Okt 172019
 

Da freust du dich, dass du endlich mal einen Präsidenten hast, der aus Fanszene kommt, dem du zutraust mal nicht einen „Der Verein bin ich“ Kurs zu fahren und der für guten Rat offen scheint. 

Und dann so etwas. Ja, wir sind enttäuscht. 

So nicht

Diese Veranstaltung war von Beginn an einfach eine keine kluge Idee. Vorweg: Wir begrüßen, wenn Fanclubs Diskussionsplattformen bieten. Es kann gar nicht genug konstruktiven Austausch geben. Natürlich musst du über Werte im Fußball diskutieren, natürlich kannst du da auch Leute einladen, die mal einer anderen Meinung sind. Aber doch keine politischen Hardliner! Und schon gar nicht diesen! Wie verblendet muss man sein, um nicht zu erkennen, dass dieser Innensenator nichts an Werten kennt? Wie vollkommen verblödet muss man sein, sich jemanden zu diesem Thema einzuladen, gegen den selbst die Ethikkommission des DFB ermittelt? Oder jemanden der sich bei Football Leaks einen Namen gemacht hat? Diese Menschen stehen doch genau für die Nicht-Werte, die man ersetzen muss durch neue Werte! Das ist so, als ob man mit Donald Trump über die Einführung des Kommunismus diskutiert. Die Einführung des Kommunismus ist natürlich lange überfällig. 

Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, veranstaltet man so eine Veranstaltung in der Süd. In dem Bereich, den Fans sich symbolisch angeeignet haben und der wie kein anderer für unsere Werte steht. (Und das schreibt gerade unser Gegengeradler). 

Entweder ist das eine offene Provokation oder man ist so unsensibel, dass es schon Ignoranz ist. 

Und dann bekommt man von gut meinenden Menschen intern sachliche Kritik und reagiert wie der/die Dreijährige im Supermarkt und legt sich auf Fußboden und schreit laut “Ich will aber”. Und das von einem Präsidenten, der immer wieder auf einer JHV den demokratischen Prozess lobt und als vorbildlich herausstellt. Gelenkte Demokratie? Am Arsch! 

Hier sei beispielhaft nur ein Zitat von der letzten JHV eingefügt (zitiert nach unserem eigenen Bericht

“Besonders sein heißt reflektieren
Dieser Verein sei besonders, führte OG weiter aus. Dies sei er auch wegen der vielen Faninitiativen, die den Verein prägen. Man diskutiere vieles konstruktiv und viele brächten sich konstruktiv ein. Dies wolle man weiter machen. Er nannte dann als Beispiele den Fanladen, St. Depri und andere. Als nächstes plane man eine weitergehende Inklusion.“

Ja, verfickt noch mal, dann macht das doch auch, wenn es mal kontrovers wird! Alles andere ist Bullshit.

Too little, too late.

Und dann kurz vorher diese Alibilösung: Öffentlichkeit ausschließen (also gar keinen Diskurs mehr ermöglichen) und in die Haupt verlegen? Da müssen sich die Menschen auf dem Podium dann ja gar nicht mehr mit der Kritik auseinandersetzen oder ihr begegnen.

Dies ist der Hintergrund, dass mehrere Gruppen zu Protesten aufriefen. Und nein, dass ist kein Ultraprotest, wie am Ende auch die bunte Mischung an Menschen zeigt, die sich einfand. Diese Reduktion auf “Ultras vs alle anderen” nervt, ist unfassbar unsachlich und spätestens als dies in den Zeitungen auftauchte, wäre Zeit für ein Machtwort gewesen. An die Presse. 

Der Protest ist ein urdemokratisches Recht. Sei es gegen Professoren, die beschissene Parteien gegründet haben oder gegen beschissene Veranstaltungen. Wer solchen Protest als antidemokratisch oder als “Drohungen” delegitimiert, der ist der wahre Antidemokrat. 

Fuck you “Sicherheitsbedenken”! Wer Angst vor dem Echo hat, sollte sich mal überlegen, ob seine Meinung nicht einfach Dreck ist. 

Und lest euch mal alle Aufrufe durch. Wer da “Drohungen” oder “Sicherheitsbedenken” raus liest, der spielt das Spiel der antidemokratischen Scharfmacher*innen mit. Das sollten niemand tun, der beim FCSP tätig ist. Es verstößt gegen unsere Werte. 

350-400 Menschen mit denen wir gerne über Werte im Fußball diskutiert hätten (Foto: USP)


Alle Menschen, die heute Abend da waren, um zu zeigen, was sie von dieser Veranstaltung an sich und von dem Drumrum halten – wie ein Redner auf der spontanen Versammlung richtig feststellte – bestimmen unsere Werte. Nicht irgendwelche beschissene Funktionäre. Oder Menschen, die sich mit diesen Funktionären auf ein Podium setzen.

Überraschung: Die ganze Versammlung verlief komplett friedlich. Wir hatten uns selbst als offizielle Demoanmelder*innnen bereit erklärt, aber das war gar nicht nötig. 

Kurze knackige Reden, laute Grüße an die Gäste und gerade als sich das ganze auflöste, ging im Stadion der Feueralarm los. 
Lieber Ehrenrat, die Ehrennadel möchten wir an die Brandschutzanlage, die im absolut passenden Moment losging verleihen. Formaler Antrag folgt. Vielleicht.

Und lieber Oke, für die Zukunft gilt:
“Don’t be a tough guy. Don’t be a fool!”

All ihr populistische Scheißmedien, schreibt doch ein einziges Mal die Wahrheit. Wir wissen, dass das mit dem Sachen verstehen echt schwer ist. Aber hören auch, dass Teil der Journalist*innenausbildung ist sowas komisches zu tun, das ihr nicht mehr macht. Das nennt sich recherchieren oder so ein lateinisches Fremdwort oder so. Auf jeden Fall: Macht das doch in Zukunft mal. Das waren heute Abend bei weitem nicht nur Ultrás. Sondern eine bunte Mischung aller Kurven. Weil das bei weitem nicht nur ein Ultrá-Thema ist. Es wurde auch niemand bedroht. Zu keinem Zeitpunkt. Das ist natürlich keine schöne Story. Aber halt die Wahrheit.
Und die könnte man halt auch mal berichten. Aber auf wessen Seite ihr steht wissen wir seit langem. 

Schade, dass wir uns bei unserem Präsidenten da heute Abend nicht so sicher waren.