Sep 252019
 

Wenn wir mal nicht drauf los pöbeln

Liebe Leser*innen, ihr kennt uns. Wir pöbeln gerne mal gegen alles und jeden. Wir fühlen uns da auch nicht immer an journalistische Standards im Sinne von „wir müssen aber allen Seiten die Gelegenheit zur Stellungnahme bieten“ gebunden. Wir sind wie wir sind.

Es gibt aber Themen, da wird es sehr sensibel und da wollen wir nicht los pöbeln, insbesondere im Bereich der Jobs im nichtsportlichen Bereich beim FCSP. Diese Leute sind – zu Recht – keine Personen öffentlichen Interesses und sollten daher auch eher zurückhaltend Thema öffentlicher Debatten werden. Gerade wenn es sich im Individuen handelt, die nicht in leitender Funktion handelt – da ist das “in der Schusslinie stehen” zumindest Teil des Jobs.

Grundsätzliches zum Behindertenfanbeauftragten

Der Behindertenfanbeauftragte (BFB) ist eine wichtige Funktion. Behinderte zu integrieren und ihnen einen möglichst problemlosen Besuch von Fußballspielen zu ermöglichen, muss ein sehr zentrales Ziel des FCSP sein. Wir wollten das Thema sowieso mal angehen und werden dies in nächster Zeit auch noch vertieft tun. Da läuft nämlich insgesamt vieles nicht perfekt und ist verbesserungswürdig.

Dafür ist es auch zentral, dass diese Menschen eine Vertrauensperson haben. Und dass sie eine zentrale Person, die ihre Interessen vertritt, haben. In der Vergangenheit wurde das in Personalunion durch eine Person getan. Eine Änderung in diesem Bereich ist daher immer vorsichtig vorzunehmen.

Grundsätzliches zu Fanbeauftragten

Bisher war der BFB beim Verein angesiedelt. Das entspricht nicht unserem „normalen“ Modell. Wir haben ein Modell, das von anderen Vereinen abweicht und eine Sonderstellung hat. Bei uns sind die Fanbeauftragten nicht direkt beim Verein angestellt, sondern beim Verein Jugend und Sport e.V., der gleichzeitig auch das Fanprojekt organisiert. Das ist historisch gewachsen, entspricht nicht den Vorstellungen der DFL/des DFB, ist aber bei uns so geübte und bewährte Praxis.

Natürlich kann man diese Konstruktion hinterfragen, sollte dabei aber bedenken, dass sie sich bisher bewährt hat. Und seien wir ehrlich: Sie macht die Position des Fanbeauftragten bei uns auch unabhängiger und schwerer von irgendwelchen Klüngeln zu besetzen. Nein, wir trauen den jetzigen Verantwortlichen nicht zu, dass sie da irgendjemanden pro Forma hinsetzen, aber überlegt mal, wie das unter Cornelius hätte aussehen können. So mit irgendeinem Buddy als Fanbeauftragter. Da wäre schnell die Scheiße am Dampfen. Oder erinnert euch an Raimond Aumann, der jahrelang Fanbeauftragter des FCB war und immer noch Direktor „Fanbetreuung“ ist. Ihr könnt euch die Fachkompetenz und die Fähigkeit Uli H. zu kritisieren wahrscheinlich vorstellen.
Wenn man aber nun diese Konstruktion hat, dann ist es nur sinnvoll und folgerichtig auch den BFB in den Verein Jugend und Sport zu verlagern. Eine engere Vernetzung mit den anderen Fanbeauftragten, mit dem Fanprojekt und ja auch ein Stachel im Fleisch all dieser Institutionen ist nur wünschenswert und ein Schritt in die richtige Richtung. Und so kann der BFB die ganze Lobby des Fanladens für die Interessen von Menschen mit Behinderung nutzen.

Das war wohl auch Ziel einer geplanten Umorganisation und schon länger Thema zwischen allen Menschen, die in diesem Bereich tätig sind.

Und nun das

Nun schreibt der Verein Jugend und Sport die entsprechende Stelle aus und wahrscheinlich nur dadurch erfahren die Betroffenen, dass Jörn Weidlich seine Tätigkeit beendet. Dies brachte ein gewisses Entsetzen und eine Petition für den Verbleib von Jörn in die Social Media Umlaufbahn. Wir verlinken diese Petition hier ausdrücklich zu eurer Information, nicht weil wir sie unterstützen (warum siehe gleich).

In diesen Beiträgen werden viele Vorwürfe laut, die wir nicht diskutieren wollen. Warum? Siehe oben, es handelt sich hier um ein vertrauliches Arbeitsverhältnis, deren Zustand und Entwicklung nicht Thema öffentlicher Debaten sein darf. Wir haben uns dann mal umgehört, viele Gespräche geführt, die nicht alle für die Öffentlichkeit waren und sind trotzdem nur bedingt schlauer.

Es ist allemal doof, dass der Abschied von Jörn nicht auf andere Weise zu den Betroffenen durchgedrungen ist und denen viel zu unklar ist, ob und wann es eine Nachfolge auf dieser Position geben kann.

Es ist doof, dass das ganze über das Knie gebrochen werden muss, weil Jörn relativ kurzfristig aufhört.

Es ist doof, dass diese Stelle bei uns gerade mal eine 450 € Stelle ist. Ja, sie wird es nicht, sie ist es jetzt schon. Wenn überhaupt. Das ist Sparen an der falschen Stelle, lieber Verein. Und ja auch wenn die Stelle offiziell beim Verein Jugend und Sport angesiedelt ist, so wird sie doch vom Verein bezahlt.

Jörn hat nach allem was wir wissen von sich aus seine Tätigkeit beendet. Er spricht in seiner – öffentlich einsehbaren, deswegen nehmen wir hier überhaupt Bezug darauf – Stellungnahme von „nicht wirklich freiwillig zurückgetreten“, aber ganz ehrlich Jörn, das heißt dann genau das du freiwillig zurückgetreten bist. Auch wenn du dich vielleicht von den Umständen dazu gezwungen fühltest.

Das zieht nebenbei auch die Petition nicht in Zweifel. Er mag – wie schon gesagt – gute Gründe haben, wir wissen von den „normalen“ Fanbeauftragten, wie viel Frust sich innerhalb von zehn Jahren aufstauen kann und wieviel Kraft eine Fanbetreuung beim FCSP kostet. Das wird im Bereich „Behinderte“ nicht anders sein. Es ist auch Rolle dieses Menschen mal jemandem auf die Füße zu treten und da bleibt auch mal persönlicher Ärger nicht aus. Selbst wenn auf allen Seiten eigentlich gute Menschen ihren Job gewissenhaft erledigen. Wenn man dies dann noch auf Honorarbasis, 450 Euro Basis oder anderen nicht lebensdeckenden Einkünften macht, dann ist das noch härter und man muss großen Respekt haben, wenn das jemand 10 Jahre macht.

Wenn für ihn der Zeitpunkt gekommen ist oder er die Umstände nicht mehr ertragen kann, dann kann man das schade finden, man kann ihn auch ermuntern sich das vielleicht noch mal zu überlegen oder sich neu zu bewerben, es ist aber schwierig das dann in eine unberechtigte Kündigung umzudichten. Ob es Umstände gibt, die es zu kritisieren gibt, sei mal dahin gestellt. Wir wissen das einfach nicht. Perfekt ist das garantiert nicht.

Die Petition geht da auch von etwas falschen Annahmen aus. Denn eine Lobby ist weiterhin geplant, wir denken, dass diese Lobby auch ein sehr gewichtiges Wörtchen bei Karten und ähnlichem mitreden wird, gerade wenn sie beim Fanladen angesiedelt ist, der gerade in dem Bereichen „Karten“ eine deutliche Lobby hat und so Dinge mit viel mehr Gewicht ansprechen kann. Sollte der Verein wirklich planen, da keine Unterstützung durch einen BFB zuzulassen, dann ist dies absolut falsch und dies unabhängig von der Person, die diese Stelle ausübt.

Ebenso ist es keine fehlende Wertschätzung, wenn nun die Stelle nicht vom Verein ausgeschrieben wird, sondern vom Verein Jugend und Sport. Siehe oben. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem Enttäuschung ist zu verstehen

Trotzdem ist die Enttäuschung und auch die Angst vor einem schlechteren Service definitiv zu verstehen und die unglückliche Kommunikation ist zu kritisieren und wird hoffentlich allen Beteiligten eine Lehre sein. Wir können den Text der Petition nicht inhaltlich teilen, halten es aber trotzdem auch mal für richtig, sich Luft zu machen. Tun wir ja auch. Nur nicht hier.

Unser Wunsch wäre, dass man da zwischen Verein, Betroffenen und auch Jörn einen Gesprächsfaden hinbekommt und wenn es mit ihm nicht weiter geht, dann wenigstens eine vernünftige Übergabe und einen Abschied in einem befriedeten Zustand hin zu bekommen.