Okt 272020
 

Jetzt ist sie also da, diese Derbywoche. Derbywoche, ein Wort, das uns unter normalen Umständen sofort in eine gewisse Anspannung verfallen lässt, eine Woche in der wenig anderes wirklich wichtig ist. In der wir seit Wochen wissen, wer sich wo wann mit wem trifft, wie wir zum Stadion kommen. Eine Woche, in der jeder Pups im Training ausführlich mit “hoffentlich kann er spielen” bedacht wird. Eine Woche (die einzige Woche), in der dieses Kollektiv Redaktionspläne hat und mit vorgetimeten Tweets agiert. Eine Woche, in der wir uns auch mal zoffen, was wohl auch zu dieser Derbyfolklore gehört. Eine Woche, in der die Kolleg*innen plötzlich alle krasse Fußballfans sind und unbedingt noch ein Ticket brauchen. Eine Woche, in der es um wenig anderes geht.

Und jetzt? Jetzt ist da quasi nichts von da. Auch jetzt gibt es noch Reste dieses Kribbeln, wenn Rodrigo in der 94. Minute im letzten Spiel vorm Derby noch einen Elfmeter versenkt. In Darmstadt. Wo wir seit 1992 keinen Punkt mehr geholt haben. Was wären wir im Gästeblock alle eskaliert. Wir würden in 40 Jahren noch von der geilen Fahrt reden und es hätte sicher auch einen freudetrunkenen Bericht in diesem Medium gegeben. Und jetzt? Guckten wir das Spiel und da war maximal 0,1910% der normalen Emotion in der Situation. Wir kennen Menschen, die erinnerten sich am Tag drauf nicht mal mehr an das Ergebnis.

Und so wird es uns auch am Freitag gehen – ja, es ist zwar Derbywoche, aber es findet genau nichts statt, was diese Derbywoche ausmacht. Stattdessen dürfen wir mit einem anderen Haushalt zusammen das Spiel im Fernsehen oder am AFM-Radio verfolgen. Können nicht mal das Halbzeitentertainment der Rautenromane erleben. Uns über schlechte Verkehrsplanung bei der Anreise aufregen. Über das zugige Stadion jammern. Und wir werden sogar Samstag Morgen ganz normal unsere Stimme haben. 

Ja, es ist Derbywoche. Aber ein Derby ist das so doch nicht. 

Und allem zum Trotz: Rausgehen, warmmachen, Derbysieger*innen bleiben. Hamburg bleibt braun-weiß.