Okt 192019
 

Wir haben heute nach dem Spiel Astra getrunken. Wir trinken – aus Gründen – nie Astra. So ein Tag war heute.

19.10., eigentlich unser Tag, angenehm warm für Oktober (den Darmstädtern war so warm, die hatten gleich die Shirts zu Hause gelassen), nur ein bisschen Niesel zwischendurch, Samstag Mittag, seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen, amtierende Stadtmeister*innen.

Klar, dass das dann nicht unser Spieltag wird. Dit is unser St. Pauli.

Klimafreundliche Anreise

Lieber Verein, coole Dinge wie Eintrittskarte = HVV Fahrkarte könnt ihr auch mehrfach verkünden. Lieber einmal weniger Fairnetzer Kram verbreiten und einmal mehr auf diese Möglichkeit hinweisen. Und die Möglichkeit der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs bitte endlich dauerhaft einführen. Auch und gerade für unsere Gäste. Wir finden das auswärts immer sehr angenehm, uns wenigstens um sowas keine Gedanken mehr machen zu müssen, während wir 45 Minuten auf S-Bahnen warten. Looking at you, Stuttgart.

Sowieso: Dürfen nun alle Fanclubs mit einer Verbreitung ihrer Veranstaltungen inklusive ihrem Logo über offizielle Kanäle rechnen? Der Fanclub Pöbelmob1910 plant da eine Veranstaltungsreihe mit solchen spannenden Themen wie “Warum bringen Ecken nix ein?” oder “Wieviel muss man nachlegen damit Ruhe ist?” Ballsaal geht klar, lieber FCSP? Coole Gesprächspartner*innen fürs Podium organisieren wir.

Stickerbusiness

Vielen Dank für die zahlreichen positiven Rückmeldungen zu unseren Stickern und zum Blog an sich. Wir freuen uns da echt jedes Mal sehr drüber. Danke auch an Turbost.Pauli für die Zusammenarbeit (Sticker, nicht Blog). Wir werden noch für Möglichkeiten sorgen, dass ihr an die Sticker kommt. Achtet auf entsprechende Ankündigungen. Wir haben allemal auch welche in Heidenheim dabei. 

Neben dem Platz

Das neugegründete Netzwerk Gegengerade machte mit einem Flyer auf diverse Probleme aufmerksam. Sehr schön. 

Unschön jedoch, dass vor dem Spiel auf der GG ein Mensch intensive medizinische Hilfe benötigte. Gute Besserung dir! In diesem Zusammenhang: Lieber Verein besorgt euch mal eine Stadionregie. Ein Mensch der keine andere Aufgabe hat als Augen und Ohren offen zu halten, jeglichen Funk auf dem Ohr hat und im Fall der Fälle Stadionsprecher*innen und Anzeigentafelbediener*innen mit Infos füttern kann. Was man dann genau macht in einem Spannungsfeld von Pietät und “bloß nicht noch Gaffer drauf aufmerksam machen“ wissen wir auch nicht. Aber wichtig ist informierte Entscheidungen zu treffen. 

Fehltritte

Nicht nur auf dem Platz war heute eher ungeschickt. Mensch kann vorbereitete Hashtags auch noch ändern, liebe Medienabteilung.

Und auch das mit dem Gendern kann einem mal durchrutschen, passiert auch uns. Aber man kann sich dann korrigieren, wenn man daraufhin hingewiesen wird. Werte in die Welt tragen und so.

Suchtmittel verteilen

Es ist eure individuelle Entscheidung welche Suchtmittel ihr konsumiert. Und uns ist auch klar, dass viel Geld gerade durch Werbung für Suchtmittel verdient wird. Aber spätestens wenn man Suchtmittel für umsonst im Stadion verteilt ist man über jede Grenze des Entschuldbaren rüber. Es gibt schon genug Gründe warum viele Player der Tabakindustrie freiwillig auf das Verteilen von Produktproben im Sportkontext verzichten. 

Moods verteilt vor dem Spiel Samples in der Südkurve

Hier ist eine deutlich höhere Sensibilität gefragt. Gerade vom FCSP. In einer idealen Welt würden wir für so etwas gar nicht werben. Und für die Möglichkeit Maserati zu mieten auch nicht. 

Ansonsten verweisen wir auf unseren Hot Take zum “Wie”, insbesondere im Hinblick darauf, dass vor wenigen Wochen Kooperationen mit Tabakproduzenten noch nicht in Aussicht waren und wenn dann intensiv geprüft werden sollten. 

Auf dem Platz

Jede Serie (außer den Simpsons) findet irgendwann ihr Ende.

Auch die der ungeschlagenen Spiele des FCSP. Dies aber richtig unnötig. Denn wir sahen ein typisches 0-0 Spiel, welches wir am Ende 0-1 verlieren. Es fehlte uns von Beginn an das Feuer, der unbedingte Wille, der uns in den letzten Heimspielen auszeichnete. Und den brauchst du gegen die harte Nuss Darmstadt, die sich fußballerisch zwar extrem beschränkt zeigte, im Aufbau einen Fehlpass nach dem anderen spielte, aber auch sehr erfolgreich einen Bus im Strafraum und einen davor parkte (um mal Tim zu zitieren).

Warum wir das dann nicht nach Hause schaukeln? Weil wir wieder nach einer Ecke, die in den 5er getreten wird ein Gegentor bekommen. Das darf in dieser Regelmäßigkeit einfach nicht passieren! Und es merken gegnerische Mannschaften immer mehr, dass dies unser Schwachpunkt ist. Das Tor fällt auch zwei Minuten nachdem wir in der Innenverteidigung wechseln (müssen?). Lawrence hat seit Donnerstag wieder voll trainiert und man muss sich fragen, ob das nicht zu viel Risiko war ihn zu bringen. Insbesondere da der Trainer zu Saisonbeginn noch sagte, er bringt nur 100% fitte Spieler. Eine offensichtliche Verletzung war jedenfalls nicht Auswechslungsgrund (was natürlich nicht ausschließt, dass das der Hintergrund war, in der Pressekonferenz wurde allerdings auch nichts derartiges gesagt).

Und auch der Wechsel Knoll-Buchtmann und Buchtmann dann in die vordere Position wirkte sich klar negativ auf das Spiel aus, da ist plötzlich Luft raus, da kommen Pässe nicht mehr an und da sind diverse Laufwege nicht aufeinander abgestimmt. Gleiches gilt leider auch für die Einwechslung von Johannes Flum. In den vergangenen Spielen war auch ein Faktor, dass wir Spieler von der Bank gebracht haben, die das Spiel besser gemacht haben, die vorne Druck gemacht haben. Dies war dieses Mal leider nicht zu sehen.

Der Schiedsrichter pfeift sein erstes Spiel am Millerntor und so richtig souverän sieht anders aus. Der ist definitiv nicht Schuld am Ergebnis, aber bei harmlosen Einwürfen wie wild rumzufuchteln ist einfach überflüssig. Genauso wie mitten durch Passwege zu laufen, mehrfach.

Offensiv wirbeln Mats, Finn-Ole und Marvin zu Beginn mehrfach gut durcheinander und stehen dadurch auch immer mal wieder schön frei. Was heute leider fehlt ist der entscheidende Pass der ankommt. Oder dann das Glück den Ball nach dem entscheidenden Pass auch reinzumachen (Diamantakos, irgendwann).

Den Spielern sah man den Frust über das Ergebnis deutlich an. Schade, dass an die guten Eindrücke des Testspiels gegen Bremen nicht angeschlossen werden konnte. Wir halten uns für heute mal an Maik: Das entscheidende Spiel nicht zu früh gewinnen.

Bijî Rojava

Sehr schön war die Solidarisierung mit den Kurd*innen nach der Halbzeitpause.

Verschiedene Fangruppen hatten nach dem Spiel aufgerufen, sich der Demo gegen den türkischen Angriffskrieg gegen Nordost-Syrien anzuschließen. Nach unserer Schätzung kamen dann etwa 500 Fans nach dem Spiel hinzu und schlossen sich am Südkurvenvorplatz an. Leute, das sind nicht mal 2% der im Stadion anwesenden Menschen. Da geht noch viel mehr!

Weiter, immer weiter

Wir fahren jetzt als solides Mittelfeld nach Heidenheim. Und ganz ehrlich? Zu Saisonbeginn wären wir damit schon zufrieden gewesen. Wäre schön, wenn das Spiel nicht so ausgeht, wie letzte Saison, wir haben da keine ganz so guten Erinnerungen.

Aber zählen darauf, dass Finn-Ole die richtige Reaktion auf den Platzverweis aus dem April hat. Wahnsinn, wie er damals frisch zum zweiten Mal für die Profis auf dem Platz stand. Und wie er jetzt fester Bestandteil der Mannschaft ist. Weiter so!

Okt 172019
 

Da freust du dich, dass du endlich mal einen Präsidenten hast, der aus Fanszene kommt, dem du zutraust mal nicht einen „Der Verein bin ich“ Kurs zu fahren und der für guten Rat offen scheint. 

Und dann so etwas. Ja, wir sind enttäuscht. 

So nicht

Diese Veranstaltung war von Beginn an einfach eine keine kluge Idee. Vorweg: Wir begrüßen, wenn Fanclubs Diskussionsplattformen bieten. Es kann gar nicht genug konstruktiven Austausch geben. Natürlich musst du über Werte im Fußball diskutieren, natürlich kannst du da auch Leute einladen, die mal einer anderen Meinung sind. Aber doch keine politischen Hardliner! Und schon gar nicht diesen! Wie verblendet muss man sein, um nicht zu erkennen, dass dieser Innensenator nichts an Werten kennt? Wie vollkommen verblödet muss man sein, sich jemanden zu diesem Thema einzuladen, gegen den selbst die Ethikkommission des DFB ermittelt? Oder jemanden der sich bei Football Leaks einen Namen gemacht hat? Diese Menschen stehen doch genau für die Nicht-Werte, die man ersetzen muss durch neue Werte! Das ist so, als ob man mit Donald Trump über die Einführung des Kommunismus diskutiert. Die Einführung des Kommunismus ist natürlich lange überfällig. 

Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, veranstaltet man so eine Veranstaltung in der Süd. In dem Bereich, den Fans sich symbolisch angeeignet haben und der wie kein anderer für unsere Werte steht. (Und das schreibt gerade unser Gegengeradler). 

Entweder ist das eine offene Provokation oder man ist so unsensibel, dass es schon Ignoranz ist. 

Und dann bekommt man von gut meinenden Menschen intern sachliche Kritik und reagiert wie der/die Dreijährige im Supermarkt und legt sich auf Fußboden und schreit laut “Ich will aber”. Und das von einem Präsidenten, der immer wieder auf einer JHV den demokratischen Prozess lobt und als vorbildlich herausstellt. Gelenkte Demokratie? Am Arsch! 

Hier sei beispielhaft nur ein Zitat von der letzten JHV eingefügt (zitiert nach unserem eigenen Bericht

“Besonders sein heißt reflektieren
Dieser Verein sei besonders, führte OG weiter aus. Dies sei er auch wegen der vielen Faninitiativen, die den Verein prägen. Man diskutiere vieles konstruktiv und viele brächten sich konstruktiv ein. Dies wolle man weiter machen. Er nannte dann als Beispiele den Fanladen, St. Depri und andere. Als nächstes plane man eine weitergehende Inklusion.“

Ja, verfickt noch mal, dann macht das doch auch, wenn es mal kontrovers wird! Alles andere ist Bullshit.

Too little, too late.

Und dann kurz vorher diese Alibilösung: Öffentlichkeit ausschließen (also gar keinen Diskurs mehr ermöglichen) und in die Haupt verlegen? Da müssen sich die Menschen auf dem Podium dann ja gar nicht mehr mit der Kritik auseinandersetzen oder ihr begegnen.

Dies ist der Hintergrund, dass mehrere Gruppen zu Protesten aufriefen. Und nein, dass ist kein Ultraprotest, wie am Ende auch die bunte Mischung an Menschen zeigt, die sich einfand. Diese Reduktion auf “Ultras vs alle anderen” nervt, ist unfassbar unsachlich und spätestens als dies in den Zeitungen auftauchte, wäre Zeit für ein Machtwort gewesen. An die Presse. 

Der Protest ist ein urdemokratisches Recht. Sei es gegen Professoren, die beschissene Parteien gegründet haben oder gegen beschissene Veranstaltungen. Wer solchen Protest als antidemokratisch oder als “Drohungen” delegitimiert, der ist der wahre Antidemokrat. 

Fuck you “Sicherheitsbedenken”! Wer Angst vor dem Echo hat, sollte sich mal überlegen, ob seine Meinung nicht einfach Dreck ist. 

Und lest euch mal alle Aufrufe durch. Wer da “Drohungen” oder “Sicherheitsbedenken” raus liest, der spielt das Spiel der antidemokratischen Scharfmacher*innen mit. Das sollten niemand tun, der beim FCSP tätig ist. Es verstößt gegen unsere Werte. 

350-400 Menschen mit denen wir gerne über Werte im Fußball diskutiert hätten (Foto: USP)


Alle Menschen, die heute Abend da waren, um zu zeigen, was sie von dieser Veranstaltung an sich und von dem Drumrum halten – wie ein Redner auf der spontanen Versammlung richtig feststellte – bestimmen unsere Werte. Nicht irgendwelche beschissene Funktionäre. Oder Menschen, die sich mit diesen Funktionären auf ein Podium setzen.

Überraschung: Die ganze Versammlung verlief komplett friedlich. Wir hatten uns selbst als offizielle Demoanmelder*innnen bereit erklärt, aber das war gar nicht nötig. 

Kurze knackige Reden, laute Grüße an die Gäste und gerade als sich das ganze auflöste, ging im Stadion der Feueralarm los. 
Lieber Ehrenrat, die Ehrennadel möchten wir an die Brandschutzanlage, die im absolut passenden Moment losging verleihen. Formaler Antrag folgt. Vielleicht.

Und lieber Oke, für die Zukunft gilt:
“Don’t be a tough guy. Don’t be a fool!”

All ihr populistische Scheißmedien, schreibt doch ein einziges Mal die Wahrheit. Wir wissen, dass das mit dem Sachen verstehen echt schwer ist. Aber hören auch, dass Teil der Journalist*innenausbildung ist sowas komisches zu tun, das ihr nicht mehr macht. Das nennt sich recherchieren oder so ein lateinisches Fremdwort oder so. Auf jeden Fall: Macht das doch in Zukunft mal. Das waren heute Abend bei weitem nicht nur Ultrás. Sondern eine bunte Mischung aller Kurven. Weil das bei weitem nicht nur ein Ultrá-Thema ist. Es wurde auch niemand bedroht. Zu keinem Zeitpunkt. Das ist natürlich keine schöne Story. Aber halt die Wahrheit.
Und die könnte man halt auch mal berichten. Aber auf wessen Seite ihr steht wissen wir seit langem. 

Schade, dass wir uns bei unserem Präsidenten da heute Abend nicht so sicher waren.

Okt 152019
 

Da ich (in diesem Sinne heute mal der Senior des Blogs) am Samstag vom Testspiel genügend ausnüchtern konnte, stand einem Start beim Bramfelder Halbmarathon nix entgegen. Hier also der kurze Bericht:

Der Bramfelder Halbmarathon startet auf dem Steilshooper Sportplatz (Gropiusring, da ist dann auch die berühmte Architektur von Steilshoop zu bewundern) und umrundet dann mehr-fach den Bramfelder See. Jede*r die/der in Hamburg sich mit Läufen zur Winterzeit beschäf-tigt, kennt diese Runde über die berühmte Bramfelder Winterlaufserie. Wenn Mensch etwas benötigt, um sich bei schlimmsten Januarwetter zu motivieren, dann ist eine Meldung bei der Bramfelder Winterlaufserie Gold wert. In familiärer Atmosphäre kann man dann den Bramfelder See umrunden und trifft auf viele gleichgesinnte Menschen.

Negative Folge dieser beliebten Überlebensstrategie im Winter? Man kennt diese Runde irgendwann In- und Auswendig.

Daher war ich da lange nicht mehr gestartet. Mein Langeweilefaktor also abgeklungen und ich mal wieder für ein paar Runden um den Bramfelder See bereit. Auch war mein erster offizielle Halbmarathonwettkampf beim Bramfelder Halbmarathon. Vor genau 10 Jahren lief ich in glorreichen 2:23:58 auf den 103. Platz. Von 110 Teilnehmern. Eine gewisse Verbun-denheit mit dem Rennen ist also gegeben.

Klar, ich hatte mal wieder alle Meldetermine verschwitzt, aber zum Glück war zu preiswerten 19 Euro eine Nachmeldung vor Ort möglich. Die neben dem Platz liegende Schule ist immer noch eine riesige Baustelle, aber so langsam ist da ein Ende in Sicht.

Das ich wie immer zu früh vor Ort war, sei nur am Rande erwähnt, so wurde ein bisschen getrödelt, ein bisschen gegammelt und dann war es auch schon Zeit die wichtigste Frage zu klären: Kurz/kurz oder unten kurz, oben lang(ärmelig)? Ich entschied mich für unten kurz, oben lange Ärmel, eine Entscheidung, die ich sehr schnell bereute.

Gestartet wird auf dem Sportplatz, denn die Seerunde ist ziemlich genau 5 KM lang, so dass der Veranstalter vorher 2 1/4 Runden auf dem Sportplatz eingebaut hat, bevor man 4 Runden um den See lief. Vorteil auf einer Laufbahn zu laufen? Das federt so schön, man fängt sehr schnell an. Der Nachteil? Wenn die alt, mit Laub bedeckt und nass ist, dann ist das eine eher rutschige Angelegenheit. Ging aber alles gut und nach einem schnellen ersten Kilometer (5:33 für diesen) befand man sich auf der eigentlichen Strecke.

Und ich stellte fest, dass ich viel zu warm angezogen war. Also wurde KM zwei für einen klei-nen Striptease genutzt, zum Glück hatte ich ein Radtrikot an und darunter etwas langärmliges. Das langärmlige Shirt wurde in die Radtasche verfrachtet und weiter ging die wilde Hatz. Hat mich am Ende ungefähr eine Minute gekostet, aber nun gut.

Erste Runde und ich wusste nicht so richtig, welches Tempo ich eigentlich laufen mag und kann. Nach einigen Diskussionen mit mir selbst beschloss ich eine 6:10er Pace anzupeilen. Das lief dann auch ganz gut. Und da ich durch meinen Kleidungswechsel ganz hinten ins Feld gespült wurde, konnte ich eine-zugegeben miese- Taktik fahren, Ran saugen an einen Menschen, der vor einem läuft, kurz in dessen Windschatten ein bisschen erholen und dann an den nächsten ran saugen.

Die meisten Kilometer blieben immer knapp unter 6:10. 6:02, 6:03 findet sich am häufigsten als Kilometerzeit in den Aufzeichnungen. Das beeindruckte mich an dem samstäglichen Marathon unter 2 Stunden Projekt am Meisten, diese Präzision mit denen die Kilometer in immer genau 2:50 abspulten. Selbst mit einem Pacingfahrzeug würde ich nicht so genau laufen können. Genau vor dem Ziel befindet sich auf der Runde ein kleiner Anstieg, direkt nach dem Ziel auch und dort ist auch die Verpflegungsstelle. Folge ist, dass dieser Kilometer immer etwas langsamer war.

Nun die letzte spannende Frage: Halte ich das durch? Ich lief auf eine Teilnehmerin und einen Teilnehmer in FCSP-Trikots auf, laberte mit denen ein bisschen und überlegte gerade, ob die für mich nicht ausreichend schnell liefen. Dann packte mich aber doch der Ehrgeiz, weil eine Zeit unter 2:10 im Bereich des Möglichen lag. Ich habe mich also mit den Worten „wir sehen uns im Ziel oder gleich wenn ich eingehe“ verabschiedet und noch mal Gas gegeben.

Die letzten 4 Kilometer also nun mal nah an der Kotzgrenze. Lustig dabei ist, dass mein Puls gar nicht so doll hoch ging.

Am Ende stand eine 2:09:42 in den Büchern und damit der schnellste Halbmarathon seit sehr lange. Bei meiner letzten Teilnahme 2016 bin ich hier eine 2:19:10 (hihihi) gelaufen. Und meiner Läuferkarriere kann man die Halbmarathons unter 2:10 bisher an knapp einer Hand abzählen.

Insgesamt ein sehr schöner Testlauf und ein Hinweis darauf, dass die Laufform schon in Ordnung ist. Zur Belohnung gab es auch noch eine wirklich schöne Holzmedaille. Der Plan beim Space Coast Marathon endlich mal unter 5 Stunden auf einer Marathondistanz zu bleiben, wird jetzt also mit Schwung weiterverfolgt. Um dann wahrscheinlich am Renntag an schwülen 28 Grad zu scheitern, die mir bekanntlich so richtig liegen.

Fazit dieses Tages? Das ist nun garantiert nicht der spektakulärste, schönste oder größte Lauf in Hamburg und wer ein „Event“ sucht, der ist hier falsch. Wer jedoch in freundlicher Atmosphäre auf einer flachen Strecke seine Form testen möchte oder einfach laufen möchte, der ist hier richtig.

PS: Knutscha an Paupi, der einzige Mensch, der sich wahrscheinlich auf diese Berichte freut. 😉

Okt 142019
 

„Wir haben jedenfalls keine Lust mehr, den drölfzigsten Stadiontourist*innen zu erklären, dass und warum das scheiße ist. Bevor ihr in die Wohnzimmer anderer Leute geht, informiert ihr euch doch auch über die Gepflogenheiten. Erklärbär*in in super freundlich ist da einfach nicht, wir gehen da aber auch noch mal in einem separaten Beitrag die Tage drauf ein.“

Das waren Sätze in unserem letzten Auswärtsbericht. Wir beziehen uns in so einer Formulierung natürlich auf eine konkrete Situation und seien wir ehrlich: Die Beschreibung war für die konkrete Situation noch viel zu freundlich.

Aber wie geht man allgemein mit einem solchen Thema um? Wir hatten da intern Diskussionen, sind vielleicht nicht immer einer Meinung, haben uns dann aber entschieden, noch mal das Ganze von vorne aufzurollen und es ausführlich, ruhig und allgemein zu erläutern. Einmal natürlich für Leute, die neu sind. Und einmal für Leute, die bisher alles darüber ignoriert haben. Wir sind so vermessen zu behaupten, dass wir auch solche Leute erreichen können. Habt ihr uns gerade unverbesserliche Optimist*innen genannt? 

Wir sind garantiert nicht das reichweitenstärkste Medium, aber gehen schon von einer sehr diversen Leser*innenschaft aus. Insofern hoffen wir, mit diesem Artikel was zu erreichen.

Man kann nebenbei viel – nein, falsch – sehr viel gegen Dynamo Dresden haben, aber da gibt es auf der offiziellen Seite einen Überblick über Gepflogenheiten im K-Block. Das ist gar nicht schlecht, weil auch du als unwissende*r Stadiontourist*in dann weißt, was los ist, und hast ganz einfach ein entspanntes Stadionerlebnis. Das ist doch auch als Neuling, der einfach mal nur diese „herrlich verrückten Paulis“ sehen will, eine geile Grundlage. Einen entspannten Tag im Block mit ein, zwei Bierchen und am Ende ein gemeinsames Lächeln mit der*m Nachbar*in? Cool, oder? 
Uns sei hierbei aber auch gestattet anzumerken, dass sowas auch in der Süd hängt. Nicht unbedingt gut sichtbar, aber es hängt da. Und da ist das Fotothema aufgegriffen.

Ist das denn wirklich Gepflogenheit?

Viele werden sagen: „Hab ich doch noch nie gehört! Und das Filmen im Block ist doch auch nicht verboten!“ Letzteres ist erstmal richtig (wir kommen dazu noch), ersteres liegt dann aber auch an deiner Ignoranz, wenn du schon mehrfach zum FCSP gegangen bist. Das ist schon in den 00er Jahren Thema in Spieltagsflyern und Auswärtsflyern (ja, gab es damals) gewesen, hier ist es schon wieder länger Thema und auch beim fc42 war es schon Thema in Berichten. USP nutzte mal „Paparazzi töteten Lady Di“ als Aufmach, um auf das Thema aufmerksam zu machen, und bereits 2011 findet sich im Internet ein Basch-Artikel zu dem Thema in dem u.a. folgendes steht: 

“Unsere Kurve ist ein Ort, indem Menschen durchdrehen, singen und sich wohl fühlen sollen. Kameras und Fotoapparate nerven, gefährden und sind daher ein Tabu, was der Doppelhalter „Paparazzi töteten Lady Di“ verdeutlichen soll. Videos und Bilder von unserer Kurve bringen wir selber heraus und legen daher keinen großen Wert auf Hobbyfilmer und –fotographen.”

„Paparazzi töteten Lady Di“ in der La Gazetta D’Ultrá (Ausgabe 91, 10.08.2007).
Herzchen an die Fanräume, wir hatten die Hoffnung auf die Abbildung schon fast aufgegeben und haben es dann im dortigen Archiv in unter 5 Minuten gefunden.

Es gab also schon genügend Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu werden.

Du solltest also eine gewisse Sensibilität für das Thema aufgebaut haben, wenn du schon länger als ein Spiel zum FCSP gehst. Hast du nicht? Du bist hier genau richtig!

Du hälst dich nebenbei auch an diverse andere Gepflogenheiten, ohne es zu wissen. Du hängst dein „Hasi grüßt Pauli“ Plakat nicht in die Mitte am Zaun, du gehst nicht aufs Vorsänger*innenpodest und dirigierst das Publikum, du reichst Fahnen weiter und gibst sie wieder ab. Und so weiter und so fort. 

Und wenn du irgendwo komplett neu bist, dann ist doch eigentlich eine Zurückhaltung und ein „ah, so läuft das hier!“ ganz normal, oder?

Ein Wort auch an Leute, die Karten weitergeben oder vermitteln. Sprecht über solche Dinge mit den Leuten, die mitkommen möchten. Wir finden, ihr habt da auch so ein bisschen eine moralische Verantwortung. Und wir wiederholen uns, aber es ist doch cooler wenn dieser Mensch beim ersten Besuch ein stressfreies Erlebnis hat. 

Aber wenn es doch nicht verboten ist, warum muss ich mich dran halten?

Ganz einfach: Es stört andere, du hast ein mieses Stadionerlebnis, weil es andere stört, und dein Tag ist nicht so schön, wie er sein könnte. Und wofür? Für ein paar rauschende doofe Videos oder ein verwackeltes Foto, das du nie wieder ansiehst? Selbst wenn einen alle gleich folgenden Argumenten nicht überzeugen, dann ist doch die alleinige Abwägung von Vor- und Nachteilen Grund genug.

Und warum ist das doof?

Fangen wir mal mit einem ganz einfachen Grund an: 

Wir alle sind da, weil wir ein Spiel genießen wollen und ein Fußball-Team (Hallo Thees) supporten wollen. Dazu gehört es, dass man eskaliert, durchdreht, auch mal pöbelt und sich dabei frei fühlen kann. Jetzt mal ein paar persönliche Worte vom Senior: Meine Wenigkeit neigt dazu, im Stadion nicht gerade ruhig rum zu stehen. Und ich sehe aufgeregt oder singend echt nicht gut aus (Anmerkung des Kollektivs: Der Senior lügt. Aber nur zu diesem Thema <3). Das kann ich nur deswegen frei, weil ich der Überzeugung bin, dass niemand mich aufnimmt und als Lachnummer seinen Freund*innen zu Hause präsentiert. Und Grundlage dafür ist eben, dass ich nicht gefilmt werde. 
Und damit ist der Senior nicht allein: Der sangesfreudige Kollege schmettert auch deswegen so inbrünstig, weil es im Hier und Jetzt des Stadions verhallt und nicht für die Ewigkeit ist. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Frei sein, fallen lassen, durchdrehen, abdrehen nennt es wie ihr es wollt, es sollte ein möglichst unbeobachtete Erfahrung sein. Das ist auch eine Grundlage für guten Support.

Es ist nicht cool

Findet ihr das cool, von irgendjemandem auf der Straße direkt ins Gesicht gefilmt zu werden? Ohne gefragt zu werden? Selbst wenn ihr gerade gut frisiert seid und euch echt cool findet, wird die große Mehrheit von euch diese Frage definitiv mit „nein“ beantworten. Das solltet ihr vielleicht überlegen, bevor ihr das Handy zückt.

Stimmung lebt vom Support

Du findest die Stimmung beim FCSP super? Wahrscheinlich geht es Dir da wie uns, und es ist besonders eindrucksvoll, wenn das ganze Stadion auf einmal mitzieht. Und was passiert, wenn du die Kamera rausholst? Eben, du supportest plötzlich nicht mehr. Und was passiert, wenn das alle machen? Zack, die Stimmung ist dahin.

Du bekommst Nerv mit der Polizei

Fußballfans werden massiv überwacht. Und gerade Foto- und Bildmaterial wird dazu eingesetzt. Die Polizei nutzt dafür schon massiv eigene Kameras, aber sie besorgt sich auch gerne „Fremdmaterial“. Und da mag dein Foto noch so harmlos erscheinen, für die netten Menschen in USK-Uniform kann das plötzlich das heiße Bild sein. Und die sehen, dass du fotografiert hast. Wir wissen nicht, wie es euch so geht, aber wir sind immer froh, wenn wir mit diesen eben gerade nicht netten Menschen in USK-Uniform so wenig wie möglich zu tun haben. So ein „ach sie haben da eben gerade fotografiert, wir hätten gerne das Foto“-Diskussion mit zehn Riotpolizist*innen kann man sich echt ersparen.

In Nürnberg fielen uns wieder rote Plastikordner an einzelnen Polizisten auf. Darin sind Fotos von Leuten, bei denen die Polizei meint, sie seien böse. Wollt ihr dafür Fotos liefern? Wohl nicht.

Gefährdung anderer

Und wie ihr daraus vielleicht schon erkennt: Ihr gefährdet andere Fans mit euren Fotos.

Polizei liebt Schubladen, will Menschen miteinander verknüpfen und in die Schublade „Gefährder*in“ einsortieren. Und da reicht es, wenn du auf einem Foto neben Hans (oder Hannah) Hooligan stehst und auf dem Video vielleicht noch zu sehen ist, dass du mit Hans Hooligan nach dem 1-0 lächelnd abklatscht. Bumms, schon bist du in der Schublade „Gefährder*in“. Und auch dafür muss man echt kein Material liefern.

Dies gilt umso mehr, wenn im Block etwas passiert, was Polizei nicht mag. z. B. Pyroeinsatz. Da kannst du zu stehen, wie du willst, du musst es nicht filmen. Insbesondere, wenn du das doof findest. Oder zeigt man das dann doch leicht bewundernd rum? Das ist dann zumindest widersprüchlich. 

Noch schlimmer: Veröffentlichen

Was noch schlimmer ist als das Foto/ den Film zu machen? Diesen zu veröffentlichen! Gründe? Siehe oben. Und ihr werdet es nicht glauben, nicht alle Menschen, die den Hashtag #fcsp sich auf Instagram ansehen, sind Engel und Fans der Braun-Weißen. Da gibt es auch Hans Hooligan von Naziverein e. V. (oder auch Naziverein AG, da sind wir flexibel), der dann jemanden aus seinem Heimatdorf sieht und sich denkt: „Ah, das ist eine Zecke? Interessant! Dann besuch ich die/ den mal.“ Und leider gibt es von dieser Sorte mehr, als ihr denkt.

Dass sich sogenannte szenekundige Beamt*inne, miese Journalist*innen etc. da bedienen, kommt auch noch hinzu. Die Bildzeitung mit ihren „Bürgerreporter*innen“ (hier Bild, wir haben mal für Euch gegendert) oder wie sie den Mist nannten lässt schön grüßen.

Rechtliches

Es ist natürlich nicht gesetzlich verboten, Fotos zu machen. Ganz ehrlich: Da haben wir jetzt einfach mal eine „legal, illegal, scheißegal“-Haltung. Aus den oben beschriebenen Gründen. 

Bei einer Veröffentlichung wären wir relativ schnell bei „Recht am eigenen Bild“ und auch wenn in Stadion-AGB heutzutage eine ziemlich weitgehende Zustimmung für die Nutzung des übertragenden Senders eingebaut ist, so gilt die nicht für deine Bilder. Klar, das ist alles Graubereich und irgendeine spitzfindige Jurist*in wird das anders sehen, aber das ist nicht der Punkt.

Zuletzt

Wenn ihr unbedingt Choreo-Fotos haben wollt, dann wendet euch doch an die üblichen Quellen. Die veröffentlichen echt viele gute Fotos. Ihr wollt das als riesiges Poster an eure Wand? Fragt freundlich nach, vergütet den Aufwand angemessen und ihr werden von denen auch die Zustimmung bekommen. Mal ganz davon ab verkaufen unsere Ultras auch regelmäßig richtig gute Poster

Und wenn es gar nicht anders geht?

Du hast der Liebe deines Lebens ein Selfie vom Spiel versprochen? Und willst diese nicht enttäuschen? Dann frag vor dem Spiel laut und deutlich deine Umstehenden, ob und wie du das kurz machen kannst. Dann werdet ihr alle gemeinsam einen Weg finden. Besser ist aber so etwas gar nicht zu versprechen, aber ab und zumal macht ja Liebe blind.

Ähnliches gilt von Weit-weg-Bildern anderer Blöcke: Klar ist da nix Spannendes drauf. Seid trotzdem vorsichtig, weist am besten Leute drauf hin, bevor ihr knipst. Wenn nur das Spielfeld zu sehen ist, ja gut, macht halt. Wir packen ja meistens auch ein Foto in die Blogberichte. Wer wären wir, da zu sagen, das geht nicht?

Und wenn jemand nörgelt?

Dann nimm es erstmal hin. Im Block sind Diskussionen gerade während des Spieles schwierig. Wenn du das gar nicht verstehst, dann sprich den Menschen in der Halbzeit oder nach dem Spiel FREUNDLICH an und frag nach den Gründen. Und nimm auch die erstmal hin und reflektiere die. Klar, das fällt jedem schwer und Menschen neigen dazu, sich rechtfertigen zu wollen. Kennen wir alles. Geht jedem so, wenn man sich „erwischt“ fühlt. Aber meistens nach ein paar ruhigen Minuten wird man sagen: „Jo, irgendwie hast du Recht.“ Ganz schlecht und irgendwie Totschlagargumente sind „deine Meinung ist deine Meinung, die mich nicht interessiert“ oder „von dir lasse ich mir gar nix sagen“ oder ähnliches. Dann wundere dich nicht, dass es aus dem Wald zurückruft, wie es hineinschallt.

Und auch: Es gibt mehr als genug Menschen, die jedes Spiel irgendwelche anderen darauf hinweisen, dass sie nicht in deren Homestory auftauchen möchten. Das macht müde und die haben deswegen nicht unbedingt immer Lust auf ”alles im Sitzkreis durchsprechen“.

Okt 132019
 

Rise up 4 Rojava

Wir sehen das wie USP. Beim FCSP ist kein Platz für religiös verklärten Nationalismus. 
Und wer jetzt was von “Meinungsfreiheit” oder “Intoleranz” faselt, dem sei gesagt, dass Meinungsfreiheit auch umfasst, die Konsequenzen seiner Meinung tragen zu müssen. Und es nicht heißt, dass man jeden Dünnsinn ohne Folgen in die Welt posaunen kann. Schon gar nicht, wenn einem das schon mal deutlich gemacht wurde. Und Toleranz (Wortsinn: Duldsamkeit) endet dort, wo Geduld mit intoleranten Meinungen einer Zustimmung gleichkäme. Nebenbei haben wir nie behauptet, beim FCSP bis zur Selbstvergessenheit tolerant zu sein. Werte vor Toleranz.

Sportliches

Fußball wurde diese Woche auch noch gespielt. Einige Beobachtungen zu dem Testspiel gegen Werder Bremen:

Schön, dass es endlich mal wieder ein Testspiel gab, auf das wir uns länger als 10 Sekunden gefreut haben. Vernünftiger Gegner, der nette Fans mitbringt. Da war das eine nette Beschäftigung für einen Freitagabend. Ist ja nun doch auch gar nicht so schwer, uns mal irgendwie glücklich zu stellen. 

Werder trat mit einer C-Mannschaft an. Das ist verständlich, mindert natürlich den sportlichen Wert, soll aber nicht negieren, dass die bei uns eingesetzten Spieler immer wieder schön den Ball laufen ließen, gute Spielkultur und immer wieder Tempo zeigten. Und es war ja auch bei uns eher die B-Elf. Insgesamt ein Spiel auf ein Tor und nur der Werder-Keeper verhinderte mehr Tore. Und vielleicht auch unsere mittelmäßige Chancenauswertung.

Schön, Ziereis, Veerman, Zander wieder auf dem Platz zu sehen. Unser ungeschultes Auge hatte gerade bei Ziereis noch das Gefühl, dass er sehr vorsichtig agierte, aber das legt sich nur im Spiel. Zander hingegen in einigen Aktionen schon mit vollem Körpereinsatz. Es ist gut, wenn die drei wieder Alternativen sind, denn wir wissen alle nur zu gut, wie schnell sich Spieler verletzten.

Kalla mit neuer Frisur. Die Frisur ist jetzt nicht so unsers. Oder halt, eher “war”. Wenn Schnecke die trägt, dann ist sie toll.

Keine Süd, keine Emotionen. Wenig bis keine Gesänge sind eher langweilig. Aber dafür war es schön, mal wild mit Werder und St. Pauli zusammen zu stehen. Dass sich wieder der Idiot des Tages fand mit solchen Aussagen wie “Das ist ein Männersport” ist auch klar, oder? Bei uns wurden sonst Pläne geschmiedet, einen bekannten Hamburger Musikclub ins Stadion zu integrieren. Details, wenn der Plan umgesetzt wird. 

Nebenbei merkte der Südteil mal wieder, wie viel mehr man von dem Geschehen auf dem Platz aus “nicht-Süd”-Sicht mitbekommt.

Nach dem Spiel wurde so ein Doppeldeckerbus in den Medienparkplatz gelassen, der mit Discobeleuchtung innen und keiner Höhenkontrolle außen trocken an die Treppen des Südaufgangs ditschte. Einmal Unterhaltung für alle. Ansonsten hoffen wir, dass da keine strukturellen Langfristschäden Ergebnis des Ausflugs sind. S.o. – ohne Süd ist es dann doch etwas langweilig.

Im Anschluss kleine Demo für Kurdistan, vergleichsweise wenig Beteiligung, Reeperbahn teilweise komplett zu mit Cops. Lustige Freitagabendunterhaltung für die Touris. Wir schlossen uns dann den Demos am Samstag an. Es gab schon schlechter besuchte Demos in Hamburg, aber richtig viel los war da nun ehrlich auch nicht. Zumindest entsprach es absolut nicht der Dringlichkeit der Lage.

Mal wieder eine Werteveranstaltung

Ansonsten soll in dieser Woche noch eine Veranstaltung zum Thema “Unser Fußball – braucht neue Werte” stattfinden.

Gäste unter anderem? Andy Grote (zu dem müssen wir nichts mehr schreiben), Rainer Koch (gegen den gerade die DFB-Ethikkommission – ja, so etwas gibt es wirklich! – ermittelt), Jonas Boldt (dessen Name im Football Leaks Kontext bzgl. Scheinangeboten auftaucht). Fehlt eigentlich nur noch ein Mitglieder des Organisationskomitees der WM 2022 in der Einladung. 
Warum sich Oke auf dieses Podium begibt, bleibt uns ein Rätsel. Klar muss man als Präsident auch mal mit unliebsamen Menschen sprechen. Aber dann eben nur aus zwingendem Grund. Und den erkennen wir hier absolut nicht.

USP hat hierzu ebenfalls eine Stellungnahme veröffentlicht. Und ja, die veröffentlichen mehr als wir in den letzten Tagen. Aber beim FCSP ist aber allgemein ja gerade wenig so wie immer. Der Einladung, die Veranstaltung entsprechend zu begleiten, schließen wir uns an.

Okt 082019
 

Vorneweg

Wir erfuhren erst auf der Rückfahrt vom Tod eines Besuchers des Spieles in Nürnberg. Da war die Rohversion dieses Berichtes bereits geschrieben, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Aber alle Dinge erscheinen dann natürlich in einer anderen Perspektive und wir wünschen allen Freund*innen und Angehörigen viel Kraft und senden unser Beileid.

Durchatmen. Hier der Rest des Berichtes.

Etwas wirr heute 

Da denkst du “Cool, Frankenland, da kann man sich eine entspannte Auswärtstour gönnen und liebe Menschen besuchen” und dann ist für 50 Prozent unserer Crew dieser Plan mit samstäglichen Stau ohne Ende und morgendlicher Migräne verbunden. Danke daher hier an die Lieferantinnen der notwendigen Pillen, um das Spiel zu verfolgen.
Falls ihr also unsere sonst so strukturierte Art und Zwischenüberschriften vermisst, liegt das daran und natürlich an den netten Getränken auf der Rückfahrt. 

Cool vs. uncool

Verarbeiten wir doch mal diesen Tag in so einer “Cool / uncool”-Liste! Etwas ausführlicher und natürlich nicht immer vollständig ernst. 

Cool ist es, dass Nürnberg ein Verkehrsleitsystem hat und man echt gut auf die Parkplätze kommt. Cool auch, dass man das Stadion gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Uncool, wenn man die Parkplätze für “Pauli-Fans” auszeichnet und die per Bahn anreisenden Menschen sonstwohin schicken will. 

Und versucht macht man überhaupt Fantrennung, wenn am Ende alles durcheinander läuft? Keine wäre uns ja meistens am liebsten, aber wenn, dann richtig. 

Cool, dass man vor dem Stadion etwas zu essen und trinken bekommt. Hallo Osnabrück. Uncool, dass man sich dabei die Stadionhits anhören muss. Es reicht einmal pro Tag “Die Legende lebt”. Was für ein elender Ohrwurm nebenbei. 

Spannende Erkenntnis des Tages: “Der Club” heißt vollständig “1. FC Nürnberg, Verein für Leibesübungen e. V.” ist das nicht irgendwie ein bisschen viel Club und Verein in einem Namen? Nun ja, jede*r wie er oder sie es mag. 

Cool, wenn es ausreichend Stehplätze gibt. Uncool, wenn diese mit diesen nervigen Klappsitzen ausgestattet sind und künstlich in zwei Blöcke unterteilt werden. Führt immer dazu, dass irgendwo versucht wird, sich in einem Block zu sammeln, und es in diesem eng wird. 

Cool sind dann Leute, die Rücksicht nehmen, den Hinweis ernst nehmen, dass man nix hinter ihnen sieht und entsprechend reagieren. 

Cool, wenn nicht immer die gleichen Nasen im Block zu sehen sind, und Fans aus der Region (nicht DIE Region, aber liebe Grüße an J.-U. S. an dieser Stelle) sich das Treiben im Auswärtsblock ansehen können. 
Uncool, wenn Schnattern und über den Vorsänger lachen dann die Hauptbeschäftigung ist. 

Filmen again

Und Leude, es wär richtig cool, wenn ihr aufhören würdet, Fotos im Block zu machen, damit ihr euren Freund*innen von diesen “verrückten Paulis” bebildert erzählen könnt. Fotos der Choreo/vom Block findet ihr an den üblichen Stellen (zum Beispiel hier bei USP). 

Und richtig uncool wird es, wenn ihr auf den Hinweis den Ton bemängelt (“Sag das doch freundlicher”), oder es euch egal ist, wenn ihr frontal in den Block filmt (“Ist meine Sache”). Wir haben jedenfalls keine Lust mehr, dem drölfzigsten Stadiontourist*innen zu erklären, dass und warum das scheiße ist. Bevor ihr in die Wohnzimmer anderer Leute geht, informiert ihr euch doch auch über die Gepflogenheiten. Erklärbär*in in super freundlich ist da einfach nicht, wir gehen da aber auch noch mal in einem separaten Beitrag die Tage drauf ein. Richtig cool ist der Vorsänger, der ebenjenen Hinweis aufs “Handy wegpacken” mit zarter Stimme in den Block flüstert. 

Cool sind Stadien mit überhängenden Oberrängen ja schon. Auch die Achteckigkeit des Nürnberger Stadions ist besonders. Uncool ist dabei aber, dass die Lautsprecher im Blickfeld hängen, wenn man oben steht und man durch die Laufbahn nix von der Stimmung auf der Gegenseite mitbekommt. Gut, ist sowieso keine Stimmung.

VAR-Tor

Unsere Truppe das erste Mal unverändert zur Vorwoche. Unverändert auch der Torschütze, denn erneut trifft Gyökeres. Das Tor zählt erst nach Videobeweis und auch wenn wir bisher immer davon profitiert haben, so richtig cool sind wir mit dem VAR immer noch nicht. Als Ausgleich wird uns dann in der zweiten Halbzeit ein Tor wegen Abseits bei Sichtbehinderung nicht gegeben. Was sonst auch nicht immer gepfiffen wird. 

Cool, dass wir genügend Chancen haben, um am Ende noch das 2-1 zu erzielen. Uncool, dass es Glück, Himmelmann und Nürnberger Unvermögen sind, die deren Führung verhindern. Noch uncooler ist, dass wir den Ausgleich erst durch einen harten Fehler ermöglichen. Passiert den Besten, Waldi, Kopf hoch. 

Cool, dass wir mehr als einen Stürmer im Kader haben. Uncool, wenn der Ersatzstürmer seine Leistung aus von vor zwei Saisons in Duisburg bisher so gar nicht abrufen kann.

Cool, dass die Nürnberger sich zu sportpolitischen Themen (Fußball-WM in Katar) äußern. Uncool, wenn der Support im Auswärtsblock dann an die aktuell dort laufende Leichtathletik-WM erinnert (ergo nicht vorhanden ist). Noch uncooler ist allerdings die Prosa, mit der die Nürnberger Fans die lokale S-Bahn verschönert haben. 

Der nicht migränegeschädigte Teil des Kollektivs, der auch in Nürnberg war, hatte für die lange Bahnfahrt nach Hause mit hervorragender Snacksituation vorgesorgt. Unverständlich, dass die Spieler nach so einem Spiel durch den Nürnberger Hauptbahbhof irren müssen, um sich selbst zu versorgen. Lieber Verein: Spendiert denen doch ein Snackpaket für die Heimfahrten. Das ist ne Entlastung und auch noch einfach nett. Kann doch nicht sein, dass wir bei so ner Tour besser essen als die Profis, die regenerieren sollten. Da kann man sich auch gleich ne Fertigpizza reinstellen. 

Cool sind Auswärtsfahrten mit guten Leuten, noch cooler werden die mit Crémant.

Prost auf die Länderspielpause. (No borders, no nations!)

Kommt zum Testspiel gegen Bremen und lasst euch als Knochenmarkspender*in registrieren.