Feb 102020
 

4. November 2018. Auswärtsspiel in Bielefeld. Auswärtssieg in Bielefeld. Für die Menschen, die in jüngerer Vergangenheit öfters mit dem FCSP auswärts fahren: Das ist das, wo man sich auf der Rückfahrt freut, weil man gewonnen hat. Wir fuhren da nebenbei als Tabellenfünfter hin und fuhren als Tabellenerster zurück (und wurden dann am Montagabend noch vom Verein mit dem Stadion an der Müllverbrennungsanlage überholt, aber das ist eine andere Geschichte).

Auch wenn das Spiel aus sportlicher Sicht (inkl. Tor nach Standard durch Knoll & Tor von Mats 😥) also ganz ok war, dann ist das nicht der Grund, warum wir als Fanszene uns heute noch mit diesem Spiel befassen (müssen). Der Grund ist der Polizeieinsatz, der den Verein im Mai 2019 zu einer Strafanzeige gegen die polizeiliche Einsatzleitung veranlasste. 

Wir zitieren hier mal Oke, der die Strafanzeige folgendermaßen begründet:
“Für uns liegt hier ein klarer strafrechtlich relevanter Verstoß durch die Einsatzleitung der Polizei vor, den wir so nicht akzeptieren können. Mit der Maßnahme wollen wir auch gemeinsam mit dem Fanladen ein klares Zeichen für Fußballfans setzen, die bei Auswärtsfahrten durch polizeiliche Maßnahmen ohne ersichtlichen Grund daran gehindert werden, ihre Mannschaft zu unterstützen. Dennoch wollen wir unsere Fans ermutigen, weiter so zahlreich auswärts mitzufahren wie bisher.”

Fragwürdiger Polizeieinsatz

Zwei der vier Kollektivmitglieder hatten sich an jenem Tag ebenfalls auf den Weg nach Bielefeld gemacht. Eine Person per Neuner, eine Person per Bahn. Ihr kennt uns, wir fahren auf verschiedene Weisen auswärts, mal Neuner, mal Fanladentours, mal Regiotours. Und wir träumen immer noch davon, dass wir diese Anreise per Rennrad mal organisiert bekommen. Wobei sich die Polizei auch bei der Anreiseform sicherlich noch „kreative“ Repressionsmaßnahmen einfallen ließe.

Die per Bahn anreisende Person hatte sich in dem Fall für den Komfort bei der Anreise entschieden und war daher mit dem ICE gefahren. Und alleine diese Entscheidung führte dazu, dass uns stundenlange polizeiliche Maßnahmen erspart blieben. Allein diese Entscheidung. Sonst nichts.

“Zu keinem Zeitpunkt wurde den festgehaltenen Personen Wasser angeboten. Der Toilettengang wurde ebenso verwehrt wie der Besuch des anliegenden Imbisses; sich außerhalb des Kessels befindliche Personen, die den festgehaltenen Personen Nahrungsmittel reichen wollten, wurden massiv von der Polizei bedrängt und teilweise an ihrem Vorhaben gehindert.“

(Augenzeugenbericht aus dem sehr lesenswerten anwaltlichen Gutachten)

So blieben uns anders Anreisenden aber nicht nur polizeiliche Maßnahmen, über deren Rechtmäßigkeit bis heute nicht entschieden ist, erspart. Sondern auch die nun anstehenden Gerichtsverfahren, von denen viele der damals gekesselten Sankt Paulianer*innen betroffen sind.

Wie ihr oben sehen könnt, führten für uns kleine Entscheidungen dazu, dass wir nicht Opfer dieser Maßnahmen wurden. Für jede*n Sankt Paulianer*in bedeutet das aber auch, dass wir nur aufgrund von kleinen Entscheidungen, die uns zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein lassen, in langfristige Gerichtsverfahren eingebunden sein können.

Und welch massive Auswirkungen ein solches Gerichtsverfahren auf das Privatleben hat, können wir uns also ausmalen. 

Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität

“Was wir wollen, können wir erreichen
Wenn wir wollen, stehen alle Räder still
Wir haben keine Angst zu kämpfen
Denn die Freiheit ist unser Ziel
Denn die Freiheit ist unser Ziel
Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität“

(Ton Steine Scherben)

Die einzig richtige, die auf St. Pauli einzig mögliche Antwort ist bedingungslose Solidarität. Wenn ihr Menschen in Eurem Umfeld habt, die von diesen Maßnahmen betroffen seid, dann seid für sie da. 

Und leider kosten solche Gerichtsverfahren auch noch Geld, in diesem Fall aufgrund der Menge an Verfahren sogar eine ganze Menge Geld. Und wenigstens hier können wir alle allen Betroffenen das Leben leichter machen. Spendet an die Braun-Weiße Hilfe. Beim nächsten Heimspiel wird es Sammeldosen auf allen Tribünen geben, und wenn ihr jetzt direkt Geld überweist ist das sicherlich auch nicht verkehrt.

Und hier auch mal ein riesengroßer Dank an die Aktiven in der Braun-Weißen Hilfe, die den Betroffenen seit 1.5 Jahren (auch ehrenamtlich) zur Seite stehen.