Nov 292019
 

Es ist unsere traurige Pflicht schon wieder einen Nachruf zu schreiben, denn wie der FCSP heute über Twitter verkündete, ist Frank verstorben.

Liebevoll von allen Opa Frank genannt war Frank ein Dauergast bei Fanladen-Tours und eigentlich bei jedem Auswärtsspiel zu finden, wenn er nicht mit seiner Frau in dem Hotel Urlaub machte, in dem er laut eigenem Bekunden schon seit über 50 Jahren Urlaub machte. Meistens verbunden mit einem Fantreffen irgendeiner komischen Volksmusik Band. Wie hast du bloß all die Jahre Spinner CDs ausgehalten, Frank? Wie haben wir sie ausgehalten? 
Ihr wolltet wissen, was wirklich an der Kollaustrasse passiert und warum ein Spieler nicht spielte oder was im sportlichen Bereich schief läuft? Einfach Frank fragen, der wahrscheinlich mehr wusste, als alle FCSP Reporter*innen zusammen. Er und seine Gang von Trainingskibiezen waren selbst zu Geheimtrainings zugelassen. Wusste doch jeder Trainer, dass die Jungs nicht plaudern würden. Naja außer mit uns und wir haben das garantiert nicht veröffentlicht. 
Irgendeine 20 Stunden Bus Tour? Frank war am Start! Immer! Und wenn wir komplett platt und genervt aus dem Bus fielen, hatte er immer noch eine positive Energie, die einzigartig war. Frank war gefühlt auch der letzte Mensch, der im Fanladen analog bestellte. 
Frank war ein angenehmer und fröhlicher Mensch. Ihn im Bus zu haben sorgte immer für nette Momente, schöne Unterhaltungen und Betrachtungen aus vielen Jahrzehnten FCSP. Durch seine offene Art hat sich Frank bei allen Arten von FCSP Fans beliebt gemacht. Und so wünschten ihm auch “die Ultras” gute Besserung als er vor ein paar Monaten erkrankte. 
Leider hat er sich davon nicht mehr erholt. Mach es gut, Opa Frank. Du wirst auf Fanladen Tours und auf dieser Welt fehlen. Hoffentlich darfst du im Jenseits auch zu Geheimtrainings. 

Nov 282019
 

Liebe Lesenden,

heute Abend wurde mit großer Mehrheit der Antrag zur Förderung von Frauen in den leitenden Gremien des FCSP angenommen. Wie ihr euch denken könnt, freuen wir uns riesig.

Der diesjährige Blogbeitrag zur MV kommt dann wie üblich später und fällt vielleicht etwas kürzer (nur etwas) aus.

Stattdessen aber ein schon mal vorab anderes Gimmick. Wir haben aus Gründen Zugriff auf die Antragsbegründung und teilen diese gerne mit Euch.

FCSP Mitgliederversammmlung 2019

Förderung von Frauen in allen Gremien des FC St. Pauli

Liebe St. Paulianer*innen, lieber Aufsichtsrat, liebes Präsidium.

Ich würde am liebsten in einer Welt leben, in der keine Quoten notwendig sind, in der diverse Repräsentanz in Gremien auch ohne Quotierung erreicht werden kann. Uns auf den Weg in eine solche Welt zu machen ist Ziel dieses MV-Antrages.

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, haben wir ausgerechnet in dem Bereich der Diversität in den vergangenen Jahren keine großen Fortschritte gemacht. 

Ja, wir sind einen kleinen Schritt weiter als viele andere Profifussballvereine in Deutschland. Nur mal ein Beispiel: Von 54 Profivereinen der ersten drei Ligen (Chemnitzer FC hat aktuell keinen AR, FC Bayern ist nur einmal gezählt) haben 43 Vereine gar keine Frau im Aufsichtsrat. Unter den insgesamt 346 Mitgliedern sind ganze 13 Frauen zu finden. Aber reicht es uns, nur einer von 11 Vereinen zu sein?

Oke sagte im Januar dass wir “Projektionsfläche für kritische Fans geworden sind, die gemeinsam mit uns daran glauben, dass ein anderer Fußball möglich ist“. Wir als FC St. Pauli stehen wie kein anderer Fussballverein in Deutschland für Vielfalt und Pluralität. Lasst uns dies auch praktisch umsetzen. Lasst uns diese Diversität auch zu unserem Gesicht werden lassen.

Warum dann mit einer Quote arbeiten? Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass es nur da signifikante Fortschritte gab, wo mit einer (temporären) Quote nachgeholfen wurde. Wie gesagt, ich wünsche mir das in einer idealen Welt auch ohne. 

Aber ohne Quote geht es einfach nicht schnell genug voran. Und ich bin nicht bereit, die nächsten Jahrzehnte einfach abzuwarten. Lasst mich hier auch Sandra , zitieren, die seit 2014 an der Spitze unserer Aufsichtsrates steht: „Ich habe eine Quote früher immer für überflüssig gehalten. Mittlerweile glaube ich jedoch, dass sie helfen und den Prozess beschleunigen würde. Denn wenn wir in dem Tempo weitermachen, sind wir erst in 50 Jahren am Ziel.“

Liebe Sandra, lieber Oke, ein Nebenkommentar sei mir hier erlaubt: Demnächst gebt ihr solchen guten Interviews aber nicht mehr der Springerpresse, ok? 

Liebe Kritiker*innen, lasst mich direkt auf einige eurer Bedenken eingehe. Highlight der Kritik war natürlich der Artikel heute Morgen im Abendblatt – ich nenne ihn auch “Sozialstudien für die letzten Tage des Patriarchats”:

  • „Dieser Antrag schreibt eine harte Quote vor.“
    Nein, genau das tut er nicht. Er formuliert ein Ziel – nämlich die geschlechtsparitätische Besetzung von Aufsichtsrat und Präsidium und erteilt den Auftrag, einen entsprechend abgestimmten Vorschlag zu erarbeiten. Der der Mitgliederversammlung dann im kommenden Jahr zur Abstimmung vorgelegt werden soll.
  • Auch das Wort geschlechtsparitätisch ist bewusst gewählt. So lässt es uns genau die Flexibilität zu entscheiden, woran wir eine etwaige Quote festmachen: Eine Quote zu einem festgelegten Prozentsatz oder eine Quote parallel zum Mitgliedsantrag: Männlich- Weiblich- Divers. Hier ist noch nichts entschieden.
  • Und natürlich muss aufgrund eurer Zustimmung zu diesem Antrag kein Mitglied der Direktor*innenrunde – ich gendere hier schon mal vor – entlassen werden. Es geht darum, einen Plan zu erarbeiten, wie das bis 2025 – also in 6 Jahren erreicht werden kann.
    Zur Visualisierung: Heute vor sechs Jahren, 2013, hatten wir gerade auswärts in Aalen gewonnen und waren Tabellenvierter in der 2. Bundesliga. Hinter Kaiserslautern, Köln und Fürth. Und keines der Mitglieder unserer aktuellen Direktorenrunde war damals schon beim FCSP angestellt. Längste Amtszeit hat Martin Drust, der seit 2015 – also seit 4 Jahren – im Verein angestellt ist. [Drust 2015, von Geldern 2016, Stilz 2016, Michael 2018, Thomsen 2018, Urban 2019].
  • Ein Argument, das ich in den vergangenen Wochen immer wieder gehört habe ist, wie schwierig es sei, Frauen zu finden, die diese Ämter übernehmen wollen und können.
    Ich verneine diese Schwierigkeit nicht. Ich bin aber fest überzeugt, dass eine solche Quote auch motivierend für interessierte und geeignete Frauen sein kann. Dies zeigen auch entsprechende Studien, die sich mit den Effekten von Quoten befassen. Die Wirkung ist nicht nur eine formale, sondern auch eine psychologische.
    Und für den Fall, dass keine interessierte und geeignete Frau gefunden werden, kann man dann immer noch entsprechende Regelungen treffen. Mit diesem Antrag formulieren wir vor allem, dass wir uns für das Ziel einer geschlechterdiverseren Besetzung unserer Führungsgremien einsetzen.
    Erstaunlich ist in diesem Kontext aber auch, dass das Thema Kompetenz immer nur bei Frauen ein Thema ist. Wann wurde bei sowas jemals bei einem Mann aufgrund seines Geschlechts an seiner Kompetenz gezweifelt?

Und nein, die Einführung einer Quote löst natürlich nicht alle Probleme. Aber sie ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und wird dann erfolgreich, wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Genau daran möchte ich – wie im Antrag formuliert – gemeinsam mit interessierten Mitgliedern, Aufsichtsrat und Präsidium in einem offenen Prozess arbeiten. Und freue mich besonders, dass Jörn heute schon gesagt hat, dass er dieses Thema auch auf die Delegiertenkonferenz der sporttreibenden Abteilungen tragen wird.

Und wenn Euch meine Argumente noch nicht überzeugt haben, dann lasst es mich abschließend mit Mats versuchen. Der 2017, als das norwegische Frauennationalteam zur EM fuhr, über die männlich dominierte Kultur im Fussball sagte „Wenn wir alle in den Spiegel gucken, werden wir erkennen, dass wir alle noch besseres tun können.“

Nov 242019
 

Man erlebt in diesem Verein ja immer wieder Überraschungen. So tauchten im Laufe der Woche noch weitere Anträge zur MV auf, die wir kurz noch behandeln wollen. 

Was wir mit Erstaunen feststellen mussten, war, dass „normale“ Anträge nach unserer Satzung nicht auf der Homepage veröffentlicht werden müssen. Nur für Satzungsänderungsanträge gilt eine Veröffentlichungspflicht. Dies ist natürlich sehr unglücklich und der innervereinlichen Demokratie echt abträglich. Wenn die Homepage Recht hat, dann wurden die nun gleich zu behandelnden Anträge am 20.11. und damit 8 Tage nach der Frist veröffentlicht. Wir hatten das letzte Mal am 16.11 auf die Homepage geguckt, da waren sie definitiv noch nicht veröffentlicht. 

Eine zeitnahe und rechtzeitige Veröffentlichung ist jedoch für eine Willensbildung der Mitgliedschaft zentral. Gerade weil wir auf der MV mit den Anträgen gerne mal zur Nachtschicht beginnen, sollte jeder interessierten Person genügend Zeit vorab zur Willensbildung gegeben werden. Das ist nebenbei auch der juristische Grund für eine Frist für Anträge. Alle sollen sich in Ruhe drauf vorbereiten können. Das können sie aber nur, wenn diese Anträge auch bekannt sind. Wir sollten hier unsere Satzung bei nächster Gelegenheit anpassen. 

Nun zu den Anträgen. Wie immer mit einer kurzen Empfehlung von uns. Die restlichen Anträge und Empfehlungen findet ihr in unserem anderen Artikel.

Der „Zubau-Antrag“

„Wir können dem einen Pullover crowdfunden“ und „Wir haben Hamburger Wetter“ reichen als inhaltliche Beschäftigung. Keine Zustimmung. 

Alkoholfreie Verkaufsstände und Verzicht auf Suchtmittelwerbung

Technisch handelt es sich hier um zwei getrennte Anträge, die aber ein und das selbe Thema haben. Daher gemeinsam ein paar Worte. 

Soweit wir wissen, sind beide Anträge aus dem Kreis der weiß-braunen Kaffeetrinker (Korrektur 25.11., danke D.) gestellt worden. Einem Fanclub, dessen Mitglieder aus unterschiedlichen Gründen auf Suchtmittelgetränke verzichten (so deren Eigenbeschreibung). 

Wir hatten das Thema schon. Wir möchten niemandem den Konsum der Droge seiner Wahl verbieten, aber der komplett unkritische, teilweise verherrlichende Umgang mit Verkauf und Werbung für das Hauptsuchtmittel Alkohol im Kontext FCSP ist moralisch schon lange nicht mehr tragbar. Und wir alle stellen uns aus Bequemlichkeit oder auch aufgrund unseres eigenen garantiert fragwürdigen Konsums ziemlich blind an.

Amerikanischer Ausrüster? Die Moral trieft aus jeder Pore. Werbung für Alkohol? Es erfolgt kein Hinterfragen, keine breite Kritik. Nix. Im Notfall bekommt man noch ein „stellt euch nicht so an“. Das ist angesichts der vielen Fälle von Elend, die Alkohol hervorgerufen hat, hervorruft und hervorrufen wird, sehr fragwürdig. Und auch wir als Blog könnten uns hier noch mehr hinterfragen, auch unsere Spieltagsbeschreibungen beinhalten Alkoholkonsumgeschichten, auch wir posten Bilder mit alkoholischen Getränken.

Und insofern haben die Antragsteller*innen beider Anträge absolut einen Punkt. Den kann man kapitalistisch mit „wirtschaftlichen Zwängen“ wegargumentieren, aber puh. Kapitalistische Argumente sind hier sehr schwierig. Unser Caterer sagte mal, dass er 95 Prozent seines Umsatzes mit Bier machen würde. Das zeigt auf der einen Seite das wirtschaftliche Problem, auf der anderen Seite aber auch, über welchen Mengen pro Kopf wir hier sprechen. 

Wir sind als Kollektiv sehr gespannt darauf, wie die Diskussion auf der MV verläuft, und sind uns ehrlich gesagt noch nicht sicher, wie wir diese Anträge abschließend bewerten wollen. Aber auch wenn wir diese Anträge nicht annehmen wollen, wir müssen da ran. So geht es nicht weiter. 

Seid ihr euch selber eigentlich im Klaren, ob euer Alkoholkonsum noch okay ist? Oder ob er schon als problematisch anzusehen ist? Und das subjektive „ich hab das alles im Griff“ sollten wir alle mal hinterfragen. 

Nichtrauchen in einzelnen Blöcken

Wir hatten das Thema letztes Jahr bereits und haben es nun wieder. Rauchen ist auch eine beschissene Sucht und Passivrauchen ist eben auch in einem Freiluftstadion ein Thema. Ist so. Das wegzuleugnen, wäre ein lautes „Fake News“-Gebrüll. Natürlich ist die Belastung nicht mit einer Kneipe zu vergleichen (hallo Jolly Roger), aber dass es irgendwo schlimmer ist, heißt ja nicht, dass es gut ist. 

Trotzdem ist so ein Antrag schwierig. Menschen in unserem Stadion kleben sehr an ihren Plätzen. Sei es wegen subjektiver Gründe, sei es wegen der fehlenden Bewegungsmöglichkeiten in einem ständig ausverkauftem Stadion. Hier z. B. 1/3 der Gegengerade Stehplätze als Nichtraucher-Plätze zu definieren und damit eine Blockteilung und eine Blockkontrolle einzuführen, dies insbesondere auch auf der Süd, die bisher nicht ernsthaft unterteilt ist, ist sehr schwierig. Gleiches gilt bei den Sitzplätzen, die es insbesondere im halbwegs bezahlbaren Bereich auch nicht wie Sand am Meer im Millerntor gibt. 

Und da sind wir noch nicht einmal bei dem Thema „wie kontrolliere ich den bitte die Einhaltung?“. Bock, dass es jedes dritte Spiel eine Hauerei zwischen Ordner*innen und irgendeinem uneinsichtigen gibt? Puh. Schwierig. Und wir sprechen hier von einer Sucht. 

Hinzu kommt die sehr kurz gesetzte Deadline. Wir fänden es bei solchen Themen besser, wenn man ausreichend Vorbereitungszeit ermöglicht und gemeinsam mit den Menschen auf den Tribünen einem solchen Vorgehen den Weg ebnet. Das ist bis zum Beginn der neuen Saison nur schwer zu schaffen.

Aber auch hier gilt: Wir müssen da ran. Auch wenn es weh tut. Aber ob dieser Antrag so der Weg ist? Wir zweifeln.

Nov 232019
 

Worte vor den Worten 

Der legendäre Manager Casey Stengel wurde mal danach gefragt, was das Geheimnis für erfolgreiches Trainieren eines Sportvereines sei. Er antwortete

„Keep the five guys who hate you away from the five who are undecided.” 

Dies zumindest scheint Dirk Schuster sehr gut zu schaffen, denn seine Truppen bilden eine Einheit, die motiviert bis in die letzte Haarspitze ist. Sympathischer macht dies seine dauermeckernde Art aber auch nicht. Aber irgendwo hat er seinen Weg gefunden. 

Von vorne

Fangen wir aber den Tag vorne an. Er begann mit dem bereits erwähnten Trauerfall. Der später im Stadion von den Vorsängern aufgegriffen wurde und wo ihrer mit einem “You’ll never walk alone” gedacht wurde. 

Mit dem letzten Rest Pöbelbus machten wir uns dann auf den Weg nach Aue. Kurz bei der südlichen Außenstelle gesammelt und ab durch die Rübenländer nach Braunschweig, dann auf die Autobahn. Passend wurde es bei Magdeburg dunkel. Und wurde auch nicht mehr richtig hell.

Der Rest der Hinfahrt wäre schnell erzählt, wenn nicht noch kurz die Luftdruckanzeige der Reifen sich zu Wort gemeldet hätte. War aber Fehlalarm. 

In Sachsen

Wird man gleich erstmal mit zwei Freiwild Autoaufklebern begrüßt. Mal ganz unter uns: Wir kennen echt gute Menschen in Sachsen und bewundern eure Ausdauer in einem solchen Klima standhaft zu bleiben. Und wie wissen wieder wie gut wir es dann doch haben in unserem Wohlfühlviertel. 

Parkplatz ist schnell gefunden, Kartendeals werden abgewickelt und das übliche “Hallo” wurde erledigt. 

Der Eingang ist schnell überwunden und wir finden einen netten Platz neben Nordsupport. 

Das Spiel 

Fand statt. Und damit ist das positive schon gesagt. “Sportlich sind wir auf einem guten Weg und haben volles Vertrauen in die sportliche Leitung” sagte unser Präsident letztens im NDR. Das Problem dabei ist, dass der sportlich gute Weg ein nicht sichtbarer Trampelpfad geworden ist. Es fehlt die Aggressivität, die zwischenzeitlich die Jungs auszeichnete.
Wenn man sieht wie sehr ein Aue das Spiel einfach erzwingen will, dann fehlt es uns da massiv. 10 Minuten sieht man mal ein leichtes Aufbäumen, aber das war es. Mats sprach nach dem Spiel von “aufwachen“ und „andere Mentalität zeigen”. Uns fehlt es auch schon seit längerem keine Antwort auf Mannschaften der Marke Schuster.

Erinnert ihr euch an das Derby? Oder an Mats vs. Diekmeier? Da hatten wir Antworten. Jetzt ist es alles wieder weg. Bestes Beispiel heute? Spieler von uns wird direkt vor der eigenen Bank gefoult. Reaktion von der Bank? Einer springt auf. Halbherzig. Ende. Könnt ihr euch das bei einem Dirk Schuster Team vorstellen? Nein, wir auch nicht. Da hätte die Mannschaft sich auch mehr als eine gelbe Karte geholt.

Keine Bilder im Block! Und/ oder Blog.

Es fehlt da einfach bei uns die Stimme, die jeden von Nr. 1 bis 19 glühend heiß macht. Und verstehen wir uns nichts falsch, ein Trainer kann nicht jeden Part spielen. Entscheidend ist das Team und die Erkenntnis nicht alles alleine machen zu können. Oder glaubt ihr, dass Jürgen Klopp sich für einen begnadeten Techniktrainer hält? 

Wir müssen auf den Sandhausen Pfad zurück finden. Das wäre zumindest erstmal ein Weg zur sportlichen Stabilität. 

Und dann wird es schlimmer 

Und als wäre das alles nicht schlimm genug, kam es dann zu einem Polizeieinsatz gegen Leute von uns. Der Support wurde eingestellt und eine kurze Ansage vom Podest erfolgte. Man entschloss dann das Stadion zu verlassen und auch wir schlossen uns an.

Wir haben da ein Grundprinzip, welches wir schon damals in Bielefeld schilderten: Es sind unsere Menschen und mit denen sind wir gerade auswärts solidarisch. Wir kommen zusammen und vollzählig, wir gehen so auch wieder. Wenn es dann ein Verhalten zu kritisieren gibt, regeln wir das zu Hause in Ruhe. Aber wir lassen uns garantiert nix von der sächsischen Polizei diktieren. 

Es kam noch zu kurzer Hektik vor dem Stadion und die besagte Polizei zeigte ihr behelmtes Gesicht und nervte rum. Alle uns Bekannten sind da aber dann halbwegs schnell weg gekommen. Und das bleibt dann auch die positivste Mitteilung des Tages.
Schade dagegen, dass der Verein über das Drumrum (Stand jetzt, 22:51) nicht informiert. Aus Bielefeld hätte man lernen können. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Über 15 verletzte Spieler verlieren wir auch keine Worte mehr. Ihr habt das alles schon gelesen und wir wollen euch und uns nicht langweilen. Aber fragt doch mal bei der MV nach.

Nov 222019
 

Heute Morgen haben wir erfahren, dass @diepauliane verstorben ist. Krebs ist ein Arschloch! 

Mit Gabi geht einer der wirklich guten Menschen von uns. Unser Kollektiv hat sie schon alleine deswegen besonders ins Herz geschlossen, weil sie einen von uns zu Beginn seiner FCSP-Zeit an die Hand genommen hat. Und das kennzeichnete Gabi sowieso aus: offenherzig, engagiert und wirklich eine Seele von Mensch. 

Gabi gehörte auch zu den Menschen, die ihre Fußballliebe weit von ihrem Wohnort gefunden hatte und positiv verrückt genug war, um diese vielen Kilometer für Heim- und Auswärtsspiele zu überwinden. Und jede*r, der*die sie kannte, freute sich auf diesen Menschen, der nie schlecht gelaunt wirkte und immer ein fröhliches Wort über hatte. Es war bei noch so doofen Auswärtsspielen der Lichtblick des Tages, wenn wir Gabi trafen. Jeder Spieltag wurde dadurch besser. 

Man verstehe uns nicht falsch, ihre Offenheit gegenüber jeder und jedem war keine Prinzipienlosigkeit. Im Gegenteil: Gabi hatte ganz klar ihre Standpunkte und vertrat diese auch leidenschaftlich und voller Energie. Und so war sie auch ungefähr auf jeder noch so kleinen Demo für gute Sachen in ihren Heimatort zu finden. 

Jeder Mensch ist einmalig, aber Gabi war noch mal einzigartiger. Gabi, dein “… und Moin” auf Twitter wird uns ebenso fehlen wie dein Lächeln, wie Du. Mach es gut, Gabi. 

Krebs ist ein Arschloch! 

Nov 192019
 

Liebe Lesende, wir haben nun beschlossen, dass wir uns fit für die erste Liga machen. Irgendwer muss damit ja anfangen. Vielleicht sind wir ja als Fitnessblog genauso Influencer wie beim streuen kommunistischer Ideen beim FCSP. Daher ab jetzt #pumpenfürdieersteliga.

Und auch ein bisschen Laufen, Radeln und Schwimmen. Unseren hauseigenen Triathleten hatten wir daher am Sonntag zum Quickborn-Run delegiert. Hier sein Memo:

Es ist kalt

Es ist Sonntag Morgen und das nervöse Rennpferd namens Schwesterherz klingelt. Wie immer etwas zu früh und wie immer entspannt vor einem Rennen. Ab nach Quickborn, wo wir als letzte Vorbereitung vor einem Marathon an der Space Coast am Quickborn-Run 25 km teilnehmen wollen. Die Straßen sind glatt, so dass wir vorsichtig fahren müssen, aber insgesamt geht es reibungslos nach Quickborn. Nur der Nachbar, der mit uns aus dem Haus ging und dann zu 80 % den gleichen Weg hatte, muss sich zwischendurch gefragt haben, ob wir ihn eigentlich verfolgen.

Menschen mit gelben Jacken weisen einen professionell auf einen Parkplatz ein und kurze Zeit später hat man dank sehr schneller und fröhlicher Helfer*innen seine Startnummer in der Hand. Noch kurz die üblichen Klobesuche und das große Hallo und schon geht es auf die Strecke. Die Ansagen des Rennleiters über Megaphon sind in den hinteren Reihen nicht zu verstehen, er fasst sie aber nach dem Start mit „passt auf, wir haben nur zwei mal Sanitäter an der Strecke, unter Beinbruch fahren wir euch nicht nach Hause“ zusammen. Da es aber erstmal durch den Ort geht, haben alle genügend Platz und können ihr Tempo finden.

Zusammen ist es weniger einsam

Schwesterherz und ich laufen gemeinsam, irgendwo um die 6:20 pro Kilometer. Nach ein paar Kilometern verlässt man Quickborn und läuft durch die Feldmark in Richtung Hasloh. Meistens auf asphaltierten Wegen und immer mit genügend Platz. Wobei der bei unserem Tempo auch auf einem engen Weg vorhanden gewesen wäre, es gibt nämlich nur sehr wenig Teilnehmer*innen in unserem Tempo. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass am Ende nur 266 Teilnehmer*innen das Ziel erreichen. Nur um es zu verdeutlichen: Letztendlich trennten mich und Schwesterherz im Ziel 2,5 Minuten. In dieser Zeit kamen gerade einmal zwei Frauen ins Ziel.

Norddeutschland ist nicht flach

Ich hatte mir irgendwie vorgenommen das ganze in 6:30 zu laufen und die ersten 10 KM lief das auch wirklich gut. Aber irgendwie mochten dann meine Oberschenkel nicht mehr, die irgendwie mit der Kälte nicht zu Recht kamen und fest wurden. Zwischen KM 10 und 17 schlängelt man sich parallel zur Autobahn durch das Gehölz, läuft einmal auch direkt an ihr und muss feststellen, wie langsam man im Vergleich zu einem Auto ist und wie laut so eine Autobahn ist.

Wer nebenbei glaubt, dass Schleswig-Holstein flach ist, der hat noch nicht bei solchen Läufen mitgemacht. Natürlich gibt es hier keine großen Berge oder Anstiege, aber auch hier gibt es diese eigentlich beinah nicht merklichen Anstiege aus Flußtälern, die einem richtig schön Energie aus den Beinen ziehen. Dazu die beschriebenen Oberschenkelprobleme und irgendwie wurde es unschön.

Rest alleine

So musste ich Schwester bei dem Überqueren der Autobahn ziehen lassen und die restlichen 5 Kilometer alleine bestreiten. Zum Glück erholten sich die Beine wenigstens ein bisschen und so konnte ich das Tempo zumindest ungefähr halten.

Aber irgendwie stellt man sich das am Ende einer Marathonvorbereitung lockerer vor.

Am Ende kackt die Strecke

Nun muss man in Quickborn noch mal abbiegen und über Ellerau wieder rein nach Quickborn und dieser Kilometer 23,5 bis 24,5 hat es in sich. Es geht nämlich noch mal ordentlich bergauf. Okay, die Zeit leidet etwas, aber es geht schon irgendwie.

Endspurt und am Ende steht eine 2:43:03 in den Büchern. Und damit Platz 245 von 266.

Irgendwie unzufrieden

Irgendwie hatte ich mir ja 6:30 pro KM vorgenommen und das war es am Ende dann ja auch, aber irgendwie befriedigt das alles irgendwie nicht. Ich fühlte mich absolut platt und es fühlte sich alles nicht so an, wie ich es mir zwei Wochen vor einem Marathon gewünscht hätte. Fun Fact: Ich war bisher erst einmal beim Quickborn Run. Genau vor 10 Jahren. Damals lief ich eine 2:45:55 und wurde 401 von 427 ins Ziel kommenden. Damals gab es aber auch noch keinen 10 KM Lauf bei der Veranstaltung.

Nov 142019
 

Worte vor den Worten

Liebe Lesende,

wir werden dieses Jahr leider keinen umfangreichen MV-Artikel schreiben. Leider ist der Senior verhindert, da er das Wiegenfest seiner Schwester feiern muss, und Familie ist ab und zumal wichtiger als der Verein. Ja ist so.

Trotzdem wollen wir euch natürlich up to date bringen und für euch einen Blick auf Anträge und Wahlen stellen.

Wir orientieren uns an der Übersicht auf der Vereinshomepage, diese haben wir das letzte Mal kurz vor der Veröffentlichung dieses Artikels gecheckt und hoffen auf dem neusten Stand zu sein.

Die Anträge

Es ist Zweitausendneunzehn
FCSP Führung ist männlich, nicht zu verstehn
Nur zwei Frauen – fast allein?
Ja, die Varianz ist klein
Na fein! Herein, willkommen im Verein!

(frei nach Fettes Brot unter Verbiegung des Reimschemas)

In der Reihenfolge, wie sie auf der HP abgebildet sind:

Satzungsänderung zur Einberufung der Mitgliederversammlung

Ein rein technischer Antrag, der eure Zustimmung finden sollte. Die Argumentation mit „Nachhaltigkeit“ ist jedoch ein schlecht gespielter Witz. Es ist wohl keine zu gewagte These, zu behaupten, dass der gedruckte „Blickpunkt“ ungefähr der kleines Posten im Rahmen einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfung des FCSP sein würde. Hier geht es knallhart darum, Kosten zu sparen. Um nichts anderes. Und das darf man den Mitgliedern auch mal so sagen. Aber seien wir mal ehrlich: Die Berichte des Alten Stamms waren schon immer nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt waren. 

Satzungsänderung zur Änderung des Paragraphen 36 Ziffer 5

Die Satzung zu gendern? Muss man das anders begründen, als zu schreiben, dass wir immer noch 2019 haben? Nein! Der Antrag wird von Aufsichtsrat, Präsidium und Ehrenrat unterstützt.

Kommt uns bitte nicht mit solchen Argumenten wie „besserer Lesbarkeit“ oder „kompliziert“. Ja es macht es komplizierter, sind juristische Texte aber sowieso. Das nicht lesen zu wollen, ist bei den meisten Menschen einfach schlichtweg Ignoranz oder Faulheit. Daher ist jedes „Lesbarkeitsargument“ hier ein Scheinargument. Und wer das trotzdem vertreten will, der kann ja die Satzung in generisches Femininum schreiben. Und Männer sind dann halt mitgemeint.

Exkurs
Es sei nur angemerkt, dass es natürlich Menschen gibt, die auf sogenannte leichte Sprache oder die sogenannte einfache Sprache angewiesen sind. Unterschied ist hier erklärt.

Wir sprechen hier nebenbei von Millionen Betroffenen. Umso wichtiger für eine gelebte Inklusion sind daher Informationen in einfacher Sprache auf Internetseiten. Haben wir nicht, hat der FC St. Pauli auf seiner offiziellen Homepage nicht, leuchtendes Vorbild ist wieder mal der weltbeste Fanladen, der hat das. 
Exkurs Ende

Aber um es nochmal zu betonen: Dies ist hier und eigentlich in allen Fällen kein Argument gegen vernünftiges Gendern.

Ein bisschen Kritik an dem Antrag sei trotzdem erlaubt: Warum hat man der MV als höchstes Gremium nicht einfach eine gegenderte Version der Satzung zur Abstimmung vorgelegt? Und warum hat man keinen Antrag auf Streichung des zitierten Satzes in der Präambel (die ist zumindest technisch Bestandteil der Satzung) gestellt? Das ist so ein bisschen schade. Trotzdem ist der Antrag natürlich zu unterstützen.

Antrag zur Nutzung von HVV-Tickets

Das Ganze ist komplex und mit einem einfachen „ja oder nein“ unserer Meinung nach nicht zu beantworten, der Antrag versteht sich daher vollkommen zu Recht als Auftrag an das Präsidium. Auch wenn er nicht perfekt formuliert ist. Grundsätzlich ist ihm zuzustimmen. Das bedarf aber einiger Worte:

Es ist lange überfällig, dass der FCSP proaktiv gegen Autoverkehr bei Heimspielen vorgeht. Und dazu gehört auch, die möglichst billige Nutzung des HVV zu ermöglichen. Argumente wie „aber ich brauche das nicht, warum soll ich das finanzieren?“ greifen hier viel zu kurz, denn es geht hier schon lange nicht mehr um eine Bequemlichkeit oder einen Egoismus. Es geht darum, dass wir entweder alle durch Klimawandel umkommen oder die Leute extrem umdenken. (Wir sind jetzt einfach mal dramatisch.) Und dazu gehört insbesondere auch, dass wir weniger Auto fahren. Und das sollte jede*r unterstützen. Und wenn es nur dadurch ist, dass man ein HVV-Ticket jemand anderem subventioniert. Alleine die Fahrt von Reinbek ans Millerntor und zurück mit einem PKW, der 7 Liter Benzin verbraucht, produziert jede Saison 119 kg CO2. Ja, das klingt nicht nach viel, ist es vielleicht auch nicht, aber wir leben zur Zeit in einer Situation, in der jedes Gramm zählt.

Dass wir in Sachen Nachhaltigkeit noch ganz andere Baustellen haben, sollte auch jedem klar sein.

Jedoch: Wir haben heutzutage schon Ticketpreise, die sich am oberen Rande dessen bewegen, was Menschen ohne viel Geld bezahlen können. Genügend Menschen können dies auch nicht bezahlen. Und ein HVV-Ticket wird entweder die Marge des Vereins bei den Eintrittsgeldern verringern oder das Ticket verteuern. Ersteres wird der Verein nicht machen. Zweiteres ist unpopulär.

Hier gilt es vielleicht auch kreative Maßnahmen zu ergreifen, wie z. B. einen Solitopf „Ich kaufe mir eine HVV-Karte und ich finanziere deine mit“ oder ähnliches. Auch sollten soziale Härtefälle, die nicht unter Ermäßigungstatbestände fallen, irgendwie bedacht werden. Hinzu kommt, dass aus übergeordneten politischen Entscheidungen der HVV schweineteuer ist.

Das Präsidium und wir alle werden da einen Gordischen Knoten zerstören müssen. Dies sollte aber unser Anspruch sein!

Antrag zur Auskunft anlässlich des Baus einer zweiten Anzeigentafel

Ganz ehrlich: Außer dem obligatorischem Foto des Endstandes bei einem Derby ist unsere jetzige Anzeigentafel für uns eher nebensächlich. Das liegt auch daran, dass Informationen gerne mal falsch angezeigt werden. Aber wenn das Menschen stört, dass sie diese nicht einsehen können, und sie gerne eine zweite Anzeigentafel hätten, dann tut das anderseits auch nicht weh.

Wir gehen mal davon aus, dass sich das Präsidium im Rahmen seines Berichtes zu den schon im Vorjahr angedeuteten Aus- und Umbauten äußern wird, so dass sich dieser Antrag wahrscheinlich von alleine in Wohlgefallen auflösen wird. Ansonsten gibt es aber auch keinen Grund, das Präsidium hier zu einer Auskunft per Zustimmung zu bringen.

Förderung von Frauen in allen FCSP-Gremien

Es ist 2019. Reicht als Argumentation, oder? ODER ETWA NICHT??

Disclaimer: Es könnte sehr gut sein, dass dieser Antrag von einem unserer Kollektivmitglieder gestellt wurde. Es könnte aber auch sehr gut sein, dass diesem Kollektivmitglied verboten wurde, für diesen Antrag Werbung per diesem Blog zu machen.

#Slackleaks

Da ihr ja am liebsten auf alte weiße Männer hört, hier mal ein paar Worte zu diesem Antrag von unserem ältesten, weißesten Mann:

1. Eine Quote beim FCSP ist lange überfällig. Der FCSP hat es nicht geschafft, Frauen in Führungspositionen zu bringen, er redet sich da aus seiner Verantwortung immer wieder raus. Wer nicht hören will, der muss dann auch endlich mal spüren. Es ist 2019. 

2. Es gibt bereits mindestens eine sehr große Abteilung des FCSP, die eine Quote hat, sie hat bisher immer geeignete Frauen gefunden und lebt mit der Quote sehr gut. Man könnte beinah sagen, sie ist ihre Stärke und zieht Mitglieder an, denn diese Abteilung wächst auch unaufhaltsam. Ihr könnt die Ausgestaltung in der Abteilungsordnung nachlesen. Und ihr werdet in dieser auch einen Notausstieg finden, falls es wider Erwarten keine Frauen gibt. Ja, ich bin da ein bisschen stolz auf meine Abteilung.

Ihr werdet sehen, dass diese Regelung erstens mindestens einen weiblichen Vize und dann eine Quotierung nach Mitgliederstärke vorsieht.

3. Daher ist das „es haben sich keine geeigneten Frauen gemeldet“-Argument, gerne auch in der „wir haben ganz viele Frauen gefragt, keine wollte“-Abwandlung benutzt, ein „am Arsch!“-Argument. Wenn dies wirklich so ist, dann baut einen Notausstieg ein, dann müsst ihr nämlich transparent machen, warum sich keine Frauen gemeldet haben. Oh, weil ihr die gar nicht ernsthaft gefragt habt? Mal ganz davon ab, es gibt da so ein Wort, welches sich „Sogeffekt“ nennt. Eine Quote wirkt immer auch ermutigend.

Ebenso sind “warum kommt ihr jetzt mit dem Holzhammer, muss man das nicht noch ganz viel intern diskutieren?”-Argumente gepflegter Bullshit. Seitdem wir Sandra gewählt haben, hätte auch dem letzten maskulinen Gremium klar sein müssen, dass wir Frauenförderung brauchen und eine Quote kommen wird, wenn sich nix ändert. Geändert hat sich nix. Holzhammer wäre nebenbei ein Antrag auf sofortige Satzungsänderung und sofortige Entlassung mindestens zweier männlicher Direktoren gewesen. Verdient hätten all die Verzögerer einen solchen Holzhammer. Der jetzt gestellte Antrag ist ein solcher nicht. Und nochmal: Es ist 2019. Es gibt Vereine, die die Quote leben und wieder einmal labern wir viel, sind aber wieder nicht die Ersten, die mal was Progressives umsetzen. Das ist doch peinlich! Image ist alles, Handeln ist nichts? Oder wie?

4. „Aber dann werden auch weniger geeignete Frauen gewählt, willst du das?“ Ja will ich. Immer noch besser, als wenn wir nur weniger geeignete Männer wählen. Und es ist ja nicht so, dass bei uns nur die super geeigneten Männer bereit stehen und diese alle sich nicht mehr trauen zu bewerben, weil es ggf. auch eine Frau in dem Gremium gibt. Das ist ein Scheinargument. Und wir haben in 109 Jahren FCSP genügend schlechte Männer gewählt (oder ob unserer Struktur auch wählen müssen), da würde eine schlechte Frau echt nicht ins Gewicht fallen. Mal ganz davon ab: Wir würden sofort 200 super geile Frauen aufzählen können, die wir für super geeignet halten würden sich für jeden Posten in diesem fucking Verein zu bewerben. Sogeffekt!

5. Das gilt ebenso alles auch für die hauptamtlichen Berufe. Frauenförderpläne etc. sind seit Jahrhunderten bekannt und dass man nun zufällig in den ganzen Berufen, die bei uns als Direktor*innen ausgestaltet sind, keine entsprechenden Frauen findet, das könnt ihr eurer Mutter erzählen. Und die wird euch das nicht glauben. Verpflichtetende Ausschreibungen und standardisierte Auswahlverfahren wirken nebenbei Wunder.

6. Der Verein mit seiner AG Regenbogen veröffentlichte letztens folgende Sätze:

„Nach mehreren Treffen geben die AG Regenbogen und der FC St. Pauli bekannt, dass sich der Verein verpflichtet, das Symbol des Regenbogens oder die damit verbundenen Werte Toleranz, Vielfalt und Freiheit der sexuellen Orientierung ab der Saison 2018/2019 und für jede weitere Spielzeit auf verschiedenste Art und Weise über unterschiedliche Wege in die Kommunikation des Clubs mit aufzunehmen.

Die Maßnahmen werden über die bereits beständig wehende Regenbogenflagge hinausgehen und in unterschiedlichsten Ausprägungen sichtbar gemacht werden. Bereits vor dem Antrag wurden zusätzliche Maßnahmen, wie die Einbindung einer Regenbogen-Applikation in den neuen Trikots zur Saison 2018/2019, ermöglicht.“ Quelle

Wenn für uns Vielfalt ein Wert ist, dann darf dieser Wert eben nicht nur hole Phrase, ein leeres Vermarktungselement bleiben, sondern muss eben auch gelebt werden. Und da ist eine Frauenquote ein erster kleiner Trippelschritt in die richtige Richtung. Wer also dagegen stimmt, sollte vielleicht mal überlegen, ob er sein „lieb doch wen du willst“-Shirt zu Recht trägt. Oder ob das immer nur dann gelten soll, wenn es keine konkreten Folgen hat. Dass eine Frauenquote bei weitem nicht ausreicht und wir auch in anderen Bereichen der Diversität riesige Nachholpotentiale haben, sei am Rande erwähnt. Nehmen wir nur als Beispiel, dass wir ein extrem weißes Publikum und eine extrem weiße Mitgliedschaft haben. In einem Viertel, das extrem anders aussieht. In einem Verein, der sich mit eben jenem Viertel besonders identifiziert. Das muss sich alles ändern. Aber diese weiter umfassenden Änderungen auch sehen zu wollen, sollte euch in keinster Weise von der Zustimmung zu diesem Antrag abhalten. Stichwort Trippelschritte.

Ihr wollt das alles nicht? Das ist dann Symbolpolitik, immer da nicht mitgehen, wo es ggf. einem weh tut. Und das ist verlogene Scheiße. Und die wirft uns Dynamo Dresden dann zu Recht auf einer Tapete vor. Wobei: Anderseits wäre es schon lustig, wenn sich Ultras Dynamo am Ende indirekt für eine Frauenquote aussprechen würde. Aber nein, brauchen wir nicht haben.

Klimaneutrale Durchführung von Heimspieltagen

Dem Antrag ist zuzustimmen. Die Ökobilanz des FCSP ist dringend zu verbessern. Denn sie wird schlimm aussehen. Zuviel Fleisch, zuviel Autoanreise, zuviel Energie, zuviel andere klimaschädliche Dinge, hier Konzepte zur Minderung und Vermeidung zu entwickeln ist überfällig. Der FSV Mainz 05 behauptet von sich, klimaneutral zu sein. Dies kann man in einigen Punkten garantiert hinterfragen, denn Kompensation ist ein eher fragwürdiges Konzept, aber es muss uns schon ärgern, dass die anscheinend da an Konzepten arbeiten, während das bei uns noch nicht mal wirklich ein Thema ist. Klar, bei Mainz spielt da auch ein Sponsor mit rein, aber anstatt E-Wald wäre das die bessere Nummer gewesen.

Sonst bräunt sich bald niemand mehr in der Südsee. Um wieder auf Fettes Brot zu kommen.

Und auch hier: Nur der Beginn der Fahnenstange, auch sonst ist Fußball ja nicht unbedingt der klimafreundlichste Sport. Aber hier mehr sehen zu wollen, heißt ja nicht, dass man nicht den Schritt in die richtige Richtung gehen soll. Trippelschritte, ihr wisst schon.

Wahlen

Kassenprüfer*innen

Seufz, nur Männer. Keine Ahnung, wir kennen die alle nicht. Es kandidieren 5 Männer auf einen Posten. Hört die euch an, sucht euch euren Favoriten vor Ort aus. 

Wahlausschuss

Es kandidieren 9 Menschen auf 6 Plätze. Darunter auch 3 Frauen. Nach dem eben Gesagten werdet ihr davon ja wohl mindestens 2 auf euren Wahlzettel schreiben, ja? 

Das wir Dr. Karin Nitsch jedes Heimspiel vollpöbeln, da sie bei unserer Gegengeradenfraktion steht und ihr Mann in Roth für den Senior geschwommen ist, sei am Rande erwähnt. Mit ihr macht ihr garantiert nix falsch. 

Nov 102019
 

Heimspiel. Das dritte in kürzester Zeit, was zu einem sehr verschobenen Kartenmarkt am Millerntor führt. Sind sonst die “Suche Karte”-Schilder auch wegen der professionellen Händler in der Überzahl, überwiegen diesmal die hoch gehaltenen Karten doch sehr. 

Auch die Eingangsschlange ist zum Beginn des Einlass sehr kurz. Freitag 18:30 ist echt keine optimale Zeit. Aber immerhin wird es am Ende gut voll, was man auch daran merkt, dass pünktlich um 17:45 lange Schlangen vor allen Einlässen sind. Unverständlich, dass man bei dieser besonderen Situation dann nicht mit Personal aufstocken kann.

Wir möchten den Beginn mal nutzen, um mal die Stimmung zu loben und den unermüdlichen Einsatz unserer Menschen auf dem Zaun der Süd. Immer wieder werden Süd und GG angetrieben und die Energie dieser Menschen wirkt ansteckend. Wenn Supportblock-Trommel und Südtrommel nun noch ein Tempo hätten … nein! Nörgeln wir mal nicht. Denn auch der immer wieder anstimmende oder übernehmende Supportblock wird immer mehr die Antriebsfeder der GG. Weiter so! Die lang anhaltenden, lauten Wechselgesänge sind Zeugnis genug. Wobei wir auch noch ein bisschen Wasser in den Wein schütten müssen: Die Mitmachquote in der Süd ist phasenweise insbesondere in der 1. Halbzeit doch ziemlich miserabel. Schön auch das Gejammere, man sei doch nicht zum Sport hier, während des oben genannten Wechselgesangs. Pumpen für die erste Liga, Leute. In Frankfurt hat das auch geklappt.

Im Block 1 feiern die Barflies 15-jähriges Jubiläum und irgendwer zündet hinter den Jubiläumsfahnen Rauch und Pyro. Sieht gut aus. Glückwunsch an die Gang. Auf die nächsten 15 Jahre. 

Die Barflies feiern den Geburtstag standesgemäß.

Auf dem Platz

Nein, wir sind nicht jede Woche beim Training, aber diese Aufstellungsspielereien werfen Fragen auf:

Warum steht Flum plötzlich wieder auf dem Platz und stattdessen bleibt Knoll auf der Bank? Flum ist nicht mehr so schnell wie andere, auf die Erfahrung kannst du setzen. Aber dann muss er Bälle wirklich gut verteilen, 70 Prozent Passquote reichen in einem solchen Spiel dann nicht.

Warum ist Mats angeschlagen im Kader (hatte nach eigener Aussage schon vor dem Spiel Sprunggelenksprobleme), während wir immer noch dieses Klingeln im Ohr haben, dass nur komplett fitte Spieler spielen dürften? Und das ist keine Kritik an Mats.

Gerne wüssten wir auch, was Carstens jetzt schon wieder gemacht hat, dass er nicht mal im Kader ist, parallel in der U23 spielt – also nicht verletzt ist – und stattdessen Senger einen Kaderplatz kriegt. 

Ebenso Miyaichi & Sobota – rein, raus, rein, raus, raus, raus, rein, raus, rein, rein. Kommt ihr noch mit?

Wenn du jedes Spiel anders defensiv stehst, dann kriegst du halt auch so einen Konter rein. Irgendwann zählen wir auch mal nach, ob wir nach eigener Ecke mehr Tore gemacht oder Gegentore nach einem Konter nach eigener Ecke bekommen haben. 

Kein Wunder, dass auch im weiteren Spielverlauf in der Defensive immer wieder Fehler passieren, die aus schlechter Abstimmung resultieren. 

Gut, dass Bochum defensiv aber auch nicht unbedingt die stärkste Mannschaft ist und Sobotas 2. Versuch aus gleicher Position reingeht – und er dann sogar noch weitere Chancen aus gleicher Position hat, die aber alle nichts mehr werden.

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit gibt es dann noch zahlreiche weitere Chancen, aus denen mehr als das eine Tor in der 10. Minuten resultieren muss. Dazu müsste aber die ganze Mannschaft auch mal sicherer bei Ballannahmen werden. Was da verhoppelt, passt auf jeden Fall nicht zum Anspruch. 

In der Halbzeitpause …

… laufen dann die Sportfreunde Stiller und die ganzen Nachwuchsultras in unserem Umfeld gucken höchst irritiert, als wir mitgrölen. Gut, vielleicht sind wir auch einfach nur alt.

Die AFM wurde 20 und der Nicht-Ultrá-Nachwuchs dankte zur Halbzeit

Ähnlich sparsam kommt die Mannschaft aus der Kabine. Das ist nicht das erste Mal, dass da in den ersten Minuten nach der Halbzeit richtig Energie fehlt. Dass wir da kein Gegentor kriegen, liegt jedenfalls mehr an Bochums Unvermögen als an unserem eigenen Können. Wir sitzen nicht in der Kabine, aber sollten die Spieler da nicht taktisch neu eingestellt und mental fit auf den Platz gehen?

Der Rest der 2. Halbzeit ist ein recht belangloses Zweitligaspiel ohne wirkliche Großchancen. Bochum scheint zufrieden mit dem Punkt und auch bei uns sehen wir keinen unbedingten Siegeswillen.

Mats’ Sprunggelenksprobleme sorgen dann auch für seine Auswechslung. Wir warten als immer noch darauf, dass Mats und Henk endlich wieder gemeinsam auf dem Platz stehen.

Man scheint dann auch von der Trainerbank mit dem Unentschieden zufrieden, verzichtet auf den 3. möglichen Wechsel und es gibt auch keine weiteren taktischen Anpassungen. Und nicht nur lässt der Trainer den 3. Wechsel weg, sondern bricht demonstrativ bereits einige Minuten vor Spielende das Aufwärmen ab. Reicht ja schon, wenn sich da einer – beim FCSP natürlich völlig unerwartet – ‘nen Muskel zerrt und ersetzt werden muss.

Um es hier mal ganz deutlich zu sagen: Der eine Punkt ist gegen den Gegner zu wenig. Und wenn man größere Ansprüche sonst bei jeder Gelegenheit rausposaunt, dann sollte man das in einer solchen Situation auch mal zeigen.

Erinnert ihr euch noch an den “Abwasch” gegen Sandhausen? Wie bockstark und ungefährdet die Mannschaft da einen klaren Heimsieg runtergespielt hat? Und das Testspiel gegen Bremen mit vielen guten Ansätzen? Was ist bloß seitdem und seit der letzten Länderspielpause passiert? 4:7 Tore aus 5 Pflichtspielen (0.8 Tore pro Spiel, vor dieser Pause waren es 1.77 pro Spiel), 3 Niederlagen und 2 Unentschieden. Bei einer klaren sportlichen Entwicklung nehmen wir so ein Spiel gegen Stuttgart mal mit, genauso das Spiel in Dresden. Aber so eine Phase, ohne dass es sichtbare Reaktionen der Spieler oder Offiziellen gibt? Sorry, das ist einfach nicht genug.

Danach

Wir finden uns vor der Weinbar ein und haben wahrscheinlich 50 Prozent des Museums finanziert. Dankt uns später.

Kulturförderung

Es ist Dom. Das macht alles eng und nervig und ein Gang auf den Dom zeigt auch wieder, was für komische Menschen vom Dom angezogen werden. 

Irgendein Eumel hat dann so ein Überkopf-Fahrgeschäft direkt so gestellt, dass es über den Stadioneingang seine Loopings dreht. So richtig klug ist das nicht, denn wenn da mal was runter fliegt, dann trifft es mit Schwung jemanden, der im Notfall nicht hinguckt. Nicht gut. Nach ein, zwei Getränken findet sich dann noch ein Kollektivmitglied zur Testfahrt. Dem Blick nach zu urteilen ist das eher langweilig. Immerhin einmal hoch hinaus gekommen an diesem Tag.

Und jetzt? Haben wir natürlich richtig Bock auf ein Spiel in Aue.

Mit Dank an T. für den Titelvorschlag.

Nov 032019
 

Vor dem Spiel begegnen uns ein paar Fans des KSC, die mit ein paar Tourist*innen die Erfolglosigkeit ihres Vereins diskutieren und dann auf die “Warum?” Frage antworten, dass man so wenigstens etwas zu tun hat am Wochenende. Und wie schon der wundervolle Effectively Wild Podcast feststellte, ist dies eigentlich die Quintessenz von Sport.
Sport schafft eine Illusion, die uns vorgaukelt, dass in 500 Jahren der Ausgang des Spieles FCSP – KSC eine Bedeutung hat. So lange wir diese Illusion haben, so lange lenkt uns Sport perfekt von unserer eigenen Endlichkeit und Sterblichkeit ab.

Wir werden alle sterben. Und uns auf unserem Sterbebett wahrscheinlich fragen, warum wir soviel Zeit, Herzblut und Nerven an ein Ereignis verwendet haben, welches in 500 Jahren niemanden mehr interessiert. 

Die Antwort auf die Frage wird aber lauten, dass es dies alles wert war. Denn bekanntlich ist der FCSP die einzige Möglichkeit. 

FCK? Karlsruhe? Hauptsache Württemberg! 

Ihr kennt unsere These von den braunen M&Ms? Dazu gehört auch das Lied für den Gastverein noch mal Probezuhören. Wir hören euch jetzt “Feuert alle, die verantwortlich sind“ rufen, aber dies ist nicht die Lösung des Problems. Es ist ein grundsätzlicher Fehler der Organisation. Und damit sind wir auch beim leidigen Thema Ecken verteidigen. Natürlich kann man sagen, dass es an Mentalität, Pech oder Unvermögen liegt. Man könnte aber auch sagen, dass halt niemand in dieser Organisation auf braune M & Ms achtet. Außer natürlich der Trainer. Fitness? Ist immer noch erschreckend. Spiele nach 75 Minuten abpfeifen! Wir machen da eine Online Petition. Fitness ist nicht alles im Fußball. Aber es sind schon braune M & Ms.

Mehr Schatten als Licht.

Was willst du denn sonst dazu schreiben? 

Da hast du einen sicheren Elfmeterschützen, hast bis zur 85. Minute ALLES im Griff, führst 2-0 und dann rutscht ein Ball durch zum 1-2. Und plötzlich steht der Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix seinem Namen entsprechend aus der Asche wieder auf und gleicht aus. Die Auferstehung durch Ecke wird in 500 Jahren vielleicht dann doch ein Mythos an den sich Menschen erinnern. 

Stimmung! 

Das war eigentlich nicht schlecht auf den Rängen. Das Echo “Scheiss St. Pauli” auf Gesänge der Gästefans kann man aus diversen Gründen schwierig finden. Wir kennen aber ja auch Menschen, die in solchen Situationen mal vor dem Gästeblock stehen und von sehr verwirrten Blicken und Desorientierung berichteten. Hat also seinen Zweck erfüllt. 

Und dann? 

Fanden wir Wein und Essen um unseres eigenes Ableben noch ein bisschen zu verdrängen. 

Unser Tag wird kommen. 

Nov 012019
 

Disclaimer

Achtung! Die folgenden Worte sind zwar nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben, sie erheben aber nicht den Anspruch die absolute Wahrheit zu sein oder 100 % richtig zu sein. Der schreibende Jurist hat Vereinsrecht niemals als Schwerpunkt gehabt. Sie sind nicht als Rechtsberatung zu verstehen. 

Grundlagen/Auftragsanträge 

Im Vereinsrecht kann man Anträge auf Mitgliederversammlungen stellen. Beim FCSP (und dies meint im folgenden den e.V.) umfasst dieses Recht ausdrücklich auch die Möglichkeit Organen des Vereines Aufträge zu erteilen, die deren operatives Geschäft betreffen. Siehe § 13 Abs. 5 unserer Satzung. 

Dies ist nicht in allen Vereinen so. Beim FCSP ist es aber gelebte Tradition. Wir beschäftigen uns jetzt daher erstmal mit den „Auftragsanträgen“. Die besonderen Anträge zur Satzungsänderung kommen etwas später.

Orientierung an Beispielen

Um das nun folgende etwas verständlicher zu machen, nehmen wir mal ein paar Beispiele, die bewusst etwas absurd gewählt sind.

Beispiel 1: Ihr wollt, dass das Stadion Olaf Scholz Arena genannt wird
Beispiel 2: Ihr wollt, dass motzige Blogger aus dem Verein ausgeschlossen werden
Beispiel 3: Ihr wollt, dass im Stadion ab jetzt nur noch trockener Riesling ausgeschenkt wird
Beispiel 4: Ihr wollt, dass der FCSP Vertragspartnern die Gesamtscheiße verbietet

Was wollt ihr von wem woraus

Wichtig ist, dass ihr genau prüft, was ihr von wem woraus wollt. Viele Dinge sind bei uns ausgegliedert oder langfristig an Partner abgetreten, entsprechend muss man weisungsgebende Gremien beauftragen, ihre Gesellschafterrechte bei Gesellschaften entsprechend wahr zu nehmen oder Verträge mit Kooperationspartnern entsprechend zu gestalten. 

Wer ist Ziel?

Nehmen wir mal das Beispiel 1. Der FCSP ist erstmal nur Mieter des Millerntors. Eigentümer ist eine Gesellschaft, die zwar zum großen Teil im Besitz des FCSP ist. Daher ist folgendes ungenau und führt wahrscheinlich auch nicht zum Erfolg:

„Das Präsidium wird beauftragt das Millerntor in Olaf Scholz Arena umzubenennen.“

Da werden Oke und Co mit den Schultern zucken und sagen „können wir nicht“ und da haben sie absolut Recht. Ihr müsst sie dann anweisen, dass sie ihre Rechte in einer Gesellschafterversammlung der Besitzgesellschaft (die MSB) in der Gestalt wahrnehmen, dort einen Antrag einzubringen, dass das Stadion umbenannt wird. Man müsste wie ungefähr wie folgt formulieren:

„Das Präsidium des FCSP wird beauftragt in der Mitgliederversammlung der MSB ihre Rechte als Gesellschafter so auszuüben, dass die MSB das Millerntor in Olaf Scholz Arena umbenannt wird. Dabei wird das Präsidium beauftragt einen entsprechenden Antrag zu stellen und diesem in einer Gesellschafterversammlung zuzustimmen. Es wird beauftragt alle weiteren notwendigen Schritte für eine Umbenennung einzuleiten. Insbesondere hat es entsprechende Weisungen an die Geschäftsführung der MSB zu erteilen.“

Ihr merkt, das ist sehr gestelzt, sehr förmlich, aber anders wäre es nicht wasserdicht. Das dieser Antrag ggf. trotzdem kein Erfolg bringt, liegt dann daran, dass in der MSB noch andere Gesellschafter vorhanden sind und eine Einstimmigkeit vereinbart ist. Diese Gesellschafter kann die Mitgliederversammlung natürlich nicht anweisen. Puh. Keine Olaf Scholz Arena.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, an wen die MV Anweisungen verteilen kann. Die MV muss vereinsrechtlich als höchstes Gremium betrachtet werden und kann prinzipiell allen Akteuren des e.V. Weisungen erteilen. Dies kann prinzipiell anders geregelt werden, ist es aber beim FCSP ausdrücklich nicht. 

Aus vereinsrechtlicher Sicht macht es aber in den allermeisten Fällen Sinn, Aufträge an Gremien im Sinne des Vereinsrechts (Aufsichtsrat oder Präsidium), die auch von der MV gewählt werden, zu erteilen. Diese können dann entsprechend der Governance des FCSP die Umsetzung durchsetzen. Beispielsweise macht es vereinsrechtlich wenig Sinn, die Medienabteilung/ Leiterin der Medienabteilung damit zu beauftragen, auf Social Media nur noch Fotos von Schnecke, Mats und James zu posten. Gebt diesen Auftrag an das Präsidium, welches dann dafür verantwortlich ist, dieses in den hauptamtlichen Bereichen umzusetzen. 

Was auch wenig Sinn machen würde, wäre ein Auftrag an den Ehrenrat jemanden auszuschließen. Denn da gibt es die Satzung, die dieses Verfahren detailliert regelt. Und eine satzungswidrige Weisung ist Unsinn, da die MV das höchste Organ ist, das die Satzung ändern kann. Aber die Satzung steht über “einfachen” Beschlüssen. Siehe dazu später genauer. 

Geht das sofort?

Wichtig ist auch zu überlegen, ob das überhaupt sofort geht. Nehmen wir Beispiel 3. Der FCSP wird mit Carlsberg einen langfristigen Vertrag (laut Werteveranstaltung Ende August ist dies nach unseren Notizen bis 2022 der Fall) haben, ein Produkt namens Astra im Stadion auszuschenken. Daher hat folgende Formulierung Probleme:

„Das Präsidium wird beauftragt dafür zu sorgen, dass es ab sofort nur noch Riesling im Stadion als alkoholisches Getränk gibt.“

Natürlich kann das die Mitgliederversammlung beschließen, aber ihr müsst dann auch wissen, dass sich der FCSP absolut vertragsbrüchig verhalten muss, was a. nach außen nicht gut aussieht und b. Jurist*innen und Gerichte beschäftigen wird und dem FCSP Geld kosten wird. Das kann man machen, sollte dann aber dafür eine gute Begründung haben, sonst wird der Antrag nichts.

Besser ist dann eher eine Formulierung, die etwas offener ist. Solche Formulierungen haben aber natürlich immer die Gefahr, dass sich die Gremien da raus winden. Beispiel:

„Das Präsidium wird beauftragt nach Ablauf des jetzigen Sponsorenvertrags den Ausschank von alkoholischen Getränken im Millerntor auf trockenen Riesling zu beschränken. Es wird beauftragt dies in Catering- und Sponsorenverträgen sicherzustellen. Das Präsidium wird beauftragt der MV Auskunft darüber zu erteilen, wie lange der Sponsorenvertrag mit der Carlsberg Brauerei noch läuft.“

Natürlich muss man hier auch wieder prüfen, ob die Cateringrechte wirklich vom e.V. vergeben werden. Wahrscheinlich nicht. Und wahrscheinlich ist auch der e.V. nicht Vertragspartner der Carlsberg Brauerei, es müsste also wieder mit den „Wahrnehmung der Gesellschafterrechten“ argumentiert werden. 

Wie wollt ihr formulieren? Es geht von weich bis knallhart

Nehmen wir doch mal unsere Leitlinien

Seien wir ehrlich, die sind eher ein Gefühl, als ein festes Leitbild, denn dazu sind sie in vielen Dingen zu schwammig. Es ist schon bemerkenswert, dass z.B. ein wie auch immer geartetes „Nazis aufs Maul“ sich in diesen Leitlinien nicht findet. Wenn man zynisch sein will, dann könnte man behaupten, dass auch ein AFDler die sofort mit unterschreibt. Deswegen ist es so schwer diese Leitlinien für konkreten Protest oder konkrete Kritik an Sponsoren zu nutzen.

Daher ist Beispiel 4 z.B. nicht ausreichend. Da diskutierst du ständig darüber, was Gesamtscheiße eigentlich ist. Man kann das aber auch klar formulieren und z.B. Zweifelsfragen einer Art Schiedsgericht unterwerfen (ob das dann rechtlich haltbar ist, sei mal dahin gestellt). Beispiel: 

„Das Präsidium wird beauftragt sicherzustellen [ggf. wieder durch Gesellschafterrechte], dass in alle Verträge mit Angestellten, Sponsoren etc. folgender Passus aufgenommen wird:

„Der Vertragspartner verpflichtet sich zu antisexistischem Handeln. Dies umfasst u.a. aber nicht nur den Verzicht auf sexistische Darstellungen, sexistische Aussagen oder sexistische Handlungen. Der Vertragspartner verpflichtet sich bei Zweifelsfragen die Beurteilung der Antisexismusbeauftragten des FCSP als bindend zu akzeptieren. Bei Verstoß steht dem FCSP ein außerordentliches, fristloses Kündigungsrecht zu. Dies betrifft sowohl das mittelbar mit dem FC St. Pauli verbundene Handeln, als auch das unmittelbare Handeln der Vertragspartner.“

Man kann (und sollte wahrscheinlich sogar, wegen Schwammigkeit) dann einen solchen Passus auch noch um eine Definition was denn jetzt genau antisexistisch ist ergänzen. 

Natürlich ist ein solcher Passus am Markt schwer durchsetzbar. Partner würden sich wahrscheinlich bevormundet fühlen. Insofern wird sich ein Präsidium wahrscheinlich gegen so etwas auch wehren. Wollen wir mal über herrschende Verhältnisse und Ermöglichung von Sexismus sprechen? Würde hier den Rahmen sprengen, aber das sollte uns allen klar sein. Eine*n Antisexismusbeauftragte*n oder ähnliches haben wir weder als FCSP noch gibt es da wirklich eine Schiedsgerichtsstelle, die auch nur halbwegs vernünftig wäre. Klar wäre auch, dass eine solche Stelle natürlich allgemeiner sein müsste im Sinne einer allgemeineren Awareness.

Auch ob man ein solches Kündigungsrecht wirklich vereinbaren könnte, sei mal vertragsrechtlich dahin gestellt.

Entscheidend ist, dass ihr folgendes lernt: Es gibt Möglichkeiten von relativ wischiwaschi bis knallhart. Je härter ihr formuliert, je mehr wird sich ein Präsidium natürlich wehren. Das will seine Freiheiten behalten und natürlich nicht in Gespräche mit Sponsoren oder Berater*innen von Spielern gehen und dann das erstmal vorlegen müssen. Ist so. Mag uns nicht gefallen, aber ist so.

Daraus folgend: Seid auf Gegenargumente vorbereitet

Was aus dem eben genannten Absatz folgt ist, dass ihr euch Argumente gegen Gegenargumente zurecht legen solltet. Es kann nicht schaden, dass man eine gute*r Redner*in ist und sich auf die Situation vorbereitet hat. Bedenkt auch, dass ihr den Antrag gegen 0 Uhrbegründen müsst und alle genervt sind. Wie das am besten geht? Erinnert ihr euch an den Antrag auf einer JHV den Gegengeradebau zu verschieben? Der dann zurück gezogen wurde nach einem ellenlangen Vortrag und dem Antragssteller wurde trotzdem applaudiert? Ungefähr so müsst ihr begründen. Die Begründung gibt es schriftlich immer noch online http://lichterkarussell.net/problemfelder-und-vollendete-tatsachen/.

Spielt das mit Menschen durch, redet eure Rede vor und seid auf Kontra vorbereitet.

Wichtig ist die Satzung

Womit ihr wir bei Satzungsanträgen sind. Und bei Beispiel 2. Es ist fraglich, ob folgender Text zum Erfolg führt:

„Motzige Blogger sind aus dem Verein auszuschließen.“ 

Warum? Weil die Satzung immer noch vor geht. Und diese bestimmt in § 11 Abs. 4 das Verfahren und die Gründe. U.a. gibt es bei uns kein Recht der Mitgliederversammlung Mitglieder auszuschließen. Möchte man dies ändern, dann sollte man auch die Satzung ändern. Satzungsänderungsanträge müssen einen konkreten Textvorschlag enthalten Dies ist alleine schon notwendig, weil die ins Register eingetragen werden. Ein Antrag „nehmt mal „wir sind gegen die Gesamtscheiße in die Satzung auf“ reicht nicht aus. 

Es müsste formuliert werden: 

„Die Mitgliederversammlung möge beschließen die Satzung wie folgt zu ändern:

In § 1 wird ein Absatz 4 eingefügt, der „4. Wir sind gegen die Gesamtscheiße!“ lautet.“

Oder um im Beispiel zu bleiben: 

„Die Mitgliederversammlung möge beschließen, dass der § 11 Abs.4 durch folgenden Satz ergänzt wird:

„Die Mitgliederversammlung kann mit 2/3 Mehrheit motzende Blogger aus dem Verein ausschließen.“

Auch hier gilt natürlich, dass man sich im Klaren sein muss, welche Gegenargumente kommen. Und darf man bei einem Ausschluss ohne Gründe immer überlegen, ob das wünschenswert ist und auch mit Minderheitenrechten in einem demokratischen e.V. kompatibel ist. 

Ablauf der Mitgliederversammlung

Die allermeisten Leser*innen waren wahrscheinlich schon mal bei einer Mitgliederversammlung des FCSP. Für die Personen, die bisher nicht das Vergnügen hatten und diejenigen unter Euch, die das spätabends eher im Halbschaf mitbekamen und nicht mehr erinnern, sei daher noch mal der typische Ablauf zusammengefasst.

Die Mitgliederversammlung des FCSP findet typischerweise unter der Woche am Abend statt, beginnt bummelig um 19 Uhr und endet nur in Ausnahmefällen vor Mitternacht. Die Diskussion und Abstimmung findet typischerweise als letzter Programmpunkt statt, sprich es ist schon spät abends, einige Leute haben keinen Bock auf lange Debatten und wollen ggf. schnell zur Abstimmung kommen. Dies solltet ihr bei den Vorbereitungen zu den Begründungen Eurer Anträge in jedem Fall berücksichtigen.

Exemplarisch hier einmal die (vorläufige) Tagesordnung der letzten MV, Präsidiums- und/ oder Aufsichtsratswahlen finden in 2019 allerdings nicht statt.

Quelle: fcstpauli.de

Und ja, das mit den späten Antragsdiskussionen ist unglücklich. Begründet wird die Terminierung immer mit Terminkonflikten bei Amateursportler*innen (der FCSP ist Breitensportverein). Kann man natürlich auch einen MV-Antrag für die Zukunft verändern, der Ausgang einer solchen Diskussion ist natürlich komplett offen.

Sonstige Formalien

Anträge sind schriftlich einzureichen. Sie sind zu begründen. Die Frist für Satzungsänderungsanträge sind drei Wochen, dies ist wenn wir richtig rechnen der 06.11.2019, bei normalen Anträgen 2 Wochen, wenn wir richtig rechnen ist dies der 13.11.2019.

Sie müssen von einem Mitglied unterzeichnet sein (Mitgliedsnummer angeben!) und in der Geschäftsstelle eingereicht werden. Siehe für alles § 15 unserer Satzung