Sep 292019
 

Dennis macht Spaß

Diekmeier du alte Raute, das hat heute mit Dir mal richtig Laune gemacht. Spieler die Emotionen zeigen und giftig sind, passen perfekt zum Millerntor. Selbst wenn sie als Gegner da sind und als heutiges Feindbild dienen. Und deine „Kommt doch!“-Geste in die Gegengerade? Feinste Unterhaltung!

Es begann grau

Ein Tag, wie ihn nur Hamburg zu bieten hat. Grau, nass und kalt. Der Verein sprach in seiner Spieltagszeichnung von „leichten Schauern“, was ein schöner Euphemismus für bestes Hamburger Dauernieseln ist. Wünscht sich irgendwer da die alten Stehplätze ohne Dach zurück?

Zuviel Jörn

Inhaltlich hatten wir alles zu dem Wechsel auf der Position unseres Behindertenfanbeauftragten gesagt. Wir erwähnten, dass wir den Protest nicht wirklich inhaltlich teilen, aber auch für legitim halten.

Nur, liebe Protestler*innen, weniger wäre hier mehr gewesen. Petition online und Unterschriftenlisten analog sind redundant und die Erklärung null ausreichend für den normalen Stadionbesucher. Und wenn dann manche uns berichten, dass sie sich davon überrumpelt fühlten, spricht das wirklich nicht für Euren Auftritt. Wir durften mehrfach versuchen Hintergründe zu erklären. Gleich aussehende Tapeten auf allen Tribünen sind sowieso immer etwas künstlich, aber hier kam noch hinzu, dass keine der Tapeten ein einziges Mal richtig ausgerollt wurde. Eine wirkmächtige Aktion an einem Ort wäre besser gewesen.

Oz, du fehlst

Wir erwähnten bereits das graue Wetter. Insofern war das Gedenken an OZ ein schöner bunter Gegenpunkt. Und einem Menschen angemessen, der etwas gegen Grau tat.

Auf der Gegengerade wurde St. Depri per Choreo gewürdigt. „Wir sind immer für uns da“ ist wichtig und wir wünschen uns eine ganz breite Unterstützung für diese Gruppe. Danke, dass es Euch gibt!

In der Halbzeit wurde dann noch breit gegen das Polizeigesetz demonstriert. Absolut zu Recht. Worum es inhaltlich geht? Findet ihr hier.

Wir erwähnten es bereits schon mehrfach: Eine Polizei, die nicht kontrolliert wird und immer umfassendere Machtbefugnisse bekommt, passt null zu einer freiheitlichen Gesellschaft. Es wird hier komplett versäumt, der Polizei praktisch und durch Gesetze Grenzen zu setzen.

Folge sind dann „Schmerzgriffe“ gegen Jugendliche, deren schlimmes Verbrechen war, mal kurz Autostraßen zu besetzen. Oder das Zusammenscheppern von Gegendemos bei Naziaufmärschen, wie heute geschehen. Aber der deutsche Michel lässt sich durch „wir haben alles richtig gemacht und wer was anderes sagt, ist linksradikal“ beruhen und reagiert nicht mal dann, wenn es ihn selber trifft. Siehe S21. Rosige Aussichten. Nicht.

Wir schweifen ab

Zurück zum Spiel

Trotzdem entwickelte sich – auch dank Dennis – eine ganz ordentliche Stimmung. Die in der Süd auch von wechselnden Frauen auf dem Podest angefeuert wurde. Noch (?) ohne Megaphon, aber das ist im Sinne einer Diversität ein sehr schönes Bild. Wir deuten das mal sehr optimistisch als Trockenübung und freuen uns aus das nächste Mal mit Megaphon. Nix gegen unsere männlichen Vorsänger, aber Vielfalt ist immer besser.

Sowieso Männer. Auf der Süd mal wieder eklige Sexisten unterwegs. Filmen in den Block ist scheiße. Auf Ansprache pissig zu reagieren, mühsam. Für das bekannte “von einer Frau lass ich mir gar nicht sagen” habt ihr auf die Fresse verdient. Verpisst Euch, euch will hier keiner. Danke an die Umstehenden, die auf Ansprache dann noch mal eine Ansage in deren Richtung machten. Und nächster Dulli, dem wir bei so einer Aktion eine runterhauen: Sorry, not sorry. Es reicht.

Geht doch einfach weit weg, am besten irgendwo außerhalb dieses Planetensystems. Und der Verein als Ausrichter kann da gerne mal deutlich mehr machen, als die Plakate der Awareness-Gruppe aufhängen zu wollen.

Mitnehmen könnt ihr gleich die Leute, die meinen, mit Bierbechern oder Feuerzeugen zu werfen. Das tut weh, wenn man davon getroffen wird, und meistens trifft es Mitfans. Es nervt auch, dass auf der GG jemand seelenruhig zum Zaun gehen kann, den Becher auf den Platz werfen kann und dann seelenruhig dumm grinsen kann, ohne eine klare Ansage der Nebenstehenden zu bekommen. Selbstkontrolle? Am Arsch! Noch ätzender ist es aber, wenn Menschen aus unserer Bezugsgruppe den vollen Becher an den Kopf kriegen und die Nachwirkungen das ganze Spiel andauern. Lebt Eure Wurffreude doch beim Dosenwerfen auf dem Dom aus. Der ist (leider) bald wieder. Zwei Sekunden Mitdenken für Mitmenschen ist aber auch verdammt viel verlangt.

Dramaturgie

Der Philosoph unseres Kollektivs plädiert ja dafür, dass Schiedsrichter in ihre Entscheidungen etwas Dramaturgisches einfließen lassen sollten. So nach dem Prinzip: „Was tut dem Entertainment-Faktor gut?“ Unser heutiger Schiedsrichter war das genaue Gegenteil davon. Immer wieder kleinliche Unterbrechungen. Dazu auch zwei klare Vorteile unterbrochen. Das war nicht dramaturgisch klug.

Immerhin gab er Mats für das Nicht-Foul an Dennis Gelb. Das hatte dann wieder was Dramatisches. Wobei sich Mats im gleichen Zug wohl auch verletzte und nicht mal mehr zum Jubeln in die Kurve kam. Wir drücken alle Daumen! Besonders schön auch, dass das Nicht-Foul als Reaktion darauf kam, dass Denis D. Penney ins Gesicht fasste. “Hier gewinnt nur einer” voll verinnerlicht. Danke Mats!

Wow, einfach nur wow

Das war die beste Saisonleistung bei beschissenem Wetter. Dem Millernton-Tim kam das Wort „Ballbesitzfußball“ über die Tastatur. Und das auch noch teilweise echt gut gespielt. Frühes Tor hilft natürlich sehr gegen Sandhausen, denn die können schon echt super gut verteidigen. Und sind in der Gegenbewegung echt schnell und gefährlich.

Gut, dass sich Finn-Ole Becker sich da ein Herz nimmt, nachdem die Ränge schon zweimal „Schieß doch“ vollständig ausgesprochen hatten und die Möglichkeit schon vorbei schien.

Danach eine kurze Schwächephase, dann wieder Druck und Chancen ohne Ende. Das Spiel hätte auch höher gewonnen werden können. Aber nun gut, irgendwas ist immer.Gerade als Sandhausen aufmachte, gab es genug 1-1 Situationen mit dem Torhüter, um das Spiel höher zu entscheiden. Das üben wir noch. Buchtmann nach seiner Einwechselung mehrfach positiv beteiligt.

Richtig gut und auffällig? Østigård! Und dazu immer wieder in Interaktion mit der Süd. Wir glauben, dem gefällt es bei uns. Ist aber auch schöner als in den allermeisten englischen Stadien.Knoll als halber Stürmer. Irgendein Fußballphilosoph sagte mal, dass Spieler im Alter immer defensiver werden. Bei Knoll ist es genau andersrum. Und das ist richtig gut so! Besonders fühlten wir auch, wie er mehrfach nach vergebenen Chancen in den Rasen haute. Richtig gut!

Und Gyökeres ist auch richtig am Millernton angekommen. Beweis gefällig? Dies sagte er dem Verein:
„Der Treffer bedeutet mir persönlich sehr viel. Ich bin im Sommer zum FC St. Pauli gekommen und wollte dem Team helfen. Heute hatte ich endlich die Chance, genau das zu tun, und es hat sich richtig gut angefühlt, auf dem Rasen zu stehen.“

Fazit

Wir sprachen vom Abwasch, der nach dem Derby erledigt werden müsse. Das haben die Jungs glänzend hin bekommen. Das Geschirr von 5 ungeschlagenen Spielen steht blinkend sauber im Schrank. Als nächstes? Nürnberg weg hauen.

  10 Responses to “Die Vierzehn, die den Abwasch erledigen”

  1. Woher kommt eigentlich diese Fotophobie und wer profitiert davon?

  2. Dennis, ein Mann:

    Frage: Woran hat das gelegen?
    Diekmeier: „Es waren zu wenig Männer auf dem Platz. Wir müssen Eier zeigen. Hier auf St. Pauli ist eine geile Stimmung, hier ist was los. Da muss man sich zeigen und in den Zweikämpfen da sein. Ansonsten ist das schwer hier. St. Pauli hat noch den Schwung aus dem Derby-Sieg gegen den HSV.
    Daher muss man hier seinem Mann stehen. In der zweiten Halbzeit haben wir das etwas besser gemacht, waren etwas männlicher. Da haben wir endlich mal wieder über Außen gespielt. Dadurch hatte ich auch ein paar gute Flanken. Aber leider gelang uns das Tor nicht.“

    https://www.liga-zwei.de/sv-sandhausen-dennis-diekmeier-findet-deutliche-worte/

  3. Verdammt, wir hätten doch Denis vor dem Schreiben dieses Artikels fragen sollen. Vielen Dank für den Link wir haben das sehr gerne gelesen!

  4. Moin Gomero, 1. persönliche Gründe: niemand will gerne ungefragt ins Gesicht gefilmt werden. Und das würdest auch du auf der Straße nie machen. Und in der Kurve soll es plötzlich normal sein? Juristisch nennt man so etwas „Recht am eigenen Bild“ und nein, das gibt man nicht an Handyfilmer-Joe ab, weil man in einem Stadion steht. 2. wer davon profitiert? Die Stimmung, die Kurve, die Fans. Die Frage ist doch eher: wer profitiert davon, dass du irgendwelche fremden Gesichter auf dem Handy hast. Vielleicht du? Deine Freunde weil ihr Lachen könnt? Wäre irgendwie kein cooler Grund. Hinzu kommt, dass es immer noch genügend Gründe gibt, kein Filmmaterial in einer Kurve herzustellen oder noch schlimmer zu veröffentlichen Repression der Polizei etc. In einer Zeit in der a steht neben b für Strafverfolgung reicht, ist das schlichte Realität 3. niemand möchte dein verwackeltes Instagram Video wirklich sehen. Es gibt genügend hochwertige Fotos und Videos von Spielen, da findet man alles was das Herz begehrt.

  5. […] 2. Halbzeit, wie immer besser und ausführlicher beim kommunistischen Propagandamedium des FCSP: Die Vierzehn, die den Abwasch erledigenInfos zu fehlenden Derbystickern und Aufklärungen zu Derbyflüchen findet ihr bei Beebleblox: Schon […]

  6. Gerne doch.
    Und für dieses Interview gibts natürlich zurecht die Nominierung in die Elf des Tages beim Kicker. Auf etwas anderes kann ich es nicht zurückführen…

    Fotophobie hab ich keine, aber ich will nicht auf verwackelten homevideos mit schlechter Tonqualität im netz landen (das internet vergisst nicht). Und niemand kann kontrollieren ob „nur“ das spielfeld, die Fahne(n) und oder Choreo gefilmt/fotografiert werden.
    Smartphon einfach mal in der Tasche lassen, dann klappts auch mit dem Klatschen/Support 🙂

    Ach und dieses „Cui bono“ klingt stark nach verschwörung/paranoia

  7. Hey adminbc.
    Juristisch gesehen ist es grundsätzlich erlaubt, Menschen im öffentlichen Raum zu filmen und zu fotografieren. Nur die Veröffentlichung des Materials ist es nicht immer – Ausnahmen sind z.B. „Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“. Siehe die Sie-Haben-Mich-Ins-Gesicht-Gefilmt-Mütze …
    Unbenommen davon ist es sehr unhöflich, Menschen, die es nicht wollen, ungefragt ein Telefon ins Gesicht zu halten.

  8. Moin Mella, haarspalterisch hast du natürlich Recht. Veröffentlichung ist das entscheidende. Jedoch: Das die wenigsten in Zeiten von Social Media nur den reinen individuellen Genuß im dunklen privaten Kämmerlein im Auge haben, erscheint doch eher unwahrscheinlich.

  9. Kleiner Nachtrag zu Herrn Diekmeier und seinem Interview auf liga-zwei.de
    Er hat zusammen mit Roman Bürki die Auszeichnung „Abseits des Monats“ vom FRÜF (Frauen reden über Fußball) Podcast verliehen bekommen.

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