Okt 312019
 

In ihrer für die Architekturtheorie revolutionären, 1972 veröffentlichten Studie „Learning from Las Vegas“ untersuchte eine Gruppe vor allem junger Architekt*innen die Stadt gleichen Namens. Eine der zentralen Thesen war, dass moderne Gebäude – im Gegensatz zu ihren historischen Vorgängern – großteils auf Ornamentik und Dekor verzichten und man die Bedeutung des Gebäudes wortwörtlich außen draufschreiben müsse. Da USP gestern in der wirklichen schönen Choreo uns schon den Gefallen tat, einen optischen Zusammenhang zwischen Las Vegas und einer Fankurve herzustellen, könnte man nun fragen, ob Kurven ähnlich funktionieren. Entsteht die Bedeutung der Kurven aus Choreos oder aus dem, was auf Zaunfahnen oder Spruchbändern außen lesbar ist? Oder aus beidem? Ist dieser Vergleich überhaupt gerechtfertigt? Es lohnt sich definitiv, weiter darüber nachzudenken. 

Worüber es sich nicht lohnt, weiter nachzudenken, ist das Pokalspiel

Das war es dann mit dem gewohnt kurzen Ausflug in den zweitwichtigsten landesweiten Fußballwettbewerb. Was bleibt? Wir hätten eigentlich lieber Tankard als den Polizeichor Frankfurt gehört.

Eine Retrospektive des Spiels gibt’s dennoch

Die ersten 20 Minuten des Spiels wirken beim FCSP so, als hätte man in den alten Football-Manager-Spielen von EA dem Team die Taktik “Abseitsfalle” vorgegeben, nur um dann wenige Minuten später festzustellen, dass man diese nicht auf den Trainingsplan gesetzt hat. Und so zerplatzen alle Pokalträume scheinbar schon nach 16 Minuten. Korbi Müller muss zweimal schnell hinter sich greifen; unser Mitleid kann er sicherlich gebrauchen wie Fußpilz. Die Rotationen in der Aufstellung sind zugegebenermaßen nicht alle nachvollziehbar für uns. Vor allem in der Verteidigung steht da keine eingespielte Truppe, das ist unübersehbar.

Und dass Spieler bei solch wichtigen Spielen dann als Dankeschön der Ersatztorwart, der letztes Jahr kein Pflichtspiel bestritten hat, dann in der Startelf steht, ist für uns wenig nachvollziehbar, wenn der Trainer gleichzeitig das absolute Leistungsprinzip ausruft. Gut, das erste Gegentor hätte keiner gehalten, beim 2. sehen wir da durchaus (geringe) Chancen für eine Skyman-Flugeinlage. Es ging nebenbei auch um 702 000 € Fernsehgelder, die mit dem Einzug in die nächste Runde hätten verdient werden können. 
Ein Mitglied des Kollektivs macht sich beim Spiel (unregelmäßig) Notizen, gestern war das kurz vorm Ende ein “Dieser Verein ist größer als jeder Trainer.” Ok, vielleicht sind wir ein klein bisschen dramatisch.

Dass es am Ende kein würdeloses Gemetzel wird, sondern wir sogar noch mal einigermaßen dicht rankommen an die Verlängerung, bremst das Augenrollen. Braunweiß fängt sich nach den frühen Gegentoren und hat im Anschluss wesentlich mehr vom Spiel. Handelfmeter, Anschlusstreffer. Wir haben uns die entscheidende Szene für den Strafstoß nochmal angesehen, da ist eigentlich gar nichts strittig. Der Arm des Frankfurters ist an der Stelle so fehl am Platze wie ein Nachbau von Venedig in einer Wüstenstadt in Nevada. Oh wait. Waldi jedenfalls so abgezockt in die Mitte, dass es schon fast nach Arroganz riecht.

Zweite Hälfte, Einbahnstraße

Spielen (versuchen) tut weiter eigentlich nur der FCSP. Nützt im Ganzen nix, entweder ist die Eintracht zu stabil oder unsere Jungs am Ende zu unbeholfen. Apropos stabil: So richtig beeindruckt sind wir vom Auftritt der Gästefans ehrlich gesagt nicht. Die Choreo ist eher öde, die Lautstärke der Frankfurter*innen jagt uns auch keinen Schrecken ein. Da hätten wir mehr erwartet. Und (laut Gröni – btw. auch fantastische Fotos der Pyroaction) bei gegnerischer Mannschaftsaufstellung bei jedem Spieler “H*rensohn” rufen und nach dem Spiel “Sieg” ist alles andere als cool. Ihr habt gestern massiv Sympathiepunkte bei uns verloren. 

Am Ende ein Spiel, was zumindest nicht fürchterlich nach Klassenunterschied aussieht, die ersten 20 Minuten mal außen vor. Stark, dass unsere Leute Moral zeigen und sich nicht unterkriegen lassen von den schnellen Gegentoren. Dazu gehört mentale Stärke, die ganz wichtig sein kann.

Mats scheinen diese Abendspiele bei Flutlicht am Millerntor zu liegen. Wahnsinn wie der jedem Ball hinterherläuft und unermüdlich kämpft. Wir freuen uns schon mal auf das Flutlichtheimspiel gegen Bochum.

Schreckminute, als Conteh bereits kurz nach seiner Einwechslung vor Schmerzen nicht mehr weiß, wohin mit sich, und eine Weile behandelt wird. Ach du kacke, was war das denn Böses? Und dann steht der wieder auf? DER WILL WEITERSPIELEN? 
… um dann wieder auf dem Platz liegen zu bleiben. Na dann. Vermutlich ein Adrenalin-Überschuss, der ihn zu dieser Fehleinschätzung bewog. Irgendwas mit dem Oberschenkel soll es sein und eine längere Pause droht. Junge, komm bald wieder.

Schlechte und gute Menschen

Wie würdet ihr eure Laune beschreiben, wenn neben einem frühen Rückstand einer eurer Nebensteher auch noch einen Ausdruck für einen asiatischen Spieler findet, den wir hier nicht wiedergeben wollen? Konfrontiert mit seiner rassistischen Sprache wird natürlich alles geleugnet und später noch versucht, den Gegenwind ins Lächerliche zu ziehen. Kumpels, die sich schützend-leugnend vor ihn stellen. Das Übliche. Unfassbar, dass sowas auch 2019 beim FC St. Pauli noch keine Ausnahme darstellt. Wir hoffen mal inständig, dass die Standpauke gesessen hat und sich die Person lernfähig zeigt. “Besondere” Spiele wie dieses ziehen halt immer mehr Schmeißfliegen an als Begegnungen mit Sandhausen oder Aue. Leute, einmal mehr: Denkt drüber nach, wen ihr da mit ins Stadion nehmt.

Irgendwann untersuchen wir auch noch mal das Phänomen 2m großer Männer, die sich kurz vor Spielanpfiff mitten in die Süd reindrängeln und dann das ganze Spiel apathisch verfolgen. Leute, hier wird supportet, insbesondere im Mittelbereich. Und wenn ihr schon anderen Menschen das halbe Sichtfeld nehmt, dann macht wenigstens mit. Der Südkurvenflyer hat das auch mal wieder schön aufgenommen.

Südkurvenflyer

Nach dem Spiel noch ein kurzer Ausklang des Abends, der im Großen und Ganzen mit unserem zweiten und letzten DFB-Pokal-Spieltag versöhnt. Gerade, wenn man ein paar Spiele Pause hatte, merkt man doch wieder umso mehr, dass es der Zauber der guten Menschen ist, der diesen Kosmos so liebenswert macht. Herzchen euch allen.

Leaving Las Vegas

Der Rückweg über die Feldstraße ist gesäumt von zwei Wasserwerfern und einem Räumpanzer nebst behelmter Entourage. Dass dies ein völlig normales Bild bei vielen Spielen des FCSP ist, sollte uns eigentlich fassungslos machen. Auch aus Frankfurter Kreisen bekommt man das Entsetzen über diese vulgäre Machtdemonstration mit. Wir sind einfach nur müde. 

Okt 292019
 

… damit ihr es nicht müsst. 

(Und wir sind ehrlich: Wir haben selber machen lassen. Danke an Stachelflosse, die sich die Mühe gemacht und den folgenden Text verfasst hat.) 

Am Donnerstag, den 17.10.19, sollte im Ballsaal Süd die Veranstaltung „Unser Fußball – braucht neue Werte“ organisiert vom Fanclub fairnetzer.1910 stattfinden. Als Gäste angekündigt waren Annika Lindner, Andy Grote, Rainer Koch, Jonas Boldt, Gerdhard Delling und Oke Göttlich. Warum die Kombination aus Gästen, Thema und Ort problematisch ist, wurde bereits in einem vorherigen Beitrag erläutert. Drei Stunden vor Beginn der Veranstaltung wurde dann bekannt geben, dass das Ganze unter Ausschluss der Öffentlichkeit  stattfinden sollte. Wie sich später herausstellte auch an einem etwas anderen Ort, nämlich der Haupttribüne. 

Am Freitag veröffentlichte der Verein über seine Social-Media-Kanäle das Video der Gesprächsrunde. Haben die Fairnetzer keine eigenen Kanäle, um dies zu verbreiten? Seit wann ist der Verein Pressesprecher und Sprachrohr der Fanclubs? Die Erwartungshaltung vor Anklicken des Videos pendelt irgendwo zwischen „Das wird leeres Gelaber“ und „das wird die absolute Katastrophe“. 

Screenshot aus dem hochgeladenen YouTube Video der Fairnetzer.

„Ich will das nicht sehen. Ich würde alles hassen.“

Da ich nicht wollte, dass der Lieblingssenior des Lieblingsblogs an einem Freitagabend schlechte Laune bekommt (und weil man im Zug ja sowieso nichts besseres zu tun hat) opferte ich mich. Hier also meine Gedanken zu dem Gespräch und dem Video.

Joachim Weretka von den Fairnetzern leitete die Gesprächsrunde und begann die Veranstaltung mit folgender Aussage: „denn in den Fußballstadien herrschen zum Teil Zustände, die mit den Werten, die sonst in der Gesellschaft gelten, nicht so viel zu tun haben. Aber die müssen da hin. Rassismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit“(00:17). Das klingt als würde es dies nicht in der Gesellschaft geben und wäre ein isoliertes Problem der Fußballstadien. Vielleicht ist dies nur unglücklich ausgedrückt. Vielleicht ist Joachim Weretka aber auch ein alter weißer Mann, der in seinem Leben noch nie Diskriminierungserfahrungen machen musste. Er beschreibt weiter, dass der Gedanke hinter dieser Veranstaltung war, Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit aus den Stadien herauszubekommen, weil auch die Stadien ein Teil der Gesellschaft sind, in denen es anders zugehen muss.

„Es gab im Vorfeld eine ganze Reihe von Forderungen, die man an uns gestellt hat. Bestimmte Personen, bei der Veranstaltung,sollten nicht sein. Namentlich wurden genannt der Innensenator Andy Grote und Rainer Koch vom DFB-Präsidium. Am Ende haben wir uns entschieden, diese Veranstaltungen jedenfalls so nicht mehr durchführen zu können, weil wir fürchten, unser Thema wäre da gar nicht mehr zum Tragen gekommen. Es gab Ankündigungen von Leuten, die das ausdrücklich auch so wollten. Um ein Risiko auszuschließen, sind wir jetzt hier.“ (00:56)
Das Statement zeigt, dass Weretka nichts verstanden hat. Aber das Opfer zu spielen, ist halt leichter, als sich einzugestehen, dass man Fehler begangen hat. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man sich die Gunst von Andy „wir kennen uns schon seit 20 Jahre, deswegen darf ich dich so nennen“-Grote und Co. nicht verspielen wollte. Aber gerade bei einer Veranstaltung zum Thema Werte sollten auch kritische Stimmen an kontroverse Personen erlaubt sein. Die Werte des Fußballs zeigen sich nämlich auch im Umgang mit den Fans. Aber meinem Gefühl nach war es nie angedacht, das Handeln der Diskutierenden kritisch zu hinterfragen. Sonst hätte man sich auch Fanvertreter in die Diskussion eingeladen. Ziel war es, über Fans und ihr Verhalten zu reden. Und ja, es läuft viel falsch in den Stadien. Auch bei uns ist vieles nicht so, wie wir es gerne hätten. Aber der Fisch stinkt vom Kopf her und man muss sich auch überlegen, welche Signale man sendet, wenn man die Fridays-for-Future-Demo gewaltsam auflösen lässt oder Aktionstage zu Rassismus zur leeren Worthülsen verkommen lässt. 

Dann ergriff Oke das Wort: „Danke für die Veranstaltung. Danke, Joachim, für dieganze OrganisationDenn grundsätzlich ist für uns ist das Thema ein wichtiges. Auch gerade mit Persönlichkeiten aus der Politik zu besprechen, denn es geht um eine Vielzahl von Themen, die wir als FC St. Pauli mit anfangen können Und ich finde es auch wichtig, dass in einem demokratischen Prozess miteinander und auch kontroverse Diskussionen miteinander geführt werden. Und die auch am liebsten in einem öffentlichen Diskurs mit einem Publikum stattfinden. Denn wir fühlen uns hier schon etwas alleine und etwas steril gelassen. Das ist schade, dass es so weit kommen musste, ich konnte euren Einwand heute morgen verstehen, wenn dann am Ende eine Situation entsteht, die dann für niemanden am Ende des Tages eine vernünftige Aussage treffen können. Und vor allem das inhaltliche Thema, das du schon angerissen hast, angehen.“ (01:47) 
Verstehe ich das richtig? Seit diese Veranstaltung bekannt wurde, gab es Kritik daran. Blogs, USP, der Fanladen haben ihre Kritik an der Veranstaltung geäußert. Am Tag der Veranstaltung bekamen die Fairnetzer dann Sorge, dass man das Thema nicht so diskutieren kann, wie sie es sich vorstellen, und deswegen stimmte Oke dann zu, die Öffentlichkeit auszuschließen und das Ganze in die Haupttribüne zu verlegen? Dann wissen wir jetzt auch, auf wessen Stimme Oke hört. Langsam glaube ich, man hat es mit Absicht auf die Eskalation ankommen lassen, um sich dann als Opfer der „radikalen Fankreise“ inszenieren zu können. Wie man so wenig Gespür für die Fanszene und deren Anliegen haben kann, ist mir schleiferhaft. Aber hey, Abendblatt und Co. haben sich gefreut. Nachdem es beim Derby „zu“ ruhig war, konnte man wenigstens jetzt das Märchen von den „bösen, radikalen, stimmungsmachenden Ultras“ weiterspinnen. 

Joachim Weretka: „Diese Diskussion muss ein Publikum haben. Es gibt unglaublich viele Fußballfans, die Interesse daran haben, wie es in diesem Sektor neue Werte weiter geht.“ (03:38) Subtext: Aber die „Fans“ verhindern, dass die echten Fans heute hier sein können. (Dass ich diese Unterscheidung nicht teile, muss ich hoffentlich nicht erkären)„Und dass wir das auch öffentlich machen. Und dass wir dann auch Fragen aus dem Publikum zulassen.“(03:50)Dass will ich doch schwer hoffen, dass Fragen zugelassen werden.

Nun werden die Gäste vorgestellt 

Hier Auszüge des Wortlauts von Joachim Weretka: (04:17 – 09:55)
Annika Linder –„Annika ist 17. Am Gymnasium in Blankenese. Und organisiert schon seit ganz langer Zeit Fridays-for-future-Aktionen. Die seltsamerweise immer Freitags stattfinden. Und hat andere Aktivitäten in dieser Bereich. Es geht um Umwelt und Klimaschutz. Und Annika bringt etwas besonderes mit an diesem Tisch. Sie spielt Fußball. Seit 10 Jahren bei Komet Blankenese. […]“

Andy Grote – „Ich sage Andy zu ihm. Ich kenne ihn seit 20 Jahren. Da war er noch ganz klein. Und nur weil er jetzt Senator ist, muss ich ihn nicht siezen. Und natürlich Sportsenator. Und deswegen an diesem Thema interessiert. Es geht zwar nicht nur beim Sport um Fußball. Aber er ist natürlich schon ein Kern und der Sport der die meisten Fans beeindruckt und fesselt.“

Oke Göttlich – „Da muss man nicht mehr viel zu sagen. Präsident des FC St. Pauli. Du hast gerade eben schon von den Werten gesprochen, die für diesen Verein gelten. Wir haben sehr viel gemeinsames hier schon an diesem Stadion verändert.

Oke betont daraufhin, dass viele dieser Werte, die hier im Verein gelebt werden, aus der Fanszene kommen und sie deswegen sie gerne mit Leuten hier gesprochen hätten. Lieber Oke, du hattest die Entscheidungsmacht in diesem Fall. Du hättest schon vor einer Woche entscheiden können, die Veranstaltung an einen anderen Ort zu verlegen. Dann wäre alles ganz anders gelaufen. Es ist tagelang nichts passiert und dann habt ihr euch fünf vor zwölf dazu entschieden, die Öffentlichkeit auszuschließen. Jetzt den Leuten, die euch auf die Problematiken bei dieser Veranstaltung hingewiesen haben, die Schuld zu geben, ist mehr als feige. 

Rainer Koch – „Ich lasse den Doktor weg. Da haben wir uns drauf geeinigt. Aus dem DFB-Präsidium. Ich meine jetzt zuständig für UEFA und FIFA.“ Stimmt nicht, er muss erst noch gewählt werden. Koch legt dar, dass übergeordnete Themen wie Werte auch Aufgabe des DFB-Präsidenten sind. Dass die DFB Ethik-Kommission gegen ihn ermittelt, fiel mit dem Doktor unter den Tisch. 

Gerhard Delling – „Sportjounalist, wer kennt ihn nicht?“ Joachim W. erhofft sich Tipps durch Dellings langjährige Erfahrung. 

Jonas Boldt – Sportvorstand des HSV. „Aber ob beim HSV im Stadion alles toll ist … was Fans angeht, was das Verhalten angeht? Ich duze dich jetzt auch, weil wir uns neulich eine Taxe geteilt haben.“ 
Kann man sich vor der nächsten Veranstaltung bitte auf eine gemeinsame Ansprache einigen? Entweder alle siezen sich oder alle duzen sich. Annika Lindner wird von Beginn an von allem am Tisch geduzt, sie siezt die Herren am Tisch. Dadurch entsteht automatisch ein sprachliches Machtgefälle, das sich vermeiden lässt. 

Nachhaltigkeit

Joachim Weretka leitet über in die Diskussion und beginnt beim Thema Nachhaltigkeit. Koch legt dar, dass Nachhaltigkeit seit neuestem auch ein Ressort des DFB-Präsidenten ist. Annika Linder verweist auf den Nachhaltigkeitsbericht 2019 und erklärt, dass es zwar richtig sei, dass das Mikroplastik im Kunstrasen ein Problem für die Umwelt darstellen würde, der größere Umweltfaktor seien aber die Reisebewegungen der Fans an einem Spieltag. Sie führt eine Studie an, laut der 400.000 Fans an einem Spieltag 120 Tonnen CO2 durch Anreise und Konsum im Stadion emittieren. Das sind so viel wie zehn durchschnittliche Deutsche in einem Jahr ausstoßen. (https://www.deutschlandfunk.de/serie-endspiel-ums-klima-1-klimasuender-fussballfan.1346.de.html?dram:article_id=437166) Joachim Weretka wirft dabei ein, ob es nicht eine Option sei, einen autofreien Spieltag zu veranstalten, um diese Problematik in das Bewusstsein der Fans zu bringen. Rainer Koch erwidert darauf, dass der DFB nicht für die Durchführung der Spiele zuständig ist und es für die deutsche Nationalmannschaft und Vereine in der Europa League nicht möglich ist, zu Spielen nicht zu fliegen. Man müsse sich als Gesellschaft nun darauf verständigen, wie wir den Fußballbetrieb haben wollen, da mit einem Verzicht auf Flüge der Spielbetrieb so nicht mehr stattfinden könnte. Mal ganz davon abgesehen, dass ich sehr gut auf Länderfußball und seltsame Clubwettbewerbe verzichten kann, ist dies eine ganz schön fatalistische Einstellung. Wir sollen weniger CO2 verbrauchen, dann stellen wir den Betrieb ganz ein. 

Oke wirft ein, dass man das Thema konstruktiver angehen müsste und wünscht sich von DFB und DFL Unterstützung um Themen in der Politik anzubringen. Konkret nennt er hier die Schwierigkeiten bei der Weitergabe von übrigen Lebensmitteln nach einem Spiel. Koch erklärt darauf hin Annika Linder, dass es besser wäre, sie und Fridays for Future würden mit konstruktiven Vorschlägen und Ideen auf DFL, DFB und die Vereine zugehen und nicht mit Forderungen wie einem „Flugverbot für die Nationalmannschaft“. Sie wirft darauf ein, dass sie nicht von einem generellen Verbot spricht, es aber in manchen Situationen Alternativen gibt, zum Beispiel bei Spielen innerhalb Deutschlands. Sie fügt außerdem an, dass es bei Flügen, die sich nicht vermeiden lassen, die Möglichkeit gebe, Geld in Kompensationsprojekte zu stecken. Der DFB und die Fußballer seien in dieser Bereich Vorbild und hätten zudem eine Lenkwirkung.

Gerhard Delling ergreift das Wort und fügt an, dass er es für nötig hält, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und bestimmte Werte zu schaffen. Andy Grote sieht in der Gesellschaft und in der Politik eine engagierte Diskussion über Nachhaltigkeit und Werte, wie es sie selten gebe. Außerdem sieht er, dass es in der Gesellschaft sehr weit angekommen sei, dass das Klimathema eine große Relevanz habe. Er stellt sich die Frage, was nun jeder Einzelne tun kann. Der Fußball sei ein großer Akteur mit viel Reichweite und können noch einen größeren Beitrag dazu leisten, jeden Einzelnen zu erreichen und ein Umdenken zu schaffen. Lindern merkt an, dass aber auch nicht nur das Bewusstsein sondern auch das daraus folgende Handeln wichtig sei.

Neue Werte? 

Jonas Boldtt will einhaken, wird von Joachim Weretka unterbrochen und stellt anschließend eine Frage, die ich persönlich im Bezug auf die Veranstaltung sehr spannend finde. Er fragt sich, warum von neuen Werten gesprochen wird. Es müssten keine neuen Werte geschaffen werden, sondern Werte, die schon existieren, mehr in den Fokus gerückt werden. 

Kommentar meinererseits: Der Titel neue Werte impliziert, dass man diese erst erfinden müsste. Diese Werte existieren aber bereits, sicherlich mal mehr und mal weniger ausgeprägt, in jedem Stadion. In jedem Stadion gibt es Menschen, die sich gegen Faschismus, Homophobie und Sexismus engagieren. Sich hinzustellen und zu sagen, wir brauchen neue Werte, bedeutet, im Extremfall gedacht, dass diese Werte für die sie sich einsetzen in den Augen der Fairnetzer nicht von bedeutung sind.

Jonas Boldt fügt an, dass Nachhaltigkeit zwar ein Thema sei, er aber die Menschlichkeit mehr in den Fokus stellten würde, da der Fußball hier eine große Vorbildfunktion habe. Dies habe sich das neue Präsidium des HSV zur Aufgabe gemacht. Joachim Weretka sieht im Bereich Menschlichkeit einen großen Nachholbedarf, auch in unserem Stadion. „Wenn man beobachtet, dass in den Stadien Menschen einen Freiraum sehen, Dinge zu sagen und zu tun, die sie sonst nicht machen. Das begründen sie dann vielleicht mit einer besonderen Emotionalität die da gerade war. ‘Du schwule sau’, das ist mir dann nur so rausgerutscht. ‘Du Muschi, steh auf!’Das sind alles so normale Sprüche.“ (24:35) Beim ersten Ansehen habe ich gedacht, ich höre nicht richtig. Ich denke und will denken, dass Joachim Weretka sich hier ungünstig ausdrückt und sagen will, dass das Sprüche sind, die man zu oft in Stadien hört. Nicht, dass das Sprüche sind, die er als normal im Sinne von akzeptabel empfindet.

Das Gespräch kommt noch mal zum Thema Nachhaltigkeit zurück. Rainer Koch wiederholt nochmals, dass das Fliegen nötig sei und Annika Lindern ist wiederholt gezwungen zu erklären, dass es ihr nicht um ein Flugverbot für die Nationalmannschaft gehe. Man gewinnt den Eindruck, die Herren wollen ihr gar nicht zuhören. 

Menschlichkeit

Andy Grote: „In Wahrheit haben wir eine hochproblematische gesamtgesellschaftliche Situation gerade. Wir haben Kontroversen, wir haben Ausgrenzung, Abgrenzung, Polarisierung zu ganz vielen Themen. Wir haben Unmenschlichkeit, Menschenfeindlichkeit, Herabsetzung, Diffamierung, Beleidigung in einem Ausmaß, die höchst schwierig sind.“ [sic!](28:30)
Ja, das stimmte. Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus sind aktuell so laut wie seit langem nicht mehr. Aber warum werde ich das Gefühl nicht los, dass in dieser Aussagen auch die persönlichen Befindlichkeiten von Andy Grote mitschwingen? 

Wir haben rechtsextremistische Terroranschläge in Deutschland. Wir haben eine völlig veränderte Situation. Wir haben ein zum Teil hasserfülltes gesellschaftliches Klima. Was sich in den sozialen Medien zum Teil abspielt, ist etwas, das hätten wir uns alle vor 10 oder vor 20 oder auch vor 5 Jahren nicht vorstellen können. Aber jetzt ist doch, wenn wir über Fußball sprechen, so ein bisschen die Frage: Schwappt das jetzt auch in die Stadien? Haben wir hier dieselbe Situation? Nehmen die Leute ihre Aggression, ihre Abgrenzung, ihr Freund-Feind-Denken, ihr gruppenbezogenes Denken, nehmen die das da mit und ist das einfach eine Bühne, um das nochmal ausleben zu können? Oder kann der Fußball dem was entgegen setzten und kann sagen: Nein, hier ist ein Ort, wo wir auch vielleicht über Unterschiedlichkeit hinweg zueinander finden. Über die Leidenschaft für den Fußball, die Leidenschaft für den Verein, über das “gemeinsam irgendwo stehen”. Wo wir dann doch nochmal gemeinsam das Gespräch finden. Wir haben ein Problem, dass kein gesellschaftliches Gespräch, kein Austausch, keine Fähigkeit aufeinander zuzugehen, sich zuzuhören mehr stattfindet. Und da ist die Frage, kann die eigentlich große bindende, einigende Kraft von Sport, die eigentlich Grenzen und Unterschiede überwinden kann, kann die einen Beitrag leiste, dass wir das wieder herstellen oder wird das mit unverminderter Wucht einfach in die Stadien transportiert.“ (28:45)
Für mich ist das keine Frage. Es lässt sich jede Woche beobachten, dass Stadien als Plattform für die Verbreitung von rechtsradikalem Gedankengut genutzt werden. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, dass sich die Fanszenen, die Vereine und auch die Verbände klar positionieren und ihre Werte in den Stadien durchsetzen. Die Frage „schwappt das jetzt auch in die Stadien?“ impliziert zudem, dass es sich hierbei um ein noch nichts existierende Problem handelt. Chemnitz ist nur eins von vielen Beispielen dafür, was passiert, wenn Verband, Verein und Fanszene rechtem Gedankengut Raum geben.

Gerhard Delling führt an, dass er ein großer Fan von Kampagnen sei und es in den neunziger Jahren eine sehr erfolgreiche Kampagne des DFB gegen Rassismus im Stadion gab und dass es dadurch besser geworden sei. Jonas Boldt widerspricht dieser Aussage etwas später (32:35), dass eben nicht nur Kampagnen nötig seien, sondern auch das Handeln. Hier stimme ich Jonas Boldt zu. Es kann gut sein, dass diese Kampagne ein paar Menschen erreicht hat. Aber den Rückgang des Rassismus nur mit einer Kampagne zu begründen, greift für mich zu kurz. Ohne Menschen im Stadion, die sich aktiv rassistischem Verhalten in den Weg stellen, bringt die beste Kampagne nichts. 
Gerhard Delling weiter: „Unter normalen Sportlern gibt es keinen Rassismus, weil die überall auf der Welt unterwegs sind und sonst selbst davon betroffen wären. Aus Eigennutz und weil sie es einfach gewohnt sind, mit anderen Menschen zusammenzukommen, egal welcher Hautfarbe oder Konfession auch. Da gibt’s sowas eigentlich nicht.“ (31:23) Zu glauben, dass eine Person nicht rassistisch sein kann, bloß weil sie beruflich viel reist, halte ich für sehr naiv. Stichwort: Nazis essen Döner. 

Jonas Boldt verweist auf das letzte Länderspiel und die Reaktion des Publikums auf das „Halt die Fresse“ eines Einzelnen auf das Singen der Nationalhymne eines anderen Einzelnen während der Schweigeminute für die Opfer von Halle. „Da muss man auch nicht blumig sprechen, da kann man das auch wirklich frei raus so rufen. Aber das Stadion hat spontan applaudiert. Diese Effekte, die sind wichtig. Den Mut auch zu haben zu einem Selbstreinigungsprozess. Dazu müssen wir die Menschen bringen. Da können wir eine Vorbildfunktion haben. Aber ich betone nochmal. Kampagnen sind gut, auf jeden Fall. Man muss aber dahinter stehen und es muss eine Nachhaltigkeit gewährleistet sein. Sonst können wir hier erzählen, was wir wollen, und es fruchtet halt alles nichts.“ (33:19)
Oke verweist darauf, dass man immer auch den Standort mitbedenken muss. Die Leute an den schwierigen Standorten wie Cottbus und Chemnitz brauchen die Unterstützung. Dafür müsse man den Verband sensibilisieren. Da gerade an diesen Standorten große Kampagnen keine Wirkung hätten und die Einzelnen die sich den Rassisten in den Weg stellen deutlich andere Unterstützung benötigen. „Und da kommen wir dann relativ schnell natürlich wieder in Fanthemen. Dort wird’s dann wieder diffizil. Welche Strukturen unterstützt du mit welchem Maße? Welche Rechte werden sich da rausgenommen? Welche Rechte werden sozusagen genommen? Und das ist dann natürlich auch immer diese fankulturelle Debatte.“ (34:48)
Rainer Koch merkt ergänzend an, dass man Dinge nicht immer an die große Glocke hängen könnte. So habe man in Chemnitz Vereinbarungen zum Aufbau einer Fanbetreuungsstruktur getroffen. Man könne sich als DFB an Standorten wie Chemnitz nicht zu sehr öffentlich plazieren, weil man so nur neue Agressionspunkte schaffen würde. Andy Grote und Rainer Koch betonen zudem die Bedeutsamkeit von Identifikationspunkten und Präventionsprogrammen besonders an schwierigeren Standorten. Fußball sei eine Chance, Konflikte gemeinschaftlich zu lösen, er dürfe damit aber auch nicht überfordert werden.

Annika Lindner ergänzt dazu: „Fußball ist Kultur und Kultur hat immer die Möglichkeit, ein Stück voranzugehen und Impulse zu setzen, und ich glaube das ist ganz wichtig. Und da kann man tatsächlich noch lauter werden bzw. sagen ok, gerade diese Positionen, dieses Menschliche, das sind Werte, die sind uns wichtig und die nehmen wir auch so war in der Gesellschaft. Aber die nochmal nach außen zu spiegeln. Ich glaube da hat der Fußball nochmal ein großes Potential.“
Hier stimme ich Annika Lindner zu, Fußball und seine Spieler sind sehr präsent in unserem Alltag. Sie machen Werbung für Chips, Rasierer und Reifen, sind auf den Titelblättern von Zeitschriften und haben Millionen Follower auf Instagram. Sie haben eine immense Reichweite und beeinflussen wahnsinnig viele Menschen. Dies ist ein Potential, das im Bezug auf die Vermittlung von Werten noch deutlich mehr genutzt werden könnte. Spieler wie Mats und Schnecke haben bei uns auch bzw. besonders wegen ihrer Äußerungen abseits des Fußballs den Status, den sie haben. Andy Grote sieht in der EM 2024 ein Chance, Nachhaltigkeitskonzepte, die für die einzelnen Standorte entwickelt werden, auf den regulären Ligabetrieb zu übertragen. 

Hier bricht Joachim Weretka das Gespräch ab und kündigt an, die Veranstaltung zeitnah an einem anderen Ort vor Puplikum stattfinden lassen zu wollen. Außerdem äußert er, dass die Idee der Fairnetzer hinter dieser Veranstaltung sei, andere Fangruppierungen in anderen Stadien zu solchen Diskussionen zu inspirieren. 

Fazit

Was ich aus den 42 Minuten mitnehme? Dass weder Oke noch Joachim Weretka die Kritik an der Veranstaltung verstanden oder reflektiert haben. Die meiste Zeit ist es leeres Gelaber und leider auch sehr oft „Alte weiße Männer erzählen der 17-Jährigen, wie die Welt funktioniert.“ Mehrmals wird darauf verwiesen, dass man nicht nur diskutieren und demonstrieren, sondern auch was praktisch tun müsste. „Wir können gegen alles sein und am Ende brauchen wir auch gute Lösungsmöglichkeiten. Mir bringt es nichts, wenn jeden Freitag die Straßen gesperrt sind und die Leute auf die Straße gehen und am Ende gehen sie wieder nach Hause und machen den Fernseher an. In Anführungszeichen.“ (Jonas Boldt 22:45)

Den Herren ist es sehr wichtig mehrmals herauszuheben, dass ein Flugverbot für die Nationalmannschaft logistisch überhaupt nicht möglich sei. Annika Linder hat das im Gespräch nie gefordert. Sie hat lediglich darauf hingewiesen, dass die Nationalmannschaft alles fliegt, auch innerdeutsch, und dass man sich hier 1. überlegen muss, ob es nicht Alternativen gibt und 2. daran denken müsste, welche Wirkung es hat, wenn die Spieler bei jedem Spiel Selfies aus dem Flugzeug posten. Zudem hat sie Lösungsvorschläge gemacht und darauf hingewiesen, dass jeder einzelne etwas zum Klimaschutz beitragen muss. Noch mehr Mansplaining gefällig? Joachim Weretka wendete sich kurz vor Ende des Gespräch an Annika Linder und sagte folgendes: „Die Beteiligung von unten bewirkt eben ganz viel. Das ist eine Bewegung, die eben auch in den Stadien wichtig ist. Nicht nur bei Fridays for Future“ (41:13). 

Das Gespräch dreht sich sehr oft im Kreis und die meisten Zeit um das Thema Nachhaltigkeit, ohne zu einem richtigen Ergebnis oder Fazit zu kommen. Ich bin gespannt, welchen Ort, sich Oke und die Fairnetzer für die nächste Veranstaltung aussuchen.

Okt 282019
 

Heidenheim. Keine Ahnung, warum wir da überhaupt noch hinfahren. Beschissen angebunden, scheiß Stadion, schlimme Secu und die obligatorische Auswärtsniederlage. Und SO GUT ist die Weinschorle dann halt auch wirklich nicht.

Hin

Vom Millerntor zur Arena In Heidenheim sind es genau 617 km. Ziemlich weit weg, weshalb wir teilweise die Anreise in Etappen erledigen. Der andere Teil ballert zu unchristlicher Zeit durch die Republik. Der Etappenteil trifft sich mit anderen Menschen, die das mit den Etappen auch machen, dafür am Bahnhof in Frankfurt (Mettbrötchen und Frühtstücksmimosas for the win), fahren bis Stuttgart (immerhin irgendjemand hier hat diese Saison schon gegen den H$V gewonnen. Küsschen in die Stadt mit dem beschissenen ÖPNV), lassen uns da von guten Menschen mitnehmen und nach dem Spiel bis Mannheim kutschieren. Danke! Ihr habt diesen Tag signifikant besser gemacht!

Der andere Teil wartet schon in Heidenheim am berühmten Nettoparkplatz und macht ein bisschen Stickerbusiness. Vereinigt machen wir uns dann auf den Weg ins Stadion. Kurze Kartengeschäfte abgewickelt und rein ins “Vergnügen”. Ganz ehrlich, liebe Secu in Heidenheim. Bei euch läuft so einiges schief. Dass wir von Unbeteiligten darauf angesprochen werden, wie krass das Abtasten gewesen sei, spricht für sich. Fehlt echt nur noch der blaue Fleck, wir behalten das im Auge. Aber ihr kennt uns Problemfans der radikalen Fankreise, da muss man schon mal zupacken. Wir sind uns sicher, die Polizei in Hamburg hat auch noch ein Arbeitsplätzchen für euch. Euren absoluten Stickerfetisch kann sich auch kein Mensch erklären. Der Vollständigkeit halber: Die Erlebnisse waren nicht bei allen Ordner*innen so schlimm..

Der Heidenheimer Auswärtsblock und wir werden keine Freund*innen mehr

Weinschorle geholt, Zahlung angeblich nur bargeldlos möglich, was am Ende aber wohl nicht so durchgezogen wurde. Und in seiner Exklusivität auch Bullshit ist. 

Wir machen es uns im Block gemütlich und linsen auf die Aufstellung. Ja, wir haben auch Fragezeichen, aber so viele wie Kicker dann doch nicht. Was raucht ihr in der Redaktion und wo kriegen wir das her? 

So spielten wir jedenfalls nicht, MillernTon-Tim (https://twitter.com/tim_ecksteen) merkte das auch schon an.

Unsäglicher Stadion-DJ, unsäglicher Stadionsprecher, unsägliches Fahnengewedel. Kann alles weg, braucht niemand. Aber die haben einen Teddybär als Maskottchen! Können wir das Bärchen vielleicht aus dieser Hölle retten und irgendwo in einer flauschigen Höhle mit Decke sein Leben lassen? (Anmerkung des kollektiveigenen Teddyliebhabers)

Ansonsten motzen wir einfach nicht mehr über Paparazzi sondern verweisen nur auf unseren eigenen Beitrag. 

Unklarheiten

Diamantakos ist Mittwoch zum Pokalspiel gesperrt. Warum sitzt er dann heute auf der Bank? Ist er nicht fit? Warum ist er dann im Kader? Dima hat bisher in 8 Spielen 6 Torbeteiligungen (4 Tore, 2 Assists) gehabt. Er darf Mittwoch nicht spielen. Aber soll dann heute auf die Bank? Gyökeres macht ein okayes Spiel, Tashchy stochert mehrfach sehr unglücklich in der Gegend rum. Wer wird dann selbstverständlich ausgewechselt? Natürlich der Spieler, der das okaye Spiel macht und mit etwas mehr Zielwasser & Konsequenz den Ausgleich auf dem Fuß hat.

Warum greift man nicht auf das bewährte offensive System zurück, sondern lässt Mats auf ungewohnter Position spielen auf der er nullkommanull Wirkung entfaltet? Wo es minimal besser wird, als Buchtmann ausgewechselt werden muss. (Gute Besserung an dieser Stelle, deine Ballannahmen brachten uns vorher zum Verzweifeln) Es ist ja auch nicht so, dass Buchtmann schon mehrfach bewiesen hat, dass ihm eher die hintere als die vordere Mittelfeldposition liegt. Fun Fact: Er sagte dies in einem Fantalk selbst mal. Ein Trainer soll Spieler so einsetzen, dass sie glänzen können. Das ist hier nicht der Fall.

Warum spielen wir nicht von Anfang an mit der offensiven Durchschlagskraft, die wir nach dem Gegentor (und den daraus resultierenden Wechseln) plötzlich haben? Heidenheim ist bekanntermaßen bestes FCSP-Pflaster, um einfach mal abzuwarten, was so kommt. Das ganze ist auch deswegen unverständlich, weil wir eher in den ersten 75 Minuten Tore machen, Heidenheim gerne mal spät. Offensiv beginnen, Tor erzielen und dann für Stabilität wechseln wäre ein möglicher Plan gewesen.

Schwäche bei Standards

Du kannst nicht jeden Standard verteidigen. Es gibt außergewöhnlich gute Standardschützen, da geht immer mal was direkt rein. Gut, in der 2. Liga spielt nun auch kein Lionel Messi.

Du kannst aber viele Standards verteidigen. Oder du bist der FC St. Pauli und fängst dir in 11 Saisonspielen 5 Gegentore nach Ecke (Bielefeld, Stuttgart, Dresden, Darmstadt, Heidenheim) und 1 Gegentor nach gegnerischem Freistoß (Osnabrück). Verlierst somit (gegen das jeweilige Endergebnis gerechnet) 9 Punkte. Machst in dem gleichen Zeitraum 2 Tore nach Freistößen (Kiel & H$V) und 1 Tor nach ner Ecke (Dresden). Mit 9 Punkten mehr wären wir punktgleich mit Bielefeld auf dem 2. Platz.

Wie gesagt: Du kannst nicht jedes Tor verteidigen, aber das wäre das Maximum dessen, was möglich ist. Es ist den geneigten St. Pauli-Gänger*innen auch bekannt, dass Himmelmann nach gegnerischem Standard nicht immer glücklich aussieht und seine Strafraumbeherrschung nicht die allerbeste ist. Geschenkt, sonst würde sich Uli H. noch wegen eines weiteren Keepers um den Titel des besten Torwarts in dem Land, in dem ein Faschist in einem Bundesland bei der Landtagswahl heute fast jede 4. Stimme bekommen hat, streiten.

Aber du kannst und musst das besser trainieren. Vor allem, nachdem du gerade vor einer Woche schon ein Spiel genauso unglücklich nach dummer Ecke verloren hast. Und da kannst du als Trainer auch nicht einfach nur die Schultern zucken und in der Pressekonferenz sagen, dass man das Tor verteidigen könne, wenn man total fokussiert sei. Verdammt noch mal. Dafür zu sorgen, dass die Spieler bei jedem Standard voll fokussiert sind, ist deine Aufgabe als Trainer.

Wären wir Adi Hütter, unsere Taktik am Mittwoch wäre klar: Einfach nur auf viele Ecken gehen, irgendwann fällt dann schon das Tor für die SGE. Der Fußballclub Sankt Pauli hatte in dieser Saison in der Liga bisher 63 Ecken gegen sich. Aus jenen 63 Ecken sind besagte 5 Tore gefallen. Jede 12. Ecke führt damit zum Gegentor. Für die vielzitierte 2%-Nummer wäre das jede 50. Ecke, oder auch: Wir hätten statistisch (mind.) 3 Tore weniger bekommen. Aus den 5 Ecken haben wir 7 Punkte verloren (1,4 Punkte pro Spiel). Das alleine wären also 4,2 Punkte mehr.

Wir machen jetzt die goldene Saison voll und kommen dann einfach nicht mehr her.

Nicht alles schlecht

Buballa mit richtig Bock nach dem Gegentor. Der hatte immerhin echt keine Lust zu verlieren und hat dann alles gegeben. Und auch Østigård von hinten raus immer wieder mit viel Präsenz auf dem Platz. Wir erinnern: Der Junge ist 19.

Mats tritt Schnatterer irgendwann aus Versehen auf den Fuß und das tut ziemlich weh. Ja, es sind wirklich die kleinen Freuden an diesem Tag.

Gyökeres einige Male mit erstaunlich hoher Grundschnelligkeit. Aber das musst du dann auch anders ausnutzen.

Mats blüht auf, als Miyaichi und Conteh auf den Platz kamen. Krass, wie sehr er die schnellen Spieler um sich braucht, um seine Ballsicherheit voll ausspielen zu können.

Schiedsrichter

Manches ist es nicht wert, in diesem Blog Platz zu finden. Der “Unparteiische” des Tages fällt in genau diese Kategorie. Das Spiel haben wir deswegen nicht verloren. Spaß hat das aber mit diesem Referee nicht gemacht. Sinn auch nicht.

Mittwoch gehts weiter

Wo ist der Schwung und die Souveränität aus dem Sandhausen-Spiel hin? Warum dümpeln wir jetzt wieder unerklärlicherweise im nichtssagenden Mittelfeld rum?

Wir kleinen Optimist*innen freuen uns auf der Hinfahrt noch auf “Juhu, 3 Spiele in 7 Tagen”. Wir sagen es mal so: Die Vorfreude war am Morgen größer als am Abend.

Wutrede, die zweite

Wir schrieben zu Saisonbeginn, dass du als Trainer eine Wutrede pro Saison frei hast. Nach dem 11. Spieltag hat Luhukay sich zum zweiten Mal hinreißen lassen, seinen Unmut in die Mikrofone von Journalist*innen zu verkünden. Im Sinne der Statistik erwarten wir hier noch zwei weitere Ausbrüche.

Es bleibt das, was wir schon beim ersten Mal sagten: Als Trainer bist Du hauptverantwortlich dafür, WIE die Mannschaft auf dem Platz steht (das WELCHE ist dagegen nur teilweise unter deiner Kontrolle). Wenn dieser Mannschaft also “Gewinnermentalität” und “absoluter Siegeswillen” fehlen, dann hast du es nicht geschafft, sie richtig einzustellen. Wenn der Spieler da “nicht in Führung gehen kann, sondern muss“, dann passt das irgendwas nicht. Wenn die Mannschaft bei der Ecke selbige ”voll fokussiert“ verteidigen kann, das aber nicht schafft, dann fällt genau das in deinen Kernaufgabenbereich.

Wir waren nach dem DERBYSIEG (<3) milde gestimmt. Weil da eine Mannschaft auf dem Platz stand, die alles wollte, alles gegeben hat. Das hat sich die letzten Spiele leider wieder gedreht.

Und in den öffentlichen Aussagen bleibt der Trainer dabei, gegen alles und jeden zu schießen, sich aber aus der Kritik selbst völlig rauszunehmen. Das nervt.

Okt 192019
 

Wir haben heute nach dem Spiel Astra getrunken. Wir trinken – aus Gründen – nie Astra. So ein Tag war heute.

19.10., eigentlich unser Tag, angenehm warm für Oktober (den Darmstädtern war so warm, die hatten gleich die Shirts zu Hause gelassen), nur ein bisschen Niesel zwischendurch, Samstag Mittag, seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen, amtierende Stadtmeister*innen.

Klar, dass das dann nicht unser Spieltag wird. Dit is unser St. Pauli.

Klimafreundliche Anreise

Lieber Verein, coole Dinge wie Eintrittskarte = HVV Fahrkarte könnt ihr auch mehrfach verkünden. Lieber einmal weniger Fairnetzer Kram verbreiten und einmal mehr auf diese Möglichkeit hinweisen. Und die Möglichkeit der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs bitte endlich dauerhaft einführen. Auch und gerade für unsere Gäste. Wir finden das auswärts immer sehr angenehm, uns wenigstens um sowas keine Gedanken mehr machen zu müssen, während wir 45 Minuten auf S-Bahnen warten. Looking at you, Stuttgart.

Sowieso: Dürfen nun alle Fanclubs mit einer Verbreitung ihrer Veranstaltungen inklusive ihrem Logo über offizielle Kanäle rechnen? Der Fanclub Pöbelmob1910 plant da eine Veranstaltungsreihe mit solchen spannenden Themen wie “Warum bringen Ecken nix ein?” oder “Wieviel muss man nachlegen damit Ruhe ist?” Ballsaal geht klar, lieber FCSP? Coole Gesprächspartner*innen fürs Podium organisieren wir.

Stickerbusiness

Vielen Dank für die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu unseren Stickern und zum Blog an sich. Wir freuen uns da echt jedes Mal sehr drüber. Danke auch an Turbost.Pauli für die Zusammenarbeit (Sticker, nicht Blog). Wir werden noch für Möglichkeiten sorgen, dass ihr an die Sticker kommt. Achtet auf entsprechende Ankündigungen. Wir haben allemal auch welche in Heidenheim dabei. 

Neben dem Platz

Das neugegründete Netzwerk Gegengerade machte mit einem Flyer auf diverse Probleme aufmerksam. Sehr schön. 

Unschön jedoch, dass vor dem Spiel auf der GG ein Mensch intensive medizinische Hilfe benötigte. Gute Besserung dir! In diesem Zusammenhang: Lieber Verein besorgt euch mal eine Stadionregie. Ein Mensch der keine andere Aufgabe hat als Augen und Ohren offen zu halten, jeglichen Funk auf dem Ohr hat und im Fall der Fälle Stadionsprecher*innen und Anzeigentafelbediener*innen mit Infos füttern kann. Was man dann genau macht in einem Spannungsfeld von Pietät und “bloß nicht noch Gaffer drauf aufmerksam machen“ wissen wir auch nicht. Aber wichtig ist informierte Entscheidungen zu treffen. 

Fehltritte

Nicht nur auf dem Platz war heute eher ungeschickt. Mensch kann vorbereitete Hashtags auch noch ändern, liebe Medienabteilung.

Und auch das mit dem Gendern kann einem mal durchrutschen, passiert auch uns. Aber man kann sich dann korrigieren, wenn man daraufhin hingewiesen wird. Werte in die Welt tragen und so.

Suchtmittel verteilen

Es ist eure individuelle Entscheidung welche Suchtmittel ihr konsumiert. Und uns ist auch klar, dass viel Geld gerade durch Werbung für Suchtmittel verdient wird. Aber spätestens wenn man Suchtmittel für umsonst im Stadion verteilt ist man über jede Grenze des Entschuldbaren rüber. Es gibt schon genug Gründe warum viele Player der Tabakindustrie freiwillig auf das Verteilen von Produktproben im Sportkontext verzichten. 

Moods verteilt vor dem Spiel Samples in der Südkurve

Hier ist eine deutlich höhere Sensibilität gefragt. Gerade vom FCSP. In einer idealen Welt würden wir für so etwas gar nicht werben. Und für die Möglichkeit Maserati zu mieten auch nicht. 

Ansonsten verweisen wir auf unseren Hot Take zum “Wie”, insbesondere im Hinblick darauf, dass vor wenigen Wochen Kooperationen mit Tabakproduzenten noch nicht in Aussicht waren und wenn dann intensiv geprüft werden sollten. 

Auf dem Platz

Jede Serie (außer den Simpsons) findet irgendwann ihr Ende.

Auch die der ungeschlagenen Spiele des FCSP. Dies aber richtig unnötig. Denn wir sahen ein typisches 0-0 Spiel, welches wir am Ende 0-1 verlieren. Es fehlte uns von Beginn an das Feuer, der unbedingte Wille, der uns in den letzten Heimspielen auszeichnete. Und den brauchst du gegen die harte Nuss Darmstadt, die sich fußballerisch zwar extrem beschränkt zeigte, im Aufbau einen Fehlpass nach dem anderen spielte, aber auch sehr erfolgreich einen Bus im Strafraum und einen davor parkte (um mal Tim zu zitieren).

Warum wir das dann nicht nach Hause schaukeln? Weil wir wieder nach einer Ecke, die in den 5er getreten wird ein Gegentor bekommen. Das darf in dieser Regelmäßigkeit einfach nicht passieren! Und es merken gegnerische Mannschaften immer mehr, dass dies unser Schwachpunkt ist. Das Tor fällt auch zwei Minuten nachdem wir in der Innenverteidigung wechseln (müssen?). Lawrence hat seit Donnerstag wieder voll trainiert und man muss sich fragen, ob das nicht zu viel Risiko war ihn zu bringen. Insbesondere da der Trainer zu Saisonbeginn noch sagte, er bringt nur 100% fitte Spieler. Eine offensichtliche Verletzung war jedenfalls nicht Auswechslungsgrund (was natürlich nicht ausschließt, dass das der Hintergrund war, in der Pressekonferenz wurde allerdings auch nichts derartiges gesagt).

Und auch der Wechsel Knoll-Buchtmann und Buchtmann dann in die vordere Position wirkte sich klar negativ auf das Spiel aus, da ist plötzlich Luft raus, da kommen Pässe nicht mehr an und da sind diverse Laufwege nicht aufeinander abgestimmt. Gleiches gilt leider auch für die Einwechslung von Johannes Flum. In den vergangenen Spielen war auch ein Faktor, dass wir Spieler von der Bank gebracht haben, die das Spiel besser gemacht haben, die vorne Druck gemacht haben. Dies war dieses Mal leider nicht zu sehen.

Der Schiedsrichter pfeift sein erstes Spiel am Millerntor und so richtig souverän sieht anders aus. Der ist definitiv nicht Schuld am Ergebnis, aber bei harmlosen Einwürfen wie wild rumzufuchteln ist einfach überflüssig. Genauso wie mitten durch Passwege zu laufen, mehrfach.

Offensiv wirbeln Mats, Finn-Ole und Marvin zu Beginn mehrfach gut durcheinander und stehen dadurch auch immer mal wieder schön frei. Was heute leider fehlt ist der entscheidende Pass der ankommt. Oder dann das Glück den Ball nach dem entscheidenden Pass auch reinzumachen (Diamantakos, irgendwann).

Den Spielern sah man den Frust über das Ergebnis deutlich an. Schade, dass an die guten Eindrücke des Testspiels gegen Bremen nicht angeschlossen werden konnte. Wir halten uns für heute mal an Maik: Das entscheidende Spiel nicht zu früh gewinnen.

Bijî Rojava

Sehr schön war die Solidarisierung mit den Kurd*innen nach der Halbzeitpause.

Verschiedene Fangruppen hatten nach dem Spiel aufgerufen, sich der Demo gegen den türkischen Angriffskrieg gegen Nordost-Syrien anzuschließen. Nach unserer Schätzung kamen dann etwa 500 Fans nach dem Spiel hinzu und schlossen sich am Südkurvenvorplatz an. Leute, das sind nicht mal 2% der im Stadion anwesenden Menschen. Da geht noch viel mehr!

Weiter, immer weiter

Wir fahren jetzt als solides Mittelfeld nach Heidenheim. Und ganz ehrlich? Zu Saisonbeginn wären wir damit schon zufrieden gewesen. Wäre schön, wenn das Spiel nicht so ausgeht, wie letzte Saison, wir haben da keine ganz so guten Erinnerungen.

Aber zählen darauf, dass Finn-Ole die richtige Reaktion auf den Platzverweis aus dem April hat. Wahnsinn, wie er damals frisch zum zweiten Mal für die Profis auf dem Platz stand. Und wie er jetzt fester Bestandteil der Mannschaft ist. Weiter so!

Okt 172019
 

Da freust du dich, dass du endlich mal einen Präsidenten hast, der aus Fanszene kommt, dem du zutraust mal nicht einen „Der Verein bin ich“ Kurs zu fahren und der für guten Rat offen scheint. 

Und dann so etwas. Ja, wir sind enttäuscht. 

So nicht

Diese Veranstaltung war von Beginn an einfach eine keine kluge Idee. Vorweg: Wir begrüßen, wenn Fanclubs Diskussionsplattformen bieten. Es kann gar nicht genug konstruktiven Austausch geben. Natürlich musst du über Werte im Fußball diskutieren, natürlich kannst du da auch Leute einladen, die mal einer anderen Meinung sind. Aber doch keine politischen Hardliner! Und schon gar nicht diesen! Wie verblendet muss man sein, um nicht zu erkennen, dass dieser Innensenator nichts an Werten kennt? Wie vollkommen verblödet muss man sein, sich jemanden zu diesem Thema einzuladen, gegen den selbst die Ethikkommission des DFB ermittelt? Oder jemanden der sich bei Football Leaks einen Namen gemacht hat? Diese Menschen stehen doch genau für die Nicht-Werte, die man ersetzen muss durch neue Werte! Das ist so, als ob man mit Donald Trump über die Einführung des Kommunismus diskutiert. Die Einführung des Kommunismus ist natürlich lange überfällig. 

Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, veranstaltet man so eine Veranstaltung in der Süd. In dem Bereich, den Fans sich symbolisch angeeignet haben und der wie kein anderer für unsere Werte steht. (Und das schreibt gerade unser Gegengeradler). 

Entweder ist das eine offene Provokation oder man ist so unsensibel, dass es schon Ignoranz ist. 

Und dann bekommt man von gut meinenden Menschen intern sachliche Kritik und reagiert wie der/die Dreijährige im Supermarkt und legt sich auf Fußboden und schreit laut “Ich will aber”. Und das von einem Präsidenten, der immer wieder auf einer JHV den demokratischen Prozess lobt und als vorbildlich herausstellt. Gelenkte Demokratie? Am Arsch! 

Hier sei beispielhaft nur ein Zitat von der letzten JHV eingefügt (zitiert nach unserem eigenen Bericht

“Besonders sein heißt reflektieren
Dieser Verein sei besonders, führte OG weiter aus. Dies sei er auch wegen der vielen Faninitiativen, die den Verein prägen. Man diskutiere vieles konstruktiv und viele brächten sich konstruktiv ein. Dies wolle man weiter machen. Er nannte dann als Beispiele den Fanladen, St. Depri und andere. Als nächstes plane man eine weitergehende Inklusion.“

Ja, verfickt noch mal, dann macht das doch auch, wenn es mal kontrovers wird! Alles andere ist Bullshit.

Too little, too late.

Und dann kurz vorher diese Alibilösung: Öffentlichkeit ausschließen (also gar keinen Diskurs mehr ermöglichen) und in die Haupt verlegen? Da müssen sich die Menschen auf dem Podium dann ja gar nicht mehr mit der Kritik auseinandersetzen oder ihr begegnen.

Dies ist der Hintergrund, dass mehrere Gruppen zu Protesten aufriefen. Und nein, dass ist kein Ultraprotest, wie am Ende auch die bunte Mischung an Menschen zeigt, die sich einfand. Diese Reduktion auf “Ultras vs alle anderen” nervt, ist unfassbar unsachlich und spätestens als dies in den Zeitungen auftauchte, wäre Zeit für ein Machtwort gewesen. An die Presse. 

Der Protest ist ein urdemokratisches Recht. Sei es gegen Professoren, die beschissene Parteien gegründet haben oder gegen beschissene Veranstaltungen. Wer solchen Protest als antidemokratisch oder als “Drohungen” delegitimiert, der ist der wahre Antidemokrat. 

Fuck you “Sicherheitsbedenken”! Wer Angst vor dem Echo hat, sollte sich mal überlegen, ob seine Meinung nicht einfach Dreck ist. 

Und lest euch mal alle Aufrufe durch. Wer da “Drohungen” oder “Sicherheitsbedenken” raus liest, der spielt das Spiel der antidemokratischen Scharfmacher*innen mit. Das sollten niemand tun, der beim FCSP tätig ist. Es verstößt gegen unsere Werte. 

350-400 Menschen mit denen wir gerne über Werte im Fußball diskutiert hätten (Foto: USP)


Alle Menschen, die heute Abend da waren, um zu zeigen, was sie von dieser Veranstaltung an sich und von dem Drumrum halten – wie ein Redner auf der spontanen Versammlung richtig feststellte – bestimmen unsere Werte. Nicht irgendwelche beschissene Funktionäre. Oder Menschen, die sich mit diesen Funktionären auf ein Podium setzen.

Überraschung: Die ganze Versammlung verlief komplett friedlich. Wir hatten uns selbst als offizielle Demoanmelder*innnen bereit erklärt, aber das war gar nicht nötig. 

Kurze knackige Reden, laute Grüße an die Gäste und gerade als sich das ganze auflöste, ging im Stadion der Feueralarm los. 
Lieber Ehrenrat, die Ehrennadel möchten wir an die Brandschutzanlage, die im absolut passenden Moment losging verleihen. Formaler Antrag folgt. Vielleicht.

Und lieber Oke, für die Zukunft gilt:
“Don’t be a tough guy. Don’t be a fool!”

All ihr populistische Scheißmedien, schreibt doch ein einziges Mal die Wahrheit. Wir wissen, dass das mit dem Sachen verstehen echt schwer ist. Aber hören auch, dass Teil der Journalist*innenausbildung ist sowas komisches zu tun, das ihr nicht mehr macht. Das nennt sich recherchieren oder so ein lateinisches Fremdwort oder so. Auf jeden Fall: Macht das doch in Zukunft mal. Das waren heute Abend bei weitem nicht nur Ultrás. Sondern eine bunte Mischung aller Kurven. Weil das bei weitem nicht nur ein Ultrá-Thema ist. Es wurde auch niemand bedroht. Zu keinem Zeitpunkt. Das ist natürlich keine schöne Story. Aber halt die Wahrheit.
Und die könnte man halt auch mal berichten. Aber auf wessen Seite ihr steht wissen wir seit langem. 

Schade, dass wir uns bei unserem Präsidenten da heute Abend nicht so sicher waren.

Okt 152019
 

Da ich (in diesem Sinne heute mal der Senior des Blogs) am Samstag vom Testspiel genügend ausnüchtern konnte, stand einem Start beim Bramfelder Halbmarathon nix entgegen. Hier also der kurze Bericht:

Der Bramfelder Halbmarathon startet auf dem Steilshooper Sportplatz (Gropiusring, da ist dann auch die berühmte Architektur von Steilshoop zu bewundern) und umrundet dann mehr-fach den Bramfelder See. Jede*r die/der in Hamburg sich mit Läufen zur Winterzeit beschäf-tigt, kennt diese Runde über die berühmte Bramfelder Winterlaufserie. Wenn Mensch etwas benötigt, um sich bei schlimmsten Januarwetter zu motivieren, dann ist eine Meldung bei der Bramfelder Winterlaufserie Gold wert. In familiärer Atmosphäre kann man dann den Bramfelder See umrunden und trifft auf viele gleichgesinnte Menschen.

Negative Folge dieser beliebten Überlebensstrategie im Winter? Man kennt diese Runde irgendwann In- und Auswendig.

Daher war ich da lange nicht mehr gestartet. Mein Langeweilefaktor also abgeklungen und ich mal wieder für ein paar Runden um den Bramfelder See bereit. Auch war mein erster offizielle Halbmarathonwettkampf beim Bramfelder Halbmarathon. Vor genau 10 Jahren lief ich in glorreichen 2:23:58 auf den 103. Platz. Von 110 Teilnehmern. Eine gewisse Verbun-denheit mit dem Rennen ist also gegeben.

Klar, ich hatte mal wieder alle Meldetermine verschwitzt, aber zum Glück war zu preiswerten 19 Euro eine Nachmeldung vor Ort möglich. Die neben dem Platz liegende Schule ist immer noch eine riesige Baustelle, aber so langsam ist da ein Ende in Sicht.

Das ich wie immer zu früh vor Ort war, sei nur am Rande erwähnt, so wurde ein bisschen getrödelt, ein bisschen gegammelt und dann war es auch schon Zeit die wichtigste Frage zu klären: Kurz/kurz oder unten kurz, oben lang(ärmelig)? Ich entschied mich für unten kurz, oben lange Ärmel, eine Entscheidung, die ich sehr schnell bereute.

Gestartet wird auf dem Sportplatz, denn die Seerunde ist ziemlich genau 5 KM lang, so dass der Veranstalter vorher 2 1/4 Runden auf dem Sportplatz eingebaut hat, bevor man 4 Runden um den See lief. Vorteil auf einer Laufbahn zu laufen? Das federt so schön, man fängt sehr schnell an. Der Nachteil? Wenn die alt, mit Laub bedeckt und nass ist, dann ist das eine eher rutschige Angelegenheit. Ging aber alles gut und nach einem schnellen ersten Kilometer (5:33 für diesen) befand man sich auf der eigentlichen Strecke.

Und ich stellte fest, dass ich viel zu warm angezogen war. Also wurde KM zwei für einen klei-nen Striptease genutzt, zum Glück hatte ich ein Radtrikot an und darunter etwas langärmliges. Das langärmlige Shirt wurde in die Radtasche verfrachtet und weiter ging die wilde Hatz. Hat mich am Ende ungefähr eine Minute gekostet, aber nun gut.

Erste Runde und ich wusste nicht so richtig, welches Tempo ich eigentlich laufen mag und kann. Nach einigen Diskussionen mit mir selbst beschloss ich eine 6:10er Pace anzupeilen. Das lief dann auch ganz gut. Und da ich durch meinen Kleidungswechsel ganz hinten ins Feld gespült wurde, konnte ich eine-zugegeben miese- Taktik fahren, Ran saugen an einen Menschen, der vor einem läuft, kurz in dessen Windschatten ein bisschen erholen und dann an den nächsten ran saugen.

Die meisten Kilometer blieben immer knapp unter 6:10. 6:02, 6:03 findet sich am häufigsten als Kilometerzeit in den Aufzeichnungen. Das beeindruckte mich an dem samstäglichen Marathon unter 2 Stunden Projekt am Meisten, diese Präzision mit denen die Kilometer in immer genau 2:50 abspulten. Selbst mit einem Pacingfahrzeug würde ich nicht so genau laufen können. Genau vor dem Ziel befindet sich auf der Runde ein kleiner Anstieg, direkt nach dem Ziel auch und dort ist auch die Verpflegungsstelle. Folge ist, dass dieser Kilometer immer etwas langsamer war.

Nun die letzte spannende Frage: Halte ich das durch? Ich lief auf eine Teilnehmerin und einen Teilnehmer in FCSP-Trikots auf, laberte mit denen ein bisschen und überlegte gerade, ob die für mich nicht ausreichend schnell liefen. Dann packte mich aber doch der Ehrgeiz, weil eine Zeit unter 2:10 im Bereich des Möglichen lag. Ich habe mich also mit den Worten „wir sehen uns im Ziel oder gleich wenn ich eingehe“ verabschiedet und noch mal Gas gegeben.

Die letzten 4 Kilometer also nun mal nah an der Kotzgrenze. Lustig dabei ist, dass mein Puls gar nicht so doll hoch ging.

Am Ende stand eine 2:09:42 in den Büchern und damit der schnellste Halbmarathon seit sehr lange. Bei meiner letzten Teilnahme 2016 bin ich hier eine 2:19:10 (hihihi) gelaufen. Und meiner Läuferkarriere kann man die Halbmarathons unter 2:10 bisher an knapp einer Hand abzählen.

Insgesamt ein sehr schöner Testlauf und ein Hinweis darauf, dass die Laufform schon in Ordnung ist. Zur Belohnung gab es auch noch eine wirklich schöne Holzmedaille. Der Plan beim Space Coast Marathon endlich mal unter 5 Stunden auf einer Marathondistanz zu bleiben, wird jetzt also mit Schwung weiterverfolgt. Um dann wahrscheinlich am Renntag an schwülen 28 Grad zu scheitern, die mir bekanntlich so richtig liegen.

Fazit dieses Tages? Das ist nun garantiert nicht der spektakulärste, schönste oder größte Lauf in Hamburg und wer ein „Event“ sucht, der ist hier falsch. Wer jedoch in freundlicher Atmosphäre auf einer flachen Strecke seine Form testen möchte oder einfach laufen möchte, der ist hier richtig.

PS: Knutscha an Paupi, der einzige Mensch, der sich wahrscheinlich auf diese Berichte freut. 😉

Okt 142019
 

„Wir haben jedenfalls keine Lust mehr, den drölfzigsten Stadiontourist*innen zu erklären, dass und warum das scheiße ist. Bevor ihr in die Wohnzimmer anderer Leute geht, informiert ihr euch doch auch über die Gepflogenheiten. Erklärbär*in in super freundlich ist da einfach nicht, wir gehen da aber auch noch mal in einem separaten Beitrag die Tage drauf ein.“

Das waren Sätze in unserem letzten Auswärtsbericht. Wir beziehen uns in so einer Formulierung natürlich auf eine konkrete Situation und seien wir ehrlich: Die Beschreibung war für die konkrete Situation noch viel zu freundlich.

Aber wie geht man allgemein mit einem solchen Thema um? Wir hatten da intern Diskussionen, sind vielleicht nicht immer einer Meinung, haben uns dann aber entschieden, noch mal das Ganze von vorne aufzurollen und es ausführlich, ruhig und allgemein zu erläutern. Einmal natürlich für Leute, die neu sind. Und einmal für Leute, die bisher alles darüber ignoriert haben. Wir sind so vermessen zu behaupten, dass wir auch solche Leute erreichen können. Habt ihr uns gerade unverbesserliche Optimist*innen genannt? 

Wir sind garantiert nicht das reichweitenstärkste Medium, aber gehen schon von einer sehr diversen Leser*innenschaft aus. Insofern hoffen wir, mit diesem Artikel was zu erreichen.

Man kann nebenbei viel – nein, falsch – sehr viel gegen Dynamo Dresden haben, aber da gibt es auf der offiziellen Seite einen Überblick über Gepflogenheiten im K-Block. Das ist gar nicht schlecht, weil auch du als unwissende*r Stadiontourist*in dann weißt, was los ist, und hast ganz einfach ein entspanntes Stadionerlebnis. Das ist doch auch als Neuling, der einfach mal nur diese „herrlich verrückten Paulis“ sehen will, eine geile Grundlage. Einen entspannten Tag im Block mit ein, zwei Bierchen und am Ende ein gemeinsames Lächeln mit der*m Nachbar*in? Cool, oder? 
Uns sei hierbei aber auch gestattet anzumerken, dass sowas auch in der Süd hängt. Nicht unbedingt gut sichtbar, aber es hängt da. Und da ist das Fotothema aufgegriffen.

Ist das denn wirklich Gepflogenheit?

Viele werden sagen: „Hab ich doch noch nie gehört! Und das Filmen im Block ist doch auch nicht verboten!“ Letzteres ist erstmal richtig (wir kommen dazu noch), ersteres liegt dann aber auch an deiner Ignoranz, wenn du schon mehrfach zum FCSP gegangen bist. Das ist schon in den 00er Jahren Thema in Spieltagsflyern und Auswärtsflyern (ja, gab es damals) gewesen, hier ist es schon wieder länger Thema und auch beim fc42 war es schon Thema in Berichten. USP nutzte mal „Paparazzi töteten Lady Di“ als Aufmach, um auf das Thema aufmerksam zu machen, und bereits 2011 findet sich im Internet ein Basch-Artikel zu dem Thema in dem u.a. folgendes steht: 

“Unsere Kurve ist ein Ort, indem Menschen durchdrehen, singen und sich wohl fühlen sollen. Kameras und Fotoapparate nerven, gefährden und sind daher ein Tabu, was der Doppelhalter „Paparazzi töteten Lady Di“ verdeutlichen soll. Videos und Bilder von unserer Kurve bringen wir selber heraus und legen daher keinen großen Wert auf Hobbyfilmer und –fotographen.”

„Paparazzi töteten Lady Di“ in der La Gazetta D’Ultrá (Ausgabe 91, 10.08.2007).
Herzchen an die Fanräume, wir hatten die Hoffnung auf die Abbildung schon fast aufgegeben und haben es dann im dortigen Archiv in unter 5 Minuten gefunden.

Es gab also schon genügend Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu werden.

Du solltest also eine gewisse Sensibilität für das Thema aufgebaut haben, wenn du schon länger als ein Spiel zum FCSP gehst. Hast du nicht? Du bist hier genau richtig!

Du hälst dich nebenbei auch an diverse andere Gepflogenheiten, ohne es zu wissen. Du hängst dein „Hasi grüßt Pauli“ Plakat nicht in die Mitte am Zaun, du gehst nicht aufs Vorsänger*innenpodest und dirigierst das Publikum, du reichst Fahnen weiter und gibst sie wieder ab. Und so weiter und so fort. 

Und wenn du irgendwo komplett neu bist, dann ist doch eigentlich eine Zurückhaltung und ein „ah, so läuft das hier!“ ganz normal, oder?

Ein Wort auch an Leute, die Karten weitergeben oder vermitteln. Sprecht über solche Dinge mit den Leuten, die mitkommen möchten. Wir finden, ihr habt da auch so ein bisschen eine moralische Verantwortung. Und wir wiederholen uns, aber es ist doch cooler wenn dieser Mensch beim ersten Besuch ein stressfreies Erlebnis hat. 

Aber wenn es doch nicht verboten ist, warum muss ich mich dran halten?

Ganz einfach: Es stört andere, du hast ein mieses Stadionerlebnis, weil es andere stört, und dein Tag ist nicht so schön, wie er sein könnte. Und wofür? Für ein paar rauschende doofe Videos oder ein verwackeltes Foto, das du nie wieder ansiehst? Selbst wenn einen alle gleich folgenden Argumenten nicht überzeugen, dann ist doch die alleinige Abwägung von Vor- und Nachteilen Grund genug.

Und warum ist das doof?

Fangen wir mal mit einem ganz einfachen Grund an: 

Wir alle sind da, weil wir ein Spiel genießen wollen und ein Fußball-Team (Hallo Thees) supporten wollen. Dazu gehört es, dass man eskaliert, durchdreht, auch mal pöbelt und sich dabei frei fühlen kann. Jetzt mal ein paar persönliche Worte vom Senior: Meine Wenigkeit neigt dazu, im Stadion nicht gerade ruhig rum zu stehen. Und ich sehe aufgeregt oder singend echt nicht gut aus (Anmerkung des Kollektivs: Der Senior lügt. Aber nur zu diesem Thema <3). Das kann ich nur deswegen frei, weil ich der Überzeugung bin, dass niemand mich aufnimmt und als Lachnummer seinen Freund*innen zu Hause präsentiert. Und Grundlage dafür ist eben, dass ich nicht gefilmt werde. 
Und damit ist der Senior nicht allein: Der sangesfreudige Kollege schmettert auch deswegen so inbrünstig, weil es im Hier und Jetzt des Stadions verhallt und nicht für die Ewigkeit ist. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Frei sein, fallen lassen, durchdrehen, abdrehen nennt es wie ihr es wollt, es sollte ein möglichst unbeobachtete Erfahrung sein. Das ist auch eine Grundlage für guten Support.

Es ist nicht cool

Findet ihr das cool, von irgendjemandem auf der Straße direkt ins Gesicht gefilmt zu werden? Ohne gefragt zu werden? Selbst wenn ihr gerade gut frisiert seid und euch echt cool findet, wird die große Mehrheit von euch diese Frage definitiv mit „nein“ beantworten. Das solltet ihr vielleicht überlegen, bevor ihr das Handy zückt.

Stimmung lebt vom Support

Du findest die Stimmung beim FCSP super? Wahrscheinlich geht es Dir da wie uns, und es ist besonders eindrucksvoll, wenn das ganze Stadion auf einmal mitzieht. Und was passiert, wenn du die Kamera rausholst? Eben, du supportest plötzlich nicht mehr. Und was passiert, wenn das alle machen? Zack, die Stimmung ist dahin.

Du bekommst Nerv mit der Polizei

Fußballfans werden massiv überwacht. Und gerade Foto- und Bildmaterial wird dazu eingesetzt. Die Polizei nutzt dafür schon massiv eigene Kameras, aber sie besorgt sich auch gerne „Fremdmaterial“. Und da mag dein Foto noch so harmlos erscheinen, für die netten Menschen in USK-Uniform kann das plötzlich das heiße Bild sein. Und die sehen, dass du fotografiert hast. Wir wissen nicht, wie es euch so geht, aber wir sind immer froh, wenn wir mit diesen eben gerade nicht netten Menschen in USK-Uniform so wenig wie möglich zu tun haben. So ein „ach sie haben da eben gerade fotografiert, wir hätten gerne das Foto“-Diskussion mit zehn Riotpolizist*innen kann man sich echt ersparen.

In Nürnberg fielen uns wieder rote Plastikordner an einzelnen Polizisten auf. Darin sind Fotos von Leuten, bei denen die Polizei meint, sie seien böse. Wollt ihr dafür Fotos liefern? Wohl nicht.

Gefährdung anderer

Und wie ihr daraus vielleicht schon erkennt: Ihr gefährdet andere Fans mit euren Fotos.

Polizei liebt Schubladen, will Menschen miteinander verknüpfen und in die Schublade „Gefährder*in“ einsortieren. Und da reicht es, wenn du auf einem Foto neben Hans (oder Hannah) Hooligan stehst und auf dem Video vielleicht noch zu sehen ist, dass du mit Hans Hooligan nach dem 1-0 lächelnd abklatscht. Bumms, schon bist du in der Schublade „Gefährder*in“. Und auch dafür muss man echt kein Material liefern.

Dies gilt umso mehr, wenn im Block etwas passiert, was Polizei nicht mag. z. B. Pyroeinsatz. Da kannst du zu stehen, wie du willst, du musst es nicht filmen. Insbesondere, wenn du das doof findest. Oder zeigt man das dann doch leicht bewundernd rum? Das ist dann zumindest widersprüchlich. 

Noch schlimmer: Veröffentlichen

Was noch schlimmer ist als das Foto/ den Film zu machen? Diesen zu veröffentlichen! Gründe? Siehe oben. Und ihr werdet es nicht glauben, nicht alle Menschen, die den Hashtag #fcsp sich auf Instagram ansehen, sind Engel und Fans der Braun-Weißen. Da gibt es auch Hans Hooligan von Naziverein e. V. (oder auch Naziverein AG, da sind wir flexibel), der dann jemanden aus seinem Heimatdorf sieht und sich denkt: „Ah, das ist eine Zecke? Interessant! Dann besuch ich die/ den mal.“ Und leider gibt es von dieser Sorte mehr, als ihr denkt.

Dass sich sogenannte szenekundige Beamt*inne, miese Journalist*innen etc. da bedienen, kommt auch noch hinzu. Die Bildzeitung mit ihren „Bürgerreporter*innen“ (hier Bild, wir haben mal für Euch gegendert) oder wie sie den Mist nannten lässt schön grüßen.

Rechtliches

Es ist natürlich nicht gesetzlich verboten, Fotos zu machen. Ganz ehrlich: Da haben wir jetzt einfach mal eine „legal, illegal, scheißegal“-Haltung. Aus den oben beschriebenen Gründen. 

Bei einer Veröffentlichung wären wir relativ schnell bei „Recht am eigenen Bild“ und auch wenn in Stadion-AGB heutzutage eine ziemlich weitgehende Zustimmung für die Nutzung des übertragenden Senders eingebaut ist, so gilt die nicht für deine Bilder. Klar, das ist alles Graubereich und irgendeine spitzfindige Jurist*in wird das anders sehen, aber das ist nicht der Punkt.

Zuletzt

Wenn ihr unbedingt Choreo-Fotos haben wollt, dann wendet euch doch an die üblichen Quellen. Die veröffentlichen echt viele gute Fotos. Ihr wollt das als riesiges Poster an eure Wand? Fragt freundlich nach, vergütet den Aufwand angemessen und ihr werden von denen auch die Zustimmung bekommen. Mal ganz davon ab verkaufen unsere Ultras auch regelmäßig richtig gute Poster

Und wenn es gar nicht anders geht?

Du hast der Liebe deines Lebens ein Selfie vom Spiel versprochen? Und willst diese nicht enttäuschen? Dann frag vor dem Spiel laut und deutlich deine Umstehenden, ob und wie du das kurz machen kannst. Dann werdet ihr alle gemeinsam einen Weg finden. Besser ist aber so etwas gar nicht zu versprechen, aber ab und zumal macht ja Liebe blind.

Ähnliches gilt von Weit-weg-Bildern anderer Blöcke: Klar ist da nix Spannendes drauf. Seid trotzdem vorsichtig, weist am besten Leute drauf hin, bevor ihr knipst. Wenn nur das Spielfeld zu sehen ist, ja gut, macht halt. Wir packen ja meistens auch ein Foto in die Blogberichte. Wer wären wir, da zu sagen, das geht nicht?

Und wenn jemand nörgelt?

Dann nimm es erstmal hin. Im Block sind Diskussionen gerade während des Spieles schwierig. Wenn du das gar nicht verstehst, dann sprich den Menschen in der Halbzeit oder nach dem Spiel FREUNDLICH an und frag nach den Gründen. Und nimm auch die erstmal hin und reflektiere die. Klar, das fällt jedem schwer und Menschen neigen dazu, sich rechtfertigen zu wollen. Kennen wir alles. Geht jedem so, wenn man sich „erwischt“ fühlt. Aber meistens nach ein paar ruhigen Minuten wird man sagen: „Jo, irgendwie hast du Recht.“ Ganz schlecht und irgendwie Totschlagargumente sind „deine Meinung ist deine Meinung, die mich nicht interessiert“ oder „von dir lasse ich mir gar nix sagen“ oder ähnliches. Dann wundere dich nicht, dass es aus dem Wald zurückruft, wie es hineinschallt.

Und auch: Es gibt mehr als genug Menschen, die jedes Spiel irgendwelche anderen darauf hinweisen, dass sie nicht in deren Homestory auftauchen möchten. Das macht müde und die haben deswegen nicht unbedingt immer Lust auf ”alles im Sitzkreis durchsprechen“.

Okt 132019
 

Rise up 4 Rojava

Wir sehen das wie USP. Beim FCSP ist kein Platz für religiös verklärten Nationalismus. 
Und wer jetzt was von “Meinungsfreiheit” oder “Intoleranz” faselt, dem sei gesagt, dass Meinungsfreiheit auch umfasst, die Konsequenzen seiner Meinung tragen zu müssen. Und es nicht heißt, dass man jeden Dünnsinn ohne Folgen in die Welt posaunen kann. Schon gar nicht, wenn einem das schon mal deutlich gemacht wurde. Und Toleranz (Wortsinn: Duldsamkeit) endet dort, wo Geduld mit intoleranten Meinungen einer Zustimmung gleichkäme. Nebenbei haben wir nie behauptet, beim FCSP bis zur Selbstvergessenheit tolerant zu sein. Werte vor Toleranz.

Sportliches

Fußball wurde diese Woche auch noch gespielt. Einige Beobachtungen zu dem Testspiel gegen Werder Bremen:

Schön, dass es endlich mal wieder ein Testspiel gab, auf das wir uns länger als 10 Sekunden gefreut haben. Vernünftiger Gegner, der nette Fans mitbringt. Da war das eine nette Beschäftigung für einen Freitagabend. Ist ja nun doch auch gar nicht so schwer, uns mal irgendwie glücklich zu stellen. 

Werder trat mit einer C-Mannschaft an. Das ist verständlich, mindert natürlich den sportlichen Wert, soll aber nicht negieren, dass die bei uns eingesetzten Spieler immer wieder schön den Ball laufen ließen, gute Spielkultur und immer wieder Tempo zeigten. Und es war ja auch bei uns eher die B-Elf. Insgesamt ein Spiel auf ein Tor und nur der Werder-Keeper verhinderte mehr Tore. Und vielleicht auch unsere mittelmäßige Chancenauswertung.

Schön, Ziereis, Veerman, Zander wieder auf dem Platz zu sehen. Unser ungeschultes Auge hatte gerade bei Ziereis noch das Gefühl, dass er sehr vorsichtig agierte, aber das legt sich nur im Spiel. Zander hingegen in einigen Aktionen schon mit vollem Körpereinsatz. Es ist gut, wenn die drei wieder Alternativen sind, denn wir wissen alle nur zu gut, wie schnell sich Spieler verletzten.

Kalla mit neuer Frisur. Die Frisur ist jetzt nicht so unsers. Oder halt, eher “war”. Wenn Schnecke die trägt, dann ist sie toll.

Keine Süd, keine Emotionen. Wenig bis keine Gesänge sind eher langweilig. Aber dafür war es schön, mal wild mit Werder und St. Pauli zusammen zu stehen. Dass sich wieder der Idiot des Tages fand mit solchen Aussagen wie “Das ist ein Männersport” ist auch klar, oder? Bei uns wurden sonst Pläne geschmiedet, einen bekannten Hamburger Musikclub ins Stadion zu integrieren. Details, wenn der Plan umgesetzt wird. 

Nebenbei merkte der Südteil mal wieder, wie viel mehr man von dem Geschehen auf dem Platz aus “nicht-Süd”-Sicht mitbekommt.

Nach dem Spiel wurde so ein Doppeldeckerbus in den Medienparkplatz gelassen, der mit Discobeleuchtung innen und keiner Höhenkontrolle außen trocken an die Treppen des Südaufgangs ditschte. Einmal Unterhaltung für alle. Ansonsten hoffen wir, dass da keine strukturellen Langfristschäden Ergebnis des Ausflugs sind. S.o. – ohne Süd ist es dann doch etwas langweilig.

Im Anschluss kleine Demo für Kurdistan, vergleichsweise wenig Beteiligung, Reeperbahn teilweise komplett zu mit Cops. Lustige Freitagabendunterhaltung für die Touris. Wir schlossen uns dann den Demos am Samstag an. Es gab schon schlechter besuchte Demos in Hamburg, aber richtig viel los war da nun ehrlich auch nicht. Zumindest entsprach es absolut nicht der Dringlichkeit der Lage.

Mal wieder eine Werteveranstaltung

Ansonsten soll in dieser Woche noch eine Veranstaltung zum Thema “Unser Fußball – braucht neue Werte” stattfinden.

Gäste unter anderem? Andy Grote (zu dem müssen wir nichts mehr schreiben), Rainer Koch (gegen den gerade die DFB-Ethikkommission – ja, so etwas gibt es wirklich! – ermittelt), Jonas Boldt (dessen Name im Football Leaks Kontext bzgl. Scheinangeboten auftaucht). Fehlt eigentlich nur noch ein Mitglieder des Organisationskomitees der WM 2022 in der Einladung. 
Warum sich Oke auf dieses Podium begibt, bleibt uns ein Rätsel. Klar muss man als Präsident auch mal mit unliebsamen Menschen sprechen. Aber dann eben nur aus zwingendem Grund. Und den erkennen wir hier absolut nicht.

USP hat hierzu ebenfalls eine Stellungnahme veröffentlicht. Und ja, die veröffentlichen mehr als wir in den letzten Tagen. Aber beim FCSP ist aber allgemein ja gerade wenig so wie immer. Der Einladung, die Veranstaltung entsprechend zu begleiten, schließen wir uns an.

Okt 082019
 

Vorneweg

Wir erfuhren erst auf der Rückfahrt vom Tod eines Besuchers des Spieles in Nürnberg. Da war die Rohversion dieses Berichtes bereits geschrieben, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Aber alle Dinge erscheinen dann natürlich in einer anderen Perspektive und wir wünschen allen Freund*innen und Angehörigen viel Kraft und senden unser Beileid.

Durchatmen. Hier der Rest des Berichtes.

Etwas wirr heute 

Da denkst du “Cool, Frankenland, da kann man sich eine entspannte Auswärtstour gönnen und liebe Menschen besuchen” und dann ist für 50 Prozent unserer Crew dieser Plan mit samstäglichen Stau ohne Ende und morgendlicher Migräne verbunden. Danke daher hier an die Lieferantinnen der notwendigen Pillen, um das Spiel zu verfolgen.
Falls ihr also unsere sonst so strukturierte Art und Zwischenüberschriften vermisst, liegt das daran und natürlich an den netten Getränken auf der Rückfahrt. 

Cool vs. uncool

Verarbeiten wir doch mal diesen Tag in so einer “Cool / uncool”-Liste! Etwas ausführlicher und natürlich nicht immer vollständig ernst. 

Cool ist es, dass Nürnberg ein Verkehrsleitsystem hat und man echt gut auf die Parkplätze kommt. Cool auch, dass man das Stadion gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Uncool, wenn man die Parkplätze für “Pauli-Fans” auszeichnet und die per Bahn anreisenden Menschen sonstwohin schicken will. 

Und versucht macht man überhaupt Fantrennung, wenn am Ende alles durcheinander läuft? Keine wäre uns ja meistens am liebsten, aber wenn, dann richtig. 

Cool, dass man vor dem Stadion etwas zu essen und trinken bekommt. Hallo Osnabrück. Uncool, dass man sich dabei die Stadionhits anhören muss. Es reicht einmal pro Tag “Die Legende lebt”. Was für ein elender Ohrwurm nebenbei. 

Spannende Erkenntnis des Tages: “Der Club” heißt vollständig “1. FC Nürnberg, Verein für Leibesübungen e. V.” ist das nicht irgendwie ein bisschen viel Club und Verein in einem Namen? Nun ja, jede*r wie er oder sie es mag. 

Cool, wenn es ausreichend Stehplätze gibt. Uncool, wenn diese mit diesen nervigen Klappsitzen ausgestattet sind und künstlich in zwei Blöcke unterteilt werden. Führt immer dazu, dass irgendwo versucht wird, sich in einem Block zu sammeln, und es in diesem eng wird. 

Cool sind dann Leute, die Rücksicht nehmen, den Hinweis ernst nehmen, dass man nix hinter ihnen sieht und entsprechend reagieren. 

Cool, wenn nicht immer die gleichen Nasen im Block zu sehen sind, und Fans aus der Region (nicht DIE Region, aber liebe Grüße an J.-U. S. an dieser Stelle) sich das Treiben im Auswärtsblock ansehen können. 
Uncool, wenn Schnattern und über den Vorsänger lachen dann die Hauptbeschäftigung ist. 

Filmen again

Und Leude, es wär richtig cool, wenn ihr aufhören würdet, Fotos im Block zu machen, damit ihr euren Freund*innen von diesen “verrückten Paulis” bebildert erzählen könnt. Fotos der Choreo/vom Block findet ihr an den üblichen Stellen (zum Beispiel hier bei USP). 

Und richtig uncool wird es, wenn ihr auf den Hinweis den Ton bemängelt (“Sag das doch freundlicher”), oder es euch egal ist, wenn ihr frontal in den Block filmt (“Ist meine Sache”). Wir haben jedenfalls keine Lust mehr, dem drölfzigsten Stadiontourist*innen zu erklären, dass und warum das scheiße ist. Bevor ihr in die Wohnzimmer anderer Leute geht, informiert ihr euch doch auch über die Gepflogenheiten. Erklärbär*in in super freundlich ist da einfach nicht, wir gehen da aber auch noch mal in einem separaten Beitrag die Tage drauf ein. Richtig cool ist der Vorsänger, der ebenjenen Hinweis aufs “Handy wegpacken” mit zarter Stimme in den Block flüstert. 

Cool sind Stadien mit überhängenden Oberrängen ja schon. Auch die Achteckigkeit des Nürnberger Stadions ist besonders. Uncool ist dabei aber, dass die Lautsprecher im Blickfeld hängen, wenn man oben steht und man durch die Laufbahn nix von der Stimmung auf der Gegenseite mitbekommt. Gut, ist sowieso keine Stimmung.

VAR-Tor

Unsere Truppe das erste Mal unverändert zur Vorwoche. Unverändert auch der Torschütze, denn erneut trifft Gyökeres. Das Tor zählt erst nach Videobeweis und auch wenn wir bisher immer davon profitiert haben, so richtig cool sind wir mit dem VAR immer noch nicht. Als Ausgleich wird uns dann in der zweiten Halbzeit ein Tor wegen Abseits bei Sichtbehinderung nicht gegeben. Was sonst auch nicht immer gepfiffen wird. 

Cool, dass wir genügend Chancen haben, um am Ende noch das 2-1 zu erzielen. Uncool, dass es Glück, Himmelmann und Nürnberger Unvermögen sind, die deren Führung verhindern. Noch uncooler ist, dass wir den Ausgleich erst durch einen harten Fehler ermöglichen. Passiert den Besten, Waldi, Kopf hoch. 

Cool, dass wir mehr als einen Stürmer im Kader haben. Uncool, wenn der Ersatzstürmer seine Leistung aus von vor zwei Saisons in Duisburg bisher so gar nicht abrufen kann.

Cool, dass die Nürnberger sich zu sportpolitischen Themen (Fußball-WM in Katar) äußern. Uncool, wenn der Support im Auswärtsblock dann an die aktuell dort laufende Leichtathletik-WM erinnert (ergo nicht vorhanden ist). Noch uncooler ist allerdings die Prosa, mit der die Nürnberger Fans die lokale S-Bahn verschönert haben. 

Der nicht migränegeschädigte Teil des Kollektivs, der auch in Nürnberg war, hatte für die lange Bahnfahrt nach Hause mit hervorragender Snacksituation vorgesorgt. Unverständlich, dass die Spieler nach so einem Spiel durch den Nürnberger Hauptbahbhof irren müssen, um sich selbst zu versorgen. Lieber Verein: Spendiert denen doch ein Snackpaket für die Heimfahrten. Das ist ne Entlastung und auch noch einfach nett. Kann doch nicht sein, dass wir bei so ner Tour besser essen als die Profis, die regenerieren sollten. Da kann man sich auch gleich ne Fertigpizza reinstellen. 

Cool sind Auswärtsfahrten mit guten Leuten, noch cooler werden die mit Crémant.

Prost auf die Länderspielpause. (No borders, no nations!)

Kommt zum Testspiel gegen Bremen und lasst euch als Knochenmarkspender*in registrieren.