Sep 302019
 

Und weil das Spiel gegen Sandhausen so toll war, haben wir gleich noch einen zweiten Bericht für Euch, dieses Mal mit Perspektivwechsel von @FrauElo und B. Und finden es jetzt auch nicht so schlimm, dass sie dann die nächsten Spiele doch wieder auf die Süd kommt.

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Sonntag, Heimspiel, Südkurve. Das ist der Normalzustand, eigentlich. 

Beim Spiel gegen Sandhausen haben eine Begleitung (im Folgenden: B.) und ich den Gang in die Nordkurve gewagt, um genauer zu sein: In den Gästeblock. 

Bei Auswärtsspielen gehört das Rummoppern über den Gästeblock und das Drumherum (die Klos in Lautern! Der Einlass in Magdeburg! Die Versorgungssituation in Fürth! Die Cops in Bielefeld!*) leider irgendwie dazu und das Hinterherschieben von einem “Also bei uns ist das ja besser…”. Ob und wie dieses “besser” aussieht, wollten wir dann mal überprüfen. 

Perspektivwechsel

Da B. und ich nicht gerade als die ruhigsten Menschen der Welt im Block bekannt sind, gab es ein paar Bedingungen für die Auswahl des Spiels:

  • kein ausverkaufter Gästeblock, damit wir keinen Fans des Gastvereins die Plätze wegnehmen
  • kein Spiel, bei dem wir emotional involviert sind
  • keine Fanszene im Gästeblock, bei der wir Bedenken haben, als St. Pauli-Fans entdeckt zu werden

Das Plenum tagte und wir haben uns für Sandhausen entschieden, nach der Terminierung war klar: Sonntagsausflug!

Einlass

Kurz zur Süd, die Karten in die Bezugsgruppe gegeben, Umarmungen und hämische Sprüche abgeholt und zack, auf den Weg ums Stadion rum. “Sind wir hier richtig? Hier müsste eigentlich…” der eine (!) Reisebus (das ist für später noch wichtig) mit Sandhausen-Fans hat uns dann gezeigt, dass wir auch im Norden des Wohnzimmers einen hervorragenden Orientierungssinn haben. 

Durch den Einlass, kurz abgetastet, keine Diskussion, keine gynäkologischen Untersuchungen (Grüße nach Magdeburg an dieser Stelle) und rein in Block. 

Das Block-Drumherum

Kein Kriterium für die Qualität eines Blocks, aber was uns stutzig macht: es gibt Jacky-Cola im Stadion?! Kurz Twitter befragt und scheint auch auf den anderen Tribünen Usus zu sein. Ob und wie nötig das ist, der Party-Pauli-Tradition mehr Futter zu geben, naja. Dazu schreibt das Kollektiv bestimmt mal ausführlich was.

Fischbrötchen, Bratwurst, Getränke – joa, normale Verpflegung. Als Veggie gibt’s eine Option, als Veganer*in kannste an einem trockenen Brötchen lutschen. Das geht besser. 

Der Block

Verkleinerter Block, 300 Karten verkauft (auch das wird gleich wichtig), Platz suchen und der Stadiongöttin für das Dach danken. 

Kein Gedränge, komische Perspektive, sehnsuchtsvoll die Süd angeschmachtet, 90 Minuten Fussball, wieder raus, zur Bezugsgruppe.

aber da war ja noch… Das Menschliche:

Durch die Gespräche der Bierfahnen-Fraktion hinter uns, war der, für Sandhäuser Verhältnisse, gut gefüllte Block schnell erklärt: 50-60 Fans der Vorstadt haben sich wieder ans Millerntor gewagt. Puh, okay. Wir waren neutral angezogen bzw. ohne sichtlichen Merch, also zur Halbzeit woanders hingestellt, um keinen Streit anzufangen und das nervige Gesabbel nicht mehr im Ohr zu haben. 

Das Derby hat Spuren hinterlassen

Die Sandhäuser (auch vertreten mit “Sandhäuser Jungs” Hoodies in Frakturschrift, natürlich) sind eher ein stilles Publikum – Respekt an die 10 Ultras/ aktive Fanszene, die mit Doppelhaltern und ein bisschen Gesang im unteren Drittel vertreten waren und irgendwann wütend aufm Zaun hingen. 

(Liebe Grüße an den Sandhäuser Ultra, der einer Raute aus Versehen eine Fahnenstange ins Gesicht donnerte – es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, über alles andere sprechen wir erst in zehn Jahren)

Vorstadt doin’ Vorstadt things

“Du Arschloch” war noch der nettere Kommentar der Dudes um uns rum. “H**ensohn, F**ze” fehlten natürlich auch nicht. Der Support am Millerntor sei schlecht, in der Imte.. HS.. AO.. am Volkspark werde die ganze Zeit supportet, blablabla. B. und ich waren also die ganze Zeit mit Augenrollen beschäftigt.

Merch und Gästefarben

Leude. Im St. Pauli-Trikot in Gästeblock gehen und “Das Herz von St. Pauli” mitsingen muss echt nicht sein. Wenn ihr keine Karten fürn Heimbereich bekommt, benehmt euch einfach und zeigt ein bisschen Anstand. Jubelnde HSV-Fans will ja auch keine*r beim Derby neben sich im Heimblock haben. Bei Sandhausen geht das noch, aber es gibt andere Fanszenen, die euch, zu Recht, paar auf den Kopf geben oder euch ausm Block schmeissen. 

Insgesamt: War ‘ne Erfahrung wert, aber nächstes Mal doch wieder in die Süd. 

* Disclaimer 1: Natürlich ist sonst alles toll in Magdeburg, Bielel.. nee, isses nicht. Aber das ist alles subjektive Erfahrung und kein Bericht mit dem Anspruch, neutral zu sein.