Aug 072019
 

Vorwort

Liebe Lesende, ja es folgt nun die Rezension eines Baseball-Buchs und wir wissen, dass bei der Nennung des Wortes „Baseball“ nun wahrscheinlich 99 % unserer Leser*innen abschalten, aber dieser Artikel ist mehr als eine Buchrezension.

Viel wird gerade über Komfortzone und Entwicklung beim FCSP diskutiert und dieses Buch gibt für solche Prozesse eine gute Anleitung, dies macht es weit über den Baseball-Fokus hinaus spannend.

Die Autoren / Journalismus ist nicht gleich Journalismus

Zwei amerikanische Sportjournalisten, Ben Lindbergh und Travis Sawchik, haben das Buch geschrieben. Beide gehören einer Gattung von Sportjournalismus an, der in Deutschland wenn überhaupt nur in einer sehr kleinen Nische existiert.

Journalisten, die nach dem „Warum?“ fragen und Antworten aus Daten, aus Fakten suchen und Methoden grundsätzlich hinterfragen. Nerds ihres Sports. Sabermetrics nennt sich diese Bewegung, ein Kunstwort aus SABR (einer entsprechenden Vereinung von Analysten, egal ob Hobby oder beruflich) und Metric den englischen „Maße“.

So etwas fehlt im Sportjournalismus der sich mit Fußball beschäftigt nahezu vollständig. Da ist immer noch die Kickernote ernsthafte Basis für eine Diskussion.

Klar, es gibt Menschen, die können mit diesen Dingen etwas anfangen und zum Glück haben wir auch beim FCSP einige Menschen, die verstehen, was Expected Goals so grob sind (Küsschen an Tim vom Millernton), aber im „klassischen“ Journalismus wird das vielleicht mal als „Laptop Trainer“ belächelt oder ein Artikel drüber geschrieben und dann wieder vergessen. Vereine nutzen solche Sachen definitiv schon, siehe die Vorliebe für „Laptop Trainer“, aber in der öffentlichen Analyse des Fußballs spielt das Ganze nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ganz anders in den USA und beim Baseball, wo sich das Verhältnis eher umgekehrt hat. In Deutschland malen wir dann Pfeile auf Bildschirme und fühlen uns, als wären wir Kapitän*innen eines Raumschiffs.

„Moneyball“ ist das Stichwort. Ein Buch aus dem auch ein Film mit Brad Pitt gemacht wurde. Geschrieben vor gut 18 Jahren. Dieses „aha Erlebnis“ fehlt dem Fußball(journalismus) noch. Und es fehlt insbesondere „kleineren“ Vereinen. Moneyball beschreibt die Erfolgsgeschichte der Oakland A’s, einem Team ohne viel Geld und Marktmacht, „The MVP Machine“ beleuchtet den Erfolg der Astros auch einem eher mittleren Team, wenn es um Geld und Markt geht. Wobei wir im amerikanischen Sport natürlich noch mal über ganz andere Summen reden, als im Fußball.

Sowieso ist der amerikanische Journalismus in Sachen Sport so anders im Vergleich zum deutschen Journalismus. Dieses ständige „wir suchen die Sensation und überreagieren auf alles und bewerten immer das Ergebnis, nie den Prozess“ gibt es in den USA natürlich auch, aber da hat es seine ganz eigene Nische und ist nicht Mainstream. Diese nennt sich dann „Sportstalk Radio“ (Radiostationen, die den ganzen Tag über ihre regionalen Teams reden) und da ist der Hot Take des Hot Take noch nicht ausgestorben. Ja da wird auch in Boston seit 10 Jahren vertreten, dass Tom Brady endlich gefeuert gehört, weil er doch zu alt wird.

Die Grundlage des Buches

Das Buch heißt im Untertitel „How Baseball’s New Nonconformists Are Using Data to Build Better Players” und genau hier beginnen die Parallelen zum Fußball.

Nehmen wir mal Schnecke Kalla (<3) als Beispiel. Die meisten Menschen würden sagen, dass es sich um einen guten Ergänzungsspieler handelt. Kannst du bedenkenlos für ein zwei Spiele auf nahezu jede Position stellen. Wird da nicht glänzen, wird aber auch wahrscheinlich solide seinen Stiefel spielen. Meint ihr, dass man den noch zu einem Superstar bekäme? Wahrscheinlich nicht. Wir auch nicht. Aber doch passiert genau das im Baseball. Justin Turner war bis 2014 und seinem Lebensalter 30 ein ganz netter Ergänzungsspieler, sozusagen ein Kalla des Baseballs. Danach begann er mit einem Trainer außerhalb des Establishment zu arbeiten und wurde ein Superstar seines Sports.

Back in my days

Baseball gleicht in seiner konservativen „back in my days“-Art sehr dem Fußball. Trainer sind Ex-Spieler, vieles passiert nach dem Prinzip „das haben wir immer schon so gemacht“. Sei es in Trainingsinhalten, sei es in Menschenführung. Der erste Bruch in diesem Denken passierte nach „Moneyball“. Es war wie im Fußball ein ungeschriebenes Gesetz, dass Manager/Sportliche Leiter (nur Männer, bis heute), wie man die auch immer nennt, ehemalige Spieler waren. Warum eigentlich? Warum soll ich als Ex-Spieler der einzige sein, der eine Kompetenz hat einen Verein sportlich zu leiten? Und die diversen Angestellt*innen in diesem Verein sinnvoll zu leiten? Ob der nahezu reinen Männerwelt, die solche Front Office heute noch sind, tut man sich selbst da mit dem Gendern schwer.

Diese Frage stellte niemand. Und wenn man sie stellt, dann heißt es (und hieß es im Baseball wahrscheinlich auch), dass man doch das Geschäft kennen müsse und Kontakte haben müsse. 18 Jahre hat es im Baseball gedauert, diese Annahme zu beseitigen. Als Manager/Sportliche Leiter beschäftigt man nun nur noch in Ausnahmen Ex-Spieler, sondern man sucht sich Menschen, die als „Manager“ im Sinne der Industrie gut sind. Zu nahezu 99 % Menschen mit Management Abschlüssen an irgendwelchen US Elite Unis. (Dass dies dann den Rassismus in der Auswahl von Studenten an diesen Unis fortführt, ist ein Thema, was hier den Rahmen sprengen würde, aber auf das man hinweisen sollte. Diversität ist ein Thema im US Sport, aber ist bei weitem nicht erreicht. Und wie schon oben geschrieben: Frauen gibt es sehr sehr wenige in irgendwelchen Positionen. Und bis heute konnte niemand belegen, dass diese schlechtere Managerinnen als Männer wären, eher andersrum. Ganz zu schweigen über die Wichtigkeit von Diversität, gerade in Führungsgremien.)

Gleichzeitig ist Voraussetzung, mit Daten umgehen zu können und diese interpretieren zu können. Riesige Analyse- und Untersuchungsabteilungen füttern die „Front Offices“ mit allem was die wissen wollen. Inklusive der Rotationsrate wenn ein Ball geworfen wird und welchen Effekt diese Rotation hat.

Teams nutzen dann Trainer und Co-Trainer um Managersprache und Analystensprache in Spielersprache zu übersetzen. Und setzen damit auch den Trainerjob ganz anderen Herausforderungen aus. Nicht mehr der große Zampano, der alles entscheidet und einen Spieler bekommt, weil er sein Wunschspieler ist. Alleine schon, weil das „Front Office“ innerhalb von fünf Knopfdrücken auf einen Computer sagen kann, dass dieser Spieler objektiv nicht passt. Vielmehr der Moderator, der Übersetzer und – Achtung Klischee – Motivator. Diese Machtverschiebung hat viele Trainerkarrieren beendet und auch ermöglicht. Dies kommt auch im Fußball.

Auch Fußball nutzt Daten im großen Stil

Nebenbei: Ganz still und heimlich hat diese ganze Revolution auch im Fußball begonnen. Deswegen flankt niemand mehr von der Grundlinie, was in den 90er Jahren noch als „hinter die Viererkette an die Grundlinie kommen“ als vermeintlich gute Taktik dargestellt wurde. Problem dabei ist einfach, dass die Flanke viel zu selten zu Torabschlüssen und Toren führt. Das ist wie mit den Ecken. „Standardsituationen sind so wichtig im modernen Fußball“ kennt jeder noch als Satz. Das genaue Gegenteil ist im Endeffekt der Fall. Wenn jede 50ste Ecke* zu einem Tor führt, dann schießt man vielleicht jedes 10. bis 15. Spiel nach einer Ecke. Das sind dann immerhin 2 Tore pro Saison. Wow! Kann man sich das einüben eigentlich selbst schenken. Denn eine Steigerung seiner Erfolgsquote um 50 % bringt einem immerhin 3 Tore pro Saison. Dies gilt natürlich alles nur, wenn man nicht mit dem FCSP und seiner notorischen Schwäche nach Eckbällen in einer Liga spielt. Als Trainingsinhalt kann „Ecken üben“ trotzdem Sinn machen, nämlich als Teamuildingmaßnahme. „Wir erarbeiten uns etwas zusammen“ ist das Stichwort.
(*Quelle). In der Premier League führt jede 5. Ecke zu Torabschlüssen, und nur jeder 10. dieser Abschlüsse landet im Tor)

Ein Schritt weiter

Nun geht die Entwicklung einen Schritt weiter. In den Trainingsmethoden. Und auch hier sind es die Menschen ohne eigenen Profispieler-Hintergrund, die auf neue Methoden setzen, alte Annahmen anzweifeln und widerlegen.

So gab es immer die Annahme, dass man Wurftechniken nur bis zu einem gewissen Grad erlernen kann und viele Dinge auch auf Talent und physischer Beschaffenheit des Spielers beruhen. Das Buch zeigt auf, wie man durch den Einsatz von Highspeedkameras und auch Datenmessgeräten (Wearables, wie die so schön neudeutsch heißen) hochauflösend genau sieht, wann welcher Finger den Ball verlässt, welche Kräfte wann wie wirken und wie ich Muskelgruppen optimal einsetze, um Kraft zu erzeugen. Und ich kann mit Spielern dann gezielt Übungen machen, um diese Muskelgruppen in gewünschter Form anzusprechen und auf die Sekunde genau in der richtigen Reihenfolge zu benutzen.

Training wird effektiver, Kleinigkeiten können gezielt verbessert werden und damit in kurzer Zeit Fortschritte erzielt werden.

Klingt doch eigentlich ganz logisch, sollte doch jeder sofort machen, oder? Trifft aber trotzdem auf Widerstand. Alleine schon, weil die Wurfbewegung und die Schlagbewegung beim Baseball hochkomplex ist. Wenn ich daran rumfummel, kann das auch schief gehen. Und diese Angst ist ein sehr großer Hemmschuh. Die Angst vor Neuem. Die Angst „ich hab es so bis in die Liga geschafft, wenn ich jetzt da was ändere, kann es auch schlecht ausgehen“ ist in Teams und Spielern weit verbreitet. Und natürlich der Faktor des „das haben wir schon immer so gemacht“. Wenn da jemand von außen kommt und sagt „ja habt ihr, aber das war falsch“, dann wird das nicht immer nur auf Gegenliebe stoßen.

Und daher hat diese Welle zuerst bei Spielern eingeschlagen, die am Ende ihrer Karriere schienen oder in einer Sackgasse. Der genannte Justin Turner war einer von ihnen. 30 jährige Ergänzungsspieler sind im Baseball genauso wenig gefragt, wie im Fußball. Sie werden von dem 19 bis 22 jährigen Ergänzungsspieler ganz schnell verdrängt.

Spieler mit einem eher durchschnittlichen Talent sind das andere Beispiel. Trevor Bauer war der Pitcher, der als Erster Highspeed Kameras nutze, mit Trainingsdaten rumfummelte und sich so verbessern wollte. Er selber bezeichnet sich als schlechten Athleten, was natürlich eine Untertreibung ist.

Nun stellt euch aber mal eine ähnliche Analyse und Trainingsinhalte im Fußball vor. Schusstechnik verbessern? Viel einfacher. Laufgeschwindigkeit verbessern? Kein Problem! Und gerade diese Laufgeschwindigkeit kann beim Fußball viel ausmachen. Wenn ich in den ersten 10 Metern schneller als mein Gegenspieler bin, dann hab ich in vielen Situationen den Fuß als Erster am Ball.

Und noch ein weiteres Beispiel für dieses Feilen an der Technik – sogar in Deutschland, aber wenig verwunderlich in einer US-Sportart: Dirk Nowitzki hat mit seinem Jugendtrainer Holger Geschwindner jahrelang an seiner Wurftechnik gefeilt und damit eine ganz neue Art des Werfens aus dem Halbfeld etabliert, die sicher auch ihren Beitrag zu seinem riesigen Erfolg geleistet hat. Und da wurde schon vor über 20 Jahren auch vielfach mit Videoanalysen, etc. Und spannenderweise brachte Geschwindner in dem Individualtraining für Nowitzki seine Erfahrung als ehemaliger Profi mit seinem Studium der Mathematik zusammen.

Nehmen wir ein Beispiel:

Wir haben bei uns immer MMD vor Augen, der nach unserer subjektiven Beobachtung pfeilschnell wird, wenn er denn auf Touren ist, aber er braucht halt immer bis er seine Gräten geordnet hat und los gelaufen ist. Die Armhaltung sieht auch nicht gerade optimal aus.

Achtung, das ist subjektiv von der Tribüne, das mag gar nicht stimmen. Nehmt aber nun mal an, dies würde objektiv sein und man könnte mit ihm gezielt herausfinden, welche Gräte da das Problem ist und dies mit Übungen abstellen. Sein Wert für den Verein und sich selbst würde enorm steigen, denn plötzlich hat er diese zusätzliche Geschwindkeit auf den ersten 10 Metern und ist als Erster am Ball.

Oder nehmen wir die schönen Worte „Vororientierung“ und „saubere, schnelle Ballverarbeitung“.

Dieses „ich weiß schon bevor ich den Ball habe, wo alle meine Mit- und Gegenspieler sind und hab einen Plan“ ist einigen Spielern mehr, anderen weniger gegeben. Ein Philip Lahm z.B. war hier unbestrittener König. Und die Fähigkeit dies dann in einen schnellen und am besten noch präzisen Ball umzusetzen macht eine Mannschaft sofort besser.

Auch das ist (nicht nur) Talent, sondern kann erlernt werden. Footbonaut nennt sich das entsprechende Gerät. Der Wikipedia Artikel dazu war bis vor kurzem noch zur Löschung vorgeschlagen, was tief blicken lässt. Z.B. Dortmund und Hoffenheim nutzen so ein Gerät. Beide Vereine haben ihre Stärken im schnellen, direkten Spiel. Man könnte sagen, dass dieses Gerät ihnen wahrscheinlich dabei geholfen hat.

Es ermöglicht nämlich das isolierte einüben einer sehr wichtigen Fähigkeit im Fußball. Gezielt und damit zeitsparend, was Zeit für andere Trainingsinhalte ermöglicht.

Neue Mentalität gefordert

Und da sind wir bei der Frage, was Vereine tun können. „Growth Mentality“ wird in dem Buch als Stichwort genannt. Man könnte das mit einer Mentalität übersetzen, wo man offen für Neues, für Förderndes und Innovatives ist.

Wir zitieren (ungern) einen Artikel der Welt zu dem Footbonauten: „Herr Hopp ist ein totaler Fan von innovativen technologischen Trainingsgeräten.“ (von hier). Die Begeisterung muss in der gesamten Organisation vorherrschen und von oben kommen.

Wenn wir als von Mentalitätswandel beim FCSP sprechen, dann wäre dies ein mögliches und vielleicht gutes Ziel. Dafür müssen dann aber auch alle Ebenen offen sein. Vom Jugendtrainer in der U10 bis zum Präsidenten.

Und – dies sei auch mal gesagt- für so etwas muss auch Geld locker gemacht werden und entsprechendes Personal eingestellt werden. Denn so ein Footbonaut z.B. kostet Geld und muss in den Trainingsalltag integriert werden. Individuelles Training, Training an isolierten Handlungen ist dem Fußball sehr fremd, während es in anderen Sportarten sehr üblich ist. Es benötigt also gut geschulte Trainer und Spieler, welche die Geduld mitbringen, so an sich zu arbeiten.

Das „bei einer Profimannschaft hab ich eher die Aufgabe, die bei Laune zu halten“ ist dann ein Ding der Vergangenheit. Man muss also die entsprechende Mentalität bis in die Spieler und die Cheftrainer bekommen. Und insbesondere in die Jugendlichen. Lernen und sich verbessern wollen hört nie auf. Nicht für einen Finn Ole, nicht für einen Jan-Philip, aber auch nicht für einen Oke. Und Technologie kann dort ein riesiges Hilfsmittel sein.
(Und wir wollen die pädagogische Begleitung zur “Persönlichkeitsformung der Spieler bitte auch weiterhin, selbsterklärend.)

Auch bei Reha Maßnahmen genutzt

Das Buch schildert auch, wie Technologie für Reha Maßnahmen genutzt werden. Belastungen können technologisch objektiv gemessen werden und so kann eine Maßnahme zielgerichteter gestaltet werden, dass weder eine Unter- noch Überbelastung des Spielers erfolgt. Als Beispiel wird Marcus Stroman genannt, der nach einem Kreuzbandriss nach 6 Monaten wieder in Spielen eingesetzt werden konnte.

Lesebeispiel

Die Astros haben einen Ruf entwickelt Spieler besser zu machen und haben teilweise irrsinnige Erfolge aus irgendwelchen Spielern plötzlich Superstars zu machen. Dies geht so weit, dass alle anderen Teams schon misstrauisch sind, wenn die Astros einen „normalen“ Spieler von ihnen haben möchten.

Was machen die Astros mit diesen Spielern? Sie haben Präsentationen vorbereitet, die sie jedem Spieler vorlegen, der zu ihnen kommt, mit Stärken, Schwächen, detaillierter Datenanalyse und Wünsche an den Spieler. Und sie sind da genauer als jedes andere Team. Hier als Lesebeispiel aus dem Buch:

Könnt ihr euch das im Fußball vorstellen? „Hallo Leo, schön das du da bist, wir haben hier mal ein Meeting und das sind nebenbei deine Stärken, deine Schwächen, da arbeitest du bitte so und so dran, das machen wir mit dir und das ist unsere Idee für dich. Alles mit Video und Daten.“ Wie cool wäre das?

Was draus ziehen?

In Zeiten, in denen Neuverpflichtungen immer schwieriger werden, scheint es doch eine interessante Alternative zu sein, seinen Stürmer selber zu entwickeln. Gerade wenn es in der Jugend nicht an rohen Talenten mangelt. Das Buch zeigt Wege auf, wie man dies besser erreichen kann, wie man Spieler auf ein neues Level heben kann. Wie man eben aus einem Kalla einen Lahm macht. Naja, vielleicht nicht ganz.

Das Buch hat auch seine Schwierigkeiten

Das Buch und seine Idee haben auch Schwierigkeiten. Trevor Bauer ist ein Getriebener und kein Sympathieträger. Hinzu kommt, dass er eine Historie von Twitterausfällen (Beispiel) hat, die nicht dafür sprechen, ihn in den Mittelpunkt eines Buches zu stellen. Problem: Man kann die Geschichte des technologiegesteuerten Trainings nicht ohne ihn erzählen, sie wäre unvollständig. Das Buch hilft sich damit diese Punkte auch zu schildern und Bauer nicht als strahlenden Helden dastehen zu lassen.

Noch ein weiteres Problem gibt es. Technologie kann immer und wird immer zu Überwachung genutzt. Growth Mentality heißt auch „wir schmeissen die Schwachen und die Unwilligen raus“ und sie setzt das Denken in Spielern als „Werte“ voraus. Das ganze kann schnell auch in einer Überwachung des Privatlebens führen, wenn man z.B. Geräte einsetzt um Erholung zu messen. „Ach Herr Spieler XY hat nur 5 Stunden geschlafen? Das ist aber nicht gut, dann setzen wir ihn mal auf die Bank.“ Klingt nur so lange super, so lange man Sportlern nicht auch ein Privatleben zuspricht. Und das sollte man.

Und sonst

Insgesamt ist das Buch trotz der abstrakten Thematik gut zu lesen. Das Englisch des Rezenten reichte dafür aus. Baseballkenntnisse sind jedoch von Vorteil. Es hat auch seine unterhaltsamen Momente, alleine schon, weil Ben Lindbergh einen Selbstversuch startet und sich in die Hände dieser Training-Gurus begibt.

Daten

„The MVP Machine“ ist im Basic Books Verlag erschienen, kostet Listenpreis 30 Dollar, ist natürlich nicht in Europa erschienen, hat die ISBN 978-1-5416-9894-9 und ist über einschlägige Onlinebuchhändler erhältlich

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