Jul 212020
 

Letzte Woche wurden durch DFL und DFB ein Konzept vorgelegt, wie unter Corona-Bedingungen eine Teilzulassung von Zuschauer*innen ermöglicht werden kann. Und während wir einzelne Themen auf Twitter schon (teilweise eher hitzig) diskutierten, ist jetzt noch mal der Zeitpunkt für uns gekommen, das ganze zu betrachten. 

Infektionsschutz ist am allerwichtigsten

Wir hoffen und denken, dass alle Beteiligten sich hier einig sind. Eine Risikominimierung ist am allerwichtigsten. Wir haben Corona – Stand jetzt – einigermaßen unter Kontrolle in Deutschland. Und das muss unbedingt so bleiben. Wir sprechen durchaus regelmäßig mit Menschen, die im nicht-europäischen Ausland in Hot Spots leben. Und wir alle wollen darauf verzichten, sowas zu erleben.
Niemand von uns will, dass weitere Infektionsherde sich irgendwann auf den Fußball zurückführen lassen. Infektionsschutz ist oberstes Gebot. Und unter diesen Rahmenbedingungen betrachten wir auch alle weiteren Aspekte.

Wie viele Zuschauer*innen sind ok?

Wir fangen gleich mit der schwierigsten Frage an und ja, die Frage ist bewusst so formuliert. Als FCSP haben wie eine Sondersituation, weil unseres Wissens nach in der letzten Saison 17 von 18 Wettbewerbsheimspielen (im Heimbereich) ausverkauft waren. Wir haben nicht das Problem vieler anderer Erst- und Zweitligisten, die diesen Zustand nur bei vermeintlichen Spitzenspielen hinbekommen und sonst auch mal eher mit komplett leeren Tribünen aufwarten. 
Zudem sind bereits mehr als die Hälfte der maximal möglichen Plätze (ca. 15.500 von 29.546) Tickets verkauft. In anderen Worten: Selbst wenn wir ein reines Sitzplatzstadion hätten, könnten nicht alle Menschen, die ein Ticket gekauft hätten, rein. Maik hat im MillernTon berechnet, dass ca 8.400 Zuschauer*innen ins Stadion könnten, wenn man die Maximalbedingungen des Konzeptes zu Grund legt. Überschlagen heißt das, dass etwa die Hälfte der Menschen, die jetzt bereits ein Ticket haben, bei Maximalauslastung ins Stadion könn(t)en. Und da ist noch niemand mit „normalerweise Saisonabo“ eingeplant. Das viele Menschen auch in unserem Umfeld nutzen, weil sie eben nicht seit x Jahren auf der Dauerkartenwarteliste stehen.
Uns ist klar, dass es auch sonst immer eine No-Show-Rate gibt. Und dass auch wir unter unseren Fans Risikogruppen haben, die den Weg in größere Menschengruppen eher scheuen werden, so lange kein wirklich wirksamer Schutz gefunden ist. Aber wir wollen zumindest mal anzweifeln ob das 7.000 Menschen sind.

Und dabei ist dann auch ein Teilaspekt: Wir kennen Menschen, die sonst immer beim FCSP sind und unter diesen Bedingungen es aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht machen können werden. Diese Menschen kommen in der Diskussion um eine Teilzulassung auch gefühlt leider gar nicht vor.

Alle oder kein*r

Es gibt Stimmen, die „alle oder keine*r“ sagen. Und wir können das emotional komplett nachvollziehen. Es wird kein Fußballerlebnis, wie wir das wollen. Vieles wurde bisher der Maxime „unbedingt weiterspielen“ untergeordnet. Die Fans in den Stadien, die Wochenende für Wochenende Fußball zu einem runden Ding machen, sind bisher komplett außenvorgelassen worden – wenn man von ein paar salbungsvollen Worten in deren Richtung absieht. Thema wurden sie erst, als sie dann an den letzten Spieltagen teilweise vor die Stadien kamen, sei es in Bielefeld, Stuttgart, Dresden oder Heidenheim. Nachdem die Vereine das stark befeuert hatten und es zuvor komplett ruhig geblieben war. Dies aber sowieso nur als Nebenbemerkung.

Und auch jetzt erscheinen sie eher als Beiwerk, um die Show auf jeden Fall weiterspielen zu lassen. Wir wissen um die wirtschaftlichen Zwänge. Aber die hätte man mit früherer und besserer finanzielle Vorbereitung auf gemeinschaftlicher Ebene auch deutlich besser abfedern können. Was nicht passiert ist. Und in Zukunft unbedingt passieren muss. 

Nun sind wir aber in dieser Lage, die nach wie vor für viele Vereine in erster und zweiter Liga existenzbedrohend ist. Und vor allem, bzw. eher für die e.V.-Vereine und nicht die Glitzerprodukte aus Wolfsburg, Leverkusen oder Leipzig. Die dann im Fall von VW mal eben und schön Kurzarbeit einführen (Geld der Sozialgemeinschaft), um im nächsten Schritt dann potentiell dem VfL wieder schön Geld reinzuspritzen. Kapitalismus, so geil, ne? Zu RedBull schreiben wir nichts, der Hausjurist liest solche Texte nicht und wir wissen nur, dass das wahrscheinlich justitiabel wäre.

Auf jeden Fall befinden wir uns jetzt in der Lage, dass gespielt werden „muss“, um die wirtschaftliche Insolvenz zahlreicher Vereine zu verhindern.
Wir persönlich haben eher keine Lust auf Spiele mit halbleeren Stadien, Sicherheitsabstand und ohne organisierten Support. Und diese Aussage ist eine maximale Untertreibung. Zum Fußball gehört für uns die Enge auf den Stehplätzen, der Support, das Gemeinschaftserlebnis. Das sich unter Corona-Bedingungen nur schwer einstellen wird. Und auch das ist maximale Untertreibung.

ABER: In unserem 2009 erarbeiteten Leitbild des FCSP steht auch: 
„Es gibt keine „besseren“ oder „schlechteren“ Fans. Jeder kann sein Fansein nach eigenem Gutdünken ausleben, solange dies nicht gegen o.g. Bestimmungen verstößt.“

Und das heißt auch, dass wir – nur weil Du und ich darauf eher geringen Bock haben – anderen nicht das Recht absprechen sollten, das Spiel so zu erleben, wie sie das wollen. Und wenn Leute auf Fußball im Stadion unter diesen Rahmenbedingungen Lust haben, steht es uns nicht zu, ihnen das nicht möglich zu machen, wenn es grundsätzlich möglich ist.
Zumal: Wir sind uns auch nicht sicher, was wir machen, wenn denn irgendwann die Frage kommt, ob wir ins Stadion wollen, oder ob wir unseren Anspruch nicht geltend machen wollen. 
Wir sind jedenfalls froh, dass bei uns bisher noch keine Debatte, um Stadionblockierung aufgekommen ist – und können unter diesen Bedingungen auch wirklich drauf verzichten.

Aufpassen!

In der der Debatte um die Rahmenbedingungen kommen viele Themen auf, die wir – aus gutem Grund – bisher pauschal für den FCSP ausgeschlossen haben: Personalisierung von Tickets (zur Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten), zusätzliche technische Geräte bei den Eingangskontrolle (zur Identifikation potentiell Infizierter) seien jetzt nur 2 Stichworte.

Wir hoffen, dass in all diesen Themenbereichen genau abgewägt wird zwischen dem nötigen Infektionsschutz und der Normalisierung von Sicherheitsmaßnahmen, die dann ganz unauffällig Einzug halten und nach Corona auch nicht mehr weggehen.

Nicht ohne Gästefans

In den letzten Tagen entwickelten sich mehrere Diskussionen auf Twitter zur Frage der Gästefans. Und der Brauseverein, der sowieso für genau das Gegenteil von Fußballkultur steht, hat dann auch schön fleißig schon mal ein Konzept vorgelegt, in dem Gästefans bewusst ausgeschlossen werden, die haben sich auch noch nicht mal die Mühe gemacht, da irgendwie eine halbwegs vertretbare Begründung zu erfinden. So erwartbar wie scheiße.

Wir haben da eine klare Haltung: 
So lange es infektionstechnisch vertretbar ist, sind Gästefans genauso elementarer Teil des Fußballs wie Heimfans.

Im Konzept (Seite 20) steht dazu:
„Sofern für den Umgang mit den statuarisch geregelten Kontingenten für Gästefans keine bundesweiten Verfügungslagen oder Vorgaben gelten, sind – vorbehaltlich etwaiger ligaweiter einheitlicher Festlegungen durch die Clubs auf einer Mitgliederversammlung/Ligaversammlung – Heim- und Gastclub angehalten, sich unter Maßgabe des jeweiligen örtlichen Stadionkonzeptes und der damit verbundenen Einhaltung aller Schutz- und Hygienemaßnahmen hierzu miteinander abzustimmen.“

Auch hier erinnern wir noch mal an unser Leitbild:
„Der FC St. Pauli wird weiterhin ein guter Gastgeber sein. Er gesteht seinen Gästen weitgehende Rechte zu, erwartet aber auch, dass dies entsprechend gewürdigt wird.“

Wir stellen dazu fest:
Gästefans pauschal auszuschließen ist scheiße. Wenn gewisse Landkreise unter Quarantäne gestellt werden, dann dürfen die Menschen, diesen Landkreis nicht verlassen. Das hat aber mit Fußball nix zu tun. 

Es gibt mehr als genug Fußballfans, die nicht am Standort ihres Vereins wohnen und regelmäßig zu den Spielen pendeln. Auch unter uns befinden sich Leute, die lange nicht in Hamburg gewohnt haben. Die Anreise ist natürlich ein gewisser Risikofaktor, den man berücksichtigen muss. 

Aber: Wir dürfen in Deutschland Zug fahren (unter Sicherheitsbestimmungen, wie Maskenschutz, auf den aber diverse Menschen auf der letzten Fahrt auch geschissen haben), es gibt Autos, organisierte Busreisen sind wieder möglich. Warum ist das für „normale“ Menschen ok, für Fußballfans aber nicht?

Wir überspitzen: Der mit dem Zug anreisende Junggesell*innenabschied auf der Großen Freiheit ist ok, Fußballfans aber nicht? Und nein: Wir wollen auch keine Fans, die sich so verhalten. Aber guckt mal, auf wessen Seite ihr dann argumentiert, wenn ihr sowas Fußballfans pauschal zuschreibt.

Gilt für die Heimfans, die weiter weg wohnen dann auch, dass sie nicht kommen dürfen? Und klar wird das auch eher keine Anreise „wie sonst immer“ sein. Aber pauschal verbieten muss man sie nicht. Zumal das Argument spätestens bei den Stadtderbys ad absurdum geführt wird.

Dresden befindet sich nicht mehr in der Liga, insofern ist die Gefahr für Gästefans, die sich komplett danebenbenehmen, deutlich verringert. Und glaubt ihr ernsthaft, bei uns gibt’s nur coole Leute, die sich an alle Regeln halten und bei unseren Gegner nur Arschlöcher, die drauf scheißen? Und was machen wir mit den 3 Leuten, die bei uns auf alles scheißen, anders als mit den 3 Leuten im Gästeblock?

Und ja, das zieht noch mal 10% der möglichen Plätzen für „unsere Leute ab“. Aber auch ”unter Normalbedingungen“ ”verhindern“ Gästefans halt auch, dass noch mehr FCSP-Fans ins Stadion dürfen.
Zumal zu einem integren Wettbewerb, der ja als Schlagwort genutzt wird, eben eine Anwesenheit von beiden Seiten gehört. Und – und damit kommen wir zur Überschrift zurück – wir sehen jetzt schon, wie dieser Präzedenzfall dazu führt, dass unangenehme Gästefans dann eben nicht mehr willkommen sind.

Wir spielen ja (hoffentlich) nie wieder gegen Dresden. Aber falls doch: Wie schön kann man dann in Dresden FCSP-Fans mit vermeintlicher Gefahrenabwehr verhindern? Ging doch bei Corona auch.

Steh- und Sitzplätze?

Ein “Problem” – und zwar Problem nur in dieser pandemischen Lage – ist unsere hohe Anzahl an Stehplätzen. Da diese in Sicherheitskonzepten deutlich geringer ausgelastet werden dürfen, als die Sitzplätze. Es gibt nun angebliche Möglichkeiten, (einen Teil) der Stehplätze in Sitzplätze zu verwandeln. Kostet natürlich erst mal, soll dann aber wohl auch recht schnell kostendeckend sein, wenn noch weiter nicht vor komplett vollen Rängen gespielt wird.

Wir als Kollektiv befinden uns auf der Stehtribüne, sitzen beim Zuschauen nur, wenn wir in ner Kneipe gucken und verstehen die Argumente beider Seiten. Wir sind da also recht unentschlossen, ob das Sinn macht oder nicht. Da haben Menschen sicher genauere Zahlen, die dann die Entscheidungsgrundlage sind.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie du das auch mit der hohen Zahl an Stehplätzen machst. Teilst Du die Leute, die jetzt ein Ticket haben, in kleinere Gruppen (nach Tribüne und Ticketart zB) ein und vergibst daraus die Kontingente? Würde soviel heißen, dass die Leute mit Sitzplatz-DKs deutlich öfter ins Stadion gehen können, als die Leute mit Stehplatz-Tickets. Fänden wir nur so semigeil. 

Aber wie machste das dann finanziell? Stehplätze lohnen sich finanziell einfach nicht so sehr, gerade wenn du Menschen mit Stehplatztickets dann ohne Aufpreis auf die Sitzplätze lässt. Und die andere Seite: Nicht jede*r mir Stehplatzticket kann sich den Aufpreis auf den Sitzplatz leisten. 
Hier werden auch schwierige Entscheidungen zu treffen sein, zumal wir davon ausgehen, dass ggf. auch nicht alle auf ihre angestammten Tribünen können.

Wie verteilst Du die Tickets?

Es ist ziemlich klar, dass nicht alle, die wollen, ins Stadion werden gehen können. Uns ist wichtig, dass es hier ein möglichst transparentes und faires Verfahren zur Verteilung geben wird. Per „kontrolliertem“ Losen oder ähnlichem. Und trotzdem wirst Du nicht verhindern, dass die eine dann das Derby zugelost bekommt und die andere das Heimspiel gegen Sandhausen. Man muss und kann das bestmöglich regulieren, aber komplette Gleichheit wird man nicht schaffen.

Das liebe Geld

Als kommunistisches Propagandamedium reden wir wirklich nicht so gerne übers Geld. Das wisst ihr. Aber komplett wäre dieser Beitrag ohne eben auch nicht. Also wollen wir mal:
Wir haben für irgendeinen älteren Beitrag mal ausgerechnet, dass uns pro Heimspieltag ohne komplett volles Stadion eine knappe Million € fehlen. Wir finden den Beitrag gerade nicht, das können auch 300.000€ mehr oder weniger sein und Details haben die Verantwortlichen beim Verein mit Sicherheit. Aber das ist die Größenordnung, in der wir rechnen. Anders gesagt: 5 Mats-Transfers, wenn wir eine ganze Saison ohne Zuschauer*innen spielen. Und das ist eine verdammt große Zahl. Überlegt doch mal, wie wir mit 5 Matsen dastünden!

Insofern ist es – wenn die DFL mehrheitlich spielen will – simpel und einfach auch eine Frage, ob man es sich leisten kann, dann eben keine Zuschauer*innen reinzulassen. Klar ist auch, dass es bei Teilzulassungen natürlich auch um geringere Summen geht, als in einer „normalen“ Saison.

Die Kosten gehen hoch, die Einnahmen runter. Einfaches Ding. Und trotzdem möchten wir zumindest erwähnen, dass wir es bisher nach unserem Wissen geschafft haben, sehr sozialverträglich mit den Folgen der Krise umzugehen. Stichworte: Bewusster Einsatz von Kurzarbeit, keine betriebsbedingten Kündigungen, etc.

Und um das auch weiterhin zu schaffen und gleichzeitig in der Liga konkurrenzfähig zu sein, brauchen wir dann eben einfach Einnahmen. Und auch wenn wir davon nicht die größten Fans sind, lohnen sich halt insbesondere Logen in so einem Kontext doch einfach mehr als so ein einfacher Stehplatz. Und wir reden hier wirklich nur übers finanzielle, und ja, “nicht größte Fans” ist eine Untertreibung. Und wenn das berücksichtigt wird, um andere schwierige soziale Folgen abzufedern, dann können wir das zumindest verstehen.

Fragen, die bleiben

  • Warum arbeiten gefühlt alle auf Quartal 1 2021 hin? Wir haben zumindest noch nirgendwo gelesen, dass der Impfstoff (wenn es den überhaupt geben wird) genau dann fertig ist und Fußballfans genau dann alle wieder ins Stadion können.
  • Was machen wir alle zusammen bloß mit den Leuten, die jetzt im Volkspark spielen wollen? Wir sind da echt ratlos.
  • Warum werden die feiernden Horden auf dem Schulterblatt (500m vom Stadion entfernt) Abend für Abend geduldet, während Veranstalter*innen ausführliche Konzepte schreiben müssen?
  • Wie sehr freut ihr euch auf das erste richtige Spiel? Mit allen, wie vorher. 

Unser Tag wird kommen! Tiocfaidh ár lá!

Jul 122020
 

oder: Wir haben einen Trainer

Sonntagmorgen, ausgeschlafen, Kaffee im Bett – und die FCSP-Timeline dreht durch: Der Verein meldet tatsächlich eine Entscheidung bei der wochenlangen Suche nach einem neuen Cheftrainer. Aber mal ehrlich: Glaubt ihr, die hätten in den Wochen nur Däumchen gedreht? Es las sich teilweise danach. Der neue Mensch an der Seitenlinie heißt jedenfalls Timo Schultz und ist ein mehr als guter alter Bekannter. Aber wem erzählen wir da etwas Neues! Schließlich fiel der Name schon diverse Male in den vergangenen Wochen. Ein Paukenschlag ist Schulles Cheftrainerposten nicht.

Die Loide vom Millernton waren die ersten Streber*innen, die ausführlich zu der Neubesetzung geschrieben haben. Es wurde schon alles gesagt, nur nicht von uns? Fast, aber ein paar eigene Gedanken haben wir aber natürlich dazu.

Zunächst einmal: Herzlich willkommen auf der Cheftrainer*innen-Bank, Schulle! Wir finden dich gut, wir freuen uns auf dich, wir glauben an dich. Wir wollen mit dir aufsteigen und international spielen, bescheiden wie wir sind.

Man könnte jetzt viel Wasser in den Wein kippen. Ist Schulle nur zweite (oder dritte oder vierte) Wahl gewesen und hat aus reiner Not den Zuschlag bekommen? Natürlich möglich, wissen wir nicht. Dürften aber viele so interpretieren. Wird aber keine*n mehr interessieren, wenn sich Erfolg einstellt. Daran – und vor allem daran – sollte der neue Cheftrainer gemessen werden. Seht es uns nach, aber nach den vergangenen Kacksaisons ist uns “schöner Fußball” scheißegal. Wir sollten nicht so tief da unten stehen. Wir haben besseres zu tun als Abstiegskrampf. Also muss Zählbares oberste Prämisse sein. Zugegeben, auf faires Verhalten gegenüber Spielern und eine einigermaßen vernünftige Darstellung nach außen legen wir wert. Aber da wir Schulle schon eine Weile kennen, machen wir uns darüber keine Sorgen.

Und Loide, jetzt mal ehrlich: Gerade wenn sich Schulle gegen die vier, fünf anderen Kandidat*innen durchgesetzt hat, spricht das doch für sich. Für uns heißt das: Man hat sich sorgfältig umgeguckt und dann guten Gewissens für diese Variante entschieden. Und nicht – wie es mitten in der Saison der Fall ist – auf die Verlegenheitslösung zurückgreifen müssen.

Nothing to lose

Ein Eigengewächs also. Die Nachteile liegen auf der Hand: Timo Schultz hat nicht zig Jahre Erfahrungen als Trainer im Profifußball und kein großes Netzwerk außerhalb des Vereins. Er muss schauen, wie er seinen ganz eigenen Weg mit der Mannschaft findet. Wer den ganzen Bums schon seit langer Zeit kennt und mitbegleitet, scheut sich vielleicht auch mehr als Leute von außen vor unpopulären Entscheidungen, um lange gepflegte Beziehungen nicht zu belasten. Das kennen sicherlich viele von euch aus dem eigenen Berufsleben. Ein*e Aufsteiger*in aus den eigenen Reihen wird immer mit anderen Maßstäben gemessen als jemand, der*die von außerhalb kommt und einen großen Erfahrungsschatz mitbringt. 

Und dann ist da noch die Eigendynamik des Profifußball-Trainer*innendaseins: Schulles Entscheidung, die Beförderung anzunehmen, ist damit auch die erklärte Bereitschaft, sich hier die Finger zu verbrennen und es sich mit dem gesamten FC St. Pauli zu verscherzen. Unser Cheftrainer*innenposten ist ja nun in den vergangenen Jahren nun wirklich kein bequemer Sessel gewesen. Allzu viel Geduld bei Erfolglosigkeit kann Timo Schultz nicht erwarten. Aber das ist Berufsrisiko als Fußballtrainer*in, relativ egal wo.

Wir glauben jedenfalls, dass Schulle als Chefcoach eine gute Idee ist. Als Grund gehört auch dazu, das muss man mal so knallhart sagen, dass es da keine wesentlich bessere Alternative gibt. Nun kennen wir natürlich nicht jeden Namen, der jemals irgendwo auf irgendeiner Liste stand. Aber dass es seit der Trennung von Luhukay eine Weile bis zur Verkündigung des Nachfolgers gebraucht hat, sagt einiges aus. Und das kann natürlich daran liegen, dass der Trainer*innenposten bei uns – nach der Historie der letzten Jahre – auch schon mal attraktiver war. Dafür liefen die vergangenen Jahre zu mies. Andererseits: Es gehen auch immer noch Leute als Trainer zum H$V. Uns das ist sowieso und immer unattraktiv. Mancher hat sich hier schon die Zähne ausgebissen, um es milde auszudrücken. Und da hat Schulle als Mensch mit langjähriger FCSP-Erfahrung den deutlichen Vorteil, dass alle wissen, worauf sie sich einlassen. Für Schultz ist das Risiko höher als für den Rest des Vereins. Und dabei wollen wir auch nicht aus den Augen lassen, dass der Vizepräsident, der in den letzten knapp sechs Jahren für das Sportliche zuständig war, jetzt seit zwölf Tagen nicht mehr da ist. Und somit auch eine Stimme fehlt, die die letzten Entscheidungen prägte. Und dass das aber eben auch heißt, dass das der sechste Trainer unter Oke ist. Wir sagens mal so: Die Chancen auf eine Wiedernominierung (wenn er es denn selbst will) steigen nun nicht unbedingt, wenn der Trainer jetzt floppt.

Kein Allheilmittel, aber wir freuen uns trotzdem

Fußballfans neigen dazu, sehr viel an der Personalie des*der Trainer*in festzumachen. Womöglich wird diese Position manchmal sogar überbewertet. Der Einfluss ist dann eben doch begrenzt, denn an Faktoren wie den individuellen Eigenheiten der Spieler und speziellen Strukturen im Verein kann er*sie auch nicht alles ändern. Und so sollte sich niemand die Hoffnung machen, dass jetzt alles ganz anders wird. Stichwort Kaderplanung, damit steht und fällt die neue Saison. Und machen wir uns nichts vor: Die Kaderplanung wird die letzten Wochen vorangeschritten sein, wenn man denn ein sportliches Konzept hat. Das scheint man zu haben – wir nennen es mal aktiver Offensivfußball. Auf jeden Fall: Mit diesem Konzept wird man parallel nach Trainer und Spielern gesucht haben und nicht jetzt erst mit der Spielersuche beginnen.

Aber: Die Freude und die Zuversicht in der Fanszene sind unübersehbar. Ganz überwiegend steht das Umfeld des FCSP dieser neuen Konstellation positiv gegenüber. Und verdammtnochmal, das brauchen wir jetzt auch! Lasst uns noch mal kurz festhalten, wo wir uns gerade befinden: Nach einer weiteren wirklich miesen Saison (Ausnahmen – DERBYSIEGE!!! – werden nicht vergessen) stecken wir noch immer tief in der Coronakrise. Das ist niederschmetternd für uns als Fans, das ist aber auch nicht zuletzt für die Gesundheit des Vereins von einschneidender Bedeutung. Da werden keine Fuffis in den Club geschmissen. (Auch das kann ein Argument für eine elegante interne Lösung bei der Neubesetzung des Trainer*innenpostens sein.) Bis wir wieder ins Stadion können und sich Fußball wieder so anfühlt, wie wir es gewohnt sind, wird noch viel Wasser die Elbe herunterfließen.

So, und jetzt haben wir mit Schulle als Cheftrainer eine Lösung, die sich viele so gewünscht haben. Neunmalkluge Fußballexpert*innen wissen vielleicht schon ganz genau, ob das für den sportlichen Erfolg die allerbeste Idee war oder was man hätte anders machen können. Wir jedenfalls freuen uns und sind guter Hoffnung, dass es zumindest nicht schlimmer wird. Forza!

PS: Schulle hat als U19-Trainer zwei Derbysiege gegen den H$V eingefahren. HAMBURG BLEIBT BRAUN-WEISS!
(Über das andere Spiel verlieren wir einfach kein Wort.)

Jul 072020
 

Anmerkung des Kollektivs: Neben dem gestern verkündeten Besetzungswechsel konnten wir auch noch eine Gastautor*innen gewinnen, die regelmäßig unregelmäßig hier veröffentlichen werden. Und hiermit machen wir heute den Anfang. Autor*in ist dem Kollektiv bekannt und von diesem sehr geschätzt.

Mächtig gewaltig.

Schön guten Tag Herr Amin, Sie lehnen also jegliche Form der Gewalt ab? Ich zitiere: „Ich lehne jegliche Art der Gewalt und deren Androhung kategorisch ab.“

Das ist sehr löblich für Sie. Ich sehe eine Europafahne in Ihrem Twitter-Profil? Und Ihre Twitterbio sagt: „Mensch der #Mitte. Für #FDGO, gegen jeden #Extremismus, für #Toleranz, #Vielfalt und #Humanismus.“

Und dann pinnen Sie noch einen Tweet an, in dem Sie ein unbedingtes Bekenntnis zur FDGO fordern?

Ich habe ja Sympathien für Ihre gutbürgerliche Existenz, bin ich doch auch in einem Vorort aufgewachsen und hielt mich für wild, als ich die Grünen wählte. Und ich mag auch das Musical „Hair“ und Liebe, Blumen und Frieden.

Aber ich muss Sie leider enttäuschen. Zwar mag Ihre Fassade bürgerlich sein, vielleicht sehen Sie sich selbst als Mensch der Mitte und Freund der freiheitlich demokratischen Grundordnung, aber aus der Fremdwahrnehmung des Verfassungsschutzes sind Sie leider ein staatszersetzender Anarchist. Wir müssen Sie deswegen leider beobachten und in die Datei Linksradikal aufnehmen.

Ich sehe ihr erstauntes Gesicht und es ist für Sie vielleicht ein Schock, daher lassen Sie mich Ihnen kurz unsere Entscheidung erläutern.

Sie lehnen jegliche Art der Gewalt und deren Androhung KATEGORISCH ab? Das haben Sie selber geschrieben. Dabei ist Gewalt ein Kernbestandteil der von Ihnen angeblich (wahrscheinlich zur Tarnung ihres Radikalismus!) unterstützten FDGO. Lassen Sie mich dazu aus der sogenannten „NPD-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichts (Urteil vom 17.01.2017 2 BvB 1/13; es wird aus den Leitsätzen zitiert) zitieren:

„3. Der Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne von Art. 21 Abs. 2 GG umfasst nur jene zentralen Grundprinzipien, die für den freiheitlichen Verfassungsstaat schlechthin unentbehrlich sind.
a) Ihren Ausgangspunkt findet die freiheitliche demokratische Grundordnung in der Würde des Menschen (Art. 1 Abs. 1 GG). Die Garantie der Menschenwürde umfasst insbesondere die Wahrung personaler Individualität, Identität und Integrität sowie die elementare Rechtsgleichheit. 
b) Ferner ist das Demokratieprinzip konstitutiver Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Unverzichtbar für ein demokratisches System sind die Möglichkeit gleichberechtigter Teilnahme aller Bürgerinnen und Bürger am Prozess der politischen Willensbildung und die Rückbindung der Ausübung der Staatsgewalt an das Volk (Art. 20 Abs. 1 und 2 GG).
c) Für den Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind schließlich die im Rechtsstaatsprinzip wurzelnde Rechtsbindung der öffentlichen Gewalt (Art. 20 Abs. 3 GG) und die Kontrolle dieser Bindung durch unabhängige Gerichte bestimmend. Zugleich erfordert die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit des Einzelnen, dass die Anwendung physischer Gewalt den gebundenen und gerichtlicher Kontrolle unterliegenden staatlichen Organen vorbehalten ist.“

Ich sehe Sie zittern. Soviel Gewalt in so wenig Sätzen! Staatsgewalt! Die dann auch noch vom Volke ausgeht. Ist Ihnen eigentlich klar, dass sie Teil dieses Volkes sind? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie ein Problem mit dem Begriff „Staatsvolk“ haben, aber nach dem Grundgesetz sind Sie Teil davon. Ob Sie wollen oder nicht: Sie üben jeden Tag Gewalt aus.

Glauben Sie uns immer noch nicht? Immerhin verprügeln Sie ja niemanden! Aber vielleicht haben Sie da auch einfach Gewalt falsch verstanden. Gucken wir doch mal bei Google nach dem ersten Link:

„Gewalt werden Handlungen, Vorgänge und soziale Zusammenhänge bezeichnet, in denen oder durch die auf Menschen, Tiere oder Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend eingewirkt wird. Gemeint ist das Vermögen zur Durchführung einer Handlung, die den inneren oder wesentlichen Kern einer Angelegenheit oder Struktur (be)trifft.“

Sie lehnen also Gewalt kategorisch ab? Wie bekommen Sie eigentlich die Tür auf? Oder wie fahren Sie Auto? Denn auch da wird die Luft (ein physikalischer Gegenstand!) mit physikalischer Gewalt (!) zur Seite gedrängt.

Und das lehnen Sie alles kategorisch ab? 

Aber das wollen Sie doch gar nicht ablehnen? Es geht Ihnen doch um was Anderes? Um die politische Gewalt! Und diese schlimmen Straßenschlachten?

Ah, ich merke, Sie widersprechen sich. Das ist nicht sehr glaubwürdig. Man wird ihnen beinah eine Schutzbehauptung unterstellen müssen. Ah, Sie meinen die strafbare böse Gewalt! Soll ich Ihnen das glauben? Ich glaube nicht.

Gucken wir uns das doch mal juristisch an. Gewalt, so sagt die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes und des Bundesverfassungsgerichts, ist jede körperlich wirkende durch die Entfaltung von Kraft oder durch eine physische Einwirkung sonstiger Art, die nach ihrer Zielrichtung, Intensität und Wirkungsweise dazu bestimmt und geeignet ist, die Freiheit der Willensentschließung oder der Willensbetätigung eines anderen aufzuheben oder zu beeinträchtigen.

(Liebe Lesende, lesen Sie diese Definition bitte dreimal und beschließen Sie dann vollkommen zu Recht, dass niemand, aber wirklich NIEMAND Jurist*innen braucht. Und falls Sie zu diesem Schluss noch nicht gekommen, sind überzeugen wir sie etwas später im Text.)

Was ist da nicht erfasst? Richtig! Die Zerstörung von Sachen! Dies ist zwar strafbar (§ 303 StGB z.B.), aber es ist eben keine juristische Gewalt. Auch die Plünderung ist juristisch keine Gewalt.

Wir sind verwirrt! Also so einen Bullenwagen klauen (keine Gewalt, wenn der/ die Fahrer*in gerade nicht anwesend ist) und die Innenstadt demolieren ist für Sie also okay? Was, auch nicht? Sie widersprechen sich schon wieder!

Sie haben ja kein Problem damit, wenn man protestiert, aber diese Plünderungen sind doch viel zu weit gehende Gewalt.

Wissen Sie was Gewalt laut Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist? Eine Sitzblockade! Ihre friedlichen Protestierer, die Ghandis dieser Welt, die Dr. Martin Luther Kings, sie alle übten Gewalt aus! Gewalt z. B. in Form einer Sitzblockade.

(Liebe Lesende, Sie wissen natürlich, dass weder Ghandi noch Dr. King biblische Figuren waren, und Sie wissen natürlich auch, dass beide nicht unter deutsches Recht fallen!)

„Aber das kann doch nicht wahr sein!“ rufen Sie aus! Doch, und die Begründung des BVerfG wird Sie überraschen! Klicken Sie hi… äh halt, Entschuldigung, falscher Film. Wo waren wir? Ah ja, bei der 2. Sitzblockadeentscheidung des BVerfG (1 BvR 388/05) hat das Bundesverfassungsgericht es als Gewalt im Sinne des § 240 StGB (Nötigung) angesehen, bzw. die juristische Auslegung der Strafgerichte akzeptiert, dass eine Sitzblockade einer öffentlichen Straße Gewalt sei, weil der sitzblockierende Mensch die erste Reihe an Autos als Werkzeug nehme um die zweite (und folgende Reihe) mittels einer physischen Sperrwirkung am Weiterfahren zu hindern und damit physischen Zwang gegen diese auszuüben (sogenannte Zweite-Reihe-Rechtsprechung). Weil gegenüber der ersten Reihe sei es ja nur psychische Gewalt, denn die/der betroffene könne ja ohne weitere über die Demonstrat*innen rüber fahren. Er würde sie halt nur töten. 🤷‍♀️🤷‍♂️🤷

(Liebe Lesende, Jurist*innen, ne? Braucht kein Mensch! Seien sie nebenbei vorsichtig: Diese Rechtsprechung wird gerne mal falsch zitiert, eine Sitzblockade bleibt in D weiterhin ein juristisches Risiko. Nutzen Sie sie natürlich trotzdem in geeigneten Fällen.) 

Sie sehen also: Sie würden Sitzblockaden also ablehnen und Plünderungen befürworten! Aber Staaten ablehnen!

Wir verkürzen nun mal, Herr Amin, Sie lehnen friedliche entspannte Sitzblockaden ab, wollen geplünderte Innenstädte und mit der Staatsgewalt haben Sie es auch nicht so. Wir können uns nicht helfen, aber wenn wir Herrn Seehofer nur diese Merkmale mitteilen würden, würde der wohl sagen „Linksextremist“! 

Ach, so meinen Sie das gar nicht? Das ist Ihre einzige und beste Ausrede? Sehr glaubhaft ist das nicht!

Sie wollen nur das Gewaltmonopol beim Staat? Notwehr? Oder auch Art. 20 Abs. 4 Grundgesetz? Wollen Sie alles nicht? Es wird immer komischer.

Sowieso dieses Gewaltmonopol beim Staat, das ist doch auch mal interessant. Diesen Mietendeckel (klassische staatliche Gewalt), den finden Sie ja anscheinend nicht so cool. Da berufen sie sich auf Recht und FREIHEIT? Ja was denn nun? Schon wieder erwischen wir Sie dabei, dass Sie das Grundgesetz nicht so wichtig finden, wie es Ihnen anscheinend ist.

Sollen wir Ihnen denn noch irgendwas glauben? „Eigentum verpflichtet“, schreibt dieses. Ja, diesen kleinen Satz kann man überlesen. Das Bundesverfassungsgericht schreibt zu diesem Satz: „Hierin liegt die Absage an eine Eigentumsordnung, in der das Individualinteresse den unbedingten Vorrang vor den Interessen der Gemeinschaft hat.“ (Zitiert nach BVerfG 242/91 Urteil vom 16.02.2000.)

Gewalt! Gewalt! Ja, es ist ein schwieriges Thema, Herr Amin. Wir sind ja noch gar nicht bei dem soziologischen Gewaltbegriff. Und bei den Ursachen von Gewalt. Denken Sie nur an Diskriminierung oder die Ausgrenzung an politischer Teilhabe! Gucken Sie sich mal den Hamburger Senat an. Da finden sie niemanden, der nicht Peter oder Katarina heißt! Das ist beinah schon juristische Gewalt, wie oben beschrieben. Wir hier in Hamburg haben unfassbar viele Menschen mit dem, was viele „Migrationshintergrund“ nennen.

Wobei der Marineoffizier d. R. Kazim letztens „Migrationsvorteil“ als Bezeichnung ins Spiel brachte. Und wir wollen ihm hier mal nicht widersprechen. Wobei Marineoffizier? Bundeswehr? Das ist Gewalt, das ist nichts für Sie. Aber im Senat repräsentiert? Werden diese Menschen trotz ihres Vorteils nicht. Da gibt es nur Kartoffeln, Kartoffeln und Kartoffeln. Da wird man doch gewalttätig, oder? Jeden Tag das gleiche Essen? Mit dem gleichen Blick in das gleiche Kartoffelgesicht? Langeweile, sagt man, führt zu Gewalt. Das können wir mit Blick auf den Hamburger Senat nur bestätigen.

Herr Amin! Wissen Sie was? Sie sind ein Mann, das macht sie ja gleich noch suspekter! Denn Gewalt ist häufig genug männlich!

Aber Sie lehnen weiterhin jegliche Gewalt kategorisch ab? 

Sie sind ein Anarchist! Gucken Sie bei Wikipedia! Anarchie ist die Abwesenheit von Herrschaft. Herrschaft ist geprägt dadurch, dass sie sich durch Gewalt (Staatsgewalt!) manifestiert.

„Chaos und Anarchie!“ rufen Sie aus? Und meinen die Zustände in Stuttgart? Wenn überhaupt wäre das Anomie und auch dies, lieber Herr Amin, liegt nicht vor, wenn ein paar Jugendliche ein paar Bullenwagen demolieren. Das hat im Notfall ihr Vater schon bei den Rolling Stones in der Ernst Merck Halle gemacht. Ist davon die Welt untergegangen? Nein! Hat ihr Vater „die Republik aufgebaut“? Wahrscheinlich Ja! Es waren halt seine Streetfighting Years! (Oh ne, das waren die Simple Minds)

Lieber Herr Amin, liebe Lesende, ganz vielleicht ist es besser, wenn Jugendliche in ihrer Frustration mal ein paar Supermärkte und eine Bullenwanne smashen, dann auch mal einen „zwischen die Hörner“ bekommen (und das ist was anderes als „härteste Strafen!!!!!!!“ und die damit verbundene lebenslange Stigmatisierung), als wenn sie Nazi werden und Menschen ermorden. Gucken Sie sich einfach an, was aus den Rolling-Stones-„Krawallmachern“ und „Rowdies“ geworden ist, die damals 1965 aus einer „dumpfen Empörung gegen alles“ randaliert haben? (Zitate laut NDR).

Heute sind das Manager*innen, Ärzt*inne, Museums-Betreiber*innen. Stützen in der Mitte der Gesellschaft. Aber mit dieser haben Sie es ja nicht so, Herr Amin. Und die Stones selber? Bestechen Bezirksämter, anstatt als Bad Boys Konzerthallen zu zerlegen oder einfach ein illegales Konzert zu geben. Wir singen traurig was davon. 

Was halten Sie eigentlich von Nazi-Gewalt, Herr Amin, Sie sind in diesem Zusammenhang immer so erstaunlich ruhig?

(Bio und Zitate sind aus einem echten Twitteraccount, der Name ist leicht verfälscht. Die Zitate stimmen, das Gespräch ist natürlich fiktiv. Die Überschrift ist der wunderbaren Olsenbande entnommen.)

Jul 062020
 

Liebe Lesenden,
in unser eigenen Sommerpause haben wir auch weitere personelle Veränderungen zu vermelden. Doch lassen wir diejenigen selbst sprechen! 

Ein Abgang …

Sollten sich eines wunderbaren Tages Philolog*innen dem Wirken dieses Blogs widmen, würden sie feststellen, dass eine Stimme schon länger in den Texten fehlte. Dies ist die meine und daher möchte ich folgerichtig meinen Abschied von MagischerFC.de bekanntgeben.

Das ist – wie angedeutet – ein Entschluss, der sich länger abzeichnete und nichts mit plötzlichen Zerwürfnissen, dem mangelnden Zugang zu Fußball während einer globalen Pandemie oder der Trennung des FCSP von meinem engen, persönlichen Freundes Jos Luhukay zu tun hat.

Tatsächlich empfinde ich persönlich mittlerweile eher ein starkes Desinteresse an Fußball als Sport und den deutschen Profiligen als Institution. Die Tage, in denen ich großen Spaß daran hatte, auf transfermarkt.de Oberliga-Kader zu studieren sind zwar ohnehin schon lange vorbei, aber wenn in den letzten Wochen die stärkste Emotion eine müde Schadenfreude über die letzten beiden Spiele des hsv war, dann ist das keine gute Basis weiter über Fußball schreiben zu wollen.
Und wann oder ob die Fanszenenkultur zurückkehrt, ist angesichts der Public-Health-Situation ja noch mal eine ganz andere Frage, die mich auch nicht gerade optimistisch zurücklässt.

Ich wünsche den verbleibenden Mitgliedern des Redaktionskollektiv alles Gute und viel Kraft beim Weiterführen dieses mir nach wie vor sehr wichtigen Blogs. Magischerfc.de ist in sehr guten, kompetenten Händen; wenn ich ehrlich sein soll, haben die Anderen in den letzten Monaten den Blog ohnehin ohne wirkliche Hilfe von mir getragen. Ich bin also hoffnungsvoll, dass uns das Medium als kritischer Begleiter rund um den FCSP noch lange erhalten bleibt.

Schlussendlich natürlich vielen Dank meinen (ehemaligen) Mitstreiter*innen und allen Leser*innen für die erfüllenden Jahre. Für alle Debatten, für alle Aktionen und die entstandenen Freundschaften.

@choonradus


Und damit danken wir von allergrößtem Herzen unserem scheidenden Mitglied. Du wirst fehlen! Die Tür steht dir allezeit offen, das weißt du. 

HA, jetzt denkt ihr, die von MagischerFC.de bluten weiter aus, das kann ja nix mehr werden? Pustekuchen! (Was ist eigentlich ein “Pustekuchen“?)

Jedenfalls freuen wir uns sehr, an gleicher Stelle verkünden zu dürfen: Vorhang auf für Flossi!

… und ein Neuzugang!

Hi! Ich bin Flossi. Seit 10 Jahren widme ich Zeit, Geld, Nerven und Bahnbonuspunkte dem FC St. Pauli. In der Vergangenheit habe ich schon den einen oder anderen Gastbeitrag schreiben dürfen und freue mich, nun ein Teil des Kollektivs zu sein. An Spieltagen findet man mich auf der Gegengerade. Wenn ich dort nicht neue Spielformationen erfinde (Stichwort “Abwehrraute”), bin ich die, die Spieler noch aus 200 m Entfernung erkennt und immer mit am lautesten pöbelt. Ich möchte mich bei den anderen Mitgliedern für diese Chance bedanken und freue mich, zukünftig hier mitwirken zu dürfen. 

Jul 022020
 

Das war es nun. Die Saison 19/20 ist vorbei und damit auch die Zeit von Jos Luhukay am Millerntor. 
Wir waren einfach nur froh, dass es beim letzten Spiel um nichts mehr ging. Lange Zeit haben wir einem Saisonende nicht mehr so entgegengefiebert.

Sogar beim Spiel Kiel-Nürnberg in der Konferenz zum letzten Spielttag waren wir emotional involvierter als bei unserem eigenen. Und ja, das hängt sicherlich damit zusammen, dass wir Corona-bedingt seit 3.5 Monaten kein Spiel im Stadion gesehen haben. Dass wir den Re-start der Liga durchaus kritisch sehr kritisch gesehen haben und auch immer noch sehen. Aber eben auch mit der sportlich zuletzt doch recht desolaten Leistung, die uns zuletzt so gar nicht mehr mitgerissen hat. Das letzte geile Spiel war am 22.02.2020.

Am Tag unserem Saisonende hat der Verein dann die Trennung von Luhukay zum Saisonende bekanntgegeben. In der Mitteilung wird von gegenseitigem Einvernehmen gesprochen, klar wird daraus natürlich nicht, ob Jos, dessen Vertrag noch bis Sommer 2021 laufen sollte, einen Auflösungvertrag unterschrieben hat oder ob er weiterhin auf unserem Gehaltszettel steht.

Auch wenn Trainerentlassungen immer doof sind, glauben wir nicht, dass es unter Luhukay noch produktiv hätte weitergehen können.

Die Zeit unter Luhukay: geprägt von Gegensätzen

Offensivfußball vs. fußballerisches Komplettversagen. 

Es steht außer Frage, dass Jos mit einem klaren sportlichen Konzept ans Millerntor wechselte und eine Idee davon hatte, wie er mit der Mannschaft ein Spiel gestalten will, um vorne mitzuspielen. Das war eine wohltuende Veränderung im Vergleich zum häufig auf Zerstörung ausgelegten Spiel unter Kauczsinki. Wir können uns da an keine tollen Spiele mehr erinnern. Tim schreibt im Millernton auch davon, dass Luhukay den Gegner immer wieder ausgecoacht habe. Aber zum Bild gehören eben auch schlimme Spiele in Regensburg, in Karlsruhe und in Darmstadt, die phasenweise fußballerischen Offenbarungseiden glichen.

Heimspiele vs. Auswärtsspiele

Jos war mit einem Schnitt von 1,12 Punkten pro Spiel insgesamt nur mäßig erfolgreich. Unter allen Trainern, die die Mannschaft mehr als 20 Spiele gecoacht haben, ist dies sogar der schlechteste Schnitt.
Zum Bild gehört auch, dass es unter Luhukay Zeit nur zwei Auswärtssiege gab: im Volkspark und in Lübeck beim Pokalspiel. Beides im weitesten Sinne übrigens noch Hamburger Umland. 
Aus den insgesamt 20 Ligaspielen auswärts haben wir unter ihm neun Punkte geholt: ein Sieg (DOPPELDERBYSIEGER*INNEN), sieben Unentschieden.
In dieser Saison haben wir zu Hause 30 Punkte geholt, auswärts ganze neun. Mit der Heimbilanz liegen wir auf einem okayen 7. Platz, mit der Auswärtsbilanz dagegen auf dem letzten. 
Unter Jos gab es in der Liga zu Hause somit 1,75 Punkte pro Spiel, auswärts dagegen mickrige 0,45 Punkte im Schnitt.

Erwartungshaltung vs. zerschmetternde Pressekonferenzen

Jos war mit der Erwartung hierhergekommen, innerhalb von 2 Jahren aufzusteigen. Das stand kommunikativ immer wieder im Widerspruch zu dem, was er dann so auf Pressekonferenzen zum Potential der Mannschaft sagte. Wir schrieben darüber schon vor einem Jahr: Das ist doch scheiße.

Berechtigte Kritik äußern vs. Spieler öffentlich anzählen

Sicherlich haben Trainer*innen die Aufgabe, ihre Spieler*innen besser zu machen. Verbesserungen sind grundsätzlich auf zwei Ebenen möglich: Fehler korrigieren oder Stärken noch weiter ausbauen. Und sollte sich im Idealfall als Mischung aus beidem abspielen. Bei uns hat sich immer wieder der Eindruck verfestigt, dass Jos eher auf mögliche Fehler und Schwächen als auf Stärken konzentriert war. Immer wieder wurden Spieler öffentlich über die Presse angezählt, die danach mal mehr, mal weniger laut kommunizierten, dass sie die Kritik so persönlich noch nicht gehört hätten. Zur Kommunikation gehören immer zwei Personen, wenn das aber immer wieder passiert, liegt der Fehler zumindest nicht nur bei den Empfänger*innen.
Und dann ist da auch noch das zweite Thema: Wann ist es “berechtigte und bekannte Kritik äußern”, wann ist es “fertigmachen”? Für uns klang das in unseren Ohren teilweise zu stark nach letzterem. Und das ist nicht ok, das ist nicht, wie wir möchten, dass hier mit Leuten umgegangen wird.

Bei anderen genau wissen was schief läuft vs. die eigene Rolle nicht reflektieren

Jos ist analytisch definitiv stark und hat immer wieder den Finger in die Wunde gelegt, was auf dem Feld nicht gut gelaufen ist. Dabei hat es aber häufig die Tendenz gehabt, dass er bei anderen genau wusste, was besser gemacht werden muss, seine eigene Rolle aber – zumindest nach außen – nur wenig reflektiert hat. Beispielsweise wurde immer wieder der fehlende Fitnesszustand der Mannschaft bemängelt. Auf St. Pauli leider ja auch kein neues Thema. Aber eben genau im Verantwortungsbereich des Cheftrainers, daran nachhaltig zu arbeiten.

Jugendförderung vs. die Erfahrenen richtig einsetzen

Der Trainer hat es geschafft, unglaublich viele Jugendspieler deutlich näher an den Kader heran- oder reinzuholen. Finn-Ole Becker hat sich unter Jos in den Profikader gespielt. Galt er schon unter Kauczinski als ein großes Talent, so war er da noch weit vom Kader entfernt und kein Mal auf der Bank. Direkt unter dem ersten Spiel unter Jos saß er dann dort, wurde sogar eingewechselt und spielte die letzten drei Saisonspiele letzte Saison dann auch durch. Dieses Jahr war er in 28 von 34 Spielen auf dem Platz. Man nennt das landläufig auch einen wichtigen Stammspieler. Gleiches gilt auch in ähnlicher Form für das Raufholen von Jungs von Conteh, Coordes oder Franzke, der am Sonntag beim ersten Spiel in der Startelf dann auch direkt seinen ersten Assist verbuchte.
Und ihr kennt uns, wir finden Jugendförderung klasse und wichtig und freuen uns, wie viele Spieler es geschafft haben. Wir hoffen sehr, dass die / der nächste Trainer*in diesen Weg weiter beschreiten wird und das Potential, das wir da aufgebaut haben, weiterhin nutzen wird.
Dazu gehört aber auch, dass immer wieder “eigentliche Stammspieler” mit ein paar mehr Lebensjahren auf der Bank saßen: Hatte Knoll 2018/2019 noch 30 von 34 Spielen gemacht (und drei der vier Spiele lt. Transfermarkt mit Muskelproblemen verpasst), so waren es 2019/2020 nur 24 von 34 Spielen, wobei Verletzungen kein Thema waren. Das kann jetzt daran liegen, dass Jos nach dem reinen Leistungsprinzip aufgestellt hat. Wir wissen es nicht 100%, aber es fällt auf.

Gegen den H$V zweimal derbysieger*innenstark auftreten vs. gegen den Tabellenletzten der Abschlusstabelle nach 3:0 Führung noch ein Unentschieden fangen.

Und das fasst die Widersprüche der Zeit unter Luhukay dann einfach gut zusammen.

Es bleiben die Fragezeichen

Ist es wichtig und richtig, den Verein auf fußballerische Missstände aufmerksam zu machen? Ja. War der Weg von Luhukay immer der richtige? Nein.

Oft hatten wir Fragenzeichen auf der Stirn. Bei Aufstellungen, bei Auswechslungen, bei Aussagen auf den Pressekonferenzen. Spätestens als Henk nach seinem Tor gegen Aue nicht jubelte und es auf dem Weg in die Kabine ein für alle erkennbares Wortgefecht zwischen Jos und ihm gab, war vielen klar, dass es innen brodelt. Zu oft hatte man von Zerwürfnissen zwischen ihm und der Mannschaft gehört. Ab diesem Spiel wurden auch die Stimmen lauter, die das Ende der Ära Luhukay forderten. Wir waren von Anfang an sicherlich nicht unkritisch ihm gegenüber – was sich teilweise aus seinem Auftreten speiste, teilweise aber auch aus Erzählungen anderer Vereine, die zu sehr ähnlichen Enden wie nun dem beim FCSP führten. 

Es gab es in dieser Saison Phasen, in denen fußballerische Fortschritte zu sehen waren. Die Derbys, Wiesbaden und Bielefeld zuhause. Offensiver Fußball, der Spaß machte. Leider bekam auch Luhukay keine Konstanz in die Leistung der Mannschaft. Sah es phasenweise immer wieder gut aus, so gab es dann nach Länderspiel- oder anderen Pausen einen Bruch.
Zuletzt auch vor und nach der Coronapause. Hatten wir vorher eine gute Phase mit acht Punkten aus vier Spielen, so sind es nach Corona neun Punkte aus zehn Spielen gewesen. Es wirkt, als wäre der Graben zwischen ihm und der Mannschaft in dieser Zeit größer geworden. Die Auftritte in Darmstadt, Hannover und Wiesbaden sprachen Bände.

Trainer weg, alles gut?

Wir langweilen uns selbst ein bisschen damit, dass wir dauernd den Präsidenten zitieren. Aber es ist das zentrale Element, deswegen sei es auch hier noch mal wieder rausgeholt:

“Wenn unsere Erinnerung uns kein Schnippchen schlägt, dann war es unser Präsident, der mal sagte, dass eine Trainerentlassung auch immer heißt, dass das ganze sportliche System in einem Verein versagt hat.”

Jos war gekommen, um verkrustete Strukturen aufzubrechen, die wir als fehlenden Ehrgeiz, Genügsamkeit und nicht genügend Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, interpretieren. Das hat sicher teilweise geklappt, ist dann aber wohl auch einfach übers Ziel hinausgeschossen. Und das Problem ist nun wahrlich nicht erst mit Jos ans Millerntor gekommen, das war auch schon vorher da. Und da muss man dann den Blick auch in Richtung des Präsidiums wenden. 

Oke ist seit 2014 im Amt, Teile der Vizepräsident*innen auch, Christiane und Carsten kamen 2017 hinzu. In dem Zeitraum seit ihrem Amtsantritt gab es fünf Trainer (Meggle, Lienen, Janßen, Kauczinski und Luhukay), wobei Meggle sehr bald nach Postenübernahme vom Trainer zum Sportlichen Leiter wurde; und eben auch fünf sportliche Leiter / Sportdirektoren (Azzouzi, Meggle, Rettig, Stöver und Bornemann), wobei Azzouzi sehr bald von Meggle ersetzt wurde. 

Konsistenz sieht anders aus.

Der Aufsteiger Bielefeld hatte im gleichen Zeitraum auch vier Trainer (wir lassen die Interimsdinger von drei Spielen o. ä. aus der Rechnung mal raus), wobei die letzten beiden jeweils mind. fast zwei Jahre im Amt waren. Seit 2016 gibt es mit Samir Arabi ein und denselben Geschäftsführer Sport. Stuttgart betrachten wir aufgrund der Querelen rund um die Abstiegssaion mal besser nicht. Das zeigt nämlich nur, dass Inkonsequenz auf diesen Posten zu nichts Gutem führt. Heidenheim hat noch Aufstiegschancen in der Relegation und mit Frank Schmidt seit 4670 Tagen den gleichen Trainer. Wisst ihr, damals, als es RB Leipzig noch nicht mal gab.

Und sogar der H$V hatte nur zwei Trainer mehr im gleichen Zeitraum. Die, über deren ständige Trainerwechsel wir uns immer so gerne lustig gemacht haben. Dankenswerterweise haben die noch ein paar andere Themen im Angebot.

Die Konsequenz dieser Wechsel und der nicht vorhanden sportlichen Stabilität zeigen sich dann auch in den Tabellenplätzen an, wo die Tendenz ebenfalls nach unten zeigt: Als 15., 4., 7., 12., 9. und nun 14. Platz der Abschlusstabellen seit Amtsantritt des Präsidiums. Das ist für einen Verein mit unseren Möglichkeiten einfach nicht genug. Da geht mehr, da muss mehr kommen. Wir wollen europäisch spielen, es gibt da einen Plan 2030.

Und dann wird mit Jos ein Trainer geholt, der die verkrusteten Strukturen aufbrechen soll. Der den Finger in die Wunde legen soll. Und der das auch macht. Was nicht nur bei uns, sondern auch beim Kader und Kaderumfeld immer wieder auf wenig Gegenliebe stößt. Der nach etwa 14 Monaten dann unter anderem genau daran scheitert. Wobei wir uns fragen: War das nach den Schilderungen aus Sheffield, aus Stuttgart, aus Augsburg nicht auch zu erwarten? Was hat man getan um zu verhindern, dass es wieder so endet?

Bornemann spricht davon, dass sich die positiven Folgen davon auch in Zukunft noch zeigen werden. Aber auch mal ehrlich: Wie verkrustet muss das denn sein, dass man das in 14 Monaten nicht geknackt kriegt? Dass immer wieder in alte Muster zurückgefallen wird? Dass wir immer wieder von trainingsfaulen Spielern hören? Es immer wieder richtig schlimme Spiele gibt? 

Klar ist: Jos hat keine Schuld an dieser Verkrustung. Das muss über Jahre gewachsen sein. Jahre, in denen das aktuelle Präsidium bereits im Amt war, Jos aber noch etwa zwei Trainerposten weit weg vom FCSP. In denen man von Verkrustung nichts hörte – das Thema kam erstmals mit dem Wechsel von Kauczinski zu Luhukay zur Sprache. Es ist gut und wichtig, dass das Thema erkannt und angegangen wird. Aber hätte das nicht auch schon vorher auffallen müssen?

Und zum Bild gehört auch, dass Jos noch im November von Oke sehr positiv beschrieben wurde. Wir haben das im MV-Bericht so beschrieben:

“Man habe sich innerhalb der Gremien auf einen Weg verständigt und dies sei der Weg, den man gehen wolle, auch mit den beiden hauptamtlichen Entscheidungsträgern Bornemann und Luhukay. Diese seien ehrgeizig und ambitioniert, sprächen auch mal Klartext. „Dies ist uns dann zu viel?“
Man habe einen Trainer, der im persönlichen Gespräch sehr inhaltsstark, offen und freundlich agiere, anders als es in einigen öffentlichen Auftritten vielleicht wirke und eines genauso wenig ab kann wie alle Fans und Profis, nämlich das Verlieren. Es werde Rückschritte und Täler geben, man werde den Weg nicht naiv aber mit aller Konsequenz weiter beschreiten.“

Die MV war ziemlich genau zur Halbzeit von Jos’ gesamter Trainerzeit hier bei uns. Damals klang das noch sehr anders. Was ist in den letzten Monaten passiert, dass sich auch im Präsidium die Meinung dann so geändert hat, die nun zum Wechsel führte? Geholfen hat es hierbei sicherlich auch nicht, dass wir zeitgleich einen neuen Sportdirektor und einen neuen Trainer geholt haben. So konnte keiner von Beginn an dem anderen helfen, was ok ist, und was dann auch mal (kommunikativ) übers Ziel hinausschießt.

Wir finden diese beschriebene Verkrustung auch alles andere als geil. Vor allem so lange sie zwischen uns und dem Aufstieg steht. Wir finden es wichtig, dass daran gearbeitet wird. Und wir können uns auch vorstellen, dass da das eine oder andere Idol auch nicht nur gut wegkommen wird. Es ist wichtig, eine*n neue*n Trainer*in zu finden, die / der diesen Weg weitergeht. Aber ihn ebenso beschreitet, dass mehr Leute mitgenommen werden.

Sodass wir dann nicht nächstes Jahr schon wieder einen Trainerwechsel-Artikel schreiben müssen. Und auch das Präsidium wird wissen, dass 2021 Wahlen anstehen und dass diese Entscheidung und die Wirksamkeit der Entscheidung da durchaus eine große Rollen spielen sollten. Wir hoffen auf ein glückliches Händchen und eine*n Trainer*in, die / der uns alle überzeugt. Mit der / dem wir in zwölf Monaten den Aufstieg feiern dürfen.

Was bleibt von Luhukay am Millerntor? 

Hoffentlich wirkt der Anstoß zur Veränderung. So wie in den letzten Saisons kann es wirklich nicht weitergehen. Vielleicht war sein Weg nicht der richtige, aber Jos Kritik war sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen und in vielen Punkten berechtigt. Man hatte versucht, mit Luhukay jemanden zu verpflichten, der in diesem Verein mal aufräumt. Der Pressemitteilung des Vereins nach zu urteilen, war es für manche zu viel des Guten.

Was wir nicht vergessen werden: Zwei fantastische Derbysiege. Sechs Punkte, die uns (und die Vorstadt) in der Liga halten. Spiele und Emotionen, die sich in all unsere Gehirne und Herzen gebrannt haben. Danke dafür.