Sep 192019
 

Es war mal wieder Zeit für die Challenge Almere. Mein Lieblingsrennen. Warum auch immer. Vielleicht weil gut 50% der Radstrecke auf einem Deich sind? Weil ich als Kind immer in der Nähe Urlaub gemacht habe? Keine Ahnung, aber ich freute mich ein Jahr lang, dass dieser Wettkampf wieder mein A-Wettkampf war.

Schnell fanden sich noch zwei Begleiter*innen, die beide das erste Mal eine Mitteldistanz angehen wollten. In Naarden Vesting eine kleine Ferienwohnung gebucht und schon konnte die Show starten.

Die Anreise und das Testschwimmen

Anreise? Ohne wirkliche Ereignisse. Holländer*innen fahren auf ihren Autobahnen eigentlich ganz gechillt, aber das Wort „Sicherheitsabstand“ scheint im Flämischen keine Entsprechung zu haben. Teilweise zogen Verkehrsteilnehmerinnen doch sehr eng wieder auf die eigene Spur.

Wir wollten abends noch zum Testschwimmen und ich war erstaunt, wie viele Leute das auch taten. Als ich hier vor vier Jahren startete und das Schwimmen testete waren es vielleicht 5 Leute; diesmal gut 200. „Ihr könnt eine oder auch zwei Runden schwimmen“ oder ihr könnt wie ich kurz mal 100 Meter raus schwimmen, feststellen, dass die Wasserpflanzen noch leben, dass Wasser kalt und nass ist und Schwimmen nicht mehr meine Disziplin wird. Reicht. Aber einige schwimmen das an, als ob es der Wettkampf wäre. Jeder Triathlet ist anders. (Und hier kann man sich Gendern echt sparen).

Unsere Unterkunft hatte einen Herd und einen Albert Heijn um die Ecke. Perfekt für Essen kochen. Unsere Vertreterin zauberte eine Nudelsauce die alle satt und zufrieden machte. Zeit ins Bett zu gehen. Was ein Abenteuer war. Denn die Unterkunft hatte drei Ebenen die durch steilste Treppen erreichbar waren. Die Nutzung auf rutschigen Socken haben wir uns dann gleich mal verboten.

Warm up und Wettkampfbesprechung

Am nächsten Morgen dann die üblichen 10 km Rad gekoppelt mit 2 km Laufen. Das Radfahren als Slalom durch Naarden. Als Slalomstangen wurden dabei u.a. ganz viele Hollandräderfahrer*innen genutzt. Sowieso: Hollandräder sind Liebe.

Der anschließende lockere(!) Lauf lies meine Laufuhr verkünden, dass ich so eben die schnellste Meile gelaufen sei, seitdem ich die Uhr habe. Nehmen wir das mal als gutes Zeichen für die Form.

Ab zu den Formalien. Die Wettkampfbesprechung erbrachte nicht viel Neues. Immerhin hörte der in Roth gewonnene Glücksbär aufmerksam zu. Foto klappt gerade nicht.

Die Wechselzone hat sich geändert und ist nun nicht nur größer, sondern nutzt leider nicht mehr die Fahrradgarage des örtlichen Einkaufszentrums. Schade. Das war irgendwie immer lustig. Der Ersatz in Form eines riesigen Zelts war aber okay. Die Wege zwar länger als früher, aber noch okay.
Beim Check-in der Räder haben wir auch noch mal die Wege sehr aufmerksam studiert. Ganz pannenfrei ging es dann im Wettkampf trotzdem nicht. Schwamm drüber.
Was in der Wettkampfbesprechung nicht erwähnt wurde: die Existenz von Trashzones. Was die Folge war: Müll ohne Ende verteilt über die Strecke. Das ist echt doof. Gerade weil genug auch in das Naturschutzgebiet geweht wird. Leute passt doch auf eure Umwelt auf. In den Regeln war das Thema Trashzone klar benannt.
Die Pastaparty ist in Almere von Auswahl und Qualität echt okay. Das Leute am Tag vor dem Wettkampf Lachs essen zeigt von einem gewissen Gottvertrauen.
Unsere Chefsupporterin haben wir noch eingesammelt und dann war auch Schlafenszeit.

Guten Morgen Triathlon

Und schon war Wettkampftag. Trocken, Wind von Südosten, Sonne. Für Almere eher ungewöhnlich. Insbesondere der fehlende starke Westwind, der sonst dieses Rennen sehr prägen kann. Letzte Checks am Rad, einer Britin noch die Pumpe geliehen, nachdem ihr Schlauch die Nacht nicht überstanden hatte, die üblichen Dixiebesuche und schon war es Zeit sich in die Reihe zu stellen.

Ins Wasser!


Rolling Starts sind ein Segen. Klar verhindern sie die spektakulären Bilder eines Massenstarts, aber so hat jede*r Platz, nie kommt von hinten jemand angeflogen, man kann schnell sein Tempo finden. Nachteil an dieser Startmethode ist nur, dass man am Land startet und so wortwörtlich ins kalte Wasser springen muss.

Meine ersten Züge fielen entsprechend kurz und atemlos aus. Dann war aber schnell ein halbwegs vernünftiger Rhythmus drin. Für die erste Zeit einen Fuß gefunden, dem ich hinter her schwimmen konnte, so dass auch die Orientierung kein Problem war. Bis zur ersten Wende bin ich so geschwommen. Dann wurde mir die Besitzerin des Fußes zu langsam und ich wollte überholen. Was ich dabei übersah: Vorneweg kein neuer Fuß in erreichbarer Nähe und es ging gegen die Sonne. Die Orientierung ging also flöten und ich schwamm einen ordentlichen Bogen, der so nicht geplant war. Bojen sah ich eine ganze Zeit gar nicht, nur ein paar andere Teilnehmer in meiner Nähe versicherten mir, dass ich grob richtig war. Erst als ich einen Paddler nach der Richtung fragte und dann über die Sonne zu peilen begann wurde es besser.

Nächste Wende und nun lief es ein langes Stück wirklich gut. Viele Freistilzüge, wenig Brust, gut in der Linie. Letzte Wende und ab an Land! So zumindest der Plan und auch hier war das mit dem geradeaus schwimmen noch mal etwa schwierig und noch ein paar unnötige Meter kamen noch hinzu.

52:48 stand am Ende in den Ergebnislisten. Das war schon mal ein sehr guter Anfang. Alles unter 55 Minuten hätte ich sofort gekauft und eine 52 bin ich innerhalb eines Triathlons noch nie geschwommen. Auf zum Rad

Rollen auf dem Deich

Ich bin kein Wechselprofi, lass mir lieber ein paar Sekunden zu viel Zeit und hab dementsprechend 8 Minuten gebraucht, bis ich die auch lange Wechselzone durchlaufen habe.

Der Radkurs beginnt mit einem geschlängelten Fahrradweg, der einen zum Deich bringt. Da gilt es erstmal ein bisschen in Stimmung zu kommen und Gefühl für das Rad aufzubauen. Also erstmal ein bisschen in Ruhe. Klar einige knallen hier schon an einem vorbei, als ob es kein Morgen gibt, aber viele davon holt man auch wieder ein. Schönen Gruß an dieser Stelle an einen der Mitreisenden.

Meine Priorität war erstmal essen, trinken, warm werden. Als es dann auf den Deich ging, war ich im Radfahren drin und konnte nun Tempo machen. Bei normalen Windverhältnissen hat man bei diesem Rennen zwischen 10 und 40 Rückenwind und muss dann gucken, wie man den Rest überlebt. Diesmal war der Wind gar kein Faktor, so dass man sein eigenes Tempo ertreten und auch finden musste. Ich persönlich wurde mir auf dem langen Deich irgendwann zu langsam und zu gemütlich, so dass ich beschloss mir vorzunehmen, nie unter 28,4 zu fallen. Vollkommen willkürlich gesuchte Zahl, aber das war für mich ein Tempo, was etwas schneller als gemütlich war, aber sich auch nicht nach zerstören anfühlte.

Ich holte immer mehr Teilnehmer*innen ein. Auffällig viele britische Triathletinnen überholte ich. Irgendwann stellte ich in meinem Kopf die These auf, dass britische Triathletinnen alle unfassbar gute Schwimmerinnen, aber unfassbar schlechte Radfahrerinnen seien. Kann man so wahrscheinlich nicht generalisieren.

Was macht man sonst so auf einem Deich, der eigentlich nur geradeaus geht, dessen Ende mit einem Fernsehturm gekennzeichnet ist, der gefühlt nicht näher kommt und der wenig Abwechselung bietet? Man guckt sich die zahlreichen Vögel an, man freut sich über die Segelschiffe, die bei bestem Wetter und klarer Sicht auf dem IJsselmeer (das große J ist laut Wikipedia richtig) unterwegs waren. Auch die beiden historischen Bromfiets (die schöne holländische Bezeichnung eines Mopeds), die auf dem Radweg neben dem Deich rum knatterten sorgten für schöne Abwechselung.

Nach 40 Kilometern ändert sich der Charakter des Rennens, denn nun geht es über die Insel, durch einen Naturpark und teilweise auch über sehr schmale Radwege zurück. Stimmung machendes Publikum gibt es nur vereinzelt, dieses ist dann aber umso enthusiastischer, dafür gibt es Natur in ausreichender Menge.

Einige Stellen waren sehr eng und Überholvorgänge deswegen nicht immer mit wirklichem Abstand möglich. Aber die meisten Teilnehmer*innen lösten das entspannt, mit Warnrufen und Dankesworten. Das war gut.

Die Strecke ist zu 99% gesperrt, nur landwirtschaftlicher örtlicher Verkehr ist zugelassen. Natürlich auch, weil man Bauern an einem sonnigen Samstag im September nicht von ihren Feldern abklemmen kann. Leider gab es wieder den einen LKW-Fahrer, der meinte, dass ihn das alles nicht zu interessieren hat und der auf einer klitzeschmalen Straße nicht einen Millimeter Platz geben wollte. Das war noch mal so ein Adrenalinausstoß, den ich nicht unbedingt hätte haben müssen. Alle anderen Trecker-, PKW- oder LKW-Fahrer*innen verhielten sich absolut vorbildlich, schufen Platz und beeinträchtigten zumindest mein Rennen gar nicht.

Das Ende der Radstrecke näherte sich. Meine Idee von einem 28er Schnitt hielt ich gut durch. Die Beine fühlten sich noch relativ locker an. Und nun? Ich beschloss, dass ich den Halbmarathon doch relativ schnell angehen wollte. Sieg oder Spielabbruch.

Rennen um den See

Zweiter Wechsel verlief wieder ruhig, geordnet und in etwas über 5 Minuten. Das ist für mich okay.

Raus aus dem Zelt und rein in das Getümmel. Die Laufrunde ist 7 KM lang und dreimal zu umrunden. Sie ist nicht gerade schön, aber gut zu laufen und bietet an den meisten Stellen auch ganz viel Platz für unterschiedliche Geschwindigkeiten. Es findet sich relativ viel Publikum ein, so dass man auch immer aufmunternde Worte zugeworfen bekommt.

Highlight dabei sind immer die Gruppe mit den blauen Perücken, die ungefähr bei der Hälfte ein Stimmungszentrum aufbauen. Wenn nicht deren Vorliebe für Kirmestechno wäre. Oh man, einige Runden war die Musik echt mies. [Anmerkung des Kollektivs: Diese unverschämte Aussage gibt selbstverständlich nicht die Meinung aller wider. <3] Irgendwie witzig auch der Typ von irgendeinem deutschen Triathlonverein (ich hab nicht richtig gelesen, welcher), der alle auf Deutsch anfeuerte und von allen Highfives einforderte. Ich fand den lustig.

Am Ende der Runde dann noch ein Triathlonveranstalter, der irgendwelche bekannten Metalsongs spielte. Das spülte dann immer kurzfristig das Ohr durch bevor man wieder in den Zielbereich lief, wo es Stimmungshits und Kirmestechno auf die Ohren gab.

Erste Runde? 44:24. Ähm, das wäre ein 2:18 Halbmarathon geworden. Gut, dann versuchen wir das halt. Rückblickend war das vielleicht ein klitzekleines bisschen zu schnell angegangen, aber nun ja.

Zweite Runde, der T. überholte mich, lief kurz mit mir, dann trennten uns unsere Tempi. Er vorneweg, ich hinterher. Der Typ ist einfach eine Laufmaschine.

Verpflegung? Cola, Wasser, Schwamm. Nicht immer austrinken, sondern auch viel Wasser in den Nacken und auf die Beine. Dazu alle 6 KM ein Gel. Ging gut rein und mein Magen mochte das eigentlich alles.

In der zweiten Runde eine Schiffsglocke am letzten Verpflegungsstand entdeckt, die man auf seiner letzten Runde bimmeln sollte. Das darfst du nicht vergessen. Hab ich dann auch nicht.

Ich wurde nun langsamer, aber Gehpausen musste ich nicht einlegen. Bei den Getränkeständen ja, denn da will ich auch nicht in Hektik verfallen, lieber ruhig, aber sonst konnte ich eigentlich bis zum Ende mit zwei kurzen Ausnahmen durchlaufen.

48:12 für die zweite Runde. Ich war also doch deutlich langsamer. Da war aber auch ein Pinkelstop drin, der so eine Minute gekostet hatte. Aber alles immer noch in einem guten Tempo.

So Mitte der letzten Runde wollte mein Magen dann doch nicht mehr. So langsam stand mir das Wasser und alles andere vor dem Magen. Auch die Beine waren nun platt und die letzten Kilometer wurden langsamer. Nun entschied halt der Wille. Häufig genug platze ich in diesen Momenten vollständig und gehe einfach nur ins Ziel. Diesmal nicht. Einmal war die ganze Zeit noch eine Bestzeit drin und ich fühlte mich auch so, dass zumindest locker zu Ende laufen echt drin war.

Das hat dann auch gut geklappt. In knapp unter 53 Minuten beendete ich die letzte Runde und schloss den Halbmarathon in 2:25:29 ab. Funfact dazu: Ich war in 2019 noch nicht so schnell auf einem Halbmarathon. Selbst wenn ich ihn alleine ohne vorheriges Radfahren gelaufen war.

Ab ins Ziel! Jubeln, klatschen und mit 6:49:21 ins Ziel laufen. Bestzeit auf der Halbdistanz mal eben um 9 Minuten verbessert. 1226. von 1356 ins Ziel kommenden Triathlet*innen, 1002. von 1045 Männern und der 186. Platz von 195 in meiner Altersklasse. Das ich mal 9 Triathleten meiner Altersklasse hinter mir lasse, passiert mir sonst auch nicht. Ich bin sonst eigentlich immer Letzter oder Vorletzter.

Zwischen Schwimmende und Ziel habe ich mich um über 50 Positionen im Feld verbessert. Wir müssen also nicht analysieren, wo meine Schwäche liegt.

Danach

In der Zielverpflegung einen großen Schluck Wasser genommen und den fand mein Magen dann irgendwie nicht gut. Mir wurde richtig gut schlecht und es half nix, es half nur einmal über das Waschbecken hängen. Danke an die beiden Jungs, die fragten, ob ich einen Arzt brauchte, brauchte ich aber nicht. Als der Kram raus war, war alles wieder gut.

Hab ich so auch noch nicht gehabt, dass auf der Strecke der Magen eigentlich die ganze Zeit halbwegs okay ist und dann im Ziel keinen Bock mehr hat. Wahrscheinlich ein bisschen hastig getrunken im Ziel.

Am Abend war das auch alles wieder okay und die Pizza war lecker.

Almere ist eine Reise wert. Das Rennen ist gut organisiert, die Helfer toll, das Publikum nicht viele, aber sehr engagiert. Der Kurs ist halt flach, flach, flach, aber dafür mit viel Natur. Ich mag dieses Rennen. Und spätestens 2021 steh ich da wieder am Start.

Die Analyse

Bestzeit um 9 Minuten verbessern? Das spricht erstmal dafür, dass das Training und der Plan gegriffen hat. Da lässt sich drauf aufbauen. Schwimmen wird nicht mehr meine Stärke, da bin ich auch so ehrlich, dass mir ein „mehr trainieren“ einfach zu wenig Bock bringen würde. Schwimmbäder nerven, sind in HH und Umgebung sowieso rar und wenn dann sind sie voll. Ne danke. Da muss das reichen, was ich machen kann.

Auf dem Rad will ich nächstes Jahr mal versuchen ein bisschen schneller zu werden. Ich hab da so meine Grundbelastung, die ich auch im Notfall 180 km durchtrete, aber über die rüber zu gehen fällt mir immer noch schwer.

Und Laufen? Ja das probieren wir jetzt noch mal aus. Ein kleiner Marathon wartet noch.

Sep 172019
 

Aufwärmen

Selten waren wir uns im Kollektiv so uneinig wie vor diesem Spiel. Vier Menschen, vier verschiedene Erwartungen an das Derby und vierfach weit auseinandergehender Toleranz für Gedanken an „wenn wir das Derby gewinnen, dann…“. Was uns wohl aber verbindet, ist, dass seit dem letzten Aufeinandertreffen mit dem Vorstadtverein sensationell wenig Zeit vergangen ist und wir nach der bitteren Klatsche im März und Fanszene-interner Differenzen doch einfach etwas weniger Anspannung verspüren. Gab schließlich keinen aktuellen Stadtmeister-Titel zu verteidigen.

Wir selber mussten uns im Vorfeld ein bisschen zu einem Spannungsaufbau per GIF und Blogbeitrag zwingen, aber das lief ja ganz gut. Dass dann ein Kollektivmitglied mit dem falschen Bein aufstand und aus gleich zu erzählenden Gründen ein nicht wirklich perfektes Derby hatte, machte die Uneinigkeit nicht besser. Aber hey, vielleicht gehört das einfach auch zu einem Derby. Die Dünnhäutigkeit, die Anspannung und damit einhergehend auch mal die relativ meckerige Stimmung.

Der Tag von Anfang an

Erste Augen von uns kommen bereits um 12 Uhr im Viertel an. Noch spüren wir wenig außer der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm. Viele braun-weiße Menschen tummeln sich schon im Viertel, es wurden werden schon Kampfhun Kampfda süße kleine Dackel ausgeführt und viele Erinnerungsfotos gemacht. Das Kartencenter löst schnell noch Probleme wie „mein Mitbewohner hat die Karte weg geworfen“ (diese Geschichte ist nicht erfunden) und auch wir bekamen problemlos Pokaltickets für alle.

In alten Zeiten gab es mal ein Glücksessen. Halbes Hähnchen/Pommes in der Kleinen Pause. Also einfach mal rausholen, die alten Sitten und Gebräuche. Dank netter Begleitung ist es ein schönes, kurzweiliges Essen. Unsere Ultras haben sich auch einen gemeinsamen Mittagstisch organisiert und dinierten in der Nachbarschaft. Polizei ist zu diesem Zeitpunkt im Viertel nicht zu sehen und es könnte angesichts der vielsprachigen Gäste auch ein Vormittag des Antira anstelle eines Derby-Vormittags sein.

Kurz mal durch die Schanze schlendern, feststellen, wo die ganze Polizei ist, und sich dann langsam als Blog sammeln. Aus dem Norden kommt, durchquert ein Teil den Schanzenpark, wo am späten Nachmittag mehr als 2000 Rautenbengels rumlungern. Ganz inkognito gibt’s aber keine Schwierigkeiten.

Die Südkurve und einige GGler treffen sich auf dem Paulinenplatz, wo dann jede Kleingruppe ihren eigenen Treffpunkt hat. Großes Hallo, ein paar Getränke und insgesamt eine eher gelöste Stimmung. Es gibt einmal ein bisschen Hektik und Kontakt mit der Staatsmacht, aber wir können aus unserer Sicht keine Hintergründe oder so erkennen.

Hubschrauber nerven

Am weltbesten Fanladen dann die üblichen Ticketgeschäfte, große Hallos. Liebe Menschen fehlen aus Krankheitsgründen, andere liebe Menschen sieht man seit langem mal wieder. Ein Mikrokosmos des Lebens halt. Allen Kranken gute Besserung an dieser Stelle. Und auch wenn unsere Montagshistorie hervorragend ist: Montags wollen wir kotzen.

Im Hintergrund nervt der Polizeihubschrauber und die Freunde des Volksparks haben dann auch irgendwann das Stadion erreicht.

Einlass überwunden und auf die geheiligten Stufen.

Gewalt!

Es ist in unserem Stadion so, dass unsere Stehplätze bei normalen Spielen auch deswegen genügend Platz für jede*n bieten, weil eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Stehplatzkarten nicht genutzt wird. Dies ist bei Highlightspielen natürlich nicht der Fall, sondern es kommen alle Inhaber*innen und dementsprechend eng wird es. Wenn man miteinander redet und sich abspricht, dann ist auch noch für den Kumpel, der nicht 90 Minuten vorher da stehen kann, der noch arbeiten muss oder der aus anderen Gründen zu spät kommt, immer Platz. Das kann man über Bezugsgruppen hinweg echt gut regeln. Glaubt es uns einfach.

Was nicht geht, ist jedoch, als 1,90-Mann zehn Minuten vor Anpfiff zu erscheinen, sich zu seinen Kumpels sich durchzudrängen und dann zu meinen, dass man da stehen könne, wo eben noch Frau und Kerl standen, die beide deutlich sind kleiner als man selbst. Und dass die ein kleines Stück zur Seite gegangen sind, ist keine Einladung, da wie ein Ölgötze stehenzubleiben. Insbesondere, wenn sie es einem erst freundlich und dann unfreundlich erklären. Da muss man echt nicht den großen Ignoranten machen, sondern kann „Sorry“ sagen und gehen. Auch das ist nebenbei Awareness. Da lief zum Derby erstmals bei uns im Stadion eine Ansage zu dem Thema. Dürfen gerne alle beachten. Schön auch, dass der Südkurvenflyer das Awareness-Plakat auch noch mal aufnahm.

Wenn sich dann ein Kerl der gleichen Größe einmischt und ein deutliches „geh da weg oder es setzt was“ in die Diskussion einwirft, dann sollte die Reaktion der Kumpels zu besagtem Drängler sein: „Ey, XYZ, geh da mal weg, das ist Unsinn, komm wir arrangieren das irgendwie.“ Die falsche Reaktion in die falsche Richtung ist: „Aber du kannst dem doch nicht Gewalt androhen, das ist Nötigung!!!“ Natürlich kann man das nicht, aber man sollte auch mal überlegen, wer hier mit direkter körperlicher Gewalt angefangen hat, denn nichts anderes ist wegdrängeln* und wer auf freundliche Hinweise nicht hören will.

*Es sei hier kurz erwähnt, dass Gewalt ungleich Gewalt und es da natürlich Abstufungen gibt. Das wird immer gerne vergessen.

Gut, die Ansage ist dann wohl doch überzeugend genug und seine Kumpels und er suchen das Weite.

Einzelfall / Ränge sonst super

Es ist ärgerlich, dass so ein Einzelfall so viel Raum einnehmen muss, denn sonst ist das auf den Rängen heute echt Zucker. Gut Alarm, ein eher ironisches Auspfeifen der Süd, als nach der Fahne runter kein Pyro erschient, gefolgt von „Südkurve, Südkurve“-Rufen. Kein Gepöbel, allenfalls wenige Einzelpfiffe wegen der Pyroshow, viel Gepöbel gegen die Rauten und ein insgesamt guter Support. Teilweise heillos chaotisch, weil auch durch Aktion auf dem Feld unterbrochen, aber Knoll spricht am Ende davon, dass die Fans sie getragen hätten. Das sind diese berühmten paar Prozent, die wir im Vorbericht erwähnten. Und die Süd war Zucker, da wurde in unserem Umfeld benannte Awareness komplett gelebt und in der Ekstase passen alle aufeinander auf. Wie es dazu kam kommt gleich.

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Hübsch!



Ja, das war mal so wie wir uns das vorstellen. Klar man könnte nun ein Haar in der Suppe finden und vielleicht haben die drei linken Nachbarn nicht immer so mitgesungen, wie das in einer idealen Welt sein sollte. Aber Scheiß drauf! Wir haben offenbar was richtig gemacht, Sankt Pauli.

Ein Dank auch an Sanis und Ärzte im Stadion. Wir haben mitten im Spiel ein medizinisches Problem in einer unserer Bezugsgruppen, was uns kurz ein bisschen die Laune verdirbt. Das wird vom Roten Kreuz gut gelöst. Die Betroffene wird in den Sanitätsraum durch den Innenraum geführt, geht auch an der Gästekurve längs und kommt später versorgt zurück und meint nur mit strahlenden Augen, dass sie auf der Choreo der Rauten rumgetrampelt sei. Da wussten wir, es geht ihr wieder gut.

Was sonst noch war

Romane im Gästeblock? tl;dr!

Choreo im Gästeblock? Die Rauten in eine Working-Class-Tradition stellen zu wollen, ist soweit her geholt, das ist selbst für uns Wortspielakrobat*innen zu viel. Es hat ungefähr so viel Witz und Sinn wie die Sprüche von fritz!. Also gar keinen. (Dinos wegechsen, echt jetzt?)

Was genau davon sollte uns eigentlich nun genau treffen? Und Working Class sind sowieso nur die Skins. Und die zu Recht.

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Nun ja 🤷🏼‍♂️



Eigene Choreo: Gute Idee, die Umsetzung hakt leider ein bisschen. Aber so ein deutlicher Mittelfinger in Richtung DFL, DFB, Polizei etc. trifft natürlich unsere Herzen.

Zum Feuerwerk zu Halbzeit 2 könnt ihr in den Berichten zu Pyroeinsätzen 1999, 2000, 2001 etc. alles lesen, was dazu gesagt werden sollte und muss. Bemüht Google, dann findet ihr es. Es sieht cool aus und der Ordner mit der Schubkarre, in die alle Leute ihre abgebrannten Pyros werfen, war ein Bild für die Götter. Wir haben uns ordentlich einen gefeixt. Als hätte da jemand an den Reglern auch Bock drauf, wird nochmal “Antifa Hooligans” extra aufgedreht, als alles so schön leuchtet.

Rasengeschehen

Diese 0,2 Sekunden bevor der Ball ins Tor rollt, die sind schon irgendwie (besser als) Sex, oder?

Die haben schon eine gute Truppe da zusammen im Volkspark. Jatta ist ein echt fetter Motor über die Außenbahn und auch sein Gegenüber ist echt stark. Unsere Jungs haben da alle Hände voll zu tun, halten aber mit Einsatz und guter Einstellung echt klug dagegen. Und wenn es dann doch mal nicht reicht, dann ist Hinterseer zur Stelle und versemmelt den Ball. Der Junge, der ja wirklich gut in die Saison gestartet ist, hat mal so richtig Scheiße am Fuß. Nun ja, so ist das halt. Doof für ihn, wenn es im Derby passiert. Wie ruft unser Chief Editor in solchen Momenten immer? „HA! HA!“

Womit wir bei unserem Liebling des Spiels sind. Ach Rick, den entscheidenden Tick zu spät beim 1-0 und beim 2-0 bügelst du das aus und schiebst ihn gleich selber rein. Was deine Leistung aber echt schmälert ist, dass du das absolut mögliche 3-0 daneben setzt.

Zu unseren Jungs. Die sind ja mal heiß wie Frittenfett. ENDLICH MAL!!! So häufig hatten wir schon Derbyspiele, wo unsere Knaben wie das Kaninchen vor der Schlange hockten. Wir erinnern uns da ungern an ein Spiel im März. Diesmal ist alles anders. Laufeinsatz wie verrückt, Kämpfen bis zum Umfallen, taktisch gut eingestellt und mit einigen guten Ideen. Das ist rund! Hier mal Lob an den Coach; wer eine Mannschaft so spitz in ein für Fans so wichtiges Spiel bringt, der macht nicht alles falsch. Und das bei uns Nörgler*innen schon ein großes Lob. Der versprochene aktivere Fußball ist sichtbar und spürbar.

Einzellob? Ohlsson, der richtig stark ist (auch wenn ihm Jatta ein paar mal entwischt) und auch noch die GG anheizte. Das wirkte, als ob er einen Crashkurs in FCSP-Tugenden gehabt hätte. Diarra nach Einwechselung auch sofort auf Temperatur und mit fettem Jubelsprung. Da ist Herz vorhanden. Das Duracell-Häschen Knoll (ihr kennt die alte Werbung noch? „Läuft und läuft und läuft“), der einfach ein echter „Game Changer“ ist. Der ist überall gleichzeitig, treibt den Gegner zur Weißglut und kann dabei echt noch feine Bälle spielen. Ganz stark. So sah man ihn bei Regensburg, das deutete er in der Hinrunde letzte Saison schon an und nun wird er immer stärker. Klasse! Und Buballa: Nach kurzer Anlaufzeit: Mit welcher Brust läuft der denn rum seit er die Binde umhat?

Wie lange haben wir bitte nach einem zentralen Offensiven gesucht, der sich Bälle abholt, der dribbelt und verteilt, der im wahrsten Sinne des Wortes Schaltzentrale des gesamten Spiels ist? Und dabei verkümmerte der ideale Spieler dafür auf der Außenbahn. Was Mats nun im Zentrum unseres Spieles an Kilometern und Ballberührungen abreißt, ist klasse. Und bei ihm wird die Zeit, die er intensiv spielen kann, auch immer länger. Es ist noch gar nicht so lange her, da nahm der Trainer ihn nach 60 Minuten runter, nun marschiert der auch in Minute 92. Auch wenn für den finalen Konter die Konzentration fehlt. Ist ja alles gutgegangen.

Sein Jubellauf vor der GG nach Abpfiff war dann alles. Einfach alles. Tusen takk, Mats.
Da lässt jemand den Worten, dass er Geburtstagsgrüße für Fans gerne aufnimmt (auf Rückfahrt nach Niederlage in Stuttgart!), weil er den Verein und seine Fans sehr gerne mag, auch gleich fette Taten folgen. Top. Wie wir danach vorm Stadion orakelten: Der würde wahrscheinlich immer noch über den Rasen laufen, wenn Truller ihn nicht eingefangen hätte.

Natürlich auch groß für Schnecke Kalla, dass er den Derbysieg als Einwechselspieler verteidigen darf. Und der wirft sich auch nochmal richtig rein. Jetzt müssen wir schnell den Weg in die Europa League hinbekommen, damit er das Karriere-Highlight noch toppen kann.

Klar, es gibt auch kleine Tropfen Wasser in den Wein. Hinterseer ist schon erwähnt und noch schaffen wir es nicht, die Intensität 90 Minuten als Mannschaft geschlossen hoch zu halten. Die Auszeiten sind noch ein bisschen lang. Aber man muss ja auch immer was zum Arbeiten haben. Hochgradig clever hingegen, wie auch mal eine Weile unattraktiv hintenrum gespielt wird – vielleicht gar nicht aus Ideenlosigkeit, sondern um ein bisschen Kondition einzusparen.

Und nun?

Sind wir in diesem Jahrzehnt insgesamt 3050 Tage Derbysieger. Dieser andere Verein nur 601 Tage. (Alles gestern per Hand auf einem Schmierzettel auf dem Fanladentresen gerechnet.). Packt also eure hässlichen Aufkleber ein und macht Platz für ganz viele Mats-Aufkleber, ihr Vorstädter

Diese glücklich-leeren Gesichter nach Abpfiff überall im Viertel. Diese immer wieder erschallendem „Alte*r, wir haben gerade das fucking Derby gewonnen“-Rufe. Komplette emotionale Überforderung! Dieses debile Grinsen am Tag danach. Derbysieger!

Derbyfluch? Oder Wende der Saison? Unser Senior hatte unserem Lieblingsgewerkschafter (hallo @moeliw) ja prophezeit, dass das Derby die Wende der Saison wird. Um das zu testen, kommen nun zwei wirklich perfekte Aufgaben. Ein sehr gutes lilaweißes Kollektiv und ein echt unangenehmes Sandhausen. Das sind echte Charakterspiele, sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen. Etwas vereinfacht gesagt: Können wir auch Alltag oder können wir nur vereinzelte Highlight?

Wir würden uns wünschen, dass wir Mats auch dann jubeln sehen können, wenn wir gemeinsam den Abwasch (= Sandhausen geschlagen) erledigt haben.

Denn dafür leben wir. Um Mats jubeln zu sehen.

PS:

Hamburg ist braun-weiß, ihr Derbysieger*innen!

Was wir vergessen haben, lest ihr bei Millernton-Tim

Sep 102019
 

Liebe Leser*innen, wir haben das Derby vor der Nase. Eigentlich kommt dieser Komet ja nur alle 10 bis 20 Jahre vorbei, dieses mal aber aufgrund von besonderen Umständen ( Nichtaufstieg, hahahahaha) zweimal in einem Zeitraum von nicht einmal sechs Monaten.

Das letzte Mal war Mist

Fangen wir mit einer Untertreibung an:

Das letzte Derby war aus unserer Sicht nicht wirklich erfolgreich und wir denken, viele von euch sehnen den 16.09.2019 nicht gerade herbei. Das war auf dem Platz und auf den Rängen nicht unser bester Auftritt.

Aber nun sind wir der gefährliche Außenseiter!

Nun ist das nächste Derby fast da. Man kann sich alles „auf Augenhöhe“-Gerede sparen, der Gast aus dem Park am Rande Altonas ist hoher Favorit. Sie sind besser aufgestellt, haben die besseren Spieler, sind besser gestartet, können besser Fußball spielen und, und, und …

Dazu machen sie erstaunlicherweise auch mal Dinge so wirklich richtig. Der Umgang mit dem Fall Jatta ist vorbildlich.

Was bei den Rauten normal gewesen wäre? Tausend Stimmen, interner Streit am Ende ein Interview mit Kühne: „Ich wollte den Spieler sowieso nicht.“

Was jedoch jetzt passierte? Einigkeit, ein bisschen Wagenburgmentalität und „wir gemeinsam“. So etwas kann einer Mannschaft ein paar Prozent Leistungsfähigkeit einhauchen und diese Prozente rufen die Rauten gerade ab. Man will fast schreiben: „Es sei ihnen und Jatta gegönnt.“ Ja vielleicht. Aber nicht am 16.09.2019 zwischen 20:30 – 22:30!

Wenn sie danach in dieser Saison den zweiten Platz erreichen und uns zusehen, wie wir die Felge in den Himmel recken, dann ist das mehr Gönnung, als wir sonst den Rauten geben würden. Und ab 20/21 werden die Karten sowieso wieder anders gemischt.

Das Ziel? Rauten raus brüllen!

Und nun ist es an uns. Das Millerntor ist unser Wohnzimmer, auf dem Platz und neben dem Platz. Da kann man einmal einen (auch noch ungeliebten) Gast reinlassen und passiv das Tafelsilber stehlen lassen, aber aus diesem Fehler müssen wir alle lernen. Und das heißt: alles raushauen. Von der Stadionöffnung bis die letzte freudetrunkene Braun-Weiße, der letzte freudetrunkene Braun-Weiße das Stadion verlässt.

Wir wissen, dass unsere Mannschaft Fehler hat. Wir haben hier all die Schwachpunkte genug kritisiert. Was die Jungs diese Saison aber auf dem Platz zeigen, ist Aktivität, Einsatz, Wille. Das ist im modernen Fußball bei weitem nicht alles, aber es ist für einen magischen Flutlichtabend eine gute Voraussetzung. Da ist ein Funke in der Truppe, der zünden kann. Der an diesem Abend zünden muss, wenn wir eine Chance haben wollen.

Und hier kommen wir Fans ins Spiel. Erinnert ihr euch an Spiele wie gegen Augsburg 2010, Hoffenheim 2010 oder die beiden Abstiegsendspiele vor zwei Jahren? Da war von der ersten Sekunde auf den Rängen klar, dass wir den Gegner aus dem Stadion brüllen. Wir, die Fans, konnten ein paar Prozent extra zur Verfügung stellen, die unsere Jungs in einem solchen Spiel brauch(t)en. Das können wir immer noch. Das können wir wieder. Gemeinsam. Auf allen Tribünen. Egal ob Ultrà oder Oldtra, egal ob Kutte oder VIP-Kunde. Let’s get loud! Oder ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit: Kiel vor etwas mehr als zwei Wochen.

Dies muss jede*r Person im Stadion am 16.09.2019 klar sein. Wir brüllen die aus unserem Wohnzimmer, wir tragen unsere Jungs zum Sieg.

Das heißt auch: Egal was passiert! Letzte Saison haben wir uns viel zu doll ablenken lassen, meinten uns gegenseitig anzumachen und haben uns gegenseitig den Stinkstiefel zugeschoben. (Dem hier nicht benannten Erfinder dieser Formulierung sei an dieser Stelle ein Herzchen zugeworfen) Das darf nicht noch mal passieren!

Wir sind eine Familie und in einer Familie kracht es auch mal intern. Aber nicht, solange die verhasste andere Großfamilie da ist! Da halten wir zusammen und zeigen denen, dass wir der viel bessere Haufen sind. Impft euch das ein, redet in eurer Bezugsgruppe darüber, bereitet euch darauf vor. Wir können und sollen uns streiten, anderer Meinung sein, debattieren und auch mal aufeinander maulig sein. Aber nicht am 16.09.2019 während des Spiels!

Es werden Dinge passieren, die vielleicht nicht gefallen, aber niemand verliert deswegen das Ziel aus den Augen! Brüllen! Pöbeln! Laut sein! Den Rauten das Leben schwer machen!

Wir sind St. Pauli! Unser Tag kommt!

Die üblichen Ansagen

Passt vor und nach dem Spiel auf euch auf. Die Rauten kommen mit einem Marsch, quer durch die Schanze, wobei es wirklich spannend wird, zu sehen, welchen Weg man denen zuweist. Es ist auch mit sportlichen Kleingruppen zu rechnen. Nicht rechnen muss man mit Vollbier im Stadion und viel Platz auf den Rängen. Kommt rechtzeitig, sortiert euch vernünftig nebeneinander und seid fair miteinander. Gerade bei so einem Spiel: Wenn da irgendwer sexistisch, rassistisch oder anders diskriminierend auffällt, dann mischt euch ein, macht klar, dass dafür kein Platz am Millerntor ist, und helft Betroffenen.

Lasst die Handykamera aus und seid Teil der Stimmung statt nur passive Abfilmer. Niemand möchte Hauptdarsteller in eurem wackeligen Amateurfilm sein! Achtet auf Choreos, Aktionen etc. und bringt euch da ein. Und ein paar Euro in die entsprechenden Töpfe helfen auch immer.

Und eine unübliche Ansage zum Schluss

Wir saßen letztens in ganz anderer Sache mit einer Vereinsoffiziellen zusammen und da wurde uns erzählt, dass viele Mitmenschen im Stadtteil an den Verein herangetragen haben, dass nach unseren Heimspielen Spielplätze nicht nur als Boxareal genutzt wurden, sondern auch noch mit Bierflaschen und Scherben verunreinigt wurden. Von der leider sehr üblichen Nutzung als Urinal ganz zu schweigen.

Und diese Beschwerden kommen von Leuten, die diesen Stadtteil in unserer aller Sinne gestalten wollen und in diversen Organisationen tätig sind, die wir voll unterstützen. Sie haben inhaltlich auch Recht! So ein Spielplatz ist für Kinder, er ist eine Oase für Kinder und diese sollte wenn es irgend geht unter keinen Umständen gestört oder verschmutzt werden. Vermeidet also die beschriebene Zweckentfremdung. Danke!

Sep 042019
 




Der Sonntag war dann bei unserem Haustriathleten dem aktiven Sport gewidmet und er startete in Norderstedt über die Olympische Distanz.

Wie es lief? Lest ihr jetzt!

Vorneweg



Die Veranstalter dieses Triathlons wiesen schon vor der Veranstaltung darauf hin, dass sie Müll und insbesondere Plastikmüll vermeiden wollten und deswegen u.a. keine Verpflegung auf dem Rad anbieten würden und auf der Laufstrecke die Möglichkeit bestünde einen Becher oder andere Gefäße befüllt zu bekommen. Auch auf eine Veranstaltungsbadekappe wurde verzichtet, es bestand die Möglichkeit seine eigene mitzubringen. Auch das Finishershirt sei ohne Plastikverpackung.

Das ist erstmal alles richtig cool. Veranstalter, die sich ernsthafte Gedanken über ihre Ökobilanz machen und die soweit wie möglich Einwegplastik vermeiden gibt es immer noch viel zu wenige. Der Ansatz hier ist erstmal sehr zu loben. Das es dann auf der Laufstrecke nicht wirklich mit dem Befüllen der Becher funktionierte, weil kein Helfer nur dafür abgestellt war und dies damit nicht offensiv angeboten wurde, ist ein kleines Detail, was man noch verbessern kann und muss. In der Hektik des Wettkampfes und dem Versuch Sekunden zu sparen wird kein Teilnehmer bei den Helfern nach einer solchen Möglichkeit nachfragen. Entweder sie wird offensiv angeboten oder sie bleibt unbenutzt.

Das ganze findet am Arriba Strandbad im Norderstedter Volkspark statt. Alle Helfer sind unglaublich freundlich und engagiert, Fragen wurden immer freundlich beantwortet und auch für Sprüche blieb noch Zeit. Die ganze Organisation wirkt durchdacht und eingespielt. Das genügt alles allerhöchsten Ansprüchen.

Durch die Nutzung des Strandbades findet man auch immer und überall ein Klo, was ja traditionell mein Thema ist.

Check In und Wettkampfbesprechung

Das Check In war problemlos machbar und die Wechselzone auf einer Wiese unter Bäumen ist zwar ein bisschen unübersichtlich, aber man bekam seine Sachen gut verstaut und ich zumindest fand später im Wettkampf auch gut eine Wege.

Der ganze Wettkampf ist ein Brummkreisel-Wettkampf. Sprich: Runden, Runden, Runden. Zwei beim Schwimmen, vier beim Radfahren, vier beim Laufen. Das ist nun nicht wirklich meine Lieblingsbeschäftigung, aber bei einer „Dorfveranstaltung“ nix ungewöhnliches.

Auf der Radstrecke wurde es einer Länge von 10 KM relativ eng, aber wenn man denn wollte, war ein regelkonformes Fahren ohne weiteres noch möglich. Es ist aber wie immer: Einige wollen einfach nicht. In den meisten Fällen ist das schlichtweg Betrug an einem Selbst und das muss jeder mit sich und seinem Gewissen aus machen. Wenn aber bei dem Ligawettkampf einen zwei oder drei Teilnehmer des gleichen Vereins überholen und das als Mannschaftszeitfahren konzipieren, dann wünscht man sich doch, dass mal ein Kampfrichter plötzlich auftaucht.

Und los geht es mit dem Schwimmen

Ich fühlte mich nicht wirklich fit und der Tag vorher hatte nun auch nicht gerade den besten Vorbereitungscharakter. Aber hilft ja nix, rein ins Wasser, was brühwarm war, so dass ein Neo nicht erlaubt war.

Das ganze war ein Wasserstart mit Startwellen und ich ordnete mich ganz hinten ein, denn ich bin sowieso einer der langsamsten und brauch das Geprügel beim Schwimmen nun echt nicht. Klar verschenk ich damit so ca. 30 bis 40 Sekunden, aber dann ist das halt so.

Schnell war ich relativ alleine und es dauerte doch sehr lange bis ich meinen Rhythmus beim Schwimmen fand. Gefühlt bin ich aber relativ gerade geschwommen und ein Teilnehmer war auch immer hinter mir.

Die Mädels und Jungs auf den Stand-Up Brettern der DLRG machten Faxen, aber die sicherten den Wettkampf auch schon ein paar Stunden, da ist Spaß erlaubt und als Schwimmer kann man einfach mal mitlächeln. Auch wenn es mich einmal aus dem Konzept gebracht hat.

Erste Runde mit 22 Minuten und ein bisschen absolviert und die zweite Runde lief eigentlich besser, ich hatte so etwas wie ein Gefühl für das Wasser entwickelt und hoffte schneller zu werden. Die Zeit im Ziel behauptete mit 46:29 etwas anderes. Bereits vor dem Start hatten sich Teilnehmer darüber unterhalten, dass die Strecke immer etwas länger sei, als die erforderlichen 1500 Meter und das Gefühl würde ich beinah unterschreiben wollen. Sonst war ich sehr langsam beim Schwimmen.

Aber ich war der Dritte von hinten, womit schon ein Ziel bei jedem Triathlonstart erreicht war. Ich war nicht Letzter nach dem Schwimmen. Beim Wechseln noch mit einem Kampfrichter drüber gewitzelt, der meinte, ich müsse mal mein Schwimmen verbessern, wenn ich Weltmeister werden wolle. Mit einem Lächeln. Ich meinte nur, dass dies auch nix mehr nützen würde, auch wenn ich nun das Feld von hinten aufrollen werde.



Wechel aufs Rad



Die relativ lange Wechselzone in 5:15 durchschritten, was für mich gut ist. Es lief auch alles reibungslos und ohne große Fehler. Da bekomme ich endlich eine gewisse Routine rein.

Los geht die wilde Hatz. Erstmal eine kleine Stichstraße längs und dann vier mal die Schleswig-Holstein Straße rauf und wieder runter. Spannend ist das nicht. Aber dafür hat man besten Asphalt und eine gerade Strecke, die man schön vorne auf dem Auflieger fahren kann.

Nach drei Kilometern schoß mir die Frage durch den Kopf, welches Tempo ich eigentlich anschlagen wollte. Ich beschloss für mich erstmal, dass 28,5 km/h als Schnitt ganz nett sei. Stellte dann aber auf der zweiten Runde fest, dass ich bisher einen Schnitt von über 29 km/h fuhr ohne mich wirklich anzustrengen.

Es waren zwei 180 Grad Wenden zu durchfahren und hier mal ein Lob an alle Teilnehmer, denn es wurde sehr vorsichtig und diszipliniert gebremst und gewendet. Das hab ich beim Hamburger ITU Triathlon und seiner Wende in Teufelsbrück schon ganz anders erlebt. Da wollten dann irgendwelche Helden genau dort noch vier überholen und begannen irgendwelche halsbrecherischen Manöver. Hier nicht, auch wenn der Ziehharmonika Effekt jedem Teilnehmer wohl ein paar Sekunden gekostet hat.

Dritte Runde, ich pendel mich knapp unter 30 km/h die Stunde ein und werde eher schneller als langsamer. Nun gut, dann ab jetzt halt „Sieg oder Spielabbruch“, nun wird dieses Tempo gehalten und der Lauf auch hart angegangen und entweder es reicht hinten raus oder ich kipp aus den Latschen.

Runter von der Pendelstrecke, noch mal eine Stichstraße durch und nach gemessenen 41 KM und 1:22:03 (also gut ein 30 km/h Schnitt) steht das Rad wieder in der Wechselzone.

Das ging mal richtig gut.

Laufen


Wechsel in 2:42, lief wieder sehr gut und ab zum Laufen. Auf einer 2,5 km Runde. Dann nehme ich mir doch mal vor, die jede Runde in 15 Minuten zu laufen, was ungefähr einer 6er Pace entspricht und für mich schnell wäre.

Die Beine fühlen sich locker an, der Körper ist nicht zu müde, also Energie und ab. Die Runde hat innen immer einen Betonweg, außen Sand. Ich laufe meistens auf dem Sand, um Leute vorbei zu lassen. Das kostet ein bisschen mehr Kraft, aber wie schon oben erwähnt, da ist parallel ein Ligawettkampf auf der Strecke und da entscheiden am Ende Sekunden. Bei mir nicht.

Die Strecke ist trotzdem gut zu laufen, sie hat nur vier Anstiege drin und ich hasse Anstiege. Nein. ICH HASSE ANSTIEGE. Aber heute ist „keine Gnade für die Wade“ Tag und ich ballere die erste Runde da rum. Ha, trotz kurzem Dixie Stop klappt das gut mit den 15 Minuten.

Zweite Runde ebenso, am Ende der Runde noch mal Gele reingepfiffen.

Nun werden die Beine schwerer, aber insgesamt geht es noch gut. Zu Beginn der Runde gibt es eine kleine Wendestrecke. Am Ausgang steht ein unermüdlicher Helfer, der jeden Teilnehmer jedes Mal fröhlich mit abgelesenen Namen anfeuert. Beim letzten Durchlauf bedanke ich mich und wir wünschen uns noch ein schönes Wochenende. Ganz ehrlich: So etwas ist toll.

Endspurt. Mein Puls geht nun an den Anschlag, aber da sind noch Reserven drin, also ballern wir den letzten KM durch.

Am Ende steht eine 59:05, wobei die Strecke wohl nicht ganz 10 KM waren. Egal. Klasse Zeit insgesamt. 3:15:35. Schneller war ich nur vor 5 Jahren mal in Ingolstadt mit einer 3:12:45, aber da habe ich den leisen Verdacht, dass die Strecken nicht wirklich gleich lang sind und ich war auch noch fünf Jahre jünger. (Bericht aus meinem damaligen Sportblog)

Fazit



Da geh ich noch mal hin, die Veranstaltung ist vor meiner Haustür und macht Spaß. Im Hinblick auf Almere kann man nur sagen, dass die Form stimmt. Mal sehen, was in zwei Wochen passiert.

Sep 022019
 

Dresden. Mehr müssen wir eigentlich nicht schreiben, um zu erzählen, dass wir einen richtig miesen Tag hatten.

Hin

USP hatte einen Sonderzug gebucht, den wir aus diversen Gründen nicht nutzten. Wie wir hörten, soll es eine gute und entspannte Fahrt gewesen sein. Das ist gut und das nächste Mal läuft die Kommunikation auch schneller und wir haben das als grundsätzliche Reisemöglichkeit auf dem Schirm und dann sind wir auch wahrscheinlich dabei, wenn es passt.

So hatten wir einen Pöbelbus gemietet und holten den zu früher Stunde bei der Vermietungsfirma ab. Die sehr bemühte und freundliche Mitarbeiterin (was nebenbei für alle an diesem Tag getroffenen Mitarbeiter*innen der Europcar Station Wandsbek galt, mal ein riesen Lob an die) meinte noch, dass man angesichts der gewählten Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung den Wagen auch schrottreif auf den Hof stellen könne bei Abgabe. Wir hätten dankend auf ihre hellseherischen Fähigkeiten verzichtet.

An unserem Treffpunkt wurden wir erstmal (weit entfernte) Zeug*innen einer Schlägerei zwischen einem Busfahrer und einem Besoffenem. Die damit endete, dass der Busfahrer in seinen Reisebus stieg, weg fuhr und dabei einen ordentlichen Schlenker in Richtung des Besoffenen machte. Puh, das ist juristisch dann wohl schon eine ordentliche Straftat. Passiert ist zum Glück nix.

Wir sammelten uns also, die feine Gesellschaft kam per Moia, der Pöbel per Bahn und ab ging die Reise. Unseren südlichen Vorposten noch kurz zu Hause abgeholt und dann erstmal über die berühmte B 4 in Richtung Braunschweig. Ging alles entspannt und gut, der befürchtete Wildwechsel blieb aus und Rübenkampagne ist auch nicht, so dass sich Überholvorgänge in Grenzen hielten. Nur die Pinkelsituation wurde am Ende etwas dringender, aber wir haben es dann doch rechtzeitig zu dem ersten Autohof geschafft.

Rest der Hinfahrt ist schnell erzählt, über den Musikgeschmack einzelner Herren wollen wir nichts erzählen und so kam man schnell in Dresden an. In dieser Stadt, die eine Uni hat und eigentlich genügend korrekte Leute bleiben Noafd Plakate heil. Das kann doch echt nicht sein! Auch sonst waren die Plakate im Landtagswahlkampf an Stupidität nicht zu überbieten.

Da

Bei dem bereits bekannten Auswärtsparkplatz wurde ein Plätzchen im Schatten gefunden. Ja, wir sind bekennende Warmduscher und Schattenparker. Wer nicht? Nun begann ein Thema das Tages. Warten auf die Polizei. Pendelbusse stehen bereit, Busfahrer so auf Nachfrage mit genervter Stimme „Ihr wärt schon weg und wir wieder hier, wenn die Polizei mal da wäre, auf die warten wir nämlich.“ Irgendwann bemühte sich die Staatsmacht dann doch mal aus ihren Autos und wir konnten zum Stadion. Nebenbei fiel hier nach gut 20 Minuten Wartezeit bereits der Satz ”Ich hasse es, auf die Polizei zu warten.“ Tja, …

Einlass war wieder eine sehr unterschiedliche Erfahrung. Mal eher pseudomäßiges Abtasten, mal der Griff an die (weibliche) Brust. Auch was rein konnte und was nicht, war von Ordnerin zu Ordnerin wirklich unterschiedlich. Im nächsten Leben (wenn wir keine Fußsballfans sind, ha!) machen wir nebenbei ein effizientes Stadioncatering auf und finanzieren damit die Weltherr*innenschaft.

Beim Eingang keine Ordner mit offensichtlichen Nazisymbolen, im Sitzgästeblock scheinbar schon.

Zur Stellungnahme von Dresden kommen wir gleich.

Fußball

Ein gut aufgelegter Gästeblock zeigte zu Beginn eine Choreo, durfte sich schwarz-rot-gold (hier stand mal Senf, was aber einen doofen Hintergrund hat. Danke für den Hinweis geliebter Fanladen) Fahnen ansehen, die im ganzen Stadion koordiniert von irgendwelchen Pegida Trotteln (so zumindest der Flurfunk) präsentiert wurden. Die Typen offenbarten dann auch per „FCK Antifa“ Shirt ihre Weltsicht und hampelten bis nach Abpfiff am Gästeblock rum. Halsabschneidergestenparade war auch dabei. Es nervt!

Aus dem K Block dann mehrere diskriminierende Plakate, die weit über ein erträgliches Maß hinaus gehen. Wir zitieren die Inhalte nun bewusst nicht, wir wollen so einen Scheiß hier nicht auch noch verbreiten. Wer sich informieren möchte, der besuche „Ultrapeinlich“ auf Twitter oder anderen Plattformen. Nur soviel: „Warum reagiert ihr immer drauf, das ist doch ganz bewusst euch provozierend“ ist keine sinnvolle Argumentation. Wenn man sich an diskriminierenden Müll gewöhnt oder ihn totschweigt, dann ist man nicht besser als „unpolitische“ Fans. Wir werden diese Dreck nie unwidersprochen lassen. Und: Freut euch gegen Sandhausen auf Sticker zu diesem Thema. Mehr dazu, sobald der Druck durch ist.

Es war schön, dass mit Präsentation des ersten Plakates gleich das 0-1 fiel. Sehr passender Zeitpunkt, nie haben wir lieber in Richtung des K-Blocks gewunken.

Zur Stellungnahme der SG Dynamo Dresden: Wir sind keine Freunde von Stellungnahmen, wenn sie bloß auf dem Papier existieren. Also sind wir kein Fan von Stellungnahmen der SG Dynamo Dresden. Eine kurze Recherche ergab, dass es davon “erstaunlich“ viele gibt, die alle gleich klingen. Würden sie wahrscheinlich nicht, wenn man dann auch mal konkret was machen würde und nicht nur mit hohlen Worthülsen um sich schmeißt. Auch hätten wir vielleicht nicht zuerst die Kunstfreiheit als Aufhänger genommen, aber insgesamt ist die Stellungnahme irgendwo noch akzeptabel.

Nur liebes Dynamo Dresden: Wenn Ordner vor einem Spiel nicht auf Kleidung und Symbole kontrolliert werden, wenn es eigentlich klar ist, dass eure Fanszene Rotz auf Tapeten schreiben wird, dann ist eine nachträgliche schockierte Stellungnahme viel zu wenig. Gerade bei einem Verein, der so mit seiner Fanszene verwachsen ist, wie Dynamo erwarten wir da auch proaktives Handeln, eine klare Sensibilsierung aller Verantwortlichen und ein Leben von „Rassismus ist kein Fangesang“. Hohle Worte im Nachhinein ändern wenig, insbesondere weil Konsequenzen ja aus bleiben. Das ist ja nicht das erste Plakat in diese Richtung. Es ist schön, wenn die Fanrechtshilfe vor dem Spiel über den Stand der Karlsruhe Geschichte per Stadionmikrofon informieren darf und zu Spenden aufrufen darf, es aber gerade bei einer so offenen Zusammenarbeit zwischen Fanszene und Verein auch mal vonnöten zu sagen, wo Grenzen sind. Und zwar bevor das Kind in Brunnen gefallen ist. Uns ist auch klar, wie schwierig es im Osten ist Ordner zu finden, die nicht Nazis sind, aber dass diese noch offen strafbare Kleidung tragen, zeigt, dass anscheinend gar keine Sensibilität bei Vereinsverantwortlichen für dieses Thema vorhanden ist.

Zum Spiel:

Wir sind zur Zeit unfassbar effektiv. Drei Schüsse aufs Tor, drei Tore – Spiel zuvor zwei und zwei. Das hängt insbesondere an Diamantakos, der schon immer ein sehr effektiver Stürmer war und der zur Zeit als einzige ernsthafte Sturmalternative richtig überzeugt. Da sieht man wieder einmal, was Selbstvertrauen wert ist. Drei Vorlagen MMD zeigt wie gut der Junge zur Zeit drauf ist. Damit kommen wir aber auch zu den Problemen. Die beiden sind zur Zeit ziemlich alternativlos.

Die Idee Conteh mal eine Pause zu gönnen und ihn als Waffe gegen einen müder werdenden Gegner einzuwechseln ist eine absolut überzeugende. Auch sahen die ersten 30 Minuten wirklich nach einem gut strukturierten und durchdachten Auftritt aus. Aber das ist dann auch unser Problem. Wir bauen massiv ab. Bis zur 30. Minute lassen wir gut Ball und Gegner laufen, haben alles im Griff und bringen dann den Gegner wieder zurück ins Spiel. Um dann uns selber 3 Tore rein zu legen. Allen drei Toren gingen massive Fehlerketten voraus, die nicht durch brilliantes Spiel von Dresden erzwungen wurden.

Buchtmann kommt sehr spät und will sich richtig beweisen. Wir sind jedenfalls gespannt, was heute bis 18:00 Uhr (Stichwort D-Day) noch so passiert. Mit dem Zugang von Lawrence jedenfalls sind wir sehr zufrieden, der bringt Sicherheit rein. Nationalmannschaftsspiele sind sowieso nicht so unsers, aber besonders doof ist es, wenn der neue Abwehrchef deswegen dann die nächsten Tage nicht mit der Mannschaft trainieren kann. Man sieht nämlich leider auch immer noch, dass da niemand hundertprozentig eingespielt ist. Und sowas macht man nur durch Training wett. Waren wir zu Beginn sehr skeptisch bzgl. Ryos neuer defensiver Rolle, so erkennen wir da mittlerweile tatsächlich immer mehr positives. Die Ballsicherheit da hinten ist gut und wichtig. Und der Junge hatte auch ganz gegen Ende noch Körner und drehte ab der 85. Minute noch mal auf und war dann auch mehrfach vorne zu finden. Schade, dass das nicht von Erfolg gekrönt wurde.

Und Conteh, Junge, Junge, Mädel: Kommt und bindet durch seine Schnelligkeit direkt mal 3 Gegner dauerhaft, müsste sich zweimal fallenlassen um den Elfer zu kriegen (wir sind da keine Freund*innen von, aber anders kriegst du den halt nicht zugesprochen; Stichwort: Abgewichstheit) und holt dann noch ne rote Karte. Dass wir schon unkten, dass wir in Überzahl noch ein Tor reinkriegen würden, während wir auf den VAR (Fußballmafia DFB) warteten, verschweigen wir hier besser.

Nach dem Spiel warten wir dann “geduldig” auf die Busse, in die wir aus unersichtlichen Gründen nicht einsteigen dürfen, werden dabei erst mal von Typen angerempelt, die das noch nicht mal mitbekommen. Wir haben auch echt keinen Bock, Dudes ständig darauf hinzuweisen, dass sie nicht die einzigen Menschen sind, die sich im öffentlichen Raum bewegen. Geht aber scheinbar nicht ohne

Und dann Versuch zurück

Schlimmer geht immer:

Und wer glaubt, dass das späte 3-3 den Tag versaute, dem sei unsere Rückfahrt erzählt:

Wir fahren extra 100 km um nicht mit irgendwelchen Dynamos aufeinander zu treffen, um dann bei einer Raststätte zunächst auf indifferente Dynamos zu treffen, aber auch auf den Kleinbus eines Dynamo Fanclubs (dessen Namen wir jetzt hier nicht nennen). Bei Abfahrt bekommen wir auf den Mietwagen einen Aufkleber geklebt, der nicht abgeht und danach postiert der Typ noch minutenlang vor dem Auto und fordert zum Match auf. Wie nervig. Und natürlich sagt die Vermietungsfirma bei Rückgabe die unschönen Worte „Dann wird da wohl Strafanzeige gestellt werden müssen“. Niemand redet gerne mit der Polizei, aber unser Mitleid hat der Typ und seine Mitfahrer*innen auch nicht, wenn sie in nächster Zeit Besuch von der Staatsmacht erhalten. Nebenbei kam es auch noch zu der ”schönen“ Situation, dass seine (vermutlich) Freundin versucht, ihn zurückzuhalten. Verzeihung, uns blieben gerade kurz die Augen in den Augenhöhlen stecken.

Jedenfalls: Selber schuld. Dass man den Fanclub auf Facebook findet und der Admin ihrer Gruppe gerne schwarz-weiß-rote Fotos postet, mindert unser Mitleid noch mehr.

Dass wir nicht weiter in Details gehen hat dann auch was mit “laufendem Verfahren” zu tun. Wir denken ihr könnt das verstehen.

Und damit war der Ärger noch nicht zu Ende, denn es wartete noch eine zweite unabhängige Geschichte auf uns (nachträgliche Klarstellung). Wir fahren auf der linken Spur und wollen einen Camper überholen, hinter dem ein anderes Fahrzeug fährt. Als wir dieses andere Fahrzeug auf Höhe Fahrer/Beifahrer haben, zieht der unvermittelt rüber. Trifft uns, es macht RUUMS, aber zum Glück passiert sonst nix. So bleibt es bei einem ordentlichen Blechschaden an beiden Fahrzeugen und zwei Stunden im Autobahngraben irgendwo in Sachsen-Anhalt. So wollte man natürlich einen der letzten Sommerabende des Jahres verbringen. Nicht. Polizei kommt nach über 60 Minuten (!) dann auch, nimmt den Unfall auf, wir können weiter und kommen dann auch beinah ohne Zwischenfälle in Hamburg an, wenn wir mal von einem Typen in schwarz absehen, der uns fast vor die Karre rennt und einem Auto, was uns vollständig die Vorfahrt nimmt. Was für ein Tag. Die Katastrophenliste der Saison wäre damit immerhin gut gefüllt, ab jetzt bitte dann nichts mehr.

Unser Tag wird kommen, aber heute war er definitiv nicht.

Sep 012019
 

Am 29.8.19 fand die zweite Veranstaltung zum Thema “(M)ein Verein – die Werte des FC St. Pauli” mit dem Schwerpunkt Marketing/Sponsoring statt. Auf dem Podium anwesend sind an diesem Abend Bernd von Geldern (Direktor Vertrieb), Martin Drust (Direktor Marketing), Maik (MillernTon), Sven (Fanladen, in Vertretung für Fanladenjustus) und Georg Margaretha (AFM), der die Moderation übernimmt. 

In seinem Eingangsstatement stellt Bernd von Geldern die Aufgabenbereiche des Vertriebs vor:
Hierzu gehört unter anderem die Akquise und Verwaltung der Sponsoren. Er wies darauf hin, dass Sponsoren nicht, wie oft angenommen, bei uns Schlange stehen, und man oft selbst aktiv sein müsste um passende zu finden. Zudem schildert er kurz, dass das CSR (Corporate Social Responsibility) alle Sponsoren überprüft (Lieferketten, politisches Handeln, getroffene Aussagen, etc.) und bei der Auswahl der Sponsoren immer ein Vetorecht hat. 

Martin Drust legt dar, dass das Marketing vor allem für die Außendarstellung des Vereins (Videowall, LED-Banden, Kampagnen, Digitalprodukte, Onlinekampagnen) verantwortlich sei. Er sieht den FCSP als attraktive Plattform für Sponsoren (hatte von Geldern nicht gerade noch etwas anderes erzählt?) und will den Verein weiterentwickeln. Ihm ist es wichtig von dem „wir sind gegen etwas“ hin zu „für etwas sein“ zu kommen (lieber für Diversität als gegen Faschismus, nun ja …) und er erwähnt zum ersten Mal den DIY-Ansatz, der im Verlauf des Abends noch öfter zur Sprache kommt. 

Maik erläutert, dass seinem Empfinden nach die Sponsoren des FCSP deutlich besser zu ertragen seien als in anderen Stadien und stellt Überlegungen an, was man den tun könnte, wenn man mit Sponsoren nicht zufrieden ist (intern, öffentlich, juristisch). Er spricht auch an, dass man sich dringend darüber Gedanken machen muss, warum Produkte für Frauen bei uns fast immer rosa oder pastellfarben sind, und dass es doch schön wäre, von Eventim wegzukommen. 
Als nächstes folgte die Fragerunde. Die einzelnen Fragen werden hier nicht chronologisch, sondern nach Themen sortiert dargestellt:

Kommunikation und Austausch mit Fans

Die Kommunikation ist an diesem Abend, besonders von Martin Drust, teilweise fragwürdig. Wenn ein älterer Herr seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringt, dass er seine Karte nicht seiner Enkelin vererben kann, ist die passende Antwort sicher nicht: „Und wo ist jetzt die Frage?“ 

Wenn Kritik am Auftritt von The Bosshoss geübt wird, ist „Es ist nicht Freiwild“ nicht passend. Wenn „nicht Freiwild“ unser Kriterium bei Bands ist, na dann Glückwunsch. 

Und wenn permanent auf den Zustand bei anderen Vereinen hingewiesen wird, muss man sich fragen, ob dies wirklich unsere Messlatte ist. 
Immerhin folgt, nach Hinweisen aus dem Publikum, eine Entschuldigung für die Reaktion auf das Statement des älteren Herren, ebenso wird das Freiwild-Statement relativiert.

Auf Anregung aus dem Publikum wird erläutert, dass man sich einmal pro Quartal mit dem ständigen Fanausschuss treffe und dort ein regelmäßiger Austausch stattfinde. Ansonsten sei der Fanladen immer dafür da, Stimmungen und Meinungen zu sammeln und zu kanalisieren. Ebenso könne man natürlich gerne Mails schreiben, die aber offenbar nicht immer ankommen, wie im Verlauf des Abends die Rückfrage zu einer im Juli an den Verein gesendete Mail, die wohl nie von den Zuständigen gelesen worden war, zeigt.

Schön, dass mit Maik ein Fan (Zitat des Abends: “Ich bin nur Fan” <3) und mit Sven ein Vertreter des Fanladens auf dem Podium stehen. 
Noch schöner, wenn dann auch offizielle Vertreter der Fangremien, die seit Jahren intensiv an diesen Themen arbeiten, eingeladen würden. Und lest das bitte nicht als Kritik an Maik und Sven, die sehen phasenweise so aus, als müssten sie gerade in der 19,10. Stunde nachsitzen, weil sie ein Fenster mit einem Ball eingeschossen haben.

Sponsorenkonzept/ Markenkern/ Ziele des Vereins

Die guten Nachrichten? Es gibt nach Auskunft der Verantwortlichen ein Sponsorenkonzept. Die schlechten? Uns blieb ein wenig verborgen, was dieses Konzept nun eigentlich genau sein soll:
Grundsätzlich sei es natürlich nötig, Sponsoren anzuwerben, um professionell Fußball spielen zu können. In diesem Kontext werde der Verein als Wertegemeinschaft gesehen, die gewissen Marken die Möglichkeit gebe, hierüber ihre Werte zu kommunizieren. 

Was nun Sponsorenzusammenarbeit angeht, wird aber in der Bandbreite von “Auf gar keinen Fall stehen Sponsoren hier Schlange” bis “Wir sind sehr attraktiv für gewisse (rebellische) Marken” geantwortet. Ebenso unklar bleibt, ob es nun einen spezifizierten Suchradius gibt oder “genommen wird, was da kommt”. Was vor allem daran liegt, dass die Antworten hier häufig leider etwas schwammig ausfallen. Grundsätzlich positiv ist, dass immer angestrebt wird, mit den Sponsoren auch über das Sponsoring hinaus zusammenzuarbeiten, insbesondere in Form gemeinsamer Projekte. 

Dem Impuls aus dem Publikum, noch stärker zu differenzieren, wer nun wirklich zum FCSP passt, schließen wir uns in diesem Themenkomplex noch mal explizit an.

Wie wir schon auf Twitter neulich gepostet hatten, wurden zum 28. August diesen Jahres bisher 28 neue Kollektionen im Fanshop veröffentlicht. Die Frage, welcher Markenkern sich durch dieses diverse Angebot ziehe, wird bei dieser Veranstaltung letztlich mit “Totenkopf” und “ergibt sich aus dem Erlebnis” beantwortet. Nun ja.

Wir stellen uns die Frage nach der Notwendigkeit von so vielen Kollektionen nach diesem Abend jedenfalls immer noch, würden diese doch (nur) 6-7% des Gesamtumsatzes ausmachen. Zumal das Ziel ist, den Totenkopf als Symbol St. Paulis in die Welt zu transportieren – das kann man unserer bescheidenen Meinung nach immer noch am allerbesten, wenn man selbigen prominent in den Vordergrund stellt und nicht durch Werber*innengags, Landkarten oder Pailetten überlagert. Dass ein gewisses Sortiment notwendig ist, steht außer Frage (auch wenn unsere Schwestern und Brüder in Nordkorea sicherlich mit weniger Produkten in Sportfanshops auskommen), aber die Frage, wo genau die Grenze anzusetzen ist, sollte weiterhin ausverhandelt werden. 

Und auch die Frage, ob jeder Dulli weltweit nun unbedingt ein St.-Pauli-Shirt tragen muss, spaltet uns selbst ein wenig. Es ist toll, wenn wir uns und unsere Werte in die Welt tragen; es gibt viele Menschen, die hinter der Idee St. Pauli stehen und dies auch durch ihre Kleidung ausdrücken. Das erleben wir auch immer wieder und gerade im Austausch mit ausländischen Fans und das ist gut so. Ebenso gut ist, dass wir dadurch Geld machen (ja, wir würden auch lieber ohne Geld Fußball spielen, aber das wird schwer). Aber dass dadurch auch Menschen, die dem FCSP so nah stehen, wie wir dem Zeit-Feuilleton (Kussi an Turbost.pauli), den Totenkopf tragen, sollte ebenso klar sein.

Nachhaltigkeit

Ein Problem bei der hohen Anzahl an neuen Sortimenten ist natürlich auch die Nachhaltigkeit (Stichworte Produktions- und Lieferketten, Impulskäufe – wobei wir da meistens nur den Impuls haben, schnell wegzusehen – und Fast Fashion). Immerhin sollen wohl 50 % des Sortiments umgestellt sein, die Nachfrage zu den Details geht in der Themenvielfalt des Abends leider unter. Ebenso wie die Frage nach dem Konzept der Kooperationen im Bereich Nachhaltigkeit. Hier wäre es aus unserer Sicht schön, wenn der Verein proaktiver zu diesem Themenblock kommunizieren würden.

Umgang mit Fehlverhalten von Sponsoren

Von Maik zu Beginn der Veranstaltung bereits angesprochen, steht auch der Umgang mit Fehlverhalten von Sponsoren im Fokus. Der erste angesprochene Fall ist die MediaMarkt-Kampagne, wir verlinken Euch so sexistische Kackscheiße bewusst nicht. Hier verweist man darauf, dass man sehr deutlich gesagt hätte, dass die Kampagne nicht bei uns im Stadion laufen dürfe (nebenbei waren wir da mit dem SC Freiburg wohl die einzigen) und dass MediaMarkt mittlerweile auch nicht mehr Sponsor bei uns sei. Drust muss dann aber auch zugeben, dass letzteres nicht im Zusammenhang mit dieser Kampagne steht. Eine ähnliche Regelung hätte man auch mit Astra getroffen, dass ihre “kritische” Werbung bei uns nicht im Stadion zu sehen sein dürfe. 
Die Frage, die sich in beiden Fällen stellt ist, ob man generell überhaupt mit solcher Werbung in Verbindung gebracht werden will. Denn selbst wenn sie nicht im Stadion läuft, machen wir immer noch Werbung für diese Marken, die im Falle von MediaMarkt halb Deutschland damit zugekleistert hatte. 

Ihnen sei die Problematik mit Astra bewusst, man habe allerdings noch einen Vertrag bis 2023 und da die Brauerei sehr viel Geld in den Umbau des Stadions gesteckt hat, wurden Astra sehr viele Exklusivrechte zugesichert. Aus diesem Grund sei es nicht möglich, aus diesem Vertrag herauszukommen, unabhängig davon, welche Werbung Astra schaltet. 

Aus dem Publikum wird zudem angemerkt, dass die Werbung von Fritz Kola, die bei Spielen immer über die Banden läuft, nicht mit den Werten des Vereins vereinbar sei. Man könne sich nicht damit profilieren, den Gegner am Millerntor explizit willkommen zu heißen und ihre Hymne zu spielen, um sie dann im gleichen Atemzug über die Bandenwerbung zu beleidigen. Dies erntet viel Beifall. Martin Drust erklärt, dass man man schon mit Fritz Kola darüber gesprochen und sie auch darauf hingewiesen habe, dass dies nicht in Ordnung sei, Fritz Kola aber bisher nicht auf das Feedback angesprungen habe.

Sexismus

Und dann war da noch der große Themenblock ‘Frauen im Verein’ bzw. ‘Sexismus im Marketing’. Oh Boy (!), haben wir da noch viel Arbeit vor uns:
Auf den Hinweis, dass Sichtbarkeit von Frauen sehr wichtig sei und an diesem Abend nur Männer vorne auf der Bühne stünden, wird mit „Frauen haben aber bei der Vorbereitung geholfen“ geantwortet. Achso, also sind Frauen im Verein nur dafür da, um den Herren die Bühne vorzubereiten, auf der sie dann diskutieren und ihre Meinungen prominent kundtun dürfen? Cool.

Es wird dann zwar nachgeschoben, dass man dies für die nächste Veranstaltung ändern würde (was wir doch mal schwer hoffen wollen, bei einer Veranstaltung zum Thema Frauen im Verein) aber ein fader Beigeschmack bleibt. 
Und leider wird dies im Laufe des Abends nicht besser. Das „Bei uns machen doch alle auf dicke Hose“-Shirt, das es nur für Männer gibt (Zufall?), wird damit begründet, dass der Spruch in den 90ern cool (so alt, wie wir sind können wir euch noch ne ganze Reihe Dinge nennen, die in den 90ern cool waren und mittlerweile nicht mehr) war und dass niemandem in den Sinn gekommen wäre, dass dies sexistisch verstanden werden könnte. 

Passend dazu fühlt sich dann auch noch ein Herr (der unserem Verständnis nach bei uns im Vertrieb arbeitet) aus den vorderen Reihen dazu bemüßigt, sich umzudrehen und die Fragestellerin darauf hinzuweisen, dass das ganze eben ironisch verstanden werden müsse. Dudes, die Frauen erklären was sexistisch ist und was nicht. Wir lassen das einfach mal so stehen.

Manchmal macht es schon sehr müde. 

Bloß weil ein Spruch vor 30 Jahren cool war, heißt das nicht dass er dies heute immer noch ist. Die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Dinge, die man vor 30 Jahren gesagt hat, sagt man heute nicht mehr. Und das aus gutem Grund. Wir müssen uns ganz dringend fragen, ob Menschen die sich dieser Thematik nicht bewusst sind, die richtigen dafür sind, den Verein nach außen zu vermarkten. 

Auf dem Podium sitzen nebenbei auch deshalb keine Frauen, weil die Direktorenebene des FCSP eine reine Männerrunde ist. Es wäre ja auch mal ein Impuls, Frauen bewusst einzustellen, auch auf solchen Positionen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann einiges mal ins Positive ändert, ist auf jeden Fall höher, als wenn man den Boysclub so belässt.

Suchtmittel

Ein Herr aus dem Fanclub „Weiß-Braune Kaffeetrinker“ merkt an, dass im Stadion sehr viel Werbung für Suchtmittel zu sehen sei:
“Wie passt es zusammen, unsere Jugendspieler zu einer Schulung zum Thema Spielsucht zu schicken aber dann im Stadion Werbung für Wettanbieter zu machen? Gibt es Überlegungen, das Stadion in ein suchtmittelfreies Stadion zu verwandeln?”

Die “entschiedene” Antwort an dem Abend: Jein. Hier wirkte es so, als wäre diese Thematik den Verantwortlichen überhaupt nicht bewusst. Sie reden viel drumherum, bis irgendwann ein Herr aus dem Publikum wütend aufsteht und sie auffordert, zuzugeben, dass bet&win nur wegen des Geldes bei uns Partner sei. Nach etwas Herumgedruckse wird dies dann bestätigt.

Von Geldern erläutert, dass man wirklich keine Antwort auf die Fragen hätte, man dies lange diskutiert hätte und vielleicht hier auch die falsche Entscheidung getroffen hätte. 

Fazit? Nun ja.

Es ist wichtig und richtig, dass es solche Austauschplattformen gibt. Die Teilnehmer*innenzahl von (durch uns geschätzt) 200 Menschen zeigt zudem auch, dass das Thema für viele relevant ist. Vielen Dank an alle, die dies ermöglicht und sich den Fragen und der Kritik gestellt haben.

Leider war das Ergebnis des Abends für uns nicht so richtig erquicklich, da wurde viel rumgedruckst, Ausflüchte gesucht und manchmal rhetorisch auch auf nicht unbedingt hohem Niveau geantwortet. 

Gingen wir nach der ersten Werteveranstaltung (Stichwort “Derbyaufarbeitung”) durchaus positiv gestimmt nach Hause, so bleibt von gestern eher die Erkenntnis, dass da auf vielen Ebenen noch viel Luft nach oben ist. Umso wichtiger, dass wir alle dranbleiben und weiterhin kritisch nachfragen und kommentieren.