Feb 252020
 

Ja, ihr werdet uns nun vorwerfen, dass dies das „übliche Genörgel“ ist, aber wir müssen bei aller Derbyeuphorie sowohl sportlich als auch in Fanbelangen Wasser in den Wein schmeißen [schütten wäre wohl das passendere Wort, aber wir lassen das mit dem Schmeißen mal so stehen]. Außerdem mögen wir Weinschorle. Nur deswegen fahren wir noch nach Heidenheim.

Sportlich: Zwei Gesichter

Wir haben gegen die „großen Drei“ (Bielefeld, Stuttgart, Volkspark) von möglichen 18 Punkten 11 geholt. Das ist eine Quote von 1,83 Punkten pro Spiel. Gegen die „kleinen 14“ haben wir aus bisher 15 Punkte in 17 Spielen geholt. Macht eine Quote von 0,88. Während letzteres ein klarer Abstiegskurs ist, würden wir gegen die großen Drei über eine Saison gerechnet 62 Punkte holen. Nur mal so: Stuttgart ist diese Saison etwas besser, die Volksparkler ein bisschen schlechter als 1,83 Punkte pro Spiel.

Torverhältnis gegen die “großen Drei” ist nebenbei 10:4, gegen den Rest der Liga 18:25. Und auch nebenbei lagen wir in jedem dieser 6 Spiele zwischenzeitlich in Führung, haben dann noch verloren (Stuttgart Hinspiel) und unentschieden gespielt (Stuttgart Rückspiel, Arminia Hinspiel). Ebenso der Vollständigkeit halber: All diese entscheidenen Gegentore fielen dann in der 90. Minute (Arminia Hinspiel), 60. (Ausgleich) & 90. (Führung) Minute (Stuttgart Hinspiel) und 81. Minute. Ihr erkennt sicherlich gewisse Tendenzen bzgl. des “über die Zeit bringen”.

Man könnte auch sagen: Wenn wir so wie gegen die großen Drei immer spielen würden, dann würden wir um den Aufstieg mitspielen. Und wenn wir solche Spiele dann auch über die Zeit bringen würden, dann wären wir quasi schon Europacupsieger*innen. Also quasi.

Klar, das ist alles auch ein bisschen zufällig, weil es z.B. keine wirkliche Abgrenzung der ersten drei Plätze zum Rest der Liga gibt und auch „small sample size“ bei insgesamt 6 Begegnungen eine Rolle spielt. Es zeigt aber schon eine kleine Tendenz. 

Ziehen wir erstmal das positive aus dieser Beobachtung

Wir können grundsätzlich in dieser Liga mithalten, wir haben taktische und fußballerische Mittel um „die Großen“ zu schlagen. Kein Verein in dieser Liga ist uns komplett überlegen und wir können anscheinend eine schwer zu bespielende Truppe auf den Rasen stellen. 

„Fußballerische Mittel“ spricht hier nebenbei ausdrücklich nicht von spielerischen Mitteln. Denn z.B. in beiden Derbys waren doch schon von einer spielerischen Überlegenheit des Gegners geprägt, die halt mit Lauf und Kampf ausgeglichen wurden. Das erkennen auch die Spieler selbst, hier sei exemplarisch James in der 11Freunde zitiert: ”Zu Beginn hatte der HSV einen Einwurf, ihr Stürmer sollte den Ball mit der Brust annehmen, doch ich ging dazwischen und köpfte ihn weg. Der Stürmer sah mich verdutzt an, da machte ich ihm klar: ‘Oh yeah. So wird das hier laufen. Ich bin da — und ich werde das ganze Spiel da sein.’ So waren wir alle drauf. Wir kämpften um jeden Ball.“

Aber warum geht das nicht immer?

Die Analyse fällt schwer. Es gibt zumindest keine statistischen Auffälligkeiten, die nun ein sofort ins Auge springendes Muster zeigen würden. Es ist nicht so, dass wir nun gegen die großen Drei viel mehr gelaufen sind als sonst oder irgendwie plötzlich wahnsinnig gespielt haben. 

Zu vermuten ist erstmal eine ganz grundlegende Problematik von Vereinen in Liga 2. Wir tun uns immer dann schwer, wenn der Gegner nicht „mitspielen“ will.

Dafür würde sprechen, dass unsere Offensive echt nur unteres Mittelfeld in allen statistischen Werten ist.

Wir sind nicht gerade gut darin Torschüsse (290 Torschüsse insgesamt, gut für Platz 13, via sport.de) oder einen offensiven xG Wert (Platz 12, Danke an Millernton-Tim, der diese Zahl auf dem laufenden hält) zu generieren. Drei weitere Werte (Quelle für alles), die in die gleiche Kerbe schlagen? 
Im Schnitt sind das 12.5 Schüsse pro Spiel (im Ligavergleich ist das Platz 13), davon gehen 4.1 Schüsse aufs Tor (ebenfalls Platz 13 im Vergleich), insgesamt haben wir 28 Tore gemacht (Platz 15 im Vergleich).
Aufällig? Wir dribbeln deutlich mehr als viele andere Mannschaften: 10.9 mal pro Spiel – das ist Platz 4. Auffällig hierbei auch: Es sind eine ganze Reihe von Spieler, die die Dribblings machen, der Wert vieler Teams ist hier stark von einzelnen Spielern getrieben. Bei uns gibt es eine deutlich breitere Streuung – was sicherlich auch an den verschiedenen Formationen mit denen wir aufgelaufen sind, liegt.

Bei der Torquote ist bemerkenswert, dass wir mit Henk einen Spieler haben, den wir mit „jeder Schuss ein Treffer“ ganz gut beschreiben können. Der verwertet bisher jeden dritten (7 Tore bei 23 Schüssen) seiner abgegeben Schüsse und jeden zweiten Schuss, der den Weg aufs Tor findet. Sind dies gute Werte? 
Aber Hallo! Arminia Bielefeld als beste Mannschaft nutzt gerade mal jeden 7. abgegebenen Schuss für ein Tor. Fabian Klos als führender Torschütze (und als langjährige Tormaschine) jeden 5. Wir sollten mehr Schussgelegenheiten für Henk generieren. (Ist in den letzten Spielen aber definitiv auch das offensive Mittel der Wahl gewesen). 
Und hierbei nicht vergessen: Henk ist auch noch nicht so lange wieder voll im Kader – small sample size auf der einen Seite; auf der anderen aber auch, dass deswegen unsere allgemeinen Zahlen nicht so klasse sind.

Ein*e Statistiker*in wird natürlich fragen, ob man so eine Quote wie Henk wirklich dauerhaft halten kann. Wahrscheinlicher ist, dass man sich irgendwann in Richtung eines Schnitts für einen Stürmer orientiert. Und dieser liegt wahrscheinlich deutlich unter der Quote eines Fabian Klos. Wir werden sehen. 

Unsere Defensive hingegen ist im Ligavergleich ziemlich gut. Wir haben nur 29 Tore zugelassen. Das ist immerhin Platz 6 in dieser Statistik. Bei 14.4 zugelassenen Schüssen pro Spiel. Da sind wir im Ligavergleich auf Platz 11.
Die Kombination aus geschossenen und erhaltenen Toren führt dazu, dass wir für die/den neutrale*n Zuschauer*in nicht gerade ein Feuerwerk an Toren bieten. 57 insgesamt gefallene Tore in Spielen des FCSP? Ist Platz 15 in dieser Wertung. Noch weniger insgesamt gefallene Tore in den Spielen? Osnabrück, Sandhausen und Heidenheim. Diese drei Mannschaften spielen wir nun innerhalb der nächsten 5 Spiele. Es sind Torfestivals zu erwarten. Bemerkenswert dabei ist vielleicht, dass Sandhausen zwar nur sehr wenig Tore erzielt (nur Dresden erzielt weniger), aber Torschüsse ohne Ende abgibt (Platz 3 in dieser Wertung; in der Verwertungsquote sind sie dementsprechend mit Abstand Letzter). Skyman, habe also bitte einen guten Tag. Alternativ schießt Aziz halt ein paar Buden auf die Nord. Wäre ja nun auch nicht das erste Mal im Millerntor (#scnr).
(Quellen für diesen Absatz sind die oben bereits verlinkten Seiten.)

Auch bei den zugelassenen Schüssen ordnen wir uns auf Platz 8 ein (Quelle hier whoscored), beim defensiven xG Wert auf Platz 4 (nochmal Danke an Tim).

Was zu all den genannten Statistiken zu sagen ist: Der Abstand zwischen den einzelnen Mannschaften ist meistens äußerst gering. Vieles ist sehr eng beieinander. Die eine Ausnahme ist im Text beschrieben.

Konteroffensive?

Wenn man unser Profil bei WhoScored so ansieht, dann nennt diese Seite vier Dinge als unsere Stärke: 1. Creating chances through individual skill; 2. Counter attacks; 3. Attacking down the wings; 4. Stealing the ball from the opposition. 
Und als Schwächen (hier nicht alle genannt) 1. Keeping possession of the ball; 2. Avoiding individual errors; 3. Defending set pieces; 4. Defending against long shots.

Kombiniert man das alles, dann wird wieder deutlich, dass uns “Spiel machen“ immer noch nicht liegt. Es mag der Wunsch von uns allen sein, nicht mehr den ätzenden Darmstadt-Fußball (und eben auch die Art Fußball, die unserem letzen Trainer u.a. den Job gekostet hat) als mögliche Kunstform am Millerntor zu sehen, aber zur Zeit sind unsere Stärken und Schwächen wahrscheinlich genau für so einen Fußball vorteilhaft. Der Wunsch aller sportlich Verantwortlichen ist ein anderer und hier wird es auch durch Veränderung des Spielermaterials dran zu arbeiten sein.

Ein bemerkenswerter Spieler in diesem Zusammenhang ist Benatelli, dessen Stärke im Passen liegt und dessen 90 % Passquote bei uns kein anderer Spieler auch nur annähernd erreicht. Und der in der Rückrunde bisher auch gut spielt. Mit Ausnahme eines unterirdischen Spiels in Kiel. Aber das passiert wahrscheinlich auch dem Besten. Es gibt wahrscheinlich schon ganz viele FCSP Fans, die den Jungen unter Fehleinkauf abgeheftet hatten, aber ganz vielleicht wird das noch ein richtig wertvoller Spieler. Wenn er denn den Eindruck aus den paar Spielen nach der Winterpause bestätigen kann. Die große Schwäche auf der Ebene, unser Eindruck — nicht gemessen: Gegen schnelle Gegenspieler sieht er ganz schnell alt aus. Kann man intern in so einer Mannschaft natürlich auffangen. Aber eben auch nicht komplett. Und macht es schwierig, wenn Du dann im Ballbesitz doch mal einen Fehlpass spielst. Oder im allgemeinen Defensivverhalten gegen schnelle Mannschaft, die gut umschalten können.

Wie bestreiten wir nun die restlichen Spiele so, dass wir nicht absteigen?

Und nur darum geht es den Rest der Saison.

Wir haben da einen Plan. Wir vermitteln unseren Jungs, dass alle Spiele Derbys sind. Schon werden sie zu Kampfmaschinen und das wird dann schon irgendwie reichen. Bei Osnabrück ist das ja ganz einfach. Das Spiel ist ja als Mutter aller Derbys bekannt. (Setzen Sie hier bitte ein lautes kollektivinternes „DAS IST KEIN DERBY“ ein). Danach kommt halt das „S“ Derby und dann das Club Derby etc. pp.

Okay, dieser Plan überzeugt uns noch nicht wirklich. Wir werden abwarten müssen, welche Anpassungen die sportliche Leitung noch vornehmen kann. Da wir aber gegen keinen der großen Drei mehr spielen, müssen wir die restlichen Punkte woanders holen. Am liebsten bald, damit wir nicht zu einem großen Endspiel nach Wiesbaden fahren. Und ansonsten bleibt immer noch die Variante mit Versprechen, die Buballa Elo abgeben muss. Fanladenhoschis: Ihr seid doch an was dran, Euren 30. Geburtstag zu feiern. Ggf. bitte mit ins Programm aufnehmen. Wir haben nämlich nur so begrenzt Lust auf #pumpenfuerdiedritteliga.

Soviel zum sportlichen – noch mehr und heute ehrlicherweise den Hauptgrund für Wasser in den Wein liefert aber auch das drumrum.

Es geht hier um Sexismus

Vorweg: Wir hatten schon im Derbybericht deutlich gemacht, dass wir Menschen, die sich unbedingt zum aufeinander rumhauen verabreden wollen, ihr komisches Hobby nicht absprechen wollen. Wenn ihr das untereinander machen wollt, dann sind wir die Letzten, die daraus irgendeinen Skandal konstruieren. 

Man muss wohl auch realistisch in Kauf nehmen, dass auch der FCSP genügend Menschen als Fans (keine Anführungszeichen!) hat, die solchen „sportlichen“ Auseinandersetzungen nicht abgeneigt sind. Man kann das doof finden, aber es ist nun mal so. 

Der „früher war alles besser“ Fraktion sei gesagt, dass außer vielleicht einer klitzekleinen Zeit in den 90ern beim FCSP immer sportliche Fraktionen unterwegs waren und diese auch immer irgendwie (mal mehr, mal weniger) Teil der Fanszene waren. Und es ist auch nichts Neues, dass diese Fraktionen unsere Werte teilweise auch eher großzügig ausgelegt haben. Um es mal freundlich zu umschreiben. Nein, Freundlichkeit mal zur Seite geschoben: Ihnen gehen Teile unserer Werte gepflegt am muskelbepackten Hintern vorbei. Und das nervt. Und da gab es dankenswerterweise auch häufig genug genau die richtige Reaktion.

Man muss auch ganz klar sagen, dass jede Fanszene, auch die des FCSP, bisher dazu neigt, zwar den Splitter im fremden Auge, aber nicht den Balken im eigenen Auge zu sehen. Um mal die Bergpredigt zu zitieren, wie es zu uns alten Hippies passt.

Übersetzt heißt dies, dass sich jede Fanszene sehr schwer damit tut, doofes Verhalten in den eigenen Reihen konkret anzusprechen und auch zu isolieren. “Wir gegen die” sei hier nur beispielhaft als Grund genannt.

Dieser Unwille wird noch dadurch verstärkt, dass die Medien so unterirdisch berichten, dass man viel Aufmerksamkeit darauf verwenden MUSS, diese wieder einzufangen. Ja, ein Restaurant zu demolieren ist Scheiße, ja es sind unschuldige zu Schaden gekommen, aber Nein es war nicht „wie Hanau“. Wer so etwas in Schlagzeilen druckt, handelt unverantwortlich und will Panik machen. Und kann sich gerne gehackt legen.

Dies alles vorweg gesagt, kommen wir zu einem Video (bewusst nicht verlinkt), welches unseren Marsch zeigt und diese typische „nun komm doch her wenn du dich traust“ Diskussion, die eigentlich immer nur dann erfolgt, wenn die/der Provozierende sich sicher sein kann, dass aufgrund von Zaun und daneben stehenden Ordner*innen und Polizei, ihr/ ihm keine*r was tun kann.

Im Rahmen dieser Diskussion fällt dann das „F“ Wort und ein Satz im Sinne von „deine Frau wird von einem von uns gef…“. (Einmal geht’s um Geschlechtsteile, einmal um Geschlechtsverkehr). Hierbei sei natürlich auch noch angemerkt, dass diese implizite Annahme, das Gegenüber sei heterosexuell auch absolut nicht unproblematisch ist.

Das ist einfach sexistische Rotzscheiße und hat beim FCSP nichts verloren. Digga, wenn Dir in deinem albernen „durch den Zaun Macho“ Talk echt nichts besseres einfällt, dann lass es doch einfach. Das ist in der oben beschriebenen Situation sowieso schon albernes Rumgemacker, wird es aber so noch mehr. Und hat mit „Antifa Hooligan“ aber mal so gar nix mehr zu tun.

Ach ja: Küsschen an alle anderen Szenen, die dieses Video nun mit „aber die Paulis sind ganz böse und tun immer so politisch korrekt“ verbreiten. Erstens: Glückwunsch, dass ihr erkannt habt, dass das nicht so geil war. Ist ja nun nicht immer so. Vor allem wenn ihr das selbst tut. Zweitens: Natürlich sind wir ganz böse. Aber wir sind da ganz schnell wieder bei dem Splitter und dem Balken. Es werfen bitte die den ersten Stein, die solche Rübenköppe nicht in ihrer Szene hat. Wir haben ähnlichen Rotz uns z.B. von Stuttgarter*innen diese Saison schon anhören müssen. Nur bei uns waren (immerhin – und ja die Messlatte liegt niedrig) seit langem keine irgendsolche Banner mehr in der Kurve. Wir wissen um das Problem und wir nehmen uns dem intern an.

Aber haltet eure verdammte Fresse, wenn ihr die Worte, die ein Mackertyp bei billiger Provokation sagt, bei Euch noch nicht mal auf irgendwelchen Transpis verhindert kriegt. Aber auch ey Leute, dieser Thematik jetzt komplette Facebookseiten (ebenfalls bewusst nicht verlinkt) zu widmen, ist komplett daneben – Kreativität sieht nebenbei auch anders aus.

Vorschlag zur Güte: Sexist*innen raus. Aus jeder Kurve. 

  2 Responses to “Ganz viel Wasser in den Wein”

  1. „Spielermaterial“
    Sowas kann einem mal durchrutschen. Ist aber trotzdem nicht schön.

  2. […] vor „Redaktionsschluss“ kommt dann noch der Magische FC um die Ecke und will „Wasser in den Wein“ gießen. Zum einen sportlich („das übliche Genörgel“, viele Grüße!), zum […]

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