Mrz 122020
 

Liebe Leute,

es ist zwar immer noch nicht ganz offiziell bestätigt, aber es sieht alles danach aus, als würde das Spiel am Sonntag wird ohne Zuschauer*innen stattfinden. 

(Den Exkurs, dass es eher nicht so toll ist, dass die Behörde für Gesundheit und Vebraucherschutz auch 24 Stunden nach Ankündigung die Allgemeinverfügung noch nicht erlassen hat, denkt ihr Euch an dieser Stelle.)

Und sollte somit das erste Geisterspiel in der Geschichte des FC St. Pauli sein. Toll finden wir das nicht. Gar nicht. Und auch in unserer Brust schlagen zwei Herzen. Und diese beiden Herzen wollen wir gerne mit Euch teilen.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.

(Aus Faust. Danke für die Inspiration, Trashi!)

Und auch hier noch mal als Disclaimer: Wir sind absolut keine Expert*innen in Virologie oder irgendeiner benachbarten Disziplin, so dass wir uns da Expertise zuschreiben würden. Und deshalb tun wir das, was eins am besten in einer solchen Situation macht. Wir hören auf Expert*innen wie Christian Drosten im NDR-Podcast. In dem er sehr klar Stellung bezogen hat, was eins tun muss, um jetzt eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. Um Situationen, wie sie aktuell aus der Lombardei berichtet werden hier zu verhindern.

Emotio

Ihr kennt uns. Wir lieben Fussball, wir lieben den FC St. Pauli. Wir lieben es, diese emotionalen Momente gemeinsam mit unseren Leuten auf der Tribüne zu erleben. Wir haben montags oft genug nicht unsere komplette Stimme, weil die in irgendwelchen Stadien geblieben ist. Und wir haben ein Blogmitglied, die auf dem allerbesten Weg in ihre erste goldene Saison war. Wir können auch jeden Menschen verstehen, der/ die die Mannschaft am Sonntag “trotzdem” und bestmöglich unterstützen möchte. Verdammt, wir gehören da doch selbst dazu. 
Wir wissen auch, dass viele Spieler auch von der Kulisse – gerade auch am Millerntor – berichten und daraus Energie ziehen. 
Beispiele gefällig?

Und auch Leo sprach schon von der tollen Atmosphäre im Millerntor, James tat dies ebenso im MillernTon, und auch unser Kapitän (Vorsicht BWin-Link!). Gut, wir hören schon auf, wir wollen das am Sonntag doch auch erleben!  
Und auch aus sportlicher Sicht ist das nicht so wirklich pralle: Es hat ja nun auch wirklich einen Grund, warum wir diese Saison zu Hause bisher 1.69 Punkte pro Spiel machten, auswärts dagegen nur 0.66 Punkte pro Spiel holten. (Nebenbei auch wirtschaftlich nicht, dazu schrieben wir gestern schon.

Und na klar ist auch bei uns der Gedanke “das Spiel von der Stadionecke verfolgen und die Mannschaft von außen zum Sieg schreien” da. Wir schrieben in einem der letzten Beiträge, dass wir den Fussball auch deshalb so lieben, weil er uns geteilte emotionale Momente mit vielen anderen ermöglicht. Verdammt, wir wissen wie verdammt geil dieser gesamte Derbytag war! Und zehren da auch heute noch von. Wir wollen da hin, wir wollen unsere Mannschaft unterstützen!

Ratio

Und dann kommt die Ratio. Es gibt einen guten Grund, warum das Spiel ohne Zuschauer*innen stattfindet. (Und für die spitzfindigen: Einen guten Grund, warum es überhaupt noch stattfindet, suchen wir noch. Also außer Kapitalismus. Und der ist jetzt eher nicht so oft ein guter Ratgeber.) Also es gibt einen guten Grund, warum Menschenansammlungen großer Gruppen behördlich verboten werden.

Warum sogar teilweise das Demonstrationsrecht eingeschränkt ist. Und ihr kennt uns auch: Das ist für uns sehr wichtig. Stichwort G20, da haben wir uns sehr klar zu den damaligen Einschränkungen positioniert und sehen das heute noch genau so. Aber hier ist die Lage eine komplett andere.

Und dennoch finden wir es in dieser Situation richtig, dass dieses Recht in einigen Bundesländern aktuell eingeschränkt ist. Oder warum Greta, die seit wirklich langer Zeit draußen streikt, eben jetzt dazu aufruft, dies temporär in die digitale Welt zu verlegen.

Um Expert*innen sinngemäß zu zitieren: Es geht darum, jetzt (!) eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden, um eine komplette Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Stichwort: Flatten the curve. Oder auch in noch länger.

Und genau so eine unkontrollierte Ausbreitung würde befeuert wenn sich eine undefinierbare, möglicherweise große Gruppe von Menschen (Stichwort: Infektionswege nachvollziehen) auf engem Raum trifft und sich dabei sehr wahrscheinlich (Dima macht mindestens 2 Buden!) gegenseitig in den Armen liegt. Und sehr wahrscheinlich sind die Menschen, die sich dort treffen würden, noch nicht mal Risikogruppen zuzuordnen. Aber es geht jetzt darum, vulnerable Gruppen zu schützen. Solidarität ist eine Waffe. Unsere stärkste sogar.

Und klar wird jetzt irgendjemand kommen und sagen: Aber ich muss doch auch jeden Tag U-Bahn fahren. Vollkommen nachvollziehen können wir das auch nicht (und einer unser Arbeitgeber forciert gerade auch Homeoffice wo immer es möglich ist). Aber auch hier: Wir vertrauen da lieber auf die Expert*innen und auf die Menschen, die wissen was zu tun ist.

Actio

Und was wir machen werden, fragt ihr uns? Nun wir sind da unentschieden, ob wir ganz zu Hause bleiben, oder ob es in eine kleine (!) Kneipe geht. Tendenz Stand jetzt ist aber “zu Hause” mit ein paar wenigen Menschen. Und die hier schreibenden Menschen können sich allesamt nicht erinnern, wann sie das letzte Spiel so erlebt haben. Es ist also lange her. Und natürlich wollen wir das nicht, natürlich finden wir das nicht gut. Wir finden den Gedanken daran sogar richtig, richtig beschissen. Aber es ist eben in unserer aktuellen Einschätzung das richtige. Und nein, einfach wird das für uns auch nicht werden.

In unserer Traumwelt gibt es noch irgendeinen coolen Supportaufruf, zu dem alle, die wollen, etwas beitragen können, der die Spieler morgens beim Frühstück erreicht, so dass sie noch mal so richtig merken, dass wir vollstens hinter ihnen stehen und zumindest ein bisschen der Energie, die sie normalerweise von den Rängen mitnehmen, eben auch jetzt mitnehmen. Aber hier gibt es andere, die sowas viel besser koordinieren können als wir.

Und zum Abschluss ein lieb gemeintes: Fick Dich DFL! Danke, dass ihr uns diesen ganzen Scheiß eingebrockt habt! Danke, dass ihr uns zwingt, diese Zeilen zu schreiben, weil ihr zu feige seid einfach alles zu verschieben!