Feb 282020
 

Am 26.02.2020 fand in den heiligen Hallen der Südkurve ein Workshop zum Thema Diversität statt. Geladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Diversität, die Folge des „Quoten-Beschlusses“ (das ist nebenbei eine inhaltliche Verkürzung des Inhalts dieses Beschlusses) der letzten MV ist. 

In dieser AG befinden sich Vertreter*innen vieler Gremien des FCSP und die Antragsstellerin (die Mitglied dieses Kollektivs ist; vom Schreiben dieser Zeilen aber ausgeschlossen ist) des oben auch noch mal verlinkten Antrages.

Ziel dieses Workshops war nun ein „Kick off“ mit vielen interessierten Menschen aus dem breiten FCSP Kosmos um sich Input zu holen, Ideen zu sammeln und auch Diskussionen anzustoßen. Wir wollen dies mit ein paar Gedanken, die uns an diesem Abend gekommen sind im Folgenden unterstützen. Was ihr hier nicht finden werdet ist ein inoffizielles Protokoll dieses Abends. Wir wollen die Art und den Zeitpunkt eines weiteren öffentlichen Diskurses gerne der AG überlassen. Ein paar Fragen sind aber so allgemein, dass wir mal ein paar heiße Thesen in das Internet werfen wollen. 

Das Setting

Vorab jedoch erstmal ein Dank an die Organisator*innen, an den Verein (was hier dann Geschäfsstelle etc. meint) und an alle Teilnehmer*innen für einen gelungenen Abend.

In klassischer Workshop Form wurde an verschiedenen Tischen zu verschiedenen Themen gearbeitet und in einem zweiten Schritt ein Diskussionsmarktplatz eingerichtet, wo die Teilnehmer*innen von Stellwand zu Stellwand und von Thema zu Thema gehen konnten und diskutieren konnten. Jeweils ein Mitglied der AG moderierte entweder Tisch oder Stellwand. Wir wollen mal hervorheben, wie gut das geklappt hat. Nicht jede*r macht so etwas jeden Tag und trotzdem waren alle Plätze an denen wir gelauscht haben gut moderiert und später auch gut vorgestellt. Es entspricht sehr unserer Vorstellung vom „Mitmachverein“, wenn man sich frühzeitig mit so einem „von unten nach oben“ Format einem Thema nähert. Dafür ganz ganz viel Lob!

Eine Abschlussrunde mit einem flexiblen Podium lief erst etwas zäh, weil da doch ein paar Hürden zu überwinden waren, kam dann aber auch noch richtig in Schwung.

Was in der begrenzten Zeit so ein bisschen auf der Strecke blieb: Diversität, die über „mehr Frauen“ hinaus geht. Wir haben ein riesiges Brett zu bohren, denn nicht zu Unrecht bezeichneten viele Teilnehmer*innen unseren Verein als „männlich, weiß, deutsch“ geprägt. 

Ein paar Stichworte, die uns bewegt haben

Werte leben

„Äußere Werte nach Innen leben“ wurde auf der Veranstaltung gesagt und ja, das ist ein absolut richtiges Stichwort. Wie eben schon gesagt „männlich, deutsch, weiß“. Wir werden dies aktiv ändern müssen. Und das wird viel Arbeit auch an uns selbst bedürfen.

Unsichtbare Hürden

Denn eine der Hauptgründe ist, dass wir uns sehr in unseren Strukturen eingerichtet haben. Mal ehrlich: Könnt ihr euch vorstellen alleine ans Millerntor zu kommen und euch irgendwo auf der Gegengerade hinzustellen? Wenn ihr mit dem Menschen neben euch in Kontakt treten werdet, dann werdet ihr dann Fragen wie „Wo stehst du sonst?“ „Wie lange hast du Dauerkarte, bist du Mitglied, Fan?“ konfrontiert. Und dies sind brutale Hürden. Dies sind insbesondere dann Hürden, wenn ihr als Minderheit einer Mehrheit gegenübersteht und das gesamte gesellschaftliche Klima euch immer suggeriert, dass ihr nicht dazu gehört. Wir werden lernen müssen auf „Neulinge“ anders zu regieren.

Das gleiche gilt für unsere Arbeitskreise. Viele davon sind vereinsöffentlich. Aber wie viele davon sind so eingefahren, dass es für neue Menschen schwierig wird sich dort zu etablieren? Gerade diverse Menschen werden häufig nicht ein „fahr mich irgendwo hin, ich werde überall gebraucht“ Ego vor sich her schieben, um solche unsichtbaren Hürden zu überwinden. Die eben für diverse Menschen noch mal extra schwer zu überwinden sind.

Guckt euch eure Bezugsgruppen mal an. Wie viele davon sind nicht „männlich, weiß, deutsch“ dominiert? Beim männlich bröckelt das vielleicht einmal ein bisschen, aber „weiß, deutsch?“ steht betonfest. Hier müssen wir ran. Auch in der inneren eigenen Haltung. 

Patenschaft?

Wir werden wahrscheinlich beginnen müssen Menschen an die Hand zu nehmen. Ihnen in unseren Gruppen Plätze offensiv anzubieten und so uns zu öffnen. Nicht jede*r wird passen, aber wir müssen das viel mehr machen. Auf jeder Ebene.

Feedbackkultur

Fussballfansein ist ein emotionaler Dauerausnahmezustand. Was für Stressjunkies und Menschen, die Massenbewegung lieben. Keine Widerrede. Aus dieser Emotionalität schreibt auch dieser Blog häufig genug. Wir schreiben sehr häufig auch zum Abbau der eigenen Emotionen und weniger für die Leser*innen. 

Und wir müssen uns doch fragen, ob auch dies nicht eine Hürde für Menschen schafft. Haben wir eigentlich eine vernünftige Feedbackkultur gegenüber unseren Amtsträger*innen? Wir meinen hier nicht nur uns, sondern den ganzen Verein. Aber eben auch uns. 

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass XYZ dies abkann, verhindern wir damit, dass UVW sich um ein Amt bewirbt? Weil UVW uns liest und denkt „ach fuck, so will ich nicht kritisiert werden?“ Nicht jede*r hat ein dickes Fell. Wir werden uns hier als Blog auch mal an die eigene Nase fassen müssen. Auch wir lernen jeden Tag dazu. Wir versuchen ja immerhin seit dem 10. Jahr unseres Bestehens halbwegs zu gendern. 

Wir versuchen da auch immer zwischen „Hart in der Sache“ und „Hart gegenüber den agierenden Menschen“ zu unterscheiden. Gelingt uns das immer perfekt? Mit Sicherheit nicht. Erkennen lesende und/ oder kritisiert werdende Menschen hier immer den Unterschied? Wahrscheinlich auch nicht. Sollten wir deswegen aufhören zu kritisieren? Ebenfalls nein. Der FC St. Pauli lebt nun mal auch von Kontroverse, von Diskussionen, von unterschiedlichen Meinungen. Müssen wir uns trotzdem immer wieder selbst kontrollieren? Definitiv!

Fucking Quote

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie schwer sich viele Feministinnen (hier mal kein Gendern) mit einer Quote tun. Und wie viele dann sagen „aber wir brauchen diese fucking Quote, um das aufzubrechen“. Wir können das verstehen. Und der grundliegende Beschluss will da ja auch eine gewisse Flexibilität (Stichwort „paritätisch“) ermöglichen.

Die Diskussionen stehen immer noch am Anfang, sie haben aber auch einen engen Zeitplan. Wer meint dies aussitzen zu müssen, der macht sich eines Verrates an unseren Werten schuldig. Nicht mehr und nicht weniger. Wir werden 2020 eine Lösung finden und für die nächsten Wahlen wird es eine paritätische Beteilung von Frauen (und hoffentlich auch anderen diversen Menschen) geben. Punkt. Dafür sorgt dieses Blog. (Drei schreiben dann böse, vier gucken böse!)

Der Diskurs ist so wichtig

Wir merkten auch, dass viele skeptische Leute schon sehr viele Schritte mitgegangen sind. Sich von Argumenten überzeugen lassen, mitdenken, Probleme benennen und Lösungen akzeptieren. Das macht solche Workshops auch wichtig. Gerade wenn diese Menschen in Gremien unterwegs sind und diese Überzeugungen dann auch weitergeben können. Es ist immer wieder ein dickes Brett, was gebohrt werden muss, aber wir freuen uns, wie viel Dynamik das ganze schon seit dem Antrag im Oktober bekommen hat.

Wir als FCSP sind spät dran, diese ganze Diskussion hätte schon vor Jahrzehnten geführt werden müssen. Dies sollte aber nicht verhindern, dass wir sie nun dynamisch und zielorientiert führen. Und dafür auch mal ein Lob an die anfänglichen Skeptiker*innen. 

Es bewegt sich was beim FCSP.

Abschließend

Möchten wir die Überschrift erklären und als weitergehendes Motto ausgeben. Eine Teilnehmerin nannte dies als Weg, wie man mehr Diversität erreicht. Indem man permanent penetrant an diesem Thema dran bleibt. Wir werden dies tun, der FCSP wird dies tun.