Mrz 082020
 

Wir wissen, dass wir für diese Überschrift wahrscheinlich Kommentare wie “ihr seid doch sonst differenziert” oder “ich lese euch ja sonst gerne” oder “komisch immer habt ihr Ärger” oder am besten noch “aber nicht alle Männer” bekommen werden. Und unsere Antwort ist ein gepflegtes Fuck you. Heute sind Grenzen einfach weit überschritten worden und Verhaltensweisen von Männern an den Tag gelegt worden, die mehreren Frauen den Tag ordentlich verhagelt haben. Wir wollen das jetzt schildern, auch wenn wir damit heftigen Rotzmist reproduzieren. Daher Warnung! 

Da wird “Darf ich mal bitte durch?” mit “Frauen haben beim Fußball nichts zu suchen” beantwortet. Oder es wird die Schlange für den Fraueneingang mit “Hier geht es wohl zur Küche!” kommentiert. An anderer Stelle werden Frauen, die sich über die sexistische Halbzeitshow aufregen, von Männern mit “Reg dich mal nicht so auf” gemaßregelt. Und wisst ihr, was das Schlimme ist? Diese ganzen Typen bekommen in keiner dieser Szenen von Umstehenden die Ohren lang gezogen, sondern immer müssen die Betroffenen alleine was sagen. Macht euch mal gerade ey! 

Und verpisst euch, ihr Sexisten. Weit weg. Der Saturn soll ganz nett sein. 

Foto via USP

Als wäre das nicht schon nervig genug, gibt es da auch die Paulis, die so lattenstramm sind, dass sie nix vom Spiel mitbekommen und sich auch in jeden Scheiß einmischen, rumlallen und in aller Öffentlichkeit pissen. Dabei ist dieses Stadion in einem fucking Wald, kein Problem, da 10 Meter hinter die Bäume zu gehen. Oder sauft einfach mal nicht so viel. Oder im Vollsuff eine Frau von der Abtasterin weg ziehen wollen, weil “du ein Kerl bist”. Ja hahaha, weil auch alle Menschen ohne lange Haare Männer sind. Realtalk: Wie wenig woke kann man sein. Gerade am Frauenkampftag mit so unfassbar sexistischem Mist zu kommen, wir sind echt wütend. 

Immer noch nicht genug? Immer noch nicht genug! Selfie mit drei Menschen unsere Bezugsgruppe “aus Versehen” drauf, freundliche Bitte, das zu lassen. Was passiert? Es wird ins Gesicht gefilmt und als man sich dann deutlich äußert, kommt: “Ich verstehe gar nicht, warum du dich so aufregst?” Warum? Weil du scheiße bist! 

Täter*innen beinahe ausschließlich Männer. Ihr merkt, wie wir auf die Überschrift kommen. 

Dazu noch einen Rotzordnungsdienst, dessen Ordner*innen teilweise wieder voll in die Genitalien greifen. Das geht gar nicht, ist komplett übergriffig, definitiv auch verboten und demütigend. Dass man für diese Behandlung als weiblicher Mensch phasenweise noch 30 Minuten warten muss, weil die immerhin vier Ordnerinnen insgesamt für den Gästeblock haben, sei nur am Rande erwähnt. Hört endlich auf, Menschen in die Genitalien zu greifen. Da haben eure fucking Finger nix zu suchen. Und am allerschlimmsten: Ihr werdet mehrfach darauf hingewiesen, auch von Menschen, die eine berufliche Legitimation haben, euch darauf hin zu weisen. Und zwischen Einzelvorfällen liegen mindestens 30 Minuten. Wie sehr kann man zeigen, dass man keinen Fuck gibt.

Hin

Und dabei hätte es echt eine gute Tour werden können. War es eigentlich auch so. 

Mit zwei Fahrzeugen und einer 13 Personen starken Bezugsgruppe geht es in Richtung Sandhausen.

Beste Playlists in beiden Fahrzeugen, nur beste Menschen. Träume von Pokalauswärtsspielen in Wattenscheid inklusive eskalierender Kurve beim Schlager des Heimatvereins. Die Themen schwanken zwischen Rindi der Rindermarkthalle und Batik-Jogginghosen. Die Pausen werden zelebriert und Gerüchten zufolge werden auch ein, zwei Getränke konsumiert. 

Daraus entwickelt sich in einem Fahrzeug folgender Dialog. “Ich glaub, ich muss bald mal auf Klo.” “Wart mal ab, so wie die im anderen Fahrzeug getankt haben, müssen die auch gleich.” Fünf Minuten später kommt die Nachricht, dass eine Pause nicht schlecht wäre. 

In Sandhausen einen kleinen Bogen gefahren, den Parkplatz gefunden. Sticker verteilt und das Obige erlebt. Aber das ist nicht alles. 

“Ladies Night am Hardtwald-Kiez”

Lieber SVS, grundsätzlich gibt es in der zweiten Liga eine ganze Reihe an Vereinen, die schlimmer sind als du. Aber du hast heute echt nur Rotz gebracht. Und damit meinen wir noch nicht mal “auf dem Platz“.

Wir ahnten ja bereits Schlimmes, als diese bekloppte Einladung zur Ladies Night die Runde machte.


1) Das Spiel wird um 13:30 angepfiffen. “Night” our ass!
2) Wir haben viele Forderungen zum Frauenkampftag. Unsere Freundin für umsonst (oder so) mit ins Stadion nehmen zu können, ist ziemlich weit hinten. Von Patriarchat zerschmettern auf jeden Fall sehr weit weg.
3) Ist das Wort “Kiez” für den Kartoffelacker und Wald bei euch ziemlich euphemistisch.
4) Schult eure Ordner*innen mal vernünftig, dann fühlen sich Frauen auch etwas wohler und kommen dann vielleicht auch einfach so gerne. (Siehe oben).

“Etwas”?
Naja, ihr könntet auch mit so doofen Rosenverteilaktionen aufhören. Wir wollen nämlich auch keine Rosen. Diese Forderung von Feministinnen sollte doch auch ins tiefste BaWü durchgedrungen sein. Holt doch mal ne Frau bei euch in eine der 15 Führungspositionen (laut Homepage), die aktuell alle von Männern besetzt sind. Die kann euch davon vielleicht was dazu erzählen.
Und dann lasst ihr vielleicht diese bekloppten Stadionansagen sein. 

Und am allerliebsten dann auch noch diese Halbzeitspielchen. Extra zum Frauenkampftag nur mit Frauen. Die aus geschätzt 8 Metern Kegel umschießen sollen. Und dann als Gewinn ärmellose Tops erhalten. Was willst du da noch sagen?
Philipp Heerwagen ist doch jetzt nicht erst seit gestern bei euch. Und nicht ohne Grund lebenslanges Mitglied der Frauenfußballabteilung bei uns. Fragt den doch beim nächsten Mal nach Tipps. Wir sind uns sicher, da wäre nicht sowas bei rumgekommen.
Zu diesem so wichtigen Tag so einen beschissenen Auftrag hinzulegen, ist schon echt ganz große Kunst. 

Unidxs en la lucha feminista ✊

(Vereint im feministischen Kampf)
Viel besser machen es dagegen unsere Leute. 
Erst das schöne gemeinsame Zaunbanner der Orgagruppe bestehend aus Einzelpersonen aus verschiedensten Einzelgruppierungen (u. a. Conexion, Supportblock, Nordsupport & USP). 

(Vereint im feministischen Kampf. Foto via obige Orgagruppe & https://twitter.com/guenterruggaber/status/1236629821419118592?s=21)

Und dann kommentiert USP das Bannergame zur Lex Hopp und den Folgen auch hervorragend. Küsschen an alle! ❤️🤎🤍

Und am höchsten hüpft unser Herz ja immer bei Frauen auf dem Zaun. Richtig, richtig gut!

Sowieso freuen wir uns in den nächsten Wochen & Monaten auf weitere Einzelaktionen der oben erwähnten Orgagruppe, die den Frauenkampftag entsprechend bis zum AntiRa begleiten wird. Vielen Dank. Heute hat gezeigt, wie wichtig und wertvoll das ist!

In Zeiten von Corona ist es echt Mist, wenn keine Seife auf Klos vorhanden ist. Noch was, lieber SVS, was zu verbessern wäre. 

Ihr seid nur ‘ne Tretertruppe

Auf dem Platz zeigt sich Sandhausen von seinem ekligen Gesicht. Jeder Zweikampf mit Nickligkeiten, jedes Luftduell mit Ellbogen im Gegner. Der Schiedsrichter findet dagegen gar keine Linie, verpasst es, mit einer frühen Ermahnung ein Zeichen zu setzen, und so bleibt es 90 Minuten lang unklar, was er pfeifen will und was nicht. 

In einem dieser unsauberen Luftkämpfe wird Knoll (man liest von Lawrence’s Rücken) dann auch so getroffen, dass er regungslos liegen bleibt und dann benommen vom Platz geführt wird. Der Herr Schiedsrichter hat auch in dieser Szene nichts besseres zu tun, als ellenlang den starken Mann zu markieren, anstatt schnell die Betreuer zu dem offensichtlich benommenen Spieler zu winken. Gut, dass da nix Schlimmeres passiert ist. Gleiche Situation auch zuvor, als Østigård sich ebenfalls den Kopf hält und markiert, dass er Hilfe braucht. Wir haben das mit dieser Anweisung an die Schiedsrichter*innen, bei Kopfverletzungen sofort zu unterbrechen, wahrscheinlich einfach falsch gelesen. Sorry!

Aziz, mal ganz ehrlich, ganz unbeteiligt bist du an der Knoll-Verletzung auch nicht und auch in weiteren Szenen geht das Wort über “Ich bin ein giftiger Stürmer” hinaus. Da der Schiedsrichter da null einschreitet, regelt Leo das per Selbstjustiz und holt einmal das grobe Eisen raus. Finden wir gut, wie er uns auf Twitter verfolgt 🙃. Und hier ebenfalls: Auch das war klares Gelb. Natürlich nicht gegeben.

Das Spiel ist sonst schnell erzählt. Sandhausen zeigt seine Stärke (Torschüsse produzieren) und seine Schwäche (daraus Tore zu machen). Ryo und Viktor kombinieren für ein Traumtor, Dimi leckt einen rein und wir bekommen zwei dusselige Tore. Weder muss man den Elfer verursachen und wenn doch: Warum zuckt Diekmeier danach noch? Und Tore nach Ecken kann man verteidigen. Am Ende haben beide Mannschaften noch sehr gute Chancen für ein drittes Tor, beide nutzen sie nicht und schon ist es ein “gerechtes” 2-2. Es fällt auch auf, wie sehr uns Henk offensiv fehlt. Wir kommentieren während des Spiels, dass es so aussieht, als würden sie Henk suchen und ihn nicht finden. Die Verletzung ist echt Mist.

Knoll bis zu seiner Auswechselung im Mittelfeld als “freier Radikaler” echt klasse. Mega, was für Wege der geht. So ist der für uns echt wertvoll. Hoffentlich alles nicht so schlimm. Gute Besserung. 
Instagram macht zumindest etwas Hoffnung.

Noch ein paar Sticker vertickt und ab nach Hause. Danke an die Menschen, die diese Gefährte steuern!

  4 Responses to “Menners aus der Kurve, damit die Kurve lebt”

  1. […] ernsthaft) gefragt, ob es sowas wie den Weltfrauentag in Deutschland überhaupt noch bracht. Der Magische FC fasst zusammen, warum sich nach Erlebnissen in Sandhausen die Frage überhaupt nicht stellt (und […]

  2. Tausend Dank für den Bericht. Erschreckend, welche Normalität der Sexismus und die Übergriffigkeit im Block hat. Da haben wir noch viel Arbeit vor uns.

    Auch für die Leistungsbeschreibung des Schiedrichters vielen Dank. Wir dachten schon, außer uns finden das alle in Ordnung, mit welcher Gleichgültigkeit hier betrachtet wurde, wie Sandhausen von der ersten Minute voll in den Körper geht. So ab Minute 60 bis 70 hatte ich sekündlich die Erwartung, dass alles entgleitet und die Sani-Teams gar nicht mehr vom Rasen runter kommen. Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Schiedrichter so geweigert hat, ein Spiel zu leiten.

    Und endlich, endlich mal eine Frau mit dem Megafon auf dem Zaun. Jedes Wort verstanden, das sie durch das Gerät geschickt hat. Das ist sonst ganz anders. Da kommen wir zwar auch immer drauf, welches Lied gewünscht wird oder ob wir zu mehr Bewegung im Block angehalten werden. Aber es erschließt sich in der Regel aus dem Kontext, nicht aus der Verständlichkeit der Ansage. Diesmal war wirklich jedes Wort sofort verständlich. Das macht auch Spaß.

  3. […] Nach dem Spiel ging es dann für mich schnell zum Bahnhof, von dort nach Mannheim und am nächsten Tag nach Sandhausen, wo der FC St. Pauli leider auch über ein 2:2 nicht heraus kam. Freue mich schon so richtig auf Spiele mit Werder dort. Zwar nur 30 Minuten von Mannheim weg fühlt man sich vor Ort wirklich fernab jeglicher Zivilisation, entsprechend sieht es auch mit der Infrastruktur im und um‘s Stadion aus. Auch hier gab es Spruchbänder zum Thema DFB/Hopp und zum Frauenkampftag zu lesen. Nicht nur der Ordnungsdienst zeigte sich hier von seiner beschissenen Seite. Hierzu verweise ich auf den Bericht des Magischer FC Blog. […]

  4. […] Magischer FC – Menners aus der Kurve, damit die Kurve lebt […]

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