Mai 202019
 

 

Unregelmäßig veröffentlicht dieses Blog auch die sportlichen Abenteuer seines Gründers. Nun ist wieder ein Moment.

 

Heute gibt es steile Thesen zum Rennsteiglauf 2019:

 

 

1. Das schönste Ziel der Welt liegt in Schmiedefeld

Okay, das ist keine steile These, das ist Fakt. Keine andere Veranstaltung bekommt es hin aus einem staubigen Sportplatz und ein paar Wiesen ein so liebevollen Ort zu basteln. Die Musikbeschallung ist gewöhnungsbedürftig und Schlagerlastig, aber die Sprecher sind herzlich und begrüßen JEDEN mit einer Freundlichkeit und Liebe, die ihresgleichen sucht. Egal ob du 17 KM von Oberhof gewandert bist oder 73 KM von Eisenach gelaufen bist.

 

2. Je oller, je doller

 

„Letzter Jahr war doof, da bin ich mit gebrochener Rippe gelaufen, aber dieses Jahr gewinne ich meine Altersklasse.“ „Ja weil du keine Konkurrenz hast.“ „Darf man fragen, wie alt Sie sind?“ „86 Jahre!“ Der dann folgende offene Mund wurde mit einem „einfach dranbleiben“ kommentiert. 

 Schwestermedaille

Sowieso rennen da unfassbar viele Menschen mit, die ihre 30., ihre 40. oder eben auch ihre 47. Teilnahme per Shirt oder Schild kundtun. Wohlgemerkt: Es war die 47. Ausgabe dieses Laufes. Beim ersten Mal starteten 4 Teilnehmer. Einer davon hat das Rennen noch nicht verpasst. Stark. Die ersten Rennsteigläufe waren nebenbei keine Wettkämpfe. Man lief gemeinsam bis zum Ziel. Wahrscheinlich auch daher kommt das Gefühl dieser Veranstaltung.

 

3. Thüringer sind nach Bratwürsten süchtig

 

Schilder verkünden an der Straße, dass an dem örtlichen Imbiss ab 11 Uhr der Rost brennt und das meinen die nicht als freundliche Empfehlung. Das ist eine passiv-aggressive Aufforderung sich seine Thüringer zu holen. Hier gibt es mehr Bratwurststände, als Einwohner. „Haben die das nicht irgendwann über, diese Wurst?“ „Meine These ist ja, dass die das schon gleich als Muttermilchersatz bekommen und dadurch danach süchtig sind.“

 

Ob die schmecken, führte noch zu einem kurzen fränkisch/thüringischen Konflikt, die Hamburger waren geteilter Meinung.

 

4. Das wird jedes Jahr steiler

Für uns Hamburger ist das ja schon grundsätzlich nicht so wirklich was, dieser Thüringer Wald. Das geht viel zu häufig (also ständig) bergauf. Und ab und zumal vielleicht 4 Meter bergab. Gefühlt. Schmiedefeld ist mit der tiefste Ort des Rennsteigs, so dass dies objektiv nicht stimmen kann, aber wer glaub schon an objektive Daten?

 

Das Gefühl sagt einem, dass die auch jedes Jahr die Hügel aufschütten. 7 Minuten mehr als letztes Jahr brauchte ich so, was aber auch ganz vielleicht mit etwas wenig Lauftraining dieses Jahr vs. voll im Saft letztes Jahr zu erklären ist. Aber eigentlich sind die Hügel schuld. 

 

5. Leider gibt es überall Idioten

An diesem Lauf nehmen deutlich über 15.000 Menschen teil und ein großer Teil dieser Menschen muss sich die Oberhof – Schmiedefeld Strecke teilen, die nicht immer Straßenbreite hat. 99 % der Teilnehmer wissen und beachten dies, laufen an den entsprechenden Stellen vorsichtig und überholen nur dann, wenn es wirklich geht. Und dann gibt es die Schwachköpfe, die Leute anrempeln und dann noch was von „Dann geh doch zur Seite, wenn du langsam bist“ faseln. Oder die unbedingt „Muschis“ (gemeint sind Frauen) überholen müssen. Was für Arschlöcher. Die so gar nicht zu dem „Ankommen ist alles“ Gefühl dieser Veranstaltung passen.

 

Besser passt da schon die Wanderin, die mit einem Müllsack wandert und jeden Schnipsel, den sie findet aufhebt und in ihre Tüte wirft.

 

Sowieso sind die Wanderer die heimlichen Helden dieses Laufes. Von ganz jung bis ganz alt und eben ohne auf Schnelligkeit zu achten, wandern sie ins Ziel. Das passt zu dieser Veranstaltung, die in ihrer Grundidee wie eben geschildert kein Wettkampf war. Schade, dass der Veranstalter genau für diese Gruppe nicht genügend Finishermedaillen am Ziel bereit hielt. Großes Minus. (Nachtrag: Fairerweise sei angemerkt, dass Nachlieferung versprochen ist und es zum ersten Mal eine Wandermedaille gab.)

 

6. Bier und Suppe sind eine gute Zielverpflegung

Im Ziel gibt es Köstrizer Schwarzbier und Brühe. Was will man mehr?

 

7. Wir hatten beinah alle Strecken besetzt

 

Meine Bezugsgruppe ist gewandert, ist gehalbmarathont, ist gemarathont. Uns fehlt eigentlich nur noch der Supermarathoni. Aber vielleicht macht das ja das Schwesterherz irgendwann mal?

Brudermedaille

 

8. Das Rennsteiglied ist auch nicht schlimmer als Stadionhymnen

 

Und daher nun alle: 

 

„Diesen Weg auf den Höh’n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder. 
Bin ich weit in der Welt, habe ich Verlangen, Thüringer Wald nur nach dir.“ 

 

9. Man kommt wieder

 

Um 40 Teilnahmen am Rennsteiglauf zu verwirklichen, müsste ich a. mindestens 85 werden, b. dann noch leben und laufen c. der Lauf noch existieren. Aber die dritte Teilnahme ist schon mal fest gebucht.