Sep 302019
 

Und weil das Spiel gegen Sandhausen so toll war, haben wir gleich noch einen zweiten Bericht für Euch, dieses Mal mit Perspektivwechsel von @FrauElo und B. Und finden es jetzt auch nicht so schlimm, dass sie dann die nächsten Spiele doch wieder auf die Süd kommt.

***

Sonntag, Heimspiel, Südkurve. Das ist der Normalzustand, eigentlich. 

Beim Spiel gegen Sandhausen haben eine Begleitung (im Folgenden: B.) und ich den Gang in die Nordkurve gewagt, um genauer zu sein: In den Gästeblock. 

Bei Auswärtsspielen gehört das Rummoppern über den Gästeblock und das Drumherum (die Klos in Lautern! Der Einlass in Magdeburg! Die Versorgungssituation in Fürth! Die Cops in Bielefeld!*) leider irgendwie dazu und das Hinterherschieben von einem “Also bei uns ist das ja besser…”. Ob und wie dieses “besser” aussieht, wollten wir dann mal überprüfen. 

Perspektivwechsel

Da B. und ich nicht gerade als die ruhigsten Menschen der Welt im Block bekannt sind, gab es ein paar Bedingungen für die Auswahl des Spiels:

  • kein ausverkaufter Gästeblock, damit wir keinen Fans des Gastvereins die Plätze wegnehmen
  • kein Spiel, bei dem wir emotional involviert sind
  • keine Fanszene im Gästeblock, bei der wir Bedenken haben, als St. Pauli-Fans entdeckt zu werden

Das Plenum tagte und wir haben uns für Sandhausen entschieden, nach der Terminierung war klar: Sonntagsausflug!

Einlass

Kurz zur Süd, die Karten in die Bezugsgruppe gegeben, Umarmungen und hämische Sprüche abgeholt und zack, auf den Weg ums Stadion rum. “Sind wir hier richtig? Hier müsste eigentlich…” der eine (!) Reisebus (das ist für später noch wichtig) mit Sandhausen-Fans hat uns dann gezeigt, dass wir auch im Norden des Wohnzimmers einen hervorragenden Orientierungssinn haben. 

Durch den Einlass, kurz abgetastet, keine Diskussion, keine gynäkologischen Untersuchungen (Grüße nach Magdeburg an dieser Stelle) und rein in Block. 

Das Block-Drumherum

Kein Kriterium für die Qualität eines Blocks, aber was uns stutzig macht: es gibt Jacky-Cola im Stadion?! Kurz Twitter befragt und scheint auch auf den anderen Tribünen Usus zu sein. Ob und wie nötig das ist, der Party-Pauli-Tradition mehr Futter zu geben, naja. Dazu schreibt das Kollektiv bestimmt mal ausführlich was.

Fischbrötchen, Bratwurst, Getränke – joa, normale Verpflegung. Als Veggie gibt’s eine Option, als Veganer*in kannste an einem trockenen Brötchen lutschen. Das geht besser. 

Der Block

Verkleinerter Block, 300 Karten verkauft (auch das wird gleich wichtig), Platz suchen und der Stadiongöttin für das Dach danken. 

Kein Gedränge, komische Perspektive, sehnsuchtsvoll die Süd angeschmachtet, 90 Minuten Fussball, wieder raus, zur Bezugsgruppe.

aber da war ja noch… Das Menschliche:

Durch die Gespräche der Bierfahnen-Fraktion hinter uns, war der, für Sandhäuser Verhältnisse, gut gefüllte Block schnell erklärt: 50-60 Fans der Vorstadt haben sich wieder ans Millerntor gewagt. Puh, okay. Wir waren neutral angezogen bzw. ohne sichtlichen Merch, also zur Halbzeit woanders hingestellt, um keinen Streit anzufangen und das nervige Gesabbel nicht mehr im Ohr zu haben. 

Das Derby hat Spuren hinterlassen

Die Sandhäuser (auch vertreten mit “Sandhäuser Jungs” Hoodies in Frakturschrift, natürlich) sind eher ein stilles Publikum – Respekt an die 10 Ultras/ aktive Fanszene, die mit Doppelhaltern und ein bisschen Gesang im unteren Drittel vertreten waren und irgendwann wütend aufm Zaun hingen. 

(Liebe Grüße an den Sandhäuser Ultra, der einer Raute aus Versehen eine Fahnenstange ins Gesicht donnerte – es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, über alles andere sprechen wir erst in zehn Jahren)

Vorstadt doin’ Vorstadt things

“Du Arschloch” war noch der nettere Kommentar der Dudes um uns rum. “H**ensohn, F**ze” fehlten natürlich auch nicht. Der Support am Millerntor sei schlecht, in der Imte.. HS.. AO.. am Volkspark werde die ganze Zeit supportet, blablabla. B. und ich waren also die ganze Zeit mit Augenrollen beschäftigt.

Merch und Gästefarben

Leude. Im St. Pauli-Trikot in Gästeblock gehen und “Das Herz von St. Pauli” mitsingen muss echt nicht sein. Wenn ihr keine Karten fürn Heimbereich bekommt, benehmt euch einfach und zeigt ein bisschen Anstand. Jubelnde HSV-Fans will ja auch keine*r beim Derby neben sich im Heimblock haben. Bei Sandhausen geht das noch, aber es gibt andere Fanszenen, die euch, zu Recht, paar auf den Kopf geben oder euch ausm Block schmeissen. 

Insgesamt: War ‘ne Erfahrung wert, aber nächstes Mal doch wieder in die Süd. 

* Disclaimer 1: Natürlich ist sonst alles toll in Magdeburg, Bielel.. nee, isses nicht. Aber das ist alles subjektive Erfahrung und kein Bericht mit dem Anspruch, neutral zu sein. 

Sep 292019
 

Dennis macht Spaß

Diekmeier du alte Raute, das hat heute mit Dir mal richtig Laune gemacht. Spieler die Emotionen zeigen und giftig sind, passen perfekt zum Millerntor. Selbst wenn sie als Gegner da sind und als heutiges Feindbild dienen. Und deine „Kommt doch!“-Geste in die Gegengerade? Feinste Unterhaltung!

Es begann grau

Ein Tag, wie ihn nur Hamburg zu bieten hat. Grau, nass und kalt. Der Verein sprach in seiner Spieltagszeichnung von „leichten Schauern“, was ein schöner Euphemismus für bestes Hamburger Dauernieseln ist. Wünscht sich irgendwer da die alten Stehplätze ohne Dach zurück?

Zuviel Jörn

Inhaltlich hatten wir alles zu dem Wechsel auf der Position unseres Behindertenfanbeauftragten gesagt. Wir erwähnten, dass wir den Protest nicht wirklich inhaltlich teilen, aber auch für legitim halten.

Nur, liebe Protestler*innen, weniger wäre hier mehr gewesen. Petition online und Unterschriftenlisten analog sind redundant und die Erklärung null ausreichend für den normalen Stadionbesucher. Und wenn dann manche uns berichten, dass sie sich davon überrumpelt fühlten, spricht das wirklich nicht für Euren Auftritt. Wir durften mehrfach versuchen Hintergründe zu erklären. Gleich aussehende Tapeten auf allen Tribünen sind sowieso immer etwas künstlich, aber hier kam noch hinzu, dass keine der Tapeten ein einziges Mal richtig ausgerollt wurde. Eine wirkmächtige Aktion an einem Ort wäre besser gewesen.

Oz, du fehlst

Wir erwähnten bereits das graue Wetter. Insofern war das Gedenken an OZ ein schöner bunter Gegenpunkt. Und einem Menschen angemessen, der etwas gegen Grau tat.

Auf der Gegengerade wurde St. Depri per Choreo gewürdigt. „Wir sind immer für uns da“ ist wichtig und wir wünschen uns eine ganz breite Unterstützung für diese Gruppe. Danke, dass es Euch gibt!

In der Halbzeit wurde dann noch breit gegen das Polizeigesetz demonstriert. Absolut zu Recht. Worum es inhaltlich geht? Findet ihr hier.

Wir erwähnten es bereits schon mehrfach: Eine Polizei, die nicht kontrolliert wird und immer umfassendere Machtbefugnisse bekommt, passt null zu einer freiheitlichen Gesellschaft. Es wird hier komplett versäumt, der Polizei praktisch und durch Gesetze Grenzen zu setzen.

Folge sind dann „Schmerzgriffe“ gegen Jugendliche, deren schlimmes Verbrechen war, mal kurz Autostraßen zu besetzen. Oder das Zusammenscheppern von Gegendemos bei Naziaufmärschen, wie heute geschehen. Aber der deutsche Michel lässt sich durch „wir haben alles richtig gemacht und wer was anderes sagt, ist linksradikal“ beruhen und reagiert nicht mal dann, wenn es ihn selber trifft. Siehe S21. Rosige Aussichten. Nicht.

Wir schweifen ab

Zurück zum Spiel

Trotzdem entwickelte sich – auch dank Dennis – eine ganz ordentliche Stimmung. Die in der Süd auch von wechselnden Frauen auf dem Podest angefeuert wurde. Noch (?) ohne Megaphon, aber das ist im Sinne einer Diversität ein sehr schönes Bild. Wir deuten das mal sehr optimistisch als Trockenübung und freuen uns aus das nächste Mal mit Megaphon. Nix gegen unsere männlichen Vorsänger, aber Vielfalt ist immer besser.

Sowieso Männer. Auf der Süd mal wieder eklige Sexisten unterwegs. Filmen in den Block ist scheiße. Auf Ansprache pissig zu reagieren, mühsam. Für das bekannte “von einer Frau lass ich mir gar nicht sagen” habt ihr auf die Fresse verdient. Verpisst Euch, euch will hier keiner. Danke an die Umstehenden, die auf Ansprache dann noch mal eine Ansage in deren Richtung machten. Und nächster Dulli, dem wir bei so einer Aktion eine runterhauen: Sorry, not sorry. Es reicht.

Geht doch einfach weit weg, am besten irgendwo außerhalb dieses Planetensystems. Und der Verein als Ausrichter kann da gerne mal deutlich mehr machen, als die Plakate der Awareness-Gruppe aufhängen zu wollen.

Mitnehmen könnt ihr gleich die Leute, die meinen, mit Bierbechern oder Feuerzeugen zu werfen. Das tut weh, wenn man davon getroffen wird, und meistens trifft es Mitfans. Es nervt auch, dass auf der GG jemand seelenruhig zum Zaun gehen kann, den Becher auf den Platz werfen kann und dann seelenruhig dumm grinsen kann, ohne eine klare Ansage der Nebenstehenden zu bekommen. Selbstkontrolle? Am Arsch! Noch ätzender ist es aber, wenn Menschen aus unserer Bezugsgruppe den vollen Becher an den Kopf kriegen und die Nachwirkungen das ganze Spiel andauern. Lebt Eure Wurffreude doch beim Dosenwerfen auf dem Dom aus. Der ist (leider) bald wieder. Zwei Sekunden Mitdenken für Mitmenschen ist aber auch verdammt viel verlangt.

Dramaturgie

Der Philosoph unseres Kollektivs plädiert ja dafür, dass Schiedsrichter in ihre Entscheidungen etwas Dramaturgisches einfließen lassen sollten. So nach dem Prinzip: „Was tut dem Entertainment-Faktor gut?“ Unser heutiger Schiedsrichter war das genaue Gegenteil davon. Immer wieder kleinliche Unterbrechungen. Dazu auch zwei klare Vorteile unterbrochen. Das war nicht dramaturgisch klug.

Immerhin gab er Mats für das Nicht-Foul an Dennis Gelb. Das hatte dann wieder was Dramatisches. Wobei sich Mats im gleichen Zug wohl auch verletzte und nicht mal mehr zum Jubeln in die Kurve kam. Wir drücken alle Daumen! Besonders schön auch, dass das Nicht-Foul als Reaktion darauf kam, dass Denis D. Penney ins Gesicht fasste. “Hier gewinnt nur einer” voll verinnerlicht. Danke Mats!

Wow, einfach nur wow

Das war die beste Saisonleistung bei beschissenem Wetter. Dem Millernton-Tim kam das Wort „Ballbesitzfußball“ über die Tastatur. Und das auch noch teilweise echt gut gespielt. Frühes Tor hilft natürlich sehr gegen Sandhausen, denn die können schon echt super gut verteidigen. Und sind in der Gegenbewegung echt schnell und gefährlich.

Gut, dass sich Finn-Ole Becker sich da ein Herz nimmt, nachdem die Ränge schon zweimal „Schieß doch“ vollständig ausgesprochen hatten und die Möglichkeit schon vorbei schien.

Danach eine kurze Schwächephase, dann wieder Druck und Chancen ohne Ende. Das Spiel hätte auch höher gewonnen werden können. Aber nun gut, irgendwas ist immer.Gerade als Sandhausen aufmachte, gab es genug 1-1 Situationen mit dem Torhüter, um das Spiel höher zu entscheiden. Das üben wir noch. Buchtmann nach seiner Einwechselung mehrfach positiv beteiligt.

Richtig gut und auffällig? Østigård! Und dazu immer wieder in Interaktion mit der Süd. Wir glauben, dem gefällt es bei uns. Ist aber auch schöner als in den allermeisten englischen Stadien.Knoll als halber Stürmer. Irgendein Fußballphilosoph sagte mal, dass Spieler im Alter immer defensiver werden. Bei Knoll ist es genau andersrum. Und das ist richtig gut so! Besonders fühlten wir auch, wie er mehrfach nach vergebenen Chancen in den Rasen haute. Richtig gut!

Und Gyökeres ist auch richtig am Millernton angekommen. Beweis gefällig? Dies sagte er dem Verein:
„Der Treffer bedeutet mir persönlich sehr viel. Ich bin im Sommer zum FC St. Pauli gekommen und wollte dem Team helfen. Heute hatte ich endlich die Chance, genau das zu tun, und es hat sich richtig gut angefühlt, auf dem Rasen zu stehen.“

Fazit

Wir sprachen vom Abwasch, der nach dem Derby erledigt werden müsse. Das haben die Jungs glänzend hin bekommen. Das Geschirr von 5 ungeschlagenen Spielen steht blinkend sauber im Schrank. Als nächstes? Nürnberg weg hauen.

Sep 272019
 


The first item is a sketch about EFootball.

Der FCSP engagiert sich seit neustem im ESports, genauer gesagt im EFootball. Wir sind in diesem Gebiet absolut keine Expert*innen, haben gerade eineinhalb Menschen in unseren Reihen, die sich was aus Computerspielen machen und können und wollen gar nicht über Sinn und Unsinn von ESports diskutieren.

Es ist halt gerade der letzte Schrei unter Profifußballorganisationen, sich da zu engagieren und Spieler (ja, nicht gegendert…) zu verpflichten. Und wir haben hier bewusst nicht „Vereine“ geschrieben. Auch bei uns ist das erstmal ein „von oben“ einkaufen mit Hilfe eines Sponsors.

So etwas ist dem FCSP grundsätzlich etwas fremd. Wir verstehen uns ja doch sehr basisdemokratisch und „von unten nach oben“ aufgebaut. Der Breitensport hätte garantiert nicht die Größe die er hat ohne den Herrenprofifußball, aber er macht heute immerhin 50 % aller Mitglieder aus, produziert Deutsche Meister, Vizeeuropameister und ganz viele andere sportliche Erfolge von denen der Herrenprofifußball (noch) träumt.

Es läge daher näher, wenn man auch den ESport als einen Breitensport beim FCSP beginnen würde, der dann – auch gerne mit Hilfe von Sponsoren, so realistisch kapitalistisch sind wir dann auch- in den Profibereich vorstößt.

Die Pressemitteilung spricht auch von einem „im Verein verankern“ und dabei „integrativ und breitensportlich“ zu sein. Das ist aber natürlich von oben nach unten. Und dafür gibt es wahrscheinlich Gründe, die der FCSP nur bedingt in den Händen hält.

Was ist eigentlich so schwierig? Das Steuerrecht!



Nehmen wir es vorweg: Der FCSP kann höchstwahrscheinlich keine Amateuresports Abteilung gründen ohne seine Gemeinnützigkeit und damit seine gesamte Geschäftsgrundlage zu gefährden.

Der FCSP darf grundsätzlich (das heißt für Juristen „es kann Ausnahmen geben“) nur gemeinnützige Dinge machen. Insbesondere in dem Bereich in dem er Mitgliedsbeiträge ausgibt (wenn man so will „Amateurabteilungen“), darf er nur gemeinnützige Dinge machen. Was gemeinnützig ist, geht nicht etwa nach Sinn und Unsinn oder gesundem Menschenverstand. All diese Dinge verbieten sich im Steuerrecht.

Entscheidend ist § 52 Abgabenordnung (AO). Da steht der Sport als gemeinnützig drin. Der gesunde Menschenverstand würde nun sagen „Check! ESports ist halt moderner Sport alles gut, warum sollen Leute da keinen Verein für gründen, der gemeinnützig ist?“. Aber wie eben erwähnt, dies verbietet sich. Als Sport im Sinne der AO wird nur die körperliche Ertüchtigung angesehen und die will die Verwaltung und die Rechtsprechung bisher im ESport nicht sehen.

Man kann da nebenbei sehr geteilter Meinung sein, denn Reaktionsschnelligkeit, Hand Augenkoordination etc. werden bei solchen Spielen sehr wahrscheinlich ertüchtigt und sind körperliche Talente. Aber wie war das mit „gesundem Menschenverstand“? Der bleibt spätestens dann auf der Strecke, wenn man weiß, dass Motorsport als gemeinnütziger Sport anerkannt ist.

Falls wer nach Schach fragt: Die AO arbeitet da mit einer gesetzlichen Fiktion und macht damit Schach zu Sport.

Da wir als Verein aber erstmal an diese Auslegung gebunden sind, wird eine Amateursportabteilung „ESports“ schwierig. Wenn ihr nun Google anwerft, werdet ihr finden, dass einige ESports Vereine über die Brücke „Jugendförderung“ ihre Gemeinnützigkeit erlangt haben und auch dies ist ein in der Satzung genannter Zweck des FCSP. Jedoch auch das trägt keine Breitensportabteilung, denn dann könnten da z.B. keine Erwachsene ihrem ESport nachgehen.

Eigentlich ein gutes Feld für die Werte des FCSP



Der folgende Vergleich hinkt, aber hat doch einen wahren Kern. Die Gaming Community ähnelt schon dem Fußball vor 35 Jahren. Die vermeidlich unpolitische Community gibt Reichweite, Finanzierung und damit auch Macht an ziemlich fragwürdigen Persönlichkeiten (andere Beschreibungen der verlinkten Person verbot uns unser Anwalt) und ist so ein Nährboden für Rassist*innen, Sexist*innen etc. pp. Andere Stichworte sind „Gamergate“, „4Chan“ etc. Insgesamt ist die ganze Szene in ihrer männlichen, weißen, Machoprägung dem Fußball gar nicht so fern. Und das trotz ganz vieler guter Menschen und Iniativen gegen all diesen Mist, die es gibt und die der FCSP unterstützen sollte. Hier kann die Reichweite und Wirkungsmacht des FCSP nur hilfreich sein.


TLDR? oder auch Fazit?



Der FCSP macht zur Zeit das beste aus der unsicheren Lage. Ein Fuß in die Tür bekommen, das Thema besetzen und wenn es rechtlich möglich ist, dann sollte man die Gründung einer ESports-Amateurabteilung forcieren. Auch wenn ein bisschen mehr Mitbestimmung und Nutzung der demokratischen Kanäle wünschenswert wäre.

And Now for Something Completely Different /Typisier Dich!





Unser geliebter Verein spielt ein Testspiel gegen die Nr. 2 im Norden, Werder Bremen, in der Länderspielpause. Im Rahmenprogramm wird es eine Typisierungsaktion geben. Falls ihr nicht sowieso schon in der Datenbank seid, dann nimmt daran teil. Aus aktuellen Gründen, aus allgemeinen Gründen und weil es einfach wichtig ist. Hier der Text von der offiziellen Homepage nochmal:

„Vor dem Spiel: Kampf dem Blutkrebs!

Alle 15 Minuten wird in Deutschland die Diagnose Blutkrebs gestellt. Wir wollen helfen, die Krankheit zu besiegen, und rufen beim Testspiel gegen Werder Bremen zu einer DKMS-Registrierung auf.

Merkt Euch schon einmal den Termin vor und lasst Euch zwischen 16 und 18 Uhr in der Südtribüne (Zugang barrierefrei und ohne Ticket möglich) als potenzielle Knochenmarksspender*innen registrieren und helft den Menschen, die an Blutkrebs erkrankt sind.“

Sep 262019
 

In der Derbysiegeuphorie ist einem “neben dem Platz”-Thema nur wenig Beachtung geschenkt worden. Und das zurecht. Weil Hamburg verdammt noch mal braun-weiß ist.

Ihr fragt Euch, warum wir darüber schreiben?

Wir haben irgendwann zwischen dem 26. August (Heimspiel gegen Kiel) und dem 16. September (DERBYSIEG!) einen neuen Sponsor der Kategorie “Stammspieler” (die zweitniedrigste Sponsoringkategorie beim FCSP) hinzugewonnen. Zumindest wenn man die beiden VIVAs zu den Heimspielen vergleicht (links das Derby, rechts die vom Spiel gegen Kiel):

Das an sich ist natürlich erstmal kein Thema. Oder auch doch. Wenn man zwei Dinge in Betracht zieht:

  1. Der Eindruck, dass bei der Werteveranstaltung bewusst mit falschen Informationen agiert wurde: Es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass die 200 Menschen, die sich am 29.08. mit Vereinsoffiziellen zum Thema Werte, Marketing und Vertrieb ausgetauscht haben, mit falschen Informationen versorgt wurden. Bei einer Veranstaltung zum Thema Werte!
  2. Der Sponsor lässt sich der Kategorie Tabakprodukte zuordnen. Es handelt sich nämlich um Moods, die sich selbst auf ihrer Homepage (https://www.dannemann.com/de/our-company) folgendermaßen beschreiben:
    “Im Jahr 1994 haben wir mit MOODS die ersten „Aromatic Cigarillos“ auf den Markt gebracht und dank vieler weiterer Innovationen bestimmen wir noch heute dieses Segment. Feinste tropische Einlagemischungen, veredelt mit Virginia & Orient Tabaken, sowie ein erstklassiges Deckblatt sorgen dabei für einen unverwechselbar aromatischen Rauchgenuss, der typisch für MOODS ist.”

Rollen wir das Pferd von hinten auf

Am 29. August fand die Veranstaltung der Veranstaltungsreihe (M)ein Verein statt, Schwerpunkt Sponsoring und Werte. Wir berichteten an anderer Stelle bereits. Ein Thema findet in dem Artikel noch nicht mal Platz. Weil es nebenbei abgehandelt wurde und weil wir keinen akuten Schreibbedarf sahen: In der Diskussion zum Thema Suchtmittel kam nämlich auch die Frage auf, ob und wie die Verantwortlichen aus Marketing und Vertrieb zum Thema Tabaksponsoring stehen.

Die Antwort lautetet, dass es keine aktuellen Pläne gebe und ein solches Sponsoring in Absprache mit CSR intensiv geprüft werden solle, bevor eine solche Kooperation angebandelt werden würde; bei bisherigen Gesprächen habe man sich dagegen entschieden.

Achtzehn Tage nach dieser Aussage haben wir dann einen neuen Sponsor, der beim Derby auch bereits in Erscheinung tritt. Mehr zum wie unten. Wir schätzen ja Geschwindigkeit und schnelles Handeln. Vor allem auf dem Platz (Ryo <3), aber auch sonstwo. Wollen aber doch zumindest schwer anzweifeln, dass in einem Zeitraum von 18 Tagen eine Kontaktaufnahme mit einem Sponsor stattfindet, alle Details zur Kooperation geklärt werden, die Prüfung des Sponsors bzgl. Passung zum Verein (wir erinnern an die Aussage, dass wir vor allem Kooperationen mit Sponsoren anstreben, die zu unseren Werten passen) und der intensive CSR-Check durchgeführt werden können und ein Vertrag von allen Beteiligten unterschrieben ist. Und dann auch noch Promoter*innen für das Derby gefunden werden.

So viel zum Prozess, nun zum inhaltlichen: Wir haben innerhalb des Kollektivs verschiedene Ansichten bzgl. privatem Tabakkonsum. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

In einer Sache sind wir uns aber einig: Beim Fussball, in einem Umfeld, in dem sich viele Jugendliche aufhalten ist das offensive Werben für Tabakprodukte vollkommen daneben. Und als solches muss man die Anwesenheit von Promotern auf mindestens zwei Tribünen während des Derbies bezeichnen:

Achtzehn Tage nachdem 200 Menschen gesagt wurde, dass eine solche Kooperation aktuell nicht geplant ist, befinden sich in der Nord und Gegengerade (Belegt durch die obigen Fotos – für die anderen Tribünen können wir dies ebenfalls nicht komplett ausschließen) Promoter, die Werbeartikel einer Tabakfirma verteilen. In einem Stadion, in dem auch viele Minderjährige vor Ort sind.

Selbst die Mitglieder eines Lobbyverbandes wie der Deutsche Zigarettenverband, in dem der Moods-Eigentümer Dannemann nicht Mitglied ist, verpflichten sich im eigenen Werbekodex auf folgendes:

“Zu den wichtigsten Bestimmungen des DZV-Werbekodex zählen:
[…]
der Verzicht auf das Sponsoring öffentlicher Sportveranstaltungen;
der Verzicht auf Marketingaktivitäten in oder an Sportstätten;
[…]“

Oder in anderen Worten: Selbst die Big Player der Branche erkennen an, dass das Sponsoring an Sportstätten eine beschissene Idee ist. Die für das Thema Kooperationen in diesem Verein verantwortlichen Menschen sehen darin aber scheinbar kein Problem und öffnen unser Stadion für einen Tabakhersteller, damit Promoter hier Werbung machen können.

Dem ganzen die Krone wird im übrigen auch dadurch aufgesetzt, dass Dannemann/ Moods erstmalig beim Derby gegen den H$V in Erscheinung treten. Nachdem sie vor Jahren noch einen VIP-Bereich in der Imtech-Arena (ja, so hieß das Stadion an der Müllverbrennungsanlage damals) betrieben.

Und uns sei auch noch erlaubt, hier auch noch weiter den Finger in die Wunde zu legen: Auch das offensive Werben von Alkoholherstellern in einem Stadion, in dem sich viele Jugendliche befinden, ist weiterhin kritisch zu betrachten und zu begleiten. Warum es wirklich nötig ist, hier noch neue Partner hinzu zu gewinnen, ebenso. Und lasst uns nicht mit dem Thema Werbung durch Anbieter von Sportwetten anfangen.

Die Tragödie, an die die Überschrift dieses Artikels angelehnt ist, nimmt kein gutes Ende. Und wir müssen sagen, wir werden mit jeder neuen Entwicklung im Bereich Marketing/ Sponsoring pessimistischer. So geht das einfach nicht. Eine Richtungsänderung ist dringend nötig. 

Sep 252019
 

Wenn wir mal nicht drauf los pöbeln

Liebe Leser*innen, ihr kennt uns. Wir pöbeln gerne mal gegen alles und jeden. Wir fühlen uns da auch nicht immer an journalistische Standards im Sinne von „wir müssen aber allen Seiten die Gelegenheit zur Stellungnahme bieten“ gebunden. Wir sind wie wir sind.

Es gibt aber Themen, da wird es sehr sensibel und da wollen wir nicht los pöbeln, insbesondere im Bereich der Jobs im nichtsportlichen Bereich beim FCSP. Diese Leute sind – zu Recht – keine Personen öffentlichen Interesses und sollten daher auch eher zurückhaltend Thema öffentlicher Debatten werden. Gerade wenn es sich im Individuen handelt, die nicht in leitender Funktion handelt – da ist das “in der Schusslinie stehen” zumindest Teil des Jobs.

Grundsätzliches zum Behindertenfanbeauftragten

Der Behindertenfanbeauftragte (BFB) ist eine wichtige Funktion. Behinderte zu integrieren und ihnen einen möglichst problemlosen Besuch von Fußballspielen zu ermöglichen, muss ein sehr zentrales Ziel des FCSP sein. Wir wollten das Thema sowieso mal angehen und werden dies in nächster Zeit auch noch vertieft tun. Da läuft nämlich insgesamt vieles nicht perfekt und ist verbesserungswürdig.

Dafür ist es auch zentral, dass diese Menschen eine Vertrauensperson haben. Und dass sie eine zentrale Person, die ihre Interessen vertritt, haben. In der Vergangenheit wurde das in Personalunion durch eine Person getan. Eine Änderung in diesem Bereich ist daher immer vorsichtig vorzunehmen.

Grundsätzliches zu Fanbeauftragten

Bisher war der BFB beim Verein angesiedelt. Das entspricht nicht unserem „normalen“ Modell. Wir haben ein Modell, das von anderen Vereinen abweicht und eine Sonderstellung hat. Bei uns sind die Fanbeauftragten nicht direkt beim Verein angestellt, sondern beim Verein Jugend und Sport e.V., der gleichzeitig auch das Fanprojekt organisiert. Das ist historisch gewachsen, entspricht nicht den Vorstellungen der DFL/des DFB, ist aber bei uns so geübte und bewährte Praxis.

Natürlich kann man diese Konstruktion hinterfragen, sollte dabei aber bedenken, dass sie sich bisher bewährt hat. Und seien wir ehrlich: Sie macht die Position des Fanbeauftragten bei uns auch unabhängiger und schwerer von irgendwelchen Klüngeln zu besetzen. Nein, wir trauen den jetzigen Verantwortlichen nicht zu, dass sie da irgendjemanden pro Forma hinsetzen, aber überlegt mal, wie das unter Cornelius hätte aussehen können. So mit irgendeinem Buddy als Fanbeauftragter. Da wäre schnell die Scheiße am Dampfen. Oder erinnert euch an Raimond Aumann, der jahrelang Fanbeauftragter des FCB war und immer noch Direktor „Fanbetreuung“ ist. Ihr könnt euch die Fachkompetenz und die Fähigkeit Uli H. zu kritisieren wahrscheinlich vorstellen.
Wenn man aber nun diese Konstruktion hat, dann ist es nur sinnvoll und folgerichtig auch den BFB in den Verein Jugend und Sport zu verlagern. Eine engere Vernetzung mit den anderen Fanbeauftragten, mit dem Fanprojekt und ja auch ein Stachel im Fleisch all dieser Institutionen ist nur wünschenswert und ein Schritt in die richtige Richtung. Und so kann der BFB die ganze Lobby des Fanladens für die Interessen von Menschen mit Behinderung nutzen.

Das war wohl auch Ziel einer geplanten Umorganisation und schon länger Thema zwischen allen Menschen, die in diesem Bereich tätig sind.

Und nun das

Nun schreibt der Verein Jugend und Sport die entsprechende Stelle aus und wahrscheinlich nur dadurch erfahren die Betroffenen, dass Jörn Weidlich seine Tätigkeit beendet. Dies brachte ein gewisses Entsetzen und eine Petition für den Verbleib von Jörn in die Social Media Umlaufbahn. Wir verlinken diese Petition hier ausdrücklich zu eurer Information, nicht weil wir sie unterstützen (warum siehe gleich).

In diesen Beiträgen werden viele Vorwürfe laut, die wir nicht diskutieren wollen. Warum? Siehe oben, es handelt sich hier um ein vertrauliches Arbeitsverhältnis, deren Zustand und Entwicklung nicht Thema öffentlicher Debaten sein darf. Wir haben uns dann mal umgehört, viele Gespräche geführt, die nicht alle für die Öffentlichkeit waren und sind trotzdem nur bedingt schlauer.

Es ist allemal doof, dass der Abschied von Jörn nicht auf andere Weise zu den Betroffenen durchgedrungen ist und denen viel zu unklar ist, ob und wann es eine Nachfolge auf dieser Position geben kann.

Es ist doof, dass das ganze über das Knie gebrochen werden muss, weil Jörn relativ kurzfristig aufhört.

Es ist doof, dass diese Stelle bei uns gerade mal eine 450 € Stelle ist. Ja, sie wird es nicht, sie ist es jetzt schon. Wenn überhaupt. Das ist Sparen an der falschen Stelle, lieber Verein. Und ja auch wenn die Stelle offiziell beim Verein Jugend und Sport angesiedelt ist, so wird sie doch vom Verein bezahlt.

Jörn hat nach allem was wir wissen von sich aus seine Tätigkeit beendet. Er spricht in seiner – öffentlich einsehbaren, deswegen nehmen wir hier überhaupt Bezug darauf – Stellungnahme von „nicht wirklich freiwillig zurückgetreten“, aber ganz ehrlich Jörn, das heißt dann genau das du freiwillig zurückgetreten bist. Auch wenn du dich vielleicht von den Umständen dazu gezwungen fühltest.

Das zieht nebenbei auch die Petition nicht in Zweifel. Er mag – wie schon gesagt – gute Gründe haben, wir wissen von den „normalen“ Fanbeauftragten, wie viel Frust sich innerhalb von zehn Jahren aufstauen kann und wieviel Kraft eine Fanbetreuung beim FCSP kostet. Das wird im Bereich „Behinderte“ nicht anders sein. Es ist auch Rolle dieses Menschen mal jemandem auf die Füße zu treten und da bleibt auch mal persönlicher Ärger nicht aus. Selbst wenn auf allen Seiten eigentlich gute Menschen ihren Job gewissenhaft erledigen. Wenn man dies dann noch auf Honorarbasis, 450 Euro Basis oder anderen nicht lebensdeckenden Einkünften macht, dann ist das noch härter und man muss großen Respekt haben, wenn das jemand 10 Jahre macht.

Wenn für ihn der Zeitpunkt gekommen ist oder er die Umstände nicht mehr ertragen kann, dann kann man das schade finden, man kann ihn auch ermuntern sich das vielleicht noch mal zu überlegen oder sich neu zu bewerben, es ist aber schwierig das dann in eine unberechtigte Kündigung umzudichten. Ob es Umstände gibt, die es zu kritisieren gibt, sei mal dahin gestellt. Wir wissen das einfach nicht. Perfekt ist das garantiert nicht.

Die Petition geht da auch von etwas falschen Annahmen aus. Denn eine Lobby ist weiterhin geplant, wir denken, dass diese Lobby auch ein sehr gewichtiges Wörtchen bei Karten und ähnlichem mitreden wird, gerade wenn sie beim Fanladen angesiedelt ist, der gerade in dem Bereichen „Karten“ eine deutliche Lobby hat und so Dinge mit viel mehr Gewicht ansprechen kann. Sollte der Verein wirklich planen, da keine Unterstützung durch einen BFB zuzulassen, dann ist dies absolut falsch und dies unabhängig von der Person, die diese Stelle ausübt.

Ebenso ist es keine fehlende Wertschätzung, wenn nun die Stelle nicht vom Verein ausgeschrieben wird, sondern vom Verein Jugend und Sport. Siehe oben. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Trotzdem Enttäuschung ist zu verstehen

Trotzdem ist die Enttäuschung und auch die Angst vor einem schlechteren Service definitiv zu verstehen und die unglückliche Kommunikation ist zu kritisieren und wird hoffentlich allen Beteiligten eine Lehre sein. Wir können den Text der Petition nicht inhaltlich teilen, halten es aber trotzdem auch mal für richtig, sich Luft zu machen. Tun wir ja auch. Nur nicht hier.

Unser Wunsch wäre, dass man da zwischen Verein, Betroffenen und auch Jörn einen Gesprächsfaden hinbekommt und wenn es mit ihm nicht weiter geht, dann wenigstens eine vernünftige Übergabe und einen Abschied in einem befriedeten Zustand hin zu bekommen.

Sep 242019
 

Wenn man den Fehler begeht und Google nach “Osnabrück” befragt, ist die dritte autovervollständigte Frage (nach dem Wetter und der Einwohnerzahl) die nach der Zugehörigkeit zu einem Bundesland. Es reflektiert das ein Stück weit, dass die Menschen sich nicht ganz so gut mit dieser vergessenen Ecke Niedersachsens auskennen und sie vielleicht direkt im Anschluss recherchieren, warum man den ganzen Landstrich nicht einfach Westfalen zugeschlagen hat. Die MagischerFC-Redaktion macht sich, erstmals in ihrer aktuellen Besetzung, in voller Stärke auf den Weg dorthin, um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden. Andere Teile der Auswärtscrew hatten dafür den Derbysieg ein wenig zu kräftig gefeiert und mussten in Hamburg bleiben. Gute Besserung an dieser Stelle.

Aber eine Expedition ist eine zu schwierige Aufgabe für uns allein, deshalb schließen wir uns an diesem Sonntag unseren treuen Gefährt*innen, “den Ultras” an, um gemeinsam mit den Regionalzügen durchs wilde Niedersachsen zu reisen. Was auch ziemlich problemlos klappt. Fast alle benehmen sich und mindestens 1910-mal hören wir das Wort “Derbysieg” im Zug. 

Umsteigen in Bremen, guter Getränkenachschub und trotz früher Stunde ist die Stimmung ausgezeichnet. Alles scheint in bester Ordnung, bis wir besagtes Osnabrück erreichen. Wir wissen nicht, was entsprechende Stellen veranlasst hat, dieses Einsatzkonzept zum “Nordderby” und “Sicherheitsspiel” zu bewilligen; aber es darf ganz ehrlich als Frechheit bezeichnet werden. 

Ein Sicherheitskonzept, das bestenfalls zum Lachen ist

Keine Möglichkeit, “richtige” Toiletten zu benutzen oder Essen oder Trinken zu kaufen? Ok, normales Level an Repression, an das man sich über die Jahre leider gewöhnt hat. Beharren darauf, dass die fußläufige Distanz zum Stadion mit Shuttlebussen zurückgelegt wird? Zwei (!) mit Gittern abgesperrte Bereiche vor den Bussen mit einer maximalen Durchgangsbreite von 50 cm, um zu kontrollieren, dass keine offenen Getränke in die Busse mitgenommen werden? Mindestens 45 Minuten Wartezeit, um vom Gleis in die Busse zu gelangen? Das ist einfach nur lächerlich. Es darf gesagt werden, dass an der Ruhe und Besonnenheit unserer Auswärtsfahrer*innen liegt, dass diese Situation nicht eskaliert. Diese Behandlung von Fans hat nicht mit Sicherheit zu tun, es ist eine reine Schikane. Und kommt uns jetzt nicht mit Gefahrenabwehr. Wirklich nicht.

Oder stellt euch das mal beim gerade laufenden Oktoberfest vor “Liebe Oktoberfest Besucher, wir haben hier einen Käfig von 100 Meter Länge und dann dürft ihr nach einzelner Untersuchung langsam in einen Bus steigen, der euch 1000 Meter weit fährt.” Ihr werdet nun sagen “absurd” und “das sind doch nur friedliche Bürger“. Stimmt. Das sind Fußballfans aber auch. Nur hier wird es schulterzuckend hingenommen. Man beginnt entweder sich damit zu arrangieren oder Vermeidungsstrategien zu entwickeln. Der von Mutti gestrickte Glücksschal bleibt zu Hause, man wählt eine teurere Anreisevariante oder bleibt gleich zu Hause. Siehe Millernton Bericht. Wird gesellschaftlich alles akzeptiert, wenn die Polizei nur laut „GEFAHR“ ruft. Und das tut sie natürlich nur wenn es ihr in den Kram passt. Wenn wir diese Unlogik nicht bald hinterfragen, dann war es das mit freier Gesellschaft. Nein, es sind eben nicht nur Kleinigkeiten. Warum soll für uns als Fußballfan ein anderer Maßstab als eben für das Oktoberfest gelten, wenn doch die Gefahr einer Straftat vergleichbar gering (!) ist? Ja wir wissen, dass dieser Vergleich immer mal gerne kritisiert wird, er passt trotzdem. 

Es gibt zum Glück die Conexion, die unseren ausgedörrten Kehlen die eine oder andere Flasche Pils zum Spottpreis aus ihrem vortrefflichen Bus heraus verkauft. Gibt schließlich keinen Sprit im Stadion bei diesem Hochrisikospiel. Aber Kinder, geht bloß nicht zu weit weg mit der Buddel, denn dort herrscht Glasflaschenverbot! (Und Dosenverbot. Und Allesverbot.)

Schön auch, dass die Polizei ihren Kollegen in zivil auch mal wieder einen Derbysieger (Stadt, nicht Himmelsrichtung) präsentieren will. Wenn die aber auch die Fanszene im Block beobachten sollen, dann tun wir euch jetzt mal einen Gefallen und zählen auf, wie die ein wenig weniger auffällig sind: 
Vielleicht den Schlagstock nicht sichtbar an der Hüfte tragen (gut, das war noch vorm Stadion). Vielleicht die Funkgeräte nicht ganz so sichtbar raushängen lassen. Vielleicht nicht mit mechanischem Blick immer wieder den Block abscannen. Vielleicht nicht ganz so sehr versuchen, szenemäßig auszusehen. Vielleicht nicht jedem Blickkontakt schnellstens ausweichen.
Oder am besten gar nicht im Block auftauchen. Euch will hier keine*r! 
(Die Partypaulis die wie der berühmte Elefant im Porzellanladen in den Block marschieren im übrigen auch nicht. Ja, die Leier wiederholt sich. Die Dullis im Block leider auch.)

Dann also mal rein in die gute Stube

Die Stimmung im Block empfinden wir als phasenweise ganz gut, einem Derby wie diesem angemessen. (Wer Ironie im letzten Satz findet, darf sie behalten.)

Die eingeborenen Ultras hingegen befassen sich halbherzig mit Sankt-Pauli-Diss (inklusive eines Doppelhalters mit mikroskopisch kleiner Schrift. Sorry, Leute. Das ist echt nicht lesbar) und mit der Artikulation des Wunsches nach Erhalt des “Mythos Bremer Brücke”. Im übrigen wurde auch ein Fanshopschal und eine Fanshopmütze präsentiert. Herzlichen Glückwunsch.
Gut, vielleicht muss man mit dem Stadion sozialisiert worden zu sein, um es zu mögen (alt gleich zwingend gut ist – nicht nur im Fußball – eine so nervig weit verbreite Annahme), aber die interessantere Frage ist doch die nach der Bezeichung als Mythos. Schlägt man den Begriff nach, erfährt man, dass Mythen Götterfabeln sind, die religiös gefärbte Inhalte dadurch illustrieren, dass Götter oder sonstige Naturkräfte wie oder durch Menschen wirken.

Das Stadion selbst kann diese Funktion natürlich nicht erfüllen; nein, es geht hier eindeutig um die Spieler, sogenannte Fußballgötter, die gegeneinder kämpfen um Siege zu erringen, Heldentaten zu vollführen und “Nordderbys” zu entscheiden! Eine schon fast wagnerianische Götterdämmerung! Kann das Spiel auf dem Platz mit diesen heroischen Anpreisungen mithalten?

Nein.
Mit Diarra hatten wir immerhin den tragischen Helden, der ganze 17 Minuten spielt, bevor er mit gelb-rot wieder vom Platz fliegt. Es gibt unermüdlich kämpfende und laufende Spieler, die dem Status als Fußballgott immer näher kommen (Mats <3). Es gibt David, der sich gegen Goliath (vier Gegenspieler) im gegnerischen Strafraum durchkämpft und somit ein Tor vorlegt. Nur dass David halt eigentlich Dimitrios heißt.
Und es gibt eine Mannschaft, die mit Glück (namens Pfosten) einen 0:2 Rückstand verhindert, sich dann ins Spiel zurückkämpft, stellenweise richtig schönes Angriffspressing spielt, aber dann in der 2. Halbzeit den Faden verliert und dann auch nicht wieder findet. In den letzten Minuten aber noch mehr Körner hat und in Unterzahl zumindest nicht stark gefährdet ist, noch zu verlieren.

Nun, immerhin nicht verloren. So eine Derby-Euphorie geht es auch mal schnell nach hinten los, das konnten wir heute vermeiden. Schön war das nicht, aber der VfL Osnabrück ist in dieser Saison auch nicht zu unterschätzen und so ist die Punkteteilung okay. Und mit 8 Punkten aus 4 Spielen können wir gut leben. 

Das gleiche Spiel von vorn

Bei der Abreise von der Bremer Brücke geht der Mist aka “Sicherheitskonzept” aufs Neue los. Einige kommen zügiger weg, andere versuchen es zu Fuß und scheitern nach wenigen Metern an einer unnachgiebigen Polizeikette, die uns die anderthalb Kilometer per pedes zum Bahnhof verwehrt. Was zum Teufel soll denn bitte bei dieser Nicht-Rivalität und dem harmlosesten aller Ergebnisse passieren? Stattdessen stehen wir, leidlich mit Lebensmitteln versorgt (wie denn auch als Bahnreisende*r), eine weitere halbe Stunde in einem Polizeikessel und warten auf die Shuttlebusse. Die stehen seelenruhig 20 Minuten in der Sonne, ohne dass jemand einsteigen dürfte. Ein erneuter Heidenrespekt für die Geduld aller anwesenden Sankt Paulianer*innen. 

Endlich lässt man uns in die Busse und es geht die gewaltige Strecke zum Bahnhof. Auf dem Weg nimmt der Busfahrer dann noch fast einen Radfahrer mit und zeigt sich bei der Ansprache sehr uneinsichtig. 
Dort dürfen wir wieder eine halbe Stunde oder mehr ohne nennenswerten Bewegungsspielraum verharren. Während man Menschen in braunweiß höchstens einzeln unter Versprechung des erstgeborenen Kindes zu einer der spärlichen Einkaufsmöglichkeiten durchlässt, tanzen Lilaweiße das Wort “Fantrennung” durch unsere Reihen und feixen sich eins. Lä-cher-lich. Möge man diese Scheiße doch mal mit Menschen abziehen, die nicht so lobbylos sind wie Fußballfans. Kreuzfahrttourist*innen während doch eine super Zielgruppe für polizeiliche Allmachtsfantasien.

Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Regionalbahn bis Bremen, dort ratzfatz in den Bummelmetronom nach HH, weil der nächste angeblich ausfällt. Wieder keine Möglichkeit zur Getränkebeschaffung. Manch einer fühlt sich wie Dörrobst, denn natürlich gibt es auch im Metronom keinen Getränkeautomaten mehr. Zwischen Sprötze und Klecken kickt der Kopfschmerz richtig rein, sodass auch der Blogbericht bis zum heutigen Tage warten musste. Wir hoffen, ihr seht es uns nach und habt uns trotzdem lieb.

Im Millernton findet ihr noch Details dazu, wie die Zivibullen im Block aussahen.

Sep 192019
 

Es war mal wieder Zeit für die Challenge Almere. Mein Lieblingsrennen. Warum auch immer. Vielleicht weil gut 50% der Radstrecke auf einem Deich sind? Weil ich als Kind immer in der Nähe Urlaub gemacht habe? Keine Ahnung, aber ich freute mich ein Jahr lang, dass dieser Wettkampf wieder mein A-Wettkampf war.

Schnell fanden sich noch zwei Begleiter*innen, die beide das erste Mal eine Mitteldistanz angehen wollten. In Naarden Vesting eine kleine Ferienwohnung gebucht und schon konnte die Show starten.

Die Anreise und das Testschwimmen

Anreise? Ohne wirkliche Ereignisse. Holländer*innen fahren auf ihren Autobahnen eigentlich ganz gechillt, aber das Wort „Sicherheitsabstand“ scheint im Flämischen keine Entsprechung zu haben. Teilweise zogen Verkehrsteilnehmerinnen doch sehr eng wieder auf die eigene Spur.

Wir wollten abends noch zum Testschwimmen und ich war erstaunt, wie viele Leute das auch taten. Als ich hier vor vier Jahren startete und das Schwimmen testete waren es vielleicht 5 Leute; diesmal gut 200. „Ihr könnt eine oder auch zwei Runden schwimmen“ oder ihr könnt wie ich kurz mal 100 Meter raus schwimmen, feststellen, dass die Wasserpflanzen noch leben, dass Wasser kalt und nass ist und Schwimmen nicht mehr meine Disziplin wird. Reicht. Aber einige schwimmen das an, als ob es der Wettkampf wäre. Jeder Triathlet ist anders. (Und hier kann man sich Gendern echt sparen).

Unsere Unterkunft hatte einen Herd und einen Albert Heijn um die Ecke. Perfekt für Essen kochen. Unsere Vertreterin zauberte eine Nudelsauce die alle satt und zufrieden machte. Zeit ins Bett zu gehen. Was ein Abenteuer war. Denn die Unterkunft hatte drei Ebenen die durch steilste Treppen erreichbar waren. Die Nutzung auf rutschigen Socken haben wir uns dann gleich mal verboten.

Warm up und Wettkampfbesprechung

Am nächsten Morgen dann die üblichen 10 km Rad gekoppelt mit 2 km Laufen. Das Radfahren als Slalom durch Naarden. Als Slalomstangen wurden dabei u.a. ganz viele Hollandräderfahrer*innen genutzt. Sowieso: Hollandräder sind Liebe.

Der anschließende lockere(!) Lauf lies meine Laufuhr verkünden, dass ich so eben die schnellste Meile gelaufen sei, seitdem ich die Uhr habe. Nehmen wir das mal als gutes Zeichen für die Form.

Ab zu den Formalien. Die Wettkampfbesprechung erbrachte nicht viel Neues. Immerhin hörte der in Roth gewonnene Glücksbär aufmerksam zu. Foto klappt gerade nicht.

Die Wechselzone hat sich geändert und ist nun nicht nur größer, sondern nutzt leider nicht mehr die Fahrradgarage des örtlichen Einkaufszentrums. Schade. Das war irgendwie immer lustig. Der Ersatz in Form eines riesigen Zelts war aber okay. Die Wege zwar länger als früher, aber noch okay.
Beim Check-in der Räder haben wir auch noch mal die Wege sehr aufmerksam studiert. Ganz pannenfrei ging es dann im Wettkampf trotzdem nicht. Schwamm drüber.
Was in der Wettkampfbesprechung nicht erwähnt wurde: die Existenz von Trashzones. Was die Folge war: Müll ohne Ende verteilt über die Strecke. Das ist echt doof. Gerade weil genug auch in das Naturschutzgebiet geweht wird. Leute passt doch auf eure Umwelt auf. In den Regeln war das Thema Trashzone klar benannt.
Die Pastaparty ist in Almere von Auswahl und Qualität echt okay. Das Leute am Tag vor dem Wettkampf Lachs essen zeigt von einem gewissen Gottvertrauen.
Unsere Chefsupporterin haben wir noch eingesammelt und dann war auch Schlafenszeit.

Guten Morgen Triathlon

Und schon war Wettkampftag. Trocken, Wind von Südosten, Sonne. Für Almere eher ungewöhnlich. Insbesondere der fehlende starke Westwind, der sonst dieses Rennen sehr prägen kann. Letzte Checks am Rad, einer Britin noch die Pumpe geliehen, nachdem ihr Schlauch die Nacht nicht überstanden hatte, die üblichen Dixiebesuche und schon war es Zeit sich in die Reihe zu stellen.

Ins Wasser!


Rolling Starts sind ein Segen. Klar verhindern sie die spektakulären Bilder eines Massenstarts, aber so hat jede*r Platz, nie kommt von hinten jemand angeflogen, man kann schnell sein Tempo finden. Nachteil an dieser Startmethode ist nur, dass man am Land startet und so wortwörtlich ins kalte Wasser springen muss.

Meine ersten Züge fielen entsprechend kurz und atemlos aus. Dann war aber schnell ein halbwegs vernünftiger Rhythmus drin. Für die erste Zeit einen Fuß gefunden, dem ich hinter her schwimmen konnte, so dass auch die Orientierung kein Problem war. Bis zur ersten Wende bin ich so geschwommen. Dann wurde mir die Besitzerin des Fußes zu langsam und ich wollte überholen. Was ich dabei übersah: Vorneweg kein neuer Fuß in erreichbarer Nähe und es ging gegen die Sonne. Die Orientierung ging also flöten und ich schwamm einen ordentlichen Bogen, der so nicht geplant war. Bojen sah ich eine ganze Zeit gar nicht, nur ein paar andere Teilnehmer in meiner Nähe versicherten mir, dass ich grob richtig war. Erst als ich einen Paddler nach der Richtung fragte und dann über die Sonne zu peilen begann wurde es besser.

Nächste Wende und nun lief es ein langes Stück wirklich gut. Viele Freistilzüge, wenig Brust, gut in der Linie. Letzte Wende und ab an Land! So zumindest der Plan und auch hier war das mit dem geradeaus schwimmen noch mal etwa schwierig und noch ein paar unnötige Meter kamen noch hinzu.

52:48 stand am Ende in den Ergebnislisten. Das war schon mal ein sehr guter Anfang. Alles unter 55 Minuten hätte ich sofort gekauft und eine 52 bin ich innerhalb eines Triathlons noch nie geschwommen. Auf zum Rad

Rollen auf dem Deich

Ich bin kein Wechselprofi, lass mir lieber ein paar Sekunden zu viel Zeit und hab dementsprechend 8 Minuten gebraucht, bis ich die auch lange Wechselzone durchlaufen habe.

Der Radkurs beginnt mit einem geschlängelten Fahrradweg, der einen zum Deich bringt. Da gilt es erstmal ein bisschen in Stimmung zu kommen und Gefühl für das Rad aufzubauen. Also erstmal ein bisschen in Ruhe. Klar einige knallen hier schon an einem vorbei, als ob es kein Morgen gibt, aber viele davon holt man auch wieder ein. Schönen Gruß an dieser Stelle an einen der Mitreisenden.

Meine Priorität war erstmal essen, trinken, warm werden. Als es dann auf den Deich ging, war ich im Radfahren drin und konnte nun Tempo machen. Bei normalen Windverhältnissen hat man bei diesem Rennen zwischen 10 und 40 Rückenwind und muss dann gucken, wie man den Rest überlebt. Diesmal war der Wind gar kein Faktor, so dass man sein eigenes Tempo ertreten und auch finden musste. Ich persönlich wurde mir auf dem langen Deich irgendwann zu langsam und zu gemütlich, so dass ich beschloss mir vorzunehmen, nie unter 28,4 zu fallen. Vollkommen willkürlich gesuchte Zahl, aber das war für mich ein Tempo, was etwas schneller als gemütlich war, aber sich auch nicht nach zerstören anfühlte.

Ich holte immer mehr Teilnehmer*innen ein. Auffällig viele britische Triathletinnen überholte ich. Irgendwann stellte ich in meinem Kopf die These auf, dass britische Triathletinnen alle unfassbar gute Schwimmerinnen, aber unfassbar schlechte Radfahrerinnen seien. Kann man so wahrscheinlich nicht generalisieren.

Was macht man sonst so auf einem Deich, der eigentlich nur geradeaus geht, dessen Ende mit einem Fernsehturm gekennzeichnet ist, der gefühlt nicht näher kommt und der wenig Abwechselung bietet? Man guckt sich die zahlreichen Vögel an, man freut sich über die Segelschiffe, die bei bestem Wetter und klarer Sicht auf dem IJsselmeer (das große J ist laut Wikipedia richtig) unterwegs waren. Auch die beiden historischen Bromfiets (die schöne holländische Bezeichnung eines Mopeds), die auf dem Radweg neben dem Deich rum knatterten sorgten für schöne Abwechselung.

Nach 40 Kilometern ändert sich der Charakter des Rennens, denn nun geht es über die Insel, durch einen Naturpark und teilweise auch über sehr schmale Radwege zurück. Stimmung machendes Publikum gibt es nur vereinzelt, dieses ist dann aber umso enthusiastischer, dafür gibt es Natur in ausreichender Menge.

Einige Stellen waren sehr eng und Überholvorgänge deswegen nicht immer mit wirklichem Abstand möglich. Aber die meisten Teilnehmer*innen lösten das entspannt, mit Warnrufen und Dankesworten. Das war gut.

Die Strecke ist zu 99% gesperrt, nur landwirtschaftlicher örtlicher Verkehr ist zugelassen. Natürlich auch, weil man Bauern an einem sonnigen Samstag im September nicht von ihren Feldern abklemmen kann. Leider gab es wieder den einen LKW-Fahrer, der meinte, dass ihn das alles nicht zu interessieren hat und der auf einer klitzeschmalen Straße nicht einen Millimeter Platz geben wollte. Das war noch mal so ein Adrenalinausstoß, den ich nicht unbedingt hätte haben müssen. Alle anderen Trecker-, PKW- oder LKW-Fahrer*innen verhielten sich absolut vorbildlich, schufen Platz und beeinträchtigten zumindest mein Rennen gar nicht.

Das Ende der Radstrecke näherte sich. Meine Idee von einem 28er Schnitt hielt ich gut durch. Die Beine fühlten sich noch relativ locker an. Und nun? Ich beschloss, dass ich den Halbmarathon doch relativ schnell angehen wollte. Sieg oder Spielabbruch.

Rennen um den See

Zweiter Wechsel verlief wieder ruhig, geordnet und in etwas über 5 Minuten. Das ist für mich okay.

Raus aus dem Zelt und rein in das Getümmel. Die Laufrunde ist 7 KM lang und dreimal zu umrunden. Sie ist nicht gerade schön, aber gut zu laufen und bietet an den meisten Stellen auch ganz viel Platz für unterschiedliche Geschwindigkeiten. Es findet sich relativ viel Publikum ein, so dass man auch immer aufmunternde Worte zugeworfen bekommt.

Highlight dabei sind immer die Gruppe mit den blauen Perücken, die ungefähr bei der Hälfte ein Stimmungszentrum aufbauen. Wenn nicht deren Vorliebe für Kirmestechno wäre. Oh man, einige Runden war die Musik echt mies. [Anmerkung des Kollektivs: Diese unverschämte Aussage gibt selbstverständlich nicht die Meinung aller wider. <3] Irgendwie witzig auch der Typ von irgendeinem deutschen Triathlonverein (ich hab nicht richtig gelesen, welcher), der alle auf Deutsch anfeuerte und von allen Highfives einforderte. Ich fand den lustig.

Am Ende der Runde dann noch ein Triathlonveranstalter, der irgendwelche bekannten Metalsongs spielte. Das spülte dann immer kurzfristig das Ohr durch bevor man wieder in den Zielbereich lief, wo es Stimmungshits und Kirmestechno auf die Ohren gab.

Erste Runde? 44:24. Ähm, das wäre ein 2:18 Halbmarathon geworden. Gut, dann versuchen wir das halt. Rückblickend war das vielleicht ein klitzekleines bisschen zu schnell angegangen, aber nun ja.

Zweite Runde, der T. überholte mich, lief kurz mit mir, dann trennten uns unsere Tempi. Er vorneweg, ich hinterher. Der Typ ist einfach eine Laufmaschine.

Verpflegung? Cola, Wasser, Schwamm. Nicht immer austrinken, sondern auch viel Wasser in den Nacken und auf die Beine. Dazu alle 6 KM ein Gel. Ging gut rein und mein Magen mochte das eigentlich alles.

In der zweiten Runde eine Schiffsglocke am letzten Verpflegungsstand entdeckt, die man auf seiner letzten Runde bimmeln sollte. Das darfst du nicht vergessen. Hab ich dann auch nicht.

Ich wurde nun langsamer, aber Gehpausen musste ich nicht einlegen. Bei den Getränkeständen ja, denn da will ich auch nicht in Hektik verfallen, lieber ruhig, aber sonst konnte ich eigentlich bis zum Ende mit zwei kurzen Ausnahmen durchlaufen.

48:12 für die zweite Runde. Ich war also doch deutlich langsamer. Da war aber auch ein Pinkelstop drin, der so eine Minute gekostet hatte. Aber alles immer noch in einem guten Tempo.

So Mitte der letzten Runde wollte mein Magen dann doch nicht mehr. So langsam stand mir das Wasser und alles andere vor dem Magen. Auch die Beine waren nun platt und die letzten Kilometer wurden langsamer. Nun entschied halt der Wille. Häufig genug platze ich in diesen Momenten vollständig und gehe einfach nur ins Ziel. Diesmal nicht. Einmal war die ganze Zeit noch eine Bestzeit drin und ich fühlte mich auch so, dass zumindest locker zu Ende laufen echt drin war.

Das hat dann auch gut geklappt. In knapp unter 53 Minuten beendete ich die letzte Runde und schloss den Halbmarathon in 2:25:29 ab. Funfact dazu: Ich war in 2019 noch nicht so schnell auf einem Halbmarathon. Selbst wenn ich ihn alleine ohne vorheriges Radfahren gelaufen war.

Ab ins Ziel! Jubeln, klatschen und mit 6:49:21 ins Ziel laufen. Bestzeit auf der Halbdistanz mal eben um 9 Minuten verbessert. 1226. von 1356 ins Ziel kommenden Triathlet*innen, 1002. von 1045 Männern und der 186. Platz von 195 in meiner Altersklasse. Das ich mal 9 Triathleten meiner Altersklasse hinter mir lasse, passiert mir sonst auch nicht. Ich bin sonst eigentlich immer Letzter oder Vorletzter.

Zwischen Schwimmende und Ziel habe ich mich um über 50 Positionen im Feld verbessert. Wir müssen also nicht analysieren, wo meine Schwäche liegt.

Danach

In der Zielverpflegung einen großen Schluck Wasser genommen und den fand mein Magen dann irgendwie nicht gut. Mir wurde richtig gut schlecht und es half nix, es half nur einmal über das Waschbecken hängen. Danke an die beiden Jungs, die fragten, ob ich einen Arzt brauchte, brauchte ich aber nicht. Als der Kram raus war, war alles wieder gut.

Hab ich so auch noch nicht gehabt, dass auf der Strecke der Magen eigentlich die ganze Zeit halbwegs okay ist und dann im Ziel keinen Bock mehr hat. Wahrscheinlich ein bisschen hastig getrunken im Ziel.

Am Abend war das auch alles wieder okay und die Pizza war lecker.

Almere ist eine Reise wert. Das Rennen ist gut organisiert, die Helfer toll, das Publikum nicht viele, aber sehr engagiert. Der Kurs ist halt flach, flach, flach, aber dafür mit viel Natur. Ich mag dieses Rennen. Und spätestens 2021 steh ich da wieder am Start.

Die Analyse

Bestzeit um 9 Minuten verbessern? Das spricht erstmal dafür, dass das Training und der Plan gegriffen hat. Da lässt sich drauf aufbauen. Schwimmen wird nicht mehr meine Stärke, da bin ich auch so ehrlich, dass mir ein „mehr trainieren“ einfach zu wenig Bock bringen würde. Schwimmbäder nerven, sind in HH und Umgebung sowieso rar und wenn dann sind sie voll. Ne danke. Da muss das reichen, was ich machen kann.

Auf dem Rad will ich nächstes Jahr mal versuchen ein bisschen schneller zu werden. Ich hab da so meine Grundbelastung, die ich auch im Notfall 180 km durchtrete, aber über die rüber zu gehen fällt mir immer noch schwer.

Und Laufen? Ja das probieren wir jetzt noch mal aus. Ein kleiner Marathon wartet noch.

Sep 172019
 

Aufwärmen

Selten waren wir uns im Kollektiv so uneinig wie vor diesem Spiel. Vier Menschen, vier verschiedene Erwartungen an das Derby und vierfach weit auseinandergehender Toleranz für Gedanken an „wenn wir das Derby gewinnen, dann…“. Was uns wohl aber verbindet, ist, dass seit dem letzten Aufeinandertreffen mit dem Vorstadtverein sensationell wenig Zeit vergangen ist und wir nach der bitteren Klatsche im März und Fanszene-interner Differenzen doch einfach etwas weniger Anspannung verspüren. Gab schließlich keinen aktuellen Stadtmeister-Titel zu verteidigen.

Wir selber mussten uns im Vorfeld ein bisschen zu einem Spannungsaufbau per GIF und Blogbeitrag zwingen, aber das lief ja ganz gut. Dass dann ein Kollektivmitglied mit dem falschen Bein aufstand und aus gleich zu erzählenden Gründen ein nicht wirklich perfektes Derby hatte, machte die Uneinigkeit nicht besser. Aber hey, vielleicht gehört das einfach auch zu einem Derby. Die Dünnhäutigkeit, die Anspannung und damit einhergehend auch mal die relativ meckerige Stimmung.

Der Tag von Anfang an

Erste Augen von uns kommen bereits um 12 Uhr im Viertel an. Noch spüren wir wenig außer der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm. Viele braun-weiße Menschen tummeln sich schon im Viertel, es wurden werden schon Kampfhun Kampfda süße kleine Dackel ausgeführt und viele Erinnerungsfotos gemacht. Das Kartencenter löst schnell noch Probleme wie „mein Mitbewohner hat die Karte weg geworfen“ (diese Geschichte ist nicht erfunden) und auch wir bekamen problemlos Pokaltickets für alle.

In alten Zeiten gab es mal ein Glücksessen. Halbes Hähnchen/Pommes in der Kleinen Pause. Also einfach mal rausholen, die alten Sitten und Gebräuche. Dank netter Begleitung ist es ein schönes, kurzweiliges Essen. Unsere Ultras haben sich auch einen gemeinsamen Mittagstisch organisiert und dinierten in der Nachbarschaft. Polizei ist zu diesem Zeitpunkt im Viertel nicht zu sehen und es könnte angesichts der vielsprachigen Gäste auch ein Vormittag des Antira anstelle eines Derby-Vormittags sein.

Kurz mal durch die Schanze schlendern, feststellen, wo die ganze Polizei ist, und sich dann langsam als Blog sammeln. Aus dem Norden kommt, durchquert ein Teil den Schanzenpark, wo am späten Nachmittag mehr als 2000 Rautenbengels rumlungern. Ganz inkognito gibt’s aber keine Schwierigkeiten.

Die Südkurve und einige GGler treffen sich auf dem Paulinenplatz, wo dann jede Kleingruppe ihren eigenen Treffpunkt hat. Großes Hallo, ein paar Getränke und insgesamt eine eher gelöste Stimmung. Es gibt einmal ein bisschen Hektik und Kontakt mit der Staatsmacht, aber wir können aus unserer Sicht keine Hintergründe oder so erkennen.

Hubschrauber nerven

Am weltbesten Fanladen dann die üblichen Ticketgeschäfte, große Hallos. Liebe Menschen fehlen aus Krankheitsgründen, andere liebe Menschen sieht man seit langem mal wieder. Ein Mikrokosmos des Lebens halt. Allen Kranken gute Besserung an dieser Stelle. Und auch wenn unsere Montagshistorie hervorragend ist: Montags wollen wir kotzen.

Im Hintergrund nervt der Polizeihubschrauber und die Freunde des Volksparks haben dann auch irgendwann das Stadion erreicht.

Einlass überwunden und auf die geheiligten Stufen.

Gewalt!

Es ist in unserem Stadion so, dass unsere Stehplätze bei normalen Spielen auch deswegen genügend Platz für jede*n bieten, weil eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Stehplatzkarten nicht genutzt wird. Dies ist bei Highlightspielen natürlich nicht der Fall, sondern es kommen alle Inhaber*innen und dementsprechend eng wird es. Wenn man miteinander redet und sich abspricht, dann ist auch noch für den Kumpel, der nicht 90 Minuten vorher da stehen kann, der noch arbeiten muss oder der aus anderen Gründen zu spät kommt, immer Platz. Das kann man über Bezugsgruppen hinweg echt gut regeln. Glaubt es uns einfach.

Was nicht geht, ist jedoch, als 1,90-Mann zehn Minuten vor Anpfiff zu erscheinen, sich zu seinen Kumpels sich durchzudrängen und dann zu meinen, dass man da stehen könne, wo eben noch Frau und Kerl standen, die beide deutlich sind kleiner als man selbst. Und dass die ein kleines Stück zur Seite gegangen sind, ist keine Einladung, da wie ein Ölgötze stehenzubleiben. Insbesondere, wenn sie es einem erst freundlich und dann unfreundlich erklären. Da muss man echt nicht den großen Ignoranten machen, sondern kann „Sorry“ sagen und gehen. Auch das ist nebenbei Awareness. Da lief zum Derby erstmals bei uns im Stadion eine Ansage zu dem Thema. Dürfen gerne alle beachten. Schön auch, dass der Südkurvenflyer das Awareness-Plakat auch noch mal aufnahm.

Wenn sich dann ein Kerl der gleichen Größe einmischt und ein deutliches „geh da weg oder es setzt was“ in die Diskussion einwirft, dann sollte die Reaktion der Kumpels zu besagtem Drängler sein: „Ey, XYZ, geh da mal weg, das ist Unsinn, komm wir arrangieren das irgendwie.“ Die falsche Reaktion in die falsche Richtung ist: „Aber du kannst dem doch nicht Gewalt androhen, das ist Nötigung!!!“ Natürlich kann man das nicht, aber man sollte auch mal überlegen, wer hier mit direkter körperlicher Gewalt angefangen hat, denn nichts anderes ist wegdrängeln* und wer auf freundliche Hinweise nicht hören will.

*Es sei hier kurz erwähnt, dass Gewalt ungleich Gewalt und es da natürlich Abstufungen gibt. Das wird immer gerne vergessen.

Gut, die Ansage ist dann wohl doch überzeugend genug und seine Kumpels und er suchen das Weite.

Einzelfall / Ränge sonst super

Es ist ärgerlich, dass so ein Einzelfall so viel Raum einnehmen muss, denn sonst ist das auf den Rängen heute echt Zucker. Gut Alarm, ein eher ironisches Auspfeifen der Süd, als nach der Fahne runter kein Pyro erschient, gefolgt von „Südkurve, Südkurve“-Rufen. Kein Gepöbel, allenfalls wenige Einzelpfiffe wegen der Pyroshow, viel Gepöbel gegen die Rauten und ein insgesamt guter Support. Teilweise heillos chaotisch, weil auch durch Aktion auf dem Feld unterbrochen, aber Knoll spricht am Ende davon, dass die Fans sie getragen hätten. Das sind diese berühmten paar Prozent, die wir im Vorbericht erwähnten. Und die Süd war Zucker, da wurde in unserem Umfeld benannte Awareness komplett gelebt und in der Ekstase passen alle aufeinander auf. Wie es dazu kam kommt gleich.

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Hübsch!



Ja, das war mal so wie wir uns das vorstellen. Klar man könnte nun ein Haar in der Suppe finden und vielleicht haben die drei linken Nachbarn nicht immer so mitgesungen, wie das in einer idealen Welt sein sollte. Aber Scheiß drauf! Wir haben offenbar was richtig gemacht, Sankt Pauli.

Ein Dank auch an Sanis und Ärzte im Stadion. Wir haben mitten im Spiel ein medizinisches Problem in einer unserer Bezugsgruppen, was uns kurz ein bisschen die Laune verdirbt. Das wird vom Roten Kreuz gut gelöst. Die Betroffene wird in den Sanitätsraum durch den Innenraum geführt, geht auch an der Gästekurve längs und kommt später versorgt zurück und meint nur mit strahlenden Augen, dass sie auf der Choreo der Rauten rumgetrampelt sei. Da wussten wir, es geht ihr wieder gut.

Was sonst noch war

Romane im Gästeblock? tl;dr!

Choreo im Gästeblock? Die Rauten in eine Working-Class-Tradition stellen zu wollen, ist soweit her geholt, das ist selbst für uns Wortspielakrobat*innen zu viel. Es hat ungefähr so viel Witz und Sinn wie die Sprüche von fritz!. Also gar keinen. (Dinos wegechsen, echt jetzt?)

Was genau davon sollte uns eigentlich nun genau treffen? Und Working Class sind sowieso nur die Skins. Und die zu Recht.

magischerfc-st-pauli-vs-hsv-september-2019-gaeste-choreografie
Nun ja 🤷🏼‍♂️



Eigene Choreo: Gute Idee, die Umsetzung hakt leider ein bisschen. Aber so ein deutlicher Mittelfinger in Richtung DFL, DFB, Polizei etc. trifft natürlich unsere Herzen.

Zum Feuerwerk zu Halbzeit 2 könnt ihr in den Berichten zu Pyroeinsätzen 1999, 2000, 2001 etc. alles lesen, was dazu gesagt werden sollte und muss. Bemüht Google, dann findet ihr es. Es sieht cool aus und der Ordner mit der Schubkarre, in die alle Leute ihre abgebrannten Pyros werfen, war ein Bild für die Götter. Wir haben uns ordentlich einen gefeixt. Als hätte da jemand an den Reglern auch Bock drauf, wird nochmal “Antifa Hooligans” extra aufgedreht, als alles so schön leuchtet.

Rasengeschehen

Diese 0,2 Sekunden bevor der Ball ins Tor rollt, die sind schon irgendwie (besser als) Sex, oder?

Die haben schon eine gute Truppe da zusammen im Volkspark. Jatta ist ein echt fetter Motor über die Außenbahn und auch sein Gegenüber ist echt stark. Unsere Jungs haben da alle Hände voll zu tun, halten aber mit Einsatz und guter Einstellung echt klug dagegen. Und wenn es dann doch mal nicht reicht, dann ist Hinterseer zur Stelle und versemmelt den Ball. Der Junge, der ja wirklich gut in die Saison gestartet ist, hat mal so richtig Scheiße am Fuß. Nun ja, so ist das halt. Doof für ihn, wenn es im Derby passiert. Wie ruft unser Chief Editor in solchen Momenten immer? „HA! HA!“

Womit wir bei unserem Liebling des Spiels sind. Ach Rick, den entscheidenden Tick zu spät beim 1-0 und beim 2-0 bügelst du das aus und schiebst ihn gleich selber rein. Was deine Leistung aber echt schmälert ist, dass du das absolut mögliche 3-0 daneben setzt.

Zu unseren Jungs. Die sind ja mal heiß wie Frittenfett. ENDLICH MAL!!! So häufig hatten wir schon Derbyspiele, wo unsere Knaben wie das Kaninchen vor der Schlange hockten. Wir erinnern uns da ungern an ein Spiel im März. Diesmal ist alles anders. Laufeinsatz wie verrückt, Kämpfen bis zum Umfallen, taktisch gut eingestellt und mit einigen guten Ideen. Das ist rund! Hier mal Lob an den Coach; wer eine Mannschaft so spitz in ein für Fans so wichtiges Spiel bringt, der macht nicht alles falsch. Und das bei uns Nörgler*innen schon ein großes Lob. Der versprochene aktivere Fußball ist sichtbar und spürbar.

Einzellob? Ohlsson, der richtig stark ist (auch wenn ihm Jatta ein paar mal entwischt) und auch noch die GG anheizte. Das wirkte, als ob er einen Crashkurs in FCSP-Tugenden gehabt hätte. Diarra nach Einwechselung auch sofort auf Temperatur und mit fettem Jubelsprung. Da ist Herz vorhanden. Das Duracell-Häschen Knoll (ihr kennt die alte Werbung noch? „Läuft und läuft und läuft“), der einfach ein echter „Game Changer“ ist. Der ist überall gleichzeitig, treibt den Gegner zur Weißglut und kann dabei echt noch feine Bälle spielen. Ganz stark. So sah man ihn bei Regensburg, das deutete er in der Hinrunde letzte Saison schon an und nun wird er immer stärker. Klasse! Und Buballa: Nach kurzer Anlaufzeit: Mit welcher Brust läuft der denn rum seit er die Binde umhat?

Wie lange haben wir bitte nach einem zentralen Offensiven gesucht, der sich Bälle abholt, der dribbelt und verteilt, der im wahrsten Sinne des Wortes Schaltzentrale des gesamten Spiels ist? Und dabei verkümmerte der ideale Spieler dafür auf der Außenbahn. Was Mats nun im Zentrum unseres Spieles an Kilometern und Ballberührungen abreißt, ist klasse. Und bei ihm wird die Zeit, die er intensiv spielen kann, auch immer länger. Es ist noch gar nicht so lange her, da nahm der Trainer ihn nach 60 Minuten runter, nun marschiert der auch in Minute 92. Auch wenn für den finalen Konter die Konzentration fehlt. Ist ja alles gutgegangen.

Sein Jubellauf vor der GG nach Abpfiff war dann alles. Einfach alles. Tusen takk, Mats.
Da lässt jemand den Worten, dass er Geburtstagsgrüße für Fans gerne aufnimmt (auf Rückfahrt nach Niederlage in Stuttgart!), weil er den Verein und seine Fans sehr gerne mag, auch gleich fette Taten folgen. Top. Wie wir danach vorm Stadion orakelten: Der würde wahrscheinlich immer noch über den Rasen laufen, wenn Truller ihn nicht eingefangen hätte.

Natürlich auch groß für Schnecke Kalla, dass er den Derbysieg als Einwechselspieler verteidigen darf. Und der wirft sich auch nochmal richtig rein. Jetzt müssen wir schnell den Weg in die Europa League hinbekommen, damit er das Karriere-Highlight noch toppen kann.

Klar, es gibt auch kleine Tropfen Wasser in den Wein. Hinterseer ist schon erwähnt und noch schaffen wir es nicht, die Intensität 90 Minuten als Mannschaft geschlossen hoch zu halten. Die Auszeiten sind noch ein bisschen lang. Aber man muss ja auch immer was zum Arbeiten haben. Hochgradig clever hingegen, wie auch mal eine Weile unattraktiv hintenrum gespielt wird – vielleicht gar nicht aus Ideenlosigkeit, sondern um ein bisschen Kondition einzusparen.

Und nun?

Sind wir in diesem Jahrzehnt insgesamt 3050 Tage Derbysieger. Dieser andere Verein nur 601 Tage. (Alles gestern per Hand auf einem Schmierzettel auf dem Fanladentresen gerechnet.). Packt also eure hässlichen Aufkleber ein und macht Platz für ganz viele Mats-Aufkleber, ihr Vorstädter

Diese glücklich-leeren Gesichter nach Abpfiff überall im Viertel. Diese immer wieder erschallendem „Alte*r, wir haben gerade das fucking Derby gewonnen“-Rufe. Komplette emotionale Überforderung! Dieses debile Grinsen am Tag danach. Derbysieger!

Derbyfluch? Oder Wende der Saison? Unser Senior hatte unserem Lieblingsgewerkschafter (hallo @moeliw) ja prophezeit, dass das Derby die Wende der Saison wird. Um das zu testen, kommen nun zwei wirklich perfekte Aufgaben. Ein sehr gutes lilaweißes Kollektiv und ein echt unangenehmes Sandhausen. Das sind echte Charakterspiele, sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Etwas vereinfacht gesagt: Können wir auch Alltag oder können wir nur vereinzelte Highlight?

Wir würden uns wünschen, dass wir Mats auch dann jubeln sehen können, wenn wir gemeinsam den Abwasch (= Sandhausen geschlagen) erledigt haben.

Denn dafür leben wir. Um Mats jubeln zu sehen.

PS:

Hamburg ist braun-weiß, ihr Derbysieger*innen!

Was wir vergessen haben, lest ihr bei Millernton-Tim

Sep 102019
 

Liebe Leser*innen, wir haben das Derby vor der Nase. Eigentlich kommt dieser Komet ja nur alle 10 bis 20 Jahre vorbei, dieses mal aber aufgrund von besonderen Umständen ( Nichtaufstieg, hahahahaha) zweimal in einem Zeitraum von nicht einmal sechs Monaten.

Das letzte Mal war Mist

Fangen wir mit einer Untertreibung an:

Das letzte Derby war aus unserer Sicht nicht wirklich erfolgreich und wir denken, viele von euch sehnen den 16.09.2019 nicht gerade herbei. Das war auf dem Platz und auf den Rängen nicht unser bester Auftritt.

Aber nun sind wir der gefährliche Außenseiter!

Nun ist das nächste Derby fast da. Man kann sich alles „auf Augenhöhe“-Gerede sparen, der Gast aus dem Park am Rande Altonas ist hoher Favorit. Sie sind besser aufgestellt, haben die besseren Spieler, sind besser gestartet, können besser Fußball spielen und, und, und …

Dazu machen sie erstaunlicherweise auch mal Dinge so wirklich richtig. Der Umgang mit dem Fall Jatta ist vorbildlich.

Was bei den Rauten normal gewesen wäre? Tausend Stimmen, interner Streit am Ende ein Interview mit Kühne: „Ich wollte den Spieler sowieso nicht.“

Was jedoch jetzt passierte? Einigkeit, ein bisschen Wagenburgmentalität und „wir gemeinsam“. So etwas kann einer Mannschaft ein paar Prozent Leistungsfähigkeit einhauchen und diese Prozente rufen die Rauten gerade ab. Man will fast schreiben: „Es sei ihnen und Jatta gegönnt.“ Ja vielleicht. Aber nicht am 16.09.2019 zwischen 20:30 – 22:30!

Wenn sie danach in dieser Saison den zweiten Platz erreichen und uns zusehen, wie wir die Felge in den Himmel recken, dann ist das mehr Gönnung, als wir sonst den Rauten geben würden. Und ab 20/21 werden die Karten sowieso wieder anders gemischt.

Das Ziel? Rauten raus brüllen!

Und nun ist es an uns. Das Millerntor ist unser Wohnzimmer, auf dem Platz und neben dem Platz. Da kann man einmal einen (auch noch ungeliebten) Gast reinlassen und passiv das Tafelsilber stehlen lassen, aber aus diesem Fehler müssen wir alle lernen. Und das heißt: alles raushauen. Von der Stadionöffnung bis die letzte freudetrunkene Braun-Weiße, der letzte freudetrunkene Braun-Weiße das Stadion verlässt.

Wir wissen, dass unsere Mannschaft Fehler hat. Wir haben hier all die Schwachpunkte genug kritisiert. Was die Jungs diese Saison aber auf dem Platz zeigen, ist Aktivität, Einsatz, Wille. Das ist im modernen Fußball bei weitem nicht alles, aber es ist für einen magischen Flutlichtabend eine gute Voraussetzung. Da ist ein Funke in der Truppe, der zünden kann. Der an diesem Abend zünden muss, wenn wir eine Chance haben wollen.

Und hier kommen wir Fans ins Spiel. Erinnert ihr euch an Spiele wie gegen Augsburg 2010, Hoffenheim 2010 oder die beiden Abstiegsendspiele vor zwei Jahren? Da war von der ersten Sekunde auf den Rängen klar, dass wir den Gegner aus dem Stadion brüllen. Wir, die Fans, konnten ein paar Prozent extra zur Verfügung stellen, die unsere Jungs in einem solchen Spiel brauch(t)en. Das können wir immer noch. Das können wir wieder. Gemeinsam. Auf allen Tribünen. Egal ob Ultrà oder Oldtra, egal ob Kutte oder VIP-Kunde. Let’s get loud! Oder ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit: Kiel vor etwas mehr als zwei Wochen.

Dies muss jede*r Person im Stadion am 16.09.2019 klar sein. Wir brüllen die aus unserem Wohnzimmer, wir tragen unsere Jungs zum Sieg.

Das heißt auch: Egal was passiert! Letzte Saison haben wir uns viel zu doll ablenken lassen, meinten uns gegenseitig anzumachen und haben uns gegenseitig den Stinkstiefel zugeschoben. (Dem hier nicht benannten Erfinder dieser Formulierung sei an dieser Stelle ein Herzchen zugeworfen) Das darf nicht noch mal passieren!

Wir sind eine Familie und in einer Familie kracht es auch mal intern. Aber nicht, solange die verhasste andere Großfamilie da ist! Da halten wir zusammen und zeigen denen, dass wir der viel bessere Haufen sind. Impft euch das ein, redet in eurer Bezugsgruppe darüber, bereitet euch darauf vor. Wir können und sollen uns streiten, anderer Meinung sein, debattieren und auch mal aufeinander maulig sein. Aber nicht am 16.09.2019 während des Spiels!

Es werden Dinge passieren, die vielleicht nicht gefallen, aber niemand verliert deswegen das Ziel aus den Augen! Brüllen! Pöbeln! Laut sein! Den Rauten das Leben schwer machen!

Wir sind St. Pauli! Unser Tag kommt!

Die üblichen Ansagen

Passt vor und nach dem Spiel auf euch auf. Die Rauten kommen mit einem Marsch, quer durch die Schanze, wobei es wirklich spannend wird, zu sehen, welchen Weg man denen zuweist. Es ist auch mit sportlichen Kleingruppen zu rechnen. Nicht rechnen muss man mit Vollbier im Stadion und viel Platz auf den Rängen. Kommt rechtzeitig, sortiert euch vernünftig nebeneinander und seid fair miteinander. Gerade bei so einem Spiel: Wenn da irgendwer sexistisch, rassistisch oder anders diskriminierend auffällt, dann mischt euch ein, macht klar, dass dafür kein Platz am Millerntor ist, und helft Betroffenen.

Lasst die Handykamera aus und seid Teil der Stimmung statt nur passive Abfilmer. Niemand möchte Hauptdarsteller in eurem wackeligen Amateurfilm sein! Achtet auf Choreos, Aktionen etc. und bringt euch da ein. Und ein paar Euro in die entsprechenden Töpfe helfen auch immer.

Und eine unübliche Ansage zum Schluss

Wir saßen letztens in ganz anderer Sache mit einer Vereinsoffiziellen zusammen und da wurde uns erzählt, dass viele Mitmenschen im Stadtteil an den Verein herangetragen haben, dass nach unseren Heimspielen Spielplätze nicht nur als Boxareal genutzt wurden, sondern auch noch mit Bierflaschen und Scherben verunreinigt wurden. Von der leider sehr üblichen Nutzung als Urinal ganz zu schweigen.

Und diese Beschwerden kommen von Leuten, die diesen Stadtteil in unserer aller Sinne gestalten wollen und in diversen Organisationen tätig sind, die wir voll unterstützen. Sie haben inhaltlich auch Recht! So ein Spielplatz ist für Kinder, er ist eine Oase für Kinder und diese sollte wenn es irgend geht unter keinen Umständen gestört oder verschmutzt werden. Vermeidet also die beschriebene Zweckentfremdung. Danke!

Sep 042019
 




Der Sonntag war dann bei unserem Haustriathleten dem aktiven Sport gewidmet und er startete in Norderstedt über die Olympische Distanz.

Wie es lief? Lest ihr jetzt!

Vorneweg



Die Veranstalter dieses Triathlons wiesen schon vor der Veranstaltung darauf hin, dass sie Müll und insbesondere Plastikmüll vermeiden wollten und deswegen u.a. keine Verpflegung auf dem Rad anbieten würden und auf der Laufstrecke die Möglichkeit bestünde einen Becher oder andere Gefäße befüllt zu bekommen. Auch auf eine Veranstaltungsbadekappe wurde verzichtet, es bestand die Möglichkeit seine eigene mitzubringen. Auch das Finishershirt sei ohne Plastikverpackung.

Das ist erstmal alles richtig cool. Veranstalter, die sich ernsthafte Gedanken über ihre Ökobilanz machen und die soweit wie möglich Einwegplastik vermeiden gibt es immer noch viel zu wenige. Der Ansatz hier ist erstmal sehr zu loben. Das es dann auf der Laufstrecke nicht wirklich mit dem Befüllen der Becher funktionierte, weil kein Helfer nur dafür abgestellt war und dies damit nicht offensiv angeboten wurde, ist ein kleines Detail, was man noch verbessern kann und muss. In der Hektik des Wettkampfes und dem Versuch Sekunden zu sparen wird kein Teilnehmer bei den Helfern nach einer solchen Möglichkeit nachfragen. Entweder sie wird offensiv angeboten oder sie bleibt unbenutzt.

Das ganze findet am Arriba Strandbad im Norderstedter Volkspark statt. Alle Helfer sind unglaublich freundlich und engagiert, Fragen wurden immer freundlich beantwortet und auch für Sprüche blieb noch Zeit. Die ganze Organisation wirkt durchdacht und eingespielt. Das genügt alles allerhöchsten Ansprüchen.

Durch die Nutzung des Strandbades findet man auch immer und überall ein Klo, was ja traditionell mein Thema ist.

Check In und Wettkampfbesprechung

Das Check In war problemlos machbar und die Wechselzone auf einer Wiese unter Bäumen ist zwar ein bisschen unübersichtlich, aber man bekam seine Sachen gut verstaut und ich zumindest fand später im Wettkampf auch gut eine Wege.

Der ganze Wettkampf ist ein Brummkreisel-Wettkampf. Sprich: Runden, Runden, Runden. Zwei beim Schwimmen, vier beim Radfahren, vier beim Laufen. Das ist nun nicht wirklich meine Lieblingsbeschäftigung, aber bei einer „Dorfveranstaltung“ nix ungewöhnliches.

Auf der Radstrecke wurde es einer Länge von 10 KM relativ eng, aber wenn man denn wollte, war ein regelkonformes Fahren ohne weiteres noch möglich. Es ist aber wie immer: Einige wollen einfach nicht. In den meisten Fällen ist das schlichtweg Betrug an einem Selbst und das muss jeder mit sich und seinem Gewissen aus machen. Wenn aber bei dem Ligawettkampf einen zwei oder drei Teilnehmer des gleichen Vereins überholen und das als Mannschaftszeitfahren konzipieren, dann wünscht man sich doch, dass mal ein Kampfrichter plötzlich auftaucht.

Und los geht es mit dem Schwimmen

Ich fühlte mich nicht wirklich fit und der Tag vorher hatte nun auch nicht gerade den besten Vorbereitungscharakter. Aber hilft ja nix, rein ins Wasser, was brühwarm war, so dass ein Neo nicht erlaubt war.

Das ganze war ein Wasserstart mit Startwellen und ich ordnete mich ganz hinten ein, denn ich bin sowieso einer der langsamsten und brauch das Geprügel beim Schwimmen nun echt nicht. Klar verschenk ich damit so ca. 30 bis 40 Sekunden, aber dann ist das halt so.

Schnell war ich relativ alleine und es dauerte doch sehr lange bis ich meinen Rhythmus beim Schwimmen fand. Gefühlt bin ich aber relativ gerade geschwommen und ein Teilnehmer war auch immer hinter mir.

Die Mädels und Jungs auf den Stand-Up Brettern der DLRG machten Faxen, aber die sicherten den Wettkampf auch schon ein paar Stunden, da ist Spaß erlaubt und als Schwimmer kann man einfach mal mitlächeln. Auch wenn es mich einmal aus dem Konzept gebracht hat.

Erste Runde mit 22 Minuten und ein bisschen absolviert und die zweite Runde lief eigentlich besser, ich hatte so etwas wie ein Gefühl für das Wasser entwickelt und hoffte schneller zu werden. Die Zeit im Ziel behauptete mit 46:29 etwas anderes. Bereits vor dem Start hatten sich Teilnehmer darüber unterhalten, dass die Strecke immer etwas länger sei, als die erforderlichen 1500 Meter und das Gefühl würde ich beinah unterschreiben wollen. Sonst war ich sehr langsam beim Schwimmen.

Aber ich war der Dritte von hinten, womit schon ein Ziel bei jedem Triathlonstart erreicht war. Ich war nicht Letzter nach dem Schwimmen. Beim Wechseln noch mit einem Kampfrichter drüber gewitzelt, der meinte, ich müsse mal mein Schwimmen verbessern, wenn ich Weltmeister werden wolle. Mit einem Lächeln. Ich meinte nur, dass dies auch nix mehr nützen würde, auch wenn ich nun das Feld von hinten aufrollen werde.



Wechel aufs Rad



Die relativ lange Wechselzone in 5:15 durchschritten, was für mich gut ist. Es lief auch alles reibungslos und ohne große Fehler. Da bekomme ich endlich eine gewisse Routine rein.

Los geht die wilde Hatz. Erstmal eine kleine Stichstraße längs und dann vier mal die Schleswig-Holstein Straße rauf und wieder runter. Spannend ist das nicht. Aber dafür hat man besten Asphalt und eine gerade Strecke, die man schön vorne auf dem Auflieger fahren kann.

Nach drei Kilometern schoß mir die Frage durch den Kopf, welches Tempo ich eigentlich anschlagen wollte. Ich beschloss für mich erstmal, dass 28,5 km/h als Schnitt ganz nett sei. Stellte dann aber auf der zweiten Runde fest, dass ich bisher einen Schnitt von über 29 km/h fuhr ohne mich wirklich anzustrengen.

Es waren zwei 180 Grad Wenden zu durchfahren und hier mal ein Lob an alle Teilnehmer, denn es wurde sehr vorsichtig und diszipliniert gebremst und gewendet. Das hab ich beim Hamburger ITU Triathlon und seiner Wende in Teufelsbrück schon ganz anders erlebt. Da wollten dann irgendwelche Helden genau dort noch vier überholen und begannen irgendwelche halsbrecherischen Manöver. Hier nicht, auch wenn der Ziehharmonika Effekt jedem Teilnehmer wohl ein paar Sekunden gekostet hat.

Dritte Runde, ich pendel mich knapp unter 30 km/h die Stunde ein und werde eher schneller als langsamer. Nun gut, dann ab jetzt halt „Sieg oder Spielabbruch“, nun wird dieses Tempo gehalten und der Lauf auch hart angegangen und entweder es reicht hinten raus oder ich kipp aus den Latschen.

Runter von der Pendelstrecke, noch mal eine Stichstraße durch und nach gemessenen 41 KM und 1:22:03 (also gut ein 30 km/h Schnitt) steht das Rad wieder in der Wechselzone.

Das ging mal richtig gut.

Laufen


Wechsel in 2:42, lief wieder sehr gut und ab zum Laufen. Auf einer 2,5 km Runde. Dann nehme ich mir doch mal vor, die jede Runde in 15 Minuten zu laufen, was ungefähr einer 6er Pace entspricht und für mich schnell wäre.

Die Beine fühlen sich locker an, der Körper ist nicht zu müde, also Energie und ab. Die Runde hat innen immer einen Betonweg, außen Sand. Ich laufe meistens auf dem Sand, um Leute vorbei zu lassen. Das kostet ein bisschen mehr Kraft, aber wie schon oben erwähnt, da ist parallel ein Ligawettkampf auf der Strecke und da entscheiden am Ende Sekunden. Bei mir nicht.

Die Strecke ist trotzdem gut zu laufen, sie hat nur vier Anstiege drin und ich hasse Anstiege. Nein. ICH HASSE ANSTIEGE. Aber heute ist „keine Gnade für die Wade“ Tag und ich ballere die erste Runde da rum. Ha, trotz kurzem Dixie Stop klappt das gut mit den 15 Minuten.

Zweite Runde ebenso, am Ende der Runde noch mal Gele reingepfiffen.

Nun werden die Beine schwerer, aber insgesamt geht es noch gut. Zu Beginn der Runde gibt es eine kleine Wendestrecke. Am Ausgang steht ein unermüdlicher Helfer, der jeden Teilnehmer jedes Mal fröhlich mit abgelesenen Namen anfeuert. Beim letzten Durchlauf bedanke ich mich und wir wünschen uns noch ein schönes Wochenende. Ganz ehrlich: So etwas ist toll.

Endspurt. Mein Puls geht nun an den Anschlag, aber da sind noch Reserven drin, also ballern wir den letzten KM durch.

Am Ende steht eine 59:05, wobei die Strecke wohl nicht ganz 10 KM waren. Egal. Klasse Zeit insgesamt. 3:15:35. Schneller war ich nur vor 5 Jahren mal in Ingolstadt mit einer 3:12:45, aber da habe ich den leisen Verdacht, dass die Strecken nicht wirklich gleich lang sind und ich war auch noch fünf Jahre jünger. (Bericht aus meinem damaligen Sportblog)

Fazit



Da geh ich noch mal hin, die Veranstaltung ist vor meiner Haustür und macht Spaß. Im Hinblick auf Almere kann man nur sagen, dass die Form stimmt. Mal sehen, was in zwei Wochen passiert.