking Kund*innenservice! Leute entdecken halt auch, dass man Sonntage anders als mit Fußball verbringen kann. Wir haben beim Spiel gegen Karlsruhe jedenfalls schon häufig gehört, dass Menschen im Wald waren und vom Spiel nichts mitbekommen haben. Etwas, woran natürlich nicht der FCSP alleine Schuld ist. Aber etwas, womit der FCSP Probleme bekommt, wenn die Pandemie vorbei ist und die Leute sonntags immer noch lieber in den Wald gehen wollen. Statt sich blutleere 0:3-Heimniederlagen reinzuziehen. Ganz zu schweigen von Menschen, die seit Jahrzehnten zu diesem Verein kommen und die das Derby verpasst haben, weil andere Dinge wichtiger waren. 

Wir verheimlichen nicht, dass es uns weh tut, dass eine von uns, die die letzten Jahre nie unter 30 Spiele im Stadion war, nun nicht mal diese warmen Worte bekommt, weil sie eben wegen Lebensalter und vorherigem Wohnort keine Dauerkarte hat. Was kriegt sie stattdessen? Komische Treueerklärungen.

Wer eine Ticketverteilung ausschliesslich an Dauerkarteninhaber*innen für „gerecht“ hält, der muss erheblich an seinem Gerechtigkeitsgefühl schrauben. Auch gerade weil uns genügend Dauerkarteninhaber*innen bekannt sind, die in den letzten Jahren vielleicht bei fünf Heim- und einem Auswärtsspiel im Volkspark anwesend waren. Dürfen wir mal fragen, wer rein mehr Geld (!) in den FCSP gespült hat? Diese Menschen? Oder der Saisonpaket- und Auswärtsdauerkartenmensch? 

Und das ist euch weder ein paar warme Worte noch eine Möglichkeit, diese Menschen zukünftig an Kartenverlosungen teilnehmen zu lassen wert? Wir wiederholen das Die-Hard-Zitat jetzt nicht noch mal.

Öffentlich wird auch nichts dazu gesagt, ob und wie mit Menschen umgegangen wird, die sich schonmal erfolgreich beworben haben. Wir haben einen Mangel. Und dann soll jede*r mal. Sorry. Außer Veteranen-Bernd hat hier niemand ein Argument, mehr als ein Spiel zu sehen. Lieber Verein, dass ihr einen Menschen, der 38 Jahre kein Heimspiel verpasst hat, bis Corona kommt, nicht einmal auf dem Schirm habt, sagt schon SEHR viel aus. 

Das merkt ja selbst Kaiserslautern.

Wertschätzung ist ein so großes Wort. Dies alles ist keine.

  2 Responses to “Leere Stadien und was man (nicht) tun sollte”

  1. Puh, das mit dem Weißbier ist ja immer so ne Sache…

    Ich bin mal ganz ehrlich: Ich kann die hier geäußerte Aufregung nur bedingt nachvollziehen. Es ist für alle scheiße, keine Frage – aber es gibt halt keine Tickets. Und ob es nun 0, 1.000 oder 2.500 sind, das fasse ich alles unter „keine Tickets“ zusammen, kaufmännisch abgerundet.

    Würde man hier jetzt für den Sonderfall Bernd oder alle Saisonkarten eine „kreative“ Lösung finden, würden Dauerkarteninhaber*innen seit 1910 sich beschweren, ansonsten beschweren sich halt andere. Man kann es nicht Allen recht machen und wenn sonst 29.546 schon zuwenig sind, sind es 1.000 (oder was auch immer) eben erst recht.

    Ich hab keine Ahnung, wie viel Aufwand hinter der „Wer beim ersten Mal gelost wurde, ist beim zweiten Mal raus“-Variante steckt. Ja, die erscheint mir auch sinnvoller als die aktuell gewählte – aber zumindest beim ersten Heimspiel schien es ja eher so, als sei man die Karten mal gerade so losgeworden und Absagen waren eher die Ausnahme. Das man dann auf „Effizienzgründen“ einen bürokratischen Mehraufwand aktuell vermeidet, der eher wenig an der Gesamtsituation ändern würde, kann ich auch nachvollziehen.
    Könnte man das offener kommunizieren? Weiß ich nicht, vielleicht. Die Vergabe der Auswärtskarten in der Vergangenheit war oft ein Vorbild an transparenter Kommunikation, ich unterstelle dem Kartencenter hier also eher logistische / ressourcentechnische Probleme als den Willen.

    Ich hab für mich meinen Frieden mit der Situation gemacht und bewerbe mich auf Tickets, wenn ich es kann – und kann gut damit leben, wenn ich dann keine bekomme. Ja, das ist für andere doof, die sich nicht mal bewerben dürfen, keine Frage. Aber das erweitern um Saisonpakettickets oder ADK wäre dann auch eher Symbolisch. Sind Symbole wichtig in diesen Zeiten? Ja, absolut. Würde ich es gut finden, wenn man entsprechend verfährt? Ja.
    Glaube ich dem Kartencenter, dass man da nach besten Wissen und Gewissen abwägt, wie man verfährt und dann die Lösung wählt, die eben aus der Vielzahl an Gründen für das KC die Sinnvollste ist? Ja, ebenfalls.

    Und das ist dann unbefriedigend, verstehe ich auch. Die Ausgangslage ist scheiße, habt Ihr ja auch geschrieben. Alles doof. Bleibt also doch nur die Hoffnung auf den Dietmar…

  2. Moinsen,
    Ich kann mich Maik nur anschließen… ich kann eure Aufregung nicht nachvollziehen.

    Der Verein hat, wenn denn einige wenige Zuschauer kommen dürfen, einen Hauch von nix zu verwalten.

    Die Grundsatzentscheidung, Karten nur unter Dauerkarteninhaber*innen zu verlosen, mag diskutabel sein. Aber für mich zumindest auch durchaus nachvollziehbar – denn die Menschen mit DK sind nun mal die Einzigen, die für die laufende Saison eine Eintrittsberechtigung bereits erworben haben.

    Wo von Saisonbeginn an immer absehbar war, dass wegen der Pandemie man noch nicht mal alle DK Leute ins Stadion wird lassen dürfen, da erübrigt sich wohl der Gedanke, zusätzlichen Aufwand zu betreiben und Saisonpakete anzubieten, die dann auch noch alle zum Erstattungsprozedere ontop kommen. Vom Arbeitsaufwand ganz zu schweigen. Das gilt ebenso für Kommikation mit dieser Gruppe.

    Wenn Kurzarbeit beim FCSP angesetzt ist, dann gerade im Kartencenter sicherlich viele Mitarbeiter*innen mit null Stunden Arbeitszeit. Und da wird man sicherlich nicht nur weil es in einer idealen Welt wünschenswert wäre die für regelmäßige nette Emails an potentielle Saisonpaketkäufer*innen wieder hochstufen in ihrer Arbeitszeit. Und was die Emails an die Dauerkarteninhaber*innen angeht: da lese ICH einen angemessenen Pragmatismus raus und nix weiter… Mensch hat sich aus Gründen für ein bestimmtes Vorgehen für die Kartenvergabe entschieden und nach Heidenheim dann geschaut, wie es lief. Und das Ergebnis – im Kurzarbeitsmodus und besonderem Effizienzerfordernis bei leeren Kassen wegen der Pandemie – war eben „lief ok“, folgerichtig hat man den Modus beibehalten.

    Und anders als ihr behauptet war es offenbar sehr wohl so, dass Leute die beim ersten Spiel gelost wurden und beim zweiten Mal es wieder probiert hatten, eine Absage bekamen. Auch wenn das wohl nicht simo kommuniziert wurde öffentlich. Aber ich kenne 2 Menschen, die beide unabhängig voneinander genau diese Info bekamen, dass sie weil sie beim ersten Spiel waren, für das zweite Spiel keine Karten bekommen haben.

    So, Leute, entspannt euch mal ein bisschen! Wird langsam anstrengend, dass in euren Augen grundsätzlich immer alles total scheiße ist, egal was der Verein so macht oder wie er es macht. Werdet mal wieder etwas konstruktiver bitte! Das hat diesen Blog früher mal ausgezeichnet… scheint mir leider mehr und mehr verloren zu gehen… schade, das!

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