Nov 142019
 

Worte vor den Worten

Liebe Lesende,

wir werden dieses Jahr leider keinen umfangreichen MV-Artikel schreiben. Leider ist der Senior verhindert, da er das Wiegenfest seiner Schwester feiern muss, und Familie ist ab und zumal wichtiger als der Verein. Ja ist so.

Trotzdem wollen wir euch natürlich up to date bringen und für euch einen Blick auf Anträge und Wahlen stellen.

Wir orientieren uns an der Übersicht auf der Vereinshomepage, diese haben wir das letzte Mal kurz vor der Veröffentlichung dieses Artikels gecheckt und hoffen auf dem neusten Stand zu sein.

Die Anträge

Es ist Zweitausendneunzehn
FCSP Führung ist männlich, nicht zu verstehn
Nur zwei Frauen – fast allein?
Ja, die Varianz ist klein
Na fein! Herein, willkommen im Verein!

(frei nach Fettes Brot unter Verbiegung des Reimschemas)

In der Reihenfolge, wie sie auf der HP abgebildet sind:

Satzungsänderung zur Einberufung der Mitgliederversammlung

Ein rein technischer Antrag, der eure Zustimmung finden sollte. Die Argumentation mit „Nachhaltigkeit“ ist jedoch ein schlecht gespielter Witz. Es ist wohl keine zu gewagte These, zu behaupten, dass der gedruckte „Blickpunkt“ ungefähr der kleines Posten im Rahmen einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfung des FCSP sein würde. Hier geht es knallhart darum, Kosten zu sparen. Um nichts anderes. Und das darf man den Mitgliedern auch mal so sagen. Aber seien wir mal ehrlich: Die Berichte des Alten Stamms waren schon immer nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt waren. 

Satzungsänderung zur Änderung des Paragraphen 36 Ziffer 5

Die Satzung zu gendern? Muss man das anders begründen, als zu schreiben, dass wir immer noch 2019 haben? Nein! Der Antrag wird von Aufsichtsrat, Präsidium und Ehrenrat unterstützt.

Kommt uns bitte nicht mit solchen Argumenten wie „besserer Lesbarkeit“ oder „kompliziert“. Ja es macht es komplizierter, sind juristische Texte aber sowieso. Das nicht lesen zu wollen, ist bei den meisten Menschen einfach schlichtweg Ignoranz oder Faulheit. Daher ist jedes „Lesbarkeitsargument“ hier ein Scheinargument. Und wer das trotzdem vertreten will, der kann ja die Satzung in generisches Femininum schreiben. Und Männer sind dann halt mitgemeint.

Exkurs
Es sei nur angemerkt, dass es natürlich Menschen gibt, die auf sogenannte leichte Sprache oder die sogenannte einfache Sprache angewiesen sind. Unterschied ist hier erklärt.

Wir sprechen hier nebenbei von Millionen Betroffenen. Umso wichtiger für eine gelebte Inklusion sind daher Informationen in einfacher Sprache auf Internetseiten. Haben wir nicht, hat der FC St. Pauli auf seiner offiziellen Homepage nicht, leuchtendes Vorbild ist wieder mal der weltbeste Fanladen, der hat das. 
Exkurs Ende

Aber um es nochmal zu betonen: Dies ist hier und eigentlich in allen Fällen kein Argument gegen vernünftiges Gendern.

Ein bisschen Kritik an dem Antrag sei trotzdem erlaubt: Warum hat man der MV als höchstes Gremium nicht einfach eine gegenderte Version der Satzung zur Abstimmung vorgelegt? Und warum hat man keinen Antrag auf Streichung des zitierten Satzes in der Präambel (die ist zumindest technisch Bestandteil der Satzung) gestellt? Das ist so ein bisschen schade. Trotzdem ist der Antrag natürlich zu unterstützen.

Antrag zur Nutzung von HVV-Tickets

Das Ganze ist komplex und mit einem einfachen „ja oder nein“ unserer Meinung nach nicht zu beantworten, der Antrag versteht sich daher vollkommen zu Recht als Auftrag an das Präsidium. Auch wenn er nicht perfekt formuliert ist. Grundsätzlich ist ihm zuzustimmen. Das bedarf aber einiger Worte:

Es ist lange überfällig, dass der FCSP proaktiv gegen Autoverkehr bei Heimspielen vorgeht. Und dazu gehört auch, die möglichst billige Nutzung des HVV zu ermöglichen. Argumente wie „aber ich brauche das nicht, warum soll ich das finanzieren?“ greifen hier viel zu kurz, denn es geht hier schon lange nicht mehr um eine Bequemlichkeit oder einen Egoismus. Es geht darum, dass wir entweder alle durch Klimawandel umkommen oder die Leute extrem umdenken. (Wir sind jetzt einfach mal dramatisch.) Und dazu gehört insbesondere auch, dass wir weniger Auto fahren. Und das sollte jede*r unterstützen. Und wenn es nur dadurch ist, dass man ein HVV-Ticket jemand anderem subventioniert. Alleine die Fahrt von Reinbek ans Millerntor und zurück mit einem PKW, der 7 Liter Benzin verbraucht, produziert jede Saison 119 kg CO2. Ja, das klingt nicht nach viel, ist es vielleicht auch nicht, aber wir leben zur Zeit in einer Situation, in der jedes Gramm zählt.

Dass wir in Sachen Nachhaltigkeit noch ganz andere Baustellen haben, sollte auch jedem klar sein.

Jedoch: Wir haben heutzutage schon Ticketpreise, die sich am oberen Rande dessen bewegen, was Menschen ohne viel Geld bezahlen können. Genügend Menschen können dies auch nicht bezahlen. Und ein HVV-Ticket wird entweder die Marge des Vereins bei den Eintrittsgeldern verringern oder das Ticket verteuern. Ersteres wird der Verein nicht machen. Zweiteres ist unpopulär.

Hier gilt es vielleicht auch kreative Maßnahmen zu ergreifen, wie z. B. einen Solitopf „Ich kaufe mir eine HVV-Karte und ich finanziere deine mit“ oder ähnliches. Auch sollten soziale Härtefälle, die nicht unter Ermäßigungstatbestände fallen, irgendwie bedacht werden. Hinzu kommt, dass aus übergeordneten politischen Entscheidungen der HVV schweineteuer ist.

Das Präsidium und wir alle werden da einen Gordischen Knoten zerstören müssen. Dies sollte aber unser Anspruch sein!

Antrag zur Auskunft anlässlich des Baus einer zweiten Anzeigentafel

Ganz ehrlich: Außer dem obligatorischem Foto des Endstandes bei einem Derby ist unsere jetzige Anzeigentafel für uns eher nebensächlich. Das liegt auch daran, dass Informationen gerne mal falsch angezeigt werden. Aber wenn das Menschen stört, dass sie diese nicht einsehen können, und sie gerne eine zweite Anzeigentafel hätten, dann tut das anderseits auch nicht weh.

Wir gehen mal davon aus, dass sich das Präsidium im Rahmen seines Berichtes zu den schon im Vorjahr angedeuteten Aus- und Umbauten äußern wird, so dass sich dieser Antrag wahrscheinlich von alleine in Wohlgefallen auflösen wird. Ansonsten gibt es aber auch keinen Grund, das Präsidium hier zu einer Auskunft per Zustimmung zu bringen.

Förderung von Frauen in allen FCSP-Gremien

Es ist 2019. Reicht als Argumentation, oder? ODER ETWA NICHT??

Disclaimer: Es könnte sehr gut sein, dass dieser Antrag von einem unserer Kollektivmitglieder gestellt wurde. Es könnte aber auch sehr gut sein, dass diesem Kollektivmitglied verboten wurde, für diesen Antrag Werbung per diesem Blog zu machen.

#Slackleaks

Da ihr ja am liebsten auf alte weiße Männer hört, hier mal ein paar Worte zu diesem Antrag von unserem ältesten, weißesten Mann:

1. Eine Quote beim FCSP ist lange überfällig. Der FCSP hat es nicht geschafft, Frauen in Führungspositionen zu bringen, er redet sich da aus seiner Verantwortung immer wieder raus. Wer nicht hören will, der muss dann auch endlich mal spüren. Es ist 2019. 

2. Es gibt bereits mindestens eine sehr große Abteilung des FCSP, die eine Quote hat, sie hat bisher immer geeignete Frauen gefunden und lebt mit der Quote sehr gut. Man könnte beinah sagen, sie ist ihre Stärke und zieht Mitglieder an, denn diese Abteilung wächst auch unaufhaltsam. Ihr könnt die Ausgestaltung in der Abteilungsordnung nachlesen. Und ihr werdet in dieser auch einen Notausstieg finden, falls es wider Erwarten keine Frauen gibt. Ja, ich bin da ein bisschen stolz auf meine Abteilung.

Ihr werdet sehen, dass diese Regelung erstens mindestens einen weiblichen Vize und dann eine Quotierung nach Mitgliederstärke vorsieht.

3. Daher ist das „es haben sich keine geeigneten Frauen gemeldet“-Argument, gerne auch in der „wir haben ganz viele Frauen gefragt, keine wollte“-Abwandlung benutzt, ein „am Arsch!“-Argument. Wenn dies wirklich so ist, dann baut einen Notausstieg ein, dann müsst ihr nämlich transparent machen, warum sich keine Frauen gemeldet haben. Oh, weil ihr die gar nicht ernsthaft gefragt habt? Mal ganz davon ab, es gibt da so ein Wort, welches sich „Sogeffekt“ nennt. Eine Quote wirkt immer auch ermutigend.

Ebenso sind “warum kommt ihr jetzt mit dem Holzhammer, muss man das nicht noch ganz viel intern diskutieren?”-Argumente gepflegter Bullshit. Seitdem wir Sandra gewählt haben, hätte auch dem letzten maskulinen Gremium klar sein müssen, dass wir Frauenförderung brauchen und eine Quote kommen wird, wenn sich nix ändert. Geändert hat sich nix. Holzhammer wäre nebenbei ein Antrag auf sofortige Satzungsänderung und sofortige Entlassung mindestens zweier männlicher Direktoren gewesen. Verdient hätten all die Verzögerer einen solchen Holzhammer. Der jetzt gestellte Antrag ist ein solcher nicht. Und nochmal: Es ist 2019. Es gibt Vereine, die die Quote leben und wieder einmal labern wir viel, sind aber wieder nicht die Ersten, die mal was Progressives umsetzen. Das ist doch peinlich! Image ist alles, Handeln ist nichts? Oder wie?

4. „Aber dann werden auch weniger geeignete Frauen gewählt, willst du das?“ Ja will ich. Immer noch besser, als wenn wir nur weniger geeignete Männer wählen. Und es ist ja nicht so, dass bei uns nur die super geeigneten Männer bereit stehen und diese alle sich nicht mehr trauen zu bewerben, weil es ggf. auch eine Frau in dem Gremium gibt. Das ist ein Scheinargument. Und wir haben in 109 Jahren FCSP genügend schlechte Männer gewählt (oder ob unserer Struktur auch wählen müssen), da würde eine schlechte Frau echt nicht ins Gewicht fallen. Mal ganz davon ab: Wir würden sofort 200 super geile Frauen aufzählen können, die wir für super geeignet halten würden sich für jeden Posten in diesem fucking Verein zu bewerben. Sogeffekt!

5. Das gilt ebenso alles auch für die hauptamtlichen Berufe. Frauenförderpläne etc. sind seit Jahrhunderten bekannt und dass man nun zufällig in den ganzen Berufen, die bei uns als Direktor*innen ausgestaltet sind, keine entsprechenden Frauen findet, das könnt ihr eurer Mutter erzählen. Und die wird euch das nicht glauben. Verpflichtetende Ausschreibungen und standardisierte Auswahlverfahren wirken nebenbei Wunder.

6. Der Verein mit seiner AG Regenbogen veröffentlichte letztens folgende Sätze:

„Nach mehreren Treffen geben die AG Regenbogen und der FC St. Pauli bekannt, dass sich der Verein verpflichtet, das Symbol des Regenbogens oder die damit verbundenen Werte Toleranz, Vielfalt und Freiheit der sexuellen Orientierung ab der Saison 2018/2019 und für jede weitere Spielzeit auf verschiedenste Art und Weise über unterschiedliche Wege in die Kommunikation des Clubs mit aufzunehmen.

Die Maßnahmen werden über die bereits beständig wehende Regenbogenflagge hinausgehen und in unterschiedlichsten Ausprägungen sichtbar gemacht werden. Bereits vor dem Antrag wurden zusätzliche Maßnahmen, wie die Einbindung einer Regenbogen-Applikation in den neuen Trikots zur Saison 2018/2019, ermöglicht.“ Quelle

Wenn für uns Vielfalt ein Wert ist, dann darf dieser Wert eben nicht nur hole Phrase, ein leeres Vermarktungselement bleiben, sondern muss eben auch gelebt werden. Und da ist eine Frauenquote ein erster kleiner Trippelschritt in die richtige Richtung. Wer also dagegen stimmt, sollte vielleicht mal überlegen, ob er sein „lieb doch wen du willst“-Shirt zu Recht trägt. Oder ob das immer nur dann gelten soll, wenn es keine konkreten Folgen hat. Dass eine Frauenquote bei weitem nicht ausreicht und wir auch in anderen Bereichen der Diversität riesige Nachholpotentiale haben, sei am Rande erwähnt. Nehmen wir nur als Beispiel, dass wir ein extrem weißes Publikum und eine extrem weiße Mitgliedschaft haben. In einem Viertel, das extrem anders aussieht. In einem Verein, der sich mit eben jenem Viertel besonders identifiziert. Das muss sich alles ändern. Aber diese weiter umfassenden Änderungen auch sehen zu wollen, sollte euch in keinster Weise von der Zustimmung zu diesem Antrag abhalten. Stichwort Trippelschritte.

Ihr wollt das alles nicht? Das ist dann Symbolpolitik, immer da nicht mitgehen, wo es ggf. einem weh tut. Und das ist verlogene Scheiße. Und die wirft uns Dynamo Dresden dann zu Recht auf einer Tapete vor. Wobei: Anderseits wäre es schon lustig, wenn sich Ultras Dynamo am Ende indirekt für eine Frauenquote aussprechen würde. Aber nein, brauchen wir nicht haben.

Klimaneutrale Durchführung von Heimspieltagen

Dem Antrag ist zuzustimmen. Die Ökobilanz des FCSP ist dringend zu verbessern. Denn sie wird schlimm aussehen. Zuviel Fleisch, zuviel Autoanreise, zuviel Energie, zuviel andere klimaschädliche Dinge, hier Konzepte zur Minderung und Vermeidung zu entwickeln ist überfällig. Der FSV Mainz 05 behauptet von sich, klimaneutral zu sein. Dies kann man in einigen Punkten garantiert hinterfragen, denn Kompensation ist ein eher fragwürdiges Konzept, aber es muss uns schon ärgern, dass die anscheinend da an Konzepten arbeiten, während das bei uns noch nicht mal wirklich ein Thema ist. Klar, bei Mainz spielt da auch ein Sponsor mit rein, aber anstatt E-Wald wäre das die bessere Nummer gewesen.

Sonst bräunt sich bald niemand mehr in der Südsee. Um wieder auf Fettes Brot zu kommen.

Und auch hier: Nur der Beginn der Fahnenstange, auch sonst ist Fußball ja nicht unbedingt der klimafreundlichste Sport. Aber hier mehr sehen zu wollen, heißt ja nicht, dass man nicht den Schritt in die richtige Richtung gehen soll. Trippelschritte, ihr wisst schon.

Wahlen

Kassenprüfer*innen

Seufz, nur Männer. Keine Ahnung, wir kennen die alle nicht. Es kandidieren 5 Männer auf einen Posten. Hört die euch an, sucht euch euren Favoriten vor Ort aus. 

Wahlausschuss

Es kandidieren 9 Menschen auf 6 Plätze. Darunter auch 3 Frauen. Nach dem eben Gesagten werdet ihr davon ja wohl mindestens 2 auf euren Wahlzettel schreiben, ja? 

Das wir Dr. Karin Nitsch jedes Heimspiel vollpöbeln, da sie bei unserer Gegengeradenfraktion steht und ihr Mann in Roth für den Senior geschwommen ist, sei am Rande erwähnt. Mit ihr macht ihr garantiert nix falsch. 

Nov 102019
 

Heimspiel. Das dritte in kürzester Zeit, was zu einem sehr verschobenen Kartenmarkt am Millerntor führt. Sind sonst die “Suche Karte”-Schilder auch wegen der professionellen Händler in der Überzahl, überwiegen diesmal die hoch gehaltenen Karten doch sehr. 

Auch die Eingangsschlange ist zum Beginn des Einlass sehr kurz. Freitag 18:30 ist echt keine optimale Zeit. Aber immerhin wird es am Ende gut voll, was man auch daran merkt, dass pünktlich um 17:45 lange Schlangen vor allen Einlässen sind. Unverständlich, dass man bei dieser besonderen Situation dann nicht mit Personal aufstocken kann.

Wir möchten den Beginn mal nutzen, um mal die Stimmung zu loben und den unermüdlichen Einsatz unserer Menschen auf dem Zaun der Süd. Immer wieder werden Süd und GG angetrieben und die Energie dieser Menschen wirkt ansteckend. Wenn Supportblock-Trommel und Südtrommel nun noch ein Tempo hätten … nein! Nörgeln wir mal nicht. Denn auch der immer wieder anstimmende oder übernehmende Supportblock wird immer mehr die Antriebsfeder der GG. Weiter so! Die lang anhaltenden, lauten Wechselgesänge sind Zeugnis genug. Wobei wir auch noch ein bisschen Wasser in den Wein schütten müssen: Die Mitmachquote in der Süd ist phasenweise insbesondere in der 1. Halbzeit doch ziemlich miserabel. Schön auch das Gejammere, man sei doch nicht zum Sport hier, während des oben genannten Wechselgesangs. Pumpen für die erste Liga, Leute. In Frankfurt hat das auch geklappt.

Im Block 1 feiern die Barflies 15-jähriges Jubiläum und irgendwer zündet hinter den Jubiläumsfahnen Rauch und Pyro. Sieht gut aus. Glückwunsch an die Gang. Auf die nächsten 15 Jahre. 

Die Barflies feiern den Geburtstag standesgemäß.

Auf dem Platz

Nein, wir sind nicht jede Woche beim Training, aber diese Aufstellungsspielereien werfen Fragen auf:

Warum steht Flum plötzlich wieder auf dem Platz und stattdessen bleibt Knoll auf der Bank? Flum ist nicht mehr so schnell wie andere, auf die Erfahrung kannst du setzen. Aber dann muss er Bälle wirklich gut verteilen, 70 Prozent Passquote reichen in einem solchen Spiel dann nicht.

Warum ist Mats angeschlagen im Kader (hatte nach eigener Aussage schon vor dem Spiel Sprunggelenksprobleme), während wir immer noch dieses Klingeln im Ohr haben, dass nur komplett fitte Spieler spielen dürften? Und das ist keine Kritik an Mats.

Gerne wüssten wir auch, was Carstens jetzt schon wieder gemacht hat, dass er nicht mal im Kader ist, parallel in der U23 spielt – also nicht verletzt ist – und stattdessen Senger einen Kaderplatz kriegt. 

Ebenso Miyaichi & Sobota – rein, raus, rein, raus, raus, raus, rein, raus, rein, rein. Kommt ihr noch mit?

Wenn du jedes Spiel anders defensiv stehst, dann kriegst du halt auch so einen Konter rein. Irgendwann zählen wir auch mal nach, ob wir nach eigener Ecke mehr Tore gemacht oder Gegentore nach einem Konter nach eigener Ecke bekommen haben. 

Kein Wunder, dass auch im weiteren Spielverlauf in der Defensive immer wieder Fehler passieren, die aus schlechter Abstimmung resultieren. 

Gut, dass Bochum defensiv aber auch nicht unbedingt die stärkste Mannschaft ist und Sobotas 2. Versuch aus gleicher Position reingeht – und er dann sogar noch weitere Chancen aus gleicher Position hat, die aber alle nichts mehr werden.

Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit gibt es dann noch zahlreiche weitere Chancen, aus denen mehr als das eine Tor in der 10. Minuten resultieren muss. Dazu müsste aber die ganze Mannschaft auch mal sicherer bei Ballannahmen werden. Was da verhoppelt, passt auf jeden Fall nicht zum Anspruch. 

In der Halbzeitpause …

… laufen dann die Sportfreunde Stiller und die ganzen Nachwuchsultras in unserem Umfeld gucken höchst irritiert, als wir mitgrölen. Gut, vielleicht sind wir auch einfach nur alt.

Die AFM wurde 20 und der Nicht-Ultrá-Nachwuchs dankte zur Halbzeit

Ähnlich sparsam kommt die Mannschaft aus der Kabine. Das ist nicht das erste Mal, dass da in den ersten Minuten nach der Halbzeit richtig Energie fehlt. Dass wir da kein Gegentor kriegen, liegt jedenfalls mehr an Bochums Unvermögen als an unserem eigenen Können. Wir sitzen nicht in der Kabine, aber sollten die Spieler da nicht taktisch neu eingestellt und mental fit auf den Platz gehen?

Der Rest der 2. Halbzeit ist ein recht belangloses Zweitligaspiel ohne wirkliche Großchancen. Bochum scheint zufrieden mit dem Punkt und auch bei uns sehen wir keinen unbedingten Siegeswillen.

Mats’ Sprunggelenksprobleme sorgen dann auch für seine Auswechslung. Wir warten als immer noch darauf, dass Mats und Henk endlich wieder gemeinsam auf dem Platz stehen.

Man scheint dann auch von der Trainerbank mit dem Unentschieden zufrieden, verzichtet auf den 3. möglichen Wechsel und es gibt auch keine weiteren taktischen Anpassungen. Und nicht nur lässt der Trainer den 3. Wechsel weg, sondern bricht demonstrativ bereits einige Minuten vor Spielende das Aufwärmen ab. Reicht ja schon, wenn sich da einer – beim FCSP natürlich völlig unerwartet – ‘nen Muskel zerrt und ersetzt werden muss.

Um es hier mal ganz deutlich zu sagen: Der eine Punkt ist gegen den Gegner zu wenig. Und wenn man größere Ansprüche sonst bei jeder Gelegenheit rausposaunt, dann sollte man das in einer solchen Situation auch mal zeigen.

Erinnert ihr euch noch an den “Abwasch” gegen Sandhausen? Wie bockstark und ungefährdet die Mannschaft da einen klaren Heimsieg runtergespielt hat? Und das Testspiel gegen Bremen mit vielen guten Ansätzen? Was ist bloß seitdem und seit der letzten Länderspielpause passiert? 4:7 Tore aus 5 Pflichtspielen (0.8 Tore pro Spiel, vor dieser Pause waren es 1.77 pro Spiel), 3 Niederlagen und 2 Unentschieden. Bei einer klaren sportlichen Entwicklung nehmen wir so ein Spiel gegen Stuttgart mal mit, genauso das Spiel in Dresden. Aber so eine Phase, ohne dass es sichtbare Reaktionen der Spieler oder Offiziellen gibt? Sorry, das ist einfach nicht genug.

Danach

Wir finden uns vor der Weinbar ein und haben wahrscheinlich 50 Prozent des Museums finanziert. Dankt uns später.

Kulturförderung

Es ist Dom. Das macht alles eng und nervig und ein Gang auf den Dom zeigt auch wieder, was für komische Menschen vom Dom angezogen werden. 

Irgendein Eumel hat dann so ein Überkopf-Fahrgeschäft direkt so gestellt, dass es über den Stadioneingang seine Loopings dreht. So richtig klug ist das nicht, denn wenn da mal was runter fliegt, dann trifft es mit Schwung jemanden, der im Notfall nicht hinguckt. Nicht gut. Nach ein, zwei Getränken findet sich dann noch ein Kollektivmitglied zur Testfahrt. Dem Blick nach zu urteilen ist das eher langweilig. Immerhin einmal hoch hinaus gekommen an diesem Tag.

Und jetzt? Haben wir natürlich richtig Bock auf ein Spiel in Aue.

Mit Dank an T. für den Titelvorschlag.

Nov 032019
 

Vor dem Spiel begegnen uns ein paar Fans des KSC, die mit ein paar Tourist*innen die Erfolglosigkeit ihres Vereins diskutieren und dann auf die “Warum?” Frage antworten, dass man so wenigstens etwas zu tun hat am Wochenende. Und wie schon der wundervolle Effectively Wild Podcast feststellte, ist dies eigentlich die Quintessenz von Sport.
Sport schafft eine Illusion, die uns vorgaukelt, dass in 500 Jahren der Ausgang des Spieles FCSP – KSC eine Bedeutung hat. So lange wir diese Illusion haben, so lange lenkt uns Sport perfekt von unserer eigenen Endlichkeit und Sterblichkeit ab.

Wir werden alle sterben. Und uns auf unserem Sterbebett wahrscheinlich fragen, warum wir soviel Zeit, Herzblut und Nerven an ein Ereignis verwendet haben, welches in 500 Jahren niemanden mehr interessiert. 

Die Antwort auf die Frage wird aber lauten, dass es dies alles wert war. Denn bekanntlich ist der FCSP die einzige Möglichkeit. 

FCK? Karlsruhe? Hauptsache Württemberg! 

Ihr kennt unsere These von den braunen M&Ms? Dazu gehört auch das Lied für den Gastverein noch mal Probezuhören. Wir hören euch jetzt “Feuert alle, die verantwortlich sind“ rufen, aber dies ist nicht die Lösung des Problems. Es ist ein grundsätzlicher Fehler der Organisation. Und damit sind wir auch beim leidigen Thema Ecken verteidigen. Natürlich kann man sagen, dass es an Mentalität, Pech oder Unvermögen liegt. Man könnte aber auch sagen, dass halt niemand in dieser Organisation auf braune M & Ms achtet. Außer natürlich der Trainer. Fitness? Ist immer noch erschreckend. Spiele nach 75 Minuten abpfeifen! Wir machen da eine Online Petition. Fitness ist nicht alles im Fußball. Aber es sind schon braune M & Ms.

Mehr Schatten als Licht.

Was willst du denn sonst dazu schreiben? 

Da hast du einen sicheren Elfmeterschützen, hast bis zur 85. Minute ALLES im Griff, führst 2-0 und dann rutscht ein Ball durch zum 1-2. Und plötzlich steht der Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix seinem Namen entsprechend aus der Asche wieder auf und gleicht aus. Die Auferstehung durch Ecke wird in 500 Jahren vielleicht dann doch ein Mythos an den sich Menschen erinnern. 

Stimmung! 

Das war eigentlich nicht schlecht auf den Rängen. Das Echo “Scheiss St. Pauli” auf Gesänge der Gästefans kann man aus diversen Gründen schwierig finden. Wir kennen aber ja auch Menschen, die in solchen Situationen mal vor dem Gästeblock stehen und von sehr verwirrten Blicken und Desorientierung berichteten. Hat also seinen Zweck erfüllt. 

Und dann? 

Fanden wir Wein und Essen um unseres eigenes Ableben noch ein bisschen zu verdrängen. 

Unser Tag wird kommen. 

Nov 012019
 

Disclaimer

Achtung! Die folgenden Worte sind zwar nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben, sie erheben aber nicht den Anspruch die absolute Wahrheit zu sein oder 100 % richtig zu sein. Der schreibende Jurist hat Vereinsrecht niemals als Schwerpunkt gehabt. Sie sind nicht als Rechtsberatung zu verstehen. 

Grundlagen/Auftragsanträge 

Im Vereinsrecht kann man Anträge auf Mitgliederversammlungen stellen. Beim FCSP (und dies meint im folgenden den e.V.) umfasst dieses Recht ausdrücklich auch die Möglichkeit Organen des Vereines Aufträge zu erteilen, die deren operatives Geschäft betreffen. Siehe § 13 Abs. 5 unserer Satzung. 

Dies ist nicht in allen Vereinen so. Beim FCSP ist es aber gelebte Tradition. Wir beschäftigen uns jetzt daher erstmal mit den „Auftragsanträgen“. Die besonderen Anträge zur Satzungsänderung kommen etwas später.

Orientierung an Beispielen

Um das nun folgende etwas verständlicher zu machen, nehmen wir mal ein paar Beispiele, die bewusst etwas absurd gewählt sind.

Beispiel 1: Ihr wollt, dass das Stadion Olaf Scholz Arena genannt wird
Beispiel 2: Ihr wollt, dass motzige Blogger aus dem Verein ausgeschlossen werden
Beispiel 3: Ihr wollt, dass im Stadion ab jetzt nur noch trockener Riesling ausgeschenkt wird
Beispiel 4: Ihr wollt, dass der FCSP Vertragspartnern die Gesamtscheiße verbietet

Was wollt ihr von wem woraus

Wichtig ist, dass ihr genau prüft, was ihr von wem woraus wollt. Viele Dinge sind bei uns ausgegliedert oder langfristig an Partner abgetreten, entsprechend muss man weisungsgebende Gremien beauftragen, ihre Gesellschafterrechte bei Gesellschaften entsprechend wahr zu nehmen oder Verträge mit Kooperationspartnern entsprechend zu gestalten. 

Wer ist Ziel?

Nehmen wir mal das Beispiel 1. Der FCSP ist erstmal nur Mieter des Millerntors. Eigentümer ist eine Gesellschaft, die zwar zum großen Teil im Besitz des FCSP ist. Daher ist folgendes ungenau und führt wahrscheinlich auch nicht zum Erfolg:

„Das Präsidium wird beauftragt das Millerntor in Olaf Scholz Arena umzubenennen.“

Da werden Oke und Co mit den Schultern zucken und sagen „können wir nicht“ und da haben sie absolut Recht. Ihr müsst sie dann anweisen, dass sie ihre Rechte in einer Gesellschafterversammlung der Besitzgesellschaft (die MSB) in der Gestalt wahrnehmen, dort einen Antrag einzubringen, dass das Stadion umbenannt wird. Man müsste wie ungefähr wie folgt formulieren:

„Das Präsidium des FCSP wird beauftragt in der Mitgliederversammlung der MSB ihre Rechte als Gesellschafter so auszuüben, dass die MSB das Millerntor in Olaf Scholz Arena umbenannt wird. Dabei wird das Präsidium beauftragt einen entsprechenden Antrag zu stellen und diesem in einer Gesellschafterversammlung zuzustimmen. Es wird beauftragt alle weiteren notwendigen Schritte für eine Umbenennung einzuleiten. Insbesondere hat es entsprechende Weisungen an die Geschäftsführung der MSB zu erteilen.“

Ihr merkt, das ist sehr gestelzt, sehr förmlich, aber anders wäre es nicht wasserdicht. Das dieser Antrag ggf. trotzdem kein Erfolg bringt, liegt dann daran, dass in der MSB noch andere Gesellschafter vorhanden sind und eine Einstimmigkeit vereinbart ist. Diese Gesellschafter kann die Mitgliederversammlung natürlich nicht anweisen. Puh. Keine Olaf Scholz Arena.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, an wen die MV Anweisungen verteilen kann. Die MV muss vereinsrechtlich als höchstes Gremium betrachtet werden und kann prinzipiell allen Akteuren des e.V. Weisungen erteilen. Dies kann prinzipiell anders geregelt werden, ist es aber beim FCSP ausdrücklich nicht. 

Aus vereinsrechtlicher Sicht macht es aber in den allermeisten Fällen Sinn, Aufträge an Gremien im Sinne des Vereinsrechts (Aufsichtsrat oder Präsidium), die auch von der MV gewählt werden, zu erteilen. Diese können dann entsprechend der Governance des FCSP die Umsetzung durchsetzen. Beispielsweise macht es vereinsrechtlich wenig Sinn, die Medienabteilung/ Leiterin der Medienabteilung damit zu beauftragen, auf Social Media nur noch Fotos von Schnecke, Mats und James zu posten. Gebt diesen Auftrag an das Präsidium, welches dann dafür verantwortlich ist, dieses in den hauptamtlichen Bereichen umzusetzen. 

Was auch wenig Sinn machen würde, wäre ein Auftrag an den Ehrenrat jemanden auszuschließen. Denn da gibt es die Satzung, die dieses Verfahren detailliert regelt. Und eine satzungswidrige Weisung ist Unsinn, da die MV das höchste Organ ist, das die Satzung ändern kann. Aber die Satzung steht über “einfachen” Beschlüssen. Siehe dazu später genauer. 

Geht das sofort?

Wichtig ist auch zu überlegen, ob das überhaupt sofort geht. Nehmen wir Beispiel 3. Der FCSP wird mit Carlsberg einen langfristigen Vertrag (laut Werteveranstaltung Ende August ist dies nach unseren Notizen bis 2022 der Fall) haben, ein Produkt namens Astra im Stadion auszuschenken. Daher hat folgende Formulierung Probleme:

„Das Präsidium wird beauftragt dafür zu sorgen, dass es ab sofort nur noch Riesling im Stadion als alkoholisches Getränk gibt.“

Natürlich kann das die Mitgliederversammlung beschließen, aber ihr müsst dann auch wissen, dass sich der FCSP absolut vertragsbrüchig verhalten muss, was a. nach außen nicht gut aussieht und b. Jurist*innen und Gerichte beschäftigen wird und dem FCSP Geld kosten wird. Das kann man machen, sollte dann aber dafür eine gute Begründung haben, sonst wird der Antrag nichts.

Besser ist dann eher eine Formulierung, die etwas offener ist. Solche Formulierungen haben aber natürlich immer die Gefahr, dass sich die Gremien da raus winden. Beispiel:

„Das Präsidium wird beauftragt nach Ablauf des jetzigen Sponsorenvertrags den Ausschank von alkoholischen Getränken im Millerntor auf trockenen Riesling zu beschränken. Es wird beauftragt dies in Catering- und Sponsorenverträgen sicherzustellen. Das Präsidium wird beauftragt der MV Auskunft darüber zu erteilen, wie lange der Sponsorenvertrag mit der Carlsberg Brauerei noch läuft.“

Natürlich muss man hier auch wieder prüfen, ob die Cateringrechte wirklich vom e.V. vergeben werden. Wahrscheinlich nicht. Und wahrscheinlich ist auch der e.V. nicht Vertragspartner der Carlsberg Brauerei, es müsste also wieder mit den „Wahrnehmung der Gesellschafterrechten“ argumentiert werden. 

Wie wollt ihr formulieren? Es geht von weich bis knallhart

Nehmen wir doch mal unsere Leitlinien

Seien wir ehrlich, die sind eher ein Gefühl, als ein festes Leitbild, denn dazu sind sie in vielen Dingen zu schwammig. Es ist schon bemerkenswert, dass z.B. ein wie auch immer geartetes „Nazis aufs Maul“ sich in diesen Leitlinien nicht findet. Wenn man zynisch sein will, dann könnte man behaupten, dass auch ein AFDler die sofort mit unterschreibt. Deswegen ist es so schwer diese Leitlinien für konkreten Protest oder konkrete Kritik an Sponsoren zu nutzen.

Daher ist Beispiel 4 z.B. nicht ausreichend. Da diskutierst du ständig darüber, was Gesamtscheiße eigentlich ist. Man kann das aber auch klar formulieren und z.B. Zweifelsfragen einer Art Schiedsgericht unterwerfen (ob das dann rechtlich haltbar ist, sei mal dahin gestellt). Beispiel: 

„Das Präsidium wird beauftragt sicherzustellen [ggf. wieder durch Gesellschafterrechte], dass in alle Verträge mit Angestellten, Sponsoren etc. folgender Passus aufgenommen wird:

„Der Vertragspartner verpflichtet sich zu antisexistischem Handeln. Dies umfasst u.a. aber nicht nur den Verzicht auf sexistische Darstellungen, sexistische Aussagen oder sexistische Handlungen. Der Vertragspartner verpflichtet sich bei Zweifelsfragen die Beurteilung der Antisexismusbeauftragten des FCSP als bindend zu akzeptieren. Bei Verstoß steht dem FCSP ein außerordentliches, fristloses Kündigungsrecht zu. Dies betrifft sowohl das mittelbar mit dem FC St. Pauli verbundene Handeln, als auch das unmittelbare Handeln der Vertragspartner.“

Man kann (und sollte wahrscheinlich sogar, wegen Schwammigkeit) dann einen solchen Passus auch noch um eine Definition was denn jetzt genau antisexistisch ist ergänzen. 

Natürlich ist ein solcher Passus am Markt schwer durchsetzbar. Partner würden sich wahrscheinlich bevormundet fühlen. Insofern wird sich ein Präsidium wahrscheinlich gegen so etwas auch wehren. Wollen wir mal über herrschende Verhältnisse und Ermöglichung von Sexismus sprechen? Würde hier den Rahmen sprengen, aber das sollte uns allen klar sein. Eine*n Antisexismusbeauftragte*n oder ähnliches haben wir weder als FCSP noch gibt es da wirklich eine Schiedsgerichtsstelle, die auch nur halbwegs vernünftig wäre. Klar wäre auch, dass eine solche Stelle natürlich allgemeiner sein müsste im Sinne einer allgemeineren Awareness.

Auch ob man ein solches Kündigungsrecht wirklich vereinbaren könnte, sei mal vertragsrechtlich dahin gestellt.

Entscheidend ist, dass ihr folgendes lernt: Es gibt Möglichkeiten von relativ wischiwaschi bis knallhart. Je härter ihr formuliert, je mehr wird sich ein Präsidium natürlich wehren. Das will seine Freiheiten behalten und natürlich nicht in Gespräche mit Sponsoren oder Berater*innen von Spielern gehen und dann das erstmal vorlegen müssen. Ist so. Mag uns nicht gefallen, aber ist so.

Daraus folgend: Seid auf Gegenargumente vorbereitet

Was aus dem eben genannten Absatz folgt ist, dass ihr euch Argumente gegen Gegenargumente zurecht legen solltet. Es kann nicht schaden, dass man eine gute*r Redner*in ist und sich auf die Situation vorbereitet hat. Bedenkt auch, dass ihr den Antrag gegen 0 Uhrbegründen müsst und alle genervt sind. Wie das am besten geht? Erinnert ihr euch an den Antrag auf einer JHV den Gegengeradebau zu verschieben? Der dann zurück gezogen wurde nach einem ellenlangen Vortrag und dem Antragssteller wurde trotzdem applaudiert? Ungefähr so müsst ihr begründen. Die Begründung gibt es schriftlich immer noch online http://lichterkarussell.net/problemfelder-und-vollendete-tatsachen/.

Spielt das mit Menschen durch, redet eure Rede vor und seid auf Kontra vorbereitet.

Wichtig ist die Satzung

Womit ihr wir bei Satzungsanträgen sind. Und bei Beispiel 2. Es ist fraglich, ob folgender Text zum Erfolg führt:

„Motzige Blogger sind aus dem Verein auszuschließen.“ 

Warum? Weil die Satzung immer noch vor geht. Und diese bestimmt in § 11 Abs. 4 das Verfahren und die Gründe. U.a. gibt es bei uns kein Recht der Mitgliederversammlung Mitglieder auszuschließen. Möchte man dies ändern, dann sollte man auch die Satzung ändern. Satzungsänderungsanträge müssen einen konkreten Textvorschlag enthalten Dies ist alleine schon notwendig, weil die ins Register eingetragen werden. Ein Antrag „nehmt mal „wir sind gegen die Gesamtscheiße in die Satzung auf“ reicht nicht aus. 

Es müsste formuliert werden: 

„Die Mitgliederversammlung möge beschließen die Satzung wie folgt zu ändern:

In § 1 wird ein Absatz 4 eingefügt, der „4. Wir sind gegen die Gesamtscheiße!“ lautet.“

Oder um im Beispiel zu bleiben: 

„Die Mitgliederversammlung möge beschließen, dass der § 11 Abs.4 durch folgenden Satz ergänzt wird:

„Die Mitgliederversammlung kann mit 2/3 Mehrheit motzende Blogger aus dem Verein ausschließen.“

Auch hier gilt natürlich, dass man sich im Klaren sein muss, welche Gegenargumente kommen. Und darf man bei einem Ausschluss ohne Gründe immer überlegen, ob das wünschenswert ist und auch mit Minderheitenrechten in einem demokratischen e.V. kompatibel ist. 

Ablauf der Mitgliederversammlung

Die allermeisten Leser*innen waren wahrscheinlich schon mal bei einer Mitgliederversammlung des FCSP. Für die Personen, die bisher nicht das Vergnügen hatten und diejenigen unter Euch, die das spätabends eher im Halbschaf mitbekamen und nicht mehr erinnern, sei daher noch mal der typische Ablauf zusammengefasst.

Die Mitgliederversammlung des FCSP findet typischerweise unter der Woche am Abend statt, beginnt bummelig um 19 Uhr und endet nur in Ausnahmefällen vor Mitternacht. Die Diskussion und Abstimmung findet typischerweise als letzter Programmpunkt statt, sprich es ist schon spät abends, einige Leute haben keinen Bock auf lange Debatten und wollen ggf. schnell zur Abstimmung kommen. Dies solltet ihr bei den Vorbereitungen zu den Begründungen Eurer Anträge in jedem Fall berücksichtigen.

Exemplarisch hier einmal die (vorläufige) Tagesordnung der letzten MV, Präsidiums- und/ oder Aufsichtsratswahlen finden in 2019 allerdings nicht statt.

Quelle: fcstpauli.de

Und ja, das mit den späten Antragsdiskussionen ist unglücklich. Begründet wird die Terminierung immer mit Terminkonflikten bei Amateursportler*innen (der FCSP ist Breitensportverein). Kann man natürlich auch einen MV-Antrag für die Zukunft verändern, der Ausgang einer solchen Diskussion ist natürlich komplett offen.

Sonstige Formalien

Anträge sind schriftlich einzureichen. Sie sind zu begründen. Die Frist für Satzungsänderungsanträge sind drei Wochen, dies ist wenn wir richtig rechnen der 06.11.2019, bei normalen Anträgen 2 Wochen, wenn wir richtig rechnen ist dies der 13.11.2019.

Sie müssen von einem Mitglied unterzeichnet sein (Mitgliedsnummer angeben!) und in der Geschäftsstelle eingereicht werden. Siehe für alles § 15 unserer Satzung