Nov 242019
 

Man erlebt in diesem Verein ja immer wieder Überraschungen. So tauchten im Laufe der Woche noch weitere Anträge zur MV auf, die wir kurz noch behandeln wollen. 

Was wir mit Erstaunen feststellen mussten, war, dass „normale“ Anträge nach unserer Satzung nicht auf der Homepage veröffentlicht werden müssen. Nur für Satzungsänderungsanträge gilt eine Veröffentlichungspflicht. Dies ist natürlich sehr unglücklich und der innervereinlichen Demokratie echt abträglich. Wenn die Homepage Recht hat, dann wurden die nun gleich zu behandelnden Anträge am 20.11. und damit 8 Tage nach der Frist veröffentlicht. Wir hatten das letzte Mal am 16.11 auf die Homepage geguckt, da waren sie definitiv noch nicht veröffentlicht. 

Eine zeitnahe und rechtzeitige Veröffentlichung ist jedoch für eine Willensbildung der Mitgliedschaft zentral. Gerade weil wir auf der MV mit den Anträgen gerne mal zur Nachtschicht beginnen, sollte jeder interessierten Person genügend Zeit vorab zur Willensbildung gegeben werden. Das ist nebenbei auch der juristische Grund für eine Frist für Anträge. Alle sollen sich in Ruhe drauf vorbereiten können. Das können sie aber nur, wenn diese Anträge auch bekannt sind. Wir sollten hier unsere Satzung bei nächster Gelegenheit anpassen. 

Nun zu den Anträgen. Wie immer mit einer kurzen Empfehlung von uns. Die restlichen Anträge und Empfehlungen findet ihr in unserem anderen Artikel.

Der „Zubau-Antrag“

„Wir können dem einen Pullover crowdfunden“ und „Wir haben Hamburger Wetter“ reichen als inhaltliche Beschäftigung. Keine Zustimmung. 

Alkoholfreie Verkaufsstände und Verzicht auf Suchtmittelwerbung

Technisch handelt es sich hier um zwei getrennte Anträge, die aber ein und das selbe Thema haben. Daher gemeinsam ein paar Worte. 

Soweit wir wissen, sind beide Anträge aus dem Kreis der weiß-braunen Kaffeetrinker (Korrektur 25.11., danke D.) gestellt worden. Einem Fanclub, dessen Mitglieder aus unterschiedlichen Gründen auf Suchtmittelgetränke verzichten (so deren Eigenbeschreibung). 

Wir hatten das Thema schon. Wir möchten niemandem den Konsum der Droge seiner Wahl verbieten, aber der komplett unkritische, teilweise verherrlichende Umgang mit Verkauf und Werbung für das Hauptsuchtmittel Alkohol im Kontext FCSP ist moralisch schon lange nicht mehr tragbar. Und wir alle stellen uns aus Bequemlichkeit oder auch aufgrund unseres eigenen garantiert fragwürdigen Konsums ziemlich blind an.

Amerikanischer Ausrüster? Die Moral trieft aus jeder Pore. Werbung für Alkohol? Es erfolgt kein Hinterfragen, keine breite Kritik. Nix. Im Notfall bekommt man noch ein „stellt euch nicht so an“. Das ist angesichts der vielen Fälle von Elend, die Alkohol hervorgerufen hat, hervorruft und hervorrufen wird, sehr fragwürdig. Und auch wir als Blog könnten uns hier noch mehr hinterfragen, auch unsere Spieltagsbeschreibungen beinhalten Alkoholkonsumgeschichten, auch wir posten Bilder mit alkoholischen Getränken.

Und insofern haben die Antragsteller*innen beider Anträge absolut einen Punkt. Den kann man kapitalistisch mit „wirtschaftlichen Zwängen“ wegargumentieren, aber puh. Kapitalistische Argumente sind hier sehr schwierig. Unser Caterer sagte mal, dass er 95 Prozent seines Umsatzes mit Bier machen würde. Das zeigt auf der einen Seite das wirtschaftliche Problem, auf der anderen Seite aber auch, über welchen Mengen pro Kopf wir hier sprechen. 

Wir sind als Kollektiv sehr gespannt darauf, wie die Diskussion auf der MV verläuft, und sind uns ehrlich gesagt noch nicht sicher, wie wir diese Anträge abschließend bewerten wollen. Aber auch wenn wir diese Anträge nicht annehmen wollen, wir müssen da ran. So geht es nicht weiter. 

Seid ihr euch selber eigentlich im Klaren, ob euer Alkoholkonsum noch okay ist? Oder ob er schon als problematisch anzusehen ist? Und das subjektive „ich hab das alles im Griff“ sollten wir alle mal hinterfragen. 

Nichtrauchen in einzelnen Blöcken

Wir hatten das Thema letztes Jahr bereits und haben es nun wieder. Rauchen ist auch eine beschissene Sucht und Passivrauchen ist eben auch in einem Freiluftstadion ein Thema. Ist so. Das wegzuleugnen, wäre ein lautes „Fake News“-Gebrüll. Natürlich ist die Belastung nicht mit einer Kneipe zu vergleichen (hallo Jolly Roger), aber dass es irgendwo schlimmer ist, heißt ja nicht, dass es gut ist. 

Trotzdem ist so ein Antrag schwierig. Menschen in unserem Stadion kleben sehr an ihren Plätzen. Sei es wegen subjektiver Gründe, sei es wegen der fehlenden Bewegungsmöglichkeiten in einem ständig ausverkauftem Stadion. Hier z. B. 1/3 der Gegengerade Stehplätze als Nichtraucher-Plätze zu definieren und damit eine Blockteilung und eine Blockkontrolle einzuführen, dies insbesondere auch auf der Süd, die bisher nicht ernsthaft unterteilt ist, ist sehr schwierig. Gleiches gilt bei den Sitzplätzen, die es insbesondere im halbwegs bezahlbaren Bereich auch nicht wie Sand am Meer im Millerntor gibt. 

Und da sind wir noch nicht einmal bei dem Thema „wie kontrolliere ich den bitte die Einhaltung?“. Bock, dass es jedes dritte Spiel eine Hauerei zwischen Ordner*innen und irgendeinem uneinsichtigen gibt? Puh. Schwierig. Und wir sprechen hier von einer Sucht. 

Hinzu kommt die sehr kurz gesetzte Deadline. Wir fänden es bei solchen Themen besser, wenn man ausreichend Vorbereitungszeit ermöglicht und gemeinsam mit den Menschen auf den Tribünen einem solchen Vorgehen den Weg ebnet. Das ist bis zum Beginn der neuen Saison nur schwer zu schaffen.

Aber auch hier gilt: Wir müssen da ran. Auch wenn es weh tut. Aber ob dieser Antrag so der Weg ist? Wir zweifeln.