Aug 142019
 

Das schön an Regioanfahrten ist ja vor allem, dass man auf dem Hinweg auch normalen Leuten, die es nicht für die beste Sonntagsunterhaltung halten, sich in irgendwelchen Stadien rumzutreiben, begegnet. Nach kurzem Austausch darüber, was wir hier eigentlich machen würden, stellte die Dame dann fest, dass Fußball ja sowieso viel schöner als Fliegen sei.

Der Beweis bleibt nach dem Pokalerlebnis noch zu erbringen.


Wir reisten – wie es sich für einen „ultrá-nahen Blog“ gehört mit der USP-Reisegruppe an, Abfahrt und Ankunft fast pünktlich, im Zug wurden die Ernährungsgewohnheiten eines Mitreisenden ausführlich gesanglich kommentiert. Ankunft in Lübeck, dann mit dem Fanmarsch gen Stadion und zum ersten Mal die höchst kreativen Banner der Lübecker gesehen. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag, ihr Schnuffis. Schön, dass ihr euren Geburtstag und die erste Pokalteilnahme seit drei Jahren vor allem dadurch feiert, dass ihr diese höchst kreativen Shirts wieder auflegt. Mehr dazu bei Maik vom Millernton.


Was man in Blogs ja viel zu wenig liest ist, wie viel Anreisezeit man bei solchen Spielen damit verbringt, irgendwo rumzuhängen. Dieses Mal in mehrfachen Etappen vorm Stadion. Und immerhin sind wir da in unserer Freizeit und stehen da nicht in vollem Militäroutfit, weil wir einen Beruf ergriffen haben, den niemand ergreifen muss. Dafür war der Einlass dann umso schneller. Dass in unsere Bauchtaschen nicht mal reingeguckt wird, ist auch eher selten – und dass gar nicht abgetastet wird wohl auch. Und nein, das ist definitiv keine Beschwerde. Um unseren Ruf als Motzer*innen zu bewahren: Dixies komplett ohne Handwaschmöglichkeiten sind für Frauen eher uncool. Das coole an Dixies: Alle (auch nicht-binäre Menschen) können die gleichen nutzen. (Ergänzung 14.08: Danke Elo für die Schreibweisehinweise!)



Sicherheit wird in Lübeck großgeschrieben.



Weiteres Rumgehänge vor dem Spiel, schöne Choreo (zumindest aus „im Block-Sicht“) mit ein bisschen Lichteffekten. So mögen wir das.
Noch vor Anpfiff durften wir auch Peter (Ähnlichkeit mit lebenden Personen rein zufällig) kennenlernen, der vor allem gekommen war, um uns St. Paulianer*innen „mal“ zu sagen, wie scheiße wir doch sind. Danke, das ist uns noch nie passiert und wir haben jetzt drei Nächte deswegen schlecht geschlafen und weinen immer noch, wenn wir daran denken.

Warum man die beiden Tore des eigenen Teams in der regulären Spielzeit dann dadurch feiert, sich bei uns als Mittelfingermodel zu bewerben verstehen wir auch nicht. Müssen wir ja aber auch nicht. Und ob die eigene Mannschaft nun so davon motiviert wird, wenn man eigentlich nur den Gegner beschimpft, sei zumindest auch bezweifelt. Liebe weiblichen* Fans in Lübeck: Wir würden Euch sehr, sehr feiern, wenn ihr es irgendwann mal schafft, „Lübecker Mädels“ einzusingen. Bis dahin belächeln wir die gesamte Fanszene weiterhin nur müde.

Egal, wir schweifen ab: Anpfiff, das 3-5-2 deutete auf eine eher offensive Ausrichtung hin (als Zweitligist „musst“ du beim Viertligisten das Spiel machen) was dann auch so war. Begeistert waren wir davon vorm Spiel nicht und das leider auch nicht zu Unrecht. Jedenfalls offenbarte die Ausrichtung dann auch große Lücken in der Defensive, die dann auch zum 0:1 und 0:2 führte. Erschreckend wie leicht wir mit Pässen in den Lauf auszukontern sind. Und: Das waren auf Lübecker Seite jetzt keine technisch brillanten Spieler. Sonst würden die nicht in Lübeck spielen. Angezweifelt sei auch, ob Miyaichi soweit hinten am besten aufgehoben ist. Verzeiht uns, wir vergessen schon wieder wie überhitzt der Markt einfach ist und dass deswegen einfach keine defensiven Spieler zu holen sind, da nimmt man halt was noch so da ist und noch laufen kann. (Und das lest ihr bitte nicht als Kritik an Ryo!)


Wenn man im Spiel öfter mal die Augen verdreht, kennt man dann den Flutlichtmast immerhin im Detail.

Die guten Neuigkeiten dieses Spiels: Wir haben immerhin ein Pflichtspiel erledigt, bei dem wir a) aus einem (doppelten) Rückstand zurückkamen, b) ein Tor nach einer Ecke machten und c) konditionell stärker als der Gegner waren. Das alles zusammen führte dann zum 2:2 nach regulärer Spielzeit.
Verlängerung, Diamantakos (edit 14.08.: der in Wirklichkeit Knoll heißt) macht das 3:2, da kann man das Stadion dann ja gut verlassen, Spiel ist entschieden. Wir mussten dann tatsächlich gehen, um einen 77-jährigen zu sehen, bei dem die Spieler vielleicht mal in konditionelle Ausbildung gehen sollten. Wahnsinn, wie der nach mehreren Herz-OPs noch die Bühne gerockt hat. Und wie gut, dass es auch in Brasilien noch Stimmen des Widerstandes gibt.


Diffidati con noi – findet im übrigen auch Nara Gil!


Als notorische Auswärtsfahrer*innen kommen wir leider viel zu selten in den Genuss des AFM-Radios. Ein bisschen surreal war das schon während des noch laufenden Spiels zurück zum Lübecker Bahnhof zu laufen und Tims liebliche Schreistimme in komplette Ekstase zu erleben. Das war ein bisschen surreal, vor allem aber großartig, danke


Im Elfmeterschießen dann souverän weitergekommen, nur damit die hübschesten Stutzen der Welt sich jetzt auf Deutschlandtournee machen. Das Kollektiv diskutiert noch, wer der nächste Lieblingsgegner ist. Aber ist ja eigentlich auch egal, wen wir auf dem Weg nach Europa noch so alles rausschießen.


PS: Und das ganze scheinbar auch noch ohne (neue) Blessuren im Kader. Unaufhaltbar auf dem Weg nach Europa!

  2 Responses to “Fitter 77 jähriger siegt im Pokal”

  1. […] „Nach dem Spiel„-Gespräch– AFM-Radio zum Nachhören– Magischer FC „Fitter 77jähriger siegt im Pokal„– FCSP South End Scum: „In the end… it was only Lübeck!“ […]

  2. Ich habe leider das Gefühl, dass wir diese Saison so richtig gegen den Abstieg kämpfen müssen.

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