Aug 282019
 

Vorab

Liebe Lesenden, es ist schwierig, über Themen zu schreiben, bei denen nur ein kleiner Ausschnitt des eigentlichen Sachverhaltes bekannt ist. Hinzu kommt, dass der Bericht des NDR über die Abgabe von VIP-Tickets an Andy Grote und andere Menschen aus dem Bereich der Hamburger Verwaltung und Politik ein „es könnte sein“- und „vielleicht hat er“-Bericht mit vielen Unterstellungen und unbelegten Hypothesen ist.

Dies ist bitte als Disclaimer vorweg zu lesen, wenn wir über so etwas schreiben.

Diplomatie ist, nicht nur mit Freunden zu reden

Der FCSP muss mit Menschen interagieren, die wir komplett scheiße finden. Das nennt man zwischen Staaten Diplomatie. Dazu gehört es eben auch, Menschen freundlich zu empfangen, die man ums Verrecken nicht auf seiner Party haben will.

Das können und sollten wir nicht ohne kritische Worte hinnehmen, es lässt sich aber nicht vermeiden. Und das gilt insbesondere für Innensenator*innen und Polizeipräsident*innen. Die sitzen häufig genug am längeren Hebel, sei es bei der Genehmigung von alkoholischen Getränken oder bei irgendwelchen anderen Abläufen am Spieltag. Das ist alles ganz großer Mist, aber wir leben halt im Falschen. Die Alternative wäre die kommunistische Weltrevolution oder eben die Faust in der Tasche und eine Reduzierung auf den notwendigsten Kontakt.

Und leider gehört dazu auch, dass man solche Menschen mal in seine VIP-Räume einlädt. Das wird sich in der Diplomatie nicht vermeiden lassen. Hinzu kommt, dass für diese Personen auch immer ein gewisses Sicherheitsbedürfnis gibt, sodass man die nicht mit Steh Süd ermäßigt abspeisen kann.

Wenn man dem NDR glauben möchte, dann geht es um insgesamt 14 Karten. Das ist ungleich 14 Spiele! Wenn z. B. ein*e Polizeipräsident*in kommt, dann bringt der eventuell Personenschützer*innen mit und die werden verlangen genau die gleiche Karte zu haben, wie ihr*e Chef*in. Gerade wenn es dienstliche Gründe geben sollte, dann bringen solche Leute auch Referent*innen oder Sachbearbeiter*innen mit. Auch die benötigen dann natürlich entsprechende Karten. Wir kommen da noch drauf zurück.

Wichtig ist, dass eine Vergabe von Karten auch moralisch immer wohlüberlegt, anlassbezogen und selten sein sollte. Alles was über eine notwendige Zusammenarbeit hinausgeht, sollte sich auch moralisch verbieten, wenn es um Polizeipräsident*innen oder Politiker*innen der SPD geht.

Von diesen Grundsätzen ausgehend, muss man das wohl wie folgt sehen: Wenn ein*e Bürgermeister*in ein Derby besucht oder ein erstes Spiel in einem neu eingeweihten Stadion, welches in unserem Fall ja auch noch die Stadt mitbezahlt hat, dann ist das wohl relativ unproblematisch. Ähnlich wird es sein, wenn ein*e Innensenator*in (ist meistens auch für Sport zuständig) mal vorbei guckt. Die Faust in der Tasche kann man ballen, aber der große Skandal ist es nun auch nicht.

Wenn ein*e Polizeipräsident*in einmalig da ist (z. B. weil es ein Hochrisikospiel ist), dann ist das schon eher was für Faust in der moralischen Tasche ballen, aber wahrscheinlich noch okay.

Anders liegt es moralisch, wenn da jemand ohne eine wirkliche Zuständigkeit wie so ein*e Bezirksamtsleiter*in sich häufiger da herumtreibt. Aber das wissen wir eben nicht. 14-mal eine Karte für Andy zum Saufen und Fressen ist halt was anderes als einmal 14 Karten, weil Andy und sein Bezirksamt mal den Schwarzmarkthandel begutachten und nach dem Spiel mit dem FCSP besprechen wollen. Da würde ich als Verein auch lieber in die VIP-Räume einladen, als am nächsten Montag zum Amt zu latschen. Bei der erstgenannten Alternative kann man die Faust schon beinah aus der Tasche nehmen und den Verantwortlichen beim FCSP eine ballern, bei der anderen sollte man es anders sehen.

Nun aber viel Juristerei

Die lieben Steuern

Gegen den FCSP läuft offensichtlich ein Steuerstrafverfahren. Das gibt die Finanzbehörde Hamburg in ihrer Information zu dem Thema zu, auch wenn sie das eigentlich nicht will.

Nebenbei auch so ein Tweet ist streng genommen schon nicht erlaubt, denn er bestätigt ja das Strafverfahren.

Warum dieses Steuerverfahren läuft, wissen wir nicht. Von einer Betriebsprüfung beim FCSP ist schon länger die Rede und wenn uns unser schlechtes Gehirn nicht täuscht, dann war da auch mal in irgendeinem Lagebericht von die Rede, dass man sich da nicht einig sei und da ggf. Nachzahlungen auf den Verein zu kommen.

Betriebsprüfung ist das eine, Steuerstrafverfahren jedoch das ganz andere. Betriebsprüfungen (§ 193 ff der bereits erwähnten Abgabenordung) sind eher Routine, können auch mal in einer Nachzahlung enden, weil man im doch sehr komplexen Steuerrecht auch mal einfach was falsch macht. Solange dies im besten Gewissen passiert, ist das alles nett und freundlich und kann man nur mit einem „passiert halt mal, kostet dann Geld“ abtun.

Anders ist ein Steuerstrafverfahren, was Voraussetzung für eine Durchsuchung wäre. Da befinden wir uns dann im Bereich der Straftat, der vorsätzlichen Tat, der vorsätzlichen Nichtzahlung von Steuern.

So etwas wird nicht eröffnet, weil man sich über die Abnutzungsdauer für Herrentoiletten auf der Gegengerade (ca. 5 Monate, dann stinken die wie die Alten) streitet und im komplexen Steuerrecht der eine 5 Monate, der andere 10 Monate sagt, sondern weil es einen erheblichen Verdacht (bitte als unjuristischen Begriff lesen) gibt, dass hier wer bescheißen wollte (!). Das mit den Herrentoiletten ist natürlich ein bewusst falsch gewähltes Beispiel, bevor nun irgendwer in den Kommentaren schreibt, dass beides nicht stimmt.

Steuerstrafverfahren sind gerne mal die Folge von Betriebsprüfungen, verlaufen aber unter ganz anderen Regeln. In der Betriebsprüfung z. B. muss ich mitwirken. In einem Strafverfahren muss ich dies nach dem alten „Sie haben das Recht zu schweigen“-Grundsatz nicht.

Wenn dem FCSP also ein Strafverfahren ereilt, dann ist das a) nicht gut und b) auch moralisch fragwürdig. Hashtag Hoeness.

Was man aber bei Steuerverfahren immer wissen muss, ist, dass sie sich auf die Vergangenheit und gerne auch mal auf die lange zurück liegende Vergangenheit beziehen. Dies liegt auch daran, dass Betriebsprüfungen zurück blicken. Das ist so ein bisschen der Schlaumeier, der nach Jahren kommt und sagt „das hättest du aber anders machen sollen“.

Laut des NDR-Berichts (wie schon geschrieben: Mit Vorsicht zu genießen!) soll es sich hier um die Jahre 2013 bis 2016 handeln. Es kann also gut sein, dass die bei uns verantwortlichen Personen gar nicht mehr im Verein tätig sind. Wir haben z. B. seit diesem Zeitraum große Teile des Präsidiums, zwei kaufmännische Leiter (Meeske und Rettig) und diverse andere Positionen im sportlichen Bereich ausgetauscht.

Auch wenn letztendlich der Präsident (und der ist seit November 2014 im Amt) immer eine „politische“ Verantwortung hat, ist dies bei der Bewertung natürlich immer zu bedenken.

Wir kennen hier aber wahrscheinlich nicht den ganzen Sachverhalt. Wenn es um irgendwie VIP-Karten in einem Gesamtwert von ca. 3.000 Euro (laut NDR) ginge, denn sprächen wir von irgendwie um die 1.000 Euro Steuern, die da fällig wären. Und für eine solche Summe macht niemand eine Durchsuchung. Es geht hier also entweder um die berühmte Spitze des Eisbergs (also um viel mehr Karten) oder um ganz andere Sachverhalte.

Die Besteuerung erfolgt über § 37b, da KANN der Einladende die Besteuerung übernehmen. Das spricht auch eher nicht für ein Strafverfahren. Er darf die Aufwendungen für solche Karten aber nicht als Betriebsausgaben buchen. Wenn er dies absichtlich machen würde, dann hätten wir mal richtig eine Basis für ein Steuerstrafverfahren.

Aber ihr merkt: Das ist alles freie Spekulationen. Der Sachverhalt bleibt unklar und so etwas ist grundsätzlich nie schön. Es bleibt den Verantwortlichen des FCSP überlassen, genauer zu informieren, und es bleibt uns überlassen, spätestens auf der JHV entsprechende Informationen einzufordern. Mit nichtssagenden Erklärungen, wie die nun veröffentlichte, sollte man sich da nicht ewig zufriedengeben.

Insbesondere, da ein solches Strafverfahren mit entsprechenden Nachzahlungen und Strafzinsen richtig Geld kostet. Da erblasst jede Pyrostrafe gegen.

Bestechung!

Beamt*innen sollten in einem Idealbild neutral, unbestechlich und von Gesetzen geleitet sein. (Ihr dürft nun lachen, wir tun es auch.) Daher ist die Annahme von Geschenken verboten und es gibt entsprechende Strafvorschriften im StGB. Nun gibt es aber ein klitzekleines Problem. Es wäre schön, wenn man das so schwarz/weiß regeln könnte, aber dann kann man einen Beamten nicht mehr zum Kaffee einladen, in einer Besprechung keine Kekse mehr auf den Tisch stellen und ein diplomatischer Besuch oder eine Eröffnung eines großen neuen Museums wäre nicht mehr möglich. Jeder Kugelschreiber wäre ein Verbrechen. Daher gibt es die Möglichkeit der Genehmigung und die Möglichkeit der Annahme.,

Die Stadt Hamburg hat dazu auch Richtlinien erlassen, die man auch per Google findet.

Und seien wir ehrlich: Da wird es schnell Gummi. Denn z. B. regelt die Stadt Hamburg folgendes:

Allgemein genehmigt werden kann auch die Teilnahme an Bewirtungen aus Anlass oder bei Gelegenheit dienstlicher Handlungen, Besprechungen, Besichtigungen oder dergleichen, wenn sie üblich und angemessen sind oder wenn sie ihren Grund in den Regeln des Verkehrs und der Höflichkeit haben, denen sich auch Angehörige des öffentlichen Dienstes unter Berücksichtigung ihrer besonderen Verpflichtung zur objektiven Amtsführung nicht entziehen können, ohne gegen gesellschaftliche Formen zu verstoßen. Dies gilt nicht, wenn die Bewirtung nach Art und Umfang einen Wert darstellt, der außer Verhältnis zu dem durchschnittlichen Einkommen im öffentlichen Dienst steht.

Wenn jetzt also der FCSP sich z. B. breit zum Thema „Sicherheit im Millerntor“ mit der Polizei besprechen will/kann/muss und sagt „passt mal auf, ihr guckt euch das mal in Ruhe hier alles an, danach gehen wir in eine Loge und bereden das mal beim Spiel und ihr guckt euch auch mal praktisch an, wie so ein Spiel verläuft, hier sind vier Karten für die Loge, ach ja wir veranschlagen mal so 6 Stunden und für Essen ist gesorgt“, dann wird man mit dem ersten zitierten Satz wohl hin kommen. Sind 250 Euro (so viel kostet so eine Karte ca.) außer Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen im öffentlichen Dienst? Darüber kannst du wahrscheinlich juristische Bücher schreiben. Ist ein Essen und eine Party für 250 Euro für jemanden, der/die ca. 3.000-4.000 Euro Brutto verdient (das nennen einschlägige Portale als Durchschnittsgehalt) nun außer Verhältnis? Das ist auch noch etwas anderes als „angemessen“.

Oder wenn man der/dem Wirtschaftssenator*in sagt „komm mal vorbei, guck mal was aus deinen 5 Millionen Förderung geworden sind!“ dann wird man da eine Besichtigung aus dienstlichem Anlass und Repräsentationszwecken wohl irgendwie bejahen müssen.

Bei der/dem Bezirksamtsleiter*in kann z. B. das Thema „Schwarzmarkt“ mit dem FCSP haben. Und wenn sie/er da mit 13 Vertreter*innen des damaligen bezirklichen Ordnungsdienstes und des entsprechenden Fachreferats auf Einladung vorbei kommt, dann ist es vielleicht ein Graubereich, weil man kann sich ja auch montags in der kalten Amtsstube treffen, aber auch da kann man dienstliche Belange sehen.

Und dann ist es auch aus der Sicht des FCSP aus den oben genannten Maßstäben moralisch okay. Dass es uns am liebsten wäre, wenn Hr. Grote in unserem Stadion gar nichts macht, nicht einmal atmen, das sollten wir häufig genug zum Ausdruck gebracht haben.

Das wiederkehrende Thema ist hier die Faust und die Diplomatie

Ihr merkt jedoch: Das wird schnell eine unklare Bewertungsfrage, die wir hier auf einem unklaren Sachverhalt vornehmen müssten. Das funktioniert nicht und irgendwelche endgültigen Schlüsse verbieten sich.

Wichtig ist aber: Es muss von einer/einem Dienstvorgesetzten genehmigt sein. Entweder allgemein durch eine Dienstanweisung oder im konkreten Einzelfall. Und dies wissen wir hier nicht. Wir kennen die allgemeinen Richtlinien dazu, die wir oben verlinkt haben und die nennt Sportveranstaltungen nicht einmal ausdrücklich. Was wir nicht kennen, sind die speziellen Regelungen, die genauen Anweisungen und die Details der Einzelfälle.

Der NDR Bericht macht es sich da viel zu einfach. Er suggeriert lieber, dass Grote Karten bekommen hat und damit ein Anfangsverdacht der Vorteilsnahme besteht und der Generalstaatsanwalt „politisch“ eingegriffen hat und Strafvereitelung im Amt betreibt. Zumindest aus den jetzt bekannten Tatsachen ergibt sich ein solcher zwingender Schluss eben gerade nicht.

Ihr merkt selber: Das ist eher kein guter Journalismus.

Natürlich kann es sein, dass hier eine Vorteilsannahme vorliegt und dann ein strafbarer Vorgang. Es kann aber genauso gut sein, dass ein Innensenator*in, ein Bürgermeister das genehmigt hat oder es in einer allgemeinen Dienstanweisung genehmigt ist. Wissen wir nicht und ohne dieses Wissen können wir es nicht bewerten.

Was in diesem Zusammenhang auch wichtig ist: Hier lädt ja der Veranstalter (!) des Fußballspiels ein, nicht die Holsten AG zu einem Spiel des FCSP. Dies kann bei der dienstlichen Notwendigkeit natürlich Unterschiede machen.

Hinzu kommt das Urteil des BGH in Sachen eines Professor C. (Fußballfans auch kurzfristiger Präsident von Hannover 96 bekannt), welcher zur WM 2006 Politiker in Baden-Württemberg eingeladen hatte und dann vom Vorwurf der Vorteilsgewährung freigesprochen wurde. Die Gründe kann man hier nachlesen.

Wer danach diese ganzen Rechtsfragen für „klar und eindeutig“ hält, der muss schon viel Lack gesoffen haben.

Was auffällt: Das Verfahren gegen den FCSP scheint ein steuerliches zu sein. Wegen Bestechung und Vorteilsgewährung scheint es kein Verfahren zu geben. Allgemein wird von Jurist*innen geraten sich bei Politikern und Amtsträgern die Zustimmung der/des Dienstvorgesetzten bestätigen zu lassen. Dies scheint der FCSP nicht gemacht zu haben, wenn er in seiner Stellungnahme davon spricht, von internen Verwaltungsanweisungen nichts zu wissen. Aber das ist natürlich Interpretation und Spekulation.

Die Rolling Stones sind was anderes

Was auch sehr wichtig ist: Der Fall mit den Rolling Stones liegt sehr anders. Denn hier geht es um hunderte Freikarten pro Veranstaltung, die vom Bezirksamt für eine Genehmigung einer Veranstaltung eingefordert wurden.

Das ist dann doch ein ganz anderer Sachverhalt als „du bekommst mal eine Karte, wir laden dich ein“. Vergleichbar wäre nur gewesen, wenn z. B. der Polizeipräsident an den FCSP einen Mustervereinbarung zur Genehmigung des Astra-Ausschanks am Millerntor geschickt hätte, in der am Ende in § 1312 steht „Für jedes Spiel während der Geltungsdauer dieses Vertrags bekommt die Polizei 300 VIP-Karten und kann 400 Südkarten verbilligt kaufen.“

So einen Sachverhalt haben wir hier ja definitiv nicht.


Anmerkung des Kollektivs: Dieser Text ist nicht durchgängig gegendert, da nach unserem Kenntnisstand alle handelten Akteure Männer sind.

Aug 272019
 

Eigentlich sollte dieser Bericht „Schweiß, Bier und Gänsehaut“ heißen, aber dann kam die Pressekonferenz. Details später.
Die Vorfreude auf dieses Spiel hielt sich in engen Grenzen. Zu schlecht sind wir in die Saison gestartet. Und Kiel ist nicht gerade ein Gegner, gegen den wir in den letzten Jahrzehnten zu Hause gut ausgesehen haben – selbst wenn die bisherigen Ergebnisse dies vermuten lassen. Dazu ist noch Montag, was das ganze nicht schöner macht. Sowieso ist dreimal montags so früh in der Saison echt unschön. Selbst wenn es alles Spiele sind, die nicht eine Reise durch die ganze Republik erfordern.

Dieses Spiel ist kein Derby, es ist keine Rivalität und Kiel ist der Eber, der sich an der Eiche reibt. „Keine andere Stadt, keine andere Liebe, kein anderer Verein – Nur Holstein“ singt man in der – gewohnt schrecklichen – Gästehymne (aber immerhin keine mittelständische Powerballade), was angesichts eines Handballvereins, der internationale Spitze ist, so richtig der Wahrheit nahe kommt. Für mehr Realität in Vereinshymnen! Am Millerntor muss man dann in der Halbzeit immerhin keine Cheerleader*innenchoreografie von Menschen, die der 0 näher als der 18 sind, erleben.

Aber ein voller Gästeblock ist doch auch mal was schönes. Kiel versammelt sich nun hinter einem „Working Class“ Banner, was angesichts der eher studentisch, mittelklassigen Prägung von Ultrà-Szenen etwas lustig ist. Haben wir schon mal die Erfindung von T-Shirts erwähnt? Und das man die auch anlassen kann? Privilegien etc. und so, aber auch „ih bäh“. Niemand will sich in einem vollen Stadion an eurem nackten Oberkörper vorbei schlängeln müssen. Auch wenn es im Millerntor Pommes gibt, es ist kein Freibad. Das gilt im übrigen auch für die Dullis, die meinten den Südaufgang ohne Shirt nutzen zu müssen und sich dafür ne verdiente Abreibung einfingen.

Sehr schön dafür, dass im Südkurvenschreiben das Awareness-Plakat abgedruckt ist. Danke an die Hoschis, die das möglich machten. Kudos auch an die Leute, die mit Adiletten oder offenen Schuhen in eine Fußballkurve gehen. Wir wissen noch nicht so richtig, ob wir das für mutig oder wahnsinnig halten. Dazu passend auch der in der ersten Halbzeit ketzerisch umgetextete “Wir sind der Fußballclub Sankt Pauli” zu “Wir sind das Modelabel FCSP”.

Taktisches

Unser Trainer hat für die Aufstellung „Überraschungen“ angekündigt und die bekommt man dann auch pünktlich 60 Minuten vor dem Start. Die Grafiker der Medienabteilung stellen die Mannschaft diese Saison ja immer im 2-2-2-2-2 auf, der Kicker macht sowieso ein 4-2-3-1 draus und wir spekulierten zwischen 10-0-0 und 3-5-2 mit allen möglichen Zahlenkombinationen, die addiert 10 Feldspieler ergeben. Letztendlich war das wohl eine Art 3-4-3/3-4-1-2, zumindest wenn man den realen Positionen laut WhoScored glauben möchte. Und seien wir ehrlich: Das funktioniert nicht so wirklich gut. Kalla hat doch arge Probleme mit dem Kieler Baku, der aufgrund der Offenheit dieses Systems immer wieder 1 gegen 1 gehen kann. Da sieht man dann doch, dass Kalla in seinen alten Jahren nicht der schnellste ist. Dementsprechend wird er auch zur Halbzeit ausgewechselt, wahrscheinlich auch, weil er doch nah der gelb-roten Karte ist. Baku ist am Ende nach WhoScored-Note auch der beste Spieler auf dem Platz.

Die Trainer bemerken in der Pressekonferenz nach dem Spiel, eine ausgeglichene erste Halbzeit gesehen zu haben. Das mag man so unterschreiben. Kiel hat mehrfach Spieler sehr blank vor dem Tor stehend und scheitert dann am eigenen Unvermögen, wir haben immer ansehnliche Aktionen, aber am Ende treffen beide das Tor nicht und es geht unentschieden in die Halbzeit. In der zweiten Halbzeit ist Kiel auch laut beiden Trainern stärker, aber im Endeffekt gewinnt der FCSP. Ein langgezogener Freistoß wird von Lawrence ins Tor gehämmert, sodass der Torwart gleich mit reinfliegt und wir in Führung gehen. Der Jubel fällt verhalten aus, denn Lawrence knallt nach der Aktion mit Schwung in den Kieler Torhüter und zumindest im Stadion-Livebild kann man nicht sehen, ob das nun ein ahndungswürdiges Foul oder ein unglücklicher Zusammenprall ist. 

Und da sind wir auch bei einem der größten VAR-Probleme: Als Stadionzuschauer*in ist das eine Stimme aus dem Off, deren Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind, da die komplette Tatsachenbasis fehlt. Letztendlich kommt es zu keinem VAR-Eingriff, das Tor zählt und alles ist gut. Kiel ist danach drückend und wir meinen DRÜCKEND überlegen, hat mehrfach freie Schuss- oder Kopfballbahn und erzielt nix Zählbares. In dieser Phase sind der Pfosten, der Himmelmann und das Glück sehr auf unserer Seite. Da müssen wir auch mal Wasser in den Wein kippen, denn hier hätte das Spiel ohne weiteres gedreht werden können und eine etwas effektivere Mannschaft haut uns da einen rein. Hier ist bei uns noch Verbesserungsbedarf. Auch dass wir erneut durch einen schnell ausgeführten Freistoß überrascht werden in Halbzeit 1 ist nervig und abstellbar: Gegnerfreistoß in unserer Hälfte, die Defensive pennt und Himmelmann pariert und tobt dann. In dieser Reihenfolge. Wir wollen echt nicht zählen, wie viele Tore wir uns so dumm-dämlich gefangen haben.

Was Lautstärke bewirken kann 

Die Kausalkette zwischen “in Führung gehen und dann hinten träumen” würden wir gerne mal verstehen – und noch eher brechen. Die Kausalkette zwischen dem lautesten Wechselgesang seit Ewigkeiten und Contehs Sprint zum 2:0 können wir alle aber beim Derby in drei Wochen (ja, wirklich!) ganz leicht wiederholen. Noch mal im Detail, weil es so schön war: Die Süd startet einen Wechselgesang mit der GG. Der – anstatt der normalen routinierten fünfmal wechselnden „St. Pauli“ Rufe die nun normalerweise folgen – sich plötzlich hochschaukelt und immer lauter und drückender wird. Dieser Wechselgesang bringt den Ball dann zu Diamantakos, brüllt ihn mit einem Killerpass zu Conteh und erzwingt in seiner Lautstärke ein Willenstor. Bäm! 2-0 nachlegen, damit Ruhe ist, in Perfektion. Gänsehaut. Laut Twitter ist das Stadion wohl bis ins tiefste Altona zu hören. 

Man sieht dem Abwehrverbund an, dass er noch nicht zu häufig so zusammen trainiert hat. Ziemliches Risiko, das dann gleich in den Livebetrieb zu geben, aber hat ja – größtenteils – geklappt.

Nur Ruhe ist leider bis zum Abpfiff nicht in unserem Spiel. Wir bauen – man muss leider sagen “wie üblich” – in den letzten Minuten arg ab, Kiel kommt zum Anschlusstreffer und es muss noch mal gezittert werden. Penney kassiert noch eine du äh blö äh unglückliche gelb-rote Karte (hier streitet sich das Kollektiv – das ist doch vor allem die Abgewichstheit, die wir alle vor wenigen Wochen vermissten) und so gucken doch alle mehrfach auf die Uhr bevor der Schlussjubel ertönt. Womit wir wieder beim Wasser im Wein sind: Wir müssen immer noch einen viel zu hohen Aufwand treiben, brechen immer noch zu stark ein, haben nicht die Kraft, den Aufwand 90 Minuten zu betreiben. Da muss sich was ändern. Dazu gehört auch, dass wir einen ballsicheren Abfänger von der Bank kommend sehr gut gebrauchen könnten. Hoffmann ist dies (noch?) nicht.

Details später? Bitteschön!

Aber egal, Buballa versprach Elo vergangene Woche den Sieg. Gestern holten wir uns dann nach dem Spiel noch ne Trullerfaust auf den Derbysieg ab. Vorher noch Dresden, wir verspüren dieses komische Gefühl, das sich Vorfreude nennt. Naja, zumindest bis Samstag irgendwann vor 4 der Wecker klingelt.

17 und 21

Die Nummern sind seit gestern vergeben beim FCSP. Dazu folgende Anmerkungen:

1. Ja diese Nummern wurden von sehr verdienten Spielern getragen, die zu Recht ein Platz in guten Erinnerungen von FCSP Fans haben. 

2. Wir haben zur Zeit laut Kaderübersicht 11,16, 29, 34, 35, 39, 40 offen. Der DFB regelt, dass man 1-40 belegen muss und höher nur gehen kann, wenn man mehr Spieler gemeldet hat. Dies macht “Nummern nicht vergeben“ schon sehr schwierig. Es hat in Deutschland im Fußball auch sehr wenig Tradition. Die 17 war auch schon zwischendurch an Eden vergeben. 

3. Die Satzung des FCSP ist in Paragraph 9 und seiner Nr. 3 deutlich. Die möglichen Ehrungen sind geregelt und dann steht da „Weitere Ehrungen werden nicht vergeben.“ Das gilt auch für die Nichtvergabe ehrenhalber von Rückennummern. Wer dies ändern möchte, dem steht ein entsprechender Antrag auf der JHV frei. Einen solchen hat es bisher nie gegeben und dementsprechend gibt es auch keinen entsprechenden Beschluss. Und nur so wäre eine solche Ehrung überhaupt vorzunehmen. Irgendwelche Beschlüsse der sportlichen Leitung anderer Organe oder des lieben Gotts sind angesichts der Satzung irrelevant. 

Ob sie nun verdient ist oder nicht, dies sei eurer eigenen Wertung überlassen. Fakt ist aber: Hamburger Zeitungen entscheiden beim FCSP nicht über Ehrungen. 

Wer diese Platte bekannt vor kommt: Wir hatten das Thema schon bei der Ehrenpräsidentschaft für Cornelius L. 

Aug 172019
 

Stuttgart. 4:40 lud uns der ICE nach Stuttgart ein. Optimismus war lieber gleich im Bett geblieben, aber Sarkasmus und Morgenlaune hatten es pünktlich geschafft. 

Um uns vom Pöbel abzugrenzen hatten wir uns ein erste Klasse Abteil gegönnt. An die kommunistischen Brüder und Schwestern: Sparpreis olé! Vom Schaffner einmal freundlich mit einem “Stuttgart wo der FCSP heute selbstverständlich gewinnt“ begrüßt worden. Aber nur einmal, niemand hat hier jede weitere Ansage mitgefilmt. Alles nur für euch, liebe Leser*innen. Mehrfach kann man das ja wegen „der anderen konservativen Mitreisenden“ nicht machen. 

Stadt, Land, Fußball vertrieb uns die Zeit. Gerade “Grund für eine rote Karte” als Kategorie brachte so Perlen wie “Mord” oder “Illegale Drogen verkaufen” hervor. Hier Maik, ist doch richtig, oder? 

Pünktlich brachte uns die Bahn nach Stuttgart. Und damit ins Chaos. S Bahn Verkehr in Stuttgart ist ein Erlebnis. Nur kein schönes. Bei einem Spiel mit 50.000 Zuschauer*innen eine potentielle Anreisestation alle 30 Minuten anzufahren ist schon eine gute Idee. Und dann kam die auch noch zu spät. Und war voll. Und nervig. Und überhaupt. Und auf der Rückfahrt wurde es eher schlechter. Wir wollten schon eine neue Kategorie in dem Stadt, Land und Fußball Spiel einbauen “Schimpfworte für den ÖPNV in Stuttgart”. 

Irgendwann waren wir dann doch im Stadion. Man muss noch den “Fantrennungsumweg” um ein Gebäude machen, was dann irgendwie witzlos wird, wenn nach dem Schlenker alles durcheinander rennt und sich genau an der Ecke des Gebäudes drei Stuttgart Dullis mit “Ey Schw…. Pauli, komm mal her” produzieren dürfen. Ein Besuch der Polizei beendete leider ihre Chance auf eine verdiente Abreibung. 

Rein ins Getümmel

Zurück zu vor dem Spiel. Abtasten schnell überwunden und damit die positive Ordner*innenerfahrung des Tages gehabt, hat vielleicht etwas lange gedauert. Die negative Erfahrung waren dann Ordner, die meinten das Banner “St. Pauli ist die einzige Möglichkeit” nicht aufhängen zu wollen, bzw. das Aufhängen verhindern wollten. Gut das wurde durch uns bestimmt und freundlich geregelt. 

Positiv im Stadion: Die haben für viele Dinge eine Gebärdendolmetscherin auf der Anzeigetafel. Negativ: Sie haben ein Maskottchen. Ein Krokodil. Fritzle. Fragen Sie nicht. 

Der Gästeblock zeigte dann Schwenkfahnen dazu. Garantiert sehr hübsch, aber den massiven Fahneneinsatz in der Heimkurve konnte man nicht schlagen. Dass es in Gästeblöcken immer jemanden gibt, der über Fahnen schon vor dem Spiel meckert, ist auch so eine wiederkehrende Sache. Genauso wie diese in den Block filmenden Leute. Aber so kurz mal Handy weg nehmen und mit Erklärung wieder geben wirkt echt Wunder. 

Der Support beim Spiel war gut. Selbst bei uns in den hinteren Reihen ging gut was. 

Lag natürlich auch an einer sehr guten ersten Halbzeit, die unsere Jungs hinlegten. Schönes Tor, alles super. Außer dass wir trotz genügend Chancen den berühmten Sack nicht zumachen. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht.

Was gefiel: Mats zentral offensiv. Starker Auftritt. Und seien wir ehrlich, als er dann von Buchti ersetzt wurde, wurde unser Spiel extrem langsamer. Buchti ist zentral offensiv echt nicht perfekt aufgehoben und für einen “ab nun mauern” Wechsel war es ein bisschen früh. 

2% aller Ecken werden statistisch Tore. Außer der FCSP ist Ihr Gegner, da werden alle Ecken Tore. Unsere Ecken hingegen sind ungefährlicher als Fritzle. Und diese “kurze Trickecken” waren schnell mehr eine Gefahr für uns, als für den Gegner. Mehrfach ging eine eigene Ecke über zwei Stationen zu unserem Torhüter. 

Und dann lassen wir eine Flanke zu, lassen selbige segeln und verlieren halt doch noch. Auch wenn es spät war, es kam nicht überraschend, denn am Ende war erneut ein Unterschied in der Frische deutlich erkennbar. 

Unerklärlich, warum Hoffmann nach Kopfzusammenstoss weiterspielen darf, um dann gleich beim nächsten Kopfball wieder zusammenzusacken. Aber unsere Liebe zur medizinischen Abteilung kennt ihr ja schon. Concussion Protocol durch neutrale Instanz. Ende der Diskussion.

Klar, diese Niederlage haben wir alle erwartet, aber es ist halt ärgerlicher spät 2-1 zu verlieren, als von der ersten Sekunde an unterlegen zu sein. 

Nach dem Spiel war die Mannschaft inkl. Umfeld in der Kurve. Außer Bornemann, der scoutet Spieler und wartet auf die Möglichkeit im überhitzten Markt. Knoll setzte um, was wir alle fühlten, riss ein Stück Rasen raus und feuerte selbigen durch die Gegend. Noch lieber hätten wir allerdings die Deutschland-Fahnen an den Stuttgarter Schals durch die Gegend gedonnert.

Zurück zum Hauptbahnhof. Siehe oben. Wir haben es geschafft. Und sitzen dann mit der Mannschaft im Zug. Und können dann immerhin für unseren Chief Editor ein Matsgramm zum Geburtstag bekommen. Sehr, sehr viel Liebe für Mats. Ansonsten: Was im Zug passiert bleibt im Zug. Zum Beispiel, dass wir gegen (geschätzt) 12-jährige in AntiRa-Shirts (❤️❤️❤️) bei Stadt, Land, Fußball verlieren. Diese Niederlage immerhin sehr gerne.

Kein Bier, Scheiße hier!

Aug 142019
 

Das schön an Regioanfahrten ist ja vor allem, dass man auf dem Hinweg auch normalen Leuten, die es nicht für die beste Sonntagsunterhaltung halten, sich in irgendwelchen Stadien rumzutreiben, begegnet. Nach kurzem Austausch darüber, was wir hier eigentlich machen würden, stellte die Dame dann fest, dass Fußball ja sowieso viel schöner als Fliegen sei.

Der Beweis bleibt nach dem Pokalerlebnis noch zu erbringen.


Wir reisten – wie es sich für einen „ultrá-nahen Blog“ gehört mit der USP-Reisegruppe an, Abfahrt und Ankunft fast pünktlich, im Zug wurden die Ernährungsgewohnheiten eines Mitreisenden ausführlich gesanglich kommentiert. Ankunft in Lübeck, dann mit dem Fanmarsch gen Stadion und zum ersten Mal die höchst kreativen Banner der Lübecker gesehen. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag, ihr Schnuffis. Schön, dass ihr euren Geburtstag und die erste Pokalteilnahme seit drei Jahren vor allem dadurch feiert, dass ihr diese höchst kreativen Shirts wieder auflegt. Mehr dazu bei Maik vom Millernton.


Was man in Blogs ja viel zu wenig liest ist, wie viel Anreisezeit man bei solchen Spielen damit verbringt, irgendwo rumzuhängen. Dieses Mal in mehrfachen Etappen vorm Stadion. Und immerhin sind wir da in unserer Freizeit und stehen da nicht in vollem Militäroutfit, weil wir einen Beruf ergriffen haben, den niemand ergreifen muss. Dafür war der Einlass dann umso schneller. Dass in unsere Bauchtaschen nicht mal reingeguckt wird, ist auch eher selten – und dass gar nicht abgetastet wird wohl auch. Und nein, das ist definitiv keine Beschwerde. Um unseren Ruf als Motzer*innen zu bewahren: Dixies komplett ohne Handwaschmöglichkeiten sind für Frauen eher uncool. Das coole an Dixies: Alle (auch nicht-binäre Menschen) können die gleichen nutzen. (Ergänzung 14.08: Danke Elo für die Schreibweisehinweise!)



Sicherheit wird in Lübeck großgeschrieben.



Weiteres Rumgehänge vor dem Spiel, schöne Choreo (zumindest aus „im Block-Sicht“) mit ein bisschen Lichteffekten. So mögen wir das.
Noch vor Anpfiff durften wir auch Peter (Ähnlichkeit mit lebenden Personen rein zufällig) kennenlernen, der vor allem gekommen war, um uns St. Paulianer*innen „mal“ zu sagen, wie scheiße wir doch sind. Danke, das ist uns noch nie passiert und wir haben jetzt drei Nächte deswegen schlecht geschlafen und weinen immer noch, wenn wir daran denken.

Warum man die beiden Tore des eigenen Teams in der regulären Spielzeit dann dadurch feiert, sich bei uns als Mittelfingermodel zu bewerben verstehen wir auch nicht. Müssen wir ja aber auch nicht. Und ob die eigene Mannschaft nun so davon motiviert wird, wenn man eigentlich nur den Gegner beschimpft, sei zumindest auch bezweifelt. Liebe weiblichen* Fans in Lübeck: Wir würden Euch sehr, sehr feiern, wenn ihr es irgendwann mal schafft, „Lübecker Mädels“ einzusingen. Bis dahin belächeln wir die gesamte Fanszene weiterhin nur müde.

Egal, wir schweifen ab: Anpfiff, das 3-5-2 deutete auf eine eher offensive Ausrichtung hin (als Zweitligist „musst“ du beim Viertligisten das Spiel machen) was dann auch so war. Begeistert waren wir davon vorm Spiel nicht und das leider auch nicht zu Unrecht. Jedenfalls offenbarte die Ausrichtung dann auch große Lücken in der Defensive, die dann auch zum 0:1 und 0:2 führte. Erschreckend wie leicht wir mit Pässen in den Lauf auszukontern sind. Und: Das waren auf Lübecker Seite jetzt keine technisch brillanten Spieler. Sonst würden die nicht in Lübeck spielen. Angezweifelt sei auch, ob Miyaichi soweit hinten am besten aufgehoben ist. Verzeiht uns, wir vergessen schon wieder wie überhitzt der Markt einfach ist und dass deswegen einfach keine defensiven Spieler zu holen sind, da nimmt man halt was noch so da ist und noch laufen kann. (Und das lest ihr bitte nicht als Kritik an Ryo!)


Wenn man im Spiel öfter mal die Augen verdreht, kennt man dann den Flutlichtmast immerhin im Detail.

Die guten Neuigkeiten dieses Spiels: Wir haben immerhin ein Pflichtspiel erledigt, bei dem wir a) aus einem (doppelten) Rückstand zurückkamen, b) ein Tor nach einer Ecke machten und c) konditionell stärker als der Gegner waren. Das alles zusammen führte dann zum 2:2 nach regulärer Spielzeit.
Verlängerung, Diamantakos (edit 14.08.: der in Wirklichkeit Knoll heißt) macht das 3:2, da kann man das Stadion dann ja gut verlassen, Spiel ist entschieden. Wir mussten dann tatsächlich gehen, um einen 77-jährigen zu sehen, bei dem die Spieler vielleicht mal in konditionelle Ausbildung gehen sollten. Wahnsinn, wie der nach mehreren Herz-OPs noch die Bühne gerockt hat. Und wie gut, dass es auch in Brasilien noch Stimmen des Widerstandes gibt.


Diffidati con noi – findet im übrigen auch Nara Gil!


Als notorische Auswärtsfahrer*innen kommen wir leider viel zu selten in den Genuss des AFM-Radios. Ein bisschen surreal war das schon während des noch laufenden Spiels zurück zum Lübecker Bahnhof zu laufen und Tims liebliche Schreistimme in komplette Ekstase zu erleben. Das war ein bisschen surreal, vor allem aber großartig, danke


Im Elfmeterschießen dann souverän weitergekommen, nur damit die hübschesten Stutzen der Welt sich jetzt auf Deutschlandtournee machen. Das Kollektiv diskutiert noch, wer der nächste Lieblingsgegner ist. Aber ist ja eigentlich auch egal, wen wir auf dem Weg nach Europa noch so alles rausschießen.


PS: Und das ganze scheinbar auch noch ohne (neue) Blessuren im Kader. Unaufhaltbar auf dem Weg nach Europa!

Aug 072019
 

Vorwort

Liebe Lesende, ja es folgt nun die Rezension eines Baseball-Buchs und wir wissen, dass bei der Nennung des Wortes „Baseball“ nun wahrscheinlich 99 % unserer Leser*innen abschalten, aber dieser Artikel ist mehr als eine Buchrezension.

Viel wird gerade über Komfortzone und Entwicklung beim FCSP diskutiert und dieses Buch gibt für solche Prozesse eine gute Anleitung, dies macht es weit über den Baseball-Fokus hinaus spannend.

Die Autoren / Journalismus ist nicht gleich Journalismus

Zwei amerikanische Sportjournalisten, Ben Lindbergh und Travis Sawchik, haben das Buch geschrieben. Beide gehören einer Gattung von Sportjournalismus an, der in Deutschland wenn überhaupt nur in einer sehr kleinen Nische existiert.

Journalisten, die nach dem „Warum?“ fragen und Antworten aus Daten, aus Fakten suchen und Methoden grundsätzlich hinterfragen. Nerds ihres Sports. Sabermetrics nennt sich diese Bewegung, ein Kunstwort aus SABR (einer entsprechenden Vereinung von Analysten, egal ob Hobby oder beruflich) und Metric den englischen „Maße“.

So etwas fehlt im Sportjournalismus der sich mit Fußball beschäftigt nahezu vollständig. Da ist immer noch die Kickernote ernsthafte Basis für eine Diskussion.

Klar, es gibt Menschen, die können mit diesen Dingen etwas anfangen und zum Glück haben wir auch beim FCSP einige Menschen, die verstehen, was Expected Goals so grob sind (Küsschen an Tim vom Millernton), aber im „klassischen“ Journalismus wird das vielleicht mal als „Laptop Trainer“ belächelt oder ein Artikel drüber geschrieben und dann wieder vergessen. Vereine nutzen solche Sachen definitiv schon, siehe die Vorliebe für „Laptop Trainer“, aber in der öffentlichen Analyse des Fußballs spielt das Ganze nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ganz anders in den USA und beim Baseball, wo sich das Verhältnis eher umgekehrt hat. In Deutschland malen wir dann Pfeile auf Bildschirme und fühlen uns, als wären wir Kapitän*innen eines Raumschiffs.

„Moneyball“ ist das Stichwort. Ein Buch aus dem auch ein Film mit Brad Pitt gemacht wurde. Geschrieben vor gut 18 Jahren. Dieses „aha Erlebnis“ fehlt dem Fußball(journalismus) noch. Und es fehlt insbesondere „kleineren“ Vereinen. Moneyball beschreibt die Erfolgsgeschichte der Oakland A’s, einem Team ohne viel Geld und Marktmacht, „The MVP Machine“ beleuchtet den Erfolg der Astros auch einem eher mittleren Team, wenn es um Geld und Markt geht. Wobei wir im amerikanischen Sport natürlich noch mal über ganz andere Summen reden, als im Fußball.

Sowieso ist der amerikanische Journalismus in Sachen Sport so anders im Vergleich zum deutschen Journalismus. Dieses ständige „wir suchen die Sensation und überreagieren auf alles und bewerten immer das Ergebnis, nie den Prozess“ gibt es in den USA natürlich auch, aber da hat es seine ganz eigene Nische und ist nicht Mainstream. Diese nennt sich dann „Sportstalk Radio“ (Radiostationen, die den ganzen Tag über ihre regionalen Teams reden) und da ist der Hot Take des Hot Take noch nicht ausgestorben. Ja da wird auch in Boston seit 10 Jahren vertreten, dass Tom Brady endlich gefeuert gehört, weil er doch zu alt wird.

Die Grundlage des Buches

Das Buch heißt im Untertitel „How Baseball’s New Nonconformists Are Using Data to Build Better Players” und genau hier beginnen die Parallelen zum Fußball.

Nehmen wir mal Schnecke Kalla (<3) als Beispiel. Die meisten Menschen würden sagen, dass es sich um einen guten Ergänzungsspieler handelt. Kannst du bedenkenlos für ein zwei Spiele auf nahezu jede Position stellen. Wird da nicht glänzen, wird aber auch wahrscheinlich solide seinen Stiefel spielen. Meint ihr, dass man den noch zu einem Superstar bekäme? Wahrscheinlich nicht. Wir auch nicht. Aber doch passiert genau das im Baseball. Justin Turner war bis 2014 und seinem Lebensalter 30 ein ganz netter Ergänzungsspieler, sozusagen ein Kalla des Baseballs. Danach begann er mit einem Trainer außerhalb des Establishment zu arbeiten und wurde ein Superstar seines Sports.

Back in my days

Baseball gleicht in seiner konservativen „back in my days“-Art sehr dem Fußball. Trainer sind Ex-Spieler, vieles passiert nach dem Prinzip „das haben wir immer schon so gemacht“. Sei es in Trainingsinhalten, sei es in Menschenführung. Der erste Bruch in diesem Denken passierte nach „Moneyball“. Es war wie im Fußball ein ungeschriebenes Gesetz, dass Manager/Sportliche Leiter (nur Männer, bis heute), wie man die auch immer nennt, ehemalige Spieler waren. Warum eigentlich? Warum soll ich als Ex-Spieler der einzige sein, der eine Kompetenz hat einen Verein sportlich zu leiten? Und die diversen Angestellt*innen in diesem Verein sinnvoll zu leiten? Ob der nahezu reinen Männerwelt, die solche Front Office heute noch sind, tut man sich selbst da mit dem Gendern schwer.

Diese Frage stellte niemand. Und wenn man sie stellt, dann heißt es (und hieß es im Baseball wahrscheinlich auch), dass man doch das Geschäft kennen müsse und Kontakte haben müsse. 18 Jahre hat es im Baseball gedauert, diese Annahme zu beseitigen. Als Manager/Sportliche Leiter beschäftigt man nun nur noch in Ausnahmen Ex-Spieler, sondern man sucht sich Menschen, die als „Manager“ im Sinne der Industrie gut sind. Zu nahezu 99 % Menschen mit Management Abschlüssen an irgendwelchen US Elite Unis. (Dass dies dann den Rassismus in der Auswahl von Studenten an diesen Unis fortführt, ist ein Thema, was hier den Rahmen sprengen würde, aber auf das man hinweisen sollte. Diversität ist ein Thema im US Sport, aber ist bei weitem nicht erreicht. Und wie schon oben geschrieben: Frauen gibt es sehr sehr wenige in irgendwelchen Positionen. Und bis heute konnte niemand belegen, dass diese schlechtere Managerinnen als Männer wären, eher andersrum. Ganz zu schweigen über die Wichtigkeit von Diversität, gerade in Führungsgremien.)

Gleichzeitig ist Voraussetzung, mit Daten umgehen zu können und diese interpretieren zu können. Riesige Analyse- und Untersuchungsabteilungen füttern die „Front Offices“ mit allem was die wissen wollen. Inklusive der Rotationsrate wenn ein Ball geworfen wird und welchen Effekt diese Rotation hat.

Teams nutzen dann Trainer und Co-Trainer um Managersprache und Analystensprache in Spielersprache zu übersetzen. Und setzen damit auch den Trainerjob ganz anderen Herausforderungen aus. Nicht mehr der große Zampano, der alles entscheidet und einen Spieler bekommt, weil er sein Wunschspieler ist. Alleine schon, weil das „Front Office“ innerhalb von fünf Knopfdrücken auf einen Computer sagen kann, dass dieser Spieler objektiv nicht passt. Vielmehr der Moderator, der Übersetzer und – Achtung Klischee – Motivator. Diese Machtverschiebung hat viele Trainerkarrieren beendet und auch ermöglicht. Dies kommt auch im Fußball.

Auch Fußball nutzt Daten im großen Stil

Nebenbei: Ganz still und heimlich hat diese ganze Revolution auch im Fußball begonnen. Deswegen flankt niemand mehr von der Grundlinie, was in den 90er Jahren noch als „hinter die Viererkette an die Grundlinie kommen“ als vermeintlich gute Taktik dargestellt wurde. Problem dabei ist einfach, dass die Flanke viel zu selten zu Torabschlüssen und Toren führt. Das ist wie mit den Ecken. „Standardsituationen sind so wichtig im modernen Fußball“ kennt jeder noch als Satz. Das genaue Gegenteil ist im Endeffekt der Fall. Wenn jede 50ste Ecke* zu einem Tor führt, dann schießt man vielleicht jedes 10. bis 15. Spiel nach einer Ecke. Das sind dann immerhin 2 Tore pro Saison. Wow! Kann man sich das einüben eigentlich selbst schenken. Denn eine Steigerung seiner Erfolgsquote um 50 % bringt einem immerhin 3 Tore pro Saison. Dies gilt natürlich alles nur, wenn man nicht mit dem FCSP und seiner notorischen Schwäche nach Eckbällen in einer Liga spielt. Als Trainingsinhalt kann „Ecken üben“ trotzdem Sinn machen, nämlich als Teamuildingmaßnahme. „Wir erarbeiten uns etwas zusammen“ ist das Stichwort.
(*Quelle). In der Premier League führt jede 5. Ecke zu Torabschlüssen, und nur jeder 10. dieser Abschlüsse landet im Tor)

Ein Schritt weiter

Nun geht die Entwicklung einen Schritt weiter. In den Trainingsmethoden. Und auch hier sind es die Menschen ohne eigenen Profispieler-Hintergrund, die auf neue Methoden setzen, alte Annahmen anzweifeln und widerlegen.

So gab es immer die Annahme, dass man Wurftechniken nur bis zu einem gewissen Grad erlernen kann und viele Dinge auch auf Talent und physischer Beschaffenheit des Spielers beruhen. Das Buch zeigt auf, wie man durch den Einsatz von Highspeedkameras und auch Datenmessgeräten (Wearables, wie die so schön neudeutsch heißen) hochauflösend genau sieht, wann welcher Finger den Ball verlässt, welche Kräfte wann wie wirken und wie ich Muskelgruppen optimal einsetze, um Kraft zu erzeugen. Und ich kann mit Spielern dann gezielt Übungen machen, um diese Muskelgruppen in gewünschter Form anzusprechen und auf die Sekunde genau in der richtigen Reihenfolge zu benutzen.

Training wird effektiver, Kleinigkeiten können gezielt verbessert werden und damit in kurzer Zeit Fortschritte erzielt werden.

Klingt doch eigentlich ganz logisch, sollte doch jeder sofort machen, oder? Trifft aber trotzdem auf Widerstand. Alleine schon, weil die Wurfbewegung und die Schlagbewegung beim Baseball hochkomplex ist. Wenn ich daran rumfummel, kann das auch schief gehen. Und diese Angst ist ein sehr großer Hemmschuh. Die Angst vor Neuem. Die Angst „ich hab es so bis in die Liga geschafft, wenn ich jetzt da was ändere, kann es auch schlecht ausgehen“ ist in Teams und Spielern weit verbreitet. Und natürlich der Faktor des „das haben wir schon immer so gemacht“. Wenn da jemand von außen kommt und sagt „ja habt ihr, aber das war falsch“, dann wird das nicht immer nur auf Gegenliebe stoßen.

Und daher hat diese Welle zuerst bei Spielern eingeschlagen, die am Ende ihrer Karriere schienen oder in einer Sackgasse. Der genannte Justin Turner war einer von ihnen. 30 jährige Ergänzungsspieler sind im Baseball genauso wenig gefragt, wie im Fußball. Sie werden von dem 19 bis 22 jährigen Ergänzungsspieler ganz schnell verdrängt.

Spieler mit einem eher durchschnittlichen Talent sind das andere Beispiel. Trevor Bauer war der Pitcher, der als Erster Highspeed Kameras nutze, mit Trainingsdaten rumfummelte und sich so verbessern wollte. Er selber bezeichnet sich als schlechten Athleten, was natürlich eine Untertreibung ist.

Nun stellt euch aber mal eine ähnliche Analyse und Trainingsinhalte im Fußball vor. Schusstechnik verbessern? Viel einfacher. Laufgeschwindigkeit verbessern? Kein Problem! Und gerade diese Laufgeschwindigkeit kann beim Fußball viel ausmachen. Wenn ich in den ersten 10 Metern schneller als mein Gegenspieler bin, dann hab ich in vielen Situationen den Fuß als Erster am Ball.

Und noch ein weiteres Beispiel für dieses Feilen an der Technik – sogar in Deutschland, aber wenig verwunderlich in einer US-Sportart: Dirk Nowitzki hat mit seinem Jugendtrainer Holger Geschwindner jahrelang an seiner Wurftechnik gefeilt und damit eine ganz neue Art des Werfens aus dem Halbfeld etabliert, die sicher auch ihren Beitrag zu seinem riesigen Erfolg geleistet hat. Und da wurde schon vor über 20 Jahren auch vielfach mit Videoanalysen, etc. Und spannenderweise brachte Geschwindner in dem Individualtraining für Nowitzki seine Erfahrung als ehemaliger Profi mit seinem Studium der Mathematik zusammen.

Nehmen wir ein Beispiel:

Wir haben bei uns immer MMD vor Augen, der nach unserer subjektiven Beobachtung pfeilschnell wird, wenn er denn auf Touren ist, aber er braucht halt immer bis er seine Gräten geordnet hat und los gelaufen ist. Die Armhaltung sieht auch nicht gerade optimal aus.

Achtung, das ist subjektiv von der Tribüne, das mag gar nicht stimmen. Nehmt aber nun mal an, dies würde objektiv sein und man könnte mit ihm gezielt herausfinden, welche Gräte da das Problem ist und dies mit Übungen abstellen. Sein Wert für den Verein und sich selbst würde enorm steigen, denn plötzlich hat er diese zusätzliche Geschwindkeit auf den ersten 10 Metern und ist als Erster am Ball.

Oder nehmen wir die schönen Worte „Vororientierung“ und „saubere, schnelle Ballverarbeitung“.

Dieses „ich weiß schon bevor ich den Ball habe, wo alle meine Mit- und Gegenspieler sind und hab einen Plan“ ist einigen Spielern mehr, anderen weniger gegeben. Ein Philip Lahm z.B. war hier unbestrittener König. Und die Fähigkeit dies dann in einen schnellen und am besten noch präzisen Ball umzusetzen macht eine Mannschaft sofort besser.

Auch das ist (nicht nur) Talent, sondern kann erlernt werden. Footbonaut nennt sich das entsprechende Gerät. Der Wikipedia Artikel dazu war bis vor kurzem noch zur Löschung vorgeschlagen, was tief blicken lässt. Z.B. Dortmund und Hoffenheim nutzen so ein Gerät. Beide Vereine haben ihre Stärken im schnellen, direkten Spiel. Man könnte sagen, dass dieses Gerät ihnen wahrscheinlich dabei geholfen hat.

Es ermöglicht nämlich das isolierte einüben einer sehr wichtigen Fähigkeit im Fußball. Gezielt und damit zeitsparend, was Zeit für andere Trainingsinhalte ermöglicht.

Neue Mentalität gefordert

Und da sind wir bei der Frage, was Vereine tun können. „Growth Mentality“ wird in dem Buch als Stichwort genannt. Man könnte das mit einer Mentalität übersetzen, wo man offen für Neues, für Förderndes und Innovatives ist.

Wir zitieren (ungern) einen Artikel der Welt zu dem Footbonauten: „Herr Hopp ist ein totaler Fan von innovativen technologischen Trainingsgeräten.“ (von hier). Die Begeisterung muss in der gesamten Organisation vorherrschen und von oben kommen.

Wenn wir als von Mentalitätswandel beim FCSP sprechen, dann wäre dies ein mögliches und vielleicht gutes Ziel. Dafür müssen dann aber auch alle Ebenen offen sein. Vom Jugendtrainer in der U10 bis zum Präsidenten.

Und – dies sei auch mal gesagt- für so etwas muss auch Geld locker gemacht werden und entsprechendes Personal eingestellt werden. Denn so ein Footbonaut z.B. kostet Geld und muss in den Trainingsalltag integriert werden. Individuelles Training, Training an isolierten Handlungen ist dem Fußball sehr fremd, während es in anderen Sportarten sehr üblich ist. Es benötigt also gut geschulte Trainer und Spieler, welche die Geduld mitbringen, so an sich zu arbeiten.

Das „bei einer Profimannschaft hab ich eher die Aufgabe, die bei Laune zu halten“ ist dann ein Ding der Vergangenheit. Man muss also die entsprechende Mentalität bis in die Spieler und die Cheftrainer bekommen. Und insbesondere in die Jugendlichen. Lernen und sich verbessern wollen hört nie auf. Nicht für einen Finn Ole, nicht für einen Jan-Philip, aber auch nicht für einen Oke. Und Technologie kann dort ein riesiges Hilfsmittel sein.
(Und wir wollen die pädagogische Begleitung zur “Persönlichkeitsformung der Spieler bitte auch weiterhin, selbsterklärend.)

Auch bei Reha Maßnahmen genutzt

Das Buch schildert auch, wie Technologie für Reha Maßnahmen genutzt werden. Belastungen können technologisch objektiv gemessen werden und so kann eine Maßnahme zielgerichteter gestaltet werden, dass weder eine Unter- noch Überbelastung des Spielers erfolgt. Als Beispiel wird Marcus Stroman genannt, der nach einem Kreuzbandriss nach 6 Monaten wieder in Spielen eingesetzt werden konnte.

Lesebeispiel

Die Astros haben einen Ruf entwickelt Spieler besser zu machen und haben teilweise irrsinnige Erfolge aus irgendwelchen Spielern plötzlich Superstars zu machen. Dies geht so weit, dass alle anderen Teams schon misstrauisch sind, wenn die Astros einen „normalen“ Spieler von ihnen haben möchten.

Was machen die Astros mit diesen Spielern? Sie haben Präsentationen vorbereitet, die sie jedem Spieler vorlegen, der zu ihnen kommt, mit Stärken, Schwächen, detaillierter Datenanalyse und Wünsche an den Spieler. Und sie sind da genauer als jedes andere Team. Hier als Lesebeispiel aus dem Buch:

Könnt ihr euch das im Fußball vorstellen? „Hallo Leo, schön das du da bist, wir haben hier mal ein Meeting und das sind nebenbei deine Stärken, deine Schwächen, da arbeitest du bitte so und so dran, das machen wir mit dir und das ist unsere Idee für dich. Alles mit Video und Daten.“ Wie cool wäre das?

Was draus ziehen?

In Zeiten, in denen Neuverpflichtungen immer schwieriger werden, scheint es doch eine interessante Alternative zu sein, seinen Stürmer selber zu entwickeln. Gerade wenn es in der Jugend nicht an rohen Talenten mangelt. Das Buch zeigt Wege auf, wie man dies besser erreichen kann, wie man Spieler auf ein neues Level heben kann. Wie man eben aus einem Kalla einen Lahm macht. Naja, vielleicht nicht ganz.

Das Buch hat auch seine Schwierigkeiten

Das Buch und seine Idee haben auch Schwierigkeiten. Trevor Bauer ist ein Getriebener und kein Sympathieträger. Hinzu kommt, dass er eine Historie von Twitterausfällen (Beispiel) hat, die nicht dafür sprechen, ihn in den Mittelpunkt eines Buches zu stellen. Problem: Man kann die Geschichte des technologiegesteuerten Trainings nicht ohne ihn erzählen, sie wäre unvollständig. Das Buch hilft sich damit diese Punkte auch zu schildern und Bauer nicht als strahlenden Helden dastehen zu lassen.

Noch ein weiteres Problem gibt es. Technologie kann immer und wird immer zu Überwachung genutzt. Growth Mentality heißt auch „wir schmeissen die Schwachen und die Unwilligen raus“ und sie setzt das Denken in Spielern als „Werte“ voraus. Das ganze kann schnell auch in einer Überwachung des Privatlebens führen, wenn man z.B. Geräte einsetzt um Erholung zu messen. „Ach Herr Spieler XY hat nur 5 Stunden geschlafen? Das ist aber nicht gut, dann setzen wir ihn mal auf die Bank.“ Klingt nur so lange super, so lange man Sportlern nicht auch ein Privatleben zuspricht. Und das sollte man.

Und sonst

Insgesamt ist das Buch trotz der abstrakten Thematik gut zu lesen. Das Englisch des Rezenten reichte dafür aus. Baseballkenntnisse sind jedoch von Vorteil. Es hat auch seine unterhaltsamen Momente, alleine schon, weil Ben Lindbergh einen Selbstversuch startet und sich in die Hände dieser Training-Gurus begibt.

Daten

„The MVP Machine“ ist im Basic Books Verlag erschienen, kostet Listenpreis 30 Dollar, ist natürlich nicht in Europa erschienen, hat die ISBN 978-1-5416-9894-9 und ist über einschlägige Onlinebuchhändler erhältlich

Aug 062019
 

Die Rostocker Marathonnacht ist bei mir immer ein fester Termin im Laufkalender, wenn es denn dieses andere Hobby namens „Fußball“ zulässt. Und trotz der gerade stattfindenden Triathlonvorbereitung (Hallo Almere), musste dafür Platz sein, als wir ein Freitagsspiel terminiert bekamen.

Hab ich nebenbei schon erwähnt, dass ich deswegen auch halbwegs glücklich mit der Derbyansetzung bin? 😀 Okay, sie ist und bleibt Mist, aber in mein Einzelschicksal passte sie. (Anmerkung der Lektion: 🤬)

Mit dem Schwesterherz ging es also nach Rostock. Über die Berlin-Autobahn, denn A 1 und Ferien ist nie eine gute Kombination. Über das Kreuz Schwerin hat man letztendlich zwar ein paar Kilometer mehr, aber immerhin rollt es durchgängig.

In Rostock angekommen erstmal die Startnummern abgeholt, was schnell und problemlos ging. Die sortieren ihre Starter*innen immer alphabetisch, so dass Schwester und ich direkt nebeneinander lagen.

Schlendern durch die warme und volle Rostocker Innenstadt, Essen suchen (leckerer Italiener war es letztendlich) und ein Eisessen verkürzten dann die Wartezeit auf das Schiff.

Ihr habt richtig gelesen. Bei der Rostocker Marathonnacht wird man mit dem Schiff zum Halbmarathonstart gefahren, was die anderen angebotenen Strecken sofort unattraktiver macht. Denn was gibt es schöneres als eine kleine Bootsfahrt am späten Nachmittag?

Unattraktiv erscheint mir auch die neue Form der Staffel. Liefen die Teilnehmer*innen früher auf der Marathonstrecke, so müssen sie nun 13 Runden durch die Innenstadt drehen. Das kann keinen Spaß machen. Aber immerhin 28 Staffeln taten sich das letztendlich an.

Nach der Bootsfahrt wartet das Dixie und dann das noch längere Warten auf den Start. Ich hatte mich für einen Triathloneinteiler entschieden, was sich später noch als Herausforderung entpuppte. Aber bei aller Liebe: So richtig traue ich mich nicht in einer Stadt, die flächendeckend mit Hansa Aufklebern gepflastert ist in unseren Vereinsfarben zu laufen. Man muss in der Dämmerung immer nur auf einen Dummkopf treffen und das muss nicht sein.

Die ersten Marathonläufer*innen liefen durch und dann war es auch schon Zeit für uns sich in die Startaufstellung einzureihen.

Mein Ziel war es das ganze als Trainingslauf zu sehen und die 21 KM in einem halbwegs gleichmäßigen Tempo durchzulaufen. Dementsprechend etwas weiter hinten eingeordnet, was das nervöse Rennpferd namens Schwesterherz schon etwas hibbelig machte. Letztendlich war die Einordnung aber gut, wir liefen in einer Gruppe, die grob unser Tempo hatte. Schwester wie üblich etwas schneller, ich etwas langsamer.

Die ersten Kilometer bei der Marathonnacht sind immer etwas unrund. Läuft man doch sofort in den Warnowtunnel und damit bergab, dann direkt wieder bergauf, dann mal ein paar KM flach im ehemaligen IGA Gelände und dann noch mal durch den Warnowtunnel.

Kilometer 1 daher in unter 6 Minuten, dann pendelte ich mich irgendwo zwischen 6:30 und 6:45 für den Kilometer ein. Ich werde nicht mehr jemand, der Kilometer wirklich auf den Punkt gleichmäßig laufen kann. Im IGA Gelände war ob des guten Wetters natürlich noch Krawall und Remmidemmi und Schlagerparty.

Bei einem Klo dann der erste Versuch im Rennen aus einem Triathloneinteiler rein und wieder raus zu kommen. Und wie soll ich sagen? Das kann ich noch verbessern. Ich weiß, warum ich sonst Zweiteiler trage.

Nach dem Warnowtunnel dann das beliebte „runter zur Warnow, weg von der Warnow“ Spiel der Strecke. Am Straßenrand richtig viele anfeuernde Zuschauer*innen und ein wundervoller Sonnenuntergang mit einem wunderschönen Blick auf Rostock. Das macht diesen Lauf so besonders und ist echt jedes Mal ein Erlebnis. Der Veranstalter hat auch noch Lichteffekte an einigen Stellen, was das ganze noch stimmungsvoller macht.

Wenn denn gutes Wetter ist. Wir hatten da auch schon mal einen Gewitterlauf inklusive kleiner Schwimmeinlage.

Ich hab ja eine Brille auf der Nase und dementsprechend auch eine Laufbrille mit Stärke. Ohne seh ich echt nur noch bedingt etwas und so laufe ich auch hier mit meiner Laufbrille. Die aber getönt ist. Sieht immer etwas komisch aus, wenn man so lange wie möglich mit einer Sonnenbrille läuft, obwohl es eigentlich schon ziemlich dunkel ist. Aber muss halt sein.

Die Kilometer wurden nun etwas langsamer, es stand auch mal die 7 als Minutenzahl da. Aber insgesamt lief das alles noch gut und flüssig. Hätte nicht irgendwann die – zum Laufen auch eigentlich nicht passende Mischung – von Eis, Nudeln und Weizenbier beschlossen, dass sie doch nun gerne mal kurz ein Dixie besuchen möchte. Schnell eins finden? Kein Problem! Ist es noch sauber? Jo super! Triathlonanzu danach im Dunklen wieder anziehen, ohne den vollkommen zu verdrehen? Nun ja, das klappte nicht, kostete doch ordentlich Zeit und machte am Ende eine bessere Zeit zunichte.

Was in Rostock auch immer schlecht ist: Einen Endspurt einplanen. Denn kurz hinter Kilometer 20 wartet der Anstieg vom Stadthafen zum Neuen Markt, an dem sich das Ziel befindet. Leider ist davor und danach auch jeweils noch ein Stück an der befahrenen Straße eingeplant, was echt das Lowlight der Strecke ist. Es fällt einem insbesondere auch deswegen auf, weil der Rest der Strecke so ansehnlich ist. Aber nun gut, irgendwie muss man ja von A nach B in 21 Kilometern kommen.

Schwesterherz beschrieb meinen Anstieg später am Auto als „teildynamisch“, was nicht nur unsere Parkplatznachbar*innen zum lachen brachte, sondern nun auch die Überschrift bildet.

Der Anstieg kostete mich auch noch mal eine Minute und dann war die Kraft auch zu Ende. Letztendlich stand eine 2:28:20 Netto in der Ergebnisliste, was verglichen mit der letzten Teilnahme 2017 und der damals gelaufenen 2:42:27 doch eine deutliche Steigerung ist. Und auch damals peilte ich am Ende Almere an. Von der hier schon gelaufenen 2:17 (2016) und 2:09 (2011) bin ich dann doch weit entfernt. Da war ich aber auch noch deutlich jünger. Oder so.

Eine nächtliche Autofahrt später war dann auch dieses Erlebnis wieder zu Ende.

Aug 042019
 

Liebe Lesende, es läuft gerade nicht. Und unser altes Thema war nie weg. Verletzungen. Es gibt Verletzungen, da kann man nicht viel machen. So eine widerfuhr Jackson. Naja man kann da auch mal Foul pfeifen, denn ein Faktor war schon der robuste Einsatz von hinten in Richtung des Standbeins von Jackson. Und irgendwie haben wir “Ball berührt” bisher nicht so verstanden, dass man dem Gegenspieler das Standbein weg ziehen darf, um dann den Ball zu spielen und alles ist gut. 

Was folgte ist regelkonform, aber dran gewöhnen und das richtig finden muss man trotzdem nicht. Fürth spielte schnell weiter, nutzte genau die aufgegebene Position und schoss ein Tor. Kann man machen, man kann dann aber auch die englische Lösung nehmen und den Gegner ausgleichen lassen. Insbesondere wenn man sieht, dass der wirklich übel verletzt ist. Und warum niemand ernsthafte Verletzungen mehr ernst nimmt, zeigte Fürth dann im weiteren Spielverlauf auch mehrfach. Diese Wunderheilungen nach Pfiff durch den Schiedsrichter/ Ball nach außen spielen durch den Gegner sind etwas ganz besonderes. Und halt mehr als Scheiße, wenn niemand deswegen schwere Verletzungen auf den ersten Blick mehr ernst nimmt.

Natürlich kann man das alles “clever” und “abgewichst” finden. Nur dann findet man Cum-Ex Geschäfte wahrscheinlich auch ganz okay. Die Gesetzeslücke existierte halt. (Die ursprüngliche Strafbarkeit ist nämlich nicht so klar, wie Twitter sie gerne darstellt. Ohne euch nun mit Steuerrecht nerven zu wollen.)

Es nervt, dass wir keine Reaktion auf “clever” und “abgewichst” haben. Die meisten Zweitliga Mannschaften können dieses “Arme hoch und hinfallen” und die Schiedsrichter pfeifen nur das. Hast du nicht die Arme hoch und kullerst 5 mal über den Rasen bekommst du keinen Freistoß. So ist das. Leider. Es ist clever das zu wissen. Es wäre auch clever, Fürthern die unseren Rasen als Liegewiese benutzen mal ein zwei drei freundliche Worte zu sagen. Insbesondere weil das Stadion nach der Jackson Aktion on fire war. Das kann man gegen einen Gegner, der nun nicht gerade 29546 Menschen im Stadion gewöhnt ist auch mal ausnutzen. 

Nix gegen die Fürther Fans. Wir hatten das Thema letztes Jahr. Es sind halt ein paar hundert Menschen, die der Spielvereinigung folgen, das aber wahrscheinlich auch zu einem Spiel Mittwoch 12 Uhr in Klein Gladebrügge. Umgestaltete Werbeplakate vom Dritten Weg sind uns trotzdem deutlich lieber als Deutschlandfahnen. 

Awareness

Schön, dass es nun Plakate gibt, die von der Awareness-Gruppe gestaltet und aufgehängt wurden. Unschön, dass wieder von Vorfällen berichtet wurde, die zeigen wie wichtig die sind. Sexisten aufs Maul. 
Und ja, das Wort nutzt nicht jede*r in seinem täglichen Sprachgebrauch. Man kann dann natürlich über den modernen Sprech motzen und den Inhalt völlig ignorieren. Oder man kann sich mit dem Inhalt auseinandersetzen. Dass wir Menschen erster Gattung ziemlich blöd finden, könnt ihr euch denken.

Braune M & Ms

Kennt ihr diese van Halen braune M & Ms Story? Falls nicht, lest sie hier nach. 

Der FCSP ist eindeutig ein Veranstalter, der solche Sachen nicht liest. Da wird ein Tor per VAR DEUTLICHST vom Schiedsrichter zurückgenommen und eine Korrektur der Anzeigentafel erfolgt minutenlang nicht. Als sie erfolgte, stimmte die Anzeige dann leider schon wieder. 

Da kommt es zu einem Unfall in der Gegengerade und zufällig anwesende Menschen mit Erste Hilfe Erfahrung müssen Ordner*innen sagen, was sie zu tun haben. (Hier stand erst „in der Süd“ das war unser Fehler)

Das sind alles Dinge die man proben kann; alles Szenarien, die nicht von Himmel fallen – eher sogar in den erwartbaren Erlebnisrahmen bei einem Fußballspiel fallen.

Und es passt zu einem sportlichen Bereich, der jetzt Kondition als Thema entdeckt, aber vorher beinahe eine Woche später mit dem Training anfängt als die meisten anderen Zweitligisten. Und selbst wenn man davon ausgeht, dass alle Jungs im Urlaub gewissenhaft arbeiten, so ersetzt nichts die Intensität einer Vorbereitung. Gerade wenn man schnell und intensiv spielen will. Und wenn der Trainer u.a. die sportliche Verfassung einzelner bemängelt, dann darf man nicht vergessen, dass der Trainer durchaus über die Trainingsausgestaltung und -terminierung entscheidet.

Und da kommen wir zu den anderen Verletzungen. Den “muskulären Problemen”. Die sind kein Zufall. Die sind Folge falscher Belastung und Entlastung. Und in dieser Häufigkeit zum einen extrem schädlich und ein brauner M&M, der da nicht hätte sein sollen, wenn man alles gelesen hätte. Und bei aller (nichtvorhandenen) Liebe: Für den Trainingsbetrieb und die Belastungssteuerung ist der Trainer zuständig. Der vor genau einer Woche motzte, er habe nicht genug Spieler, die durchspielen können.

Nebenbei suchen wir die angekündigten Umbauten im Eingangsbereich der Süd immer noch, auf der Gegengeradenseite war da nichts und der Einlass ging schnell vonstatten. Im Gegensatz zum Aufgangsbereich Gegengerade. Einzelne berichteten von 30 Minuten Schlangestehen, was besonders toll ist, wenn man zwischen Dom und Einlassschlange auch gar nicht mehr durchkommt. Lieber Verein, mehr Ordner*innen sollten da helfen. Genauso wie es auch ratsam ist, drei Stunden vor Spielbeginn mehr als einen Kartenschalter aufzumachen. Erstaunlicherweise wollen Leute ihre Karten für den Spieltag kaufen oder aufwerten oder auch sowas wie Auswärtsdauerkarten besorgen.

Sportliches

Wie sehr uns der Abwehrchef fehlte, sah man im weiteren Spielverlauf. Auch wenn wir ziemlich glücklich über Hornschuhs Comeback sind. Ohne den sähen wir ganz alt aus. Die Frage, warum Carstens nicht mal im Kader steht, sei aber noch mal besonders laut gefragt. Da ist der Junge letzte Saison nach WhoScored-Werten fünftbester im Kader und steht nun zum zweiten Mal nicht in der Mannschaft, ohne dass uns ein gesundheitlicher Grund bekannt wäre (und steht nebenbei am Sonntag dann auch in der Startelf der U23). Und trotz verletzungsbedingt ausgedünnter Personaldecke auf seinen Positionen.
Unverständlich bleibt auch, dass wir körperlich nicht dagegenhalten. Das zog sich durch die letzte Saison und geht jetzt nahtlos so weiter. Da laufen die Fürther im Spielverlauf mal kollektiv 4.39 km mehr als unsere Spieler, da geht die Zweikampfquote mit 55% zu 45% für Fürth aus, und da werden wir 15mal gefoult, während die Fürther nur 9mal gefoult werden. (Quelle für alle Werte: Kicker). 
Das ist eine Mannschaft, die körperlich nicht mal gegen eine Mannschaft, die nun wirklich nicht im oberen Drittel der Tabelle erwartet wird, dagegenhalten kann. Wie soll das denn erst in den nächsten Ligaspielen gegen Stuttgart, Kiel, Dresden und den H$V aussehen? Zumal uns da jetzt auch noch Jackson fehlen wird, der zwar auch wenig foult, aber körperlich durchaus präsent ist.
Und da geben wir dann auch 17 Schüsse ab, von denen aber nur fünf aufs Tor gehen. Letzte Saison waren es nebenbei im Schnitt 12.1 Schüsse, von denen 4.5 aufs Tor gingen.
Und hatten wir in Bielefeld wirklich keine richtigen Ideen den Spielaufbau betreffend, die über “langer Ball von Himmelmann” hinausgingen (41 lange Abschläge von ihm – mehr als in jedem anderen Spiel letzte Saison, wo der Durchschnitt bei 22.2 lag, von denen 8.2 gut beim eigenen Spieler ankamen), so waren es gegen Fürth nur noch 23 Abschläge mit einer besseren Ankommquote von von insgesamt 12 Pässen. Auch wenn es in den letzten Minuten auch hier wieder vermehrt auf die Abschlagtaktik gesetzt wurde.
Zur ganzen Geschichte gehört auch, dass Knoll, Buballa, Himmelmann, Knoll und Möller-Daehli eine deutlich schlechtere individuelle Leistung zeigen als gegen Bielefeld, lediglich Diamantakos steigert sich, während Hornschuh quasi konstant bleibt.

(Quelle: www.whoscored.com)

Es ist aber auch nicht alles schlecht

Wir haben genug Chancen. Wir können hier locker 3-3 spielen. Es sieht teilweise echt nach Fußball aus. Das ist gut. 

Die ganzen Support Gruppen hatten eine fette Chaos Choreo vorbereitet. Und die sah einfach gut aus. Danke für eure Mühe und euer Gewusel. 

Es ist/ war Pride Week und der Regenbogen mächtig präsent auf Rängen und Platz. Inklusive Warm Up Shirt für die Mannschaft. Toll. 

Der Supportblock und USP haben in Kombi noch einen wirklich guten Abendausklang hinter dem Fanräume-Tresen hingelegt.

Jacksons Faust beim rausgetragen werden ist schon jetzt ein Bild, das sich zu dieser Saison einbrennen wird. Auch wenn wir auf den Anlass wirklich verzichten können. Gestern bestätigte sich die Vermutung, die wir schon nach dem Spiel hatten, was einen monatelangen Ausfall zur Folge haben wird. Gute Besserung, Jackson, YNWA!