Dez 162019
 

Liebe Leute,

ja, wir können noch gewinnen. Die Älteren werden sich erinnern, wie sich ein FCSP-Sieg anfühlt, neun Spieltage und ebensoviele Tabellenplätze ist der letzte Dreier her. Bei den Geschehnissen der vergangenen Wochen hält sich der Optimismus an diesem Sonnabend bei den Meisten eher in Grenzen. Schließlich geht es auch gegen ein noch tiefer in der Scheiße sitzendes Kellerkind der Liga, da spielen wir ja gern mal Aufbaugegner. Aber nun ja, es nützt ja nix. Wenn man es nicht versucht, kann man es ja gleich sein lassen.

Das Stadion ist NICHT ausverkauft

Es ist nass und schmuddelig, beknackte Ergebnisse aus den vergangenen Spieltagen und mit Wehen Wiesbaden ein Gegner, der zwar ein eher seltener Gast am Millerntor ist, aber derzeit wohl ganz offensichtlich auch nicht als attraktiv gelten kann. Entsprechend dünn ist das Stadion heute gefüllt und zwar auf allen Seiten. Wehen hat kaum 300 Anhänger*innen mobilisiert und so sehen wir den wohl kleinsten Gästeblock seit dem Umbau der Nordkurve. Entsprechend unauffällig ist die Erscheinung der Auswärtsfans.

Viel voller wurde es dann auch nicht mehr.
(Und ob der Kräne einen Gruß an Toni G.)

Dafür hat sich die Mannschaft des SVWW in Schale geworfen und läuft in einem derartig penetranten Leuchtgelb auf, dass wir uns fragen, ob das Team von Stabilo gesponsert wird oder sogar abfärbt. Oder ob da einfach zehn Ordner auf dem Platz stehen. Heute wäre der richtige Zeitpunkt, das Spielfeld massiv einzunebeln. Die Wiesbadener wären dann noch gut zu erkennen, während sich unsere Braunweißen elegant bis zum Tor durchmogeln könnten.

Licht am Ende des Lazaretts?

Eine mittelständische Powerballade aller erster Güte gibt’s als Gästehymne auf die Ohren, dann kommen die Aufstellungen. Haben wir uns schon mal über die Verletztenmisere aufgeregt? Vermutlich zigfach. Und so ist der aktuelle Kader mit mancher Verstärkung aus der U23 ein reiner Flickenteppich. Nun gut, immerhin kommen einige der Lädierten allmählich wieder. Buchti in der Startelf, der – wir greifen es vorweg – heute ein sehr gutes Spiel macht. Zwar reicht es nicht für die volle Spielzeit, weil er wegen eines Schlags auf den Fuß nach einer guten Stunde runter muss. Aber unter anderem mit mehreren sehenswerten Pässen in die Spitze zeigt Buchtmann, was er kann, wenn er will und man ihn lässt. 

Ansonsten wird das Spiel immer wieder zur Nervenprobe. Nach kurzem Schlagabtausch hat Braunweiß grundsätzlich das Heft in der Hand und lässt wenig zu. Mitte der ersten Halbzeit klingelt es dann auch mal im Wiesbadener Kasten und Gyökeres freut sich zusammen mit ca. 25.000 weiteren Menschen im Stadion. “2:0 nachlegen, damit Ruhe ist”, heißt es in unseren Kreisen bei solchen Situationen gern. Und oh je, wie gern hätten wir das wirklich in dieser Phase des Spiels gehabt. Zwar passiert bis zur Pause nichts Kritisches mehr in der Gegenrichtung, aber nach dem Seitenwechsel lässt der FCSP ein gutes Stück nach und macht den SVWW so unnötig stark. Wie typisch, dass das auf unnötigste Weise bestraft wird. Aber Kopf hoch, Knolli, so ein Mist kann passieren. 

Immerhin nicht in der 90. Minute

Diese Feststellung entfährt unserem inneren Zweckoptimisten in dem Augenblick der Ohnmacht und des Kopfschüttelns. Aber dass wir mit dieser kühnen Aussage so Recht haben würden, war eher nicht zu ahnen. Denn es wirkt bis in die Schlussphase so, als seien die Boys in Brown schon wieder stehend k.o. und bekämen nichts mehr auf die Kette. Doch ganz offensichtlich sind die Wiesbadener übermütig oder ungeschickt oder beides und machen in den letzten Minuten große Räume auf, die unsere Offensive eiskalt nutzt und sogar doppelt zuschlägt. Wundervoll, Henk wieder Tore schießen zu sehen (die hier im Gegensatz zum Aue-Spiel auch was nützen). Und Gyökeres belohnt sich ein zweites Mal, das gefällt auch. Der Rest ist – leicht ungläubige – Freude. So geht das also.

Was machen wir jetzt daraus?

Zunächst einmal sind das unglaublich wichtige drei Punkte. Und vielleicht ist jetzt irgendwie ein Knoten geplatzt, der in den vergangenen Wochen unseren Jungs einschnürte. Andererseits ist ein Sieg gegen eine der schwächsten Mannschaften der Liga eigentlich verdammtes Pflichtprogramm für den FCSP und wenn wir ehrlich sind, zeigte Wiesbaden an diesem Tag auch, warum sie da unten stehen. Es gibt also noch verdammt viel zu tun und wir hoffen auf eine konstruktive Winterpause.

Nebenbei war das Stadion nicht nur leer, sondern auch wieder mit absoluten Volltrotteln gesegnet. Wir schreiben das jetzt in jeden Beitrag, bis das alle machen: Leute, weist die Menschen, die ihr mitnehmt auf die Spielregeln im Stadion hin.

Das Millerntor ist kein guter Ort, um sich über Vorsänger lustig zu machen, trotz Ansprache in den Block zu filmen und sexistische Witze zu reißen. Ach was, das sollte nicht nur am Millerntor nicht vorkommen, sondern nirgendwo. Aber lasst uns wenigstens unseren Mikrokosmos und verpisst euch.

Als Highlight begegneten uns auch noch Awareness-Plakate, die überklebt waren. Awareness-Plakate. Überklebt. Leute, merkt ihr noch was? Mehr wollen wir gar nicht dazu schreiben, sonst könnte es justiziabel werden. Ebenso, wenn wir jemanden erwischen, der seine*ihre Sticker nicht unter Kontrolle hat. 
Wie sehr kann man Fanszeneninitiativen mit Füßen treten? Wie wenig kann man St. Pauli verstehen?

Überklebte Awareness-Plakate. 3x Süd, 1x Gegengerade.
Mit Dank an N. für die Genehmigung.

Sehr viel mehr verstanden hat dagegen Leo Østigård. Was für eine geile Mentalitätsbombe. Der Jubel nach Spielende erinnerte fast an Duracell-Mats post Derby. Auch wenn ein Rätsel bleibt, warum die Mannschaft noch während des Jubelns vor der Süd in die Kabine wollte und aufgefordert werden musste, doch noch zu bleiben.

Hinrunde vorbei

Tja, das war sie jetzt, die Hinrunde. Wir beenden sie auf Platz 15. Als Jahrzehntstadmeister*innen.

Auch wenn dieser Sieg jetzt etwas Ruhe in die Trainerdiskussion bringen sollte, sind wir uns zumindest nicht so ganz sicher, ob das das allerbeste ist. Eine Kehrtwende war das gegen Wiesbaden bei weitem nicht. Die bekannten Probleme (Schwäche nach 75., dümmste defensive Aktionen, kaum Biss in vielen Zweikämpfen, Auseinanderbrechen nach Gegentoren — jaja, da sind noch 2 Tore gefallen. Aber ehrlich jetzt mal. Die waren doch eher Wiesbadens Unvermögen als allem anderem geschuldet) existieren weiterhin.

Und unsere Kritik am Trainer bleibt bestehen. Derart viel Unruhe hatte man aus dem Kader und Umfeld unter Kauczinski z.B. nicht gehört. Auch wenn die Spieler in Einzelgesprächen im Nachhinein ganz schön deutlich werden. Nebenbei: Kuss nach Dresden. Erster Torschuss in der 74. ist genau nach unserem Geschmack! 

Und ja: Wenn man was verändern will, dann werden sich nicht immer alle nur liebhaben, verlangt keine*r, will keine*r. Ist unrealistisch. Aber diverse gestandene Spieler, Athletikteam, und weiteres Umfeld dazu zu veranlassen, an die Presse zu gehen, spricht auch für sich.
Was für uns aber viel schwerer wiegt: Kritik in alle Richtungen kräftigst austeilen können – auch das ist ok. Wenn da denn nur ein Funke Selbstkritik enthalten wäre. Auf die warten wir – Stand heute (16.12.2019) seit 250 Tagen. Ganz ehrlich? Leadership sieht für uns verdammt noch mal anders aus.

Mitglieder dieses Kollektivs haben das erste Mal seit sie diesem Verein regelmäßig beim Kicken zusehen, die goldene Hinrunde voll gemacht. Da hätte man sich auch bessere Hinrunden ausruhen können. In alter St. Pauli Manier folgt darauf aber jetzt die beste Rückrunde aller Zeiten. Wir freuen uns auf den Beginn selbiger am kommenden Samstag gegen Bielefeld.

Ostwestfalen Iditoten. Scheiß Arminia Bielefeld! 
Danke an USP, wir haben immer noch einen Ohrwurm.

Gute Besserung und schnelle Genesung an James Lawrence, der heute operiert wird.

  3 Responses to “Ein ungewohntes Gefühl”

  1. Moin Wann und wo wurde sich über Vorsänger lustig gemacht?

  2. […] war sonst so los?Berichte vom Heimsieg findet ihr beim magischerfcblog, Beebleblox & hier bei uns. Bilder dazu sind bei Stefan Groenveld zu sehen. Wer den Sieg […]

  3. Von Besucher*innen in der Süd, die das äußerst witzig fanden.

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